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Full text of "Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur"

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TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVATER-COMMIS8ION 

DER  ZGL.  PREÜSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  HAMACK  und  CARL  SCHMIDT 

DRITTE  REIHE  —  ERSTER  BAND 

DER  GANZEN  REIHE  XXXI.  BAND 


LEIPZIG 
J.  C.  HINRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 
1907 


Digitized  by  the  Internet  Archive 

in  2011  with  funding  from 

University  of  Toronto 


http://www.archive.org/details/texteunduntersuc31akad 


INHALT  DES  1.  BANDES  DER  DRITTEN  REIHE 

(DER  GANZEN  REIHE  XXXI.  BAND) 


Irenäus,  des  heiligen,  Schrift  zum  Erweise  der  apostolischen  Ver- 
kündigung. Eiq  inlösi&v  xov  anooiokixov  xrjQiyfjiaToq.  In 
armenischer  Version  entdeckt,  hsrg.  und  ins  Deutsche  über- 
setzt von  Licc.  Dr.  Karapet  Ter-Mekerttschian  und  Erwand 
Ter-Minassiantz.  Mit  einem  Nachwort  und  Anmerkungen  von 
Ad.  Harnack.       VIII,  69  u.  08  S.  1907. 

Bonwetsch,  G.  Nathanael,  Die  unter  Hippolyts  Namen  überlieferte 
Schrift  über  den  Glauben.  Nach  einer  Übersetzung  der  in 
einer  Schatberder  Handschrift  vorliegenden  georgischen  Ver- 
sion.   36  S. 

Koch,  Hugo,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius.  Ein  Beitrag  zur 
Literaturgeschichte  des  Semipelagianismus.    22  S. 

—  Virgines  Christi.  Die  Gelübde  der  gottgeweihten  Jungfrauen 
in  deu  ersten  drei  Jahrhunderten.     54  S.     1907. 

Schermann,  Theodor,  Propheten-  und  Apostellegenden.  Nebst  Jün- 
gerkatalogen des  Dorotheus  und  verwandter  Texte.  VII,  368  S. 
1907. 

Schalkhausser,  Georg,  Zu  den  Schriften  des  Makarios  von 
nesia.     V,  218  S.     1907. 


Heft  1 


Heft  2 


Heft  3 


Heft  4 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREÜSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  HAMACK  und  CAEL  SCHMIDT 

DRITTE  REIHE  —  ERSTER  BAND  1.  HEFT 

DER  GANZEN  REIHE  XXXI,  1 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'scbe  BUCHHANDLUNG 
19i>7 


Verlag  der  J.  C.  HlNRICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 

DIE  GRIECHISCHEN  CHR1STL.  SCHRIFTSTELLER 

(Fortsetzung  von  der  zweiten  Umschlagseite.) 

Origenes.  Schrift  vom  Martyrium  (exhortatio).  —  Die  acht  Bücher  gegen  Celsus. 
—  Die  Schrift  vom  Gebet  (de  oratione).  Herausg.  von  P.  Koetschatj. 
Mit  Einleitung  und  dreifachem  Register.  (29%  und  343/s  Bogen).  [Origenes 
Band  I/LI]    1899,  M.  28  — 

—  Jeremiahomilien.  —  Klageliederkommentar.  —  Erklärung  der  Samuel-  um] 
Königsbücher.  Hrsg.  v.  E.  Klostermann.  Mit  Einleitg.  u.  dreif.  Eeg.  (25  XU 
Bogen).      [Origenes  Band  LLI]     1901.  M.  12.50 

—  Der  Johanneskommentar.  Hrsg.  v.  E.  Preuschen.  Mit  Einleitg.  u.  vierf.  Reg. 
(48V2  Bogen).     [Origenes  Band  IV]     1903.  M.  24.50 

Gebunden  in  geschmackvolle  Ealbfranxbände  je  M.  2.50  mehr. 
*Vorläufig  nur  in  Interimskartonage  je  50  Pf. 

Nicht  nur  die  "Werke  der  Väter  im  kirchlichen  Sinne  des  Wortes,  sondern 
alle  in  griechischer  Sprache  geschriebenen  Urkunden  des  ältesten  Christen- 
tunis (einschließlich  der  gnostischen,  der  zuverlässigen  Märtyreracten  usw.)  sollen 
in  kritischen,  nach  einem  einheitlichen  Plane  gearbeiteten  Ausgaben  vorgelegt 
werden.  Wo  die  Originale  nicht  mehr  vorhanden  sind,  treten  die  alten  Über- 
setzungen ein.  Die  Ausgaben  erhalten  außer  einem  vollständigen  Apparat 
historisch  orientierende  Einleitungen  und  Register  und  sie  sollen  sowohl  in 
philologischer  als  in  historisch-theologischer  Hinsicht  den  Anforderungen  ent- 
sprechen, die  heute  mit  Recht  an   solche  Veröffentlichungen   gestellt   werden. 

Die  neue  Ausgabe  der  griechischen  christlichen  Schriftsteller  —  zu- 
nächst der  ersten  drei  Jahrhundertc  —  ist  daher  berufen  den  verschiedensten 
Forschungen  zu  dienen.  Wer  eine  Antwort  auf  die  Frage  sucht,  wie  die  Funda- 
mente unserer  Kultur  in  der  Verbindung  von  Christentum  und  Antike  gelegt 
worden  sind,  wer  die  Entstehung  der  katholischen  Reichskirche  ermitteln  will, 
wer  die  Ursprünge  der  Verfassungsformen,  die  das  mittelalterliche  Europa  be- 
herrscht haben,  studiert,  sieht  sich  auf  die  patristische  Literatur  gewiesen, 
und  diese  Literatur  ist  auch  der  Mutterschoß  der  Literaturen  aller  romanischen 
und  germanischen  Völker  gewesen. 

Im  Druck  befinden  sich: 

Eusebius.  Kirehengeschichte  bearb.  von  Ed.  Schwartz,  Göttingen.  2.  Hälfte  mit 
Rufina  Lateinischer  Übersetzg.  bearb.  v.  Theodor  Mömmsen  (f). 

Die  Esra- Apokalypse    IV.  Esra)  bearbeitet  von  B.  Violet  in  Berlin. 

Der  Umfang  dieser  monumentalen  Ausgabe  Läßt  sieh  im  Voraus  nur  autuihernd 
berechnen.  Ins  Auge  gefaßt  sind  etwa  50  (einzeln  käufliehe)  Bände. 

Jähr/ich  noch  nicht  20  Mark  hat  die  Anschaffung  der  ganzen  Reihe  bisher  durch. 
schniülieh  beansprucht,  ein  Betrag,  der  gewiss  auch  Jeder  kleinen  Bibliothek  die  Subscrip- 

tion  möglich  macht,  um  sity  die  vollständige  so  wertvolle  Sammlung  zu  siehern. 

Leipzig,  Dezember  1906. 

3-  C.  gtnncfVfcrk  $uc00an*fun$. 


DES  HEILIGEN  IRENÄÜS 

SCHRIFT  ZUM  ERWEISE 

DER  APOSTOLISCHEN  VERKÜNDIGUNG 

EIZ  EniJElSlN 
TOT  AnOZTOAIKOT  KHPTTMATOS 


IN  ARMENISCHER  VERSION  ENTDECKT 

HERAUSGEGEBEN    UND    INS   DEUTSCHE    ÜBERSETZT 

VON 

Lic.   Dr.   KARAPET  TER-MEKERTTSCHIAN 

UND 

Lic.  Dr.  ERWAND  TER-MINASSIANTZ 

MIT  EINEM  NACHWORT  UND  ANMERKUNGEN 

VON 

ADOLF  HARNACK 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 

1907 


OCT    U    '9*7 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 
ZUR  GESCHICHTE  DER  ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER -COMMISSION 

DER  KGL.  PREUSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN   SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN    VON 

ADOLF    HARNACK    und    CARL   SCHMIDT 
31.  BAND   HEFT  1 


Druck  von  G.  Kreysing  in  Leipzig. 


Vorwort. 


Im  Dezember  1904  durchblätterte  ich  die  Handschriften, 
die  in  der  Gottesmutterkirche  der  Stadt  Eriwan  aufbewahrt 
sind,  und  wurde  in  einer  derselben  durch  die  Entdeckung  um- 
fangreicher Bücher  unter  dem  Namen  des  Irenäus  überrascht. 
Das  erste  dieser  Bücher,  denen  ein  Kapitelverzeichnis  voran- 
geht, führt  den  Titel:  „des  Irenäus  Erweis  der  apostolischen 
Verkündigung".  Darum  dachte  ich  zuerst,  dass  das  Ganze  die 
armenische  Übersetzung  der  in  Euseb.  h.  e.  V  26  erwähnten,  an 
Marcianus  gerichteten  Schrift  etg  iniösi^iv  rov  anoaroXixov  xrr 
Qvyfuxtog  sei.  Doch  überzeugte  mich  ein  genaueres  Nachsehen, 
dass  hier  an  erster  Stelle  die  beiden  letzten  Bücher  des  grossen 
ketzerbestreitenden  Werkes  des  Irenäus  vorlagen,  welche  auch 
richtig  mit  einer  Unterschrift:  „Des  Irenäus  5  Bücher  der  Ent- 
larvung und  Widerlegung  der  fälschlich  sogenannten  Gnosis" 
endeten.  Erst  danach  folgte  unter  der  wiederholten  Aufschrift: 
„Erweis  der  apostolischen  Verkündigung",  die  bisher  für  ver- 
loren gehaltene  Schrift  desselben  Verfassers.  Meine  Amts- 
pflichten aber  verbinderten  mich  die  Herausgabe  und  die  Über- 
setzung dieser  Schrift  sofort  in  Angriff  zu  nehmen ,  und  so 
verfloss  ein  ganzes  Jahr  darüber,  bis  es  mir  möglich  wurde,  mit 
Erw.  Ter- Minassi antz  zusammen  die  Arbeit  durchzuführen 
und  das  altehrwürdige  Schriftstück  im  armenischen  Text  und 
in   deutscher  Übersetzung   dem  gelehrten  Publikum  vorzulegen. 


IV  Apostolische  Verkündigung. 

Die  Handschrift,  aus  der  es  genommen  ist,  wurde  —  wie  die, 
unserer  Ausgabe  beigefügte,  und  andere  ihr  ähnliche  Notizen 
in  dem  Buch  zeigen  —  auf  Befehl  des  in  der  armenischen 
Literatur  wohlbekannten  Erzbischofs  Johannes  hergestellt,  der 
in  der  2.  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  wirkte  und  als  ein  ge- 
lehrter Mann  Rabbun,  als  der  jüngste  Bruder  des  Königs  Hetum 
von  Cilicien  (1226 — 1270)  Königsbruder  genannt  wird.  Er 
muss  ein  grosser  Bücherfreund  gewesen  sein  und  eine  sehr  reiche 
Bibliothek  besessen  haben,  da  eine  Anzahl  wertvoller  Hand- 
schriften (unter  ihnen  der  älteste  bisher  bekannt  gewordene, 
jetzt  in  der  Etschmiadsiner  Bibliothek  befindliche  vollständige 
Kodex  der  armenischen  Bibel  aus  d.  Jahre  1270)  bis  auf  uns 
gekommen  ist,  die  ihn  entweder  als  den  Besteller,  oder  als  den 
Abschreiber  bezeichnen.  Er  ist  im  Jahre  1259  zum  Bischof  ge- 
weiht worden  und  im  Jahre  1289  gestorben.  Da  er  nur  in  den- 
jenigen Handschriften  Erzbischof  genannt  wird,  welche  ein 
jüogeres  Datum  tragen,  so  ist  auch  wohl  unsere  Handschrift 
zwischen  den  Jahren  1270 — 1289  geschrieben  worden.  Ausser 
den  Irenäus-Schriften,  die  etwa  zwei  Drittel  des  ganzen  Buches 
einnehmen,  enthält  sie  einige  z.  T.  unedierte  Abhandlungen  ver- 
schiedenartigen Inhalts,  welche  in  historisch-kritischer  Beziehung 
nicht  wertlos  sind. 

In  welcher  Zeit  diese  Irenäus-Schriften  ins  Armenische  über- 
setzt wurden,  ist  nicht  sicher  festzustellen.  Wir  finden  jedenfalls 
sowohl  den  „Erweis",  als  auch  das  4.  Buch  des  „Ad versus  haer." 
in  einer  Abhandlung  zitiert,  welche,  aus  einer  Handschrift  des 
10.  Jahrhunderts  genommen,  in  dem  März-April-Heft  1902  der 
armenischen  Zeitschrift  „Ararat"  herausgegeben  worden  ist.  Der 
Verfasser  dieser  Abhandlung  ist  nach  dem  Titel  ein  gewisser 
Stephanus  Philosophus,  der  nach  der  Meinung  des  Herausgebers 
(G.  Ter-Mekerttschian)  kein  anderer  als  der  bekannte  Schrift- 
steller des  8.  Jahrhunderts,  Stephanus  Siuniensis  ist.  Von  diesem 
erzählt  der  gleichnamige  Geschichtsschreiber  des  14.  Jahrhunderts, 
dass  er  in  Rom  und  Konstantinopel  studiert,  Griechisch  und 
Lateinisch  gelernt,  die  Bücher  des  Areopagiten  und  des  Gregors 


Vorwort  der  Herausgeber.  V 

von  Nyssa  übersetzt  und  sich  auch  als  Verfasser  selbständiger 
Werke  hervorgetan  hat ;  man  könnte  demnach  geneigt  sein,  ihn 
selbst  für  den  Übersetzer  der  Irenäus-Schriften  zu  halten.  Doch 
ist  zu  beachten,  dass  zwei  von  diesem  Stephanus  gebrauchte 
Zitate  in  einem  dogmatischen  Schreiben  sich  befinden,  welches 
,,dem  seligen  Wardapet  Sahak ,  dem  Katholikos  der  Armenier 
und  grossen  Übersetzer"  zugeschrieben  wird  (Buch  der  Briefe. 
Tiflis  1901.  S.  413—482).  Beruht  der  Titel  auf  keinem  Miss- 
verständnis ,  und  ist  der  Verfasser  wirklich  ein  armenischer 
Patriarch,  so  kann  man  nur  an  Sahak  III  denken  (von  678  bis 
gegen  Ende  des  Jahrhunderts  vgl.  Ter-Minassiantz,  Armenische 
Kirche  S.  136  f.) ;  dann  müssten  also  die  Werke  des  Irenäus  schon 
vor  Stephanus  Siuniensis  in  armenischer  Übersetzung  vorhanden 
gewesen  sein. 

Auch  der  Umstand,  dass  die  diesen  Schriften  entnommenen 
Zitate  dazu  dienen,  die  Unverweslichkeit  des  Leibes  Christi  zu 
beweisen,  macht  es  wahrscheinlich,  dass  sie  eben  in  der  Zeit  über- 
setzt wurden ,  in  der  diese  Frage  in  Armenien  am  lebhaftesten 
behandelt  wurde,  d.  h.  in  der  Mitte  des  7.  bis  Anfang  des  8.  Jahr- 
hunderts. Die  älteste  Erwähnung  des  Irenäus  in  der  armenischen 
Literatur  als  eines  Zeugen  für  die  wahre  Glaubenslehre  ist,  so- 
viel wir  wissen,  die  in  einem  um  die  Mitte  des  7.  Jahrhunderts 
an  den  Kaiser  Konstanz  (641 — 668)  gerichteten  und  in  der  Ge- 
schichte des  Sebeos  aufbewahrten  Schreiben  befindliche  bekannte 
Notiz  (vgl.  RE.3  Bd.  9.  S.  406  Zahn's  Art.  „Irenäus"),  wo  es  nach 
der  Aufzählung  einiger  Apostelschüler  und  apostolischer  Väter 
also  heisst:  „Und  Erenios  aus  Gallien,  der  Schüler  des  Poly- 
karpus  in  der  Kirche  zu  Laodicäa".  (Sebeos.  Petersburg  1879.  S.  126.) 

Schwieriger  ist  es  zu  bestimmen,  aus  welcher  Sprache  die 
Schriften  des  Irenäus  übersetzt  worden  sind.  Wir  bemerken  zu- 
nächst, dass  die  beiden  letzten  Bücher  des  „Adversus  haer."  aller 
Wahrscheinlichkeit  nach  von  demselben  Übersetzer  herrühren, 
wie  der  „Erweis'1;  denn  sie  stimmen  nicht  nur  in  der  Sprache 
und  Ausdrucksweise  ganz  genau  zusammen,  sondern  haben  gleich 
am  Anfang,  wrohl  nicht  zufällig,  eine  gemeinsame  Überschrift: 


.TB 


VI  Apostolische  Verkündigung. 

„Erweis  der  apostolischen  Verkündigung".  Es  scheint  uns,  dass 
der  Übersetzer  entweder  selber  diese  drei  Bücher  als  eine  Ein- 
heit zusammengefasst,  oder  auch  in  solcher  Einheit  vorgefunden 
hat.  Sind  aber  nicht  alle  fünf  Bücher  des  „Adversus  haer." 
ins  Armenische  übersetzt  worden  ?  Daschian  erwähnt  in  seinem 
Handschriftenkatalog  (Wien,  1895,  S.  680),  dass  Stephanus 
Roszka  aus  Polen  (1670 — 1739)  in  seiner  Chronologie  berichte, 
die  Armenier  hätten  die  fünf  Bücher  des  Irenäus  gegen  die 
Häresien  „sehr  ausdrucksvoll  in  die  armenische  Sprache  über- 
setzt". Daschian  fügt  noch  hinzu,  Stephanus  hätte  das  voll- 
ständige Exemplar  jener  Bücher,  „das  jetzt  leider  verloren  zu 
sein  scheint",  in  seinem  Wörterbuch  öfters  zitiert.  Eine  genauere 
Untersuchung  dieses  Wörterbuchs,  dessen  zwei  Abschriften  nach 
Daschians  Angabe  noch  vorhanden  sind  (eine  in  der  Bibliothek 
der  Antonianer  in  Konstantinopel,  die  andere  in  der  Bibliothek 
der  Mechitharisten  zu  Venedig),  würde  vielleicht  zeigen,  dass 
auch  dieser  Stephanus  nur  die  uns  vorliegenden  Bücher  gekannt 
hat.  Wir  hoffen  auf  diese  und  ähnliche  Fragen  bei  der  Gesamt- 
ausgabe aller  armenisch  erhaltenen  Überreste  der  Irenäus-Schriften 
ausführlicher  zurückzukommen.  Vorläufig  nur  noch  einige  Be- 
merkungen über  das  Original  der  armenischen  Übersetzung. 

Im  Buch  IV  7  i  des  „Adversus  haer."  (p.  47rect0  der,  Hand- 
schrift) führt  Irenäus  ein  Zitat  aus  dem  Magnificat  an,  das  er  der 
Elisabeth  zuschreibt  (vgl.  ZfntW.  1906  S.  191  f.).  Der  Name 
ist  im  armenischen  Text  „Elisabeth"  geschrieben,  was  auf  einen 
syrischen  Ursprung  hinweist.  Ebenso  auch  die  im  „Erweis" 
zitierte  Zachariasstelle  (cap.  9  y  vgl.  p.  250verso  d.  Handschrift, 
S.  37  unserer  Übersetzung),  welche  eine  wörtliche  Übersetzung 
des  syrischen  bezw.  des  hebräischen  Textes  darbietet:  „Auf 
einem  Füllen,  dem  Jungen  einer  Eselin"  =  JjL/  ;z>. 
Weiter  an  zwei  Stellen  des  Vierten  Buches  (vgl.  p.  73v  und 
80r  der  Handschrift)  wird  der  Prophet  Maleachi  zitiert,  aber 
sein  Name  wird  in  der  Übersetzung  mit  „Engel"  oder  „Bote" 
wiedergegeben.  „Wovon  in  dem  Zwölfprophetenbuch  der 
Engel   also    vorhergesagt   hat",   und  „Schön   aber  auch  unter 


Vorwort  der  Herausgeber.  VII 

den  Propheten  sagt  der  Engel".  Ob  nun  dieser  Ausdruck 
von  Irenäus  selbst  herstammt,  oder  der  armenische  Übersetzer 
es  vom  syrischen  malaka  (L^lbs)  übertragen  hat.  lässt  sich  leider 
nicht  entscheiden. 

Hiernach  wäre  man  geneigt,  die  armenische  Übersetzung 
der  uns  zugekommenen  Bücher  des  Irenäus  als  aus  dem  Syrischen 
geflossen  zu  denken.  Dadurch  würde  auch  die  Frage  entschieden 
sein,  ob  es  eine  vollständige  syrische  Übersetzung  des  ,.Ad- 
versus  haer/1  gegeben  habe  (vgl.  G.  Krüger.  Gesch.  der  altchristl. 
Literatur,  Freiburg,  1898,  S.  92). 

Andere  wichtige  Gründe  scheinen  aber  dagegen  zu  sprechen. 
Die  aus  Genesis  li  zitierten  hebräischen  Worte:  „Baresit  bara 
elowim  basan  benuam  samentares"  sind  wohl  ohne  Zweifel  bei  der 
griechischen  Transkription  so  entstellt  worden.  Ein  syrischer 
Übersetzer  wäre  wahrscheinlich  auf  den  ursprünglichen  Wortlaut 
dieser  Stelle  gekommen  und  hätte  sie  berichtigt,  sodass  der  von  ihm 
abhängige  Armenier  die  Worte  in  einer  richtigen  Form  wieder- 
gegeben hätte.  Dazu  kommt  noch,  dass  in  der  Periode,  wo 
diese  Bücher,  nach  unserer  Vermutung  ins  Armenische  übersetzt 
wurden,  der  syrische  Einfluss  auf  die  armenische  Kirche  nach- 
gelassen und  der  griechische  bedeutend  zugenommen  hatte. 
Gerade  diese  Periode  ist  sehr  reich  an  Übersetzungen  aus  dem 
Griechischen,  und  der  oben  genannte  Stephanus  Siuniensis  ist 
einer  der  eifrigsten  Übersetzer  gewesen.  Darum  lassen  wir  diese 
Frage  vorläufig  noch  offen. 

Welchen  Wert  aber  diese  neuentdeckte  kleine  Schrift  des 
ersten  grossen  Theologen  der  nachapostolischen  Zeit  in  histo- 
rischer und  dogmatischer  Beziehung  hat,  und  wie  viel  sie  zur 
Bereicherung  unserer  Kenntnisse  des  Christentums  des  2.  Jahr- 
hunderts beiträgt,  das  zu  bestimmen  überlassen  wir  getrost 
anderen. 

Bei  der  Übertragung  des  vorliegenden  Textes  ins  Deutsche 
sind  wir  bemüht  gewesen,  den  Sinn  möglichst  genau  und  wörtlich 
wiederzugeben.  Ebenso  haben  wir  auch  die  Schriftstellen  wörtlich 
zu   übersetzen    getrachtet.     Wieviel    Arbeit   uns   das   in   vielen 


VIII  Apostolische  Verkündigung.     Vorwort. 

Fällen  gekostet  hat,  da  das  richtige  Verständnis  des  armenischen 
Textes  sehr  viel  Schwierigkeiten  bot,  wird  denjenigen  klar  sein, 
die  sich  je  mit  einer  solchen  Arbeit  befasst  haben.  Wir  bitten 
die  Unebenheiten  des  deutschen  Ausdrucks  den  Ausländern  zu 
verzeihen. 

Etschmiadsin,  October  1906. 

Archimandrit  Karapet. 


Obgleich  ich  von  vornherein  das  beste  Zutrauen  zu  den 
Kenntnissen  und  dem  Geschick  der  beiden  Herren  Herausgeber 
hatte,  so  habe  ich  doch,  um  ganz  sicher  zu  gehen,  meinen  Kollegen, 
Herrn  Privatdozenten  Dr.  Finck,  gebeten,  den  Text  und  die 
Übersetzung  durchzusehen.  Er  hat  mir  die  Zuverlässigkeit  und 
Trefflichkeit  der  Arbeit  bestätigt  und  nur  sehr  Weniges  korrigiert. 
Gemeinsam  haben  wir  den  Stil  der  ausgezeichneten  Übersetzung 
an  einigen  Stellen  vorsichtig  verbessert. 

Berlin,  den  21.  Juli  1906. 

Adolf  Harnack. 


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1  uiulij  •  pp  um  [iHf  U-lfuUJLJipiUU llfll  ihtUJUIlulllUpiull  uirL-IU^ 
_pbrdp  Jl^qj  npitil,u  q/i  p  AtriiTli  mulpui  ni  ijli  p tuuJiuu  pijl.  u 
upuuiiu^hiuf  II.  ijuiill/limjli  ufliii  ititiu  iJiuiu/lmi  "SrufuipuinL.^ 
/«'  /.  uili'li  p  AlrnSU  |  //  m  tiüiuph  ituj  liilmiil.  uii  ,  U_  quinpuqniqu  222 ' 
qfipiuijü  i\\uuinL-Crnj  p  StrnJu  ^uji/luil-ULL-ui/iu  p'lilpup1.  uii  . 
^ufltnp  uipju//,u  II.  'UPyp^'p  tuuinutp-h-plruqlf  qipp/piL-P^fiifhy 
iL.      Ul/pl/pipf.  ijm  mil.  u      ii uiill/lil.  ii/ili      ti um  tu      fi  miiiS  I.  11  miu'li.         iL. 

luifli  lnu{    l)up  i      np     Ipuiup     7\iu'lm/*l.  i       ijill.  illi     p  ufu    uin_nn}y     Ii 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.     31,  1  1* 


2*  Apostolische  Verkündigung. 

luüiuniiJui  ^LUunL-uqtru  lui/l.'linipi  ^tuihupaiu/pii  (d /.im/p  t 
"Ruiliq/i  ii/i  Lj  iL.  ill.it in f  I.  u  iiiiiL'lifiili  uili  runnuiqü  ~2kuiliui^ 
uiuip^  int-uujt-nnhruji  itrnl/liuJinU  tncuniu  ,  puiiq  pujnnL.up 
li  Lun^LUÜfiVplip  iL.  nüij-ij-nuui'^ujpp  iiilim I.  iiitiiimili  ~2CiuUlu^_ 
uiiun^yny  II.  uui  it.  itlilili nli  ti  nullit  luippLUini  [d In  li  uniUL-nnrr^ 
ind  qifiupiLli  U  uinnL- crni  ,  l'"h  ",'!".{'  fiyncq luüfrfi  p  tfui<f 
ill.lllil.inij  niluipn'li  i\\uuML.o-ni  t  l|  nuili  npni  ^uip/iiUL.np  ty 
ll_  J'h'n  iL.  iiJifL'liL-ijiiirhi  np.P_  ^niLufli  uiüAuiliq  ifip/piL-fJ-triuli 
lim  nihil  /riiiuiiiii!.  inj  iL.  PLUVuiuipliif.  IL.  ^LUUUlLUUintSU  11  li  tun  tili 
uinJulri  p  Alrnfu  ^ujuiuinnp  q[i  dp  [J-nii  innt  I.  uii  iL.  Luiutr^ 
qlnuijy  ufuqqlru  ihiLUUijl/li  p  u[il.[*tluIiluIi  quflil£nL.[d-pLjuU)  iL. 
LluiP    quipuinL-iihuiiß.     dppiiitruntrli       inL.qrpyU  t 

2.  \}L-  tjiuiili  nfi  tLupujn-ptruJl  Iflrlin-LUUp  Lj  iJiuiin  jLUÜAUtr 
II.  p  iluipiflini  p  JiLrnJu  IrplpiL-nniflin  ujjunqpff  if/utri  "ui/ui 
uiiupui  iL.  LupJ-ufu  Lj»  iL.  pu/uaft  ilrpIp~iL,qnifliq  iLUiunuIlilf 
^binu-liu  iLLUif&dhiflin  i  Lu  Ly  ifiupiflini  uppnL.[*rpL%  lupiLtriuj^ 
L.npnuß-pL%  <J-tiL-fJ-  bujini-l&h-ujli  innlf.'iuui'li  luiJ'uji-[*}llii[i  hpiuq 
223 r-  II.  lutdh^liiufu  inhli  puJL.  LLitpö-nuy  U.  LUUO.pli  uppnL.[dpifii  qjurt- 
h  iy^uinnL-Luhfli  ^lul-luui  LUtJpJinJ>  upjj^fri  ni  i  LUL.tr  nnil  II. 
n*  ^utuiLulilrinu  p  ^uiulilf*  niuüqfi  ijjijiul  uuulim  iL.  uipipui^. 
'liiui  LuuuinL.uJO'upii^uinL.[dpi.lili  ■nuiiiuluiliudp  iunh~ni_\*i 'truidp. 
duipifhni ,  II.  ptrhujup  iL.  lupuiuip  iL.  uj  4"  LudpJin£_  uuml.^ 
P^/ruflfli  h  cUtrppu  duinruii  lufüä'u)  II.  upjj^lruqiy  p  a-trqtrt)^ 
lnn_[J  l.  inli  II.  lfiL.piiL.Lr  iiuiliiiui  inpd-LUiP  ~2k->diupLnnL[dpdu  jn~ 
LLL-nP'u  L.  upp-nL-[Hpdu  fr  duipifup'u  ^LuuLuiuLuqnpij.  trtphgp  t 
^.u/unp  qfi'"*_  im  il  hl  ui  4"  tlpuitri_  q^L^diuppuili  puAipi^p,  II. 
ijiJiuiu/jfifli  upjh-lri  II.  q^tupnL.p-t-ULLUj  IfuiuiLuptr^  qt^np&u* 
II.  LluiP  qf''u*_  pul{  llüujl.  IfLuply  LUL.ifnL.ui  JiuuinL-tjLUuh-i^ 
ifuipifluii     uppnL.p^hi3iX    ni      Irnn-pii     2k->i/uipuinL.[*ttrLUli    jiuu<\pU  x 


Kap.  1—3.  3* 

'i\uiuu[i     julin  uili     pL>n-      ilpillriuliu     uiiunpph     II.     tili  tun  uflilfli    li 
iliupui  uililui     i(flilflj,     ufi     aÜiupnSu       iiuliii  lu/iu/i  m/i  iiiii     uip iiiiui  l/l i 
\\uuim-0-nit    \fc  ilujuü   uiuiupplf   ^ntrpu  unt_np  fu\l.  u'li  ^^utL-f^p 
u/u/,'  \jnufuhri[f      "///'!      nP      "*       ttl,utS    P    [unn^nunn.u     iuiT^ 

upupiuiiuti  »  iiiinlflinli  4"  a\juuinL.uJCß~  niü  ii humniun  ujqiuuu 
funn^nL-nn.»  Dufuufi      unpujj      nJUfLUJnpyujp       tru  ,       n/Jß       tjY*" 

I,  in  tili,  ii  \\  um  pl.iu  CT  ni  tuuniuf.fi  »  \jt-  Üiuuli  uipiiiu/i/i  p  iij'li'li 
u\ynJulfU  mißt,*  '. '  \fu  hriF ]*«/£/#«"♦  uipn-y  "HP  vY***  \}%umnL.uJtb- 
ni  iuui->uitru  unpiu  trü  ujifiuujnhtuipTi  t  ->|j*-  p  ~2CufuuJiuiup<)h 
ill, i/i'ji  npiuu      ni       i.  Ipuu     .        trc     ilk-niuL.npp     trU ,      nP.P  a1P~    223 1 

uint-\o-ni-liu  \}uuiiii-0-ni  ni-unu  iL.  ni  ujui*^tru  ii'luipiu  uuitu^ 
ii.iH  lipiuuu  i      lUlupüpli     4"     Jiuiuur^nn       iiip^/uiluip^mup  :       » fot- 

liu[d nnSlt    is  luhuipn     ni       liumuJi-C»        iL.    trulumn     I,  li  t     nun     m 
liiiiuili     npfuptruiuuy     iiiii      iL.     iimiiii     li  ii     tuupu/puhl.'li     iUjpiU^yUJL. 
iL.      n~njt/tuCj~nL.rL.      i/njpn.uJiu/ruinL(J^h-iulJpUi  t      %^ufliqfi      ujpJ-nnfu 
'litufbuiL    ihn  p  ii  i  um  f.  uiiupiulip     tf*     iL.     UJjuiifhuhp    frli     tuillruiuili 
uiipuipiiliri  p'li*  iiufJ  im  u     t/  uiliuiliii     luiuiplu      IL.     i'i  uiuili  uililil  i 

nnp    nuujnnLUJUjhuinL.[a^fruJU%    linnui    punLni^Upu    n  ii  I.  ii  t 

3.  Ui//i7-  >  v/"  "P  uipiuifm/i  plii  lipl.  iiiiui  p  uhrp  ufli/uu^ 
in up'liiii/i  ii-yiiii  iiuiirij/i  p lulimJ/j  ui'lil.  i  iipupuipup  li  uui'lil.  I 
ii iiii'iuiiu  lipuihti  \juutnL.o~nt  ^fiiu  min utpiil  \\umni_o~ni  II. 
Irn/fu^lrinil  p  'liüiiful^y  iifi  §l^p  4~»  iL.  upplrpuj  iiiiui,  oft  ?ujip 
4"*  U»/,i7-  um  hl.  fii  p  ^luutuumn  iiiiuiiuiuli/i ,  pul/iii/i  ";  trP-lj- 
n£^    --yuu  iiiuiiiiup[ip  ,      um/,      \juiujp  f     iL.     ni      p     ilpm     luu-Pfip  <;  "♦ 

IL.     U^yUJt    ßlllllllll     ^\lllülpilllli   1*1  pl'llll     II III III  IIIII    II  Uli  ll,  ,        pufluifl     ^nj^ 

Lujuip  p  ill, piiij  ~2C>uujnuiiuupjU  tfpuii  limli  lipuui-  11(1  l^puli 
"P"lhu  4"»  ^uiL-ujuiuiuuni-ß  }  iL.  **fUJL.uJUiujuni  iif,u'li,  iipuilu 
ItIm       i/pim       uujil.      p      'liutiui       n^uiL.ujUnL^'ipL.liU       ^luuuiuuuui'li 

1)  ö-t*  11/  1-  2)  \sul-  %•  H.  3)  b-  t-  9. 

1** 


4*  Apostolische  Verkündigung. 

iMßtW^/ruifiJL-P  t  WiP'f-  *  JutuU  u[i  ili/il/m  [J  I.  n/li  ill,  uiii  tuiniiL.^ 
lituljuillliflfli  <^uil.uiui  tf  ,  piuanL.Lt  lull  Ulli  11  rtinifiuliiii  mini 
uiuinut  II-  uinJ-utu  t;  uinSutriy  oft  tnypnli  <yuiunL.au  iiirli/iulu>n 
7\->tfmnfiui  t  U^ nn.  ,  ^luuujuuU  uitL.pt^  Jhrn  quitu  ,  nnuit^u 
224  r-  ^rlrnrtu'uhßU  iun..uißtrintfu  mtifilff.  iim/fli y  UML-ufun.lrntiu  ifhrq  t 
\tut/u  uJn-iuyplM  ipttri  funuiui  mini,  n[t  i/liiium. ■  [tJ  lullt  uitL-Uip 
h  f&nqnL-[d-ni5j  ill.  isiijii  lufunifu  \\  im  im  o~/y  £op  u.  ini'lii.i'li 
Qfiuni-uh  *^nhuuinup  .  [\nn.i_nßü  \\uuuiL.ö-ni  ifiunUhuiiitriiii  UL. 
illriL.tr ptl  iL.  lutpiiL.qtrinj ,  Lu  p  ^nuh  uni_np  \^uumuO-nt»  IL. 
uilhntnni  [J fn  Im  uuiiu  Ifuhp  '/"/  imi  liml.  Inuliiilli  hl.  liuinli 
li  ill. rimmlili  c/unLlirLU  i\\uuini_uJCt~y  nfi  up  lt-U  i/Irn^nuqtriiin 
i.'uiu  u  lin/li  ,  uiii  upuTu-ytrüiULnpfwli  iL.  ^ujUujui  uiqnnrL.tr  infu 
\\  uumL.O~ni  nnn-ha  bqfiqnt^p*  IL.  qdpiuili  II.  qjuint~u  uiu^, 
ui n l. tu o~ utu uil  IL.  tf-kn  n  ijlrimi  iiiilL'lmiilili  OJii  I.  iil. ,  uuili  ,  II. 
quiifhruuiiu  ruii  p""-  unuuiL.  iLuhi ,  II.  qlrrL-truiiuu  /'"'/  UniJiuL. 
niuilhrlih  ulili  Uliui  uinÜitri ,  qfi  in  uiiiui  nL.nnL.fy  pt/un-i  iL. 
uitrn  i/lli/.i  \\  uuim  crniy  uiii  In  nmili ,  iL.  q.ni  iinll/h mih  pphß 
1)  uuini,arni  x  \ji~  ijuiuli  luiunnpu  null,  liiiilimi  lliii  qyjuutnL.LUO' 
L-    quidtruujfu    pti*_   jX\{ßtnnL-v~ni  t 

4.  %f^uiliq{i  ^uipu  kr  trntrinnu  p  ulrcrtr  nL.ifhj±tr  luuiui^ 
"2uutL.fr  itiilflni/'/i/i  '.  iji.iilitriiuli  ntSutri  t  iL.  iililuj /•  li  ujifhrutrqnLAt 
\\uumuuio-  t/»  pu/uqfi  ns  plipn  trqiL.  inL-tflrplr,  IL.  ipLtpirulr 
trqlL.  uiifcrliuiiii  put  *  \jt-  uuiuu  luiunphb  uifLury/ili  ^yuu-uiutri 
ii  u  ii  iim  iL.  uip<ruiu  £~ »  fb  ,'P  X\uuml,uio-  t^  ^uiinlij  nn  qui^ 
tll'luiijli  Itlixli  uiii  'ii  ii  L_  h  imi  iil.  im  i  ,  U_  uiii  u/n  ijn\  /»  tili  h  tf.ni  , 
II.  nuiiilrliuiju  rn\n  um/li/.iiiil  unui/u  tf  uuiutiuiin-iji»  PUH 
iiuill/lil,  iilihli  li  min  nn  nuui  ill-  O  uiifiiuin*yu  lf  1  iL.  lult^ 
224 v-    fuuip^fi   ifiunn  iy .      tt^ptf-  u-  uitpjuin^yu  \     i\yuuinL.Crnj  uuitrnö-uiL.  t 

5.       |J    «#Z-         1//////I//,  //        IJIIi-ljtUllfl.  ilp       |J  UUML-LUO-  .  *uiin> 


Kap.  3—6.  5* 

ii flil.  II  »  iifaiuil.'iiufail. 1/1  )  tupnipfix  lUl/L  litrijiu^li  ,  "/'"/  t*rp  /» 
ill.  iiiii  \^uwnuujO'  iuii  np  «Ag »  M-  qlfuh  npnj  iuff  \\uunnL.iuo- 
ni  4"»  "_  fb  p  ufauui  np  4"  U/fin/M-u/CT" »  iL.  iliuuli  luiunphq 
i' •ifaifu  qfrntrtupju  uipuip  j  \jt-  ^."f-t*  \\uuinciucry  luuuu  <^nq.^ 
L-inl  qiuiltruiufaj  fl"t  nitipii  lupl.iuii  ,  npuitfU  IL.  iftupq lunl/li 
iuuLj*  »  \\ufailu  ^triunfu  trplipiip  ^iim ui tu uil.  iiinli  iL.  ^nq.Ljnitu 
"linpiu  uiifhruuJiu  quiL-pnt-ftlpi/u  tinqui  4  t  \J%  pn.  t  iltuuli  qfi 
[> i'fafai  ^tuuuiiijuil,  y  nuiilfainlil,  uluptfhni  qinpn~Ly  »  it.  qiniuj^ 
uni^fJ-pifl/u  h'/ni  •>'linp<fl^}  Pu'f  *^,n'/-p"  iuipn.tupl?  iL.  Ltrpiuiu^ 
pufuL—  qquJuiuqiuLtnL-pJ-ptfuu  quiL.pni-f<J-lruAqlJ  1  ippiui/i  Il\ 
t!iiiil.i\_iup  iin  \\nfafai  | )  pn-h  >  /'M4'  ^"tU**  pifiuuuinL-[&hLeu 
\\uuini-0~ni  lin\[i  i  W^pn..  puipt-n_p  iL.  H^uiL-nnu  lun-Uiphriuhj 
ünpiu  iiiuL,»  »  |J*A  |)1«//»/»<-«i/a~»  *uJipt  np  h  ill.  nun  LUiltrurr^ 
um  Ii  iL.  pun.  luilh  lil.  ufili  iL-  iiuilLrlilrupu  p  iltrq  <\  '*  oiuuqp 
p  ip.-ptui  itiilLclil,ijiiifaili  £^iuip  Lyy  PUH  P""-  luiftrutrupu  \\uiuu* 
oufuqp  p  Alrnfu  uiiptu  iuii!.  liiuili  put  trnlL.  p  ^Lucpt^»  PUH 
iiuiftrunrupu  h  ill.  n  ^nqpüt  np  iiuiiuijui/il,  .  ">  JJ^ upujy  ^tt/#/i<>. . 
IL.  tiupq-tuplf-  ii  tt  iuii  ii  Ii  p  UiiLuUnL-l<d-ptSU  \\uuint-.U'ni  t  |J  rt/x» 
^nqfiu  iiiii  ijtulif,  iifiifafai  ,  A_  ijuiifai  tuiiiiiii/i/j  üujpii  lupl^nli 
n ii u ri  tili  \\uuinL.o~ni  iur'iuri/l,/fa],  ('"'(  p mhli  iiUL-iLUMiinL-qujul^ 
q^nqplit  L-  ilimfai  inpiiip/i/t  luisiiuiiiiii  ifuipquipLjpifai  rfaipU 
tfy     iL.     U1UjplrLUI<fUJUtjr     ijiHiupii'li     tun.     *yutip  *ü  x  22r>r- 

G.      \ßt-      iiijii     4"     q  um      fiiuuu/i     -^iui  ui  tu  njli     ill,  iuii     iL.     ^htfli 

^[lltUJO-nili      iL.      •^lUllUIIUUllll  [J  fll/ll      ll'lllllll/lll.  \\uUML-LUO-)      +*tUl['' 

tii'lil.  ii  1  nih m mit  ,  nili uil.  Unfall,  i/i  ,  l/h  |Jui/»flLU/a"  m in u liiuili 
null,  litufai/i-.  tu/u  'limlii  um  m'Ofili  qpiL.fi/  -^lut-tuutniu  iltrpiii  t 
\mi/  hpljpnpfi-  griiiL-fu  f'nfaili  \\uuinL-ö-ni,  Wpiilfu  \\tuuinL-ö-nj, 
•\\pfiutiiiiii     •^fiunL.u    §lfp'ii     ill.  ii,     np     ifiupqiupLjhi/it     hplL-lrntUL- 

1)  U^,/:  \\\.  6.  2)  b'/'*»-  'I-  C. 


6*  Apostolische  Verkündigung. 

finui  JtfrL.nl  ifiunq iiinl^iu  [O I.  ii/lili  Itnqiu  IL.  puui  fiLüiu/iriL.^. 
ßfrufu  uiutUL-pl/lMnL.fd-lruiuqu  *iut-p  >  p  ätrnSü  "["//  tripufu 
tuiflflitufli      /fyf*  "P      "-      h      JlufuAufu      c/  lUlfl'ullllllfl-IIJ       ujil.      p 

itipjiut-nnlri  L-  pniAuuit-Ujlffrf^  ipuiflrlsiufu  [*b£_i  ifiupu.  p 
i  fi'iin  ii  Ijtult  h-nh-uif)  uilruujutrpfi  L-  £tuL.£tuiplr[{ij  luil.  fi  [uuj^ 
iftuilih  i  gtfuJ<£  L-  ancqu/ülri  aulrufüuy  II.  ^ujuiupujLnL.f'irpifu 
dhuipufUM-fölrufu  \}iuuinL.o-nj  iL.  Jiupq.ni  unpcrlrfx  \fc  &~p^, 
iiiiiiii  upiL.pjX  \\nL.pp  ^nii-pU)  ß  AlrnJü  npnj  Jiup y lupL, rpU  uQup^ 
nitiiil,  imnifli  Ll.  ^uiippU  nt-uufü  q\^uinnL.o~niuli  iL.  mn  11  lupjfu 
LUiL.Lu9eUnpn.lrqufit  p  AufuuJupjjp^  Lupn-Lupni..[*t-Irujueuy  II.  np  p 
iliufu^Siifli  J-UMifu/UiuLuiq  ^ytrnujL.  'im  nun  tnii[l,  n  p  Uiupul^nL.^ 
(3-pL%U)       luJiflruiufu    Irplfpp   linpnu.trpiJ^  qt/iupnfu    WjiinnuCTnj  i 

7.  ^jt.      ijintfli     LUiunppL     p     ülrpuuipU     ci  Ulin  ',' ufliu     tfirpni 
illiiiuuii  (J In'li      p       Alrnfu       trppq       ujjungpi£      iifliijiiflil,        ni/unq 
qjX\uuinL-Luh-    liujp'u  ft    ijU-puinffu    &euntSun^ü    iflrq^    Tünp^ytrpjifj 
h     Älrnlu     (\prLL-njis     fiLpnj ,      <^/»y/_«y^/     uppnJi       *fKufua[i     n[Lp 
f  iii/iJk/. niili      bptru      qfnupü     WjßuWL-O-nj      uiLUUpu     p    pu/lfu > 

225  v-    miulilipli      4"    jftPtfa'"*        tuk     i\["t('*M      Luh-tTLUf^     lJuJinnL.tJLUÜt^ 

*  llli.lfli  »  U-  2,LUIptU  limtlJlllll   Ullfllly  qtUUUJIUUJl£LUUnL.[JpUU  t 

U#jra*  n<  utn-Luuq  2nu-L.ni  //■  uitruujuhrf^  qJKuflfu  \^uuinL.o^nj 
Ii  m  tun  iuIiij  f\pn.LJifu  liuinly  np  i/iuuntrf  luil.  *tuiplj* 
^ufuqfi  u-ftuinL-P-fnfu  ^LUL.p  {\p"-/i}  "-  u.fiuinL.[Jfif^u  [\pq.L.nju 
\yuuinL.&-ni      h      klrnfu      2nu.L.nju      uppnj*         ['"fy      ^"fi  puui 

*^iu2fnL.p^LriuLfu  *«//_«  ,  {\pufiu  tLfLuyutujL^iLupiup  iHumiul^iu^ 
iiiunly  ,       j  ein  ii     Lujüpqp     iL.    nptut^u     IpußUpqp     ^LUfpU  t 

8,  \jl.  //i>*fi  h  ^nuL-nfu  ^ujjp'u  pujp<\plr[[i  Zu  ujifhruujlpu^ 
L-  §kp  qujL-pnL-[3^lrufuq,  qfi  iflrp  nL-ugn^p  n\\uuinL.iu?Ti  a[i  urtjü 
lfhprli  /^»  ulu  //  I-  [i/fli/i  h-  h-plfpfci  L.  uullruujjU  un/uiup^pu  tuptu^ 
ppi  »    li-    ^Luuuipx      •^ptrtinujüujq     iL.    uiupit-l^ufu    IL.     pnpjpfrqiiL.ü 


Kap.  6—8.  7* 

8^Y»  )  h  Zlrnfü  rtnni  uiJhrüiuju  ftüili  l?  >  "-  jnpül?  iiluulip'u 
nnll/luufli  /tUi*  nnnpJtucr  »  ap* tucr  iL.  ^pui^tuif-npnijy  ptunp, 
tun ii  mii,  uji/hrUrrnrnfli  \ \u nun tu CT»  II  ++ph~h'J  "-  Zjhpr  tuunuiuq 
II  •^UJLLUuiiuqh-piqU^  tuii^tULtuuituqlrpjqlj  ppp  *)UJjp.  ^ptuüafi 
h  JujhiTCiuu  (J-  tutfiuliiulpun  l.pmn  iilpjim/puiimli  np  ilIt LLpnL^. 
[J  f.  uflfliy  /"'//  ^»P^fr/fu  ['pf'"-  Sw*  "-  uiLptruturLpp ,  ^f3uilin[t 
li  upPffii  <.!  tuttuflitulpi  uiirLtuqlriui  uiunit-liuiU  II  h  ptun 
htunlrtut  IL.  luiipjiniutfplriui  i\yuumuo~ni  h  CT ujtLUJinLpl-hLu 
«/CT-  ifluitim  h  JlrnJu  tut_  ppuujqü  ,  oft  nLuqplt  i  tr[tH?  §l?p 
mclilfli  tjuihrno  p\  IL  tupiuppi  >  iL  nn  inLUi  /p/luuu  -funp^t? 
iL.  ulTLu  ui tu  tinuiifu  uiujüfr/  tuiupuihifp  h  uinulf  iL.  h  fh^  '-'-Cr- 
■\trnhi  |»'/A  *~^lrpi  tuunutuq  ppp  ^tuutnhi  iL  tuptupps  iL  uiiflr^ 
'h  mli  iiii '  i'iuiii  tipiuliu  mit  uijli  ujuhrulrqnijj  uliiu  ij/i\  iL  u^l 
ii uili it fi*  iL  [J^tutLiuLnp  II.  ii  luuiiui.iiii  ,  jtiuunfi  ni  np  Annn^ 
iiii, I.  inj  th per  pul?  h  ii  muiiuuui  tulil,  li  Imiiiu  ni  ^ntrui  iL.  ni 
•^hpi-UJunu  i  iL.  ni  ilhrnnLqtnui  ^uu  luuiiuuhtui  np  i  iL  ni 
^plrtuiuth  i  |  mli  nPß  tu  i  (ruh.  tuu^tULtulipU  'linpiu  pujpnL^ 
[tl  I.  nilfli,  CTiuühqlru  h  n  niui  niuuiuili/i  uiitULpnLpi-pLUu  Im  um. 
im  m    npiiLtl      Irpiuuh-pnU     luinuplriuf      mul,.  \\*     u liuuuiii.  mi 

trP-l?     ptupnLprpLüu     \\uuinLCrnj       iiunpu-ypjiupnLpjrhLu     tucrl? 
ujil.ij,    tuii    puui   /uuuml[<Htiuu     pnLU     II    uilim  tuiwuin     uiui.liu 
ii  uili. \l.  ii      tuuahlt     pujplprtLprpLU        i  im  in  ii     ptuphiiLpt  fr  tut*     II 
pu IUI  lim  /«'  I.  inli     tupii  uipiuil  muiiit  [J  I.  nilfli     \\uuiiiLCrni  ,      nn     h 

/'  Ulli      <ytUU1IILUql?     pl  piliptllllt/ll  p      ptllll       IIIlpCI  II     pLp    ,      J        \}'U      t?) 

np  uui/lli  um  nl,  luili  \\uumnuer  \\^pptu^ujt/iiL  iL  \\uuiitLiuer 
\\tu^tuhuj  iL  WfJUMLtucr  Qiuhnih'nL  \\uuinLtuer  fptritrLiu^ 
'tilrujq»  IL      nmlimili      'luippli      \\uuinLCTni     p  miu\  imi  pl  In  'tili      iL 

ilhcrnL[dpLlfu    ti/li ui tuui t/hf/i    l?  x 

1)  *„.„.£/:  !'•  4—6. 


8*  Apostolische  Verkündigung. 

9.  1*"Y  mt/uuip^u  rrußü  upupnuuuibp  hrpliULp  y  l"l,u 
qiuL-nni-P-nuisp  L-  ^plriuitulip  iL.  ^pirsuiuibuiuibruip  t/lituLtrii 
uniiuu  upu-tunuüiuU  utuililrpnl  tutflr Um  ff ujf/ili  b.  mi/L'lil.  iim'lfli 
<yuiuu>\[i    \\jju1nt-O-fif1    m     pppitL.    biupiuL-Uib  ,     tun     qft    b.    cunpui 

226  v-  üb  hntrii  iifuu-npcrp  b.  uiü-hu"^  p  b.  luiupqiupp  *  \jt-  Juiuli 
uipmpbb  ^niiffü  W^uwnL.O-ni  'ubpunpiil  tiuui  4"  "-  irrt-ß'li 
liiiwunuitfufün  AU-U  ■^lutni^iriui  [/'nf'  J\juiuilriu  /' '"/"/  '"/''»  K 
^ufuqnL.qh-inq  A\piL.pu  \\%u  mm.  crni y  uilupUpU  L/  \\iuuu  ipuui 
tfiupnfu  cUnpiu  ii  itipiuitniilili»  b.  puiuqp  »  ^uiuqpqt^  >  luut^y 
b  Jirpui  linpui  ^nqb  \yuuiiiL.O'ni  **.nfP  pifuiuuJiiL-ßbrufu  b. 
[iiJ2uqni-[»}frujLi>  ^nqb  bnip^pii  ni  b.  ijmt  lim  [<f  I, ,  nfli  li  puiptr^ 
niiutuim  [<J  l.ntli  i  />/'"  untj  i:l  im  ^nqh  IrnfipL  q/i  \iuuml.  o~ni  '.  t 
\\pf-)  iwi-itipfitj/i  p  ijtrpiu  um  hrpuhu  y  np  lil.jtiiiiiiniiLlitulil.il 
ij  int  in  fijtiuiiuitit  [*.>  In  tili*  iL.  brpbpnprL.  p  uuiülit^  püuiqni-^ 
[(J-bufuu*  },uh  bppnpiLü  funp<ypn.ni»  b.  xnppnpiifu  p  q&~^ 
pnL-uin  p  <fUJ->pL-  uiulfhrpiiU  qiuL.pnL.b±h-uiu»  b.  ^KuqtrpnpiLli 
i'  hitittt  [tJ  I.  Ulli,  iL.  ijlriil.-piinii  h  p  uipfruiui-xinm  [ti  t. nuliy  iL.  b-L.p±u^ 
I rpnpiLu  in pi  in  im  t/Irqu  <iLuuuiiuuinL.ßpLfuu  ift  bpbbi_n/i 
i'iiiiii  ^nqunpjy  piL.uuiL.npxpu  il.  nlililiu  t  \)p  '/  lUipmpiupü  t^uiiL. 
lyniJulfU  niiin  mliuili  trL-l*tunuintTiuu  ^ufüuiupuqu  ipuiub-piuf 
p  mit  jif  uli'  pufuqfi  u uinuuhuip  rrp/iunq  t/iuiL.  nni'iiimi-ii'i'f/i, 
puui  npiiL.il  |\ /«////  liüiu  Uiutf*  "■>  \\iiiuiiiil.  n  puui  •uifirli'iJiIi 
ii  uiqunhiupp    npnq     uihruirpu    p    ibptflfu  «  "  * 

10.  lk/'i7-  \\,uumL.uja-u  UJJU  lpUMIL.tUL.nph  p  ^.ufukfu  /iL-pl/^y 
np  4"  i\p,/-p'u  'unpuj  •^iifliuiupnqnpiL  ,  II.  p  ^niLLnili  uppnp 
np    lf    tili  um  in  in  [<J  lu'li     .tuupli    pnpiptrqnifu*        iL.     imnui     quiL.^ 

2271'-  pnL-ßpiSü    piuultu   IL.  luJiuuuinL.ßhrufüy  np  Lnyfiu  '^IrpnJi'h  u  II. 
\^lrpniJ/spliy     iulin.uin.iup     AuijupL.p     ifiuin-uiunpfru    q\\uuwL.uJCt-y 

1)  b'"  fr""  2.  2)  btf  *  R«  40. 


Kap.  9—12.  9* 

L-  null,  lii'iili »  np  pui  ilpiulinu.nl  £-  1 1.  ii lili'hu  pwnbujqnL^ 
[J^ht-U  i/iiuilu  Uäuuincquilitri  \\uuinL.O'np  ?LUi_pLi  p Lninp/r iinifljt 
\\ui  nujiflrüiuju  piuUpLtu  pu/t  Ipuuinn  qui^futup^  ,  b-  tuit^ 
fump^bu  b.  ^ntrtuiuiLn  trut  II.  iiii!l/lii;/j)i  lut/uiun^pu  LULpl/lm 
irui  ihL.pnL.itlt  Ifuif  ithuji  pt-p/upu/lufii  p  nL-iHrp  b.  puui  npn^ 
ytriufu  i\yuumL.O~iij  dp  iiiliuuilil.  i  uiw^üüfh  ,  biuunupl.  in  i 
fiL.pujpiuOifiL.p  nL.pnt-n  ii^puji/L  iui  U-npCTx  \\,  \\ub  quuipn^u 
liLpniljyU  truuitrnO'  at~iL.njL.p  nuiuppiu i:  nili  b.  n  iliiflinuui  nfli 
jl.  ubp/r  tun-lriuii  \LUihnu  p  ilpumpli  fuuinlul.  iui  qfiL.p  quiL.^ 
pnL.[*f-piJuu    plirL     f.pb/ip,     II.      nufunp    uintrnCrnLiuctnu    ijfu  pif/i 

1111111111111  jll    Ulli      AlL-U  y      ll/l      IL.      1111       Uli.  UUlllllllhl'lll      \YuUinL.IUO-Ul2ilL. 

pq^T  x  *\*iuuqfi  lil.  p tniuiiuili  \yuuinL.o~ni  p  ijl.  iiiiii  I.  pbpb  ltiliul. 
iiuit.  ijO  I.  iui  i'i'upii'/i  *  \f*-  oft  bt/uiLufun  l.  i;(iiiti  ifi\f.  hui  p 
rptfilu  unpiu  -yntSü*  btruiuq  »  npiutfu  n(i  iL.  puui  iluiunlili  lt_ 
pum  uml.  ijO  m.iuCi  tili  luluili  i/ili/.i  in  •inpipli  \\uumL.O-nit  W^pif-i 
4y»  tunuiui  IL.  liliiilipi/unili  lUJlu  '■  ijl.  iui  i\\uuinL.ctnj  ,  oft 
iiijlinuptp  nn  p  il/.puii  I.  pbpb  bnl.'li,  iiufl.'lil.  iim'li  p->fubuqi\x 
\jL-  i/triru  mpi  iiii[uuip^y  lupiupiuo  u,  jWtuuinL.O-ni  upumpum 
MJitruMi         tu il ujy  niuU       nuuitrncrnL.iuCr       i/iupii  njli        i/iupii  ntli 

uiriL-uiL.    i! inj  ii,    lu'iil.  iinj      ilflinl.  uili    ii  iiiiII,  liuiih    Hu*  t     \jL.    b,pl' 
p     iliiijului     b.     uinpö-nilp      criun-ULipU     \yuuinL.n  ni      uijlip  ,      np 
t^uuitrnci  li    n  luitl,  Ijiu/Ij,     b.    u'lmii  pl/li    ~^""j  uiiim  ml.  uili        nifutfp  '2'27v- 
nipuipu     im uii      np    p     ijl.  pmi     A  um  inj  in liumijli     11111:111 I.  Uli       £"/»» 
IL.    tS  um  1111  nli    ^plrtuiuib  n    lyh'li,    ('"ii     ui'lnui   nfli    ^yuii'uipuiuil.ii 
<yph-yintufpuup*ruiu  t 

12.  II,/"/-  u,*y'P  ui um  11 1.  uii  ui/iiipii'/i  f.pbpb  //-  uiiliij  np 
p  ml  1111  null,  hl.  um  li  f  iiiiililiuiun  nin  II.  iiii'lmulili  ,  np  p  111/111 
A  um  uiin'li      /."li       in  l.p      fluni      Ii  111 11111 11  :        \\uipi       uuiliuii'li      Im  um 

ly/ili  Ipipt.u/lni        liuiul.  1111  (.1 1.  uilih  ,        fi'il/        Ull,pli,        iniiiblmli 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.     Sl,  1  <-'" 


10*  Apostolische  Verkündigung. 

i/ninri'li,      f/uij>f>/ilf      hl1!      ^l'^lp      U1'Ul'J      k['*       "~     "{'*'[IUI      II     Uip^ 
il  111I1      t^n      'liiliu      iu2Chqhruii        mimi/f,  u       It      lj m m iiiii I.  jii i  fj-pLUU 
il  Uli:       \jL       '//'       iiluu'liii'li      'liiltu       II       m?\.  I.  jin  (.1  fu'lili       Iiiii  iiilmi  i 
[,il.  ntilji     iniuqhl/ni  {.) f.  uiilj-     I.  i//"//'     piiLiuiiiijU    ^pu/u    qiu^'i"!'^! 
ijuilii        '/'"//'         ntiti  in  nulluni,  mi  'liiliu  ,         uiLlLnJ,         ii  I.  nt.  'J'/'i '  w 

(J I.  uiilj'  ,  inuunilj  Iflrpiu^piiUj  itfulpui^p  ,  iquiqnu^y  j>nLpp^p> 
iuiiiiiI  t<  Ilu  iui/Ituuj/u/il  uiil  p  IfbfuijiunßU  u^pinnipL^p 
iiiii  im  l.  il.  in  <  >  II  ii  iiiiiiiin  niliiii'li  l^  mini  t  p<_  iitiiuijl,  ii  V&~^. 
til.  ii/ili  II  n  iiiii  h  l~p  ii  imimnli  ,  \\niliii  WuuMLCTnß  ^uiUui^ 
iiiuiiiuiiij  Ii  Ut/ui  i/liniiii,  ■ypyl^u  II  lutULul^p  puff-  Uiunriitili 
q^uiUnirp^LriupiU  ,  np  iffulrinnli  I^pU  /ujfLUJ^ujq-iijU  uiupu^ 
Liipbrpii[y  ii/i  f'luii  Ii/iii  //"//'  "-  fuiuLulrunp  P1"}-  Uufui  II 
I.  11(111/1  /''/"/  JuipißlpuU  111  11111  nuilitrinJ  'luiijui  nuiini  luiim  — 
ß/ii'u  t  l»"^  iliiiini'li  tfniliiii  1/  I^p  ,  tiL.  Ilu  Ifiuuiiunhiu^ 
ni'li/.  1111I  lunp^ULnnu >  iliuuli  "/"'/  iL  11I1L  ptUL  p  ifiiinnh-^ 
niiLifttfü     uiuniiiit,  111111    t 

13.  U,/"/^  >  iliuuli  ii/i  \\jiiniii_iuct-  p  rLpiuluuipU  ,  UpU*^ 
ntriL.  pfiyt^n  i/ninii'li  ,  t^uia~  11 111 11  uivl.  m  1  11 1/ l/liii  111I1I1 u  qui^ 
228 r-  ifn'luiiili  II  ^nuiuP  u/ü  trui  nilmi  uiliu  i/lil.  1  lUiflrUk-qniSU 
'liitiiiiii  IL  uiill.'limili  1111  i/fil'\  liiixl.  111 11  W^niuiil  uiUiXU  l/trli^ 
11  uili  h  niiil,  11  u/UiilU  'In  Iiiii  \fL  Ipuif  I.  11I1  Ut/ui  II  ujlu.^, 
UiulpuU  ilmiiii  ntli  uin/ulri  ,  aiuuq/i  miiitiil,  11  uiuuiij  '|,"_ 
UMi^UlCir*  ^11*      P-lupi-HB.       If       f-"!       ilnin  11  111I1       illimih-  uipuiu^. 

uiiLp       Uifiu      lULi/UiulpuU      iiiiiii       pltptru/U«     ♦  putUqp         /'"// 

iiii/I'liuii'/i  btrUij-tuUpuU  nt  11  uiu/Upt  //  ^nu  uiuuiii  II  u->fifL  II 
UüiitU  \\niutfiui  im  ii'hiiß/iu/li  :  |«"A  [fUj/li  \\jiuinLUJCr  ^pm^ 
aiiLith  '"[''I  /'  '/'•  /""/  \V//-,U'"U  "-  P  .p'ii-U  uiiiuin  .  Il  qp 
qnpcr      p     qnpcrni      Ipuuiiuplruqp      n*U      I.  ///.  uii       p      11  puMUUinU 

1)  &**•  P-  13. 


Kap.  12—15.  11* 

jtitLUuy  utiii  f.  tili  p  ill,  tiuii  \yji_uidLUi  Ipu iftr qtr tu i  \\uuinLCrni  x 
\fL  Ulli-  \yuiuni-iufr  t/p  p  Ifiinpnu  \\^irujt/iui  iL  trpfin  P"fh 
n/ jl in  iliuiiilh'li  >  IL  alinnu  1"P  tyutiL  Tpütruig  p  t/pu  iL  tuiu^ 
ui/yii  lyiuo~  ujn-uiyji  \\n.uit/tui  t  |  xulf  Inu  uilriilruji  tuuuiii. 
")\\uj  tuJ~iP  nullit  ituilil.  uiuii  piliui  ,  uiupupli  p  ilui  titlli  ni 
/iJifly*        um    Lnslriinfa    ///''''     "fr  Jiun-"h    t"-["fl>  '  ujilujl«     t 

14.  \}L-  hH"  WshWiP  II  \}luji,  ^>iuUq[i  IUI"  ly  u/uiilu 
IfUnfäS  tlhrpliDy  II  ii*  lui/iuttypu,  ^piuuofi  uiui/Irn  iL  Jufulpu^ 
iiu/h  /unp^iiLpn.  typ  p  unuuiy  IL  nipli^  /*"'A  t/p  in  ujQ-tr/  IL 
liiliii'lnii  1  ii  Hin  unnui  imiliijuilil,  ,  np  plis  ilpmliii  uiil  tujpiiL^, 
ßtriuifp  p  JUrnJü  ^tr^tn  qufuLnLpJ^lriuuqli  iL  uuluii  [J  1111(1 
iiuiuliiiLp^htut/pn  piiLLitP  öTjuiläp  t  %fKujuqp  typU  iujjuJ~utiP 
uidiiinn^D  uinf-yl.  1111J  qpLptriuun  püiiLft/pLliU  ,  tluitfli  qji 
i!n.l.  11 1.  111  i'h    p    uintrncriiLUjhru    -yiiLli*     typ    lif.'/uu/i:     W^pH-y    lim  1  ml 

Uli  IUI  ml       pilLü/üy  llipilLlP     II  111  Uli  Lll       IL       UlULpilLp/htUU      lUll/l^    22(^v 

ilm  11  iL  uilitiltii  tili  tu  tun  1111  ly  lim  m  pl  111 11  tu  ijh  :  j|/i/t  iltuith 
miunppti  11*  tui/iui/ypu  <}iui/p.nLpn-fnLf)  qupi/truit/pLo  ->tuntu^. 
111  ni  111 1.  1  ml       "/'/'  '"  /« '  '■  t'iiip  »      111 11  tu  tu  tiiji  t 

15.  1),  //  ft1  "l'  dlrcriuillrcru  tiiiip^trunp  uiupnSU  iL 
^yiut/ptupjltruil  piupJtpiuunp  ,  pppitL  [</ty  '"  iiLUpnp  intypy 
ifiiiiili  111  tu  I.  1111  mim  In/iiu/lim  (,l  I.  tultli  iL  ^ftuiJiupJiiulinL^ 
pl  l.  ttili  tun  p  im  11  m  11  m i'li  hl~p  WjiuwliuO  11/uuiil.  1111/1 ,  liili^ 
utriill  ijju  tiiitj  iimiii/iii'iIii,  iL  pUpUtu^uiZfni  lim nn  Im  ^upup^ 
in  m  [<l  f.  nili      uiiLijly      '•fiiilimii  mit      Wjiuini-crnt  ,       nimmt        '/n/m 

tili  pLflip  I  \yjl  tll  III  _0  III  y         11  [1         Ci  Ulli tili ty  y         trp/ty         ml,  11         llllip 

iif  niuiif,  1/111  '/i'/i  ^trp»  iL  nm^pilutliu  mluilm  hfl  llt/ltl  ,  llllui/,11 
n/iy  rs [J ty  upii^yh  utily  iiiuiiiuim  piiuilili  ||  HHint  O  »/  mpitifpiip 
l/llflll      lpilllllly       illimuiil,    ,       11 11 111  Im h      lylhi  ,       lUllllhipÜ      L,       llllit/lll^y 

1     <>•'///,.  \\.  23. 

2** 


12*  Apostolische  Verkündigung. 

iuui     brföl^   m     inui^lrunl^,   a[i    ifiu^liiuljuinni     I.  n/ni/i,    linket  hiui 
il.  iili/in  i       in  um li      iuiluil      uuttrno^iii^iu&ü      linniu  t      \ji~       hihi rw 

imii  linuilili     t^n     iuiu»  vQiuillrliuiju     ./iiui tu lr  ,      nn     Ii    Ittriiiju     Ii 

fiiiiumii/iii       nL.mlrini/      l/l.  />/"/'•  "  <     P'ul[)     ['    ibmiuiLju     Jpiui'lmi, 
111111IL,      ~2fiuuuj*lriLi     ii  in     ap-tunnu     II.     njiunlt      in      ncm/inl^p     Ii 

Uifiulilr)     ii/i      inniiL.il      lULtiLn    f/irnfivfiiJ     uiu^iil    i/lrri  njltliV fii>        : 

16.  tyiutu  in  in  in  in  tili  u/h  in  uiiu^f.  iiiii  i  '"//  miuniu^ 
im  int  WuintiLC^ni  ifuiiui'li)  i  Inj  ii  ii  f.  n  I,  iiii  h  •■ynlrpinitiljt^U,  nn 
flu iii'h  iLiunnL.il  \\uinnLO^ni  uiuinii  !i  nujli ,  iiiihii  Irin  i/iunii  ni'/i, 
'luii/uu/li<\       iiiuijil.  iiii       P"rh      "ifiii      II.      \inninlilil.  mi  ,       II.      afiUiUi 

229r-    iiiliniliiiiuilil.  niiin      II.      ijiluinii'h      ilhrnuiL-  nn      tun  tun       m  uiiimiul.  i 
ii  in  in  in  in  liuiuliui  i'h  yy^uinnLCi'ni  ^LUL-uflitrnnLnlriui  nliui  i 

U/»«_,  Uiu/uujlrm  iL.  LUiL.tuVuniiiL  i'l,  iiiiiii  trntriui  ^ntrimuilfu 
uuinLit±lriuaiL)  im-  plipu  niutulrnuiL.  u (<l I.  mi  iWjimiiL.ujO' ,  II. 
iiifmiiii'li  1111111111  tun in inuiij  tiulilrunLi  oiuli  iiii  u in/iiiii'h  t  \fi 
iluiiili  np  Ii  tStrnJLi  f  in  ii  n  i  ii  tun  m  in  in  U  ui  uin  in  tu  ilp  I.  in  j  h 
/'""/  uli  in  ii  i\yuuinL.o~ni  y  uuiiiituhuij  LinlrniuL.  im  in  tranm^ 
i  Ulli  Ulli      Iiiuii  ulujli  >       nn      tf      niunun uiilp  <  p  min      Uniu      ntityli 

um     II.    p  Ulli u in n Ii ni       liinp  t 

WififL)  W^uuinLiucr  niUL.au,  nn  p tunat  uii  linl.  iiiii  npiuli^ 
ULunUttLM  im  iniuniuLy  nn  Unnup  h  linili  fiLtpu  n  LtrurLiulilili 
iL.  iiinvuiijl.  mi  nun  ni.  mi  p  Infiu  'yptr-tmiulfu ,  h  um tniuüiui, 
LT^ULUy  iL.  ii ilu in ii'li  h  pmn  n  ii/iiliun  In  nun  uipmp  i/in/uf,  iiii 
pluulil.  iiiii  nhiui  n'.'ini  miL.  Ii  ii  n  in  ii  mii  'Tiiuliiuiiiiup^n  tiutli^ 
J-uiii]      niuunfi     ni/IrntULnn     n*     /'''"/  nifuh     ii  piuumu  i 

17.  l»L  lunmuipni  Irnlriuin  ii  ummnlili  \\jLiuif  II.  lihliU 
Unniu  \fi  iui  fi  i'iuntiLiI  null,  um  in  m  hui  Iiii  i  h/i  nun  nn  iuu^ 
Ijt.  uiii  ,       uininifiiL.[3-lriuJii.      II.       triiliiulo       II.       ^ lr i\ n l.13^ lr iu  Jiid 

1)  Xfrt»  p.  16.  17. 


Kap.  15—18.  13* 

■ypPtrinu        /lut/utti/i^/ii*       iiuuuJIi/i  $      *\-*n*l*i/{i    /"**/     ^\nni  Uta  litt 
ö/;to     m  nl,  ii  uiLiuUu     tu/iinnlil/     anncrl^n     diunnA*     nl.  /''//'/'  i      "- 
uiti     ipnupi*     II.     in  in  in  in  ii  lt  ii     un  um  Li/ mitten      ill,  nmiili     iuiuuiiil^ 
~^h*u  i     •^lU/hJ-iuif     iL     uiil.uiili     Ijiiiiiiiuiil.  ijiut  •  «  \\n_tuii       */['~ 

in  iini      t/l/KUu      Pt^P  f      «-       /']'"')  I       CrhuiL      n\\ui/[ih  .      II.       ihut 

ii  ii  ii  in       GUuil      q\\lLt^l  ■'■      *       l1"^       iu  u/u  in  u*  üh       ^/ibryinuil/li ,       /yi 
Ä_     A     iniuiiiuiiuii  [J lu'li     I     aüuinr/li     t^iucY     hu     ulri/iui  nn      muuiii    229v- 
/#      m n ui tun ti     nlilil.'liuijli     ijlmi     h     u  n uiuuil,'li     uitiiuiAiuii  p     trnu- 
I.  ii  Ii  n  n  ii  1 1     \uiti,     n*      im  iii  null,  in  i      iu  il  myii  ii  ifli     i/ iipci  hiun      ikrii 
puipiH**  DiuUafi      t/\\iu/hl*l*      ii/f.  iui       fn  iiiiil       ^iia.uiiifli       ^H^. 

p  uupiuuupu'lil,  mi  ii  In  ti  mpiup  t  \jL  m/u  up,  u  iHtilujl  \\jLtrf 
mifiiilil.  iui  ibrnp^ujLnl/li  ,  /uj/UiP^lruit^  u->iifliiuLLrtitr/iii  ,  qfi 
inTiuuo  ^ut/tucs  arui/hu  II  'i il.  iil.  uiiltli  u_  uu/uiUarui/n  i/uillli, 
[Hill  HjUnpiuLtjU  iiupiilnil.li  iL  *^iuiiucrtruiihru  nuipii  miiiili  j 
"»"/'/'/  ill.  iiuii  uiiluilIt/  \\j*uiiilujo~  p  tun  Ipunl.  m  i  In/iiuh  in  ij 
ti\\uii/iU  ,  iL  iiljUj  IrnlL  lut/truiuiu  Ii  liiiiulit^  iiinuli  im  in 
null  uililili  lliiiluuiluip ii  in  /</  /.  Hill  'liiliuli  ill.  piluiliillj/ili  I,  nuilipi  t 
\ji  iiiiuiiiii       yYfiuini  luci        '"II        "/"//'       \h/fUJ"UJ/  >       i/ih/uhi Iiiii Ii 

\\j>-h[fr     uu/u/ülrijlr/nji*  t 

18.      \jL-      H.'urb       /"/^       I '•[''{'"('      ^firntriui       iiitunniCi  I.  ui i 
<iu  ii  in  pl  In  'l/li       l.-^iuu       ii  iiuii    I.  hui       ii  in  ill.'lm  li'h      in 'l>  I      il  Ulli  ii  h  Ulli, 
illilis        i/fl        I im  Uli         l"l"        II  Ulli  Uli  Ulli  n  ui  ii  m  [il  I.  nihil        ii  I.  u  il uili 

l/llf       [l     'li  u  u  ui-  IL.       pui'liii/i      in  Hin  ii  im   u  I,  Ii       luu  in  'h  Ulli  in   IJ  IILlip 

Il  ill.  iiuii  I.  iiliiili  ifilil^hZi,  i'iu'lni/i  lutii ii'limli I.  ipu'li  ^y/it  tili  III  l/jy 
[ll**/  II  ii  im  ui/il/li  tl  um/,  ll  Hin  il  ui  ii  u  liiu'li,  H[Uy  Ciu  Ulli  hl /ll.  titln/ 
ll/'l/  (in  t       "/'J'     1/ 1*1111*      ui  il   lil  l    I.  im  ii  ii  !l  i  ii       ill,  A  n  i  (.1  I.  uil  lli      t./tl/niu^. 

Vi  III  III         1/  lli  1.1/  Hill   t  ()>/"/     '  "">/"'    IMIIll/J'l*  l/ll    II I.   Ul'llllll         ll  Ulli  Ulli  11 

1 1  j  in  ii  ti  ll   ii     ihn  mii  i   ii/ilt     nupm  f.l  I.  Ulli    il  i   ml  tl  l  'im,      pm'lnifi     III  Hill  „ 

l)  tftt,.  q..  i. 


14*  Apostolische  Verkündigung. 

qfiu  iiluiuui  niUL.nm-P^fiLtUu  lupdujuintj  Zl  pufuyujp nij  ,  IL. 
230r  IrpujUa-iuulrpLiiL.p^pi^j  Zl  q^iuufpuj^ju  Zl  ^iluju  iipuiniiL.iu  ^ 
liuili  tuhi_fönt?  ^iip^iun.trniiL[3pifu,  iuuitrpiL.p^pieUu)  ut^fiuy 
mn-ihu/ltuy  pnJuiuäu.nL.p^fii'uu  uppni ,  Ipuupuliu  Ipuluiuprini lw 
QItuju  }  niuill/liiiij'lj  nnt^uini^fp^huU  Zl  qiuuuiilL  UJCTiuintruitj 
LrLUJUJujfinnt^PnLMf  npnq  iuitpjujn'*yu  Jinlrfni  tx ut uiu / h tu / 
nf.  .nun  Mii/irii  {<)  I,  nilili  fifip  >  Zl  utuhujL-UjqtruJl  IttiLtuqJrquiL. 
tupn.ujpnu[3-h-iuuu  t 

19.  IP/^_  ib  if  imuuiiiiiiiiili  p  tlt-niui  trl[lruji^  UJ2^r 
/uiup^pu  ßWjtuinL-h-nf  h  älrrLU  £p<^/rnjrnji  tntuuutrpiipn. 
n-iunnL-  ttrui  'hiiiliiiuiiuil.  y<\  tili ,  JpJptufu  nuiufulri^  iuprt_tup 
tf\jni)  nii  ijunhi  pUptrutu  tupn-ujpnu[3-b-ujuu  Zl  pu^pTi  iulu^ 
ntrnuiL-  Zl  fyfiu  'unpui  Zl  trptru  nprtp^p  ["-[>  "_  Irptrp  qiu  _ 
Iiujid  npriunq  Unpiu  p  Utrppu  tup  tf.tr ftrujf^p  h  uttuup^JuTi, 
^luurLtrpa.  luifLruLufu  Ltrun.iuliiuL.py  qnpu  \\jiinni-UJcr  ^pui^ 
Jtuih  hui  '[jUih  i/n  ucr  tuu  tr  i  p  mtuuituuu  t  \jL.  tuupjJiftuLi/iL.^ 
P-triuifu  I.  ii  f.  inj  tuiIhruL  iiin  lli ,  Zl  Jujpn.Luju  Zl  uifpi  u  Ijtru^ 
ii  iiiTih  in nlis    npp    p    uirpuii    Irpl/pp    l^pu     tuuippup    ujuj*^ trq tr tupi 

p    iiiiiiupi/ii/iii  x    \jt-   h/h"   *rp*r.p   "pn-pj^j   \j"//'  \j      '    *\+uju 

Lu     Quiplrft},      "P"l      n  tu/ml.  nii       uit/ii'/i     pujquiuqujL*  oiuuqji 

ubpqitu    uiiliiiiililp    iin      it.  in  yp^rrnh-npu    ifiupij.l/tuu     mipiu    JtTi  t 

20.  ll>,//  P  unulu  uplfu  pun.  Uqnilpi-p  iuu/jiul.  Zl  Zy»_ 
uiutAi  quiLp^ünLhclpiSu  <J~ujiLiuutitrqpU  tfuiu'li  pi-plrujun  tinp^ 
o~uuUf  utuuqp  p  uu  u  tu  ii  ti  in  ii  I.  um  ii  uilili ,  ii  p  liuxpu  *f-»iuu  > 
n  uiiiu     tuptuptriui      q<tiupp^U}     Zl     p     i/L  iiu     iudp.ujp->iniiL.p*a-iuu 

230v-  rLiumuj  upiiiuiil.  uii  iltuifu  p  ^tuipli  P^-fUiuJiuuiuq  Zl  luuiup^ 
u.nLp±h-uju  uqiiuu  nhli uiiun  ,  Zl  uii'/uf,  iin  p  uüiuukf  iiuii  uil/li 
n~nu_  ujiftrutrqniSU  ^luunpj  p  uqiiijpiju «  ni_iiuip  rtt^upi  h~nlt- 
lui/truiuiUp |      ii p       iL  in      'im I uu      uuiii'/i      Uqiiqtrujio      rrnufutri  ,      Ii 


Kap.  18  —  21.  15* 

ill.  nu  u/TfClrtjhuipß  L.  pujtpJuJijtruj^ß  t  \\ul{  U^"*^"  "-  B"7^^"^ 
Lrnpujpn  Finnin  luiinh  mit-  ^ujipU  pujplrujuJTUinL Jdtruju  *>«/_ 
u[fu  nu  p^unußlrujLt  U,/»«/"'  'u?S"l-£?u  ^-luJuJjy  qup  'uqiiiJlrUJtjü 
,,'luu  ^luipU  \fiiiX  ujiulf  \»7" dir ui f^  ^ujlT  Ju/lmulp  CS  ujilujj 
I.  '//"//'  !■  nt' '"[•'/  /"-Pn/7  ;  *  ^luutrujf^  jujqt^U  luipm  puiqni_ü 
qiuuujlf  uipmp  fi  JtrpujJ  /.p/jpfi,  ft  %nplrpuiiuuujU  r^iupu  p 
iliuuuiiiuii  m_plrifü  piiLu/riup,  iiipJ-njiF  U-  ^üZh-gtuiSU  j\yji^ 
nun  <\  ui  iniin'h  '/i ii ii in,  Jiuuiuhuji  p  niuuiujuuiiiJUi  *\KiuuqJi 
^iuuu/üuiqp\p  L-  ^truiiutjfi^p  L-  tylrplrqiutjp\p  Zl  \oIlujij{ij> 
Zl  \\JiiLp<^Ujqp\p  Zl  QlrpnLunjijp\p  Ll.  *\.kr p  n_lr  u  uj  tj pj*  iL  (J"~ 
rtm/ifujqft^  ,  W^pujpujtjp'^  Zt_  np  ft  <J>^i_5#^r^rZ/  fiUiuI^triu^  Lrü, 
unll.'liiujii  \jn.£iufuiujtfp\p  Zl  ]  £irtiujp[p  fi  oiuL-Uilfl/u  ^XiuJiuj 
Lru>  n[W-  m'ulpifli  [flirt  "uniiiMit^pl?  itrpljiup  a/fUi  trijtrpiij  Jiqii^ 
iJfit/u    p     Jhniui     luiIhuMntiniuipj  i 

21.  \ji-  anP  ""  /'/lfm'//  q^mjn/uj  'unndpU)  ""/"  uiuppuiulf 
Zt_  tut  ii^uiil  [ähuliu  l^uAiq  i/luuij  iiuijii'h  uiuji^ühijtrpijü 
In  iiiiinuili\fii  ii      nL.pnun      iniiii      iiiuuni^»  inpu       iturLUJ^iugnjlt 

im  p^ulruiuL  yZr«/*  [i  piultu  jiujunufilp  ^W^Lp^Utrujp^  84"/*» 
\\xumnLiuCS  \^lrifiui  ,  Zl  /rn/iq/i  ^\\ujtf  upuuiu/lip  Unnut «C  "  * 
\\t    in       Z/      iuup*£uni .[J-kriuifu  qiui^pmf^^ii^U      [fä^L      ^Ik"-    2olr- 

iniiLlilO  Zl  q§L^plj  p  ui  iinl.  ijiit'li  \\hifiui  iiuiutqm^iucr  luyiiup 
\\xiiuim  iiivr upu-itu n upü Ir luULt  ,  np  pm  uiuu  tut-p^uni  ptpijfu 
i\\t'piu^fiuif  *~yiiiuf.  inj  ,  np  p  qiut-iul/tfu  \\hifiui  uiiuiiUh^ 
im  ii  n  riiupm  lulhliun^iuuill  IIIIUI  lupiuljtiiui  jftlip  :  [jl_  lpt1  Uli 
uipmppli  ^tuip'ii  Zl  [J^fi//////  luci'jj  uiilhruhrqniAi  ^iu7\  f.  niui 
||," min  iu CS  W^itriiu^yiuilni  Ii  \\%iiuim  «i/o  \]iu^iufpui  Ii .  ll,"_ 
iiiiii  iuC>        {\iii//iii//-iiii       lfm/n-  im/lin/i         i\\xp  piW^iuil        Ipup^ 

Ipunt.  tui        pu ii  I.  nun       im  p^'lim  pipi'li      \]f.  i/mi  t       \*u'/      ,/,//'v)- 

1)  Xfin-,.  f,)..  25.  2)  '0**'^.  (.)••  26. 


16*  Apostolische  Verkündigung. 

SinrföhLlfu        QiufitrPp        uijuufpup        £.  »  ^'uriiu^ikiulp^ruiiL, 

|1  u  mm  in  CT     Qujfitrp/i     il     lULn^ulniul^      li     umi'li      \\l.  ifiui ,      II 

I.  '//"//'      ^iutF    upiuuiiuup      Unpiu «    ♦  1^^«      h*         h     iIiu/ii2Liuu 

lim  fiiiiL'lifm      oriunutruiq     trplLlriib-inii     Qn-wiLU      L      IiiniJiulit~u 

-~^lr  LI  llillliulllll        pllll  UlpAtlllll.  IUI         'llllljlu       WflUinLIUCT        IlLllMII    llll- 

li  ii  fi  'tQiuiflruiuju  trnl^pn  gy  p  iuppiuu  'limiiu,  n  oiunu 
iu->fuuju*^fi  fLiui^y  Unyuj«  '  t  IJ»/"JM  purLiuji Jiiul^tr^  t^  ß  *yL~^ 
Li  iiilmuiuiili  linsnrüu  tuiufiUpU  tr/ttrntrn/i}  li  iLümbt^  n  iiim'li 
\\frifiuij  lUfiiptipli  tf  h  ^uipnu  criuiLtuunnLUrlru/u  h  ^Kppuuimi 
•Xtuinni  ,  iim'liimj  iimliii ptuliLiii  pl In  Inili  t  \flilL  •  intim  il 
Lmpiili  pLpuipiiÄiifiLn  np  lULp^ylilrniuL  h  uumi  ii  luum  h 
JilrtLli     uinii  pli     tunSlniL    qiuL^plini.fj-lriuuU     iipnm  n  t 

22.  t'"Y  ikw  P//*)C"i7C"«/i7j  ft-/r  \yuuiiiLiuo~  III  lullt  liuiiu^ 
Litipiulifi  in  ifl.'l  iiiii  ii  unfiiiun^f/i ,  uttili  u  m  i/l/liiiii'li  1/  l.'lui  inlili 
tuliiuuluiijli  iL  diuprrhiuu  ,  uiiuil,  u  np  Uli  ilii  yp^IrnlrnpL 
iiiupuLiuIir.  uiil,       nmiftrUiuili         iiupui  (<l  lu'li        I.  plip/i.  Il       &~ri. 

231v-    u-yiuuiuli      lm\niu*  »^npcrnjU       luiliumj      cruicriitrunh      lULirn. 

t.ulit.iitifi  mul.  nli  iiui/p,  II  //'"»'•  '//"/  qiiL-fuut  liuiiuLiuptuUnu 
liiluiy  II  ns  li  ii  Iiupui  u/iu  um  ill.'luiijli  MunJ-ntSü  'put  in  in  ii  p 
ij I.  nmi  I.  plip/i  ynrni*-«  °  t  \ft-  ifuifuf.  uni  ijLI.  puiLn i  p  uiupii^ 
liiuli  ^piuifiuu  in  in  I.  ml  'liu  ipu  Uhu  nun  tri»  niuLiqft  h  Tnu^ 
ruiuuuirrncrtfu  \\nurumi  ilpli\  li  yp^rrnLrnu  ilpuiili  urrpuiu^ 
Imiul-D  iL  upuiiuij p  criuiLiin  LI.  piulipt^  tili  ilmpii  lilp  piuitj  ilumj 
LI.  piuLm  p  n*  k^p  [<l  n  u  ui  ii  in  ii  f.  uii  Imnuit  \}l  um  tili  n/i  hrptrp 
npnhriU  \j"lp  "'{pip1*  lu'J'ib  •Lupii  Luili  t^pu »  h  triumJiiL^ 
ftffiLU  iL  iiuTim  tili  uirp^litriun  ulinuiil  ^^umiiLUJCr  iiiui.  pul' 
»  \\2Ltrntjj>  IL  piuiii/uiiiiupni  p  iL  itfl^p  ul.  pli/ip  iL  in/ipirnl^p 
irt/iU)      Il     «/*>     3iirp      iL     hnl^hLn      I,  npijli     h      ill.  piui      luuhrlnuju 

1)  X^'f"  P"  27.  2)  Q»«ft  ,1-P/  5.  3)  tF**'  P"  14-  15 


Kap.  21—23.  17* 

lil.'hri  nihil  niliui  lihn  n  II  p  ill.  iimi  iiii/l.'hmi'h  [J-rnunu  trplfupy 
fi  I.  ii/iii/iIi  jif.  u  p  lil,  niul/iii  n,  fiiitill-  aputUViun  liimiiuj.  pmiu 
illiiui'h  Jim  iuiiI.ii//i  -fluni  n*  iiLUi/inl^p  >  II  DUiuaft  nshp 
tunlu'h  fi'iliii  iil.  uliij  p  StrrLäun  millrumiU  11  miiiulimij  li_  p 
.\/.  ii  iiiii      il  111  ii ii  ii j.  iiii       ^hnulf      luppili     iIuihii  iii       i/mlumlimli 

tun/,  n/h  liiipm  ^trntjh"  ♦  n[i  uhpupupiuli  \\umnLCyni  mumii 
r/Jiunii'h ,  II  lih  pnpiiptuli  WjiuinL-Ct  ni  ii  in  Ulli  £ ,  "['"/  I'UU1 
li  I.  n in iuiim'h/ih  Lull  Jiitn  tt'fi  t  \f-  ihn  tili  miiinppli  p  ütrp9pli 
'I  Hill  ill  Im:  Iiii  f.  ii  Ii  f.  ii  tu  i  ,  u/t  ll  If  I.  li  11/111  u  in  lih  LuflUU  thiptriUU 
nui  iinl,  t  Qlrui  iiiiiiii  Ii  iii  iii  hn/ii  m'li/i  i'  tu  111I ui  1)111 1  iitui/h  ifiupn^ 
liiuli  h  nun  uili l,  I.  I ili uli  piiLuhmi ♦  Il  -yiiL-riynt  dp  p  dl.  p  tili 
I.  iil/l'/'i        utpi  lih  tili     £     dp     itrnnn  2.j2r- 

28.     Ij»/"/-     ^fiinlf  mpjLh  iui      u'hmn/ih     ilrplipt^     tu  tili  I.  i(i  o,     II 
dpUsn trn_    u  milillh  fuirL    I.  nliliii     ii  liitil.  nuih    I.  uliullh    \\filil.  tu  ii  iui 
Iiiii  ii  Ii       #/##cr      iini'li/i,      ULp      initnmninli      -ffiTitri      J  /.  ii'l/iu  n  Ii  I.  '//>'/'• 
upuTimpiuliu      ^Umpl^pu     p      AlrnJu      liiipm      ti/l.  nlillhtih     tri       li 
l/i~"ii in mliniij       liniipli      np        ihm       Uiinuiiu      diupii  Ipuli      Ipupiu^ 
rihmiu    Iil  u  iiiii  I      ii  fit  til.  nihil    unpCiu*       Il    qtpUiucsu    Idpcrlrmi 
itin/ii  iiiii/     Il    Ipulrpp.     iplit^n ,     iL     imn-mymmnLUtpiu    lunSlinip 
^  in  ifiu  n  Jim  lim  ptpLli        iiuun  i^unLpJ-truiliu      'lim  im       tuill.'lif,  um  '/i 
dlimp  iii'liiulmiii^f        iL        ■^miliuliuiii       I.  II I.  Il'ij  ,       IL       tl       AtriLU       ''/'"/ 
iXllipilill      ii  ii  im  ii      muH  ullil.  lim   1,1  I.  uiltli      UHU  pul      limii-^yiiii  ni      lllll^ 
iltiitih      III  nl.  nihil  :        1 1,/"/-       il'      "1'      ,ut  "'//'     '*-"        imii  mV  in  ml.  nifl, 
unpcili       t> 'in per  uili  I.  tun    'h  n  iiiii      ii/l.iimiih      Wjiuiiiliuct  y      11  (l      Ulli 
uli     Ii  ii      lim nuiuijl.li      illii/l.  nihil      iui.  i  •         Il     iiiiuiiil,  ii     tun ii  h iui 
l/pill   f.  iitti'h      ll       liiuiuih      iitti-./iiiiiii^ii,     ptiui      In   lim   ifh      In   liiuimili 
</"  /'      "Jl      ll  iiiii   Ii      V  ii  ui  uin  iiiii,      I.  ii  iml  im   li  1,'h      n'hmlt/li'h,      mump 
p 111 in  Im II (uip       nllllllllipillip       II       inipiiil.nm    n      ll      ill.  hihi       li  plip/l  l 

1)  fyto.  ß..  l_6. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.     31,  1  3* 


18*  Apostolische  Verkündigung. 

|J,/"/  i In in'li  ii /i  h  iihn  ""/'/  il in ii ij  li m'li  li iiii ui'li  nl.  iililin  .  IL 
iflt  illt'li'li  li  limim'/il,  li  Unit ilu'li ,  hltlinilfu  i im  ii  y'liui  LI  I,  ni'/t- 
IL      Ulli   lllV/lll      \^lrifllll       l.llll         IUI  IIIUIII  _[J-ilL_U  ,       "/'"/       unjii'li       llt'~ 

iilil.su    pJUiuut^p     iL    n^Xiunirl^iuiiLiinli    uiMt^p     uitfuuip"^  t 

24.        Vj1-       /um  mV       in  In  iL  in  ii      </  uiil  iii  liiiiliiuuli ,       tili  iililiith     L, 

232v-    iiiiuu'lil,  uuiiii    ii  iiiuiii       il,  in    I  Pfi ^trn hnfui    W^ppui^iuif  u  muilip. 

ii/i     fuuupt^     njnjLp^fltiiL.fjtrltt^U     'limlum^iu  i  ii      In  imi      nupup^ 

llll.lll.ll///l        IL       nu/u/lTl       Ullul      WflUIHLlUCr  J        \jl^        lllllllll         fl/l        IUI  III 

lUlLfhiupilLftflruiu      iiuui  iiiul uih    niii  ni'li     In  uui     p'hii     ui  ili.'limjh 
■ML.ny      '/"//'    1™*"-    wifuiup^       n'lilil,  imi      mii     l^     [Jjiuwluict,     II 

III  II  lll  II  lllllllll  II        iL       llllllll,  II        II      a/lLUlljLI         IUI  IUI  lIL   Uli         \jtIJUIIILO'lll 

uii'liil,  iiii  illiuiili  uiiuyitLlju  fuliii  nl,  /;  iilim.  1. 1 1  It  I,  ii  ui  ii  \jnpui^ 
^.iuiJiil  p  AtrnSu  puiupuy  PP-P  P  airnSU  7\uiu  ni/i  uiiLl li.  arui^ 
UiiLatriui  npUpli  x  *fKufunfi  /mm  uitiiiul  ftun_  uJui  itrpi/ulf 
Il      nun  u  ii      tili  m-  »|J7#«      nl  im       itrnlint^       diilJui^      Il        inuiul, 

piiluüi^    Il     n     tnujulj-    *yuiLtt      pn     il     rrli     uilui      itrpLpp }      </"/' 
iru     lim  n lui ,      il     ui  In i     pUnjlitruj^.    ♦         iL      uui     •^u/i  mmuinl.  mi 
I.  n  1/ Iniii  tili     iMiiilililii     upuintriL     fiüpu       i  in n i'  u i  'im     ^muui/i/i    t^p 
IL    unUtnlriL     tr  i_  Ut  ui rZ#  ui  im  lu  uiiftr  m'li     t^p    II    nLutfp     1/fiu}     ^yiuli^, 
rt-lrndi     luiiluu      tri      i/lmni     li     \yfiyuiuiriniutp     uiiLtriui     /""/-    /"-P 
utriipiuLn      iltriLiriui      aunrj.lt       nf\  iiiluild-  t       \jt-       inpa-iuü       Irlfli 

ih iililin  y  up  luia-ürL  ^nt^uiuuiiuu  iiiuli,  inpiiLil  luiilicriuiJ 
p'lim/p,  fi'li  h-ufju  in n ii  ii  hrituifUrLp  '■^uiifiui ,  Il  hplLlrnnji. 
liüiu  [i  ml.  ujl.  uih  \YuinuLiuCi-  IL  miimii.  »»Jifc-o  iiiuiii  nhp^ 
Ijppu  ijiuui  II  iiiiii  uilffi  niiLtP  il,  m  nn  h  imi  lim l.'limliiiili 
Ijuiiui  uicilt  ;.  "♦  Il  i/i'lil,  i  n  in  i  m  li  li  'liiiuui  ui  m'lui  ii  i  In  tu  il.  nliiili. 
n}        ipLniiLÜ)      Il      stunsiunhi      uilui       i/yuiu/luuiiiiJ     iL      cTuiiluj^ 

Itr/ni]      itiilti      snptrp^ujnlii  ii      II     h     ttumptj       iimiun       u  mu'liuii 


Kap.  23  —  25.  19* 

A      Uli.  nfi      li     juiiii m tu ijl.  tu Ih      \\j' liui^iui/iiL»  li        11  tu tu I.  ijl.  tu i 

\\uuiilLCt  111  ii  tu  ii  u'l i  niui'h,  iin  n  um  uiii.  iiniii  in/iui  ml/h  luiiiiu  t 
\jl      q/i       ^u/lifilrtiJt       puMquiiLfp^hrutilhL  II       ntjiuin  u      n/u  uiii   233r- 

nun  tulilih  ii /iiiiiiiiuil,  WiLiiui^uji/]  ir^iiiU  iihiu  \YjiiniiLiucr 
luiiiiiiiinii  iilitlrnn  II  im  im  ii  ijlnu-  '/. ^luttruiq  h  ii Irn  ilrn^ 
lijhm  II  ml.  ii  nuilillll.  Iltl  nj I.  n lilllnu  irfcltj-  ii  in  i:  ui  iin  I,  ii  ^dtlLMTl 
n'hntiiu-  iu  in  ui/,  u  I.  u/iij/i  qiunuli  Pil'-i.  i  \jL~  qiuutrnuiiLiuuiui[i 
II  tjiiilil,  uljilliiu  ^nqLiiiU  'hu  um  tut,  ii h tu i  Wjiuiiilctiii  Jüuj^ 
1 1,  uiii  ImJiu  h  airiLU  ^iiqLiiiu  "/'/' "I  >  luutrinil  li  q/inu» 
»\}l  -^11111111111111/  Wutiiu^tuily  II  ^ludiuntrqujL  lu/iu  iiuii^ 
ri_iutinL[*}liLu4:  "♦  IL       t^n       ulh(<l  11/1111111         initJ  tutl        illjiui I.  itilh 

trnlL  t  \}l  '//'  MiLUJLtriiiLfJ-fiLU  ^uii  iiiiniiu  'hiiiuti  li  2ilrnSu 
'uttuüfi  o ullmi  11I.  mi  ib'lP  *rul  elJ*fuj  PiJmJiniiLpfiiljy  ujü^ 
1,1 /ilituiiuu  (,l I.  in'h'h  l/ülip  ^uiLiuinnq  tut  Iin  ,  11p  iiulift±ii/iiu^ 
imiLUftriulili  i  IJL  it.  ui  uiiliiiulili  cilitriui  lu/iu  iipiili  yjiu^iulj 
h  \}iutLilillf  ,  pmlinlli,  im  111  luuu in tlnlllh  \\iiuiiiLC^ni  ,  q"f 
ftl  iifmiuil.  tun  ■.      uii  111     iiniiLiT     tu  In  Uli.  uiii      Uüiu     \\jlUlllLUJO~*  II 

fi    Wui^itiliiui    CtUuiL   QiuLndp.  1    \jL    iujiiu/I,  n    Irin»    Ir^yiui»    Uiulu^ 

l/flll       fl        llllll/'  Ulli        IUI ■  nullit L^nLltlt         \\l.  llllll  l\\\f fUU^IUlly         ll 

liiiIi       diuiLUjliqiiLlJliLii     p iu  <r  tiili  Irii  tri 111      li      linniu»  piulitifi 

llll\l.  null  \  \uUlllLIUVI  ifl'IIUI^UJllllL        II       WjllllllLUJO'       \f  lU^ylll^ 

linit     II     Wjiiiiiii  iuct     •\iu/im/f  tu    x      \fi.     ciliuiL    Quilim/p     n  tu  ihn 

I.  11  Iin  1 111 111 11  ui'li  11  .  tu  11 1111         I.  11  hin  in  tu  11  Ulli         UJII'^iltili         \\11p  1111 1.  iji 

:u'h III  ui'li h II Hill  t 

2").       \jt-      iinijui      I11111 1.  1111        um  lll.'lmijli      l.  p  llllll  >       11  I,  ui      I.11I1 
i\  ;  11  li  ui  111 1111      tili  uijli      li  I.  11 111  lim   n      uiii-  111  tili       1/1  nliil.  1111       plilil^ 

hl.  uitit         \\1ul1111jf        ^UMÜnJrpA        llllll.  llllll  ll       llllll  UI  llllll  II       In   111111 

1)  \fiH,.  (|JU  5.  2)  ifiA-  (!•/-•  6.     l'»l»>-  M-""L'  ^  6. 


20*  Apostolische  Verkündigung. 

233v-        l\jtf[tu{u1\nu  *      \jL-      hp      PfiLAj      llllfl/hllljll      II  lllll(<)  I.  III  llh      Itl[Jiu^. 

Iiiiiu in  li  li  <ypuu.  iiJuSfihp  x  \ji~  p  »" pirn^tu /'/"/'  imlu-  nimii,  n 
iii  tu  in  ii  mihi  /  mu  iiAiuii  nih  mnf,  ,  H^n  ^mppLp  a  iJmLl  im  i  li 
*yiuaiupp  trntru  x  \fL  ijimili  ti(i  i/^mn/iit.  mi  n  II  p.nSUiu^uj^ 
ptrtuit>  lnl"~  /{'"*>/'"  *"Jp  ^ujn^iuinLpttriutlp.  Il  ^yhc^l^pu  II 
^lun^iutt^pu  iun^  W^uuinLUJO'  y^u  ui  ui  n  luj  er  ^lupnUy  \\upiu^ 
^ujJiil  Il  I  )m^yiii/imi  II  QuabniJp.nLy  tr^uiü  ijhimm  i\japui 
tnnutj  p  AtrnSü  \jnuulrup  II  \\^fUipntflip  ^tuptriui  a\japuj 
in  m  n/iiili  mm  iih  <^iupni_ujo~nuD ,  p  utrpVunt-Uh  *^uipnLiuo ptt 
uiuuiiultp*  ^ptr-ymujL  luniiinlnui  ,  iiiuhii iiiulililiuh  'liiiijm 
miijmlimlil.ini  p         ilmini  111         UttLHlL  i lul im u n i'lm •  mump 

m  in  ii  /.  1.111,1  .in  ii  ii  Imli  \\nii  mi  l,  iji  ,  p  I im  ii  ^ii  ii  I.  m  h  trpiLtrniHL^ 
ntrtui  tiimpsmpuiliult  x\\ii  Im  m  n  iili  p  &hnfu  iil.'liil iilh  nipJiapp 
tuüpcYp  II  iiijiI.  iilh  'lmiim  p  lyaiiLtni^PpLU  m'lji/fcl miim  f.)  I.  m'h 
uinLlrnh-pTii  p  mm 'im  \jppuiitraLnaU  UMLCfujulri  x  \fL  m'hm'li  tf 
lim  ii'^iiij  iiiii  miiuiii  lili  hppn  m  ,i  in  in  n  i  f.l  I.  iii'/i  upuuiAlulLp  x 
{JL  ^ylrptilrujf  if\\mnilpii  Crntl)  iinnri  Im'h  \\iin  mi  I,  i/i  luiflr^ 
Uujjü  aa.nLtnL.pt- tu  iJtl  ^yiuuiuii  iiuhm  u/m  uili  IL.  q^ujiujCrnn 
ajja.fiiifuiujnpu'uf  np  '/ff1'/'  hH"  ™-  JutfwL  p  crnifü,  Ipiiil.iuh 
UJUtrTiIrppu»  min      ii  uimmu mm'li     WjjuinLO'ni      I.  iil.  mi       p      ijt-^, 

/""/       lujunqpli  ,       np       m'h/iji  in  i  mi'  iiij'li        \  i  u  n\  tu  n  Iilh       ni/iiii  mihi 

WjipUJ^UjJllL  t 

26.        Xj1-        iiuhmupu  illllh       mii'liiu         um  i    ii  f/lm'li         l\JjJU1  IILC^III 
(f  ntlulfU      ii ui m tili     apu/uu     p     mmliim  mini       niuplrnlfuu     qptruJi 
234r     JuMuiujJp     \\uuinLCriij.  Il      iTtuuii,     WumitLCrni      l^    |    ujjlt  ,     np 

Atf-tru!^  £  ^  ^ujLpl/u  (i  \\itLpp_  ^naffu.  Il  ^pujJiuUplt  II 
ppuiLitLUpli,  ITC  puakn-lrujn  npn_Lnnlt  \uipUMik-lfl  upui^/r^x 
{jL.  tjJunpufliU  im  in  im  [,l  I.  m'h  Ipmiill,  mii  ^pujifiuuujL  }\uuinL^ 
&y     IfUJqyuT^pu      nih  ii  l.  mi  ii     f§     ill.pmj     Irpljpti      mjhn  ijp  l{  ,      np     ft 


Kap.  25—27.  21* 

//.  nlijiliuli  ^iiau^iipuilju/lidu  trU  iL  uilmil.  mi/ld.  i/in  ,  II  uitr^ 
ii mli  11  \jlibrnbrqLiii  jilLiii  ,  iL  qduipu.uipt^iiLp}pLliu  ^uili^ 
rj-lrnJl/rfiiali  >  /"/'"  "-  quLuuii.fdüu  iL  nuupuliri  m pufliuu  II 
timiutuu/luul/li  .  /"/'  qutui/uuiiuqdli  t^ujpq  t  \jl  l/uiquiq  II 
pul^u/Uuiiu  q\y^fiunnli  iL  anprrhuU  uupui  min  in  uin^dpli 
mill.'limfli/i  qpuJ^iuUuLiiiLptpLuu  in  ii  i  I.  in  I  •  IL  t/pu  Ii  quiLUi^ 
l/L/u  *1  /i  in/'  uiii  iL  qliuili  plipZi  n  p  n  in  ii  quiu^uu  luiiLuip 
lind,  uiii  puLUpL  \ \u uiiil CT ni  n  LLlipO-  uiuimii  mduili  uiuilil.  i 
h  iuui7\midhi  Wjjinnuo-ni  .  npnq  iL  uJLpt/u  kr  in  ^|  //  tniuliiiiu 
ni,  111/111/111  iL  fput  uiLppuujli  tf.ii/  upupui  iL  lupdufli  t^ 
uiilniiifili  ,  np  ^uiuuiuiuiqnprL  uuiiuu  uiiu  •>//; mdm'li  upjjpui^ 
uil.  1111      trU     iniuubri      uiuiZ\ujnh     \\uuiiiLcriii  1 

27.    Aj1-    PPP"-    "top**    hpu    I   PHPP    y    1"P    jniiu in imjiii  1 

\\jjuiiilujO~   \\ii.n  ui^iu  dl  il     iL     qiuLuiupli    Tinntu     dp    dp     ipi  piu^ 
piuut/iLp      uin^dh,       11I1111 11 1.  1111       yyndulrup       um  mid,  m  11      ti/im/.i 
11 1.  iilijiiili     iL    qpiunuipuu     q  p     liduiiuTi    II    q  p     puinuipuu   pjjui^ 
lipstiu  :       QuiftiduitP      iiuiinutriuq       lidiu      W^uiniiLiuct-      qiuüii i  l/u , 

11p       d/imi'/i        uiiuiil.  um  nm'/d.  i        LiupLjp       n^uii  m m und.  tu in'li        Ii 

*uuiy    IL    •ypPhriui      ui'/mi  ui'lil.  tun    \yudut/u    qW^LUt^    11111111/1    ^jUiLtriu 

i/uli      iiurLiuphrpiqu ,     iL     nilim  uild.  m ij         11  hm     •r^puiiLii >     iL     uliu^    234T- 

uil,  11     tun  mid.  1111/     *yufuft-trptS     qiuipilLldtruiä/7*.     m'lmi  m'li'li      *^uj^ 

1  m  in  uiii!  mi       ujdpiinpu      m'/ni  11///1      pUnnLütri  ,       iltiiuh      lutnuy '_ 

'li  11 1 1 11  11 :   (.1 1.  uil  1     u/lim    iii'/tli,     II p    hnlLUl       |«"Y      PUJUqp     11'liui  11 1.  11 1 1  p 

iL    iipinhriuip    iL     duUtruJiP    iiiupJiiuu    uiliiipt/u     nirpiriiid    puii 

lllii'l.  uili  null  111 11  liilliunii  111  ,  iL.  1 1.  11I1111  in  mmultlirili  IIUlLUJptr^ 
/"ii'/i  mlm'lin  Ii  Uliqiuul^  1 1.  11 11/11  11  11  lillili  Ii  in  m'lim  11  mnli/i'li 
,1  in  ill,'h  iiii'i  1  J  11 11 11  iln  1  11  ii'li  mii  Lim/  piuniupu  dl.  A  null.  i\  //  iL. 
uiuinmuuii  upu  f'l  "-  11 1111/111  h plipillCl  I1U11  ^iiuiuiu  plilll^, 
hl.  mi       p      litfiu  )       dpli\       11  fi      (ii*    )       liiuiiuii        '/"/        im  11 111       uiuhi 


22*  Apostolische  Verkündigung. 

nf.  ii/i/ni'li.  iL.  iiti  uii  f.  11  f.  iiii  tM-tfUi  trrilL.  1/  n  um  hui  I.  m'li  uiilL.^ 
Uujiuh  11111  [t&trniu'^iiit-iuuitrujip  >  [yh  WjtwnL.uicr  4/'»  "P 
■yunp^yt^pu  'luuiiu  qqiu  un  n  ufd^  h  iflfli  Ll.  ^UUMnujUrilrnni^ngultl^n 
niuiflilit.  u/i'/i  t  \jl-  hjuJL-UlrnLuU  i/iiiui  iL.  u/rp/ipl/u  in  /'/'/' 
np in n i  in  U_  ni  /'/'/'  ffUincruAiL-nt  ijuuiilui  liuL  i  1111111111111  iuiii^, 
1unuL.n1  trpüpp  t  |  m/i  LrplpiLjfu  iL  iilinjui  miiiiiltliiiu  \\liiuu  u 
niiiili  ^IjUiLtruL  iL.  *^iunLjp.  nnnfi  Qtripnufriu  in mumm  I. 11 Nu 
n^tuurLtrnau  pL.ptruLun  1J11111I1  I.  11 1.  1111  muiiIiIi  iL.  111  nun/,  tili 
rilf  mim/tu  nii'/j  iJ/i  I  i>L  lim  iiuiliL  i  iiiuliJilmu  IL.  ilh  p  iIiiiiii 
11111  liiulii.  1  riii/iii um  1  11(1  \yjjwnL-UJCT  trui  nuiill.  Iil.  11I1I1  /''"/ 
t\lrn-UJi/p.  unnujy  iL.  trphhnu  Lutpp  l"/d~  P-UJPP  *?  *  t»4-  PPP 
11  %  <}UJL-UjuL^fuj)  iiiii  /im  111  Uli  1111 11  c/  1111  ml  111  l'if'li  ufurLpLju  p 
liLlpu  u/li^ujL.ULuinL.P'n-uju  -ypPtruin  iL.  Lj  ilrn  \\jjujnLuicT 
nXufUuiuiujn<yli  hm  im  il  11  in  11/11  nunuujy  ncrnninu  iL.  ^yuip  w 
2o5r-  iimlil.  iiii!  iiuhuiuiui  111I1I1  t  \jL.  nppuju  ujL.nL.nu  ii'hiu  1111h  II. 
11  iiiii^Miiii  mj uii/ili  ,  "P-P  rLpuirriui  nulitrapli  nlrplippu  ,  II. 
nuin-UiunLJjp  Ljriu  luiuiiphh  muipp  11111  11  I.  11  I.  tut  putn_iuu^ 
'ftmi//,  m  lim  um  11  Im  11 111  1  ii/hiuu/  m  iii/i'/i  n*  nui/Irp  iiuihiuiihi,  , 
np     h  111 111 111 11 L  111 1       ^yunmili      ll.      tunp^nuprL      niSut^pu      ifimuhh  1 

iL  nliliiih  11111O  nihil  1111  min  ijiuiili  iu'h^fm  1  mm  11 1  [</ I.  ui'lili  H1^*, 
iiLui/ui,  pmjii  brpbnL-Uy  nPJ*  illimii.  nlih  f^ujn^ujUnnuf^Lrujuij 
•jA#/#f/_f#A  hihi  1  111  [jUJL.truj  iL.  *fKujntrpujj  nprLL.ni  Qtri/inulritiiy 
iL.  nP£.  upufuti-UJÜ  ihnnnLlipu  trncru  nt  11  /mit,  1111I  ott/P 
LunP  auj^trujlj  x  \\,PO-  uu/L'hiuili  fp-trpuj'^ujL.ujui  cfnnn^ 
unt-ptLli  ijuiJuTSiiiliL  11111I1  iL.  u  111 111  n  L  11 111 1  iiuhuiuiui  mlih  umil. 
imilpiii  uuilpui  11111J  iiili/m  pirpuj<tujL.uju^nLp^hiuu'u  liiil.  1111  • 
pull  üjuu^iilIjpTj  uiTCtrnlTUJin  h  nuin-UjuuujJIrup  1 1/ L  tili 
luuituunL  iili'/i     af^pL.     ilLrn^hrintiu  t 

28.       \*p-P"-      /3UJU      ^>ujrL.tuuuuiiftiL(3pLii/ü  <       hlfü       tJ-nnn^ 


Kap.  27  —  30.  23* 

i/m  ni/'li      ifhrnJi     h     •yiinniuiuuli     ll.     a.iiL.ittunk'uii       7\iuliuim I.  tnuli 

j ui'hij  IiiIiiiIi       \jnhp_iiLJ[i  {       W^uinu/üiULn       n  in  diu n  f.  tut        nd-nnn^ 

ijm  iiilIi     \Yntlulruh  y      ill.  imui/ili     n  i/uiui  iinL,      nmt/Lluuili     iuluui^ 

•Jl.  i'iil     unti%u_      in//  nli      iiutü     n  ilh  i\  ut  tltr  er  tili    Wjjuini^o~iiiy      iiutt^ 

ri  III  II I.  I  III  I       IL.       ll  Ulli  l/l,  jlllj       ll  Ul7\  I.  III.  llllllll        tiulmi  iiim  in  It ,       kltlfll^ 

/  i\yuutnL.o~ni  iL.  uiiu^rri  .yitimmm  liiim'lm'li  linnuiy  fff 
unpnn  pull  ujL.nLjliujr%nnLld-fiLhj  iiiii'/i/,  im/  li  ill.  niui  'imuui, 
I tut  I.  1/ ml  iuin-UiyfU  f.  iil.  mi'li  x  \}l.  limlrnLUL.  um  I.  n Int n/i 11 
lULnLjüpy  inniiL.it  putniiL.it  itiupitiupLjiiL.PpLlip  IL.  luinuiuu  235^ 
QtrtLiiLLi  iftrpni  *ypuiiL.ufi  ^fKp/iuuiiiu/iy  iL.  luinuin  u  a-nnnilpp^ 
iil.  inlili  ,  iL.  i  tun  tu  ii  ii  li  imlui'li'li  -} /,  [,l  uhimiiti  ii  iL.  1111111111111 
in ii j > um ii i  LI I,  in hli     li     liLTnou     aptriutn     brli  t 

29.  XjL-      ll  ui  in  ui  ii  t.  in  i       n[iL.n      lj  pufft  tut  fit      \jnipilru/i ,       muh 
i\\tiiuini  CTni*  \j  I       f      'l^f      f      ffruinSlirL      iL.       iliulu?\m'lif,  i/lin . 

n/i  ii*  ifiiLO-ntru  it iil.  uil  niimlm  iiii  fit  l'rfHl'frh  *  l»L  'lim 
iitun  piuupli  ^ltiuilIi  iluilu?\mli/.  iinn  ,  iL.  i/i nlumlmi  1/ 1.  in n  iiliiu 
•^fllltlL  ll         llllll  ll         [jUIL-lTIU  l  \}i"         ^fiuuinjlilriiiij         'l'\\"l"l  utliiuu 

lultijnin  ncl  iinnilm  fi/'li  itrplihiiliy  Ll.  in  tu  uiiui  I.  i  ml  iL.  nutltlr^ 
iiul  ii  li  liüiuitali  l'lnii  li  /.  u  i  in  nlL.f*±li  miiu'li,  i'  ui  ncl  ui  Iil.  m  u 
<.'  iiii  nihi  ff  i.  ui'liii  um  iii/i  \jtiiiL-UUinLjuli  y  pipiiL.it  /</  /////  /// 1  nn'li 
'\uULtip}  IL.  \\mimliiiJli  ninif'/i  'im  um,  nn  ipütTuin  n  iniiiAmnli 
lui'lmi'li  W^uiniiLCi  ni  itiiui  Liifiuliiii^ßttriiiU  /""/'  uiltlili,  nn  im  tu 
ii  iiiii  null  m  n/t       I.  ii  li'l  im  i  n  um  tili      iL.      "">"'/  ''  ii  ii  ui  Ii  ni  li  in  n'li      I.  ni.  iiii 

kn  /'  \Y"i[uI.ulj  t 

30.  U»  /"/'  m IL  tun  fr n Ulli  iWjiuiiii  a  III  iluiiui  mnl,  l'li  f 
JihnSU  ^iilt t  Ulli  iinpiti-  tiif  /;  /;  m  n  ii'li  litn  tu  in  /,  li'li  iL.  iitun. 
*\m  tuiilil,  li'li  i  \}ji  mm  Uta  ^uiini'/i  i in ill.'lmt fiiui'li  ,  l'lnii  iiii  i> 
I.  ni.  iiii  ii  I.  nll  I.  tili  [<l  I.  mlili  ^t.tuiiu  ill.  iiiii  •\/iuiii  n/i  «J\/f///y^ 
in  null     n  iiiii  tiilt     \\  it  ui  tu  r)  niy     nhliiii  tiiultl.  inil      ti/i     It     nun  ni/il/li 


24*  Apostolische  Verkündigung. 

l\\UJLUrn  CT int/l/l,  m/1,  ilni/nllihh  '/m/m/,  u/i  I.  ii/ui/i  im  in  ilm// ifh/ii 
an  tili  ^\\iui-P/it  an  Iffiu  nnn/ili  W^nntu^tuiftiL)  h  ditriLU  /trp^ 
1/ in li  ilm/uuihiifiif  in  hl  I.  nihil,  l"i'/  im  111  ^IIULllfli  ii  ii  ij  li  \\  um  in  _ 
CT/»/>  'hm  In  /.im/  um  2tULnli>  ttun-tuV  Ptuu  ijm  ill.'huijh 
pfiUttLlclfiLli       iiit/umri^y/iu       <\'hl,  iiii  •  iL       I,  iiii  I,  ui/        uiill/hiiiih 

236r-  tup/utu'n^n  h  iliu/iiAiuh  iiiii  /im  l.'hhii  ilni/ui  ml ,  h  ill.  im  in  hl  i 
ii  ff  ii  im  niil.  fmj  t/iüpU  nun/1,  hm/h  pli%  \\uihh  \  \tiumn\nt 
ajlrfilfftüu     II    qjlrpyfou  t 

31.  tK/"y-  iiiluiini'h  i/him  iiui,  ijiijij  pkn.  \\uuiiu  tun  iL 
^fiimiuiiiuliiii  [<l In'h  uhuieu/uitLfcltrtuli  |^M£/»#»i_CT/y  iL  iliuii  ii  in 
ii  ii  ii  ci  I.  ii  i/i ,  ill  li  n  \  ll  111  [Ulli/ hl  111/  Ulli  im  li  lilmi  1/ iiii-  ui/i  pUi 
Lnnnn.nLld^nLU  pUriniSlitri  qujUiuuiiuliuilinL^k-ujuli  ,  h-jctt, 
n*  l^n  'hiiimi  I,  hl.  iiii  tun-  ill,  n  x  *-^iuUq[i  uihiii  I,  iiuilil,  i/i  II 
111  hl.  tili  ii/(*l  I.  /ml  iiilmi  iii  in  Iiiii  Im  i  hl  In  'h'h,  n\fih\  ill,  ij  Uli  Ulli  UI 
äunSUt^n»         uinrL     ml,  uiu'hl.  ///     rrulL,     nfi     imm     null,  hm/h     ilniuli'h 

l/l/ll/ll/  III    hl  III    ll         jlllll  III    III,   IUI    hl  I,  Ulli  UULUIIL/J         IJ  Uli  IUI  III  III  Ij  III 

uiiLltHruiliU*  iL  ilniuli  tifi  n  huilnumui I,  i/n  I,  i/l,  /m  illi  \\^iliuuuji 
UJiftrlitrp/iü  ■yiufitriuip  l/m uil.  i/utii  P^n.  üiu^iil  n  AtrnSli  iniu^ 
/mitimi  [<l I.  ii/h'h,  iiimjmi  iL  uincrtuü  t^n  h  JilrnJh  ^inLhcHrujlili 
ilmiiti  ill,  /i  ilm  ii  ij  ii  jli  I,  iil,  iiii  im  O  nihil/  Ulu^lllSÜ»  ilmiih  -i/i 
Uiu^li  il mii iflmi  (ii niii im  iinl,  im/,  h  dtrnSli  ifuinuuni  u/iunui  II 
luntriuli  t^n  limi  i/i  m'lm  i  illi  mii  I,  m/  h  /'""/  Li  m/m  /  tiiliu/i  //'h 
p  ^ujnuinui^uinnLptrut/u  fiLnuQ^i  jJ,/»iT  ^Ktulili  ifni/itljlh  hnlL) 
q/i  h  JilrnSli  "/'"/  uuinalini  lit/ul,  iiu/'h  II  liiu/mi  II  /ii/i/i I,  m/i 
i/trnoli  ,  h  atrnSü  im/mi  fuiu iliuihl.  in /  lull  "P  "-"  ll"//'  /' 
llhrq*  iL        ilui iiii        m/uiiii tili        iilmili       'h/u /mim  in I.  i/n  I,  //l,  /m  tili 

uifujnuTinLpl/iLli     /ihl/ui/uii       §lj-rui     iflrn,      ti/iu/lyii      iifi      iliuuim 

i/l.  m/      il/iiji.  u//[i      ilui/ih      *^  tu  null      iL       iini/(J  I,  mii,      U/X  niilmi       i/n 
236v-    W^fytut/tUL    I    qtUfil^njtjU     qiflrqj 


Kap.  30—34.  25* 

32.  IJ,/"A  '"""'/'  t^  liiulmuii m  f.  i/n  L  pii'li  II  iiiiuiiiii  [fl In  h- 
li  liiuifiun  II  ipüiuuuiiu  [tl  l.'lil,'ii  \\j*uiiiLcriii  II  p  '/"/" 
l.nlinl,   :       >*flu/l*qp     m      int  '/ii"/     \\uuiM-Uio^j     uiutf     fpp >      llu~ 

ILluV  Dll/l*       II  ll  III II II  II        I.  III  Ulli.  I  •  IL      lllllllll  II      in        t^p      £LlipO~D~l 

iif,  nli/in  ;;  t  (J^/"/-  uuiuuiulil,  s  üpuMifriL  h"l"  4/'  uiiufiuJLpl*i 
fftuiL    ]\iiuiiilujcs     *ynrf      l^rHr^  ffumtrncr   rpiuipiiu    ubpqpu 

lim nii  lim  Li  I.  nihil  t     JJ,/"'/      iiilmii  ii'li     11111111     p     ill.  11 11 111I1I1     tiifuiu^ 

I  11 1 1 1.  1  in  I      ^t^p      ijlmili     milul      n  il  111 11  illi  1:1 1  11  n  11 1  LI  I,  ui'li     iiliLmimi 
u/ltiuLptflinL^pLlii     p     fpiLuf^l*     crüfriui      uuiuujlo     II     pifuju^ 
in  m  (,l  I.  milp'/i     WjiuiiiL-O-iii»  ii/i      II     f/UpJ*      ijmii        p       i\\nujUl* 
11I11I  iiilim  ptpLl*       ilm I iilh im  niim  [,l  I.  111I1I1       niiLnnt^  ,        Il       I,  11  (111/1 

II  nl.  nl.  m(li  fi  ulpif ui'.ili  ilmiiii'/i  uuiii  Ii I.  11 upup 111I1I1  II  litfiij^ 
uriLfttlru/l/l*  \Yjiwiil  cf  111  t  33.  Xj1-  11 11 111  l,n  p  JtlrrLli  LiiLup  uiuj^ 
jiuijuI.  ijl.  pu  niup/pii  niut  ifmiui'li  II  lulilil.  mi  i/hrtLUJL  ,  luiu^ 
up^u  II  p  älmA*  hin  11/11*1  11p  iiilujl  pix/hph  \\jiitiiiLCfiii ,  Ii 
iltrpuuipl*  lupCF ujpCf  kiui  ilmuii'/i  htruujLp  illiliiii im  1  nLlriuli^ 
urhi  t  %\\iuUa[i  hlp*  §f~pl*  11 1111 11 11 1  11 1.  m  1  11%/iimii'li  fi  ill.  11 11 111 I1I1 
h/hnphf  ,  IL  1/ 11 11  m  nl.  1111  i/miui'li  f^p  x  \jL  ilmiili  miiiiiulili 
*y[_  uu''irn&iiLUJ&-  ftli*^  ti*^  fripL ,  i'*Jl^  /'  "ht/u/hff  iiui'lu/uflil,  , 
n p  iW/luii/uij  n  m  null  iiLULjp,  i/l*i/ii/uiiip~}fiLU  uuitrnCriiLiub  Ihj 
iipu^h  tun.  nu/Uafi  upiipui  II  uinil  ni'li  L\ p  p  il/.nuui/i'li 
ij l/timi  npl.  fli  Wjiiuifiui  p  *(i/»/'  11 111 11  ii}  11 /1  l/ifriui  ihilppll,  uijli 
iliu^lpi/liiiiiiiii'h      iii'lulm-^m  plrul-U,     Il     ij\jliiii     p     [ftupAuitf\ 

afi     Ipif"     •("'  11p     piupl. lumi  11         I.  nl.  mi  ,     piLCfnf,      Il      luittihtu^   23^ 
uhlltjt,       '/!/ "i   11  ml pitli       miuptupini  f.)  pi'/ili       p      Xtr ll^li      lim   uiiiliii/li 
*>/'"  [J'rii/lilf        34.     \fi      "*/">     "['    ['    ab  11*11    ilimimp'li      iiuluuulinli 
/,/»"»     flu  O  im       p     a/.  n'li     ilimimp'li     ^pil  [J  fr  li/üi       nnl*    piil.mi 
\\uuiiii  Ci  iij  |       \\pnJiU       i/iupiini      pli  f.  11  I.  iimi       /•'"/       ilimiuilih, 

1    h'ii'i-  p-  5. 

TextD  u.  l'utersucbungen  etc.     31,  1  4* 


26*  Apostolische  Verkündigung. 

q^iuppü  qu.ntnni-[*rniSU  lumtltm'lil.  iml \  iL.  ufmiii  ni'li  qqpuini  w 
ßfiL^i  n  Titrpnu  tlm  A  //////.  im] ,  iL.  niiiiiiijiii  iiin'iil.  iml •  It 
\tiip  kr  mujpujpitri  \\jiinm  Crni  ,  npiqh,u  tut  i'li  \\tiuim  O  111 
pinpfi  Lj  t  \jl.  ij tu  tili  iiiiiiiiiifilf  f  n/lili  [i  dtriLU  \juuji/i  tfiup^ 
iimnl.lt    miil,     ii^tu'/ui  I.  pdh  iiit/i     I.  nniilii        nun  mV  tu  11  itt'li    tit.  lim .._ 

n  Ulli  L  /iiij     pijjliqp    ijmiili     mimitilili     i/mini  tun  /,/»>     q/i    q^niü^, 

tj.tr pdiriiipfu     it/mim/t, fi'li    ,uPrh     UJU'y     P    oiarnJs    'liiiiuu    piuLili 

llllltlljf,  11  ,  fc-^c/^T         '-'■'  \ju        *»/  LUU<yLUL.uAl/llf       iL.        m         iiu  illlL;  iP 

iiiiit.if-  n[J  plpu'lm  hiP  rrnh  h  ^  lu p n L.LUCT u ,  iL.  qhfuuJLinu 
im  iijin  iiiliu  II.  qrt_kjdu  htf  in  //  lupdm  tili  imiliui  {,) itt  P_piu^, 
Inuq  g  i  U»/"7-  H  dtrnSU  ^fni^fd-tru/l/liy  '/"/'  tllllix  /*  Jiu^U 
inL-UJL.  Ipiilnl.  mi  tiifiiuiin  1,'h  ,  q^pU  nl.  nl.  ttii'li  It  ilimiiulili 
quiiupuipini  [JpLjjli  frpqct-  t  \fL.  ijmiili  qfi  plipjj  tr  p  ui'li'h 
WjjujnL.O^nili  luill.'/iuilpui/i ,  np  im  m  nilil.  nli  itt [,1  ml.  ttil.  m'lili 
p     ilhrq      mit  •^mtimiimfi      mitipiuo^triui       tr       i  tu  ifl.'limlli      LUtpimp^ 

**)tlUy      iL.      tlUlllll    llllllll,        iL.     II I.  Illlltl j'.lll I    f.)  In  7/       Ultimi       iL.     q/lUlllllL.^ 

p}puU     IL.     qp-ULndnui^PhLAi     iL.      iiftin  nn  t  [<l  fti'li ,       nLuUqfi    pufuliL. 
[j^uuiiiL&ni    p  npipntt     titlimi  ttlilil.  tu t      um m mlituiuu tili  ,     IL.     luiu^ 
237v-    *lruji       t?     h     nimm  \\piLpU     Wjjinni^O^iii      lumsiun  tu  n     qn  l.iui 

lmill.'luujlip.  pnjüqfi  iifmiiiii  iL.  LuntJ-iLiU  Lj  Uifiu  tu I.  iim'lif.  ift 
fpul.  puf  itrplL-lriJiu  ma  I,  i  ii  m  ill/lini jhlni  ii /u mnti l/'/tt i  [<) lu'/i'li 
("-P*         q['      qllit-pqnno-nL.p/iL'liij      h^P      qmi'/i     p        itrplL.tr p^nyjj 

f]nL-y*J*y      P     dtrnjj     trnlL.tr ifi     d/jL  ni'li,      qfi     Uiu     l^     nn     im  um  um 

tjuiUtr    qpuipJpnLpftiMfu)     mjii^iliilli     lr    qjlrpqfiüuU)     II.    -yujpnL^ 
Uutqtr   qjunpli   iip    £  fi   uuinpliuu   frpqp/i,   II.  iqpqtriui     ^q/r  qlrp^ 
l£iujlinL(*lpLClfli  jiupL^lrilirj    iLp'utiL.    £i    tlni  tun,     II.    q^uujUL    l/ttiiifb 
1yP2^£l~P^'P  1Uyu>"-P[nti^'  'uujL.iuumlrpnl    II.   ulil.    Link  iml 
mt/l.'lmij'li     iiL-Uuilrp     qgpni_lrujpfu    fi    qfiwnt  PfnJL     ^lui.p'u  : 

l)  b"-  fr-  6. 


Kap.  34—36.  27* 

35.  H/"7-  '//"/  "-  i/Xyj!-PiW^tuuiiL  qtrnlruLi  n/u iitim m  Ifl/fi, 
r/n/i  In  n  um  tun  im  Utfui  W^uiniiLiucr  uinSUtri  aqua  mljli  unpui 
ppp       nuiiiin  I,  nn       I.  nlililiij  ,         nuiUqfi       iitniii       miuiiii       '\\iilmuiim 

/ui/'liilu/lil-,  .  np  jW^aniu^iuUt^  1/1/1111  uil/li  ntlut^p ,  ß  linLUtfU 
atilruii  iL.  /m  um i  n/m  iui->piuip*^p  hm nill.  m /  q^uiuujuiiu^ 
.iL  iiiiiili  p  cluii>  p  jitriiSU  Unit  tili  ^iul-uiuiiii  [iuil  \\^  ppui^iu^ 
diu.  m/ir/  nt/i mum  i/l.  m/  d*}  lt Jd-  tuu  ii  im*  "*^*uiuq[i  ^uiL.ujuiuiq 
II  #»««7 Sit/ *V  yyjiiniiLO'iii  iL.  <^uiifuipb'qujL.  liuiu  iiunriiunni_^ 
fJ-hiiiC    ♦  Ui/uiliuiuilfU       iL.       tftrp       <^uil.uiujuiiiii/       Wuuini^o^ni 

luii  it  iiiiiiu'liiui/n ,       ouiuqfi      ^uipriuip     p      <yuiL.uiuinq     utrqqlf«'  t 

\\,nrf-     "*     p    diunSLi    tui  iifilimu     luiiu  m  m  Uli    \\npiu**)UiuilLy     m/i 
fi     XtrnSU    ^uiL.uiuinqU  .<  "  t     *\Kiuliq{i     uiiiiLuipuiquiL.   p    *yuiL.muinq 
\\^p  nui^iuify      iL.     muri  UI II III     UlL.pL^Up     11%       1/111/  \      \jtl     uiUuiuiLjii     IL.    238r- 
t/li.n     ni     p    Aar ilam     im  iililiimjli      '"/"/  mpuiuuiifp  ,      lull     p     afrnSU 
•^uilui  Ulli  tili       illim/l.  ni.  /n/h        tun  iilitiunjli      IL.      p      ilui/iit  uipLypqy 
iiniin     ilui  um  in  uili  tf    tll.  ii    puilili    WjiutnL-Crni  t 

36.  pL  ' //"/  LjC\\iUL-[<fp  ii/iiuiiHiiiiii  'fju'/j  ■,  nuiUq/i  Itinn^. 
iiiuiijim  Uüui  yj^uUML-tUCr  p  uiuinni  ii  1 1  ii  lim  i'h  I,  'int/im  lUipnL.^ 
nullit,  i  [d  mit  im  nn  I  im  [im  l.'liiii  Ii  mli  ,  npni  J*rtuqiUL.npnL.^ 
pHruiUU  iJmlii7\  ut'li  ii*  I.  n/iiili  t  \fL.  /J  tun  im  nun  um  *\\ppuuinu 
M/"77            \\iiuinL  crni  y       ii  ii  it  Ii      il  mii  ii  ni      /.  ii  l.uii.  uii  iililinli       Lj 

i uii'liil iiilil,   y       nn       Ii      '\\Ul l-l*r tu I      iiiui  m/j'li      ntSUlfp       Ii       lim  iil,'li 

UpilipULLn-pilLld-flLll        I.   II I.  tll  1  •  IL.        lim  Uli         Itllllll  lillli         II        ll  IUI  II 111 

iiiimluiilil,     jiimiui ii i  tili     I.  t/lt  ,     nn     l^     m  iiu/li     um  m'li.s/ili'li     Ihiny 
i'/t'i  uHruili      crUnuUn  ,      w#/       //*      p      upjinni      Upyni  .      //        /;•       // 
tu  in  iiiii       IrppUuii/iuUq  i        np        ly        in  /ni//'        tun  uiln\lil!li       um        p 
cilint  Uli*        u/i     um  ii  11/ tili     iimii  u!ln\llllli     ii  i  in  in  m  li     ritii/li,     uii     p 


1)  <\.u,r  q,.  6    \JM"  (J.£.  6).  2)  <W-  <}..  11    U,-^.  p.  4). 

3)  l a-n4Ji  q..  13. 

4** 


28*  Apostolische  Verkündigung. 

f\\iui-Piui       Ipu  uuilpu'h       unmlmjhp       ufinniuu.hniii..fj-nLUU      S/'> 

/'/.  lim  nijli  ,       np      [J  iiiii  im  tili       t^n      p     iltrpiuj      uiiu'li'/i      l\,iui  [d^iiti 

tun  /tuil.  ni  Inj,    "/"'/  P" "'  um lii p  n l  [d-  h  utuu  iltultüCutU   n<s    trnfinpi 

37.  U»/"7-  titiiiufi,  ii  yniuunfut^n  nthpl^nL[ttpLUU  ill.it  II 
■^äuntiU  ii/tiiiuiiiiii  tili  /, ui u: uiii I,  ii  II  ir^pU  nnupiuptni  pfpiTih 
p  /'""/  piLCTufut^p»  Wptlp"  W^uuii'LCTnj  nnnp  t\^iULptp  II 
nn  tili  WäLnuj'^ujJiiL  trnlL*  nuflta/i  niuninu/i//  /pumuiii I.  pul 
iL  ijl.  tiutiilili  ii  i/iiiiii  uiii.  I ml  iplipu  ,  afi  i/trn  um tiiutti  unk, 
In.  nihil  ,       |  Km'h'h     \\jiwni  o~ni     iJiunupli     trnlL      ilujuu     LiiLupU 

238v-  irtliujLnl/l$iiLp-lru/liy  tu  iL  p  piLCtufutri  tp/iu^u  iL  Llruujunp^. 
C^tr/  tili  tu  ii  it'lt ,  nnihij/i  pup u  I.  piihu  t!L  rputi  t^ujp  iftrp  IL  p 
JilriLÜ    tfl.  iitiiinti  fJ  l.  itilih    hrupnhrpin    iL  f*l"J-    Uui'^iilujIj    lil.  pui  t 

38.  U»/"/-    /•  iiit/i/ni i/  tu  [J     t^p     ^uiipU    \yjiiniiLUJO-*       uiiluj^ 
nlrtun       ii  in  ii  en  I,  ii  in  in  u  I,  in       p  uihh  ,       np       I.  hl,  tut         piiuin I.  um  „ 

tiii/hl,  i      11tll.11  ,      p     UniU     t/itiitiii     iflra     iL     p    unfu     ml.  n/m     IrnlLy 

fit  im        i/Irpu        i/ihl.  iml        Ii  ii  ii  in  ii  tu  ii       tilil.  nihil  ,        pn  n  u/hl,  pul 
ijuiti  ii  I.  iitihiiiijh       Ipiiupuhu.  Ii        trnlLtrnujL       iiniih      linpui       iL 

lUükrplLnLpl^ujnnin  ii/umi  muh  n  / uiii u  I,  im'h/Sh,  iL  unntruin  utrp 
noTtnLÜnSU  IL  lum i/iuihl.  m n  nüiu'^u  iilmih  pUpU  ii hu/iuujhu'h, 
nii ml  pJpnZUtrujQj  t^ujpi  piLcrtruji  x  \jl  n,jujpnL[&pLUli  I,  '/"/'/< 
ItlipU  nihil  iiuililili  utrn-trpin  I.  ii I.  mi  ,  II  <lilinl.mli  tutpilL^, 
uf.  mi  ii/pipri  tu  hl.  nii  i;  ilm  n  ii'h  ,  ^lulitrpnl  p  '/'■/'  p  f-kp  p 
iJa-pniult  I.  nli'hli  puyilh;  ihm  ii  mu  ^tuLiUjt  \\pujl~-u  \yuuinLUJcr 
p  dt/LU  ilmu u  mnl,  tili  /mm  in  ni  n  im  mu  I.  pul .  );pL  lUipnLiipn 
lj/imnuiiih       *^\UIl[<J^P      ii/pinn  m'hf.  nifli  ,       uipilihnh       Ijf      aifiup^ 

il/ilih  n  Ii  ^lULpt-iuiu»  II  ii  mi  ii  7\-nfujpwujup^u  Liuwujpn-ujq 
^J4"/  illi  ii     •ypuiiLU    *fi.ppuuinui,      nill,  ii     oihphnL.pf-pLuu     ">^puj^ 

Iiii/iiI.  pul ,      oft     nilhrn      7\->i/mn m niup,  u      /"'/'  <"  "'/',  <      nJiuplrqni  w 

l)  1KW.«-  P-  11. 


Kap.  36—40.  29* 

ii I.  in/       ^uiLpli  t      \}t-     u[y~H      iip      q  p      hiiL-iit^      OUniSUnLli     'im  um 
n%      l''"l  iii'fj/"//''      ajiiunif-     ap     Jlr n.t p~ig     itunni_[<}[iiSuU     'im  um 

lllllllllllfll-  plll'llljfl       llt/l'llt        lllllllllu/lmll/l       If      II      II*       <fflUJ^UJffl      U- 

n%     uiiunuibiunar*       qfi     a-ß-l^    ns'li    crutruii     |    juinl.  uu     p    iflrn-lr^.  239r- 
piqy    uiii      II     n%      iiupni-P^fiiJu     qTinpuj     ujUCrpu     hnhpiju     um/,  j 
//uin  I.  t/p*  nuilinfi       UJuhrliUlUtriflU       II      lUllt/lU^ll       li-      n%U      lUÜ^ 

lil.  iiii     /ujn.    CruLirinily    li-    il%^  /"*'"-    Jui^nLUii/fL    uiliffi/fi'      ^piuliqji 
np     qulitinpu      tfiutiii  iii      n%      t^iun-      n/minii      lpun/,n     fUiiLnLlilrf 
qipu/u^kiuuli     luipui  t 

39.  IJ/»«-*  /r^3^  n%^  hriiuiLy  II  11%^  iHtilujl*  II  fr/?£-  «*_ 
JlriLUJLj  II  n%  iiiinl.  im  p  iflrn-lruiq*  IL.  irß^Lj  n%_iujplrujL 
p  i/l.  n  I.  inii ,  n%  £  I  in  ii  (J I.  iiii  i/iu^iil ,  li-  n%^  fiiuii/iiulitruif 
[*}uiqiui.npni^[3-pLu  Linpiu  ,  II  trf&Lj  tfui'y  n%^  luinpLruii^ 
ijJiuiiiii  iflrp  p  '//■/'  kigriLP  p  Ltriuliu  p  iiLqpiuuLjpu  [uuf- 
ifiu^nLuit/p.  iuliLtruiin  x  [J/i«.  iiii  lupuiiupu  "^uiUhrU  qihpqnL^ 
fj^/u^i  p  1/uipn.aili  II  u%  ^uilujuiujIi  \yuuinn\niy  lr[cfLy  iiu^ 
iiiii  uiil,  ulm um  p  i/l.  u  I.  i u  1/  ,  Luipui  li.  qcrli n lZi ilu  QtruitLli 
ill.  imi  iiilui  nulil.'li,  qnp  iliuuli  iftrpli  linl.  uu/,  ^KiuliLi  \yjiuuiL^ 
(S  iii  ,1  in  n  illili  ijihl.  j  ,  ii  fi  il  in  ii  illiuih  iiuimi  [*J  In  h  um  ijijl,  ,  li. 
iiuill.'lit.  ul.  ulii  ii  an  mV  in  u  tili  il.  nlililm,  u/i  luiitmucrpli  uhin.^ 
n  u/li  tili  limu-^iiii  nili  *fi/t#i  iL  u/li  1/ in  in  lUfi  tr  Ulf  qui i/trli  null  pu%_ 
'liiui  iiiuiiiI.  iiul  li.  im  iiLyLuuii  ul.  imi  hlityli  p  ilbrpuii  hpqpp» 
ii  fi  nili  ii  iiuililili  tfn  li  in  u  tili,  iiiiiii  uin,  il  in  ii  ii  uiuppy  iuu^ 
nun  tun  lUlipjJtUI  i  puip/i  y  *yiu2illl  \YjlUIIII-Ci  III  y  Ipuuiuifil.  Ulf 
tu  ill.'liiujlilii  ,  uitiipl.  um  Ulli  lil.  im/  ii  uull.'lil.  ii/i'li  .  "Ilf*  q*)UUl 
l.  p[*J  Ulli    'im  um,      li     ii  </  n  lull  ii.  ii  fi     nili  il  uiulililf      lil.   ll   I.  im/     lllltill, 

Il     'IiiiiIiiiu  iii/.  ui      um   IllV  llllll  II       lil.  Im  Ulli      \\iiuim   O  III  l 

40.      11»/"/"       "'/""/'»"      mii   ui'Olulmii       jiuill.'lil.  upli     \\llllili     \}jl^    '139" 
UHU  O  Uly      ii  fi     il  in  ii  il       7\  iii  m  n  Imi     l^     Il     ui'iu'litf.  i/i      liuip^U  11  llllpilli 


30*  Apostolische  Verkündigung. 

Ii  \yuuiiiLiucr  ^qtULii  //  ^iuuiuniulini-P-nuü  üpujniuUiiL[*ttriuU 
uilinuii'li  u/ün.nl/u  iltrnuuipU  Ipt\hqtruif^  \\jt ui n LCT in ,  qji  fi 
alrn-ii  um  'imii'li  ■^uiuiuniuuiii-[J^truili  tltrn  ijlpjuu 11  m  [iJ  Jn'li 
iii'liiuiifinliiiiliiii  l<l  I.  inlili    luiLamn  :     |J/»/z_    nn     nuinnqhiußi    f/'/'fi 

iim  iiiiliiiiitli  h  airnMi  (J" ' mlul.  ufi  iL.  ifuinn_uinLyfiiiU  \\%uuinuO  in 
i-  uiii^iil.  in/       L-       luiHrUiulfUiifi      \\nnt_in      ^lUinU       f  iijupl.  ijiu'l i, 

iiiiu/L,  iiiifl.'lsun'li  hUis  ,  nn  tu  tu  L-utrq  iui  Jj  fntff-  ^\  nilulruh  uiu 
!.  Ii'h  Ii  ^nLjiuuuiufu  uhnJuilitruii  i\\jiuiiiL-crni  h  dihnSU 
Inti-L-iiiU  iiiifiii.  II.  crUbruMi  n  Iliil.uljU  \Yiunfnuifiui  iiujU^ 
ifufuLy  ,  nn  h  qiULiuULyU  t\^iui^[<tn  IL.  W^nniu^iuüiiL.  QfiuiiLU 
uiL.ci-trLuni     W^uuinucrni  ,      qiiL.qLuUtrinil      afiln/u      "-"/      qjiun-Uip 

nmuiiqt,  tuili     h    Strnht     i/iiiiiii  iuiifr  /iah, 

41.     "/'"/    '/ii'/'  i"  in  f.  in    '/nnJiiii/jfti  imi    •^nil<tujUULju    || ijnui/n 

iuin.ujyujq.niU       /'"/' '/  '"/''■  /'"/      "-      qiuqifhrinil      q<rnnnilni_nrLU 

inUljui in t-'*J ULM       y^iuUriU       t/lrliuiq  y        11  um       qnruni-qLriui         '/■"/ 
u*\\uliiiiumili  ,  inn       ill.iitiii       \yuuillLCriii       ^nqnU       ^u/UntruiLt 

fuuiu  lil.  mi  f"-"f-  iliiiiiilliiii  linnui  l  \\iiiim  luiuil/trnuip  iL. 
i/ljuiio  iiiill,  Inuili  tLuinfi  ii  nun  mf/i,  iL.  iltiinii  tiiiiih in ni  [J  h lljulj 
iL.  %iupsuLnujUiutju  Unniu  iL.  iTuL'tniJU  iL.  liuniiL.hJ'trujUU  II. 
njirnlifiUiiU        iL  m       iliu  u  illiim  n  u         im  11  m  LI  I.  uilili       "ff'        iun-iu^ 

nlrujipUy      "PP      ikui     t/iu i  um  [tl  f.  iilli     \^iil_iiu_     ^nuLn/U     ULn_ui^ 
240r-    •ß^3^iuLß    U      ""'""H        lUJiflrUujpä     lUffuuin^)  n^hrfJ-iuUiiuuLti 

iiiimii  illi  lunuinnU  um  quillt  /'"/  ilui/i  11  liuili  uT\iu'ljmuiuiu^y'li 
qtrUuiqy  ii  iuii.mii  iiuilil.  i  qlinuiu  h  1/n.nq  II.  h  uinnfuLm-P-irULj 
U-  lULLhiuLuuiiuqnupirULj  .  ifuipn I,  im/  u  ui'h^/i'lm  <lniqiu  II. 
qtJuinUpUu  fi  JLtrnJli  illinui in  [<) f.  uhili  9pni  iL.  ^nq.L.ni'u  \^nn_ni 
qiiP  ^'"fP  miL-Pfi-  lun-KUU  h  §triuntUI~t  quui  n  uiil  iiilil,  iui  iL. 
fLiut/u/riuf  -^im  uiinmijl.  inqU,  IL.  uiiuuit,  u  limii u  I.  mi  •^uiuuiui^ 
uiLTq/nj       ii  f.  ///.  ii  I.  '//>"•  *yUH-ULUini/       A_*      ufiniul       II.        im  uiiij 


Kap.  40—42.  31* 

^uiiiiu mini,  ijfi'li  njum^iup  uuipnqjrulriuili  p  ilmnii  uinlT pif 
til/ium  Uli  <jtrßiuunuuiiju  ,  nuin  nniinüiii^^lriuuu  \\jiuml  cfni 
I.  11 1.  iiji  p  ill.  nun  liiuiui  ,  //  JitrnSü  riL  ntriuua  uippuilitrutii-^ 
[J  I.  nili  uuiiuiiiii'/i  I.  uli  I.  i/iii  nullit,  iml ,  Zl  tun  pliiftiLlil.  pnf 
ii  Im  um  Ii  In  ii  ii  in  in  Uli  ^lunifli  Uli  n  u[  /.  tili  ^UJlLIUUllUukrpm  h_ 
•lliiuiiiiiiijh  q^lyn  ,  Zl  /»  uppm  [tl  I.  iiiIi  Zl  iuiprpuipni^[J  hiuli 
Ii  Ii  *-ym  JfLlr p n i_ftHru/li  iliujnli/i  lihiuliu  iim  [i  in  l.'li  in  lj  uflm  ,  p 
AtrnJii  iiupni^fd-trujUli  p  illriLtrpiijy  JiiiuiiiLuufuhi  q\\iiuint^uj^, 
crpli  /•  niniil.  iim'li  hniuiniuntruii  p  dlriLU  luilip ,  np  i/ItiluilM 
Ii  iui ii I,  in i  '/i        Q/iuiilu/i      ^Xppiiuinup  ,         pipiit-iT     plitsIrrLlrujii 

iil,liiiu  i>  iui  iilil.  niii'li  q[^iuuuiL.npnufJ^puli  Zl  q(i->fuujliiiL[clpiM 
Iil, 'hu  iii'lif.  iiiitli  li-  i/LriLlrpirp  Zi_  1111  nun iiiiiin n/lili,  U_  niliupuhliu 
tuiu^f/.f  p  pu p  ii Lp* p lHjLi  iiiliiiun  iii/u  Zl  tpiiliiili  luliuiuuiilpuli 
piifüpL-     ^yifujpiJiiiL.pHriuli     Iui  hu  in     I, mm  lii 

42.       *f^uiliqfi       iiiiiiiu l,  ii       m'lil.  i        n^un  uiiiiiuiif.  luiu'/i       Ipu  ^ 
iil.  iui    ;     i/liiui/l.  iui        lUJlt    h    unuttM    ^uulili    [jin^pp,    np    nun  I.  iui      240v 
l/ili/i  p   i///pinm-/3^trii/uu  p  lu/iulily    Zl    umi^li      nun  mil/li   Hif/Zu« 
tum  fjtrtuup    Zl    uppni_piruiifp    Zl    ujpn^iupiiLpfkujifp    u_    ^iuiP_ 
plrpilLpthujUpL       i  Im  ii  I.  ii  I.  in  I  ,  oufun[l        nuun        n  n  i  111        pupilL^ 

UtliLU  /fiufi  -jiii  i  in  in  in  iil.  i  ii  ii'h  iim  iiilliiii  1uZ111.pi/u  lUin^in'lirrpiil 
rpilll3ilJu  U_  ^lulin_k~piX  #/////  'luliu  11  m  i  i 1  n  i  Li  I,  m  iln  ^lllll  in'/: 
\)/'/'"/y  uuii in  iil.  inj  li_  p  lilrpnu  uiiL-Alrpii  nun  nun m  ItJ In  Iui 
Wjiuiiu  v>  iii  i  \\^  in  t~  im  n^f'/iiu  [.I  f.  iti'li'/i  Qiui/irrfJp  ui  in  in  ii  Ii 
p  Ii n \il in'/ i'l i  ^bfjtuiniuiuii  .  Ii  jibnSU  I.  Iil.  nl.  in  in  l.n/i/.uii  , 
I,  in  ii  I.  in  I  lull  HUI  ill.  IUI  ii/'/uu  lim  (il  In  'tili  uli  II  ui'lil.  i  Ii  III  Ulli 
\\l.iliu  nuin  l.uni  in  illll'li'li  \\iiuiiu  iS  in  :  *  )  1 1 1 1 II, '/ u  l  ll'/i  ipupi  II  llllll 
tupiiipyii      /.um/  lu         puuiup tun  npi      iil.  Ii  in  ti  inilili       [  \ji  llllll  (1  ill 

p      iSLiiSli      ihn  ii  ii  iiiii  ly  lujli  i       um        Ii      ^yiuiitiitummli      um        liuuiu 
ii^fiui  tu  in  tili      ifl/il.  i        7\  ii/mii  in  in  1,1 1.  null-       ii\\jmim  iuviii      uput^ 


32*  Apostolische  Verkündigung. 

iimiiuiii-  nnihtifi        tili        h'ln        tili  nili  ii  iml        uililiuin  in  /•'/"  ti       1,11 

ill.  Ii  iii  MLUn^ph-UJUll)  U-  lltuull  miuiiulili  ilm in m  fmi  m  in  ii  i  f,l  lu'li 
•^  tuli filriusf. mi  krit  iliiiimii  iiullit.  i  ilmii  ii  hiiili  ii  in  in  im  hl i  |J/#_ 
uini  mri  h  JitrtLU  ilmii n mnl,  lnjh  uinuin  imn  mVuut  n/h  nl.  lim  „ 
nuilini  ,       qft       h         im  u  mV  m  n  miil ,'l  i        11111/11  im  11  mV         iriunnLU 

et  iml  111I1111  lim  1  11 ,  m  111 111  ^iiliiIi  ihr  in  111  11 1.  111I1  m  n  '/im  1  iuiu^ 
ui/,11,      u  11 111  l,ii     li_       im  11  mV  111 11 111I1     uiumijl.  mi       trnu_     n~uili/iiiiii_p 

II  [1  W^uuini-tucr  krli  ,  nn  iuin_iuVuiiiniliIi  uj  m  111  i/l,  11111  ill.  11 
nthnliiiLlictniulili     tlhrn  1 

241r-  43.      P"Y     \YtiuillLC>~ni      m  ilh'lim jlih  ^yiiu  m in  IUI       iiimiini      li_ 

m  11  il  111I1      kr»  DUiunfi      2kpuuinpui      kr       iiui/hrtiiuiuh      \\iiiuini_iuO'y 

ul.  u/i  l,uli  1111 11 11  \\^uutni_crni ,  li_  uiu  kr  in  illim/h  iiutLuiy 
Piuli  iii.  1  ili  11/  ttuffuiun^hy  uiii  Ii-  iiurnuy  piuu  /imt/umii^ 
f.  nullit.  1  t  \\['  lUiLiuy/iliu  ifiunntunlruinuiL  \fniiulrti  ,  um I, 
triLniuitrnlrnkrli*  T  \\11111l.  ii/if.l      niunui     rrinilpu      n uiuu/li      P-tr^. 

uiiliuu        miii/l.'lil,!  mii I,  11      •  u_       mi  11      1*1  uiu  11  ilmlil.  mi        n      S"*/ 

'/,  1/111  bnnnin  huliqp-iiiuli*  *yuiuutui ml.  m  11  \\jiiuni-Uin~  iuiiiui 
ntrnliliU  II  qhrnlihn 4  t  \\  bull  kr  luiuil  u.  \Jntruniui  ilmii  11  tun I,  > 
uini.  iml  miuiii  I,  11  »  iuiiluiV  oiuli  um  11111  iii.  mti  crluu  npbrq  , 
li-  im  11  mV  piiili  nullit,  it  nihil  nihil  1  h  pn  ;<  ♦  ll-  kr  min  puiU 
tiuipfuuin^yfiu      ■yptini  [d/nliLi       iuin  uiy  *  pufuqp      tlliu/h  11  milm/h 

[ilin.  uippiuip^pu  II  muiiil.  11  i>  trntru*  L-  1/  itipXI.  1111  pupli 
luukr  ,  trpiulilrift  kr  nn  trpli  /uin-Uiy  J>uiu  qirniuiiLriu  ifiupn 
'liilm  1  *f\uilinp  WjiuinLcriii  Irnu-  ulipupu  luin-iuy  piuli  nui->^ 
lirmii^y/m       t/i'hm  pf hiM      [\pii_pli  >      HUH       utrn      tuicfu  inpcruiU 

h tili  Iriiiui  li*  /'"'/  luiiLUiy  nuili  iimiu  ill,  n  in  krp  ,  "IUI 
nsu    npuikruip    r/hm,     iluu/h    npni    u.    iu-nulihrpuili   'linpui    {^nil^iuli 

III  m  111  ill,  iml      ili,  11      nn    kr  Wpußui  \\jiinni  nni,    nn    krnli    tun-   ^lUl  p 

l)  TF**-  11-  1.  2)  m-vfi  a/3.  3  &-  ;—  17. 


Kap.  42—44.  33* 

iiurL.iuP      ./"tili     nniut/unup^u     Irnunufrij      In.     afi  p     JifrnJli    '/m/m/ 

I.  ul.  mi  im  uiill.'lm/jli  /.ul.'h,  im//,  i/z/irnji,  i/-  |»  itfji//-/u'///,'/i 
Irp  \\111I1I1  II.  \\111I1I1  t?p  n/11  \\uuml-UJO-  In.  \\uuml-Ujo-  l^p 
\\111I1I1,    im/    trp   P    iilfi/l'uflily'li    nun.   J^uuinn-uno^*  ii//fl.rl/t/ifli   pU£^ 

h     AlrnSli     Linpun     trnL- >     IL.     nun-u/un     Linpnu    h~n    In.    II.    nt/iüi  ■'■.     t    "*■ v" 
^uii  umuiiu/iiifl/ii      ijiiiijl.11/1,      u/i      np     p      ufpi/' ufltl,      \\tulfh      t?p 
iiliif     Z,tut-P  '     V     <*^"/z-"    Linpnu     unf/.'liiuflm     frnfrU      uiui     Ly     M/'^ 
nuptn    Linpnu  x 

44.      1?*-     11  ii/ii^l.  1111      \J*ntJulfU     abrpA     crutrutt     p     dpnupnu^ 
uni_[d-ptZli  luiiii  11I111   n\\ii  11  tili   \jjutnn£-0~ni  um     yja-pui^uju     u/i/l,  • 

\jL-       '•  /lll    f.  lll/ll        'tllflU    \yuUML-UJO~       lil/L         1/lUlllll    l/V^ll     JJ' LUlfp <  plfpU 

p  dt^yiULpljpy  In.  p  nlirp  "^fiiijl.  ul.iui  nuinuL-p  truinruy  In.  nu^nu 
trptrp      uijl<>       u/l/iil.  u/i        l/u/ilili      p      ijl.  uiui     'lu/ uiu  ,      II.      irpfjfip 

I,  ti[u///      it. plipp    In.    iiiiiu/ij-      Sw7  >    kf&tf    n/iiii  11/uL      uu'l' 

•funp^u  um.iiiVfi  /»»«  IL.  inlfuhuU  uiuilhrUiuiU  h"t  futui  ufi 
fünnn.  ^ItluilIj  .  In.  S^Y*  fi/u/t  ufi  P"'J-  uulu  :  U»/"/"  *rphnL.pU 
it.  uliijli  <fpb-yinujut>  1,/i'tu  Puln  uttli  [\p'f  tili  \\unnriL.o-nn,  pl*'l 
npnt-il  II.  Jim/t  iil.  niui'li  [J^ppuJ^yiui/f  l/nun[J  fr  pul  jiuiiiiiii  u 
\\//ij  uiliuiit  uiili  Uli  InnpUipn  'luiiiiu,  [dl,  11  uiulil/  u/1///  uii'lil.  in 
ii.u/i/I/  mit  u  11/ iil.  x  {jL-  im/u/  dp  uiin.tr  il.  tu  tut  ul, tili  ,  Irpunc 
^plr-yuinuLnU    py luülrli    p    \\nn.nu      li     pun.nn.Up    njlmuun    l\nnl[<) '♦ 

II.  II  IUI  III      llllll,        '//'/'•  \jl-     Sw7      /"'.  lll.   ll/ll      p       l/I.UU/f       \\llll  Ulllllj 

In.  *\.iiilhpiun  crpcrnn-nP  iL.  ^yiiLp  In  §iruJitSutr  ihpUlilr<\  "* 
uipiplii'ii  Lf  \\pin.pliy  np  II.  Ii/iui  ul.  ijuu'li  pnnin.  \jtppnu<yLun/nin-* 
pppnn.  ii fi  J5s"/'  *?P  »  Uta-  idiy/inii/lini  [d  fu'li  \\////  u/tiuiii  i/ijli 
uiu/ in  in  ^u /uh  h  Qlrnun/ULy  iirpUUlf  p  *nui.pLyli  y  np  uipplfU 
tiull.'iil.  iiui'it  t 

U»/"/-     iiii/i"i  '"iil.      l?p     \\tppiW^iuiP    In.     uihiiufui-p    ipyufli^ 

1)  (W*  IJ.'  1-3.  2)  \fb%.  fo  i_3.  3)  Xf-'-  <UJ-  24. 

Texte  '1.   I  :iitorsucliungen  etc.     31,  1  5* 


34*  Apostolische  Verkündigung. 

n  f.p.x!  inplli,    np    ifftilrpigu     L/[fu    ifujpn-lfujjfiu    2L.nt^    'J^Ptt^1* 
\\uinm_5-np    aji  pum  u/.puj    h/p  lfl,rt    ^"p^/nA    «-    /{frpujlfnL.p 
242  r-   , n  11,  f.  i nq     phif-      1" >ii in      Ll.      ujupjj      aipLUuiLuuuiufliu     p      sjl.  pm/ 
uäh-trinn     h     luii-phfu  ,      juijuJuhilj  y      np     uippb/u     null/lil.  ijin'h 
qfofuufunt  [J  fn'li     \\mi  iiifmui  mjli     npumm  ^imifi     ULiL-hruiit 

45.  !?*-  ^"J^np  frpftujptij^  fi  ifftPiuif-lruiu  Jf"up2h  u'^r- 
uiu'/i/,  ifliujy  ii/i  ufüalruji  Zru/y/i  tiufuri  nntfuy  mpipli/lti  Lj  'f'UJJ- 
uip'li,    nii    -yiuuuimuif.  nq'li    L/p  jkplfutf    upü^_  jlrplfpu.      ^pufumh 

fumjiui  I.iiulil/li  ^LUL-LuinLuntruiipU  *ud2u  jtrpljpuu  t  *fKufuufr 
MiiiiMtiifiii-h  'impui  p  iprp  ^uiJpiupAniJuU  iflrp  h/»  iL.  ujilk-^ 
'imifli  luiuuipu/i  uilruhijju  tA\pn_peü  tyuuwL.&nj  WiÄu/^W/| 
Iriauiif.  pul  p'1'/  ifiupii  lui/li  Ii  ilfhbrpiJ  fori,  'unuuj  i  *^ufua[i 
n*  tr(*H/  tußipü  luJLrub  i/m'li,  np  nfu  ml.  uuilip  lUJyfuujp^Lj 
Ll  uMputpntfli  uiiltruhnnLUy  np  luuhjpü*  l>\jpifpü  pu  uj[d-niL. 
lf  b-  li-phpp  upumm  uflin  uili  nmpij  puhn*  npujpup  uinuü 
ptiulruPfop  /fuÄ  li-  LumiP  np  uilrnp  ^iifliiiuuif,  nfli  pi/nt«  ♦ 
Ll.  np  ptlhjtfut/  nyuidiup  pn-Uidp.  Ll.  pJ-auLL.  nt.pl^pli '  i  um 
p  ipnupmiiujli  iluiipp  uilml. inj  IfUjnIruJI  pum  ul, n  P^'p 
Wppui^uii/nL.  ,  lug  [\iulfli  WuinnL-O-ni  ,  np  üpttnu  h/p  P"'t- 
l/uiuu  lim  [tt  I.  nihil  ,  Ll.  q^Luun-trp&hrujju  np  iftutrpinu  l/pu 
pmi  iiipuiiiuili  ii I.  lim  nullit, p  lt.  m  um  nullit,  p  niluipu  pl[ 
u\\iimm  b  ninli  i 

46.  U*"  «*>  nP  P  tfhptruL-ny'u  Imiit  ii/rnnii  pli/p  \ynuul/up 
iL.  um mii'  J^/.  ii mlil.  im/  ml.  Uli  ti  *ui iimii nullit i  t/  iiniu/fiii  Iruilili 
pi/iiß  i      np       i\;u  liuiiuiiufi      Ll.     pr/i      uiiuplrtiiii  niulit.i       nlmum     "  t 

242  *■    [Jm/     L/}      np     l.piilifyp'li     |     L.    fi^ufuL/pli    [m    ipplpn  (J/u'li     uf^tnuj^ 
nlrptnu  ,      ^ufulrptt/      niflrn       j[i-,fuuilm!  [J  l.'lif/li       \ftipupiiuiut  mp 

1)  |j„.  ljt.  i.     «f^Ä^.  ^  4<j.  2)  £«/^».  \}u.  ]«.  12. 

3)  W«  T-  7  ZlT 


Kap.  44—47.  35* 

iHjuhlipli  Ly  iniilL  limili  Ln-iuiuLU^uini_f<J-lruLj  II.  iiuifpuipp  ■»_ 
uinL.pl  IrüLj*  iL.  p  \\iupupp  ^rniltfu  ippfykptiJ  aJIrqj  iuiu/tlii'li 
tf  p  titiiiuliiiilpifli  '■)/.  (J  luunuuMnu  lun^ntlni^prlrutr  iL  p  n_uinfü 
uiW^traifiulitf  ^LUi<yntnL.prLriuluj  unqiu  ilinliL  uul  i/ill.  //•  nufunli 
h  'hiiiuii  imtL  iiiVuui  njli  fiji[J  l,  1111  ijiupif  pL.p  iflrnpu  i\iuhfili 
\\puinL,a~ni»  puSuJ-tuu         11 iuiiuii/iiunt/ii  rn//i       11:11  iil.  1111         IUJ^ 

rL.iuyuJunju  q^iuurLirpXrrLuiuu  y  /'"'/  lupriM  ~Z\-\iiiuiiiniuuily  u  // 
^ylr[J  ii/lmiiiuij  n.^uq-UjUnL^fJ^lru/ü  h-iun-iuinL.pi-lrutf  •^uflilrnnj 
qutru  II.  11  Irin  /pn/  puliujiuiuuipli  iurL.LUUiiup.utp  pnfutrqnu^ 
n  fruit  p  ij/n/l,  i  IL.  utrtJU  Lj  lim-  II.  trpLniuiLUUiuu  mii i>L  im 
mm  Inui  i  inpi  Lj  ijtjiunii  nmiLuim  [J Itt'h  I. rp Intim luuiuü  luil-Lu^ 
Dtrpinu  x  \jL.  aufu^uiL-UiU  [tl fr puf^ytut  inunili  1l1nju~\111hl.ini  U_ 
uuiuin-lriui  iiuutuiipuuipu ,  l"ili  ii^yttn  lUunutiL  tuiuu  lufiu  iL. 
u*uipnL.[J~lrujiJp.li  utniuttuurriuiu  ifitL.ct'iuulrinij  p  tf~turL.iuu^ 
unL-pt-pifli  ^tupnii*  '/"/'  "/h  Wn,iuhuy  '"II  Wpimi  u  J-iuiL.ufu^ 
U-lriui  iMi~\iuhl,  um  niulily  ,  np  IL.  thpLLju  ijiIL  11  i\\jiniijlr/inn 
p  3ttrnlu  lupuütuu  XtriLtuulJ  In  niui  ,  II.  p  ^iUL.pu  uituntriui 
^luutr     luppLUtni-P^pLU  x 

47.  Wf*!*  S£/»  h  ^"(JV"^  b-  S4"f  h  [\["tl^M  "-  X\fJuinL.ui£r 
1^iujpeu  II.  \\uuinL.iuo-  Wpir.p'iiy  nulluni  j\\uutnL.^rni  iS'lil.  iu!h 
\juuinuiuCf-  tf  x  \jL.  lupmiLjU  piim  ii  unmim  [*)  I. ,  nilili  iL.  qiUL^ 
nm  [tl  I.  uiii  pL-pni  t^nt-^truSiiu  i/fi  \\uuiiu  incr  um  iinili/iy  II.  24o' 
4r  Pu'[  pnm  niliuii  iil/li  iltiim  tiiliitiiimiim  [tl  I.  itili  i/iit/iiu  [tl I,  nihil 
Jh-pni       iL.      Wp'hh       iL.       *UJip*  i'liinih       q/l      luliml.  iniiliL  i/i       4"      U- 

ufUlIuMUtlllu      fril/rpiu     ^LUipil       •  mll.'ltl.  ijm'li  ,      p      XL  n'li      [\pii  i.njli 

iipunui  t~  nLliiri  un m  p  ZiuiplM  'hm  m~\iit  tili  uin. luyiuQ-nL-^ 
(tl f.  nilili  <yiultn.trpJt/rujiu'it  tll.  in\L'lmii  nm  \  \iimm  uiCi  x  Xft- 
u~u  luiiuilip  I.  tili  I.  inui  njli  ttpuia  tun  l\\uiL.p[J-  iiunujuu 
^ujupli     iL.    l\pir.L.nt     lututulfu     niui.-  Y\t[JniL.      nn    \\ii 


>niL.    _pn    Dumm  im 


36*  Apostolische  Verkündigung. 

pui  puil.  iiiliu  um  puif.'lipii  ♦  ii  hi  it.  ul.  ii         fiiuiiii  iiiiiiii  fJ/n'/i 

•.iiuit.nl.  ii  iiuilipnitii  tu. (<J pi'li  ♦  iluinli  iiijuiiiilili  uml-KT  notrn 
\\uuini_uiCt~  trun  m  nulluni  (J  Lui'ti  um  im  Li  nu/u  nliiinini  u 
.*»««  t  %^uJuqp  '/(l /"//''  hp-P"1-  '//'  \Yuuint-iuar  Lj  y  um'lmi  i 
p  ^ujL.pLju .  ujjupljpu  i\yuuint-Crnj  ipiifJ iiilcIj  qjiuLhtntrUiu^ 
liuili  mii  pmiiu  p'  L  uilili  IL.  iil.  iiiIi  ijuii  O  ilnflili  quin  im  I.  i'li 
,pu/ü  nhqnpiLuh  'imniu  t  \ft-  itl.ii  im  A  ifui'li  t?  ^nri/iu,  nninl 
uiL.crlrujlu  tf »  iL.  LqnpiupU  linpui  iliiipu  uinL,n  U_  mini  uin p 
iL  uitt-UMptriuiD  II.  tutik'utrptwu}  "pp  tunfünihi  Lqnpn_nL.pJ^/nlL* 
nuip^pmuit  [*l  I.  tulili     Imiuuy     uiuiplipli     Lj     iu->iuli/.~p uipli    linpui  t 

48.    b*-    rLUjpälriui^  luut?    ^lul/i^      \\ulf    §Ljp  g^hp   p"^ 
rli/mm     purl-     luyui?    P"*"^»  »      ''t^'f  hC3     aPfuujJhu       an     iuui^, 

in  in  mit  ii  u'ili  umliii  Jintf  s  *\>U£L.tjjniuu  ijuu  um  fJ  I.  nfli  uin-ui^ 
^rlruqLj  §Ljp  p  WpntfJjLy  IL.  mppL  m  h  dhy  pf-fuuJiflrujq  Jinq  i 
|  Uli.  onr»  p  tili  ii  ('  mit  Jim  in  nh  nun  imi  pi  Iruili  an  i  p 
pn  ii  iui  ii  um  [<3  L  nfli  uiif  uij'li ,  juip  ii  tuliii  I,  piurLUiy  ou/u 
243v-  \qiup)nL.uh mlf  h^Uuii  aM'raJ  \jp O-ncuiL.  J>4y»  "-  ni  an^utuqp* 
ipnc  hu  niu^fiifhiut  iiui  pmh ujIi  puut  ii  uiuiulu  \ytriaputrn_hLp 
u-  &Ljp  i ltuyrfh.  Jlnl-i"?  '*  ^uinfulruiq  imi  m  u  puipunL-pJ-lrufli 
[<fuin.uiL.npu  ,  ii  turnt. null  p  ^U'/J  nilmiiu  ,  //////„--  l/>>pu  n/liL mpi 
u-  yuiqfulruqLj  nnpii  Imi  p  iiiiiilmii  iL  pupp  *  Qnl-JlPJ*r  P  ~Xui^ 
liiuupup^fp  nipp  ul,  <  ijmuli  mpiiiplili  puipjs.puMnni.uuL,  n  u pii ,/u  '  t 
\)tpn.     p    ÄfrnJu     tujup    *uujfu Uta. luyfili    qjiuj    trnufuh-i      nLlpiiu    Zl_ 

UipptrpM      lllllll      *■}/« .  [d  llllllUlllllj       U_      11   UMUI L l'll       11  UlllL'll  UJjll       iflllllll  pll 

U-   n[<.l  im/  im  iinlitu    nmpf  i/iu     mm  f. iimiuli    iiluu    U_    nuiuntflM  'Ihiiiiii 
^yiiMpuCrnnu^      nuthafi    unpiu    ß->uutupD     unpui»        II.      aui^u/üuii 

LUuiuqlruJl       silmi        iiui  hm t/li ml/ u/li       \^uuinL.<Tnl  ,       nuiliifiu^m 

pJ-pt-U   'liiipm    Luq/Ltrujq  i     \ft-    iliuuli    utimiiipli    ujiimu.  QrtLnpjLj 

1)  X}u,,lj:  \a-i-'  7—8.  2^  U""/.^  a/3- 


Kap.  47—49.  37* 

iijfii'nl,       h      '2iiuuiuiuuin<yh  ,       ilmuli       uiiunnhb       p  iun.\  ninijiii  urp, 

i,ii  im  In  unuui       limpn  Ipu  [J  t.  nflfli       unpui       ii'.Ijiii  ijiiilit^       iL. 

tinuui  LinL.ujuutnL[J-iruJuu  iL.  uiluhmii  iiLpi  I.  uihli  puipdipnL.^ 
pJ^hiJli     ifimn  im  p  s 

49.    \ji-     iLuipAtruii      \juuiih    i/uipq.iuplf    uiul,  •       '■'.  JJ^  jtiup, u 

muh  %h~P  X\uuwL.iucr  quiL-Crtruil  hu  qQtrp  ,  1111111111  l/mpui 
iiutyn/ui  lu'rl  uin^uivh  'ünptu  q^trfj-uiunuu  :.  •  iL.  irpi-tr  qhuipn. 
II.  x\Ku/muiuiih  muh  Wnif-PU  \\uuinL.Ctni  IL.  [<£  Ul 11  m L.n p  ^C"w 
[J  uiunuuiq  ,  np  t^  mill.  hmili  iMLupipLuiu  ,  IL.  11(1  \\pn.p  \\u^ 
uint-CTni  II.  tutip  IL. ;  t?  iL.  [J-tuuuiLnp  tuiltruhrquifu  ,  uijutip,u 
*\iUJL./i[3-     muh  -  Sv/*      uiuuiq      uiil.     puy      npiLp    piP     tru*         hu 

tflrnlf  o^iuii  ujjlrq  1  fuun_ntriu  iphl/li  iL.  uiuiiq  j>lra  q*y&~  w 
[et luluiuu    utrujn-UJUtLiii_[J-hifli    j*n    iL.    qbuipiL.uicruu    quihlrqtrnu   244 ' 

1^  juuphli  in  p  l\\uii^hfd-  mumipifli  \  _niuliq[i  nf  p  ">e"w 
/<'  uilummn  1  tt_  /»<  uiphrqhpuiq  /n/u'.mn,  Ulli  uhuiju  ^ptfhqt 
W^uil  11 'ii lii  4"»  iUL.O~hinili  pinuumi  illili  pJ-uiq-Uii-npfri  p  uihh \_ 
ul.u.'i  l.plipp  [\nn-Lnfu  \\uuML.o~ni  hy »  V"/'  /''ffi"  t\*iUL./ihJ- 
fu-n     §lj~p    In  nu  ui  niluflitr     miuuif,  11     iiiiil.  pul .  .  JJ4«4"    ^h~P     ^S^V' 

/#//»     upuin     Pun-     uiyiflf    pifut/.'J     iL.    qlfuhuli)     npupzu      itun-tu^ 
Vuiqnuuj     uiuuiqiup  t      *fKiuliqh     q^uiin     P^'h     Wpf-1-"/    fuiui.uhi 
•  11111,1     Uli  111I,  u     II.    uui/iiul.     Uli       iiun  mV mn ujli     qyjuiuih     um  uuif., 
qfi     11111I,  11     mump, ii-  \\ul-     \\uuiul.uiO'     qäUL.O'rruil      htl      q^tfUy 

[ulri  uiit-UiVfi  Uli u um  q^frfJ-uiünuu  t  %fKufijqfi  Clmiii  lnuumui  ill: 
h  dilriL.il  I.  11I1111  iim'liii  i'miin mul-hiili  ,  pl  murin  11/1  11  ni  ijluit. 
miuui  m  11I.  ilh  um  llp  IL.  um  'luijli  liiuu  null  |  )  UUIIIL-CTai  trli\ 
uiiufilinu     uuil.  11        uiiu     %\\uhuuuiii     [\pq-pi*     \\uuinLCTni  1      l|  uiuli 


l)  b"-  !»fr-  1  (v  .  2   W-u^r.  |\.  7  2faP 

:;    \)„uL./:  2J/3-  1.  4    b'"  K-  1   ?)• 


38*  Apostolische  Verkündigung. 

qfi    '^LUL-p/cl     ii  ml,-  /J$4"/*     nun  inj      ujfL.    pu'.  ♦         <^Ujpl[LUL.np     Lj 

im//,  i  ,  qfi  n%_  l\*tUL.pß-  Lj  nP  [uiui.upii  IL.  «*_  ***]!_  n-ß  l' 
ifi'un/i  mnf,/iij/i  pZgßli  ipliplriilf '  .pl'ua/i  n£_  tfiupij-  h »  nP 
u/u/,  qJuinti-UJnLjnL-P  pifltuiß y  luj/  \\  uuinua-y  ^n/fpü  l^lrn^ 
liimiiuilil. inj  iL.  3ilL.LuanL.qlr tili  qpUpJj  uuiuu  um  mp/i/pui 
11  Inlmiiln  p  ifujna-LunLjuU  /nun  ul,  p  /rpp/rUu  p  xfKnpuuinuLy  U- 
I.  npi.tfh     p     .UJL-plf     lunfuLjp     Uf  ufliiih  : 

50.  U«/"7-  P  ~^*ut  ?  /f  fnumi  nnu/uil,  u  '1'/'/'" l"""  h  3trn_U 
r\%LULpluJi  u/ul,  i  pl/pu  pl'rt-  pitn/rtuü  q^uiL.pii  Inmi  ul.  i  II.  p 
~2iLU^     mild  in'liu//  ini uiiiil,  u     II.     nmiu/li      Ii  ii    pl/pu       in/niu n  n    flLp 

.'44 v     p    diirnSU    i  uiunui  ptfhqu    um/,,    n  111111,11    II.     ju/julli    II.   \juuJilruJL. 
iiuii.n/iluuhu      qiuiu»  *  (J£_      utttru        luiimil,  11      iinil,       St-V7  >      nP 

Lyuintrno^U  n/m  crnin-iui  pL.p  inpn/Juj/u/^y  <rnnml/ri  n\\tn/inilf 
iL.  n\\unu/if,  !  utn_  'hm  a  mim}}.  1  ,  ü-  i/iu/iliui  nun  u u/iu  uin-iuv/t 
QlruJnJu  IL.  ^^uinnuujcr  piP  /.n/in/i  pLtdi  nun  iiiil/J /n  c/i  1  \jl. 
r  im  miß  ,  iflro-  trnfiqp  J^Lrq  lin\/ii  o  tun  1111  ptf]  lim  11  in  nullit.  1 
u.  ^muuiujuihf  11  iuij  11 11  •^uj/jm/fmi  L-  qgpnL.au  \\u iimit,  i/i 
11  Uipdni  nullit.  1  .  iL.  n~n~p  qernrq  p  /n/u  *^/ \/o  lulmumii  ,  nni 
^kn    p    ilinlpu  /J/n'li,    ÜpLtt     p    i/trpPftu     I.  nljfii,         * 

51.  x^LuUa[i  um  um  fluni  11  'lim/uujii  mv/lli ,  qfi  /ULn-iuy  Ljp 
\\uuinLCrnj  [\pirpu  iiufl/ilu/Iil,  Lj y  n/i  ^uiiptt  pJLUuu/^p  p^'f- 
liiim*  iL.  /LUiLuiy  nufu  nal/ufli/iflt  iilim  /rpu-tri/i  l/lu p  n-LuJu 
ujpujp  y  iL.  m nun  q/i  CTuuSulri/i  nl/ui  p  ifiun  11  limli  i.'uiiiu 
npiipin  iL.  11111J  ufli  Lj  i/futrix  \}L.  qfi  'linju  ftl/pu  \ }uum L.UJCT 
jnpntpjjjüt^  uuihrncriuuLj  iflmi  ,  tuiulflipli  iy  n/i  p  ^niLunj 
\yuuinL.&nj  Zrutjp  y  II.  q/t  luüVuluJu  limnri  Ipuli  $4/'  h  "- 
l/'P'/P£_  ^LUL-LUUiLUqh-ptqli  'ul/uj  ^pL\pq  II.  luiiiuih  :  •f^uiLiq/i 
\\upujjLj[^    <ypL~pn'u    <J~nnntpiL.pn     lpt\/i    Irp nmimlpuli    piLUL.upL.pu 

l)  b"-  W3-  ■>■  (i- 


Kap.  49—53.  39* 

fr  {,111/1111//'  uii  ^un-nt^t  np  iL-  ujn^ujyfflflr  \\uuuiil,  i  liu\l.  iiuil.~ 
li  <ytr[t}ujünu  f/nil^  aiiJt/lruuJlli  iiilui n  11  jili-  iL.  t\run-UJl  ufflijfli 
^urupu  ^\pn-frü  iijulrf ,  iluuili  um  ^rurp*ir  ^luunuiliu.ui  [J  f.  uf/i, 
rrfl  lUiftrüuifü  nnrr.fi    (V  um  uii   t^  ^urL-plr  fit  im i   In.  um.   ifiunrr  liufli  \ 

52.  U»/»7^  °fr  {\Ctb  WfurnL.&nj  frrjjruj/^  jurrmj^  J>ufu 
uiuiihrtnujü  ujtfuujp^  'fKpfruutrru  t?  puf-  ^rut-py  iL.  um.  *m/i_/i 
l/flil.  im]  iL.  rlk-pai  iL.  /in/1  U-  Of"/  rfflrlrrniJ  /*"'/-  rRup  rr.lt  rulry  ^40r- 
IL.  (<J  im/  im  ii  ii  urißrlrh-nnL-U  y  nuiluifi  n  iiiill/liiujh  fflix  ■^yuur^ 
uufürr-franin  Inliu  +-Uilnuy  iL-  '['['hf'*  ~~yiut  uiuuuiil vpuflt  fr  Irruy 
itiiuiiiliiihpli  qtrltnL-uuflrlrU  flipp  l  %\\u/urtfr  n\  L~  t/rupfJ-  iL. 
LuJnnnnL-(<crnL-lr     iituifl/luupi     rrfrp    fr    ^ur-yfrL.     u  um  in       tu  ti/iiulil,  i  - 

IL.      riufiinurlrly     IL.    iiuiinili    Il.u  frütuuqfru    ifliiRultiutul^uli    utuuuifi// 
umuuil.  in  in  ,     ^LUL-rumiurnrl     '\\pfiuuinufi    iL.     hffuruuinL.[J-frL^r    II. 
LtLnrrjrL.nL.fttfrL.lr      lulin  ulruul        r\\uwnL-0-nr  ,       um       fr       iliifiiiluui 
n  fr    ii uin ii  uiuf,  htfli     luiiiiiijl.  min  t 

53.  ^7*-    ofr    '[\ppuurrruu    urru  ,    np    L~p    luil.    ^urr-pLi  i      | './//// 

'■/'"/      ^LUL-püy      ii  mpAl,  ml        t; p     Ürupifll  Ulli  IUI        IL-      ll tu II 11       ifllll.  I 

iL.  ni/flil.  nu  [d fu'li  tyHlr rr.h uilffi  hn' •  I  iL-  cflriuitfri  fr  IrnL-Ut^  :t 
■ypPlrf      Pl"h      utojprr.Jfrr/lr      ^ururilt    pnprpbrnnifu      IL.      n.npCJ'lrfnrl 

iiUuipi/luiu  up in  pt  fu'/i/i  Irnpujy  \JULUrfr  uiuiiul,  u  iiiul,  •  2  \\  umli 
rurunpfrlr       luiuiil,        S4"/7       PHP1*      J^*"!       'irjrutr*  uj^uj       Ipuiiii 

iitiiiiiiili     U_    crluifi     ii  ii  ii  Ii    iL-    /rrri/ruyfrp    rflrru     \j  ifirjrjnL.fr  r*      Lnn.fr 
iL.     tlL  tui     Irlrpfrulf  riuinup       ourlr     ii~Siiilrui\l.  i      uuui    IL-    LluiI 

iiputl.  I  ii  "iu u  y  u'liuiut,  ii  f  uijiffli-  iluuili  ii [i  rurrL-iuP  ntulr 
ii^\iuliiu\l.  i  u ttili/i  ttiltli  11 /■  mpfi  //im/  uitup  ,  itili^uit  uilifi  iur^ 
uin  /«'  /.  uil  iiiy  pltuiplri  ij  /■  in  tili  li  »  \fL.  rrfr  cfliurlilri  fr  Ipu  ul, 
nhlpiiq  II.  ii /i  ?\->i/uiuuiiiuii/r  it  ifrupn  ,  fr  AlrnSlr  in  in  f.  iiijh  irnptu 
■^luliu  I.  p*\l.  uil        uuiii  I.  uin-  IL.      iluuili      l/iuluu  li'h      lltll/.l       ll    *//«/,    245T- 

1)  \j„.  ],.  14— IG. 


40*  Apostolische  Verkündigung. 

uiuliwili     II.     tiuiuli     iulmL.li     ii'lil.  fuili     Iiilm-         nu/lni/i     iiiiu    tfhin^ 
pni-l<a-rnJM    L~    "-     cruhuh-inflty    II.    uflmtSu    Ly   'liifiu     ll'hl'1'     h~p.niu^ 
I  Ulli  iuli      il.  iint  iin'li     \yirunuj     '^n/tuuinuy      II.     ^  mim  In     \\lmm  u 
'bPHL'i  '  trP"\tipnu      tuiinuiiuiß     nnpcrnn     liifh     u npCrlruL  innu 

ufürtL-UUip  trU  x  *\\iulni/i  *\\n/iuuiiiu  tultiit  u/hl, inj  £>  Jluuu  iifi 
UIL.O-  11-  iliunil  wnl.  uiu  ii  null.'  hm  Sil  lihs  h  dtiLÜ  Im  um  2lUlpüy 
U.     Ulllll       lllllllll'll       11  UIIUllll.  Ulli       IllllllU       n/i      uiL-CrlriLii        trnlL.     H"- 

UML-O-ni  il.  liuL.ihi  hi  im I  lnu-L.nths\  \\iiiii!,ii  II.  n  dLtrn-U 
\juiuilim    /iiipü    ijumh    in  ji     iiiiifj  •        » ^niLttü    ^rriuiifu    h    ijl.nuij 

flUf        ijlllllll       nflnl       LUL.OUJ        '//"<  I        Uli    I.UlUllinllll.  t         Hl II    I    III 111  l'l  11  ♦ 

'tühbi—         ItUlUlfuMül^-  ,        11 fl        lluillllt   [ti  I.   -tili        UIUlllllSlllll   Jl        fr  II 11 

mihmilili  y  np  Ii  uduflitfU  imihö  mit  muiuh  iiiu'h  lun/lrhiu _ 
n I m uih//  <y/iL.ii/lin.riL.[J I.  iLiliu  U-  n  iliu^iu  ufhly  piujucf-mu*?  II. 
in  fluni  fi/i  <  npp  I  tritt  niiimiifilih  "^ywumuiiunllli  n  uiu  ^uili^ 
iLtriiA tri null  iL.  iiut  null,  iimliuilili  ihul/m  (<J  triuhh  uniuinni  ijh\  x 
54.      Um/,i/-      ifujuU      iiipiniifil/       '/'/'fy/'^'  Vuh       \jufiu'unufifli 

(<J  uipii  i/mlilruii      tf    phn      Atru      \\iuuinL.uLO'     ijluu      nfXniL.    nndiiu^ 

IllUh      f  l-'l/lf  Ullt-Ul   llh      AlUtL-lmLUt        11       iflUllll  Willy  Lfli  i        tjll'f-       UlflllP 

nun.  iflriili  trnfiqh  \juuinL.utO~»  puui  npiiL-iP  ifk-lfuni-[*J-pLeuru 
IL.  iruli.ni  ifhli  IUL.C  ui will lihtriitrinuh  tf  x  %^iuuqp  m^iut  uiuLjy 
h  n  uih  in  um  tili  il.  bruqh  iniii  In  II.  uiu  \juuiiii.wo~  l.tnil,  Pun- 
illra  *•) luIi n-lrndilr uii  L/  /A"*1"/*  "-  Pf-/'  owpi/u/uuiptiJ  uhutli^ 
246r-    U-iui/lutü    Ptiff-  linulii      II.     ii  l.  lim  ijuilily      n^n/h;/  trpAtrujpjü  i      tifl 

putt-  lurit  trnliah  \\uuint-iua'  x  \jc  iwniun u  crliu  n.tr  uilhi  Il.u 
Intimi     wiily       iLuitnt-U       uilrqL,ny      Imi/i     ifiupii  tuiily-*  *\uiiuujy 

^ßuUi  r.tii jh  nn  I.  iil/lil/h  criiututriy  II.  /uiiuuiy  dluu  ij^lu^ 
uufuhri  ni/ un  u  I. -nbufliau  >  ~2fnnnuinlrLUii  inncruiL.  uiiint  "» 
atuuuiljLinL^ulrrfi    II.    ijufulfiun^i-lrifi    ft    Älmfu    l/ni  nlfli    a&unifünu 

1     |;».  Ii—  1.  2)  b"'  Mi:  7. 


Kap.  53—56.  41* 

clinpuj    ulrliniq  x     \}l.    y  min\h  mi     luips    ifiupu  luiiL,     u/ul,  •  ^\pn./i 

h'uuiL.    dtru     iL.     nimm  iuIi/i     min  im      ill, ii*        Ij.     hnstrnuju     uihm'li 
tinpuJ    upufliilrdi    hinn-yn  11  mhhn,     \\tJuinL.uJCt-    ^quiL-p        t 

55.  I»*-  upufudrifi  hiun^pii  lul/fin  11  lim  LUUlr  IfUJlJ  ^LUL.p'uy 
h  arni  "/'"/  "t'l'l  '•  i'jfli  ipl*h  ^u/un-lrpd.  umtun  ij  iiulL'liuijli 
pus  ^tui-pü  ajincrtri*  npuitru  nulip  pjjiL.uiyijnL.ifb  p  \J*ndutr^ 
u  fr  Ulli  ii h null  y  np  ill.  iiuii  '//>/'  fpufrfnLjdpLjj*  ,  {JL.  miiuiii 
\\uuiul.ujO'*  luntuun  in  f>  i.  m  iiii  im  in  hl, rp  uiinnmlili  dcrpiiL.il 
L-  puui  iJiFuiunL.fdtrujU'. .'  x  '^Lutliufi  I,  nh.h  umiii  uflimi  n  *uiip 
tun.  Wp'J-Pu  tuuh  pul  iipiiilnf,  ifi  funp^ypiLUiupu  ^tuupiii  §//  uui 
fr  U-  dir p  funp*ypii  iiihhij  ifflil.  imj  IL.  lupiuui  mmiml ,  n\ 
^uipfitrind     pfip     \\uuinL.uicr     iL.     ^uiduiju     \\tuuiiiL.LUO~     "*yutULp 

'■/'"/         Ulufr*>  IL.       tupujui        UIUIIUll        llllflllr  huilll  [*l  h  Ulli       ifh u      p 

I'  um  litui      fd  nn m  i ,     U_     iii ii  ' hm  i      ty.puini.fJ-pL.lJ*       iL.    p    ilninpitL.^ 
fdtrlitr       p      l'"J'l       i/limii        f-UJl         tu  iL.       2.yuujpuJtiL,[**-ptJuü*  iL. 

ii m iiiiii Ij tu'lmi  [*i piSU    p     [' mij     plilitrunLi  >      iuuiuiuujutuunLfJ-pLli 
m'til,  I  x 

56.  \jt-  iJ-Uipafruif  |  \fuuiip  um/,'  \fu  lituifh  tinlfli  frfdl^  24li ' 
rrn  fruit  frpli  ^piuipfriunjj*  il /i  i/mlmi.h  gtuuil.  dtru  iL.  n pii.fi 
utru  UIUL.LUL.  i  "/"'/  pifuujlMi_'dpi_u  trnlL.  p  dfrpuii  m  unnh 
fiLpitu  ,  II.  l/u*/'  luImlJi  Iiiiuui  tltrcrp  funp^piLUi  ^pfriuiuifi  x 
*\\iuüiifi  hu  ^u/upu  ii/iiuiiiiiiiim  [ylhi 'li  p  dfrpuii  ptpituliuiuiJ) 
iLUjp3.tr  Uli      hiiiiuiiiniit  [tl  hi'li    iL.     iun.nnpnL.fdpLjJ    uuijj  x      \yfrci~p 

fr     hjpJiuunLld-pLU     tinpui      iL.      luinniunnL-fdtriiiu      tinpiu      in       fr 
uui^dtuü*  1  m[n  im 'i ,    t^.u/Lfd p    iL     puppuipiL.fdpL.Uli      lUiVlIUlri 

IL-      II  Will  III,  I        iL.      tl      l/ll/U      iflUlri)      iL.    pi1LIL.ll     '■yUlphlUuh'l       Ulli  II  III 

pnLfd  Iriudp.      II.      hnuii  uiiln  n  ,        puiutP^fruitr      iL.       juii  hml,  uih 
duiduiüuifj      "x      %^.ufliiifi     p     a/ rnfli     uiiunnpli    IL.    nft     Ci'liuiul.  iffli 

1     1;»-  f<K  6.  2    Xfln,*  II.-  26.  3)  b"*  P"  6—7. 

Texte  u.  (Jjitenachnngen  etc.     81,  l  '''"' 


42*  Apostolische  Verkündigung. 

"-   *tb     liuLnuitrUiulju/ü  [<) Uta. utt  np    \\nnJnä  \\ji ui n lcT in   qtrlpiL^, 

ii in' hl  11  \\tniij  ?\\iuiltruqpuu  hrptt^  l.iil.iui  LjpU  ^niuiptriuiiiy  , 
UMtL-  luiuuupu ,  "pn  nfU  *^iui  tu  in  u/li  'in  Im-  II  "/'/'  ujpuipliu 
[ihn.  Um  iiiuih  /Uli  ,  QU!'  iu/iiiii'/i/'/i  um/,  ,  qp  iniiiuu  iil.'l  i  p 
ii  mmmimimlilili  hrpt-Lj  pi/pi  m ii  im  I.  i  -  qp  ^p/ul  "'11' '•  '/'•  '"/  /' 
tj-iup  iuiu-ujv  /'u/li  acruiüiiiTi  q\\pr[pu  \\jiuiiiLO~n[  >  piuu 
bpHy  p  cruLTqhrfnLilU  Uifiu  ut  ^mi  miiiiuiiiuii  :  "| \iuUqp  iliulu^ 
7\iillil.  ul.  inuli  im u  mV  nutli  ul.  ufi  f.  iti  ri"\\n/m  in  im  ,  /"/"  ^r 
iiunni^iitriiiiu  Ii  11  uiiniiiumuilili  .linlim  [<l  '.  u/li  ~-)iuuuilil.  i  ,  "/'./• 
Jhm'lin  uiil  i\fliiiuinLO~ni  trpuhuiü  IL  mii  ii  tu  u  u  i  (.1 I.  iiulu  iliulu 
7\uilil.  ijiiiIi  U-  q^iiupli  \yji  ui  n  lo~  tu  limim'ti  ililinf.  m'lm,  niiuil,  u 
oAlT-  Tiiu^ui Uli.  uipli  ll.  ifiupquipLjji  II  mini  uiui'ti  »  |  uili  upo  it.  in 
*(»/'/"""""/'  B~nu-uuiuu  iis  ^fUjLUimuiqpu  Uifiu  ,  tulilil.  pt  i/i  Ly 
p  ii  uiui  in  u  ui  Ulli  Ii  ilpt^a^hjurrpULfJ-pLU  t  \uili  ui/li,  "P"[  A?A"/7~ 
Unt-PfiLJLiU  I.  Uli  p  ill.  [hui  in  uiif  tu  pni,  iiiipup  uili'.  inil  Juuiili 
ii  uili  y      [upiiLii       <//«'  /'>/'"  '/uili    ULuLyp     plLU- n-lr  uj [  i      %^u/uq[i     np 

LjpU      U-       tf       lilllliuu  III  Ulli  n       UÜUJ       iL      i/imili      'liiiniu       ill.  ii       A/«;/.'//, 
lUluKUpU      tf  ,        Ulli/,    ,        llllplll       pypJUlUuL^plSull  .        /#/»        £      'llllltlllll ll 

uipuuijnLpi 'tru/uu    pLnnj  t     \jl    iltrCrli    luup^pnni,     uiutj,     ',['& r?~ 
iii  uju     ^uiLplif    tjnp     u/ in  in  ill.  mihi     ill.  ii  i 

57.  Ij*-  ^A  o*UiuUtr[[i  t~  II  qjiüi^  mi  nliliuilf  hfuiuukfp 
W["hCu  WtUuiul&ui  <yu/un-h-pJtfriu[^  l^p  iftutriy  II  qji  '\\plniuinu 
ljULqtjp,  [iiimuijl.  pujli  jiiiiin  l^y  nniifl'i  nun  mfuiu  inlili  A"«7W 
UULtjuiL  p  dilrtLli  ilmi,iimnl,pijli  j  \}L  'jl[hli  lu/iiuppu  Ll  [n_ 
pnLÜ  I.  plfp/i  u_  l"/u  p  'lujpril[u/ul^  *^uflin-lrp3ilriu[  Stju/li/ii 
rrplL£i[t  jujn^uj^ujuiiju  qjr i[ui-tj ui Li  \\  ÄlrnJu  luiuiqfiub  ujult 
JJ'nu'ut^u      p      arlini^ir^iiU      in piu/f,  u      mui,*  (j*      upu Ipuul.  mjl, 

ßy/uu/ü     p      QnLrfuifly      iL     #i*^     UJiLuifPüuprL      iLvpuiUuiqU    'luiiim, 
ilpli*^    t.  f[lriiqlyli,     iiliP     Ipii/ li     i fluni.         Il    'liui     I.  '//"//'     utlfubut^ 


Kap.  5G— 58.  43* 

piLprpLli  ^Irpt lulinuiuti  x  |  n i  u/lmi/ ml  p  upliLiiy  uuiuiuii/iil^, 
AlUllTl  hl-n  IL  I  tili  iL  Ulli  ßuiuniinill  nuiiilfiii'lil,  ip'/i  pi  p  *  1'"^ 
jjnL/iHlu  "uiuluiu^iuip  ^pLjptjU  ii  11  ii  ji  {\uilfiiili'iiii  ,  111111IL,  II 
oiulini  Uhi  iiulpupuli  •  iL  n*  iipjjUiuub  uiii  /ii/uiii'/i  p  'liiiuiu 
iL  uunuyiuiprp  uftüi  iin  iiipu  iiinli  K^\ri/iui/iiiup  x  |  tu  Ii  p  uiuipn^  247v- 
intrUtfli  Tuipui  Ipipnilp  liiuupjjp~2Cpa  apluiL  luinuliy  p  *^Z/«/_ 
niuhirLiiLpfpiSli     f.  ri/ffiii'fi    ^ntjhn     Juiiiiua-aiUL    ^iLiii/ifiuitrnLiirjliy 

iL       nf       Ilu      p^piuiu       l£lUtl         llll!l>llll      IlLMt^hU      lll   lll.  Ill'liu       Uln-UlU^ 

dhttU  x  ^u/uqfi  I.  Ijl,  uij  ^luuhiui  l^n,  uliF  l/uijli  ifluii  #ey»w 
f/phu  tun id  Uli  n LpfrpLU  y  nn  IL  iiiLiuaU  p  u.pliLii9  qupuintfiiL^ 
TSuilili  fii^P  m-  luptruuJp.  luiunnnni  '/'"/' l/ui'/il.  ifhi  fiLp  x  \ft- 
upujinUiiL2UuJi  Unpuiy  npiul^u  iL  uiulitulil.  ifi,  "PJ1  ^iuliuwiuuu 
p  'liui,  aiipu  iL  ifiuppb  iiiff/i,  ip/il/triu/  qilhrq  p  JitrnÄi  miil.  nilih 
fiLniti»  iL  lup/iLii  uiipiu  luppLli  Iuuiiiiiiiiii  uiumul.  tui  t^  x 
*)/#     niipiuLppliujl^     ii/uuiiiiiiiiiiii      luppLU     nt      Jiupn.    iip     lun.'liLjy 

UIJI  \\UU1I1LUI0'         *yUIUUIIUU1l~         iL         lll    HUllll         lUILUtf        ll/lll/'  lll/ll'll 

lilipiUy  uniiu/l,  ii  iL  //im  1,111  ai/uiptTlllll-fJ-/iLliU  IL  um r, lii'lili  II* 
iluiuii      ii  npö  I.  uiii  ,      iuii      Wjjuiiilujo-     mump  x      \\ljpu     §£/»     Irin 

tllfllLUpll     lipiUlly       llllllllhnll      tj     n  UM  Uly      II p     p     llllLUljll     \jUIUlllll  llllly 

np  iL  ii  Lp  uif u  uinSUtf  ii/uif  ii  ii  ii  fii-p  y  luiuplipu  Lj  l'P-P  IUIL^ 
uiilU  q^nqpli  luipiu  iiLpiu/iuiLplpLU  lim  luu  l.'lnu  I  inili  :  l|  //////, 
up  Hl  11  lullUhuipil  pipLÜ  *yf.  [,l  ui/immin  t^  llllllljy  nPS"-  /"'  ~ 
u  uiltli  p  luu*  niuluip  in  lll  i  m'li/iiln  luftu  -^f  ii  in  in  m  in  I.  I  uil  iii  u  1,'h 
ii  ui  ii  im  um  [tfpLlui  X 

58.     \}'     n.uipAbruii     \\ nilulyii    iunly»         \fuiuhiinl,    uiiiiuii     p 

•\uilpiiji-iiii      iL       imuptil,       uiii  ui^'lmiiii        Aiiinmil,  /l,        '-  hplLtr^ 

puunili    uh  um  iii,  iiii  y    u/i    ui/'li   np   iiiim    i/ui/i  tflßiii  i/ihl.  pi i  l.l  I.  m'li   248'" 

IIIIUUI  pL/lllll  plpi'lih    lliipiu   lr    p    ^)/il,  min    f.  ii/iu/i,    Ii     p    ">"/  lj  mir  ml 

1)  ftVi..  )»[3.   10—11.  2)   P>fof   1»'/-    1' 

6** 


44*  Apostolische  Verkündigung. 

Ll  p  QiiLriujiLruju  ujuiiL/u  uuiy  np  CfliuiLUy  itrpLpiL^  pJpLruj^ 
iim in  l/iil.  im/  quiUujLpL^unL^truju  uJiuuiiuqujpiupnLy±fiLU  : 
■| \ui'lni/i  in ii in ii  iL  I'ljl'/i  trpiLpy  Ll  q/i  iuil iuy  U np 11  /<)  iuy  un  u/i 
um/,  ,  imilit/fi  um  L~  f.i  tu  ii  im  u/i  lUl/LrlllUlU  uiii/ul.  tjl.  fmjli  x 
U»  //  knh-trnuJL  aruhnhrint  'unpui  lujunnpLjy  nn  iujnli_lrpju 
Iru  f'luii  1/ 1,  in  /  ifiiuiiLtpi  "in  ui  ii  h  ,  Ii  Scrnhi  "/'"/  iiluiuIi 
&%lriui  n^p/iuuinu  y  Ll  Lrl^iu  [i  Ipl^uJuuiujU  jujuuiLrnLfli 
äviLiuPiuipiLtruiip  y  JJtli*^  ujuuhiU  p  [\Lrri.nl^L^uy  '"-[*  *H/7,"~ 
iiinuu  CtIiujl  y  "^ujuLtuji  Ll  JinLruii  p  uiiilIuj  y  inpiiLiI 
ni'lil/l,  in/  riüL^p  ifut'/itii  l/U  /uu/uAuipp/riu^y  p  ijl.  nttii  U-fpJiil 
'/iu/iui  /.  //im/  ,  um  uuiJil.  iiiii  ilu  11  in  i/li  n[\nn.pU  \yuuini_CTniy 
q^fKp/iuuinu  x 

59.  SA  "UJ  "-  "'II''  "  h".P"  \ju,ulp  luubf  ,  pL  LritjL,- 
ii  im  uii/uili  I  tu p  diu  tu  n nu  *ytruutriu  Ll  CFiunpli  iiuiiiltiiin  ti/'h 
triaLf*  li-  ^luliuptiL^  p  iji.  f'ii'l  liupui  Siioa  y^uuiiiL-C^np  *yau.p 
pi/iuuuiiiLpLLruJli  y  iL  fiüiuaiiLp^truili  y  ^iiup  luutvyrui  ui  II 
qiuLpiiLpJ-trtuLiy  ^nu/i  npuinLfiHruju  iL  piupLruiuj-yuitiL[clLruju  x 
1   i/iii  nijl,      i/Iiiii     **)iiu-p     LrpupLnp     \\ji ui n l& ni  x      j  |  \     puui     Liup^ 

Vi  I,  Ulli         ll  lllllll.  null        IL       II*         plIUI         lullll   lllll/  piilitt  luliullt.  ll///,  , 

'"//  i/  iitiu  I.  iiij/i        '/im  uiuiuli         i/  ui  ui  um  in  uili        Ll        iinnpi/Lrunp 

unLiuuuipti  LrpLipp  x  \}l  ^uiptitf  uLrpl/pp  pufupL  /•  l,  piulini 
248v-  pLpni  iL  ^fiULLiiij  p  atriLli  -ypPiuUii  ii  tu  in  tu  1/ 1.  ii  qtf  nuiip 
uiüpiupp-yui  x  \jL  /•  ii/u/li  ui iii/i  I,  ii  im  ml.  m /  quc/p  ujprLUtpiiL.^ 
pHriuup.  Ll  7\^uiupuiiiLpJ-LruJüp  uiuiui I.  ui  /  ul/n  i/u  f'Lp  x  \fL 
7\iuuuil/l.  "i/p  O-Uiii  fnjri  ii  um  li'li  Ll  pliX  l"J>f-  '"  /"/  "-  "p[™~ 
Ll  ujo-Ltlo-  upujüuujüuiju  iti/uun  I.  uu/i'/i*  Ll  iJiuIiiilLj  uiijuii 
p  cruili  ptrpii  Ll  p  L/uiniun  crtfüninu  pcLpn  ^xItilU  uipLitiLfy  Ll 
m  ifhrnpnLrli  liiLiu  x  \fL  Lrnpup  MUMLMtLp  iiupiupli  uipifuiuiu 
fytruuLriu  ,       Ll      np       puiLliL/li      p-ypiLri        ^L.LJ tuluiuiuu  »      p      uiu 


Kap.  58—61.  45* 

^trlQ^iuunup        int  uuiuiilih-  II.       trn/tn/i        imnnt_[3-fiiSuu      'im  um 

111111111/11  ♦  n  AtrnSU  uiiunq/iii  iiuiliüiifutry  nn  qtuqqli  iilTi/u* 
li  ^uiuß^lriui  II.  jW^pniu^ujut^  inuly  ijlmi  hrUufuppt  *fKuiuqJw 
Qlruu/f  hri*iiL<uiL  krtt  W^tpiu^uii/iiL.  II.  <^uijn  ^mL^iuiy 
Cruntfun.     nn      inuiquiiSU    q*Y*npuuinu*        qniiili     IrniL.    "'/"/     f-uj^ 

I  tu  11  tilllh  ■  tru  il  111 11  Im  miiinuli/i  iL.  \f  mlu/u  ^11/lin.irnJi  q.iuL.111^ 
11 11//11111  111/111111111  Ul/ilMuIi  \\tiuii im  11'ijli li  qiiL.quiuLyn  :  [Jl  uiil. 
mil"  li  11  h  diu  n  rill  uflitr  p-t/uuLUnLfJiruili  '/iiii/lnuli  tr  uiului^ 
iiuthii  :  \jL-  o  imi/il/  uiutr  qJuinupuli  Unnui  .  oft  [1  ^nni_ni 
fr rj II     i>  11 1  11 1.  11 1 1  ,     11 11  uil,  11       1111  u  ui\  m  11 111I1I1     uiuiuqiup  1 

(}0.     11"Y      ^  fl/        imi"      uujpcrtruiq     iLuiuitruqp     u.     in      puui 
luiiii  11/1/1        iiulni  luliuhl.  uifl,  ,      UJH      iLUimtruqp      uni_ujump      rtui^ 
111  um  111  utli       II.       iii/ii/i  ifl,  111//1      'lim  11111 111  li        1  er  pupp      ,        uiiLUiukr  1 
qWjiuniL  mci  111  p/itÄili   liiipui  ^luuinujuiiruiiqni-qujlitrt   %fKiuliq/i 
um  111I111     utlili     m  u'li/111    II.    111  hu  11  I.  1 111I1         11  m in I.  I  y     II.    n%     qihui^    249r 

II  1111  null  uiuiuim  trpuj ,  iL.  linciuiiinpu  qtupcriiJUU)  IL.  iii/niii'li 
IL.  q **fi Uli U-Ly Ulli  i/iuuillLqujulriniJ  im  111  O  ulipp  IL.  11  um  ill.  illmi 
uiiiii  miini  [.)  I.  ulli'li  \\xuuiiiL.o~niy  Duiliqfi  W^uuinuiLicr  n*  /"L~ 
ilhrnly      ulliiju      linl.  uiij     II.     ni      iitnn  m^mmf,  s      llluiii     JpuiiU     iup^_ 

II  m  11 111  II.  11 11 11 111II.  i'li  um  uiuAplfu  im  111  m  1/  Ly  \\xu inniger  111 
mjliii  ,  nit  iL.  li  SlrilSu  11  i/n/ul 'm  /<)  I.  m'llli  m  11//1 1.  1/111  i/iu'lil.  1I1 
Ijuinl,  11.  nl,  nlifiii  tfuAi/ii.  ^lunqLjt  "-  quit/puipp-nnli  uiuuiui^. 
Ij  I.1111/  i-nili/ii  il [iiujli*  \  \u  in  in  _o  111  4»  "/'  P-UiunL.  qiuiflrliuijli 
plivu  unpcllyt  1"'//  im  ul.  lli  \inl"jl'  i/mi  mir  Uli  qi/l,y 
11111 11  uiii  11 1  f.l  I.  imlf     II.     r\->iiiupinni[cliriui/p      upumlruii      quniiii     \ 

III  Im  ,111  li  uii  litt      'im  11  in      im  in       li  I.  11 111 11111  ui'lillli      q^x/L.      11 1.  lim  1/111I1I,  • 

Il    q  fiu  11    ui\  min  mi/!ii    11  m  11 11 11  in  in  {.I  In  'ii    unnui  t 

(51.      |'"y      im  111     uii  im  11 11  I.  m  11      h  l.'lni  ui'lil.  milli     Ii      nn    plini  M 

1    b-  (1 1-10. 


46*  Apostolische  Verkündigung. 

(,l  I.  uu/p      ifUij-ritfifpU    trü     II    p-fUuiapo     dhiftriiiUii     uhiup  uilm  i  _ 
ftthi3j    II    L/hiui/innLp/iLU    iL    luiuiiimiiiL  [Jlu'li,     uml.'li     CjtrniiL^ 
uhpü)     [*}£?     "-     "i/'i"/',  ii     7\->i/ujnuiujiMjlj-u      1/1I1I.  iiiii     t^     lt    11  niif in 
äntrutuU        *\\ulniniiiiili  ,  iiijkI  iiiil         pliplt       ^u/lirrlrndtruji         t^ 

pl  Ulli  im  npl.  i  uull.'lil.  ijm'li  i  *fKtulsn{l  lU^UJ  'liiuiliuilpup  Ulli 
LUnrLt^  nuililitluili  im;  II  1.  mijli  IL  In  I  iii  I  iiiii- in  11  ll  i  i! Ii  il  m  ii  ii  Iiiii  h 
p  JitriLU  itiluii  uilili  '\\plililimull  Ii  illi  iIiiiiii  </  iiiiiiiI  illiuip  uih 
piiuntuntiLpJ-lrujup.)     afi     Ii     unuiu/uj    '"/"/  tupmili ,     "IUI     np[J-iiLii 

iL       lt  Ulli   Ulllll       iL       III   im   ii       iL       uiuUilujUii        in  IIIII j  II 11        IllflllllL  llUl'll, 
249v'    #1/7/        i/liuiu        itLiflrp        lurLÜtri  ,        "IIP         Iuiil  uiy         </  imlniliuihui < 
/riuaiultuiaiLp       IL       ii  uiiiuiIiuiu  min  ui  n      iltuiili       tu i  I.  pmiiniu ijn i 
[J  I.  Ulli,      IL     Utnp      IL     lllltlllllf  l>     I.  III.  Uli       lT/i'liy      tllt'ln       u/i      UiTuiunL  w 
prpLU    tLlrn/rU     mlulliii     h     UnntuUt^     iiuiiiuu     liiuit      iuilItlO'jil  u, 
luii/riuiuil/f,  iiiil       iim'iuiiiiii  n  iii'liuiuli       IL      uj  ui  ui  I.  iiuinil       III  Uli  hl  i 

pljrt-    V'V#tf/     '  Ifuiluuiiili    pUdni  ii     iL     Inf  Inj ,     "pP    Jiu^LupIrp 

PpLUpLa  /.l  f.  u/i  i;  lunritrLp  uiuiniiilil,  tili  II.  iiu/iuI.  t/nili,  1/iuiP 
ijniuli     i/ii/liljui  {.!  I.  nih ,     ft     tip     ijiiijji     hrl[LrLuip       im'liui'li    fttP    ft 

puipu     ,!'/i'f  "'/'ii     utuninijfili    p    ■tUnn^l-U    \^ULnilLCFniy     iiijniiu l/hfi 

IL       ipll'llp'lllllUl'llf'l        fLÜHLP^flLlfU        l/lll/lll.  im]  :         [\n        II      ff^t^Hl       B-/jIl 

iu^iu  ,       j^luUljJi      npp       rpd-'Lri tu Ipu unjUp      IfftU        iiuiLLU^äUiLnjUy 
P    <*_  ib    "-    "<*A",^    LUiffLLup-iUinLP-lriifu    o_npCT    fJ  niini  i  }     nLUiu^ 

Z^"l        f^PpUUinU         iL         ^UJLLUlIlUjptll  'lllllll   .  llpluUll  lllllullll 

•^tni  niiuuiijfili  II  t/iufnf.tjiu'l,  ,  ^p^*^  qp  ^-  qutiLiULlrpULjuhi^ 
ijnL[*}pLU  LupiLUipnLplrLuU  'limpii  ni  [diiniiLL*  miiinuiU  l^ 
UJjUj  np  p  *\\pliuiHiiu  l[\pn[>ij  WjiwiiL&ni  ^luliuuiIi  ihnJin^ 
Iiiui  tili  Lfinpctl^  ^LULiuLnLurjhrp-inU  ft  cUlu  i  \}l  puimi  i/I.  uii 
VZt'  L  *}"[& luünuLuijU  in u I,  ,  ijuiu'ii  q[i  ^ ufli njr p  1  lr iu ^  l^ 
ifhriLLuUh [itij_  jluiluIti^  Il    lunuuiiiilufuL  i      II    ^iulluuilui     \\^u^ 

UML&nj     [\pq-[l    PlUllLULnp>      tjltllill     II Ij  II 11 f  l (l lj     LUul\*        »\jl-     I.  ll/l/Jl 


Kap.  61  —  64.  47* 

luium  [.) lit'liti   '/miiui    tuiuinnuC*       miu/i'lii'li    tf    ihuiiLOy      uu/luifi 
imilul  uiiI        f'f-f1       q\ytuuwi-U£0~      ihiun-USLnntrqtUL.  i  inncriuu 

im ii I.  im    x 

62.         \\uiuli         miiuiii/ili         ii  in  ii  .\l.  in  I  null,  iluinii  uiii  f,'h-    ^0\Jr- 

ys'QuiLnL-n  imiliilnli  iuinitL.qnq  n/uiium'lili  ^ujLpJ-h  qlinn^ 
'i  uilil.  mili  ;,  ,  qujiU  iiii  Ii  *\\ujLiJ-trujiliy  niiuil,  u  imu  mV mii nili 
uiuuuiiun,  nilmnilji'lili  '\\iiIiiiiiiiiiiIi  qarulrujßi*  iiiiim  ty}  tryH^ 
qtrqiiLqinlil^n  ilrm  i/ui^ni-  qjuinm-qb-iuiU  n  uk-n-lrinqi  %^uiü^ 
iif:  Imiiim'li  ljn*/i  i/iununlAi*  nujUq[i  n  Jitrn-U  iiiiim iilili  u_  qfi 
nn  iiiiiii  i/miufluii'li  li  ii  im  .ii  Ii  I,  'yuMJL-fchh  *-fKn/iiiinnufi  I.  ii/in/i 
\\nnJi  W^u  in  HL.  <X/»/  nml.  iml  •  IL  n/i  ill.  n  m  nl.  iiii  imiiltnl,  , 
«_  qfi  I.  n  !  um i  n  iluijiii  ,  /'"'/  qttiLnni-ftf-trujuB.  W^u in mm er , 
U-  PP-P  ii  iiiiu  im  iiii  liliiili  I.  ii/iuli  in  i/Lliiiiili  uiy/uiun^/iii  ,  li_ 
PP-P  ujnniunnt-fjd-lrujU  Uhmili  qnnernn  Ll.  '/'PqPfi  qiuuLluuili 
/£%_  qjr^njtf    tfp  t 

Du.  \jL-  n  Ulli  XL  Uli  nml,  tfiunq  uilil/u  \yhptruj  li-  ilUll.il/ili, 
iiL-n  ~*}iii7ui  I.  nJit  mi'/i  Lyn  'y.ii/iuuiuu  O'uu/lini  ,  q  h  Y^trn.qt^t^iP 
^ul,  mu m m'li/i  ,       in  ii  I.  i  ml       mi  ii  uil,  u.  5>  Xj1-      H-tiL.  ,       ^Lrn.qt^tj-iT' 

^nl,  muiuui'li/i ,  il/i  ii  in  nlminl.  m  tru  /um  mV'lmiiii  iiii  •^HL.nuJl» 
nu/üq/i    h    .ptfli     kriglj-    ußrLMVTinnn.,     nn     ^ntlnL-lruqlf    qcbnqn^ 

t\tiu i~P P '♦  uplis       u fi      n%       tl/imi'li      iiiiiii      Ijui  ii/ih  ,      hu      CtIiuji5u 

nl  hu,  [i  ij  im  luqLjli  ii  iii  ^\\iui.p/if  UJII  ul  /"im  iniiiuT]  nn  Ii 
\Klr/inLjl^ifb     ii  mi  um  III i     i\\iuL-[d-fw     cflitr  ui  fli     trqbL.  t 

64.  |Jf-  rtuMnSbusi  miif,  *^iULnß  [i  quML-UihtfU  fn  iti/l, 
q*\\p/iuillliuu    oHmubu/ii      tum  li/hiull/il    ijuiiii.  \\mi/mij  n    '|»U7f_£?/i 

O  lUIUUMlh    /"Iiii     ifji     ll     ('Ulli     II  IUII  All  l  II  Ulli  l,  li     iiii  l,ilu    '\\/i/i  u  in  nn/i 

•ß"  *       \fpif-in.ini        S4"/'      f\uitt-^3-p      7iyi/uiiiuirii-(<}piJü      |      II      n*     25(JV- 

i)  Wte*  V"  ll.  2)  Wkeb™  b-  2. 


48*  Apostolische  Verkündigung. 

miil.  tiiil,  UUuiy  n  iij  in  ij  iii  iiii  in  In  ii  hl,  ouLiiill^  Jrripq  juijtlnn 
pn  IrP^tf  upu^lruqlru  nnrLnpj*  J>n  nni  /mint  lul  «-  f/*/'"- 
inL/3-pLUu  pu\  '/"/'  iiL-hiuitrtili  i'i"i  unutu*  II  nptinu  unniu 
illlln  A  iiuLhuilriuU  .  t  \\iuin  ni  itp  Unit*  h  imi  fi m I.  uili 
fi  f]*iuL-[<Jtriui  nnn-LnqU  na  (<l  mii  >m  nun  mij,  UJII  "-  "*  fötu~ 
qiULnpitLld^pLlui  linqtu  uplj*  n  lim  lim I.  nili  ItuIl  ,  aujünfi 
Imiiihuhil.  111/  4"  *  13»  //  "JJ Tj  y  np  p  (\nut-Ptrutnj  oTjuil 
ft^uiauJl-npJjf  um  if  "  j'/»//i/ in mi  •  \ytjlrli trp/nj  illjuijm  (<i  In  linu 
uiiunppll  imm  ilmiiillmi  iiim  mlilili  Unpui  iL  i/miii/li  II  qinrr^ 
nfili  IxiUiLUtuit^u  imi iiiIi/i  qlrunLqiuulf  ,  m  ii itiliui i  ii  ^ufli^ 
ii  I,  uXI.  iiii  t^p  CtliUJUhiy  UplH  q[i  n*  luün.plri  t/lupri  Ijiu'li  p 
•^trß-ufunuu  iL  LiuiP  Ulli  nLplrp  q\\pn.pu  \\jimnLO'ni  crutriui  , 
iuii  h  f^b-finl^^if  ^pt^ußuuiu/upy  i\\xp\nuj<^iutfl^  iL  p  *\iujl^ 
ptriut    qujLtuhtf  t 

65.  Ij*-  nun  nlilimlili  'im um  uiluilhi  i\jpiii_uiunlfif\  np 
l^p  Jiii ip uip  lunuip  .ptfiuuutujuny  m  ji  iL  nijii'm'lili  i'li  unpiu 
II  uiuiAuipu  t^p  \yuwnLO~ni  ,  mul,  Juipq  uiu'r'li  fjuiuip* 
»  \\uiuqlfO  ii  um  f.  ii/i  1 1  Innllip  ,  iii^tu  l<J  m  ii  m  i  n  n  um  ptrqy 
"^trtf  «-  Uuuitruii  p  ijl.  imii  /*"*"/  /""  uilimlili  ,  iinii  i  iii 
/#">/##  \  "  t  *^.uiUqp  p  ijl.  ii  mi  im  i  iiihm  Ii  Ii  In"/  Im  in  I.  inj  uijiiuil^ii 
tj-ifiiLiri  i\jpiiL.utunt^tf\  ujil  m  jiiulimimlii  il  Uuuitrinil  Utfiu 
trnqnijnLpnipu  q<^iuli q-kr p diu  pLpIruiliq*  Il  um  uui/i  \j  pntflip 
q\jpni-UUint^U       mul,   t 

66.  11»/"/^  ib  vuiulitrifi  IL  i/iiii  im  iililimlj  Auu/utri/i  II 
itLp     npij-pu     \yuuJtiLÖ-nj     ci^uufuhi      ^ufuntrpkbriut     l^p  >     Il     qji 

251r-  K\*ppuinnu  ilp  I  ftl mii im  iifi  jiui  liuil.'limlfuilr  £,  luiuup^u  q&~^. 
IjUL  quill tfpli  üuiputupl^pu  t  \}L  ij  mii XI.  in j  n/i uin ii  iiunLUiViu^ 
quill      mumijfili      uliui      h      iRupnhufutf       I.  ijl.  Uli       pcft/icri       qnpu 

1)  U«"L'A"  a*-""  10—12.  2)  H-tp-  P"  9.    l>rj;„.  b».  \\r  il. 


Kap.  64—68.  49* 

pcf-pLtrujuU     Ll.       iujnnL.au/libri      nührn^huiiuUy     iinpu      pnpnpi,     li 

111111111  LL-        UlllUljlU  lll  LL.       Ul  UlÜpUJU  U      lllll.  I  LL.       11 11 III ll I  Ul  1 1  ll  l  LL. 

Illll/t/lf   ,       11/111//,  11       1111/1 1.  1/111 1         tfL.      lullll/U/ll.  11111/         UL.      IIIUU/l/lA/l     l 

67.  U,  icf-if  li/uii/uij/i/  i>  iniiiiiii/  ii  aL<J-pUnuP-trujUuU  Unpui» 
iiiul,  [fuu/i/i  uii ii uil,  ii ■  y/^jUi  i/trp  utiil/lpii  nn  i  plpi'hii  tflULL. 
ul.  q^ni^LuUii.nL.fd-nLAMU  I.  p  m/u\  «  ♦  u/pi/i'h/'h  L~  u/u  u!,  Ll. 
iLiunduLj ,  i>  uihii  [/  Ly  iiL-nlrp)  ufi  q^uiu ri.tr nStruiiiih  ipünqpi 
p  AtrnSU  ilu/n u  uinl,  Inj  ^nq_pu  \jtuuirtL-0~ni  ///•um  ijt./i/.uii 
i/iuiin/IL,  t  *Qufuq[i  uin.  W^uuinL.LTni  ihnnäibrnbrLUi  IL.  p  iflnp 
I,  ii  I,  in i'h  //uw>/.  u/i'li  I.  nullit  /  ,  ui^y/i/  ^uiüuMnhruti  //'"/'  PPP 
ii  I.  Ii  I,  in  j  .  iL.  nullit  ^u/tl.  lllll  LL.  in  I.  li  Ulli  I.  I  in  I  iui  Ulli niliui  Ii 
^nqpUy  uinSükr  qp-Luliuliy  inp  Ipu  inu/ppli  iluiiui  tupL\  //i  pl  /.  ullili 
trip  t  \}i-  im  in  tnl.  iiuil///'t/  p.cr^uni.ptruju  m/u  ////,  u  /  //->/,  tint, 
null,  itiil '•  />^LULiiLn  iiu/'l/illi li  inL-hubru  funL-io  qpuiüu  iinnp 
iL  li  Inuii  u/fi/i  iL.  li  illii/ 1/  tutt>  lim  [iui u  LntruqtruX'  t  \ji~ 
ii  uii u\  f.  uii  n/iil,  'l.njlf  » ißiUL-nujnujnnL^p  JihriL-.p  latruiitt  ll. 
CrnLAttM-.p  ptL-Cf~LTLUID  UL.  lpt1  um  f.  m  i  n  ■  illnppl  uinl,  um/im  n 
liiunrSmi  1/  iJui^nuip  UU1UIL.D*  nun  111111111111111  />,  iln  trp/pitfip» 
ui^y/ii  \\uiiiiu  miS  uhrp  ii  uii/i Ul  um  Ulli  iji n /muh  in li  -^tu in n t  uiil^  • 
plipli  I.  Iil.  inj/,  Ll.  in uuil.  um  iiijI,  ijill,  ii  x  •^uipicriuuJ  im  p 
lim  nun;  /•  tu iii ilili  LL.  uihuivu  Iui  [iii  im  pu/.'li ,  put  In/  u/il  25 11 
I/11//1  iliiu/l.  iujI,  pppLL.  LTijpJrpnL.  li  uiuipq  //"//'  prqnL-  hui^. 
l//u/pi  i/iuiii        ':        \jL-        in  i  ii  iii  ii  ii      ill,  u   I.  imjh  ,      qfi        itiiii/ui/.'h      inn/.  • 

»  JJt     in  uil.  u  im  iipiil.'li       ll/,  iL.tr IUI  IUI       IL-         iiunpu/.'li       nPJ?.      ['       ">/'~ 

npiluh        ♦       ul.    quipinupli    um  'iil.  iiu'//i    <f  uil  min  um  up    \\jiuiiiL-0-ni 

Wl'll'   V'L1 

68.  \t'      "lim  in  ii  /.  iui      in  niliVl,  uijli    U.   p    iputuAuiUp    uupuunpi 

1)  b-  ÜV  4.  2)  b».  ]>V-  18.  3    b«'  1/'  3-6. 

4)  b«.  ht-  19. 

Texte  u.  Uutersucluingen  etc.    31,  1  ' 


50*  Apostolische  Verkündigung. 

imt/.      \juiuj/i     uiiuupyu*         iy\\^iu    pilmm/p     nnrLp    pif*    II.     pujp^ 

Xiiiiimip    IL.  ilimti  im  niil.  i.ijli      intil  •      <7"/'    lUUnpUUäL    n  m in/m uii/ili 
/•  itii/ni  i/i>     p    ill.  iimi      Dlly     mimi/l,  n     Ulli  ihm u  m i  Uli    //"//'     iiif.ii/i/ 
nn     p      diunit-liäulitj»  b-      quipiluiuiifiu      mqfiliu     puianLi/p      IL. 

iiilul'mslil.  iiiil.'ii  fJ-Luq.LUL.npu  iif  I.  iim'iiii  pLiilruiliii  ,  tiji  iiimu 
n*  in  in  ui  ill,  um  i  ijmu'li  unpuiy  ml  mjl.'ti.  Il  lipo  HS  im  Ulli, 
p  tili  in  iuiL.qbru  t  §£-/»,  n  *yuii  immun  //'"/  ill.  n  111  iL.  i>  m  11m  1/ 
^tTLunJu  liL.il  iiiij  111I1I,  11111 1  .  lumuull,  111111  <  tlI^u  im'lui  luluili 
'h  11 11 111  hp^P  uLuUnL.ll  ,  hpi'  m fi ilm m  (1  O  111111111111111  l.  11I111I1  • 
IL.  nt  '/"//'  uitruhi  Im  11  tu  II  nt  ihuin-U»  iL.  ml.  um  n  qliiu, 
li  ni  nLMhyp  uitruhi  li_  n%  11 1.  nl.  u/im  [*l lu'li  '.  \\^  11  ml.  11/11 
linpui     LuUujna.f    TinL-Luqtruii       buiu    niun      ilmnii  linili-        ilmiiii    p 

■^yLUnilL-ULCTU        iL.        II p III II 1 11 1.  Ill I  Lp ItTI  ULLUUVLUUU  ,         l//l        ll        f  U"/ 

p  lupArruii      trli     n-t^ifh     linpiu*       tuliuipq  I.  nun      iL.     in     ^yiuifiuptr^, 

ii im  t  \}uj  uifl.  ijii  ill.  ii  'iptf  "~  I in n in ii ii  Jlrp  ij^uiiuliuii 
nLUL.nup  ,  li  uhrp  ^uiuiuptrqiup  u'hui  '/  "I  H  nun  "  iL.  p 
^UMniiL-LUO-u  iL.  h  *  UI  n\  Ulli  Ulli  u  :  |l"y  lim  ilfitimi  II fit.  nun  lluiuli 
252r-  lUUUJL.pt^lMnL.pO'h-llLUII  ill.  nun  y  iL.  uiLUuytrquiL.  ilm  tili  ill.  II  mi/ 
i/trpnq  t  \utiuiui  tum iimum  hl  I.  m'li  t/1,  imi  p  ill.  pull  'liiiiuu. 
tjh'puLL-O  'iniiiiu  iltrp  p<r->/itrqLup  <?„  t  \}l.  p  ditrnhi  miuiiulili 
iL.  n/i  inuLuylrnuiLU  ,  ///,  Ijiu  i/l.  m i  tf  1  niiuit,  u  li  t\%iuupP 
Luutf  .  » \jL-  b-nlf  in uiuy lr ui f «  "♦  n  min  i\%uji_p[id-  in  trpptfu 
ui  Luuytrq  ui  l.  ,      itiff        '\\ii/iiiuitiu  ,         iupdiuif      <fpujifufu      nimmt 

llllllt/l/Jl  t      \}L.      n-LUpÄ/rilLI      p     Jk-ILll     \fUUIltTLUI     p.UlU    'im II III      Uiuhy» 

Qfctp/fnt'liu      pif     irmnL.     p      ^LuptiLiuctu      li       qh*uuji.uiu     piP 

iniupnuilpi     iL.     qn-tfJu     ruf   ns      n  mtuMii  uli       imilmi  [<1 111     ft^pui^ 
'/hui/  <<  °  *         \ßL-       \fptrÜplLli        ilm  ii  i:  Hin',         n'liiii'li        miiiu/l,  u        miil,  • 

l)  b»«  fo-  lS-Xfr  5.  2)  IW-A-  ljh  18  (?). 

3)  b»-  Ö"'  6. 


Kap.  68—70.  51* 

»§uyo£"     ^lupLiuunnpU     ncrUiuL-inU  ,      /'/'//'     uiu/uiu in tulnu i   />         t 
tyujutrulrupu     uuiiunulili     hu I.  m n     '\\iihiminu  i 

69.  IJ^T-*  "/V?  qjfup'ü  \juujjkrujj  ujj u iipfi £.  »\\{i£iujL£> 
hnnui  ptrjqb~qujj>  i/trp  tui/L  hl.  nlih-  pf-P  nsjunin  n  iltiitiiil.  nni/t. 
i/tupri  p  7\iuuujupi/p*yh  fu_pnuu  iliiinul.  nuii  li_  §tjTP  tluiin^ 
Utruiq  n'lmi  p  1/1,1111  i/trp<^~*  "'/"/  11111111  t^}  qp  I11111I1111  n  ^uiupu 
uiiunnpli  p  Utfui  ipUtri  ilL^uj  hrniL  juinmn  n  ifhrpni  ihpLiiL^ 
[<J  I.  tu'lih  1  U^u/i«  111 11 1,  u_uiu  ilnm'h  siupsiuph  jnjli,  ->f|*  puilmii 
///•/,  im/li-  hp-P  ni/unin  p  uuiui'hii  luO~UJL  >  /'/'/'  imf tiiji in 
iun-iuvfi  litnp\fi  uiu&uiju'^"  x  Xjfyu*  11 /min  11  nliiii  il  111 1  11 11  qqiu^ 
1111  11111I1  'im  tun  p  Jut*^  qirunLqu/uhy  x  j  xu/i  iiiuiiI.  t'h  i/utpquj^ 
pt^pu  >  I»  'hm  iimuini  /J  I.  u/h'h  11  m  111  muni ni'/ifi  'im  tun  piup^, 
dliuu  "  1  litufuiuhtf  qlrpu-ttL-uli  Uni^utuinnL.p±truju  liiiptu-  puui 
SlLnju     i:  3iSm  [tf  I,  111I1     11 111 111 11111 111 111'h/i     um  111  Uli     trnlL  x      \jL-    ij^uj^ 

111 111 11  in  nihil      uifLnufli  iiiliiihii     p     ihplini_UfpLSU     U-     mliuhii     p   252v 

niiuliV  luhu    11  in  111 111  liiluih-        DluUqp     um  l.  1111      ///'////    l^    11 11    nt-lfirptf 
L-       t^       tin        inn/irph/  x       W^    /""/'•  "       "-       11 111  m umiii uililf  11  im  11 

tlJrLUJLSU     iL.     tii'h/ui     ijluu     It     111  iii'hV ui'/ui     um  in  nihil  in'llh     In   11I,  ut'hii, 
pul[      /"/""/     tLifLUJLlif     U_     i/inljl.  iiuilih     p     Uifiulitf  x     \\tpn.     um  fih 
IpUplruillU     11 11 111 111 111 11  in u i Uli  1       Itpp      Iiiiii\I.  iilillh      tili  tu  ,      U_      11  tu  111 
uiiihl.itul      /»*"/-     utu  ,      11*       ^yiiti  tu  iiiutiilih    'inlut-         qfi     ui/'/iil  ,      rip 

il         UlttlUJUtfü        UJIT-UJL-  II  III 111  Ulli  111  lll'h'll    ,  lltlllll  llllll.   Illlllh  Ulli/u^. 

\  iiihuii    11  X       \jL-    UMILUIL      II     ^1111   null  null,  itiiih    li    Um    11  111 111  iiiimi  ui'h'h 
iL-      Iti       U_u      hu      l'htl      'hniliiii    •  IL      11  111  in  umiii  nihil ,       np     p      ^xl.u'h 

*">/'"/    ^u/uritrpJttruji     tf    (J I.  11111^1111  iiimlujh    umiii mlim  Uli    ifiuri^ 

qrrpj      1111 111       11111111       llli/iilllli-^/i      i/in/u7\iiihp'h  1 

70.  I  |/J/f,#    Ullll,»  ^)  111 11 11  111 111  nliiii   'liiin  111    11    in  tu  null,  uijl, 

1)  W-trr  %'  30.  2)  b"  Xff  ro-  6.  3)  b»*  \f*'  < 

4   b-  Xfr  8. 


52*  Apostolische  Verkündigung. 

oft  Jn  ilmu'li  [•'  -itiiiiill.  fiujli  iL  ilmiili  in In  in  ji  11  sm  iis.ii  niiilimijli 
Unntu  rtujüiu^LriiqnLn  f'f1/'  titiiiLquuiDtrtu  iL  qni.m  a  tftunti 
Ii      ii  nifiA      ili  ii       ui u tu ij uu  .  ii/i       nn       qtutiinu/i/i       iimi/l.'liiuili'li 

linkrtuq  »  tuUufiuuii/lrifi  ii  hui  ii  m  m  n  yi/h  nifLh  ,  niiiluifi  qtuq^ 
uuiwii<yu  qtuquu  Unnui  iuu/r  ,  nn  tf  ^tuttnli  'liiiiuu  tuh^ 
u/uiliit//.  jfili  iL  Ulli  tu  Uli  ii  f.  i/i'h  tf  t  WtP'f-  lUllllll/lu/l  Hin  ll'li  ii  Ulli  h 
nuiiunu/ilf  qjjunftuntuuu  IfiiL  iiii'li  <\  uili liii  ,  iL  tili  DtuJtW^trn 
i/mu'li  *tun^tuntuUtunUy  nttnii  iliutili  nnju  lintruiq  funn^nnniL 
iiiii  iluuili  luanpü  I.  iili/iii  h  'udufutf  t 
253r  71.     Xfu    jujjfnuiT    ijuijfi/'     uju^     \}pLru"wujf.     |         ^nu.[i     n^fi^ 

iliiuj  ührnnij  &£rn  *f\npuinnu  II  qfnunn.  niftLnAibrquiL  innn^ 
quiifju  linnui  ,  iiuiiuj  luiiiiiiiuin  P"1]-  ^nilufulriuL  Unnui 
IflrqnnLgi    p     ^lr[t}  ufiinuu        i      \}l     nji     ^nnfi    W^uuiitL&ni     /■/"'/ 

'1'/'/"""""  ^fl'l'llll    f.   //c»/.    Uli  tjU  l/llllllll,    I  MllllMUllL    l/l  lllllllll 

ii  [in  uiifii  t,  y  IL  [!(•  lim  ^/lUiUiui  IL  ij  uin  tfiiiUuii  h  ill.  iniii 
suinsuinuhiiunu  unnui  ,  qfi  uiiuuiL,  u  iimiiiimiiii uiUuIi  ///''•/ 
^luun-lrpa/ruji  t^-n  ,  "/"'/  f"Mth  ^nduiulr tu lu  um  in  quin  ri/i 
l^trnqnLn*  iL  ^yiiutuu/i  null,  iiilmiiillilih  Unniu  i  *pfi/£/»^r  nn^ 
"(t^u  ^iiiIuju/i  h  utunihint  ll'ul'  >  uiinu/K  "  "-  %f\ti/tutnnu/r 
i/uiiij[i'li'li  h  <yna-Lnju  unnui  I.  uli  j  \^  tt  II  nunLutuuiiiL^ 
(tr/iLtt  iL  tili  Zu  iiuiitiuilui^fl.  i/i'li  'Im  ii  tili  njli  Unnui  n  jLlrnSU 
*ynihuuLnju  Utuujujül^  ,  qfi  iiinijf,  u  tun  in  I.  n'li  iL  iftunuhiiii 
tlLnqnq  II  l^u/unUnq  um  p  ii /,  tii'li/i  t^  Il  Lii/u/i,  iuiuii//,u  II 
Uiunupult  *\\ii[iuuinu[i  tt  ii  I,  iiilili  uililil.  tut  tuiinuinuiliuil  n'li 
Ipiluhquit  [<l /.  /i/i  u  x  \jL  iiiiiiiil.ii  iiilin inllilili  '^\ii/iiiuiiiu/i 
niliin  uilil.  mij  ,  pp_niiL  ^nilufufi  trij/ruii  *nu_inju  i/iujiliulp 
Il  Cfujcrlfb-uj^  tßttu  t  W^l[_  li-  pujqiiLiP  ufuuiuiF  ufuqtuulr^ 
[^J'(_   ^truJiLUUy     ttul^pU     qjt    piuqt/utufiuin/i/i     •^/iLUtUft.nLfd/iL^iit 

1)  \\w  M-  20. 


Kap.  70—72.  53* 

fiilf  ll'lll,  lll/ti        um  7\ulljum/lll/l~^mi  LI  y        IL.         IUI:  lll j        ill.  II  Uli        *>«-»^- 

iimlil,  u      u ill  111    I.  Uli     lllipiU      Ulli/n I,  lili  X 

72.        \jL-        '/  ll'/l^  '■    'HZ  lllllll        lllllll  II  Ulli/,  IUI  Ulli  II  II        MIIIIMIIII III 

uuiqli    *fKppuuwiip     uiiuuif,  u-  ^>\j^yUL      ii/uuuii       m/iii  milli     «"— 

iil,  im     II.   u\     np   iiiii'luii     h   u/iiiiii.     II.  iLin.p   iupn.iupn   aiupatriui 

ij 'lli/t'li     Ul     ni      np    (u/iillmti ,      oiuliqp    p    ij.pi/iLiq  uililu  uuit  tu 25-5 v 

[<d-hrujltU      p  lupXm  ifh       in  ii  ii  uiii  null-  I.ii(iu/i       In  in  11  in  11 111  f<l/ii'ii 

(J  uiiiiii  ifli  'im  11 111  ,  /'  111 11. \  im  h  Uhyni "  1  \jl.  "  W  mpiLiup 
Ii  111 111 111  iil,  im  111/  11  11111  IIP)  Hill  Wff-p"  \\xuuiiiLO'lli  y  np  lup^. 
11  11111 11       tinncytruLi        lim  in  m/t/,       q^uiLiuuiujqlrujiuU       IiiTul  >        np 

'lul llllllllinl,  llll       'lllllll         *yULIlILO~trUJIP         1  (lllllll        iL.        Ulli  tili l( lll  x  |  Hill 

imiil.  ih  I,  11(111(1  linuiim hui  [*.' (n'li  (J  11111 111  tili  'luiii  111  ,  qtrunt-^ 
iiii/lify,  iinuil,  11  ilmii'li  ill,  uiii  iliuliiii  (tl  I.  u/u  iftrn-iLiL-y  piuliqp  p 
(umHUIlim  (,)  I,  Ulli  tj  l/inljHI  (ll  I,  Ulli  :  \jL-  11(1  nun  111  ifiu^nuiui/pli 
ll/I.P  HU  II    III  V III 11  I    II lll        ll(ll//,   lllllll        fti--UJlLluhp        IL.        ^  ULLI  ILL  H.ULLipll 

tfflll   i        LI        ll/l  lllll/l/l        ^yULt-UlinUlqtrULIlfll       II        llUL   ,         Ulli  lllllfl.   lllllll 

(miin  uiiiiii  /«/  (n'li  lim  ii)  (1I1,  u  in  ul,  hmil  i>  II.  iipptrifip  IrqLriLiiny 
ilm tili  ^jiuiimnmli  p  Uui  ^im  tu tu  11  tili  ,  np  II.  iplipli  x  |>"'/ 
11  ml.  i'li  mit  tut  h  tlhVitis  11  (1  ill,  11  I,  /tu/  q^jiupnufJ-piSlili  linpiu 
^ituiliuil/t^  x  x^-%uiUq(i  iL.  nf  Ilu  lrplL.trquLL.  jl,  tu  f3^uLnlrp.n/li 
i/frn-hriuiy  qp  ill,  n  m'lil.  iiu(  Ii  tum'lil,  pul  uiuiliu^  ^  u1U11.hr pv 
Air  uji  tf-p  I/111/  1  fluni-,  tliii/111  m/il/li  um/  1111 11 ,1 1/  11  ■  V/X^ItulUii 
I11I111  11I.  iiiij  y  IL.  hm  111  p  'in/m  U.  I.  /ll/mllmii  /tut  (<)  (u'li  imup^ 
ml.  ui'li  put  pinlrup  K  x  }j  «iy_  qpus  um/,  Itl.  tili m  (itliti /1 1,  11111, 
11(1    ill,  11  ui'lil.  /      •^m'liii  I.  /i.\  I.  m/     t^p-     ,ul,n-     qjinpni  prpi-li    unpiu 

II  (t        (l        lll.    H    I.   Illljll        III.  I/Ill    Ul  ll'lll,   .  ll_       Il(l       h       lll,    II    I,   I II  IJ  1 111  p  111    w 

ijl.m/        iillul 111  ^       ^.  /  <  ulliij  fi       /um        iL.      t/1//  m'ltu  ,       11(1        1111/1(11//. 

1  l;„.   <y£.    1_2. 

2  y^i.u/:  ],.  5. 


54*  Apostolische  Verkündigung. 

254*-    L_      iii.  pLuijuiui  iim  (<l  /itM/u        lutt-ß uifciifuü       lutupuitrupii »      11/1 

Ill'lllUlllUllllllll      ["1*^  : 

73.  l_?t-       ii  Ultimi,  int  *]uui-./l[*r-        lUllt^       Uli  11  Uff,  II  IUI  II II 111  II 

iftu^mJii    U.      iiunnL^ftHriulfu    *fipnutnnup*        "\j"    *l*lM2}rUl'  l" 

nnuU     l.til.  m,     niurifcHrtMj,    oft    §4/'    pulpupui_    qjiu"     x     f\*uju(i[*} 

n*  im ii uiii  ii  pliphiuu  uiiiiii  in ii I,  ji  ,  pufunji  n*^  4  iiutmi  _ 
iil.  iiii  Jhr  ruiifulr piil ,  w/f  ^nqfiLi  ^Kpfitiwnufi,  np  iL.  lu*/£  ifujp^ 
ii  uiiif,  ii  li  I  uiii  in  ii  ii  un  ii  in,  Ll.  luicrii  *\»tu /_£«/ tu <l.  um/,  •  "„  \ju 
IfliPlrijh  IL.  p  niiuu  I.  ii l.  in  ,  iiuiii(i'  f.  iu  ,  nji  J54r/»  phiqujpuL. 
nfiu':    t     lp«i_T#     qifiu<jU     tuiil,  ,     qfi      ,""/'  '■  ""    l 

74.  Xj1-  if  iuii^I.  iiii  ^UJLfifcd-  111111111  n  u  \n111\111nuilm11jl1 
'\\ii/iiiiium/i  111 111  inl,  ti.  ',', ^ZinLl^-p  Zun  11  ijl.  11111I1  ^b[<?  UJUIltip  iL. 
>l  iiiiiujni  prLD  lutiti^J.  11111I1  u'liii  iii/m .  1111I111  Ii  il  ui'li  trnhrlt  ptm^ 
iLUJL-itnp  p  111.111111  I.  /'v/V'»  "-  [fypLiuUo  a  iiiinilt.  iiiuli  p  1II1  um/i'li 
n^hriunSUt/  iL.  nun  A  I.  ////  linpujC.  ~i  Kf\utliqfi  ^brpnurj.t/11  /3-iu^. 
11 111 1  iin'li  ^pt/pii  II.  {\\iih  111 1,1 11/1  {\\liiii:iiiitiu,  \\1uiLrLtr1u  I11111 11 1.  n 
11 1111  um  111  iiii.  111,  p  tili  lfm/11  IrntrujiDy  11  111 111 111  uiui tun /,  tili  quin 
luun/ii  1  ij  11111I1  qfi  ^trpiiiJn_t/ii  !  11I1111  nl.  uii  pppiiL.  [d~/^ 
I.  iiIiiiiiii  1111  110  [*J  11111  im  1111  ^u/üfLlrnJirruji  Ifii  iplinqtr  1  ,  qfi 
iiii  uirpchtruqp  uiiiliiu  Ii  ßiuquiL-iipiiL-pJtruLyi  '"'V  i*\/"]lu^ 
uinii/i    ^irpnuiihuj     II.     iiii     qpLpiL.    ^p/^uiit/u    t^/uj     ^uinlif.  1111 

tu  lpt1  ihn  I     tiiuii      nlmi    p     iflll^yy     un     u/i    [3-1^    II*     Uli    11111111    iiiiiumijl, 

pujIi     ti-^uiljuiii  mlitiii     Ipuiur.  11      qnpcrtri  ,      tuuiphrqni  quillt  1  ml 

tili III II II,       Uli      [il  Ulli  Uli    II  n       llllllll    lll'll/l  : 

7.").        \jL.  I  Ulli  Ulli  II       Mll  lIMUUUllllll  tili       ll    II       '\\llllllUI  iiii/i       liniu 

254v-  Jiupqiupt^  Luuty*  "Q»w/_  i/lrnfJ-frii/rti  II.  u/in/  niiub  ijl.  n  qifhq 
IL.  qfiuqtrqlrp  niu L.CT tr lu iu  niiy  /nulluni I.  nl.  11  11  tu  In  in  es  um  1111I1 
/"/"/  »       lupl^trn       p      '/*"//'       aiippiiL  [i}fiLtu      'im imi  1        ^Lulib-qhrp 

1)  \\,uqj:  ']..  6.  2    U »»/_'/••  p-  1.  2. 


Kap.  7  2  —  77.  55* 

iiiuJkhmih  qijmhli  Unniuy  trrLfin  qtuifiii  nu  'hufmi  li  11  nnnt  Uli  i 
QmthiMiulttrgfiu  qltui  luluiiui  nnp  ^uiiuuiifutn^fi ,  I.  tili  Itut^ 
/iiiii in  iLnuin^trjuttt  fu  (""J  »  fitundti  mnmiiL  11  auj9_  'uG'fi^Ujq 
linnujy  nunm/u  1111111111 1.  11  //  1//.111111  linniu  u{<)  -i'liuulli  u  litt  11 111  1 
|t  f'"1'!  iLiunJini.nlrn  qiuuqAtnL.p^fuJj  unni  linnuiy  iL.  11%  l,  111111  n 
'liilut  dilrnSu  fi  iifuiutlrniuqiJIi»  im  crtrtiy  nutliui I.  11I.  11  h  iJuipniiL,^ 
[tttrlit^  /''/im,  qiuftfnn.  Itutiui  itrnli/in  lfnfiOuilil.nl.fi  :  <yjUL.uiq 
11iji111nl.il  nun  m  fm  c/  miliiiliiii li/i  'hin  1  tu  L_  "^Irnhn  11  h  mimt 
q uJi/lUL.[€/-C  t  \jL-  ql>  11 11 11 11  nuf  1/1  linl.  mii,  iL.  q[i  limilmi  i> 
^utL.nu  >  iiniin'hiiit;//,  u  11 111 11  f.  tun ,  q[i  limduti  />  ^utLftli  *uin^ 
tiiiiiiiiliu     /ff '/•  I       ^utUrLlrnAtruji      tjn  t 

76.  C?*-  *)tiif>mtifimi  mi  inif/,  11  iiinly.  ^IJ/iz..«,  iiuififJ  fifi 
11  ijl.  fuui  ^iiJiil^Ii  I11I111  li_  h  ill.  fimi  iluifiif  111  11l1l1l.f1/1  luliu- 
"*)Utn  q*ymJliLSU  iL.  ihi  111  I,  itnli'li  m/iimfin  ^lULUtfUi  l  '  t  \fL.  min 
IrnU-j  inncrtuif  inJiLiiSlitrqujLit  n  *yn^-/iqli*  nm'/ui/>  l</ut/luj 
11  lim  iiiill.'hiuth  mpm/it  fimi'u,  trnLiiL.qtruii  uh  11  m  nl,  dlriL-Ui^ 
'h/uilili    /'Inf     In/111  1     xfiutuq[t     iLu    II.  11     iL.    ni     unpiu     ^mummmnih 

^uiLiuinmi/iü       h       Um  ,       unUiu.       //       ill.  n  /.  fiujh         tuiiiiii  ul.  mi 
ml.  11  111  1     11I im  : 

77.  *\\iunAtruii      111  ul,        iL  11  Ijii  in  uiiiuili     iluijiii  uifil,  n'li-         :  \}u 

lf  111  Ulli  :uf       qum      ill  u  111  III  tili  li     f ihn  1111     f<l  111 11 111 1     niilih       :       '\\iu'lui/i    2551'- 
*\\ltliuiiuqfi      '\\liifiiiuiiui       11 111 1  in  11  111 111 1.  111       L,ii      ^fi  I,  11111111  nihil       IL 
ItJ-yuiuifiiLldfii'li        nfiuuu       iiLJilrii        nullit/        <I  luifiituiuli/i       tun. 

+Jh nullit  kr  II  [<l  Ulli  1111  null  ^filj/iqi  \\ittiu  1  nti'luf  111 1/  n'\\fi/muimi 
m cl  tritt  1  tun.  lim  lfm  in  I.  tut  {\\/iiimuimi  um  111  i>t.  uui  um  ^h "w 
f  inif  11  I,  11  y        ^ffiimfuih        111111    /.  1111  In/m        -^  111  f  1 11  u/h  /.  1  ^f  11111  III  tu  111 

quin  tri        iifihx        lt  nullt         1  mii  mit  11      liniiiu*  11 1,  in       iiimniTXmii  u 

f.l uui  im  ufifih     *^ m -uu  tri 111     q int. 111,       ii'\\ii/muiim  t 

l)  U-t*  Sc-  39-46.  2)  $>«#.  fo-  7. 


56*  Apostolische  Verkündigung. 

78.  t?*-  /l »/'  '  ''{""I  m/uu/l,  ii  nl.  l/m  uiiilil,  nun p  III  nUuJ^yUf 
iL.  qp  n  J  n/mi  t/9jJ  luutrinil»  )>Ql  ipikriun  §£/»  uiiL.ppli 
\\iintiiil.  iji  q llh iL.tr ui lüu  pL-Uy  qjuiiLuiy  "liliyl.  nl.  uiiuli  h  ^"n 
li  nlinlt  ,  UL.  t/y  uiil.  liuuui  im  I.  inmiinilil.  i  nilinlfm  (<i fii'lih 
pL.p>  u  iiji  n  I.  um  quillt  i  nl in  in  ii ii  t  \J%uuiULUUlL.p  UL.  nupii  uiTiiun  n 
t/uf^ftit.  linpui  ^uiuwi  ii  ii  hi  I,  ,  n  fi  (  p)  n-cf-n/ui/li  Um  um  tfPji 
ihn  lim  {*1/ii'Ji     ijiulii7\iihtlr  ifl.  iniiti     t/p  i 

79.  Xj1-      1/  UIIiaI.  Uli  IIIIIIIIIII  II      /uuiifui     'tili  II III     \fUUllfl     UJIU^ 

uihyu     in  ii  t ',  •         »Quipuio-trqp     ndh  n  u     gpupiii     nim  n'/i     h     cfnnu^ 
i In l  iiii      uiUi^mi  mUi      IL.     iLfufuiniuipdinL.^    *  Duruq[i      min      fuuiifi 

lipuiliui/j    ty  *     \ji-    "-"    tr pUL.tr lui tiunfU   ^lUiL-pfd-    uuitf       »^/»<-/y 
i/imliL  ij/ili      i//"i      MlLTip,      iiiim  iiiiii  ,        </  niimlmnnili       \m  nl.  ul.  pin 
•Hli_py      trntrli     n/ilili  *         ilinnl.  n/ili     u<\l.  ii  u    pu       u.     qnuiu«.     t      \fi~ 
ii  n in. \l.  mi      mul,.         »\jnu\_     uhnui     hü      lipplL.     nJntl       ^uiitruii 
p      ul^y       iinm/uii'li/i       liilni-  iL.      p      /'""/      UIILluplrtipu      nmilil,  im 

fiJ\     t     \jt-    iLUipdtruii      ui ul,  •         '.,  \\\lii,il.  m       lULuaTu     hil      p     "/'"/ 
iL.    p    pUL.trrv.lruj    flu       uilmiiilliliu,      n/i     \inii I.  nl,  inn     </  mimlmnuili 
255v-      /uitil.  im     h   i II.  iiiiii  ptfk    *       juijmmlili    im  mm  nnmufl,  n     luiiuilip 
Lipu/uuilit/      fuiuffil        qfiLipu  t       \\^  ff        Ll.      }J*iiiJut/u      ijlmili      ijuiju 
uipiuil,  u       um/,        <l  mimliiii  I.  nilili.  ~»\jt-       knfiuh       du      Iftruilip 

limlul.  mi      iLtfU        iniliii  IiiIiiiIi    iiimiiii    J2i'if    fi      trpupqtru    p    uiiilL, 
II.    p    q.pptrpp     iL.     u%     ^uiL-Uitniuuqtru     litrTiuiqli      onq«     t 

80.  f\*uipatruJi  t\tuiL.pP^  uiukj»  ^*\jiipiu  ipu  ^uiitraufliy 
i<  mpif  u/lil,  ijlili  In  n  I.  um  ii  ii^yiiilui  I.  nSli  pu  Ii  p  i/irpuii  upjjun^ 
t/in  ?inili/i  P"f>§  uipbpu  i/pTCui/j«  t  *fKuiliq{i  luuiilriiitl  ii i" im 
iilhim  nnitli       ti-*yiiiliii  I.  iiiMiU      p.iml  m'fil.  n/i'li  ,       im  in       npilL.il         un^ 


1)  b"*  ll*-*  2.  2)  \\uufJi  \iui.  17.  3)  \}u.qj:  Jim.  15. 

4)  iJin».  X},mLj:  ü^  120.  5)  p-  Or*V-  ftr  66. 

6)  X\.„.lj:  \*u..  19. 


Kap.  78—83.  57* 

iliiitf,  tili  n    IfliUy    II   q*/iuun.h pjtu    uj ut uiuiu  I.  uti     /•  m  pil  inlil.  iiiuli  t 
\uil/         1 11/ f  11111/  11        iipumiliii  TCllllipll       IL       1I111  uh       qfi       p       ill.  11111  um 

u/üfyfrujf     4r/'    "-    nl_  Ipuplrpiij^    l^p,    ijfi7\ml/    ujpljfHiy    qji  npiiLiF 
■^ujuqt^y     uiiupqp    autiU  t 

81.  \ju  riujpjth-uj/^  ujuI/  \jnbrupujj  ifiupq-iupl^*  ^\ji- 
ujilI/u  i/f.  11/.  uiu'li  111 11 A  titf.l fallt  ,  nu_pu  tluiAiun^brqbr^njU  .  1^'f1 
i/lil.  ii/lli  jiiiiij  1  mjli  \\11111t11h  f/i,  iL  truinifu  puiimpuilpi  fKpuipljy 
iii<u[l,n     ^ptutfiujhujq    fiul     §£^i<;  '  *     ^ufuqfi     QiiLrj-UJj     Irnlhuji^ 

/ui-uul/l.  11  tu  111  tili  *\\pftuujliu£i  ,  iiiJUApU  Ijiuihiui^  ^pt^ptpj  iL 
iilIuuiItiui  [^u,f^  ''itiiiiu  y  iJujuU  qji  uihmulit^p  y  P"*?  Ifujupu 
tili  111  uii/iu'/iiii'h/.  1 ,  ilmuli  11  fi  li  'tiJiuutf  iuilin.pt/ujTjlriiJf  hrnlLy 
um  I.  litt  I.  11I,  iiui'li  1111  im  um  I1I1  um  111 1.  fr  tili  ,  il  ut  m'li  I,  tu  ij  ll  II 11  111 
ii'\\ii/muiuu  ,  II  tut  hui  qn^ujqhuji  'p'P  JinpcrhiutjUy  UJÜrLpL/li 
ri  Ulli  Jh Uli        II      P-UJQ       &~"1       ^Pkl'fj**      pjfuufuUJII       qujpcriupjflj       iL 

Ifijpu   lul.  titi  I,  ijun    %    \tuli  Tjiinni  11*    ujpdiuup  f"[^  ^jiiiiliuphruji^ß 
fi     11  iiiliXtuliml/li     fiLptrujJjn     m/il/tulil.  1  ,      q[i     t^p     111/1I.111I1     a_püpy 
rruh-tifilj     {1     Tji/ijjTj/^      1±fa"JC  ***  »       "/'       ^»C      FL"11!1      "i-p'"~*fi>  >      [>  256r- 
{,1  uii/ui  Uli     ujLUimpujq  t 

82.  t?L   p    In  11  is       ^uilil.  imi     ijliiu,    ppp    luliipphuiq  pifupTiJiy 
i'iiinuilii     11I.  11I.  im       liimu'lil.  1111       uippiiLiipli  t      \jL     iiiiju     iuiu    p 

XItilIi     l\kHJLy/iui      Tiujn-lrqujL*  >\juinLlJ     p      lihpiulpii^p     [UjA 

11 1.  1/(1,     Il    li     CiiupiUL    fiif%    uippnL.qpU    püdi    ^pujtjUjIuC     t 

83.  I?'      'll'    /'     iHrtLt.pt  11      iiupniqhuji^    ^ujurLlrpihiuf      h/p 
ihpljpliu     -quillt-  mii'liuii ,     11111111/I,  11     um/,      l\itui  p[A*  \\ujtLtilj 

Wjiiiiiii  c\  111      ppi  piiiupuinpli  )       ^ujuiup/Sli      "'-'l'lt'^ß  »       Sw*      P 

'/nullit     II     W/i'/il.  m      II      uiii' 111    Li  I.   Ulli   ■       \fl       p     piUpiXlILUUy       II  I.  /•/.  im/ 

1/1/  I.  /im  f.i fu'li,    um     hin    111 11 1  p  11   iltii/iii  l/tiili  \"i      [;/.   11 1.  11 111  fJ-piu 

1)  \>rL'I:  \r  6  irr    ft«V  *«»•  12  :i"t-    l-r'r-  \\ P-  K-  10- 

2)  \)u,rr.  lJc.  22.  3)  W-unK  1,4.  18  z**i» 

Texte  u.   Intersuehungen  etc.     31,  1 


58*  Apostolische  Verkündigung. 

mutr  iifiinit/iiuhiii  illi  /ii/ii  iii'/iiii  ftl  /.  ii/'/j  in  ii  in  in  in  itii  in  ii  <ypfrpuiui^ 
Ipuijh  :  \}i-  airlpiiq  IL.  ij  ml.  ijfili )  niuuip  ^nihiilr pdtruifli  l^n 
Irpuulr^  ji-pl/fuj  jlrplfpl^  t  ^luSsaft  S4/»»  *uuh  >  />  \)f">fe£, 
tri  p  p uin  An»  ^pu/uufi  n_t^iP  pt/tiii  pi/uih  \jpiiL-UULnLjifp 
itrnpuu  ,  itn  'ln*l>  QnPiiulrujti  ,  iL  in  puu'hl.  pijlt  'imimi  Ii 
i/L-iL-h-£iiij)     cfnipii/fruif      auiyui/pfrpuiinj    ht-P    II.  fi    JJiui    tun l/l.  mi 

'lllllJUI  II  /  llllllil  II  II  lllppllipil    {,)  I,   lll'll'h  I.   Illllllllj   ,  ml.   im/hl.   iml 

Tinquiy  a[i  ^ULi/puLpauiu*  iL.  uilrupU  ,1/1111111/  puiqtruii  puLui^. 
iiii'/i     11I1111     trpLplip  x 

84.  +}"'*/"  auiju  iLiupÄlruji  11  ml,  ^uLL./ipJ*  ^\\il.^p 
p->/uuilip  ij  11 11 111 'im  atrp ,  u_  piupXuipnLD  n.pnifup  iuii  pinLr^ 
liinliuihp     II     ifintilf    pJ-uia.iUL.iip     ihm  11  m  11       ♦          puiliqp    iLpiiiSUp 

jULL.puitrUuL^ULlip      trU      hpl/hUn  1      \\k    11       i/tuu'h      qfi     pufliu     h9> 
m'lmil,  muht,  /fi      I.  11I.  pujh  ,       nf      O-ufuiiL-quiL      liVuihl.  jiuj       'imuiu  : 
256v-    \\  luuu     qfi     üuipüuiuqujL-  p iiflili      iL.      ml.  uiii'lil.  1/1      I.  pu'lil,  p     p 

ijtrp»  II.  u/1  ui I.  imi'lil,  /in!  qliui  py/uuL^iitLpJ-piJlipTi  f  litrpn/iii 
^ptrpujuj^^p  111  hup  "pP  p  "*,ujuuiiuuiiiLp~JhiLiULi  l^fuji  anih-qfuj* 
» U/i_4j?  aippiiLAiu  Älrp  II.  puipauipiiLp  n.pnuLip  luiipuitr^ 
liuiquilioy  ah  ilmiil,  pLuia.WL.lip  1  hm  11  111 11  t  \ji.  'im  um  quip^ 
üuiqtrpiq     IL.     iimmijl.  pup  i\      lf     uumZ.  •      "Pß     iu^uj     uihrupliLi 

nluu,  JLuLitru  IrpqpnpiL  nihil  niil-  i  S^Y'  ^>1UJUP  "-  " L<^ tl"* '* 
uui     £-     [.l  in  11  im  1111     i/iuiiLiua«  '  t 

85.  \jL-     1P        luipiiLntruii       IL.      lll.  II  Ulli  I,  IUI  lUlVlll^     ^UIL-ItU 

'[ULI     illiiuj     npnph  ijl.  pii  if     (I  uiiliu'lmilip'li     /i     ^tui^p^r     11  uimum 
lll  lull ph       <fUui  quill  'l&~a  tr piq      'htlui       111  ill.'lnui'li      [.)  t'luu  lll.  in  n.  IL. 

pfyliiuupp       luiIL'hpi'ph       tui'lmnpli  ,        nPP        im  uin  111  niilp  11 1  [tl  I,  uili 

tiuiuiu       *yp  tr-t  ui  uiIj cfü      II.      ^pt-yunuLuiuin-uipu      iL.     ptfuiulini 

plpi-Upli    IL.   ULpi-an^tfliy    "PJ?    q2&ifiupuitiL-p}pLtiiu    inhii  nnlil.  ijph : 

1    O-t^  W  7.  2    U«»/.'/:  W'  8-10. 


Kap.  83—86.  59* 

\}t-     filis'li     l"'h      iliuiuj  uiiil,'h     r\*tULppJ-     uuuiifl,  u     in  ii  I,  •  \\jiuiq 

S^Y»  q§t^p  /*if\  "u/iuui  fan^  luyiTt;  pi/i/t;  ,  J[iU*^  Iriipq 
ii  f.)  lli  ti  nlhn  nn  p  librpnni  n  m  Inj  ^pnq'i.  t  \fi^  q['  uiür^p 
•^fiiiiff  iini.Miii    ,     in  u  uili     II     t^yU)     ^uiLppJ-     in  ii  I,  ■  »p     CTuiuuiq 

I.  iiljhl  l.  ih  linpui  II  ^uiliapuui  Unpui  t/pli*  h  ouiuu 
Irpuup'i.  *  in ni in  ijn  iniiitiiiiiii nilifi  linpui  utufluulitf  iiiul.  iml • 
%  \JL     n*      tf     nii     Itluiupqt^    p     muiuptju     linpui«  t 

86.  U»/"7-  ^Pty  'In'/' '/  '"/i  I,  tuijiiili  uuipa-Uipl^jfli  y^uuini — 
tV/i#  q[\nn_pU  ^uturLtrpdklriui  h  ill.  inuj  f.  pljiip  I.  nli  I.  j  ,  II 
i/iu/iij  iiiiif,  iiiiiiu'/i  II  in  ii  itLptrp  itrpLpp  II  npuit^ii  II  "p^ 
iijliit/i  ni  in  null  trpU-bri  ,  II  m i/hrulrppli  uijiui  njilj  Juipuui^, 
ii  I  in  ijl.  inj  im     $£/»    jililjuiiun  ipUpliy     •^luuuiinmiii'h     t^p     i/irp    ^tW' 

//  'hiiii'li  ^uiluiui  II  'X-n/uippui  nuipiiqiiLpi-triuu  iiUXhn.nL^, 
P^/ilü*  iiijulilii'li  4"  luiLiuutrinqli  dlpuinLppLliy  "pp  iuilui^. 
jil.  ntriuiD  Ii  ^hriurLAst^  y  p  p^nfnp  luifuiup^  Diupnatrqpu 
ijWpiifi'li  \\uuiin &ni  trl^truii  p  \uiii\m iiuilm ,  Ijjil.  inj  p  Inui^, 
ifiuiliiii  Uli     i/ui^iil     IL     p     LlruiuunpCS-nLp±pLli     iliiiiufliin'li  t      *)p 

,111111       ll        l\yuUMLUJOTl    [J'-flllUUltl  PpLlly     llp    t^     u/UpplIILULptpLlly 

//  P-'utJ  ij'ltl.  iiitj  s  Inni iimijiii  {.I Jn'/i  i/ltljuiiijiu  j>  tun.  uiuy  tpyui^ 
7\'niiili  "infiu  in  ii 'hl.  iml :  [jl  uii  u  ntrliiiLiiiui  p  JitrnJi  ifuip^ 
n  in  nl,  hnli  in  ii  I.  iml •  ",\%ppiiL  iLa-ntrnpli  nuin  tut  huiuipuhi^. 
mi  ujii  ijliuititiuijiii  [,1/n'li  II  tu  l  rr  in  in p  uili  uii  qu  qpuippii  ..  "  t  \ji. 
ijfi  mipui  Ii  lplyuiuinuiuly  II  i\jpniiiuinL,  ifl,  ^uhuihpXhui^ 
l^lili     I.  im' hl.  l       Ii     iipumilL ri       tlhrn      qpuiliu     \\jl in m  O  ni  ,      np     li- 

lULptylipU         l.'ll         lll.  II  i         \jllUllll        nun  llfl,  II        null,.  'y.iitliij/i        p 

\\fmifliL,       I.  tijl,      uiipL,lip      u      pm'li     Qhum'li       i\fpm  muni^ulf 

II       ij/i         jiiiill.'uuu'li       hpljpp       ^ufuiilrpjLkuif        l.'ll        jiuipnq[ij  . 

1     U'"'/'/:  #?.  1.  2)  W-npT.  fc  7.  :;    b».  \ft ■■  7. 

4)  b».  |\-  3. 


•257^ 


60*  Apostolische  Verkündigung. 

f^\iULfi[3-  iiml,  •  »QuJiflrliiUjli  f.  n//pii  hf  piuppiun.  'lim im  li_ 
n     in  hl.  ii  I.  im     iup/uiup*^/i    piuiu     Itiituu '(.     t 

87.  C?£i  ffa  nf  im  in  pnjqifiupiuUiiLprhriuli  iUL.it tili tu tili j 
Ulli  iililil  !fiuii7\iiui  im  min  (.1 1.  uili  *^IULIU  Ulli  tili  iL.  utipni 
iiiiiiit/ii  ^uilni  t,  n.\l.  mi  tjfui  ULUiin-hhy  \juiuip  nipiuil,  u  niut,  ■ 
» \\uih  ^luLniiA  U-  "^uiüiun.iUL.in  '"/"/  '"/>"'  /<'  '■  LUifti  •  u/i  uui'li 
^iuuujiL.nji_ui  iuiiiuiiijI,  y^uuint-Lucr  p  pnpip  iuyfuiup<yp/Z  '  t 
\ft-  ipiuili  luciiuiilili  um  uinl.  utili  {\\iiii  ii  ii  ii  ii  ml,.  ;/]  niiL.lt} flLU 
im  nflmiijli  utyn  LyC  i  oiuünfi  np  uppiyli  q\\uuiiiL.iucTt  iui^pl~uu 
f.  t/u/  t     \\^    ii      IL.     §Lyp       iiinJ-iuiP    ^uipntrnji      trijU-         np     iljlliu^ 

Pfiu  upu  in  ll  L.h p  iuU  Ly,  nimmt.  ^JJhpbruntru  q^lyii  |Ji»*/i  ncuicT 
Pll  h  f "/"/'  nullit,  LL.  Ii  OLllinn  ttlUL-nill-P-trüly,  IL.  I,  uJumnil'li 
Uifufli  lUiunpp/j  ti/iptrnntru  uill.  ndiu i  niili  hppUL  niuUAU  i 
QL-pli nu tili  pupillupu  in  iu  tu  in  /in  ui Im  ,  um/,  ,  uninii  lULnLjlin 
Ii  iii  tu  f.  mi       huili     LL.     i/iupn.uipLyn«      l 

W^niL.     m^\  Liiuiii     Jhrp   p    ditrnSU    luil.    liiuili    ^yuu  mm  ni    qiun 

p  i\j  uuiiiliu  er  Li  «_  quin  ill.  pXtui  null  uijp  >  uiuuiiil.iuO'ui^ 
iiiiii  -^iiiii  uill.  ij  LL.  iiiii  ii  iii  im  LL-  f  Hin  Im  litiini/l.  mi  t  \jL.  Ulli  im 
uiiiiiin liti     pufli      ^LUULUrLlUL-Ui      1111111111      Ii      ilf.  iiiiii      trpupp       iiut^ 

fuiupty  z 

88.  Xj1-  'll'  ftrui  ill.  uiiiliiuinjli  -^iiilui  I.  pAk  mi  typ  piup^ 
.\ii  ui'liui  1  «£-«  iiiuill.'iit.  ii/i'li ,  u_  in  trn/iap  np  r  ""/>/  mm  I,  uii 
^lui/lruiuuitruqp  luil.  itiu  >  yfuutip  tnpiuit,  u  mnlT.  ^f\  ST» 
np  ii  lumlili-,  piilui  Inliuli  limniil,  •  Ii  ii  Ly,  np  tun ii  miimli/ih , 
ill.  pdLh  i"l(i  A\prrfiu  ^triunuU  »  1 1  mi  ae  ti  ,  qft  tu i/trZi trppli 
^TituuVfip  l'ff  ^luUrLLTpA.  Il  tJ*rtJ  H  Pl"jb  LjaLra»  LL. 
'tun  iiiiiml.  mi        Ii      iliuipiuiinp       uu/trZiLUiu       tluip i/h'/i  ,       u.      piup^ 

1)  \\uiqj:  J.c.  5.        2)  iJSttm*  \ju.  (f..  22  u?r        3)  i"-<"üT-  iht'  10. 

4)  U'»r4-  *p-  30  i^r    ir—»P-  W-  37  w 


K;ii».  86—89.  61* 

Xpiumip  §4/*  Jpujju  fi  p mpXpimjt.  mpih  t  \jl  qh  p  tiuilxt^. 
7\uilili  p  Alrnfu  unpuj  m'lim  u/lih  11111111(11  ^uiUn-trp^truJi  t^pliy 
upp  a  usn-UJitffflilM  \\uuiiiLO-njy  \juiujp  um/,.  ^\ji~  ul)"n3C  l* 
"('.!'  "  ""'  "iif.'/ili  /i'lt.\%  um  hu  11  p  mlmi'li  unpy  1111  uiun^utruah 
p  ilt.  fimi  l.plip/i  iL  ujLp^litruqtrli  qWpuiiiLiua-  2fotfiupput«~  t 
\jL  an  quMLp^uiiLpipLLiu  nmpi  /Aipli  uJuAiuifp  ^ufün-trpAtruif 
t^p  qnpc^tri  IL  füipU  qilhrq  i/itilil.  1  Zu  11111/  nipf.  unlp'li,  \juuiip 
11t.  //"/'/     hui/,  inil •         ^fl/     /'"'/''•/""""'      nf     ^pkrjiniuqy     |     tun     258r- 

IlUpLl      J5^"A»       h        l"l'l       OlinUUiy      llulll'll       ll/lll  /.  lli/'/l      l/lllllllll      IL     luliui^ 

ji.  1111h     p    'liiiimi.         linili    pUtfu     thiilil.  11111     ii'iiiiiiiu         t 

89.  9/1  iiilip/ji.  ijl.  miiili  n*  Ipmip  p  \fiii/ut^upu  tiujp^, 
^111  nullit,  1  uiLph/uujnpnLpa-nLU  y  nu/üap  ///""  WLpLyüpu  p 
<\\p/iuuiiml,  ,  ujii  p  AcrnJM  i\\prLL.niU  \yuuint  er  111  •~~)im  muiiii 
II  11/111111  in ,11 11  hi  p  unpiiLp-lrujuli  puiupLy  \juiuip  lll.  Ij Uli  1 
um  f.  nul .  y\yH       lh?*T±E-      '/'""  uiypliiili      iL     11  (1     uliqfLuflil^uli      dp 

luCYt^p    lili'l     il/nii.        ui^uj    uinflitrü      unpy     np    mpl  ilu    o  tu  11  I.  mil, 

IL        CtUjUpPjtp  l         \jL-        mpuiplllj         nuilllllltpillllll        Tiullmiupiip^        iL 

iiuuvpiLLny      itl.  11111,      nipp  11 1  nullit  1        umip/li      p"       'J[L^JU,h['      "- 
ii(/  iiuin/iii  iiii'/i     puy      ifii/i      1111111111111111       qiun^iUDpunLlttpLUu     pul 

upilllllll.    I  J       XjU       llilllll  III 111 III      II      lliltVnrLp        pilll    mV        tfp      ItllMIL-UU 

-^1.  (.1  iiitiiiiiuiij.  ituiiiiili     II     11*       | './//////     niliijiuli',  11      l'1"/      unuuM 

iL  ni  2nqpu  um  np  nipp  m  iinihl, p  ijlimmi,  np  lilip  TluiUuj^. 
lipuip^yll        limijill,  11111         mumm    Uta  iipiitiu m   pl  I.  n/lili        II        UipnLUJ^ 

pm  [J I.  ui'ii,    II    11 1.  mil    um  in  in  in  p  tu  //    p  jul.  nnin     q2na/nU    uiiLpp 

11 1.  pilm'lil.  1  li  ,11.  pm  1  I.  ptip/i,  11 11  uil,  II  fl  Jihrnhl  ilmp  11  111  pl,  lujli 
Imiiimuiijuii  p  ,lmlii~\ii!li  im  111  pipi  ^tr/inii  q-^nq/ili  p  ill.piui 
Uli'fujy     Lp/fp/i* 


1    !;»•  fr-  8  2fr  L  P-  11. 17.  2    !;»•  1|'-  15  ZS'V 

3)  b»-  M-r  9.  4)  b»-  W*  19-21. 


6*2*  Apostolische  Verkündigung. 

90.  U»/"/-  unniiam-Pk-utt/ti.  *>«//i <  nili  £  //ihm  i/n  i/Lii  Zl 
/ff  A  <yUtlL[J~h-ujh  i/L  Ulli,  Hin, [I,  i<  \fnh-Jhiui  ilm  11 11  mii I,  m iiiii i  • 
»W^fUJ  UMLllLfny  gi u/ü  »  iiinl,  Sw'  »  "-  l/iuuiiiiriti  i/fui  iim/h'/i 
\%unujjlTifi  iL  iiwilili  QiiLnuMi  mluui  l(in luliiu n iilhlili  ,  fiin 
M-hiuitrqh    "^ujnqu   '/imiiu,      imliilii     innuLif  l/iuiiui    ii!\l,  n  nilil , 

2öov-  /uuiiu,  <y uiu Lti  nUnmu  ibrnljnLyU  (;■// /luiiiinu/i.  ah  uiipiu  n% 
Ifimjfili  uuujqhli  im  fum/uU  II  trii  iiilitlmi  [,1  iiiiiuiph  i/'lm  1/ m'lil,  , 
Luuiy  QLjn*  ah  111111  iil/uui  Ijiii iuIiiii  11  uihli  ,  '/"/'  '"  /'"" '•  ','/' 
inuilhi        \uiiiiuil.  1/1  iL  111        MLiiunqU        m  ihn  11I1I1  ,         //////,         Sw'> 

min  f. nif  auiLnLjUu  hü  h  upinu  'iimjm  ,  II  n  uliinmi  '/imiiu 
11  iil.  ijlsij  qunuiu*  II  trnLyq  'limiiu  \\uuinLUM&  iL  unpui  trqfiiih/i 
filid  trnniuJiiLnn.  1  pL  n*  Ilu  m  um  iiiil.'li  In  iiiiiinu'/n/n  11 
a^piunujujujuß  (*i-fi  Ll  pLnuMpuMtMi/iLn  t/1,  npuijp  ,  11111I.  imj 
crtülipp  q^Ljp  ,  q[i  um iltru IrpfiU  et uilipnl.'li  '//'"  »  h  ihnnnLly 
JpU*  p  iHrcru  lintiui*  ah  utrplrqpti  iL  piulIh  trqLjq  ilhr^ 
ijiuij       uiuujLpl^nLpJ^bruJUq       Li  natu       IL       qi/Lrqu     'limiiu      11*         'in 

91.  pL  ah  njiimiimlm'liu  ijm jumilili  li  ^Irf&iuUnuujqU 
IpiuiLUb  ^ufh n-trn4t.tr iui  typ  cf~ujn_ujuqLrg  ,  /"/'"  'hnnli 
f  1111 j  1111       l/iiiiulfiuiiuihy      \juajin      111 111  iifl,  11      11111/,  •          »  fyiuni      ujut^ 

\\tiinnLUJO-  \\uiiuijl.  1/1.  iinunLn  11111I11II1I1  im  muri/.  Uli  I.  n/i.y/i 
murin  itupiupps  f"-P »  "-  "Jtp  Un  11 111  p  um  un'/i  \\uuuii /.  1/1 
^uiilruqpU  j  II  //*  iiiLuujqbrujip  /.  11/111/1/1  p  i/lr^lriuuu  .  Il 
ni  £1  nnpn  11  ditriLuiu  hLntrujuq)  qntiu  luiiuippU  ilujuiiiLUn 
nLntrujuq  <;  "  1  *f^iuuqfi  /.  11I1  I.  im  n  ni'liu  iiui  111  niili/i  UM  IL  n 
ahnLiLuü  innnu  /l  *yim  tuuiimi/.  min  \juui iilo  111  tu n  111  /'•/' 
ai/iray  h  2itru_h  uiiniiili  \\uii  1111 1.  1/1  111 11 111 11 1.  111 1  Lj*  Il  um  iih'/i 
\tunuMjlriJi      Ly      *\\ii/imuuu.  iL       I.  11S1  I.  1/1       i/uinii  /fiu'li       I.  11 1.  111 1  , 

1;  \jPf.j:  ]™.  31-34.  2)  b»-  cK-  7.  8. 


Kap.  90—94.  63* 

iiin    iiiljliliiiiii  iiiij    hnl.uii      in I.  nin'lil.  iln    iflrp  x    1 1  *       im  um n !  tut 
tri/p    n     ilhr*^truiUu     IL.     n*      n     n  niirt  n     a/,  //  mi/     ill.  nun  : 

92.  \jt-    q/f    [>     if/rei     <>UJ'uT^r(,^^rUJL-   £/'     |     lrplL.&[/i    [ftü/r^   259r 
oft     nniifi      ilmniiiij      hrnlL     \\nn.pli     \\uinuL.crni  y      IL.     11  minlilii       li 
iflfupy     ntlB.      tLUrL.uiyiua.nilM     n-huini^y*hiSU    nt     niJutjUjp)       i\\nmjli 
filfplt     fKufuli      iiji niijl,  ii      m iil,.  ">\frilL-trr{i      irnlff      nPJl      lbu      "* 
tuUrLnt^nliy     nmini     "IIP     nhu     "*      ^ULnqiiMUrjhlM*        imuuiili     iii^m 

im  iiiiiIiIi     tru      miifiln     nPJl     "*      limn  11  miilili     ijniUm  'li     nj\      x 

93.  Xß1-    *W     uiqU     umju    cfnani/nL-un.    ununn    ^ufUrirrndlrLur 
4"    //,"^7_>       irrnlpiuiiuuuMlM     ilninn uinl,  ihi     h    dtrnÄi    \\ijiil,  m    uiiu^ 
uitru     ill.  lfm  ijiiii  ■        ^.X^nstrqhq     qnt      cf-nnnt/nL.pn-lM      </  nnnijni  n  11 
nil»        IL.      qnui      uhplrritruii        uppbnb  tili        I,  n/in/i  :      |i     uilrnLnP  > 

rnpriLif  !/"*/.  '"//'  "*_  d-iinnJnL-nrL  pif^  u/h  1/  l/nih  iiij/hi  nnnfip 
\\uuinL.&nj      l^rrUriujLiL.ni<S.  "♦  ininp'iii'/i      tr      II.      h      ^nil^uju'utr 

\y/fninUy     in ii in//!  in jli.       ,>\j[*H^    l^utpl^   \\iMUinL.ujcT    h     nmiiniliijii 

iujpnL.nujutr^  upn  /'"  \\^*pui^uji/nL.C<.  '  x  *fKtuuqn  p  nuiptrnl^u 
iifiiitmiiiiliiilinti  uppinp  ill,  u  h  #»u#//  '/"/'  V  '"/ '  *^ufubruiij> 
h  dtrn-lM  ^umlumuiui  ml,  uinlil.'li  q\\uuinL.uro-f  iL.  nnnhp  i/i'/i/i'/i 
W^ppiu^iuJriL  <fLULLUUlll^J  mini  mumijl,  jiii:  \ji_  ilmiih  luiunppli 
h  drrnJli  fjalrlj/irrifi  ilmii n  Ulli /,  A  \\umnL.UJi\  mnl,  .  ' ,  \}L.  in  in  11 
'limjm  iifiniii  iiiii  ,  II.  *^nuh  Unit  in  tun  h  'limnii.  U_  p  P-Uin 
Ipipijl.  in/  ^luü/iri  ijiilininli  nuMptrnr~lM  A  ilmii'ilhiii  'hiiiiin  II. 
imiiij  linuui  iipnm  iiiii  ifuiptlhlrnl~lM*  iiimil,  n  iili  li  ^n  in  ili'u'/i  i, 
pu  uTMiuuntrlM  iL.  ii  fi  ii  im  m 'im  fitf  iiiui^hunl/u  iL.  m  iimiiiil.'li 
ijliimm.         iL.     I.  iifiijpli     filiJ     li      1/  iinmlm  n n  ,      //       tru     I,  nl,n     'lim/m 

j\\iimm  UJLT«      X 

94.  li,/"/      /'      "'•  •*-*•      Uttn      linsiluilili      iliiiilin/iim  ifli      iininlin 


1    !;»•  V-  1.  2)  ni-  T-  24.     U,.  10. 

8)  \f.u,„p.  <\..  9.  4)  1;^/.//.  ,)..„.  19.  20. 


64*  Apostolische  Verkündigung. 

259v-    h        **ft.-[tJ  u/luiiiu    //'«/»    n    AaraJ»    \^tuunu    tyMUttiLCt  aty      fiifid  imF 

il  m  fillll  m  lim  i  IL  II in III im  niil.  hui  ilm ji  ij  IiiiiIi  ,  ii ii iii  /,  ii  U_  lupiu^ 
l/l.  iiui'li  'liiijim  QnihyiuUUtjU  mal,.  >\jL  ^ufifu  'lminu  J  iiiii  illih 
f.  tili  iL  puuj//t.  tun  h  ahrq'C  x  \\  in  Uli  apnt  *l  inimju  ufinniii, 
pkntf  Irljhnlrijp  ijiuiiffil.  ijl.  uifii/i,  fmilu/fi  n£^  Ilu  p  iiijiI.  Iuiiii  u 
\Yf"i^hu  "-  ni_  ^ptr-unut/f  \fa[injjt  uij£  p%pu  S4/»  uniffil.  ijnjij 
qi/lrqy  J"PJtJ"  ifiuulf-nLUu  -funp^trinil  I.  Ifl.  iil.  ni  in,  1,11111  mV/uui 
1/  111/ mint  fiuitipli ,      11 11  uff,  11     \juiujh     11I.  Ifiiiii      um  I.  f  ml.  »  ^Lpuifu 

phrp.  iml  111  f.  nn  n^  arUujp  «♦  II  uiJhui  l.  1/ 1.  11I.  11/1  /~  f  11  p 
piiuiL  tuuhrulLHu  111111  luvJiu  J  uiilm'/mi liu'li  iis  tun'ul^p  iufu^ 
iffuluili  11 11 11  fiu  \\uuinLcrni*  »*|»#if_  </•£-«#  iL  11  usf.  /// ,  ap  n}rt- 
I.  filflil.  ijl.  p,  nn  piujqiiLU  tru  nnnhp  uiliuiufiii  uipTi,  tun.  un  I.  / 
oiuu  nn  tutnU  iiLMh<:  '»  II  '"//'  ndil^n  uin_uj9ffu  J~nnn^ 
iluifiiiilili     unjLptfuult  J 

95.  U»,y£_  "-  \T'"l^hu  J^ckU'"'"-  ujupl/UuU  [fhinijlr^ 
UMUtf  //*>/.  l'l  uili  11 11 11  h  qiinLpj  iL  iiiiiIi-^-.iii  u/h  1/  11 11 11  ihn  f'i/'li  /' 
'pjp£j  "-  riujndbruji  11111I,  .  ^Q»/ft_/>  "uujfuufiiÄfrnnLnl^a  i/lm 
p  mihi, um  m<\  11  iL  p  uifilfiuijui  ifl^p  '//•"  p  Ünt-O-U  .»/-//.  Il  tru 
'liiufuuili^l,  um  upu  nShrn  yiuu  11  1111  ,  iL  ui'liillim  111,1111,1,  puip^, 
lf mif ni  i/pi/  aAn-q'.'t  \\1u11U  an  uttptu  nkü  \^umnLtuo-  pd-nnfiU\ 
Il  at  tj-pnU  iifuiiiiinii'li  tnu/uLypu  um  in  m  uiC\  tu/.  Il  q\\u^ 
UMLCrni        ifiluifin  uifil,  tili        uupilUpll  ,        Il         \\muiifuif  y  /Hfl         t^p 

IptLn-D     f'iii'liuiliHiui  nn,     iluifiii  uifil,  uiliniffili.       \}L    q\fu    n\\/iif  li'li 

WuUMLO rat  Ullljuilf  Hill.  Ulf  Itllliul.  Ijflll   ,  p  Uli  II  u\\lllflUip  p  111 

2oOr-    quJLlujaiuJf     p     mifiiilnluili     fulpii'/il.uif      pltui  fil,  fih.         Il     ujujlL 
utlrliiuliuiu       (<l  niii  1111  nfili       111  fim  11111I1  ,        Il       ifimi  <./  uiilu/limlfl.  111 
i/lfiuiufi'/i      pl  in  u  nn  iifi      pLntrtuUn     fiimiin  mjiulil,  fili  ,       ^u/TXlrnujL 
\\iiuinLUiö-        uJuuhui        *^trpi-UJlinuiunu        IL       n[U2       "*        *yPu'       P 

l)  8'«Z>-  U/  H.  2)  b-  tri- 1-  3)  p-  Qp&e- 1^-  21. 


Kap.  94—96.  65* 

DiunuJDiuJuinni_P-lriiflili  \yiiuinL.O'ni  iL.  n<  nhuitrli  qfiuf  ^> 
\yuuiiit-UJO-  y      plinp^lTt        q{iL.p       (f~ujn^ULuqni-[tfpiSlili  i       W^prt.      h 

AtrnSU  llijliji  IiiimIiiiIi  in ii i  I,  ijl.  i iii  q  IV  lim  tili  u_  ill,  uiiuilili  IttUpU 
q  i/uuii  iiul.  ul.  iiii'li  yyiiuinuci'  iii  h  iftrq  qijtLpiw^yiuunL.  ii^mi  mitlli, 
n%  Ii  ii  in  in  n  in  ruf n  it.  um  quin  iLUitiSluui  y  uii  ulilii'li  uiutrtl  lUJ^ 
ruinypU  im  ulilmiii  um  1,1  Zu  Uli  t  ^fKuiliqfi  pliutupup  um  i  uliliutuli 
q^L,  p  q^\piLpU  \juuinL.o~ni*  Ii  p  AtrnJj  tun.  liuiili  ^uil-ui^ 
uitti  in  iiiuli/iiln  iiliiil,  i  q\yu  ui  n  uui  o~  p  i<  uiun  uiiuil,  II.  quhrp^ 
Ami  null  paplL.  qutliXltllu  t  |  Hill  |J«MlllLO"«l  ul,  u'li  tu p  mm  Pill 
t^  uiill.'lmii'li  ill,  iiuiii  ,  u_  um  i/l.  pjLiiu  uuli  ul,  u  nf  unpcfLy 
tflrnAuiunnnu    fuip  i 

96.     l|_M##Ä     "/'"/     "-    nf     UJ'-ph'<P-     uiput/iu     JL  n     uiuiitn/uu^ 
ptuu.p»  ui<^LUL.iuupq      l'1"/      ^'UL-P    /uuicupi/p      Ii       lufui      n£fü 

iiiiliij  liil  iiili  iilliul.  uii  liiiiilit  ii  uilili  in  i  jl.  in  i  n  miiuiii  1,1  I,  uii/f 
iL.  ^qiUL.piuqlruJip  uiill.'lmii'li  mini  uiuiit  {,1 1,  uu/u  u_  tuiupqtry^ 
iiuii  [J I.  uiilp  t  *fKiuliq{i  u\  Ii  u  uiumuul,  LUL.pLjUpU  Uli  -yLiiuuqpu 
iiiiiul ,  np  m  Lj  qiuliLini^f&pifli  tuliqiuiP  n*  f.  iii,  tut  guny 
im  Ulilipp»  iL.  nf  uiuiuUqtru  uii'lul,  np  :i  m  ilL'lim  jh  piupunL.^ 
fJ-niSU  iL.  ^ti-^liLui/iiLfJ^pLAi  ililipl.  uili  p  «ii/«  trputp3i*  nt 
qiuliquiiiq/iu      uiu  tupuili/i     iii.  u.miii  uu/i  DnL.iT     iL.     LuuP    /.  ii/i'li    260Y- 

II.  ipuil  P?nl  uiiUq  i  np  m/iln  uii/huiL-pU  I.  pqpttii  ttpiuqu 
'/"'/(''  UlltSUnniuily  Ulli  ill,  l:  li'liiiii  li'liiili  -yiu  u  I'  uiu  Uli  uiu  1111111111111: 
\jL-         nf  Ullfu         I /tili Ulli  ll  Ulli         Ulli  Ulli         iL.        ui  111  uilili         ill  II  lu  Ulli  Ulli 

iii  iii  1111I uili  111 1I1  ,  np  nfU  qnn  ilm  11 11  f.l  ill  tu  Uli  ,  Ulli  qtuiflr^ 
ulrupli      ill.  11  Jim  1  iiuii      •^miliiiiiuii/i.  Ii        tjiuiili      uijuuiilili     iL.     nf 

tp\l.  u'lt  uiliquul  [1  il[ily  f^/uuiipiiufJ^/tiu  Ipuiilimu  I.  1  1/miil,- 
l*f_     tnuiutihinpiLii       iipu^f  uiliV '/. 11 qly        uuiill.'lmii'li       11  in  tu  q  11 1  tun  tili 

[ll-fl        ['         lim  plilllll,'li  \\uuilll    C>  III»  iL.        f.l  Ulli.   Uli  q-^milili         iL. 

qilllllp    II    '/uiy  q  111 111 11  yi/h     null. 'l, 1111I,     u.    q^li  III     llllllll.  IUI       \\iii'li/ili 
Texte  u.  Untersuehuugen  etc.     31,  1  9* 


66*  Apostolische  Verkündigung. 

\\umnuo^ni*  iL.  nt  ^piut/iifu  //"//'  **b  ujL.p  ^ufüiLiiuitrufu 
ii  uiimuuli  '/"'/  >  np  ^Luuuiupxiqnpri  pinpujptujupu'^tj  //'"/'* 
uiiupüpu  t^  p  uiutTkiuppü  \JuuinL_o~niy  1111  t^  ifiuiullilili  ifiun^ 
rt-iiy  uuiiuu  luiuiuuuilui'li  inuilil.  iml  y^iiuim  o~ni  iL.  iiuill.'/nui'/i 
truit/itL.  ii  11 11  CS  I.  iml  qmnrLULpiii_[<*-piSu  i  ^*|SfA/l/»/j  nnnpünL.^ 
P^niSUy  tun!,,  IiuiiIIiiI  Ii_  n\  qn^y  iL.  gpiffnL-fttnLJb  \jpinnt_o^ni 
in  ii  im  I.  i  pniu  ii  mi  fluni,  iiii  »  >;  hf/u  iuUuLL.pt^Uy  np  qtrunL.^ 
qnc  püJi  npfJ-y  iinuil,u  ti/i  trld-tf  muiu'lirllifiul,  pniSUy  IL.  nn 
:l  in  in  in  ijuililuil,       Uuj->fi<y       ppplL.     tj  iiiii  In  7/    jnnqtrup'i.  "*  \^u§iq 

null,  liiuili  ,  nn  lim iiii  uniiit,  u iihim'li  Qlrujnju  t  niiuii  f.  uiili  '  t 
»Qi_  ufliniSu  ^triunSu  mii  nt  t^  uuii  I.  mi  p  utrnpni  trpl/upuy 
ii  ii  ml  iiiuiiihli  ÜLupn.pui:  ,  um  in  \\u  mm  <x  111  .  nn  t^  *ypunL_u 
"I »/'/"""""  f|/"/A"  \jpui  iil.ct  niy  npnL.il  iL.  rLlL.pu  ^uiuaufürtnü 
iL.       uiiiip        Miin.'y        Ii        u;  ill/liuij'h       luujiiiiiiuiln  uiliuili       Utrnnnn^ 

cVnL.f^/lL.lJßX      | 

2611'-  97.      P      AtrnJU     ://.  n  Uli  Ii  iimIiiiIi'Ii     nihil ,    nihil     QpunL-Up     »fs/»no^ 

iiimili  liiiusl.  ul.  injli  mit  *1\iUiinLuqL.ni/  *l\pnnjuinupL.  y  i/hrL^ 
utruji  iiuiuiuihh  h  Jui pn.lt  iiful^  ,  Ll.  nun  nn  iL.  liml  ni/t, 
liuijiii  uiiml  ii'lmi  p  ^yiu  i  u:  in  in  ijl:  iiiijh  Infus  IL.  um  'hl,  iml 
unpui  ijliuiiluh  ÜUIL.U1  IL.  iiuiui  hihihi  uflujl.  tili  '/'"/  »  V4"^ 
lll Ulli  I,  I inj  li/n'lui  hl uhi  llljhll  ijhll  ,  nn  tliuniil  ll  uuuilu  h  liujp^ 
ilujIi  ii  tun  i  |)/""/  qippunLftfpLSU  ului  m'lil.  iml ,  ^yUJUUJUJiJJ^, 
nnprLp  an^u/uuiiTp  a\\uuTnucrni  p  dLbrnfu  piuqnL.U  hi_pni 
llhipliulhi  iL.  u/lilum  nl.  i/i  litluiuuini  l<)  I.  uilih  iiiuinl.  ijiu  ij\fiC!i 
iii/Ij  ii  y  II.  in  Ii  n  lim  [,  llii  'tili  nmiimimi/i  if.nh'lilu/<  nn  t^  tr plL.tr ~ip 
ii  uiuii  ii mli  ^IriunSU  ifl.  iiiii  ,  lupiltlipli  t^  ilm nii  nili  niuntu^ 
nmiltMjpnLprpiJUu       unpui  y       '/"/'       "k.ß       ill,  iini'li       lunJjiiLi        nt 

1)  fR"  9.'  6.  2)  b"-  Mf  3.  3)  3"#^-  S-  5. 

4)  <\..T?K£.  q..  12. 


Kap.  96—98.  67* 

/iiuiil,  iun-  Diuünfi      uihluiiiinh      iuil      Jiunnl^iuU      •/'"('      h      wn. 

\\umnL&nj  t       l|  uiuU     tuiunpp^     L.     \jptrJpujj    juiniutf-U      Unpuj 
imil,  .  »  f]°     h-i         jl.  nlf/ili       II       I^UM-       ijhm      II      £>2llJU       ^"u 

puJuinq*  ml  I,  iiihn  iiinhlnnu  crnilnL.  ,  bruptn  tpitu  II 
in  in  ii  ii  //  oUum  inUuiftp  nulfLy  n£_  l~  j  np  trupin  qTkuiuuj^ 
uiuip^  'im  ii  in  II  n*  y  ii  ii  t'li'l  upin  ujcrtf  q^jnLpqTj  unpiu  i 
\\^  ii  nii  ii/iiii///j  ijunll.'liiiijli,  ~2futUiu*y  ijIiiii  pifutuuinufd^truiup. 
In  imil.  1111  IpuqJl,  ijl.  /'!//'('  liULpuitrufu  cftut/tuuuj^t  [gru-gt^ 
ahm  iCiupiuniln  innpnintuulruJLPy  np  UMH-Uiplf  1L'/JU  "-  22^ «  ' 
Ipul.  mii  iiliiu  II  1111  im  'hiliu  trn/iirnfn_*  iL  ujutntrnß  <xm/w 
11 I.  inilili  p  u/m^u  pi  11 1.  nihil  iL  111  iiiiilu  I.  ijl.'h  x  \\nitriutj 
ihimim  II  iiiimiiilih  j  1111  11111/1/1  trifp»  crutU-trqpu  iiLptufunL^  261 v 
(J  I.  null-  i  nihil ',  nn  in iuii n  ii h n u in  t  \]ui  4"  XjuuiM-UiO-  uirpy 
ni  ^miliiuil.  i'i/li  tun  P1"!  'uJuj*  trupui  aujulrünjjU  Aujuuj^ 
ii/iuii^  ^u/üTiiunnJ  II  Irin  nhiu  {\nilpiijf  un  crtun  ujjp  pLpiij 
II  \uipiuil.  j/i  uppl.  p  itjli  p  Infu/u/f  t  Qe~ui  u/juiipp/f  jtrplipp 
I.  nli  I.  iinii  II  nun  iluiiui  liiu'h  jnytrtpuL-*  iuju  Vp[>ß  S/"A/^ 
iliihiuiijh  \\uuinLcrnj  II  iui  ppliiun  ,  np  tru  lUiLpuibuiu* 
luifhrutrppu  nnp  iiiTipli  n'hni  p  /it.  iii'/iu,  pul/  "HM  p-nnnuuü 
11  In  u      tflrn-qpli         t  |>"A     {{«^"'/p  \^uPUMl'yl        ii\Pr/-p"     lW/~ 

m  in  <\  ni  um/,,  np  tfiu/L,  nfi^[uu/itni_PpLSUU  p  ^lULpt^  qulr^ 
'hui nn  ill.  nnij  ,  iL  il.  in  um  'in ni  pP/1/"  tlhr  q  tUtUnnhL  ,  np 
^fr/Lp  tri/n  p  tui/u/uf,  y  inpJ-utiP  il.  plnip  trplLirnutL  II  /™"T 
t/iuuii  liiu'h       •ynylrnuii   •  ////// n'hl.  m i         lt_       nuihii  I.  iui         q^nnpli 

\\uuiiu .a  tu     *m/i_»7#  i'l'i/     uwtrncr tiLinn pU  \\uinni  o  np    p   ipubi 
ui/uinii'li     1111111     lil.  iiui ni n nihil     Zl     ui/ujljnL-pltr Ulli     \\uinm^ci  nj  t 

98.     U,  /*'     V     t#/'/,     //'     J?mpnqnupJ IilAi     TifJinpuini  pJ-hu/liliy 
U-      tu  in     ly       dil±.      ifiuliui  {.II.  ni'lih      i/l.  imiy      Al      iii i  ii     I,      7\lll'lilliupup*y 

1)   $uip„c^  <)..  2!J-«|-  1. 

9«« 


68*  Apostolische  Verkündigung. 

Ijl.  Uiiuj  >       ^iin       n/ii/iiii//,  rjfili       iliupn  uipl,  p'li       L_       ^iiiu  in  tu  in  I.  1:1 q 
*\*ppuuinu  t      IL      tu n_ui ptriu i  pli      im  uilui  I,  '//'''      u_      fr/ptrnfrqfi     /i 
»  fLn[nP     uj^fuujp^u     nTtdib-n-i^     n nii  i  inj     jn  pmj  t      9"P     upupui     L, 

lut/f/lniij/i  uuiiiL.ii.nL.pirujJp.  tutu^lri  iurL.nn£_  Ipuifiui.p  L_ 
^iuTLiij  f/ilj/rpii/  \\uuint-frniy  tinpcrniJp  pujptrujup  b_  ujn.nn£ 
Ipmluii  p     p  lllpili  llll  x 

99.    QnptfujiP  n£_  n\yijuini^iuct    ^uiip    ujjl     R'IH    f"!     H.UJP^- 
crlruqt^     np  »       duju     quipujpnnu     iiifl.ii,      npuilu     iuuiunu/un_pu 
262r    IpupcrtrU*  lj\^u      \\uuinLUjh-       tuu  n  mflil.'li  ,       L_      uns       L/       nitli 

l^n-Uta.npO-lTu*  Ll.  ^uiip  pi  pl.  nihil  '/Lp  p  ill.  pni  oufu  qiu^ 
piuppsu  ai/trq  uuitrno  n/hl/li  >  i/Itct  ii'ifh  ou/li  q2tpifujptnnL-^ 
[d-pLSUU  IpupO  l.'li  qpUnL  iiiliu  ii  m n/h!.  I  t  9 p  uji/lrUtrpph 
miuiipplf  imlp mpptnip  Ll.  ^uii^ninno  jlu  pt.  luluj  tupiupptli 
iL.  p  ^UJipu  trh  ,  npupyu  /"/'"  luJurLpdujuni-f&bujliu  Ii 
IrqcrJujuu  tiuiuium  u  n tiuim  (J I.  uilin  qni  nnin  %  \jL.  wiid 
niupjLl.  iui  nii mpii  um  af\pn-Lnju  \\utnnL_o-ni  Ll.  quiULUL.pt/^ 
Uni-ftJ-piJj  qdiuptHini_lJ-tru.ilfu  'im  um  ni/uupu  l//i  ,  '/"/'  iun_ut^ 
DtrujipU  tuuiuurtlrtipu  Ll.  diu p  um ph^pli  iiiiil  inV  in  ii  i  ni'li  nfc-v 
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pli-b-lpip  ml.  pli  in [J iml:  L_  />('/'  il p um uiy  np  9nt~p  **f  tlLMp«  ♦ 
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qji     n^/tu^  Ifujptru     tuuinun     ph-pirpt 

l)  b-  U.-  30. 


Kap.  98—100.  69* 

100.     Vk/"7^     tun-    ft    jrrnftu     npLL-fuu     Ifüßiiju     iflrniij     ifiipn^ 

pnL-Qhulfu       ipium       i/ftfiiifb-uji       tuptup      p      iCzdiunutn^yit/litfu* 

pufunp    LäUtP   oltujp    ufLiunu-trU,    IftutP   qf\pq.p    nf_  pUn.ni5ipu, 

pütixii^iT     iri'luiu  iif,'luii  {<) f.  m'/i'li      ulunühuji-nnnuf<^truMUli      lutptu 

iiiul.'h  ,      limil"     ti\tniLpu     n*      lunSüniSU  >      ujjuftüpu     Lj     rufiiipii in w    262% 

«4^/fI_^?At_lÄ  Uli,  Hill  II  l.'ll  t  \jL-        JUJJUUjflulrUJlJU  llllll/hl.  Ijltl'l, 

t/h  ii  ii n  nip  ifhil.  i  iif  niii m  t/f  iL.  i/nufi/ilrf  p  'liiujiu  piiipm  ij, 
qji  IrPLy  iiiiiii  uiiili  IjiuJptfp  ^luZ&tj  p^ulrj^  \\ii ui n LCT itj  II. 
u in      n    'uJufutfiä     <piuuuflibri      thnbnL-Ptrujli  i 


\ifil.llifiiiii[i     '/"/'/     tun.ujptrituljtuu      puMnnonL-fJ-trufuU  : 

<J)uy«_p     \yjlrL  iUuiiL.no.      \jppnprLiiLptriuuU      iL.      "["'J      X\i'~ 
min  niiS  in  [J I.  ui'h'li     ^ujL.n    11.    \\nrLLnj    II.    ujJlruujfuuujiP   \)nL_pfL 

^ntLLnpj        lim  tun  f.  nihil     iiull^'li  t 

O mumm   mCs  m pb  in i       IL.     ill.  ii/i/iu     I.  piulir.  iiii       miin  1,  nj/m  1/n 
ufinili       qQtjrn      •^nJ^u/uul^u  »       quintutjtut  ii       y pnnu  .       otrnptujpli 
um  ii/'    uiiipiuiltliy      intiruyjtp   n  Sw**       ™-    "tntun-tuujlriui     n.pnnu  i 


Texte  u.  Untersuchungen  etc.     Bl,  1  1" 


[Zum]  Erweis  der  apostolischen  Verkündigung '.  222- 

1.  Da  ich,  mein  lieber  Marcianus,  deine  Neigung  zum 
Wandeln  in  der  Gottesverehrung  erkannt  habe  —  und  das 
allein  fuhrt  den  Menschen  in  das  ewige  Leben  — ,  habe  ich 
sowohl  Anteil  an  deiner  Freude,  als  auch  bete  ich,  daß  du  durch 
das  unangetastete  Festhalten  an  dem  Glauben  Gott,  deinem  Schöpfer 
gefallig  seist.  Und  könnten  wir  doch  stets  zusammen  sein  und 
einander  Nutzen  bringen  und  das  diesseitige  Leben  erleichtern, 
indem  wir  es  in  beständiger  gemeinsamer  Unterhaltung  über 
nützliche  Dinge  ausfüllten !  Nun  aber ,  da  wir  in  der  gegen- 
wärtigen Zeit  körperlich  voneinander  getrennt  sind,  so  wollten 
wir  nicht  versäumen  nach  unserem  Vermögen  ein  wenig  mit 
dir  schriftlich  zu  reden  und  in  kurzen  Worten  die  Verkündigung 
der  Wahrheit  darzulegen ,  um  deinen  Glauben  zu  befestigen. 
Als  ein  wichtiges  Erinnerungsschreiben  schicken  wir  es  dir, 
damit  du  durch  das  Wenige  das  Viele  erreichst  und  alle  Glieder  222*- 
des  Körpers  der  Wahrheit  durch  das  Geringe  erkennest  und  die 
Beweise  der  göttlichen  Dinge  durch  ein  Kurzes  vernimmst.  Denn 
so  wird  es  auch  deine  Erlösung  befruchten,  und  du  wirst  alle, 
die  das  Falsche  glauben ,  dazu  bringen ,  die  Augen  niederzu- 
schlagen, und  jedem,  der  erkennen  will,  unser  gesundes  und 
unbeflecktes  Wort  in  aller  Entschlossenheit  zuführen-.  Denn 
einer  ist  der  Weg,  allen  den  Sehenden  zugänglich,  welcher  vom 
himmlischen  Licht  beleuchtet  ist;  aber  zahlreich  und  dunkel 
und  entgegengesetzt  sind  die  Wege  der  Nichtsehenden :  und 
jener  führt  in  das  himmlische  Reich,  indem  er  den  Menschen 
mit  Gott  vereinigt,  diese  aber  führen  zum  Tod  hinab,  indem  sie 
den  Menschen  von  Gott  trennen.  Deswegen  ist  es  dir  sowohl,  als 
auch  allen  denjenigen,  die  für  das  eigene  Heil  sorgen,  nötig,  un- 
entwegt  und    fest   und  sicher  den  Wandel  zu  vollführen  durch 


1)  Zum  Titel  s.  das  Nachwort.         2)   Vgl.  Tit.  2,  8. 
Texte  u.   I'ntersucliungeii  etc.    31,  1 


2  Apostolische  Verkündigung. 

den  Glauben,  damit  sie  nicht  nachlässig  geworden  und  aus  dem 
Gleise  gekommen ,  in  materiellen  Begierden  stecken  bleiben 
oder  auch  irregeleitet  das  Richtige  verfehlen. 

2.  Weil  nun  der  Mensch  ein  aus  Seele  und  Leib  zusammen- 
gesetztes Lebewesen  ist,  so  ist  es  für  ihn  notwendig  und  geziemend 
durch  diese  beiden  zu  bestehen ;  und  da  aus  ihnen  beiden  Fehl- 
tritte  entstehen,   so   ist  auch  die  Reinheit  des  Leibes  ein  Vor- 

223r-  beugungsmittel ,  durch  das  man  sich  von  allen  schändlichen 
Dingen  und  von  allen  unrechten  Werken  enthält,  und  die 
Reinheit  der  Seele  eins  (nämlich  ein  Vorbeugungsmittel),  um 
den  Glauben  an  Gott  unversehrt  zu  erhalten,  ohne  etwas  hinzu- 
zusetzen oder  von  ihm  abzuschneiden.  Denn  die  Frömmigkeit 
wird  düster  und  traurig  durch  die  Besudelung  und  Beschmutzung 
des  Leibes,  und  sie  wird  gebrochen  und  befleckt  und  bleibt 
nicht  mehr  unversehrt,  wenn  die  Lüge  in  die  Seele  hineingeht ; 
wogegen  sie  sich  in  der  Schönheit  und  in  ihrem  Maße  halten 
wird,  wenn  die  Wahrheit  im  Geiste  und  die  Reinheit  im  Leibe 
beständig  ist.  Denn  was  hat  es  für  einen  Nutzen  das  Wahre  in 
Worten  zu  wissen,  den  Leib  aber  zu  verunreinigen  und  die 
Werke  der  Bosheit  zu  vollbringen?  oder  andererseits,  welchen 
Nutzen  kann  eigentlich  überhaupt  die  Reinheit  des  Leibes  bieten, 
wenn  keine  Wahrheit  in  der  Seele  ist?  Denn  diese  freuen  sich 
miteinander  und  vereinigen  sich  und  sind  Kampfgenossen,  damit 
sie  den  Menschen  vor  Gott  stellen.  Und  deswegen  sagt  der 
heilige  Geist  durch  David:  Selig  der  Mann,  der  nicht  wandelte 
im  Rate  der  Gottlosem1;  das  ist  die  Gesinnung  der  Geschlechter, 
die  Gott  nicht  kennen.  Denn  diese  Gottlosen  sind  es,  die  den 
wirklich  seienden  Gott  nicht  anbeten.  Und  deswegen  sagt  das 
Wort  zu  Moses:  >Ich  bin  der  ich  bin«-.  Also  diejenigen,  die 
den  seienden  Gott  nicht  anbeten,  sind  die  Gottlosen.  Noch 
sich   auf  dem  Wege   der  Sünder   befand <    —   und   die   Sünder 

223v-  sind  diejenigen ,  die  die  Erkenntnis  Gottes  haben ,  sein  Gebot 
aber  nicht  halten,  d.  h.  verschmähende  Verächter  sind.  Noch 
auf  dem  Sitze  der  Bösewichter  saß.  —  und  Bösewichter  sind 
diejenigen,  die  nicht  allein  sich  selbst,  sondern  auch  die  anderen 
durch  ihre  verkehrte  und  verdrehte  Lehre  verderben,  denn  der 
Sitz  ist  ein  Symbol  für  die  Lehrstätte  (Schule).    So  sind  nämlich 


1)  Ps.  1.  —  2)  Exod.  3,  14. 


Kap.  1—4.  ö 

alle  Häretiker:   Sie   sitzen   auf  dem  Sitz   der   Bösewichter   und 
verderben   diejenigen,   welche   das  Gift  ihrer  Lehre  empfangen. 

3.  Nun,  damit  wir  nicht  solches  erleiden,  sollen  wir  den 
Kanon  des  Glaubens  unverrückt  halten  und  die  Gebote  Gottes 
erfüllen,  indem  wir  Gott  glauben  und  ihn  fürchten,  da  er  Herr 
ist,  und  ihn  lieben,  da  er  Vater  ist.  Das  Tun  rührt  nun  vom 
Glauben  her,  denn  > Glaubet  ihr  nicht ;,  sagt  Jesaia,  »so  werdet 
ihr  nicht  einsehen«1;  und  den  Glauben  verschafft  die  Wahrheit; 
denn  der  Glaube  baut  sich  auf  die  Dinge,  die  wahrhaftig  da 
sind,  damit  wir  an  das  Seiende  (ta  6Vra),  wie  es  ist,  glauben; 
und  indem  wir  an  das  Seiende  glauben,  wie  es  immer  ist, 
die  Zuversicht  zu  ihm  festhalten.  Dieweil  nun  der  Glaube 
der  immerwährende  Erhalter  unserer  Erlösung  ist,  so  ist  es 
notwendig  und  wert,  ihm  viele  Pflege  zuzuwenden,  damit  wir 
die  wahre  Einsicht  der  Seienden  gewinnen.  Der  Glaube  ist  es  224'- 
nun,  der  dies  in  uns  veranlaßt,  wie  die  Ältesten,  die  Schüler 
der  Apostel,  uns  überliefert  haben.  Vor  allem  unterweist  er 
uns  zu  gedenken,  daß  wir  die  Taufe  empfangen  haben  zur 
Vergebung  der  Sünden  im  Namen  Gottes  des  Vaters,  und  im 
Namen  Jesu  Christi,  des  fleischgewordenen  und  gestorbenen 
und  auferstandenen  Sohnes  Gottes,  und  im  heiligen  Geiste 
Gottes;  und  daß  diese  Taufe  das  Siegel  des  ewigen  Lebens  sei 
und  die  Wiedergeburt  in  Gott,  damit  wir  nicht  der  gestorbenen 
Menschen,  sondern  des  ewigen  und  beständigen  Gottes  Kinder 
seien:  damit  das  Ewige  und  Beständige  (in  uns?)  Gott  werde  und 
hoch  über  einem  jeden  der  Gewordenen  stehe,  und  ihm  alles 
unterstellt  werde,  und  die  ihm  Unterstellten  alle  ihm  (zu  eigen) 
gemacht  werden,  damit  Gott  nicht  über  irgend  ein  Anderes 
(Fremdes)  herrsche  und  Herr  sei,  sondern  über  das  Seinige,  und 
daß  alles  Gottes  sei,  und  daß  deshalb  Gott  Allherrscher  und 
alles  von  Gott  sei. 

4.  Denn  es  ist  nötig,  daß  wir  Gewordene  von  irgend  einer 
großen  Ursache  den  Anfang  des  Seins  haben ;  und  Gott  ist  der 
Anfang  von  Allem;  denn  er  selbst  ist  nicht  von  irgend  einem 
geworden,  von  ihm  aber  ist  Alles  geworden.  Und  deshalb  ist 
es  notwendig  und  würdig  zuerst  zu  bekennen,  daß  der  eine  Gott 
der   Vater   es   ist2,   der  Alles  geschaffen   und  gebildet  und  das 


1)  Jes.  7,9.   —   2)  Hermas,  Mand.  1. 

1* 


4  Apostolische  Verkündigung. 

nicht  Seiende  zum  Sein  gebracht  hat,  und,  indem  er  Alles  trägt, 
allein  untragbar  ist.  Unter  allen  (Dingen)  befindet  sich  aber 
auch  diese  uns  gemäße  Welt  und  in  der  Welt  der  Mensch ; 
also  ist  auch  diese  Welt  von  Gott  geschaffen  worden. 

224v-  5.  Nun  legt  es  sich  folgendermaßen  dar:   ein  Gott,  Vater, 

ungeworden,  unsichtbar,  Schöpfer  von  Allem,  über  dem  es  keinen 
anderen  Gott  gibt  und  nach  dem  kein  anderer  Gott  ist;  und 
weil  Gott  ein  vernünftiges  Wesen  ist,  deshalb  hat  er  durch  das 
Wort  das  Gewordene  geschaffen;  und  da  Gott  Geist  ist,  hat  er 
durch  den  Geist  Alles  geschmückt,  wie  auch  der  Prophet  sagt: 
■■> Durch  das  Wort  des  Herrn  ist  der  Himmel  fest  gemacht,  und 
durch  seinen  Geist  dessen  ganze  Macht«1.  Weil  nun  das  Wort 
festmacht,  d.  h.  Fleisch  werden  läßt2  und  die  Wesenheit  der 
Emanation  verleiht,  der  Geist  aber  die  Verschiedenheiten  der 
Kräfte  anordnet  und  bildet,  so  wird  mit  Fug  und  Recht  das 
Wort  der  Sohn ,  der  Geist  aber  die  Weisheit  Gottes  genannt. 
Sagt  doch  auch  Paulus,  sein  Apostel,  passend:  „Ein  Gott  Vater, 
der  da  ist  über  allen  und  mit  allen  und  in  uns  allen"3.  Denn 
über  allen  ist  der  Vater,  mit  allen  aber  das  Wort,  da  durch 
ihn  Alles  vom  Vater  geworden  ist,  in  uns  allen  aber  der  Geist, 
der  ausruft  Abba,  Vater4,  und  den  Menschen  zur  Ähnlichkeit 
Gottes  rüstet.  Der  Geist  zeigt  nun  das  Wort  an,  und  deswegen 
verkündeten  die  Propheten  den  Sohn  Gottes;  das  Wort  aber 
gestaltet  den  Geist,  und  deswegen  ist  es  selbst  der  Verkünder 
der  Propheten  und  führt  den  Menschen  zum  Vater  hin. 

225  r.  6.  Und  dies  ist  der  Kanon  unseres  Glaubens  und  der  Grund 

des  Gebäudes  und  die  Festigkeit  des  Wandels:  Gott,  Vater,  un- 
geworden, untragbar,  unsichtbar,  ein  Gott,  der  Schöpfer  von 
Allem ;  das  ist  der  allererste  Punkt  unseres  Glaubens.  Der  zweite 
Punkt  aber  ist  das  Wort  Gottes,  der  Sohn  Gottes,  Christus  Jesus 
unser  Herr,  der  den  Propheten  erschienen  ist  gemäß  der  Form 
ihrer  Prophezeiung  und  gemäß  der  Tragweite  der  Ratschlüsse 
des  Vaters,  durch  den  Alles  geworden  ist;  der  auch  am  Ende 
der  Zeiten,  um  Alles  zur  Vollendung  zu  bringen  und  zusammen- 
zufassen, Mensch  unter  Menschen,  sichtbar  und  tastbar  geworden 
ist,  um  den  Tod  zu  vernichten  und  das  Leben  aufzuzeigen  und 


1)  Ps.  33,  6.   —   2)   Der  Text  ist    an    dieser  Stelle   wühl    verderbt. 
Wörtlich:   „des  Leibes  Werk  ist«  [H.].  —  3)  Ephes.  4,  6.  —  4}  Gal.  4,  6. 


Kap.  4—8.  5 

eine  Gemeinschaft  der  Vereinigung  zwischen  Gott  und  Menschen 
zu  bewirken.  Und  der  dritte  Punkt  ist  der  heilige  Geist,  durch 
den  die  Propheten  prophezeit  und  die  Väter  die  göttlichen 
Dinge  gelernt  haben  und  die  Gerechten  auf  den  Weg  der  Ge- 
rechtigkeit geführt  wurden,  und  der  sich  am  Ende  der  Zeiten 
auf  eine  neue  Weise  auf  die  Menschheit  über  die  ganze  Erde 
ergoß,  indem  er  den  Menschen  für  Gott  erneuerte. 

7.  Und  deswegen  geht  die  Taufe  unserer  Wiedergeburt 
durch  diese  drei  Punkte  vor  sich,  indem  Gott  Vater  uns  zur 
Wiedergeburt  begnadet  mittels  seines  Sohnes  durch  den  heiligen 
Geist.  Denn  die  den  Geist  Gottes  in  sich  tragen,  werden  zum 
Wort  geführt,  d.  h.  zum  Sohne:  der  Sohn  aber  führt  sie  dem  225 v. 
Vater  zu,  und  der  Vater  läßt  sie  die  Unverweslichkeit  empfangen. 
Also  nicht  ohne  den  Geist  ist  das  Wort  Gottes  zu  sehen  und 
nicht  ohne  den  Sohn  kann  man  dem  Vater  nahetreten;  denn  die 
Erkenntnis  des  Vaters  ist  der  Sohn,  und  die  Erkenntnis  des  Sohnes 
Gottes  ist  durch  den  heiligen  Geist,  den  Geist  aber  erteilt  der 
Sohn   seinem  Amte   gemäß   nach  dem  Wohlgefallen  des  Vaters 

an  diejenigen,  die  (der  Vater)  will,  und  wie  der  Vater  will. 

8.  Der  Vater  wird  aber  von  dem  Geiste  Höchster  und  All- 
herrscher und  Herr  der  Heerscharen  genannt,  damit  wir  Gott 
erkennen,  daß  dieser  selbst  Schöpfer  des  Himmels  und  der  Erde 
und  der  ganzen  Welt  und  Bildner  der  Engel  und  der  Menschen 
und  Herr  von  Allem  ist,  durch  den  alles  das  geworden  ist  und 
von  dem  alles  ernährt  wird;  barmherzig,  gnädig,  und  huldreich, 
gut,  gerecht,  Gott  aller,  der  Juden  sowohl,  als  auch  der  Heiden, 
als  auch  der  Gläubigen,  der  Gläubigen  aber  wie  ein  Vater.  Denn 
am  Ende  der  Zeiten  hat  er  das  Evangelium  der  Kindschaft  er- 
öffnet; der  Juden  (Gott)  aber  wie  ein  Herr  und  Gesetzgeber,  denn 
in  den  mittleren  Zeiten,  da  die  Menschheit  Gott  vergessen  und 
sich  von  ihm  entfernt  hatte  und  abtrünnig  geworden  war,  hat 
er  sie  durch  das  Gesetz  in  Dienst  gebracht,  damit  sie  erführen, 
daß  sie  einen  Herrn  haben,  Schöpfer  und  Weltgründer  und  der 

den  Odem  des  Lebens  verleiht,  den  wir  anbeten  sollen  bei  Tag  226* 
und  bei  Nacht,  Der  Heiden  (Gott)  aber  ist  er  wie  ein  Schöpfer 
und  Allherrscher,  zugleich  auch  wie  ein  Ernährer  und  Brotgeber 
und  König  und  Richter;  denn  niemand  wird  seinem  Gerichte, 
weder  Jude,  noch  Heide,  noch  ein  Gläubiger,  der  gesündigt  hat, 
noch  ein  Engel,  entgehen.     Diejenigen  aber,  die  jetzt  sich  auf 


6  Apostolische  Verkündigung. 

seine  Güte  nicht  verlassen,  werden  im  Gerichte  seine  Macht 
erkennen,  wie  der  selige  Apostel  sagt:  Du  bedenkst  nicht, 
daß  Gottes  Güte  dich  zur  Buße  drängt,  sondern  mit  deinem 
Starrsinn  und  Unbußfertigkeit  deines  Herzens  sammelst  du  dir 
Zorn  auf  den  Tag  des  Zornes  und  der  Offenbarung  des  ge- 
rechten Gerichts  Gottes,  der  da  wird  vergelten  einem  jeden  nach 
seinen  Werken-;:1.  Dieser  ist,  der  im  Gesetze  Gott  Abrahams 
und  Gott  Isaaks  und  Gott  Jakobs,  Gott  der  Lebendigen  genannt 
wird.  Und  trotz  alledem  ist  die  Hoheit  und  die  Größe  eben 
dieses  Gottes  unbeschreiblich. 

9.  Die  Welt  aber  ist  von  sieben  Himmeln  umgrenzt,  in 
denen  Mächte  und  Engel  und  Erzengel  wohnen,  indem  sie  An- 
betungsdienst leisten  Gott  dem  Allherrscher  und  dem  Schöpfer  von 
Allem,  nicht  als  ob  er  das  bedürfte,  sondern  damit  auch  sie  nicht 

226  v.  tatenlos  und  unnütz  und  segenlos  seien.  Und  deshalb  ist  der 
heilige  Geist  ausgiebig  bei  seinem  Innewohnen  und  wird  vom 
Propheten  Jesaias  in  sieben  Weisen  des  Dienstes  aufgezählt, 
welche  sich  auf  den  Sohn  Gottes  niederlassen,  d.  h.  auf  das 
Wort,  bei  seinem  Kommen  wie  ein  Mensch.  Denn  der  Geist 
Gottes*,  sagt  er,  »wird  sich  auf  ihn  niederlassen:  der  Geist  der 
Weisheit  und  des  Verstandes,  der  Geist  des  Rates  und  der  Kraft 
und  der  Frömmigkeit;  der  Geist  der  Furcht  Gottes  wird  ihn 
erfüllen«2.  Nun,  der  erste  Himmel  von  oben  her,  der  die 
übrigen  umfaßt,  ist  die  Weisheit:  und  der  zweite  von  ihm  der 
des  Verstandes,  der  dritte  aber  des  Rates,  und  der  vierte  von 
oben  an  gerechnet,  der  der  Kraft,  und  der  fünfte  der  des 
Wissens  und  der  sechste  der  der  Frömmigkeit,  und  der  siebente, 
diese  Feste  über  uns,  die  voll  ist  von  der  Furcht  dieses  unseren 
Himmel  erleuchtenden  Geistes ::.  Denn  Moses  hat  davon  das 
Ebenbild  für  den  siebenröhrigen  Leuchter  genommen,  der  im 
Heiligtum  beständig  leuchtete ;  weil  er  diesen  Gottesdienst  nach 
dem  Ebenbilde  des  Himmels  gemacht  hat,  wie  das  Wort  zu 
ihm  sagt:  Du  sollst  ihn  genau  nach  dem  Modell  anfertigen, 
das  du  auf  dem  Berge  gesehen  hast?4. 

10.  Nun  wird  dieser  Gott  von  seinem  Wort  verherrlicht, 
das  sein  ewiger  Sohn  ist,  und  von  dem  heiligen  Geist,  der  die 
Weisheit   des    Vaters   von  Allem    ist;    und    die    Mächte    dieser 


1)  Köm.  2,4-6.  -  2)  Jes.  11,2.-3)  Vgl.  Sap.  Sal.1,7.  -  4)  Exod.  25,40. 


Kap.  8—12.  7 

(letzteren),  des  Wortes  und  der  Weisheit,  welche  Cherubim  und 
Seraphim  heißen,  verherrlichen  mit  immerwährendem  Lobgesang  227'- 
Gott ;  und  alles,  was  es  immer  im  Himmel  für  Wesen  gibt,  bringt 
Ehre  Gott,  dem  Vater  von  Allem.  Er  hat  die  ganze  Welt  durch 
das  Wort  gebildet  —  und  in  dieser  Welt  sind  auch  die  Engel  — , 
und  der  ganzen  Welt  hat  er  Gesetze  gegeben,  damit  ein  jedes 
in  seinem  (Gebiet)  bleibe  und  die  von  Gott  angeordnete  Grenze 
nicht  überschreite,  indem  ein  jedes  das  ihm  übertragene  Werk  tut. 

11.  Den  Menschen  aber  hat  er  mit  seinen  Händen  gebildet, 
indem  er  das  Reinste  und  Feinste  und  Weichste  von  der  Erde 
genommen  und  seine  Kraft  in  bestimmtem  Maß  mit  der  Erde 
zusammengemischt  hat;  denn  er  hat  dem  Geschöpfe  seine  eigenen 
Formen  gegeben,  damit  auch  das  Sichtbare  (in  ihm)  gottförmig 
sei.  Denn  als  Bild  Gottes  wurde  der  geschaffene  Mensch  auf 
die  Erde  gesetzt.  Und  damit  er  lebendig  werde,  blies  er  in 
sein  Gesicht  Lebensodem,  so  daß  der  Mensch  sowohl  dem  Blasen 
als  der  Schöpfung  zufolge  Gott  ähnlich  sei.  Nun  war  er  frei 
und  selbständig,  da  er  von  Gott  dazu  geschaffen  wurde,  damit 
er  über  alle  diejenigen  herrsche,  die  auf  der  Erde  sind.  Und 
dieser  ganze  Weltbau,  der  alles  in  sich  enthielt  —  von  Gott 
vor  der  Schöpfung  des  Menschen  zubereitet  - — ,  ist  dem  Menschen 
zum  (Wohnungs)ort  übergeben.  Und  an  diesem  Orte  befanden 
sich,  je  mit  ihrem  Dienst,  die  Knechte  jenes  Gottes,  der  Alles  227  ▼• 
schuf;  und  der  Haushalter,  der  über  die  Mitknechte  gesetzt  war, 
hatte  diesen  Ort  inne.  Und  die  Knechte  waren  die  Engel,  der 
Haushalter  aber  der  Erzengel. 

12.  Indem  nun  (Gott)  den  Menschen  zum  Herrn  der  Erde 
und  aller  derjenigen,  die  auf  ihr  sind,  machte,  bestellte  er  ihn 
auch  an  und  für  sich  zum  Herrn  derjenigen,  welche  Knechte 
auf  ihr  sind  (seil,  der  Engel).  Doch  jene  waren  in  ihrer  Voll- 
kommenheit, der  Herr  aber,  d.  h.  der  Mensch,  war  klein,  denn 
er  war  ein  Kind,  und  es  war  für  ihn  erforderlich  so  heran- 
wachsend zur  Vollkommenheit  zu  gelangen.  Und  damit  seine 
Ernährung  und  sein  Wachstum  freudevoll  und  milde  vor  sich 
gehe,  hat  er  einen  Ort,  besser  als  diese  Welt,  für  ihn  bereitet, 
der  an  Luft,  Schönheit,  Licht,  Speise,  Gewächsen,  Frucht,  Ge- 
wässern und  noch  an  allerlei  anderen  Lebensmitteln  vorzüglich 
war;  und  er  heißt  Paradies.  Und  das  Paradies  war  so  schön  und 
gut,  daß  das  Wort  Gottes  beständig  in  ihm  herumging,  wandelte 


8  Apostolische  Verkündigung. 

und  mit  dem  Menschen  die  künftigen  Dinge  besprach,  die  ge- 
schehen sollten,  sie  im  voraus  einprägend,  damit  es  mit  sie 
zusammenwohne  und  spreche  und  mit  den  Menschen  sei,  sie 
die  Gerechtigkeit  lehrend.  Der  Mensch  aber  war  ein  Kind,  da 
er  keine  vollkommene  Einsicht  hatte,  weswegen  er  auch  leicht 
von  dem  Betrüger  verführt  wurde. 

13.  So   hat   nun  Gott   im   Paradies,   während    der  Mensch 
228r-  dort  wandelte,   alle  Tiere   ihm  vorgeführt   und  befohlen,   ihnen 

allen  Namen  zu  geben:  und  alles,  womit  Adam  ein  lebendiges 
Wesen  benannte,  ward  sein  Name.  Und  er  beschloß  auch  einen 
Beistand  für  den  Menschen  zu  schaffen,  denn  so  sprach  Gott: 
»Es  ist  nicht  gut  für  den  Menschen,  daß  er  allein  sei;  wir 
wollen  ihm  einen  Beistand  schaffen,  wie  es  für  ihn  paßte1; 
denn  unter  allen  anderen  Lebewesen  fand  sich  kein  Beistand 
dem  Adam  gleich  und  ebenbürtig  und  ähnlich.  Gott  selbst 
aber  ließ  eine  Verzückung  über  Adam  kommen  und  ließ  ihn 
einschlafen;  und  da  eine  Tat  aus  der  anderen  folgt-,  während 
es  sonst  keinen  Schlaf  im  Paradiese  gab,  dieser  ist  nach  dem 
Willen  Gottes  über  Adam  gekommen.  Und  Gott  nahm  eine 
von  den  Rippen  Adams  und  füllte  ihre  Stelle  mit  Fleisch  aus ;  die 
Rippe  aber,  die  er  genommen  hatte,  gestaltete  er  zu  einem 
Weibe  und  brachte  es  also  zu  Adam.  Dieser  aber,  als  er  sah, 
sprach:  > Diese  da  nun  ist  Gebein  von  meinem  Gebein  und 
Fleisch  von  meinem  Fleisch;  die  soll  Weib  heißen,  denn  ihrem 
Mann  ist  sie  entnommen«3. 

14.  Und  Adam  und  Eva,  denn  so  ist  der  Name  des  Weibes, 
waren  nackt  und  schämten  sich  nicht,  denn  sie  hatten  einen 
unschuldigen  und  kindlichen  Sinn  und  kamen  nicht  dazu,  an 
irgend  etwas  von  dem  zu  denken  und  zu  verstehen,  was  einmal 
in  Bosheit  durch  weichliche  Gelüste  und  durch  schändliche  Be- 
gierden in  der  Seele  geboren  werden  sollte.  Denn  sie  bewahrten 
damals  ihre  Natur  noch  unversehrt,  weil  der  in  das  Geschöpf 
eingeblasene  Lebensodem  da  war.     Dem  Odem  aber,  so  lange  er 

228  v  in  dem  ihm  zukommenden  Rang  und  Kraft  bleibt,  sind  die 
Schlechtigkeiten  unverständlich  und  unzugänglich.  Deswegen 
also  schämten  sie  sich  nicht,  indem  sie  sich  küßten,  einander 
umarmten  in  Reinheit,  nach  Kinderart. 


1)  Gen.  2,  18.  —  2)  Nicht  recht  verständlich  [H.].  —  3)  Geu.  2,  23. 


Kap.  12—17.  9 

15.  Damit  aber  der  Mensch  nicht  großes  sich  einbilde  und 
hochfahrend  sich  überhebe  —  als  ob  er  keinen  Herrn  hätte  wegen 
der  ihm  gegebenen  Herrschaft  und  Freiheit,  und  so  Gott  seinem 
Schöpfer  gegenüber  sich  verfehle,  sein  Maß  überschreitend  — , 
und  eine  selbstgefällige  stolze  Meinung  gewänne  Gott  zuwider, 
wurde  ihm  von  Gott  das  Gesetz  gegeben,  damit  er  erkenne,  daß 
er  den  Herrn  von  Allem  zum  Herrn  habe.  Auch  einige  Grenzen 
stellte  (Gott)  ihm,  damit  er,  wenn  er  das  Gebot  Gottes  halte, 
stets  so  verbleibe,  wie  er  war,  d.  h.  unsterblich;  wenn  er  es 
aber  nicht  halte,  sterblich  werde,  aufgelöst  zur  Erde,  von  der 
seine  Erschaffung  ausgegangen  war.  Und  das  Gebot  war  dieses: 
i  Von  jedem  Baum,  der  innerhalb  des  Paradieses  ist,  darfst  du 
nach  Belieben  essen,  allein  von  dem  Baume,  von  dem  die  Er- 
kenntnis des  Guten  und  Bösen,  dürfet  ihr  nicht  essen;  denn 
an  dem  Tage,  da  ihr  esset,  werdet  ihr  des  Todes  sterben;1. 

16.  Dieses  Gebot  hat  der  Mensch  nicht  festgehalten,  sondern 
er  hat  Gott  nicht  gehorcht,  irregeleitet  von  dem  Engel,  der 
wegen  der  vielen  Geschenke,  die  Gott  den  Menschen  gegeben 
hatte,  ihn  beneidend  und  scheel  dazu  sehend,  sowohl  sich  selbst 

zu  Grunde  richtete  als  auch  den  Menschen  sündig  machte,  in-  229r- 
dem  er  ihn  überredete  dem  Gebote  Gottes  gegenüber  ungehor- 
sam zu  sein.  Indem  also  zuerst  der  Engel  in  seiner  Falschheit 
Haupt  und  Führer  der  Sünde  wurde,  wurde  er  einmal  selbst 
geschlagen,  nachdem  er  sich  gegen  Gott  vergangen,  und  dann 
ließ  er  auch  den  Menschen  des  Paradieses  verlustig  gehen.  Und 
weil  er  durch  seinen  Charakter  verführt,  sich  empörte  und  sich 
von  Gott  trennte,  wurde  er  Satan  genannt  nach  der  hebräischen 
Sprache,  d.  i.  Widersacher;  derselbe  wird  aber  auch  Ankläger 
genannt.  Nun  hat  Gott  die  Schlange,  die  den  Widersacher  in 
sich  trug,  verflucht,  welcher  Fluch  sowohl  das  Tier  selbst,  als 
auch  den  in  ihm  eingenisteten  versteckten  Engel,  den  Satan, 
traf.  Den  Menschen  aber  entfernte  er  von  seinem  Angesicht, 
indem  er  ihn  dann  auf  den  ins  Paradies  führenden  Weg  ver- 
setzte.    Denn  den  Sünder  nimmt  das  Paradies  nicht  auf. 

17.  Als  aber  Adam  und  sein  Weib  Eva  außerhalb  des 
Paradieses  waren,  gerieten  sie  in  viel  Trübsal  und  Verwirrung, 
und  sie  wandelten   mit  Trauer  und  Schmerzen   und  Seufzen  in 

1)  Gen.  2,  10.  17. 


10  Apostolische  Verkündigung. 

dieser  Welt.  Denn  unter  den  Strahlen  dieser  Sonne  bebaute 
der  Mensch  die  Erde,  diese  aber  trug  Dornen  und  Gestrüpp, 
zur  Strafe  der  Sünde.  Dann  erfüllte  sich  auch  das  Geschriebene: 
»Adam  erkannte  sein  Weib,  und  schwanger  geworden  gebar 
sie  den  Kain,  und  darauf  gebar  sie  den  Abel v1.  Der  rebellische 
229 v-  Engel  aber,  der  den  Menschen  zum  Ungehorsam  geleitet  und 
ihn  sündhaft  gemacht  und  sein  Vertreiben  aus  dem  Paradiese 
verursacht  hatte,  verübte  ein  zweites  Böses,  mit  dem  ersten  sich 
nicht  begnügend,  unter  den  Brüdern ;  denn  den  Kain  mit  seinem 
Geiste  erfüllend,  machte  er  ihn  zum  Brudermörder.  Und  so 
starb  Abel  von  seinem  Bruder  getötet  zum  Zeichen,  daß  von 
nun  an  manche  verfolgt  und  bedrängt  und  ermordet  werden 
sollten,  die  Ungerechten  aber  die  Gerechten  morden  und  ver- 
folgen werden.  Über  dies  noch  mehr  erzürnt,  verfluchte  Gott 
den  Kain,  und  das  traf  jeden  von  seinem  ganzen  Geschlecht, 
gemäß  der  Vererbung  von  Kind  zu  Kind,  dem  Sämann  ähnlich. 
Und  Gott  erweckte  für  Adam  einen  anderen  Sohn  an  Stelle 
des  getöteten  Abel. 

18.  Das  Böse  aber  überflutend  und  sich  ausdehnend  nahm 
das  ganze  Geschlecht  der  Menschen  ein,  so  daß  es  allzuwenig 
Samen  der  Gerechtigkeit  in  ihnen  gab  und  auf  der  Erde  Ver- 
mischungen zwischen  verschiedenen  Elementen  stattfanden;  denn 
die  Engel  mischten  sich  mit  den  Töchtern  der  Menschenkinder, 
welche  ihnen  Kinder  gebaren,  die  wegen  der  übermäßigen 
Größe  Erdgeborene  genannt  wurden.  Sodann  boten  die  Engel 
ihren  Weibern    böse    Lehren   zum  Geschenk;   denn   sie   lehrten 

230r-  sie  die  Kräfte  der  Wurzeln  und  der  Kräuter,  sowie  die  Färberei 
und  das  Schminken  und  die  Erfindung  kostbarer  Stoffe,  Zauber- 
mittel für  Haß,  Verlieben,  Liebesglut,  Verlockungen  zur  Liebe, 
Zauberbünde,  jede  Gaukelei  und  gottverhaßten  Götzendienst, 
durch  deren  Einführung  in  die  Welt  die  Sache  des  Bösen  an- 
geschwollen sich  ausbreitete,  die  (Sache)  der  Gerechtigkeit  aber, 
gering  geworden,  verkümmerte, 

19.  bis  das  Gericht  von  Gott  über  die  Welt  durch  die 
Sintflut  in  der  zehnten  Generation  kam,  in  welcher  Noah  allein 
nach  den  Erstgeschaffenen  als  gerecht  erfunden  wurde,  der  wegen 
seiner  Gerechtigkeit  sowohl  selbst  am  Leben  blieb,  als  auch  sein 

1)  Gen.  4,  1. 


Kap.  17—21.  11 

Weib  und  seine  drei  Söhne,  und  die  drei  Weiber  seiner  Söhne, 
eingesperrt  in  der  Arche,  samt  allen  Tieren,  die  Gott  befohlen 
hatte  in  die  Arche  mitzunehmen.  Und  da  das  Verderben  alle 
überfiel,  die  Menschen  sowohl,  als  die  Tiere,  die  auf  der  Erde 
waren,  blieb  nur  der  Geschützte  in  der  Arche  am  Leben.  Und 
es  sind  die  drei  Söhne  Noahs  Sem,  Cham  und  Japhet,  von 
denen  wieder  das  (Menschen )geschlecht  sich  mehrte;  denn  die 
Menschen  nahmen  nach  der  Sintflut  von  diesen  ihren  Anfang  an. 

20.  Aber   einer  unter   diesen  verfiel   dem  Fluch,   und  zwei 
erbten  den  Segen  wegen  ihrer  Werke.     Denn  der  jüngste  unter 
ihnen,  der  Cham  heißt  —  empfing,  da  er  über  den  Vater  spottete  230 ▼■ 
und  so  wegen  der  Kränkung  und  der  Verschmähung  des  Vaters 

zu  der  ruchlosen  Sünde  verdammt  wurde  —  den  Fluch  und 
vererbte  ihn  allen  denen,  die  von  ihm  herstammten.  Also  ist 
es  gekommen,  daß  das  ganze  Geschlecht  nach  ihm  verflucht 
wurde  uud  in  der  Sünde  wachs  und  sich  mehrte.  Seine  Brüder 
Sem  und  Japhet  aber  erreichten,  wegen  der  Ehrfurcht  dem  Vater 
gegenüber,  den  Segen.  Nun  ist  Chams  FJuch,  mit  dem  ihn 
sein  Vater  Noah  verflucht  hat,  folgender:  Verflucht  sei  das 
Kind  Chams;  er  soll  Diener  sein  seinen  Brüdern  1.  Dieser  ist 
über  sein  Geschlecht  gekommen,  da  er  viele  Nachkommen  auf 
der  Erde  erzeugte,  während  vierzehn  Generationen  wild  heran- 
wachsend, bis  endlich  sein  Geschlecht,  dem  Gericht  verfallen, 
von  Gott  abgemäht  wurde.  Denn  die  Kanaaniter  und  die 
Hethiter  und  die  Pheresiter  und  die  Heviter  und  die  Amoriter 
und  die  Jebusiter  und  die  Girgasiter  und  die  Zidoniter,  die 
Araber  und  die,  die  Phönizien  bewohnen,  alle  Ägypter  und 
die  Lybier  sind  aus  dem  Geschlecht  von  Cham,  die  unter  den 
Fluch  gefallen  sind,  da  der  Fluch  lange  über  jene  Gottlosen 
hinwirkte. 

21.  Und  wie  der  Fluch  überging,  desgleichen  ist  auch  der 
Segen  auf  das  Geschlecht  des  Gesegneten  übergegangen,  der 
Reihe  nach  auf  jeden.  Unter  diesen  ist  zuerst  Sem  gesegnet 
worden  in  folgenden  Worten :  Gepriesen  sei  der  Herr,  der  Gott 
Sems,  und  Cham  soll  sein  Knecht  sein  -.  Die  Kraftwirkung  231*- 
des  Segens  aber  ist,  daß  der  Gott  und  der  Herr  von  Allem  für  Sem 
zum  besonderen  Besitz   der  Anbetung  wurde,   indem  der  Segen 


1)  Gen.  9.  25.  —  2;  Gen.  9.  26. 


12  Apostolische  Verkündigung. 

wuchs  und  bis  zu  Abraham  gelangte,  der  die  zehnte  Generation 
in  der  Geschlechtsreihe  vom  Samen  Sems  darstellt.  Und  des- 
wegen gefiel  es  dem  Vater  und  Gott  von  Allem  Gott  Abrahams  und 
Gott  Isaaks  und  Gott  Jakobs  zu  heißen,  denn  der  Segen  Sems 
erstreckte  seine  Wirkung  bis  auf  Abraham.  Der  Segen  Japhets 
aber  ist  dieser :  >.  Weiten  Raum  schaffe  Gott  für  Japhet  und 
er  wohne  in  dem  Haus  Sems,  Cham  aber  soll  sein  Knecht  sein  '; 
und  das  soll  bedeuten,  am  Ende  der  Zeiten  ist  (das  Heil?)  er- 
schienen den  Ausersehenen  des  Herrn  aus  der  Berufung  der 
Heiden,  indem  Gott  ihnen  die  Berufung  erweitert  hat.  Und 
weiter:  ;Über  die  ganze  Erde  ist  ihre  Rede  ausgegangen,  bis 
an  die  Grenzen  der  Welt  ihre  Worte  "2.  Weiten  Raum  schaffen 
ist  nun  von  der  Berufung  aus  den  Heiden  zu  verstehen,  d.  h. 
von  der  Kirche ;  und  er  wohne  im  Hause  Sems  soll  heißen 
(er  soll  wohnen)  in  dem  Erbe  der  Väter,  in  Christo  Jesu  die 
Erstgeburtsrechte  empfangend.  In  welcher  Reihe  also  ein  jeder 
gesegnet  wurde,  in  demselben  Rang  auch  bekommt  er  durch 
seine  Herkunft  die  Frucht  des  Segens. 

22.  Nach  der  Sintflut  aber  verordnete  Gott  eine  Bundes- 
schließung der  ganzen  Welt,  ebenso  auch  allen  Lebewesen  und 
Menschen,  auf  daß  er  nicht  mehr  verderbe  durch  die  Flut  all 
den  Wuchs  der  Erde.  Und  er  gab  ihnen  als  Zeichen:  -Wenn 
231*-  die  Luft  durch  die  Wolken  umhüllt  wird,  wird  der  Bogen  in 
der  Wolke  erscheinen,  und  ich  werde  an  meinen  Bund  denken 
und  nicht  wieder  alle  Lebewesen  auf  der  Erde  durch  Wasser 
verderben  3.  Und  er  wechselte  die  Speise  der  Menschen,  indem 
er  ihnen  gebot  Fleisch  zu  essen;  denn  von  dem  erstgeschaffenen 
Adam  an  bis  zu  der  Sintflut  nährten  sich  die  Menschen  nur 
durch  Samen  und  Früchte  der  Bäume,  Fleischspeise  aber  war 
ihnen  nicht  erlaubt.  Weil  aber  die  drei  Söhne  Noahs  den  An- 
fang der  Menschheit  bildeten,  segnete  sie  Gott  zum  Mehr-  und 
Fruchtbarwerden,  indem  er  sagte:  Wachset  und  mehret  euch 
und  bevölkert  die  Erde  und  macht  sie  euch  Untertan.  Und 
Furcht  und  Schrecken  von  euch  soll  kommen  über  alle  Lebe- 
wesen (auf  Erden)  und  über  alle  Vögel  des  Himmels,  und  sie 
sollen  euch  zur  Nahrung  dienen,  wie  das  grüne  Kraut.  Nur 
Fleisch,   das  noch  sein  Lebensblut  in  sich  hat,    dürft   ihr   nicht 


1)  Gen.  9,  27.  —  2)  Ps.  19.  5.  —  3)  Gen.  9,  14.  15. 


Kap.  21—24.  13 

essen-,  euer  eigenes  Blut  aber  will  ich  rächen  an  jedem  Tiere 
und  an  jedem  Menschen.  Wer  Menschenblut  vergießt,  (des 
Blut)  soll  an  Stelle  dieses  Blutes  vergossen  werden.  Denn 
nach  dem  Bilde  Gottes  hat  er  den  Menschen  geschaffen  x.  Das 
Bild  Gottes  aber  ist  der  Sohn,  nach  dessen  Bild  auch  der  Mensch 
geworden  ist.  Deshalb  erschien  er  auch  in  der  letzten  Zeit, 
damit  er  die  Ähnlichkeit  des  Menschenbildes  mit  sich  selbst 
zeigte.  Nach  diesem  Bunde  mehrte  sich  die  Menschheit,  indem 
sie  aus  dem  Samen  der  drei  entsproß.  Und  auf  der  Welt  war 
nur  eine  Lippe,  d.  h.  eine  Sprache. 

23.  Nun  zogen  sie  auf  aus  dem  Morgenlande,  und  während  232r- 
sie   noch   über   das  Land   hinzogen,   traten   sie   in   das   außer- 
ordentlich  breite  Land  Sinear,    wo   sie   einen  Turm   zu   bauen 
anfingen.     Denn   sie   suchten   ein  Mittel,   wodurch   sie   in    die 
Himmel  steigen  und  damit  zugleich  ihr  Werk  als  ein  Denkmal 
für    sie   der   nachkommenden  Menschheit   hinterlassen  könnten. 
Und   der   Bau   wurde   mit   Backstein   und  Asphalt   ausgeführt; 
und  die  kühne  Tat  ihrer  Verwegenheit  gedieh,  da  alle  einmütig 
und  einträchtig  waren  und  durch  einstimmige  Arbeit  dem  vor- 
gestecktem Ziele  zustrebten.    Nun,  damit  das  Werk  nicht  Aveiter 
gedeihe,   teilte  Gott  ihre  Sprachen,   auf  daß  sie  einander  nicht 
mehr  verstehen  könnten.     Und  auf  diese  Weise  zerstreuten  sie 
sich  und  nahmen  die  Welt  in  Besitz,  jeder  nach  seiner  Sprache : 
Gruppenweise,  Stamm  bei  Stamm  wohnten  sie.    Daher  die  vielen 
verschiedenen  Völkerschaften   und   die   verschiedenen   Sprachen 
auf  der  Welt.    Demnach  nahmen  drei  Geschlechter  der  Menschen 
die  Erde  ein ;  und  eines  von  ihnen  stand  unter  dem  Fluch ,  zwei 
unter  dem  Segen ;  der  erste  Segen  aber  wurde  Sem  zuteil,  dessen 
Geschlecht  im  Osten  wohnte  und  das  Land  der  Chaldäer  innehatte. 
24.  Und   nachdem   gewisse  Zeiten  vergangen  waren ,   d.  h. 
im   zehnten  Zeitalter  nach  der  Sintflut,   tritt  Abraham  auf,  der  232^ 
das  ihm  von  dem  Segen  seines  Ahnherrn  Zukommende  und  den 
für  ihn  (anbetungs)würdigen  Gott  sucht.    Und  da  er  nach  dem 
inneren  Antrieb    seiner   Seele  durch  die  ganze  Welt  herumzog, 
indem   er  forschte  wo  Gott  sei,  und  da  er  sich  schwach  erwies 
und  vom  Ziele  fehlging,   so  erbarmte  sich  Gott  seiner,  der  nur 
im   geheimen  ihn  suchte,   und  erschien  dem  Abraham,   mittels 

1)  Gen.  9,  1—6. 


14  Apostolische  Verkündigung. 

des  Wortes  wie  mittels  eines  Strahles  sich  ihm  zu  erkennen 
gebend.  Denn  er  sprach  mit  ihm  vom  Himmel  und  sagte  zu 
ihm :  s  Ziehe  hinweg  aus  deinem  Lande,  von  deiner  Verwandtschaft 
und  aus  deines  Vaters  Hause  und  gehe  in  das  Land,  das  ich 
dir  zeigen  werde  und  wohne  daselbst  1.  Und  er  im  Vertrauen 
auf  die  himmlische  Stimme,  während  er  selbst  in  vorgeschrittenen 
Jahren  war  —  da  er  siebzig  Jahre  alt  war  und  ein  Weib  hatte, 
zog  mit  diesem  zusammen  aus  Mesopotamien,  den  Sohn  seines 
gestorbenen  Bruders,  den  Lot,  mitnehmend;  und  als  er  in  das 
Land  kam,  das  jetzt  Judäa  heißt,  welches  damals  sieben  Stämme. 
Nachkommen  Chams,  bewohnten,  da  erschien  ihm  Gott  im  Ge- 
sicht und  sprach:  Ich  will  dieses  Land  dir  und  deinen  Nach- 
kommen nach  dir  zur  ewigen  Erbschaft  verleihen  2.  (Danach 
hielten  sich  seine  Nachkommen  als  Fremdlinge  in  einem  nicht 
ihnen  gehörenden  Lande  auf  und  wurden  dort  geplagt,  400  Jahre 
hindurch  Schmerz  leidend  und  dienend.  Und  im  4.  Zeitalter 
kehrten  sie  in  die  dem  Abraham  versprochene  Gegend  zurück: 
Gott  aber  richtete  das  Volk ,  welches  seine  Nachkommen  zum 
Dienst  gezwungen  hatte3.)  Und  damit  Abraham  sowohl  das 
233r-  Zahlreich  werden ,  als  auch  den  Ruhm  seiner  Nachkommen  er- 
kenne, führte  ihn  Gott  hinaus  in  die  Nacht  und  sagte  zu  ihm : 
:  Blicke  auf  zum  Himmel  und  siehe  die  Sterne  am  Himmel,  ob 
du  sie  wohl  zählen  kannst;  so  werden  deine  Nachkommen  sein  4. 
Da  Gott  die  Unerschütterlichkeit  und  Sicherheit  seines  Geistes 
sah,  bezeugte  er  für  ihn  durch  den  heiligen  Geist,  indem  er  in  den 
Schriften  sagt:  :  Und  Abraham  glaubte,  und  es  wurde  ihm  zur 
Gerechtigkeit  gerechnete5.  Er  war  aber  unbeschnitten,  als  das 
ihm  bezeugt  wurde.  Und  damit  die  Vornehmheit  seines  Glaubens 
durch  ein  Zeichen  erkannt  werde,  gab  er  ihm  die  Beschneidung 
zum  Siegel  des  Glaubens  der  Unbeschnittenheit  dessen,  der  in 
Unbeschnittenheit  war.  Und  danach  wurde  ihm  ein  Sohn  ge- 
boren —  Isaak  von  Sarah,  von  der  Unfruchtbaren  gemäss  dem 
Versprechen  Gottes  — ,  den  er  beschnitten  hat,  wie  Gott  ihm 
aufgetragen  hatte.  Und  von  Isaak  wurde  Jakob  erzeugt:  und 
auf   diese   Weise    gelangte   der   ursprüngliche   Segen   Sems   an 


1)  Gen.  12.  1.  —  2)  Gen.  12,  7.  —  3)  Das  Eingeklammerte  scheint 
•eine  Interpolation  zu  sein.  s.  c.  25.  [H.]  —  4)  Gen.  15,  5.  —  5)  Gen. 
15,  6.     Vgl.  Gal.  3.  6. 


Kap.  24—26.  15 

Abraham ,  und  von  Abraham  an  Isaak ,  und  von  Isaak  an 
Jakob;  wodurch  das  Erbe  des  Geistes  auf  sie  ausgeteilt  wurde. 
Denn  er  hieß  Gott  Abrahams  und  Gott  Isaaks  und  Gott  Jakobs. 
Und  Jakob  erzeugte  zwölf  Söhne,  nach  denen  die  zwölf  Stämme 
Israels  benannt  wurden. 

25.  Als  sich  aber  eine  Hungersnot  in  der  ganzen  Welt 
verbreitete,  geschah  es,  daß  nur  in  Ägypten  Speisemittel  vor- 
handen waren.  Da  siedelte  Jakob  samt  allen  seinen  Söhnen  nach  233v 
Ägypten  über.  Die  Zahl  aller  Ausgewanderten  aber  betrug 
fünfundsiebzig  (?)  Seelen ,  und  im  Laufe  von  400  Jahren,  wie  die 
Verheißung  von  vornherein  ausgesagt  hatte,  waren  sie  sechs- 
hundert sechzigtausend  geworden.  Dieweil  sie  aber  mit  bösem 
Dienst  sehr  bedrängt  und  tyrannisiert  wurden  und  seufzten  und 
jammerten  vor  Gott,  so  führte  sie  der  Gott  Abrahams  und  Isaaks 
und  Jakobs  aus  Ägypten  durch  Moses  und  Aharon  heraus, 
nachdem  er  die  Ägypter  mit  zehn  Plagen  geschlagen  hatte 
und  bei  der  letzten  Plage  sandte  er  den  Würgengel,  um  ihre 
Erstgeborenen  vom  Menschen  bis  zu  den  Tieren  zu  vernichten; 
wovon  er  die  Söhne  Israels  errettete,  indem  er  die  Leiden  Christi 
symbolisch  durch  das  Schlachten  des  fehlerfreien  Schafes  offen- 
barte, dessen  Blut  als  Vorsichtszeichen  zum  Heilbleiben  durch 
Bestreichung  der  Häuser  der  Hebräer  gegeben  wurde.  Und 
dieses  Mysterium  heißt  Pascha  —  Grund  der  Errettung.  Und 
das  rote  Meer  teilend,  brachte  er  die  Kinder  Israels  mit  aller 
Sorgfalt  in  die  Wüste,  die  verfolgenden  Ägypter  aber,  die  hinter 
ihnen  in  das  Meer  traten,  gingen  alle  zugrunde.  Dieses  Gottes- 
gericht kam  also  über  diejenigen,  welche  ungerechter  Weise  die 
Nachkommen  Abrahams  geplagt  hatten. 

26.  Und  in  der  Wüste  empfängt  Moses  von  Gott  das  Ge- 
setz, die  zehn  Worte  auf  Steintafeln  geschrieben  mit  dem  Finger 
Gottes ;  der  Finger  Gottes  aber  ist  das,  was  vom  Vater  zu  dem  -Sir- 
heiligen Geist  ausgestreckt  ist;  ebenso  auch  die  Gebote  und  das 
Recht,  welche  er  den  Kindern  Israels  zu  halten  aufgetragen  hat. 
Und   das  Offenbarungszelt  hat  er  auf  Befehl  Gottes  hergestellt, 

ein  sichtbares  Gebilde  auf  der  Erde  dessen,  was  im  Himmel 
geistig  und  unsichtbar  ist,  somit  die  Darstellung  der  Form  der 
Kirche  und  die  Prophezeiung  auf  das  Zukünftige;  desgleichen 
auch  die  Gefäße  und  die  Opfertische  und  die  Lade,  in  welche 
er   die  Tafeln   legte.     Er   stellte   zugleich    zu  Priestern  Aharon 


16  Apostolische  Verkündigung. 

und  seine  Söhne,  das  Priestertum  ihrem  ganzen  Geschlecht  ver- 
leihend: diese  waren  aber  vom  Geschlecht  Levi's.  Auch  das 
ganze  Geschlecht  hat  er  auf  Befehl  Gottes  zum  Dienstwerk  in 
dem  Tempel  Gottes  aufgefordert,  indem  er  ihnen  das  levitische 
Gesetz  gab  als  Norm  dafür,  wie  und  auf  welche  Weise  diejenigen 
sich  halten  sollen,  welche  beständig  das  Dienstwerk  des  Tempels 
Gottes  handhaben. 

27.  Als  sie  aber  dem  Lande  nahe  waren,  welches  Gott  dem 
Abraham   und   seinen  Nachkommen   versprochen  hatte,   wählte 
Moses  je  einen  Mann  von  jedem  Geschlecht  und  sandte  sie,  um 
das  Land  und  die  Städte  in  ihm  und  die  Bewohner  jener  Städte 
zu  kundschaften.     Damals  offenbarte  Gott  ihm  den  Namen,  der 
allein   die   an   ihn  Glaubenden   lebendig   machen   konnte;   und 
Moses   wechselte  den  Namen  des  Hosea  des  Sohnes  Nuns,   des 
234v-  einen   der  Gesandten,  zu  Jesus.     Und  so  sandte  er  sie  aus  mit 
der  Kraft   des  Namens,   im  Glauben,   daß   er  sie   heil   wieder- 
empfangen   werde  wegen  der  Führung  des  gegebenen  Namens. 
Nachdem  sie  aber  nach  ihrem  Hingehn,   Erforschen  und  Aus- 
kundschaften, Weintrauben  mitbringend,  zurückgekehrt  waren, 
brachten  einige  von  jenen  zwölf  Gesandten  das  ganze  Volk  in 
angstvolle  Furcht,  indem  sie  erzählten,  daß  große  und  bemauerte 
Städte  da  wären,  bewohnt  von  erdgeborenen  Riesen,  so  daß  sie 
das  Land  einzunehmen  (nicht)  imstande  wären.    Da  weinte  das 
ganze  Volk,  indem  es  in  Zweifel  geriet,  ob  Gott  da  warT  welcher 
ihnen    die    Kraft    verleihen    und    alle    ihnen   Untertan   machen 
würde.    Und  sie  (die  Kundschafter)  sprachen  schlecht  auch  über 
das  Land,   als   ob  es   nicht  gut   wäre  und  es  sich  nicht  lohnte 
wegen    eines    solchen   Landes    in    Gefahr    zu    kommen.      Zwei 
von   den  zwölfen  aber,   Jesus  der  Sohn  Nuns,   und  Kaleb,  der 
Sohn  Jephunnes,  zerrissen  ihre  Kleider  wegen  des  stattgefundenen 
Unheils,  und  sie  flehten  das  Volk  an  nicht  zu  verzweifeln  und 
den  Mut  nicht   zu   verlieren;   denn  Gott  habe   alle   unter  ihre 
Hand    geliefert,   auch   sei    das  Land   außerordentlich   gut.     Als 
man  sich  aber  nicht  überzeugen  ließ,  das  Volk  vielmehr  in  dem- 
selben Unglauben  blieb,  verkehrte  und  änderte  Gott  ihren  Weg, 
235r-  daß  sie  sich  verirrten,  indem  er  sie  in  der  WTüste  unter  vielen 
Schlägen  züchtigte.  Und  in  wieviel  Tagen  diejenigen,  die  das  Land 
auskundschafteten,   hingegangen   und   zurückgekehrt  waren  — 
und  es  waren  vierzig  Tage  — ,  für  jeden  Tag  ein  Jahr  rechnend, 


Kap.  26—30.  17 

hielt  er  sie  40  Jahre  in  der  Wüste,  und  niemanden  von  den- 
jenigen, die  reif  an  Jahren  und  an  Verstand  waren,  hielt  er 
wegen  ihres  Unglaubens  für  würdig  in  das  Land  einzutreten, 
ausser  den  beiden,  welche  für  die  Erbschaft  gezeugt  hatten, 
d.  h.  Jesum,  den  Sohn  Nuns,  und  Kaleb,  den  Sohn  Jephunnes. 
sowie  auch  diejenigen,  die  noch  klein  waren  und  nicht  wussten, 
was  rechts  und  links  sei.  So  ist  nun  das  ganze  kleingläubige 
Volk  in  der  Wüste  ausgestorben,  indem  es,  einer  nach  dem 
anderen,  den  gerechten  Lohn  des  Kleinglaubens  davontrug. 
Die  Kinder  aber,  herangewachsen  im  Laufe  von  40  Jahren, 
haben  die  Zahl  der  Gestorbenen  ausgefüllt. 

28.  Als  die  vierzig  Jahre  voll  wurden,  kam  das  Volk  nah 
an  den  Jordan  heran  und  schlug  sein  Lager  auf  gegenüber 
Jericho.  Hier  versammelte  Moses  das  Volk  und  wiederholte 
alles  noch  einmal,  indem  er  die  Großtaten  Gottes  bis  zu  jenem 
Tage  erzählte  und  die  in  der  Wüste  Aufgewachsenen  unter  Zucht 
und  Ordnung  stellte,  daß  sie  Gott  fürchten  und  seine  Gebote 
halten  sollten,  indem  er  eine  erneuerte  Gesetzgebung,  welche 
er  der  zuerst  gegebenen  hinzufügte,  ihnen  auferlegte.  Und  dies 
wurde  »Deuteronomium«  genannt,  in  welchem  viele  Verheißungen  235'- 
wie  über  unseren  Herrn  Jesus  Christus,  also  auch  über  das  Volk 
und  über  die  Berufung  der  Heiden  und  über  das  Reich  ein- 
geschrieben sind. 

29.  Und  als  Moses  seinen  Lebenslauf  vollendet  hatte,  wurde 
ihm  von  Gott  gesagt:  Steige  auf  diesen  Berg  und  stirb,  denn 
du  sollst  nicht  mein  Volk  in  das  Land  einführen.  Und  er  starb 
nach  dem  Worte  Gottes,  und  Jesus,  der  Sohn  Nuns,  trat  an 
seine  Stelle.  Dieser  teilte  den  Jordan  und  führte  das  Volk  in 
das  Land  hinüber,  und  nachdem  er  die  darin  wohnenden  sieben 
Völker  niedergeschlagen  und  ausgerottet  hatte,  teilte  er  dem 
Volke  das  diesseitige  Jerusalem  zu,  in  welchem  der  König  David 
und  sein  Sohn  Salomo  lebten,  der  den  Tempel  zu  Ehren  Gottes 
nach  der  Ähnlichkeit  des  Zeltes  baute,  welches  gemäß  dem  Vor- 
bild der  himmlischen  und  geistigen  (Dinge)  durch  Moses  gemacht 
worden  war. 

30.  Hierhin  wurden  von  Gott  die  Propheten  gesandt,  die 
durch  den  heiligen  Geist  das  Volk  zurechtwiesen  und  es  zum 
allmächtigen  Gott  der  Väter  umkehren  ließen;  sie  sind  Ver- 
kündiger der  Erscheinung  unseres  Herrn  Jesu  Christi,  des  Sohnes 

Texte  u.   Untersuchungen  etc.     31,  1  ^ 


18  Apostolische  Verkündigung. 

Gottes,  geworden,  indem  sie  kundgaben,  dass  von  dem  Stamme 
Davids  sein  Leib  entspriessen  werde,  damit  er  infolge  einer 
langen  Geschlechtsreihe  dem  Leibe  nach  ein  Sohn  Davids  sei, 
welcher  ein  Sohn  Abrahams  ist  —  nach  dem  Geiste  aber  der 
Sohn  Gottes1,  da  er  präexistent  beim  Vater  war,  vor  der  ganzen 

236r-  Schöpfung  der  Welt  geboren,  und  am  Ende  der  Zeiten  der 
ganzen  Welt  in  Menschengestalt  erschienen,  wodurch  das  Wort 
Gottes  alles  in  sich  vollendet  hat,  was  im  Himmel  und  auf  der  Erde. 
31.  Nun  hat  er  den  Menschen  mit  Gott  vereinigt  und  eine 
ausgleichende  Eintracht  zwischen  Mensch  und  Gott  hergestellt; 
denn  es  lag  nicht  in  unserem  Vermögen,  auf  eine  andere 
Weise  der  Unverweslichkeit  teilhaftig  zu  werden,  wenn  er 
nicht  zu  uns  gekommen  wäre.  Denn  so  lange  die  Unverweslich- 
keit unsichtbar  und  nicht  erschienen  war.  nutzte  sie  uns  nichts; 
nun  wurde  sie  sichtbar,  damit  wir  in  jeder  Hinsicht  an  der 
Unverweslichkeit  Anteil  nehmen  können.  Dieweil  wir  nun  alle 
in  der  Erstschöpfung  Adams  durch  seinen  Ungehorsam  an  den 
Tod  festgebunden  wurden,  so  gebührte  es  sich,  daß  der  Tod 
durch  den  Gehorsam  des  für  uns  Mensch  gewordenen  aufgelöst 
werde.  Da  aber  der  Tod  über  den  Leib  herrschte,  so  gebührte 
es,  daß  er,  durch  den  Leib  vernichtet,  den  Menschen  von  seiner 
Bedrückung  freilasse.  Das  Wort  ist  nun  Fleisch  geworden, 
damit  durch  denselben  Leib,  durch  den  die  Sünde  sich  festsetzte 
und  herrschte,  sie  vernichtet  würde  und  nicht  mehr  in  uns  sei  -. 
Deswegen  hat  unser  Herr  dieselbe  Leibbildung  des  Erstge- 
schaffenen angenommen,  damit  er  herantrete  zum  Kampf  für  die 
Väter  und  siege  durch  Adam  über  den,  der  uns  durch  Adam 
geschlagen  hat. 

23ßv.  32.    Wober  ist  nun  das  Wesen  des  Erstgeschaffenen  ?    Vom 

Willen  und  von  der  Weisheit  Gottes  und  von  der  jungfräu- 
lichen Erde.  -Denn  Gott  hatte  noch  nicht«,  sagt  die  Schrift, 
>  vor  der  Schöpfung  des  Menschen  regnen  lassen  und  der  Mensch 
war  nicht  da,  um  den  Boden  zu  bebauen«:3.  Von  dieser  Erde 
hat  nun  Gott,  als  sie  noch  jungfräulich  war,  Staub  genommen 
und  den  Menschen  geschaffen  als  den  Anfang  unserer  Mensch- 
heit. Zu  einer  nochmaligen  Vollendung  dieses  Menschen  hat 
sich  der  Herr  der  Anordnung  derselben  Fleischwerdung  unter- 


1)  Vgl.  Rom.  1,  3  f.   —  2)  Vgl.  Eöm.  8,  3  f.   -   3)  Gen.  2,  5. 


Kap.  30—34.  19 

zogen,  indem  er  von  der  Jungfrau  gemäß  dem  Willen  und  der 
Weisheit  Gottes  geboren  wurde,  damit  auch  er  die  Ähnlichkeit 
seiner  Fleischwerdung  mit  der  Adams  zeige,  und  das  im  An- 
fang Geschriebene  geschehe:  ;  der  Mensch  nach  der  Ähnlichkeit 
und  nach  dem  Ebenbilde  Gottes;1. 

33.  Und  wie  durch  eine  ungehorsame  Jungfrau  der  Mensch 
geschlagen  wurde  und  des  Todes  starb,  also  hat  er  auch  hier 
durch  die  Jungfrau,  welche  dem  Worte  Gottes  gehorchte,  das 
Leben  erhalten  mittels  des  im  Menschen  von  neuem  entwickelten 
Lebens.  Denn  der  Herr  ist  gekommen  um  das  verlorene  Schaf 
wieder  zu  suchen2,  und  das  Verlorene  war  der  Mensch.  Und 
deshalb  ist  kein  neues  Geschöpf  geworden,  sondern  von  der- 
selben, die  vom  Geschlechte  Adams  war,  hat  er  die  Ähnlichkeit 
des  Geschöpfes  angenommen.  Denn  es  war  die  nochmalige 
Vollendung  des  Adam  in  Christus  notwendig,  damit  das  Sterb- 
liche von  der  Unsterblichkeit  verschlungen  werde3;  desgleichen 
in  betreff  der  Eva  und  der  Maria,  damit  die  Jungfrau,  für  die 
Jungfrau  Fürsprache  haltend,  den  jungfräulichen  Ungehorsam  237r 
durch  den  jungfräulichen  Gehorsam  auflöse  und  aufhebe. 

34.  Auch  das  Vergehen,  welches  durch  das  Holz  statt- 
gefunden hatte,  wurde  durch  den  Gehorsam  des  Holzes  aufgelöst. 
Indem  Gott  (solche  Fürsprache)  erhörte,  ist  der  Menschensohn 
an  das  Holz  angeschlagen,  wodurch  er  die  Erkenntnis  des 
Bösen  vernichtete,  die  Erkenntnis  des  Guten  aber  einführte 
und  aneignen  ließ.  Und  es  ist  böse  Gott  nicht  zu  gehorchen, 
wie  Gott  gehorchen  gut  ist.  Deshalb  spricht  das  Wort  durch 
den  Propheten  Jesaia,  indem  er  die  künftige  Bedrängnis  voraus- 
sagt —  denn  deshalb  sind  sie  Propheten,  weil  sie  das  Zukünf- 
tige erzählen  —  nun  spricht  das  Wort  durch  ihn  folgender- 
maßen: ;  Ich  widerstrebe  nicht  und  widerspreche  nicht;  meinen 
Rücken  bot  ich  für  die  Schläge  und  meine  Wangen  für  Backen- 
streiche und  verbarg  nicht  mein  Antlitz  vor  Beschimpfung  und 
Speichel4.  Durch  den  Gehorsam  nun,  den  er  bis  an  den  Tod 
festhielt,  an  das  Holz  gehängt,  löste  er  den  alten  mit  dem  Holz 
verbundenen  Un gehorsam  auf.  Denn  er  ist  selbst  das  Wort 
des  allmächtigen  Gottes,  welches  in  unsichtbarer  Gestalt  in  uns 


1)  Gen.  1,  26.   —  2)  S.  Matth.  18,  12.   —   3)  Vgl.  1.  Kor.  15,  53.  - 
4)  Jes.  5U,  6. 


20  Apostolische  Verkündigung. 

allgemein  in  dieser  ganzen  Welt  verbreitet  ist  und  ihre  Länge 
und  die  Breite  und  die  Höhe  und  die  Tiefe  durchzieht,  denn 
durch  das  Wort  Gottes  hat  das  Universum  seinen  Bestand ;  und 
237*-  in  ihm  ist  der  Sohn  Gottes  gekreuzigt,  kreuzweise  an  allem  ge- 
zeichnet. Denn  es  gebührte  ihm,  daß  er,  nachdem  er  sichtbar 
wurde,  die  Kreuzesgemeinschaft  unser  aller  mit  ihm  in  Erschei- 
nung bringe,  damit  er  jene  seine  Wirkung  im  Sichtbaren  durch 
sichtbare  Form  zeige.  Denn  er  ist  es,  der  die  Höhe  ins  Licht 
stellt  und  die  Tiefe,  welche  weit  unter  der  Erde  liegt,  fortsetzt, 
und  die  Länge  von  Ost  zu  West  hinstreckt,  und  Nord  und  Süd 
durchschifft  und  die  Zerstreuten  von  allen  Seiten  zur  Erkenntnis 
des  Vaters  zusammenruft. 

35.  Nun  hat  er  auch  die  dem  Abraham  gewordene  Ver- 
heißung, bei  welcher  ihm  Gott  verheißen  hatte  seine  Nach- 
kommen wie  die  Sterne  des  Himmels  zu  machen,  erfüllt.  Denn 
dies  hat  Christus  ausgeführt,  geboren  von  jener  Jungfrau,  die 
ihre  Abstammung  von  Abraham  her  hatte.  Und  so  hat  er 
die  an  ihn  Glaubenden  zu  Leuchtenden  in  der  Welt  gemacht1 
und  durch  denselben  Glauben  mit  Abraham  die  Heiden  gerecht- 
fertigt. Denn  -Abraham  glaubte  Gott  und  es  wurde  ihm  zur 
Gerechtigkeit  gerechnet-  2.  Ebenso  werden  auch  wir  durch  den 
Glauben  an  Gott  gerechtfertigt,  denn  der  Gerechte  wird  aus 
Glauben  leben:0.  So  ist  nun  die  Verheißung  Abrahams  nicht 
durch  das  Gesetz  vermittelt,  sondern  durch  den  Glauben4 ;  denn 

238r-  Abraham  wurde  durch  den  Glauben  gerechtfertigt , '  für  den 
Gerechten  aber  gibt  es  kein  Gesetz  5.  Ebenso  werden  auch  wir 
nicht  durch  das  Gesetz  gerechtfertigt,  sondern  durch  den  Glauben, 
welcher  vom  Gesetz  und  von  den  Propheten  bezeugt  wird,  die 
das  Wort  Gottes  uns  darbietet. 

36.  Er  hat  auch  die  Verheißung  Davids  erfüllt;  denn  Gott 
hatte  ihm  versprochen  von  dem  Gesproß  seines  Leibes  einen 
ewiglichen  König  aufstehen  zu  lassen,  dessen  Herrschaft  kein 
Ende  haben  werde.  Und  der  König  ist  dieser  Christus  der  Sohn 
Gottes,  welcher  Sohn  des  Menschen  geworden  ist,  d.  h.  ent- 
sprossen von  jener  Jungfrau,  die  ihre  Abstammung  von  David 
her  hatte.     Deshalb  spricht  auch  die  Verheißung  von  der  Frucht 


1)  Vgl.  Philipp.  2,  15.  —  2)  Gal.  3.  6  (Gen.  15,  6).  —  3)  Gal.  3,  11 
(Hab.  2,  4).  —  4)  Vgl.  Rom.  4,  13.  —  5)  1.  Tim.  1,  9. 


Kap.  34—38.  21 

des  Leibes,  welche  die  eigentümliche  Hervorbringung  der 
Schwangerschaft  des  Weibes  ist,  nicht  aber  von  der  Frucht  der 
Lenden  und  nicht  von  der  Frucht  der  Nieren,  was  auch  eine 
besondere  Art  von  Hervorbringung  ist,  damit  jenes  Besondere, 
Verschiedene  und  Eigene,  welches  der  Frucht  des  jungfräulichen 
davidischen  Leibes  eigen  ist,  kundgetan  werde.  Er  herrscht  über  das 
Haus  Davids  ewiglich,  dessen  Königreich  kein  Ende  haben  wird. 

37.  So  hat  er  also  unsere  Erlösung  herrlich  durchgeführt 
und  die  Verheißungen  der  Väter  erfüllt  und  den  alten  Unge- 
horsam aufgelöst.  Der  Sohn  Gottes  ist  Sohn  Davids  und  Sohn 
Abrahams  geworden;  denn  er  hat  dieses  erfüllt  und  es  in  sich 
selbst  von  neuem  vollbracht,  damit  er  uns  ermögliche  das  Leben 
zu  erhalten.  Das  Wort  Gottes  ist  Fleisch  geworden  nach  dem 
Ratschluß  inbetreff  der  Jungfrau,  um  den  Tod  aufzulösen  und  2 38v. 
den  Menschen  lebendig  zu  machen ;  denn  wir  waren  gefangen 
von  der  Sünde  und  unter  denen,  die  durch  die  Sünde  geboren 
sind  und  mit  dem  Tode  leben. 

38.  Nun  war  Gott  der  Vater  voll  Erbarmen;  er  sandte 
das  schöpferische  Wort,  welches,  gekommen,  um  uns  zu  erretten, 
an  denselben  Orten  und  in  derselben  Mitte  sich  aufhielt,  in 
welcher  wir  das  Leben  verloren  haben,  indem  er  die  Bande 
jener  Fesseln  löste.  Und  sein  Licht  ist  erschienen  und  hat  die 
Finsternis  des  Gefängnisses  zu  nichte  gemacht  und  unsere 
Geburt  geheiligt  und  den  Tod  vernichtet,  da  er  eben  die  Fesseln, 
in  denen  wir  gefangen  saßen,  zerbrach.  Somit  hat  er  die  Auf- 
erstehung erwiesen,  indem  er  selbst  der  Erstgeborene  von  den 
Toten  wurde  und  in  sich  den  gefallenen  Menschen  auferweckte, 
ihn  nach  oben,  nach  dem  obersten  Teil  des  Himmels  zur  Rechten 
der  Herrlichkeit  des  Vaters  hinaufführend,  wie  Gott  durch  den 
Propheten  verheißen  hat,  indem  er  sprach:  Ich  werde  wieder 
aufbauen  das  verfallene  Zelt  Davids  : ',  d.  i.  den  von  David  (her- 
rührenden) Leib.  Und  dieses  hat  unser  Herr  Jesus  Christus 
wahrhaftig  erfüllt,  unsere  Erlösung  herrlich  durchführend,  damit 
er  uns  wahrlich  auferstehen  lasse  zum  Leben  auf  den  Vater 
hin.  Und  wenn  einer  seine  Geburt  von  der  Jungfrau  nicht 
annehmen  wollte,  wie  könnte  er  seine  Auferstehung  von  den 
Toten  annehmen?     Denn  sie  wäre  keineswegs  wunderbar  oder 

1)  Am.  9,  11. 


22  Apostolische  Verkündigung. 

239r-  außerordentlich  oder  sonderbar;  denn  wenn  der  Nichtgeborene 
von  den  Toten  auferstanden  wäre,  so  wäre  eigentlich  von  keiner 
Auferstehung  des  also  Ungeborenen  zu  reden.  Denn  der  Un- 
geborene und  Unsterbliche  und  nicht  durch  die  Geburt  Gegangene 
kann  auch  nicht  unter  den  Tod  fallen.  Denn  wenn  einer  den 
Anfang  des  Menschen  nicht  annahm,  wie  könnte  er  sein  Ende 
auf  sich  nehmen? 

39.  Nun,  wenn  er  nicht  geboren  ist,  so  ist  er  auch  nicht 
gestorben;  und  wenn  nicht  gestorben,  so  ist  er  auch  nicht  auf- 
erstanden von  den  Toten ,  und  wenn  nicht  auferstanden  von 
den  Toten,  so  hat  er  den  Tod  nicht  besiegt,  und  dessen  Herr- 
schaft wäre  nicht  vernichtet;  und  wenn  der  Tod  nicht  besiegt 
wäre,  wie  könnten  wir  zum  Leben  hinaufsteigen,  die  wir  vom 
Anfang  her  dem  Tode  verfallen  waren  ?  Diejenigen  nun,  welche  die 
Erlösung  von  den  Menschen  wegnehmen  und  Gott  nicht  glauben, 
daß  er  sie  von  den  Toten  auferwecken  werde,  verschmähen 
auch  die  Geburt  unseres  Herrn,  die  er  für  uns  auf  sich  nahm, 
indem  das  Wort  Gottes  Fleisch  wurde,  um  die  Auferstehung 
des  Leibes  zu  erweisen  und  allen  voranzugehen  in  den  Himmel. 
Als  erstgeborenes,  ersterzeugtes  Wort  des  Ratschlusses  des  Vaters 
hat  er  alles  vollbracht,  indem  er  selbst  die  Welt  durchzog  und 
in  ihr  Ordnung  schaffte.  Denn  er  war  der  Erstgeborene  der 
Jungfrau,  gerecht,  ein  heiliger  Mensch,  fromm,  gut,  gottgefällig, 
in  allem  vollkommen,  indem  er  alle,  die  ihm  nachfolgten,  aus 
der  Hölle  errettete;  war  ja  er  selbst  der  Erstgeborene  von  den 
Toten  —  Haupt  und  Führer  des  göttlichen  Lebens. 
239*-  40.  Auf  diese  Weise  nun  dringt  das  Wort  Gottes  in  allen 

zur  einträchtigen  Gemeinschaft  vor,  da  er  wahrer  Mensch  und 
Wunderrat  und  mächtiger  Gott  ist.  So  hat  Gott  den  Menschen 
von  neuem  berufen,  damit  wir  durch  die  Gemeinschaft  mit  ihm 
an  der  Unverderblichkeit  Teil  haben.  Derjenige  nun,  der  durch 
Moses  von  dem  Gesetz  und  von  den  Propheten  des  höchsten 
und  allmächtigen  Gottes  als  Sohn  des  Vaters  von  Allem  ver- 
kündigt wird  und  von  dem  Alles  stammt,  welcher  mit  Moses 
gesprochen  hat,  —  dieser  ist  nach  Judäa  gekommen  von  Gott 
durch  den  heiligen  Geist  gesät  und  von  der  Jungfrau  Maria 
geboren,  von  der,  die  von  dem  Nachkommen  Davids  und 
Abrahams  war  — ,  Jesus  der  Gesalbte  Gottes,  indem  er  sich  als 
den  vorher  durch  die  Propheten  Verkündigten  erwies. 


Kap.  38—42.  23 

41.  Sein  Vorgänger  aber,  Johannes  der  Täufer,  bereitete 
und  rüstete  das  Volk  im  voraus  zum  Empfange  des  Lebens- 
wortes, indem  er  von  ihm  kundtat,  daß  er  der  Christus  sei,  auf 
dem  der  Geist  Gottes  ruhte1,  sich  mit  seinem  Leibe  vermischend. 
Seine  Jünger  und  Zeugen  aller  seiner  guten  Werke  und  der 
Lehre  und  seiner  Leiden  und  des  Todes  und  der  Auferstehung 
und  der  Himmelfahrt  nach  der  leiblichen  Auferstehung  sind 
die  Apostel,  welche  nach  (dem  Empfange)  der  Kraft  des  heiligen 
Geistes2  von  ihm  in  die  ganze  Welt  gesandt  wurden  und  die  240r- 
Heiden  beriefen,  indem  sie  den  Menschen  den  Weg  des  Lebens 
zeigten,  sie  von  Götzen  und  Hurerei  und  Wucher  bekehrten 
und   ihre  Seelen   und  Leiber  durch  die  Taufe  des  Wassers  und 

des  heiligen  Geistes  reinigten.  Den  heiligen  Geist,  den  sie  von 
dem  Herrn  empfangen  hatten,  denselben  haben  sie  den  Gläubigen 
erteilt  und  verliehen  und  so  die  Kirchen  in  aller  Ordnung 
gegründet.  Durch  Glaube  und  Liebe  und  Hoffnung  haben  sie 
die  von  den  Propheten  vorher  verkündigte  Berufung  der  Heiden 
ausgeführt,  welche  durch  die  Gnade  Gottes  ihnen  zu  teil 
wurde,  indem  sie  sie  durch  ihren  Dienst  verwirklichten  und 
jene  Heiden,  die  so  an  den  Herrn  geglaubt  und  ihn  geliebt 
hatten,  in  die  Verheißung  der  Väter  aufnahmen:  daß  nämlich 
der  Gott  des  Alls  kraft  der  Auferstehung  von  den  Toten  au 
der  Stätte  der  Heiligkeit  und  der  Gerechtigkeit  und  der  Geduld 
ewiges  Leben  verleihen  werde,  was  er  durch  denjenigen  ver- 
sprochen hat,  der  gestorben  und  auferstanden  ist,  durch  Jesus 
Christus,  welchem  er  das  Reich  und  die  Herrschaft  über  alles 
Seiende,  Lebendige  und  Tote  gegeben  hat,  sowie  auch  das  Ge- 
richt; danach  haben  (die  Apostel)  auch  durch  das  wahre  Wort 
gelehrt,  den  Leib  makellos  zur  Auferstehung  und  die  Seele  un- 
befleckt zu  halten. 

42.  So  sollen  sich  also  die  Gläubigen  betragen,  da  der  240v- 
heilige  Geist  beständig  in  ihnen  verweilt,  welcher  bei  der  Taufe 
von  ihm  (von  Christus?)  gegeben  und  von  dem  Empfänger  fest- 
gehalten wird,  wodurch  er  in  Wahrheit  und  Heiligkeit  und 
Gerechtigkeit  und  Geduld  wandelt.  Denn  auch  der  Seele  wird 
Auferstehung  zuteil,  indem  die  Leiber  der  Gläubigen  von  neuem 
Person   annehmen   und   mit  ihr  zusammen  durch  die  Kraft  des 

1)  Vgl.  Joh.  1,  33.  —  2)  Vgl.  Ap.-Gesch.  1,  8. 


24  Apostolische  Verkündigung. 

heiligen  Geistes  auferweckt  und  in  das  Reich  Gottes  eingeführt 
werden.  Das  ist  die  Frucht  des  Segens  Japhets,  die  in  der 
Berufung  der  Heiden,  durch  die  Kirche,  zutage  tritt,  und  sich 
anschickt  im  Hause  Sems  gemäß  der  Verheißung  Gottes  Wohnung 
zu  nehmen.  Daß  dies  alles  so  geschehen  sollte,  hat  der  Geist 
Gottes  durch  die  Propheten  im  voraus  verkündigt,  damit  der 
Glaube  in  denjenigen  fest  sei,  welche  Gott  in  Wahrheit  dienen. 
Denn  was  für  unsere  Natur  eine  Unmöglichkeit  war  und  des- 
halb den  Menschen  unglaublich  vorkommen  mußte,  das  ließ  Gott 
durch  die  Propheten  vorher  verkündigen,  damit  wir  —  dadurch, 
daß  das  vorher,  d.  h.  vor  vielen  Zeiten  Gesagte,  nachher  so  in 
Erfüllung  gegangen  sei,  wie  es  vorher  gesagt  worden  war  — 
erkennen,  daß  es  Gott  war,  der  uns  unsere  Erlösung  von  vorn- 
herein mitgeteilt  hatte. 
241*--  43.  Gott  aber  soll  man  in  allem  glauben,  denn  Gott  ist  in 

allem  wahr,  auch  in  dem  was  das  Dasein  des  Sohnes  Gottes 
betrifft;  und  er  war  nicht  nur  vor  seiner  Erscheinung  in  der 
Welt,  sondern  auch  vor  dem  Werden  der  Welt,  was  zuerst 
Moses  prophezeit  hat;  er  sagt  auf  Hebräisch:  »Baresit  bara 
elowim  basan  benuam  samentares  ,  welches  in  unsere  Sprache x 
übersetzt  heißt:  Sohn  am  Anfang  —  gründete  Gott  dann  den 
Himmel  und  die  Erde«2.  Dies  bezeugt  auch  der  Prophet  Jeremia 
folgendermaßen:  >  Vor  dem  Morgenstern  habe  ich  dich  geboren 
und  vor  der  Sonne  ist  dein  Name-3.  Und  das  heißt  vor  dem 
Bau  der  Welt,  denn  mit  der  Welt  zusammen  sind'  auch  die 
Sterne  geworden.  Und  wiederum  sagt  er:  Gesegnet,  der  vor 
dem  Werden  des  Menschen  da  war«4.  Denn  für  Gott  hatte 
Anfang  der  Sohn  vor  dem  Bau  der  WTelt,  für  uns  aber  jetzt, 
als  er  erschien.  Vor  diesem  aber  war  er  für  uns,  die  wir  ihn 
nicht  kannten,  nicht.  Weshalb  auch  sein  Jünger  Johannes, 
indem  er  uns  erzählen  will,  wer  der  Sohn  Gottes  sei,  welcher 
vor  dem  Werden  der  Welt  beim  Vater  war,  und  daß  alles  Ge- 
wordene durch  ihn  zustande  gekommen  ist,  —  also  sagt:  Im 
Anfang  war  das  Wort,  und  das  Wort  war  bei  Gott,  und  das 
Wort   war   Gott:   dasselbige   war   im  Anfang   bei   Gott.      Alles 


1)  Im  Text  steht  eigentlich  »in  die  armenische  Sprache  übersetzte  — 
2)  Gen.  1,1.  —  3)   Ps.  110 ,   3   und  72,   17  nach  der  LXX  [??  EL].  — 

4)  Wo? 


Kap.  42—45.  LJ5 

ward   durch   dasselbe,   und  ohne  dasselbe  ward  nichts1.     Wo- 
durch er  sicherstellt,   daß  dasselbe  Wort,  im  Anfang  bei  Gott,  24U 
durch  das  alles  ward,  auch  sein  Sohn  ist. 

44.  Und  wiederum  sagt  Moses,  wie  der  Sohn  Gottes  zum 
Gespräch  mit  Abraham  gekommen  ist :  Da  erschien  ihm  Gott 
bei  der  Terebinthe  Mamres  am  Mittag:  und  als  er  nun  auf- 
blickte, siehe,  da  standen  drei  Männer  vor  ihm,  und  er  verneigte 
sich  bis  auf  den  Boden  und  sprach:  0,  Herr,  wenn  ich  irgend 
Gnade  gefunden  habe  vor  dir  -.  und  alles,  was  dann  noch  folgt, 
sprach  er  mit  dem  Herrn,  und  der  Herr  sprach  mit  ihm.  Nun 
waren  zwei  von  diesen  dreien  Engel,  der  eine  aber  war  der 
Sohn  Gottes,  mit  dem  auch  Abraham  sprach,  indem  er  für  die 
Sodomiten  Fürsprache  hielt,  daß  sie  nicht  vernichtet  werden 
sollten,  wenn  dort  auch  nur  zehn  Gerechte  zu  finden  wären. 
Und  während  sie  noch  sprachen,  gingen  die  zwei  Engel  nach 
Sodom  hinunter,  wo  sie  Lot  aufnahm.  Und  danach  sagt  die 
Schrift:  Und  der  Herr  ließ  auf  Sodom  und  Gomorrha  Schwefel 
und  Feuer  regnen  von  dem  Herrn  vom  Himmel  l  Das  ist  der 
Sohn,  der  mit  Abraham  gesprochen  hat:  da  er  Herr  war,  hat 
er  die  Gewalt  zur  Bestrafung  der  Sodomiten  von  dem  Herrn 
vom  Himmel  empfangen,  von  dem  Vater,  der  über  alles  herrscht. 
So  war  Abraham  ein  Prophet  und  sah  das  Zukünftige,  was 
nach  menschlicher  Weise  geschehen  sollte,  den  Sohn  Gottes, 
wie  er  mit  Menschen  sprechen  und  mit  ihnen  essen  und  da-  242*- 
nach   das  Gericht   vom  Vater   her  über  sie  bringen  sollte,   wie 

er  von  dem,  der  über  alles  herrscht,  die  Gewalt  zur  Bestrafung 
der  Sodomiten  erhalten  hatte. 

45.  Und  als  Jakob  nach  Mesopotamien  ging,  sah  er  im 
Gesicht,  daß  er  oben  an  der  Leiter  stand,  d.  h.  am  Holz,  welche 
von  der  Erde4  bis  zum  Himmel  festgerichtet  war;  denn  auf  ihr 
steigen  die  an  ihn  Glaubenden  in  den  Himmel  hinauf.  Denn 
seine  Leiden  sind  unsere  Auffährt  nach  oben.  Und  alle  solche 
Gesichte  weisen  auf  den  Sohn  Gottes  hin,  wie  er  mit  den 
Menschen  sprach  und  unter  ihnen  wandelte.  Denn  nicht  etwa 
der  Vater  von  Allem,  der  von  der  Welt  nicht  gesehen  werden 
kann  und  der  Schöpfer  von  Allem,  welcher  sagt:     Der  Himmel 


1)  .loh.  1,  1-3.  —  2)  Gen.  18,  1—3.  —  3)  Gen.  19,  24.  —  4     Im 
Text   »vom  Himmel«   —  augenscheinlich   Fehler. 


26  Apostolische  Verkündigung. 

ist  mein  Thron  und  die  Erde  meiner  Füße  Schemel;  was  wäre 
das  für  ein  Haus,  das  ihr  mir  bauen  wolltet  und  welcher  Ort 
meine  Ruhestätte?«1,  und  welcher  die  Erde  mit  seiner  Faust 
faßt  und  den  Himmel  mit  seiner  Hand  spannt2  - —  sprach,  auf 
einer  kleinen  Stätte  sich  aufhaltend,  mit  Abraham,  sondern  das 
Wort  Gottes,  welches  immer  mit  der  Menschheit  war  und  das 
Zukünftige,  welches  geschehen  sollte,  im  voraus  verkündigte 
und  den  Menschen  das  Göttliche  lehrte. 

46.  Er  ist  es,  der  im  Dornstrauch  mit  Moses  sprach  und 
sagte:  Ich  habe  die  Bedrückung  meines  Volkes,  das  in  Ägypten 
ist,   zur  Genüge  angesehen  und  bin  herabgekommen,  es  zu  er- 

242*- retten  :  a.  Er  ist  es,  der  hinauf-  und  herabstieg  zur  Errettung 
der  Bedrückten,  indem  er  uns  von  der  Herrschaft  der  Ägypter 
herausgeführt  hat,  d.  h.  von  jedem  Götzendienst  und  (von  jeder) 
Gottlosigkeit,  und  indem  er  uns  aus  dem  Roten  Meere  errettet, 
d.  h.  aus  der  tödlichen  Verwirrung  der  Heiden,  aus  der  bitteren 
Ärgernis  ihrer  Lästerung  befreit  hat.  Denn  die  unsrigen  (die 
uns  betreffenden  Heilsverheißungen)  hat  das  Wort  Gottes  an 
ihnen  vorbereitet;  indem  er  damals  im  Bilde  das  Zukünftige  im 
voraus  zeigte,  jetzt  aber  von  dem  harten  Dienst  der  Heiden  uns 
wirklich  herausgeführt  hat;  so  hat  er  auch  in  der  Wüste  einen 
reichen  Strom  des  Wassers  vom  Felsen  fließen  lassen,  der  Fels 
aber  ist  er  selbst;  er  hat  auch  zwölf  Wasserbäche  gegeben, 
d.  h.  die  Lehre  der  zwölf  Apostel.  Auch  hat  er  die  wider- 
spenstigen Kleingläubigen  in  der  Wüste  aussterben  lassen,  die 
an  ihn  Glaubenden  aber  und  an  Bosheit  Kinder  Gewordenen 
in  das  Erbe  der  Väter  eingeführt,  welches  nicht  Moses,  sondern 
Jesus  zur  Erbschaft  verteilt,  der  uns  auch  von  Amalek  durch 
das  Festgebundenwerden  seiner  Hände  befreit  und  in  das  Reich 
des  Vaters  hinaufbringt. 

47.  So  ist  Herr  der  Vater  und  Herr  der  Sohn,  und  Gott 
der  Vater  und  Gott  der  Sohn,  denn  der  von  Gott  Geborene  ist 

243«'  Gott.  Und  somit  ist  nach  seinem  Sein  und  nach  der  Kraft 
seines  Wesens  ein  Gott  zu  erkennen,  nach  der  Ökonomie  unserer 
Erlösung  aber  recht  eigentlich  sowohl  Sohn  als  auch  Vater. 
Denn  weil  der  Vater  von  Allem  unsichtbar  und  unnahbar  für  die 
Geschaffenen  ist,  so  müssen  diejenigen,  die  vorherbestimmt  sind 


1)  Jes.  66,  1;  Apg.  7,  49.  —  2    Vgl.  Jes.  40,  12.  —  3)  Exod.  3,  7  f. 


Kap.  45—49.  27 

Gott  nahezutreten ,  durch  den  Sohn  dem  Vater  gewonnen  und 
erobert  worden.  Und  noch  offenbarer  und  strahlender  spricht 
David  über  den  Vater  und  den  Sohn  also:  Dein  Thron,  o  Gott, 
(währt)  immer  und  ewig;  du  liebtest  Gerechtigkeit  und  haßtest 
Frevel,  darum  hat  dich  Gott  mit  Freudenöl  gesalbt,  wie  keinen 
deiner  Genossen  J.  Denn  der  Sohn,  da  er  Gott  ist,  nimmt  vom 
Vater,  d.  h.  von  Gott,  den  Thron  des  ewigen  Reiches  und  das 
Salböl  wie  keiner  seiner  Genossen.  Und  das  Salböl  ist  der  Geist, 
mit  dem  er  gesalbt  ist,  seine  Genossen  aber  sind  die  Propheten, 
die  Gerechten  und  die  Apostel,  und  alle,  welche  teil  haben  an 
der  Genossenschaft  seines  Reiches,  d.  h.  seine  Jünger. 

48.  Und  wiederum  sagt  David:  Der  Herr  sagt  zu  meinem 
Herrn,  setze  dich  zu  meinem  Rechten,  bis  ich  deine  Feinde  hin- 
lege als  Schemel  deiner  Füße.  Ein  mächtiges  Szepter  wird  der 
Herr  vom  Zion  hersenden,  so  herrsche  du  inmitten  deiner  Feinde. 
Mit  dir  im  Anfang  am  Tage  deiner  Kraft  bei  der  Erleuchtung 
der  Heiligen2,  aus  dem  Schöße,  vor  dem  Morgenstern3  habe  ich 
dich  geboren.  Der  Herr  hat  geschworen  und  läßt  sich's  nicht 
gereuen:  Du  bist  Priester  für  immer  nach  der  Weise  Melchi-  24:'»*- 
sedeks  und  der  Herr  zu  deiner  Rechten.  Er  zerschmetterte 
Könige  am  Tage  des  Zorns,  er  wird  Gericht  halten  unter  den 
Heiden,  mit  Gefallenen  anfüllen,  die  Häupter  vieler  über  die 
Erde  hin  zerschmettern,  aus  dem  Bach  am  Wege  trinken,  darum 
wird  er  das  Haupt  erheben  A.     Nun,    durch   dieses   hat    er   ihn 

als  den  von  Anfang  her  Seienden  kundgetan,  und  daß  er  über 
die  Heiden  herrschen  und  alle  Menschen  und  Könige,  die  jetzt 
ihn  hassen  und  seinen  Namen  verfolgen,  richten  werde;  diese 
sind  also  seine  Feinde.  Und  indem  er  ihn  Gottes  Priester  auf 
immer  nannte,  hat  er  seine  Unsterblichkeit  andeuten  wollen ; 
und  deshalb  sagte  er:  Aus  dem  Bach  am  Wege  wird  er  trinken, 
darum  wird  er  das  Haupt  erheben«.  Damit  tut  er  die  herr- 
liche Erhöhung  des  Menschlichen  und  Niedrigen  und  des  Unherr- 
lichen  in  ihm  kund. 

49.  Und  wiederum  sagt  der  Prophet  Jesaias:      So  spricht 


1)  Ps.  45,  7—8. 

2)  Wörtliche  Übersetzung  des  armenischen  Textes,     Vgl.  LXX. 

3)  Nur    die    zweite   Hälfte   des   betreffenden    armenischen    Wortes 

Hupni-ulruifyt    stellt    im    Text.    —     1      l's.    110. 


28  Apostolische  Verkündigung. 

der  Herr  Gott  zu  meinem  Herrn l,  dem  Gesalbten  —  dessen 
Rechte  ich  ergriffen  habe,  um  die  Heiden  vor  ihm  gehorsam  zu 
machen  2.  Wie  ist  es  aber,  daß  Christus  der  Sohn  Gottes  zu- 
gleich König  der  Heiden,  d.  h.  aller  Menschen  genannt  wird, 
und  daß  er  sowohl  Sohn  Gottes  genannt  wird  und  ist,  als  auch 
König  aller?  —  Darüber  sagt  David  so:  >Der  Herr  sprach  zu 
mir,  du  bist  mein  Sohn,   ich  habe  dich  heute  gezeugt;   heische 

244r-  von  mir,  so  will  ich  dir  die  Heiden  zum  Erbe  geben  und  die 
Enden  der  Erde  zum  Eigentum  8.  Diese  Worte  sind  nicht  über 
David  gesprochen  worden ;  denn  er  hat  weder  über  die  Heiden, 
noch  über  die  ganze  Erde  geherrscht,  sondern  nur  über  die 
Juden.  So  ist  es  offenbar,  daß  die  Verheißung  an  den  Gesalbten, 
über  die  Enden  der  Erde  zu  herrschen,  auf  den  Sohn  Gottes 
geht,  welchen  David  selbst  als  seinen  Herrn  bekennt,  indem  er 
sagt:  Der  Herr  sprach  zu  meinem  Herrn,  setze  dich  zu  meiner 
Rechten4,  und  was  dann  noch  folgt,  wie  wir  vorher  gesagt 
haben.  Denn  er  meint,  daß  der  Vater  mit  dem  Sohne  spricht, 
wie  wir  ein  wenig  vorher  auf  Jesaias  verwiesen  haben,  der  also 
spricht:  »Gott sagt  zu  meinem  Herrn,  dem  Gesalbten,  um  die  Heiden 
vor  ihm  gehorsam  zu  machen  5.  Es  ist  eben  dieselbe  Ver- 
heißung durch  beide  Propheten ,  daß  er  nämlich  König  sei ; 
also  betrifft  das  Wort  Gottes  einen  und  denselben,  ich  meine 
eben  den  Christus,  den  Sohn  Gottes.  Denn  wenn  David  sagt: 
»Gott  sprach  zu  mirc,  so  ist  es  notwendig  zu  sagen,  daß  nicht 
eigentlich  David,  noch  irgend  einer  von  den  Propheten  aus 
sich  selbst  heraus  spricht,  da  es  ja  nicht  ein  Mensch  ist,  der 
die  Prophetieen  hersagt,  sondern  der  Geist  Gottes;  dieser 
nimmt  Gestalt  und  Form  in  den  Propheten  je  nach  der  Ähn- 
lichkeit der  betreffenden  Person  an  und  spricht  zuweilen  als 
Christus,  und  zuweilen  führt  er  das  Wort  als  der  Vater. 

50.    So  sagt  nun  Christus  selbst  sehr  zutreffend  durch  David, 
daß  der  Vater   mit   ihm   spricht,    und  sehr   geziemend   sagt   er 

244^.  selbst  auch  das  übrige  über  sich  durch  die  Propheten,  unter 
anderen  auch  durch  Jesaia  folgendermaßen:  -Und  jetzt,  so  spricht 
der   Herr,   der   mich   vom   Mutterleibe   an   zu   seinem   Knechte 


1)  u.  2)  Jes.  45,  1  (?);  anstatt  »zu  meinem  Gesalbten  Cyrus«  steht 
im  armenischen  Text  »zu  meinem  Gesalbten,  dem  Hernie.  —  3  Ps.  2,  7  f. 
4^  Ps.  110,  1.  —  5)  Jes.  45,  1. 


Kap.  49—53.  29 

bildete,  daß  ich  Jakob  versammle  und  Israel  zu  ihm  versammle 
—  und  ich  verherrlicht  werde  von  dem  Herrn  und  mein  Gott 
werde  meine  Stärke.  Und  er  sprach:  etwas  Großes  soll  es  für 
dich  sein,  daß  du  mein  Knecht  genannt  Averdest,  um  die  Stämme 
Jakobs  aufzurichten  und  die  Zerstreuten  Israels  zurückzubringen. 
Und  ich  machte  dich  zum  Licht  der  Heiden,  daß  du  zum  Heil 
seist  bis  ans  Ende  der  Erde;1. 

51.  Hier  ist  nämlich  vor  allem  zu  beachten,  daß  das  Vor- 
hersein des  Sohnes  Gottes  daraus  folgt,  daß  der  Vater  mit  ihm 
gesprochen  und,  bevor  er  geboren  wurde,  ihn  den  Menschen 
bekannt  gemacht  hat;  dann  aber  war  er  dazu  bestimmt,  unter 
den  Menschen  geboren  als  Mensch  aufzutreten;  und  daß  Gott 
selbst  ihn  vom  Mutterleibe  an  schafft,  d.  h.  daß  er  vom  Geiste 
Gottes  geboren  werden  sollte,  und  daß  er  aller  Menschen  Herr 
ist  und  der  an  ihn  glaubenden  Juden  und  Anderer  Erlöser. 
Denn  Israel  wird  das  Volk  der  Juden  genannt  in  hebräischer 
Sprache,  nach  dem  Vater  Jakob,  welcher  auch  zuerst  Israel  ge- 
nannt wurde;  Heiden  nennt  aber  (die  Schrift)  alle  Menschen. 
Sich  selbst  nennt  der  Sohn  des  Vaters  einen  Knecht,  wegen 
seines  Gehorsams  dem  Vater  gegenüber;  denn  jeder  Sohn  ist 
auch  bei  den  Menschen  Knecht  seines  Vaters. 

52.  Daß  nun   der  Sohn  Gottes,  Christus,  welcher  vor  aller 
Welt  war,  beim  Vater  ist  und  beim  Vater  seiend  zugleich  nahe 
und  in  Berührung  mit  den  Menschen  und  König  von  Allem  —  245r 
da  der  Vater  alles  ihm  Untertan  gemacht  hatte  —  und  Erlöser 
der   an    ihn   Glaubenden   ist,   solches    berichten    die   Schriften. 

Da  es  aber  unmöglich  ist  jedes  Schriftzeugnis  einzeln  zum 
Gegenstand  der  Erläuterung  zu  machen,  so  sollst  du  diesen 
gemäß  auch  die  übrigen,  die  gleich  diesen  lauten,  verstehen, 
indem  du  an  Christus  glaubst  und  von  Gott  Weisheit  und  Ver- 
stand erbittest,  um  das  von  den  Propheten  Gesagte  zu  begreifen. 

53.  Und  daß  dieser  Christus,  der  beim  Vater  war,  da  er 
das  Wort  Gottes  ist,  bestimmt  gewesen  ist,  Fleisch  und  Mensch 
zu  werden  und  die  Geburt  auf  sich  zu  nehmen  und  von  der 
Jungfrau  geboren  zu  werden  und  unter  den  Menschen  zu 
wandeln,  indem  der  Vater  von  Allem  selbst  seine  Fleischwerdung 
wirkte  —  darüber   spricht  Jesaia   also:     Darum   wird   dir   der 

1)  Jes.  49,  5.  6. 


30  Apostolische  Verkündigung. 

Herr  selbst  ein  Zeichen  geben:  Siehe,  die  Jungfrau  da  wird 
schwanger  werden  und  einen  Sohn  gebären,  und  ihr  werdet  ihn 
Immanuel  nennen.  Dickmilch  und  Honig  wird  er  essen ;  bevor 
er  das  Böse  kennen  oder  unterscheiden  kann,  wird  er  das  Gute 
wählen;  denn  ehe  der  Knabe  das  Böse  und  das  Gute  erkennt, 
wird  er  das  Böse  verwerfen,  um  das  Gute  zu  erwählen  < *.  So 
hat  er  sein  Geborenwerden  von  der  Jungfrau  verkündigt,  und 
daß  er  wahrhaftiger  Mensch  werden  sollte,  hat  er  durch  sein 
245v-  Essen  im  voraus  angedeutet,  auch  dadurch,  dass  er  ihn  ein  Kind 
nennt,  aber  auch  durch  seine  Namengebung  —  denn  eben 
hierin  besteht  ein  Irrtum  inbetreff  des  Geborenen-  — ,  und  er 
fuhrt  einen  Doppelnamen:  in  hebräischer  Sprache  Messia- 
Christus,  und  in  unserer  Sprache3  Jesus  der  Erlöser4.  Und 
diese  Namen  sind  Bezeichnungen  bestimmter  ausgeführter  Werke. 
Er  wird  nämlich  Christus  genannt,  weil  der  Vater  durch  ihn 
alles  gesalbt  und  geschmückt  hat,  und  weil  er  bei  seinem  An- 
kommen wie  ein  Mensch  durch  den  Geist  Gottes  und  seines 
Vaters  gesalbt  worden  ist.  Wie  er  auch  selbst  durch  Jesaia 
über  sich  sagt:  »Der  Geist  des  Herrn  ruht  auf  mir,  die  weil  er 
mich  gesalbt  hat,  um  den  Armen  frohe  Botschaft  zu  bringen«5. 
Und  Erlöser  (wird  er  genannt)  deshalb,  weil  er  die  Ursache  der 
Errettung  für  diejenigen  geworden  ist,  die  damals  durch  ihn 
von  allerlei  Krankheiten  und  vom  Tode  befreit  worden  sind. 
Für  diejenigen  aber,  die  hernach  an  ihn  glaubten,  ist  er  der 
Vermittler  des  künftigen  und  ewigen  Heils  geworden. 

54.  Eben  deshalb  ist  er  nun  Erlöser.  Immanuel  ist  aber 
übersetzt:  =  Gott  mit  euch<-  (!),  oder  als  ein  verheißungsvoller 
Spruch  des  Propheten  ähnlich  dem  (wie  er  anderswo  sagt)  °. 
>Mit  uns  ist  Gott".  Dem  entspricht  auch  die  Erklärung  und 
die  Offenbarung  des  Verheißenen.  Denn  :  Siehe,  sagt  er,  die 
Jungfrau    wird   schwanger   werden    und    einen  Sohn    gebären  , 


1)  Jes.  7,  14—16. 

2)  Die  Stelle  ist  sehr  schwer  verständlich ,  und  der  genaue  Sinn 
unsicher.  Nach  unserer  Meinung  gibt  nur  die  oben  gegebene  Über- 
setzung eiuen  annehmbaren  Sinn. 

3)  Im  Text  steht:   »in  armenischer  Sprache». 

4)  Im  Original  hat  es  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  gelautet 
»Messia- Jesuse,  in  der  Übersetzung  demnach  »Christus  der  Erlöser«. 

5)  Jes.  61,  1.  —  6)  Jes.  8,  10. 


Kap.  53—56.  31 

und  dieser,  obwohl  Gott,  wird  mit  uns  sein.  Und  er  wundert 
sich  zugleich  über  die  Dinge,  indem  er  das  Zukünftige  verkün-  246r- 
digt,  daß  Gott  mit  uns  sein  soll.  Auch  über  seine  Geburt  sagt 
derselbe  Prophet  an  einer  anderen  Stelle:  »Ehe  sie  kreißte,  hat 
sie  geboren ;  ehe  noch  eine  Wehe  sie  ankam,  ist  sie  eines  Knäb- 
leins  genesene1,  wodurch  er  seine  unverhoffte  und  undenkbare 
Geburt  von  der  Jungfrau  verkündigte.  Wiederum  sagt  derselbe 
Prophet:  »Ein  Kind  ist  uns  geboren,  ein  Jüngling  ist  uns  ge- 
geben;  und   er  wurde   benannt:  Wunderrat,   mächtiger  Gott«2. 

55.  Und  er  nennt  ihn  Wunderrat  —  zunächst  des  Vaters, 
womit  angedeutet  wird,  daß  der  Vater  mit  ihm  zusammen  alles 
wirkt,  wie  es  in  dem  ersten  Buche  Moses,  dessen  Überschrift 
»Genesis-  lautet,  heißt:  »Und  Gott  sprach:  laßt  uns  Menschen 
machen  nach  unserem  Bilde  und  uns  ähnliche3.  So  sieht  man 
daraus,  daß  der  Vater  zum  Sohne  spricht,  daß  dieser  der  Wunder- 
rat des  Vaters  ist.  Doch  er  ist  zugleich  auch  unser  Berater, 
indem  er  uns  Rat  schafft  und  Weisung  gibt,  d.  h.  nicht  nötigend 
als  Gott,  obgleich  er  mächtiger  Gott  ist,  sondern  er  gibt  uns 
Weisungen,  die  Unwissenheit  wegzuschaffen  und  Erkenntnis 
zu  erwerben  und  von  der  Verirrung  sich  zu  entfernen,  zur 
Wahrheit  zu  kommen  und  die  Verweslichkeit  wegzuwerfen, 
Unverweslichkeit  aber  anzunehmen. 

56.  Und  wiederum  sagt  Jesaia:  »Und  sie  werden  wünschen,  246*- 
daß  sie  mit  Feuer  verbrannt  wären;  denn  ein  Kind  ist  uns  ge- 
boren  und   ein  Sohn   ist   uns   gegeben,   die   Herrschaft   kommt 

auf  seine  Schulter,  und  er  wird  genannt:  Ausrichter  des  großen 
Ratschlusses.  Denn  ich  werde  Frieden  über  die  Fürsten  bringen, 
wiederum  Frieden  und  Gesundheit  für  ihn  (?).  Groß  ist  seine 
Herrschaft,  und  seinem  Frieden  ist  keine  Grenze  auf  dem  Throne 

Davids  und  auf  seinem  Königreiche   es   aufzurichten 4 

und  festzuhalten  durch  gerechtes  Gericht  von  nun  an  auf  ewig«  5. 
So  wird  durch  diese  (Worte)  der  Sohn  Gottes  zugleich  als  Ge- 
borener, wie  auch  als  ewiger  König  erwiesen.    (Die  Worte)  aber: 


1)  Jes.  66,  7.  —  2)  Jes.  9,  5.  —  3)  Gen.  1,  26. 

4)  Es  folgen  die  Worte  »i/^f««^/.^  L  [,  /,,.,»  //&&/_«  =  etwa  »be- 
endigen und  sieh  auf  die  Seite  stellen«,  was  freilieh  unverständlich  ist. 
Es  ist  hier  zu  beachten,  dali  die  ganze  Stelle,  nach  den  LXX,  in  einigeu 
Punkten  abweichend,  übersetzt,  überhaupt  schwer  verständlich  ist. 

5)  Vgl.  Jes.  9,  5.  6. 


32  Apostolische  Verkündigung. 

;  Sie  werden  wünschen,  daß  sie  mit  Feuer  verbrannt  wären«, 
betreffen  diejenigen,  die  an  ihn  nicht  glauben,  und  die  an  ihn 
taten,  was  sie  getan  haben ;  (in  diesem  Sinne)  wird  gesagt,  daß 
sie  beim  Gericht  sagen  werden:  wieviel  besser  wäre  es,  daß 
wir  mit  Feuer  verbrannt  wären,  bevor  der  Sohn  Gottes  geboren 
wurde,  statt  daß  wir  an  ihn,  als  er  geboren  war,  nicht  glaubten  <. 
Denn  für  die  vor  der  Erscheinung  Christi  Gestorbenen  gibt  es 
die  Hoffnung,  daß  sie  beim  Gericht  des  Auferstandenen  das  Heil 
erlangen  werden,  für  diejenigen  nämlich,  die  Gott  fürchteten 
und  in  Gerechtigkeit   gestorben   sind   und   den  Geist  Gottes   in 

247*-  sich  getragen  haben,  wie  die  Patriarchen  und  die  Propheten  und 
die  Frommen.  Für  diejenigen  aber,  welche  nach  der  Erschei- 
nung Christi  an  ihn  nicht  glaubten,  wird  die  Bestrafung  beim 
Gericht  unerläßlich  sein.  Das  (Wort)  aber:  »Die  Herrschaft 
kommt  auf  seine  Schulter  ,  bedeutet  allegorisch  genommen,  das 
Kreuz,  an  dem  sein  Rücken  festgenagelt  war.  Denn  dasselbe 
Kreuz,  welches  für  ihn  eine  Schmach  war  und  ist,  sowie  seinet- 
wegen für  uns,  bedeutet  seine  Herrschaft,  d.  i.  ein  Zeichen  seines 
Reiches.  Und  er  wird  Ausrichter  des  großen  Ratschlusses  ge- 
nannt, d.  i.  des  Vaters,  den  er  uns  offenbart  hat. 

57.  Und  daß  er  geboren  werden  sollte,  und  wie  der  Sohn 
Gottes  geboren  werden  sollte,  und  daß  er  als  Christus  erwiesen 
werde,  das  ist  klar  von  dem  obengesagten,  wie  es  durch  die  Propheten 
vorher  verkündigt  war.  Dann  aber  ist  auch  vorher  verkündigt 
worden,  in  welchem  Lande  und  unter  welchen  Menschen  er  ge- 
boren werden  sollte.  Unter  anderem  sagt  Moses  in  der  >;  Genesis« 
also:  »Nicht  wird  ein  Fürst  von  Juda  fehlen,  noch  ein  Führer 
von  seinen  Lenden,  bis  der,  welchem  es  bestimmt  ist,  kommen 
wird,  und  er  wird  die  Hoffnung  der  Heiden  sein:  indem  er  in 
Wein  seinen  Rock  wäscht  und  im  Traubenblut  sein  Gewand  x. 
Juda  aber  ist  der  Patriarch  der  Juden,  des  Jakob  Sohn,  von 
dem  sie  auch  den  Namen  empfingen.  Und  es  fehlte  bei  ihnen 
weder   ein    Fürst   noch  ein   Führer   bis   zum   Kommen  Christi. 

247v.  Seit  seinem  Kommen  aber  sind  die  Kräfte  seines  Schützenbogens 
erlahmt2,  und  das  Land  der  Juden  wurde  den  Römern  Untertan 


1)  Gen.  49,  10—11.  —  2)  Diese  schwerverständliche  Stelle  über- 
setzten wir  so,  in  der  Meinung,  daJ3  dem  Verfasser  Gen.  49,  8  ff. ,  23 ff. 
vorgeschwebt  haben. 


Kap.  56—59.  33 

gemacht,  so  daß  sie  nicht  mehr  ihren  eigenen  Fürsten  oder  König 
hatten.  Denn  der,  welchem  im  Himmel  das  Reich  bereitsteht, 
war  herangekommen,  der  auch  in  Wein  seinen  Rock  gewaschen 
hat  und  in  Traubenblut  sein  Gewand.  Sein  Rock  aber,  wie 
auch  sein  Gewand  sind  diejenigen,  welche  an  ihn  glauben,  die 
er  auch  gereinigt  hat,  indem  er  uns  durch  sein  Blut  erlöste. 
Sein  Blut  aber  ist  Traubenblut  genannt.  Denn  wie  das  Trauben- 
blut nicht  irgend  ein  Mensch  macht,  sondern  Gott  schafft  und 
die  es  Trinkenden  erfreut,  also  auch  hat  seine  Fleischwerdung 
und  sein  Blut  nicht  ein  Mensch,  sondern  Gott  bewirkt.  Der 
Herr  selbst  hat  das  Zeichen  der  Jungfrau,  d.  h.  den  Immanuel, 
der  von  der  Jungfrau  (geboren  werden  sollte),  gegeben,  welcher 
auch  die  ihn  Trinkenden  erfreut ,  d.  h.  diejenigen ,  die  seinen 
Geist  als  ewige  Freude  empfangen.  Deshalb  ist  er  auch  die 
Hoffnung  der  Heiden,  d.  h.  derjenigen,  die  auf  ihn  hoffen ;  denn 
wir  hoffen,  daß  er  das  Reich  wieder  aufrichten  wird. 

58.  Und  wiederum  sagt  Moses:  Es  wird  ein  Stern  aus 
Jakob  aufgellen  und  ein  Führer  aus  Israel  sich  erheben^1:  wo- 
mit er  deutlicherweise  kundgibt,  daß  seine  ( )konomie  inbetreff  24Sr- 
der  Fleischwerdung  unter  den  Juden  stattfinden  sollte.  Und 
aus  dem  Geschlecht  Jakobs  und  Judas  war  dieser,  der  vom 
Himmel  herabgestiegen,  geboren  wurde  und  solche  Ökonomie 
auf  sich  genommen  hat.  Denn  der  Stern  erscheint  am  Himmel, 
Führer  aber  ist  gleich  König,  denn  er  ist  der  König  aller  Er- 
retteten. Als  er  aber  geboren  wurde ,  erschien  der  Stern  den 
Magiern,  die  im  Osten  wohnen,  wodurch  sie  erfahren  haben, 
daß  Christus  geboren  ward  — ,  und  sie  sind  nach  Judäa  ge- 
kommen, geführt  von  dem  Stern,  bis  der  Stern  nach  Betlehem, 

wo  Christus  geboren  wurde,  in  das  Haus  hineinschien,  in 
welchem  das  Kind  eingewickelt  dalag,  über  seinem  Haupt  stand 
und  den  Magiern  den  Sohn  Gottes,  den  Christus,  zeigte-. 

59.  Dazu  sagt  doch  noch  Jesaia  selbst  also:  ?Und  aus  dem 
Stumpfe  Isais  wird  ein  Reis  ausschlagen  und  aus  seiner  Wurzel 
eine  Blume  hervorbrechen,  und  der  Geist  Gottes  wird  sich  auf 
ihn  niederlassen,  der  Geist  der  Weisheit  und  des  Verstandes, 
der  Geist  des  Rates  und  der  Kraft,  der  Geist  der  Erkenntnis 
und   der   Frömmigkeit.     Der   Geist   der   Gottesfurcht   wird   ihn 

1)  Num.  24,  17.  —  2)  S.  Matth.  2,  1—9. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.     31,  1  3 


34  Apostolische  Verkündigung. 

erfüllen.  Er  wird  nicht  nach  Meinungen  richten  und  nicht 
nach  Worten  zurechtweisen,  sondern  er  wird  dem  Geringen  Recht 
schaffen  und  sich  der  Elenden  der  Erde  erbarmen.  Und  er 
wird  die  Erde  mit  dem  Wort  seines  Mundes  schlagen  und  mit 
248 v-  der  Rache  seiner  Lippen  den  Gottlosen  töten.  Und  Gerechtig- 
keit wird  der  Gurt  seiner  Hüften  und  die  Wahrheit  der  Gurt 
seiner  Lenden  sein.  Und  der  Wolf  wird  mit  dem  Lamme  (Gras) 
fressen ,  und  der  Parder  neben  dem  Böcklein ,  und  Rind  und 
Löwe  werden  zusammen  weiden.  Und  ein  kleiner  Knabe  wird 
seine  Hand  in  die  Höhle  der  Otter  und  in  das  Nest  der  Ottern- 
brut hineinlegen,  und  sie  werden  ihm  keinen  Schaden  zufügen. 
Und  an  jenem  Tage  wird  der  Wurzelsproß  Isais  und  der  auf- 
steht die  Heiden  zu  beherrschen  —  auf  ihn  werden  die  Heiden 
hoffen.  Und  sein  Aufstehen  wird  herrlich  sein«1.  Mit  diesen 
(Worten)  bezeichnet  er  ihn  als  von  derjenigen  geboren,  die  von 
David  und  Abraham  abstammt.  Denn  Isai  war  ein  Nachkomme 
Abrahams  und  der  Vater  Davids;  dessen  Nachkomme  aber,  die 
Christi  Mutter  wurde,  die  Jungfrau,  ist  das  (obengenannte)  Reis 
(Stab).  Deshalb  hat  auch  Moses  durch  den  Stab  die  Wunder- 
zeichen dem  Pharao  gezeigt.  Auch  sonst  bei  Menschen  ist  der 
Stab  ein  Zeichen  der  Herrschaft.  Und  eine  Blume  nennt  er 
seinen  Leib,  denn  er  ist  vom  Geist  gesprossen,  wie  wir  vorher 
gesagt  haben. 

60.  Durch  die  Worte  aber:  :  Er  wird  nicht  nach  Meinungen 
richten  und  nicht  nach  Worten  zurechtweisen,  sondern  er  wird 
dem  Geringen  Recht  schaffen  und  sich  der  Elenden  der  Erde 
erbarmen; ,  erweist  er  mehr  seine  Göttlichkeit.  Denn  das  Richten 
249r-  ohne  Ansehen  der  Person,  ohne  daß  dem  Vornehmen  Ehre 
erwiesen,  vielmehr  auch  dem  Geringen  das  Gebührende  und  das 
Gleiche  entgegengebracht  werde  —  ist  der  obersten  Gerechtigkeit 
Gottes  gemäss.  Denn  Gott  hat  von  niemandem  (Einfluß)  er- 
litten, noch  hat  er  (falsches)  Mitleid,  und  er  erbarmt  sich  allein 
des  Gerechten.  Die  Gnade  aber  ist  ganz  besonders  Gott  eigen, 
dem,  der  durch  die  Gnade  erretten  kann  und  der  die  Erde  durch 
das  Wort  schlägt  und  den  Gottlosen  durch  das  Wort  allein  tötet: 
das  gehört  alles  Gott,  der  durch  das  Wort  alles  wirkt.  Die 
Worte    aber:   »Und  Gerechtigkeit  wird    der  Gurt  seiner  Hüften 

1)  Jes.  11,  1—10. 


Kap.  59—62.  35 

und  die  Wahrheit  der  Gurt  seiner  Lenden  sein  .  zeigen  einer- 
seits die  Form  seiner  menschlichen  Gestalt  und  andererseits  seine 
eigentliche  strenge  Gerechtigkeit. 

61.  Was  die  Einigkeit,  die  Eintracht  und  den  Frieden 
unter  verschiedenartigen  und  ihrer  Natur  nach  entgegengesetzten 
und  feindlichen  Tieren  betrifft,  so  sagen  darüber  die  Altesten, 
daß  es  auch  wirklich  so  beim  Wiederkommen  Christi  sein 
wird,  wenn  er  über  Alle  herrschen  wrird.  Denn  somit  deutet 
er  in  symbolischer  Weise  das  in  Frieden  und  Eintracht  Zu- 
sammenkommen gleichgesinnter  Menschen  von  verschiedener 
unähnlicher  Abstammung,  durch  den  Namen  Christi.  In  dieser 
Vereinigung  sind  die  Gerechten  mit  den  Rindern  und  den 
Lämmern  und  den  Böcklein  und  den  Kindern  verglichen,  indem 
ihnen  diejenigen  keinen  Schaden  zufügen,  welche  sich  früher 
wie  wilde  Tiere  benahmen  durch  ihre  Erpressungen,  sowohl  249» 
die  Männer,  als  auch  die  Weiber,  so  daß  manche  von  ihnen  den 
Wölfen  und  Löwen  ähnlich  wurden,  da  sie  die  Schwachen  be- 
raubten und  mit  ihresgleichen  Krieg  führten,  die  Weiber  aber 
(wurden  ähnlich)  den  Pardern  und  den  Ottern,  welche  durch 
tödliche  Gifte  oder   durch   ihre  Begierden  (?)  sogar  ihre  Lieben 

zu  töten  imstande  waren.  (Alle  solche  nun)  in  meinem  (d.  h. 
Christi)  Namen  zusammenkommend,  werden  rechte  Sitten  vor 
der  Gnade  Gottes  bekommen,  indem  sie  ihre  wilde  und  unzahme 
Natur  ändern.  Was  auch  jetzt  geschehen  ist;  denn  diejenigen, 
welche  früher  Bösewichter  waren,  so  daß  sie  kein  frevelhaftes 
Werk  unterlassen  konnten,  Avurden,  nachdem  sie  Christus  kennen 
gelernt  und  an  ihn  geglaubt  haben,  völlig  gläubig  und  änderten 
sich,  so  daß  sie  von  der  strengsten  Gerechtigkeit  nicht  ließen. 
Soviel  Veränderung  wirkt  der  Glaube  an  Christus  ,  den  Sohn 
Gottes,  in  den  an  ihn  Glaubenden.  Und  wenn  er  sagt:  Er 
steht  auf  die  Heiden  zu  beherrschen;,  so  heißt  das,  daß  er 
sterben  und  auferstehen  sollte,  um,  als  Gottessohn,  als  König 
bekannt  und  geglaubt  zu  werden.  Deshalb  sagt  er  auch:  L^nd 
sein  Auferstehen  wird  herrlich  sein<:;  herrlich  deswegen,  weil 
er  wie  Gott  verherrlicht  wurde,  als  er  auferstand. 

62.  Darum   sagt   wiederum    der  Prophet:     An  jenem  Tage  -'"'" 
werde    ich    die    zerfallene    Hütte    Davids    wieder    aufrichten   l. 

1)  Am.  9,  11. 


36  Apostolische  Verkündigung. 

Hiermit  bezeichnet  er  deutlicherweise,  wie  wir  vorher1  angedeutet 
haben,  den  von  David  geborenen  Leib  Christi,  der  nach  dem 
Tode  von  den  Toten  auferstanden  ist.  Denn  Hütte  wird  der 
Leib  genannt.  Denn  sowohl  die  Abstammung  Christi  nach 
dem  Leibe  von  David  —  von  dem  (dieselbe  Schrift)  sagt,  daß 
er  Gottessohn  sein  sollte  —  als  auch  daß  er  sterben  und  auf- 
erstehen werde,  und  daß  er  nach  dem  Aussehen  Mensch,  nach 
der  Kraft  aber  Gott  sei  und  so  als  Richter  der  ganzen  Welt 
auftreten  werde,  und  daß  er  allein  die  Gerechtigkeit  tut  und 
Erlöser  ist  —  dies  alles  hat  durch  diese  Worte  die  Schrift 
verkündigt. 

63.  Und  wiederum  zeigt  der  Prophet  Micha  auf  den  Ort, 
wo  Christus  geboren  werden  sollte,  d.  h.  Betlehem  Judäas,  indem 
er  also  spricht:  Und  du  Betlehem  Judäas,  bist  nicht  gering 
unter  den  Führern  Judas ;  denn  aus  dir  soll  ein  Führer  hervor- 
gehen, der  mein  Volk  Israel  weiden  wird2.  Betlehem  ist  aber 
ein  Distrikt  Davids;  so  daß  er  nicht  nur  wegen  der  Jungfrau, 
die  ihn  geboren  hat,  ein  Nachkomme  Davids  ist,  sondern  auch 
deswegen,  daß  er  in  Betlehem,  im  Distrikte  Davids,  geboren  wurde. 

64.  Und  wiederum  darüber,  daß  Christus  von  seinen  Nach- 
kommen geboren  werden  sollte,  sagt  David  folgendermassen : 
:Um  meines  Knechtes  willen  weise  deinen  Gesalbten  nicht  ab. 

250*-  Der  Herr  hat  David  einen  wahrhaftigen  Eid  geschworen ,  von 
dem  er  nicht  abgehen  wird;  einen,  der  deinem  Leib  entsprossen, 
will  ich  auf  deinen  Thron  setzen.  Wenn  deine  Söhne  meinen 
Bund  beobachten  und  meine  Zeugnisse,  die  ich  mit  ihnen  ge- 
schlossen habe,  so  soll  auch  ihr  Sohn  für  immer  (auf  deinem 
Throne  sitzen)  3.  Aber  keiner  von  den  Söhnen  Davids  hat  für 
immer  geherrscht,  auch  ihr  Königtum  währte  nicht  ewiglich, 
denn  es  ist  aufgehoben :  sondern  nur  der  König,  der  von  David 
geboren,  d.  h.  Christus  (herrscht  für  immer).  Alle  diese  Zeugnisse 
betreffen  seinen  Nachkommen  dem  Leibe  nach  und  bezeichnen 
auch  in  deutlicher  Rede  sein  Geschlecht,  und  den  Ort,  wo  er 
geboren  werden  sollte,  so  daß  man  den  Sohn  Gottes  nicht  unter 
den  Heiden,  oder  sonst  wo  geboren  zu  suchen  brauchte,  sondern 
in  Betlehem  Judäas  vom  Geschlechte  Abrahams  und  Davids. 

65.  Auch   auf  seinen    Eintritt   in    Jerusalem,   welches   die 


1)  S.  c  38.  —  2)  Mich.  5,  1.  —  3)  Ps.  132,  10—12. 


Kap.  62—67.  37 

Hauptstadt  Judäas  war,  wo  auch  sein  Königssitz  und  der  Tempel 
Gottes  sich  befand,  hinweisend,  spricht  der  Prophet  Jesaia: 
»Rufet  der  Tochter  Zion  zu,  siehe,  der  König  zieht  zu  dir  ein : 
demütig  und  reitet  auf  einem  Esel,  auf  einem  Füllen,  dem  Jungen 
einer  Eselin.1.  Denn  auf  einem  Eselsfüllen  reitend  kam  er  in 
Jerusalem  an.  indem  die  Menge  ihre  Kleider  auf  (das  Füllen) 
legte2  und  ihn  darauf  setzte.  Mit  Tochter  Zions  aber  ist  Jeru- 
salem gemeint. 

66.  Daß  nun  der  Sohn  Gottes  geboren  werden  sollte,  und 
in  welcher  Weise  und  wo  es  für  ihn  bestimmt  war  geboren  zu 
werden,  und  daß  Christus  einziger  ewiger  König  ist,  das  haben  251r- 
so  die  Propheten  verkündigt.  Ebenso  auch  haben  sie  vorher- 
gesagt, wie  er,  von  Menschen  abstammend,  diejenigen  heilen 
sollte,  die  er  geheilt  hat  und  die  Toten  auferwecken,  die  er  auf- 
erweckt hat,  und  wie  er  gehaßt  und  verschmäht  werden  und 
leiden  und  getötet  und  gekreuzigt  werden  sollte,  wie  er  (tat- 
sächlich) gehaßt,  verschmäht  und  getötet  wurde. 

67.  Jetzt  wollen  wir  über  seine  Heilungen  reden.  Da 
sagt  Jesaia  also:  Unsere  Schwachheiten  hat  er  getragen  und 
unsere  Krankheiten  hat  er  auf  sich  geladen  :;,  d.  h.  er  wird  sie 
tragen  und  auf  sich  laden.  Denn  es  sind  Stellen,  wo  der  Geist 
Gottes  durch  die  Propheten  das  zu  Geschehende  als  schon  ge- 
worden erzählt;  denn  was  bei  Gott  geprüft  und  vorgenommen 
ist,  um  sicherlich  zu  geschehen,  das  wird  als  schon  geschehen 
angesehen.  Und  indem  der  Geist  jene  Zeit,  in  welcher  die 
Prophetie  in  Erfüllung  gehen  wird,  (im  voraus)  schaut  und 
sieht,  macht  er  (dementsprechend)  seine  Aussagen.  Und  zur 
Bezeichnung  der  Art  der  Heilung  spricht  er  folgendes:  >An 
jenem  Tage  werden  die  Tauben  geschriebene  Worte  vernehmen 
und  die  Augen  der  Blinden  im  Dunkel  und  in  der  Finsternis 
sehen  4 ;  und  wiederum  sagt  derselbe :  Werdet  stark,  ihr  lassen 
Hände  und  ihr  wankenden  und  strauchelnden  Kniee:  tröstet  euch, 
die  ihr  bestürzten  und  kleinmütigen  Sinnes  seid ;  werdet  stark, 
habt  keine  Furcht;  da  unser  Gott,  er  wird  durch  das  Gericht 
vergelten ;  er  wird  selbst  kommen  und  uns  retten.  Dann  werden 
sich  die  Augen  der  Blinden  auftun  und  die  Ohren  der  Tauben  25 lv- 


1)  Sach.  9.  9;  vgl.  Jes.  62,  11.  —  2)  S.  Matth.  21,  7.  S  cum  parall. 

3)  Jes.  53,  4.-4    Jes.  29,  18. 


38  Apostolische  Verkündigung. 

hören;  dann  "wird  der  Lahme  springen  wie  ein  Hirsch,  und  die 
Zunge  der  Stotternden  wird  frei  *  Und  über  die  Toten,  daß 
sie  auferstehen  werden,  sagt  er  also:  Die  Toten  werden  auf- 
erstehen, und  die  in  den  Gräbern  sind,  werden  auferstehen  -; 
indem  er  das  verwirklicht,  soll  er  als  Sohn  Gottes  geglaubt 
werden. 

68.  Daß  er  aber  verschmäht  und  gepeinigt  und  zuletzt 
auch  getötet  werden  sollte,  darüber  spricht  Jesaia  also:  ^Für- 
wahr, mein  Sohn  wird  anerkannt  und  erhöht  und  hoch  erhaben 
sein.  Gleichwie  viele  sich  über  dich  wundern  werden  —  so  un- 
scheinbar wird  dein  Angesicht  unter  den  Menschen  sein  — ,  so 
werden  viele  Völker  staunen  und  die  Könige  ihren  Mund  zu- 
sammenpressen: denn  diejenigen,  denen  nicht  erzählt  worden 
ist  über  ihn,  werden  schauen,  und  die  nicht  gehört  haben, 
werden  wahrnehmen.  Herr,  wer  hat  dem,  was  uns  verkündigt 
ward,  geglaubt,  und  der  Arm  des  Herrn  —  wem  ward  er  offen- 
bar ?:;  wie  ein  Wurzelschoß  in  dürrem  Land;  er  hatte  nicht 
Gestalt  noch  Herrlichkeit,  und  wir  sahen  ihn,  und  er  hatte  kein 
Aussehen  und  keine  Schönheit.  Vielmehr  war  sein  Aussehen 
verachtet,  geringer  als  anderer  Menschen.  Ein  Mann  in  Schlägen 
und  vertraut  die  Leiden  zu  ertragen,  denn  abgewendet  ist  sein 
Gesicht;  er  ist  verachtet  und  nicht  angesehen.  Dieser  trägt 
unsere  Sünden  und  unseretwegen  erleidet  er  Schmerzen;  wir 
aber  dachten,  daß  er  in  Schmerzen,  in  Schlägen  und  in  Leiden 
sei,  während  er  doch  um  unserer  Missetaten  willen  verwundet 
252*-  und  um  unserer  Verschuldungen  willen  gepeinigt  wurde.  Die 
Zucht  unseres  Friedens  auf  ihm,  durch  seine  Striemen  ward  uns 
Heilung  4.  Durch  diese  Worte  ist  also  verkündigt,  daß  er  ge- 
litten hat,  wie  auch  David  sagt:  .Und  ich  habe  gelitten  5. 
David  aber  hat  nie  gelitten,  sondern  Christus,  als  der  Befehl 
zur  Kreuzigung  gegeben  wurde.  Und  wiederum  durch  Jesaia 
spricht  sein  Wort:  Meinen  Rücken  bot  ich  den  Schlägen  und 
meine  Wangen  für  Backenstreiche  und  wendete  nicht  mein 
Antlitz  vor  Beschimpfungen  und  Speichel  6.  Und  der  Prophet 
Jeremia  spricht  dasselbe  in  folgenden  Worten :      Er  biete  dem, 


1)  Jes.  35,  3—6.  —  2    Jes.  26,  19. 

3  Die    folgenden    unübersetzbaren    Worte    lauten    im   Armenischen 
genau  nach  der  LXX:  äviy/yti/.afitv  wg  Trcctdiov  iviirxiov  c.vtov. 

4  Jes.  52,  13—53,  5.  —  5    Ps.  38,  18    ?  .  —  6    Jes.  50,  6. 


Kap.  67—70.  39 

der   ihn    schlägt,    die  Wange,    werde   mit   Schmach    gesättigt   l. 
Dies  alles  hat  Christus  erlitten. 

69.  Was  nun  bei  Jesaia  folgt,  ist:  Durch  seine  Striemen 
ward  uns  Heilung;  wir  gingen  alle  in  der  Irre,  wie  Schafe, 
jeder  irrte  sich  auf  seinem  Wege,  der  Herr  aber  ließ  ihn  treffen 
unsere  Schuld  -.  Nun  ist  es  offenbar,  daß  dieses  an  ihm  gemäß 
dem  Willen   des  Vaters   unserer  Erlösung  wegen  geschehen  ist. 

o  o  o 

Dann  sagt  er  aber  auch  über  sein  Leiden :  ■■  Er  tut  seinen  Mund 
nicht  auf,  wie  ein  Schaf  wurde  er  zum  Schlachten  geführt,  wie 
ein  Lamm  verstummt  vor  dem  Scherer  3.  Siehe,  so  verkündigt 
er  sein  freiwilliges  Kommen  zum  Tod.  Das  Wort  des  Propheten 
aber:  Bei  seiner  Demut  ist  sein  Gericht  hinweggenommen  4. 
weist  auf  seine  demütige  Erscheinung  hin.  Seiner  Unschein- 
barkeit gemäß  geschah  das  Wegtragen  des  Gerichts.  Das  Weg-  252*- 
tragen  des  Gerichts  aber  gereicht  manchen  zur  Erlösung  und 
anderen  zur  tödtlichen  Pein.  Denn  es  wird  den  einen  zu-  und 
den  anderen  weggetragen.  Also  auch  das  Gericht;  diejenigen, 
denen  es  zugetragen  ist,  haben  es  nun  zu  ihrer  tödtlichen  Pein ; 
diejenigen  aber,  denen  es  weggetragen  ist,  sind  nun  dadurch 
erlöst  worden.  So  haben  diejenigen  das  Gericht  auf  sich  ge- 
laden, welche  ihn  gekreuzigt  haben;  und  indem  sie  das  an  ihm 
taten,  glaubten  sie  nicht  an  ihn,  damit  sie  durch  das  Gericht, 
welches  sie  auf  sich  geladen  haben,  in  Plagen  umkommen. 
Den  an  ihn  Glaubenden  aber  wurde  das  Gericht  weggetragen, 
und  sie  sind  nicht  mehr  unter  ihm.  Und  das  Gericht,  welches 
durch  das  Feuer  die  Kleingläubigen  umbringen  soll,  wird  am 
Ende  dieser  Welt  stattfinden. 

70.  Dann  sagt  er :  Wer  wird  seinen  Stamm  erzählen  ? 
Damit  wir  also  nicht  seiner  Feinde  wegen  und  der  von  ihm 
ertragenen  Leiden  wegen  ihn  verschmähen,  wie  einen  unschein- 
baren und  geringen  Menschen,  ist  das  zu  unserer  Zurecht- 
weisung gesagt  worden.  Denn  derjenige,  der  dies  alles  erlitten 
hat,  hat  einen  unerzählbaren  Stamm,  da  er  doch  mit  Stamm 
seine  Abstammung  meint,  d.  h.  seinen  Vater,  der  unerzählbar 
und  unsagbar  ist.  Erkenne  nun,  daß  eine  solche  Abstammung 
solche  Leiden  ertragen  hat  und  verschmähe  ihn  nicht  der  Leiden 


1)  Thren.  3,  :i0.  —  2)  Jes.  53,  5.6.  —  3    Jea.  53,  7.         t    Jea 
5    Jes.  53,  8. 


40  Apostolische  Verkündigung. 

wegen,  die  er  absichtlich  um  deinetwillen  ertragen  hat,  sondern 
fürchte  dich  vor  ihm  seiner  Abstammung  wegen. 

253»-  71.    Und    an    einer    anderen    Stelle    sagt    Jeremia:      Geist 

unseres  Angesichts  der  Herr  Christus,  und  wie  wurde  er  in 
ihren  Fallstricken  gefangen,  von  dem  wir  dachten,  in  seinem 
Schatten  wollen  wir  leben  unter  den  Heiden1.  Und  daß 
Christus,  Geist  Gottes  seiend,  leidensfähiger  Mensch  werden  sollte, 
das  deutet  die  Schrift  an;  und  sie  staunt  und  wundert  sich 
gleichsam  über  seine  Leiden,  denn  so  sollte  derjenige  Leiden  er- 
tragen, unter  dessen  Schatten  wir  zu  leben  dachten;  unter 
Schatten  aber  meint  er  seinen  Körper.  Denn  wie  der  Schatten 
vom  Körper  entstammt,  so  ist  auch  der  Körper  Christi  von  seinem 
Geiste  entstammt.  Durch  das  Wort  Schatten  aber  bezeichnet 
er  zugleich  die  LTnscheinbarkeit  und  Leichtverschmähbarkeit 
seines  Körpers.  Denn  wie  der  Schatten  sogar  der  gradestehen- 
den Körper  auf  dem  Boden  liegt  und  getreten  wird,  also  auch 
der  Körper  Christi,  zu  Boden  gefallen  durch  die  Leiden,  ist 
gleichsam  getreten  worden.  Und  er  hat  den  Körper  Christi 
Schatten  genannt  in  dem  Sinne,  daß  der  Geist  ihn  mit  Herr- 
lichkeit beschattet  und  verhüllt  hat.  So  hat  man  auch  öfters 
beim  Vorübergehen  des  Herrn  die  in  verschiedenartige  Krank- 
heiten Gefallenen  an  den  Weg  gelegt  und  diejenigen,  welche 
sein  Schatten  erreichte,  wurden  errettet-. 

72.  Und  wiederum  (sagt)  derselbe  Prophet  über  die  Leiden 
Christi  also:  »Wie  ist  doch  der  Gerechte  umgekommen,  ohne 
daß    es  jemand   zu  Herzen    nimmt;  und   die  Frommen   werden 

253v-  dahingerafft ,  ohne  daß  jemand  darauf  achtet,  daß  infolge  der 
Schlechtigkeit  die  Gerechten  dahingerafft  werden.  In  Frieden 
geht  er  in  sein  Grab:  er  ist  hin  weggerafft  <:;.  Und  wer  anders 
ist  vollkommen  gerecht,  außer  dem  Sohne  Gottes,  der  die  an 
ihn  Glaubenden  zur  vollkommenen  Gerechtigkeit  führt,  welche 
gleich  ihm  verfolgt  und  getötet  werden.  Das  Wort  aber:  In 
Frieden  geht  er  in  sein  Grab  :,  verkündigt,  wie  er  für  unsere 
Erlösung  starb ;  denn  in  Frieden  bedeutet  die  Erlösung.  Denn 
diejenigen,  die  Feinde  und  Gegner  waren,  halten,  durch  seinen 
Tod  an  ihn  glaubend,  Frieden  miteinander,  da  sie  durch  den 
allgemeinen  Glauben   an   ihn  Freunde   und  Geliebte  in  Wahr- 


1)  Thren.  4,  20;  vgl.  LXX.  —  2)  S.  Act.  5,  15.  —  3)  Jes.  57,  1—2. 


Kap.  71—75.  41 

heit  geworden  sind.  Wenn  er  aber  sagt:  Er  ist  hin  weggeraffte 
so  meint  er  damit  seine  Auferstehung  von  den  Toten.  Denn  nach 
seinem  Begräbnis  erschien  er  nicht  mehr  als  Toter,  da  er  sterbend 
und  auferstehend  unsterblich  bleiben  sollte,  (worüber)  der  Prophet 
also  spricht:  -Leben  erbat  er  von  dir,  und  du  gabst  es  ihm, 
und  langes  Leben  für  immer  und  ewig1.  Nun,  warum  sagt  er 
;  Leben  erbat  er  —  während  er  doch  sterben  sollte  ?  Damit 
verkündigt  er  eben  seine  Auferstehung  von  den  Toten,  und 
daß  er  von  den  Toten  auferweckt  unsterblich  ist.  Denn  er  hat 
eben  das  Leben  empfangen,  um  aufzuerstehen,  und  langes  Leben  254r- 
für  immer  und  ewig,  um  unverweslich  zu  sein. 

73.  Und  wiederum  sagt  David  über  den  Tod  und  die  Aufer- 
stehung Christi  also:  Ich  legte  mich  nieder  und  entschlief ;  ich 
bin  erwacht,  denn  der  Herr  hat  sich  meiner  angenommen«2. 
Das  hat  David  nicht  über  sich  gesagt,  denn  er  ist  nicht  auf- 
erstanden, nachdem  er  gestorben  ist,  sondern  der  Geist  Christi 
ist  es,  der  auch  durch  andere  Propheten,  jetzt  aber  durch  David 
über  ihn  sagt:  Ich  legte  mich  nieder  und  entschlief:  ich  bin 
erwacht,  denn  der  Herr  hat  sich  meiner  angenommene  Mit 
dem  Schlaf  meint  er  den  Tod,  denn  er  ist  auferstanden. 

74.  Und  wiederum  sagt  David  über  die  Leiden  Christi  also: 
>  Warum  toben  die  Heiden  und  sinnen  die  Völker  Verderbliches  ? 
Die  Könige  der  Erde  treten  auf  und  die  Fürsten  ratschlagen 
miteinander  wider  den  Herrn  und  seinen  Gesalbten  :.  Denn 
Herodes,  der  König  der  Juden,  und  Pontius  Pilatus,  der  Pro- 
kurator des  Kaisers  Claudius,  zusammengekommen,  verurteilten 
ihn  zur  Kreuzigung4.  Denn  Herodes  hatte  Angst  davor,  daß 
er  ein  irdischer  König  sein  sollte,  durch  welchen  er  von  seinem 
Königtum  abgesetzt  werden  könnte.  Pilatus  aber  wurde  von 
Herodes  und  von  den  ihn  umgebenden  Juden  genötigt,  ihn 
gegen  seinen  Willen  dem  Tode  zu  übergeben,  indem  er  lieber  das 
tat,  als  gegen  den  Kaiser  wirkte  durch  Errettung  eines  Menschen, 
der  den  Namen  »König«  trug. 

75.  Und  auch  über  die  Leiden  Christi  sagt  derselbe  Prophet:  254*- 
Du  hast  uns  verworfen  und  verschmäht,  hast  deine  Gesalbten 

vernachlässigt;    du    hast    den    Bund    meines    (?)    Knechtes    ge- 
brochen, du  hast  seine  Heiligkeit  zu  Boden  geworfen;  du  hast 


1)  Ps.  21,  5.  —  2)  Ps.  3.  6.  —  3)  Ps.  2,  1.  2.  —  4)  S.  Luk.  23,  7  IV. 


42  Apostolische  Verkündigung. 

alle  seine  Mauern  niedergerissen,  seine  Bollwerke  in  Zittern 
gebracht.  Die  des  Weges  vorüberkamen,  haben  ihn  geplündert, 
er  ward  zum  Hohn  für  seine  Nachbarn.  Du  hast  die  Rechte 
seiner  Bedränger  erhöht,  ließest  seine  Feinde  sich  über  ihn 
lustig  machen.  Du  ließest  die  Hilfe  seines  Schwertes  zurück- 
weichen, und  du  hast  ihn  nicht  im  Kriege  unterstützt.  Du  hast 
seiner  Reinheit  ein  Ende  gemacht  und  seinen  Thron  zu  Boden 
gestürzt.  Du  hast  die  Tage  seiner  Zeit  verkürzt,  und  hast  ihn 
mit  Schande  umhüllt«1.  Und  daß  er  alles  dies  erleiden  würde, 
und  daß  es  nach  dem  Willen  des  Vaters  (geschehen  sollte),  hat 
er  offenkundig  angedeutet;  denn  er  sollte  gemäß  dem  Willen 
des  Vaters  Leiden  ertragen. 

76.  Und  Sacharia  sagt  also:  Schwert,  wache  auf  gegen 
meinen  Hirten  und  gegen  den  Mann,  der  mein  Genosse  ist; 
schlage  den  Hirten,  damit  sich  die  Schafe  zerstreuen  '2.  Und 
dies  geschah,  als  er  von  den  Juden  gefangen  wurde ;  denn  alle 
Jünger  haben  ihn  verlassen  aus  Furcht,  nicht  mit  ihm  zu  sterben3. 
Denn  noch  nicht  einmal  sie  glaubten  fest  an  ihn,  bis  sie  ihn 
von  den  Toten  auferstanden  sahen. 

77.  Wiederum    sagt    er    in    dem    Zwölfpropheten(buch)4: 
255*-     Und  sie  fesselten  ihn  und  brachten  ihn  dem  König  als  Geschenk 

dar-.  Denn  Pontius  Pilatus  war  der  Statthalter  von  Judäa 
und  hegte  damals  Feindschaft  gegen  Herodes,  den  König  der 
Juden.  Dann  aber,  als  Christus  gefesselt  zu  ihm  gebracht 
wurde,  hat  ihn  Pilatus  zu  Herodes  geschickt,  ihm  überlassend 
ihn  auszufragen,  um  genau  zu  wissen,  was  er  in  bezug  auf  ihn 
wollte,  indem  er  Christus  als  Vorwand  sich  mit  dem  König  zu 
versöhnen  nahm5. 

78.  Und  in  Jeremia  verkündigt  er  seinen  Tod  und  seine 
Niederfahrt  zur  Hölle  folgendermaßen:  -Und  der  Herr,  der 
Heilige  Israels,  gedachte  seiner  Toten,  der  früher  Entschlafenen 
in  der  Erde,  und  ist  zu  ihnen  herabgestiegen,  um  sein  Heil  zu 
verkündigen,  um  sie  zu  erretten  G.  Hier  erklärt  er  auch  die 
Ursachen  seines  Todes;  denn  sein  Herabsteigen  in  die  Hölle 
war  zur  Errettung  der  Gestorbenen. 

79.  Und  wiederum  sagt  Jesaia  über  sein  Kreuz  also :    Den 


1)  Ps.   89,  39—46.   —   2)  Sach.   13,  7.   —   3)   S.  Mark.    14,  50. 
4)  Wo?  —  5)  Luk.  23,  7 ff.  —  6)  Apokr.  Jerem.-Sprueb. 


Kap.  75—81.  43 

ganzen  Tag  habe  ich  meine  Hände  ausgebreitet  nach  einem 
unverständigen  und  widerspenstigen  Volke  K  Denn  das  ist  ein 
Zeichen  des  Kreuzes.  Und  noch  deutlicher  sagt  David :  Jagd- 
hunde umgeben  mich ,  eine  Rotte  von  Bösewichtern  umkreist 
mich;  sie  haben  meine  Hände  und  Füße  durchgraben  2.  Und 
wiederum  sagt  er:  :  Mein  Herz  ist  wie  zu  Wachs  zerflossen  in 
meinem  Inneren;  und  meine  Gebeine  sind  auseinander  getrieben 
worden  3.  Und  wiederum  sagt  er:  Errette  mich  vom  Schwert . . .  4, 
denn  eine  Rotte  der  Bösewichter  ist  wider  mich  aufgetreten  5.  255v- 
In  diesen  Worten  zeigt  er  in  lichtvoller  Weise  seine  Kreuzigung 
an.  Auch  Moses  sagt  dasselbe  zum  Volke  folgendermaßen: 
Und  dein  Leben  soll  vor  deinen  Augen  hängend  sein,  und 
du  wirst  bei  Tag  und  Nacht  zittern  und  deines  Lebens  nicht 
sicher  sein  °. 

80.  Wiederum  sagt  David:  Sie  schauten  mich  an,  sie  teilten 
meine  Kleider  unter  sich  und  warfen  das  Los  über  mein  Ge- 
wand '.  Denn  bei  seiner  Kreuzigung  haben  die  Soldaten  seine 
Kleider  verteilt,  wie  sie  gewohnt  waren,  und  das  Kleid  haben 
sie  zerrissen  und  so  verteilt.  Über  den  Rock  aber,  weil  er  von 
oben  an  gewirkt  und  ungenäht  war,  warfen  sie  das  Los,  damit 
der,  dem  es  zukommt,  ihn  auch  erhalte  \ 

81.  LTnd  wiederum  sagt  der  Prophet  Jeremia:  Lnd  sie 
nahmen  die  dreißig  Silberstücke,  den  Preis  des  Verkauften,  den 
sie  von  den  Söhnen  Israels  gekauft  hatten  und  gaben  sie  auf 
den  Töpferacker,  wie  der  Herr  mir  befohlen  '•'.  Denn  Judas, 
der  von  den  Jüngern  Christi  war,  hatte  den  Juden  versprochen 
und  sich  mit  ihnen  verabredet,  da  er  sah,  daß  sie  ihn  töten 
wollten,  und  weil  er  von  ihm  zurechtgewiesen  worden  war10  — 
da  hat  er  die  dreißig  Silberlinge ,  Landmünze,  genommen,  und 
verriet  ihnen  den  Christus;  dann  aber  gereute  es  ihn,  was  er 
getan,  und  er  lieferte  das  Silber  den  Oberen  der  Juden  zurück 
und  erhängte  sich  selbst.  Sie  aber  hielten  es  nicht  für  an- 
gängig es  in  ihre  Schatzkasse  zu  legen,  denn  es  war  Blutgeld, 


1)  Jes.  65,  2.  —  2)  Ps.  22,  17.  —  3)  Ps.  22,  15. 

4)  Ps.  22,  21.  Es  folgen  einige  Worte  »L.  /»  plt.hn.lnu  /»/"  ^\upjfiiu*, 
augenscheinlich  verderbt.  Es  könnte  heißen  entweder:  »Und  meinen 
Leib  von   Nudeln*,  oder  etwas  verändert:   »Nagle  an   meinen  Leib«. 

5)  Vgl.  Ps.  22.  17.  —  6)  Deut.  28,  66.  —  1)  Ps.  22,  19.  —  8)  S.  Joh. 
19,  28ff.  —  9  Jer.  32,  6f.;Zach.  11, 12f.  Vgl.  Mt.  27.  10.  —  10  S.Joh.  12,4  ff. 


44  Apostolische  Verkündigung. 

256r  und  sie  kauften  damit  den  Acker,  welcher  einem  Töpfer  gehörte, 
zum  Fremdenbegräbnis1. 

82.  Und  nachdem  man  ihn  gekreuzigt  hatte,  als  er  zu 
trinken  bat,  hat  man  ihm  Essig  mit  Galle  zum  Trinken  ange- 
boten-. Und  eben  dies  wurde  durch  David  ausgesprochen: 
>-Sie  gaben  mir  Galle  zur  Speise,  und  als  mich  dürstete,  tränkten 
sie  mich  mit  Essig  3. 

83.  Und  daß  er  von  den  Toten  auferstanden  gen  Himmel 
fahren  sollte,  sagt  David  also:  Der  Wagen  Gottes  sind  zehn- 
tausendmal Zehntausend,  Tausende  sind  die  Lenker,  der  Herr 
in  ihnen,  in  Sinai,  im  Heiligtum;  er  ist  zur  Höhe  emporge- 
stiegen, hat  Gefangene  fortgeführt;  er  nahm,  verlieh  Gaben  den 
Menschen <4.  Unter  Gefangenen  meint  er  nun  die  Vernichtung 
der  Herrschaft  der  empörerischen  Engel.  Er  gibt  auch  die 
Stelle  an,  wo  er  von  der  Erde  gen  Himmel  steigen  sollte. 
Denn  er  sagt :  der  Herr  ist  von  Zion  aus  emporgestiegen.  Denn 
nach  seiner  Auferstehung  von  den  Toten,  hat  er  seine  Jünger 
auf  dem  Olberg  gegenüber  Jerusalem  versammelt  und  ihnen 
das  das  Himmelreich  Betreffende  eingeschärft:  und  hier  haben  sie 
gesehen,  wie  er  gen  Himmel  fuhr,  und  wie  die  Himmel  sich 
auftaten  und  ihn  empfingen5. 

84.  Eben  dasselbe  sagt  wiederum  David:  -Erhebt,  ihr 
Fürsten,  euere  Pforten;  ja  erhöht  euch,  ihr  uralten  Pforten, 
daß  der  König  der  Herrlichkeit  einziehe  G.  Denn  die  uralten 
Pforten  sind  die  Himmel.  Weil  aber  das  Wort  in  einer  für 
die    Geschöpfe    unsichtbaren   Weise   herabgestiegen  ist,    so   ist 

256v-  ihnen  davon  nichts  kund  geworden.  Nun  war  das  Wort  Fleisch 
geworden,  und  sichtbar  stieg  es  hinauf.  Und  als  die  Mächte 
ihn  sahen,  haben  die  unteren  Engel  denen,  die  auf  der  Feste 
waren,  zugerufen:  Erhebt  euere  Pforten:  ja,  erhöht  euch,  ihr 
uralten  Pforten,  daß  der  König  der  Herrlichkeit  einziehe  .  Und 
da  sie  staunten  und  fragten:  :  Wer  ist  es  denn? s,  bezeugten  die- 
jenigen ,  die  ihn  gesehen  hatten ,  nun  zum  zweiten  Mal :  Der 
Herr  gewaltig  und  mächtig,  er  ist  der  König  der  Herrlichkeit  7. 

85.  So  auferstanden  und  erhöht,  verbleibt  er  zur  Rechten 
des  Vaters,  bis  in  der  vom  Vater  festgesetzten  Zeit  des  Gerichts 


1)  S.  Matth.  26.  14  ff.,  27,  3  ff.  —  2)  S.  Matth.  27.  34.  —  3)  Ps.  69.  22. 
—  4)  Ps.  68r  18  f.  —  5)  Act.  1.  4—12.  —  6)  Ps.  24.  7.-7    Ps.  24,  8—10. 


Kap.  81—87.  45 

alle  Feinde  ihm  Untertan  werden.  Feinde  sind  aber  alle  die- 
jenigen, die  sich  aufgelehnt  haben,  die  Engel  und  die  Erzengel 
und  die  Mächte  und  die  Throne,  welche  die  Wahrheit  verschmähten. 
Darüber  sagt  auch  der  Prophet  David  also:  So  spricht  der 
Herr  zu  meinem  Herrn,  setze  dich  zu  meiner  Rechten,  bis  ich 
deine  Feinde  hinlege  unter  deine  Füße  i l.  Daß  er  aber  dorthin 
hinaufstieg,  von  wo  er  herabgestiegen,  sagt  David:  »Von  einem 
Ende  des  Himmels  ist  sein  Ausgang  und  bis  zum  (anderen)  Ende 
des  Himmels  sein  Heimgang«-.  Dann  deutet  er  sein  Gericht  an 
mit  dem  Wort:  »Und  nichts  bleibt  vor  seiner  Glut  verborgen«. 

86.  Wenn  nun  die  Propheten  von  dem  Sohne  Gottes  vorher- 
gesagt haben,  daß  er  auf  der  Erde  erscheinen  sollte,  auch  ver- 
kündigt, wo  auf  der  Erde  und  wie  und  in  welcher  Weise  er 
erscheinen  sollte ,  und  der  Herr  alle  diese  Prophezeiungen  auf  257*- 
sich  genommen  hat,  so  ist  unser  Glaube  an  ihn  festgegründet 
und  die  Überlieferung  der  Verkündigung  wahrhaftig,  d.  h.  das 
Zeugnis  der  Apostel,  welche  vom  Herrn  gesandt,  in  alle  Welt 
den  Sohn  Gottes  verkündigten,  wie  er,  zum  Leiden  gekommen, 
gelitten  hat  zur  Vernichtung  des  Todes  und  zum  Lebendig- 
machen des  Leibes .  damit  wir  die  Feindschaft  gegen  Gott, 
welche  frevelhaft  ist,  beiseite  legen  und  zum  Frieden  mit  ihm 
kommen,  indem  wir  das  ihm  Gefällige  tun.  Und  dies  wurde 
durch   die   Propheten   verkündigt:  »Wie  lieblich  sind  die  Füße 

der  Freudenboten  des  Friedens  und  der  Freudenboten  des  Guten  :;. 
Und  daß  sie  von  Judäa  und  von  Jerusalem  ausgehen  sollten, 
um  uns  das  Wort  Gottes  zu  verkündigen,  was  auch  ein  Gesetz 
für  uns  ist,  sagt  Jesaia  also:  »Von  Zion  wird  das  Gesetz  aus- 
gehen und  das  Wort  des  Herrn  von  Jerusalem«4.  Und  daß 
sie  in  alle  Welt  verkündigen  sollten,  sagt  David:  »In  alle  Lande 
geht  ihr  Laut  aus,  und  ihre  Worte  bis  ans  Ende  des  Erdkreises«5. 

87.  Und  daß  die  Menschen  nicht  nach  dem  Vieleworte- 
machen  des  Gesetzes,  sondern  nach  der  Kürze  (Einfachheit)  des 
Glaubens  und  der  Liebe  leben  sollten,  sagt  Jesaia  also:  Ein 
kurzes  und  bündiges  Wort  in  Gerechtigkeit;  denn  Gott  wird 
ein  kurzes  Wort  ausführen  auf  der  ganzen  Erde  6.  Und  des- 
halb sagt  der  Apostel  Paulus :     Die  Liebe  ist  die  Erfüllung  des 

1     Ps.   110,  1.  —  2)  Ps.   19,  7.  —  3)  Jes.  52,  7.  —  4}  Jes.  2,  3.  - 
5)  Ps.  19,  5.  —  ß)  Vgl.  Jes.  10,  22t'.  nach  LX.X. 


46  Apostolische  Verkündigung. 

Gesetzes-.1;  denn  wer  Gott  liebt,  der  hat  das  Gesetz  erfüllt. 
Auch  der  Herr,  als  er  gefragt  wurde,  welches  das  Hauptgebot 
257 v.  sei,  antwortete:  Du  sollst  lieben  den  Herrn,  deinen  Gott,  mit 
deinem  ganzen  Herzen  und  mit  deiner  ganzen  Kraft;  und  das 
zweite  diesem  ähnlich:  du  sollst  lieben  deinen  Nächsten  wie 
dich  selbst.  An  diesen  zwei  Geboten  hängt  das  ganze  Gesetz 
und  die  Propheten«2.  Nun  hat  er  durch  den  Glauben  an  ihn 
unsere  Liebe  zu  Gott  und  zum  Nächsten  entwickelt,  wodurch  wir 
fromm  und  gerecht  und  gut  wurden;  und  deswegen  (ist  es  gesagt) 
Ein  kurzes  Wort  hat  er  auf  der  Erde,  in  der  Welt  ausgeführt  . 

88.  Und  daß  er  nach  seiner  Himmelfahrt  über  alle  erhöht 
werden  sollte,  und  daß  niemand  mit  ihm  verglichen  werden 
könnte,  sagt  Jesaia  also:  Wer  ist,  der  richtet?  Er  trete  heran! 
Und  wer  ist,  der  gerechtfertigt  wird  ?  Er  trete  nahe  dem  Sohn 
Gottes!  Wehe  euch,  da  ihr  alle  wie  ein  Gewand  zerfallen 
werdet,  und  die  Motte  euch  fressen  wird.  Und  jedes  Fleisch 
wird  gedemütigt,  und  der  Herr  allein  wird  erhaben  sein  unter 
den  Erhöhten«3.  Und  daß  am  Ende  diejenigen,  die  Gott  dienten, 
durch  seinen  Namen  errettet  werden  sollten,  sagt  Jesaia:  Und 
denjenigen,  die  mir  dienen,  wird  ein  neuer  Name  gegeben,  der 
auf  der  Erde  gesegnet  wird;  und  man  wird  den  wahrhaftigen 
Gott  preisen  4.  Und  daß  er  selbst  diesen  Segen  bewirken  und 
er  selbst  uns  durch  sein  Blut  erretten  sollte,  hat  Jesaia  ver- 
kündigt, in  den  Worten:     Nicht  ein  Vermittler,  nicht  ein  Engel, 

258*-.  sondern  der  Herr  selbst  hat  sie  errettet;    vermöge  seiner  Liebe 
zu  ihnen  und  seiner  Verschonung,  hat  er  sie  erlöst  5. 

89.  Daß  er  nun  die  Erlösten  nicht  zur  Gesetzgebung  des 
Moses  zurückführen  will  —  denn  das  Gesetz  wurde  von  Christus 
erfüllt  — ,  sondern  daß  man  durch  den  Glauben  und  die  Liebe  vom  [?] 
Sohne  Gottes  nach  dem  neuen  Wesen  des  Wortes  leben  sollte, 
hat  Jesaia  verkündigt  folgendermaßen :  Gedenket  nicht  an  das 
Frühere  und  achtet  nicht  auf  das,  was  einst  geschah.  Fürwahr, 
ich  vollführe  etwas  neues,  welches  schon  aufgeht  und  ihr  werdet 
es  erkennen.  Und  ich  will  in  der  Wüste  und  in  der  (wasser- 
losen) Einöde  Ströme  schaffen,  um  mein  Volk,  mein  aus- 
erwähltes, zu  tränken;    das  Volk,    daß    ich  mir  erworben  habe, 


1)  Rom.  13,  10.  —  2)  Mc.  12,  30  f.;  Mt.  22.  37 ff.  —  3)  Jes.  50,  8 f. 
and  2,  11.  17  usw.  —  4)  Jes.  65,  15  f.  —  5)  Jes.  63,  9. 


Kap.  87—91.  47 

daß  es  meine  Ruhmestaten  verkündige  :x.  Wüste  und  Einöde 
war  aber  früher  die  Berufung  der  Heiden,  denn  weder  das  Wort 
ging  durch  sie,  noch  der  heilige  Geist  tränkte  sie,  welcher  den 
neuen  Weg  der  Frömmigkeit  und  der  Gerechtigkeit  anbahnte 
und  reiche  Ströme  hervorsprudeln  ließ ,  d.  h.  den  heiligen  Geist 
hat  er  auf  der  Erde  ausgestreut,  wie  er  durch  die  Propheten 
verheißen  hat,  den  Geist  in  den  letzten  Tagen  über  die  ganze 
Erde  auszugießen. 

90.  So  ist  nun  unsere  Berufung  durch  die  Erneuerung  des 
Geistes  und  nicht  in  unserem-  alten  (Wesen),  wie  Jeremia 
prophezeite:  Fürwahr,  es  kommen  Tage,  spricht  der  Herr,  da 
will  ich  dem  Hause  Israels  und  dem  Hause  Judas  den  Bund 
erfüllen,  den  ich  mit  ihren  Vätern  geschlossen  habe,  an  dem 
Tage  als  ich  sie  bei  der  Hand  nahm,  um  sie  aus  Ägypten  weg-  258^ 
zuführen;  denn  sie  blieben  nicht  fest  bei  dem  Bunde,  und  ich 
habe  sie  vernachlässigt,  spricht  der  Herr.  Vielmehr  darin  soll 
der  Bund  bestehen,  den  ich  nach  diesen  Tagen  mit  dem  Hause 
Israel  schließen  will,    spricht   der  Herr:   ich   lege   mein    Gesetz 

in  ihren  Sinn  und  schreibe  es  ihnen  ins  Herz.  Und  so  will 
ich  ihr  Gott  sein  und  sie  sollen  mein  Volk  sein.  Fürderhin 
sollen  sie  nicht  mehr  einer  den  anderen,  oder  ein  Bruder  den 
anderen  also  belehret).  Erkenne  den  Herrn!  denn  sie  werden 
mich  allesamt  erkennen,  von  ihrem  Kleinsten  bis  zum  Größten. 
Denn  ich  will  ihnen  ihre  Verschuldungen  vergeben  und  ihrer 
Sünde  nicht  mehr  gedenken  :8. 

91.  Und  daß  diese  Verheißungen  die  Berufung  der  Heiden 
erben  sollte,  in  denen  auch  der  neue  Bund  offenbart  worden 
ist,  sagt  Jesaia  also:  »So  spricht  der  Gott  Israels:  an  jenem 
Tage  wird  der  Mensch  nach  seinem  Schöpfer  ausschauen  und 
seine  Augen  nach  dem  Heiligen  Israels  umsehen ;  und  sie 
werden  nicht  nach  dem  Götzentempel  und  dem  Werk  ihrer 
Hände,  das  ihre  Finger  verfertigt  haben,  umschauen*4.  Diese 
Worte  sind  also  offenbar  über  diejenigen  gesprochen,  welche  die 
Götzen  verlassen  und  an  Gott,  unseren  Herrscher,  durch  den 
Heiligen  Israels   geglaubt  haben.     Der  Heilige  Israels   aber  ist 


1)  Jes.  43,  19—21. 

2)  »Unserem  =  Jkpnj*.  ist  sehr  wahrscheinlich  ein  Schreibfehler  für 
»^•/in/«  =  des  Buchstabens.  Dann  wäre  zu  übersetzen:  »Nicht  im  alten 
Buchstaben«.  —  3)  Jer.  31,  31—34.  —  4)  Jes.  17,  7.  8. 


48  Apostolische  Verkündigung. 

Christus,  und  zu  ihm,  der  den  Menschen  sichtbar  geworden  ist, 
schauen  wir  auf,  nicht  zu  dem  Götzentempel  und  nicht  zum 
Werk  unserer  Hände. 

259r-  92.     Und  daß  er  unter  uns  sichtbar  werden  —  da  der  Sohn 

Gottes  zum  Menschensohn  geworden  ist  —  und  von  uns  er- 
kannt werden  sollte,  die  wir  vorher  keine  Erkenntnis  hatten, 
darüber  sagt  das  Wort  selbst  in  Jesaia  also:  Ich  wurde  sicht- 
bar denen,  die  nach  mir  nicht  fragten;  ließ  mich  finden  von 
solchen,  die  mich  nicht  suchten.  Ich  sprach:  Da  bin  ich,  zu 
einem  Volke,  das  meinen  Namen  nicht  anrief*:1. 

93.  Und  daß  dieses  Volk  ein  heiliges  sein  sollte,  ist  in 
dem  Zwölfprophetenbuch  durch  Hosea  also  verkündigt:  Ich 
werde  zu  Nichtmeinvolk  sagen,  mein  Volk  bist  du,  und  die 
Nichtgeliebte  wird  geliebt  sein.  Und  an  der  Stelle,  wo  man 
von  ihnen  sagt,  ihr  seid  nicht  mein  Volk,  da  soll  man  sie 
Söhne  des  lebendigen  Gottes  nennen  -.  Dasselbe  ist  auch  das 
von  Johannes  dem  Täufer  Gesagte:  Gott  kann  aus  diesen 
Steinen  dem  Abraham  Kinder  erwecken  :;.  Denn  nachdem 
unsere  Herzen  von  dem  steinigen  Dienst  weggerissen  und  frei- 
gemacht sind,  schauen  wir  Gott  durch  den  Glauben  und  werden 
Kinder  Abrahams,  der  durch  den  Glauben  gerechtfertigt  wurde. 
Und  darum  sagt  Gott  durch  den  Propheten  Ezechiel :  Und  ich 
werde  ihnen  ein  anderes  Herz  geben  und  einen  neuen  Geist  in 
ihr  Inneres  legen;  ich  werde  das  steinerne  Herz  aus  ihrem 
Leibe  wegreißen  und  entfernen  und  ihnen  ein  fleischernes  Herz 
verleihen,  damit  sie  in  meinen  Satzungen  wandeln  und  meine 
Rechte  beobachten  und  sie  ausüben.  Und  so  werden  sie  mein 
Volk  sein,  und  ich  will  ihr  Gott  sein  :4. 

259v.  94.    So  wird  nun   durch   die   neue  Berufung  Verwandlung 

der  Herzen  bei  den  Heiden  gewirkt  mittels  des  Wortes  Gottes, 
als  es  Fleisch  wurde  und  seine  Hütte  unter  den  Menschen  auf- 
schlug ,  wie  auch  sein  Jünger  Johannes  sagt :  Und  sein  Wort 
ward  Fleisch  und  wohnte  unter  uns  B.  Darum  ist  die  Kirche 
so  sehr  fruchtbar  an  Erretteten;  denn  weder  Moses,  noch  der 
Bote  Elia  ist  mehr  Fürsprecher,  sondern  der  Herr  selbst  hat 
uns   errettet,   indem  er   viele  Kinder   der  Kirche   schenkte,   der 


1)  Jes.  65,  1.  —  2)  Hos.  2,  25.  1.   Vgl.  LXX.  —  3)  Mt.  3.  9  u.  a.  — 
4)  Ezech.  11,  19.  20.  —  5)  Joh.  1,  14. 


Kap.  91 — 96.  49 

Versammlung  der  Erstlinge,  wie  Jesaia  verkündigt  hat  in  den 
Worten:  »Juble  du,  Unfruchtbare,  die  nicht  geboren  hat«.  Die 
Unfruchtbare  aber  ist  die  Kirche,  die  in  früheren  Zeiten  nie- 
mals Kinder  Gottes  hervortreten  ließ.  »Rufe  und  jauchze,  die 
nicht  gekreißt  hat,  denn  der  Söhne  der  Vereinsamten  sind  mehr, 
als  der  der  Vermählten«1.  Die  erste  Versammlung  nämlich 
hatte  das  Gesetz  zum  Mann. 

95.  Auch  Moses  sagt  im  Deuteronomium,  daß  die  Heiden 
die  ersten,  das  widerspenstige  Volk  aber  das  letzte  sein 
werde,  und  wiederum  sagt  er:  »Ihr  habt  meinen  Eifer  erregt 
durch  Ungötter,  und  mich  erbittert  durch  eure  nichtigen  Götzen; 
nun  will  ich  eueren  Eifer  erregen  durch  ein  Unvolk  und  durch 
ein  unverständiges  Volk  euch  erbittern«-.  Denn  sie  haben  Gott, 
den  Seienden,  verlassen  und  den  nichtseienden  Göttern  gedient, 
und  die  Propheten  Gottes  getötet  und  für  Baal,  der  der  Kanaä- 
niter  Götze  war,  prophezeit.  Sie  haben  auch  den  Sohn  Gottes, 
den  Seienden,  mißachtet  und  verworfen,  den  Räuber  Barabba  260r 
aber,  der  beim  Morden  festgenommen  war3,  erwählt;  sie  haben 
den  ewigen  König  verleugnet  und  den  zeitlichen  Kaiser  als 
ihren  König  bekannt4.  So  gefiel  es  Gott,  den  unverständigen 
Heiden  und  denen,  die  nicht  in  Gottes  Wegen  wandelten  und 
nicht  wußten  was  Gott  ist,  seine  Erbschaft  zu  verleihen.  Nach- 
dem uns  nun  durch  diese  Berufung  das  Leben  gegeben  worden 

ist,  und  nachdem  Gott  den  Glauben  Abrahams  an  ihn  selbst 
in  uns  wieder  zur  Vollendung  gebracht  bat,  dürfen  wir  uns  nicht 
mehr  zurückwenden,  ich  meine,  nicht  zur  ersten  Gesetzgebung. 
Denn  wir  haben  den  Herrn  des  Gesetzes,  den  Sohn  Gottes, 
empfangen.  Und  durch  den  Glauben  an  ihn  lernen  wir  Gott 
von  ganzem  Herzen  lieben  und  den  Nächsten  wie  uns  selbst. 
Die  Liebe  zu  Gott  aber  ist  ferne  von  aller  Sünde  und  die  Liebe 
zum  Nächsten  fügt  dem  Nächsten  kein  Übel  zu  5. 

96.  Darum  haben  wir  auch  kein  Gesetz  zum  Erzieher 
nötig;  siehe,  wir  sprechen  mit  dem  Vater  und  stehen  ihm  von 
Angesicht  zu  Angesicht  gegenüber,  [einst]  Kinder  geworden 
durch  Bosheit  und  [nun]  erstarkt  durch  Gerechtigkeit  und  Wohl- 
anständigkeit.    Denn   das  Gesetz  wird  nicht  mehr  sagen0:    ^Du 


1    Jes.  54,  1.  —  2)  Deut.  32,  21.  —  3)  S.  Mark.  15,  7.  —  4)  S.  Job. 

19,  15.  —  5)  S.  Rom.  13,  10.   —   6)  Exod.  20  (Deut  5). 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.     31,  1  4 


50  Apostolische  Verkündigung. 

sollst  nicht  ehebrechen«  dem,  dem  nicht  einmal  mehr  eine 
Lüsternheit  zu  dem  Weibe  des  Fremden  (in  den  Sinn)  kommt; 
und  nicht  »Du  sollst  nicht  töten«  dem,  der  jeden  Zorn  und 
jede  Feindseligkeit  von  sich  entfernt  hat;  und  nicht  »Du  sollst 

260v-  nicht  Verlangen  tragen  nach  deines  Nächsten  Hof  noch  nach 
seinem  Ochsen  oder  seinem  Esel«  denen,  die  sich  um  die 
irdischen  Dinge  gar  nicht  kümmern,  sondern  himmlische 
Früchte  sammeln;  und  nicht  »Auge  um  Auge,  und  Zahn  um 
Zahn1«  demjenigen,  der  niemanden  für  seinen  Feind,  sondern 
alle  für  seine  Nächsten  hält;  deshalb  kann  er  nicht  einmal 
seine  Hand  zur  Rache  ausstrecken.  Es  (das  Gesetz)  wird  nicht 
Zehnten  fordern  von  dem,  der  seine  ganze  Habe  Gott  darbringt 
und  den  Vater  und  die  Mutter  und  die  ganze  Verwandtschaft 
verläßt2  und  dem  Worte  Gottes  nachwandelt.  Und  es  wird 
nicht  geboten,  einen  Tag  in  Ruhe  und  Muße  zuzubringen,  dem, 
der  jeden  Tag  den  Sabbath  hält,  d.  h.  im  Tempel  Gottes, 
welcher  der  Leib  des  Menschen  ist,  Gott  den  würdigen  Dienst 
leistet  und  jede  Stunde  die  Gerechtigkeit  tut.  »Denn  Barm- 
herzigkeit will  ich  und  nicht  Opfer«,  sagt  er,  »Gotteserkenntnis 
und  nicht  Brandopfer«3.  »Wenn  aber  der  Gottlose  mir  ein 
Rind  schlachtet,  ist  es,  als  ob  er  einen  Hund  würge,  und  wer 
Speiseopfer  darbringt,  ist  als  ob  er  Saublut  (darbringe) t  *. 
«Aber  ein  Jeder,  der  den  Namen  des  Herrn  anruft,  wird  ge- 
rettet werden«5.  »Gibt  es  doch  auch  keinen  anderen  Namen 
des  Herrn  unter  dem  Himmel,  wodurch  die  Menschen  gerettet 
werden«6,  als  Gottes,  d.  h.  Jesu  Christi,  des  Sohnes  Gottes,  dem 
auch  die  Dämonen  und  die  bösen  Geister  und  alle  aufrühre- 
rischen Kräfte  Untertan  werden. 

261r  97.    Indem  nun  der  Name  Jesu  Christi,    der  unter  Pontius 

Pilatus  gekreuzigt  worden  ist,  angerufen  wird,  findet  eine  Schei- 
dung in  der  Menschheit  statt;  und  wo  immer  die  an  ihn 
Glaubenden  ihn  anrufen  und  seinen  Willen  tun  werden,  da  ist 
er  nahe  und  gegenwärtig  und  erfüllt  die  Bitten  derer,  die  reines 
Herzens  ihn  anrufen.  Dadurch  die  Erlösung  empfangend,  danken 
wir  Gott  beständig,  der  durch  seine  unerforschliche  und  un- 
ergründliche Weisheit   uns   errettet   hat   und   vom  Himmel  her 


1)  Exod.  21,  24.  —  2)  S.  Matth.  10,  37  cum  parall.  —  3)  Hos.  6,  6.  — 
4)  Jes.  66,  3.   —  5)  Jo.  3,  5.   —   6)  Act.  4,  12. 


Kap.  96 — 98.  51 

das  Heil  verkündigt  —  d.  i.  die  sichtbare  Ankunft  unseres 
Herrn ,  d.  h.  seinen  menschlichen  Wandel  — ,  das  wir  allein 
nicht  erlangen  konnten.  Denn  was  bei  den  Menschen  unmög- 
lich ist,  ist  bei  Gott  möglich.  Darum  sagt  auch  Jeremia  über 
ihn  also:  »Wer  ist  gen  Himmel  gefahren  und  hat  sie  (die 
Weisheit)  geholt  und  aus  den  Wolken  herabgebracht?  Wer 
ist  übers  Meer  geschifft,  hat  sie  gefunden  und  um  köstlich  Gold 
hergebracht?  Es  ist  niemand,  der  den  Weg  zu  ihr  gefunden 
und  der  den  Pfad  zu  ihr  gewußt  hätte.  Der  aber  alle  Dinge 
weiß,  kennt  sie  durch  seinen  Verstand;  der  den  Erdboden  be- 
reitet hat  auf  ewige  Zeit  und  ihn  erfüllt  mit  allerlei1  Vier- 
füßigen;  der  das  Licht  sendet,  und  wenn  er  es  wieder  ruft,  muß 
es  ihm  gehorchen.  Die  Sterne  leuchten  in  ihrer  Ordnung  mit  261^ 
Freuden,  und  wenn  er  sie  hervorruft,  antworten  sie:  hier  sind 
wir,  und  leuchten  mit  Freuden  um  deswillen,  der  sie  geschaffen 
hat.  Das  ist  unser  Gott,  keiner  ist  mit  ihm  zu  vergleichen. 
Er  hat  alle  Wege  mit  Wreisheit  gefunden  und  hat  sie  gegeben 
Jakob,  seinem  Diener,  und  Israel,  seinem  Geliebten.  Darnach 
ist  er  erschienen  auf  Erden  und  ist  unter  den  Leuten  gewandelt. 
Das  ist  das  Buch  der  Gebote  Gottes  und  des  Gesetzes,  welches 
ewig  ist.  Alle,  die  es  halten,  werden  leben;  die  es  aber  ver- 
lassen, werden  sterben«2.  Jakob  und  Israel  aber  nennt  er  den 
Sohn  Gottes,  der  vom  Vater  die  Herrschaft  über  unser  Leben 
erhalten  hat;  und  nachdem  er  es  erhalten,  hat  er  es  zu  uns, 
die  wir  fern  von  ihm  sind,  heruntergebracht,  als  er  auf  Erden 
erschien  und  unter  den  Menschen  wandelte.  So  hat  er  den 
Geist  Gottes  des  Vaters  mit  dem  Geschöpfe  Gottes  vermischt 
und  vermengt,  damit  der  Mensch  nach  dem  Bilde  und  nach 
der  Ähnlichkeit  Gottes  sei. 

98.  Dies  ist  die  liebliche  Verkündigung  der  Wahrheit,  und 
dies  die  Art  unserer  Erlösung,  und  dies  der  Weg  des  Lebens, 
den  die  Propheten  vorhergesagt  und  Christus  ausgeführt  hat, 
und  die  Apostel  überliefert  haben,  die  Kirche  aber  in  der  ganzen 
Welt  ihren  Kindern  behändigt.  Man  soll  sie  (die  Wahrheit) 
auch  in  aller  Integrität  bewahren  mit  gesundem  Willen  und  Gott 
gefällig,  mit  guten  Werken  und  mit  gesundem  Trachten  des  Sinnes. 


1)  Eigentlich    steht  im  Text:    »mit  Fettstücken,    mit  Vierfüßigen« 

2)  Baruch  3,  29—4,  1. 

l 


52  Apostolische  Verkündigung. 

99.  Da  soll  man  nicht  Gott  den  Vater  verschieden  von 
262r-  unserem  Schöpfer  denken,  wie  die  Häretiker  meinen;  sie  ver- 
schmähen Gott,  den  Seienden,  und  zum  Götzen  machen  sie  das 
Nichtseiende ;  sie  schaffen  sich  auch  einen  Vater,  hoch  erhaben 
über  unseren  Schöpfer;  sie  meinen  damit  etwas  Größeres  als  die 
Wahrheit  gefunden  zu  haben.  So  sind  alle  solche  Gottlose  und 
ihren  Schöpfer  und  Vater  Lästernde,  wie  wir  in  der  Widerlegung 
und  Entlarvung  der  fälschlich  so  benannten  Gnosis  gezeigt  haben  K 

Andere  wieder  verachten  die  Herabkunft  des  Sohnes  Gottes 
und  die  Ökonomie  seiner  Fleischwerdung,  die  die  Apostel  ver- 
kündigt und  die  Propheten  vorhergesagt  haben,  daß  damit  die 
Vollendung  unserer  Menschheit  stattfinden  sollte,  wie  wir  in 
wenigen  Sätzen  dir  gezeigt  haben.  Auch  solche  sollen  zu  den 
Kleingläubigen  gerechnet  werden. 

Andere  wieder  nehmen  die  Geschenke  des  Geistes  nicht  an 
und  weisen  von  sich  die  prophetische  Gabe,  durch  deren  Empfang 
der  Mensch  das  Leben  in  Gott  befruchtet.  Das  sind  die  von 
Jesaia  Bezeichneten:  »Denn  sie  sollen«,  sagt  er,  »werden  wie 
eine  Terebinthe,  deren  Laub  gefallen  ist,  und  wie  ein  Garten, 
dem  es  an  Wasser  fehlt«,-.  Solche  sind  nun  Gott  zu  nichts 
nütze,  da  sie  keine  Frucht  bringen  können. 

100.  So  ist  die  Irrlehre  inbetreff  dieser  drei  Sätze  unseres 
(Tauf-  bez.  Glaubens-)  Siegels  von  der  Wahrheit  weit  ab- 
gewichen; denn  (die  Irrlehrer)  verschmähen  entweder  den  Vater 
oder  nehmen  den  Sohn  nicht  an,  indem  sie  gegen  die  Ökonomie 

262^.  seiner  Fleischwerdung  lehren,  oder  empfangen  den  Geist  nicht, 
d.  h.  sie  verschmähen  die  Prophetie. 

Vor  allen  solchen  aber  müssen  wir  uns  hüten  und  ihren 
Sitten  uns  entziehen,  wenn  wir  wirklich  Gott  gefällig  sein  und 
von  ihm  die  Erlösung  erlangen  wollen. 


Ehre  sei  der  allerheiligsten  Dreieinigkeit  und  der  einen  Gottheit, 
Vater,  Sohn  und  dem  allguädigen  hl.  Geist  in  Ewigkeit,  Amen.  —  Des 
gottgefälligen  und  des  dreimal  seligen  Herrn  Erzbischofs  Johannes,  des 
Empfängers  dieses  Buches,  des  Bruders  des  heiligen  Königs,  gedenket  in 
dem  Herrn;  auch  meiner,  des  armseligen  Schreibers. 


1)  S.  besonders  Buch  III  u.  IV.  —  2)  Jes.  1,  30. 


Nachwort  und  Anmerkungen 

von 

A.  Harnack. 

Das  Werk  des  Irenäus,  welches  uns  in  armenischer  Sprache 
wiedergeschenkt  ist,  war  uns  bisher  aus  keinem  einzigen  Zitate 
bekannt;  von  seiner  Existenz  wußten  wir  lediglich  durch  Eusebius, 
der  in  seiner  Kirchengeschichte  (V,  26)  folgendes  mitgeteilt  hat: 

°Akkd  yug  ngog  röig  unodo&eiaiv  Eigqvaiov  övyygauuaaiv 
xal  Talg  hniGTo'Aalg  (pegsrai  tig  avrov  ngog  EXh}vag  Xöyog 
owTopu/TctTog  xal  zu  uaXiata  avayxaioTccTog,  Ileoi  i7T-i(frrjui]g 
&myeygap[.ievog,  xal  aXXog1,  6v  avaz ä&eixev  aÖeXcpM 
Ma  gxi  av  ü)  t  ovv  o  [x  a~  Ei  g  iniöti^iv  rot  ccnoar  oXixov 
xrjQvy fiarog ,  xal  ßcßXiov  ti  AiaXi^zwv  diacpogwv,  kv  ra  xrg 
ngög'Eßgaiovg  imaroÄijg  xal  Tijg  Xeyopivqg  J£oXouü>vog  2o(fiag 
[ivtjuovevei,  grßcc  tiva  t$  airwv  nagaß-suevog.  xal  tu  uev  eig 
ijiuregav    iX&övta    yvcößiv   tcov    Eigtjvaiov    ToaahTu.      Ob    der 


1)  Die  Worte  neu  aXXog  fehlen  nicht  bei  Rufin,  wie  Schwartz 
ungenau  angibt,  sondern  finden  sich  2  Zeilen  vorher  zu  »Xoyog*.  Da- 
durch erscheinen  die  beiden  Bücher  IJtQl  tni6xi]ui\g  und  das  unsrige  als 
ein  einziges.  Vor  Auffindung  der  armenischen  Übersetzung  konnte  noch 
immer  ein  leichter  Zweifel  bestehen,  ob  nicht  Rufin  Recht  habe  gegen 
alle  griechischen  Mss.  und  den  Syrer,  da  zig  £iiidki$iv  xov  c'cnooxoXixov 
y.riQvyuarog  nicht  notwendig  ein  Titel  sein  mußte,  da  die  Widmung  an 
den  Bruder  Marcian  sieh  zur  Not  mit  der  Zweckbestimmung  7tQug"'EXXrlvag 
vertrug  und  da  das  zweite  Werk  kein  Epitheton  ornans  hat  freilich  auch 
nicht  das  dritte;.  Allein  der  Armenier,  der  'EnidtL^ig  xov  &7toaxoXiy.ov 
v.i]Qvyiiaxog  als  Titel  gibt,  macht  es  gewiß,  daß  die  beiden  Werke  zu 
unterscheiden  sind,  und  das  war  von  Anfang  an  nicht  nur  auf  (Jrund 
der  stiirkeren  Bezeugung  wahrscheinlich,  sondern  auch  deshalb,  weil 
man  bei  dem  Titel  IlQog  "EXXr\v ccg  tvsqI  {mort^ni^-  auf  ein  apologetisches 
Werk,  bei  'Enidi-ij-ig  xxX.   aber  auf  ein  antihäretisches  schließen  mußte. 


54  Harnack,   Nachwort. 

Titel  dieses  Werkes  hiernach  Eig  LTiiÖei^iv  xtX.  oder  'Enidti^ig 
xrA.  gelautet  hat,  ist  zweifelhaft.  Der  Armenier  bezeugt  das 
letztere;  aber  das  entscheidet  m.  E.  nicht.  Hätte  er  so  gelautet, 
so  hätte  Eusebius  voraussichtlich  seinen  Satz  anders  stilisiert. 
Ich  glaube  daher,  daß  Irenäus  Eig  £jiideii£,iv  v.rl.  geschrieben 
hat,  obgleich  dieses  Eig  in  Titeln,  abgesehen  von  exegetischen 
und  verwandten  Werken,  sehr  selten  ist  (Eig  tov  ßiov  Kwv- 
ütccvtivov  ist  nur  entfernt  vergleichbar).  Irenäus  drückte  sich 
bescheidener  aus,  wenn  er  nicht  Efiiösi^ig,  sondern  (Aoyoq)  eig 
änidstJ-iv  xrl.  schrieb.  Doch  läßt  sich  nicht  sicher  urteilen. 
Was  die  Worte  Ejiiösi£,ig  tov  cctiogtoXixov  y.i]Qvy{iaxog  bei 
Irenäus  besagen ,  konnte  man  schon  früher  (aus  dem  großen 
antihäretischen  Werke)  wissen  K  Zu  paraphrasieren  ist  der  Titel, 
wie  vor  allem  das  Werk  selbst  bestätigt:  »Erweis  der  Wahrheit 
(Zuverlässigkeit)  der  apostolischen  Verkündigung  aus  den  heiligen 
Schriften  (der  Prophetie)«. 

Der  in  der  Vorrede  und  bei  Eusebius  genannte  Bruder 
Marcian  ist  nicht  weiter  bekannt.  Mit  dem  Autor  des  »Martyrium 
Polycarpi«  (s.  c.  20)  ist  er  um  so  weniger  zu  identifizieren  (gegen 
Lightfoot),  als  dieser  wahrscheinlich  nicht  Marcian,  sondern 
Marcion  geheißen  hat  (so  das  Ms.  von  Moskau).  Wir  erfahren 
nur  aus  der  Schrift  selbst  (c.  1),  daß  Marcian,  dem  Irenäus 
persönlich  bekannt  und  innig  befreundet,  nicht  in  Lyon  bei  ihm 
weilte,  als  er  ihm  den  Traktat  widmete.  Das  aber  ist  auch 
Alles.  Auf  die  Stufe  der  religiösen  Entwicklung  des  Marcian 
läßt  die  Schrift  keinen  Schluß  zu. 

Eusebius  hat  in  seinem  Bericht  dem  Titel  der  Schrift  kein 
Wort  hinzugefügt  und  kein  Zitat  aus  ihr  gegeben.  Wir  können 
das  verstehen,  nachdem  wir  sie  kennen  gelernt  haben.  Sie  bot 
ihm  neben  dem  großen  Werke  desselben  Autors  so  gut  wie 
nichts.  Wäre  er  noch  aufmerksamer  gewesen  als  er  war,  so  hätte 
er  je  eine  versteckte  Anspielung  auf  die  »Weisheit  Saloinonis« 
und  den  >Hermas<:  auch  hier  finden  (c.  9.  4)  und  zwei  Pres- 
byter-Zitate (c.  3.  61)  buchen  können.     Pilatus,  den  Prokurator 


1)  Vgl.  I,  3,  6;  I,  9,  4.  5;  I,  10,  1.  2.  3;  III  Praef.;  III,  1,  1; 
III,  2,2;  III,  3,  1.  3.  4;  III,  4,  1;  III,  5,  1.  'EmÖH^ca  und  iacodekm 
Ttoitl6ftai  (Vet.  lat.  ostendere,  ostensiones«)  wechseln  hier.  »Ex  scripturis 
inferre  ostensiones«  ,  und  zwar  für  das  apostolische  Kerygma,  ist  einer 
der  dem  Irenäus  geläufigsten  Gedanken.    Speziell  zu  i-xiötlt,ai  s.  I,  9,  4.  5. 


Einleitung.  55 

des  Kaisers  Claudius  (c.  74),  überging  er  wohl  absichtlich, 
wenn  er  ihu  überhaupt  bemerkt  hat. 

Die  Schrift  verweist  an  ihrem  Ende  (s.  c.  99)  ausdrücklich 
auf  das  große  ketzerbestreitende  Werk;  sie  ist  also  später  ge- 
schrieben —  wieviel  später,  das  läßt  sich  leider  nicht  sagen. 
Da  das  3.  Buch  jenes  Werkes  unter  Eleutherus  fällt,  dem  noch 
das  4.  und  5.  folgte  und  sodann  unsre  Schrift,  so  ist  sie  schwerlich 
vor  c.  190  entstanden1.  Leider  enthält  sie  schlechterdings  nichts 
über  die  Umstände,  unter  denen  sich  ihr  Verfasser,  Irenäus, 
z.  Z.  der  Abfassung  befand;  nicht  einmal  seinen  Namen  erfährt  man 
direkt,  noch  seinen  Stand  und  Ort.  Stumm  wie  das  Grab  ist  die 
Schrift  in  bezug  auf  ihren  Autor,  und  dennoch  ist  der  Ursprung 
von  Irenäus  aus  inneren  Gründen  über  jeden  Zweifel  erhaben 
und  ebenso  die  Unversehrtheit.  Dies  zu  beweisen,  wäre  völlig 
überflüssig.  Auf  seinen  Inhalt  gesehen,  deckt  sich  der  Traktat 
zum  größten  Teile  mit  dem  3.  (4.)  bis  5.  Buch  des  Hauptwerkes 
des  Irenäus-;  er  deckt  sich  so  sehr,  daß  man  nach  neuen  Ge- 
danken und  Mitteilungen  sorgfältig  suchen  muß.  Aber  er  ist 
weder  ein  Auszug  aus  jenem  Werke  noch  ein  Mosaik  aus  den 
Ausführungen  desselben.  Er  ist  ja  auch  nicht  zur  Widerlegung 
der  Ketzer  geschrieben  —  wenigstens  nicht  in  erster  Linie  — , 
sondern  zur  geistlichen  Stärkung  christlicher  Brüder.  Dann 
aber  ist  die  Schrift  doch  zur  Erkenntnis  der  religiösen  und 
theologischen  Haltung  des  Irenäus  sehr  wichtig;  denn  sie  zeigt 
uns  den  bedeutenden  Bischof  als  Katecheten.  Darüber,  sowie 
über    ihre  Anlage   wird  am  Schluß  noch  kurz  zu  handeln  sein. 

Ich  habe  die  Schrift  zur  leichteren  Übersicht  in  100  Kapitel 
geteilt;  kleinere  Abschnitte  zu  machen,  hielt  ich  bei  ihrem 
Charakter  nicht  für  notwendig,  ebensowenig  einen  ausführlichen 
Kommentar.  Ein  solcher  müßte  überall  auf  das  Hauptwerk 
zurückgehen  und  würde  in  Wahrheit  ein  Kommentar  zu  diesem 


1)  Aus  c.  48  folgt  nicht,  daß  sie  z.  Z.  des  Severus  abgefaßt  ist. 

2)  Es  ist  daher  sehr  verständlich,  daß  die  Armenier  das  4.  u.  5.  Buch 
des  Irenäus  mit  diesem  Traktat  zusammengeschlossen  und  unter  eine 
Überschrift:  »des  Irenäus  Erweis  der  apostolischen  Verkündigung«  ge- 
stellt haben.  Ks  ist  auch  verständlich,  daß  die  Überlieferung  diese  »Epi- 
deixis«  hat  nahezu  verschwinden  lassen,  da  das  große  \Yerk  dasselbe  und 
mehr  bot;  doch  ist  bekanntlich  auch  das  große  Werk  in  der  Überlieferung 
der  griechischen  Kirche  untergegangen. 


56  Harnack,  Nachwort. 

werden.  Alle  Parallelstellen  zwischen  den  beiden  Werken  nach- 
zuweisen ,  wäre  auch  überflüssige  Arbeit;  man  müßte  fast  zu 
jedem  Kapitel  mehrere  Stellen  aus  »Adv.  haeresesr  hinzufügen, 
und  der  Gewinn  wäre  ein  geringer.  Ich  habe  mich  darauf  be- 
schränkt, zu  einigen  besonders  wichtigen  Ausführungen  die 
Parallelstellen  zu  geben  und  in  dem  Register  der  Bibelworte, 
welches  ich  zusammengestellt  habe,  die  Stellen  anzuführen,  die 
Irenäus  auch  in  »Adv.  haer.«  zitiert  hat.  So  wird  man  leicht 
noch  eine  große  Reihe  von  Übereinstimmungen  finden.  Die  Zahl 
der  neuen  Bibelstellen  ist  aber  nicht  gering.  Natürlich  walten 
hier  —  noch  mehr  als  in  »Adv.  haer.«  —  die  alttestamentlichen 
Zitate  vor;  denn  die  'ETiiöst^ig  tov  ccTcooTo?ay.ov  xr/g-iyuarog 
war  dem  A.  T.  zu  entnehmen. 

C.  1.  »Adv.  haer.«  beginnt  mit  einem  Zitat  aus  den  Pastoral- 
briefen; hier  findet  sich  eine  stillschweigende  Anlehnung  an 
Tit.  2,8.  —  Der  Prolog  geht  allmählich  in  die  Darstellung 
des  Themas  selbst  über,  wie  öfters.  —  »Körper  der  Wahrheit«, 
s.  1 ,  9 ,  5 :  tö  T)jg  afaj&eictQ  co)jxdnov.  —  Vom  polemischen 
Gesichtspunkt  ist  Irenäus  auch  hier  (sekundär)  beherrscht:  der 
Freund  soll  auch  in  den  Stand  gesetzt  werden,  die  Ketzer  zu 
widerlegen  und  zu  beschämen. 

C.  2.  Seele  und  Leib  sind  rein  zu  erhalten:  die  Reinheit 
der  Seele  ist  die  strenge  Orthodoxie.  —  Zum  Schluß  s.  Herrn., 
Mand.  11.     Auch  hier  ist  alles  polemisch  orientiert. 

C.  3.  6  xavcov  r.  Ttioreoüg,  s.  c.  6;  I,  9,  4  und  sonst. 
»Glauben  und  lieben«  (Herr  und  Vater):  öfters  bei  Irenäus.  — 
Der  Glaube  durch  »die  Altesten,  die  Schüler  der  Apostel«, 
(V,  36  u.  sonst)  überliefert,  s.  unsere  Schrift  c.  61,  III,  2,  2  u. 
sonst  (meine  Chronologie  1,  S.  333 — 340).  —  Der  Glaube  u. 
die  Taufe  I,  9,  4:  ovtu)  da  xcü  6  tov  y.avova  rrtg  ähj&dag 
äxhvij  iv  iavro)  xari^wv,  ov  diu  tov  fjanrio/uaTog  eifo]<pe. 
Glaube  und  triadische  Formel  I,  10,  1;  I,  19,  1;  III,  18,  3; 
III,  33,  7;  IV,  6,  7;  IV,  7,  4;  IV,  20,  1.  5.  6.  12;  IV,  38,  3; 
V,  1,  2.  3;  V,  6,  1;  V,  18,  1;  V,  20,  1;  V,  36,  2.  -  -  Der  lange 
Schlußsatz  des  Kapitels  (die  Darlegung  der  Folge  der  Gottes- 
kindschaft)  ist  nicht  sicher  zu  verstehen.  Von  der  &eo7iohjGig 
ist  schwerlich  die  Rede,  sondern  von  der  Durchführung  der 
absoluten  Herrschaft  Gottes.  An  Pantheismus  ist  natürlich  auch 
nicht  zu  denken.     Ganz  zum  Schluß  findet  sich  eine  polemische 


Anmerkungen  zu  c.  1 — 9.  57 

Wendung  gegen  die  gnostische  und  marcionitische  Lehre,  nach 
welcher  die  Schöpfung  dem  höchsten  Gott  fremd  ist,  s.  V,  2,  1 
u.  sonst. 

C.  4.  Z.  T.  wörtlich  nach  Hermas,  Mand.  1:  IlguJTov 
nävxojv  niGTSVGov ,  ort  eig  kaxlv  6  ifeog ,  6  rä  ndvxa.  xriaag 
xal  xavagrioag  xal  noii/öag  ix  roii  /tirj  övrog  eig  rö  elvai  rd 
ndvTct,  xal  nctvTct  ywuiLv,  povog  de  dywgrjzog  wv.  Aber  Irenäus 
schiebt  »den  Vater«  ein,  wie  I,  10,  1:  ??  niarig  eig  'iva  &eöv 
narigcc  navToxgdtoga.  Das  Kapitel  endet  wiederum  mit  einer 
antignostischen  Wendung. 

C.  5.  Wort  und  Geist  (Weisheit):  auch  sonst  oft  von 
Irenäus  nebeneinander  genannt.  —  »Fleisch  werden  läßt  und 
die  Wesenheit  der  Emanation  verleiht«  kann  nicht  richtig  sein. 
Aber  ich  wage  nicht  zu  sagen,   was  im  Urtext  gestanden  hat. 

C.  6.  »Der  allererste  Punkt  unseres  Glaubens«,  wie  c.  4 
(nach  Hermas).  —  »Zur  Vollendung  zu  bringen  und  zusammen- 
zufassen« ,  s.  das  avaxs<pc(Xatov(r&ca  (recapitulare)  in  »Adv. 
haer.«     Te?Mwaig  I,  21,  2. 

C.  7.  »Wiedergeburt«,  s.  I,  14,  6;  I,  21,  1:  ßdxTtoua  xf,g 
eig  &söv  dvayevv^aevug.  —  V,  36,  2:  »Hanc  esse  adordinationem 
et  dispositionem  eorum  qui  salvantur,  dicunt  presbyteri,  aposto- 
lorum  discipuli,  et  per  huiusmodi  gradus  proficere,  et  per 
spiritum  quidem  ad  filium ,  per  filium  autem  adscendere  ad 
patrem«.  —  IV,  6  fin. :  »Agnitio  patris  filius,  agnitio  autem  filii 
in  patre  et  per  filium  revelata«. 

C.  8.  »Kindschaft«,  s.  II,  11,  1:  »ea  quae  est  ad  patrem 
adoptio  filiorum«,  III,  6,  1  etc. 

C.  9.  Von  den  7  Himmeln  Valentins  spricht  Iren.  I,  5,  2 
(IV,  1,1);  aber  daß  er  selbst  7  Himmel  zählt,  läßt  sich  aus 
»Adv.  haer.«  nicht  feststellen.  Von  den  Häretikern  sagt  er 
IV,  1,  1 :  »aeonas  suos  et  deos  et  patres  et  dominos  adhuc  etiam 
et  coelos  vocari  dicunt« ;  aber  er  selbst  verteilt  nach  unserem 
Kapitel  die  Engelmächte  auf  die  7  Himmel.  —  »Ausgiebig  bei 
seinem  Innewohnen«,  d.  h.  reichlich  und  mannigfaltig.  —  Der 
Geist  läßt  sich  auf  Christus  nieder,  s.  III,  9,  2.  3;  III,  18,  3 
(»unctio«).  -  -  Zum  Schluß  s.  IV,  14,  3;  IV,  19,  1;  V,  35,  2  u. 
vor  allem  V,  20,  2:  »ubique  ecclesia  praedicat  veritatem,  et 
haec  est  inzd^ivyog  lucerna«. 


58  Harnack.   Nachwort. 

C.  11.  Der  Mensch  auch  seiner  Gestalt  nach  ein  Abbild 
Gottes,  s.  Melito.  —  Daß  von  dem  Sohne  und  den  Engeln  noch 
ein  besonderer  Erzengel  als  Haushalter  dieser  Welt  unterschieden 
wird,  entspricht  der  Auffassung  des  Hermas,  ist  aber  aus  >Adv. 
haer.«  nicht  zu  belegen. 

C.  12.  Der  Mensch  auch  Herr  der  Engel  (wichtig!).  — 
Der  erstgeschaffene  Mensch  ein  Kind,  wie  IV,  38,  1 — 4  (v/jmog 
rtv) ;  IV,  39,  1 :  III,  20,  1.  2.  —  Zur  Schilderung  des  Paradieses 
s.  die  Apoc.  Petri,  s.  auch  V,  5,  1. 

C.  14.  Im  Paradiese  hat  noch  keine  Begattung  statt- 
gefunden; auch  III,  22,4  heißt  es,  daß  die  Schlange  Eva  als 
Jungfrau  verführt  hat  (>:quemadmodum  Eva  virum  quidem 
habens  Adam,  virgo  tarnen  adhuc  existens;  erant  enim  utrique 
nudi  in  paradiso  et  non  confundebantur,  quoniam  paulo  ante 
facti  non  intellectum  habebant  filiorum  generationis ;  oportebat 
enim  illos  primo  adolescere,  dehinc  sie  multiplicari«) ;  Tertull., 
de  carne  17.  Ganz  deutlich  beurteilt  Irenäus  die  Geschlechts- 
lust (aber  nicht  die  Begattung)  als  sündhaft. 

C.  16.  Motiv  des  Teufels  bei  der  Verführung  Adams  war 
der  Neid  auf  die  hohe  Ausstattung  des  Menschen;  s.  IV,  11,  3: 
££/7„to(76  xo  nlüßf-ia  xov  &eov  xai  iy&oonoiVtGai,  aixo  ttuoq 
xov  &sov  £7ieyeigi]6£v.  —  »Nach  der  hebräischen  Sprache«  s.  zu 
c.  43  und  die  schwierige  Stelle  II,  24,  2.  —  »Indem  er  ihn  auf 
den  ins  Paradies  führenden  Weg  versetzte«,  kann  doch  wohl  nur 
heißen,  daß  er  noch  Aussicht  hatte,  ins  Paradies  zurückzukehren. 

C.  18  (2.  Hälfte).  Hier  ist  eine  Haggada  zum  biblischen 
Text   gegeben   (an  der  Parallelstelle  IV,  36,  4  steht  das  nicht). 

C.  21.  »Kirche«,  s.  c.  26.  41.  42.  S.  IV,  8,  1:  >;deus  in 
regnum  coelorum  ducit  Abraham  etsemen  eius,  quod  est  ecclesia«. 

C.  22.  >,Das  Bild  Gottes  ist  der  Sohn«,  s.  IV,  6,  6:  »in- 
visibile  filii  pater,  visibile  autem  patris  filius«. 

C.  24.     Abraham  als  irrender  Gottsucher:  Haggada. 

C.  26.  »Der  Finger  Gottes  ist  das,  was  vom  Vater  zu  dem 
h.  Geist  ausgestreckt  ist;',  das  ist  unklar.  —  Kirche,  s.  zu  c.  21. 

C.  30  (Präexistenz):  III,  18,  1:  »non  tunc  coepit  filius  dei, 
existens  semper  apud  patrem«.  —  Man  beachte,  daß  Irenäus 
die  ATliche  Heilsgeschichte  genau  in  den  Grenzen  hält  und 
abbricht,  wie  das  noch  heute  in  der  Katechese  (Unterstufe) 
üblich  ist.     Er  steht  auch  im  Altertum  damit  nicht  allein. 


Anmerkungen  zu  e.  1  ]  — 4 1 .  59 

C.  31.  Die  Herstellung  der  ärf&agaia  des  Menschen  ist 
die  eigentliche  Frucht  des  Erlösungswerks.  Das  ist  auch  der 
positive  Hauptgedanke  in  »Adv.  haer.«,  und  auch  die  Not- 
wendigkeit des  von  Christus  gewählten  Modus  (leibhaftige  Er- 
scheinung der  acf&ayoia,  Überwindung  des  Todes  im  Leibe) 
wird  dort  ebenso  dargelegt,  s.  besonders  III,  20,  2.  —  Zum 
Schluß  des  Kapitels  und  c.  32  s.  die  fast  wörtliche  Parallele 
III,  21,  10:  iQuia  quemadmodum  per  inobedientiam  unius 
hominis  introitum  peccatum  habuit  et  per  peccatum  mors  obtinuit, 
sie  et  per  obedientiam  unius  hominis  iustitia  introdueta 
vitam  fruetifieet  his ,  qui  olim  mortui  erant ,  hominibus.  et 
quemadmodum  protoplastus  ille  Adam  de  rudi  terra  et  de 
adhuc  virgine  —  nondum  enim  pluerat  deus,  et  homo  non  erat 
operatus  terram  —  habuit  substantiam  ....  et  sumsit  dominus 
limum  a  terra  et  plasmavit  hominem ,  ita  recapitulans  in  se 
Adam,  ipse  verbum  existens  ex  Maria,  quae  adhuc  erat  virgo, 
recte  aeeipiebat  generationem  Adae  recapitulationis*  (s.  auch 
das  folgende). 

C.  32  (Schluß),  s.  III,  18,  1 :  in  compendio  nobis  salutem 
praestans ,  ut  quod  perdideramus  in  Adam ,  i.  e.  seeundum 
imaginem  et  similitudinem  esse  dei ,  hoc  in  Christo  Jesu  reci- 
peremus' . 

C.  33.  Die  Parallele  Eva  und  Maria  auch  III,  22,  4; 
V,  19,  1;  vgl.  Justin,  Dial.  100;  Tertull.,  de  carne  17. 

C.  34.  S.  V,  17,  4:  knti  diu  %vXov  uneßcclo^ev  avtov,  diu 
1-iXov  nahv  cfavsgov  roig  nüoiv  kyivaro,  Lnidu/.ivouv  rö  iupog 
xat  /^tjy.og  y.ai  nXavog  y.ai  ßu&og  &v  iavraj,  y.ai  w§  ecpi]  rig 
räJv  ngoßsßtjy.uTcov ,  diu  rrtg  ß-elag  ixTacrewg  twv  yjigaJv  rovg 
di/o  Xaovg  eig  Iva  &sov  ovvdyiov.  II,  24,  4.  Zur  Mystik  der 
Kreuzesform  s.  auch  die  Ausführungen  Justins  (Apol.  I,  55.  60). 

C.  35  (Glaubensgerechtigkeit),  s.  IV,  5,  4 ;  IV,  13. 

C.  36.  »Filius  dei  factus  est  filius  hominis  (bz.  homo)<-, 
sehr  oft,  z.  B.  III,  19,  1 ;  IV,  33,  5. 

C.  38.  Wider  die,  welche  die  Geburt  aus  der  Jungfrau 
nicht  annehmen,  s.  111,  22,  1.  2. 

C.  39.  Wider  die,  welche  die  Auferweckung  der  Menschen 
leugnen,  s.  V,  7  ff. 

C.  41.     In  Christus   ist  das  Göttliche  mit  dem  Leibe  ver- 


60  Harnack,  Nachwort. 

mischt,  so  öfters,  s.  111,19,1:  ^commixtus  verbo  dei<.  — 
Götzendienst,  Hurerei,  Wucher:  das  sind  die  besonderen  Cha- 
rakteristika des  Heidentums  im  Sinne  der  alten  Christenheit. 

C.  43.  Hier  erfahren  wir,  auf  welche  Weise  die  Väter, 
welche  in  Genes.  1,  1  ein  Zeugnis  für  die  Präexistenz  des  Sohnes 
sahen,  sich  den  Text  zurechtgelegt  bez.  ihn  korrigiert  haben 
(doch  ist  dies  nicht  die  einzige  Weise  gewesen).  Die  Über- 
lieferung, die  zu  Irenäus  mitsamt  den  hebräischen  Textworten 
(in  bezug  auf  hebräische  Worte  bei  Irenäus  vgl.  auch  >Adv. 
haer.<)  gekommen  ist,  faßte  »bara«  als  *Sohn«  (aram.),  ver- 
doppelte es  also.  Statt  basanc  im  Armenier  ist  also  wohl 
bara  zu  wiederholen.  Mit  »baresit  bara  elowim  bara  samen  t 
ares«  ist  aber  das  Zitat  vollständig.  Was  soll  nun  noch  »benuam«  ? 
Ich  weiß  es  nicht,  und  auch  kundigere  Freunde  konnten  nicht 
helfen.  (Bat  der  Arm.  ein  Wort  mit  dem  Sinn  von  dann« 
darunter  verstanden?).  Daß  die  Silbe  »ben«  =  Sohn  ist, 
der  »Sohn«  also  hier  zu  suchen  ist,  ist  möglich;  aber  dann  ist 
»basan«  rätselhaft,  und  was  bedeuten  die  drei  Buchstaben  nach 
»ben«?  Zur  Sache  s.  Hieron.,  Quaest.  hebr.  in  libro  Genes. 
(Lagarde  1868)  p.  3:  »In  principio  fecit  deus  caelum  et 
terram  —  plerique  aestimant,  sicut  in  Altercatione  quoque 
Iasonis  et  Papisci  scriptum  est,  et  Tertullianus  in  libro  contra 
Praxean  disputat,  necnon  Hilarius  in  expositione  cuiusdam  psalmi 
affirmat,  in  hebraico  haberi:  »In  filio  fecit  deus  caelum  etterramc. 
quod  falsum  esse  rei  ipsius  veritas  comprobat«  (hier  ist  »in 
principio«  =  »in  filio«  gefaßt;  Hilarius  sagt  ausdrücklich,  das 
hebräische  Wort  »bresith«  habe  drei  Bedeutungen:  »in  prin- 
cipio, in  capite,  in  filio«;  das  ist  wohl  eine  ältere  Ausdeutung 
als  die  bei  Irenäus  vorliegende,  welche  den  Sohn  in  »bara« 
zu  finden  scheint;  jener  liegt  Proverb.  8,  22  zugrunde,  wo  die 
Weisheit  sagt:  6  xvgiog  exrioe  (xe  ccoyrtv  böwv  airoi,  vgl.  auch 
Texte  u.  Unters  I,  1  S.  117  ff.).  —  Vergebens  habe  ich  nach 
der  Herkunft  des  apokryphen  Zitats  gesucht.  —  »Jünger  Jo- 
hannes« (c.  94),  wie  öfters  in  .  Adv.  haer.« 

C.  46.  Der  Auszug  aus  Ägypten  =  dem  Auszug  aus  der 
Heidenwelt  auch  IV,  28 — 30.  —  Der  Ausdruck  »die  Lehre  der 
zwölf  Apostel«  ist  merkwürdig,  aber  an  das  Buch  unter  diesem 
Titel  ist  schwerlich  zu  denken.  —  »Die  an  Bosheit  Kinder  Ge- 
wordenen«,    d.  h.  die  neue  Generation,    die  nicht  so  böse  war, 


Anmerkungen  zu   c.  41  —  61.  61 

wie  ihre  Väter,  die  in  der  Wüste  sterben  mußten,  sondern  die 
Kinder-Unschuld  hatte. 

C.  47.  Eine  so  ausgeprägt  »nicänische«  Stelle  wie  der 
Anfang  dieses  Kapitels  findet  sich  kaum  in  >Adv.  haer.<;  aber 
eine  Interpolation  liegt  hier  doch  nicht  vor;  nicht  nicänisch  ist, 
daß  die  Differenzierung  von  Vater  und  Sohn  hier  allein  aus  der 
Ökonomie  der  Erlösung  begründet  wird  (eine  Art  von  Modalismus 
wie  in  >Adv.  haer.r).  Das  ist  vornicänisch,  vororigenistisch  und 
irenäisch.  Auch  die  Salbung  durch  den  Geist  (s.  d.  Schluß)  in 
diesem  Zusammenhang  ist  nicht  nicänisch:  dagegen  s.  III,  6,  1 
(nach  Anführung  derselben  Stelle,  Ps.  45,  7  f.):  »utrosque  dei 
appellatione  signavit  spiritus,  et  eum  qui  unguitur  filius,  et  eum 
qui  ungit  i.  e.  patrem  «.  Auch  III,  6,  1  folgen  sich  Ps.  110, 
Genes.  19,  24,  Ps.  45,  7  f.  (wie  in  dieser  Schrift  c.  44.  47.  48), 
und  eingeleitet  ist  die  christologische  Anwendung  durch  die 
Worte:  Neque  dominus  neque  spiritus  sanctus  neque  apostolus 
eum,  qui  non  esset  deus,  definitive  et  absolute  deum  nominassent 
aliquando,  nisi  esset  vere  deus,  neque  dominum  appellassent 
aliquem  ex  sua  persona  nisi  qui  dominatur  omnium  deum  patrem 
et  filium  eius  qui  dominium  accepit  a  patre  suo  omnis  condi- 
tionis  .  .  .  vere  igitur  cum  pater  sit  dominus  et  filius  vere  sit 
dominus,  merito  spiritus  sanctus  domini  appellatione  signavit  eos.« 

C.  48.  »Die  Könige,  die  jetzt  ihn  hassen  <  —  Anspielung 
auf  die  gegenwärtige  politische  Lage  der  Kirche. 

C.  51.  Die  Bezeichnung  Christi  als  Knecht  Gottes 
empfindet  Irenäus  (wie  schon  Hermas  vor  ihm,  Simil.  5)  als  der 
Erklärung  bedürftig. 

C.  55.  Die  Deutung  von  Genes.  1,  26  als  Anrede  an  den 
Sohn  schon  Barn  ab. ,  ep.  6.  —  >Nicht  nötigend;  also  ohne 
Zwang,  was  ein  Charakteristikum  des  Höheren  ist  (in  liber- 
tatem  ,  so  öfters  in   ^Adv.  haer.«). 

C.  57.     Vgl.  IV,  10,  2. 

C.  61.  Die  Altesten,  s.  c.  3.  Irenäus  besaß  augenscheinlich 
einen  Ausspruch  der  Altesten  zu  Jes.  11,  1  ff.  Aber  V,  33,  3, 
wo  er  das  Zitat  unmittelbar  nach  einem  langen  Presbyterzitat 
aus  Papias  bringt  (dem  bekannten  über  die  herrliche  Fruchtbar- 
keit im  zukünftigen  Reich) ,  scheint  er  eine  Erklärung  der 
Presbyter  zu  Jes.  11  nicht  gekannt  zu  haben;  denn  er  fährt 
nach  der  Jesaiasstelle  fort:   »Non  ignoro  autem,  quoniam  quidam 


62  Harnack,  Nachwort. 

haec  in  feros  et  ex  diverais  gentibus  et  variis  operibus  credentes 
et,  cum  crediderint,  consentientes  justis  tentent  transferre;  sed 
etsi  nunc  hoc  sit  in  quibusdam  horninibus  ex  variis  gentibus 
in  unam  sententiam  fidei  venientibus,  nihilo  minus  in  resurrectione 
iustorum  super  iis  animalibus,  quemadmodum  dictum  est:  dives 
enim  in  omnibus  deus.  et  oportet  conditione  revocata  obedire  et 
subiecta  esse  omnia  animalia  homini  et  ad  primam  a  deo  datam 
reverti  escam.«  Die  Presbyter- Autorität  setzt  er  für  diese  wörtliche 
Deutung  nicht  ein  (die  :  quidam«,  die  schwerlich  die  Presbyter  sind, 
haben  die  allegorische  Deutung).  An  unserer  Stelle  aber,  wo 
er  die  (wörtliche)  Deutung  durch  die  Presbyter  anführt,  läßt  er 
selbst  die  wörtliche  Deutung  fallen  und  faßt  die  Stelle  symbo- 
lisch. Er  hat  also  seine  Meinung  geändert.  —  An  welche 
Weiber  denkt  Irenäus  ?  —  Zur  Änderung  der  frevelhaften  Sitten 
in  den  Bekehrten  vgl.  die  Apologeten. 

C.  65.  Daß  die  Menge  ihre  Kleider  auf  das  Füllen  gelegt 
hat,  steht  nicht  im  Evangelium. 

C.  71.  Christus,  Geist  Gottes  seiend,  wurde  leidensfähiger 
Mensch«;  s.  II  Clem.  9:  u>v  /uev  to  ttqujtov  nv&iiua  h/evszo 
oägi.  —  Der  sonst  so  schriftkundige  Irenäus  hat  am  Schluß 
des  Kapitels  Act.  5,  15  irrtümlich  auf  Jesus  bezogen  —  eine 
Verwechslung  von  Petrus  und  Jesus  (also  ist  der  Heide  Phlegon 
im  2.  Jahrh.  nicht  der  einzige,  der  Geschichten  von  Jesus  und 
Petrus  verwechselt  hat),  allerdings  eine  verzeihliche. 

C.  74.  » Pontius  Pilatus,  der  Prokurator  des  Kaisers 
Claudius  —  das  ist  die  geschichtlich  interessanteste  Stelle  in 
der  neuentdeckten  Schrift.  Sie  bringt  dem  freilich  nichts  Neues, 
der  die  Parallelstelle  in  »Adv.  haer.«  (II,  22)  unbefangen  ge- 
lesen und  interpretiert  hat,  aber  sie  stellt  die  Deutung,  wie  ich 
sie  Chronolog.  I  S.  334  f.  (anders  Zahn,  Forsch.  VI,  61  ff.)  gegeben 
habe,  sicher.  Irenäus  hat,  auf  Grund  der  Stelle  Joh.  8,  57  (ob 
auch  Joh.  2,  20?)  und  auf  Grund  von  Presbyterüberlieferungen, 
angenommen ,  Jesus  sei  40  bis  50  Jahre  alt  geworden ;  er  hat 
demgemäß  seinen  Tod  unter  Claudius  angesetzt,  also  frühestens 
in  das  Jahr  41  (am  24.  Januar  41  f  Caligula),  wahrscheinlich 
aber  gerade  in  dies  Jahr;  denn  daß  Jesus  Taiov  Kaiaaoog  to 
t£tccqtov  xcü  raiov  Kegtiov  [lies  Cn.  Sentius]  ^atoovivov, 
d.h.  im  Jahre  41  gestorben  sei,  ist  eine  auch  sonst  bezeugte 
Annahme  (s.  Dobschütz  i.  d.  Texten  u.  Unters.  XI,  1  S.  148; 


Anmerkungen   zu   c.  61 — 87.  63 

Bonwetsch,  zu  Hippol.  in  Dan.  i.  d.  Gott.  Gel.  Nachricht.  1893, 
S.  521  und  in  seiner  Hippolyt-Ausgabe  p.  242,  7,  vgl.  dort  den 
Athous  und  den  Slaven).  Mit  den  Lukas- Angaben  (3,  1.  2),  daß 
Jesus  im  15.  Jahr  des  Tiberius  getauft  worden  sei,  und  daß  er 
(3,  23)  damals  noch  nicht  ganz  30  Jahre  alt  war,  hat  Irenäus 
seine  Meinung  durch  die  Annahme  vermittelt,  daß  Jesus  viele 
Jahre  hindurch  Lehrer  gewesen  ist.  So  ist  er  nach  ihm  erst 
unter  Claudius  getötet  worden.  Natürlich  ist  das  handgreiflich 
falsch,  da  wir  wissen,  daß  Pilatus  damals  längst  aus  Judäa  ab- 
berufen war.  Aber  man  muß  alles  Ernstes  fragen,  ob  nicht 
das  Johannesev.  selbst  schon  diesen  Irrtum  geteilt  hat.  Irenäus 
folgte  ihm,  die  Presbyter  (ol  xcctcc  ttjv  'Aoictv  'Iwavvij  reo  tov 
xvgiov  fict&TjTji  avfißsß/a/XOTtg)  teilten  ihn  und  im  Johannesev. 
stehen  die  beiden  Stellen  8,  57  und  2,  20.  Jedenfalls  hat  der 
die  Beweislast,  der  behauptet,  nach  Johannes  sei  Jesus  unter 
Tiberius  gestorben. 

C.  76.  Wie  Justin  hebt  auch  noch  Irenäus  hervor,  daß 
alle    Jünger  Jesum    bei    der  Gefangennahme   verlassen    haben. 

C.  77.  Im  Zwölfprophetenbuch  (c.  93)  findet  sich  ein  solcher 
Spruch  meines  Wissens  nicht.  Es  ist  auch  auffallend ,  daß 
Irenäus  hier  den  Propheten  nicht  nennt,  was  er  sonst  immer  tut. 

C.  78.  Höllenfahrt  auch  in  Adv.  haer.«.  Sie  war  bereits 
ein  geschichtliches  Lehrstück.  —  Der  apokryphe  Jeremiasspruch 
wird  auch  von  Justin,  Dial.  72,  zitiert.  Er  braucht  nicht  christ- 
lich zu  sein. 

C.  79.  Die  crux  interpretum  Ps.  22,  21  scheint  im  Arme- 
nischen eine  eigentümliche  Fassung  gehabt  zu  haben. 

C.  81.  Was  der  Zusatz  Landmünze«  bei  den  30  Silber- 
lingen  bedeuten  soll,  weiß  ich  nicht. 

C.  85.  Unter  den  Teufeln  sind  also  alle  Engel-Abstufungen 
vertreten. 

C.  87.  Mit  diesem  Kapitel  beginnt  der  wertvollste  Abschnitt 
der  ganzen  Schrift:  die  Frömmigkeit  des  Irenäus,  seine  tiefe 
Erfahrung  des  Einfachsten  und  Wichtigsten  in  der  Religion, 
seine  Würdigung  des  Unterschieds  der  Moses-  und  Christus- 
Religion,  seine  Hochschätzung  der  Liebe  treten  deutlich  hervor. 
Zu  dem  allen  finden  sich  auch  in  »Adv.  haer.«  Parallelen,  aber 
so  eindrucksvoll  stehen  dort  diese  Hauptgedanken  nicht  bei- 
einander.    Man    beachte   in    unserem  Kapitel  die  Betonung  der 


64  Hamaek,  Nachwort. 

Einfalt  des  Glaubens  und  der  Liebe,  sowie  das  schöne 
Bekenntnis:  »Christus  hat  durch  den  Glauben  an  ihn  unsere 
Liebe  zu  Gott  und  dem  Nächsten  entwickelt,  wodurch  wir  fromm 
und  gerecht  und  gut  wurden.« 

C.  95.     Warnung,   sich    nicht   dem   Judentum    zuzukehren. 

C.  96.  Man  beachte  die  runde  Aussage:  ;  Wir  haben  kein 
Gesetz  zum  Erzieher  nötig;  siehe  wir  sprechen  mit  dem  Vater 
und  stehen  ihm  von  Angesicht  zu  Angesicht  gegenüber.'  Eine 
so  kräftige  Ablehnung  des  Gesetzes  vom  Standpunkt  der  ge- 
wonnenen Kindschaft  und  Freiheit  von  der  Welt  ist  auch  nach 
»Adv.  haer.:  willkommen. 

C.  97  init.  :  Der  Name  Jesu  Christi,  der  unter  Pontius  Pilatus 
gekreuzigt  worden  ist«,  ist  Exorzismusformel  (man  beachte  c.  96 
fin.  und  vgl.  Justin).  —  Die  durch  Christus  herbeigeführte  Scheidung 
der  Geister.  —  Das  Baruchzitat  (s.  auch  IV,  20,  4  mit  derselben 
Anwendung:  ;per  quem  commixtio  et  communio  dei  et  hominis 
facta  est«)  ist  wichtig,  weil  es  eines  der  ältesten  ist.  Zuerst  hat 
Athenagoras  Baruch  zitiert.  —  »Damit  der  Mensch  nach  dem  Bilde 
und  der  Ähnlichkeit  Gottes  sei«,  ist  der  letzte  Zweck  der  Erlösung, 
wie  es  der  Anfang  der  Menschenschöpfung  war  (ganz  wie  in  » Adv. 
haer.«).    Daher  schließt  Irenäus  die  Darstellung  mit  diesem  Worte. 

C.  98—100  ist  das  Nachwort. 

C.  98.  »Die  Kirche  in  der  ganzen  Welt«,  wie  öfters  in 
>  Adv.  haer.«. 

C.  99.  Die  drei  großen  Gruppen  von  Irrlehren'  in  Bezug 
auf  den  Vater  (Lästerung  des  Schöpfers;  der  erträumte  »höchste 
Gott;  hier  verweist  Irenäus  auf  sein  großes  ketzerbestreitendes 
Werk) ,  den  Sohn  (Leugnung  der  Menschwerdung)  und  den  h. 
Geist  (Leugnung  der  Charismen  und  der  Prophetie,  s.  III,  11,  9: 
»Alii  ut  donum  Spiritus  frustrentur,  quod  in  novissimis  tempo- 
ribus  secundum  placitum  patris  effusum  est  in  humanum  genus, 
illam  speciem  non  admittunt  quae  est  secundum  Johannis  evan- 
gelium,  in  qua  paracletum  se  missurum  dominus  promisit,  sed 
simul  et  evangelium  et  propheticum  repellunt  spiritum.  Infelices 
vere,  qui  pseudoprophetas  quidem  esse  nolunt,  prophetiae  vero 
gratiam  repellunt  ab  ecclesia«). 


Die  Anlage  der  Schrift  ist  folgende: 

I)   Prolog  (an  Marcian),  der  unmerklich  zum  Thema  selbst 


Anmerkungen   zu  c.  87  —  99.     Anlage   der  Schrift.  65 

überleitet;  Reinheit  des  Leibes  und  der  Seele  ist  notwendig. 
Die  Reinheit  der  Seele  ist  das  Festhalten  am  rechten  Glauben 
(c.  1.  2).  Darlegung  des  Inhalts  dieses  Glaubens,  wie  er  bei 
der  Taufe  überliefert  wird  —  Lehre  vom  Vater,  vom  Sohn  und 
h.  Geist  — ,  in  ausführlicher,  mehrfacher  Beschreibung  (c.  3 — 8). 

II)  Geschichte  der  Offenbarung  Gottes  und  seiner  Heils- 
veranstaltungen von  der  Schöpfung  bis  zum  Einzug  der  Israeliten 
in  das  Land  Kanaan ;  den  Schluß  bildet  ein  Hinweis  auf  David, 
Salomo  und  die  nun  eintretenden  Propheten  (c.  9 — 30). 

III)  Die  von  ihnen  verkündete  Menschwerdung  des  Sohnes 
Gottes  und  sein  Erlösungswerk.  Es  wird  ausführlich  dargelegt: 
Tatsächlichkeit,  Modus,  Notwendigkeit  [Notwendigkeit  der 
Geburt  aus  der  Jungfrau  und  des  Todes],  Wirkung  [auch  für 
den  Leib],  Gerechtigkeit  durch  den  Glauben  [nicht  durch  das 
Gesetz],  Johannes  als  Vorläufer,  die  Apostel  als  Zeugen  und 
Missionare,  verpflichtende  Bedeutung  [zu  einem  heiligen  Wandel] 
(c.  31—42). 

IV)  Die  Einzelweissagungen  auf  Christus  (c.  43 — 97). 

(1)  In  Bezug  auf  das  Wesen  und  die  Präexistenz;  die 
Erscheinungen  Christi  im  Alten  Testament  (c.  43 — 56). 

(2)  In  Bezug  auf  den  Menschgewordenen  von  der  Geburt 
an,  auf  seine  Predigt  und  seine  Heilungen,  Todes- 
leiden, Auferstehung,  Himmelfahrt,  Aussendung  der 
Apostel,  Berufung  der  Heiden  [hierbei  Ausführung 
über  das  neue  Wesen  gegenüber  der  Gesetzesreligion 
und  über  die  christliche  Ethik]  (c.  57 — 97). 

Schluss:  Zusammenfassung.  Kurze  Charakteristik  der 
drei  Haupthäresien  in  Bezug  auf  den  Vater,  Sohn  und  Geist 
(c.  98—100).  

Wir  erfahren,  wie  bemerkt,  aus  der  Schrift  kaum  etwas, 
was  wir  nicht  schon  wüßten,  und  doch  ist  ihre  Entdeckung  von 
hoher  Wichtigkeit.  Wir  lernen  aus  ihr,  wie  fest  und  lebendig 
dem  Irenäus  die  Gedanken  waren,  die  er  in  Adv.  haer.  ent- 
wickelt hat.  Adv.  haer.  ist  eine  polemisch-dogmatisch- wissen- 
schaftliche Schrift,  auch  an  einen  Freund  gerichtet,  aber  diesem 
Freunde  wird  ein  weitschichtiger,  komplizierter  Stoff  und  ein 
nicht  geringes  Maß  von  Denkarbeit  zugemutet;  unser  Traktat 
ist  katechetisch  erbaulich  und  stellt  viel  geringere  Anforderungen 

Texte  und  l'iitersuchungen  etc.    81,  1  " 


66  Harnack,   Nachwort :   Schlußbetrachtung. 

an  den  Leser.  Aber  alle  Hauptpunkte  der  Religions- 
lehre in  >Adv.  haer.  finden  sich  auch  hier:  sie 
waren  dem  Irenäus  nicht  Theologie,  sondern  die 
Religion  selbst,  und  dies  von  seinem  Standpunkt  aus  mit 
Recht.  Ein  jedes  Gemeindemitglied  sollte  sie  kennen  und  auch 
der  Häresie  gegenüber  seinen  Glauben  zu  verteidigen  vermögen. 
Irenäus  lebt  wirklich  mit  ganzem  Gemüt,  mit  dem  Kopf  und 
mit  dem  Herzen,  in  dem  Glauben  der  Kirche,  wie  er  ihn  sich 
zentralisiert  und  verständlich  gemacht  hat,  und  er  weiß  diesem 
Glauben  (trotz  dem  ungeheuren  Apparat)  seine  Einfachheit  und 
Kraft,  seine  praktische  Abzweckung  und  Wärme  zu  erhalten. 
Es  ist  doch  ein  großer  Eindruck,  den  man  empfängt:  so  ist  in 
Lyon  am  Ende  des  2.  Jahrhunderts  die  Christenheit  unterwiesen 
und  geleitet  worden!  Hierarchisches  und  Zeremonielles  fehlt 
ganz ,  ja  letzteres  wird  aufs  entschiedenste  abgelehnt  (c.  96). 
Alles  liegt  in  der  Sphäre  des  Geistes,  der  Wahrheit,  der  Ge- 
sinnung, der  sittlichen  Tat;  die  Kirchenautorität  und  Tradition 
wird  gar  nicht  in  Szene  gesetzt;  der  biblische  Beweis  genügt. 
Auch  das  Sakramentale,  welches  nicht  fehlt,  tritt  doch  zurück. 
Die  » Heilstatsachen«  zersplittern  und  belasten  die  Einheit  und 
Freiheit  noch  nicht;  sie  sind  alle  in  Eins  zusammengeschlossen. 
In  dieser  Hinsicht  vermag  Irenäus  wohl  mit  Clemens  Alex,  und 
Origenes  zu  rivalisieren,  wenn  er  auch  die  wissenschaftliche 
Methode  nicht  besaß ,  um  seiner  Religion  und  Dogmatik  die 
Freiheit  zu  erhalten.  Aber  die  Leser  empfingen  in  dem  Büchlein 
einen  Schatz  und  zugleich  ein  Manuale  biblicum,  eine  Sammlung 
zweckmäßig  ausgewählter  Stellen  aus  dem  Alten  Testament, 
die  ihnen  die  Lektüre  des  weitschichtigen  Buches  etwas  ersetzen 
konnte 1.  Auch  wir  lesen  heute  das  ganze  Büchlein  mit  Respekt 
und  einzelne  Abschnitte  mit  Bewunderung  und  innerer  Bewegung. 


1)  Der  Schriftgebrauch  bietet  nichts  Bemerkenswertes  neben  »Adv. 
haeres«.  Hier  wie  dort  finden  wir  das  apokryphe  Jeremiaszitat,  die 
Baruchstelle,  die  Weisheit  Salomos  und  den  Hirten  des  Hermas  benutzt ; 
hier  wie  dort  treten  die  Psalmen  und  Jesaias  in  den  Vordergrund;  hier 
(c.  43.  94)  wie  dort  heißt  Johannes  »sein  Jünger«. 


Register  der  Quellenstellen1. 

Von  A.  Uarnack. 


Gen.  bis  Josua  c.  10—29. 
„     1,1c.  43  |II,  2,  5]. 
,     1,26  c.  32.  55  [1,24,1  u.  sonst]. 
,     2,  5  c.  32  [UI,  21,  10]. 
,     2,  16.  17  c.  15  [V,  23,  lj. 
,     2,  18  c.  13. 
,     2,  23  c.  13. 
,     4,  1  c.  17. 

„     9,  1-6  c.  22  fV,  14,  1]. 
,     9,  14.  15  c.  22. 

9  25  c.  20. 
I     9,' 26  f. 'c.  21  [111,5,3. 
„     12,  1  c.  24. 
„     12,  7  c.  24. 

,     15,5  c.24  [111,9,1;  IV,  7,1  f.]. 
„     15, 6  c.24. 35  [IV, 5, 4;  IV, 8,1]. 
„     18,  1-3  c.  44  [IV,  7,  4]. 
„     19,24  c.  44  [111,6,  1;  IV,  10, 

1 ;  IV,  36,  4]. 
„     49,  10  f.  c.  57  [IV,  10,2]. 
Genesis«  zitiert  c.  55.  57. 
Ex.  3,  7  f.  c.  46  [IV,  7,  4;  IV,  12,  4]. 
„    3,  14  c.  2  [III,  6,  21 
„    20  c.  96. 
„    21,  24  c.  96. 

„    25,40  c.9  [IV.  14,3;  IV,  19,  1; 
V  35  21 
Num.  24,  17  e.  58  [Ül,  9,  1]. 
Deut.  5  c.  96. 

„      28,66  c.  79  [IV,  10, 2;  V,  18.21. 
„      32,  21  c.  95. 
>Deuteronomium<  zitiert  c.  28. 
Ps.  1,  1  c.  2. 
„  2,  1.  2  c.  74  [III,  12,  5]. 
„  2,  7  f.  c.  49  [IV,  21.  31. 
„  3,6  c.  73  [IV,  31,3;  IV,  33, 131. 
,  19,  5  c.  21.  86. 


Ps.  19,  7  c.  85  [IV,  33,  131. 
„  21,  5  c.  72. 
„  22,  15  c.  79. 
„  22,  17  c.  79. 
„  22,  19  c.  80  [IV,  33,  12]. 
„  22,  21  c.  79. 

,  24,  7  -  10  c.  84  "IV,  33,  13]. 
„  33,  6  c.  5  [I,  22,"  1 ;  III,  8,  81. 
„  38,  18  c.  68. 

„  45,  7  f.  c.47  [111,6,  1;  IV,  33, 111. 
,  68,  18  f.  c.  83  [II,  20,  3]. 
„  69,  22  c.  82  [III,  19,  2;  IV.  33. 12  . 
[„  72,  17  c.  43]. 
„  89,  39-46  c.  75. 
„  110,  1  c.  85. 
[,  110,  3  c.  43]. 

,   110   c.  48.  49   [11,28,7  u.  sonst  . 
„  132, 10-12  c. 64  [III,  9,  lu. sonst]. 
Jes.  1,  30  c.  99. 
„    2,  3  c.  86  [IV,  34,  3]. 
„    2,  11.  17  c.  88  [IV,  33,  13'. 
„    7,  9  c.  3. 

,    7,14—  16c.53  III, 21, 4u. sonst]. 
„    8,  10  c.  54. 
9  5  c.  54. 
I    9,5.  6   c.  56  [III,  16,3;  III,  19, 

2;  IV,  33,  121. 
„    10,  22  f.  c.  87. 

„    11,2  c.9  [111,9,3;  HI,  17, 1.3  . 
„    11,  1— 10   e.  59  ff.   [III,  9,2  u. 

sonst]. 
17  7  f.  c.  91. 
I    2ß,  19  V  67 '[IV,  33,  12;  V,  15, 

1;  V,34,l]. 
„    29,  18  c.  67. 

„    35, 3-6 c. 67 Till, 20, 3; IV, 33, 12]. 
B    40,  12  c.  45  III,  30,  1]. 


1)  Die  in  eckigen  Klammern  beigesetzten  Zahlen  beziehen  sich  auf 
Iren.,  Adv.  haeres.  —  Nicht  alle  Anspielungen  auf  ganz  geläufige  Alt- 
und  Neutest.  Erzählungen  siud  aufgenommen. 

5* 


68 


Register  der  Quellenstellen. 


Jes.43,  19-21  c.  89  [IV,  33,  13]. 

,    45,  1  c.  49. 

,    49,  5.  6  c.  50. 

„    50,  6  c.  34  [IV,  33,  121. 

,    50,  8  f.  c.  88  [IV,  33.  13]. 

„    52,  7  c.  86  [III,  13,  1]. 

,    52,  13-53,8  c.  66  ff.  [III,  19,  2 
u.  sonst]. 

„    53,  4  c.  67  [IV,  33,  12]. 

„    54,  1  c.  94  [I,  10,  3]. 

,    57,  1.  2  c.  72  [IV,  34,  5]. 

,    61,  1    e.  53    [111,17,  1;    III,  18, 
3;   IV,  23,  1]. 

„    63,  9  c.  88  [III,  20,  4]. 

„    65,  1    c.  92   [111,6,  1;   111,9,2]. 

„    65,  2  c.  79  [IV,  33,  121. 

„    65,  15  f.  c.  88. 

„    66,  1  c.  45  [IV,  2,  6]. 

,    66,  3  c.  96  [IV,  18,  31. 

„    66,  7  c.  54. 
Jerem.  31,  31  -  34    c.  90    [IV,  9,  1 : 
IV,  33,  13]. 
32,  6  f.  c.  81. 
Türen.  3,  30  c.  68. 

4,  20  c.  71  [III,  10,  3]. 
Ezech.  11,  19  f.  c.  93. 
Hos.  2,  25  c.  93. 

„     6,  6  c.  96  [IV,  17,  4]. 
Joel  3,  5  c.  96. 

Arnos  9,  11  c.  38.  62  [III,  12,  14]. 
Micha  5,  1  c.  63. 
Habak.  2,  4  c.  35  [IV,  34,  21. 
Sach.  9, 9  c.  65  [III,  19, 2;  I V,  33, 1. 121 

„     11,  2  f.  c.  81. 
„     13,  7  c.  76. 
»Das  Zwölfprophetenbuch«  c.  77. 93. 
Bar.  3,  29-4,  1  c.  97  [IV,  20,  4]. 
Sap.  Sal.  1,  7  c.  9. 

Apokryphes  Zitat  aus  Jeremias  c.  78 
[III,  20,  4  u.  sonst,  s.  auch  Justin, 
Dial.  72]. 

Apokryphes  Zitat  aus  dem  Zwölf- 
prophetenbuch c.  77. 

Apokryphes  Zitat  c.  43. 


Matth.  2,  1-9  c.  58    III,  9,  2". 
„       3,  9  c.  93  loft  bei  Iren.]. 
„       10,  37  c.  96. 
„       18,  12   c.  33  [III,  19,3;   III, 

23,  1  etc.". 
„       21,  7.  8  c.  65  [IV,  11.  3]. 
„       24,  45  ff.  [Luk.  12,  42  ff.l  c.  11. 
„       26,  14  ff.;  27,  3  ff.  c.  81. 
27,  34  c.  82. 
Mark.  14,  50  c.  76. 

„       15,  7  c.  95. 
Luk.  23,  7  ff.  c.  74.  77. 
Joh.  1,  1  f.  c.  43  [oft  bei  Iren.]. 
„     1.  14  c  94  [oft  bei  Iren.]. 
„    1,  33  c.  41. 
„    12,  4  ff.  c.  81. 
„    19,  15  c.  95. 
„    19,  23  ff.  c.  so 
Act.  1,4-12  c.  83. 
„     1,8  c.  41. 
„    4,  12  c.  96  [III,  12.  4  . 
„    5,  15  c.  71. 
Rom.  1,3  f.  c.  30. 

„     2,  4—6    c.  8    [IV,  33,  14;    IV, 

37,  1]. 
„     4,  13  c.  35  [IV,  7,  2]. 
„     8.  3  f.  c.  31. 

„     13,  10  c.  87.  95  [IV,  12,  2]. 
I  Cor.  15,  53  c.  33  [oft  bei  Iren.l. 
Gal.  4,  6  c.  5  [IV,  9,  2], 
Eph.  4,  6    c.  5    [11,2,6;    IV,  20,  2; 

IV,  32,  1 ;  V,  18,  1]. 
Phil.  2,  15  c.  35  [IV.  5.  4  . 
I  Tim.  1,  9  c.  35. 
Tit.  2,  8  c.  1. 

Hermas,  Mand.  1  c.  4. 

»Die  Ältesten,  die  Schüler  der 
Apostel«  c.  3.  61  [In  c.  74  heißt 
Pilatus  der  Prokurator  des  Kaisers 
Claudius  ]. 

"Eley%os  x.  ccvaxQOiti)  r.  xbevö.  yvm- 
6£<ag  c.  99. 


«g§3- 


Verlag  der  J.  C.  HINRTCHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 

Als  Fortsetzung  zu  den 

GRIECHISCHEN 

CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLEEN 

DER  ERSTEN  DREI  JAHRHUNDERTE 

Herausg.  V.  d.  KiiTlR-uväter-Commission  der  Kgl.  Preuss.  Akademie  der  Wissenschaften. 

erschienen  soeben : 

Hegemotlius.  Acta  Archelai.  Herausgegeben  von  Charles  Henry  Beeson.  Mit  Ein- 
leitung und  vierfachem  Register.    (ll7/s  Bogen).   1906.  M.    6  — 

Clemens  AlexandritlUS.  Stromata  Buch  I  — VI.  Herausgegeben  von  Otto  Stäht.ix. 
Mit  Einleitung.  (333/8  Bogen).   [Clemens  Alexandrinus  Band  II]    1900.    M.  16.50 

Früher  erschienen : 

Adamantius.  Der  Dialog  tcsqI  rrfg  sig  #eov  ÖQ&fjq  Tcioveuiq.  Herausg.  v.  W.  H.  van 
de  Sande  Bakhuyzen.  Mit  JEinleitung  u.  dreifachem  Register.  (195/s  Bogen. 
1901.  M  10  — 

Clemens  Alexandrinus.  Protrepticus  und  Paedagogus.  Herausgegeben  von  Otto 
Stäiilin.  Mit  Einleitung  und  dreifachem  Register  zu  den  Scholien.  (27 1/4  Bgen). 
[Clemens  Alexandrinus  Bd.  I]    1905.  M.  13.50 

EuseblUS.  Über  Constantins  Leben.  —  C's  Rede  an  die  Heilige  Versammlung.  — 
Tricennatsrede  an  Constantin.  Hrsg.'v.  J.  A.  Heikel.  Mit  Einleite,  u.  dreif.  Reg. 
(29  V8  Bogen).     [Eusebius  Band  I]  "  1902.  M.  14.50 

—  Die  Kirchengeschichte  mit  der  lateinischen  Übersetzung  des  Rufinus.  Heraus- 
gegeben von  Ed.  Schwartz  und  Th.  Mommsen  (fi.  I.  Hälfte  (317/s  Bogen). 
[Eusebius  Band  II,  i]    1903.  _  *M.  16  — 

—  Das  Onomastikon  der  biblischen  Ortsnamen,  mit  der  lateinischen  Übersetzung 
des  Hieronymus.  Hrsg.  von  E.  Klostermann.  Mit  Einleitung,  doppeltem 
Register  und  einer  Karte  von  Palästina.  (153/s  Bogerf.)  1904.  [Eusebius, 
Band  III,  i]  M.    8  — 

—  Die  Theophanie.  Die  griechischen  Bruchstücke  und  Übersetzung  der  syrischen 
Ueberliefertfng*  Hrsg.  V.  H.  Gressmann.  Mit  Einleitg  u.  vierf.  Reg.  (153/s  Bg.) 
[Eusebius  Band  III,  2]    1904.  M.    9.50 

—  Gegeti  Marcel!  Über  die  kirchliche  Theologie.  Die  Fragmente  Marcells.  Hrsg.  von 
Erich  Klostekmann.  Mit  Einleitung  und  dreifachem  Register.  (18  Bogen). 
[Eusebius  Band  IV]  19' IC.  M.    9  — 

Buch  Henoch.  Herausgeg.  von  Jon.  Flemming  und  L.  Radermacher.  Mit  Ein- 
leitung und  vierfachem  Register.     (LI  1/4  Bogen).    1901.  *M.     5.50 

Hippolyt.  Kommentar  '/.um  Buche  Daniel  und  die  Fragmente  d.  Kommentars  zum 
Hohenliede.  Heraus?,  v.  G.  N.  Bonwetsch.  —  Kleine  exegetische  und  homi- 
letische Schriften.  Herausire«:.  von  11.  Achelis.  (253/4  U.  20  Bogen).  [Hip 
polyt.  Band  II  L897-;  M.  18  — 

Koptisch -gnostische  Schriften.  Die  Pistis  Sophia.  Die  beiden  Bücher  des  Jeü. 
Unbekanntes  altgnostisches  Werk.  Beraüsgegeben  von  Carl  Schmidt.  Mit 
Einleitung  und  dreifachem  Register.  27y2  Bogen)  [Koptisch-gnostische 
Schriften  Bd.  I      19Q5.  ■  M  13.5C 

Oracula  Sibyllina.  Bearbeitet  von  Joh.  Gefecken.  Mil  Einleitung  und  doppeltem 
Register    fis>  .  Bogen  .     1902.  M-    •l-r,tl 

Fortsetzung  auf  lex  S.  1  mschlagseite. 


DES  HEILIGEN  IRENÄÜS 

SCHRIFT  ZUM  ERWEISE 

DER  APOSTOLISCHEN  VEBKÜNDIGUXG 

EIS  EniJElSIN 
TOT  ATIOSTOAIKOT  KHPTTMATOS 


IN  ARMENISCHER  VERSION  ENTDECKT 

HERAUSGEGEBEN    UND    INS   DEUTSCHE    ÜBERSETZT 

VON 

LiC.   Dr.   KARAPET  TER-MEKERTTSCHIAN 

UND 

LlC.  DR.  ERWAND  TER- MIN  ASSI  ANTZ 
MIT  EINEM  NACHWORT  UND  ANMERKUNGEN 

fc  VOM 

ADOLF  HARNACK 


mm* 

SSKafiB 


LEIPZia 
J.  C.  HINRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 

1907 


G.  IM.  BONWETSCH 

DIE  UNTER  HIPPOLYTS  NAMEN  ÜBERLIEFERTE 
SCHRIFT  ÜBER  DEN  GLAUBEN 

HUGO  KOCH 

VINCENZ  VON  LERIN  UND  GENNADIUS 

HUGO  KOCH 

VIRGINES  CHRISTI 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'SCHE  BUCHHANDLUNG 

1907 


Verlag  der  J.  C.  HINRICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN  ZUR  GESCHICKTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN    LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  GRIECHISCHEN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 
DER  ERSTEN  DREI  JAHRHUNDERTE 

Herausgegeben  von  0.  von  Gebhardt  und  A.  Harnack. 

Inhalt   der   Dritten   Reihe  (hrsg.  von  A.  Harnack  und  G.  Schmidt)  Bd.   XXXI  u.  ff. 


Neueste  Hefte: 

Bonwetsch,  G.  N.,  Die  unter  Hippolyts  Namen 
überlieferte  Schrift  über  den  Glauben.  Nach 
einer  Übersetzung  der  in  einer  Schatberder 
Handschrift  vorliegenden  georgischen  Ver- 
sion. 36  S.  —  Koch,  H. ,  Vincenz  von  Lerin 
und  Gennadius.  Ein  Beitrag  zur  Literaturge- 
schichte des  Semipelagianismus.  22  S.  — 
Koch,  H.,  Virgines  Christi.  Die  Gelübde  der 
gottgeweihten  Jungfrauen  in  den  ersten  drei 
Jahrhunderten.  54  S.  1907.  (XXXI,  2)   M.  3.50 

Irenäus,  des  hl.,  Schrift  zum  Erweise  der  apo- 
stolischen Verkündigung.  Äs  hii#st£<j>  tov 
ujtooToXixoi  xrjvvyfiaroq.  In  armenischer  Version 
entdeckt,  hrsg.  und  ins  Deutsche  übersetzt 
von  Licc.  Dr.  Karapet  Ter-Mekerttschian  und 
Erwand  Ter-Minassiantz.  Mit  einem  Nach- 
wort und  Anmerkungen  von  Ad.  Harnack. 
VIII,  69  u.  68  S.  1907.  (XXXI,1)  M.     6  — 


Inhalt  der  NF.  (Zweite  Reihe,  Bd.  XVI- XXX). 

Achelis,  H.,  Hippolytstudien.  VIII,  233  S.  1897. 
(NF.  I,  4)    M.    7.50 

Augar,  F.,  Die  Frau  im  römischen  Christen- 
process.  Ein  Beitrag  zur  Verfolgungsge- 
schiehte  der  christlichen  Kirche  im  röm. 
Staat.  82  S.  (Mit  Harnack  und  Sehultze.  NF. 
XIII,  4.)  H.  4.50 

Bauer,  Ad.,  Die  Chronik  des  Hippolytos  im 
Matritensis  graecusl2l.  Nebst  einer  Abhand- 
lung über  den  Stadiasmus  Maris  Magni  von 
Otto  Cuntz.  Mit  1  Abbildimg  im  Text  und 
5  Tafeln.  VI.  288  S.  1905.  (NF.XIV,  1)  M.  8.5n 

Berendts ,  A. ,  Die  Zeugnisse  vom  Christentum 
im  slaviscben  de  bello  Judaico  des  Josephus. 

III,  79  S.     1906.  ..      (NF    XIV,  4)  M.  2.50 

—  Die  handschriftl.  Überlieferung  d...Zacha- 
rias-  u.  Johannes -Apokryphen.  —  Über  d. 
Bibliotheken  d.  Meteorischen  u.  Ossa-Olymp. 
Klöster.     IV,  84  S.  1904.  (NF.  XI,  3)    M.  2.70 

Bonwetsch,  G.  N.,  Studien  z.  d.  Komm.  Hippolyts 
zum  Buche  Daniel  n.  Hohenliede.  IV,  86  S. 
1897.  (NF.  I,  2)    M.     3  — 

—  Drei  georgisch  erhaltene  Schriften  v.  Hippo- 
lytus.  XVI,  98   S.  1904.  (NF.  XI,  la)    M.  3.50 

—  Hippolyts  Kommentar  z.  Hohenlied  auf  Grund 
v.  N.  MARR'sAusg.  d.  grusin.  Textes  herausg. 
108  S.    1902.    (s.  Harnack) 

Bratke,  E.,  Das  sogenannte  Religionsgespräch 
am  Hof  der  Sasaniden.  IV,  305  S.  1899.  (Mit 
Harnack,  Cyprian.SchriftenNF.IV, 3)   M.  10.50 

Die  syrische  Didaskaliaübs.  u.erkl.v.H.ACHELisu. 

J.  FLEMMrNG.VHI,388S.  1904.  (NF.X,2)  M.  12.50 

Dobschütz,  E.  von,  Christusbilder.  Untersuchun- 
gen zur  christlichen  Legende.  XII,  294,  336 
und  357  S.     1899.  (NF.  III)    M.  32  — 

Erbes,  C,  Die  Todestage  der  Apostel  Paulus 
und  Petrus    und  ihre  römischen  Denkmäler. 

IV,  138  S.  1899.  (Mit  Harnack,  Ketzerkatalog 
und  Goetz,  Cvprian  NF.  IV.  1)  M.    5.50 


Flemming,  J.,  Das  BuckHenoch.  Äthiop.Text,  Einl. 

Komm.  XVI,  172  S.  1902.  (NF.  VII,  1)  M.  11  — 
Gebhardt,  ..0.  v.,  Passio  S.  Theclae  virginis.    Die 

latein.  Übersetzgn.  der  Acta  Pauli  et  Theclae 

nebst  Fragm.,  Auszügen  u.  Beilagen  herausg. 

CXVIII,  188  S.  1902.  (NF.  VII,  2)  M.  9.50 
Geffcken,  J.,  Komposition  u.  Entstehungszeit  d. 

Orac.  SibylL  IV,78S.  1902.  (NF.  VIII, l)  M.2.50 
Goltz,  Ed.  v.d.,  Tischgebete  u.  Abendmahlsgebete 

in  d.  altchrisilichen  u.   in  der  griechischen 

Kirche.    67  S.    1905.    (NF.  XIV,  2b)     M.  2  — 

—  Aüyo$   öwT^pt'a;  jr^og    tt/v  nupdävov  (de   Virgini- 

tate).    Eine    echte  Schrift    des  Athanasius. 
IV,  144  S.     1905.     (NF.  XIV,  2a)  M.5  — 

—  Eine  textkrit.  Arbeit  d.  10.  bez.  6.  Jh.,  hrsg. 
nach  e.  Codex  d.  Athoskl.  Lawra.  Mit  1  Tafel. 
VI,  116  S.  1899.  (NF.  II,  4)  M.    4.50 

Goetz,  K.  G.,D.  alte  Anfang  u.  d.  Ursprung).  Form 

v.Cypr.  Schrift  ad  Donatum.  16  S.  1899.  (s. Erbes) 
Gressmann,  H.,  Studien  zu  Euseb's  Theophanie. 

XI,  154  u.  69  S.  1903.  (NF.  VIII,  3)  M.  8  — 
Haller,  W.,  Jovinianus,  dieFragm.s. Schriften -U-. 

VIII,  159  S.  1897.    (NF.  II,  2)  M.    5.50 

Harnack,  A.,    D.  pseudocypr.  Trakt,   de   singu- 

laritate  cleric.   e.  Werk   d.    donatist.  Bisch. 

Maerobiusin  Rom.  (72  S.)  —  D.  Hypotyposen 

d.  Theognost.  (20  S.)  —  D.  gefälschte  Brief  d. 

Bisch.Theonas  an  d.OberkammerherrnLucian. 

(25.S.)     117  S.     1903.     (NF.  IX,  3)  M.  3.50 

—  Über  verlorene  Briefe  und  Actenstuck'-, 
die  sieh  a.  d.Cyprian.  Briefsammlg.  ermitteln 
lassen.  45  S.  1902.  (Mit  Klostermann,  u.  Bon- 
wetsch,   NF.  VIII,  2)  M.     5.50 

—  Der  Ketzer-Katalog  des  Bischofs  Maruta 
von  Maipherkat.    17  S.    1899    (s.  Erbes) 

—  Die  Pfaffschen  Irenäns-Fragmente  als 
Fälschgu.  Pfaffs  nachgewiesen.  —  Patrist. 
Miscellen.  III,  148  S.  1900.  (NF.  V,  3)      M.  5  — 

—  Diodor  v.  Tarsus.  IV,  251  S.  1901.  (NF.  VI.  H 

M.    8  — 

—  Analecta  zur  ältesten  Gesch.  d.  Christen- 
tums in  Rom.  10  S.  (Mit  Koetschau  und 
Klostermann.    NF.  XIII.  8.) 

—  Drei  wenig  beachtet»  Cvprianische  Schriften 
und  die  „Acta  Pauli".    34  S.    1899.    (s.  Bratke) 

—  Der  Vorwurf  des  Atheismus  in  den  drei 
ersten  Jahrhunderten.  16  S.  1905.  (Mit 
Sehultze  und  Augar.     NF.  XIII,  4)    M.  4..v> 

Holl,  K.,    Fragmente    vornieän.    Kirchenväter 

aus  d.  Sacra  parallela.  XXXIX,  241  S.  1899. 

(NF.  V,  2)    M.    9  — 

—  Die  Sacra  parallela  des  Johannes  Damas- 
cenus.   XVI,  392  S.   1897.    (NF.  I,  1)     M.  12  — 

Janssen, R.,D.Johannes-Ev.n.d.Paraph.d.Nonnus 
Panopolit,  IV,  80  S.  1903.  (NF.  VIII,  4)  M.  2.SQ 

Jeep,  L,  Zur  Überlieferung  des  Philostorgios. 
33  S.     1899.    (s...  Wobbermin)    Nicht   einzeln. 

Klostermann, E.,  D.  Überlief,  d.  Jeremia-Homilien 
d.Origenes.    VI,  116  S.  1897.  (NF.  I,  31  M.  3.50 

—  Eusebius'   Schrift  xifl  tüv  tokixCv  <V 

tüv  iv  rj  -»elf  yt>c«ps.    28  S.  1902.    (s.  Harnack  > 
Fortsetzung  auf  der  dritten  Umschlagseite. 


DIE  UNTER  HIPPOLYTS  NAMEN 

ÜBERLIEFERTE  SCHRIFT 

ÜBER  DEN  GLAUBEN 

NACH 

EINER  ÜBERSETZUNG  DER  GEORGISCHEN  VERSION 

HERAUSGEGEBEN  VON 

G.   NATHANAEL  BONWETSCH 

YINCENZ  VON  LEKIN  UND  GENNADIÜS 

VON 

HUGO  KOCH 

VIRGINES  CHRISTI 

VON 

HUGO  KOCH 


-w 


■-■; 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'schk  BUCHHANDLUNG 

L907 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER  ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREDSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  HARNACK  UND  CARL  SCHMIDT 
31.  BAND  HEFT  2 


Druck  von  August  Pries  in  Leipzig 


DIE  UNTER  HIPPOLYTS  NAMEN 
ÜBERLIEFERTE  SCHRIFT 

ÜBER  DEN  GLAUBEN 

NACH  EINER  ÜBERSETZUNG 

DER  IN  EINER  SCHATBERDER  HANDSCHRIFT 

VORLIEGENDEN  GEORGISCHEN  VERSION 

HERAUSGEGEBEN  VON 

G.  NATHANAEL  BONWETSCH 


Text-,  it.  Untersuchungen  etc.  31,  2 


Inhalt. 

Seite 

Einleitung 1 

Text 12 


S  =  russische  Übersetzung. 
K  =  Karbelovs  Bemerkungen. 


Von  den  unter  dem  Namen  Hippolyts  in  einer  georgischen 
Handschrift  des  Klosters  Schatberd  erhaltenen  Abhandlungen 
habe  ich  in  N.  F.  Bd.  VIII,  2  der  „Texte  und  Untersuchungen"  die 
Erklärung  des  Hohelieds  auf  Grund  der  Ausgabe  N.  Marrs  (St. 
Petersburg  1901)  und  in  N.  F.  Bd.  XI,  la  die  Erklärung  des 
Segens  Jakobs  und  des  Segens  Moses  und  die  Schrift  über  David 
und  Goliath  nach  einer  von  dem  Priester  V.  Karbelov  angefer- 
tigten russischen  Übersetzung  herausgegeben.  Im  Schatberder 
Kodex  reiht  sich  jenen  exegetischen  Abhandlungen  (unter  denen 
die  über  das  Hohelied  an  vierter  Stelle  steht)  die  Schrift  Hippo- 
lyts De  antichristo  an.  Sie  zu  edieren  ist  hier  kein  Anlaß; 
vielmehr  läßt  die  mir  ebenfalls  von  Karbelov  zugegangene  Über- 
setzung der  georgischen  Version  dieser  Schrift  erkennen,  wie 
gegenüber  dem  von  ihm  dargebotenen  Wortlaut  eine  Zurück- 
haltung am  Platze  ist,  und  daß  ich  nicht  ohne  Grund  meine 
Ausgabe  als  eine  durchaus  nur  vorläufige  anzusehen  gebeten  habe 
(Bd.  XI,  la  S.  III).  Erst  die  Verwertung  der  armenischen  Vor- 
lagen der  georgischen  Version,  für  die  Schrift  über  den  Segen 
Jakobs  aber  auch  zugleich  des  in  den  Handschriften  der  Meteora- 
klöster  erhaltenen  griechischen  Originals  (vgl.  A.  Berendts  in 
diesen  „Texten  und  Untersuchungen"  N.  F.  XI,  3  S.  72  ff.),  wird 
einen  gesicherteren  Text  zu  bieten  imstande  sein.  —  Dagegen 
überrascht  durch  ihre  große  Treue  in  der  Wiedergabe  des  ur- 
sprünglichen Textes  Karbelovs  russische  Übersetzung  der  georgi- 
schen Version  der  zweiten  unter  den  beiden  weiteren  Ab- 
handlungen der  Schatberder  Handschrift,  als  deren  Verfasser 
ebenfalls  Hippolyt  bezeichnet  ist,  „Über  die  Gestalt  des  Ge- 
lübdes". Ich  habe  auch  diese  Schrift  auf  Grund  von  Karbelovs 
Übersetzung  ins  Deutsche  übertragen  und  dann  gesucht,  ihr 
ihre  Stelle  in  der  asketischen  Literatur  zuzuweisen.  Die  Züi^e 
des    in    ihr    vorausgesetzten    Mönchtunis   wiesen  in  das  4.  Jahr- 


4  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

hundert,  sie  weckten  schließlich  in  mir  auch  eine  Erinnerung  an 
das  von  Aphraates  in  seiner  Homilie  über  die  „Bundesbrüder" 
Gesagte.  Eine  Vergleichung  zeigte,  daß  es  sich  um  nichts  an- 
deres als  eine  treue  Übersetzung  dieser  Schrift  ins  Georgische 
(vermittelt  durch  eine  armenische  Version)  bandelt,  wenn  schon 
gerade  die  charakteristische  Bezeichnung  der  „Einsamen"  als 
„Bundesbrüder"  fehlt.  Eine  Wiedergabe  an  dieser  Stelle  wäre 
daher  zwecklos.  In  der  Schatberder  Handschrift  fehlt  ein  Blatt 
entsprechend  S.  93,  31  bis  S.  95,  30  der  Übersetzung  der  Homi- 
lien  des  Aphraates  durch  G.  Bert  („Texte  und  Untersuchungen" 
III,  3.  4).  Hier  und  da  zeigen  sich  kleine  Abweichungen.  Z.  B. 
S.  97,  11  fügt  der  Georgier  nach  „heiligte"  hinzu:  „durch  die 
Beschneidung  seines  Sohnes";  S.  111,  22  heißt  es  statt  „seit  der 
Ankunft  unsers  Erlösers;  sondern  raubt  und  stiehlt  nur"  viel- 
mehr „durch  das  Kreuz  Christi  und  das  heilig  Bewahren  unserer 
Leiber;  sondern  nur  durch  Schein  verlockt  und  heimlich  stiehlt 
er";  S.  113,  14  f.  statt:  „Und  vor  den  Spöttern  hüte  dich.  Denn 
wer  spottet  und  höhnet  über  seinen  Bruder"  ausführlicher:  „und 
alle,  die  den  Herrn  fürchten,  welche  das  Gelübde  gaben  und  es 
bewahren  mögen.  Denn  er  spricht:  Wenn  ihr  gelobt  habt,  so 
erfüllet  es  auch  dein  Herrn  eurem  Gott  (Ps.  76,  12).  Hütet  euch 
vor  aller  Trägheit  und  sinnet  über  das  Gesetz  des  Herrn  Tag 
und  Nacht.  Schandbares  Wort  und  Unverschämtheit  tut  hin- 
weg aus  eurem  Mund,  was  würdig  macht  der  Verurteilung  und 
wodurch  der  Mensch  befleckt  wird".  Am  Schluß  ist  nach  den 
Worten  „gedenke  meiner  des  Sünders  in  deinem  heiligen  Gebet" 
(bei  Bert:  „gedenke  meiner  Sünde  in  deinem  Gebet")  hinzuge- 
fügt: „Und  alle  zumal  bekennen  wir  Lob  und  Preis  dem  Vater 
und  dem  Sohne  und  dem  heiligen  Geist  jetzt  und  immerdar 
und  in  alle  Ewigkeit.  Amen";  ebenso  ein  Zusatz  wohl  des  Über- 
setzers, wie  das  Weitere  der  eines  Abschreibei's:  „0  heiliger  Vater 
Hippolyt,  sei  mir,  dem  Vater  Johannes,  Fürsprecher  vor  unserm 
Herrn  Jesus  Christus!  Dieser  Brief  ward  auf  ihre  Kosten  ge- 
schrieben; wer  ihn  lesen  wird,  benedeit,  bittet  für  sie!" 

Der  Abhandlung  „Über  die  Gestalt  des  Gelübdes"  geht  in 
der  Schatberder  Handschrift  eine  solche  voran  „Über  den 
Glauben"  S.  390  b  bis  410  b.  —  Ihr  Inhalt  ist  folgender: 

C.  1  stellt  voran  als  durch  die  Taufe  überkommen  das  Be- 
kenntnis zur  Trinität,  deren  Gleichheit  und  Einheit  stark  betont 


„Über  den  Glauben".  5 

wird.  Unsere  zusammengesetzte  Natur  ist  unzulänglich  für  eine 
volle  Erkenntnis  des  schlechthin  einfachen,  über  alles  erhabenen 
und  durchaus  vollkommenen  Wesens  Gottes  (c.  2.  3).  Durch  die 
heiligen  Schriften  aber  hat  sich  Gott  als  der  Dreieinige  in  seiner 
Einheit  wie  in  seiner  Unterschiedenheit  offenbart  (c.  4.  5).  Der 
Vater  ist  ungezeugt,  der  Sohn  vor  den  Äonen  in  rein  geistiger 
Weise  gezeugt,  der  Geist  ausgehend  vom  Vater,  aber  mit  Vater 
und  Sohn  eins  im  Wesen  und  Werk;  —  so  bekennen  wir  im 
Gegensatz  zum  Heidentum  den  Einen  Gott,  im  Gegensatz  zum 
Judentum  und  Sabellius  die  Dreiheit  (c.  6 — 8).  Auch  der  durch 
die  Geburt  von  der  Jungfrau,  die  er  sich  zum  Tempel  geheiligt, 
Mensch  Gewordene  bleibt  Eines  Wesens  mit  dem  Vater  und  un- 
getrennt. Seine  Erniedrigung  in  der  Menschwerdung  ist  seine 
eigene  Tat  und  ein  Erweis  seiner  Allmacht.  Durch  sie  eint  er 
sich,  seiner  Gottheit  nach  unverändert  und  allgegenwärtig  und 
in  seiner  Fleischwerdung  die  größte  aller  Gnadengaben,  den  Leib 
von  der  heiligen  Jungfrau,  um  die  Welt  zu  retten  und  den  Fluch 
in  Segen  zu  wandeln.  In  Erfüllung  der  Schrift  ward  der  Herr 
der  geistigen  Mächte  auch  vollkommen  Mensch  und  hat,  nur  an 
seinem  Fleisch  nach  freiem  Willen  leidend,  seine  vollkommene 
Macht  offenbart  und  auch  die  im  Hades  Eingekerkerten  errettet. 
Die  an  ihn  Glaubenden  werden  selig.  Im  Gegensatz  zu  denen, 
welche  jetzt  lehren:  „Es  wTar  einst,  da  der  Sohn  nicht  war",  wie 
zu  Sabellius  bekennen  wir  eine  ewige  Trinität  (c.  9 — 12).  Des 
Sohnes  wahrhaftige  Menschwerdung  nach  Leib  und  Seele  ge- 
schah zur  Errettung  des  Menschen;  dazu  hat  er  gelitten,  ist  auf- 
erstanden, aufgefahren  und  wird  zum  Gericht  wiederkommen. 
Sündlos,  ist  er  freiwillig  gestorben,  der  Hirte  für  die  Schafe,  um 
durch  seinen  Tod  die  Menschen  lebendig  zu  machen.  Das  Holz, 
das  zur  Sünde  verführt  hatte,  hat  als  Holz  des  Kreuzes  vom 
Götzendienst  zurückgeführt;  die  Kirche  ist  nun  die  Braut  Christi; 
der  Getaufte  hat  die  Gabe  der  Sohnschaft  und  das  ewige  Reich, 
ein  jeder  in  Erneuerung  des  Leibes  und  nach  seinen  Taten 
(c.  13.  14).  Dies  zu  verkündigen  hat  Christus  bei  seiner  Auffahrt 
seine  Apostel  ausgesandt  und  ihnen  den  heiligen  Geist  gegeben. 
Dieser  ist  gleich  vollkommen  wie  Vater  und  Sohn  und  mit 
ihnen  ungeteilten  Wesens  und  Wirkens  (c.  lä.  16).  In  seiner 
Teilnahme  an  der  Unbegrenztheit  Gottes  wird  der  Sohn  zumal 
offenbar  werden,  wenn  er  wiederkommt  in  Herrlichkeit,  um  den 


ß  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

ihn  Liebenden,  auf  Grund  seiner  der  menschlichen  Vernunft  un- 
begreiflichen Erniedrigung,  je  nach  ihrem  Verdienst  Wohnungen 
zu  bereiten.  Durch  seine  Erniedrigung  und  Erhöhung  werden 
wir  Söhne  Gottes  (c.  17.  18).  Halten  wir  daher  fest  an  dem  Be- 
kenntnis zu  der  in  sich  gleich  vollkommenen,  für  uns  Geschaffene 
unfaßbaren,  Dreieinigkeit  (c.  19)! 

Soweit  der  Inhalt  der  Schrift.  Von  einer  Abfassung  durch 
Hippolyt  kann  keine  Rede  sein,  obgleich  es  an  Berührungen  mit 
Gedanken  Hippolyts  nicht  völlig  fehlt.  Auf  Sabellius  nicht  nur 
(8,  1.  12,  2),  sondern  auch  auf  die  arianischen  Streitigkeiten  wird 
deutlich  Bezug  genommen  (12, 1),  wenn  solcher  gedacht  wird,  die 
lehren:  ,.Es  war  einst,  da  der  Sohn  noch  nicht  war"  und:  „Bis 
zur  Geburt  war  er  nichts"  und:  „Aus  dem  Nichts  gleichsam  ist 
er  geboren" l.  —  Auch  Aphraates  kann  der  Verfasser  der  Schrift 
nicht  sein.  Die  Abhandlung  über  den  Glauben,  auf  welche  die 
Schrift  über  die  Gestalt  des  Gelübdes  zurückweist,  ist  die  erste 
Homilie  des  Aphraates.  Dieser  hat  bekanntlich  die  arianischen 
Kämpfe  nirgends  berücksichtigt.  Der  ganze  Charakter  der  zweiten 
Schrift  ist  ein  anderer  als  der  der  ersten. 

Zur  Bestimmung  der  Abfassungszeit  der  Schrift  „vom  Glauben" 
dient,  daß  die  Arianer  als  die  Zeitgenossen  des  Verfassers  er- 
scheinen; denn  sie  sind  es,  von  denen  er  sagt:  „Viele  sind  jetzt  von 
dem  wahren  Glauben  abgewichen,  und  es  scheint  ihnen,  als  hätten 
sie  etwas  gefunden,  und  sie  haben  doch  nichts  gefunden"  (11,  9). 
Die  Entscheidung  der  Kirche  gegen  sie  ist  bereits  gefallen  (solche 
Häretiker  verdammt  die  katholische  Kirche"  12,  2);  aber  der 
Streit  ist  offenbar  noch  nicht  ausgefochten,  und  die  Arianer  ver- 
treten noch  mit  einem  gewissen  Selbstbewußtsein  ihre  Sache. 
Weist  schon  dieser  Umstand  mit  Wahrscheinlichkeit  in  das  vierte 
Jahrhundert  und  nicht  in  eine  spätere  Zeit,  so  findet  dies  auch 
seine  Bestätigung  durch  das  Fehlen  eines  jeden  Gegensatzes  in 
der  Christologie.  Sicher  ist  jedenfalls,  daß  nach  dem  Chalcedo- 
nense  nicht  mehr  so  über  die  Person  Christi  geschrieben  werden 
konnte,  wie  dies  in  unserer  Abhandlung  geschieht.  Aber  über- 
haupt ist  jede  Andeutung  über  christologische  Differenzen  zu 
vermissen.   Selbst  irgendwelche  Bezugnahmen  auf  apollinaristische 


1)  Der  Satz:  „Konnte  er  etwa  durch  die  "Wirkung  eines  andern  sogar 
im  Verborgenen  sein?"  ist  unverständlich  und  -wahrscheinlich  eorrmnpiert. 


„Über  den  Glauben". 

Lehren  fehlen.  Dagegen  wird  die  Gottheit  des  Geistes  nicht 
weniger  bestimmt  als  die  des  Sohnes  hervorgehoben.  Er  ist  des- 
selben Wesens  (oiioovöiod)  mit  dem  Vater  und  Sohn,  sein  Wirken 
ist  eins  mit  dem  ihren,  er  spendet  das  Leben,  und  auch  ihm 
singen  die  himmlischen  Mächte  das  dreimalige  Heilig,  „denn 
Eine  ist  die  Herrschaft  der  heiligen  Dreieinigkeit"  (c.  7).  Somit 
gehört  diese  Schrift  erst  in  das  letzte  Drittel  des  vierten  Jahr- 
hunderts. Dieser  Zeit  entspricht  es,  wenn  so  entschieden  „Ein 
Wesen,  Eine  Natur  (Substanz),  Ein  Herr,  Eine  vollkommene 
Dreieinigkeit,  Ein  vollkommener  Gott,  Eine  Kraft,  Eine  Macht. 
Eine  Herrschaft,  Eine  einheitliche  Herrlichkeit,  Ein  ungeteiltes 
Licht,  Eine  ungeteilte  Vollkommenheit"  bekannt  wird  (19,  2). 
Dazu  kommt,  daß  gerade  diese  Zeit  es  auch  ist,  in  der  gegen 
Eunomius  (vgl.  z.  B.  Ulimann,  Gregor  von  Nazianz,  Gotha  1867, 
S.  223  ff.)  die  Unbegreiflichkeit  Gottes  verfochten  wurde;  eben 
diese  aber  kann  unser  Verfasser  gar  nicht  nachdrücklich  genug 
betonen.  Niemand  vermag  das  Wesen  Gottes  entsprechend  seiner 
Wirklichkeit  zu  erklären  (2,  1);  der  Mensch,  dies  zusammen- 
gesetzte Wesen,  kann  Gottes  schlechthin  vollkommenes  Wesen 
nicht  erfassen,  und  auch  die  Himmel  und  das  Überhimmlische 
sind  dazu  nicht  imstande  (2,  2.  3).  Selbst  Gottes  Offenbarung 
erschließt  ihn  nur  soweit,  als  es  der  menschlichen  Schwachheit 
entspricht  (3,  1;  vgl.  3.  2  „Er  selbst  nur  offenbart  sich  in  dem 
Maß,  als  er  geschaut  werden  kann").  Seine  Schrecklichkeit  ver- 
hüllend, zeigt  er  sich  so,  daß  ihn  die  Heiligen  mit  den  Augen 
des  Geistes  zu  schauen  vermögen  (3,  3).  Und  wie  am  Ein- 
gang der  Schrift  die  Unerkennbarkeit  Gottes  hervorgehoben 
wird,  so  auch  am  Schluß:  „Geschaffene  und  Gemachte  sind  wir. 
Wie  vermögen  wir  zu  erforschen  und  zu  erkennen  den  Aller- 
höchsten? Wir,  die  wir  einen  Anfang  genommen  haben  und  Ge- 
borene sind,  den  Anfangslosen?  Wie  können  wir  den  Unerreich- 
baren erforschen?"  Auch  dies  deutet  somit  in  das  ausgehende 
vierte  Jahrhundert. 

In  einiger  Hinsicht  läßt  sich  unserer  Abhandlung  ihre  Stelle 
noch  bestimmter  zuweisen.  Die  Gestalt  des  Symbols  nämlich, 
die  sie  vertritt,  kehrt  in  mehreren  untereinander  eng  zusammen- 
hängenden Formeln  wieder.  Auf  die  Berührung  mit  den  armenischen 
Symbolformeln  machte  mich  mein  Kollege  Kattenbusch  sofort 
aufmerksam.    Unabhängig  davon  ergab  sich  mir  aus  der  Wieder- 


g  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

kehr  der  Charakteristika  die  Verwandtschaft  mit  der  längeren 
Formel  des  Epiphanius,  mit  der  dem  Athanasins  irrtümlich  zu- 
geschriebenen 'EQfiqvda  eiq  rb  OvfißoXov,  mit  der  unter  dem 
Namen  des  Basilius  gehenden  Auslegung  (Ex&tOig)  des 
Nicänischen  Symbols  und  mit  dem  längeren  Bekenntnis  der 
armenischen  Kirche  (vgl.  Hahn,  Bibliothek  der  Symbole3,  Bres- 
lau 1897,  S.  135 ff.  308  ff.  151  ff.;  zu  dem  armenischen  Bekenntnis 
auch  Arsak  Ter  Mikelian,  Die  armenische  Kirche  in  ihren  Be- 
ziehungen zur  byzantinischen,  Leipzig  1892,  S.  18 ff.)1.  Die  Be- 
rührung mit  diesen  Symbolformen  habe  ich  durch  Mitteilung  der 
Parallelen  zu  12,  2.  13,  1.  2  gezeigt.  Wie  aus  diesen  ersichtlich, 
ist  das  Verhältnis  zu  der  durch  einen  venezianischen  Kodex  Ba- 
silius zugeschriebenen  "Exd-toiq  Jtlöxtcoq  xmv  TQiaxooicov  ir[  na- 
rtgoav  das  innigste.  In  beiden  fehlt  z.  B.  (vgl.  zu  12,  2)  das  in 
den  andern  Formeln  wiederkehrende  oixovv  sv  ayioiq;  wie  die 
"Exfrtöiq  bietet  auch  unsere  Rede  13,  1  nur  ocöiia  und  tyvyrj, 
ohne  des  vovq  zu  gedenken;  im  Unterschied  auch  von  der  "Ex- 
■deoiq  enthält  das  Symbol  unserer  Rede  „unter  Pontius  Pilatus" 
mit  dem  Nic.-Const.  Die  "Ex&sötq  ist  nach  Kattenbusch,  Das 
apostolische  Symbol  I  (Leipzig  1894)  S.  310  ff.,  eine  Umprägung 
des  längeren  Symbols  des  Epiphanius;  Kattenbusch  möchte  sie 
in  die  Jahre  390 — 400  ansetzen.  J.  Catergian2  hat  S.  21  ff.  die 
"Exfreotq  in  lateinischer  Übersetzung  aus  2  armenischen  Codices 
der  Wiener  Mechitharistenbibliothek  (cod.  33  u.  D.  12;  jetzt,  nach 
Dashian,  Catal.  d.  armen.  Handschr.  d.  Mechith.-Bibl.  zu  Wien, 
Kr.  276  Bl.  44a  und  235  Bl.  4a)  mitgeteilt,  deren  armenischen 
Text  er  auf  Grund  der  Sprache  mit  Sicherheit  der  ersten  Hälfte 
des  fünften  Jahrhunderts  zuweist.  Als  Verfasser  der  'Ex&soiq 
wird  der  „Mönch  Euagrius  Ponticus"  bezeichnet,  undKattenbusch 
ist  geneigt,  ihn  tatsächlich  dafür  zu  halten  (S.  319).  Benutzt  ist 
der  Text  der  "Ex&eöiq  schon  in  dem  Briefwechsel  des  Katholikos 
Isaak  mit  dem  Patriarchen  Proclus  um  435  (vgl.  Catergian  S.21f.). 
Für  Euagrius  als  den  Verfasser  spricht  in  der  Tat  nicht  Weniges; 
nur  sind  leider  seine  Schriften  zumeist  nur  syrisch  und  armenisch 


1)  Erwand  Ter-Minassiantz,  Die  armen.  Kirche  in  ihren  Beziehen. 
zu  d.  syr.  Kirche  (Texte  u.  Unters.  N.  F.  XI,  4.  Leipzig  1904 '  bietet  für 
unsere  Frage  nichts. 

2)  De  fidei  symbolo  quo  Armenii  utuntur  observationes,  Wien  lv:;. 


„Über  den  Glauben".  g 

erhalten  und  noch  nicht  ediert.  Unter  den  vonWright  cod.  567. 
568.  727.  743.  744.  752.  785.  789  und  von  Assemani,  Bibliotheca 
orientalis  I  und  von  Dashian  1.  c.  aufgezählten  Werken  des  Eua- 
grius  befindet  sich,  so  viel  ich  sehe,  unsere  Schrift  nicht.  Das 
Interesse  des  Euagrius  war  nach  den  Resten  seiner  schriftstelle- 
rischen Tätigkeit  zu  urteilen  ein  vorwiegend  praktisches  (vgl. 
auch  0.  Zö ekler,  Bibl.  und  kirchenhist.  Studien  Heft  4.  Eua- 
grius Poatikus,  München  1893.  S.  57).  Aber  dem  Schüler  des 
Gregor  von  Nazianz  fehlte  sicher  auch  das  dogmatische  nicht. 
Es  galt  speziell  der  Trinität  (ßaoileia  &eov  loxi  yvcööig  x?jq  aylag 
TQidöog,  Migne  SG  40  Sp.  1221  D),  aber  „Gott  ist  ihm  zunächst 
ftovaq,  weiterhin  Ivag  und  erst  in  letzter  Linie  cr/la  rgiag'1 
(Zöckler,  S.  72  unter  Heranziehung  eines  Scholions  des  Maximus 
zu  Dion.  Areop.  De  hier.  cael.  7  Evaygwg  .  .  rprjol  rovro'  avrog 
toxi  iiovag.  ssrecö/j  rb  &eiov  axXovv  xcä  aötaigeröv  eöriv). 
Euagrius  lehnte  ab,  daß  menschliche  logische  Kategorien  auf 
das  Göttliche  als  das  schlechthin  Einfache  übertragen  würden 
(Socr.  III,  7:  livaygiog  öl  Iv  reo  uovayi/.ü)  rrQOJcezcog  fisv  xal 
ajtsQiOy.t'jtrcog  &eoXoyüv  ccjroGi\ußovXev£i'  ogueö&ai  de  ojg  cijcXovv 
rb  &eZov  üiavxr\  aJtayoQsvsL'  rrbv  yag  övvd-szcop  elvai  rovg 
oqovq  q>7)0iv.  Daher  vielmehr  oiconfj  -tgooxvvelofra)  rb  aggrjxov). 
Stimmt  dies  mit  der  Tendenz  unseres  Verfassers  zusammen,  so 
wTürde  es  auch  den  Beziehungen  des  Euagrius  zu  Gregor  von 
Kazianz  (vgl.  Preuschen,  Prot.  Realenc.  5,651,25)  entsprechen, 
daß  wie  dieser  (vgl.  Holl,  Amphilochius  von  Ikonium,  Tüb.  u. 
Leipz.  19(14,  S.  168  f.)  so  auch  unser  Verfasser  die  Besonderheiten 
der  trinitarischen  Hypostasen  in  der  ayevvt]ola,  yevv?]Giq  und 
txxogevötg  erblickt.  Er  hat  dafür  schon  eine  feste  Formel:  5,  1 
„Denn  der  Vater  ist  nicht  erzeugt  (ebenso  6,  1)  und  ist  Er- 
zeuger, und  der  Sohn  ist  nicht  Erzeuger  und  ist  erzeugt,  und 
der  heilige  Geist  ist  nicht  Erzeuger  noch  erzeugt,  sondern  hervor- 
gehend und  herabgesandt'-;  c.  7  „der  heilige  Geist,  der  ausgeht 
von  dem  ewig  seienden  Vater";  9,  3  „kennen  den  gezeugten  Sohn 
und  bekennen  den  Ausgang  des  Geistes  durch  ihn".  Dagegen 
begegnet,  soviel  sich  urteilen  läßt,  in  unserer  Schrift  noch  nicht, 
der,  wie  Holl  S.  240  ff.  gezeigt  hat,  wahrscheinlich  von  Amphi- 
lochius geprägte  Terminus  xgöxog  x7jg  vjrag^ecog.  Zu  beachten 
isi  für  die  Frage  der  etwaigen  Zugehörigkeit  unserer  Schrift  an 
Euagrius   auch   die  Verbindung    der  Ex&t  Gig    mit   dem    pseudo- 


10  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

athanasianischen  Syntagrna  (Migne,  Patr.  gr.  28  Sp.  1637  ff.  und 
Sp.  836 ff.);  bestimmter  wird  sich  vielleicht  jene  Fra^e  nach  einer 
Oesamtedition  der  Schriften  des  Euagrius  beantworten  lassen. 

Auch  mit  Didynius,  wie  dessen  Theologie  jüngst  J.  Lei- 
poldt,  Didymus  der  Blinde  von  Alexandria  (Texte  und  Unters. 
N.  F.  14,  3.  Leipz.  1905),  gezeichnet  hat,  bestehen  unverkennbar 
verwandte  Züge;  nur  daß  bei  der  Unsicherheit  des  Wortlautes 
unseres  Autors  eine  gewisse  Zurückhaltung  angezeigt  erscheint, 
auch  das  scharfe  Urteil  über  die  Häretiker  12,  1  der  verhältnis- 
mäßig milden  Art  der  Polemik  des  Didymus  (Leipoldt  S.  33) 
nicht  recht  entspricht.  Schon  der  Name  des  von  Holl  dem  Di- 
dymus vindizierten  (Ztschr.  f.  Kircheng.  25,  3  S.  380  ff.)  Aoyoc 
xarcc  'Ageiov  xcu  JJaßeZZLov  erinnert  an  die  Polemik  unsers  Ver- 
fassers gegen  beide.  Wie  Didymus  bedient  auch  er  sich  gern 
des  Terminus  ofioovoioc.  Wie  jener  (Leipoldt  S.  108 ff.)  betont 
auch  er  mit  Nachdruck,  daß  die  Trias  Eine  ist  (vgl.  ob.  S.  7). 
Er  sagt  dies  insbesondere  auch  wie  jener  (Leipoldt  S.  114  f.) 
von  dem  Willen  und  dem  Wirken  der  Trinität  aus:  4,  2  „Ein 
vollkommener  Wille  ist  bei  der  unerklärbaren  und  unerforsch- 
lichen  Einheit'-;  c.  7  „Ein  Wirken  ist  des  Vaters  und  des  Sohnes 
und  des  heiligen  Geistes";  16,  4.  5  die  Sendung  der  Apostel  ge- 
schah durch  den  Willen  der  „unteilbaren  Dreieinigkeit";  „wie 
der  Vater  und  der  Sohn  und  der  Geist  gleich  sind  nach  der 
Gottheit,  waren  sie  (die  Apostel)  auch  in  den  Werken  des  Vaters 
geheiligt";  vgl.  16,2  „ein  vollkommener  Vater,  ein  vollkommener 
Sohn  und  ein  vollkommener  heiliger  Geist.  Schöpfer  ist  der 
Vater,  Schöpfer  ist  der  Sohn,  Schöpfer  ist  der  heilige  Geist". 
Mit  4,  2.  19,  2  kommt  überein,  daß  Didymus  gern  von  f/la  ßaöiXeia, 
lila  ötojiorsia,  tula  övvaiuc  und  fiia  xvQiOTfjq  redet  (Leipoldt 
S.  116).  Insbesondere  auch  der  heilige  Geist  ist  durch  nichts  vom 
Vater  geschieden  (16,  6).  Er  ist  nicht  xziöfia  oder  dovZov  (7,  1, 
vgl.  Holl  S.  118  über  die  Kappadozier,  Leipoldt  S.  119  über  Di- 
dymus). Der  Sohn  aber  ist  ajiafrmc  und  avaQXcoc  vom  Vater 
gezeugt  bei  unserm  Verfasser  (6,  2)  wie  bei  Didymus  (Leipoldt 
S.  125).  —  Wenigstens  die  Stelle  in  der  dogmengeschichtlichen 
Entwicklung,  wohin  unsere  Schrift  gehört,  dürfte  damit  gezeigt  sein. 

Von  unserem  Verfasser  wird  auch  die  Frage  erörtert,  warum 
der  Sohn  und  der  Geist  nicht  Brüder  sind  (5,  2).  Das  Werk  der 
Erlösung  besteht  darin,  daß  Christus  Mensch  geworden  ist,    um 


„Über  den  Glauben".  \{ 

die  in  ihrem  Wesen  selbst  den  feuergleichen  Geistern  unschau- 
bare  Gottheit  zu  offenbaren  (11,4.  5)  und  als  Mensch  vom  Himmel 
den  ersten  Menschen  zu  erneuern  (11,  3).  Seiner  Gottheit  nach 
unveränderlich  und  leidenslos  (11,6),  hat  er  doch  Leib  und  Seele 
angenommen  (13,  1),  als  ein  Mensch  gelebt  und  wirklich  gelitten 
(13,  2)  und  ist  schuldlos  und  nach  freiem  Willen  gestorben  (13, 
3.  4),  um  die  durch  den  Tod  Gefangenen  zu  befreien  (11,7.  13,4). 
Da  der  Tod  sich  an  ihm  vergriff,  hat  er  den  Tod  getötet  und 
den  sterblichen  Menschen  lebendig  gemacht  (13,  5)  und  bringt 
nun  durch  das  Holz  des  Kreuzes  die  durch  den  Betrug  des 
Götzendienstes  Verführten  zurück  (14,  1).  Er  ist  das  rechte  Opfer 
im  Gegensatz  zum  heidnischen  Opferdienst,  die  Kirche  mit  ihren 
Gliedern  ist  seine  Braut  (14,  2).  Die  Taufe  verleiht  nunmehr 
auf  Grund  der  Menschwerdung  des  Sohnes  Gottes  die  Gottes- 
sohnschaft (14,  3.  17,  4.  18,  2),  und  durch  die  Auferstehung  wird 
ein  jeder  in  seiner  Eigenart  auch  leiblich  wiederhergestellt  (14, 4). 
Je  nach  ihren  Taten  (14,  4)  und  Verdiensten,  daher  auch  für  die 
"Würdigen  in  verschieden  abgestufter  Seligkeit,  wird  allen  geistigen 
Wesen  ein  Ort  bereitet  (17,  2). 

In   irgendwelchem    Zusammenhang    mit    der    Taufhandlung 
(18,  2.  3.  19,  1)  scheint  unsere  Rede  zu  stehen. 


Einer  Verwertung  derErklärungHippolyts  zumHohe- 
lied  sei  hier  noch  zu  gedenken  erlaubt.  In  den  Paläen,  einer  im 
griechischen  Original  verlorenen,  aber  nach  Karbelovs  Angaben 
auch  georgisch  in  der  Schatberder  Handschrift  erhaltenen  Aus- 
legung des  Alten  Testaments  bis  zu  den  Propheten,  wird  die 
kurze  Erklärung  des  Hohelieds  zum  Teil  Hippolyt  entnommen. 
Der  Verfasser  schöpft  offenbar  aus  der  Catene,  die  wir  nur  noch 
in  der  altslavischen  Übersetzung  besitzen. 

„Die  erklärende  Paleja  nach  der  Kolomnaer  Handschrift  des 
Jahres  1406",  Moskau  1896,  S.  413b: 

„Über  das  Hohelied  Salomos.  Im  Auszug.  1.  Siehe  wiederum 
Salomo  über  seine  Menschwerdung.  „Und  siehe,  so  kommt  er 
springend  über  die  Berge  und  hinüberspringend  auf  die  Hügel'' 
(Höh.  2,  S).  Was  ist  das  Springen?  (Hipp.,  In  Cant,  21,  2).  Das 
Wort  sprang  [auf  die  Propheten  und  lehrte  sie  weissagen.  Philo: 
Denn  wie  in  den  Bergen  beim  Aufgehen  der  Sonne  die  Strahlen 


12  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

des  Lichts  zuerst  auf  den  Gipfeln  der  Berge  erscheinen,  so  sprang" 
es  auf  die  Propheten,  und  sie  weissagten  von  Christus.  Und 
hernach  sprang  es]  von  dem  Himmel  in  den  Leib  der  Jungfrau. 
Es  sprang  aus  dem  Mutterleib  und  trug  das  Fleisch  der  mensch- 
lichen Natur.  Es  sprang  auf  die  Apostel,  welche  es  zu  Säeleutt-n 
des  Wortes  in  der  Welt  bereitete.  Es  sprang  an  das  Holz  des 
Kreuzes,  damit  es  die  Heiden  herbeiziehe.  Es  sprang  nun  in  den 
Hades,  damit  es  auch  die  Toten  auf  erwecke.  Der  neuen  Auf- 
erstehung Ökonomie!  Es  sprang  nun  von  der  Erde  in  den 
Himmel  und  setzte  sich  so  zur  Rechten  des  Vaters.  —  2.  Von 
seiner  Geburt  sprach  Salomo.  „Auserwählt"  vom  Vater  weil 
höher  als  Wort  und  Erkenntnis.  Es  ist  seine  Geburt  von  der 
Jungfrau,  Christi  selbst,  des  Gottes  und  Herrn.  3.  Von  der  Syna- 
goge der  Juden  und  von  den  Aposteln  sprach  wieder  Salomo  zu 
ihnen:  „Dem  Wagen  Pharaos  habe  ich  dich  verglichen,  meine 
Nächste"  (Hob.  1,  9)  Hippolyt  (Upolit;  vgl.  Hipp.,  In  Cant.  8, 
1 — 5).  0  der  großen  Geheimnisse!  Von  der  Synagoge  des  Rates 
der  Juden  sprach  er:  Wenn  du  dich  bekehrst,  Synagoge,  vergleiche 
ich  dich,  meine  Nächste,  verkündete  der  Herr.  „Rosse"  aber 
werden  die  Apostel  genannt  nach  dem  Propheten  Habakuk,  wie 
er  sprach:  „Du  hast  gesandt  deine  Rosse,  erregend  große  Wasser"r 
und  wieder:  „Du  hast  dich  gesetzt  auf  deine  Rosse,  und  deine 
Reiterei  deine  Rettung".  Denn  die  Rosse  genannter  Apostel 
werfen  nicht  ab  das  Joch,  sondern  wie  Erfahrene  tragen  sie  das 
Joch  und  das  Wort  des  Herrn.  Denn  diese  Rosse,  nicht  mit 
einem  Riemen  zusammengeschnürt,  sondern  mit  dem  Band  der 
Liebe  des  Herrn,  und  die  Welt  durchlaufend  mit  vier  Rädern, 
haben  sie  das  Geheimnis  der  Ökonomie  gedonnert,  den  guten 
Reiter  das  Wort  tragend,  den  Lauf  der  Wahrheit  (Gerechtigkeit) 
vollendend.  Die  donnernden  Räder  von  ihnen  bildeten  die  vier 
Evangelisten  vor.     Denn  dem  Wagen  folgen  die  vier  Räder". 


Abhandlung  des  heiligen  Hippolyt  über  den  Glauben. 

I.  Wir  glauben,  wie  wir  getauft  sind,  und  preisen,  wie  wir 
erleuchtet  sind  durch  die  Taufe  des  Taufbeckens.  Wir  glauben 
an    den    Namen    des  Vaters    und    des    Sohnes    und    des    heiligen 


„Über  den  Glauben".  \;\ 

Geistes;  wie  der  Erlöser  sprach  im  Evangelium  zu  seinen  Jüngern: 
„Gehet  von  jetzt  an  und  machet  zu  euren  Jüngern  alle  Heiden, 
taufet    sie    in    dem  Namen   des  Vaters  und   des  Sohnes   und  des 
heiligen  Geistes".    Denn  es  ist  Ein  Wesen  der  wunderbaren  Drei- 
einigkeit. —  2.  Wir    glauben    und    bekennen    den    ungezeugtenj    5 
Vater,    daß   er  ist  vollkommener  Gott,    und  den  Sohn,    gezeugt  391 
vom  „Vater  des  Lichts",  daß  er  ist  vollkommener  Gott,  und  den 
heiligen  Geist,  den  Geber  der  Gnaden,  daß  er  ist  vollkommener 
Gott:  Eine  Gottheit,  Eine  Natur,  Einen  Willen;  drei  vollkommene 
Namen   der  Dreieinigkeit  (drei  Namen   der  vollkommenen  Drei-  10 
einigkeit?). 

II.  Aber  wie  groß  das  Wesen  seines  Reichtums  ist,  wer  von 
den  Menschen  vermöchte  seine  Gottheit,  wie  sie  in  Wirklichkeit 
ist,  zu  erklären?  Aber  nach  dem  Maß,  so  viel  diese  unsere 
Schwäche  zu  erreichen  vermag,  hat  er  selbst  geruht  uns  zu  15 
zeigen;  denn  „niemand  kennt  Gott  außer  dem  Geist  Gottes".  Und 
er  offenbarte  und  zeigte  uns  (sc.  sich  selbst),  denn  er  spricht: 
„Wer  mich  gesehen  hat,  der  hat  meinen  Vater  gesehen."  Ver- 
mögen wir  aber  etwa  kund  zu  tun,  die  wir  wie  Angeheftete 
(Umgrenzte)  stehen  bleiben  im  Angesicht  unseres  Bildes,  wie  uns  20 
erschaffen  hat  der  Schöpfer?  2.  Wie  können  wir  mit  unserem  Bild 
verkündigen,  Zusammengesetzte  aus  Teilen,  Zusammengeknetete 
und  Geformte  aus  Erde?  Ein  jeder  Teil  hat  sein  Werk  und  ver- 
mag nicht  zu  erfüllen  das  Werk,  das  dem  nächsten  Teil  geordnet 
ist:  weder  hört  das  Auge  noch  sieht  das  Ohr,  noch  riecht  die  25 
Zunge,  noch  gehen  die  Hände,  noch  rufen  die  Füße;  der  Mund 
für  die  Speise,  um  zu  essen,  die  Nase  zum  Riechen,  die  Nase  (so) 
auch  zum  Schmecken  des  Geschmacks;  ein  jeder  Teil  nach  seiner 
Bestimmung  ist  entsprechend  seiner  Natur  an  dem  Ort  hervor- 
gewachsen, steht  an  seinem  Ort  und  ändert  nicht   seine  Bestim-  30 

2  ff.  Mt.  28,  19.     -   7  Jak.  1,  17.  —   16  [  Cor.  2,  11.  —  18  Job.  14.  9. 

9  „Eine  Natur"  wohl  Wiedergabe  von  oioia  und  dann  ein  Zeichen, 
daß  die  armenische  Vorlage  auf  eine  syrische  zurückging,  vgl.  S.  Weber, 
Die  kath.  Kirche  in  Armenien.  Freib.  1903,  S.  2<>3.  |  15  f.  „uns  zu  zei- 
gen": „und  uns  gezeigt"  S  j  vgl.  Catergiaa  S.  22;  der  griech.  Text  bei 
Migne,  SG28Sp.  L639B  ooa  6h  i]  YQa<P'l  ^Y£l  „ucp&ak/Ltög  xvqlov",  „cor« 
jcvqIov"  xal  no<c  zniaiva  negl  9-eov  Xtyei  ij  YQa'('i-  f^'i^'i  Btoiv  xat  ol'- 
TtoQ  TiiOTEvouev  axazah'jTiTiuq  xal  anEQivorfrojQ,  xal  rcävxa  avd-QatrtOV  xar' 
elxöva  tivui  &ec>v  |   20  „stehen,  bleiben"  S 


14  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

mung.  —  3.  Aber  auf  solche  Weise  glauben  wir  und  wissen, 
daß  er  ist  wahrhaftiger  Gott,  und  gibt  es  keinen,  der  vermöchte 
das  zu  erzählen,  wie  er  ist  der  wahrhaftige  Gott,  der  ist  ganz 
vollkommenes  wahrhaftiges  Licht  und  ganz  vollkommene  Gleich- 

5  heit,  alles  sehend,  ganz  vollkommen;  so  viel  Zeit  er  selbst  exi- 
stiert, Einer  mit  sich  selbst.  Allmächtig,  allweise,  lebendig- 
machender Geist,  brennendes  Feuer,  unermeßliche  und  unver- 
änderliche Herrlichkeit,  unberechenbarer  Reichtum  und  Schönheit. 
Wuuderbares   Bild   (Gestalt),    unerfaßbar    für  den  Verstand  und 

10  höher  als  die  Gedanken  und  über  alle  Worte.   Weder  das  Schauen 

der  Augen,  noch  das  Hören  der  Ohren,  noch  das  Gedenken  des 

392  Herzens  vermag  |  zu  erreichen,  was  er  ist.    Die  Himmel  mit  allen 

(Mächten)  und  die  Erde  mit  allem  in   ihr  und  (was)  höher  als 

die  Grenzen  der  Himmel,  sie  können  nicht  sich  erheben,  um  alles 

15  zu  erreichen.  Und  auf  sein  Wort  gründet  sich  alles  und  wird 
(von  ihm)  gehalten,  und  schwebt  (ruht)  auf  der  Kraft  seines  Ge- 
botes. Und  er  steht  durch  sich  selbst,  sich  ringsum  umhüllend 
mit  der  ganzen  unteren  Welt,  überall  seiend;  und  alles  ist  mit 
ihm  und  alles  zu  ihm  und  alle  Herrlichkeit  bezieht  sich  auf  ihn. 

20  III.  Und  von  Zeit  zu  Zeit  sprach  er  zu  unsern  heiligen  Vor- 

vätern in  unaussprechlichen  Gesichten,  in  unausdenkbaren  Ver- 
änderungen; so,  daß  nicht  etwa  seine  Gottheit  eine  solche  wirk- 
lich gewesen  wäre,  sondern  für  uns,  so  viel  er  nach  unserer 
Schwachheit   sich    zeigte,    während  er  selbst  in  seiner  Gottheit 

25  bleibt  und  in  Ewigkeit  sein  wird  in  einem  Feuer,  das  alle  in 
Verwunderung  setzt  durch  die  Güte  und  gepriesene  Schönheit. 
dem  Bild  der  Gottheit.  2.  Denn  Gott  ist  von  keinem  zu  er- 
reichen und  unbegrenzt  und  ungeteilt  (und)  unerklärbar,  unbe- 
tastbar   und   unbegreiflich,    allen   Geschöpfen   unerreichbar  |  ihn 

30  von  Angesicht  zu  schauen,  während  (?)  er  allen  nahe  ist.  Und 
seinen  Namen  kannte  niemand;  und  niemand  war  früher  als  err 

15  Ps.  36,  6.  —  19  Rom.  11,  36. 

13  „Mächten"  scheint  in  S  zu  fehlen  |  Oder  „höher  als  d.  Gr.  d. 
H.  können  sie  sich  nicht  erheben"  |  18  Euagrius  bei  Catergian  S.  22;  der 
griech.  Text  bei  Migne,  Patr.  gr.  28  Sp.  1639  B  naxsga  äxaxriXrjTixoy,  ant- 
Qivörjznv,  aÖQiorov  xal  avörjxov  '  nvsvua  yay  6  9e6g '  &e?.rjtuaxi  6h  avzov 
xal  aXrj9eiq  xal  eiöox/jaei  6<f&ev  xal  XaXfjaav  7ioocpy)xaiq  xal  öixaioiQ ' 
Tö)  'Adä/z,  xö)  iVö)e,  xö>  'Aßgaä/ji  .  .  .  xal  zolq  Xoinoiq  ana§  ngcxpfjzaic 
25  „wird.    Im  Feuer"  S    |    30  „während":  „nach  dem,  daß"  S 


„Über  den  Glauben".  15 

der  von  der  Zeit  an  bis  jetzt  heißt  Gott.   Denn  von  ihm  ist  alles, 
er  selbst  aber  ist  derselbe  Herr  und  ist  seinem  Wesen  nach  un- 
sichtbar in  den  Gedanken  und  Wünschen  des  Herzens,  und  uner- 
forschlich   ist  sein  Wesen,    um  ihn  zu  fassen.     Für  alle  Unver- 
mögenden  wird  Vermögen  bei  ihm  gefunden.  —  Jetzt  wer  ver-  5 
mag  zu  schauen  und  zu  erforschen  die  wunderbare  Stärke?   Aber 
er  selbst  nur  offenbart  sich  in  dem  Maß,  so  viel  er  geschaut  wer- 
den kann.    3.  Und  so  der  Schöpfer  des  Alls,  der  Bildner  des  Alls, 
der  Gebieter  des  Alls,  der  Allwissende,  der  Herr  aller,  der  Aller- 
halter,   der    Reichtum    aller    (für  alle),    der  alles  Heilende,  aller  10 
Weisheiten  höchste  Weisheit,  in  seiner  Offenbarung  für  die  Ge- 
rechten verhüllt  er  selbst  seine  Schrecklichkeit,  damit  sie  seiner 
Gottheit   nahestehend    erscheinen,   und  in  einer  Gestalt,   die  den 
Menschen    und  Engeln  ähnlich  ist,  zeigt  er  sich,   damit  mit  den 
Augen  des  Geistes  die  Heiligen  vermöchten  auf  ihn  zu  schauen.     15 
IV.  Dies    ist   der   heilige  Glaube    und    in  Wahrheit    ihn    zu  393 
zeigen,  welcher   offenbar    und  von  .Angesicht   zu  Angesicht    uns 
überliefert   ist   durch    die    heiligen    prophetischen    Schriften    des 
heiligen   Geistes,    damit    durch    sie    unsern    gerechten  Vorvätern 
offenbart  würde  in  einem  Geheimnis  des  ewigen  Reiches  Gottes.  20 
Und  er  (Gott)  sprach  durch  seinen  Sohn  und  den  heiligen  Geist, 
und    er   (sc.  der   Glaube)   ward  verkündigt    der  Welt    durch    die 
Predigt   der   heiligen  Propheten  und  Apostel,  und  es  ward  aus- 
geschenkt die  Macht  des  Glaubens  (zu  glauben),  damit  wir  durch 
diesen  Glauben   in    der  Wahrheit   blieben.     2.  Ein  Gott  ist  der  25 
Vater  und  Herr,    der  Schöpfer  des  Alls,    und    der    eingeborene 
Sohn,  der  des  Vaters  und  bei  dem  Vater  und  zu  dem  Vater,  und 
sein  heiliger  Geist,    der  aus   seinem  Wesen  (ist)  und  zusammen 
mit  ihm  alles  geschaffen  hat,    der  bildet  Eine  Herrschaft,    Eine 
Allmacht,  Eine  Gewalt,  Ein  Gebieter,  Ein  Regiment,  Ein  Reich-  30 
tum,  Eine  Allwissenheit,  Eine  anfanglose  Macht,  Eine  vollkom- 

7  „gesch.  w.":  „schauen"  S  |  10  „für  alle"  K  |  17  „zeigen":  „be- 
streben wir  uns"  -f-  mit  Recht  K  |  li)  „durch  sie"  imi:  „ihnen"  im  S 
20  wohl  „die  Geheimnisse"  |  22  f.  „die  heil.  Pred.  der  Proph.  u.  App." 
8  |  20  f.  vgl.  das  armenische  Glaubensbekenntnis  bei  Caspari,  Quellen 
II,  10  ff.  und  Hahn  S.  L55f.:  „Wir  glauben  an  die  heilige  Dreieinigkeit, 
welche  Eine  Substanz,  Eine  Gottheit  ist,  nicht  drei  Götter,  sondern  Ein 
Gott,  Ein  Wille,  Ein  Reich,  Eine  Herrschaft,  Schöpfer  der  sichtbaren  und 
unsichtbaren  Dinge". 


IQ  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

mene  Dreieinigkeit.  Ein  vollkommener  Wille  ist  bei  der  uner- 
klärbaren und  unerforschlichen  Einheit  eine  Vereinigung  der 
Dreieinigkeit,  Ein  Wesen,  Ein  Wille,  Eine  Gottheit  ist  der  Vater 
und  der  Sohn  und  der  heilige  Geist.  Drei  Namen,  aber  Eine 
5  Macht  der  Gottheit.  3.  Der  Vater  ist  von  sich  selbst  und  der  Sohn 
vom  Vater,  und  der  heilige  Geist  vom  Vater  und  mit  dem  Sohn, 
durch  die  Natur  des  Wesens  gleich  nach  der  Hypostase,  nach 
der  Tiefe,  nach  der  Höhe,  nach  der  Breite,  der  alles  Geschaffene 
durchdringen  kann,  das  Himmlische  und  das  Irdische,  das  Wehen 

10  und  die  Winde,  Feuer  und  Wasser,  Licht  und  Finsternis,  das 
Höchste  und  das  Unterste  und  das  Höchste  und  das  Tiefste,  — 
so  daß  er  die  unsichtbaren  Geschöpfe  und  Mächte  durch  sein 
Licht  im  Augenblick  umgibt  und  durch  sie  hindurchgeht,  und 
er  ist  nicht  begrenzt  durch  irgend  etwas  nach  seiner  Natur.    Eine 

15  Krone  der  Dreieinigkeit  und  „voll  sind  die  Himmel  und  die  Erde 
seiner  Herrlichkeit" ;  wie  der  König  Salomo,  der  Sohn  des  Pro- 
pheten, durch  den  heiligen  Geist  in  seinem  Gebet  spricht:   „Die 
394  Himmel    und    die  Erde  vermögen    nicht   Gott   zu  fassen''.  |  Und 
ein  anderer  Prophet  nennt  „den  Himmel  den  Thron  und  die  Erde 

20  den  Schemel  seiner  Füsse".  Und  auf  solche  Weise,  den  nicht 
vermögen  alle  Kreaturen  zu  fassen,  (ist)  in  seiner  Ruhe  in  den 
Stillen  und  in  den  Demütigen,  die  zittern  vor  seinen  Worten,  in 
ihnen  ordnet  er  seine  Wohnung. 

V.    Dies   ist   der  Reichtum    der  Einheit    der  heiligen  Drei- 

25  einigkeit  durch  die  Nennung  (so)  und  dies  ist  nicht  verborgen 
vor  den  Weisen.  Denn  der  Vater  ist  nicht  erzeugt  und  ist  Er- 
zeuger und  der  Sohn  ist  nicht  Erzeuger  und  ist  erzeugt  vom 
Vater  und  der  heilige  Geist  ist  nicht  Erzeuger  nodi  erzeugt, 
sondern  hervorgehend  und  herabgesandt;  entsprechend  dem  Wort. 

30  das  er  sagte:  „Der  Geist  der  Wahrheit,  der  vom  Vater  aus- 
geht". 2.  Und  nicht  heißt  er  ein  Bruder  des  Sohnes,  weil  er 
nicht  erzeugt  ist,  und  nicht  ein  anderer  (verschiedener)  von  Gott, 
weil  er  vom  Vater  ausgeht.  Wie  Eva  und  Abel  nicht  Brüder 
genannt  werden  können  im  Verhältnis  zu  einander,  obgleich  sie 
beide    aus  Adam    sind,    die  eine  von  ihnen  durch  eine  Tat  (die 

15  f.  Jes.  G,  3.  —   17  f.  I  Kön.  7,  27.  —   19  f.  Jes.  66.  1.  —  21  f.  Jes. 
57,  15.  —  30  f.  Joh.  15,  26. 

18  „fassen"  „vereinigen"  sovniestitj   K 


„Über  den  Glauben".  17 

Schöpfung)  und  der  andere  erzeugt.  Und  keineswegs  kann  Adam 
der  Vater  der  Eva  genannt  werden,  obgleich  er  (Gott)  von  ihm 
nahm  die  Rippe.  Auf  eben  solche  Weise,  obgleich  der  Sohn 
von  Gott  ist  und  der  heilige  Geist,  können  sie  nicht  unterein- 
ander Brüder  genannt  werden,  weil  offenbar  ihre  Beziehungen  5 
untereinander  von  der  Vollkommenheit  der  Einen  Wesenheit. 

VI.  Den  Vater  bekennen  wir  und  wissen,  daß  er  ist  Vater, 
anfangslos,  unsichtbar,  unerreichbar,  unerklärbar,  unverweslich, 
unbegrenzt,  ungeteilt,  lauterste  Einfachheit,  nicht  zusammenge- 
setzt, nicht  erzeugt,  unausmessbar,  anfangslose  Unumgrenztheit,  10 
nicht  durch  Verbindung  geworden,  leiblos,  zuvorgedachte  Er- 
kenntnis aller  Geschöpfe  und  Kreaturen.  2.  Und  der  Sohn  ist 
gezeugt,  der  Eingeborene,  Anfangslose,  Ewige,  Unerklärbare, 
ohne  Teilung,  ungeteilt  (vom  Vater),  nicht  abtrennbar,  nicht  ent- 
fernbar. Ohne  Leiden,  ohne  Vermittlung  vor  allen  Äonen  |  und  15  395 
deshalb  von  dem  ewig  seienden  Vater  geboren,  weil  er  nach 
seiner  Gottheit  von  Gott  geboren  ist,  aber  nicht  nach  seiner 
Menschheit,  nach  der  Ökonomie  (Reihenfolge)  der  Äonen  und 
nicht  nach  der  Lust  durch  Erguß  des  Samens,  noch  von  Er- 
regung, noch  durch  eine  Leidenschaft,  was  der  Heiligkeit  Gottes  20 
nicht  gebührt;  sondern  mit  Heiligkeit  und  Ursprünglichkeit,  wie 
es  der  Gottheit  selbst  geziemt,  gebührte  es  sich  so  geboren  zu 
werden  und  geschah  es  so,  entsprechend  dem,  der  selbst  für 
sich  selbstseiend  ist,  wie  das  Auge  der  Sonne  Licht  ausstrahlt 
(gebiert),  wie  die  Quelle  das  Wasser.  3.  So  ist  schon  klar  sieht-  25 
bar,  daß,  der  aus  der  Gottheit  Geborene  aus  seiner  göttlichen 
Wesenheit  ist  und  ihm  gleich  in  allem,  ihm  gleich  bleibt;  und 
Gott  selbst  wurde  geboren  und  entfernte  sich  nicht;  er  kam 
vom  Vater  und  ward  nicht  getrennt  von  ihm,  sondern  ist  vom 
Vater  und  ist  zu  (bei)  ihm  [und]  zu  jeder  Zeit  und  bleibt  für  30 
sich  selbst  vollkommen  in  seiner  Wesenheit.  —  Und  wer  ist,  der 
dies  alles  klar  vorstellte?  Nur  der  Evangelist  und  Theolog  Jo- 
hannes, der  sagte:  „Gott  hat  niemand  irgendwo  gesehen,  sondern 
der  eingeborene  Gott,  der  aus  des  Vaters  Schoß  (Lenden)  ist,  er 
hat  es  gesagt." 

2  f.  Gen.  2,  21.   —   33  ff.  Joh.  1,  18. 

12  „aller,  aller"  S    |    15  „Ohne  — Äonen"  verbindet  S   mit  dem  Vor- 
hergehenden  |   25  „gebiert"  +  K  v 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.    81,2  •_' 


|§  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

VII.  Und  der  heilige  Geist,  der  ausgeht  von  dem  ewig  seien- 
den Vater,  von  da  an  ist  er  heiliger  Geist.  Er  ist  der  Geist  des 
Mundes  Gottes,  ursprünglichster  Geist,  Geist  des  Regiments,  Geist 
der  Gnade,  Geist  der  Befreiung  (Freiheit),  „Geist  der  Weisheit 
5  und  der  Erkenntnis,  Geist  des  Rats  (und)  der  Kraft",  „Geist  der 
Wahrheit,  der  vom  Vater  ausgeht".  Er  ist  desselben  Wesens 
mit  dem  Vater  und  Sohn.  Nicht  dies,  daß  er  geschaffen  und 
ein  Knecht  wäre,  einer,  der  Gebote  empfängt,  sondern  der 
Gebote   gibt,    nicht  unter  dem  Befehl;    und  nicht  getrennt  han- 

10  delnd  in  betreff  des  Tuns;  vielmehr  wirkt  er  zusammen,  weil 
Ein  Wirken  ist  des  Vaters  und  des  Sohnes  und  des  heiligen 
Geistes;  eben  dieselbe  Tat  mit  dem  Vater  und  dem  Sohn  ist  er 
selbst  nach  seinem  eigenen  Willen  selbständig  vermögend  zu 
tun.     Denn   er   ist  Befreier   und   Spender  des  Lebens.     Er   gibt 

15  das  Gesetz,  verteilt  die  Gnade;    wie  ihm  wohlgefällig  sein  wird 

erfüllt    er   alle.     Denn   auch    die    überhimmlischen   Kräfte  rufen 

390  auch  und  sprejchen:  „Heilig,  Heilig,  Heilig".    Dreimal  sagen  sie 

„heilig"  und  einmal  „Herr";    denn  Eine  ist  die  Herrschaft   der 

heiligen  Dreieinigkeit. 

20  VIII.    Siehst  du  die  Einheit  und  die  wahrhaftige  Dreiheit? 

Und  zwar  nennen  wir  nicht  einen  jeden  für  sich  gesondert  als 
verschiedene  „Götter",  weder  heißen  sie  drei  Götter,  da  sie  nicht 
aus  verschiedenen  Wesenheiten  sind,  noch  heißt  er  wieder  nur 
Einer.     (Sondern),  damit  wir  nicht  in  das  Judentum  und  in  die 

25  Vernünftelei  des  Sabellius  fallen,  [sondern]  glauben  wir  eine 
Dreieinigkeit,  die  herrscht  durch  die  Vereinigung,  eine  Voll- 
kommenheit; und  wir  sagen  nicht:  „drei  Götter",  um  nicht  den 
Heiden  zu  gleichen,  die  sehr  viel  Götter  bekennen.  2.  Und 
welche  von  diesem  wahrhaftigen  Glauben  abgewichen  sind,    die 

30  sündigen.  Wie  der  Erlöser  spricht  im  Evangelium:  „Ich  bin 
gekommen   im   Namen   meines   Vaters,    (und)    ihr  nehmt  mich 

4  f.  Jes.  11,  2.  —  51  Job.  15,  20.  —   17  Jes.  0,  3.  —  30ff.  Job.  5,  43. 

7  f.  vgl.  das  Bekenntnis  des  Gregor.  Thaumat.  bei  Habn,  Bibl.  d. 
Symb.  S.  255  ovxs  ovv  xzioröv  ti  rj  öovXov  iv  xij  zqiolöc.  Über  die  Kappa- 
dozier  vgl.  Holl  S.  118,  über  Didymus  Leipoldt  S.  119.  |  10  „inbetreff 
des  Tuns":  „über  dem  Tun"  übers.  K  |  29  „abgew.":  abgeirrt  +  K  | 
31  „zum  Namen  meines  Vaters,  im  Namen  meines  Vaters"  S  |  31  f.  „und 
.  .  nicht":  „verbarg"  S 


„Über  den  Glauben".  19 

(nicht)  auf.  Ein  anderer  wird  kommen  in  seinem  eigenen  Na- 
men und  den  werdet  ihr  aufnehmen".  3.  Eben  dieses  bekräftigt 
der  Apostel  Paulus  und  spricht  von  ihm:  „Die  Liebe  der  Wahr- 
heit nehmen  sie  nicht  an,  damit  sie  entrönnen.  Er  wird  auf  sie 
senden  Irrtum  der  Verführung,  damit  sie  glauben  an  die  Worte  5 
des  Verführers  und  bestraft  werden  alle,  die  nicht  an  die  Wahr- 
heit geglaubt  haben." 

IX.   Aber  wir   werden   fest  halten  das  wahre  und  gute  Be- 
kenntnis.   Denn  nicht  allen  ist  gegeben  der  Glaube,  sondern  nur 
einigen  ist  er  gnadenvoll  geschenkt  „vom  Vater  des  Lichts"  und  10 
durch   den   eigenen  Eifer  und  die  Darbringung  der  Bereitwillig- 
keit.    Wie    der   Prophet   durch   den   heiligen  Geist  gesprochen: 
„Sie  werden    alle    von  Gott    genannt  sein".     Und  ferner  spricht 
er  wieder:    „Ich  werde  in  ihren  Sinn  meine  Gesetze  geben  und 
in   ihre  Herzen    werde   ich    sie  schreiben,    und  sie  werden  mein  15 
Volk  sein  und  ich  werde  ihnen  Gott  sein".    2.  Und  ebenderselbe, 
der  Ewige,  anfangslos  Geborene  vom  Vater  und  die  Macht  und 
Gottheit  und  das  Wort,   Gott  geboren  aus  dem  Vater  vor  allen 
Äonen,  eben  der  aus  Gott  Geborene,  dieselbe  Gottheit,  der  aus 
dem  Vater  vor  allen  Äonen  geborene  Sohn  Gottes  kam  zu  un-  20 
serer    Rettung  |   und    kleidete    sich  in   den  Menschen  und  ward  397 
geboren   von   der  heiligen  Jungfrau  nach  dem  Fleisch  am  Ende 
der  Zeiten,    nur    ohne  Vermengung    und    ohne  Verwirrung   von 
Vater,  Sohn  und  heiliger  Geist.    3.  Seiner  Zeit  in  dem  Leib  der 
heiligen  Jungfrau  gedenken  wir  zum  Nachsinnen,  aber  zur  Un-  25 
getrenntheit    und    wesenhaften  Ungeteiltheit    des   Einen  Willens 
und  der  Vereinigung,  aber  nicht  in  Getrenntheit  für  einen  jeden. 
Denn    wie   wir   sinnen   über   seine   Geburt   aus  dem  Vater  und 
kennen    den    gezeugten    Sohn    und    bekennen    den  Ausgang   des 
Geistes  durch  ihn,  ebenso  auch  nur  die  Sendung  des  Einen  Sohnes  30 
von  dem  Vater  und  die  zweite  Geburt  des  Sohnes  Gottes  von  der 
Jungfrau  ist  einzig  und  vorzüglich  (in)  Reinigung  und  Heiligung 
des  Leibes   der  Jungfrau  als  nur  des  Tempels  für  den  heiligen 
Geist.    —    Denn    nicht,    daß    wäre    Ein   Name   die  heilige  Drei- 

3  ff.    II  Thess.  2,  10—12.  —   10  .Jak.  1,  17.    —    13  Joh.  6,  45   (Jes. 
43,  7;  Am.  9,  12).    —    14  ff.  Jer.  31,  33. 

'25  1.  „die  Eine  Sendung  d.  S.  v.  d.  Vater" 

2* 


2()  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

einigkeit,  sondern  von  drei  Herren  (Herrschenden)  der  volle  und 
vollkommene  Name  in  Wahrheit. 

X.  Jetzt  aber,  der,  den  Himmel  und  Erde  nicht  fassen 
können,  auf  welche  Weise  wird  ihn  das  menschliche  Herz  fassen? 
5  Ist  etwa  der  Mensch  größer  als  Himmel  und  Erde  oder  als  alle 
Kreaturen?  Und  so  erkenne:  was  Gott  gefällig  ist,  und  was  ihm 
gefällig  war  hat  er  getan,  und  was  ihm  gefällig  sein  wird 
wird  er  tun  und  wird  es  nicht  unterlassen,  wenn  er  es  will. 
Vielmehr  hat  er  sich  selbst  gedemütigt  und  erniedrigt  und  ward 

10  ein  solcher,  wie  er  wollte,  daß  er  sei.  2.  Es  sandte  Gott  seinen 
Sohn  in  die  Welt,  welcher  kam  und  ward  geboren  von  einem 
heiligen  Weibe,  es  ward  gesandt  der  Herr  von  Gott  und  dem 
heiligen  Geist.  Selbst  kam  der  Sohn  und  ward  geboren  von  der 
Jungfrau,  selbst  durch  sich  selbst,  wie  er  wollte  und  entsprechend 

15  dem  Wort:  „Ich  gebe  mein  Haupt  und  habe  Macht,  es  wieder  zu 
nehmen".     Er  kam  und  erfüllte  den  Willen  dessen,  der  ihn  ge- 
sandt  hatte,   entsprechend  dem  Wort:    „Ich  bin  gekommen  zu 
398  tun  den  Willen  meines  Vaters",  |  damit  er  uns  zeige  die  Einheit 
der  Dreieinigkeit,    die    ungetrennte    und  ungeteilte,  und   daß  er 

20  von  demselben  Einen  Wesen  durch  den  Willen  des  Vaters. 
3.  Und  er  ging  ein  in  den  Leib  der  Jungfrau  und  verschmähte 
es  nicht.  Denn  er  selbst  der  Herr  war  der  Reiniger  von  allem 
und  er  selbst  durch  seinen  Willen  windelte  sich  ein  in  Windeln, 
und  die  alte  Gottheit  ward  für  uns  ein  Kind,  und  de,r  unmeßbar 

25  war  und  unerreichbar  infolge  der  Vollkommenheit  seiner  Gott- 
heit, kam  für  uns  herab  vom  Himmel  und  machte  sich  selbst 
gering  und  machte  Wohnung  in  dem  Fleisch;  er  zeigte  sich  voll- 
kommen und  wahrhaftig  im  Fleisch  entsprechend  dem  Wort, 
das  der  Apostel  gesprochen:     ,. Nicht  nach  Maß  gab  er  ihm  den 

30  Geist".  4.  Obgleich  er  sich  kleidete  in  das  Fleisch  und  geboren 
ward  uns  vollkommen  gleich,  veränderte  sich  die  Gottheit  nicht, 
sondern  bleibt  in  der  Herrlichkeit  des  Vaters,  in  der  Natur  seiner 
Gottheit;  wie  er  war,  so  ist  und  bleibt  er  in  Ewigkeit;  zusammen 
mit    dem  Vater   ist   er   in   der  Höhe  in  seiner  Natur.     Wie  der 

9  Pliil.  2,  8.  —  11  f.  Gal.  4,  4.  —  15  f.  Job.  10,  18.  —  17  f.  Job.  6,  38. 
—  23  Lc.  2,  12.  —  26  f.  Phil.  2,  8.  —  29  Joh.  3,  34.  —  30  Joh.  1,  14. 

24  Ad  Diogn.  11,  4.  5    |    32.  34  „Natur":  „Hypostase"  erklärt  K 


„Über  den  Glauben".  21 

Herr  selbst  spricht:  „Ich  bin  ebenderselbe  und  habe  mich  nicht 
verändert".  5.  Obgleich  er  sich  kleidete  in  die  Gestalt  eines  Men- 
schen und  in  Wahrheit  ein  Mensch  ward  und  ertrug  Schmähung, 
aber  das  Herabsteigen  und  das  Kommen  und  das  Gesandtsein 
war  ein  göttliches.  Seine  Erscheinung  war  nicht  möglich  zu  5 
umfassen.  Und  nicht  das,  daß  von  einem  Ort  zum  andern  er 
sich  verändert  hätte,  von  dem  alles  erfüllt  ist  und  (der)  um 
alles  ist,  obgleich  er  erschien  in  Erniedrigung.  6.  Alles  aber 
mischte  (?)  er  und  einte  den  Leib  mit  seiner  Gottheit.  Denn 
durch  den  heiligen  Geist  reinigte  er  den  Leib  der  Jungfrau,  und  10 
es  kleidete  sich  der  Sohn  Gottes  in  Fleisch  von  der  heiligen 
Jungfrau,  durch  die  Hand  dessen,  durch  den  gemacht  wurden 
die  Gründe  der  Erde  und  ausgebreitet  wurden  die  Decken  der 
Himmel.  7.  Davon  spricht  der  Prophet:  „Es  offenbarte  der 
Herr  seine  Rechte  und  seinen  Arm  zu  allen  Heiden,  |  und  15  399 
es  sahen  alle  Enden  der  Erde  das  Heil  unseres  Gottes".  Die 
„Rechte"  des  Vaters  und  sein  „Arm"  ist  er  selbst,  Christus;  und 
von  ihm  wurden  erleuchtet  alle  seine  Kreaturen,  und  er  ver- 
nichtete den  Gottlosen  durch  sein  Fleisch,  und  „richtete  Sünde 
durch  das  Fleisch",  in  das  sich  die  Gottheit  kleidete.  8.  Die  20 
Höhe,  die  sich  kleidete  in  Niedrigkeit,  die  unsichtbare,  erschien 
ohne  Herrlichkeit  durch  das  Sichtbarwerden.  Seine  Herrlichkeit 
aber  ward  sofort  durch  den  Preis  der  Herrlichkeit  Gottes  durch 
den  Ruf  der  Himmelsbewohner  erhoben;  und  sie  lehrten  die 
Hirten  und  priesen  die  Höhe  und  die  Demut  des  Sohnes  25 
und  sprachen:  „Herrlichkeit  sei  Gott  in  der  Höhe  und  Friede 
auf  Erden",  damit  nicht  in  der  Krippe  und  von  den  Windeln 
er  den  Hirten  entwürdigt  erschiene.  9.  Denn  es  bezeugt  der 
Psalter  in  seinem  Preis,  daß  „vor  dem  Morgenstern"  sein  Name 
war  und  „über  ihn  sich  benedeien  alle  Geschlechter  der  Erde".  30 
Mit  diesen  Worten  tat  er  uns  zuvor  kund  seine  Geburt  im  Fleisch. 
Und  durch  das  Eine  zeigt  er  uns  die  Gottheit,  daß  er  sagte: 
„Aus    dem  Mutterleib   vor   dem  Morgenstern    habe   ich  dich  ge- 

1  f.  Ps.  102  (?),  28.  —  2  f.  Phil.  2,  7.  —  14  ff.  Jes.  52,  10.  —  19t  Rom. 
8,  3.  —  '23  ff.  Lc.  2,  13.  14.  —  27  Lc.  2,  12.  —  29  Ps.  110,  3.  —  30  vgl. 
Gen.  12,  3.  18,  18.  —  33  f.  Ps.  110,  3. 

9  „mischte":  sorastvoril  K  |  14  „Prophet  Prophet"  K  |  17  vgl. 
Hipp.,  In  Dan.  II,  33,  4. 


22  Bonwetsch,  Hippolyfcs  Schrift 

boren";  der  Jungfräuliche,  der  ihn  geboren,  nur  er  allein  kennt 
sie.  Aber  diese  zweite  Geburt,  die  nach  seiner  Gnade  er  unter 
den  Menschen  offenbarte,  um  die  Menschen  zu  erretten  und  zum 
Segen  zu  führen  von  jenem  ersten  Schwur  (Fluch)  und  um  auch 
5  die  Erde  durch  seinen  Segen,  das  Kommen,  zu  erneuern.  10.  Denn 
unter  allen  Gnadengaben  Gottes  ist  nichts  höher  als  er,  und  er 
ist  der  Gott-Logos,  Fleisch  geworden  zur  Rettung  der  Welt. 
Von  der  heiligen  Jungfrau  ward  er  geboren,  um  an  Stelle  jener 
Schwüre   und   Verfluchungen  des  Mutterleibes   aller  Mütter  den 

10  Segen    seiner  Gnadengaben    zuvor    zu   senden.     11.  Denn  wegen 

Eva  wurden  verflucht  alle  Geschlechter  der  Mütter,   und  durch 

400  Maria  |  haben  sie  den  himmlischen  Segen  empfangen.     Denn  er 

sah   die  Menschen  im  Verderben,  sammelte  die  Zerstreuten  und 

fand  die  Verlorenen.     Und  nachdem   die  Jungfrau  —  die  schon 

15  „Gnade  gefunden",  aber  „ohne  Mann"  war  —  empfangen  von 
dem  heiligen  Geist  ohne  Versehrtheit  in  (?)  dem  heiligen 
Mutterleib  den  Sohn  Gottes  nach  unausdenkbarer  Ordnung,  und 
Gebärerin  nach  dem  Gesetz  der  weiblichen  Natur,  „hat  sie  ihren 
ersten  Sohn  geboren"  „in  der  Stadt  Davids  in  Bethlehem". 

20  XI.    Da  werden  von  nun  an  erfüllt  alle  im  Geist  geschehe- 

nen Weissagungen  der  erzählenden  Propheten,  die  Vorher- 
sagungen der  Propheten  hinsichtlich  des  „geborenen  Knaben, 
der  uns  geschenkt  worden,  der  die  Macht  hat  auf  seinen  Schul- 
tern,   und   ihm    ward  gegeben  ein  Name:    großen  Rates  Engel, 

25  wunderbarer  Berater,  starker  Gott  und  König,  Haupt  der  Welt 
und  Vater  der  zuvor  bereiteten  Welt".  2.  Siehst  du,  daß  der 
Sohn  auch  Haupt  und  „Engel"  und  „Berater  und  starker  Gott, 
Vater  der  zuvor  bereiteten  Welt".  Denn  er  lehrt  uns,  daß  der 
heute    „geborene  Knabe"    schon    zuvor    Sohn  war,    denn   er  ist 

30  „Kraft  Gottes  und  Berater  und  starker  Gott",  durch  den  die 
Äonen  gefestigt  wurden.  Und  daß  als  ein  Knabe  von  der  hei- 
ligen Jungfrau  heute  in  Bethlehem  geboren  ward,  von  dem  im 
voraus    er   uns   schon   sagt:    „Der  Herr  hat  gesprochen:    mein 

4  Gen.  3,  16.  17.   —  9  Gen.  3,  16.  —  15  Lc.  1,  30.  34.  —  18 f.  Lc. 
2,  7.  4.   —   22  ff.  Jes.  9,  6.    —   33  f.  Ps.  2,  7. 

21  f.  „Vorhersagungen"  predskazanija:  preduzavanija  K   |    27  „star- 
ker, kräftiger"  S 


„Über  den  Glauben".  23 

Sohn  bist  du  und  ich  habe  heute  dich  geboren".    3.  Und  „Vater 
der    zuvor   bereiteten   Welt".     Denn   diese   alterschwach  gewor- 
dene und  sterbende  Welt  ist  ähnlich  „dem  ersten  Menschen  von 
der  Erde.    Der  zweite  Mensch,  der  vom  Himmel"  kam,  geboren 
von  der  Jungfrau,   um  zu  erneuern  den  ersten  Menschen,   wozu  5 
er   die  Kraft  über   alle   besitzt;    denn  er   „sproß  hervor  an  dem 
Stab  aus  der  Wurzel  Jesse's",  spricht  der  Prophet  Jesaja,  und 
eine    „zarte  Blüte"    von   ihr   bei  der  Geburt  (von)  der  Tochter 
Davids    nennt    er   ihn.     Wenn   aber  dies  so  ist,   so   wird  er  auf 
dem    Thron    Davids    sitzen   und    sein   Reich    wird   triumphieren.  10 
4.   Sehr  verherrlicht  ist  der  Sohn:  von  den  geistigen  und  feuer- 
gleichen,   nie    schlafenden   Mächten    kam    er  und   ward  Mensch, 
damit  die  Menschheit  vermöchte  ihn  von  Angesicht  |  zu  schauen.  401 
Aber  seine   erste  Geburt  nach  seiner  Gottheit  vom  Vater  kennt 
der   Vater    selbst.     Denn    auch    seine    zweite    Geburt    nach    dem  15 
Fleisch  vermag  keiner  auszudeuten.     Denn  der  Prophet  spricht: 
„Sein  Geschlecht,    wer    vermag    es    kund    zu  tun?"     Denn  Gott 
nach    seinem  Wesen  „hat  niemand  jemals  gesehen",    sogar  nie- 
mand von  den  den  Himmel  bewohnenden  Mächten.     5.  Aber  der 
nach  dem  Fleisch  geborene  Sohn  ward  ein  vollkommener  Mensch,  20 
und  durch  seine  Vollkommenheit  nach  der  Gottheit  hat  er  voll- 
kommen die  Macht  der  Gottheit  uns  offenbart.     Von  dem  auch 
Johannes  spricht:  „Welcher  war  im  Anfang,  den  wir  gehört  und 
den   wir  mit  Augen   gesehen  haben,   auf  den  wir  geschaut  und 
den    unsere  Hände    bedient  haben,    das  Wort  des  Lebens.     Und  25 
das  Leben  ist  erschienen  und  wir  sahen  und  bezeugen,  daß  er 
ist  die  Wahrheit  und  das  ewige  Leben".     6.  Der  sich  kleidete  in 
das  Fleisch  eines  Menschen,    eben   derselbe    ist   auch  der  Gott- 
Logos,  nicht  betastbar  und  leidend.    Den  sie  gleichsam  besiegten 
und  banden,  sie  ergriffen  ihn  nur  nach  seinem  Fleisch;  und  alles  3<) 
was  sie  taten,  nur  an  seinem  Fleisch  empfing  er  es  nach  seinem 
Willen.     7.    Der  Unsichtbare    verhüllte   sich   und   verließ    alles 
durch    die    Erniedrigung,   ein   Knecht  und   Nächster   durch   sein 
Fleisch   der  Menschheit   und   befreite  die  Leiber  der  Menschen 

1  f.  Jes.  9,  6.  —  3  f.  I  Cor.  15,  47.  —  (»  ff.  Jes.  11,  1.  —  17  Jes.  53,  8. 
—  18  Joh.  1,  18.  — '  23  ff.  I  Job.  1,  1.  2.  —  33  Phil.  2,  7. 

(>    „besitzt  bat"  K     |     34    „der    Menschheit",    „in    der    Menschwer- 
dung" ? 


24  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

von   den  Sünden.     Er  ging  hinab  in  den  Hades  und  führte  von 
dort   heraus    die    im   Hades  Eingekerkerten.     Von  dem   zweiten 
Himmel  (?)  ward  verfolgt  und  vertrieb  er  den  Teufel,  band  die 
die  Sünde    und   heftete   sie  an  das  Holz  des  Kreuzes.     8.  Denn, 
5  wer   an    sein    Fleisch   glaubte,    denen   gab   er  zu  erkennen  seine 
Gottheit.     Aber    die,    welche    sich   an  ihm   ärgerten,    daß  er  im 
Fleich  gekommen,  die  verwarfen  auch  die  Natur  seiner  Gottheit. 
Denn   er   vereinigte  in   sich  den  Leib  nach  dem  natürlichen  Ge- 
setz   und   vereinigte   den  Leib   mit  seiner  Gottheit.     Die,  welche 
10  an   ihn    glaubten,    die   werden   sich   auch   freuen   an  den  unaus- 
sprechlichen Seligkeiten,  und  die,  welche  sich  ärgerten  an  diesem 
Glauben  (und)  nicht  auf  rechten  _  einfältigen  Wegen  gehen  wer- 
den und  abirrten,  [und]  haben  sich  unerforschliche  Orte  bereitet. 
402  9.  Und  viele  sind  jetzt  von  dem  wahren    |  Glauben  abgewichen, 
15  und    es    scheint   ihnen,    als    hätten    sie   etwas   gefunden  und  sie 
haben  (doch)  nichts  gefunden,  wie  das  „denn  sie  sind  dem  Nichts 
nachgefolgt  und  haben  nichts  gefunden". 

XII.  Und  so,  ein  jeder,  der  von  dem  wahren  Glauben  ab- 
weicht und  säen  wird  in  ungepflügtem  Acker  unfruchtbare  und 
20  dürr  aufsprossende,  schlechte  und  von  Gift  durchdrungene  Sa- 
men (in  die  Ohren)  der  Hörer,  solche  und  dem  gleiche  sind 
schon  Verfluchte,  „ob  es  auch  ein  Engel  vom  Himmel"  sein 
wird,  und  sie  werden  („mögen"?)  verflucht  sein  wie  eine  Schlange, 
die  Erde  ißt,  —  wer  mit  lügnerischem  und  verleumdungs vollem 
25  Wort  das  Gebot  des  Schöpfers  zu  zerstören  sich  erlaubte,  und 
die  sich  dessen  teilhaftig  gemacht  haben  und  sagen:  (Es  war) 
einst,  da  der  Sohn  noch  nicht  war,  und:  Bis  zur  Geburt  war 
er  nichts,  und:  Aus  dem  Nichts  gleichsam  ist  er  geboren.   Und: 


1  f.  Eph.  4,  9.  —  4  1  Ptr.  2,  24.    Col.  2,  14.  —   16  f.  I  Sam.  12,  21. 
—  22  Gal.  1,  8.  —  23  f.  Gen.  3,  14. 


1  vgl.  das  armen.  Bußglaubensbek.  bei  Hahn  S.  156,  20 ff.  „stieg  er 
in  die  Hölle  hinab,  predigte  den  Geistern,  zerstörte  die  Hölle  und  be- 
freite die  Geister"  |  2  f.  „Von  zwei  Himmeln"  erklärt  K  |  3  „w.  ver- 
folgt": +  „der  Teufel"  erklärend  K  |  13  „Orte  Orte"  K  |  14  vgl.  Di- 
dymus,  Adv.  Arium  et  Sabellium  Migne,  Patr.  gr.  45  Sp.  1281  A  xo?J.ovq 
xi'l  havxöiv  Bcpeilxvoav  nXavq  \  19  „in— Acker"  nach  „unfruchtb.  —  auf- 
spross."  in  S    |    21  „in  die  Ohren"  +  K 


„Über  den  Glauben". 


25 


Konnte  er  etwa  (?)  durch  die  Wirkung  eines  anderen  sogar  im 
Vergangenen  sein?  sagen  sie  euch  und  verderben  durch  dieser 
häretischen  Lehre  ähnliche  Worte.  2.  Denn  solche  Häretiker 
verdammt  die  katholische  Kirche,  und  die  Häresie  des  Sabellius 
selbst,  der  eben  dasselbe  sagt  und  eben  dasselbe  lehrt  ganz  5 
ebenso.  Aber  wir  kennen  den  Vater  als  den  Vater  und  den 
Sohn  kennen  wir  als  den  Sohn  und  den  Geist  kennen  wir  als 
den  heiligen  Geist,  Eine  Herrschaft,  Eine  Gottheit;  drei  voll- 
kommene Herren,  ewig  ist  der  Vater,  immer  ist  der  Sohn  (und) 
der  heilige  Geist,  ein  vollkommener  Fürsprecher,  unerschaffen,  10 
der  zuvor  war  und  sprach  in  den  Gesetzen  und  den  Propheten 
und  den  Aposteln  und  herabkam  am  Jordan  und  Zeugnis  ab- 
legte von  der  Fleischwerdung  des  Sohnes  Gottes.    So  kam  auch 

11  f.  Mc.  1,  9—11. 

1  f.  „und  er  bätte  sogar  durcb  die  Wirkung  eines  andern  Vorange- 
gangenen sein  können"?  |  2  „verderben  durcb":  „durcb  Verderben"  S  | 
4  ff .  Pseudobasil.  bei  Hahn  S.  308  f.  äva&e/xaxltouev  xfjv  xov  'EaßeXX'iov 
nloxiv,  r/)v  Xeyovoav  xbv  avxbv  elvai  naxeQa  xal  vibv  xal  ayiov  nvev/xa 
.  .  .  naxeoa  yäo  oi'6c<f.iev  naxeQa,  vibv  vibv,  nvei\ua  äytov  xb  nvevfta  avxö 
llyiov,  fxlav  ßaolXeiav,  /ulav  oiolav,  filav  &ebxi]xa.  Kattenbuscb,  D. 
apost.  Symbol  I,  311  verweist  auf  Epipb.,  Ancoratus  118  >][xeTq  de  oi'Saftev 
7iaxt(ja  naxiga,  v\bv  vibv,  ayiov  nvevfxa  ayiov  nvevua  .  .  (ila  oiola,  fiia 
XVQIÖTTJQ  |  5  f.  „eben  —  ebenso"  korrumpiert;  es  dürfte  etwas  über  die 
Einheit  der  Person  des  Vaters,  Sohnes  und  Geistes  gestanden  haben,  wie 
bei  Pseudobasil.  Hahn  S.  309,  lff.  |  8f.  Pseudobasil.,  Hahn  S.  309,  13  äel 
Ticcx/jo,  äel  vlbq  |  Off.  Pseudobasil.,  Hahn  S.  310,  3ff.  nvevua  9-eTov,  nvevua 
ayiov,  nvevua  xeXeiov,  Ttaoäxfajxov,  axxioxov,  XaXijoav  iv  vbuio  xal  noo- 
<p)xaiq  xal  änooxbXoiq  xal  xaxaßäv  elq  xöv  ^IoQÖävrjv.  Ahnlich  schon 
EpiphaniuB  bei  Hahn  8.  136,  18  xal  eiq  xb  ayiov  nvevua  moxevouev,  xb 
?.aXt]oav  iv  vbuio  xal  xrjovgav  iv  xoiq  noocpfjxaiq  xal  xaxaßäv  inl  xov 
'loyöävqv,  XaXovv  ev  änooxbXoiq,  olxovv  ev  äyioiq'  ovzwq  de  moxevouev 
iv  avzip,  oxi  iaxl  nvevua  llyiov,  nvevua  9eov,  nvevua  xiXeiov,  nvevua 
nuoäxXi/xov,  axxioxov.  Pseudoathan.,  'Eniujveia  bei  Hahn  S.  138,  11  ff. 
xal  nioxtvouev  elq  xb  nvevua  xb  ayiov  .  .  .  xb  axxioxov,  xb  xeXeiov,  xb 
n«nüx?.t]xov,  xb  Xa?./joav  iv  vbuio  xal  iv  nnoipi'jxaiq  xal  iv  {änooxbXoiq 
xal  +  cod.  Reg.)  evayyeXioiq '  xaxaßäv  inl  xbv  ^IoQäävTjv,  xt]Qv$av  äno- 
oxbXoiq,  olxovv  iv  äyioiq.  Das  armenische  Meßbekenutnis  bei  Huhn 
8.  L53,  5  ff.  nioxtvouev  xal  elq  xb  ayiov  nvevua  elq  xb  axxioxov  xal 
elq  xb  xeXeiov,  n  iXäXtjOev  iv  vbuio  xal  iv  noo<p/jzaiq  xal  iv  evayye- 
Xioiq 8  xaxeßt]  inl  xbv  Ioqöhvtjv,  ixi'/Qi^ev  iv  änoorbXoiq  xal  toxtjoev 
iv  äyioiq. 


26  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

die  Stimme:  „Dieser  ist  mein  geliebter  Sohn",  der  sich  in  einen 
Menschen  gekleidet  hat. 

XIII.  Dieser  vollkommene  Mensch,  von  der  Gottesgebärerin 
Maria  durch  den  heiligen  Geist  sein  Leib  und  Seele,  voll- 
5  kommen  wahrhaftig,  aber  nicht  zum  Schein.  Denn  als  solcher 
vollkommeuer  kam  er  diesen  unseren  Menschen  zu  erretten.  — 
2.  Für  unser  Leben  ward  er  Mensch  und  lebte  in  der  Gestalt 
eines  Menschen,  aß  und  trank  wie  wir  und  litt  durchaus  wahr- 
haftig und  ward  bespeit  und  wurde  gekreuzigt  am  Kreuz  bei 
10  Pontius  Pilatus  und  ans  Kreuz  geheftet,  wurde  durchbohrt,  starb, 

7  f.  Phil.  2,  7  (?).   —   9  Mt.  27,  30.  Mc.  15,  19.  —    Joh.  19,  34. 

1  Das  armen.  Bußglaubensbek.  bei  Hahn  S.  156,  13 ff.  „kam  er  zur 
Taufe,  wobei  der  Vater  von  oben  herab  Zeugnis  gab:  ,Das  ist  mein  lieber 
Sohn',  während  der  heilige  Geist  in  Gestalt  einer  Taube  auf  ihn  herab- 
kam" |  8 ff.  Pseudobasil.  S.  310,  7  ff.  dvsXaßev  av&Qü)7tov  xiXeiov  ix  xr\q 
&eoxöxov  Maolaq  öia  nvev/xaxoq  äylov,  aöi[xä  xe  xal  ypvyj]v  äXrj&ivvjq  xal 
ov  öoxtjoei  '  ovxwq  yäo  rjX&Ev  xeXelwq  cüioai  (so  cod.  Escor,  und  mit  Recht 
schon  Kattenbusch,  Das  apost.  Symb.  S.  313  A.  60;  cod.  Yen.  xeXei- 
oaCoaai:  xeXeiCoaai  Hahn)  xbv  avd-oomov,  ov  äviXaßsv.  Epiph.  1.  c. 
S.  136,  6  ff.  yevvq&evra  xeXelvjq  ix  xfjq  aylaq  Maolaq  xfjq  aeinaQ&svov 
6iä  nvevfiaxoq  aylov,  ivav9-oo)7ii)oavxa,  xovxiaxi  xiXeiov  av9o(D7iov  Xa- 
ßövxa,  yjvyijv  xal  oü)tua  xal  vovv,  Pseudoathan.  S.  138,  5  ff.  ivav&oto- 
m'/Gavxa,  xovxiaxi  yevvijd-ivxa  xeXeloiq  ix  Maolaq  xi/q  dei^caoQ-svov  6ia 
mevfiaxoq  aylov,  aCo/xa  xal  ipvyj/v  xal  vovv  xal  nävxa,  öaa  iaxlv  äv- 
Soüiitoiq  yojolq  a/xaoxlaq  aXrj&ivvyq  xal  ov  öoxtjOEl  iayrjxöxa.  Armen. 
Meßbek.  S.  152,  8ff.  ivav&oujTirjae,  iyevm'/d-T]  xeXdioq  ix  Maolaq  xfjq  aylaq 
Ttao&ivov  Sia  nvevfiazoq  aylov,  toaxe  XaßeTv  aibfia  xal  yjvyjv  xal  vovv 
xal  nävxa  oaa  iaxlv  iv  ävO-guinco  äXrj&ivöjq  xal  ov  öoxqoei.  Armen. 
Bußbek.  S.  156,  3  ff.  „herabkam  in  die  Gottesgebärerin  Jungfrau  Maria, 
.  .  .  obgleich  vollkommener  Gott  wurde  er  vollkommener  Mensch  mit  Geist, 
Seele  und  Leib".  |  7  ff.  Armen.  Bußbek.  S.  156,  16  „arbeitete  mit  seinem 
Leib,  ward  müde,  hungrig,  durstig;  hernach  kam  er  willig  zur  Marter, 
gekreuzigt,  gestorben  dem  Leibe  nach  etc."  |  8  ff.  Pseudobasil.  S.310,  9  xal 
oxi  enaO-ev,  xal  oxi  ixäytrj  xal  oxi  iyi'iyeoxai  x%  xolxq  bißioa  xal  öxi  elq 
xbv  ohoavbv  aveXi)(p9-ri  xal  ixä&iaev  ix  SegiCov  xov  naxobq  ärto&eioaaq 
xbv  av&oomov,  oV  dviXaßev  ioyöfievoq  xolvai  "Cßivxaq  xal  vexgoiq.  Epiph. 
S.  136,  15  Ttu&övxa  Ss  xbv  avxbv  iv  oaoxl  xal  ävaaxdvxa  xal  äveXd-bvxa 
elq  xovq  ovgavovq  iv  avxö)  tm  aöifxaxt,  ivööSojq  xa&iaavxa  iv  öe^iä  xov 
Tcaxoöq,  igyö^uevov  iv  avxö)  xö>  athiiiaxi  xolvai  "C/Covxaq  xal  vexgoiq.  Pseu- 
doathan. S.  138,  8  na&ovxa  xovxiaxi  oxavgw&ivxa ,  xa<pivxa  xal  äva- 
axdvxa xfj  xqix%   //,a£oa  xal  aveX&övxa  elq  ovgavovq  ir  avxö)  tq>  aüj/naxi, 


„Über  den  Glauben".  27 

ward  begraben,    ward   lebendig,    stand   auf  am   dritten  Tag,  ist 
aufgefahren   in   den  Himmel,   |  setzte  sich  zur  Rechten  Gottes,  403 
seines  Vaters.     Er   stieg   auf  und  soll  wiederkommen  zu  richten 
die  Lebendigen  und  die  Toten.     3.  Und  für  wen  starb  er,  wenn 
er  doch  nicht  etwa  schuldig  war  des  Todes  wegen  irgend  etwas?  5 
Höre,  was  der  Prophet  spricht:  „Übertretung  hat  er  keine  einzige 
getan   und    es    ward   keine    Lüge    in    seinem  Munde    erfunden". 
Wovon  er  auch  selbst  spricht:  „Wer  von  euch  ist  ein  solcher", 
den    er   verführte    mit   dem  Ziel  in  Sünde  zu  führen  und  abzu- 
treten vom  Gesetz,  oder  (in  das,)  was  würdig  wäre  des  Todes?  10 
Denn  er  selbst  Christus  spricht:  „Ich  bin  gekommen,  das  Gesetz 
zu   erfüllen".     Dem  Zeugnis  gibt  der  selige  Apostel  sprechend: 
„Christus  ist  die  Vollendung  des  Gesetzes".     4.  Auf  solche  Weise 
stirbt  er  von  den  Mächtigen  nicht  nach  ihrem  Willen,  sondern 
nach   seinem  Willen  als  Mensch.     Aber  auch   dies  erkenne,  daß  15 
er  spricht:    „Ich  lege  mein  Haupt,  und  niemand  nimmt  es  von 
mir".     Er    spricht:    „Ich    selbst   lege    mein  Haupt   und    hernach 
werde  ich  es  nehmen".     Weswegen  will  „sein  Haupt  legen"  der 
Unschuldige,  der  rein  vom  Tod  ist?    Er  aber  sprach:    „Ich  bin 
ein    mildtätiger    Hirte    im    höchsten   Maß   [barmherzig],    der  ich  20 
meine  Seele  legte  für  meine  Schafe",  nämlich  für  die  erschrocke- 
nen,  flüchtigen,   für  die  zerstreuten,  geraubten  durch  die  Tiere. 
Wovon  zuvor  der  Prophet  sprach:  „Wir  alle  waren  wie  verirrte 
Schafe  und  der  Herr  gab  (ihn)  für  unsere  Sünden  und  für  die 
"Übertretungen  seines  Volks".     Der  Tod  überhob  sich,   wodurch  25 
er   befreite   die  Gefangenen    aus  der  Gefangenschaft.     5.  Wenn 
dieses  so  ist,  so  sandte  Christo  zuvor  Lobpreise  jener  lobpreisende 

1  I  Cor.  15,  3.  4.  —  2  Mc.  16, 19.  —  6  f.  Jes.  53,  9.  —  8  f.  Job.  8,  46. 
—  10  vgl.  Lc.  23,  15.  22.  —  11  f.  Mt.  5,  17.  —  13  Rom.  10,  4.  —  14 
I  Cor.  2,  8.  —  16  f.  Joh.  10,  17.  18.  —  17  f.  Joh.  10,  17.  —  19  ff.  Job. 
10,  12.  —   23  ff.  Jes.  53,  6.  8. 

zröogcoq  xaSioavta  iv  Se^cä  xov  nazQÖq,  £$-/6[A£vov  iv  avxö)  rü>  ocofiaxi 
iv  <Jo£#  xntvai  tjüvxaq  xal  vexQOvq.  Faßt  ganz  so  das  armen.  Meßbek. 
S.  153,  1  ff. 

2  „stieg  auf,  setzte  sich"  S  |  9  „den  er  verführte"  wohl  unrichtig 
von  K  übersetzt  |  vgl.  xwQ^  a/uagrlag  Epiph.  1.  c.  S.  136,  8.  Pseudo- 
athan.  S.  138,  7.  |  14  „Mächtigen":  „dieser  Welt"  +  erklärend  K  | 
20  „mild",  „mildtätig"  stsedryj  :  städeryj  K  |  22  „durch  die"  viell.  weg- 
zulassen. 


28  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

Psalmsänger  und  sprach:  „Ich  war  wie  ein  hilfloser  Mensch 
und  unter  Gestorbenen  ein  Freier".  Denn  er  allein  nur  war 
sowohl  nicht  von  der  Sünde  geknechtet,  und  nicht  durch  irgend 
eine  fremde  Macht,  sondern  mit  seiner  Macht  tötete  er  den 
5  stark  gewordenen  „Tod",  der  verschlungen  hatte  die  Welt  „und 
trocknete  alle  Tränen,  abgewischt  habend  von  allen  Augen", 
404  um  lebendig  zu  machen  in  dem  ewigen  Reich  die  Sterblichkeit 
der  Menschen. 

XIV.   Und  ferner  spricht  wieder  der  Prophet:    „Er  ist  auf- 

10  gefahren  in  die  Höhe,  ist  aufgestiegen,  hat  zurückgenommen, 
gefangen  genommen  das  Gefangene,  hat  verteilt  zu  Gaben  und 
hat  den  Söhnen  der  Menschen  gegeben".  Denn  wodurch  die 
Menschen  in  Betrug  verführt  wurden  durch  den  einfachen 
Götzendienst,  eben  durch  dies  gewohnte  Holz  brachte  er  zurück 

15  die  Menschen  zum  Dienst  Gottes  und  ließ  uns  zum  Zeichen  aller 
seiner  Leiden  das  Kreuz;  damit  das  Holz  eben  dieses  leben- 
spendenden Kreuzes  an  Stelle  aus  Holz  ausgehauener  Dar- 
stellungen für  uns  ein  Zeichen  wäre,  und  Christus  lautlos  (ohne 
Worte)  an  eben  dem  Kreuz  an  die  Stelle  (trete)  der  Darstellungen 

20  der  verunreinigten  Götzen  von  Menschen,  die  die  leblosen  Götzen 
anbeteten,  und  das  Blut  unseres  Herrn  an  die  Stelle  der  Opfer  und 
der  Freuden  der  Lasterhaftigkeit  und  der  Opferdarbringungen 
mit  Räucherwerk,  womit  sie  kamen  vor  die  Seelenlosen  und  sich 
ergötzten.     2.  Wahrhaft  (aufrichtig)    berief  uns   der   Vater:    das 

25  Lamm,  (das)  er  schlachtete,  ist  der  Sohn  Gottes;  und  er  be- 
rief die  Kirche  zu  jenem  Hochzeitsmahl.  Und  hier  wurde  er- 
füllt das  Gesagte,  nämlich  „wessen  die  Braut  ist,  das  ist  der 
Bräutigam",  welcher  Bräutigam  ist  Christus,  die  Kirche  aber 
die  Braut.     Und   wer  sind  die  „Freunde  des  Bräutigams?"     Es 

30  sind  die,  welche  „aßen  das  Fleisch"  des  Bräutigams  und  ver- 
gaßen die  ungehörige  Opferdarbringung  im  Tempel  der  Ver- 
sammlung vor  „den  Teufeln",  und  damit  sie  (verließen)  das 
Haus  der  Gesetzlosigkeit,  den  Tempel  der  der  Gestalt  der  Men- 

lf.  Ps.  88,  5.  6.  —  5  f.  Jes.  25,  8.  —  9  ff.  Ps.  68, 19.  —  26  Mt.  22, 
2.  3.  —  27  f.  Joh.  3,  29.  —  30  Joh.  6,  53  ff.  —   32  I  Cor.  10,  20. 

2  „ein  Freier":  „von  Versuchung"  erklärend  -f-  K  |  14  „dies  ge- 
wohnte Holz":  wörtlich  „die  Gewohnheit  des  Holzes":  „der  Gewohnh.  des 
H."  S    |    24  f.  „des  Lammes"  S 


„Über  den  Glauben".  29 

sehen    ähnlichen  Götzen,    und   beteten   an  das  wahrhaftige  Holz 
der  Wahrheit  in  Wahrheit  und  den  lebenspendenden  Leib,   der 
die    Sünden    des  Menschen    vernichtet    hat    und    zugleich    damit 
auch  die  Pein,  und  machte  ihn  groß.     3.  Wenn  dies  so  in  Wirk- 
lichkeit ist,  so  „gab  er"  denen,  die  er  befreit  hat  von  der  Strafe  5 
und  gerechtfertigt  hat,  eine  große  „Gabe".    Mit  Recht  zu  sagen, 
wirklich  gab  er  uns  eine  große  Gabe  und  Ehre,  denn  durch  das 
Taufbecken    heißen    wir    Sohn    Gottes    und  verhieß    er   uns    zu 
geben    den  ewigen  und  unermeßlichen  Lohn,    nämlich  den  end- 
losen und  den  unaussprechlichen  und  anfangslosen,   sein  himm-  10 
lisches  Reich.    |    4.  Und  wie   Bäume   durch   das   Hervorwachsen  40.~> 
und    Hervortreiben   von  Sprossen    und   Blüten    und   Samen    und 
Blättern  und  Früchten   und   durch  ihre  Lebenskraft  (Seele)  und 
Geschmack  ein  jeder  Baum  für  sich  ist  und  nach  seiner  Natur 
existiert,    seine   Blöße    mit  Blättern   bedeckt    und   erkannt    wird  15 
nach  seiner  Lebenskraft  (Seele)  und  durch  den  Geschmack,   und 
wie  diese  zuvor  waren,  auf  eben  solche  Weise  auch  jetzt  solche 
(sind)  und  zu  einem  andern  Aussehen  nicht  übergehen,  sich  für 
sich  selbst  nicht  verändern,  —  auf  genau  ebensolche  Weise  wird 
auch  der  Mensch  durch  den  Leib  mit  Hilfe  der  Adern,  Glieder,  20 
durch   die  Zusammenfügung  der  Gelenke,  mit  Haut,  Haaren  be- 
kleidet und  geschmückt,    und   alsdann  nur  seine  Seele  geht  ein 
in  ihn,  kehrt  zurück;  und  mit  was  für  Taten  man  begraben  wird 
in  den  Gräbern,  mit  denselben  Taten  belastet  kommt  man  auch. 

XV.  Denn  als  er  hinaufstieg  auf  den  Olberg,  da  bahnte  er  den  25 
Weg  in  den  Wolken  in  der  Luft  durch  das  Aufsteigen  zum 
Vater  in  den  Himmel;  er  erhob  seine  Arme,  segnete  seine  Jünger 
die  Apostel  und  sandte  sie  aus,  damit  sie  Gesinnungsgenossen 
mehrten  und  damit  sie  lehrten  alle  Heiden.  Wegen  alles  dieses 
verkündigten  die  Apostel  den  wahrhaftigen  Gott  der  ganzen  30 
Welt  und  taten  ihn  kund  der  ganzen  Welt.  Er  nannte  sie  Lehrer 
durch  den  heiligen  Geist,  zu  denen  er  auch  sprach:    „Und  vieles 

5  f.  Ps.  G8,  19  (Eph.  4,  8).  —  8  vgl  Gal.  3,  26.  27.  —  25  ff.  Act,  1, 12.  9. 
—  27  f.  Lc.  24,  50.  Mt.  28,  19.  20.  —  31  f.  Act.  1,  8.  —  32  ff.  Job.  16, 
12.  13.  7. 

3  „damit":  „mit  ihm"  S  |  21  f.  „bekleidet  bedeckt."  K  |  22  „Seele": 
„denn  nur  und"  +  S  |  23  „begraben  wird"  2  mal  S  |  2<>  „Luft":  „auf 
den  Schiebten  der  Luft"  +  S    |    31  „taten  .  .  kund":  „lehrten"  +  S 


QQ  Bonwetseh,  Hippolyts  Schrift 

andere  Wort  habe  ich  euch  zu  sagen,  aber  ihr  könnet  es  jetzt 
nicht  fassen;  aber  wenn  kommen  wird  der  Geist  der  Wahrheit, 
er  wird  euch  lehren  und  wird  vor  euch  hergehen  mit  aller 
Wahrheit,    und  nachdem  ich   gekommen  sein  werde,    sende  ich 

5  euch  den  Fürsprecher".  3.  Und  der  Apostel  Paulus  spricht  durch 
den  heiligen  Geist:  „Wahrhaft  ist  das,  daß  groß  ist  das  Ge- 
heimnis des  Gottesdienstes:  welcher  kam  im  Fleisch,  ward  gerecht- 
fertigt durch  den  Geist,  erschien  den  Engeln,  ward  gepredigt  unter 
allen  Heiden,    den  Hoffenden   ward   er  Hoffnung   der  Welt  und 

10  ward  aufgenommen  in  den  Himmel  mit  Herrlichkeit".  4.  Er 
fuhr  auf  und  „setzte  sich  zur  Rechten  Gottes  des  Vaters",  und 
nach  dem  Tag  des  Leidens,  welcher  ist  ein  „Tag  der  Erfüllung", 
der  Auferstehung,  und  im  Fortgang  der  „Tage  der  Pfingsten, 
als  versammelt  waren  alle  seine  Jünger",  „kam  der  heilige  Geist 
406  15  und  |  erfüllte  alle,  und  sie  fingen  an  zu  reden  in  vielen  Sprachen, 
wie  der  Geist  ihnen  gab  zu  reden"  in  ihnen  fremden  Sprachen. 
Deswegen  auch  Petrus  erfüllt  mit  heiligem  Geist  zeigte  ihnen 
mit  vielen  Gleichnissen  das  Kommen  des  heiligen  Geistes  und 
der  Gnadengaben  Christi  auf  sie  (die  Apostel).     5.  Und  wie  sie 

20  den  heiligen  Geist  empfingen,  gedachten  sie  an  das  Wort  des 
Herrn,  das  er  gesagt:  „Johannes  hat  mit  Wasser  getauft,  ihr 
aber  werdet  getauft  werden  mit  heiligem  Geist".  Und  wieder 
spricht  er:  „Wir  haben  nicht  empfangen  den  Geist  dieser  WTelt, 
sondern  den,  der  von  Gott  ist".     6.  Denn  Christus  selbst  spricht: 

25  „Gott  ist  Geist".  Er  zeigt  mit  diesen  Worten  die  geeinte 
Einwesentlichkeit  der  Dreieinigkeit.  Denn  „nicht  von  sich 
selbst  hat  er  etwas  gesprochen,  sondern  was  er  gehört  hatte, 
das  sprach  er  auch  und  das  Zukünftige,  was  hervorkommen 
soll,    [und]    wird    er    euch    sagen.     Er   wird  mich  verherrlichen, 

30  denn  von  dem  Meinen  empfängt  er  es  und  wird  es  euch  sagen. 
Denn  alles,  was  meines  Vaters  ist,  ist  mein;  deshalb  habe  ich 
euch  auch  gesagt,  daß  von  mir  er  es  nehmen  wird  und  euch 
sagen". 

6  ff.  I  Tim.  3,  16.  —  11  Mc.  16,  19.  —  12  ff.  Act.  2,  4.  6.  —  17  Act. 
2,  14.  —  21t  Act.  1,  5.  —  23  f.  I  Cor.  2,  12.  —  25  Joh.  4,  24.  —  26  ff. 
Joh.  16,  13—15. 

18  „und  mit"  S  |  24  vgl.  Ttvevfia  yap  o  d-sög  bei  Migne,  Pafer. 
zr.  28,  1639  B. 


„Über  den  Glauben".  31 

XVI.   Und  so  siehe  die  Vereinigung,  die  Willenseinheit,  die 
Homousie  der  wahrhaftigen  Dreieinigkeit,  und  schaue,   wie  her- 
vorleuchtete und   auf  uns  leuchtete  die  Dreieinigkeit  gemäß  der 
wahrhaften  Einigung.     Denn   er  spricht:    „Nicht  von  sich  selbst 
redet    etwas"    der    heilige  Geist,    sondern    von    mir   wird    er    es  5 
nehmen  und  euch  übergeben;    denn    das,    was    mein  Vater   hat, 
ist  mein".     2.  Siehe,  ein  vollkommener  Vater,  ein  vollkommener 
Sohn    und    ein    vollkommener    heiliger    Geist.     Schöpfer   ist   der 
Vater,   Schöpfer   ist    der   Sohn,   Schöpfer  ist  der  heilige  Geist. 
Vom  Vater   spricht    er:    „Mein  Vater    wirkt  bisher"    ein  Werk.  10 
Und    weiter   fährt  er  fort:    „Am  Anfang  schuf  er  Himmel  und 
Erde".     Und   vom    Sohn    spricht   der   Evangelist:    „Alles   ward 
durch  ihn   geschaffen  und   ohne  ihn   ward  nichts".     Und  ferner 
spricht  er:   „Durch  das  Wort  des  Herrn  wurden  die  Himmel  ge- 
festigt", und  von  dem  heiligen  Geist  spricht  er:  „Und  durch  den  15 
Geist    seines  Mundes    alle    ihre  Macht".     3.  Und   wieder  spricht 
Christus:  „Der  Geist  ist  es,  der  lebendig  macht  und  das  Fleisch 
gibt    keinerlei    Nutzen".      Hierdurch    hat    er    uns    zuvor    ange- 
zeigt |  dasselbe  der  ihrem  Wesen  nach  ungeteilten  Gottheit,  die  407 
Unteilbarkeit   der  geeinten   Macht.     Davon   sagte  er  auch:    „Ich  -0 
ging  aus  vom  Vater  und  kam  in  die  Welt".    Ebenso  spricht  er 
auch    vom    heiligen    Geist:    „Der   Geist   der  Wahrheit,    der   von 
meinem  Vater  ausgeht".    Und  durch  dies  zeigt  er  die  Unteilbarkeit 
der  Einheit  der  Dreiheit.     Denn   das    „Geist  ist  Gott"  zeigt  so- 
wohl von  sich  selbst  und  von  dem  Geist  der  Wahrheit  wie  un-  25 
getrennt  er  ist  vom  Vater.     4.  Wenn  die  Apostel  Gesandte  vom 
Vater  heißen,  nur  von  der  Dreieinigkeit  durch  den  Willen  der 
Einheit  und  durch   den  Einen  Rat,  und   ebenso  hat  die  unteil- 
bare Dreieinigkeit  in  ihrer  Einheit  jenes  Werk  vollbracht.    5.  Da- 
von zeugt  Johannes  der  Täufer:  „Niemand  hat  Gott  je  gesehen,  30 
nur    der  eingeborene  Sohn,    der  aus   dem  Schoß   des  Vaters  ist, 

4  ff.  Joh.  16,  13—15.  —  10  Joh.  5,  IT.  —  11  f.  Gen.  1,  1.  —  12  f. 
Joh.  1,  8.  —  14  f.  Ps.  33,  Ü.  —  15  f.  Ps.  33,  6.  —  17  f.  Joh.  6,  63.  — 
20  f.  Job.  16,  23.  —  22  f.  Joh.  15,  26.  —  24  Joh.  4,  24.  —  30  ff.  Joh.  1, 18. 

7  f.  vgl.  vom  Sohn  xilEioq  ix  xeXeiov  bei  Hahn  S.  185,  1  und  xtXeioq 
rfi  ukrj&ivfj  xal  üsta  xü.uöxr\xi  S.  280,  1;  vom  Geist  bei  Hahn  S.  136,'-'-. 
138,  13.  153,  6.  310,  4  |  25  f.  „ungetrennt  nicht  getrennt"  S  |  31  „dem 
Schoß  der  Umarmung*  S 


32  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

der  hat  es  uns  gesagt".  Denn  sie  sahen  ihn  bei  ihnen  ver- 
weilend ungetrennt,  und  in  dem  Werk  waren  Mitschöpfer  der 
Sohn  und  der  heilige  Geist;  wie  der  Vater  und  der  Sohn  und 
der  heilige  Geist  gleich  sind  nach  der  Gottheit,  waren  sie  auch 
5  in  den  Werken  des  Vaters  geheiligt.  6.  0  wunderbare  Gabe  der 
göttlichen  Erkenntnis  nach  dem  Los  den  Aposteln  zugekommen! 
Wie  diese  schöne  und  wohlduftende  Erkenntnis  mit  einem  Mal 
vorrückte,  dem  gleich  müssen  wir  auch  hinsichtlich  des  heiligen 
Geistes  der  Wahrheit  annehmen  zum  Verständnis,  was  er  sagte: 

10  „Der  Geist  der  Wahrheit,  der  vom  Vater  ausgeht".  [Und]  Er 
wird  nicht  von  ihm  geschieden,  er  wird  übergeben,  aber  nicht 
verringert.  Und  alle  (drei  Personen)  in  Wahrheit  in  der  Ver- 
einigung; und  alles  spricht  er  von  ihrer  Homousie:  „Ich  mit  dem 
Vater   und    der  Vater   mit  mir",    und   „Wer   mich  gesehen  hat, 

15  hat  meinen  Vater  gesehen".     Denn  nicht  das,  daß  irgend  etwas 
Abgrenzendes  vermöchte  zu  umfassen  die  Gottheit  auf  trennende 
Weise.     Und   jetzt   möchte    ich  so   sagen:    Der  Herr  selbst  der 
408  Vater   im  Himmel  und   der  eingeborene  Sohn  und   |   der  wahr- 
haftige Geist    auf  Erden,    von    dem    alles    erfüllt   ist  und  er  ist 

20  in  allem  und  über  allem.  —  7.  Wegen  diesem  allem  nach  der 
Gottheit  spricht,  unterweist  und  lehrt  er  zu  lehren  die  Jünger 
Christi,  und  sie  verkündigten,  erfüllt  mit  heiligem  Geist,  tiberall 
allen  die  großen  Gnaden  der  Lehre  des  Sohnes  Gottes  und  über- 
lieferten   das   wahre  Glaubensbekenntnis   vielen,   und   durch   das 

25  heldenmütige  Werk  des  Apostolats  unterwarfen  sie  viele  dem 
befreienden  Joch.  Denn  wegen  der  kleinen  Ursache  haben  sie 
alles  Irdische  gen  Himmel  dargebracht  zum  Opfer,  geopfert  ihr 
Glaubensbekenntnis  mit  heiliger  Tat 

XVII.  Und  so  von  dieser  Zeit  an  [nach  diesem]  ist  der  Sohn 

30  Gottes  der  unerreichbaren  Güter  Mittler  und  in  Sonderheit  für 
die,  die  ihn  lieben.  Und  daß  nach  langen  Erwägungen  ich  zu 
solchem  Schluß  komme:  Es  ist  durchaus  gewiß,  daß  er  uner- 
reichbar und  unermeßlich,   unbegrenzt,    unendlich   und  mehr  als 

10  Job.  15,  26.  —  13  f.  Job.  17,  21.  —  14  f.  Job.  14,  9.  —  19  f.  Eph. 
4,  G.  —  26  Mt.  11,  29.  —  30  Ebr.  9,  11. 

5  „geheiligt  erleuchtet"  S    |    20  f.  „nach  d.  Gottheit":  „göttlich"  er- 
klärt K  I  „er":  „Gott"  S. 


„Über  den  Glauben".  33 

dieses  noch  alsdann  sein  wird,  wenn  er,  aufgefahren  gen  Himmel 
zum  Vater,  vom  Himmel  „mit  der  Herrlichkeit  des  Vaters" 
kommen  wird  und  vor  allen  den  Chören  der  Engel  und  den 
Völkern  der  Mächtigen  an  der  Hand  nehmen  wird  die  ihn  Lie- 
benden und  zu  sich  ziehen  wird,  um  sie  in  seiner  Wohnung  zu  5 
erfreuen.  2.  Denn  der  Unversiegbare,  durchaus  Vollkommene 
bereitet  zuvor  den  Ort  des  Erbes  nach  der  Menge  ihrer  Ge- 
schlechter, Wohnungen  zum  verschiedenen  Grad  der  Seligkeit 
in  dem  Gebiet  der  Unbegrenztheit,  in  seinem  Reich,  eine  Ruhe- 
stätte an  dem  Ort  der  allgemeinen  Freude.  Nach  der  Ordnung  10 
allen  und  den  Würdigen,  allen  nach  Verdiensten,  allen  vernünf- 
tigen Wesen,  sowohl  den  Geistigen  wie  den  Leiblichen,  allen 
bereitet  er  bei  sich  einen  Ort.  3.  Davon  hat  auch  immer  der 
Erlöser  seinen  Jüngern  verkündigt  und  versprochen:  „Wo  ich 
sein  werde,  da  werdet  auch  ihr  sein  und  werdet  zu  jeder  Zeit  15 
meine  Herrlichkeit  sehen".  Nur  dieses  eine  zeigt  er,  nämlich  das 
Himmlische  und  offenbart  es:  „Alsdann  werdet  ihr  erkennen, 
daß  ich  beim  Vater  und  ihr  mit  mir  und  ich  in  eurer  Mitte". 
Hinsichtlich  dessen  ist  auch  nötig  jenes  Wort:  „Was  ein  Auge 
nicht  gesehen  und  von  keinem  Ohr  gehört  ward  und  in  ein  20 
Menschenherz  nicht  gekommen  ist,  das  was  Gott  bereitet  hat 
denen,  die  ihn  lieben",  wie  der  selige  Paulus  spricht  (in)  Dank- 
sagung Christo  wegen  seiner  unaussprechlichen  Gaben  der  Gnade. 
4.  Denn  nicht  vergeblich  und  nicht  träge  („umsonst"?)  hat  sich 
so  sehr  „erniedrigt"  der  Gott-Logos  und  der  eingeborene  Sohn  25 
des  anfangslosen  Gottes  und  durchaus  wahrhaftige  Sohn  Gottes, 
daß  er  sich  „erniedrigte",  um  uns  zu  erhöhen;  wegen  dessen  er 
auf  sich  nahm,  der  Sohn  Davids  zu  heißen,  um  uns  zu  Söhnen 
Gottes  zu  machen.  Es  nimmt  an  der  Sohn  des  Vaters  den 
Knecht,  damit  dir  sei  zum  Vater  der  Herr.  5.  Wenn  du  in  30 
irgendetwas  aus  dem  dich  Betreffenden  zweifelst,  alles  was  ihn 
betrifft    wegen    seiner    (seil,   nimm   es    au)    und    lerne,    daß    dies 

2  Mt.  16,27.  Mc.  8,  38.  —  7f.  vgl.  Job.  14,  2.  —  14  ff.  Job..  12,  24. 
—   17  f.  Joh.  14,  20.  —  19  ff.  I  Cor.  2,  9.  —  25  ff.  Phil.  2,  8. 

<>  „Vollkommene":  vielleicht  fügt  S  noch  hinzu  „und  allmächtige 
Gott"  |  29  „Es  gewährt  ZuflucW  nimmt  an"  S  |  „der  Vater  den  Sohn" 
8    |    31  „aus  und"  S    |    32  „nimm  es  an"   K 

Texte  ii.  Untersuchungen  etc.  81,2  :;.i 


34  Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift 

höher  ist  als  die  menschliche  Vernunft  und   sehr  schwer  es  für 
einen  Menschen  zu  erreichen,  wie  Gott  Mensch  ward. 

XVIII.  Deshalb  wenn  ein  Mensch  Sohn  Gottes  heißt,  jetzt 
da  du   hörst,    daß    der  Sohn  Gottes  Sohn  Davids    ist  und  Sohn 

5  Abrahams  ist,  zweifle  durchaus  nicht  von  jetzt  an,  wie:  der  Sohn 
der  heiligen  Maria 

[Lücke  von  3  Zeilen] 
2.  .  .  ward  „geboren  von  einem   Weibe",  damit  du  geboren 
würdest   aus    dem    Taufbecken    und    ein    Sohn    Gottes    würdest. 
10  Deshalb  ward  er  ein  anderes  Mal  geboren  und  ward  uns  gleich 
und  wurde  höher  als  wir.     Denn   die  Geburt  von   einem  Weibe 
wird  auf  uns  gelegt,    und  nach  diesem    „nicht  vom  Fleisch  und 
nicht  von  Blut",    sondern    vom    heiligen  Geist    werden  wir  ge- 
boren  in    dem    heiligen    (Tauf-)Becken.     Diese  Geburt   ist:    Der 
15  höher  als  wir  geboren  war,  auch  über  uns  sollte  sich  vollziehen 
eine  solche  Geburt  von  dem  heiligen  Becken  der  Taufe,  worüber 
er  uns  zuvor  offenbart  hat.    3.  Und  so  wie  er  selbst  „nicht  vom 
Blut  und  nicht  von  dem  Willen  der  Gelüste  des  Fleisches"  ge- 
boren ward  durch  die  zweite  Geburt,  so  werden  auch  wir  ohne 
20  Willen   des  Blutes  und  der  Lüste   des   Fleisches   wiedergeboren 
durch  die  himmliche  Geburt.     Und  wie  uns  der  König  erschien 
und  die  Hypostase  die  Gottheit  durch  ein  Bild  .  . 
[Lücke  von  3  Zeilen] 
410  4.  .  .  dem  Herrn   der  himmlichen  Freude  Preis  seiner  Gott- 

25  heit,  jetzt  und  immerdar  und  in  Äonen  der  Äonen.  Amen. 

XIX.  Jetzt  von  dieser  Zeit  an  haltet  fest  dieses  gute  Be- 
kenntnis, das  wir(?)  bekannt  haben,  damit  wir  nicht  abweichen, 
weder  zur  Rechten  noch  zur  Linken.  Wir  wollen  glauben,  dali 
der  Vater  ist  vollkommener  Gott  und   der  Sohn    vollkommener 

30  Gott  und  der  heilige  Geist  vollkommener  Gott.  2.  Eine  ist  die 
Gottheit  der  heiligen  Dreieinigkeit:  Ein  Wesen,  Eine  Natur,  Ein 
Herr,  eine  vollkommene  Dreieinigkeit,  Ein  vollkommener  Gott. 
Eine  Kraft,  Eine  Macht,  Eine  Herrschaft,  Eine  einheitliche  Herr- 
lichkeit, Ein  ungeteiltes  Licht,  Eine  ungeteilte  Vollkommenheit. 

35  Denn  niemand  vermag  zu  erforschen,  was  und  wie  es  („sie"?)  war. 

8  Gal.  4,  4.  —  12  f.  Joh.  1,  13.  3,  5.  —   17  f.  Joh.  1,  13. 
23  S.  409  ist  von  K  nicht  angemerkt. 


„Über  den  Glauben". 


35 


Wir  glauben  eine  Dreieinigkeit,  glaubet  an  die  Einheit  ohne 
Lüge  und  mit  Schweigen.     Aber  glaubet  nur,  nur 

[Lücke  von  3  Zeilen] 

Geschaffene  und  Gemachte  sind  wir.  Wie  vermögen  wir  zu  er- 
forschen oder  zu  erkennen  den  Allerhöchsten V  Wir,  die  wir 
einen  Anfang  genommen  haben  und  Geborene  sind,  den  Anfangs- 
losen'? Wie  können  wir  erforschen  den  Unerreichbaren?  Sein  ist 
Herrlichkeit  in  die  Äonen  der  Äonen.    Amen. 


Schriftstellen. 


Seite 

Seite 

Seite 

Gen.  1, 

1 

.     .  31,  11 

Jes 

66,  1    . 

.  16,  19 

Joh.  3, 

34  .     .    .  20,  29 

2, 

21 

.     .  17,  2 

Jer 

31,  33  . 

.  19,  14 

4, 

24  .  30,25.31,24 

3, 

14 

.    .  24,  23 

Arnos  9,  12 

.  19,  13 

5, 

17  .     .     .  31,  10 

3, 

16. 

17     .  22,4.9 

Mt. 

5,  17  . 

.  27,  11 

5, 

43  .    .     .  18,  30 

12, 

3 

.    .  21,  30 

11,  29  . 

.  32,  26 

6, 

38  .     .     .  20,  17 

18, 

18 

.     .  21,  30 

16,  27  . 

.  33,  2 

6, 

45  .     .    .  19,  13 

I  Sam. 

12,  21  .    .  24,  16 

22,  2.  3 

.  28,  26 

6, 

53  ff.  .    .  28,  30 

IKön. 

1,  27 

.     .  16,  17 

27,  30  . 

.  26,  9 

0, 

63  .     .    .  31,  17 

Ps.     2, 

7 

.     .  22,  33 

28,  19  .  1 

3,2.  29,27 

8, 

46  .    .     .  27,  8 

33, 

6 

.  31,14.15 

Mc. 

1,  9—11 

.  25,  11 

10, 

12  .     .     .  27,  19 

36, 

6 

.    .  14,  15 

8,  38  . 

.  33,  2 

10, 

17  .     27,  16.  17 

68, 

19 

28,9.  29,5 

15,  19  . 

.  26,  9 

10, 

18  .  20,15.27,16 

88, 

5.  e 

.     .  28,  1 

16,  19  .  2 

7, 2.  30, 11 

12, 

24  .     .     .  33,  14 

102, 

28 

.    .  21,  1 

Lc. 

1,  30.  34 

.  22,  15 

14, 

2    .    .    .  33,  7 

110, 

3 

.  21,  29. 33 

2,  4.  7 

.  22,  18 

14, 

9    .  13,18.32,14 

Jes.    6, 

3 

16,15.18,17 

2,  12  .  2 

3,23.21,27 

14, 

20  .     .     .  33,  17 

9, 

6 

22,22.23,1 

2,  13.  14 

.  21,  23 

15, 

26  .  16, 30.  18,  5. 

11, 

1 

.     .    23,  6 

23,  15.  22 

.  27,  10 

31,  22.  32,  10 

11, 

2 

.     .    18,  4 

24,  50  . 

.  29,  27 

16, 

7.  12 f.    .  29,  32 

25, 

8 

.     .    28,  5 

Job 

.   1,  3    . 

.  31,  12 

16, 

13-15    .  30,26. 

43, 

7 

.     .  19,  13 

1,  13  . 

34, 12. 17 

31,  4 

52, 

10 

.     .  21,  14 

1,  14  . 

.  20,  30 

16, 

28  .    .    .  31    20 

53, 

6 

.    .  27,  23 

1,  IS  .17 

,33.23,18 

17, 

21  .     .    .  32.  13 

53, 

8 

23,17.27,24 

31,  30 

19, 

34  .    .    .  26,  9 

53, 

9 

.     .     27,  6 

3,  5     . 

.  3-1,   L3 

Apg.  1, 

5    .    .    .  30,    'l 

57, 

15 

.     .  16,  21 

3,  29  . 

.  28,  27 

1, 

8    .    .    .  2!'.  31 

3  a* 


36 


Bonwetsch,  Hippolyts  Schrift  „Über  den  Glauben". 


Seite 

Seite 

Apg.  1,  9.  12 

.  29,  25 

I  Cor.  10,  20    .    .  28,  32 

2,  4.  6 

.  30,  12 

15,  3.  4 .     .  27,  1 

2,  14  . 

.  30,  17 

15,  47     .     .  23,  3 

Rom.  8,  3     . 

.  21,  19 

Gal.  1,  8    .     .    .24,  22 

10,  4     . 

.  27,  13 

3,  26.  27     .  29,  8 

11,  36  . 

.  14,  19 

4,  4     .  20,11.  34,8 

I  Cor.  2,  9     . 

.  33,  19 

Epb.  4,  6     .     .     .  32,  19 

2,  11  . 

.  13,  16 

4,  8    .    .    .  29,  5 

2,  12  . 

.  30,  23 

4,  9    .    .    .  24,  1 

Seite 
Phil.  2,7  21,2.23,33.26,7 
2,8.  20,9.  26.33,25 
Col.  2,  14  .  .  .  24,  4 
IIThess.  2,10-12  19,  3 
I  Tim.  3,  16  .  .  30,  6 
I  Petr.  2,  24  .  .  24,  4 
I  Joh.  1,  1.  2  .  .  23,  23 
Ebr.  9,  11  .  .  .  32,  30 
Jak.  1,  17  .  13,  7.  19, 10 


VINCENZ  VON  LEEIN 
UND  GENNADIUS 

EIN  BEITRAG 

ZUR 

LITERATURGESCHICHTE  DES  SEMIPELAGIANISMÜS 

VON 

DR.  HUGO  KOCH 

PROFESSOR  PER  THEOLOGIE   AM    Klil..    I.YCEUM  HOSIAMM 
ZT     BRAX3NSBERG 


Texte  ii.  i  ntersnchnngen  etc.  31,  2. 


Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

I.   Die  „Edition"  des  Conmionitoriums 39 

II.   Die  Objectiones  Vincentianae 43 

III.  Das  Comraonitoriurn  im  Lichte  der  Objectiones  Vincentianae    .  47 

JV.   Weitere  literarische  Tätigkeit  des  Vincenz 55 

V.   Schlußwort 58 


I.  Die  „Edition"  des  Commonitoriunis. 

Gennadius  schreibt  in  seinem  Schriftstellerkatalog  c.  64  (65) 
vom  Commonitorium  des  Vincenz  von  Lerinum  u.  a.:  „Cujus 
operis  quia  secundi  libri  maximam  in  schedulis  partem  a  qui- 
busdam  furatam  perdidit,  recapitulato  eius  -paucis  sermonibus 
sensu  primo  compegit  et  in  uno  edidit".  Diese  mysteriöse  Dieb- 
stahlsgeschichte, der  man  bis  in  die  neueste  Zeit  Glauben  ge- 
schenkt hat,  habe  ich  nach  dem  Vorgange  Czaplas  (Gennadius 
als  Literarhistoriker  1898  S.  134)  in  der  Tüb.  Theol.  Qu.-Schr. 
1899  S.  414  ff.  einer  Kritik  unterzogen  und  S.  424  ff.  den  Verlust 
des  zweiten  Commonitoriunis  auf  andere  Weise,  mit  Berufung 
auf  die  bibliographische  Technik  des  Altertums,  zu  erklären  ver- 
sucht. Soviel  ist  sicher,  weil  es  aus  den  eigenen  Angaben  des 
Leriners  hervorgeht,  daß  er  das  zweite  Commonitorium  noch  vor 
sich  hatte,  als  er  seine  Recapitulation  schrieb,  und  diese  nicht 
wegen  des  angeblichen  Diebstahls  so  ausführlich  gestaltete. 
Höchstwahrscheinlich  ist,  daß  Gennadius  beim  ganzen  Prozeß 
Ursache  und  Wirkung  verwechselte:  nicht  der  Verlust  hat  die 
Ausführlichkeit  der  Recapitulation,  sondern  diese  hat  jenen  her- 
beigeführt. Die  Recapitulation  faßt  den  Inhalt  des  „zweiten 
Teiles"  so  eingehend  und  erschöpfend  zusammen,  daß  er  selbst 
entbehrlich  erschien  und  unterdrückt  wurde.  Eines  Diebstahles 
bedurfte  es  dazu  nicht.  Wenn  man  sagt,  daß  Unterricht  und 
Erziehung  darauf  hinarbeiten  sollen,  sich  selbst  entbehrlich  zu 
machen,  so  hat  jene  Recapitulation  dasselbe  erreicht.1 


1)  Bardenhewer,  der  in  der  1.  Aufl.  seiner  Patrologie  S.  491  der 
gennadianiscben  Nachricht  noch  vertraut  hatte,  erwähnt  in  der  2.  Aufl.  1901 
S.  459  nichts  mehr  davon;  vgl.  auch  Rauschen  in  seiner  Ausgabe  des 
Commonitoriunis  (Florilegium  Patristicum  fasc.  V.  1906)  Proleg.  p.  2sq. 
Kihn  schreibt  wenigstens,  daß  das  zweite  Buch  dem  Verfasser  gestohlen 
wurde,  „als  beide  fertig  vorlagen".  KL.  2  12(1901)  9S5.  Vergl.  jetzt  auch 
Brunetiere  und  de  Labriolle,  Saint  Vincent  de  Lerins  1906,  LX  6<i<|. 

3b* 


4n  Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 

Eine  erneute  Beschäftigung  mit  dem  ..Merkbuch"  des  Leriner 
Mönches  brachte  mich  zur  Erkenntnis,  daß  ich  in  der  Kritik 
der  gennadianischen  Notiz  noch  nicht  weit  genug  gegangen  war. 
Vincenz  hat  nämlich  sein  Werk  selbst  weder  „heraus- 
gegeben", noch  die  Absicht  gehabt  es  zu  „edieren". 

Kürzlich  hat  Harnack  in  einer  Abhandlung  über  „die  Re- 
traktionen Augustins" '  darauf  hingewiesen,  daß  einige  Schriften 
dieses  Kirchenvaters,  die  er  für  seinen  Privatgebrauch  verfaßt, 
nach  seinen  eigenen  Äußerungen  ohne  seinen  Willen  veröffent- 
licht wurden.  „Manche  Schriften  des  Altertums  sind  auf  uns 
gekommen,  die  niemals  .ediert'  worden  sind,  und  es  bedeutet 
einen  wichtigen  Fortschritt  der  literarischen  Kritik,  daß  man 
in  neuester  Zeit  auf  diese  Erkenntnis  größeres  Gewicht  legt" 
(S.  1127).  Daß  übrigens  Ahnliches  auch  in  neuerer  Zeit  noch,  nach 
Erfindung  der  Buchdruckerkunst,  vorkommen  konnte,  zeigt  die 
berühmte  ..Cautio  criminalis"  des  Jesuiten  Friedrich  von  Spee, 
die  erstmals  1631  ohne  sein  Yorwissen  erschienen  ist,  wie  Duhr 
im  Histor.  Jahrb.  191)0  S.  343  ff.  dargetan  hat, 

Anzeichen  dafür,  daß  Vincenz  gar  nicht  daran  dachte,  sein 
Werk  selbst  der  Öffentlichkeit  zu  übergeben,  liegen  zunächst  in 
den  Stellen,  wo  er  sich  über  den  Zweck  seiner  Schrift  dahin 
ausspricht,  er  habe  sie  für  seinen  privaten  Gebrauch,  zur  Unter- 
stützung seines  Gedächtnisses,  zu  eigenem  Repetitorium  ver- 
faßt. Der  Schluß  lautet:  Haec  sunt  fere,  quae  duobus  commo- 
nitoriis  latius  diserta  aliquanto  nunc  brevius  recapitulandi  lege 
constricta  sunt,  ut  memoria  mea,  cui  adminiculandae  ista 
confecimus,  et  commonendi  adsiduitate  reparetur  et  prolixitatis 
fastidio  non  obruatur.  Und  gleich  im  Eingang  bezeichnet  er 
seine  Arbeit  als  ..infirmitati  certe  propriae  pernecessaria, 
quippe  cum  adsit  in  promptu,  unde  imbecillitas  memoriae 
meae  adsidua  lectione  reparetur".  Nachdem  er  sich  dann  dar- 
über entschuldigt,  daß  er  nicht  in  feinem  und  gewähltem,  son- 
dern in  leichtem  und  gewöhnlichem  Stil  schreibe,  sagt  er  noch- 


1)  Sitzungsber.  d.  kgl.  preuß.  Akad.  d.  Wissensch.  Philosoph. -histor. 
BL53(1905),  1096—1131.  Wenn  Harnack  S.  1128  die  Notiz  Augustins  über 
die  vorläufige  Fixierung  und  Verbreitung  von  Quästionen  und  Responsionen 
„per  cartulas  multas"  eine  „seines  Wissens  einzigartige  Kunde"  nennt,  so 
darf  vielleicht  gerade  auf  Gennadius  verwiesen  •werden,  dessen  „niaxima 
in  schedulis  pars"  denselben  Brauch  voraussetzt. 


I.   Die  ..Edition'-  des  Coinnionitoriums.  41 

raals:  Me  vero  sublevandae  recordationis  vel  potius  oblivionis 
meae  gratia  comrnonitoriuin  inihimet  pa  —  -  ffecerit,  quod 
tainen  paulatini  recolendo,  quae  didici.  emendare  et  iniplere 
eottidie  domino  praestante  eonabor.  Hier  ist  als  Zweck  des 
..Merkbuches"  immer  nur  der  Priva^geb rauch,  angegeben1.  Er 
sagt  nun  freilich,  daß  er  es  verbessern  und  ergänzen  wolle,  aber 
nicht  etwa  zum  Zweck  der  Veröffentlichung.  Denn  unmittelbar 
darnach  fährt  er  fort:  Atque  hoc  ipsom  ideirco  praemonui.  ut. 
si  forte  elapsum  nobis  in  manus  sanctorum  devenerit.  nihil 
in  eo  fernere  reprehendant.  quod  adhuc  videant  promissa 
emendatione  limandum. 

Diese  Worte  sind  ein  vollwertiger  Beweis  dafür,  dab  Vin- 
cenz  seine  Schrift  nicht  selber  herausgegeben  hat.  Bei  den 
vorhin  angeführten  Äußerungen  kann  man  schließlich  immer 
noch    die    Absicht,    seine    eigentliche    Tendenz    zu    verschleiern, 

an2,  und  dab  Vincenz  Gründe  dazu  hatte,  werden  wir 
nachher   sehen.     Hier  bei   dei.    -  ten   der  praefatio    aber 

geht  das  nicht  mehr  an.  Das  hiebe  einem  Manne  vom  Können 
und  Geschmack  des  Vincenz  nicht  mehr  bloß  einen  aufgelegten 
Schwindel,  sondern  den  größten  Unsinn  zumuten.  Man  bedenke 
doch  nur:  ein  Autor  veröffentlicht  selbst  ein  Werk,  schreibt 
Aber  dazu  im  Eingang:  Sollte  diese  Schrift  ohne  mein  W 
und  Wollen  hinausgehen  —  das  kann  das  „forte  elapsum  nobisa 
doch  nur  besagen  — ,  so  möge  der  Leser  nicht  vorschnell  tadeln, 

ern  berücksichtigen,  dab  ich  immer  noch  bessern  und  feilen 
wollte!  Eine  solche  Verwahrung  erinnerte  an  den  Scherz  von 
einem  Vater,  der  seinem  Sohn  geschrieben  haben  soll:  Hier 
schickt  dir  deine  Mutter  ohne  mein  Wissen  noch  etws 
Dab  man  auf  das  „edidit"  des  (jennadius  hin.  trotz  der  notori- 
schen Unrichtigkeit  seiner  Angabe  über  die  näheren  Umstände  und 
trotz  jeuer  klaren    Worte    >{?<  Leriners    selbst,   immer   geglaubt 

1)  Wenn  Kihn  a.  a.  0.  Vincenz  seine  Schrift  verfassen  läßt  „zur 
Unterstützung  seines  eigenen  Gedächtnisses  und  zum  Nutzen  anderer 

mkt  eine  Art  „vaticiniura  ex  eventu"  und  entspricht  nicht 
dem  a  :ienen  Gedank-  *ors. 

2    .Jülicher  sact  in  der  Kinleitune  zu  seiner  Ausgabe  des  Commo- 
S.  IV,  daß  dem  Verfasser  „sehr  daran  liegt,  den  Schein  zu 
wahren,  als  habe  er  die    Arbeit  nur   für   sich,   als  Hilfsmittel    für   sein 
mangelhafl 


42  Koch,  Yincenz  von  Lerin  und  dennadius. 

hat,  er  habe  sein  Buch  „herausgegeben",  gehurt  zu  den  ..nicht 
so  seltenen  Fällen  wissenschaftlicher  Autosuggestion'",  von  denen 
Krüger  einmal  spricht1. 

Aber  warum  wählte  er  das  Pseudonym,  „Peregrinus",  wenn 
er  sein  Buch  doch  nicht  veröffentlichen  wollte?  Aus  dem  von 
ihm  selbst  angegebenen  Grund.  Der  vorsichtige  Mann  fürchtet, 
das  Büchlein  könnte  doch  durch  einen  Zufall  seinen  Händen 
entschlüpfen  und  Verbreitung  finden,  darum  will  er  seinen 
Namen  verbergen.  Das  ..ama  nesciri"'  hat  später  Thomas  von 
Kempis  bewogen,  dem  goldenen  Büchlein  von  der  Nachfolge 
Christi  den  Namen  des  Verfassers  vorzuenthalten.  Der  Mönch 
von  Lerin  hatte  noch  einen  andern  Grund  sich  in  Dunkel  zu 
hüllen:  sein  Buch  ist  eine  verkappte  Streitschrift  des  Semipe- 
lagianers  gegen  Augustin,  nicht  gegen  seine  Person,  aber 
gegen  seine  Lehre.  Darum  möchte  man  wohl  auch  vermuten, 
daß  es  im  tiefsten  Herzensgrunde  doch  sein  stiller  Wunsch  war, 
das  Büchlein  sollte  einmal,  wenn  auch  erst  nach  seinem  Tode, 
in  die  Welt  hinausgehen.  In  dem  letztgenannten  Satze  der 
Praefatio  konnte  man  schließlich  eine  versteckte  Aufforderung 
dazu  lesen.  Aber  persönlich  hat  er  es  nicht  ediert  und  wollte 
es  nicht  edieren. 

Vincenz  hat  sein  Werk  cap.  29  (42)  zufolge  ungefähr 
drei  Jahre  nach  dem  Concil  von  Ephesus,  also  ca.  434  ge- 
schrieben und  ist  nach  der  Angabe  des  Gennadius  „Xheodosio 
et  Valentiniano  regnantibus",  also  spätestens  450  gestorben.  Als 
Gennadius  seinen  Schriftstellerkatalog  verfaßte,  nach  Die- 
kamps  Berechnung  in  der  Zeit  zwischen  467  und  48o2,  fehlte 
der  zweite  Teil  bereits.  Er  fehlte,  weil  er  wahrscheinlich  über- 
haupt nie  an  die  Öffentlichkeit  getreten  war.  Gleich  bei  der 
ersten  Ausgabe  oder  jedenfalls  bald  darauf  bei  der  weiteren 
Verbreitung  wurden  die  breiten  Ausführungen  des  zweiten  Teiles 
unterdrückt,  und  man  glaubte  dabei  im  Sinne  des  Verfassers  zu 
handeln,  der  im  Schlußwort  sagt,  er  habe  die  genaue  Rekapitu- 
lation   geschrieben    und    die    Quintessenz    zusammengefaßt,    um 


1)  Bei  der  Besprechung  von  v.  Schuberts  Praedestinatus  1903  in 
der  Deutschen  Litztg.  1904  S.  909. 

2)  Römische  Quartalschrift  12  (1898)  411  ff. 


IL   Die  Objectiones  Vincentianae.  43 

einem  ..prolixitatis  fastidium"-  vorzubeugen.  Damit  hat  er  dem 
zweiten  Teil  selbst  sein  Schicksal  bereitet. 

Die  Ausgabe  kann  noch  zu  Lebzeiten  des  Verfassers  erfolgt 
sein  und  dabei  sind  wieder  zwei  Möglichkeiten  denkbar.  Vin- 
cenz  hat  vielleicht  das  Buch  seinen  Klosterbrüdern  geliehen 
und  diese  haben  es,  ohne  den  zweiten  Teil,  weiter  abgeschrieben 
und  verbreitet.  Oder  aber  es  wurde  ihm  entwendet,  —  das 
ganze  Buch,  nicht  bloß  der  zweite  Teil.  So  wäre  Gennadius 
wieder  in  etwas  gerechtfertigt,  der  vielleicht  von  einem  Dieb- 
stahl gehört  hatte  und  sich  die  Sache  nun  auf  seine  Weise 
zurechtlegte,  indem  er  den  Diebstahl  nur  auf  den  verlorengegan- 
genen zweiten  Teil  bezog  und  daraus  die  genauere  Recapitu- 
lation  erklärte. 

Gelang  es  aber  dem  Verfasser  in  seiner  Weltabgeschieden- 
heit (cap.  1),  seinen  Schatz  zu  hüten,  so  wurde  dieser  nach 
seinem  Tode  entdeckt  und  mit  Auslassung  des  zweiten  Teiles 
verbreitet.  Das  möchte  ich  trotz  Gennadius  fast  für  das  Wahr- 
scheinlichere halten.  Aber  wie  dem  auch  sein  möge,  Vincenz 
hat  sein  Commonitorium  nicht  selbst  veröffentlicht  und  auch 
nicht  die  Veröffentlichung  direct  beabsichtigt.  Daß  es  eine  solche 
Bedeutung  in  der  Kirche  erlangen  würde,  konnte  er  nicht  leise 
ahnen. 

II.  Die  Objectiones  Vincentianae. 

Gennadius  führt  als  einzige  Schrift  des  Leriner  Mönches 
sein  Commonitorium  unter  dem  Titel  „Peregrini  adversum  hae- 
reticos"  an.  Nun  schrieb  aber  der  als  Anhänger  und  Verteidiger 
Augustins  bekannte  Prosper  aus  Aquitanien  unter  anderem 
auch  „Pro  Augustino  Responsiones  ad  capitula  objectionum  Vin- 
centianarum"  (Migne  P.  L.  51,  177 — 182).  Ob  diese  ,. Vorwürfe" 
von  unserm  Vincenz  oder  einem  anderen  Manne  dieses  Namens1 
herrühren,  galt  bisher  als  unsicher  und  ließe  sich,  wenn  Jülich  er 
(S.  V)  und  deLabriolle2  Recht  hätten, überhaupt  nicht  entscheiden. 

1)  Der  von  Gennadius  cap.  80  (81)  als  Verfasser  eines  Psalmcn- 
commentars  aufgeführte  gallische  Presbyter  Vincentius,  dem  die  objectiones 
auch  schon  zugeschrieben  wurden,  kann  ernstlich  nicht  in  Betracht  kom- 
men, da  er  allem  nach  nicht  Seniipelagianer  ist.  Vgl.  Czapla  a.  a.  0. 
S.  155  f. 

2)  Saint  Vincent  de  Lerins  1900,  X.CIV.J 


44  Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 

Bardenhewer1  hält  nach  dem  Vorgange  anderer,  wie  Xoris, 
Natalis  Alexander, Hefele2,  ihre  Abfassung  durch  den  Leriner 
für  wahrscheinlich,  Kihn3,  Hergenröther- Kirsch4,  Rau- 
schen5 sogar  für  sicher.  Dabei  wurde  immer  nur  der  beider- 
seitige semipelagianische  Standpunkt  im  allgemeinen  geltend  ge- 
macht, was  offenbar  zu  jenem  Schlüsse  nicht  ausreicht. 

Umgekehrt  haben  andere,  wie  Baronius,  mit  dem  Semi- 
pelagianismus  des  Commonitoriums  auch  die  Abfassung  der  ..ca- 
pitula  objectionum"  durch  Vincenz  von  Lerin  in  Abrede  gezogen. 
Aber  auch  solche,  die  die  semipelagianische  Tendenz  des  Merk- 
buches zugeben,  glauben  doch  die  ..Vorwürfe"  ihm  absprechen 
zu  müssen,  da,  wie  sie  glauben,  Prospers  Angaben  diese  An- 
nahme nicht  befürworteten6,  und  auch  innere  Gründe  ihr  ent- 
gegenstünden.7 Ihnen  schließt  sich  Czapla  (S.  133)  an  mit  der 
Beifügung  des  weiteren  Grundes,  daß  es  „unerklärlich  bliebe, 
warum  sich  der  Verfasser  auch  bei  dieser  Schrift  nicht  unter 
einem  Pseudonym  verborgen  hatte,  wenn  er  es  schon  bei  einer 
weniger  offenen  Streitschrift  für  gut  hielt'".  Der  Grund  erscheint 
sehr  beachtenswert  und  durch  unsern  Nachweis,  daß  Vincenz 
sein  Merkbuch  nicht  einmal  herausgegeben  hat  oder  herausgeben 
wollte,  noch  verstärkt.     Trotzdem  ist  er  hinfällig. 

Die  XVI  „objectiones",  die  Prosper  je  seinen  „responsiones" 
voranstellt,  scheinen  noch  nie  mit  dem  Commonitorium  genau 
verglichen  worden  zu  sein,  sonst  hätte  man  wohl  erkannt,  daß 
sie  von  demselben  Verfasser  stammen  müssen.s    So  kurz 


1)  Patrologie.    2.  Aufl.  S.  451  u.  459. 

2)  Theol.  Quartalschr.  1854  S.  88  ff". 

3)  KL.  2  12,  9S8. 

4)  Handbuch  der  allgemeinen  Kirchengeschichte  l4  (1902)  566  A.  2. 

5)  Grundriß  der  Patrologie 2  1906  S.  202.  In  den  Prolegomenen  seiner 
Ausgabe  des  Cominonit.  dagegen  sagt  er  vorsichtiger  „fortasse"  (S.  1). 

6)  So  Klüpfel,  Commonitorium  s.  Yincentii  Lerinensis  1809  S.  56 ff. 

7)  So  H.  Schmidt,  Art.  Vincentius  in  Herzogs  R.  E.  2.  Aufl. 

8)  Wie  ich  nachträglich  erst  sehe,  macht  Anton  Koch  in  seiner 
Monographie  über  Faustus  von  Riez  1895  S.  151  wenigstens  auf  die  fast 
-wörtliche  Übereinstimmung  der  Y.  u.  VI.  objectio  Yincentiana  mit  Com- 
monit. cap.  24  aufmerksam  und  hält  darum  die  Abfassung  der  capitula 
objectionum  Yincentianarurn  durch  Vincenz  von  Lerin  für  „um  so  wahr- 
scheinlicher". Daß  ich  nicht  der  einzige  bin.  dem  der  wertvolle  Hinweis 
entging,  zeigt  die  bisherige  Darlegung. 


II.   Die  Objectiones  Vincentianae.  45 

diese  Sätze  und  so  wenig  ihrer  sind,  es  redet  aus  ihnen  nach 
Sprache  und  Inhalt  der  Peregrinus  des  Merkbuches.  Schon 
früher  habe  ich  auf  den  häufigen  Gebrauch  des  Asyndetons,  zu- 
mal des  dreigliedrigen,  im  Commonitorium  aufmerksam  gemacht 
(Qu.-Schr.  1899,  407  f.).  Namentlich  werden  sehr  gerne  Syno- 
nyma oder  Wörter  mit  ähnlicher  Bedeutung  asyndetisch  in  der 
Dreizahl  gehäuft  z.  B.  c.  3  (4):  tenuisse  scripsisse  docuisse,  c.  8 
(13):  anathema  sit  id  est  separatus  segregatus  exclusus,  c.  24  (33): 
omnes  casti  continentes  virgines  .  .  .  ignorasse  errasse  blasphe- 
masse.  Und  siehe  da,  auch  in  objectio  XIV  (Migne  p.  184  D) 
heißt  es:  divina  praedestinatio,  quae  illos  praeordinavit  praepa- 
ravit  praeaptavit  ut  caderent,  Die  Verbindung  zweier  Synonyma 
durch  eine  Conjunction  in  derselben  objectio  XIV:  quae  ad  ruinarn 
et  perditionem  praedestinata  est,  und  in  objectio  XVI  (p.  186  A): 
ut  cadant  et  ruant  hat  ihre  Pendants  in  Wendungen  des  Commoni- 
toriums  wie  c.  4  (6):  concussum  et  emotum  est .  .  .  miscere  atque 
vexare  .  .  .  protrusi  atque  extorres  .  .  .  sacratae  atque  incorruptae 
vetustatis.  Die  Reminiscenz  von  Proverb.  26,  11  (bezw.  II  Petr. 
2,22)  in  objectio  XIII:  quando  ad  vomitum  suum  relabuntur, 
klingt  auch  im  Commonit.  c.  8  (12)  durch:  cum  Galatae  nausea 
quadam  veritatis  adfecti  apostolicae  catholicaeque  doctrinae  manna 
revomentes  haereticae  novitatis  sordibus  oblectarentur,  cfr. 
c.  20  (25):  amaros  illos  turbulentosque  erroruni  fluctus  primitus 
revomentes.  Objectio  XV:  sie  a  Deo  dispensentur,  ut  etc.  ent- 
spricht Commonit.  c.  26  (37):  ita  divinitus  dispensentur,  ut  etc., 
wobei  es  sich  beidemal  um  Prädestination  handelt1,  cfr.  c.  28 
40):  per  tempora  et  loca  dispensatos.  Wenn  es  in  objectio  XIV 
heißt:  Christianorum  catholicorum  fidelium  atque  sanetornm,  ob- 
jectio XV:  omnes  illi  fideles  et  saneti,  objectio  XVI:  fidelium 
atque  sanetorum,  so  sind  das  vincentianische  Lieblingsverbin- 
dungen. Commonit.  c.  3  (4):  Christianus  catholicus;  c.  9  (14): 
Christianis  catholicis;  c.  24  (33):  omnes  oninium  aetatum  fideles, 
omnes  saneti;  c.  28  (40):  ecclesiis  sanetorum  id  est  catholico- 
rum, quae  ideo  sanetae  sunt,  quia  in  fidei  communione  persi- 
stunt;  ibid:  sanetum  catholicumque  consensum;  c.  29  (41)  sogar: 


1)  Vgl.  aber  auch  Cassianus,  Collat.  XIII  c.  17:  de  inacrutabili 
dispensatione  Dei  ....  hanc  ilispensationis  Dei  multiplicem  largitatem 
(Migne  P.  L.  4!),  !)44).     Es  ist  das  griechische  otxovo^la. 


46 


Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 


hoc  catholicissimum  fidelissimum  atque  Optimum.  Vincenz  weiß 
sich  in  Katholizität  nicht  genug  zu  tun,  und  trotz  seiner  semi- 
pelagianischen  Richtung  könnte  man  ihm  wegen  seines  Prinzipes 
den  Beinamen  des  „catholicissimus"  geben,  vgl.  c.  15  (21):  ca- 
tholicissime  credatur. 

Der    schlagendste    Beweis    für    die   Identität    des  Verfassers 
liegt  aber  in  folgender  Übereinstimmung: 

Commonit.  c.  24  (34).  Obj.  XV. 

Quis  ante  crudelissimum  Quod  omnes  illi  fideles  et  sancti, 
Novatianum  crudelem  De-  qui  ad  aeternam  mortem  praedesti- 
um  dixit,  eo  quod  mal-  nati  sunt,  postea  quam  ceciderint, 
let  mortem  morientis  sie  a  Deo  dispensentur,  ut  nee 
quam  ut  revertatur  et  possint  nee  velint  per  poeniten- 
vivat?    Quis  ante  magum     tiam  liberari. 

Obj.  IV— VI. 
Quod  major  pars  generis  humani  ad 
hoc  creatur  a  Deo,  ut  non  Dei,  sed 
diaboli  faciat  voluntatem. 

Quod  peccatorum  nostrorum 
auetor  sit  Deus:  eo  quod  malam 
faciat      voluntatem       hominum, 

plasmet    substantiam,    quae    na- 
scelerum     impietatum  ,.  ,  .,.,      ,        •, 

ri       .^.  r  turali     motu     nihil    possit    nisi 

peccare.1 

Quod  Deus  tale  in  hominibus  plas- 
met arbitrium,  quäle  est  daemonum, 
quod  proprio  motu  nihil  aliud 
possit  velle  nisi  malum.1 

Obj.  X— XIII. 
Quod  adulteria  et  corruptelae   vir- 
ginum  sacrarum  ideo  contingant,  quia 
tatis  impulsu  nihil  ali-     illas    Deus    ad  hoc  praedestinavit  ut 
ud   possit,    nihil  aliud     caderent. 
velit  nisi   peccare1,   eo         Quod  quando  incestant  patres  filias 


Simonem  apostolica  di- 
strictione  percussum  —  a 
quo  vetus  ille  turpitudi- 
num  gurges  usque  in  no- 
vissimum  Priscillianum 
continua  et  oeculta  suc- 
cessione  manavit  —  auc- 
torem  malorum,  id  est 


flagitiorumque  no 
strorum  ausus  est  di- 
cere  creatorem  Deum? 
Quippe  quem  adserit  ta- 
lem  hominum  manibus 
ipsum  suis  creare  na- 
turam,  quae  proprio 
quodam  motu  et  neces- 
sariae  cuiusdam  volun- 


1)  Wie  sehr  diese  Formulierung  der  Anschauung   entspricht,  die  in 
den   semipelagianischen  Kreisen  Südgalliens  über  die  augustinische  Lehre 


III.  Das  Conimonitoriuni  u.  die  Object.  Vincentianae.  47 

quod  fariis   vitiorum  om-  et  matres  filios,  vel  quando  servi  do- 

niu'm     exagitata     et     in-  ruinös    occidunt,    ideo    fiat,    quia   ita 

flaromata  in  omnia  tur-  Deus    praedestinavit    ut    fieret  .... 

pitudinum        barathra  ipsius  vitii  causa  est  divina  praedesti- 

inexhausta   cupiditate    ra-  natio,  quae  illis  latenter  subtrahit  bo- 

piatur.  nas  voluntates. 

Angesichts  solcher  Congruenz  muß  jeder  Zweifel  verstum- 
men: Vincenz  von  Lerin  hat  die  objectiones  geschrieben.  Von 
diesen  fällt  jetzt  helles  Licht  auch  auf  das  Commonitorium. 
Die  treffenden  Ausführungen  Jülich ers  (Einleitung  S.  X  f.)  wer- 
den bedeutend  verstärkt,  die  bisher  mit  mehr  oder  weniger  Un- 
sicherheit über  die  Tendenz  des  Peregrinus  vorgetragenen  Ver- 
mutungen 1  zur  Evidenz  erhoben. 


III.  Das  Cominoiiitorinm  im  Lichte  der  Objectiones 
Vincentianae. 

Aus  den  „Vorwürfen"  verstehen  wir  erst  recht,  was  und 
wen  Vincenz  in  c  24  (34)  des  Commonitoriums  eigentlich  meint. 

Man  hat  bisher  hauptsächlich  in  der  Warnung  des  hl.  Vin- 
cenz vor  solchen,  die  eine  „magna  et  specialis  ac  plane  personalis 
Dei  gratia"  versprechen,  die  alles  eigene  sittliche  Tun,  jedes  Bitten 
und    Suchen    und    Anklopfen    überflüssig    mache    und  jegliches 


herrschte,  zeigt  ein  Vergleich  mit  Cassians  Collat.  XIII  c.  12  (Migne 
49,  924  f.):  Nee  enhn  talem  Deus  hominem  fecisse  credendus  est  qui  nee 
velit  umquam  nee  possit  bonum.  Alioquin  nee  liberum  ei  permisit 
Arbitrium,  si  ei  tantum  niodo  malum  ut  velit  et  possit,  bonum 
vero  a  semetipso  nee  velle  nee  posse  concessit  .  .  .  ut  nihil  nisi  id  quod 
malum  atque  perversum  est  humanae  adscriberemus  naturae.  Die  ob- 
jectiones weisen  aber  anderseits  mit  dem  Commonitorium  größeren  wört- 
lichen Einklang  auf,  als  objectiones  und  Commonitorium  mit  Cassian. 

1)  Bardenhewer,  Patrologie  S.  459:  „Sehr  wahrscheinlich  ist  unsere 
Schrift  überhaupt,  trotz  der  so  harmlos  klingenden  Vorbemerkung,  als 
eine  Streitschrift  wider  die  Lehre  Augustins  anzusehen".  Rauschen, 
Grundriß  der  Patr.  2A.  S.  202:  „Vielleicht  sollte  es  sogar  eine  Streitschrift 
gegen  die  Lehre  des  hl.  Augustinus  sein".  Proleg.  zur  Ausgabe  S.  1 : 
„Vincentium  Semipelagianum  et  s.  Augustini  adversarium  fuisse  ex  opere 
ejus  satis  constat;  hac  ipsa  de  causa  eum  sub  falso  nomine  Peregrini 
librum  suum  edidisse  verisimile  est". 


48  Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 

„scandalizari"  ausschließe  (c.  26  bezw.  37),  die  Polemik  des  Semi- 
pelagianers  gegen  die  augustinische  Gnadenlehre  erblickt.  Sie 
ist  es  in  der  Tat.  Aber  der  schärfste  Angriff  sitzt  in  c.  24 
(34),  wenn  man  es  aus  dem  Inhalt  der  objectiones  beleuchtet. 
Gott  Urheber  des  bösen  Willens,  der  bösen  Beschaffenheit  der 
menschlichen  Natur,  der  Sünden  und  Laster,  der  Verstockung 
und  Unbußfertigkeit  —  das  erschien  dem  Südgallier  als  Conse- 
quenz  der  augustinischen  Prädestinationslehre.  In  den  objectiones 
schleudert  er  seine  Vorwürfe  direct  gegen  den  Augustinismus, 
er  specialisiert  und  illustriert  seine  Consequenzen  an  den  kras- 
sesten Beispielen:  Gott  als  Ursache  von  Sacrileg,  Incest,  Mord! 
Im  Commonitorium  dagegen  faßt  er  sie  kurz  zusammen  und 
richtet  sie  gegen  Novatian,  Simon  Magus  und  Priscillian,  er 
meint  aber  auch  hier  die  Lehre  und  Schule  Augustins,  die  er 
damit  als  Novatianismus  und  Priscillianisnius  brandmarkt,  ja 
deren  Quellpunkt  er  letztlich  beim  Vater  aller  Häresie,  dem 
Magier  Simon,  entdeckt.  Ob  Priscillian  und  Simon  Magus  das 
lehrten,  was  Vincenz  ihnen  zuschiebt,  ist  sehr  zweifelhaft.  Bei 
Novatian  verwechselt  er  in  seinem  Eifer  offenkundig  göttliche 
Verzeihung  und  kirchliche  Reconciliation.  Es  liegt  ihm  auch 
gar  nicht  daran,  ihre  Anschauungen  richtig  wieder  zu  geben. 
Er  muß  ihre  Lehren  so  zuspitzen,  um  sie  zu  Prügelknaben  für 
den  Augustinismus  herzurichten.  Seine  südgallischen  Kloster- 
brüder konnten  ihn  sofort  verstehen. 

Wie  kam  es  nun  aber,  daß  der  directe  Angriff  offen  unter 
Vincenz's  Namen  ausging,  während  der  indirecte  sich  in  ein 
Pseudonym  hüllte  und  zudem  in  der  Mönchszelle  von  Lerin 
eigentlich  hätte  verborgen  bleiben  sollen?  Diese  Schwierigkeit 
ist,  wie  wir  sahen,  derart,  daß  sie  schon  als  Instanz  gegen 
die  vincentianische  Urheberschaft  der  objectiones  geltend  gemacht 
wurde.  Sie  läßt  sich  aber  aus  der  Chronologie  und  damaligen 
Situation  heraus  sehr  wohl  lösen,  und  gerade  Prospers  Antwort 
auf  die  „Vorwürfe"  gibt  uns  hierzu  beachtenswerte  Fingerzeige. 

In  der  praefatio  sagt  nämlich  Prosper:  Einige  suchen,  der 
christlichen  Bruderliebe  uneingedenk,  so  sehr  unsern  Ruf  (existi- 
mationem  nostram)  auf  jede  Weise  zu  schädigen,  daß  sie  dabei 
nicht  merken,  wie  sie  nur  ihren  eigenen  untergraben.  Sie 
fassen  ineptissimarum  quarundam  blasphemiarum  prodigiosa  men- 
dacia    in   Sentenzen    zusammen    und   tragen    sie  publice    pri- 


III.  Das  Cormnonitorium  u.  die  Object.  Vincentianae.  49 

vatimque  herum,  um  sie  recht  vielen  zu  zeigen  und  beizu- 
bringen mit  der  Versicherung,  sie  entsprächen  genau  so  unserer 
Anschauung,  wie  sie  im  teuflischen  Verzeichnis  stünden  (qualia 
diabolico  continentur  indiculo).  Wir  könnten  diese  Behauptung 
mit  einem  einzigen  Anathema  Lügen  .strafen,  wollen  aber  unser 
Urteil  über  solch  perverse  Definitionen  einzeln  abgeben  und  unter 
jedes  der  16  capitula  unsere  wirkliche  Anschauung  und  den 
Glauben,  den  wir  gegen  die  Pelagianer  ex  apostolicae  sedis 
auctoritate  verteidigen,  setzen,  damit  jedem  selbst  bei  flüchtiger 
Leetüre  klar  werde,  daß  keine  von  diesen  Blasphemieen  auch 
nur  entfernt  unserm  Herzen  entstammt,  sie  vielmehr  an  ihren 
Erfindern  bestraft  werden  müssen. 

Vincenz  hatte  also  ein  Verzeichnis  von  16  capitula  objec- 
tionum  angelegt,  das  von  seinen  Gesinnungsgenossen  fleißig  col- 
portiert  wurde,  vielleicht  mehr  als  ihm  selber  lieb  war.  Ein 
Exemplar  gelangte  auch  in  Prospers  Hände,  der  zugleich  erfuhr, 
daß  Vincenz  der  Verfasser  sei.  Ob  dieser  dem  Verzeichnis  seinen 
Namen  beigesetzt  hatte  oder  auf  andere  Weise  als  Verfasser 
bekannt  wurde,  mag  dahingestellt  bleiben.  Prosper  hatte  sich 
kurz  zuvor,  nach  dem  Tode  Augustins,  mit  seinem  Freunde 
Hilarius  nach  Rom  begeben,  um  Papst  Cölestin  zu  einer  Ent- 
scheidung in  Sachen  des  Semipelagianismus  zu  bewegen.  In 
der  Tat  erließ  dieser  ein  Schreiben  an  die  gallischen  Bischöfe, 
worin  er  den  Neuerern  Schweigen  auferlegt,  das  Andenken 
Augustins  lebhaft  in  Schutz  nimmt  und  auch  Prospers  Bemü- 
hungen mit  den  lobendsten  Worten  anerkennt.1  Nun  tritt 
Prosper  wie  als  Anwalt  der  augustinischen  Gnadenlehre,  so  als 
der  vom  Papst  bestellte  Verteidiger  des  katholischen 
Glaubens  auf  und  zu  den  Schriften,  die  er  zu  diesem  Zwecke 
in  den  Jahren  431 — 33  schrieb,  gehören  auch  die  Responsiones 
gegen  Vincenz.  Er  sucht  hier  die  Schlüsse,  die  dieser  aus 
Augustins  Lehre  ziehen  zu  müssen  glaubte,  als  Mißverständnisse 
und  Consequenzmacherei  darzutun,  wobei  er  freilich  die  Lehre 
des  Meisters  mit  leiser  Hand  mildert.  Im  Vorwort  aber  führt 
er  den  Gegnern  zu  Gemüte,  daß  sie  durch  ihre  Angriffe  nicht 
ihn  und  die  Seinen,  sondern  nur  sich  selbst  heillos  compromit- 
tierten,  ja  ihre  ganze  Stellung  in  der  Kirche  gefährdeten. 


1)  Bardenhewer,  PatroTogie  2.  Aufl.  S.  451. 
Texte  u.  Untersuchungen  etc.    81,  2 


50  Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 

Wie  wenig  Prosper  in  Lerin  Erfolg  hatte,  zeigt  das  Com- 
monitorium.  Vincenz  erhebt,  in  seiner  Überzeugung  nicht  im 
geringsten  erschüttert,  genau  dieselben  Hauptanklagen  gegen 
Augustins  Lehre  wie  früher.  Nur  in  einem  Punkte  hatte  Prosper 
Eindruck  gemacht  —  mit  seiner  Warnung  oder  vielmehr  Drohung. 
Darum  kleidet  Vincenz  seinen  Augriff  in  eine  Abwehr  gegen 
Simon  Magus,  Novatian  und  Priscillian,  verwahrt  seine  Schrift 
gleichsam  als  Testament  in  seiner  Zelle  und  hüllt  sich  für  den 
Fall,  daß  sie  doch  in  die  Öffentlichkeit  gelangte,  ins  Dunkel 
eines  Pseudonyms.  Die  Erfahrungen,  die  er  mit  seinem  indiculus 
gemacht,  hatten  ihn  gewitzigt  und  schon  der  Umstand,  daß  der 
Papst  inzwischen  gesprochen,  mahnte  ihn  zu  größter  Vorsicht. 

Der  gallische  Klosterbruder  darf  und  will  sich  nicht  in 
Widerspruch  mit  dem  apostolischen  Stuhle  setzen,  darum  beruft 
er  sich  seinerseits  auch  auf  die  Päpste  und  schwingt  dieselbe 
Waffe  wie  Prosper.  Mit  Recht  hat  Jülicher  (S.  IX)  darauf  aufmerk- 
sam gemacht,  „wie  respektvoll  er  die  Päpste  behandelt'".  Immer 
sind  die  Inhaber  des  römischen  Stuhles  für  die  altüberlieferte  Lehre 
ein-  und  jeglicher  Glaubensneuerung  entgegengetreten.  So 
Stephan  im  Ketzertaufstreit  (c.  6  bezw.  9),  so  Sixtus  IL,  ..qui 
nunc  Rornanam  ecclesiam  venerandus  illustrat",  in  der  causa 
Nestorii  (c.  32  bezw.  43),  so  —  sein  Vorgänger,  Papst  Cölestin  L, 
„beatae  memoriae",  in  seinem  Brief  an  die  gallischen  Bischöfe 
(ibid.),  demselben,  worauf  sich  Prosper  stützte! 

Es  ist  wohl  das  erste  Mal  in  der  ganzen  Kirchengeschichte, 
daß  zwei  streitende  Parteien  in  der  Kirche  sich  auf  denselben 
Papst  und  dasselbe  päpstliche  Schreiben  berufen.  Im  Oster- 
feierstreit  hatten  es  einstmals  die  Orientalen,  in  der  Ketzertauf- 
frage die  Afrikaner  gewagt,  dem  Nachfolger  des  hl.  Petrus  .ins 
Angesicht  zu  widerstehen",  weil  sie  seine  Entscheidung  tadelns- 
wert fanden.  Der  Mönch  von  Lerin  unterwirft  sich  löblich,  — 
indem  er  das  päpstliche  Schreiben  umdeutet. 

Man  beachte,  wie  er  den  Brief  Cölestins  einleitet.  Nachdem 
er  zwei  Sätze  aus  dem  sixtinischen  Schreiben  an  den  Bischof 
von  Antiochien  citiert,  fährt  er  mit  Emphase  fort:  Sed  et  sanc- 
tus  papa  Coelestinus  pari  modo  eademque  sententia.  Dort  hat 
er  gesagt,  daß  es  „de  causa  Nestorii"  erfloß,  beim  Schreiben 
Cölestins  erwähnt  er  von  der  Veranlassung  gar  nichts.  Darum, 
und   weil  von  c.  30  an  sonst  überhaupt  nur  vom  ephesinischen 


III.  Das  Commonitorium  u.  die  Object.  Yincentianae.  51 

Concil  und  der  nestorianischen  Irrlehre  die  Rede  ist,  müßte  ein 
mit  den  Vorgängen  nicht  Vertrauter  glauben,  auch  das  Schreiben 
Cölestins  befasse  sich  mit  dem  nestorianischen  Streit. 

Bezeichnend  ist  ferner,  wie  Vincenz  dieses  Schreiben  inter- 
pretiert. Der  Papst,  erklärt  er,  tadelt  die  gallischen  Bischöfe 
wegen  der  Nachsicht,  mit  der  sie  den  alten  Glauben  im  Stiche 
und  „profanas  novitates"  aufkommen  ließen.  ;.Ergo  corripiantur 
hujus  modi,  non  sit  his  liberum  habere  pro  voluntate  sermonem" 
schreibt  Cölestin.  Hier  könnte  man  zweifeln,  wer  denn  die 
eigentlich  seien,  denen  er  die  Redefreiheit  entzogen  wissen  will, 
die  „vetustatis  praedicatores"  oder  die  „novitatis  adinventores".  So 
möge  denn  der  Papst  selbst  es  sagen  und  den  Zweifel  lösen! 
Und  er  sagt  es  auch,  denn  in  seinem  Schreiben  heißt  es  gleich 
weiter:  „Desinat,  si  ita  res  est"  —  d.  h.  wenn  es  wirklich  so 
sich  verhält,  wie  einige  bei  mir  eure  Städte  und  Provinzen  be- 
schuldigt haben,  daß  ihr  nämlich  durch  Dissimulation  ihre  Zu- 
stimmung zu  gewissen  Neuerungen  verschuldet  —  „desinat,  si 
ita  res  est,  incessere  novitas  vetustatem".  Des  seligen  Cölestin 
selige  Entscheidung  geht  also  dahin:  ut  non  vetustas  cessaret 
obruere  novitatem,  sed  potius  novitas  desineret  incessere  vetustatem. 

Das  läßt  Vincenz  den  Papst  sagen.  Vom  ganzen  Schreiben l 
kann  er  nur  die  paar  Sätze  brauchen,  die  er  anführt,  und  diese 
muß  er  aus  ihrem  ursprünglichen  Zusammenhang  herausreißen 
und  umdeuten.  Der  Tadel  des  Papstes  bezieht  sich  nämlich 
darauf,  daß  in  Gallien  Priester  ungerügt  über  die  Bischöfe  hin- 
weg disputieren  (c.  1:  quando  illi  supra  vos  habent  copiam  dis- 
putandi),  was  gegen  alles  Herkommen  sei,  eine  Neuerung,  die 
sofort  abbestellt  werden  müsse.  Vincenz  aber  setzt  den  Tadel 
aus  dem  Kirchenrechtlichen  ins  Dogmatische,  aus  dem  Formalen 
ins  Materiale  über:  der  Lehrinhalt  der  vetustas  muß  gewahrt,  der 
der  novitas  unterdrückt  werden.  Dieser  ist  natürlich  der  augu- 
stinische,  jener  sein  eigener  seraipelagianische  Standpunkt. 

Auf  diese  Weise  hat  Vincenz  es  glücklich  fertig  gebracht, 
das  Schreiben  des  Papstes  in  sein  Gegenteil  zu  verkehren,  seine 
Spitze  von  sich  ab-  und  gegen  die  zu  wenden,  zu  deren  Gunsten 
es  ergangen  war.  Und  der  Leriner  ist  des  Papstes  so  sicher, 
daß  er  sofort  weiterfährt:  „Wer  diesen  apostolischen  und  katho- 


1)  Es  ist  epist.  XXI  ad  episcopos  Galliarum,  Migne  P.  L.  r>0;5'_'Sfl'. 

4* 


52  Koch,  Yincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 

lischen  Decreten  widerstrebt,  muß  zuerst  dem  Andenken  des  hl. 
Cölestin  einen  Faustschlag  versetzen,  der  entschieden  hat,  es  solle 
die  Neuerung  aufhören,  das  Althergebrachte  zu  belästigen"  (c.  33). 
Auch  c.  6  (9)  beruft  sich  Vincenz  mit  großem  Nachdruck 
und  feierlicher  Einleitung  auf  den  apostolischen  Stuhl:  Unum 
aliquod  [exemplum]  et  hoc  ab  apostolica  potissimum  sede  sume- 
mus,  ut  omnes  luce  clarius  videant,  beatorum  apostolorum  beata 
successio  quanta  vi  semper,  quanto  studio,  quanta  contentione 
defenderit  susceptae  semel  religionis  integritatem.  Dann  rühmt 
er  das  Verhalten  des  Papstes  Stephan  gegen  die  Afrikaner  im 
Ketzertaufstreit  und  seinen  Grundsatz  „nihil  novandum  nisi  quod 
traditum  est"  in  hellen  Tönen.  Der  „antistes  apostolicae  sedis, 
beatae  memoriae  papaStephanus"  leistete  damals  Widerstand  „cum 
ceteris  quidem  collegis  suis,  sed  tarnen  prae  ceteris,  dignum 
existimans,  si  reliquos  omnes  tantum  fidei  devotione  vinceret, 
quantum  loci  auctoritate  superabat".  Der  heilige  und  kluge 
Mann  wußte  eben,  daß  wahre  Frömmigkeit  nichts  anderes  be- 
gehrt als  das  von  den  Vätern  Überkommene  ebenso  treu  den 
Söhnen  zu  übergeben  und  nicht  die  Religion  nach  eigenem  Gut- 
dünken zu  drehen,  sondern  sich  von  der  Religion  leiten  zu 
lassen.  Der  Ausgang  war  damals  so,  wie  er  sein  mußte:  retenta 
est  scilicet  antiquitas,  explosa  novitas,  und  das,  obgleich  die 
Neuerung  viele  hochbegabte  Verteidiger  von  hinreißender  Bered- 
samkeit hatte,  die  sich  auf  viele  Schriftstellen,  freilich  mit  ganz 
neuer  und  schlechter  Exegese  beriefen,  und  obgleich  ein  afrika- 
nisches Concil  sich  auf  ihre  Seite  gestellt  hatte.  Ganz  unver- 
kennbar hat  Vincenz  hier  den  Bischof  von  Hippo  mit  seinem 
Schriftbeweis  und  seiner  Gefolgschaft  im  Auge.  Man  merkt 
wohl:  Papst  Stephan  ist  der  Mann  seines  Herzens.  Hatte  er  es 
doch  mit  afrikanischen  Bischöfen,  darunter  einem  hl.  i'yprian, 
zu  tun  und  ihnen  gegenüber  die  antiquitas  zu  wahren!  So  stellt 
denn  Vincenz  gerade  ihn  als  Musterpapst  und  leuchtendes  Vor- 
bild hin,  und  unter  dem  Gewände  höchster  Lobsprüche  auf  ihn 
erteilt  der  „Santo"  von  Lerin  dem  „antistes  apostolicae  sedis"  Be- 
lehrung, wie  er  sich  gegenüber  der  jüngsten,  ebenfalls  von 
einem  afrikanischen  Bischof  stammenden  „Neuerung"  zu  verhalten 
habe.  Seine  Entscheidung  muß  natürlich  gegen  Augustins  Lehre 
und  zugunsten  der  Südgallier  ausfallen.  „Und  der  König  abso- 
lut, wenn  er  unsern  AVillen  tut." 


III.  Das  Commonitorium  u.  die  Object.  Vincentianae.  53 

Es  ist  auch  beachtenswert,  wie  rücksichtsvoll  er  von  dem 
karthagischen  Bischof  Agrippin  redet,  er  ist  ihm  „venerabilis 
memoriae",  obwohl  er  „primus  omnium  mortalium  contra  divum 
canonem,  contra  universalis  ecclesiae  regulam,  contra  sensum 
omnium  consacerdotum,  contra  morem  atque  instituta  majorum 
rebaptizandum  esse  censebat".  Und  den  „beatissimum  Cyprianum" 
nennt  er  „illud  sanctorum  omnium  et  episcoporum  et  martyrum 
lumen".  Zugleich  weist  er  aber  auf  die  „rerurn  mira  conversio" 
hin:  die  Urheber  jener  Anschauung  von  der  Wiedertaufe  werden 
als  Katholiken,  ihre  Anhänger  dagegen  als  Ketzer  befunden,  die 
Lehrer  freigesprochen,  die  Schüler  verurteilt,  die  Verfasser  der 
Schriften  werden  Kinder  des  Reiches  sein,  während  ihre  Ver- 
teidiger die  Hölle  aufnehmen  wird.  Denn  daß  Cyprian  und 
seine  Kollegen  ewig  mit  Christus  herrschen  werden,  kann  nur 
der  Wahnwitz  bezweifeln;  nur  sacrilegische  Gesinnung  leugnen, 
daß  die  Donatisten  und  die  übrigen  Pestseuchen,  die  auf  die 
Auctorität  jenes  Concils  hin  sich  mit  der  Wiedertaufe  brüsten, 
in  Ewigkeit  mit  dem  Teufel  brennen  werden. 

Das  heißt  doch  nichts  anderes  als :  ich  will  gegen  die  Person 
Augustins,  des  Urhebers  der  Prädestinationslehre  und  Verfassers 
zahlreicher  Schriften,  nichts  sagen;  er  ist  ehrwürdigen  Andenkens, 
im  Frieden  mit  der  Kirche  gestorben,  ein  vortrefflicher  und 
heiliger  Bischof.  Aber  die  Verteidiger  seiner  Lehren,  dieser 
Prosper  und  Hilarius  und  andere,  sind  im  Begriffe,  Häretiker  zu 
werden  und  die  Kirchengemeinschaft  zu  verlieren,  sie  setzen  ihr 
ganzes  Seelenheil  aufs  Spiel. 

In  c.  10  f.  (16  f.)  redet  Vincenz  von  der  peinlichen  Lage,  in  der 
ein  Schüler  sich  befindet,  wenn  der  von  ihm  hochverehrte  Lehrer 
plötzlich  auf  falschen  Lehren  ertappt  wird,  nachdem  er  vorher 
als  bewährter  Vorkämpfer  des  wahren  Glaubens  gegen  die  Häresie 
gegolten,  wie  es  bei  Nestorius,  Apollinaris,  Photin  zutraf.  In 
solchem  Falle  muß  sich  der  Schüler,  so  schmerzlich  es  ihm  sein 
mag,  vom  Lehrer  lossagen.  Solche  Lehrer  werden  zur  ,,tentatio", 
in  der  die  echte  Gottesliebe  sich  bewähren  kann.  Zu  den 
schwersten  Versuchungen,  die  je  durch  hervorragende  und  geistes- 
mächtige „doctores"  über  die  Kirche  kamen,  gehören  die  durch 
Origenes  und  Tertullian  hervorgerufenen  (c.  17  ff.  bezw.  2:?  ff). 
Der  wahre  und  echte  Katholik  zieht  eben  nichts  der  göttlichen 
Religion  und  dem  katholischen  Glauben  vor,  nicht  die  Auctorität 


54  Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 

irgend  eines  Menschen  (hominis  cuiuspiam  auctoritatem) ,  nicht 
Liebe,  nicht  Genie,  nicht  Beredsamkeit,  nicht  Philosophie  (c.  20 
bezw.  25).  Was  einer,  und  mag  er  Heiliger,  Gelehrter,  Bischof, 
Bekenner  und  Märtyrer  sein,  „praeter  omnes  aut  etiam  contra 
omnes"  lehrt,  das  ist  seine  Sondermeinung,  die  mit  dem  katho- 
lischen Glauben  nichts  zu  tun  hat  (cap.  28  bezw.  39).  In 
c.  7  (11)  bezeichnet  es  Vincenz  als  einen  Unfug  der  Häretiker, 
sich  für  ihre  Anschauungen  auf  dunkel  gehaltene  Schriften  eines 
im  Frieden  mit  der  Kirche  verstorbenen  Mannes  zu  berufen  und 
so  das  Feuer  unter  erloschener  Asche  wieder  anzufachen,  anstatt 
die  Sache  mit  Stillschweigen  zu  begraben.  Solches  Verhalten 
vergleicht  er  mit  der  Pietätslosigkeit  Chams,  der  des  Vaters 
Blöße  nicht  nur  nicht  bedeckte ,  sondern  sogar  der  Verspottung 
preisgab. 

Das  will  sagen:  Augustin  hat  sich  durch  Bekämpfung  der 
Pelagianer  unleugbar  große  Verdienste  erworben,  aber  seine 
eigene  Gnaden-  und  Prädestinationslehre  steht  im  Widerspruch 
mit  der  Lehre  früherer  Väter  und  der  katholischen  Kirche,  ist 
eine  große  Versuchung.  Sein  Andenken  soll  im  Frieden  sein 
und  was  er  geirrt,  möge  in  Vergessenheit  sinken.  Seine  An- 
hänger leisten  ihm  den  schlechtesten  Dienst,  wenn  sie  das  immer 
wieder  verteidigen.  So  schwer  es  ihnen  fallen  mag,  sie  müssen 
sich  von  seiner  Lehre  lossagen,  wenn  sie  nicht  mit  der  Kirche 
in  Conflict  kommen  wollen. 

Solche  Stellen  wollen  in  der  Tat  „die  Loslösung  des 
Augustinus  als  einer  kirchlichen  Größe  von  den  Scharen  der 
Irrlehrer  anbahnen,  die  sich  auf  seine  Autorität  berufen  und  mit 
seinem  Namen  prahlen"  (Jülicher  S.  XI).  Sie  wollen  mit 
Schonung  seiner  Person  die  Lehre,  die  seine  Anhänger  vertei- 
digen, als  gefährliche  Häresie  brandmarken. 

Blicken  wir  auf  das  Gesagte  zurück,  so  läßt  sich  unschwer 
erkennen,  daß  das  Commonitorium  im  Grunde  nichts  anderes  ist  als 
eine  auf  breite  kirchengeschichtliche  und  dogmatische 
Grundlage  gestellte  und  maskierte  Streitschrift  gegen 
den  Augustinismus,  eine  Duplik  auf  die  Responsiones  Prospers, 
zugleich  das  Testament  des  Leriner  Mönches,  der  bald  darauf 
gestorben  zu  sein  scheint.  Nach  seinem  Tode  haben  dann  seine 
Klosterbrüder  die  Schrift  verbreitet.  Der  Umstand,  daß  Gen- 
nadius   nur    diese  Schrift    erwähnt,    nicht   auch    die  capitula  re- 


IV.  Vincenz'  weitere  literarische  Tätigkeit.  55 

sponsionurn,  darf  bei  der  bekannten  und  von  seinem  Verfasser  selbst 
wiederholt  hervorgehobenen  Lückenhaftigkeit  des  Schriftsteller- 
kataloges l  nicht  den  geringsten  Zweifel  an  ihrem  vincentia- 
nischen  Ursprung  erwecken.  Gennadius  wird  den  kurzen,  wohl 
nicht  einmal  zur  eigentlichen  literarischen  Publication  bestimmten, 
sondern  nur  als  rasches  Flugblatt  verbreiteten  und  wieder  ver- 
schwindenden indiculus  mit  seinen  16 kurzen  Thesen  nicht  gekannt, 
oder  nicht  für  erwähnenswert  gehalten,  oder  Gründe  zum  Ver- 
schweigen gehabt  haben.  Hätte  Prosper  dem  Verzeichnis  nicht  eine 
so  eingehende  Widerlegung  entgegengesetzt  und  ihr  die  einzelnen 
cap.  object.  einverleibt,  so  wären  sie  uns  nicht  erhalten  geblieben. 

IV.  Weitere  literarische  Tätigkeit  des  Vincenz. 

Hat  Vincenz  vielleicht  noch  mehr  geschrieben  als  sein  Com- 
monitorium  und  das  Capitelverzeichnis?  Aus  Commonit. cap.  16(22) 
erfahren  wir,  daß  er  noch  eine  weitere  Arbeit  vorhatte.  Nach- 
dem er  nämlich  cap.  12 — 16  (16 — 22)  über  die  christologischen 
Irrtümer  des  Photinus,  Apollmaris  und  Nestorius  gehandelt, 
schließt  er  mit  den  Worten:  haec  in  excursu  dicta  sint,  alias, 
si  Deo  placuerit,  uberius  tractanda  et  explicanda.  Man 
könnte  an  das  von  verschiedenen  Gelehrten  unserm  Vincenz  zu- 
geschriebene Symbolum  „Quicumque"  oder  seinen  christologischen 
Teil  denken,  wenn  nicht  der  Excurs  im  Commonitorium  dreimal 
so  lang  wäre  als  das  ganze  Symbolum2.  Übrigens  ist  auch  die 
Sprache  des  Symbolunis  vincentianischem  Ursprung  garnicht 
günstig,  wohl  aber  ist  jenes  „schwerlich  von  dem  Commonitorium 
des  Vincenz  unabhängig"  (Jülicher  S.  V). 

Wie  es  scheint,  hat  man  auch  schon  den  „Praedestinatus" 
gelegentlich  dem  Leriner  zugeschrieben.  Davon  kann  aber,  zu- 
mal nach  den  neuesten  Darlegungen  v.  Schuberts3,  im  Ernste 
keine  Rede  sein.  Vincenz  und  der  „Praedestinatus"  haben,  abge- 
sehen vielleicht  vom  semipelagianischen  Standpunkt  —  den  aber 

1)  Czapla  a.  a.  0.  S.  184. 

2)  Die  Literatur  über  das  sog.  athanasianische  Symbolum  steht  mir 
augenblicklich  nicht  zu  Gebote,  um  zu  constatieren,  ob  auf  obige  Stelle 
etwa  Bezug  genommen  wurde.  Das  neueste  bei  Künstle,  Antipriscilliana 
1905  S.  204  ff. 

3)  Der  sog.  Prädestinatua  (T.  u.  U.  N.  F.  IX,  4)  1903. 


56 


Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 


v.  Schubert  beim  Praedestinatus  zugunsten  des  pelagianischen  be- 
streitet—  rein  garnichts  mit  einander  gemein  (vgl.  Jülich  er  S.  V). 

Dagegen  könnte  man  daran  denken,  ob  Vincenz  nicht  an 
den  „capitula  objectionum  Galloruru  caluinnantium",  die  von  Pro- 
sper  ebenfalls  bekämpft  werden  (Migne  P.  L.  51,  155 — 170),  be- 
teiligt war. 

In  der  Tat  zeigt  eine  Vergleichung  nicht  bloß  durchgehende 
sachliche  Übereinstimmung  der  Gedanken  und  Vorwürfe,  sondern 
auch  wörtliche  Anklänge,  vgl.  die  folgende  Zusammenstellung. 


Objectiones  Vincentianae 
I— IV. 

Quod  Deus  nolit  omnes 
salvare,  etiamsi  omnes  salvari 
velint. 

Quod  Dominus  noster  JCbr. 
non  pro  omnium  hominum 
salute  et  redemptione  sit 
passus. 

Quod  Deus  majorem  partem 
generis  humani  ad  hoc  creet, 
ut  illani  perdat  in  aeternum. 

Quod  major  pars  generis  hu- 
mani ad  hoc  creatur  a  Deo, 
ut  .  .  diaboli  faciat  voluntatem. 

IX.  XIV.  XII.  XIII. 

Quod  velit  Deus,  ut  magna 
pars  sanctorum  a  sanctitatis 
proposito  ruat. 

Quod  magna  pars  illa  Chri- 
stianorum  catholicorum  fidelium 
atque  sanctorum,  quae  ad  rui- 
naui  et  perditionem  (cfr.  XVI : 
ut  cadant  et  ruant)  praedesti- 
nata  est,  etiam  si  petat  a  Deo 
sanctitatis  perseverantiam 
non  impetrabit. 

Quod  Dei  praedestinatione 
efficiantur    de     filiis    Dei    filii 


Objectiones  Gallorum 
VIII.  IX.  XIII. 

Quod  non  omnes  homines 
velit  Deus  salvos  fieri,  sed 
certum  numerum  praedestina- 
torum. 

Quod  non  pro  totiusmun- 
di  redemptione  Salvator  sit 
crucifixus. 

Quod  quidam  homines  non 
ad  hoc  a  Deo  creati  sunt, 
ut  vitam  adipiscerentur  aeter- 
nam. 


III.  VII.  XU. 

Quod  non  praedestinati  ad 
vitam,  etiamsi  fuerint  in  Christo 
per  baptismum  regenerati  et  pie 
justeque  vixerint  .  .  .  tamdiu  re- 
serventur  donec  ruant  et  pe- 
reaiit. 

Quod  Deus  quibusdam  filiis 
suis,  quos  regeneravit  in  Christo 
...  ob  hoc  non  det  perse- 
verantiam, quia  non  sunt  a 
massa  perditionis  praescientia 
Dei  et  praedestinatione  dis- 
creti. 


IV.   Yincenz'  weitere  literarische  Tätigkeit. 


57 


diaboli  et  de  templo  sancti  Spi- 
ritus templa  daemonum. 

Quod  onines  illi  fideles  et 
sancti,  qui  ad  aeternam  mortem 
praedestinati  sunt,  quando  .  .  . 
ipsius  vitii  causa  est  divina  prae- 
destinatio,  quae  illis  latenter 
sul)trahit  bonas  voluntates. 

V.  X.  XL 

Quod  peccatorum  nostrorum 
auctor  sit  Deus. 

Quod  adulteria  et  corrupte- 
lae  .  .  ideo  contingant,  quia  illas 
Deus  ad  hoc  praedestinavit  ut 
caderent. 

Quod  quando  incestant  .  .  vel 
occidunt,  ideo  fiat,  quia  ita  Deus 
praedestinavit  ut  fieret. 


Quod  quibusdam  vocatis  et 
pie  justeque  viventibus  obedi- 
entia  sufotraliatur l,  ut  obedire 
desistant  (cfr.  X:  praedicatio 
subtrahatur). 

I.  XI.  VI. 

Quod  ex  praedestinatione  Dei 
velut  fatali  necessitate  bomines 
ad  peccata  compulsi  cogantur 
in  mortem. 

Quod  per  potentiam  Deus  ho- 
mines  ad  peccata  compellat. 

Quod  liberum  arbitrium  in 
homine  nihil  sit,  sed  sive  ad 
bonum  sive  ad  malum  praedesti- 
natio  Dei  in  hominibus  ope- 
retur. 


Solch  weitgehende  Übereinstimmung  wird  einen  Zusammen- 
hang zwischen  den  capitula  objectionum  des  Vincenz  und  der 
Gallier  nicht  bestreiten  lassen.  Wie  freilich  das  Verhältnis  näher- 
hin  zu  bestimmen  ist,  auf  welcher  Seite  die  Priorität  liegt,  läßt 
sich  nicht  so  leicht  sagen.  Man  könnte  bei  den  objectiones  der 
Gallier  auch  an  Cassian  denken.  Allein  die  Übereinstimmung 
mit  Vincenz  ist  stärker  als  mit  Cassian  und  dieser  hat  seiner 
Anschauung,  soviel  wir  wissen,  hauptsächlich  in  der  Collatio  XI 11 
Ausdruck  gegeben,  während  wir  jenen  bereits  auch  als  Verfasser 
von  Thesen  kennen  gelernt  haben.  So  spricht  alle  Wahr- 
scheinlichkeit dafür,  daß  Vincenz  auch  die  capitula  object.  Gal- 
lorum  wenn  nicht  verfaßt,  so  doch  wesentlich  inspiriert  und  be- 
einflußt hat. 


1)  Vgl.  Cassian,  Collat.  XIII  c.  9  (Migne  49,  915):  peccare  cn- 
pientibus  explendae  copiam  subtrahat  voluntatis,  in  etwas  anderm 
Zusammenhang. 


58  Koch,  Vincenz  von  Lerin  und  Gennadius. 


T.  Schlußwort. 

Wie  es  sich  mit  dem  zuletzt  genannten  Punkt  verhalten 
möge,  Vincenz  von  Lerin  hat  bei  aller  Schonung  der  Person 
Augustins  dessen  Gnadenlehre  zugunsten  des  Semipelagianismus 
aufs  schärfste  bekämpft.  Weder  die  Responsiones  Prospers  noch 
das  päpstliche  Schreiben  zugunsten  Augustins  und  seiner  Ver- 
teidiger vermochten  ihn  in  seiner  Anschauung  wankend  zu 
machen,  er  legt  vielmehr  in  seinem  Commonitorium  noch  ener- 
gische, wenngleich  versteckte  Angriffe  nieder.  Jene  Lehre  er- 
scheint ihm  als  ungeheuerliche  Neuerung  oder  als  Neuauflage 
alter  Häresien.  Die  Berufung  Prospers  auf  die  päpstliche  Auc- 
torität  beantwortet  er  mit  gleichem  Hinweis  auf  päpstliche  Aus- 
sprüche, gewissermaßen  einer  „appellatio  a  papa  male  informato 
ad  papani  melius  informandum"  in  Sachen  des  Augustinismus. 
Sein  Commonitorium  ist  der  Protest  eines  dem  Tode  ins  Ant- 
litz Sehenden  gegen  die  afrikanische  „Neuerung",  das  Testa- 
ment eines  entschiedenen  Semipelagianers,  das  besorgte  „Videant 
consules"  eines  seiner  Kirche  in  glühender  Liebe  und  Begeisterung 
anhängenden  Mannes.  Vincenz  von  Lerin  schied  als  unversöhn- 
licher Gegner  des  Augustinismus  von  dieser  Erde.  Das  sind 
Dinge,  die  künftig  bestimmter  als  bisher  gesagt  und  nachdrück- 
licher betont  werden  müssen. 

Es  war  im  gewissen  Sinne  eine  „complexio  oppositorum", 
als  man  anfing,  neben  Augustin  und  seiner  Lehre  auch  das  vin- 
centianische  Merkbuch  hochzuhalten,  —  und  doch  wieder  nicht. 
Denn  sein  Angriff  war  so  versteckt,  daß  man  ihn  bald  nachher 
garnicht  mehr  merkte.  Man  übersah  die  antiaugustinische  und 
semipelagianische  Tendenz  und  achtete  bloß  auf  den  im  Buche 
aufgestellten  Glaubenskanon,  lernte  ihn  schätzen  und  gebrauchen: 
In  ipsa  item  catholica  ecclesia  magnopere  curandum  est,  ut  id 
teneamus,  quod  ubique,  quod  semper,  quod  ab  omnibus  creditum 
est;  hoc  est  etenim  vere  proprieque  catholicum. 

So  angesehen  und  berühmt  aber  diese  Glaubensregel  des 
Catholicissimus  von  Lerin  wurde,  die  katholische  Kirche  hat  sie 
sich  doch  niemals  in  einer  officiellen  dogmatischen  Kundgebung 
ausschließlich  angeeignet1,  —  so  wenig  als  sie  bei  aller  Ver- 
ehrung des  großen  und  genialen  Bischofs  von  Hippo  jemals  seine 
Lehre  voll  und  ganz  zur  ihrigen  gemacht  hat2. 


1)  Eine  Erklärung  des  römischen  Stuhles  in  neuerer  Zeit  lautet: 
Haec  Vincentii  Lerinensis  regula  non  est  unicum  dogniatuui  criterimn 
nee  pi-aecipuuui  (KL2  12,  98?  f.). 

2)  Vgl.  Anton  Koch,  Faustus  von  Riez  1895  S.  129  ff. 


VIRGINES  CHRISTI 

DIE  GELÜBDE  DER  GOTTGEWEIHTEN  JUNGFRAUEN 
IN  DEN  ERSTEN  DREI  JAHRHUNDERTEN 

TON 

DE*  HUGO  KOCH 

PROFESSOR  DER  THEOLOGIE  AM  KGL.  LYCEÜM  HOSIANUM 
ZU  BRÄUNSBERG 


Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Einleitung 62 

A.  Die  abendländische  Kirche 65 

I.   Tertullian 65 

II.   Cyprian 76 

TU.   Das  Concil  von  Elvira 86 

IV.  Die  römische  Kirche 90 

B.  Die  morgenländische  Kirche 95 

V.   Klemens  von  Alexandrien 95 

VI.   Origenes 97 

VII.   Die  apostolische  Didaskalia 98 

VIII.   Die  pseudo-klementinischen  Briefe  ad  virgines 99 

IX.   Methodius  von  Olympus 100 

X.   Die  Synode  von  Ancyra 107 

Schlußwort '.    ...  109 


Vorwort. 

NachfolgendeUntersuchung  bietet  einen  Ausschnitt  aus  der  Ge- 
schichte der  ältesten  Kirchendisciplin,  ohne  damit  diese  als  das  ein- 
zige Ideal  hinstellen,  darnach  die  spätere  Gestaltung  und  die  „disci- 
plina  vigens"  kritisieren  zu  wollen.  Die  Kirche  ist  ein  lebendiger 
Organismus,  dessen  Kräfte  sich  auch  in  disciplinären  Dingen,  un- 
beschadet der  Stabilität  im  Wesentlichen  und  Notwendigen,  in 
immer  neuen  Formen  und  Gebilden  auswirken,  entsprechend  den 
neuen  Fragen  und  veränderten  Verhältnissen,  die  an  sie  heran- 
treten. Das  ist  ihr  Recht,  das  ist  ihre  Pflicht.  Man  muß  aber 
auch,  wo  eine  Entwickelung  stattgefunden  hat,  sie  anerkennen 
und  darf  nicht  den  späteren  Stand  künstlich  in  eine  frühere  Zeit 
zurückdatieren.  So  selbstverständlich  dieser  Grundsatz  ist,  so 
wenig  ist  es  überflüssig,  von  Zeit  zu  Zeit  wieder  daran  zu  erinnern, 
damit  er  nicht  bloß  in  Theorie  hochgehalten,  praktisch  außer 
acht  gelassen  werde.  Man  ist  neuerdings  daran,  unter  der 
Firma  „rechtsgeschichtlicher"  und  „historisch-dogmatischer"  und 
ähnlicher  Abhandlungen  unsre  sauer  erworbenen  geschichtlichen 
Erkenntnisse  über  den  Entwicklungsgang  der  altkirchlichen  Dis- 
ciplin  in  manchen  Punkten  wieder  zu  trüben.  "Iöccöcv  ol  (isfivrj- 
ptvoi. 


Braunsberg,  Weihnachten  1906. 


H.  K. 


ß2  Koch,  Virgines  Christi. 


Einleitung. 

„Sunt  enim  inter  eos  et  feminae  et  viri,  qui  per  totam  vitam 
a  concubitu  abstinuerint"  schreibt  der  scharfblickende  heidnische 
Arzt  Galen  in  seiner  Schrift  De  sententiis  politiae  Platonicae  von 
den  Christen,  da  sie  „verecundia  quadamducti  abusu  rerumvenere- 
arurn  abhorrent".  Das  sei  eine  auch  den  Heiden  allgemein  bekannte 
Tatsache:  „id  quidem  omnes  ante  oculos  habemus".  Harnack, 
der  die  ganze,  noch  weitere  Ruhmestitel  für  die  Christen  ent- 
haltende Stelle  anführt,  urteilt  darüber1:  „Ein  unbestocheneres 
und  glänzenderes  Zeugnis  für  die  Sittlichkeit  der  Christen  kann 
kaum  gedacht  werden". 

So  hatten  also  die  ältesten  Apologeten  Recht  und  nötigten  den 
Heiden  Anerkennung  ab,  wenn  sie  zum  Erweise  der  sich  im 
Christentum  auslösenden  hohen  sittlichen  Kräfte  mit  gewissem  Stolz 
auf  die  stattliche  Anzahl  von  continentes,  JiaQ&evoi,  Enthalt- 
samen beiderlei  Geschlechtes  hinzeigten.  Es  ging  damals  ein 
stark  ascetischer  Zug  durch  die  Welt,  lebhaftes  Verlangen  nach 
Erlösung,  Reinigung,  Loslösung  aus  den  Banden  der  Sinnlichkeit. 
Erhebung  ins  Geistige  und  Transcendente,  Vereinigung  mit  dem 
Göttlichen.  Die  Anschauungen  und  Übungen  philosophischer 
Kreise  begegneten  christlichen.  Galen  erblickt  in  dem  von  ihm 
gerühmten  Verhalten  der  Christen  einen  Beweis  dafür,  daß  sie 
„nihil  cedant  vere  philosophantibus".  Die  Christen  gewöhnten 
sich  daran,  sich  und  namentlich  ihre  Asceten  und  Mönche  „Philo- 
sophen" zu  nennen2. 

So  sehr  sich  aber  heidnische  und  christliche  Bestrebungen 
in  diesem  Punkte  berührten,  so  wäre  es  doch  verfehlt,  sie  völlig 
auf  dieselbe  Linie  zu  stellen.  Wenn  zwei  dasselbe  sagen  und 
tun,  so  ist  es  doch  nicht  immer  dasselbe.  Es  kommt  auf  Sinn 
und  Gedanken  an.  Der  Geist  ist  es,  der  lebendig  macht,  der 
einer  Tat  ihren  Wert  gibt.  Nun  mögen  auch  bei  den  Christen 
im  einzelnen  Falle  Gedanken  und  Stimmungen,  Motive  und  Ab- 


1)  Mission   und    Ausbreitung    des    Christentums    in  den  ersten  drei 
Jahrhunderten.    2.  Aufl.  1906.  I,  183  f. 

2)  Vgl.  meine    Monographie    über    Ps.-Dionysius    Areopagita    1900 
S.  98  ff. 


Einleitung.  63 

sichten  verschieden  gewesen  sein  —  daß  nicht  alle  die  Jung- 
fräulichkeit aus  den  reinsten  christlichen  Beweggründen  wählten, 
hatten  die  Väter  frühzeitig  zu  beklagen  — ,  aber  die  Hoch- 
schätzung der  Virginität  als  solcher  entsprang  sicherlich  bibli- 
schen Gedanken  und  Motiven.  Die  Worte  der  Schrift  fielen  auf 
fruchtbaren  Boden  und  zeitigten  Jungfrauen,  die  „um  des  Him- 
melreiches willen"  auf  die  Ehe  verzichteten.  Die  Ehe  selbst 
blieb  dabei  als  ein  sittliches  Gut  unangetastet,  und  etwaige  Nei- 
gung, dieses  Institut  innerlich  zu  verachten,  wurde  von  Vätern 
und  Concilien  getadelt,  systematische  Entwertung  von  der  Kirche 
als  Häresie  gebrandmarkt. 

Beide  Geschlechter  entfalteten  edlen  Wetteifer,  die  Palme 
der  Jungfräulichkeit  zu  erringen.  Das  weibliche  Geschlecht  aber 
war  voran.  Das  liegt  in  der  Natur  der  Sache  und  hängt  mit  einem 
gewissen  Überschuß  an  Mädchen  —  von  einer  copia  puellarum  redet 
das  Concil  vonElvira  in  can.  15  — zusammen.  Während  die  einen, 
wie  das  eben  genannte  Concil  klagt,  Mischehen  mit  Heiden 
schlössen,  machten  andere  aus  der  Not  eine  Tugend.  Viele 
wählten  aus  reinster  Gottesliebe  die  Jungfräulichkeit,  ohne  zu- 
nächst den  Kreis  ihrer  Familie  zu  verlassen  und  in  die  Einsam- 
keit oder  in  ein  klösterliches  Haus  zu  flüchten.  Man  schätzte 
sie  als  die  lieblichsten  Blumen  im  Garten  der  Kirche,  man  freute 
sich  ihrer  sittlichen  Schönheit,  man  trauerte,  wenn  sich  eine 
dieser  Blumen  entblätterte  und  welkte. 

Eine  freiwillige  Übung  völliger  Enthaltsamkeit  gab  es  von 
allem  Anfang  an  in  der  Kirche.  Die  apokalyptische  Schilderung 
14,  1 — 5  setzt  schon  eine  stattliche  Zahl  solcher  Asceten  voraus1. 
Ob  sie  sich  aber  durch  ein  Versprechen  irgend  welcher  Art 
banden,  davon  erfahren  wir  zunächst  garnichts.  „Entweder  haben 
sie  von  vornherein  allein  zum  Aufziehen  von  Kindern  eine  Ehe 
eingegangen,  oder  unter  Verzicht  auf  die  Ehe  völlige  Enthalt- 
samkeit geübt",  sagt  Justin  in  seiner  ersten  Apologie  29,  1  (ed. 
Krüger  1891,  S.  2'{),  und  mehr  verraten  uns  auch  die  anderen 
Apologeten  des  zweiten  Jahrhunderts  nicht.  Sie  reden  nur  von 
tatsächlicher  Übung  der  Ehelosigkeit,   nicht  von  Eingehen  einer 


1)  Von  Dobschütz,  Die  urchristlichen  Gemeinden.  1902  S.  161. 
Vergl.  Zahn,  Forschungen  z.  Gesch.  d.  neutestl.  Kanons  u.  d.  altkirchl. 
Lit.  11  (1883)  183  ff. 


ß4  Koch,  Virgines  Christi. 

Verpflichtung.  Erst  im  dritten  Jahrhundert  hören  wir  auch  von 
einem  Versprechen,  einer  Selbstverpflichtung,  einem  Gelübde.  So- 
fort aber  tauchen  verschiedene  Fragen  auf.  Wo  und  wie  wurde 
ein  solches  Gelübde  abgelegt?  Vor  der  Kirche,  dem  Bischof  und 
der  Gemeinde,  dem  Bischof  allein  —  oder  nur  vor  Gott  im  stillen 
Kämmerlein?  Welcher  Art  war  die  übernommene  Verpflichtung, 
eine  kirchenrechtliche  oder  eine  sittliche?  Welches  waren  die 
Consequenzen  für  eine  nachfolgende  Ehe?  War  diese  eventuell 
doch  erlaubt,  oder  aber  schwer  oder  wenigstens  leicht  -sündhaft? 
War  sie  vielleicht  sogar  rechtlich  ungültig?  Oder  wenn  wir 
die  späteren  kirchenrechtlichen  Termini  gebrauchen  wollen:  war 
das  votum  castitatis  seiner  Bedeutung  und  Wirkung  nach  ein 
votum  simplex  oder  ein  votum  sollemne? 

Darüber  ist  nach  meiner  Überzeugung  neuerdings  manch 
Irriges  vorgetragen  worden.  Man  hat  die  Disciplin  und  den 
Rechtsstandpunkt  der  Folgezeit  vorschnell  in  alte  Berichte  hinein- 
getragen und  so  zuweit  hinaufdatiert.  Es  ist  methodologische 
Pflicht  des  Historikers,  die  spätere  Entwicklung  einer  Erscheinung 
aus  seinem  Bewußtsein  gewissermaßen  auszuschalten  und  die 
früheren  Zeugnisse  möglichst  aus  ihnen  selbst  zu  deuten.  Selbst 
wo  derselbe  Terminus  begegnet,  darf  nicht  ohne  Weiteres  der- 
selbe Sinn  angenommen  werden,  da  ja  oftmals  die  nachfolgende 
Zeit  einem  Terminus  einen  andern  Inhalt  gegeben  oder  einen 
darin  enthaltenen  keimartigen  Ansatz  erst  zu  Reife  gebracht  hat. 

Unsere  Untersuchung  will  jene  Aufstellungen,  bevor  sie  in  den 
Rang  feststehender  Tatsachen  aufrücken,  nochmals  kritisch  prüfen, 
die  in  Anspruch  genommenen  Zeugnisse  verhören  und  einige  andere 
beibringen.  Die  Beschränkung  auf  die  gottgeweihten  Jungfrauen 
rechtfertigt  sich  dadurch,  daß  gerade  sie  bei  den  ältesten  Schrift- 
stellern und  im  kirchlichen  Leben  in  den  Vordergrund  treten  — 
dabei  fallen  von  selbst  auch  Lichter  auf  die  männlichen  Asceten, 
wie  auf  Diakonissen  und  Witwen  — ,  die  Beschränkung  auf  die 
vorkonstantinische  Zeit  aber  dadurch,  daß  das  vierte  Jahrhundert 
entsprechend  der  veränderten  Stellung,  die  der  Kirche  im  öffent- 
lichen Leben  zugewiesen  wurde,  wie  für  andere  disciplinäre 
Fragen,  so  auch  für  die  Behandlung  der  gottgeweihten  Jung- 
frauen einen  großen  Wendepunkt  bedeutet,  wenn  er  sich  auch 
nicht  sofort  in  vollem  Umfang  äußert. 


I.  Tertullian.  65 

A.  Die  abendländische  Kirche. 

I.   Tertullian. 

Schiwietz  nennt  Tertullian  „den  ersten  Schriftsteller, 
welcher  gelegentlich  berichtet,  daß  zu  seiner  Zeit  die  Jungfrauen 
da9  Gelübde  öffentlich  in  der  Kirche  vor  der  versammelten  Ge- 
meinde ablegten"1.  Es  steht  ihm  darnach  fest,  daß  schon  Ter- 
tullian beide  Arten  von  Gelübden,  öffentliche  und  private,  kenne 
und  nach  seiner  Privatansicht  letzteren  den  Vorzug  gebe,  da  die 
Jungfrauen  sich  damit  begnügen  sollten,  sich  und  Gott  bekannt 
zu  sein2.  Schiwietz  schließt  sich  hierin  dem  hochverdienten  Kata- 
kombenforscher Wilpert  an,  der  ebenfalls  die  Ansicht  geäußert 
hat,  daß  „schon  zu  Tertullians  Zeiten  die  Jungfrauen  das  Ge- 
lübde öffentlich  in  der  Kirche  vor  der  versammelten  Gemeinde 
ablegten",  und  nach  dem  Axiom  „Minus  in  majori  continetur" 
in  der  Existenz  der  öffentlichen  Gelübde  die  geheimen  voraus- 
gesetzt findet.  Auch  er  läßt  mit  Berufung  auf  dieselbe  Stelle 
(de  virg.  vel.  c.  15:  virgo  sanctior  gaudebit  sibi  et  soli  Deo  nota) 
Tertullian  die  geheimen  Gelübde  den  öffentlichen  vorziehen3. 
Diese  Anschauung  hat  Wilpert  jüngst  in  seinem  Monumental- 
werk über  „Die  Malereien  der  Katakomben"  1903  wiederholt, 
wobei  er  zugleich  bei  Tertullian  getadelt  findet,  daß  die  Ge- 
lübdeablegung  in  einigen  Gegenden  ohne  Übergabe  des  Schleiers 
vorgenommen  werde4. 

Nach  Kolberg  wurde  das  Gelübde  einer  Jungfrau  „in  der 
Kirche  vom  Bischöfe  der  versammelten  Gemeinde  kundsfecfeben"5 
also  zwar  nicht  von  der  Jungfrau  öffentlich  abgelegt,  aber 
durch  den  Bischof  publiciert.  Übrigens  redet  schon  Bingham 
von    öffentlicher    Gelübdeablegung6,    und   Mamachi   von  Couse- 

1)  Das  morgenländische  Mönchtum  I  (1904)  S.  19. 

2)  De  virg.  vel.  c.  15  (Schiwietz  S.  21). 

3)  Die  gottgeweihten  Jungfrauen  in  den  ersten  Jahrhunderten  der 
Kirche  1892  S.  8  f. 

4)  Textband  S.  204. 

5)  Verfassung,  Kultus  und  Disziplin  der  christlichen  Kirche  nach  den 
Schriften  Tertullians  1886  S.  47. 

6)  Orig.  s.  antiquit.  eccl.  III  (Magdeburg  1754)  96:  virgines  publice 
et  manifesto  virginitatem  professas. 

Texte  n.  Untersuchungen  etc.    81,  2  ."> 


66  Koch,  Virgines  Christi. 

cration  der  Jungfrauen  durch  den  Bischof  im  dritten  Jahr- 
hundert.' 

Sieht  man  nach  der  Begründung,  so  wird,  abgesehen  von 
der  schon  genannten,  erst  in  zweiter  Linie  herangezogenen  und 
nach  der  andern  gedeuteten  Stelle  immer  nur  de  virg.  vel.  c.  14 
ins  Feld  geführt.  Freilich  haben  Probst2  und  Peters3  in  der 
Gegenüberstellung  der  „virgines  hominum"  und  ..virgines  Dei"  (de 
virg.  vel.  c.  3)  die  Unterscheidung  solcher,  die  geheime,  von 
denen,  die  öffentliche  Gelübde  abgelegt  hätten,  gesehen.  Allein 
daß  diese  Annahme  auf  einer  völligen  Verkennung  der  bittern 
tertullianischen  Sprache  beruht,  haben  schon  Wilpert  (Die  gott- 
geweihten Jungfr.  S.  20f.)  und  Schiwietz  (S.  24j  betont.  Die 
„virgines  Dei,  virgines  bonae,  virgines  sanctae"  sind  die  Ver- 
schleierten, die  „virgines  hominum,  virgines  malae,  capita  nun- 
dinaticia"  die  Unverschleierten. 

So  bleibt  also  nur  jene  einzige  Stelle  in  cap.  14:  Prolatae 
enim  in  medium  et  publicato  bono  suo  elatae  et  a  fratribus  omni 
honore  et  caritatis  operatione  cumulatae.  Hier  ist  aber  von  öffent- 
lichen Gelübden  sowenig  die  Rede  als  in  cap.  3  und  15.  wie 
folgende  Darlegung  beweisen  soll. 

In  der  Schrift  De  virginibus  velandis  sucht  der  zwar  noch  in 
Kirchengemeinschaft  stehende,  aber  bereits  der  montanistischen 
Partei  angehörende  Tertullian  den  Satz  zu  beweisen:  alle  Jung- 
frauen, die  gottgeweihten  und  die  andern,  müssen  nach  dem 
Willen  Gottes  immer  und  überall  verschleiert  sein.  Schon  de  orat. 
c.  20 — 22  hat  Tertullian  seine  Ansicht  auseinandergesetzt,  in  ähn- 
lichem Sinne,  aber  ohne  Schärfe  und  Leidenschaftlichkeit,  in  ruhiger 
Erörterung,  die  auch  einer  abweichenden  Auffassung  Rechnung 
trägt.  Inzwischen  war  aber  „aus  der  Schleierfrage  ein  Schleier- 
streit geworden"4.  Tertullian  war  mit  glühender  Seele  dabei. 
Schleier  oder  Schleierlosigkeit,  Verhüllen  oder  Zeigen  des  jung- 
fräulichen Standes  waren  die  Schlagworte.  Tertullian  verlangt 
den  Schleier  nicht  bloß  für  die  freiwilligen,    sondern    für  sämt- 


1 1  Orig.  et  antiquit.  IV  (Rom  1752)  533.  Die  in  der  Anmerkung  aus- 
gesprochene Absicht,  später  ausführlicher  von  den  Jungfrauen  zu  handeln, 
blieb  unerfüllt. 

2)  Die  kirchliche  Disciplin  in  den  ersten  drei  Jahrhunderten  1873  3.1    3, 

3)  In  Kraus'  Real-Encyklopädie  II  81. 

4)  Bardenhewer,  Gesch.  der  altkirchlichen  Literatur  II,  373. 


I.  Tertullian.  1,7 

liehe  Jungfrauen;  sobald  die  Mädchen  das  Kindesalter  über- 
schritten haben  und  ihres  Geschlechtes  sich  bewußt  geworden 
sind  (c.  1 1 ),  sollen  sie  sich  verhüllen.  Der  Vorsatz  der  Jungfräu- 
lichkeit bedingt  nicht  erst  diese  Pflicht,  sondern  bestätigt  nur 
die  vorher  schon  vorhandene.  Von  einer  Unterscheidung  zwischen 
öffentlichen  und  privaten  Gelübden  findet  sich  in  der  ganzen 
Streitschrift  keine  Spur  und  auch  in  c.  14  ist  sie  nicht  enthalten, 
sondern  willkürlich  eingetragen. 

Tertullian  begegnet  in  diesem  Capitel  dem  gegen  die  Ver- 
schleierung gemachten  Einwand:  et  quomodo  ceteras  sollicita- 
bimus  ad  huiusmodi  opus?  d.  h.:  wenn  die  Jungfrauen  wie  die 
Frauen  verschleiert  sein  müssen,  also  keine  Auszeichnung  vor 
den  Verheirateten  haben1,  so  fällt  ein  mächtiger  Ansporn,  das 
jungfräuliche  Leben  zu  wählen,  weg. 

Er  entgegnet:  Nicht  die  Zahl  der  Jungfrauen  macht  unser 
Glück  aus,  sondern  daß  sie  durch  die  Gnade  Gottes  die  Jung- 
fräulichkeit bewahren.  Nicht  die  Kirche  bedarf  der  Jungfrauen, 
sondern  diese  bedürfen  der  Kirche,  um  für  Gott  geschmückt  und 
empfohlen  zu  werden.  Mit  jenem  Einwand,  fährt  er  fort,  ist  zu- 
gestanden, daß  Ruhmsucht  im  Spiel  ist.  Porro  ubi  gloria,  illic 
sollicitatio ;  ubi  sollicitatio,  illic  coactio,  ubi  coactio,  illic  neces- 
sitas;  ubi  necessitas,  illic  infirmitas.  Da  braucht  man,  sagt  er 
in  seinem  realistischen  Sarkasmus  weiter,  sich  nicht  zu  wundern, 
wenn  die,  die  aus  Ruhmsucht  das  Haupt  nicht  bedecken,  nachher 
—  ventres  tegere  coguntur  infirmitatis  ruina.  Bei  ihnen  ist  eben 
Ehrgeiz  und  nicht  Religion  Motiv.  Manchmal  ist  sogar  ihr  Gott 
ihr  Bauch,  weil  die  Brüderschaft  gerne  Jungfrauen  aufnimmt. 
Sie  kommen  aber  nicht  bloß  zu  Fall,  sondern  laden  sogar  eine 
Kette  von  Verbrechen  auf  sich.  Prolatae  enim  in  medium 
et  publicato  bono  suo  elatae  et  a  fratribus  omni  honore  et 
caritatis  operatione  cumulatae,  dum  non  latent,  ubi  quid  admissum 
est,  tautum  dedecoris  cogitant.  quantum  honoris  habuerunt. 

I  »as  ist  also  die  Stelle,  die  eine  öffentliche  Gelübdeable^uim 
beweisen  soll!  In  Wirklichkeit  aber  bezeichnet  das  prolatae  etc. 
nicht  den  Zeitpunkt  der  Gelübdeablegung,   sondern  bezieht  sich 


1)  Daß  der  Schleier  der  Jungfrauen  sich  von  dem  der  Frauen  in 
keiner  Weise  unterschied,  j_r < •  1 1 1  aus  der  ganzen  Argumentation  Tertullians, 
besonders  aber  aus  c.  l'i  (vgl.  de  orat.  c.  22)  anzweideutig  bei 


ßg  Koch,  Virgines  Christi. 

auf  Mädchen,  die  bereits  zum  jungfräulichen  Leben,  sei  es  durch 
ernstlichen  Entschluß,  sei  es  durch  eigentliches  Gelübde,  ver- 
pflichtet sind,  also  auf  die  Zeit  nach  der  Gelübdeablegung.  Die 
Stelle  will  besagen:  Jungfrauen  nämlich,  die  —  durch  Nicht- 
tragen  des  Schleiers!  —  als  solche  allgemein  bekannt  und  durch 
Veröffentlichung  ihres  Vorzuges  stolz  und  von  den  Brüdern  mit 
allen  Ehren  und  Liebeserweisen  überhäuft  wurden,  verfallen, 
wenn  dann  etwas  passiert  ist,  da  sie  —  bei  der  Nichtverschleie- 
rung!  —  nicht  verborgen  bleiben  können,  in  ihren  Gedanken 
auf  ebensoviel  Schmach,  als  sie  vorher  Ehre  hatten.1 

Daß  dies  die  allein  richtige  Deutung  ist,  beweist  ebenso 
das  Vorausgehende  als  der  Fortgang  der  Argumentation  Ter- 
tullians,  der  unmittelbar  fortfährt:  Wenn  nämlich  unbedecktes 
Haupt  der  Jungfräulichkeit  zuerkannt  wird,  so  bleibt,  wenn  eine 
Jungfrau  aus  der  Gnade  der  Jungfräulichheit  herausfällt,  sie 
unbedeckten  Hauptes,  um  sich  nicht  zu  verraten  und  dann  wan- 
delt sie  in  einem  ihr  nicht  mehr  zukommenden  Aufzug  und 
wagt  es  unbedeckten  Hauptes  vor  Gott  hinzutreten,  obwohl  sie 
ihre  ganze  Weiblichkeit  so  unzweifelhaft  an  sich  erfahren.  Aber 
Gott  bringt  es  an  den  Tag,  und  wenn  sie  es  nicht  gestehen 
wollen,  bis  sie  verraten  werden  durch  —  Kinderwimmern. 
Manche  gehen  aber  noch  weiter  und  suchen  durch  noch  mehr 
Verbrechen  ihre  Mutterschaft  zu  verheimlichen.  Haec  admittit 
flagitia  coaeta  et  invita  virginitas;  „erzwungen"  aber'  wird  die 
Jungfräulichheit,  wie  er  in  seinem  Sorites  im  Eingang  des  Ka- 
pitels deduciert  hat,  durch  die  Entschleierung.  Worin  die  Ehren- 
bezeugungen und  Liebeserweise  einer  bekannt  gewordenen  Jung- 
frau gegenüber  bestehen,  sagt  er  am  Schluß  des  Capitels:  Quantum 
velis,  bona  mente  conetur,  necesse  est  publicatione  sui  pericli- 
tetur.    dum  percutitur  oculis  incertis   et  multis,  dum  digitis  de- 


1)  Wie  ich  nachträglich  sehe,  erhebt  auch  Rauschen  (Theol.  Revue 
1904,  293 f.)  gegen  die  Erklärung,  die  Wilpert  von  Tert.  de  virg.  vel. 
c.  14—15  gibt,  Widerspruch.  „In  Wahrheit  sagt  Tertullian  nur,  daß  die 
Jungfrauen,  die  sich  Gott  geweiht  hatten,  öffentlich  bekannt  waren  und 
von  den  Gläubigen  geehrt  wurden".  Ich  freue  mich  über  diesen  Einklang 
mit  dem  Bonner  Patrologen.  Es  ist  nur  beizufügen,  daß  Tertullian  die 
Schuld  an  dem  Bekanntwerden  und  seinen  Folgen  der  verdammten 
Schleierlos  igkeit  zuschreibt. 


T.  Tertullian.  69 

monstrantium  titillatur,  dum  nimium  amatur,  dura  inter  amplexus 
et  oscula  assidua  concalescit. 

Zur  Beleuchtung  des  Gedankengangs  im  14.  Capitel  spien 
noch  einige  Parallelen  angeführt.  Cap.  10  erklärt  er  es  in  ironi- 
scher Detailmalerei  für  inhuman,  „si  feminae  quidem  per  omnia 
viris  subditae  honorigeram  notam  virginitatis  suae  praeferant 
(nämlich  die  Nichtverschleierung),  qua  suspiciantur  et  circum- 
spiciantur  et  magnificentur  a  fratribus"  (cfr.  a  fratribus  omni  ho- 
nore  et  caritatis  operatione  cumulatae  in  cap.  14),  während  soviele 
freiwillig  ehelose  Männer  „caeco  bono  suo  incedant,  nihil  gestautes, 
quod  et  ipsos  faceret  illustres"1.  Das  „caeco  bono  suo"  ist  das 
Gegenteil  von  „publicato  bono  suo"  in  cap.  14.  Dieses  geschieht 
durch  Entschleierung  der  Jungfrau;  um  jenem  bei  den  männ- 
lichen Asceten  abzuhelfen,  empfiehlt  der  Spötter  Federn  der 
Garamanten  oder  Haarschöpfe  der  Barbaren  oder  Cicaden  der 
Athener  oder  Haarlocken  der  Germanen  oder  Tätowierung  wie 
bei  den  Briten  oder  —  ex  diverso  fiat,  capite  velati  in  ecclesia 
lateant!  Jedenfalls,  glaubt  er,  hätte  der  jungfäuliche  Mann,  ab- 
gesehen vom  Vorzug  des  Geschlechtes,  schon  deshalb  eher  als 
die  Jungfrau  Anspruch  auf  eine  Auszeichnung,  weil  der  Ge- 
schlechtstrieb beim  Manne  stärker  sei. 

In  cap.  13  wird  den  Jungfrauen  das  Dilemma  gestellt:  wenn 
ohne  Schleier,  dann  nicht  bloß  in  der  Kirche,  sondern  auch  in 
der  Öffentlichkeit  vor  den  Heiden;  wenn  mit  Schleier,  dann 
nicht  bloß  auf  der  Straße,  sondern  auch  beim  Gottesdienst.  Das 
sei  dann  wenigstens  consequent.  Quo  ergo  foris  quidem  bonum 
suum  abstrudunt,  in  ecclesia  vero  provulgant?  Das  ,.provulgare" 
geschieht  wieder  durch  Entschleierung,  das  „abstrudere"  durch 
Verschleierung,  nicht  durch  öffentliche  oder  geheime  Gelübde 
Durch  den  Schleier  verbergen  sie  ihren  Vor/.ug,  ihre  Jungfräu- 
lichkeit, da  man  sie  dann  für  Frauen  hält,  durch  Schleierlosig- 
keit  aber  verraten  sie  ihren  Stand. 

In  cap.  3  wettert  der  Afrikaner  gegen  das  Ärgernis,  das  die 
unverschleierten  Jungfrauen  nach  ihrer  Aussage  am  Schleier  der 


1)  Schiwietz  hat  die  in  Tertullians  Worten  liegende  Ironie  völlig 
verkannt,  wenn  er  S.  25  schreibt:  „Tertullian  hält  es  ihnen  (den  männ- 
lichen Asceten)  als  einen  Mangel  vor,  daß  sie  es  noch  nicht,  wie  die  Jung- 
frauen, zu  einer  besonderen,  ihren  Stand  kennzeichnenden  Kleidung  ge- 
bracht hätten". 


70  Koch,  Virgines  Christi. 

andern  nehmen.  Die*  Verschleierten,  hält  er  dem  entgegen, 
hätten  eher  Grund,  sich  an  der  Frechheit  oder  Schamlosigkeit 
einer  zur  Schau  getragenen  Jungfrauschaft  zu  ärgern.  Propter 
ejus  modi  igitur  capita  nundinaticia  trahantur  virgines  sanctae 
in  ecclesiam,  erubescentes,  quod  cognoscantur  in  medio  (=  pro- 
latae  in  medium  cap.  14),  paventes,  quod  detegantur  arcessitae 
quasi  ad  stuprum  ...  Omnis  publicatio  virginis  bonae  stupri  passio 
est  (=  publicato  bono  suo1,  und  publicatione  sui  in  cap.  14,  cfr. 
cap.  13:  quo  ergo  foris  quidem  bonum  suum  abstrudunt,  in 
ecclesia  vero  provulgant?)  Ja,  steigert  er,  das  ist  noch  schlimmer 
als  eine  körperliche  Schändung,  weil  hier  der  Geist  selber  ver- 
letzt wird  —  sublato  velamine.  So  ist  immer  nur  die  Rede  von 
der  Entschleierung  der  Jungfrau.  0  sacrilegae  manus,  quae  di- 
catum  Deo  habitum  detrahere  potuerunt!  .  .  .  Denudasti  puellam 
a  capite,  et  tota  jam  virgo  sibi  non  est,  alia  est  facta. 

Auch  in  cap.  15,  wo  er  sagt,  daß  eine  „virgo  sanctior"  sich 
freue,  „sibi  soli  et  Deo  nota",  hat  Tertullian  lediglich  die  Ver- 
schleierung im  Auge,  nicht  geheime  Gelübde  im  Unterschied  von 
öffentlichen,  wie  Wilpert  und  Schiwietz  meinen.  Nicht  einmal 
von  Frauen  hat  er  Eingangs  gesagt,  will  eine  rechte  Jungfrau 
gesehen  werden,  darum  „confugit  ad  velamen  capitis  quasi  ad 
galeam,  quasi  ad  clypeum,  qui  bonum  suum  protegat  adversus 
ictus  tentationum"  etc.  Und  in  jenem  Satz  heißt  es  unmittelbar 
weiter:  wenn  sie  aber  doch  jemanden  kenntlich  wurde,  so  hat 
sie  doch  wenigstens  allen  Versuchungen  vorgebeugt  sc.  durch  den 
Schleier.  Quis  enim  audebit  oculis  suis  premere  faciem  clausam? 
Vergl.  damit  cap.  2:  utique  ea  deligenda  (sc.  consuetudo),  quae  vir- 
gines includit  (=  verhüllt),  soli  Deo  notas,  quibus  .  .  .  etiam 
ipsum  bonum  suum  erubescendum  est. 

Darnach  kann  kein  Zweifel  sein,  daß  Tertullian  an  besagten 
Stellen  nicht  den  Unterschied  von  öffentlichen  und  geheimen  Ge- 
lübden im  Auge  hat.  Der  Beweis  für  einen  so  klaren  Sachver- 
halt dürfte  sogar  etwas  zu  umständlich  und  ausführlich  erscheinen. 
Allein  die  Erfahrung  lehrt,  wie  tief  ein  Irrtum  sitzt  und  wie 
schwer  er  sich  corrigieren  läßt,  wenn  er  einmal  in  mehrere  Dar- 

1)  In  der  Ztschr.  f.  kath.  Theol.  18S9  S.  305  führt  Wilpert  diesen 
Ausdruck,  den  doch  Tertullian  im  strengsten  Tadel,  zur  Branduiarkung 
gebraucht,  einfach  unter  den  für  Gelübdeablegung  üblichen  auf! 


I.  Tertullian.  71 

Stellungen  gedrungen  ist.  Da  sonst  keine  Stelle  beigebracht  werden 
kann,  muß  man  aufhören,  Tertullian  als  Zeugen  für  öffentliche 
Gelübdeablegung  vor  versammelter  Gemeinde  oder  Publicierung 
der  Gelübde  durch  den  Bischof  anzurufen.  Um  die  Gelübde  bei 
Tertullian  überhaupt  stände  es  ganz  schlimm,  wenn  sie  nur  auf 
den  Stellen  de  virg.  vel.  c.  14  und  15  und  dem  Axiom  „minus 
in  majori  continetur"  beruhten.  Indes  führen  Wilpert  sowohl 
(S.  7)  als  Schiwietz  (S.  18)  und  Kolberg  (S.  47)  eine  Anzahl 
solcher  tertulliauischer  Ausdrücke  und  Wendungen  an,  aus  denen 
auf  Ablegung  eines  (lebenslänglichen  und  unwiderruflichen)  Keusch- 
heitsgelübdes geschlossen  wird. 

Sie  läßt  sich  noch  vermehren,  wie  folgende  Zusammenstellung 
zeigen  mag.  De  orat.  c.  22:  aliqua  se  Deo  vovit  —  nupsisti  enim 
Christo,  Uli  carnem  tuam  tradidisti,  age  pro  mariti  tui  disciplina 
Si  nuptas  alienas  velari  jubet,  suas  utique  multo  magis.  De  virg. 
vel.  c.  16:  nupsisti  enim  Christo,  illi  tradidisti  carnem  tuam,  illi 
sponsasti  maturitatem  tuam.incede  secundumsponsi  tui  voluntatem. 
Christus  est,  qui  et  alienas  sponsas  et  maritatas  velari  jubet, 
utique  multo  magis  suas.  De  resurrect.  carn.  c.61:  virgines  Christo 
maritatae.  De  virg.  vel.  c.  3:  Christi  solius  ancillae,  c.  9:  si  qua 
virgo  est  et  carnem  suarn  sanctificare  proposuit,  c.  11:  ipsum 
continentiae  votum,  c.  13:  cum  tantam  oblationem  Deo  offerimus 
ipsius  corporis  et  ipsius  Spiritus  nostri,  cum  illi  ipsam  naturam 
consecramus.  Diese  Stellen  scheinen  allerdings  auf  den  ersten 
Blick  mit  der  Wucht  von  Urkunden  die  Ablegung  eines  lebens- 
länglichen und  unwiderruflichen  Keuschheitsgelübdes  darzutun. 
Eine  nähere  Erwägung  der  Umstände  dürfte  aber  Vorsicht  und 
Zurückhaltung  empfehlen. 

Sehen  wir  zunächst  von  De  orat.  c.  22  ab,  so  finden  sich 
sämtliche  Stellen  in  der  Schrift  De  virginibus  velandis.  In  dieser 
Schrift  macht  aber  Tertullian  keinen  Unterschied  zwischen  frei- 
williger und  unfreiwilliger  Jungfäulichkeit:  von  allen  Jungfrauen 
fordert  er  Verschleierung,  alle  setzt  er  in  seinen  Wendungen  zu 
Gott  bezw.  Christus  iu  dasselbe  Verhältnis. 

Gleich  Eingangs  cap.  1  fixiert  er  als  zu  beweisendes  Thema 
den  Satz:  virgines  nostras  velari  oportere,  ex  quo  transitum  aetatis 
suae  fecerint,  die  Jungfrauen  müssen  mit  dem  Zeitpunkt;  da  sie 
aus  der  Kindheit  heraustreten,  verschleiert  werden.  Ein  etwaiges 
Gelübde  dauernder  Jungfräulichkeit  spielt  dabei  gar  keine  Holle. 


72  Koch,  Virgines  Christi. 

In  cap.  3  sind  die  „tanto  magis  liberae,  quanto  Christi  solius 
ancillae"  lediglich  die  schleiertragenden  Jungfrauen  im  Unter- 
schied von  den  unverschleierten;  den  Schleier  nennt  er  „dicatum 
Deo  habitum"  ohne  Rücksicht  auf  die  Veranlassung  der  Jung- 
fräulichkeit im  einzelnen  Fall.  Von  cap.  4 — 8  incl.  führt  er  dann 
den  Natur-  und  Schriftbeweis  dafür,  daß  zu  den  „mulieres",  denen 
der  Apostel  1  Kor.  11,  5ff  die  Verhüllung  vorschreibt,  auch  die 
„virgines"  gehören,  cap.  9  zeigt  er,  daß  ebenso  von  der  kirchlichen 
Disciplin  zu  den  mulieres  immer  auch  die  virgines  gerechnet 
werden.  Was  dem  „Weibe"  verboten  ist,  wie  lehren,  taufen, 
opfern  usw.,  ist  auch  der  „Jungfrau"  nicht  erlaubt.  Warum  soll 
der  Schleier  allein  eine  Ausnahme  machen?  Quid  praerogativae 
meretur  adversus  condicionem  suam,  si  qua  virgo  est  et  carnem 
suam  sanctificare  proposuit?  Diese  Worte  müssen  nicht  gerade 
ein  besonderes  Gelübde  bezeichnen,  sie  können  auch  die  allen 
Jungfrauen  von  selber  obliegende  Pflicht,  den  ihnen  durch  das 
Sittengesetz  befohlenen  Vorsatz,  ihren  Leib  heilig  zu  halten, 
ausdrücken.  „Adversus  condicionem  suam"  erinnert  an  die  „con- 
dicionis  communionem"  in  cap.  4.  Der  Gedanke  ist:  das  „Weib" 
muß  verschleiert  sein,  wenn  es  auch  als  Jungfrau  keinem  Manne 
angehört,  sondern  seinen  Leib  heilig  zu  halten  entschlossen  ist. 
Nachdem  er  dann  cap.  10  darauf  hingewiesen,  daß  die  ehelosen 
Männer  ja  auch  keine  besondere  Auszeichnung  trügen,  tritt  er 
mit  cap.  1 1  geradezu  den  physiologischen  Beweis  für  seine  These 
an,  indem  er  dem  Einwand  begegnet,  ob  nicht  bei  seinem  Stand- 
punkte das  weibliche  Geschlecht  von  Geburt  an  Schleier  tragen 
müßte.  Die  Schleierpfiicht,  sagt  er,  beginnt  für  das  Mädchen  „ex 
quo  se  intellegere  coeperit  et  sensum  naturae  suae  intrare  et  de 
virginis  exire  et  pati  novum  illud  quod  alterius  aetatis  est"  l,  d.  h. 
mit  der  Zeit  der  Pubertät.  Damit  hört  es  streng  genommen 
schon  auf  Jungfrau  zu  sein,  die  im  Verborgenen  wirkenden 
Eltern,    nämlich  natura  und  tempus,  haben   ihre  Tochter  bereits 


1)  Unter  letzteren  Worten  versteht  Oehler  I,  898 f.  irrigerweise 
viri  congressus,  nuptias  pati,  während  nach  Tertullians  Ausführungen  un- 
zweifelhaft die  Catamenien  gemeint  sind,  vgl.  nachher:  post  contestatam 
sanguine  ruaturitateni  .  .  .  hunc  indicem;  aetatem  sua  spatia  currentem 
suaque  debita  maturitati  luentem;  menses  tributa  dependunt;  muliebria 
pati.  Er  bekämpft  geradezu  die  Anschauung,  daß  erst  „congressio  viri 
mulierem  facit". 


I.  Tertullian.  73 

vermählt1,  sodaß  die  wirkliche  Vermählung  eigentlich  schon  die 
zweite  ist. 

In  diesem  Zusammenhang  nennt  Tertullian  zwei,  eine  Ver- 
ehelichung hindernde  Ursachen,  nämlich  „parentum  procrastinatio 
exangustiis  vel  scrupulositatedescendens"'  und  „ipsum  continentiae 
votum".  Aber  selbst  hier  hegt  kein  zwingender  Grund  vor,  ein 
eigentliches  Gelübde  zu  erblicken,  es  genügt  der  Wunsch  und 
feste  Wille,  der  ernstliche  Vorsatz.  Der  Afrikaner  liebt  ja  starke, 
übertreibende  Ausdrücke.  Er  will  vielleicht  nur  sagen:  mögen 
Armut  oder  Bedenken  der  Eltern  eine  Verehelichuug  hinaus- 
schieben, oder  aber  der  förmliche  Entschluß  der  Enthaltsamkeit 
sie  ausschließen,  vermählt  ist  die  Jungfrau  doch,  sie  hört  auf 
virgo  zu  sein,  sobald  sie  als  matura  kenntlich  geworden. 

Diese  Ausführungen  Tertullians  entsprechen  seinen  früheren 
De  orat.  c.  21  und  22.  Nimmt  er  hier  auch  auf  abweichende 
Anschauung  und  Gewohnheit  noch  Rücksicht,  seine  Argumente 
sind  doch  schon  dieselben  und  treiben  in  ihren  Consequenzen 
zu  seiner  späteren  stricten  Forderung  der  Verschleierung  sämt- 
licher Jungfrauen.  Schon  hier  sagt  er  c.  22:  keine  ist  mehr 
Jungfrau  von  dem  Augenblicke  an,  wo  sie,  geschlechtsreif  ge- 
worden, heiraten  kann.  Dann  heißt  es  gleich  weiter:  Sed  aliqua 
se  Deo  vovit.  Eine  hat  sich  Gott  versprochen  (geweiht)  und 
ändert  vun  da  an  ihre  Haartracht  und  ihre  Kleidung  in  die  der 
Frauen-.  Gut,  so  soll  sie  coDsequent  sein  und  auch  in  der 
Kirche,  im  Gebete  vor  Gott  verschleiert  erscheinen,  sie  soll  in 
der  Kirche  ebenso  züchtig  sein  als  in  der  Öffentlichkeit.  Sie 
soll  ruhig  die  Vermählte  spielen,  es  ist  keine  Lüge:  nupsisti 
enim  Christo,  illi  carnem  tuam  tradidisti,  age  pro  mariti  tui 
disciplina;  si  nuptas  alienas  velari  jubet,  suas  utique  multo 
magis.  Diese  Ausdrücke  klingen  nun  allerdings  ziemlich  bestimmt 
und  ent  chieden,  und  doch  muß  man  sich  hüten,  voreilige 
Schlüsse  daraus  zu  ziehen. 


1)  Vgl.  de  orat.  c.  22:  nulla  virgo  est  ex  quo  potest  nubere,  quoniam 
aetas  jam  in  ea  nupsit  suo  viro  id  est  tempori. 

_'  De  vir;,',  vel  c.  12  sagt  er  von  den  Mädchen  allgemein,  daß  sie, 
sobald  das  Weib  in  ihnen  erwacht,  sofort  auch  wenigstens  Haartracht  und 
Toilettenkiinste  der  Frauen  nachahmten,  also  mit  dem  Kopfe  begännen, 
das  erste  Jugendalter  abzulegen.  So  sollten  sie  denn  auch  vollends  den 
Schleier  dazu  nehmen. 


74  Koch,  Virgines  Christi. 

In  c.  16  der  Schrift  de  virg.  vel.  wendet  er  sich  nämlich  in 
direkter  Anrede  an  sämtliche  Jungfrauen,  ohne  zwischen  frei- 
willigen oder  unfreiwilligen  zu  unterscheiden:  „Ich  bitte  dich, 
Mutter  oder  Schwester  oder  Tochter,  Jungfrau  (die  Namen  be- 
ziehen sich  auf  das  Lebensalter),  verhülle  das  Haupt,  nimm  die 
volle  Tracht  der  Frau,  um  den  Stand  der  Jungfrau  zu  bewahren, 
du  lügst  nicht  einmal,  wenn  du  die  Vermählte  spielst.  Nupsisti 
enim  Christo,  illi  tradidisti  carnem  tuam,  illi  sponsasti  maturi- 
tatem  tuam.  Incede  secundum  sponsi  tui  voluntatem.  Christus 
est  qui  et  alienas  sponsas  et  maritatas  velari  jubet,  utique  multo 
magis  suas".  Hier  erscheint  jede  Nichtverheiratete  als  Vermählte 
Christi.  Dabei  muß  freilich  wieder  die  Übertreibungs-  und 
Generalisierungssucht  des  Rigoristen  berücksichtigt  werden.  Aber 
auch  in  De  exhortatione  castitatis,  einer  um  die  gleiche  Zeit  ver- 
faßten Schrift,  heißt  es  c.  13:  quanti  igitur  et  quantae  in  eccle- 
siasticis  ordiuibus  de  continentia  censentur,  qui  deo  nubere  malu- 
erunt,  ohne  daß  notwendig  ein  Gelübde  vorausgesetzt  wäre. 
Ebenso  ist  De  monogam,  c.  13  von  den  „in  viduitate  inventae  et 
professae  eam"  l,  Ad  uxor.  I,  4,  von  Witwen,  die  „deo  malunt 
nubere" ,  I,  6  von  solchen,  die  sogleich  nach  der  Taufe  „carnem 
suam  obsignant"  die  Rede,  ohne  daß  man  gerade  an  ein  Gelübde 
denken  müßte. 

De  virg.  vel.  c.  13  fährt  Tertullian  mit  seinen  Beweisen  für 
die  Verschleierung  weiter:  Wenn  wir  schon  unsere  sonstigen 
guten  Werke  nicht  ausposaunen  dürfen,  wenn  beim  Almosen- 
geben die  Linke  nicht  wissen  soll,  was  die  Rechte  tut,  welches 
Dunkel  müssen  wir  erst  darüber  ausbreiten,  cum  tantam  obla- 
tionem  Deo  offerimus  ipsius  corporis  et  ipsius  spiritus  nostri, 
cum  illi  ipsam  naturam  consecramus?  Damit  muß  nicht  not- 
wendig ein  einzelner  Akt,  eine  Gelübdeablegung  ausgedrückt  sein, 
sondern  das  jungfräuliche  Leben  selbst  kann  als  fortgesetztes  Opfer 
erscheinen,  das  beständig  durch  Schleiertragen  vor  den  Blicken 
der  Menschen  verborgen  werden  muß. 


1)  Gewöhnlich  wird  freilich  auch  den  Witwen  dieser  christlichen 
Frühzeit,  den  dem  Stand  des  Yidunts  Angehörigen,  ein  Keuschheitsge- 
lübde zugeschrieben  (Krieg  in  Kraus'  R.  E.  II,  950).  Für  Weckesser, 
Archiv  f.  kath.  KR.  1897,  85)  „ergibt  sich  das  klar  aus  den  Worten  des 
hl.  Paulus  an  Timotheus"  (I  Tim.  5,  11),  ebenso  für  W  an  ding  er  in 
Kraus'  R.  E.  I,  595. 


I.  Tertullian.  75 

Hat  er  in  c.  16  sämtliche  Jungfrauen  als  Bräute  Christi 
angeredet,  so  richtet  er  zum  Schluß  in  c.  17  noch  eine  Mahnung 
an  die  Frauen:  sed  et  vos  admonemus,  alterius  pudicitiae  mulieres, 
quae  in  nuptias  incidistis.  Wieder  echt  tertullianisch.  Zwar 
läßt  er  die  Ehe  als  eine  andere  Form  der  pudicitia  gelten,  aber 
ein  „Hereinfall"  ist  sie  ihm  doch,  ein  Abfall  vom  jungfräulichen 
Stand,  wobei  wieder  kein  Unterschied  gemacht  wird,  ob  dieser 
vorher  durch  freiwilligen  Entschluß  oder  nur  durch  Mangel  an 
Heiratsgelegenheit  veranlaßt  war.  Die  Jungfrau  ist  Vermählte 
Christi,  die  Heiratende  „fällt"  in  die  Ehe  und  wählt  eine  andere 
Form  der  pudicitia. 

Soviel  ist  sicher,  daß  Tertullian  keine  liturgische  Schleier- 
übergabe, keine  öffentliche  Gelübdeablegung,  keine  Unterschei- 
dung von  öffentlichen  und  geheimen  Gelübden  kennt.  Legen 
die  Jungfrauen  überhaupt  ein  Gelübde  ab,  so  jedenfalls  nur 
privatim.  Die  Kirche  hat  nichts  damit  zu  tun.  Die  Existenz 
solcher  privater  Keuschheitsgelübde  bei  Tertullian  möchte  ich 
nicht  geradezu  in  Abrede  stellen,  vielmehr  sie  sogar  für  sehr 
wahrscheinlich  halten,  aber  dabei  doch  zu  bedenken  geben,  daß 
seine  Sprache  sie  nicht  gerade  über  allen  Zweifel  erhebt,  sondern 
immer  noch  Raum  für  eine  andere  Erklärung  läßt.  Für  die 
moralische  Unabänderlichkeit  eines  Gelöbnisses  oder  gar  für  eine 
Rechtsverbindlichkeit,  kraft  der  eine  nachfolgende  Ehe  ungültig 
wäre,  ist  aus  Tertullian  gar  nichts  zu  folgern. 

Immerhin  hebt  sich  aus  der  bunten  Schar  von  christlichen 
Jungfrauen  der  Kreis  solcher  deutlich  ab,  die  mit  Bewußtsein 
und  freier  Willensentschiedenheit  den  Stand  der  Jungfräulichkeit 
wählen,  um  in  ihm  zu  verharren.  Sie  hat  der  Lobredner  der  Vir- 
ginität  besonders  im  Auge,  wenn  er  die  Jungfrauen  Bräute  und 
Vermählte  Christi,  ihren  Entschluß  „Deo  se  vovere"  nennt.  Diesen 
Ehrentitel  hat  ihnen  der  apostolische  Prediger  der  Virginität 
noch  nicht  gegeben.  Paulus  kennt  nur  Eine  Braut  und  Ver- 
mählte Christi,  die  Gemeinde  (II  Kor.  11,2),  die  Kirche  (Ephes. 
ö.  23).  Als  Ehrenname  der  Jungfrauen  mit  dem  mystischen 
Gedanken,  den  er  in  sich  birgt,  erscheint  jene  Bezeichnung  erst- 
mals bei  Tertullian  und  ist  seitdem  in  der  christlichen  Literatur 
stereotyp  geworden.  Der  Begründer  der  abendländischen  Theo- 
logie bat  auch  hier  die  Terminologie  geschaffen.  Die  Wendungen 
aber,  die  er  einführte,  konnten  von  der  Folgezeit  mit  vollem  In- 


76  Koch,  Virgines  Christi. 

halt  ausgestattet  und. juridisch  verwertet  werden.  So  hat  Tertulliau, 
mag  er  zünftiger  Jurist  gewesen  sein  oder  nicht1,  der  späteren 
Rechtsanschauung  vorgearbeitet  und  die  Handhaben  geboten. 

IL  Cyprian. 
Von  größter  Wichtigkeit  ist  die  Anschauung,  die  Cyprian 
in  den  uns  hier  beschäftigenden  Fragen  kund  gibt,  da  sie  die 
der  afrikanischen,  mit  gewisser  Einschränkung  sogar  der  ganzen 
abendländischen  Kirche  darstellen  dürfte.  Zum  mindesten  er- 
fahren wir,  wie  ein  großer  katholischer  Bischof  des  dritten  Jahr- 
hunderts, einer  der  größten  Kirchenmänner  aller  Zeiten,  darüber 
denkt  und  urteilt.  Er  hat  eine  eigene  Schrift  De  habitu  virginum 
verfaßt  (ed.  Hartel  1,  187 — 205),  eine  an  Jungfrauen  gerichtete 
ernste  und  eindringliche  Ermahnungsschrift.  Ihr  Stand  ist  „fios 
ecclesiastici  germinis,  decus  atque  ornamentum  gratiae  spiritalis, 
laeta  indoles,  laudis  et  honoris  opus  integrum  atque  incorruptum, 
Dei  imago  respondens  ad  sanctimoniam  Domini,  inlustrior  portio 
gregis  Christi"  (c.  3).  Sie  sind  „puellae  et  virgines  Christi"  (c.  9), 
„quae  se  Christo  dicaverint  et  a  carnali  concupiscentia  recedentes 
tarn  carne  quam  mente  se  Deo  voverint"  (c.  4),  „sanctus  et  purus 
grex  virginitatis"  (c.  17).  Sie  haben  bei  Hochzeitsfeiern  nichts 
zu  suchen,  da  ihr  „animus  ad  nuptias  non  est",  dürfen  dort  nicht 
Vergnügungen  finden,  „ubi  et  studia  et  vota  diversa  sunt"  (c.  18). 
Beim  Falle  aber  sind  sie  „viduae  antequam  nuptae,  '  non  mariti 
sed  Christi  adulterae,  quam  fuerant  praemiis  ingeutibus  virgines 
destinatae,  tarn  magna  supplicia  pro  amissa  virginitate  sensurae" 
(c.  2U).  Vom  Tragen  oder  Nichttragen  eines  Schleiers  ist  nirgends 
ausdrücklich  die  Rede.  Aus  den  Worten  aber,  mit  denen  der 
Kirchenvater  (c.  15  sqq)  gewisse  Toilettenkünste,  wie  das  Färben 
der  Haare,  Schminken  der  Wangen,  Bemalen  der  Augen,  Durch- 
stechen der  Ohren,  Tragen  von  Halsketten,  bekämpft,  ersehen 
wir  klar,  daß  diese  Jungfrauen  keinen  Schleier  trugen,  und  daß 
er  es  von  ihnen  auch  gar  nicht  verlangt2.  Hat  er  doch  c.  19 
sogar  die  Unsitte  zu  beklagen,  daß  einige  von  ihnen  ins  ..Familien- 
bad"    gingen!      Man    sieht,    die    Schleierfrage    spielt   gar    keine 


1)  Schloßmann,    Tertullian  im  Lichte  der  Jurisprudenz,    Ztschr.  f. 
KG.  1906.  251  ff. 

2)  Schi  wie  tz    S.  23:    „Von  einer  besonderen  Kleidung  der  gottge- 
weihten Jungfrauen  weiß  Cyprian  nichts". 


II.  Cyprian.  77 

Rolle  mehr  und  das  stürmische  Verlangen  der  Montanisten  nach 
allgemeiner  Verschleierung  der  Jungfrauen  hat.  wie  es  in  der 
Geschichte  so  häufig  geht,  in  katholischen  Kreisen  die  entgegen- 
gesetzte Wirkung  hervorgerufen:  man  vermied  geraume  Zeit 
dieses  „montanistische'"  Kleidungsstück  und  selbst  ein  Bischof 
wie  Cyprian  findet  nichts  dagegen  zu  erinnern.  Hatte  Tertullian 
einst  den  Grundsatz  ausgesprochen,  die  Jungfrau  dürfe  als  solche 
nur  sich  selbst  und  Gott  bekannt  sein  und  müsse  im  übrigen 
ganz  und  gar  einer  Frau  gleichen  und  für  eine  Frau  gehalten 
werden,  so  verlangt  Cyprian:  virgo  non  esse  tantum  sed  et  in- 
tellegi  debet  et  credi;  nemo  cum  virginem  viderit,  dubitet  an 
virgo  Bit  (c.  5).  Auch  diese  Worte  sind  einer  Verschleierung 
nicht  günstig. 

Die  obigen  Wendungen,  mit  denen  Cyprian  in  deutlicher 
Anlehnung  an  Tertullian  den  Entschluß  zum  jungfräulichen  Leben 
ausdrückt1,  lassen  diesen  als  einen  dauernden,  wohl  in  ein  Ge- 
lübde gekleideten,  erkennen.  Sein  unwiderruflicher  Charakter  aber 
ist  eine  andere  Frage,  die  durch  Ep.  4  ad  Pomponium  (Hartel 
II,  472 — 478)  brennend  wird.  Der  Brief  ist  kirchen-  und  cultur- 
geschichtlich  hochinteressant,  ein  Capitel  aus  der  Geschichte  des 
Syneisaktentums2.  Jungfrauen  hatten  trotz  des  Entschlusses  be- 
ständiger Jungfräulichkeit  (cum  semel  statum  suum  continenter 
ac  firmiter  tenere  decreverint  c.  1)  Haus  und  Lager  mit  Männern, 
darunter  ein  Diakon  war,  geteilt,  erklärten  aber  unversehrt  ge- 
blieben und  zu  körperlicher  Untersuchung  bereit  zu  sein.  Darob 
wandte  sich  Pomponius  an  den  erfahrenen  Bischof  von  Carthago 
mit  der  Anfrage,  was  hier  zu  tun  sei,  und  Cyprian  gibt  ihm  im 
genannten  Briefe  Antwort.  Da  heilst  es  nun  unter  anderm:  Quod 
si  se  ex  fide  Christo  dicaverunt.  pudicae  et  castae  sine  ulla  fabula 
perseverent,  ita  fortes  ac  stabiles  praemium  virginitatis  expectent: 
si  autem  perseverare  nolunt  vel  non  possunt,  melius 
nubant  cpuam  in  ignem  delictis  suis  cadant  (c.  2).  Vor  diesem 
Bescheid  sind  schon  manche  Theologen  kopfschüttelnd  gestanden: 
sollte  der  Kirchenvater  die  Jungfrau  so  leichthin  über  ihr  Ge- 
lübde wegschreiten  und  heiraten  lassen? 

1)  Zu  den  oben  angeführten  Wendungen  kommt  noch  Ep.  62,  3  (ed. 
Hartel  II,  699  :  M»>mbra  Christo  dicata  et  ad  aeternum  continentiae  ho- 
norem pudica  virtute  devota. 

2)  Vgl.  Achelis,  Virgines  subintroductae  1902  S.  7  f. 


78  Koch,  Virgines  Christi. 

Peters1  findet  im  Briefe  eine  Unterscheidung  „zwischen 
solchen,  die  fest  und  ohne  Rückhalt  ein  für  allemal  ihren  (den 
jungfräulichen)  Stand  gewählt"  und  denjenigen  „welche  sich  auf- 
richtig (ex  fide)  Christo  gelobt  haben",  also  „zwischen  öffent- 
lichen und  geheimen  Keuschheitsgelübden".  Jenen  werde  jede 
Möglichkeit  eines  erlaubten  ehelichen  Umganges  abgeschnitten, 
während  er  diesen  unter  gewissen  Umständen  und  Bedingungen 
angeraten  werde.  Allein  die  ganze  Unterscheidung  stammt  von 
Peters,  nicht  von  Cyprian.  Daß  die  Jungfrauen,  die  „semel 
statum  suum  continenter  et  firmiter  tenere  decreverint"  und  solche, 
die  „se  ex  fide  Christo  dicaverunt"  offenkundig  dieselben  sind, 
haben  Wilpert2  und  Schiwietz3  mit  Recht  entgegengehalten. 

Auf  andere  Weise  suchte  sich  neuerdings  Weckesser4  zu 
helfen,  um  seine  These,  daß  es  von  Anfang  an  ein  feierliches 
Keuschheitsgelübte  mit  dem  Charakter  eines  trennenden  Ehe- 
hindernisses gegeben  habe,  zu  retten.  Es  müsse  eine  Auslegung 
gewählt  werden,  die  mit  dem  ganzen  Briefe  und  Geiste  Cyprians 
im  Einklang  stehe.  „Dieser  Forderung  kommen  nur  jene  nach, 
die  das  Gelübde  der  Keuschheit,  das  hier  in  Frage  kommt,  als 
ein  feierliches  betrachten,  das  die  Eingehung  einer  Ehe  ein 
für  allemal  ausschließt.  Darnach  ergeht  der  Rat  zu  heiraten 
nicht  an  virgines  sacrae,  sondern  an  solche,  die  es  eventuell  wer- 
den wollen.  Die  Jungfrauen  sollen,  ehe  sie  in  diesen  hl.  Stand 
durch  Gelübdeablegung  eintreten,  sich  die  Sache  gut  überlegen 
und  wohl  beachten,  daß  der  Schritt  einmal  getan,  nicht  mehr 
rückgängig  gemacht  werden  kann.  Wenn  sie  daher  nicht  den 
festen  Willen  hätten  standesgemäß  zu  leben,  oder  die  Kraft  zur 
Beharrlichkeit  nicht  in  sich  fühlten,  dann  sollten  sie  lieber 
heiraten.  Der  Zusammenhang  wäre  also  folgender:  Leider  verlieren 
sehr  viele  (plurimas!)  Jungfrauen  ihre  Unschuld  durch  sünd- 
haften Umgang  mit  Männern.     Wie  ist  diesem  U beistand  abzu- 


1)  In  Kraus'  R.  E.  II,  80. 

2)  Die  gottgeweihten  Jungfrauen  S.  9  A.  'i. 

3)  Das  morgenl.  Mönchtum  S.  20. 

4)  In  einem  an  gewalttätigen  Geschichtskoustruktionen  reichen  Auf- 
satz über  „Das  feierliche  Keuschheitsgelübde  der  gottgeweihten  Jungfrauen 

der  alten  Kirche  (vom  ersten  bis  Ende  des  fünften  Jahrhunderts  "  des 
Archivs  f.  kath.  KR.  Bd.  76  (1896)  191  ff. 


II.  Cyprian.  79 

helfen?  Es  ist  keine  Frage,  die  gottge weihten  von  ihnen  haben 
die  Pflicht,  die  jungfräuliche  Keuschheit  standhaft  zu  bewahren. 
Wer  das  nicht  will,  soll  eben  in  diesen  Stand  nicht  eintreten. 
Es  ist  doch  besser,  daß  eine  Jungfrau  den  Ehestand  wählt,  als 
daß  sie  ohne  Beharrlichkeit  in  gottgeweihtem  Stande  durch  ihr 
Vergehen  sich  ins  Verderben  der  Hölle  stürzt.  Sicherlich  schweben 
dem  hl.  Verfasser  beim  Niederschreiben  dieser  Stelle  die  Worte 
der  hl.  Schrift  vor  Augen:  ,Melius  est  nubere  quam  uri.'  ,lam 
enim  quaedam  conversae  sunt  retro  satanam'." 

Diese  Lösung  der  Schwierigkeit  ist  überraschend  einfach,  wie 
das  Ei  des  Kolumbus  und  hat  auf  den  ersten  Blick  fast  etwas 
Bestechendes.  Und  doch  ist  auch  hier  dem  Ei  die  Schale  zer- 
brochen. Beachten  wir  die  Veranlassung  und  den  ganzen  Tenor 
des  Briefes,  den  Zusammenhang,  in  dem  jener  Satz  steht,  die 
sprachlichen  Wendungen,  so  zeigt  sich  die  Unwahrscheinlichkeit, 
wenn  nicht  die  völlige  Unmöglichkeit  der  von  Weckesser  vor- 
geschlagenen Deutung. 

1.  Das  Thema  des  Briefes  ist  im  Eingang  angegeben.  Cy- 
prian ist  von  Pomponius  um  Bescheid  darüber  gebeten  worden, 
quid  nobis  de  his  virginibus  videatur,  quae  cum  semel  etc. 
Es  handelt  sich  also  nicht  um  Jungfrauen  überhaupt,  sondern 
um  die  angeklagten  gottgeweihten  Jungfrauen.  Nach  Weck- 
esser aber  wären  im  cap.  2  plötzlich  nicht  mehr  diese,  sondern 
Jungfrauen  überhaupt  gemeint,  während  in  cap.  3  mit  den  Worten: 
„nee  aliqua  putet  se  posse  hac  excusatione  defendi  quod  inspici 
et  probari  possit  an  virgo  sit"  sofort  wieder  auf  die  angeklagten 
Bezug  genommen  wird.  Und  da  sich  bei  Weckesser  auch  in 
cap.  2  das  Subject  dem  Sinne  nach  teilt,  so  hätten  wir  folgenden 
logischen  Subjectswechsel:  die  angeklagten  gottgeweihten  Jung- 
frauen —  Jungfrauen  überhaupt  —  gottgeweihte  —  weltliche  — 
die  angeklagten  gottgeweihten  Jungfrauen.  Oder  anders  gefaßt: 
nach  Weckessers  Erklärung  würde  Cyprian  in  demselben  Satz 
den  Zeitpunkt  der  Betrachtung  wechseln,  im  ersten  Teile  (quod 
si  se  ex  fide  dieaverunt)  den  Standpunkt  nach,  im  zweiten  Teil 
aber  (si  autern  perseverare  noluut  vel  non  possunt)  den  vor  der 
Gelübdeablegung  wählen,  um  dann  mit  dem  Schluß  des  Satzes 
(quam  in  iguem  delictis  suis  cadant)  doch  wieder  au  die  Zeit 
nach  dem  Gelübde  zu  denken  —  ohne  den  Wechsel  auch  nur 
anzudeuten.     Das  ist  denn   doch  gegen   alle  Regeln    der  Herme- 


§0  Koch,  Virgines  Christi. 

neutik  und  im  höchsten  Grade  unwahrscheinlich.  Bei  jener  Auf- 
fassung erwartet  man  wirklich  die  Wendung:  eine  Jungfrau 
solle  sichs  wohl  überlegen  und  nur  dann  das  Gelübde  ablegen, 
wenn  sie  fest  entschlossen  ist  und  die  Kraft  in  sich  fühlt,  keusch 
zu  bleiben.  Das  sagt  aber  Cyprian  tatsächlich  nicht,  das  läßt 
Weckesser  ihn  sagen.  Und  wenn  Cyprian  das  hätte  sagen 
wollen,  hätte  er  es  nicht  ungeschickter  und  mißverständlicher 
ausdrücken  können. 

2.  Pomponius  fragt  an,  was  mit  den  gottgeweihten  Jung- 
frauen geschehen  soll,  die  durch  ihr  Betragen  Anstoß  erregt 
haben.  Und  nun  soll  ihm  Cyprian  zunächst  mit  der  Binsen- 
wahrheit aufwarten:  wenn  eine  Jungfrau  nicht  keusch  bleiben 
will  oder  kann,  soll  sie  nicht  Jungfräulichkeit  geloben,  sondern 
heiraten!  Dürfen  wir  einem  Cyprian  einen  solchen  Gemeinplatz 
zutrauen?  Als  Paulus  die  Grundsätze  über  Heiraten  und  Nicht- 
heiraten  erörtete,  lag  die  Sache  wesentlich  anders:  es  waren 
principielle  Bedenken  gegen  die  Ehe  zu  überwinden,  die  Vor- 
züge der  in  rechter  Gesinnung  gewählten  Jungfräulichkeit  her- 
vorzuheben, specielle  Situationen  zu  berücksichtigen. 

3.  Der  ganze  Brief  führt  uns  in  die  eigenartige  Welt  und 
schwüle  Luft  des  Syneisaktentums.  Da  waren  es  aber  wenn  nicht 
ausschließlich,  so  doch  in  den  allermeisten  Fällen  —  man  ver- 
gegenwärtige sich  die  ganze  sociale  und  moralische  Laue,  man 
denke  an  die  pseudoklementinischen  Briefe  ad  virgines!  —  ,. gott- 
geweihte" Jungfrauen,  die  aufgrund  ihrer  versprochenen  Jung- 
fräulichkeit und  im  kühnen  Vertrauen  auf  ihre  sittliche  Kraft 
solch  gefährlicheVerbindungen  eingingen,  geistlicheEhen  schlössen, 
weitgehende  Zärtlichkeiten  spendeten  und  empfingen1.  Viele 
blieben  dabei  unversehrt,  viele  kamen  aber  auch  zu  Fall  und 
gerade  das  beklagt  der  Bischof  in  cap.  2:  Denique  quam  graves 
multorum  ruinas  hinc  fieri  videmus  et  per  hujusinodi  inlicitas  et 
periculosas  conjunctiones  corrumpi  plurimas  virgines  cum  summo 
animi  nostri  dolore  conspicimus,  wie  er  es  De  habitu  virg.  c.  20 
tut:  Sic  ergo  frequenter  ecclesia  virgines  suas  plangit  etc. 

1)  Man  vergleiche  mit  Cyprian  cap.  3:  certe  ipse  concubitus,  ipse 
complexus,  ipsa  confabulatio  et  osculatio  et  conjacentiuru  duorum  turpis 
et  foeda  dormitio  quantum  dedecoris  et  criminis  confitetur  —  Tertullian 
de  virg.  vel.  c.  14:  dum  nimium  amatur,  dum  inter  amplexus  et  oscula 
assidua  concalescit. 


U.  Cyprian.  81 

Weckesser  gibt,  bevor  er  seine  eigene  Auslegung  vorträgt, 
selber  zu,  daß  die  Stelle  an  sich  auch  den  andern  Sinn  haben 
könnte,  die  virgines  sacrae  sollten  unter  gewissen  Umständen  in 
den  Ehestand  treten.  Er  hält  aber  die  Bedenken,  die  er  dagegen 
anführt,  für  so  stark,  daß  diese  Auffassung  als  unrichtig  zurückge- 
wiesen werden  müsse.  Eine  solche  Beweiskraft  besitzen  jedoch  seine 
Bedenken  keineswegs.    Sie  sollen  im  folgenden  gewürdigt  werden. 

1.  „Nimmt  man  an,  es  werde  diesen  Jungfrauen  der  Rat 
erteilt  zu  heiraten,  wenn  sie  in  ihrem  Stande  nicht  ausharren 
wollten,  so  wäre  —  auch  die  Gültigkeit  ihrer  Verbindung  voraus- 
gesetzt —  dieser  Rat  in  seiner  Allgemeinheit  einzig  dastehend 
und  unerhört."  —  Da  wir  aus  den  ersten  drei  Jahrhunderten, 
abgesehen  von  dem  später  zu  besprechenden,  mit  Cyprian  über- 
einstimmenden Urteil  des  Methodius  keine  directen  Zeugnisse 
darüber  haben,  wie  der  Eheschluß  einer  gottgeweihten  Jungfrau 
angesehen  wurde,  so  läuft  dieser  Einwand  auf  eine  petitio  prin- 
cipii  hinaus.  Die  Anschauung  der  Zeit  sollen  wir  gerade  aus 
unserer  Stelle  ohne  Voreingenommenheit  kennen  lernen,  nicht 
mit  einem  fertigen  Urteil  an  sie  herantreten. 

2.  „Wie  kann  der  Heilige  bei  manchen  gottgeweihten  Jung- 
frauen eine  moralische  Unmöglichkeit,  beharrlich  zu  bleiben, 
supponieren  (si  perseverare  non  possunt)  und  darauf  hin  die 
Ehe  raten:  eine  Ansicht,  die  mit  der  hl.  Schrift  in  directem 
Widerspruch  steht?"  —  Allein  so  direct  und  so  klar  ist  die  Lehre 
der  hl.  Schrift  über  diesen  Punkt  nicht,  daß  Cyprian  jene  Voraus- 
setzung nicht  hätte  machen  können1.  Der  Bischof  von  Karthago 
war  eiu  Mann  der  Erfahrung,  nicht  der  Schablone,  ein  Menschen- 
kenner, nicht  ein  Theoretiker.  Weckesser  hat  Recht,  wenn  er 
sagt,  daß  ihm  die  Worte  der  Schrift  vor  Augen  schwebten:  melius 
est  nubere  quam  uri  (I  Kor.  7,  9).  Ist  es  wirklich  ganz  undenkbar, 
daß  er  sie  gegebenen  Falles  auch  auf  solche  anwandte,  die  Yir- 
ginität  gelobt  hatten?  Und  wenn  die  hl.  Väter  diese  Schrift- 
steile  auch  „unzähligemal  wiederholen,  aber  immer  nur  im  Sinn 
des  Apostels  von  solchen,  die  nicht  durch  ein  Gelübde  gebunden 
sind",  so  beweist  das  für  Cyprian  immer  noch  nichts.     Denn  es 


1)  Daß  Methodius  von  Olympus  derselben  Anschauung  huldigt  und 
sie  sogar  bei  Paulus  findet  (SympoB.  I IT,  14;  Migne  P.  G.  18,  84 f.)  werden 
wir  später  sehen. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.    81,  9  6 


82  Koch,  Virgines  Christi. 

ist  methodisch  offenbar  verfehlt,  Cyprian,  der  in  der  Mitte  des 
dritten  Jahrhunderts  lebt  und  schreibt,  nach  den  Vätern  vom 
Ausgang  des  vierten  Jahrhunderts  an  deuten  zu  wollen1.  Er 
wendet  auch  allein  das  „uri"  vom  Sexuellen  ins  Esohatologische: 
melius  nubant,  quam  in  ignem  delictis  suis  cadant.  Wenn  das 
Gelöbnis  der  Jungfräulichkeit  doch  einmal  nicht  gehalten  wird, 
erscheint  ihm  die  Ehe  als  das  Mittel,  sich  wenigstens  vor  der 
Hölle  zu  retten.  Auch  das  Ärgernis,  das  Unverheiratete  durch 
Unenthaltsamkeit  oder  verdächtigen  Umgang  geben,  zieht  der 
Bischof  in  Betracht,  wenn  er  unmittelbar  fortfährt:  certe  nulluni 
fratribus  aut  sororibus  scandalum  faciant. 

3.  „Wie  wird  bei  einem  solchen  Rate  die  Strenge  gewahrt, 
von  der  eingangs  im  Briefe  die  Rede  ist  und  von  welcher  der 
hl.  Bischof  nicht  abweichen  will?  Was  wäre  an  einer  solchen 
Disciplin  noch  streng  zu  nennen?  Wo  wäre  eine  apostolische 
oder  evangelische  Begründung  dafür  aufzufinden?  Nein,  ein 
solcher  Rat  würde  mit  dem  ganzen  Geiste  des  Briefes,  der  apo- 
stolischen Eifer  um  Reinerhaltung  der  Sitten  und  Strenge  atmet, 
namentlich  in  seiner  Kürze  und  ohne  nähere  Rechtfertigung,  in 
unlöslichem  Widerspruch  stehen."  —  Zur  Entgegnung  sei  ein- 
fach die  betreffende  Eingangsstelle  hierhergesetzt:  „Scias  nos  ab 
evangelicis  et  apostolicis  traditionibus  non  recedere,  quo  minus 
fratribus  et  sororibus  nostris  constanter  et  fortiter  consulatur  et 
per  omnes  utilitatis  et  salutis  vias  ecclesiastica  disciplina  ser- 
vetur".  Cyprian  will  die  kirchliche  Disciplin  mit  Strenge  hand- 
haben, das  tut  er  in  seiner  Verordnung  betreffs  der  Jungfrauen 
cap.  4,  er  will  aber  dabei  nur  auf  den  Nutzen  und  das  Seelenheil 
bedacht  sein,  daher  die  Milde,  mit  der  er  in  cap.  2  einen  Aus- 
weg öffnet.  Von  einem  unlöslichen  Widerspruch  ist  nichts  zu 
entdecken. 

4.  „Wenn  sodann  nach  damaligem  Rechte  für  diese  Jung- 
frauen noch  die  Möglichkeit  vorhanden  war,  zwar  unerlaubt  aber 
doch  giltig  zu  heiraten:  warum  ist  im  ganzen  Briefe  ohne  wei- 
teres angenommen,  daß  ihre  eingegangenen  Verbindungen  nicht 
klandestine  Ehen,  sondern  nur  Konkubinate  seien?  Warum  soll 
Pomponius  alle  unnachsichtig  trennen,  und  wenn  sie  sich  dieser 


1)    Das  gilt  auch  für  das,  was  Wilpert,  Ztschr.  f.  kath.  Tb.  1889 

S.  313  ff.  ausführt. 


II.  Cyprian.  83 

Maßregel  nicht  fügten,  sie  dauernd  excommunicieren?  Wo  bleibt 
da  die  angebliche  Freiheit  der  Ehe  für  jene,  die  ihren  hl.  Stand 
ferner  , nicht  halten  wollen  oder  nicht  können'?  Darnach  wäre 
doch  zuerst  die  Untersuchung  am  Platze  gewesen,  ob  diese  Jung- 
frauen nicht  in  der  Stille  sich  verheiratet,  oder  geneigt  seien,  es 
zu  tun."  —  "Eine  merkwürdige  Verkennung  der  ganzen  Situation. 
Die  Jungfrauen,  die  wegen  Zusammenwohnens  und  -Schlafens 
mit  Männern  angeklagt  sind,  versichern  ihre  körperliche  Jute- 
grität  und  sind  bereit,  sie  durch  Untersuchung  feststellen  zu 
lassen.  Das  ist  doch  ein  klarer  Beweis,  daß  es  sich  nicht  um 
eine  wirkliche,  wenn  auch  klandestine,  sondern  nur  um  eine  sog. 
geistliche  Ehe  oder  ein  Syneisaktenverhältnis  handelt.  Deshalb 
befiehlt  Cyprian  Trennung  des  Verhältnisses  für  alle  Fälle  schon 
wegen  der  Gefahr  und  des  Ärgernisses,  und  da  er  damit  rechnen 
muß,  daß  die  Jungfrauen  unter  Berufung  auf  ihr  gutes  Gewissen 
und  den  Befund  der  Okularinspektion  sich  einer  Trennung  wider- 
setzen und  das  Syneisaktenverhältnis  fortführen  wollen,  trifft  er 
auch  für  diesen  Fall  Bestimmung.  Die  Möglichkeit  einer  Um- 
wandlung der  geistlichen  Ehe  in  eine  wirkliche  für  die,  die  nun 
einmal  nicht  ohne  Mann  sein  wollen  oder  können,  hat  er  ja  eben 
mit  den  umstrittenen  Worten  in  cap.  2  ausgesprochen  und  braucht 
sie  nicht  zu  wiederholen.  Und  wenn  es  in  cap.  2  heißt:  ,.Interce- 
dendum  est  cito  talibus  (die  mit  Männern  zusammenleben)  ut 
separentur  dum  adhuc  separari  innocentes  possunt,  cpüa  dividi 
postmodum  nostra  intercessione  non  poterunt  postea  quam  con- 
scientia  gravissima  cohaeserunt",  so  ist  mit  der  Möglichkeit  ge- 
rechnet, daß  das  Zusammenleben  bei  einigen  schon  zum  Fall  und 
darnach  entweder  zur  geheimen  Ehe  oder  wenigstens  zum  festen 
Entschluß  geführt  hat,  das  Zusammenleben  in  eine  Ehe  umzu- 
wandeln. In  diesem  Fall  können  sie  durch  das  Einschreiten  des 
Bischofs  nicht  mehr  getrennt  werden. 

.").  ..Auch  hätte  der  hl.  Bischof  in  seiner  ausführlichen  Schrift 
De  habitu  virginum,  worin  er  den  Fall  so  vieler  gottgeweihten 
Jungfrauen  beklagt,  diesen  Rat,  zur  Ehe  zu  schreiten,  wenn  es 
an  Lust  oder  Beharrlichkeit  fehle,  nicht  mit  Stillschweigen  über- 
gehen können.  Gerade  dort  wäre  es  angezeigt  gewesen,  über 
dieses  eventuelle  Rettungsmittel  für  so  viele  gefährdeten  Seeleu 
zu  reden;  es  wird  aber  mit  keinem  Worte  erwähnt;  ein  Argu- 
ment   ,ex    silentio',    daß    der    Hl.    diesen  Ausweg    nicht    gekannt 


84  Koch,  Virgines  Christi. 

hat."  —  Andere  werden  darüber  anders  denken.  Die  Mahnung, 
sich  die  Sache  reiflich  zu  überlegen  und  dann  erst  das  Gelübde 
abzulegen  oder  aber  bei  Mangel  an  Kraft  oder  gutem  Willen 
lieber  zu  heiraten,  findet  sich  in  der  Schrift  De  habitu  virginum 
ebensowenig,  und  man  wird  nicht  behaupten  wollen,  daß  der  Hl. 
dieses  Mittel  nicht  gekannt  oder  daß  es  in  einer  Schrift,  worin 
der  Fall  so  vieler  Jungfrauen  beklagt  wird,  nicht  mindestens 
ebensogut  Platz  gehabt  hätte.  Sicher  aber  ist  in  einer  allge- 
mein gehaltenen  und  in  erster  Linie  für  gottgeweihte  Jungfrauen 
bestimmten  Schrift  ein  Wegweiser  zur  Hochzeitspforte  weniger 
angebracht,  als  in  einem  Briefe,  der  durch  einen  Skandal  ver- 
anlaßt und  an  einen  Bischof  ad  discretionem  gerichtet  ist. 

Die  Einwände  Weckessers  sind  also  nicht  derart,  daß  sie 
die  von  ihm  bekämpfte  Deutung  als  unmöglich,  die  von  ihm 
verteidigte  als  allein  zulässig  erwiesen.  Da  vielmehr  seine  eigene 
Erklärung  von  den  schwerwiegendsten  Bedenken  belastet  ist, 
drängt  sich  die  andere  geradezu  auf.  Wir  haben  demnach  im 
Briefe  Cyprians  folgenden  konsequent  fortschreitenden  Gedanken- 
gang. Er  will  Pomponius  Antwort  geben  auf  seine  Anfrage, 
wie  mit  den  Jungfrauen  zu  verfahren  sei,  die  trotz  ihres  Ent- 
schlusses der  Virginität  mit  Männern  Haus  und  Bett  teilten,  aber 
ihre  Integrität  versicherten  (c.  1).  Vor  allem  darf  es  nicht  ge- 
duldet werden,  daß  solche  Jungfrauen  mit  Männern  zusammen 
leben  und  wohnen,  geschweige  denn  zusammen  schlafen.  Darum 
sollen  sie  sofort  getrennt  werden,  ehe  es  zu  spät  ist.  Leider  sind  viele 
durch  derartige  Verbindungen  ihrer  Unschuld  verlustig  gegangen. 
Haben  sie  sich  wirklich  aufrichtig  Christo  hingegeben,  so  sollen 
sie  züchtig  und  keusch  bleiben  und  auch  den  bösen  Schein  und 
die  Gefahr  meiden ,  daß  sie  nicht  einmal  ins  Gerede  kommen  l. 
Wenn  sie  aber  nicht  ausharren  wollen  oder  können  (wenn  ihre 
Hingabe  nicht  „ex  fide",  nicht  ernstlich  und  aufrichtig  gewesen 
ist,  wenn  sie  nicht  ohne  Männer  sein  wollen  oder  können),  so 
ist  es  für  sie  besser,  zu  heiraten  als  durch  ihre  Vergehen  dem 
Feuer  zu  verfallen  (c.  2).  Auch  mit  der  Möglichkeit  körperlicher 
Untersuchung  soll  keine  sich  verteidigen  zu  können  glauben,  da 
sie  kein  absolut  sicheres  Ergebnis  für  die  Unschuld  liefert.    Das 


1)   Sine  ulla  fabula,   vgl.  De  habitu  virg.  c.  20   (ed.  Hartel  I,  201): 
ad  infames  earurn  ac  detestabiles  fabulas  ingemescit  (ecclesia). 


II.  Cyprian.  85 

Beieinanderliegen  ist  an  sich  schon  unschicklich  und  frevelhaft. 
Wenn  ein  Gatte  seine  Vermählte  hei  einem  andern  liegend  findet, 
wird  er  da  nicht  in  Zorn  geraten  und  in  heißem  Eifersuchts- 
schmerz vielleicht  zum  Schwert  greifen?  Nicht  auch  Christus, 
..cum  virginem  suam  sibi  dicatam  et  sanctitati  suae  destinatam 
jacere  cum  altero  ceruit"?  Mit  welchen  Strafen  werden  von  ihm 
„incestae  ejus  ruodi  conjunctiones"  geahndet  werden?  (c.  3) 
Daher  hat  Pomponius  gut  daran  getan,  daß  er  den  Beteiligten 
die  Communion  entzog.  Haben  sie  sich  getrennt  und  Buße  an- 
gefangen, so  sollen  die  Jungfrauen  durch  Hebammen  untersucht 
werden.  Im  Falle  der  Integrität  dürfen  sie  zur  Communion 
wieder  zugelassen  werden,  sollen  aber  härterer  Strafe  verfallen, 
wenn  sie  zu  denselben  Männern  zurückkehren  oder  wieder  mit 
ihnen  unter  einem  Dache  wohnen.  Ergibt  die  Untersuchung 
die  Defloration  einer  Jungfrau,  so  hat  sie  Vollbuße  zu  leisten, 
da  sie  „non  mariti  sed  Christi  adultera"  ist.  Bei  hartnäckiger 
Weigerung,  sich  gegenseitig  zu  trennen,  d.  h.  das  Syneisakten- 
verhältnis,  die  geistliche  Ehe  aufzugeben,  werden  sie  dauernd 
excommuniziert  (c.  4). 

Das  der  Inhalt  des  Briefes.  Cyprian  verbietet  also  das  Zu- 
sammenleben in  dieser  Form  unter  strengster  Strafe,  während 
er  eventuell  das  Eingehen  einer  wirklichen  Ehe  gestattet.  Er 
erblickt  sonach  in  der  professio  virginitatis  nicht  ein  trennendes, 
eine  Ehe  ungültig  machendes  Hindernis1.  Aus  den  Worten  „Christi 
adultera",  „incestae  conjunctiones"  mit  Weckesser  eiu  trennen- 
des Ehehindernis  herauslesen  zu  wollen,  geht  deshalb  nicht  an, 
weil  sie  sich  bei  Cyprian  nicht  auf  eine  versuchte  Ehe,  sondern 
auf  Unzuchtssünden  beziehen.  Cyprian  hält  die  Verehelichung 
einer  solchen  Jungfrau  rechtlich  für  möglich  und  moralisch  nicht 
für  eine  die  Höllenstrafe  nach  sich  ziehende  Sünde,  jedenfalls 
für  besser  als  ein  unsittliches  Verhältnis  und  auch  als  ein  ärger- 
niserregendes und  gefährliches,  wenn  auch  nicht  gerade  mit 
l'l'ischessünden  verbundenes  Syneisaktenleben. 

Bingham2  folgert  aus  den  Worten  Cyprians,  „daß  in  jenen 
Zeiten    die   professio    virginitatis    nicht    so    streng   war.    daß    die 


1     l)ies   ist.   auch  die  Ansicht  von  Freisen  (Gesell,  d.  kämm.  Ehe- 
rechts 2.  Aufl.  1893  S.  677)  and  Sehiwietz  (Mönchtum  S.  L9). 
2)  Origines  s.  antiquit.  ecol.  III.  !>S  (ed.  II.    Halle  17.1  . 


86  Koch,  Virgines  Christi. 

nachher  eingegangene  Ehe  für  ein  der  kirchlichen  Censur  wür- 
diges Verbrechen  gehalten  worden  wäre",  und  der  Anglikaner 
hat  damit  das  Richtige  getroffen.  Daß  eine  solche  Ehe  aber 
von  aller  Sünde  frei  sei,  läßt  sich  den  Worten  Cyprians  auch 
nicht  entnehmen.  Sie  erscheint  vielmehr  nur  als  das  kleinere 
Übel,  das  nur  im  äußersten  Falle  gestattet  werden  soll,  um 
Schlimmeres  zu  verhüten,  um  Seelen  zu  retten  und  dauerndes 
Ärgernis  aus  der  Welt  zu  schaffen. 

Ein  Rückblick  auf  den  bisherigen  Gang  unserer  Unter- 
suchung läßt  folgende  Resultate  verzeichnen:  Tertullian  und 
Cyprian  kennen  eine  Klasse,  einen  Stand  von  Jungfrauen,  die 
sich  zu  dauernder  Jungfräulichkeit  entschlossen  und  verpflichtet 
haben.  Ihr  Versprechen  ist  ein  „votum",  aber  nicht  in  dem  Sinne, 
daß  ein  Rücktritt  und  Eintritt  in  den  Ehestand  völlig  unmöglich 
und  unerlaubt  wäre.  Das  Ideal  ist  freilich  die  treue  Festhaltung 
der  Jungfräulichkeit  als  einer  Vermählung  mit  Christus,  und  ein 
Fehltritt  ist. ein  gegen  Christus  begangenes  „adulterium".  Eine 
öffentliche  Gelübdeablegung  vor  Bischof  und  Gemeinde,  wie  sie 
von  der  zweiten  Hälfte  des  vierten  Jahrhunderts  an  so  häufig 
erwähnt  wird,  ist  bei  Tertullian  geradezu  ausgeschlossen,  bei 
Cyprian  mit  keiner  Silbe  angedeutet,  obwohl  es  ihm  an  passen- 
der Gelegenheit  dazu  nicht  gefehlt  hätte.  Tertullian  fordert  den 
Schleier  für  sämtliche  Jungfrauen,  Cyprian  kennt  und  verlangt 
ihn  nicht  einmal  bei  den  gottgeweihten. 

III.   Das  Concil  von  Elvira. 

An  der  Wende  des  dritten  zum  vierten  Jahrhundert  steht 
das  spanische  Concil  von  Elvira  (ca.  300)  mit  seiner  Bestimmung 
in  can.  13:  „Virgines,  quae  se  Deo  dicaverunt,  si  pactum  per- 
diderint  virginitatis  atque  eidem  libidini  servierint,  non  intelli- 
gentes quid  amiserint,  placuit  nee  in  hnein  eis  dandam  esse  com- 
munionem.  Quod  si  semel  persuasae  aut  infirmi  corporis  lapsu 
vitiatae  omni  tempore  vitae  suae  huius  modi  femin ae  egerint 
poenitentiam,  ut  abstineant  se  a  coitu,  eo  quod  lapsae  potius 
videntur,  placuit  eos  in  finem  communionem  aeeipere  debere". 
Es  ist  bekannt,  daß  die  Canones  dieser  vielberufenen  Synode 
sich  nicht  gerade  durch  Begriffsschärfe  auszeichnen  und  den 
ihnen    zugrunde    liegenden    Gedanken    nicht   immer   völlig   ent- 


III.  Das  Concil  von  Elvira.  87 

sprechenden  lateinischen  Ausdruck  geben.  In  unserm  Canon  ist 
soviel  klar,  daß  er  von  gottgeweihten  Jungfrauen  redet,  die  das 
..pactum  virginitatis"  verletzen,  und  ebenso,  daß  er  bei  ihnen 
unterscheidet  zwischen  solchen,  die  fortgesetzt  (libidini  servierint), 
und  solchen,  die  einmal  (semel)  durch  sexuellen  Verkehr  sün- 
digen. Haben  nun  die  einen  oder  die  andern  oder  beide  Klassen 
eine  geheime  Ehe  geschlossen  oder  sich  ohne  eheliche  Verbin- 
dung geschlechtlieh  vergangen?  Diese  Fragen  wurden  von  den 
Erklärern  bald  bejaht,  bald  verneint.  Weckesser1  denkt  bei  den 
Jungfrauen  der  zweiten  Classe  an  eine  klandestine  Eheschließung, 
während  er  es  bei  denen  der  ersten  Classe  offen  läßt,  ob  sie  mit 
mehreren  der  Fleischeslust  frönten  oder  —  wofür  ein  Canon 
gewiß  notwendiger  gewesen  sei  —  mit  Einem  in  vermeintlicher 
Ehe  lebten. 

Vor  allem  ist  zu  beachten,  daß  der  Canon  mit  keiner  Silbe 
vom  Heiraten  spricht,  während  das  Concil  sonst  immer,  z.  B. 
gleich  im  nächsten  Canon  14,  die  Eingehung  einer  Ehe  namhaft 
macht,  wo  eine  solche  in  Frage  kommt.  Nach  Weckesser 
erklärt  sich  das  freilich  „sehr  einfach,  wenn  man  annimmt,  daß 
eben  solchen  Jungfrauen  das  Recht  der  Ehe  nicht  mehr  zustand, 
also  jeder  Veruch,  eine  solche  im  stillen  einzugehen,  zusammen- 
fiel mit  verbotenem  Umgang".  In  dieser  Erklärung  liegt  aber 
eine  petitio  principii.  Denn  daß  jene  Jungfrauen  eine  rechtlich 
gültige  Ehe  nicht  mehr  schließen  konnten,  soll  gerade  bewiesen, 
nicht  einfach  „angenommen"  werden.  Hier  tritt  die  petitio 
principii,  die  sich  verdeckt  durch  die  ganze  Untersuchung 
Weckessers  durchzieht,  deutlich  zu  Tage.  Zu  Beginn  stellt  er 
nämlich  sechs  Leitsätze  auf,  die  sich  ihm  „nach  genauer  Einsicht 
des  ganzen  einschlägigen  Materials"  ergeben  haben  (S.  90),  die 
aber  tatsächlich  die  Interpretation  der  einzelnen  Stellen  selbst 
mehr  oder  weniger  beherrschen.  Den  Beweis,  den  er  wenigstens 
für  den  zweiten  Teil  unseres  Canons  versucht,  kann  man  auch  nicht 
als  gelungen  bezeichnen.  Wenn  die  Bischöfe  sagen,  daß  diese 
Jungfrauen  gefallen  zu  sein  scheinen,  so  muß  damit  nicht  der 
Versuch,  eine  Ehe  einzugehen,  angedeutet  sein,  da  der  Fehltritt 
vorher  „einfachhin"  mit  „infirmi  corporis  lapsu"  ausgedrückt 
ist,    also    nicht    „nur  als   solcher  angesehen  werden  kann".     An 


1)  Archiv  f.  KR.  76  (IKOG)  201  ff. 


88  Koch,  Virgines  Christi. 

eine  versuchte  clandestine  Eheschließung  zu  denken,  ist  gerade 
heim  zweiten  Teil  des  Canons  nicht  weniger  als  „natürlich". 
Die  Wendungen  „semel  persuasae  aut  iofirmi  corporis  lapsu  viti- 
atae"  weisen  ganz  entschieden  auf  einen  einmaligen  geschlecht- 
lichen Fehltritt  in  schwacher  Stunde,  der  die  Reue  auf  dem 
Fuße  folgt,  nicht  aber  auf  eine  geheime  Ehe. 

Ebensowenig  zeigen  die  Worte  „ut  abstineant  se  a  coitu" 
„mit  genügender  Klarheit,  daß  die  Bischöfe  an  ein  quasi-eheliches 
Zusammensein  denken,  weil  sie  voraussetzen,  eine  solche  Jungfrau 
habe  sich  durch  ihren  Schritt  in  eine  Lage  gebracht,  wo  auch 
fernerhin  coitus  zu  fürchten  ist,  d.  h.  daß  sie  einen  Mann  ge- 
nommen und  sich  als  Frau  gerierte".  Die  Bischöfe  wollen  viel- 
mehr nur  betonen:  diese  Jungfrauen  sollen  am  Ende  ihrer  Tage 
die  Communion  erlangen,  wenn  es  wirklich  bei  dem  einzigen 
Fehltritt  bleibt  und  sie  nicht  rückfällig  werden.  Um  aber  für 
ein  Mädchen,  daß  einmal  die  verbotene  Frucht  genossen,  einen 
Rückfall  zu  befürchten,  braucht  man,  wie  Psychologie  und  Er- 
fahrung lehren,  nicht  gerade  ein  quasi-eheliches  Zusammensein 
voraussetzen. 

Eher  möchte  man  beim  ersten  Teil  des  Canons  an  ein  solches 
denken  und  man  muß  sich  wundern,  daß  Weckesser  von  seinem 
Standpunkt  aus  nicht  mehr  Gewicht  darauf  legt.  Lassen  uns 
auch  die  Canones  von  Elvira  mit  den  Verfehlungen,  die  sie  zu 
rügen  haben,  in  eine  gewisse  Verweltlichung  der  spanischen 
Kirche  hineinblicken l,  so  sind  doch  gottgeweihte  Jungfrauen, 
die  sich  durch  grobe  Unzuchtssünden  beflecken  und  nicht  einmal 
einsehen  „quid  amiserint",  also  Verstocktheit  zeigen,  die  dunkel- 
sten Gestalten  in  diesem  Bilde.  Man  möchte  zur  subjectiven 
Schuldmilderung  dieser  Unglücklichen  annehmen,  daß  eben  Ehen, 
die  sie  eingegangen  haben  und  nicht  mehr  aufgeben  wollen,  vom 
Concil  so  scharf  beurteilt  und'  geahndet  werden.  Allein  die 
Schlußfolgerung  darf  nicht  nach  menschlicher  Rührung,  sondern 
nur  nach  den  Gesetzen  historischer  Methode  vor  sich  gehen  und 
muß  demnach  so  lauten:  wir  haben  b:sher  nicht  gehört,  daß 
irgendwo  in  der  abendländischen  Kirche  irgendwann  in  den 
ersten  drei  Jahrhunderten  die  Ehe  einer  gottgeweihten  Jungfrau 
für  rechtlich  ungültig  erklärt  worden  wäre,   wohl  aber,   daß  ein 


1)  Harnack,  Mission  u.  Ausbreitung  des  Christentums  II2  (1906)  259ff. 


III.  Das  Concil  von  Elvira.  89 

Mann  wie  Cyprian  sie  für  rechtlich  gültig  und  sittlich  nicht 
schwer  sündhaft  hielt.  Wenn  nun  das  Concil,  das  sonst  immer 
Ehen,  auch  unerlaubte  und  ungültige  namhaft  macht,  wo  solche 
in  Betracht  kommen  (vgl.  can.  8—10,  15—17,  61,  66,  72),  hier 
einfach  von  „libidini  servire'-  redet,  so  handelt  es  sich  nicht  um 
Eheschließung,  sondern  um  Unzuchtssünden.  Das  ist  auch  die 
Ansicht  Hefeies  '. 

Gesetzt  aber  auch,  nicht  zugegeben,  es  wäre  in  unserm  Canon 
von  Eheschließungen  die  Rede,  so  wären  diese  durch  die  Wen- 
dungen „libidini  servire"  und  „ut  abstineant  se  a  coitu"  noch 
lange  nicht  für  ungültig,  sondern  nur  für  unerlaubt  und  straf- 
würdig erklärt.  Mit  jenem  Ausdruck  könnte  das  Concil  eine 
solche  Verbindung  in  dem  Sinne  belegen,  daß  Fleischeslust  sie 
zusammengeführt  habe  und  zusammenhalte.  So  redet  Papst 
Siricius,  oder  vielmehr  nach  der  neuesten  Forschung  Damasus 2, 
im  Brief  an  die  gallischen  Bischöfe  von  „amore  properante  ad 
libidinis  caecitatem",  wo  es  sich  um  eine,  auch  nach  Weckessers 
Ansicht  (S.  96)  notorisch  gültige  Ehe  einer  „virgo  sacra  sed 
nondum  velata"  handelt3.  Die  Enthaltung  vom  Geschlechtsver- 
kehr aber  steht  mit  der  Bußleistung  im  engsten  Zusammenhang. 
Auch  notorische  Eheleute  mußten  während  und  vielfach  sogar 
nach  der  Bußzeit  noch  auf  ihre  Rechte  verzichten.  Mit  lebensläng- 
licher Buße  war  also  dauernde  Enthaltsamkeit  von  selbst  gegeben. 
Insofern  kam  die  Wirkung  der  Strafe  der  einer  Annullierung 
der  Ehe  so  ziemlich  gleich,  aber  rechtlich  ist  eben  doch  ein 
Unterschied.  Zum  Vergleich  ließe  sich  noch  die  erste  Synode 
von  Toledo  (v.  J.  400)  heranziehen,  die  mit  ihren  can.  16  und  19 
(Harduin  1,  992)  noch  immer  keine   Ungültigkeit  der  Ehen  gott- 


1)  Konziliengeschichte  I,  133  und  206.  In  der  zweiten  Auflage  ist 
er  sich  nicht  ganz  konsequent  geblichen.  1-  IM  hei ISt  es  nämlich:  „durch 
Unzucht  oder  Verehelichung",  während  er  I  2  339  den  can.  19  von  Ancyrn 
von  rechtmäßiger  Beirat,  den  can.  13  von  Elvira  aber  nur  vom  Gelübde- 
bruch durch  Unzucht  reden  läßt. 

2)  Vgl.  Babut,  la  plus  ancienne  decretale  1904.  Duchesne  in  der 
Bevue  historique  1905  p.  278  sqq.   Theol.  Litztg.  1905  Sp.  495  f. 

3)  Vielleicht  darf  an  den  Kirchenstreit  unter  Gregor  VII  erinnert 
werden,  wo  eifrige  Gregorianer  die  damals  noch  rechtlich  gültige  Priester- 
ehe vielfach  der  Unzucht  gleichstellten. 


90  Koch,  Virgines  Christi. 

geweihter  Jungfrauen    kennt1.     Doch    fällt   sie  schon  bedeutend 
außerhalb  der  Zeitgrenze  unserer  Untersuchung. 

IV.  Die  römische  Kirche. 
Leider  läßt  uns  die  römische  Kirche  mit  literarischen  Nach- 
richten über  die  gottgeweihten  Jungfrauen  und  ihre  Gelübde  in 
den  ersten  drei  Jahrhunderten  völlig  im  Stich.  Da  sie  aber  am 
literarisch -wissenschaftlichen  Leben  dieser  Zeit  überhaupt  ver- 
hältnismäßig spärlich  beteiligt  war,  darf  uns  dieses  Schweigen 
nicht  gerade  wundern.  Man  hat  dafür  die  Wände  der  Katakomben 
reden  lassen.  Wie  schon  in  seinen  „Gottgeweihten  Jungfrauen" 
S.  52 ff.  (bezw.  Tafel  1),  so  deutet  Wilpert  auch  in  seinen  ..Ma- 
lereien der  Katakomben"  S.  206  ff.  (Tafel  79— 81)  nach  dem  Vor- 
gang anderer  Forscher  ein  prächtiges  Freskobild  in  der  Kata- 
kombe der  hl.  Priscilla  an  der  Via  Salaria  nova  von  der 
feierlichen  Einkleidung  einer  gottgeweihten  Jungfrau 
durch  den  römischen  Bischof  und  verlegt  das  Gemälde 
ins  dritte  Jahrhundert,  früher  in  seine  erste,  neuerdings 
in  seine  zweite  Hälfte.  Ich  bin  nun  außer  stände,  mit  dem 
gelehrten  Katakombenforscher  in  eine  fachmännische  kunstge- 
schichtlich-archäologische Discussion  über  das  Bild  einzutreten. 
Vielleicht  aber  darf  ich  mir  erlauben,  vom  kirchengeschichtlichen 
Standort  aus,  vom  Boden  historisch -kritischer  Methode  einige 
Bedenken  vorzutragen.  Daß  die  Deutung  der  Katakombenbilder, 
unbeschadet  der  ureignen  Kraft  und  Selbständigkeit,  innige  Füh- 
lung mit  der  patristischen  Forschung  und  innerkirchlichen  Ent- 
wicklungsgeschichte bewahren  muß,  ist  ja  principiell  unbestritten 
und  von  W'ilpert  im  allgemeinen  auch  durch  die  Tat  bestätigt2. 
Im  vorliegenden  Falle  scheint  er  aber,  von  irrigen  Voraus- 
setzungen geleitet,  diese  Fühlung  nicht  richtig  genommen  zu  haben. 
1.  Einedurch  den  Bischof  vorgenommene  liturgische  Schleier- 

1)  Freilich  findet  Weckesse r  S.  207  ff.  auch  hier,  und  ebenso 
S.  347  ff.  in  can.  16  von  Chalcedon,  Annullierung.  Es  ist  auffallend,  daß 
er  sich  mit  Fr  eisen,  der  doch  ebenfalls  das  ganze  Material  durchgear- 
beitet und  deshalb  sicher  „die  ganze  Entwicklung  gekannt"  hat  (Weck- 
esser S.  348),  dabei  aber  zu  entgegengesetzten  Resultaten  gekommen  ist 
(Gesch.  d.  kanonischen  Eherechtes  2.  Aufl.  1S93  S.  676  ff),  nicht  ausein- 
andersetzt, ja  ihn  nicht  einmal  nennt. 

2)  Vgl.  auch  Ficker  in  Ztschr.  f.  KG.  1906  S.  120 f. 


IV.  Die  römische  Kirche.  91 

Übergabe  an  eine  gottgeweihte  Jungfrau  ist  der  gesamten  abend- 
und  niorgenländischen  patristischen  Literatur  der  ersten  drei 
Jahrhunderte  völlig  unbekannt.  An  Gelegenheit,  auf  diesen  feier- 
lichen Act  hinzuweisen,  hätte  es  in  der  uns  erhaltenen  Literatur 
nicht  gefehlt1. 

Wilpert  glaubt  freilich  diesen  Einwand  vom  „weit  spätem 
Ursprung"  der  Schleierübergabe  durch  seine  Untersuchungen 
über  Tertullian  entkräftet  zu  haben2.  Allein  wie  wir  oben  sahen3, 
ist  seine  Interpretation  Tertullians  durchaus  unrichtig.  Der 
Afrikaner  kennt  keine  öffentliche  Gelübdeablegung,  keine  litur- 
gische Verschleierung.  Er  kennt  sie  nicht  bloß  nicht,  sondern 
seine  Darstellung  schließt  sie  geradezu  aus.  Nicht  das  hat  er 
zu  tadeln,  daß  die  Jungfrauen  öffentlich  Gelübde  ablegten  und 
den  Schleier  empfingen,  sondern  daß  sie  keinen  Schleier  trugen. 
Er  verlangt  auch  nicht  etwa  Schleierübergabe  —  dadurch  wären 
die  Jungfrauen  wieder  als  solche  bekannt  geworden,  was  er 
gerade  nicht  will  — ,  sondern  einfach  Schleiertragen.  Cyprian 
kennt  und  vermißt  nicht  einmal  das  Schleiertragen,  das  Tertullian 
so  rigoristisch  für  alle  Jungfrauen  gefordert  hatte.  Auch  der 
griechischen  Literatur  dieser  Zeit  ist,  wie  wir  noch  sehen  werden, 
eine  kirchliche  Schleierübergabe  ganz  unbekannt.  Das  erste  unzwei- 
deutige römische  Zeugnis  für  liturgische  Verschleierung  bei  der 
Profeßablegung  findet  sich  im  Schreiben  des  Papstes  Siricius  oder 
Damasus  an  die  gallischen  Bischöfe4,  also  in  der  zweiten  Hälfte 
oder  gegen  Ende  des  4.  Jahrhunderts.  Hier  wird  sie  freilich 
nicht  erst  eingeführt,  sondern  als  schon  bestehend  erwähnt5.    Für 

1)  Kraus  schreibt  in  der  R.  E.  II,  82:  „Anderseits  ist  der  Beweis 
erst  zu  bringen,  daß  im  zweiten  Jahrhundert  (dahin  verlegt  er  mit 
V.  Schul tze  das  Bild)  nicht  schon  irgend  eine  Art  Consecration  der 
virgines  devotae  vorkam".  Die  Sache  liegt  gerade  umgekehrt:  den  Be- 
weis haben  die  zu  erbringen,  die  eine  liturgische  Consecration  der  Jung- 
frauen annehmen. 

2)  Gottgeweihte  Jungfrauen  S.  57  bezw.  S.   15  ff. 

3)  s.  65 ff. 

4)  Migne  PL.  13,  1182:  Virgo  velata  iam  Christo,  quae  integri- 
tatem  publico  testimonio  professa  a  sacerdoie  pivce  fusa  benedictionis 
velamen  acccpit. 

5)  Schon  die  „vestis  mutatio",  womit  Maivellina  am  Weihnachtsfeste 
352  oder  353  ihre  „virginitatis  professio"  vor  Papst  Liberias  besiegelte  Am- 
bros.  de  virg.  3, 1.  Migne  P.L.  16,219),  wird  die  liturgische  Verschleierung  mit- 
einbegriffen haben.    Vergl.  übrigens  Tertullian  De  orat.  c.22  (oben  s 


92  Koch,  Virgines  Christi. 

das  Zurückreichen  des  Brauches  ins  dritte  Jahrhundert  fehlt  je- 
doch jeder  Anhaltspunkt.  Im  selben  päpstlichen  Schreiben  wird 
die  „virgo  iam  velata"  unterschieden  von  der  „puella  quae  non- 
dum  velata  est",  die  sich  aber  auch  schon  zur  Virginität  ent- 
schlossen und  verpflichtet  hat  —  eine  Unterscheidung,  die  den 
ersten  drei  Jahrhunderten  wieder  im  Orient  und  Occident 
völlig  fremd  ist.  Wie  bekannt,  wirkte  die  bedeutsame  Verände- 
rung, die  mit  der  Stellung  der  Kirche  im  Staate  und  öffentlichen 
Leben  anfangs  des  vierten  Jahrhunderts  vor  sich  ging,  vielfach 
auch  auf  das  innerkirchliche  Leben,  auf  Fragen  der  Verfassung,  des 
Cultus  und  der  Disciplin  ein.  Wenn  nicht  alles  täuscht,  kam  auch 
damals  erst  die  liturgische  Verschleierung  und  damit  zugleich  die 
Unterscheidung  zwischen  „virgines  velatae"  und  „non  velatae"  auf. 

2.  Als  Möglichkeit  erwähnt  Wilpert,  daß  das,  was  die 
Jungfrau  auf  dem  Katakombenbild  in  Händen  trägt,  statt  des 
Schleiers  eine  geöffnete  Schriftrolle  sein  kann,  aus  der  sie  die 
Formel  des  Gelübdes  vor  dem  auf  der  Kathedra  sitzenden 
Bischof  ablese,  während  der  Diakon  eine  für  sie  bestimmte,  mit 
dem  Clavus  geschmückte  Tunica  bereit  halte.  Für  die  Existenz 
einer  öffentlichen  liturgischen  Gelübdeablegung  kann  er  aber 
wieder  nur  auf  Tertullian  verweisen,  den  er  mißverstanden  hat1. 

3.  Der  Gestus  des  Bischofs  mit  der  ausgestreckten  Hand, 
dem  auch  sein  Blick  folge,  richte  sich  nach  der  Seite  hin,  wo 
Maria  mit  dem  göttlichen  Kind  auf  dem  Schöße  zu  sehen  sei, 
als  wollte  er  der  einzukleidenden  Jungfrau  sagen:  „Hanc  imi- 
tare  filia",  diese  nimm  dir,  Tochter,  in  deinem  neuen  Stande 
zum  Vorbild!  Maria  habe  ja  von  jeher  als  Lehrerin  der  Jung- 
fräulichkeit gegolten,  an  der  die  Schülerinnen  sich  bilden  sollten. 
Diesen  Gedanken  belegt  Wilpert  mit  Ambrosius,  in  dessen 
Schrift  de  instit.  virg.  c.  14  (Migne  P.  L.  16,  326)  obiger  Satz, 
nur  in  der  Pluralform,  steht.  Gewiß  hätte  Wilpert  eine  ältere 
Stelle  angeführt,  wenn  es  —  eine  solche  gäbe2.  Allein  so  schön 
und   naheliegend    dieser    Gedanke,    und    so  geläufig   er  uns  seit 


1)  Auch  Rauschen  äußert  bei  der  Besprechung  des  Wilpertschen 
Werkes  seine  Zweifel  an  einer  förmlichen  öffentlichen  (Gelübdeablegung 
in  dieser  Zeit  (Theol.  Revue  1904,  293  f.). 

2)  Daß  eine  ältere  Stelle  fehlt,  muß  auch  v.  Lehner  (Die  Marien- 
verehrung  in  den  ersten  Jahrhunderten  18S1,  2S9)  zugeben,  wenn  er  schon 
leichter  über  dieses  Bedenken  hinweggeht. 


IV.  Die  römische  Kirche.  93 

Ambrosius  ist,  in  der  gesamten  Literatur  der  ersten  drei  Jahr- 
hunderte hat  er  keinen  Niederschlag  hinterlassen.  Damit  will 
ich  keineswegs  leugnen,  daß  Maria  auch  schon  in  diesen  Jahr- 
hunderten den  Jungfrauen  als  leuchtendes  Beispiel  vor  Augen  ge- 
stellt worden  sein  kann,  aber  beweisen  läßt  es  sich  nicht.  Die 
Wissenschaft  aber  hat  es  mit  dem  Beweisbaren  zu  tun  und  darf 
ihren  Nachen  nicht  in  ein  uferloses  Meer  stoßen,  ins  Reich  der 
unbegrenzten  Möglichkeiten.  Es  ist  doch  zu  beachten,  daß  die 
Marienverehrung1  in  den  ersten  Jahrhunderten  noch  sehr  in 
den  Anfängen  war,  fern  der  Entwicklung  der  Folgezeit:  im 
Leben  und  Beten,  iu  der  Predigt  und  der  Literatur  der  ältesten 
Christen  steht  die  Gottesmutter  ähnlich  im  Hintergrund,  wie  in 
den  neutestamentlichen  Urkunden.  Das  Schweigen  dieser  Zeit 
wiegt  in  unserm  Fall  um  so  schwerer,  als  sich  in  der  uns  er- 
haltenen Literatur  Gelegenheit  zu  Hinweisen  auf  das  Beispiel 
der  seligsten  Jungfrau  geboten  hätte.  In  seiner  Schrift  De  ha- 
bitu  virginum  mahnt  und  warnt  Cyprian  die  Jungfrauen  in  er- 
greifenden Tönen,  ohne  die  jungfräuliche  Gottesmutter  nur  zu 
nennen.  Auch  die  allgemein  dem  dritten  Jahrhundert  zuge- 
wiesenen pseudoklementinischen  Briefe  Ad  virgines  lassen  eine 
solche  Exemplificierung  vermissen.  Zwar  werden  I,  6  2  Vorbilder 
des  jungfräulichen  Lebens  zur  Nachahmung  vorgestellt,  aber 
lauter  männliche:  Johannes  der  Vorläufer,  Johannes  der  Lieb- 
lingsjünger, Paulus,  Barnabas,  Timotheus,  Elias,  Elisäus  „aliosque 
multos  viros  sanctos  invenimus  vitam  egisse  caelibem  et  iinma- 
culatam".  Ja,  es  wird  die  sei.  Jungfrau  erwähnt,  deren  Leib 
unsern  Herrn  getragen,  daran  aber  die  Lehre  gefügt:  .,Hinc  ergo 
intellege  praestantiam  et  claritatem  virginitatis".  Die  Mutter 
Gottes  wird  also  zur  Beleuchtung  der  Schönheit  und  hohen 
Würde  der  Jungfräulichkeit  angeführt,  mit  dem  Hinweis,  daß 
der  Herr,  nachdem  er  aus  einer  Jungfrau  Mensch  geworden, 
„hanc  vitae  rationein  in  hoc  mundo  tenuit",  und  der  Aufforde- 
rung: „Vin'  tu  esse  Christianus?  Christum  ergo  imitare  in  Om- 
nibus". Im  Symposion  des  Methodius  stimmt  Thekla  XI.  "2 
ein  von  den  übrigen  Jungfrauen  mit  einem  Refrain  begleitetes 
Loblied  an  und  rühmt  darin  als  Märtyrer  und  Helden  der  Jung- 

1)  Vergl.  Lucius,  Die  Anfänge  des  Heiligenkults  in  der  christlichen 
Kirche  1904,  453  ff. 

2)  Funk,  Opera  patr.  apost.  II,  5 f. 


94  Koch,  Virgines  Christi. 

fräulichkeit  und  Keuschheit  Abel,  Josef,  die  Tochter  Jephtas 
Judith,  Susanna,  den  Vorläufer  und  —  die  t^cor/roxog  Jesu,  die 
Jungfrau,  die  unter  dem  gegen  sie  sprechenden  Scheine  verletzter 
ehelicher  Treue  zu  leiden  hatte  ({lOQCpJjV  vjctoyj-v  oiq  TTQodovoa 
Zsxtqq,  Migne  P.  G.  18,212  C,  mit  Anspielung  auf  Matth.  1,  18 f.). 

Es  ist  die  einzige  Stelle  der  ziemlich  umfangreichen  Schrift. 
wo,  und  die  einzige  Art,  wie  der  sei.  Jungfrau  Erwähnung  ge- 
schieht. Und  doch  hätte  es  sich  da  und  dort  sehr  nahegelegt, 
ihrer  zu  gedenken,  namentlich  I,  5  1,  wo  u.  a.  von  Christus  ge- 
sagt wird,  er  habe  sein  Fleisch  unversehrt  in  Jungfräulichkeit 
bewahrt,  weshalb  auch  wir,  wenn  wir  ihm  ähnlich  werden  wollen, 
Jungfräulichkeit  pflegen  sollen,  da  Flucht  vor  Verderbnis  Ver- 
ähnlichung  mit  Gott  bedeute.  Christus  ist,  wie  aQyiJioLfirjv 
und  aQxutgocprjTtjg  der  Kirche,  so  auch  agycTraQ^svog  (Migne 
18,  45  ß).  Das  ist  noch  nicht  die  Art  eines  Ambrosius,  der 
nie  von  der  Jungfräulichkeit  spricht  —  und  er  spricht  oft  da- 
von —  ohne  das  Beispiel  der  sei.  Jungfrau  begeistert  hervorzu- 
heben und  zu  ihrer  Nachahmung  aufzumuntern,  der  De  virg.  11, 
2,  6  schreibt:  „Sit  igitur  vobis  tamquam  in  imagine  de- 
scripta  virginitas  vita  Mariae,  de  qua  velut  speculo  reful- 
geat  species  castitatis  et  forma  virtutis",  um  dies  dann  im  ein- 
zelnen weiter  ausführen  (Migne  P.  L.  16,  208  ff.).  Fast  genau  so 
hat  Methodius  (a.  a.  0.)  vom  Leben  des  Heilandes  gesagt:  Tavty 
yciQ  ?jQ£ziOaro  xr]v  avd-Qcojtiv)]v  avövöaö&cu  öagxa  &tog  cöv,6jta>g 
ojöJtSQ  ev  jiivaxt  frelov  sxTvjimfia  ßiov  ßXtjiovrsg  tymiizv 
xal  r/fislg  xov  jQaipavza  ftifislöd-ai. 

Ist  es  nun  nicht  eine  mißliche  Sache,  für  die  Deutung  eines 
Bildes  des  dritten  Jahrhunderts  in  allen  seinen  Teilen  erst  aus 
dem  vierten  Jahrhundert  patristische  Stützen  beibringen  zu 
können?  Noch  mehr:  was  wir  vom  dritten  Jahrhundert  wissen, 
spricht  nicht  für ,  sondern  gegen  die  Existenz  einer  öffentlichen 
Gelübdeablegung  und  liturgischen  Schleierübergabe.  So  fordern 
die  Resultate  unserer  Untersuchung,  jenes  Bild  der  Priscillakata- 

1)  So  nahe,  daß  Bardenhewer  in  seiner  Gesch.  der  altkirchl.  Lit. 
II  (1903)  297  im  Anschluß  an  Pankow  (Katholik  18S7,  II,  239)  es  un- 
willkürlich einträgt:  „Er  nahm  den  Adam  aus  dem  Fleische  der  reinsten 
Jungfrau  an,  und  das  aus  ihm  sprossende  Geschlecht,  ideell  mit  ihm  aus 
der  Jungfrau  gehören,  muß  der  Jungfräulichkeit  wenigstens  zustreben, 
mag  die  volle  Höhe  auch  nur  von  wenigen  erklommen  werden  können 
(Or.  I)".     Das  ist  sehr  schön  gesagt  —  aber  nicht  von  Methodius. 


V.  Klemens  von  Alexandrien.  95 

kombe    entweder    anders    zu    deuten1    oder  um  ein  Jahr- 
hundert später  zu  datieren. 

B.  Die  morgenländisclie  Kirche. 

V.   Klemens  von  Alexandrien. 

Wenden  wir  uns  zur  griechischen  Kirche,  so  kommt  vor 
allem  Klemens  von  Alexandrien  in  Betracht.  Er  wird  von 
Schiwietz  (S.  18)  als  erster  Zeuge  des  Gelübdes  der  Jungfräu- 
lichkeit oder  Enthaltsamkeit  angeführt,  nämlich  Stromat.  III,  1: 
lyxQaxua  xolvvv  öa>{iaxog  vjtsgotyla  xaxa  xijv  Jcgbg  &sov  6tuo- 
Ao7/a^(MigneP.G.8, 1103)  und  III,  15:  6  xaxa  jtqo&eOiv  evvov%lag 
6tuoXoj7]Oag  ftr]  y?jtucu  äyafiog  diatuevtxa)  (col.  1197).  Allein  an 
der  ersten  Stelle  ist  nach  dem  ganzen  Zusammenhang  nicht  von 
einem  Gelübde  die  Rede,  sondern  von  dem  von  jedem  Christen 
bei  der  Taufe  abgelegten  Versprechen  der  „Enthaltsamkeit",  d.  h. 
der  Bezähmung  unerlaubter  Gelüste.  Diese  eyxgaxsia  wird  der 
sexuellen  Zügellosigkeit  der  Basilidianer  entgegengesetzt,  die 
durch  ihr,  die  schlimmsten  Heiden  an  Ausgelassenheit  über- 
trumpfendes Leben,  den  Namen  Christi,  den  sie  angenommen, 
lästerten.  Er  erklärt  selbst,  was  er  unter  iyxgaxsia  hier  ver- 
steht, wenn  er  fortfährt:  ov  fiovov  yag  jcsqI  xa  dcpQOÖiota,  alla 
xai  jtsqI  xa  alla,  a  ejti&vini  i)  U'vy/j  xaxäg,  ovx  dgxovfiEVT] 
xoZq  avayxaioig,  ?/  tyxgaxua  avaoxgt'cpsxai'  Zgxi  6h  xai  jcsqI  x?jv 
ylcöooav,  xai  ji&qI  xrtv  xxrjoiv,  xai  jcsqI  xrjv  XQV^lv>  7iaL  xeqI 
xtjv  EJti&Vfiiav  syxQaxsia.  Diese  syxQcixsia  ist  also  nicht  Jung- 
fräulichkeit und  Ehelosigkeit-,  sondern  ,.temperantia';:  Enthaltung 
von  allem  Unerlaubten,  sowie  allseitige  Mäßigung  und  Selbst- 
beherrschung in  erlaubten  Dingen. 

Die  andere  Stelle  III,  15:  0  xaxa  jtqoQeöiv  svvovyu:^ 
ofioloyrjoag  Lu?]  y/jfiaL  ayatuog  öiafisvtxco,    durch    die  ein  unge- 

1)  Wilpert  betont  selber,  daß  sonst  in  den  Katakombenbildern  nie- 
mals Kpisoden  aus  dem  irdiscben  Leben  der  Verstorbenen,  auch  nicht 
solche  religiöser  Natur,  dargestellt  würden,  weshalb  wir  nie  eine  Bischofs- 
oder Priesterweihe  fänden. 

2)  Vgl.  Stromat.  IIF,  7:  xai  zov  int  naiöonoda  yt'/uavxa  iyxQÜreiav 
aoxeiv  xqi'/,  uiq  /n/rfe  int&vßsiv  x^q  yvvaixbq  xfjq  kavxov,  )]v  ayanäv  u<pei- 
?.ei,  OEfxvö)  xai  oüxpQOVt  natöonoioijtevoq  &£h)naxi  (Migne  11**1  B).  III, 
15:  xolq  iyxQUXibq  '/Qio/uevoiq  xö>  yäfio)  inl  naiöonoda.  fiövy,  opp.:  rcü- 
xai  nhQa  naiöonodaq  nQoßaiveiv  ini&i\uovaiv  (1196 C).     IM.  lti:    oi 

X(üv  aneyönevoq,  ci).X>  oiq  I'xqivev  iyxQarCoq  yQto/uevoq  (1204  B). 


96  Koch,  Virgines  Christi. 

naues  Schriftcitat  „o  yrjfiaq  //?}  exßaXXsrco  xal  o  //?/  yaa/'/Gag  fir/ 
yctfisirco"  gedeutet  wird,  redet  allerdings  von  einem  Versprechen. 
Indes  läßtKlemens  an  einer  früheren  Stelle  bei  demselben  Gedanken 
ofioXoyelv  aus,  ström.  III.  12:  /}  jigofreoig  re  exaorov,  rov  re 
lavxbv  tvvovyiöavxog  rov  rs  av  yafim  öia  naidoüiodav  ovCtv^av- 
rog,  avevöorog  Jtgbg  xb  tjxxov  öiafitvsiv  ocpeLXei  (Migne  11771)  . 
Man  darf  auch,  will  man  seine  Termini  recht  verstehen,  den 
Gegensatz  nicht  außer  acht  lassen,  den  er  im  Auge  hat  und 
bekämpft.  Er  verteidigt  nämlich  das  gute  Recht  ebenso  der 
Ehe  wie  der  Ehelosigkeit  gegen  die  Gnostiker,  die  teils  sexuellen 
Libertinismus,  teils  völlige  Enthaltsamkeit,  diese  aber  mit  Ver- 
werfung der  Ehe,  und  falscher  dogmatischer  Voraussetzung 
predigten.  So  sind  die  Anhänger  Marcions,  wenn  sie,  Natur  und 
Materie  für  schlecht  erklärend,  sich  der  Ehe  enthalten,  um  die 
vom  Demiurgen  geschaffene  Welt  nicht  zu  bevölkern,  wohl 
eyxgaxelg,  aber  sie  sind  es  nicht  xfj  Jtgoaigeosi,  nicht  in  freiem, 
sittlichem  Entschluß,  sondern  aus  Haß  und  Widerspruch  gegen 
den  Schöpfer,  avriraooofiepot  rq>  Jtoirjxf]  xcp  öqpcov,  xirj  jcgbg 
rov  jieüioiiyxora  hx&Qa  Wh  ßovXofievoc  yor](j&ai  xolg  vxavrov 
xriG&üGiv  (III,  3.  Migne  1113  B).  Der  Marcionit  ist,  wenn  man 
seine  Enthaltsamkeit  überhaupt  lyxgarua  nennen  darf,  axcov 
lyxgarrjg,  xarargeymv  xal  xrjg  xxiOEoog  xal  rov  jtXaGfiaxog, 
(III,  4.  1129A.)  Einer  solchen  irrigen  Anschauung  und  falschen 
Ehelosigkeit  gegenüber  ist  die  christliche  eine  evvovxia  xaxa 
jtgößeGiv  oder  bfioXoyiav  oder  Jigoaigsoiv,  eine  in  der  richtigen 
Gesinnung  mit  freiem  sittlichen  Entschluß  gewählte.  Eine  solche 
lyxgarua  ist  tpvyrjg  agsxrj,  ?/  ovx  sv  (pavegcö  aXl*  Iv  ajioxgvcpq> 
(III,  6.  1152B);  ihre  Seele  und  treibende  Kraft  muß  die  dyaJti] 
rrgog  rov  ß-ebv  sein,  sonst  hat  sie  keinen  Wert  (1153B). 

So  erscheinen  bei  Klemens  ngoOsGig,  6tuoXoyla  (6[ioXoyüv), 
ngoalgtGig  als  synonyme  Begriffe,  die  eine  ethische  Verpflichtung 
begründen  und  die  richtige  christlich-dogmatische  Anschauung 
über  Ehe  und  Ehelosigkeit  voraussetzen.  Ob  er  ein  eigentliches 
Gelübde  dabei  im  Auge  hat.  ist  etwas  zweifelhaft1.  Da- 
von   vollends,    daß    ein   Gelübde  etwa   „in   facie   ecclesiae",    mit 

1)  Welch  matte  Bedeutung  6fio?.oysiv  bei  Klemens  haben  kann,  zeigt 
Paedag.  II,  10:  svvoca  de,  dXio&qQÜc  sie  aworaiav  exsiv  (ehelicher  Ge- 
schlechtsverkehr) öfxoXoyovaa,   öXlyov  äv&ei  xal  avyyijQäaxeL  tto  owliccti 

(Migne  8,  513  A),  wo  es  sich  gewiß  nicht  um  ein  Gelübde  handelt. 


VI.  Origenes.  97 

liturgischer  Feierlichkeit  abgelegt  worden  wäre  und  rechtliche 
Consequenzen  nach  sich  gezogen  hätte,  findet  sich  nicht  eine 
leise  Spur. 

VI.   Origenes. 

Als  zweiter  Zeuge  der  Virginitätsgelübde  wird  Origenes 
aufgeführt.  In  Levitic.  honi.  3  n.  4:  Et  nos  ergo  cum  venimus 
ad  Deurn  et  vovemus  ei  nos  in  castitate  servire,  pronuntiamus 
labiis  nostris  et  juramus  nos  castigare  carnem  nostram,  vel  male 
ei  facere  atque  in  servitutem  redigere,  ut  spiritum  salvum  facere 
possimus  (Migne  P.  G.  12.42S).  „Auch  Origenes  bezeugt  es,  daß 
dieses  Gelübde  der  Keuschheit  die  Natur  eines  Eides  habe.  Da 
er  an  dieser  Stelle  in  der  ersten  Person  Pluralis  redet,  so  ergibt 
sich  daraus,  daß  er  nicht  bloß  von  den  gottgeweihten  Jungfrauen, 
sondern  auch  von  den  Asceten  redet".  So  Schiwietz  S.  18. 
Tatsächlich  zeigt  aber  die  Anführung  dieser  Stelle,  wie  die  der 
klem entmischen,  (und  oben  der  tertullianischen  für  eine  öffent- 
liche Gelübdeablegung),  nur  wieder  einmal,  wie  leicht  man  es  sich 
selbst  in  wissenschaftlichen  Untersuchungen  immer  noch  mit  patri- 
stischen  Belegen  macht  und  wie  wenig  man  auf  den  Zusammen- 
hang achtet. 

Origenes  bespricht  nämlich  a.  a.  0.  (ed.  Lommatzsch  9, 
206  ff.)  die  Schwierigkeit,  die  darin  liegt,  daß  III  Mos.  5,  4 — 6 
anscheinend  auch  die  Nichterfüllung  eines  Schwures,  etwas  Böses 
tun  zu  wollen,  als  Sünde  bezeichnet  werde.  „Male  facere  alicui" 
bedeute  hier  ..non  indulgere  ei  ut  faciat  quod  vult".  Das  wird 
nun  mit  dem  Satze  illustriert:  Et  nos  ergo  cum  venimus  ad 
Deurn  et  vovemus  ei  nos  in  castitate  servire,  pronuntiamus  labiis 
nostris  et  juramus  nos  castigare  carnem  nostram  vel  male  ei 
facere  atque  in  servitutem  eam  redigere,  ut  spiritum  salvum 
facere  possimus.  Der  Schwur  lautet  auf  Dienst  Gottes  in 
Keuschheit  und  Bezähmung  des  Fleisches,  nicht  auf  Jungfräu- 
lichkeit und  Ehelosigkeit,  was  denn  doch  ein  großer  Unterschied 
ist.  Nichts  an  der  Stelle  gibt  uns  ein  Recht,  die  Keuschheit 
gerade  von  der  beständigen  Jungfräulichkeit  zu  verstehen,  im 
Gegenteil,  einige  deutliche  Fingerzeige  verbieten  diese  Beschrän- 
kung geradezu.  Oder  sollte  Origenes  sagen  können,  daß  man 
nur  durch  Ehelosigkeit  „den  Geist  retten  kann",  nicht  auch  bei 
der    rtxvoyovia,    wie    der  Apostel    (1  Timoth.    2,  15)    schreibt? 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.   81,  *  7 


98  Koch,  Virgines  Christi. 

Doch  der  Schriftsteller  erklärt  ja  seinen  Satz  selbst,  indem  er 
unmittelbar  fortfährt:  Sic  enim  et  ille  jurasse  se  dixit,  qui  ait: 
„juravi  et  statui  servare  omnia  praecepta" '  (Ps.  118.  106).  Das 
ist  nichts  anderes  als  ein  Schlag  gegen  das  Fleisch,  das  dadurch 
„afflicta  sine  dubio  a  spiritu  et  coarctata"  ist.  „Huic  ergo  carni 
resistenti  et  repugnanti  adversum  spiritum  si  quis  juraverit  et 
pronuntiaverit  malefacere  et  affligere  et  macerare  eam,  et  non 
fecerit,  peccati  reus  est,  in  quo  juravit  cruciare  se  carnem  suam 
et  Servitut!  subjieere  et  non  fecit".  Durch  diese  Erläuterung  ver- 
rät Origenes  deutlich  genug,  daß  er  unter  „castitas"  keineswegs 
immerwährende  Virginität,  sondern  entweder  Keuschheit  über- 
haupt, Beobachtung  des  sechsten  Gebotes,  oder  aber  —  und  das 
ist  wahrscheinlicher  —  allseitige,  nicht  bloß  sexuelle,  sittliche  In- 
tegrität, Beobachtung  der  Gebote  und  Überwindung  der  ent- 
gegenstehenden schlimmen  Neigungen  versteht.  Er  redet,  um 
die  späteren  Schultermini  zu  gebrauchen,  nicht  vom  „bonum 
melius",  sondern  vom  „bonum"  und  hat  bei  dem  Schwur  allem 
Anschein  nach  eben  das  Taufgelübde  im  Auge  oder  aber  einen 
Schwur,  durch  den  ein  Christ  sich  noch  in  verstärktem  Maße 
zu  sittlichen  Leistungen  verpflichtet,  zu  denen  er  an  sich 
schon  gehalten  ist.  Für  ein  Jungfräulichkeitsgelübde  ist  aus 
unserer  Stelle  nichts  zu  gewinnen,  weder  für  ein  öffentliches 
noch  für  ein  privates. 

VII.  Die  apostolische  Didaskalia. 
Überaus  lehrreich  ist  ein  Vergleich  zwischen  der  pseud- 
apostolischen  Didaskalia  und  den  Apostolischen  Constitutionen 
hinsichtlich  der  Jungfrauenfrage.  Durch  die  ausgezeichnete 
Ausgabe  von  Funks  (Paderborn  1906.  2  Bde.)  ist  er  jetzt  sehr 
bequem  gemacht.  In  jener  Grundschrift,  die  allgemein  dem 
dritten  Jahrhundert,  und  zwar  neuestens  eher  seiner  zweiten  als 
seiner  ersten  Hälfte  zugewiesen  wird  \  werden  nur  einmal  Jung- 
frauen erwähnt  (IV,  1,  1  und  2,  2  ed.  Funk  I,  218),  wobei  es 
sich  aber  nicht  um  gottgeweihte  Jungfrauen  handelt,  sondern 
um  die  Erziehung  und  Versorgung  von  Waisenmädchen  bis  zu 
ihrer  Verheiratung.  Während  so  der  Stand  der  gottgeweihten 
Jungfrauen  in  der  Didaskalia  gar  nicht  genannt  ist,  sind  in 
ihrer  Überarbeitung   in    den    ersten    sechs  Büchern    der  Aposto- 

1)  Vgl.  Funk  in  den  Proleg.  seiner  Ausgabe  1.  8.  IV f. 


VIII.  Die  pseudoklenientinischen  Briefe  Ad  virgines.  99 

ligchen  Constitutionen  fünfmal  neben  den  Witwen  die  Jung- 
frauen eingeschoben l.  Außerdem  handelt  Constit.  IV,  14  vom 
Gelübde  der  Jungfräulichkeit:  es  soll  nicht  vorschnell  abgelegt 
(////  stqox^iQco?  ijiayyeÜMO&ai),  dann  aber  treu  gehalten  werden. 
Auch  das  achte  Buch  befaßt  sich  wiederholt  mit  den  Jungfrauen 
und  bestimmt  in  c.  24,  daß  sie  nicht  Handauflegung  erhalten 
sollen,  woraus  wir  ersehen  können,  daß  sie  ihr  Gelübde  in  der 
Kirche  ablegten.  Dies  der  Stand  ums  Jahr  400 2.  In  der  Didas- 
kalia  findet  sich  von  alle  dem  keine  Spur.  Nicht  als  ob  es  in 
der  Kirche,  für  die  der  Verfasser  schrieb,  keine  freiwilligen  Jung- 
frauen gegeben  hätte,  —  wenn  es  an  der  oben  angeführten  Stelle 
IV,  2,  2  von  dem  zu  versorgenden  Waisenmädchen  heißt  „quamdiu 
velit  nubere",  so  ist  die  andere  Eventualität,  freiwillige  Ehe- 
losigkeit, damit  angedeutet  — ,  aber  sie  spielen  bei  ihm  keine 
Rolle  in  der  kirchlichen  Gesellschaft,  sie  kommen  für  ihn  nicht 
als  kirchlicher  Stand  in  Betracht,  er  hat  für  sie  keine  beson- 
deren Vorschriften  und  kirchliche  Normen.  Beide,  Didaskalia 
und  Constitutionen,  wollen  von  den  Aposteln  stammende  Samm- 
lungen von  Sittenvorschriften  und  Rechtsnormen  sein.  Reden 
sie  hier  in  ihrem  gegenseitigen  Verhältnis,  durch  das,  was  die 
spätere  enthält,  die  frühere  aber  vermissen  läßt,  nicht  eine  deut- 
liche Sprache  von  der  Entwicklung  des  Jungfrauenstandes  in 
der  Kirche? 

VIII.    Die  pseudoklementinischen  Briefe  Ad  virgines. 

Die    wohl    ebenfalls    dem    dritten    Jahrhundert,    möglicher- 
weise   aber    auch    dem    Anfang    des    vierten    Jahrhunderts3    an- 


li  Nämlich  IJ,  26,  3  u.  8  (ed.  Funk  I,  103  u.  105).  II,  57,  12  (S.  L65). 
III,  6,  4  (S.  191)  u.  III,  15,  5  (S.  209). 

_'  Kbenso  in  der  „Ägyptischen  Kirchenordnung"  (Funk  II.  Proleg. 
S.  XX)  und  im  „Testamentum  Domini"  (Funk,  das  Testament  unseres  Herrn 
und  die  verwandten  Schriften   L901  S.  92  und  200). 

3)  Vergl.  darüber  Bardenhewer,*  Gesch.  d.  altkirchl.  Literatur 
I,  117.  Harnack,  Die  pseudoclernentinischen  Briefe  de  virginitate  und 
die  Entstehung  des  Mönchtunis,  in  den  Sitzungsber.  d.  k.  Preuss.  Ä.kad. 
d.  Wissensch.  L891,  361ff.  Chronologie  d.  altchr.  Litt.  II  L904)  L33ff. 
Ncuinann,  Die  Enthaltsamen  der  pseudoclementinischen  Briefe  de  vir- 
ginitate in  ihrer  Stellung  zur  Welt,  in  den  „Orient.  Studien,  Theodor 
Nöldeke  zum  70.  Geburtstag  gewidmet"  1906.  II,  831ff. 


IQO  Koch,  Virgines  Christi. 

gehörenden,  unter  dem  Namen  des  römischen  Clemens  laufenden 
Briefe  Ad  virgines  oder  De  virginitate  wenden  sich  an  „virgines 
fratres  beati,  qui  dedunt  se  servandae  virginitati  propter  regnum 
coelorum''  und  an  die  „virgines  sacrae"  (I,  l)1,  die  „virgines  fratres 
aut  sorores,  qui  vere  statuerunt  servare  virginitatem"  (I,  2,  1). 
Es  werden  ernste  Mahnungen  an  sie  gerichtet:  jedes  soll  sich 
gründlich  erforschen  und  kennen  lernen;  „nain  vanum  cultumDeo 
exhibet  quicumque  virginitatem  et  sanctimoniam  profitetur,  vir- 
tutem  autem  ejus  abnegat"  (I,  3,  4).  Mit  aller  Kraft  Gottes  muß 
umgürtet  sein  „quicumque  coram  Deo  spondet  se  servaturum  esse 
castitatem"  (3,  5).  Dafür  winkt  ihm  besonderer  himmlischer  Lohn 
..ob  sublimem  illam  et  heroicam  virginitatis  professionem"  (4,2). 
Mißstände  werden  getadelt,  die  sich  bei  denen  eingeschlichen 
haben,  „qui  virginalem  statum  sibi  elegerunt"  (10,2).  Der  Verfasser 
bekämpft  namentlich  das  Syneisaktentum  und  gibt  im  zweiten 
Briefe  (oder  richtiger  im  zweiten  Teile)  eine  detaillierte  Wohnungs- 
und Reisecasuistik:  er  schläft,  heißt  es  unter  anderm,  niemals  da, 
„ubi  somnum  capit  puella  innupta  aut  Deo  sacrata"  (1,  2),  ver- 
schmäht jede  weibliche  Bedienung  auch  einer  „vetnla"  oder  „sacrata 
Deo"  (2,3).  „Nos  Deo  sacri  cum  mulieribus  neque  manducamus 
neque  bibimus"  etc.  (3,  2).  Das  sind  die  Stellen,  die  vom  Ent- 
schluß zum  jungfräulichen  Leben  und  Keuschheitsgelübde  reden. 
Dieses  wird  „vor  Gott"  abgelegt;  eine  Beteiligung  der  Kirche 
ist  damit  zwar  nicht  ausgeschlossen,  aber  auch  in  keiner  Weise 
nahegelegt.  Das  Virginitätsgelübde  erscheint  als  eine  Privatsache, 
begründet  aber  ernste,  sittliche  Pflichten. 

IX.  Methodius  von  Olympus. 
Wie  diese  beiden  Briefe,  so  handelt  auch  das  oben  schon 
erwähnte  Convivium  decem  virginum  des  Methodius  von  Olym- 
pus ex  professo  von  der  Jungfräulichkeit  (Migne  P.  G.  18, 
27 — 220),  und  man  kann  von  dieser  Schrift  weitere  Aufschlüsse 
erwarten.  Daß  die  jungfräulichen  Seelen  mit  Christus  vermählt 
sind,  ist  ein  ganz  geläufiger  Gedanke,  wobei  Diesseits  und  Jenseits, 
Wandel  auf  Erden  und  Belohnung  im  Himmel  ineinander  fließen: 
zrjg    Tß>    Kvqico    v£W[i<pev[t£vr)g    tyv%TJ<:    (VI,   1   Migne  113  D), 


1)  Die  lateinische  Übersetzung  des  syrischen  Textes  bei  Funk,  Patr. 
Apost.  II,  lff. 


IX.  Methodius  von  Olympus.  ll)| 

vvfi<paycoyovtutroi  xcö  vlcö  xov  &eov  (IV,  2.  11 6  A),  tvvfirpayco- 
yrj&riöav  xcö  Aoyco  nagfreviav  doxTjGavxeg  (X.  6.  204  B).  Der 
Refrain  des  Lobliedes  in  Or.  XI  lautet:  „Dir  weihe  ich  meine 
Keuschheit    und    eine    flammende  Fackel    tragend,    eile    ich    dir, 

0  Bräutigam,  entgegen".  Im  Hohenliede  singt  Christus  selbst 
den  Preis  der  vollendeten  Jungfrau  und  faßt  alle  ihre  Auszeich- 
nung in  das  Wort  ..Braut"  zusammen:  xavxa  (Cant.  4,  9 — 12) 
Xqiotoc  xcdg  IjiI  ittQara  xag&eviaq  eX&ovGcuq  xa  syxcofiia 
ipdllei  ütaGac,  tri  jrtor/Qaipag  xcö  vvu<p)c  ovofiari  (VIII,  1. 1.25B). 
Erhält  sie  den  Siegespreis,  so  kann  sie  sprechen:  wfMpsvoficu 
xcö  Xöyco  xal  xov  äidcov  xtjg  acp&agöiaq  jcqoIxcc  /.atußdvco  Oxe- 
(favov  xal  jt/.ovtov  naget  rov  Haxgoq  (VI,  5.  120  C). 

Auch  von  dem  dauernden  Entschluß  und  Gelübde  der  Jung- 
fräulichkeit und  der  Pflicht,  ihm  treu  zu  bleiben,  wird  gesprochen. 
In  der  bekannten  Parabel,  erklärt  Methodius,  werden  alle  zehn 
Mädchen  Jungfrauen  genannt  wegen  desselben  Vorsatzes  und 
Gelöbnisses:  eoxtilavxo  fiev  yag  cd  jraQccjrhjGicog  tavxag  eiq 
xovxo  xad-ofioXoyrjoa.oai  xal,  xavxt]  xix7jr\Cxovxai  ötxa,  ejrtiöij 
xr/v  avxijv  etXovxo  jtqo&eoiv  (VI,  3.  116  C);  durch  die  fünf,  die 

01  in  ihren  Lampen  hatten  aiviööexai  xaq  IjcI  ntoaxa  jraQ&tviag 
kmöxsQXOfievaq  eXd-etv  (VI,  2.  116  B),  den  andern  fünf  ging  das 
Ol  aus  ajib  xtjg  jrioxecoc  eiq  dxoXaöiav  avxcov  txTQOjta/LiCofiercov 
(VI,  4.  117  D).  Die  ganze  Erklärung  der  Parabel  klingt  in  die 
Sprache  derMysterien  aus:  xavxa  xcöv  rj[iexega)v,a\  xaXXijtdg&evoi. 
xu  oQyia  iivOxrjQicov,  avxai  xcöv  hv  jtag&ti'ia  ijvoxaycoytj&tvxcov 
al  xsXsxat —  jenseitige  Vermählung  mit  dem  Logos,  Vollweihe  und 
Verklärung  derer,  die  ihre  Jungfräulichkeit  unversehrt  bewahrt 
haben  (VI,  5.  120  C).  Die  Brustbinde  bei  Jerem.  2.  32.  i)  ovvöovoa 
Ccovrj  xal  ovOffiyyovOa  xr\v  jcoo&eoiv  xl]q  irvyjjg  eiq  dyreiav, 
bedeutet  die  Liebe  zu  Gott  und  die  Beharrlichkeit  im  jungfräu- 
lichen Stande  (IV,  6.  96  B).  Die  Virginität  ist  das  größte  und 
glänzendste  dvad-r/fia  xal  öcöqov,  dorn  kein  anderes  gleichkommt, 
die  fieyaXr)  tvyj]  (Num.  6,  1),  die  bloß  erfüllen  ol  oefäg  avrovq 
av&aigixcp  ßovXfj  jrQooevt'yxaoOai  ßovXofievoi  ....  txtlvoq  6 
U'.vt(,v  ava&elg  xcö  Os<p  oXoxeXmq  (V,  1.  97  A/B).  Mau  muß 
die  Jungfräulichkeit  aber  auch  dyoavxov  xal  xa&aQav  xdvxq 
cpvXaxxeiv  /ut/öiv  xoivcovovöav  xcdg  öagxbq  dxa&agoiaiq  (V,  6 
108  D).  Der  im  Heiligtum  in  nächster  Nähe  des  Allerheiligsten 
stehende  goldüberzogene  Rauch opferaltar   ist   ein   Bild  der  jung- 


102  Koch,  Virgines  Christi. 

fraulichen  Reinheit,   die  ohne  Schmutz  und  Flecken  allezeit  hell 
erstrahlt  im  Lichte  des  Logos  (V,  8.  112  B). 

Man  würde  sich  nicht  wundern,  wenn  man  vom  enthusiasti- 
schen Lobredner  der  Virginität  die  schärfste  Verurteilung  der 
eventuellen  Ehe  einer  gottge weihten  Jungfrau  hörte.  In  Wirk- 
lichkeit findet  sich  aber  bei  ihm  etwas  ganz  anderes.  So  hoch 
er  das  ganz  freiwillige  Festhalten  am  jungfräulichen  Leben  wertet, 
so  hat  er  doch  gegen  die  Eingehung  einer  Ehe  trotz  des  Ge- 
lübdes unter  gewissen  Umständen  nichts  einzuwenden.  Das  und 
nichts  anderes  ist  gegen  Schluß  der  Orat.  III  ausgesprochen,  wo 
Methodius  die  Lehre  des  hl.  Paulus  über  Ehe  und  Jungfräulich- 
keit (I  Kor.  7,  25  ff.  36  ff.)  behandelt. 

Schon  III,  13  (81 C)  macht  er  darauf  aufmerksam,    wie    vor- 
sichtig Paulus  die  Rede  von  der  Jungfräulichkeit    einleite.     Der 
Apostel,  sagt  Methodius,  ist  im  Begriffe,  die  „Verheiratung  seiner 
Jungfrau"1  jedem  anzuraten,    dem  es  lieb  ist,  damit  nichts    von 
dem,  was  zur  Heiligung  gehöre,  gezwungen  und  mit  Gewalt,  sondern 
mit  völlig  freiem  Willensentschlusse  geschehe,    was    allein  Gott 
angenehm  ist  (ojtcoq  (irjöhv  xmv  alc  ayiaöfiov    (peoofitvrov  xax 
avayxi]v  ytvoixo  xal  ßlav,    alla   xaxa    jcqoO-soiv    avreZovöLov 
tyvy/jq).    Er  will  aber  die  „Verheiratung  der  Jungfrau"  nicht  so 
verstanden  wissen,    als  sei    dies    von    ihm    nach  Anweisung  und 
Willensäußerung    des    Herrn  gesagt  (ov  ßovXexai    t$   avd-EVxlaq 
avxcp  xavxa  xal  yvcof-ir/g  XeXtx&ai  xov  Kvqiov).    Vielniehr  wird 
er  nacher  fast  ängstlich  und  verwirrt   seine  Zustimmung  wieder 
durch  den  Zusatz,    daß  er  diesen  Rat   nach    menschlicher,    nicht 
nach  göttlicher  Nachsicht  gegeben  habe  (fixedbv  JtaXiv  vjcevXa- 
ßrjfrtlq  ävsxaoat-s   xrjv  övyxara&tOii',  xaxa  övyyvcofirjv  av&Qo- 
jtivrjv  vjtsfirpalvcov  xavxa  üvf/ßeßovXsvxtvaijaXX    ov  xaxa  frelav). 
—  Für  uns  kommt  hier   nicht  die  wirkliche  Situation,    die    der 
Apostel    bei  Behandlung    der  Jungfrauenfrage   im  Auge    hatte2, 
in  Betracht,  sondern  nur  die  Auffassung  seines  Interpreten,    des 
Bischofs    von  Olympus.     Dieser    läßt    den   hl.  Paulus    ob    seiner 
oben  gemachten  Concession  fast  erschrecken  und  sie  halb  wider- 


1)  Methodius  versteht  das  ya/xlteir  x>]v  tavtov  naa&hov  nicht  von 
Vater  und  Tochter,  sondern  vom  eigenen  Leibe.  Vergl.  Josef  Sicken- 
berger  in  der  Bibl.  Zeitschr.  1H  (1905)  52 f. 

2)  Vergl.  darüber  nieinen  Versuch  in  der  Bibl.  Zeitschr.  HI  (1905) 
401  ff. 


IX.  Methodius  von  Olympus,  [(y^ 

rufen.  Sollte  er  in  einer  so  klaren  and  einfachen  Frage,  wie  die 
der  Verheiratung  es  ist,  wenn  kein  Gelübde  im  Wege  steht,  dem 
Apostel  ein  Schwanken  insinuieren  wollen?  Das  ist  nicht  mög- 
lich und  widerspricht  dem,  was  Methodius  sonst  selber  von  der 
Ehe  sagt  und  als  Lehre  der  hl.  Schrift  und  speciell  des  hl.  Pau- 
lus über  die  Ehe  darstellt  (vergl.  namentlich  II,  1.  48  B/D.  II,  7. 
60  A).  Es  bleibt  also  nichts  anderes  übrig,  als  daß  er  schon  hier 
an  eine  Eheschließung  trotz  des  Virginitätsgelübdes  denkt. 

Wie  sehr  dies  dem  Gedanken  des  Methodius  entspricht,  zeigt 
der  Umstand,  daß  er  sogar  bei  der  freiwilligen  Enthaltsamkeit 
in  der  Ehe,  von  der  Paulus  I  Kor.  7,  5f  redet,  ein  bezügliches 
Versprechen,  ein  Gelübde  unterstellt.  Wenn  ihr,  läßt  er  den 
Apostel  zu  den  betreffenden  Eheleuten  sagen,  euch  nicht  be- 
herrschen könnt,  so  machet  lieber  von  den  ehelichen  Rechten 
Gebrauch,  als  daß  ihr,  während  man  bei  euch  ein  Gelöbnis  der 
Enthaltsamkeit  voraussetzt  (ayxQatsiav  sjrayytXXtO&-ai  vofiiC,6- 
fitvoi),  in  Begierde  gegen  Fremde  entbrennt  (111,11.  77  B).  Was 
der  Apostel  hier  sagt,  ist  eine  Concession,  eine  övyyvcofi?/  für 
die,  die  ihrer  Begierde  nicht  Herr  werden,  sein  Gebot  aber  be- 
zieht sich  auf  die  Enthaltsamkeit:  xrjv  sjtirayrjv  sxl  xr\c,  öco- 
(pQoovvrjQ  xal  zov  firj  <xjit£0&cu  yvvcuxoq  Xafißavei  (III,  12. 
77  D). 

III,  14  dehnt  schließlich  Methodius  die  vom  Apostel  offen- 
gelassene Wahl,  zu  heiraten  oder  ehelos  zu  bleiben,  frank  und 
frei  auch  auf  die  gottgeweihten  Jungfrauen  aus.  Das  ganze 
Kapitel  (Migne  84C — 85B)  lautet:  „Beachte  aber  auch  zum  Ge- 
sagten (daß  nämlich  die  Mahnung  des  Apostels  mehr  zur  ayvtia 
neige,  Ende  von  III,  13),  wie  er  (Paulus)  nahe  legt,  daß  das 
jungfräuliche  Leben  eine  Gnade  Gottes  (d-todcoQt/Tov)  sei.  Des- 
halb weist  er  die  aus  eitler  Ruhmsucht  trotz  ihrer  Sinnlichkeit 
dazu  Gekommenen  ab  (zovgxara  Jigötpaöiv  xtvoöo^iac,  xcov  axga- 
TSGztQcov  tjtl  tovto  JiaQtXrjXvO-orac,  ajtoßaXXerai)  und  gibt 
ihnen  den  Rat  zu  heiraten,  um  nicht  in  der  Jugendkraft  (xaiQcö 
TTjq  dxfifjc1),   wenn    das   Fleisch    Blutwallungen    und    Begierden 


1)  Vergl.  V,  1:  eaneoivij  yao  ipvkaxfj  (Luk.  L2,  38)  6  xcuQÖq  ion  rr^- 
ax/irjq  ror  üvOQUiTiov  xal  //  rtuxr^q,  xa^  ))v  ay/exai  xaoäoaeai^ai  zb 
^yefiovueöv,  tntxi-oXovfXEvov  xalq  i^alXayaiq  xov  ßlov,  ^ßüaijg  afaov  xf/q 
OHuy.bq  ijdr]  y.al   tQeno/iivTjq  tu  Ttäd-oq  (100  C). 


104  Koch,  Virgines  Christi. 

weckt,  in  heftiger  Leidenschaft  schändlich  zu  handeln  (doyj/fio- 
v&öiv).  Man  muß  nämlich  ins  Auge  fassen,  was  er  schreibt: 
u  öe  xig  aoyj][iovelv  evtl  rrjg  xaQ&ivov  avxov  voftiCei,  eav  /} 
vjctQaxf-ioq,  xai  ovxcog  ocpettei  ysviöd-ai'  o  &1X11  jcoitixo),  ovy 
a[i(xQtavW  yafieixoöav  (I  Kor.  7,  36).  Mit  Recht  zieht  er  hier 
die  Ehe  der  Schande  (doyr][io6vvtjg)  vor  bei  denen,  die  zwar 
Jungfräulichkeit  wählen,  sie  aber  darnach  unerträglich  finden 
und  aufgaben  (em  xcöv  t^ofievmv  [iev  jiaQ&evtveiv,  övöavaoye- 
xovvxcav  öe  xo  ftexd  xavxa  xcu  axoxafioVTCOv),  und  wohl  mit 
Worten,  aus  Scham  vor  Menschen,  sich  rühmen  dabeizubleiben, 
in  der  Tat  aber  nicht  von  weitem  Keuschheit  üben  können  (xai 
Xoyqy  [jep,  öl  aiöcb  x?jv  jigog  avfrQcoxovg,  avyovvxov  ejiifit- 
veiv,  EQyoo  öe  ovÖe  fiaxQOtsgov  svöiaxQhpai  övvafitvcov  reo 
ivvovyionm).  Wer  aber  mit  völlig  freiem  und  selbständigem 
Entschluß  gewillt  ist,  sein  Fleisch  jungfräulich  zu  bewahren  (top 
[itvxoL  avxoxQaxoQixcp  xai  avfraiQtxcß  xnivovra  Jigodeoei  xtj- 
qüv  X7]v  lavrov  odgxa  xagfrevor),  und  keinen  Zwang  leidet  d.  h. 
keinen  die  Lenden  zum  Geschlechtsgenuß  reizenden  Drang,  da 
die  körperlichen  Anlagen  naturgemäß  verschieden  seien  u/// 
eyovxa  dvdyxtjv,  ojieg  eOxl  Jictfrog  exxaiovfievov  xijv  ootpvv  big 
övvovöiav  eivai  ydg  xcu  ÖLacpogdg,  cog  eixog,  ocofidtcov),  wer 
wetteifert  und  durchkämpft  und  wacker  seinem  Gelöbnis  treu 
bleibt  und  es  aufs  beste  durchführt,  einen  solchen  mahnt  er,  zu 
bleiben  und  zu  bewahren,  indem  er  der  Jungfräulichkeit  den 
Siegespreis  erteilt  (xovxm  öiafiikXco[iipcp  xcu  öic&Xovvxl  xai 
öxovöalojg  hjiifiivovxi  xfi  eJcayysXla  xai  xavxrjv  agioxa  öia- 
x8Qcavo[iivq),  JtagaxeXevexat  fieveiv  xai  xi]Qeiv.  xfj  xagdevia  ret 
jtQCOxsla  vefimv).  Denn  wer  dazu  imstande  ist,  sagt  er,  und  seine 
Ehre  drein  setzt,  sein  Fleisch  jungfräulich  zu  bewahren,  tut  besser; 
wer  dazu  aber  nicht  imstande  ist,  sondern  in  aller  Form  es  ver- 
heiratet und  nicht  heimlich  schändet, tut  gut  (o  yctQÖvvdfievog,  g)>/oi, 
xai  (piloxi[iovii£vog  xrjQüv  xi]v  tavxov  odgxa  Jtaod-spov,  xgelx- 
xov  Jioiei'  o  öe  fitj  övvdtievog.  yafdCcov^  öe  vofiif/cog,  xcu  ///) 
Xa&gocpfrogwv,  xalmg). 


1)  Wie  die  Übersetzung  zeigt,  stimme  ich  vollständig  Micken  berger 
bei,  der  zu  dem  stets  transitiv  gebrauchten  yafxit,u>v  das  vorausgehende 
rtyv  havxov  oä.Qxa  oder  ein  dem  Sinne  nach  ähnliches  Object  ergänzt 
(a.  O.  S.  53  A.  1). 


IX.  Methodius  von  Olympus.  K>5 

Wer  dieses  Kapitel  unbefangen  liest,  wird  zugeben  müssen, 
daß  hier  Methodius  auch  den  Jungfrauen,  die  ein  Keuschheits- 
gelübde abgelegt  haben,  den  Rücktritt  und  den  Abschluß  einer 
gesetzlichen  Ehe  offen  läßt.  Seine  Worte  sind  für  sich  selbst 
Deutung  genug.  Es  sei  aber  doch  auf  die  Tempora  jtaQeXrjlv- 
d-oraq  und  tlo^avcov  aufmerksam  gemacht;  der  Apostel  weist 
solche  ab,  die  in  den  Jungfrauenstand  schon  eingetreten  sind, 
ihn  gewählt  haben,  nicht  erst  eintreten  und  wählen  wollen.  Ihr 
Verharren  im  Stande  trotz  ihrer  Unlauterkeit  erklärt  er  aus 
Ruhmsucht,  Scham  und  Menschenfurcht,  da  sie  sonst  ihre  Un- 
fähigkeit gestehen  und  heiraten  würden.  Methodius  geht  von 
der  Voraussetzung  aus,  die  er  bei  Paulus  findet,  daß  die  Be- 
wahrung der  Keuschheit  physisch  und  moralisch  unmöglich  wer- 
den kann1,  und  für  diesen  Fall  gestattet  er,  wie  er  glaubt,  im 
Einvernehmen  mit  Paulus,  die  Verheiratung  trotz  vorausge- 
gangenen Virginitätsgelübdes,  und  zwar  betrachtet  er  sie  nicht 
etwa  bloß  als  das  geringere  Übel,  als  die  leichtere  Sünde  gegen- 
über der  Unzucht,  sondern  als  moralisch  positiv  gute  Handlung 
(xaXcöc). 

Die  Stelle  ist  auch,  soviel  ich  sehe,  noch  nie  anders  ge- 
deutet worden,  von  den  ersten  Herausgebern  des  Symposion, 
Leo  Allatius,  Possevin,Combefis  bis  auf  Pankow2 und  Jos. 
Sickenberger3,  die  sich  zuletzt  damit  befaßten,  ohne  aber 
weitere  Bemerkungen  daran  zu  knüpfen,  was  sich  jenem,  der  die 
Lehre  des  hl.  Methodius  behandelt,  näher  gelegt  hätte  als  diesem, 
dem  es  nur  um  die  Deutung  der  paulinischen  Wendungen  aö%r}- 
{(ovtlv  Ixi  T?jv  jcag&svov  avtov  und  yafil^siv  zu  tun  war.  Man 
hat  der  Stelle  überhaupt  keine  oder  wenig  Beachtung  geschenkt, 
nachdem  schon  die  ersten  Herausgeber  an  der  weitgehenden 
Concession  des  Methodius    erschrocken    sind.     Combefis   warnt 


1)  Man  erinnere  sich  nun  an  das,  was  Weckesser  von  Cyprian 
schreibt:  „Wie  kann  der  Heilige  bei  manchen  gottgeweihten  Jungfrauen 
eine  moralische  Unmöglichkeit,  beharrlich  zu  bleiben,  supponieren  und 
daraufhin  die  Ehe  raten,  eine  Ansicht,  die  mit  der  Schrift  in  direktem 
Widerspruch  steht?"  (oben  S.  81).  Wenn  Methodius  diese  Anschauung 
sogar  aus  den  Worten  Pauli  herausliest,  so  wird  sie  auch  bei  Cyprian 
nicht  unmöglich  sein. 

2)  Katholik  1S87.  II,  240. 

3)  Bibl.  Zeitschr.  1905,  S.  521'. 


\()Q  Koch,  Virgines  Christi. 

vor  Mißbrauch  und  Leichtgläubigkeit  hinsichtlich  des  Nicht- 
könnens1.  Allatius  aber  hat  seiner  Editio  princeps  (Rom  1656) 
eine  Handschrift  zu  Grunde  gelegt,  in  der  die  Stelle  xov  [ihvroi 
avTOXQazoQixqj  etc.  lautet:  xal  [irjv  avO-cugtrcoc  XQivovxac  öl 
roiovToc  jiaga  t?]V  sjcayysliav  avtcöv,  xal  turj  tyovrsq  avayxtjv. 
Öjtsq  toxi  x.r.X.  (S.  90).  Dadurch  wäre  nach  Combefis  (Migne 
18,  84)  angedeutet,  „eam  indulgentiam  Pauli,  ut  qui  habet  neces- 
sitatem  et  patitur  stimulos  ac  aegre  continet,  conjugium  ineat, 
nee  illo  peccet,  illis  dumtaxat  prodesse  cjui  se  voto  non  obstrinxe- 
runt:  aliis  nee  ipsam  necessitatem  excusationi  fore,  ne  suo  ipsi 
judicio  condeninati  sint." 

Diese  Lesart  besagte  also  das  Gegenteil  von  der  anderen  und 
enthielte  die  Verurteilung  der  Ehe  einer  gottverlobten  Jungfrau. 
Allein  daß  nicht  dieser,  sondern  der  oben  gegebene,  von  Migne 
abgedruckte  combefisianische  Text,  der  durch  drei  Handschriften 
(codex  Vaticanus,  Barberinianus,  Mazarinaeus)  geboten  wird,  der 
richtige  ist,  kann  keinen  Augenblick  zweifelhaft  sein2.  Denn  es 
leuchtet  von  selbst  ein,  daß  später  niemand  ein  Interesse  daran 
hatte,  einen  auf  Verbot  einer  solchen  Ehe  lautenden  Text  in  eine 
Erlaubnis  abzuändern,  wohl  aber  einem  die  Versuchung  kommen 
konnte,  aus  der  Erlaubnis  ein  Verbot  zu  machen,  um  so  Kon- 
formität mit  der  kirchlichen  Praxis  herzustellen.  Die  Änderung 
war  aber  nicht  einmal  glücklich  angebracht.  Denn,  wie  wir 
oben  sahen,  macht  Methodius  seine  Concession  nicht  erst  von 
den  Worten  rbv  [isvroi  etc.  an,  sondern  schon  vorher. 

Auch  scheint  bei  der  allatianischen  Lesart  das  Eheverbot 
durch  das  nachfolgende  xal  ,«/)  h^ovreq  avayxi]v  wieder  restrin- 
giert zu  sein.  Daß  es  sich  aber  um  solche  handelt,  die  avayxtj 
leiden  und  im  „Eunuchismus"  nicht  verharren  können,  ist  ja 
im  vorausgehenden  Satze  gesagt.  Wozu  also  ein  Verbot,  das 
eigentlich    sofort    durch    die    Einschränkung    wieder   aufgehoben 


1)  Abgedruckt  bei  Migne  18,  85  f. 

2)  Allatius  gibt  keine  nähere  Beschreibung  der,  wie  es  scheint,  in 
seinem  Privatbesitz  befindlichen  Handschrift  (S.  323  sagt  er  betreffs  des 
Titels  der  Schrift:  in  meo  sie  habetur),  wie  er  auch  ihr  Verhältnis  zu 
cod.  Vat.  und  Barb.  nicht  charakterisiert.  Daß  er  sonst  keine  Varianten 
mitteile,  wie  Preuschen  in  Harnacks  „Überlieferung  und  Bestand  der 
altchristlichen  Literatur"  18! '3  S.  469  behauptet,  ist  irrig,  da  solche  an- 
hangsweise beigefügt  sind. 


X.  Die  Synode  von  Ancyra.  107 

wird?    Endlich  ist  zu  beachten,  daß  bei  der  allatianischen  Lesart 

das  folgende  rovrco  öia[uZZco(itvcp  x.r.X.  völlig  in  der  Luft  hängt. 

Methodius  gestattet  also,  wie  Cyprian,  einer  Jungfrau,  die  das 

Gelübde  nicht  halten  zu  können  erklärt,  die  Eingehung  einer  Ehe. 


X.  Die  Synode  von  Ancyra. 

Im  Jahre  314  bestimmt  die  Synode  von  Ancyra  in  can.  19: 
°()ooi  xagftsviav  ljrayytXl6iuei>oi  afrsrovoi  ttjv  sjcayysXiav 
xov  rä)V  öiyccficov  oqov  ixjilr]Q0VTCo6av  rag  [itvxoi  Gvvsqxo- 
(itvag  jrag&evovg  ttolv  cog  aötlfpag  excoZvoafiev1.  Der  Sinn 
dieser  Bestimmung  ist  nicht  zweifelhaft:  Jünglinge  und  Jung- 
frauen, die  Virginität  geloben  und  dann  das  Gelübde  durch  eine 
Ehe  —  nur  eine  solche  kann  gemeint  sein,  nicht  Unzuchtssünden, 
die  viel  schwerer  bestraft  wurden  —  brechen,  haben  die  auf  die 
snccessive Bigamie  gesetzteKirchenbuße  zu  erstehen.  Diese  währte 
nach  Basilius  ein  Jahr'2,  nach  der  Synode  von  Laodicea  can.  1 
„kurze  Zeit"3.  Daraus  folgt,  daß  eine  nach  Ablegung  des  Keusch- 
heitsgelübdes eingegangene  Ehe  zwar  als  rechtlich  gültig,  aber 
wie  die  zweite  Ehe  als  moralisch  minderwertig,  jedoch  nur  als 
geringes  Vergehen  betrachtet  wurde.  Vergleichen  wir  die  Straf- 
bestimmung mit  den  auf  andere  Vergehen  gesetzten  Strafen,  z.  B. 
den  sieben  Jahren  wegen  Ehebruchs  gleich  im  nächsten  Canon 
derselben  Synode,  so  sehen  wir,  daß  die  als  Quasi -Bigamie 
gefaßte  Ehe  einer  gottgeweihten  Jungfrau  wirklich  nicht  als 
schwere  Sünde,  sondern  nur  als  leichter  Makel  gewertet  wurde. 
Somit  entfernt  sich  das  Urteil  der  Synode  von  Ancyra  von  dem 
des  hl.  Methodius  und  des  hl.  Cyprian  nicht  gar  weit. 

Der  zweite  Teil  des  Canons  verbietet  das  Syneisaktentum, 
und  zwar  läßt  die  kategorische  Fassung  durchblicken,  daß  die 
Bischöfe  entschlossen  sind,  dem  Verbot  durch  eventuellen  Aus- 
schluß aus  der  Kirche  Nachdruck  zu  geben.  Wir  erinnern  uns, 
daß  auch  der  Bischof  von  Karthago  das  Zusammenleben  von 
Jungfrauen  und  ledigen  Männern  aufs  schärfste  verurteilt  und 
bei  Hartnäckigkeit  mit  Exkommunication  bestraft  hat  (oben  S.85). 


1)  Hefele,  Konziliengeschichte2  I.  339. 

•_'i  .\.l  A.mphiloch.  Epist.   L99  can.  18  (Migne  I'.  <!.  32,  718). 

:>)  lli'fele,  EonziliengeBch.2  I,  750. 


1()8  Koch,  Virgines  Christi. 

Der  Canon  von  Ancyra  über  die  Ehen  Gottverlobter  lautet 
so  klar  und  zwingend,  daß  auch  Weckesser1  keine  andere  Deu- 
tung versucht,  vielmehr  die  oben  gegebene  noch  aus  der  Er- 
klärung des  hl.  Basilius  erhärtet  und  die  Behauptung  Balsa- 
ruons  und  van  Espens,  daß  nur  „Ordenskandidatinnen",  nicht 
„Profeßschwestern"  gemeint  seien,  sowie  mißglückte  Interpre- 
tationen von  Suarez  und  Bellarmin  abweist.  Er  selber  irrt  bloß 
insofern,  als  er  darin  eine  Abweichung  der  orientalischen  Dis- 
ciplin  von  der  abendländischen  erblickt,  da  jene  das  Gelübde  der 
gottgeweihten  Jungfrauen  als  einfaches,  diese  aber  als  feierliches 
behandelt  hätte.2 


1)  Archiv  f.  KR.  1896,  S.  335  ff. 

2)  „Um  Mißverständnisse  zu  verhüten"  betont  Weckesser  noch, 
daß  das  Resultat,  betreffs  der  griechischen  Disciplin  nicht  auf  andere 
Kreise  ausgedehnt  werden  dürfe  und  behauptet:  „Daß  auch  die  orienta- 
lische Kirche  die  Solemnität  der  Keuschheitsgelübde  in  den  ersten  Jahr- 
hunderten kannte,  beweist  ihre  Disciplin  der  ungetreuen  Witwen  oder 
Diakonissen.  Ihr  Gelübde  war  ohne  Zweifel  solenn"  (S.  339).  Er  weiß 
aber  dafür  nur  auf  die  kanonischen  Briefe  des  hl.  Basilius  can.  6  und  24 
zu  verweisen,  ohne  indes  näher  darauf  einzugehen.  Da  die  Frage  nicht 
zu  unserem  Thema  gehört,  will  ich  mich  hier  auch  nicht  ausführlicher 
damit  befassen,  sondern  nur  soviel  bemerken:  1.  Aus  den  Worten  des  hl. 
Basilius  ist  keinesfalls  irgend  etwas  für  die  Disciplin  der  ersten  drei  Jahr- 
hunderte zu  folgern.  2.  In  can.  6  sind  unter  den  xavovixai  nicht  Witwen, 
sondern  Jungfrauen  zu  verstehen  (vergl.  Sokrates,  Hist.  eccl.  I,  17.  Migne 
P.  G.  67,  121  A:  zaq  naQ&irovq  räq  ävayeyQaufiävag  iv  rö  rü)v  ixx?.rjaiCov 
xavbvi)  und  zum  richtigen  Verständnis  muß  auch  can.  26  herangezogen 
werden,  wie  überhaupt  die  basilianischen  Bußbriefe  im  Zusammenhang 
ins  Auge  gefaßt  werden  müssen,  wenn  man  ihren  Sprachgebrauch  eruieren 
will.  3.  Ein  Vergleich  der  Art  und  Weise,  wie  Basilius  von  den  Witwen 
spricht,  mit  seinen  Worten  über  die  Jungfrauen  (ep.  18S  der  class.  IE 
can.  6.  Migne  P.  G.  32,  673 B;  ep.  199  can.  18,  M.  717/18;  can.  24.  M.  724  Bi 
zeigt  zur  Genüge,  daß  Witwen  überhaupt  kein  Gelübde  ablegten,  wenn 
gleich  ihre  Wieder  Verheiratung  verpönt  war.  Mit  Solemnitätsgelübden 
der  griechischen  Kirche  ist  es  also  in  den  ersten  Jahrhunderten  nichts. 
—  Was  die  männlichen  Asceten  anlangt,  so  waren  ihre  Gelübde  so  wenig 
und  noch  weniger  als  die  der  Jungfrauen  öffentlich  abgelegte  oder  trennende 
Ehehindernisse.  Auch  private  Gelübde  scheinen  sie  nicht  allgemein  gemacht 
zu  haben.  Der  can.l9von  Ancyra  setzt  sie  mit  seiner  masculinischen Fassung 
freilich  voraus  (vergl.  Methodius,  S.  101  unten,  und  die  Briefe  Ad  vir- 
gines, S.  100).  Aber  noch  Basilius  sagt  in  can.  19  (ep.  199  Migne  32,7200): 
avögihv  Se  öfioXoyiaq  ovx  eyrio/xev,  7t?J/v  el  iu]  tiv£~   kavtovQ  rö>  x&yfiaxi 


Schlußwort.  1Q9 


Schlußwort. 

Die  Resultate  unserer  Untersuchung  lauten  anders  und  geben 
ein  anderes  Bild  von  der  Behandlung  der  gottgeweihten  Jung- 
frauen und  ihrer  Gelübde  in  den  ersten  drei  Jahrhunderten,  als 
man  es  sich  gewöhnlich  entwirft.  Einen  Unterschied  von  öffent- 
lichen und  privaten  Gelübden,  von  „vota  sollemnia"  und  „simplicia", 
eine  öffentliche  Gelübdeablegung  vor  Bischof  und  Gemeinde 
oder  auch  nur  vor  dem  Bischof,  hat  es  nicht  gegeben.  Die  Ge- 
lübde waren  rein  privater  Natur.  Die  betreffenden  Jungfrauen 
verpflichteten  sich  vor  Gott  durch  einen  festen  Entschluß,  ein 
ernstliches  Versprechen,  ein  Gelübde,  aus  dem  aber  keinerlei 
kirchenrechtliche,  sondern  nur  sittliche  Konsequenzen  gezogen 
wurden.  Eine  Verletzung  der  Keuschheit  durch  Übertretung 
des  sechsten  Gebotes  war  Gelübdebruch  und  qualiticierte  Un- 
zucht, eine  Art  Ehebruch  und  Sacrileg,  und  wurde  schwer 
bestraft.  Die  mit  dem  Gelübde  übernommene  Ehelosigkeit  aber 
sollte  jedes  Zwanges  bar,  ein  Gott  fortgesetzt  völlig  freiwillig 
dargebrachtes  Opfer  sein.    Der  Rücktritt  stand  im  Notfalle  offen. 

Eine  nach  der  Gelübdeablegung  geschlossene  Ehe  war  recht- 
lich gültig  und  erschien  auch  unter  gewissen  Umständen  als  sittlich 
zulässig,  gar  nicht  oder  nur  leicht  sündhaft  und  strafbar,  zum 
mindesten  im  Verhältnis  zur  Unzucht  als  das  kleinere  Übel.  Der 
Rücktritt  stand  also  rechtlich  und  moralisch  offen,  war  aber 
Fleischesschwäche  und  ein  Abfall  vom  Ideal.  Schleiertragen  war 
weder  Vorschrift  noch  allgemeine  Übung,  von  einem  liturgi- 
schen Akt  der  Schleierübergabe  ist  so  wenig  als  von  öffentlicher 
Gelübdeablegung  die  Rede.  Die  Jungfrauen  blieben,  wie  be- 
kannt, im  Familienkreise,  sollten  aber  in  strengster  Eingezogen- 


zt'iv  [tova'QövTojv  iyxaxtiol&urjaav.  Daß  er  aber  damit  nicht  etwa  bloß  die 
öffentliche,  sondern  eine  (.Gelübdeablegung  überhaupt  in  Abrede  zieht, 
folgt  daraus,  was  er  sofort  weiter  von  den  Mönchen  sagt:  di  xaxa  xd  oho- 
niofAEvov  öoxoiai  nagadeöe/ßaL  xitv  dya/uiuv.  Diese  legen  also  auch  kein 
Gelübde  ab,  nicht  einmal  durch  einen  formellen  inneren  Akt,  sondern  man 
nimmt  nur  an  (äoxovoi),  daß  sie  mit  dem  Mönchsstande  sich  für  Ehe- 
losigkeit verpflichten  wollen.  Basilius  empfiehlt  dann,  künftig  sie  zu 
fragen  und  ihnen,  wie  den  Jungfrauen,  ein  formelles  und  öffentliche 
lübde  abzunehmen. 


HO  Koch,  Virgines  Christi. 

heit  leben  und  sieh  dem  Gebet  und  anderen  guten  Werken 
widmen.  Das  Syneisakteutum  war  seit  dem  dritten  Jahrhundert 
streng  verboten,  trat  aber  in  dieser  oder  jener  Form  immer  wie- 
der zu  Tage.  Auch  grobe  Fleischessünden  gottgeweihter  Jung- 
frauen hatte  die  Kirche  nicht  selten,  bisweilen  sogar  Verstockt- 
heit und  Unbußfertigkeit  zu  beklagen. 

In  diesen  wesentlichen  Punkten  waren  Morgen-  und  Abend- 
land einig.  Der  große  Kirchenmann  von  Karthago,  der  hl.  Cy- 
prian,  und  der  feingebildete  Bischof  von  Olymp,  der  hl.  Metho- 
dius,  in  gewissem  Sinne  auch  das  Concil  von  Elvira  und  die 
Synode  von  Ancyra  reichen  sich  hierin   die  Hand. 

Für  beide  Kirchenhälften  bahnte  dann  das  vierte  Jahrhundert 
eine  Erweiterung  derDisciplin  an.  Sie  steht  im  Zusammenhang  mit 
der  Veränderung  des  ganzen  Welt-  und  Kirchenbildes,  die  in  jenem 
Jahrhundert  eintrat.  Das  Christentum,  die  katholische  Kirche, 
wurde  vom  Staat  zuerst  anerkannt,  dann  begünstigt,  schließlich 
privilegiert  und  für  alleinberechtigt  erklärt.  Die  Schranken 
waren  gefallen,  die  Kirche  konnte  sich  nach  außen  und  innen 
entwickeln,  ihre  Anlagen  entfalten,  ihre  Kräfte  allseitig  wirken 
lassen.  Die  Massen  strömten  in  die  Kirche  ein,  aber  der  Quantität 
entsprach  nicht  auch  die  Qualität,  der  Zahl  nicht  auch  der  Geist. 
Namenchristen  machten  sich  breit.  Der  Zudrang  zum  jungfräulichen 
Stande  wurde  größer,  zahlreicher  aber  auch  in  ihm  die  zweifel- 
haften Elemente,  die  zurZeit  der  Versuchung  abfielen  und  dem  himm- 
lischen Seelenbräutigam  einen  irdischen  Ehegemahl  vorzogen.  Hei- 
raten gottgeweihter  Jungfrauen  kamen  früher  schon  vor,  aber  sie 
waren  doch  verhältnismäßig  selten  —  seltener  als  Fehltritte  in 
schwacher  Stunde  —  und  konnten  geduldet  werden,  umsomehr,  als 
große  Strenge  die  Gefahr  des  Abfalls  vom  Glauben  geweckt  hätte. 
Jetzt  wurden  die  Fälle  häufiger,  beschämender,  skandalöser.  Sie 
kompromittierten  die  Kirche.  Die  Gesetzgebung  mußte  eintreten 
und  principiell  regeln,  was  früher  frei  gehandhabt  und  von  Fall 
zu  Fall  nach  den  Regeln  der  Billigkeit  und  Klugheit  entschie- 
den worden  war.  Kanon  und  Paragraphen  ersetzten,  was  an 
Geist  ausgeströmt  war,  Strafen  erzwangen,  was  Liebe  und  idealer 
Schwung  nicht  mehr  wirken  wollten.  Die  Kirche  war  mächtig 
geworden  und  konnte  sichs  leisten,  Abfall  war  weniger  oder 
kaum  mehr  zu  befürchten.  Man  war  dabei  überzeugt,  nur  im 
Sinne  der  heiligen  Schrift  zu  handeln  und  die  apostolische  Über- 


Schlußwort.  Hl 

lieferung  zu  wahren.  Aber  auch  abgesehen  davon  —  je  größer 
ein  Institut,  je  zahlreicher  eine  Gesellschaft  wird,  umso  weniger 
kann  sie  ohne  geschriebene  Normen  bestehen,  um  so  häufiger 
muß  sie  sich  immer  wieder  auf  ihre  Aufgaben  und  Pflichten 
besinnen.  Das  gilt  von  der  Kirche  im  Großen,  wie  von  ihren 
einzelnen  Institutionen. 

Daß  das  Gesagte  nicht  ein  Produkt  der  Phantasie,  sondern 
Bild  geschichtlicher  Wirklichkeit  ist,  zeigen  uns  die  von  der 
zweiten  Hälfte  des  vierten  Jahrhunderts  an  sich  häufenden  Ge- 
setzesbestimmungen, deutet  uns  das  Wort  eines  Mannes  an,  der 
selbst  am  Strome  der  Entwicklung  stand  und  sie  mächtig  ge- 
fördert hat.  Der  hl.  Basilius  schreibt  nämlich:  ,'E[iol  ös  öoxti, 
Ijti-iör]  t%  xov  &sov  xaQiti  Jigotovöa  >)  'ExxZiyoia  xgazaioTSQa 
yiviTcu,  xal  xZrj&vvszca  vvv  %b  rayfia  rcöv  jcaQ&tvcov,  jiQoöt- 
%tiv  dxQißSg  xcä  re  xax  Ivvoiav  cpaivofisvq?  jcQayfian  xal 
rfj  rijg  rgacprjq    diavoia."1 

So  setzen  im  vierten  Jahrhundert  verschiedene  Änderungen 
ein,  ohne  jedoch  mit  einem  Schlag  überall  durchzudringen  und 
eine  allgemeine  Gleichförmigkeit  herbeizuführen.  Die  Gelübde- 
ablegung  wurde  öffentlich  vorgenommen,  mit  liturgischer  Feier- 
lichkeit umkleidet  und  ■ —  im  Orient  viel  später  als  im  Abendland 
—  mit  Schleierübergabe  verbunden.  Vorausging  eine  Probezeit 
derer,  die  sich  zum  jungfräulichen  Stande  entschlossen  und  per- 
sönlich bereits  verpflichtet  hatten.  Damit  ist  der  Anfang  zum 
Unterschied  zwischen  privaten  und  öffentlichen,  einfachen  und 
feierlichen  Gelübden  gemacht.  Die  Nichtverschleierten  oder  Kan- 
didatinnen konnten  eine  rechtsgültige  Ehe  schließen,  wurden 
aber  dafür  mit  leichter  Strafe  belegt.  Die  Verschleierten  oder 
Professen  wurden  bei  Eingehung  einer  Ehe  viel  schwerer  be- 
straft und  mußten  die  eheliche  Gemeinschaft  aufgeben.  Bezüg- 
lich der  Rechtsgültigkeit  dieser  Ehen  können  wir  kaum  mehr 
ins  Reine  kommen.  Man  war  sich  lange  Zeit  selber  nicht  klar; 
die  Stimmen,  selbst  die  derselben  Persönlichkeiten,  begünstigen 
bald  die  eine,  bald  die  andere  Auffassung.  Die  Zeit  der  Un- 
sicherheit und  des  Schwankens  endet  aber  in  der  abendländi- 
schen wie  in  der  orientalischen  Kirche  mit  der  Rechtsanschauung, 


li  Ep.  L99  (class.  U)  can.  L8,  Migne  V. G.  32,  717  B. 


112  Koch,  Virgines  Christi. 

daß  das  „votum  sollemne"  im  Unterschied  vom  „votum  simplex" 
ein  „trennendes  Ehehindernis"  begründe1. 

Mit  den  Keuschheitsgelübden  ging  es  ähnlich  wie  mit  dem 
klerikalen  Cölibat,  der  auch  ursprünglich  Sache  freier  Übung 
war  und  dann  im  Westen  gesetzlich  festgelegt  wurde.  Während 
aber  in  der  Cölibatsfrage  die  lateinische  und  griechische  Kirche 
auseinandergingen,  indem  diese  bei  der  alten  Praxis  verharrte, 
jene  einen  neuen  Weg  einschlug,  nahm  die  Entwicklung  der 
Virgiuitätsgelübde  in  beiden  Kirchenhälften  denselben  Verlauf. 


1)  Vergl.  Fr  ei  sen,  Gesch.  d.  kanon.  Eherechts  S.  694  und  718. 
Vering,  Lehrbuch  des  katholischen,  orientalischen  und  protestantischen 
Kirchenrechts.  3.  A.  1893.  S.  972. 


Verlag  der  J.  C.  HIJNRICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 

TEXTE  MD  UNTERSUCHUNGEN  ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN    LITERATUR 

Herausgegeben  von  0.  von  Gebhardt  und  A.  Harnack. 


Fortsetzung  von  der  zweiten  Umschlagseite. 


Klostermann,  E.,  Über  d.  Didymus  v.Alexandrieu 
in  epistolas  canonicas  enarratio.  s  S.  (Mit 
Koetschau  und  Harnack.    NF.  XIII,  2) 

Knopf,  R.,  Der  erste  Clemensbrief.  Untersucht 
u.  herausg.  IV,  194  S.  1899.  (NF.  V,  1)   M.  6  — 

Koetschau,  P„  Zur  Textkritik  von  Origenes' 
Jobannescommentar.  76  S.  1905.  (Mit  Har- 
nack und  Klostermann.  NF.  XIII,  2.)   M.  3— 

Kraatz,  W.,  Koptische  Akten  zum  ephesinischen 
Konzil  (431).  Übersetzung  U.Untersuchungen. 
VIII,  220  S.     19C4.  (NF.  XI,  2)    M.  7  — 

leipoldt,  J.,  Didymus  der  Blinde  von  Alexandria. 
III,  148  S.     1905.     (NF.  XIV,  3)  M.  5.— 

—  Schenute  von  Atripe  und  die  Entstehung 
d.  national  ägypt.  Christentums.  X,  214  8. 
1903.     (NF.  X,  1)  M.    7  — 

—  Said.  Auszüge  aus  dem  8.  Buche  d.  apost. 
Konstitut.    II,  G2  S.     1904. 

(NF.  XI,  lb)  M.  2  — 
Nestle,  E.,  Kirchengeschichte d.Eusebiusa.d. Sy- 
rischen.   X,  296  S.   1901.  (NF.  VI,  2)  M.  9.50 

Preuschen,  E. ,  Eusebius'  Kirchengeschichte 
Buch  "VI  u.  VII  aus  d.  Armenischen  übersetzt. 
XXII,  109  S.    1902.        (NF.  VII,  3)    M.    4  - 

R  esch,  A.,  Agrapha,  aussercanonische  Schrift- 
fragmente. Gesammelt  und  untersucht  und  in 
zweiter,  völlig  neu  bearbeiteter,  durch  alt- 
testamentliche  Aarapha  vermehrter  Auflage 
herausgegeben.  Mit  5  Registern.  XVI,  42G  S. 
1906.     (NF.  XV,  3/4)  M.    10  — 

—  Der  Paulinismus  u.  die  Logia  Jesu  in 
ihrem  gegenseitigen  Verhältnis  untersucht. 
VIII,  656  j§.    1904.    (NF.  XII.  Bd.)       M.  20  — 

Resch,  G.,  Das  Aposteldecret  nach  seiner  ausser- 
kanonischen  Textgestalt  untersucht.  V,  179  S. 
1905.    (NF.  XIII,  3)  M.    5.50 

Schermann,  Th.,  Die  Geschichte  der  dogma- 
tischen Florilegien  vom  V.— VIII.  Jahrhun- 
dert.    VI,  104  S.     1904.  (NF.  XIII,  1)    M.  3.50 

Schmidt, C,  Die  alteu  Petrusakton  i.  Zusammenb. 
d.  apokr.  Apostellit.  untersucht.  Nebst  e.  neu- 
entdeck. Fragm.  VIII,  176S.1903.(NF.IX,1)M.6— 


Schmidt,  C,  Plotin's  Stellung  z.  Gnosticismusund 
kirchl.  Christentum.  X,  90  S.  —  Fragm.  einer 
Schrift  d.  Märt.-Bisch.  Petrus  v.  Alexandrien. 
50  S.    1900.     (Mit  Stählin  NF.  V,  4)    M.    5  — 

Schubert,  H.  v.,  D.  sog.  Praedestinatus.  Beitrag  z. 
Gesch.  d.  Pelagianismus.  IV,  147  S.  1903. 
(NF.  IX,  4)  M.  4.80 

Schultze,  K.,  Das  Martyrium  des  heiligen  Abo 
von  Tifiis.  41  S.  —  (Mit  Harnack  und  Auear. 
NF.  XIII,  4.)  M.  4.50 

Seeck,  0.,  Die  Briefe  des  Libanius.  Zeitlich  ge- 
ordnet. VI,  496  S.  1906.  (NF.  XV,  1/2)  M.  15  — 

Sickenberger,  J.,  D.  Lukaskatene  d.  Niketas  v. 
Herakleia  unters.    1902.   (NF.  VII,  4)    M.  4— 

—  Titus  von  Bostra.  Studien  zu  dessen  Lukas- 
homilien.  VIII,  268  S.  1901.  (NF.VI.l)    M.     8.50 

Soden,  H.  von,  Die  Cyprianische  Briefsammlung. 

Gesch.   ihrer   Entstehung   u.   Überlieferung. 

VIII,  268  S.  u.  2  Tab.    1904.   (NF.  X,  3)  M.  10.50 
Stählin,  0.,  Zur  handschriftl.  Überlief,  d.  Clem. 

Alexandrinus.   8  S.   1900.    (s.  Schmidt) 
Steindorff,  G.,  Die  Apokalypse  d.  Elias,  e.  unbek. 

Apok.u.  Brückst.  d.Sophonias-Apok.  X,  190  S. 

Mit  lLichtdr.-Taf.  1899.  (NF.  II,  3a)  M.    6.50 
Stülcken,  A.,  Athanasiana.  Litteiar-  u.  dogmen- 

gesch.  Unters.  VIII,150S.  1899.  (NF.IV,4)M.  5  — 
Ter-Minassiantz,  Erw.,  Die  armen.  Kirche  in  ihren 

Beziehungen  z.  d    syr.  Kirchen  bis  z.  Ende 

des  13.  Jahrh.  Nach  den  armen,  u  syr.  Quellen 

bearb.  XII,  212  S.  1904.  (NF.  XI,  4)      M.  7.50 
Urbain,  A.,  Ein  Martyrologium   d.   christl.    Ge- 
meinde zu  Rom  am  Anfang    des  V.  Jahrh. 

Quellenstudien  z.  Gesch.  d.  röm.  Märtyrer . 

VI,  266  S.     1901.  (NF.  VI,  3)    M.    8.50 

Waitz,  H.,  D.  Pseudoklementinen,  Homilienu.  Re- 

kognitionen.  1904.  VIII,396S.(NF.  X,4)  M.  13  — 
Weiss,  B.,  D.  Codex  D  i.  d.Apostelgesch.Textkrit. 

Unters.   IV,  112  S.  1897.     (NF.  II,  1)  M.  3.50 

—  Textkritik  der  vier  Evangelien.  VI,  246  S. 
1899.  (NF.  IV,  2)    M.    8  — 

Wobbermin,  G.,  Altchristi,  liturg.  Stücke  aus  der 
Kirche  Aegyptens  nebst  einem  dogmat.  Brief 
d.  Bischofs  Serapion  v.  Thmuis.  36  S.  1899. 
(Mit  Jeep  NF. II,  8b M.  2—)         einzeln  M.  1.50 

Wrede,W.,DieEchtheitdes2.Thes8. -Briefs  unter- 
sucht. VIII,  116  S.  1903.  (NF.  IX,  2)    M.    4  — 


Die  Erste  Reihe  (Band  I—XV)  der  Texte  und  Untersuchungen  etc.       M.  380  — 
Die  Zweite  Reihe  (Band XVI-XXX)  „         „  „  .,  „        M.  3 

In  gute  Halbfranz-liililiotliiksbde.  (I.   Reihe  17  Bde.,  IL  Reihe  16  Bde.)  zu  je  M.  2.50  geb.  vorrätig. 


Ausführliches  Inhaltsverzeichnis  steht  zu  Diensten. 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREUSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  HAMACK  und  CARL  SCHMIDT 

DRITTE  REIHE  —  ERSTER  BAND  2.  HEFT 

DER  GANZEN  REIHE  XXXI,  2 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 
1907 


PROPHETEN- 

UND 

APOSTELLEGENDEN 

NEBST 

JUNGE  R  KATALOGEN 

DES  DOROTHEÜS  UND  VERWANDTER  TEXTE 

BEARBEITET 

VON 

D.  THEODOR  SCHERMANN 

PRIVATDOZENT  A.  V.  UNIVERSITÄT  MÜNCHEN 


f$P 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'sche  BÜCHHANDLUNG 

1907 


Titel  und  Inhalt  zu  Band  XXXI  der  „Texte  und  Untersuchungen' 
liegen  diesem  Hefte  bei. 


Verlag  der  J.  C.  HINEICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 

DIE  GRIECHISCHEN 

CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

DER  ERSTEN  DREI  JAHRHUNDERTE 

Herausg.  v.  d.  Kirclienväter-Commission  der  Kgl.  Preuss.  Akademie  der  Wissenschaften 

Bisher  erschienen: 

AdamantiuS.  Der  Dialog  neql  r^q  eiq  9sov  ÖQ&fjq  nlaxsujq.  Herausg.  v.  W.  H.  van 
de  Sande  Bakhutzen.  Mit  Einleitung  u.  dreifachem  Register.  (195/s  Bogen.) 
1901.  M.  10  — 

Clemens  AlexandrinilS.  Protrepticus  und  Paedagogus.  Herausgegeben  von  Otto 
Stählin.  Mit  Einleitung  und  dreifachem  Register  zu  den  Scholien.  (27 l/t  Bogen). 
[Clemens  Alexandrinus  Bd.  I]    1905.  M.  13.50 

—  Stromata  Buch  I — VI.  Herausgegeben  von  Otto  Stählin.  Mit  Einleitung.  (333/8 
Bogen).   [Clemens  Alexandrinus  Band  II]    1906.  M.  16.50 

EusebillS.  Über  Constantins  Leben.  —  C's  Rede  an  die  Heilige  Versammlung.  — 
Tricennatsrede  an  Constantin.  Hrsg.  v.  J.  A.  Heikel.  Mit  Emleitg.  u.  dreif.  Reg. 
(29 Vs  Bogen).     [Eusebius  Band  I]     1902.       „  M.  14.50 

—  Die  Kirchengeschichte  mit  der  lateinischen  Übersetzung  des  Rufinus.  Heraus- 
gegeben von  Ed.  Sohwartz  und  Th.  Mommsen  (f).  I.  Hälfte  (317/s  Bogen). 
[Eusebius  Band  II,  i]     1903.  ..  *M.  16  — 

—  Das  Onomastikon  der  biblischen  Ortsnamen,  mit  der  lateinischen  Übersetzung 
des  Hieronymus.  Hrsg.  von  E.  Klostermann.  Mit  Einleitung,  doppeltem 
Register  und  einer  Karte  von  Palästina.  (153/8  Bogen.)  1904.  [Eusebius, 
Band  III,  i]  „  M.    8  — 

—  Die  Theophanie.  Die  griechischen  Bruchstücke  und  Übersetzung  der  syrischen 
Ueberlieferung.  Hrsg.  v.  H.  Gressmann.  Mit  Einleitg.  u.  vierf.  Reg.  (155/s  Bg-) 
[Eusebius  Band  „III,  2]    1904.  M.    9.50 

—  Gegen  Marcell.  Über  die  kirchliche  Theologie.  Die  Fragmente  Marcells.  Hrsg.  von 
Erich  Klostermann.  Mit  Einleitung  und  dreifachem  Register.  (18  Bogen). 
[Eusebius  Band  IV]  1906.  M.    9  — 

HegemonillS.Acta  Archelai.  Herausgegeben  von  Charles  Henry  Beeson.  Mit  Ein- 
leitung und  vierfachem  Register.   (lF/s  Bogen).  1906.  M.    6 — 

Buch  Henoch.  Herausgeg.  von  Joh.  Flemming  und  L.  Radermacher.  Mit  Ein- 
leitung und  vierfachem  Register.    (1174  Bogen).    1901.  *M    5.50 

Hippolyt.  Kommentar  zum  Buche  Daniel  und  die  Fragmente  d.  Kommentars  zum 
Hohenliede.  Herausg.  v.  G.  N.  Bonwetsch.  —  Kleine  exegetische  und  homi- 
letische Schriften.  Herausgeg.  von  H.  Achelis.  (253/4  u.  20  Bogen).  [Hip- 
polyt. Band  I]  1897.  M.    18  — 

Koptisch -gnOStiSChe  Schriften.  Die  Pistis  Sophia.  Diebeiden  Bücher  des  Jeu. 
Unbekanntes  altgnostisches  Werk.  Herausgegeben  von  Carl  Schmidt.  Mit 
Einleitung  und  dreifachem  Register.  (2772  Bogen).  [Koptisch-gnostische 
Schriften  Bd.  I]     1905.  M.  13.50 

OraCUla  Sibyilina.  Bearbeitet  von  Joh.  Geffcken.  Mit  Einleitung  und  doppeltem 
Register.    (18V2  Bogen).    1902.  M.    9.50 

Fortsetzung  auf  der  dritten  ümscblagseite. 


PROPHETEN- 

UND 

APO  STE  LLE  GENDEN 

NEBST 

JÜNGERKATALOGEN 

DES  DOROTHEUS  UND  VERWANDTER  TEXTE 

BEARBEITET 

VON 

D.  THEODOR  SCHERMANN 

PRIVATDOZENT  A.D.UNIVERSITÄT  MÜNCHEN 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 

1907 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER  ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR. 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREDSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER. 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  HARNACK  und  CARL  SCHMIDT 
31.  BAND  HEFT  3 


Druck  von  August  Pries  in  Leipzig. 


Vorwort. 

Veranlassung  zu  dieser  Veröffentlichung  wurde  ein  anonymes 
griechisches  Apostel-  und  Jüngerverzeichnis  syrischer  Heimat, 
auf  das  ich  im  Herbst  1902  in  zwei  Handschriften  der  Vati- 
kanischen Bibliothek  gestoßen  war  (vgl.  Oriens  christianus  II 
1902,  315  A).  Dieser  legendarische  Katalog  war  noch  nicht  ver- 
öffentlicht und  wich  stark  von  den  verwandten  sog.  Dorotheus- 
und  Hippolytustexten  ab,  so  daß  ich  an  eine  Ausgabe  dachte, 
stellte  aber  den  Plan  mit  Rücksicht  auf  eine  Publikation,  welche 
Professor  Geizer  angekündigt  hatte,  zurück.  Zufällig  traf  es  sich, 
dass  der  nunmehr  verstorbene  Geh.  Hofrat  D.  Dr.  Geizer  im 
Februar  1903  nach  Rom  kam.  Als  ich  ihm  den  neuen  Text  vor- 
legte, welcher  auch  ihm  unbekannt  war  und  bis  heute  geblieben 
ist,  bot  er  mir,  da  ihm  andere  Arbeiten  nicht  zu  seiner  geplanten 
Ausgabe  Zeit  Hessen,  die  von  ihm  gemachten  oder  von  einigen 
seiner  Freunde,  wie  M.  Bonnet,  G.  Gundermann,  E.  Preuschen, 
ihm  überlassenen  handschriftlichen  Studien  und  Kollationen  der 
verwandten  Dorotheus-  und  Hippolyttexte  zu  einer  etwaigen 
Ausgabe  an. 

Über  die  Art  des  Materials,  welches  Geizer  mir  zur  Ver- 
fügung stellte,  kann  ich  mich  hier  kurz  äußern.  Die  genauere 
Beschreibung  ist  in  dem  Vorwort  zur  Ausgabe,  welche  gemäß 
früherer  Vereinbarung  im  Teubnerschen  Verlag  (noch  diesen 
Herbst)  erscheint,  zu  ersehen.  Seine  Papiere  enthielten  durchweg 
fast  ganze  Abschriften;  er  hatte  nur  die  Dorotheustexte  nach  der 
Ausgabe  des  Chronicon  paschale  verglichen.  Ein  Versuch,  einen 
Apparat  zu  entwerfen,  war  noch  nicht  gemacht,  auch  kein  An- 
haltspunkt zur  Auffindung  weiterer  einschlägiger  Literatur  ge- 
geben. Unter  diesen  Umständen  war  es  dringend  nötig,  eine 
Bearbeitung  des  ganzen  Stoffes  in  Angriff  zu  nehmen,  welche 
ich  hier  nun  vorlege. 

Die  Arbeit  zerfällt  in  zwei  Teile:  Propheten-  und  Apostel- 
legenden mit  .lüngerverzeichnissen.     Ihr   Zusammenhang   ist  ein 


IV  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

rein  äußerlicher,  indem  er  nur  durch  gleiche  Verfassernamen  her- 
gestellt ist  oder  in  den  Handschriften  durch  Aufeinanderfolge 
der  beiden  Serien  zutage  tritt.  Die  Prophetenlegenden,  weit 
älter  als  die  Apostel-  und  Jüngerlisten,  wurden  dazu  verwendet, 
um  jüngere  Legendenbildung  mit  teilweise  tendenziöser  politischer 
oder  religiöser  Bedeutung  unterzubringen.  Befördert  und  er- 
leichtert war  diese  Verbindung  dadurch,  daß  der  Grundstock 
der  legendarischen  Apostellisten  sich  in  der  Heimat  der  Pro- 
phetenlegenden bildete,  in  dem  für  die  christliche  Roman-  und 
Legendenbildung  so  fruchtbaren  Syrien. 

Die  Prophetenlegenden  erheischten  in  sprachlicher  wie  reli- 
gionsgeschichtlicher Beziehung  besonderes  Interesse;  nicht  nur 
reichen  sie  in  ihrer  jetzigen  Gestalt  in  die  ersten  christlichen 
Jahrhunderte  zurück,  sondern  ihre  ursprüngliche  jüdische  Ab- 
fassung kann  nicht  in  Abrede  gestellt  werden.  Daher  waren  bei 
ihnen  ähnliche  Fragen  aufzuwerfen  und  zu  beantworten  wie  bei 
den  in  mancher  Hinsicht  verwandten  Testamenten  der  12  Patri- 
archen und  andern  Stücken  jüdisch -palästinensischer  Literatur 
wie  dem  Martyrium  Isaiae  und  einigen  Stücken  des  2.  Makkabäer- 
buches.  Vielleicht  dürfen  jetzt  diese  vitae  prophetarum  be- 
anspruchen, in  die  Literaturgeschichten  der  jüdisch-hellenistischen 
Zeit  aufgenommen  zu  werden. 

Der  2.  Teil,  die  legendarischen  Apostelkataloge  mit  Jünger- 
listen, mußte  zunächst  auf  Kriterien  einer  sicheren  Datierung 
geprüft  werden.  Das  im  sog.  Dorotheustexte  angegebene  Datuni, 
welches  bisher  fast  ausschließlich  bestimmend  war,  diese  Verzeich- 
nisse in  das  5. — 6.  Jahrhundert  zu  verlegen,  erwies  sich  als  un- 
haltbare Fälschung.  Andere  Kriterien  veranlaßten  eine  neue 
Aufstellung  der  Datierungs-  und  Abhängigkeitsverhältnisse, 
welche  die  einzelnen  Texte  in  jüngere  Zeit  verwies.  Xeben  der 
zeitlichen  Fixierung  waren  aber  lokale  Einflüsse  zu  berücksich- 
tigen, welche  sich  in  den  mannigfachen  Apostelreihen,  in  den 
"Überlieferungen  über  die  Missionen  und  die  Todesarten  der 
Apostel,  in  den  Namen  der  70  Jünger  äußerten.  Sowohl  in  den 
legendariscben  Apostelverzeichnissen  wie  in  den  Jüngerlisten 
machte  Syrien  den  Anfang,  dessen  Produkte  in  Ägypten  und  der 
byzantinischen  Landeskirche  Aufnahme  fanden,  wo  sie  zweckent- 
sprechend umgestaltet  und  mit  neuen  Traditionen  versehen  wurden. 


Vorwort.  V 

Daher  wurden  die  syrischen  Texte,  soweit  bisher  bekannt, 
zur  Bearbeitung  sowohl  der  Propheten-  wie  Apostel-  und  Jünger- 
legenden beigezogen.  Einige  von  ihnen  waren  in  modernen 
Übersetzungen  zugänglich,  einen  Text  bei  Agn.  Sm.  Lewis  [Studia 
Sinaitical]  übersetzte  mir  mein  Freund  Hofstiftsvikar  Dr. C.Julius 
als  ich  noch  nicht  der  syrischen  Sprache  soweit  mächtio-  war, 
um  korrekt  übersetzen  zu  können;  zwei  andere  übertrug  ich  dann 
selbst  (die  vitae  prophetarum  in  Nestles  Ausgabe,  und  jene  in 
der  phototypischen  Wiedergabe  des  codex  Syro-Hexapl.  Am- 
brosianus). Da  aber  noch  nicht  alle  handschriftlich  bekannten 
syrischen  Texte  ganz  ediert  sind,  so  wäre  es  eine  verdienstvolle 
Aufgabe  der  Patrologia  Syriaca,  sich  ihrer  zu  bemächtigen. 

München,  Juli  19U7.  Th.  Seh. 


VI 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 

I.  Teil.    Prophetenlegenden 1 

1.  Kapitel.   Überlief erungsgeschichte  der  Texte 2 

§    1.    Die  erste  Epiphaniusrecension  in  Paris,  gr.  1115 2 

§    2.    Der  Dorotheustext 0 

§    3.   Die  zweite  Epiphaniusrecension 14 

§    4.    Der  anonyme  Text  in  Vatie.  gr.  2125  und  dessen  Genossen      .  15 

§    5.    Die  sog.  Scholienrecension 19 

§    6.    Die  Recension  in  den  griechischen  Menologien  und  Synaxarien  21 

§    7.    Lateinische  vitae  prophetarum 22 

§    8.    Die   dem    Epiphanius  von    Cypern    zugeschriebenen    syrischen 

vitae  prophetarum 24 

§    9.    Andere  syrische  Zeugen  von  vitae  prophetarum 35 

§  10.    Die  Reihenfolge  der  Propheten 39 

§  11.    Die  Namenerklärungen  der  Propheten 42 

2.  Kapitel.   Reeensionstypen  und  Reconstruktion  einer 

etwaigen  Grnndsclirift 43 

§  12.  Osee  (46).    §  13.  Joel  (48).    §  14.  Arnos  (51).    §  15.  Abdias  (53). 

§  16.    Jonas  (55).      §  17.    Michaeas  (60).      §  18.    Nahum  (61). 

§  19.  Habakuk  (62).    §  20.  Sophonias  (67).    §  21.  Aggaeus  (68). 

§  22.  Zacharias  (70).     §  23.  Malachias  (72). 
§  24.  Isaias  (74).  §  25.  Jeremias  (81).  §  26.Ezechiel  (89).  §  27.  Daniel  (93). 
§  28.    Nathan  (99).  §  29.  Achias  (102).  §  30.  Joath  (Joad),  Joam  (104).  §  31. 

Zacharias,  Jojadae  filius(105).  §32.  Azarias(lOS).  § 33. Elias" (109). 

§  34.  Elisaeus  (112).    §  35.  Homo  Dei  anonymus  (114).    §  36. 

Symeon  (114).   §  37.  Joannes  Baptista  (115).   §  38.  Anhang  (115). 

3.  Kapitel.   Alter  und  Wert  der  einzelnen  Recensionen    .    .  116 

§  39.    Christlich-messianische  Tendenz  der  Texte 116 

§  40.    Verhältnis  der  vitae  prophetarum  zur  jüdischen  Literatur  .     .  118 

§  41.    Verhältnis  der  verschiedenen  Recensionen  zu  einander     .     .     .  126 

II.  Teil.  Die  Apostellegenden  und  Jüngerverzeichnisse 
nebst  den  geschichtlichen  Fälschungen  des  Doro- 
theustextes 133 

4.  Kapitel.   Die  Überlieferungsgeschickte  der  Texte    .    .    .  133 

§  42.    Der  Pseudo-Epiphaniustext 134 

§  43.    Der  sog.  Dorotheustext 144 

§  44.    Anhang:  Über  die  Taufe  der  Apostel  und  Maria 149 

§  45.    Der  sog.  Hippolyttext 153 

§  46.    Ein  anonymer  griechischer  Text  syrischer  Heimat  ....  160 

§  47.    Der  Text  in  der  Chronik  des  Ps.  Symeon  Logotheta    ....  161 


Inhaltsverzeichnis.  VII 

Seite 

§  48.    Der  Text  in  den  griechischen  Menologien  und  Syuaxarien  .     .  163 

§49.    Anhang:  Über  Judas  Iscarioth 1G5 

§  50.    Mischtexte  zwischen  Ps.Dorotheus,Ps.Epiphaniusu.Ps.Hippolytus  lüö 

§  51.    Kleinere  griechische  Texte  in  Keim  und  Prosa 168 

§  32.    Lateinische  verwandte  Texte 169 

§  53.    Syrische  uud  arabische  Apostel-  und  Jüngerverzeichnisse     .     .  172 

5.  Kapitel.  Die  geschichtlichen  Einlagen  des  Dorotueustextes  174 
§  54.    Der  sog.  Prolog.   Die  Persönlichkeit  des  Märtyrers  and  Bischofs 

Dorotheus 174 

§55.    Des  Epilogs  1. Teil.  Die  Gründung d. Kirche  v.Byzanz  durchAndreas  182 

§  56.    Des  Epilogs  2.  Teil.    Die  Bischofsliste  von  Byzanz 187 

§  57.    Die  im  Epilog  angegebene  Datierung  des  Dorotheustextes  .     .  194 

§  58.    Der  Nachtrag  zum  Dorotheustexte 197 

6.  Kapitel.   Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel     .    .    .  198 

§  59.    Die  Apostellisten  in  den  kanonischen  Schriften  des  N.  T.    .     .  198 

§  60.    Ägyptische  außerkanonische  und  kanonische  Apostellisten  .     .  204 

§61.    Syrische  Apostellisten 207 

§  62.    Lateinische  Apostellisten 216 

§  63.    Griechisch-byzantinische  Apostellisten 230 

7.  Kapitel.    Die  legendarischen  und  geschichtlichen  Nach- 

richten über  die  12  Apostel  und  die  Evangelisten  in 

den  verschiedenen  Texten  und  Recensionen  ....  239 
§  64.  Simon  Petrus  (240).  §  65.  Andreas  (247).  §  66.  Jacobus  Zebedaei 
(253).  §  67.  Johannes  Evangelista  (257).  §  68.  Philippus  (266). 
§  69.  Bartholomäus  (269).  §  70.  Thomas  (272).  §  71.  Matthäus 
(276).  §  72.  Jacobus  Alphaei  (278).  §  73.  Simon  Zelotes  (Caua- 
näus)  und  Simon  Judas  (280).  §  74.  Thaddäus  Lebbäus  und 
Judas  Jacobi  (282).    §  75.  Matthias  (283).    §  76.  Judas  Iscarioth  « 

(285).     §  77.  Marcus  der  Evangelist  (285).     §  78.  Lucas  der 
Evangelist  (288).    §  79.  Paulus  (290). 

8.  Kapitel.    Die  Reihenfolge  der  70  Jünger  in  griechischen, 

lateinischen  wie  orientalischen  Verzeichnissen    .    .    .  292 

§  80.    Clemens  Alexandrinus  und  Eusebius  über  die  70  Jünger     .     .  293 

§  81.    Die  Ausbildung  der  Jüngerkataloge  im  4.,  5.  und  6.  Jahrh.      .  298 

§  82.    Die  palästinensisch-syrischen  Kataloge 3*  '0 

§  83.    Byzantinische  und  lateinische  70  Jüngerverzeichnisse  ....  312 

§84.    Arabische  Jüngerverzeichnisse 318 

9.  Kapitel.    Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze  im.  1 — 142     .  321 

10.  Kapitel.    Alter,  Entwicklungsgeschichte  und  Wert  der 

einzelnen  Apostel-  und  Jüngerkataloge 340 

Register:  1.  Handschriftenverzeichnis 

2.  Stellenverzeichnis       356 

3.  Namen-  und  Sachregister       361 

Nachträge  und  Berichtigungen :   1 


1.  Teil:  Die  Vitae  prophetarimi. 

Wer  sich  über  den  Stand  hagiographischer  Probleme  unter- 
richten will,  wird  zunächst  nach  der  Bibliotheca  hagiographica 
der  Bollandisten  greifen.  In  unserem  Falle  sind  in  der  griechi- 
schen Abteilung  *  dieses  hervorragenden  Orientierungsmittels  vier 
Textgruppen,  welche  über  Prophetenlegenden  handeln,  unter- 
schieden. Die  erste  jedoch  ist  auszumerzen.  Sie  ist  nämlich 
die  Schrift  des  Eusebius  über  die  Namen  und  den  teilweisen 
Inhalt  der  Prophetenbücher2,  welche  in  Cod.  Vatic.  gr.  2125  er- 
halten ist.  Sie  enthält  nichts  Biographisches  oder  Legendarisches. 
In  der  zweiten  Gruppe,  welche  unter  dem  Namen  des  Epiphanius 
von  Cypern  steht,  sind  anscheinend  vier  Texte  untergebracht, 
von  denen  aber  die  unter  a)  und  c)  aufgezählten  identisch  sind. 
Beiden  liegt  eine  HS  Paris,  gr.  1115  zugrunde.  Der  letzte 
Herausgeber  Eb.  Nestle  hatte  nur  die  Reihenfolge  der  Pro- 
pheten gegenüber  seiner  Vorlage  umgeändert.  In  dieser  Rubrik 
hat  noch  fälschlicherweise  ein  Text  Unterkunft  gefunden,  welcher 
zwar  durch  C.  Tischendorf  mit  dem  sog.  kürzeren  Epiphanius- 
text  c)  zugleich  veröffentlicht,  aber  in  der  HS  Coisl.  224  nicht 
ihm  beigelegt  wurde.  Als  dritte  Recensionsgruppe  unterscheiden 
die  Bollandisten  jene  des  Chronicon  Paschale,  welche  aber  mit 
der  vierten  des  Dorotheus,  welche  Fabricius  aus  ebendemselben 
Chronicon  mit  Hilfe  einer  bekannten  lateinischen  Übersetzung 
rekonstruierte,  identisch  ist. 


1)  Bruxelles  1895,  S.  115. 

2)  'Ex  zöiv  Evoeßiov  zov  IIafi<ptlov  tieql  zfjq  zov  ßißXlov  zü>v  tiqo- 
<p>]zü>v  övo/jaolag  xal  änö  fxtQovq  xl  tzbqU%bi  txaazo^.  (Migne  Patr. 
gr.  22,  1201  f.) 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  1 


2  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

1.  Kapitel.    Überlieferungsgeschichte  der  Texte. 

In  der  Anordnung  der  folgenden  Texte  waltete  nicht  etwa 
die  Rücksicht  auf  etwaige  Abhängigkeit  derselben  untereinander 
und  demgemäß  auf  eine  stufenmäßige  Entwicklung,  vielmehr  ist 
eine  solche  erst  das  Resultat  mühsamer  Untersuchungen,  sondern 
die  Bezugnahme  auf  die  frühere  oder  spätere  Aufmerksamkeit, 
welche  den  Texten  geschenkt  wurde. 

§  1.     Die   erste  Epiphaniusrecension   in  Paris,    gr.  1115. 

Am  frühesten  erhielt  dieser  Text  Verbreitung  durch  die 
Ausgaben  von  Alb.  Torinus  1529,  von  Joachim  Zehner  1612. 
von  Petavius  1622,  wiederholt  1682,  welch  letztere  dann  in 
der  Sammlung  von  Migne  (Patr.  gr.  43,  393—413)  abgedruckt 
wurde.  All  diese  Ausgaben  gehen  auf  die  einzige  HS  Cod. 
Paris,  gr.  1115  (anni  1276)  zurück,  eine  andere  dieses  Textes 
wurde  bis  jetzt  nicht  ausfindig  gemacht.  Auch  Eb.  Nestle  ' 
hatte  nochmals  den  Text  nach  einer  Abschrift  von  Jeanjean  und 
nochmaligem  Vergleich  von  Sam.  Berger  herausgegeben.  Aufs 
neue  wurde  die  Handschrift  von  H.  Geizer  zu  der  geplanten 
Ausgabe,  ohne  daß  er  eine  der  bisherigen  Ausgaben  gekannt 
hätte,  abgeschrieben.  H.  A.  Hamaker2  hatte  in  seinem  ge- 
lehrten Werk  über  etwaige  Quellen  dieses  Textes  auch  denselben 
in  ausgedehnter  Weise  an  den  geeigneten  Stellen  mitgeteilt. 
Während  in  sämtlichen  Ausgaben  die  Anordnung  nach  der  ein- 
zigen HS  eingehalten  wurde,  beginnend  mit  a.  NaO-av  und 
schließend  mit  xe'.  'icodvvtjq  ßajiTiotrjg,  hatte  Eb.  Nestle  die 
Ordnung  anders  gestaltet,  so  daß  er  die  vier  großen  Propheten 
voranstellte,  denen  die  12  kleinen  folgen  und  dann  erst  der  An- 
hang  mit  Nathan,   Achias,  Joam,  Azarias,   Elias,   Elisaeus,    Sy- 


1)  Marginalien  und  Materialien  Tübingen  1893,  II.  Abhandlung.  Die 
dem  Epiphanius  von  Cjpern  zugeschriebenen  vitae  prophetaruin.  Vgl. 
über  die  früheren  Ausgaben  J.  A.  Fabricius,  Bibl.  graeca,  ed.  Harless, 
Hamburg  1802,  VIII  271. 

2)  Commentatio  in  libellum  de  vifca  et  morte  prophetaruin  [Commen- 
tationes  latinae  tertiae  classis,  instituti  Regii  Belgici  Vol.  V.]  Amstelo- 
dami  1833.  Bereits  A.  Reland,  Palaestina  ex  monumentis  veteribus  ülu- 
strata  Trajecti  1714  hatte  öfters  auf  ihn  bezug  genommen,  namentlich  in 
topographischer  Beziehung. 


1.  tj  herliefe  rungsgeschichte  der  vitae  prophetanrm.  3 

meon,  Jobannes  Baptista,  Zacharias  und  der  abschließende  Nach- 
satz. Es  scheint,  daß  Nestle  nach  einem  syrischen  Paralleltexte 
neuredigierte,  wenn  ihm  nicht  diese  Anordnung  bereits  durch 
den  Abschreiber  Jeanjean  zugeschickt  wurde,  wodurch  vielleicht 
die  sonderliche  Zählung  und  verwirrende  Angabe  der  Blätter  der 
HS  verursacht  war. 

Zunächst  sei  das  Verhältnis  der  drei  frühesten  griechischen 
Ausgaben  näher  untersucht.  Die  dritte  Ausgabe,  von  Petavius1 
besorgt,  weicht  so  sehr  von  der  bekannten  HS  Paris.  1115  ab, 
daß  man  zweifeln  kann,  ob  Petavius  dieselbe  kannte.  Zwar  ge- 
steht Petavius  selbst,  daß  er  noch  einen  codex  Augustanus  be- 
nützte, welcher  aber  offenbar  einer  andern  Recension  angehörte; 
allein  durch  ihn  konnte  er  nicht  zu  so  fehlerhaften  Varianten 
und  Lesarten  verleitet  worden  sein.  Des  Rätsels  Lösung  liegt 
offenbar  darin,  daß  Petavius  die  HS  Paris  1115  selbst  gar  nicht 
einsah,  sondern  nur  aus  den  beiden  früheren  Ausgaben  schöpfte, 
welche  in  ihrer  Art  zur  Gestaltung  des  Textes  beigetragen  hatten, 
Torinus2  in  seiner  ersten  Ausgabe  durch  eine  Unmasse  von 
falschen  Lesarten  und  Druckfehlern,  Zehner3  durch  sachliche 
Textveränderungen.  Jeder  der  drei  Herausgeber  hatte  eine  eigene 
lateinische  Übersetzung  beigegeben.  Die  fehlerhafte  Ausgabe 
von  Torinus  benutzte  Hamaker4,  welcher  den  eigenen  Zusatz 
des  Torinus  in  der  Vita  des  Zacharja,  Jojadae  filii,  daß  das  Blut 
des  Propheten  bis  an  die  Vortüren  des  Tempels  gespritzt  sei,  als 


1)  Tov  iv  ayioiq  nazQo;  rjfxCov  ^EitKfavlov  &Taoy.Ü7tor  h'tovozavzelaq 
rfjq  Kingov  .  .  .  rufioq  ösLTSQoq.  S.  P.  N.  Epiphanii  Constantiae  tom. 
secund.  Dionys.  Petavius  Aurelian.  S.  J.  Parisiis  1622  pag.  235 — 250. 
Die  Ausgabe  wiederholt  16S2,  Migne  Patr.  gr.  43,  393—413.  In  der  Aus- 
gabe des  Petavius  1(322  ist  die  Seitenzahl  fälschlich  135  und  150  gedruckt. 

2)  Epiphanii  episcopi  Cypri  de  prophetarum  vita  et  interitu  commen- 
tarius  graecus,  una  cum  interpretatione  e  regione  latina,  Alhano  Torino 
interprete.  In  derselben  Ausgabe  finden  sich  dann  noch  Stücke  von  So- 
phronius,  Hieronymus,  Gennadius.  Basüeae,  apud  Andr.  Gratandram,  An. 
1529.    Der  Text  p.  6—39. 

3)  Divi  Epiphanii  (ut  vulgo  nomiuatur)  über  de  vitis  prophetarum 
Graece.  Intra  LXXXffi  annoram  spacium  nuspiam  excusus,  nunc  autem 
locis  pluribus  quam  trecentis  repurgatua  a  Joachimo  Zehnero,  superihten- 
dente  Hennenbergico  ac  Pastore  Schleusin^rnsi.  Impressus  Schleusin^n-. 
Snmptihua  Thomae  Schüren,  typis  Sebastiani  Schmuccij.  Anno  1612, 
p.  10—150. 

4)  Hamaker  a.  a.  I  >.   p.  217. 

1* 


4  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

dieser  Recension  eigen  betrachtet.  Torinus  kannte  offenbar  noch 
eine  zweite  Recension,  wohl  jene  des  Dorotheus,  aus  dessen  Lesart 
xai  s£,£X££  x°  cäfia  avxov  xxl.  er  l^t%£xo  xo  alfia  avxov  xxX. 
aufnahm.  Schon  Nestle1  hat  noch  einige  andere  solcher  Les- 
arten namhaft  gemacht,  welche  er  „aus  der  Freiheit,  welche  sich 
ein  Herausgeber  des  16.  Jahrhunderts  seiner  Vorlage  gegenüber 
genommen  hat",  erklärte.  Diese  Abweichungen  von  der  Hand- 
schrift gingen  teilweise  auch  in  die  Ausgabe  von  Zehner  über, 
trotzdem  er  den  Cod.  Paris.  1115  sehr  sorgfältig  verglich,  ebenso 
in  jene  des  Petavius,  der  aber  auch  einige  Druckfehler  aus  Torinus, 
wie  [/?]T£Ql  in  der  Vita  des  Jonas,  mitherübernahm.  Allen  drei  Aus- 
gaben ist  die  jedesmalige  von  Torinus2  herrührende  Überschrift: 
o  ßiOQ  xov  .  .  .  JtQocprjTov  xal  jiov  xslxac  eigen. 

Über  die  Verfasserschaft  des  Epiphanius  sind  die  Gelehrten 
von  jeher,  solange  wir  Zeugnisse  aufweisen  können,  schwankend. 
Das  älteste  Zeugnis  liegt  bei  dem  Monophysitischen  Patriarchen 
Jakob  von  Edessa  (c.  640 — 708)  vor.  Nach  einer  syrischen 
HS  des  britischen  Museums,  welche  W.  Wright3  bearbeitete, 
belehrt  Jakob  einen  seiner  Korrespondenten,  die  Nachricht,  daß 
Jonas  der  Sohn  der  Witwe  von  Sarepta  sei,  finde  sich  nur 
in  unglaubwürdigen  Schriften,  welche  Epiphanius  von  Cypern 
zugeschrieben  werden.  So  würde  also  um  die  Wende  des 
7.  Jahrhunderts4  unsere  oder  eine  ihr  ähnliche  Schrift  mit  dem 
Namen  des  Epiphanius  Verbreitung  gefunden  haben,  deren  Autor- 
schaft aber  Zweifel  erregte. 

Eine  Kenntnis  einer  solchen  Epiphaniusschrift  unter  den 
Lateinern  verrät  Kardinal  Hugo  (c.  1240)  in  seinem  Daniel- 
kommentar (c.  4  v.  22) 5,  wo  er  den  Verfasser  Epiphanius  sive 
Magister  nennt,  indem  er  also  dahingestellt  sein  läßt,   ob  er  sie 

1)  Margin.  u.  Material.  II  46. 

2)  Stets  gedruckt:  6  xov  ßloq  .  .  .  noocptjxov  xxX. 

3)  W.Wri  ght,  Catalogue  of  syriac  manuscripts  in  the  British  Museum. 
London  1871  (p.  601)  nach  cod.  Syriac.  707  saec.  IX  (Add.  12172).  Eb. 
Nestle,  Marginalien  und  Materialien  II,  S.  56.  Jacob  verrät  auch  sonst 
Kenntnis  unserer  vitae,  z.  B.  ist  ihm  Abdias  der  3.  Führer  von  Fünfzig, 
2  Kg.  1,  13.  Zacharias  (Mt.  23,  35;  Lc.  11,  51)  ist  nach  ihm  der  Vater 
des  Johannes  Baptista. 

4)  Rub.  Duval,  La  litterature  Syriaque  [Anciennes  litteratures  chre- 
tiennes  II]  Paris  1899,  376. 

5)  Nach  Nestle,  Marginalien  S.  2. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetaruui.  5 

dem  Epiphanius  oder  einem  andern  Historiographen  beilegen 
will.  Seither  ist  diese  Frage  nach  der  Echtheit  des  Textes  nur 
nebenbei  behandelt  worden,  wobei  man  allzumeist  von  dem  Ge- 
sichtspunkte ausging,  ob  die  Abfassung  solcher  Legenden  eines 
Epiphanius  würdig  wäre.  Einen  inneren  Widerspruch  zwischen 
der  Vita  des  Elias  unseres  Textes  und  dem  Panarion  des  Epi- 
phanius adv.  haeres.  55  (früher  35)  contra  Melchisedecianos i 
bemerkte  J.  Zehner,  da  in  der  ersteren  Schrift  als  Vater  des 
Propheten  Sobach  genannt  werde,  in  der  letzteren  dagegen 
Achimaam.  Fr.  Delitzsch2  erkannte  aber  den  Widerspruch  nicht 
au ,  da  Epiphanius  in  seiner  ketzerbestreitenden  Schrift  einer 
andern  Überlieferung  folge:  a  sv  JcaQaöcoGsOi  xaz£tÄr}<pa[i6i>. 

Von  weitern  Forschern  traten  gegen  die  Verfasserschaft  des 
Epiphanius  auf:  Petavius  (f  1652),  Sirmond  (f  1651),  Dan. 
Huetius3  (1679),  Labbe  (1680),  Papebroch  (1714),  Ellies  du  Pin 
(1719),  Oudin  (1752),  Ceillier  (1761),  für  dieselbe  Bellarmin, 
H.  A.  Hamaker 4,  besonders  wiederum  Delitzsch  5,  dessen  Urteil 
dahin  ging:  die  Schrift  sei  nicht  so  albern,  überhaupt  nicht  so 
gestaltet,  daß  sie  nicht  den  treuherzigen  Epiphanius  zum  Ver- 
fasser haben  könnte.  Die  neuern  Forscher,  0.  Bardenhewer6, 
N.  Bonwetsch  "  entschieden  sich  zumeist  gegen  Epiphanius, 
ohne  jedoch  genauere  Untersuchungen  angestellt  zu  haben. 

Von  einer  andern  Seite  suchte  die  Echtheitsfrage  Joach. 
Zehner8  (1612)  zu  betrachten,  welcher  an  eine  hebräische 
Grundschrift  des  Epiphaniustextes  dachte.  Epiphanius  könnte 
ja  wohl  infolge  seiner  sprachlichen  Kenntnisse  als  Übersetzer 
ins  Griechische  in  betracht  kommen.  Die  ganze  stilistische 
Durchführung    verrate    ein    hebräisches    Original.      Diese    These 


1)  Migne  Patr.  gr.  41,  977  A. 

2)  De   Habacuci   prophetae   vita   atque  aetate    adiecta    diatribe    de 
Pseudodorotheo  et  Pseudepiphanio.     Lipsiae  1842  pag.  96. 

3)  Demonstratio  evangelica,  Parisiis  1679,  Propositio  IV  nennt  den 
Verfasser  Epiphanius  vTioßofo/xaioq. 

4)  Couimentatio  a.  a.  0.  S.  710. 

5)  Der  Prophet  Habakuk,  Leipzig  1843  pag.  IV.    Derselbe,  De  Haba- 
cuci proph.  vita  S.  80. 

6)  l'.it.ulogie.    2.  Aufl.    Freib.  1901,  274. 

7)  Artikel  Epiphanius  in  HRE  V3,  Leipzig  1898,  421. 

8)  Divi  Epiphanii  (ut  vulgo  nominatur)  liber  etc.  S.  2. 


6  Schennann.  Propheten-  und  Apostellegenden. 

verfolgte  H.  A.  Hamaker J  weiter,  welcher  neben  guten  sprach- 
lichen Beobachtungen  sogar  die  hebräische  Grundschrift  zu  re- 
konstruieren versuchte.  Man  kann  sich  aber  des  Eindruckes  der 
Gezwungenheit  nicht  erwehren,  trotzdem  er  Textverderbnisse  mit 
Hilfe  des  Hebräischen  beseitigen  konnte.  Z.  B.  liest  unser  Epi- 
phaniustext  in  der  Vita  des  Nathan:  Na&av  Iv  ?/(itQaiq  Aavid 
ix  cpvlrjq  &cox.  Ovrog  xrl.  Eine  andere  Recension  dagegen: 
Nad-av  .  .  ex  cpvZrjq  hQmövvyc,  yv.  Das  rätselhafte  &mx  (für 
welches  auch  &corj  gelesen  wurde),  führt  Hamaker  auf  eine 
Lesart  -pWQ  (e  medio)  zurück,  welche  im  Texte  oder  am  Rande 
neben  S^Dflin  ti^lTE  (e  tribu  sacerdotum)  stand.  In  derselben 
Vita  entspricht  nach  Hamaker  jcagaßrjvai  sv  =  2  b^Ü 2;  solche 
einzelne  Phrasen,  welche  eine  hebräische  Parallele  haben  können, 
sind  bei  Hamaker  fast  auf  jeder  Seite  zu  finden. 

In  anderer  Weise  suchte  Isaac  H.  Hall3  die  Frage  zu  be- 
antworten, welcher  nicht  ein  hebräisches,  sondern  ein  syrisches 
Original  annahm.  Auf  Grund  grammatikalisch-stilistischer  Be- 
obachtungen wird  es  sich  bei  der  engen  Verwandtschaft  der 
beiden  semitischen  Sprachen  nicht  entscheiden  lassen,  ob  eine 
etwaige  hebräische  (aramäische)  oder  syrische  Grundschrift  vor- 
handen war.  Bevor  wir  den  Wert  der  griechischen  Epiphanius- 
recension  in  Vergleich  mit  den  andern  griechischen  Texten  nicht 
erkannt  haben,  ist  die  Beantwortung  einer  solchen  Frage  nutzlos. 
Vorerst  läßt  sich  nur  feststellen,  daß  syrische  Zeugen,  welche 
Epiphanius  eine  Abfassung  von  vitae  prophetarum  zuschreiben, 
in  höheres  Alter,  bis  in  das  siebente  Jahrhundert,  zurückreichen, 
als  unser  Cod.  Paris.  1115  und  andere  HSS  der  zweiten  Epi- 
phaniusrecension  (C). 


§  2.   Der  Dorotheustext. 

1.  Die  Gruppe  von  Texten,  welche  unter  dem  Namen  eines 
Dorotheus,  Bischofs  von  Tyrus,  bekannt  sind,  wurden  zuerst  zu- 
gänglich   in    einer    lateinischen    Übersetzung,    welche   Wolfgang 


1)  Conimentatio  in  libellum  de  vita  et  morte  prophetarum  etc. 

2)  Hamaker  p.  22 f.;  p.  29;  vgl.  p.  32,  35  usw. 

3)  Siehe  unter  §8:  Die  syrischen  vitae  prophetarum  des  Epiphanius 
von  Cypern. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarurn.  7 

Musculus  1557  1  zum  erstenmal  veröffentlichte.  Die  griechische 
Handschrift,  nach  welcher  Musculus  in  der  Hauptsache  seine 
Übersetzung  fertigte,  war  zweifellos  Cod.  Vindob.  theol.  gr.  77 
(ol.  40).  J.  B.  Cotelerius2  hatte  dann  in  den  Noten  zur  Aus- 
gabe der  apostolischen  Vater,  beziehungsweise  der  apostolischen 
Konstitutionen,  Exzerpte  aus  dernDorotheustexte  beigefügt,  welcher 
ihm  „graece  in  Mss"  bekannt  sei,  während  er  eine  lateinische 
Übersetzung,  offenbar  jene  des  Musculus,  mit  „latina  vulgata" 
bezeichnet.  Die  Notizen,  welche  Cotelerius  hier  wiedergab,  be- 
treffen Achias  und  Joath.  Da  bis  jetzt  nur  die  einzige  griechische 
Hs  dieser  Prophetenleben  bekannt  ist,  so  ist  auf  die  Mitteilung 
des  Cotelerius,  er  kenne  sie  aus  mehreren  Handschriften  (Mss), 
größeres  Gewicht  zu  legen.  Es  lohnt  sich  daher,  den  von  ihm 
zu  den  beiden  Propheten  mitgeteilten  Text  mit  jenem  des  Vindob. 
in  Parallele  zu  setzen: 

Vindob.  theol.  gr.  77  fol.  266:  Coteler.    pag.    296:     Ilegl    xov 

Eiq    xov   'Ayia.      Ovxoq  Ayiaq  'AyiägexSiXwfiöjtovtjvrj  oxrjvr] 

ijv  ev  2iXcq£1  fjxov  r\v  rj  Ox7]vt]  rj  JtaXai  ex  xr\q  jtoXemq  'lIXi. 

r)  jcaXaid  ex  JioXeayq  HXl,  xal  xal  aneQ-ave  xal  exa<pr\   eyyvq 

aJie&ave    xal    exdtpr)    övveyyvq  xrjg  ögvbq  2iXw[i'  ovxoq  de  xal 

x7jg  ÖQvbq  SiXmft'   6  6b  avxbg  Aömvtag  xaXelxai. 
xal  'Aöcavlaq  Xeyexai. 

Vindob.  theol.  gr.  77  fol.  266v  :  Coteler.  pag.  295  (graece  in  mss) : 

Eiq  xov  'icoafr.     Ovxoq   'icoctQ-  üeol  xov'la)d{h' ovxoq  ?jv  ex  yijq 

rjv   ex    y7jq  J£atuaoiv    ejtdxa^e  ^afiagelag'  ejtdxa^e  6e   avxbv 

de  avxbv  b  Xewv,  xal  aned-ave  o  Xewv,  xal  ajte&ave  xal  exd<pr) 

xal  exärpr]  ev  Be&rjX  eyyvq  xov  ev   BaifrrjX    eyyvq    xov  ipevöo- 

ip£vöojrQO<pr}xov     xov    nXavr\-  Jigocprjxov     xov     jrXavjjöavxoq 

oavxoq  avxbv.  avxbv. 

Diese    beiden  Proben    überzeugen    nicht   davon,    dass    Cote- 
lerius noch  eine  andere  Hs  dieses  Dorotheustextes  kannte,  viel- 


1)  Mir  stand  die  achte  Ausgabe  vom  Jahre  1677  zu  Diensten:  in 
Maxima  Bibliotheca  Veterum  Patruin  et  antiquorum  scriptorum  Toni.  IJ2, 
Lugduni  1677  p.   122  ss.  2Ü. 

2)  SS.    I'atiuiii,    qui    temporibus    Apostolicis    floruerunt,    Barnabae, 
Cletnentis,    llcnnac,    Ignatii,    l-'olycarpi,    opera  edita  et  inedita .  .,    LB. 
Cotelerius.    Accesserant    in    hac   nova    editione   notae    integrae    alio 
sirorum  doctorum  . .  recensuit  et  aotitiaa  aliquot  adsporsit  Joannes  Clericus 
Vol.   I,  Antvcrpiae   ITOil  p.  2'.!.")   nota. 


8  Schermann.  Propheten-  und  Apostellegenden. 

mehr  mochte  er  die  geringen  Änderungen  nach  einer  andern 
bekannten  Recension  der  vitae  vorgenommen  haben. 

Jo.  Alb.  Fabricius1  versuchte  eine  Rekonstruktion  des  grie- 
chischen Originals  der  lateinischen  Übersetzung  des  Musculus  mit 
Hilfe  des  zweiten  griechischen  Zeugen  derDorotheusrecension,  des 
Chronicon  Paschale.  Die  vitae  des  Zacharias,  Acbias,  Joath, 
Azarias,  Jephthe,  welche  im  Chronicon  Paschale  keine  Parallel- 
überlieferung haben,  übersetzte  er  eigenmächtig  aus  dem  Latei- 
nischen. Den  Text  des  Chronicon  nahmen  auch  Hamaker, 
Delitzsch  u.  a.  in  Ermangelung  der  Originalhs  zu  Diensten,  dessen 
Kompilation  in  den  Anfang  des  siebenten  Jahrhunderts  verlegt 
wird  (629). 

Bevor  wir  auf  das  Verhältnis  unserer  Hs  und  des  Parallel- 
textes im  Chronicon  Paschale  eingehen,  müssen  wir  noch  einige 
Fragen  über  die  lateinische  Übersetzung  des  Musculus  beantworten. 
Die  Übersetzung  weist  nicht  nur  verschiedene  Fehler 2  auf,  sondern 
auch  gegenüber  Vindob.  theol.  gr.  77  Abweichungen  kleinerer 
Art,  aus  welchen  R.  A.  Lipsius  schon  auf  eine  zweite  Vorlage 
schloss.  Als  solches  Hilfsmittel  kann  nur  das  Chronicon  Paschale 
oder  die  topographia  christiana  1.  V  3  des  Kosmas  Indicopleustes, 
welche  die  prophetischen  Exkurse  des  Dorotheustextes  ebenfalls 
bietet,  in  Betracht  kommen.  Der  Satz  über  die  Bedeutung  des 
Elias,  als  des  hervorragendsten  unter  den  Propheten,  ist  in  beiden 
sekundären  Zeugen  vorangestellt,  in  der  lateinischen  Übersetzung 
aber  der  Vita  des  Elias  an  der  ihr  zukommenden  Stelle  bei- 
gegeben. Dieser  Satz  fehlt  aber  in  cod.  Vindob.  So  fragt  es 
sich,  hat  Musculus  denselben  aus  einem  der  zwei  andern  Zeugen 
aufgenommen?  Da  die  erste  Ausgabe  des  Chronicon  im  Jahre 
1615  aus  einem  cod.  Augustanus  durch  Rader  erfolgte,  also 
50  Jahre  nach  der  Übersetzung  des  Musculas,  so  müsste  man 
annehmen,  daß  der  Übersetzer  vielleicht  eine  Hs  des  Chronicon 
kannte.     In    der  Tat   hat    er   aber    die  topographia  des  Kosmas 


1)  De  vita  et  uiorte  Mosis,  libri  fcres.  Cum  observationibus  Güb. 
Gaulmini.  Accedunt  I  Pseudodorothei  Tyrii  et  aliorum  veterum  apo- 
spasmata  cur.  J.  A.  Fabricio.    Haniburgi  1714,  414 — 469. 

2)  Z.  B.  in  der  Vita  des  Daniel  ist  iv  vöxip  mit  in  morbo  wieder- 
gegeben, «v«  fteoov  inl  rov  ^El.afx  in  der  Vita  des  Zacharias  mit  sub 
Elam.    Vgl.  Delitzsch,  De  Habacuci  vita  pap.  54  nota  1. 

3)  Migne  Patr.  gr.  88,  260  ff. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  9 

benützt,  mit  welcher  er  auch  einen  Fehler  gemein  hat,  indem  er 
ein  Zitat  (Jerem.  31,  31—34)  auf  den  Römer-  statt  Hebräerbrief 
des  Paulus  zurückgeführt  hat.  Da  der  Umfang  der  latein.  Über- 
setzung durch  die  auch  in  cod.  Vindob.  vorhandenen  Vitae  des 
Zacharias,  Achias  usw.  das  Chronicon  überragt,  und  sonst  in  Ab- 
weichungen mit  dem  codex  Vindob.  übereinstimmt,  so  ist  an  der 
Identität  der  Vorlage  des  Musculus  und  der  genannten  Hs  kein 
berechtigter  Zweifel  zu  erheben. 

Wie  ist  die  gegenseitige  Abhängigkeit  der  Texte  des  Cod. 
Vindob.  und  des  Chronicon  paschale  aufzufassen?  Sind  beide 
direkt  von  einander  abhängig  oder  gehen  sie  auf  eine  gemein- 
same Vorlage  zurück?  Zur  Beantwortung  dieser  Frage  trägt 
das  Verhältnis  des  Vindob.  zu  den  übrigen  Dorotheushss  wesent- 
lich bei.  Cod.  Vindob.,  eine  verhältnismässig  junge  HS  (saec.  XIII.), 
überliefert  allein  unter  mehr  als  20  HSS,  welche  die  dem  Doro- 
theus  unterschobenen  Apostel-  und  Jüngerlisten  bieten  und  bis 
in  das  IX. — X.  Jahrhundert  zurückgehen,  diese  Recension  der 
Prophetenleben  unter  des  Dorotheus  Namen.  Von  diesen  HSS 
enthält  z.  B.  Cod.  Coisl.  205  (saec.  XL)  unmittelbar  vor  den 
Texten  über  die  12  Apostel  und  72  Jünger,  welche  ausdrücklich 
dem  Dorotheus  beigelegt  werden,  Prophetenviten,  und  zwar  die 
anonyme  (als  D  bezeichnete)  Recension,  wobei  allerdings  dieser 
Text  stark  durch  jene  des  Dorotheus,  wie  wir  nun  einmal  die 
des  Vindob.  theol.  gr.  77  und  des  Chronicon  Paschale  nach  tra- 
ditioneller Ansicht  nennen  wollen,  beeinflußt  ist.  In  Cod.  Coisl.  224 
und  Vatic.  1974  (saec.  XII.— XIII.),  beide  HSS  eng  verwandt, 
folgen  den  Apostel-  und  Jüngerlisten  die  anonymen  vitae  Prophe- 
tarum der  D-Recension,  welche  mit  jenen  der  Dorotheusrecension 
vermischt  sind. 

Eine  andere  Gruppe  von  Dorotheushss  bilden  Paris.  Ins,"), 
Coisl.  258,  NapoL  II  A  27,  welche  in  unmittelbarer  Aufeinander- 
folge Epiphaniustext  II  (C)  über  die  Propheten,  den  Ps.  Hippo- 
lytus  über  die  Apostel  und  Jünger  des  Herrn,  dann  den  Prolog, 
die  Apostel-  und  Jüngerlisten  und  den  Epilog  des  Dorotheus 
bieten.  Immerhin  können  noch  andere  HSS  aufgefunden  werden, 
welche  die  Prophetenlisten  in  irgend  welcher  Verbindung  mit 
dem  Dorotheustexte  über  Apostel  und  Jünger  des  Herrn  ent- 
halten. Vorerst  hat  nur  Vindob.  theol.  gr.  77  und  die  darauf 
beruhende  Übersetzung  des  Musculus  die  vitae  prophetaruni.  welche 


10  Seherin  arm,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

das  Chronicon  paschale  anonym  überliefert,  als  dorotheanisch  be- 
zeichnet und  mit  den  Apostel-  und  Jüngerverzeicbnissen  in  Ver- 
bindung gebracht.  Das  Ansehen  der  genannten  Hs  wird  durch 
die  Singularität  der  Bezeugung  immerhin  fraglich,  zumal  diese 
Hs  gegenüber  dem  Chronicon  paschale  einen  weniger  guten  Text 
bietet,  wobei  allerdings  Schreibversehen  eine  besondere  Rolle 
spielen,  z.  B.:  in  der  Vita  des  Joel  hx.  yrjg]  eyyvg  Vindob. 

Nachdem  die  Gründe  gegen  die  Selbständigkeit  und  be- 
sonders hohe  Wertschätzung  des  Vindob.  gesammelt  sind, 
mögen  auch  jene  für  eine  eigene  Einschätzung  der  Hs  vor- 
gebracht werden.  Zunächst  muss  eine  Beobachtung  wiederholt 
werden,  daß  hier  der  Umfang  der  Prophetenleben  größer  ist  als 
im  Chronicon  paschale,  und  zwar  um  den  Anhang  von  Zacharias, 
Achias,  Joath,  Azarias,  Jephthe,  David  und  Samuel.  Die  Text- 
gestalt nähert  sich  hierin  am  meisten  der  von  D  d.  h.  der  ano- 
nymen Recension,  ohne  daß  aber  an  die  direkte  Abhängigkeit 
gedacht  werden  darf;  vielmehr  zeigen  die  Vitae  des  Cod.  Vindob. 
eigene  Lesarten,  welche  einen  wesentlichen  Unterschied  von  D 
besagen,  wozu  auch  die  Erwähnung  von  Jephthe,  David  und 
Samuel  gehört,  deren  Namen  man  sonst  nirgends  findet.  Eine 
zweite  Beobachtung  ist  ebenfalls  schon  gestreift  worden:  jene 
Hss,  die  des  Dorotheus  Apostel-  und  Jüngerlisten  überliefern 
und  welche  die  anonyme  Recension  (D)  der  Prophetenleben  damit 
verbinden,  zeigen  in  den  letzteren  eine  starke  Mischung  mit  der 
Dorotheusrecension,  ja  sie  nehmen  ganze  Teile  direkt  herüber. 
Ist  diese  Mischung  vielleicht  darauf  zurückzuführen,  daß  ur- 
sprünglich die  Dorotheusrecension  an  dieser  Stelle  stand,  welche 
später  durch  die  anonyme  Recension  verdrängt  wurde?  Hier  ist 
ein  wunder  Punkt  in  der  Überlieferung,  über  den  vorerst  kein 
helles  Licht  verbreitet  werden  kann,  und  der,  solange  wir  nicht 
mehr  HSS  besitzen,  welche  die  Dorotheusrecension  der  Propheten- 
leben mit  jenen  andern  Dorotheustexten  überliefern,  nicht  auf- 
geklärt wTird.  Jedenfalls  bieten  jene  HSS  mit  der  Mischung  einen 
starken  Vorstoß  für  Annahme  weiterer  separater  Überlieferung 
der  Dorotheusrecension  der  Prophetenleben,  wenn  sie  auch  nicht 
vor  das  X.  Jahrhundert  fallen. 

Darauf  führt  uns  ferner  eine  Angabe  in  dem  Prologe  des 
Pseudodorotheus,  welcher  die  Vita  des  angeblichen  Verfassers 
enthält.     Von  den  vielen  handschriftlichen  Zeugen   des  Prologs 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  \\ 

hat  ein  großer  Teil  bei  der  Schilderung  der  schriftstellerischen 
Tätigkeit  des  Dorotheus  die  Angabe  aufbewahrt:   Iv  oiq  xcu  xa 

JtSQL  TCÖV  O    (lafrfjTWV  TOV    OOJTTjQOQ   IGTOQtjöt,    XCU    tV&O.  O  XCt&HQ 

rcöv  jtQOCfitjTcöv  xcd  ajrooroXcov  rov  ßlov  srtXrjOs.  Cod.  Vindob. 
hat  hierin  eine  kleine  Umstellung  und  nennt  zuerst  die  12  Apostel, 
dann  die  70,  endlich  (dlXa  d>)  xal)  aber  auch  die  Propheten, 
trotzdem  er  in  der  Aufzählung  die  umgekehrte  Ordnung  einhält. 

Ich  vermute,  daß  in  dieser  Angabe  der  wahre  Umfang  der 
Dorotheusschriften  angegeben  war:  er  umfaßte  die  vitae  prophe- 
tarum, die  Apostel-  und  Jüngerlisten.  Da  letztere  sichtlich  in 
gleicher  Zeit  mit  dem  Prolog  gefälscht  wurden,  um  einer  kirchen- 
politischen Rechtssache  auf  die  Beine  zu  helfen,  wie  noch  ge- 
zeigt wird,  so  ist  in  den  angeführten  Worten  des  Prologs  der 
Jüngerkatalog  an  die  Spitze  gestellt  als  das  wichtigste  Dokument, 
in  welchem  Stachys  als  von  Andreas  dem  jiqoit6x/j]toq  ein- 
gesetzter 1.  Bischof  von  Byzanz  gefeiert  ist.  Eine  größere  Rolle 
spielte  hierin  noch  der  Apostelkatalog,  da  in  der  Vita  des  Andreas 
dessen  Reise  vom  Pontus  nach  Thracien  erwähnt  wird,  während 
die  Vitae  prophetarum,  vielleicht  als  eigentlichstes  und  ursprüng- 
lichstes Dorotheusstück,  fast  ganz  unbeachtet  und  unerwähnt 
blieben,  da  sie  nichts  zu  dem  unmittelbaren  Zwecke  des  Rechts- 
streites beitrugen.  Ursprünglich  mochte  demnach  unter  dem 
Namen  des  Dorotheus  eine  Schilderung  des  Lebens  und  Heim- 
ganges der  Propheten  überliefert  gewesen  sein,  wovon  die 
Kunde  nur  noch  in  spärlichsten  Worten  der  erdichteten  Lebens- 
beschreibung erhalten  blieb.  Ehemals  wohl  das  einzig  Greifbare, 
was  von  Dorotheus  überliefert  ward,  wurde  es  durch  die  daran 
geknüpfte  Fälschung  ganz  in  den  Hintergrund  gedrängt  und  bei- 
nahe der  Vergessenheit  anheimgegeben. 

Natürlich  dürfen  wir  zur  Bekräftigung  dieser  Annahme  nicht 
von  der  gefälschten  Vita  des  Dorotheus  ausgehen,  wie  sie  im 
Prolog  geschildert  wird,  sondern  von  den  historischen  greifbareu 
Notizen  des  Euseb.  h.  e.  VII  32,  welche  die  Anhaltspunkte  zur 
Unidichtung  abgaben,  wie  später  ausführlich  dargetan  wird. 
Eusebius  berichtet  dort  von  einem  sprachenkundigen  Presbyter 
Dorotheus  von  Antiochia,  welcher  als  Vorstand  der  kaiserlichen 
Purpurfärberei  in  Tyrus  unter  Diokletian  fungierte.  Eusebius 
schildert  ihn  als  der  hebräischen  Sprache  mächtig,  in  der  Aus- 
legung der  hl.  Schrift  nicht  ungewandt   und  als  guten  Prediger. 


|2  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Damit  streifen  wir  ein  anderes  Problem,  welches  bereits  bei 
der  I.  Epiphaniusrecension  aufgeworfen  wurde,  ob  diesen  Propheten- 
leben des  Dorotheus  ein  hebräisches  Exemplar  zugrunde  lag,  so 
daß,  wie  im  Prologe  des  falschen  Dorotheus  erwähnt  wird,  Doro- 
theas Übersetzer  aus  dem  Hebräischen  wäre.  Die  Beantwortung 
kann  erst  nach  der  Wertschätzung  und  Ausscheidung  eines  jüdi- 
schen und  christlichen  Gehaltes  erfolgen.  Jedenfalls  kommen  bei 
einer  solchen  judaistischen  Grundschrift  die  Auszüge  aus  den 
Propheten,  welche  nach  messianischem  Gesichtspunkte  zusammen- 
gestellt sind,  nicht  in  betracht,  sondern  nur  die  eigentlichen  Vitae 
prophetarum. 

2.  Die  prophetischen  Exkurse  des  Dorotheustextes  finden  sich 
auch  bei  Kosmas  Indicopleustes,  topographiae  christianae  1.  V 
(Migne  Patr.  gr.  88,  260  ff.).  Es  fehlen  hier  aber  die  eigentlichen 
Vitae.  Damit  entsteht  zugleich  die  Frage,  waren  erstere  ur- 
sprünglich getrennt  und  wann  sind  sie  angefügt  worden?  Da 
unser  erster  Zeuge  für  die  vereinigten  Bestandteile  des  Dorotheus- 
textes das  Chronicon  Paschale  ist,  welches  ungefähr  80  Jahre 
jünger  ist  (c.  629) 1  als  die  Abfassung  der  christlichen  Topo- 
graphie durch  Kosmas  (547 — 549)2,  so  müßte  in  dieser  Zeit  die 
Vereinigung  vor  sich  gegangen  sein.  Betrachten  wir  aber  die 
Möglichkeit  der  Abfassung  solcher  messianischer  Florilegien  aus 
den  Propheten,  so  könnten  wir  in  die  Zeit  der  christlichen  Apo- 
logeten hinabsteigen.  Da  zudem  die  vitae  prophetarum  der 
Dorotheusrecension  als  die  ursprünglichsten  und  ältesten  er- 
scheinen, so  mag  zugleich  mit  der  Abfassung  oder  Übersetzung 
derselben  aus  einer  (hebräisch) -aramäischen  Vorlage  der  in  der 
biblischen  Wissenschaft  heimische  Dorotheus,  auch  Verfasser 
dieser  messianischen  Blütenlese  gewesen  sein.  Weshalb  Kosmas 
die  vitae  wegließ,  läßt  sich  nicht  leicht  einsehen;  höchstens 
müßte  ihn  der  pseudepigraphische  Charakter  daran  gehindert 
haben.  Die  Möglichkeit  ist  immerhin  nicht  abzuleugnen,  daß 
diese  prophetischen  Züge  auch  für  sich  im  Umlauf  waren.  Eine 
etwaige  Verfasserschaft  des  Kosmas  ist  ausgeschlossen.  Er 
übernahm  das  prophetische  Florilegium  aus  einer  unbenannten 
Quelle;  dafür  bürgt  der  jedesmal  von  Kosmas  beigegebene  kurze 

1)  K.  Krumbacher,  Geschichte  der  byzantinischen  Literatur.  2.  Aufl. 
München,  1897,  337. 

2)  Ebenda  S.  412. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  13 

Kommentar.  jtaQaygarfrj  betitelt,  wodurch  er  den  Inhalt  und  die 
Bedeutung  der  vorausgeschickten  Exzerpte  zu  erklären  sucht. 
Vom  Davidischen  Psalter  geht  Kosmas  fast  ganz  vermittlungs- 
los zu  Elias  über  als  dem  jtqcötoq  av&QcoJicov,  ebenso  wie  auch 
das  Chronicon  Paschale  ihn  vorausschickt.  Es  scheint  demnach, 
daß  Kosmas  und  das  Chronicon  damit  eine  ursprünglichere  Form 
aufweisen,  als  unsere  HS  Vindob.  theol.  gr.  77,  welche  das  Vor- 
ausschicken des  Elias  unterläßt.  Die  lateinische  Übersetzung 
des  Musculus  hatte  diesen  Text  der  vita  des  Elias  beigegeben. 
Kosmas  verfolgt  folgende  Ordnung  in  der  Aufzählung:  Elias 
(260  B),  1)  Osee  (260  D),  2)  Joel  (261  B),  3)  Arnos  (264  A), 
4)  Abdias  (264  C),  5)  Jonas  (264  D),  6)  Isaias  (265  A), 
7)  Michaeas  (265  D),  8)  Nahum  (268  B),  9)  Habakuk  (268  C), 
10)  Jeremias  (268  D),  11)  Sophonias  (269  C),  12)  Ezechiel 
(269  D),  13)  Daniel  (272  B),  14)  Aggaeus  (272  C),  15)  Zacharias 
(272  D),  16)  Malachias  (273  C),  17)  Johannes  (276  D),  18)  Zacha- 
rias (277  C).  Die  Ordnung,  wie  sie  hier1  Kosmas  bietet,  war 
nicht  jene  seiner  Vorlage.  Denn  nach  Mitteilung  der  propheti- 
schen Exzerpte  aus  Malachias  fährt  er  mit  Dorotheus  fort:  loucov 
tJil  rovg  rtooaQag  rovg  (ityaXovg  ßaöiovtuev,  welche  er  doch 
schon  zuvor  unter  die  sog.  kleinen  Propheten  eingereiht  hatte. 
Wir  haben  demnach  trotz  seiner  eigenen  Umstellung  bei  Kosmas 
das  früheste  Zeugnis  der  Anordnuug  unseres  Dorotheustextes. 
Zwar  war  Isaias  bereits  unter  die  kleinen  Propheten  bei  ihm 
gestellt,  dennoch  läßt  er  den  Schluß  des  Übergangs  mit  den 
Worten  auslauten:  jiQCHptQOfitv  roivvv  xhv  fieyalo<po)v6Tarov 
Böatav,  führt  aber  sofort  eine  Charakteristik  des  Johannes 
Baptista  ein.  Ob  dieser  letztere  zum  ursprünglichen  Programm 
gehörte,  läßt  sich  nicht  sicher  entscheiden.    Nach  der  Einleitung  \ 


1)  Die  Ausgabe  von  Montfaucon  beruhte  auf  der  späteren  HS  Lau- 
rent, plut.  IX  28,  wozu  Sinait.  1186  saec.  XI  tritt,  welche  aber  beide  von 
der  ältesten  und  besten  HS  Vatic.  gr.  699  saec.  VIII — IX  auch  in  der 
Anordnung  abweichen;  s.  B.  E.  Winstedt,  A  note  on  Cosmas  and  the 
Chronicon  paschale  in  The  Journal  of  theological  studies  vol.  VHI.  1906, 
101—103. 

2)  ALov  iv  owröfitp  fiVTjfiOvevaai  xal  xüjv  nQO(pi]xüiv  xal  öel^ai 
avtovq  netil  xov  xaxa  Xqiotöv  (jtvaxrjQlov  TiQoeiQrjxözaq,  x«i  'ort  nävxeq 
f.rrö  xov  7itjo)xon?.üoxov  'Aöäfl  (i&XQiQ  'liaävvov  xov  ßaTtxioxov  t-u  x/,v 
Ht'D.ovoav  xaxaaxaaiv  cuponibon'. 


14  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

welche  das  Chronicon  paschale  vorausschickt,  würde  er  zum  ur- 
sprünglichen Umfange  der  prophetischen  Zeugen  über  den  Messias 
gehört  haben.  Denn  „es  sollen  die  Propheten  genannt  werden, 
welche  über  das  Mysterium  Christi  Weissagungen  gegeben 
haben"  und  zWar  von  Adam  bis  Johannes  ßaptista.  Allein 
diese  Einführung  kann  auch  von  dem  Verfasser  des  Chronicon 
herrühren. 

§  3.   Die  zweite  Epiphaniusrecension. 

Einen  Text,  der  sich  unter  zov  avrov  einer  dem  Epiphanius 
beigelegten  Aufzählung  der  Namen  der  70  Propheten  und  Pro- 
phetinnen anschließt,  edierte  zuerst  Const.  Tischendorf1  aus  der 
HS  Coisl.  120.  Bereits  früher  aber  hatte  Petavius-  aus  einem 
codex  Augustanus  einige  Proben  als  Varianten  zu  dem  I.  Epi- 
phaniustexte  mitgeteilt.  Die  Zahl  der  bekannten  HSS  wurde 
inzwischen  vermehrt,  welche  fast  sämtlich  nach  den  vitae  pro- 
phetarum  den  sog.  Hippolyttext  über  die  Apostel  bieten.  Durch 
diese  Verbindung  gewinnt  aber  unser  Text  nicht  gerade  an  An- 
sehen wegen  der  noch  später  zu  besprechenden  sekundären  Be- 
deutung des  sog.  Hippolyttextes.  Die  älteste  HS,  der  von 
Tischendorf  benützte  Coisl.  120,  gehört  dem  10.  Jahrh.  an;  daran 
reihen  sich  zwei  HSS  des  11.  Jahrh.,  von  denen  erstere  Laur. 
pl.  IV  6  unvollständig  ist.  Sie  schließt  bereits  in  der  vita  des 
Elias  mit  xov  Jtl?]öiov  avrov  und  hat  nach  der  vita  des  Jere- 
mias  das  Stück :  Paralipomena  Hieremiae  prophetae  beginnend 
syeveto  Tjvlxa  alxftal-oiTevfrrjöav  —  des.  Iv  rjj  sjrioro/.tj 
Baoovx^  eingeschoben.  Die  2.  HS  des  11.  Jahrh.  Paris.  1085 
zeigt  viele  Schreibfehler,  wie  auch  jene  des  12.  Jahrh.  Coisl. 
258,  welche  mit  Paris.  1085  direkt  verwandt  ist.  Daneben  ist 
die  weitere  bekannte  HS  Baroc.  206,   welche  in  dem  von  Prof. 


1)  Anecdota  sacra  et  profana  1845,  p.  110;  abgedruckt  Migne  P. 
gr.  43,  415  ff. 

2)  S.  Patris  nostri  Epiphanii  Constantiae  episc.  opp.  omn.  Tom.  II. 
Dionys.  Petavius  .  .  recensuit,  Parisiis  1622  p.  235 — 250;  abgedruckt  bei 
Migne  P.  gr.  43,  395  in  den  Noten. 

3)  Herausgegeben  von  I.R.Harris,  Cambridge  1889.  Vgl.  Alb.  Ehr- 
hard,  Die  altchristl.  Literatur  und  ihre  Erforschung,  Freiburg  1900,  117. 
Erich  Klostermann,  Analecta  zur  Septuaginta,  Leipzig  1895,  32  beschreibt 
diese  HS. 


1.  "Cberlieferungsgesehichte  der  vitae  prophetaruni.  15 

Gundermann  verglichenen  Hippolyttexte  mit  demselben  Stücke 
des  Laur.  plut.  IV  6  verwandt  ist,  noch  nicht  verglichen. 

Eine  gewisse  Ausnahmestellung  unter  den  HSS  beansprucht 
Vindob.  theol.  gr.  89  (Nessel  184)  saec.  XIII. — XIV.,  indem  sie 
weder  die  Reihe  der  70  Propheten  und  Prophetinnen  voraus- 
schickt, noch  den  Hippolyttext  über  die  Apostel  nachfolgen  läßt, 
daher  nicht  den  übrigen  HSS  beizuzählen  ist. 

Mit  Paris.  1085  stimmt  in  der  Recensionsgattung  überein 
Napol.  II  A  27;  ferner  sind  Marcian.  498  saec.  XIV,  Paris.  2496 
und  wie  es  scheint,  ein  cod.  Leidensis  Voss.  23 l  noch  nicht  ver- 
glichen. 

In  welchem  Verhältnis  diese  Recension  zur  I.  Epiphanius- 
recension  steht,  läßt  sich  vorerst  nicht  entscheiden.  Auch 
darüber,  ob  die  syrischen  Texte  auf  dieser  Epiphaniusrecension 
aufgebaut  sind  und  die  Bezeugung  durch  Jakob  von  Edessa 
ihr  gilt,  kann  ein  Urteil  erst  nach  sorgfältigem  Vergleich  ge- 
fällt werden. 

§  4.    Der  anonyme  Text  in  Vatic.  gr.  2125  und  dessen 

Genossen. 

Schon  A.  Mai2  hatte  den  Prophetenviten  des  Cod.  Marcha- 
lianus  (Vat.  2125)  Aufmerksamkeit  geschenkt,  und  daraus  die 
vita  und  miracula  des  Elisaeus  „exemplo  gustuique"  mitgeteilt. 
Der  erste,  welcher  den  ganzen  Text  veröffentlichte,  war  Eb. 
Nestle3,  nach  Abschriften  von  F.  Borger  und  H.  Dopffel. 
Gleichzeitig  fast  war  eine  phototypische  Wiedergabe  der 
ganzen  Handschrift  unter  dem  Vizebibliothekar  Cozza-Luzi4 
besorgt  worden.     Die   damit    angekündigte   commentatio   critica 


1)  Casim.  Oudini,  Commentarius  de  scriptoribus  ecclesiae  antiquifi 
illorumque  scriptis  .  .  .  Francof.  1722  tom.  I  1382,  wenn  diese  (Epiphanias)? 
Recension  nicht  die  anonyme  (D)  ist. 

2)  Nova  Patr.  Biblioth.  IV  1847,  318—320. 

3)  Marginal,  und  Materialien,  Tübingen  1893,  II  S.  16  ff. 

4)  IIf)0(prjvai  —  Prophetarum  codex  gr.  Vatic.  2125,  vetustate  lec- 
tionum,  notationibus  unicus  aeque  et  insignis  phototypice  editus  auspice 
Leone  XIII.  Pont.  Maximo  ourante  Josepho  Cozza-Luzi  abate  l!;i-iliano 
S.  Rom.  ecclesiae  Vicebibliothecario.  Accedit  commentatio  critica  Ant. 
Cerianj  Ambrosianae  Bibl.  Praefecti.  Romae,  K  Bibliotheca  Vaticaoa. 
Agente  photographo  Danesi  1890. 


16  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

des  Ant.  Ceriani  scheint  nicht  erschienen  zu  sein,  wenigstens 
stand  sie  mir  auf  keiner  der  Bibliotheken  zur  Verfügung.  Der 
Text  beginnt  auf  S.  11 — 15  mit  den  Viten  der  vier  großen  Pro- 
pheten, S.  17  folgen  sich  Osee,  Michaeas,  Arnos,  Joel.  Abdiu, 
Jonas,  Nahum,  Habakuk,  Sophonias,  Aggaeus,  Zacharias,  Ma- 
lachias,  S.  20:  Nathan,  Achia,  Joad,  Azarias,  Elias,  Elisaeus  und 
S.  24  Zacharias.  S.  1 — 9  ist  der  Traktat  des  Eusebius  über 
die  Inhaltsangabe  der  Bücher  der  einzelnen  Propheten  (Migne 
P.  gr.  22,  1264  ff.)  vorangeschickt. 

Wohl  hat  Nestle  Recht,  wenn  er  sagt,  daß  in  dieser  HS 
der  „weitaus  älteste  griechische  Zeuge ';  1  vorliegt;  er  glaubt 
seinen  Stammbaum  durch  wenige  Mittelglieder  auf  Origenes  zu- 
rückführen zu  können,  wie  die  Unterschrift  vor  Isaia 2  und 
Ezechiel  dartut :  unsere  HS  geht  demnach  auf  das  Exemplar  des 
Coenobiarchen  Apollinarius  zurück,  das  selbst  oder  wenigstens 
dessen  Vorlage  von  Eusebius  glossiert  und  von  Pamphilus  korri- 
giert worden  war.  Dieses  Exemplar  war  aus  der  Hexapla  und 
Tetrapia  des  Origenes  hervorgegangen. 

Eine  Ähnlichkeit  zeigt  mit  Vatic.  2125  der  codex  syro- 
hexaplaris  Ambrosianus  vom  Jahre  617,  welcher  ebenfalls  durch 
Unterschrift  zu  Isaias  bekannt  gibt:  Genommen  und  verglichen 
aus  dem  Exemplar  des  Eusebius  und  Pamphilus,  welches  sie 
aus  der  Bibliothek  des  Origenes  korrigiert  haben.  Was  aber 
diese  Verwandtschaft  für  unseren  Zweck  besonders  .interessant 
macht,  besteht  darin,  daß  der  Syrus  Hexaplaris  ebenfalls  Pro- 
phetenviten  bietet,  allein  nur  zu  neun  derselben,  und  diese  No- 
tizen hinter  den  betreffenden  Büchern  einreiht,  während  sie  der 
Vatic.  gr.  2125  vor  dem  griechischen  Text  der  einzelnen  Pro- 
pheten als  ein  Ganzes  zusammenstellt.  Über  das  Verhältnis  des 
Textes  der  syrischen  Hexapla  und  unserer  griech.  HS  läßt  sich 
vorerst  soviel  sagen,  daß  sie  inhaltlich  nicht  wesentlich  abweichen. 


1)  Margin.  usw.  S.  46. 

2)  fol.  84r  (pag.  171):  [lexe/Jiq&rj  6  ^Haaiaq  anb  •  dvxiyQacpov  xov 
aßßa  \AnouvaQiov  xov  xoivoßiägyov  .  .  iUfre/. >)</#//  ö  ^Hoalaq  ix  xCov  xaxä 
rag  ixöuaeig  t^an).ü)v  .  .  .  arxeß?.fjd-r]oav  yag  itobg  xexQa7i).oir  ' Haaiav. 
Fol.  2S0v  (pag.  56S)  .  .  fiexeh'jcp^i]  vnö  xä>v  .  .  e$ax?.G)v  xal  diop&u>9-T]  (sie) 
and  xCov  'Qgiyevovq  avxov  zexpankü»'  axiva  xal  avxov  yeiol  öiioq&ü)XO  xal 
ioyo/.ioyQÜcpt]  xe  ü&ev  Evoißeioq  iyu>  xä  ayoXia  Tiage&rjxa.  näucpilog  xal 
Evasßeiog  ÖHoo&ujoavxo. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum. 


17 


Ferner  wollen  wir  uns  mit  der  Frage  begnügen:  Wie  verhalten 
sich  die  übrigen  griechischen  Texte  zu  dem  des  Marchalianus? 
Sie  wird  weiter  unten  eingehender  behandelt. 

Dieser  Text  fand  sich  ebenfalls  anonym  in  Coisl.  205,  Vatic.  1974, 
Coisl.  224,  welchen  bereits  Tischendorf1  veröffentlichte,  in  Ambros. 
445,  in  Leyd.  Voss.  46,  dessen  Varianten  zu  einigen  vitae  Hamaker2 
in  seiner  Commentatio  in  libellum  de  vita  et  morte  prophetarum 
mitteilte:  S.  24  zu  Nathan;  S.  31  f.  zu  Achias;  S.  148  zu  Osee, 
S.  149  zu  Arnos;  S.  163  zu  Joel;  S.  168  zu  Jonas;  S.  185  zu 
Nahum;  S.  191  zu  Habakuk;  S.  206.  208  zu  Aggaeus;  S.  217 
zu  Zacharias  Jojadae  filius;  in  Paris.  1712  jener  Chronik  des 
Pseudo-Symeon  Logotheta,  dessen  Lesarten  bereits  Ducange 3  zu 
dem  Dorotheustexte  des  Chronicon  Paschale  anmerkte.  Die 
Chronik  wird  in  die  zweite  Hälfte  des  10.  Jahrh.  verlegt4. 

Alle  die  jüugeren  HSS  haben  durch  Vermischung  mit  dem 
Dorotheustexte  ihre  Integrität  eingebüßt,  nicht  eine  einzige  er- 
hielt ihre  Vorlage  von  Vatic.  2125  unversehrt.  Als  Zeichen  der 
Neuredaktion  seien  folgende  Beispiele  angeführt;  aus  der  Vita 
des  Ezechiel: 


Vatic.  2125 :  xal 
dccc  TEQaOticov  <po- 
ßtj&bvzeq  Ijiavöavzo. 


Alle  anderen  HSS 
von  D:  orjfislov  (an- 
fielet) jcoirjOag  (+  £jt 
avzovq  oxozovq)tJtav- 
ob  (td-gavöa)  zovq  xo-  &sv 
Xefiiovq  xaza  3tlr\^aq 
avzovq  (avzolq)  ovga- 
vofrsv. 


Dorotheus: 


o?]fieicc 
7C0Li]0aq  tjiavös  zovq 
jcoZtfiiovq  xazajtZrj- 
$aq  avzovq  ovoavo- 


1)  Tischendorf,  Aneedota  sacra  et  profana.  Lipsiae  1855,  ed.  alt. 
1861  pag.  110.    Migne  Patr.  gr.  43,  415. 

2)  Commentationes  latinae  tertiae  classis ,  Instituti  Regii  Belgici 
Vol.  V.  Amstelod.  1833.  Wohl  gehört  dieser  Recension  der  Text  des 
Baroc.  131  saec.  XIV  fol.  73v  an :  ne qI  xütv  ayiwv  7tQO(pr]Tü>v  nö9ev  ixaovog 
alzüjv  i\v  xal  nov  reTe?.ela)zai.  Inc.  'Hoatag  ?)v  i<-  'iepovoaXfi/x,  auf  den 
Nestle,  Marginalien  und  Mater.  S.  12  aufmerksam  machte. 

3)  Migne  92,  362  ff. 

4)  Ferd.  Hirsch,  Byzant.  Studien.  Leipzig  1876,  53  und  303  ff.  vgl. 
Ose.  v.  Gebhardt,  Die  ascensio  Isaiae  in  Zeitschr.  für  wissensch.  Theologie 
12,  1878,  335. 

Text«  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  2 


18 


Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


In  derselben  Vita: 


Ovxoq  .  .  siösv  .  . 
JtSQlTSlXOQ  jiXazv, 
xaQ-mq  sijtsv  xal  o 
Aavi7]X  öxi  xxig&tJ- 
osxai. 


Alle  andern  HSS 
von  D:  Ovtoq  .  .  sl- 
ow xb  xstyoq  xal  xt)v 
JtvXr]v,  sv  ?]  xvQtoq 
slösXsvösxai  (xal  £^£- 
Xsvösxai)  xal  söxai 
tj  JIvXt]  xsxXsiatusv7) 
(xal  siq  avxbv  sX- 
jclovöl  xavxa  xa 
Uvn  HSS  BB»E). 


Dorotheus:  Ovxoq 
.  .  siös  xbv  xvjiov  .  . 
xal  Jtvlriv  sv  r)  xv- 
Qioq  slösXsvosxai  xal 
s§sAsvösxai  xal  söxai 
7)  üzvIt]  xsxXsLöfisvrj 
xal  siq  avxbv  sXjci- 
ovöi  jiavxa  xa.  sd-vrj. 


Die  HSS  Coisl.  205  (B),  Philadelpk.  1141  (B  i)  und  Paris.  1712 
(E)  und  Leid.  Voss.  (F)  zeigen  noch  weiterhin  eine  Neuredaktion 
mit  Hilfe  der  ersten  Epiphaniusrecension  (A),  besonders  in  den  Viten 
des  Nathan,  Achias  und  der  folgenden.  Da  der  Dorotheustext  hier 
sich  einer  ausnahmsweisen  Kürze  bedient,  so  wurde  er  von  dem 
Redaktor  nicht  beigezogen,  dagegen  die  erste  Epiphaniusrecension 
in  dieser  Weise  verwertet.  Dies  können  wir  in  der  vita  des 
Zacharias  Jojadae  filius  feststellen,  wo  Epiphanius  mit  den  HSS 
BB^  des  anonymen  Textes  die  Verwechslung  mit  dem  Vater 
des  Johannes  des  Täufers  eingeht.  Diese  drei  HSS  hatten  auch 
in  der  vita  des  Jonas  nach  andern  offenbar  chronologischen  Ge- 
sichtspunkten eine  andere  Ordnung  vorgenommen,  als  sie  in 
Vatic.  2125,  1974,  Coisl.  224  und  dem  Dorotheustexte  vorliegt, 
Demgemäß  können  wir  eine  dreifache  stufenweise  Überlieferung 
dieses  anonymen  Textes  feststellen:  Der  unversehrte  Text  ist 
allein  im  Vatic.  2125  erhalten;  er  wurde  mit  Dorotheus  ver- 
glichen, wofür  alle  andern  HSS  Zeuge  sind.  Dabei  behielt  der 
anonyme  Text  die  Oberhand,  wofür  besonders  Vatic.  1974,  Coisl. 
224  und  dessen  Konsorten  sprechen.  In  den  andern  HSS  BB  ^F 
dagegen  ging  eine  dritte  Redaktion  durch,  welche  sich  den  ersten 
Epiphaniustext  zum  Vorbilde  nahm. 

Die  Zeit  der  letzten  Neuredaktion  ist  durch  das  Alter  der 
Chronik  saec.  X  (deren  HS  Paris.  1712  saec.  XIV),  durch  Leyd. 
Voss.  saec.  X  und  Coisl.  205  saec.  XI  bestimmt. 

Da  der  syrische  Paralleltext  nur  die  Viten  von  9  kleinen 
Propheten  aufbewahrte,  so  ist  das  Vergleichungsmaterial  geringer; 
immerhin  läßt  sich  feststellen,    daß   neben   kleinen    stilistischen 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarurn. 


19 


Unterschieden  keine  nennenswerte  Variante  gegenüber  der  HS 
Vatic.  2125  vorliegt.  Durch  folgendes  Stemma  soll  die  Abhängig- 
keit dargestellt  werden: 

A  V±t  2125 

X  Mischrec.  mit  Dorotheu? 
Va.1    /97<r  C^/  ^C Mischung  mit £pipkA 

Coisl  ZV+  d/  ^J\\^ 

Amöroj.  4¥J      \  V 


§  5.   Die  sog.  Scholienrecension. 

Mit  Unrecht  wurde  diese  Recension  einem  Hesychius  von 
Jerusalem  beigeschrieben,  da  der  erste  Herausgeber  Dav.  Hoe- 
schelius  seine  handschriftliche  Vorlage,  welche  jetzt  als  Cod. 
Monac.  gr.  472  gezählt  wird  *,  nicht  getreu  wiedergab.  Vielleicht 
scheint  sie  anonym  verbreitet  gewesen  zu  sein,  so  daß  manche 
der  Exegeten  und  Erklärer  der  Propheten  sie  ihren  Ausführungen 
anhängten  oder  daß  manche  Abschreiber  sie  freier  Hand  bei- 
fügten. Deshalb  wäre  diese  Recension  richtiger  genannt:  Re- 
cension der  Scholien,  denn  als  solche  mochte  sie  ursprünglich 
ihren  Platz  behauptet  haben. 

David  Hoeschelius2  hatte  bei  seiner  Ausgabe,  welche  er 
den  Fragmenten  der  Isagoge  in  sacras  scripturas  des  'AÖqkxvoq 
beigab,  einige  Verwirrung  augerichtet.  Aus  seiner  Handschrift, 
einem  codex  Augustanus,  jetzt  Monac.  gr.  472  saec.  XI,  hatte 
er   nur   die   Kapitelzusammenstellung    des    einzelnen   Propheten 


1)  Vgl.  M.  Faulhaber,  Hesych.  Hierosol.  Interpret.  Isaiae  prophetae, 
I  ''il>.  I'.mmi,  S.  XXX1L:  die  Ausgabe  bei  Migne  gehe  auf  diese  HS  zurück; 
erstere  aber,  wie  zu  ersehen,  auf  jene  des  Hoeschelius. 

2)  D.  Hoeschelius,  Adriani  Isagoge  in  sacras  litteras,  August. 
Vindel.  1002.  Mir  stand  die  Ausgabe  zur  Verfügung  in  Tractatuum 
biblicorum  hoc  est  Variarutn  in  diversas  materias  biblicas  commenta- 
tioiunn  volmiKMi  prius,  sive  Ciiticorum  Bacrorum  tum.  \'I.,  Francof.  L696, 

S.  28  ff.    Vgl.Nestle,   .Marginal,   ii.    Material.  S.   7. 

2* 


20  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

mitgeteilt  und  den  nachfolgenden  griechischen  Text  unterdrückt. 
Dadurch  waren  nun  diese  vitae,  welche  durch  Maiuskelschrift 
vom  vorhergehenden  Text  unterschieden  waren,  an  die  capitu- 
lationes,  welche  Eigentum  des  Hesychius  genannt  werden,  an- 
gehängt worden,  so  daß  sie  ebenfalls  als  des  letzteren  Arbeit 
erscheinen  *.  In  der  HS  dagegen  sind  von  den  özixoi  Hesychii 
unsere  Vitae  durch  den  Text  getrennt  und  daher  eigentlich 
anonym:  zu  Osee  fol.  20v,  zu  Joel  fol.  25v,  zu  Arnos  fol.  35v, 
zu  Abdias  fol.  37 r,  zu  Jonas  fol.  40 v,  zu  Michaeas  fol.  48 v,  zu 
Nahum  fol.  51v  (zu  Habakuk  fehlt  fol.  55v),  Sophonias  fol.  58v, 
Aggaeus  fol.  62  r,  Zacharias  fol.  77 v,  Malachias  fol.  82 v. 

Hoeschelius  hatte  ferner  als  Ergänzung  aus  der  Epiphanius- 
recension  I  die  ersten  Sätze  der  vitae  der  ersten  drei  großen 
Propheten2  beigefügt,  welche  aber  in  der  Ausgabe  bei  Migne3, 
die  auf  dem  Text  des  Hoeschelius  fußt,  weggelassen  wurden. 

Zum  zweitenmal  benützte  Joh.  Lud.  Schulze4  unsere  Hand- 
schrift, der  im  Vorwort  zum  2.  Bande  seiner  Ausgabe  der  Werke 
des  Theodoret  von  Cyrus  einen  Cod.  August,  membr.  in  4  °  s.  IX. 
vel  X.  namhaft  macht.  Dieselben  vitae,  welche  in  dieser  HS 
sich  fanden,  entdeckte  Schulze  in  einem  „Cod.  Florentin.  [Laur. 
plut.  IX  cod.  4  saec.  XV]  (Bandini,  Catal.  codd.  mss.  Bibl.  Med 
Laur.  t.  I  S.  499)",  die  er  denn  auch  in  den  Noten  zu  den  exe- 
getischen Erklärungen  der  kleinen  Propheten  abdrucken  ließ. 
Seine  Ausgabe  ist  bei  Migne  P.  gr.  81  wiederholt,  so  daß  sich 
die  Vita  zu  Osee  befindet  S.  1362;  zu  Joel  1633  C;  zu  Arnos 
1664C;  zu  Abdias  1709  C;  zu  Jonas  1724D;  zu  Michaeas  1741D; 
zu  Nahum  1789 D;  zu  Habakuk  fehlt;  zu  Sophonias  1837C;  zu 
Aggaeus  1861 D;  zu  Zacharias  1876D;  zu  Malachias  1961 D. 

Auch  in  HSS  der  Commentare  des  Cyrill  von  Alexandreia 
zu  den  kleinen  Propheten5   scheinen  sich   dieselben  Vitae  nach 


1)  Relandus  schreibt  sie  ebenfalls  dem  Presbyter  Hesychius  zu, 
Nestle  S.  5. 

2)  In  der  angegebenen  Ausgabe  der  Tractatuurn  biblicoruni  etc. 
S.  37.  42.  49. 

3)  Migne  P.  gr.  93, 1348  ff. 

4)  Migne  P.  gr.  81,  S.  10—11. 

5)  Cyrill.  Alex,  elq  c£Zor]h  xal  iß'  n^ocpi/tai  in  Athous  Esphigui.  103 
(Lampros  I  2116)  saec.  XIII  und  Athous  Panteleem.  710  (Lampros  I  6227) 
saec.  XIX  fol.  83. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  21 

einer  Notiz  bei  Migne  P.  gr.  93,  1347  Nota  4  zu  finden,  welche 
bisher  aber  noch  nicht  veröffentlicht  wurden. 

Ebenso  hat  Theophylakt  dieselben  Vitae  seinen  Kommen- 
taren zu  den  12  kleinen  Propheten  beigegeben,  von  denen  aber 
vorerst  nur  fünf  veröffentlicht  sind:  zu  Osee  (Migne  Patr.  gr.  1 2 »> . 
817  C — D);  zu  Habakuk  (904  B — D,  aus  der  Epiphaniusrecen- 
sion  II  genommen);  zu  Jonas  (968  B — D);  zu  Nahum  (1048  C) 
und  Michaeas  (1189  D). 

Auch  in  zwei  HSS  der  Ambrosiana l  sind  den  Texten  ein- 
zelner Propheten  vitae  angehängt,  ohne  vorerst  verglichen  worden 
zu  sein:  Ambros.  433  (H  45  sup.)  saec.  IX  zu  Joel,  Abdias, 
Jonas,  Habakuk,  Sophonias,  und  Ambros.  260  (D  96  sup.)  saec. 
X — XI  zu  Sophonias,  Aggaeus,  Zacharias. 

All  diese  Exegeten  übernahmen  die  vitae  aus  einer  gemein- 
samen Quelle,  deren  Archetypus  der  Cod.  Monac.  gr.  472  am 
besten  wiedergibt.  Es  war  eine  griechische  Textausgabe  der 
kleinen  Propheten,  in  welcher  schon  frühe  jedenfalls  vor  Theo- 
phylakt, saec.  VI — VII,  die  vitae  anonym  beigefügt  waren. 

§  6.  Die  Recension  in  den  griechischen  Menologien  und 

Synaxarien. 

Eb.  Nestle2  hat  die  Gedenktage  der  Propheten  nach  den 
Acta  Sanctorum,  dem  Martyrologium  Romanum,  nach  dem  grie- 
chischen Menologium  des  Kaisers  Basilius  und  dem  äthiopischen 
Synaxarium  zusammengestellt.  Da  es  für  uns  sich  zunächst  nur 
um  die  griechischen  Vitae  prophetarum  handelt,  so  haben  wir 
an  der  Neuausgabe  des  griechischen  Synaxariums  durch  Hip- 
polyte  Delehaye3  das  zuverlässigste  Hilfsmittel.  Demnach  findet 
sich  Osee  am  17.  Okt.  (Delehaye  143,  15  f.).  2.  Joel  am  19.  Okt. 
(149,  5).  3.  Arnos  am  15.  Juni,  in  einigen  Menologienhss  auch 
am  16.  und  17.  Juni  (749,  27).  4.  Abdiu  am  19.  Nov.  (235,  37), 
in  anderen  Hss  auch  am  18.  Nov.  und  31.  Dez.  5.  Jonas  am 
21.  (22.)  Sept.  (63,8).     6.  Michaeas  am  (21.  (22.)  April,  5.  Januar) 


1)  Catalogus    codicurn    graecoruni   Bibl.    Ambros.    Digesserunfc    Ae- 
midiua  Martini  et  Domin.  Bassi  tom.    I.  Mediol.    1900,  S.  522.  291. 

2)  a.  a.  O.  H,  S.  5!)  ff. 

3)  Synaxarium  ecclesiae  CPolitanae  e' codice  Sirmondiano  nunc  Be- 
rolinensi  [Propylaeum  ad  Acta  Sanctorum  Novembria]  Bruxellea  1902. 


22  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

14.  August  (889,  17).  7.  Nahum  am  1.  Dez.  (569,  4).  8.  Habakuk 
am  21.  Dez.  (271,  7).  9.  Sophonias  am  3.  Dez.  (275,  3).  10.  Ag- 
gaeus  am  16.  (17.)  Dez.  (313,  5).  11.  Zacharias  am  (8.  Febr.) 
16.  (15.)  Mai  (689,  17).     12.  Malachias  am  3.  Januar  (367,  20). 

1.  Isaias  am  9.  Mai  (665,  26).  2.  Jeremias  am  1.  Mai  (645, 
4  ff.).  3.  Ezechiel  am  21.  Juli  (831,  17).  4.  Daniel  mit  den  drei 
Jünglingen  am  17.  Dez.  (317,  16). 

1.  Nathans  Vita  ist  an  die  Davids  angeschlossen  am  Sonntag 
nach  Weihnachten  (347,  32  ff.).  2.  Achias  am  9.  Januar  (3S0,  25), 
auch  am  12.  Nov.  (217,  54).  Joam  am  31.  März  (573,  13).  4.  Aza- 
rias  am  5.  Febr.  (446,  23).  5.  Elias  am  20.  Juli  (831,  4).  6.  Eli- 
saeus  am  14.  Juni  (747,  22). 

Den  meisten  dieser  vitae  prophetarum  ist  eigen,  daß  sie  am 
Schlüsse  derselben  oft  eine  Beschreibung  der  Gestalt  des  Pro- 
pheten beifügen.  Auffallenderweise  folgen  diese  vitae  nicht  einem 
bestimmten  Typus,  sondern  sind  aus  verschiedenen  zusammen- 
gewürfelt; am  meisten  berühren  sie  sich  mit  der  sogenannten 
Hesychius-  oder  Scholienrecension. 

Die  Vitae  prophetarum  im  Menologium  Basilii  Porphyro- 
geniti1,  an  denselben  Tagen  wie  im  Synaxarium  CPolitanum 
mitgeteilt,  folgen  nicht  einer  unserer  Recensionen,  sondern  haben 
deren  legendarischen  Gehalt,  namentlich  messianischer  Tendenz, 
frei  mit  dem  Inhalt  der  Prophetenbücher  selbst  verschmolzen, 
so  daß  sie  als  Parallelzeugen  nicht  in  Betracht  kommen  können. 

§  7.  Lateinische  vitae  prophetarum. 

Die  lateinischen  Viten  umfassen  Übersetzungen  und  eigene 
Bearbeitungen. 

Die  bereits  erwähnte  lateinische  Übersetzung  der  Dorotheus- 
recension  der  Prophetenleben  besorgte  ein  gewisser  Wolf  gang 
Musculus,  welche  zum  erstenmal  mit  einer  Ausgabe  des  Eu- 
sebius  1557  in  Basel  erschien  und  oftmals  wieder  gedruckt  wurde2. 

Eine  lateinische  Übersetzung  macht  ferner  Eb.  Nestle3  in 
Paris,  lat.  4986  (n.  2)  namhaft,  welche  einem  gewissen  Theodor 


1)  Migne  Patr.  gr.  117. 

2)  Eb.  Nestle,  Marginal,  u.  Material.,  Tübingen  1S93,  II,  S.S. 

3)  Ebenda  S.  12. 


1.   Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  23 

zugeschrieben  wird.  Welcher  Text  hier  übersetzt  ist,  bleibt  vor- 
erst unbekannt. 

Eine  eigene  Bearbeitung  dagegen  liegt  in  der  Schrift  des 
Isidor  Hispalensis  vor:  „de  ortu  et  obitu  prophetarum",  welche 
die  zweite  Abteilung  der  größeren  „de  ortu  et  obitu  patrum,  qui 
in  scriptura  laudibus  efferuntur"1  ausmacht.  Hier  kommen  die 
Kapitel  35 — 57  in  Betracht,  welche  in  folgender  Reihe  die  Pro- 
phetenleben bieten,  zunächst  1.  Elias  Thesbites  (c.  34;  140  C). 
2.  Elisaeus  (c.  36;  141  B).     Dann  1.  Isaias  (c.  37;  141  D— 142  C). 

2.  Jeremias  (c.  38;  142  C).  3.  Ezechiel  (c.  39;  143  A—B).  4.  Daniel 
(c.40;  143  B— 144  A).    1.  Osee  (c.41;  144  A).   2.  Joel  (c.42;  144  A). 

3.  Arnos  (c.  43;  144  B— C).  4.  Abdias  (c.  44;  144  C).  5.  Jonas 
(c.  45;  144  C— 145  A).  6.  Michaeas  (c.  46;  145  A)2.  7.  Nahum 
(c.  47;  145  A).  8.  Habakuk  (c.  48;  145B).  9.  Sophonias  (c.  49; 
145  C).  10.  Äggaeus  (c.  50;  145  B).  11.  Zacharias  (c.  51 ;  145  C). 
12.  Malachias  (c.  52;  145  C). 

1.  Nathan  (c.  53;  145  C).  2.  Achias  (c.  54;  145  D).  3.  Addo 
(c.  55;  146  A).  4.  Azarias  (c.  56;  146  A).  5.  Zacharias  filius  Joja- 
dae  (c.  57;  146  B). 

In  den  lateinischen  Kaiendarien  haben  die  Propheten  erst 
spät  Einlaß  gefunden.  Das  Martyrologium  Hieronymianum3  nennt 
nur  Aggaeus  (4.  Jan.),  Habakuk  (15.  Jan.),  lob  (9.  Jan.)  und  Eli- 
saeus (29.  Aug.).  Ob  die  Namen  schon  bei  Abfassung  des  Mar- 
tyrologium Hieronymianum  aufgenommen  wurden  oder  erst  später 
eindrangen,  will  DuchesDe  nicht  entscheiden. 

Die  Verteilung  der  Propheten  auf  einzelne  Tage  des  Kirchen- 
jahres, wie  sie  in  den  Acta  SS.  und  im  Martyrologium  Romanum 
aufgezählt  sind,  hat  bereits  Nestle4  zusammengestellt. 

Hieronymus5  schickt  zwar  in  seinen  Kommentaren  zu  den 

1)  Migne  Patr.  lat.  83,  nach  der  Ausgabe  von  Faustinus  Arevalus.  Auch 
gedruckt  in  De  vita  et  mortc  Mosis  libri  tres.  Cum  observationibus  Gilb. 
Gaulmini.  Accedunt  I.  Pseudo-Dorothei,  Tyrii  et  aliorum  veterum  apo- 
spasmata  cur.  1.  A.  Fabricio,  Hamburgi  1714,  p.  512 — 551.  Über  die  Echt- 
heit s.  Nestle  S.  5. 

2)  Hamaker  p.  1<>  glaubt,  dass  Micha  fehle;  offenbar  nur  in  einer 
lückenhaften  HS. 

3)  De  Rossi  et  L.  Duchesne.  Martyrologium  Hieronymianum.  A.A. 
SS.  Novembrifl  tom.  \l  pag.  LXXX. 

1)  Marginal,  u.  Material,  a.  a.  0.  S,  59.  60. 
5)  Migne  Patr.  lat.  25  (Tom.  5.  6.)- 


24  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

kleinen  Propheten  jedesmal  eine  Einleitung  voraus,  wo  er  hätte 
unserer  Texte  Erwähnung  tun  können,  allein  er  berücksichtigt 
sie  nirgends.  Auch  Nestle,  welcher  Spuren  davon  suchte,  fand 
nichts  Bemerkenswertes.  Ob  sie  unter  die  fictae  revelationes 
omnium  patriarcharum  et  prophetarum  fallen,  von  denen  Hiero- 
nymus  gegen  Vigilantius  Erwähnung  tut,  läßt  sich  nicht  aus- 
machen1. 

Einen  armenischen  Textzeugen  haben  wir  in  Cod.  Monac. 
armen.  13  S.  102— 118:  „Tod  der  Propheten"2. 

§  8.  Die  dem  Epiphanius  von  Cypern  zugeschriebenen 
syrischen  vitae  prophetarum. 

Eb.  Nestle  hatte  in  seiner  ersten  Auflage  der  syrischen  Gram- 
matik (1881)  nur  die  Leben  der  vier  großen  Propheten  veröffent- 
licht, in  der  zweiten3  dagegen  einen  ganzen  syrischen  Epiphanius- 
text  aus  drei  Hss  des  Britischen  Museums,  add.  12178.  14536. 
17193.  Die  Varianten  hierzu  gab  er  in  seinen  Marginalien  und 
Materialien4.  Darnach  beläuft  sich  der  Umfang  der  vitae  pro- 
phetarum zunächst  auf  die  vier  großen,  dann  die  12  kleinen 
Propheten:  Osee,  Arnos,  Joel,  Micha,  Abdiah,  Jonas,  Nahum. 
Habakuk,  Zephania,  Aggai,  Zacharias,  Malachias.  Es  folgen  Na- 
than, Achias,  Joam,  Azarias,  Elias,  Elisaeus,  Zacharias,  lob.  Da- 
mit hört  der  Epiphaniustext  auf5:  „Vollständig  sind  die  Erklä- 
rungen der  Propheten,  welche  von  Epiphanius,  Bischof  von  Cypern, 
gemacht  sind."  Es  sind  dann  noch  glossenartig  eine  Reihe  von 
Namen  beigefügt,  Propheten,  welche  keine  Bücher  geschrieben 
haben. 

Eine  zweite  Recension  dieses  Epiphaniustextes  liegt  in  zwei 
Hss  vor,  Cod.  Sachau  131,  welche  Fr.  Baethgen6  beschrieb,  und 


1)  Vgl.  AI.  Berendts,  Studien  über  Zacharias -Apokryphen  und 
Zacharias-Legenden,  Leipzig  1895,  23. 

2)  Von  Eb.  Nestle,  Marginal,  p.  15  angegeben. 

3)  Eb.  Nestle,  Syrische  Grammatik  [Porta  linguarum  Orientalium. 
Pars  V.]    Zweite  Aufl.    Berlin  1888,  S.  as  bis  p. 

4)  Tübingen  1893,  IT.  Die  dem  Epiphanius  zugeschriebenen  vitae 
prophetarum,  S.  36 — 43. 

5)  Nach  eigener  Übersetzung. 

6)  Beschreibung  der  syrischen  Handschrift  „Sachau  131"  auf  der  k. 
Bibliothek  zu  Berlin  in  Zeitschrift  für  die  alttestam.  Wissenschaft.  TL  Jahrg. 
Giessen  1886,  197. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarurn. 


2o 


einer  Handschrift  des  Union  Theological  Seminary  in  New  York1, 
beide  sehr  jungen  Datums,  die  erstere  aus  dem  J.  1862.  Beide 
gehen,  wie  der  Übersetzer  des  Textes  der  letzteren,  Isaac  H.  Hall, 
angibt  und  nach  der  ausführlichen  Beschreibung  von  Baethgen 
zu  schließen  ist,  auf  ein  und  dieselbe  Vorlage  zurück,  repräsen- 
tieren also  nur  einen  Text.  Die  vitae  werden  genannt:  „der 
Propheten  Triumphe"2,  welche  von  dem  heil.  Epiphanius  von 
Cypern  verfaßt  sind.  Der  Umfang  ist  größer  als  jener  der  bei 
Eb.  Nestle  edierten  vitae.  Vorausgeschickt  ist  ein  kurzer  Katalog 
derjenigen,  welche  die  alttestamentlichen  Bücher  geschrieben 
haben,  was  offenbar  nicht  zu  unsern  vitae  gehörte.  Dann  be- 
ginnt unter  der  Rubrik  „Von  ebendemselben  Heiligen"  mit  Hiob 
der  erste  der  Propheten.  Es  folgt  Moses,  dann  Josua,  dann 
Samuel,  David,  Salomon,  Elias,  Elisaeus,  Isaias,  Osee,  Arnos,  Micha, 
0 badiah,  Joel,  Jonah,  Nahum,  Habakuk,  Zephaniah,  Haggai, 
Zechariah,  Maleachi,  Daniel,  Ezechiel,  Jeremiah,  Nathan,  Ahijah, 
Jojakim,  Azariah,  Hanan,  Hezäel,  Jehu.  Wie  aus  der  eigentüm- 
lichen Stellung  des  Isaias  hervorgeht,  ist  wohl  die  Ordnung  nicht 
die  ursprüngliche. 

Eine  dritte  ßecension,  erst  bekannt  seit  wenigen  Jahren, 
liegt  vor  in  der  Chronik  Michaels  des  Syrers3,  jakobitischen 
Patriarchen  (1166 — 1199),  welcher  dem  4.  Buche  die  vitae  pro- 
phetarum des  Epiphanius  einverleibte:  1.  IV  c.  11  teilt  er  die  Vita 
des  Achias  mit;  c.  12  des  Jojada,  Jehu;  c.  13:  Elias,  Abdias; 
Michaeas,  Elisaeus;  c.  14:  Zacharias,  Arnos,  Nahum;  c.  15:  Jonas, 
Osee;  c.  18:  Isaias;  c.  19:  Jeremias,  Sophonias;  c.  20:  Ezechiel, 
Daniel,  Habakuk;  c.  21:  Aggaeus,  Zacharias,  Malachias. 

Von  allen  drei  syrischen  Epiphaniusrecensionen  deckt  sich 
der  Umfang  der  einen  mit  der  andern  nicht  vollständig,  geschweige 
denn  mit  den  beiden   griechischen    des  sogenannten  Epiphanius. 


1)  Isaac  H.Hall,  The  Lives  of  the  Prophets  in  Journal  of  the 
Society  of  Biblical  Literature  and  Exegesis  Vol.  VH  1,  June  1887.  Boston, 
8.  28—38. 

2)  Sachau  übersetzte  „Ermahnungen",  Hall  und  Baethgen  über- 
einstimmend Triumphe,  s.  Baethgen  S.  197,  Anm.  1.  Vgl.  Eb.  Nestle, 
Margin.  u.  Material.  S.  14. 

3)  Chronique  de  Michel  le  Syrien,  Patriarche  Jacobite  d'Antioche 
(1166—1199),  editee  par  la  premiere  fois  et  traduite  en  francaia  par 
I.  I'..  Chabot',  tome  premier,  fasc.  I.   Paris  1899,  p.  63— 101. 


26  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

In  der  ersten  syrischen  ist  gegenüber  den  griechischen  ein  Plus 
mit  Job;  in  der  zweiten  ist  ebenfalls  Job  vertreten,  mit  Moses 
Josua,  Samuel,  David,  Salomon;  am  Schlüsse  der  mit  den  grie- 
chischen Recensionen  sich  deckenden  Namen  sind  Hanan,  Hezäel 
und  Jehu  beigefügt.  Unter  diesen  in  den  syrischen  Verzeich- 
nissen gegenüber  dem  griechischen  Texte  überschüssigen  Namen 
verdienen  jedenfalls  die  vitae  des  Job  und  Jehu,  weil  sie  in  zwei 
syrischen  Recensionen  vertreten  sind,  Beachtung.  Es  ist  daher 
fraglich,  ob  sie  nicht  zu  einem  ursprünglichen  Grundstock  ge- 
hörten, den  der  Grieche  schmälerte. 

Andererseits  scheinen  aber  auch  die  Notizen  über  Moses, 
Josua  schon  früh  zu  der  dem  Epiphanius  beigelegten  Schrift  ge- 
hört zu  haben;  denn  in  den  kurzen  Vitae  des  Cod.  Sinait  Syr.  10 
saec.  IX,  welche  dem  Epiphanius  und  Cornelius  zugeschrieben 
werden,  sind  ebenfalls  Moyses,  Samuel  und  David  neben  Nathan, 
Ahias,  Joad,  Elias,  Elisaeus  und  den  4  großen  und  12  kleinen 
Propheten  mit  geschichtlichen  Angaben  bedacht. 

Unter  den  übrigen  syrischen  Zeugen  von  vitae  prophetarum, 
welche  Epiphanius  zugeschrieben  werden  und  Nestle  namhaft 
machte1,  scheinen  nur  die  genannten  der  Öffentlichkeit  über- 
geben worden  zu  sein.  Es  wäre  daher  sehr  wünschenswert,  wenn 
die  verschiedenen  syrischen  Texte  vielleicht  in  der  Patrologia 
orientalis  nach  Recensionstypen  geschieden  ediert  würden. 

Für  uns  erhebt  sich  zunächst  die  Frage:  Sind  diese  Zeugen 
geeignet,  zur  Herstellung  eines  zuverlässigen  griechischen  Textes 
der  ersten  Epiphaniusrecension,  für  welche  wir  nur  eine  griechische 
Handschrift  haben,  beigezogen  zu  werden?  Die  Frage  scheint 
größere  Wichtigkeit  zu  erhalten,  seitdem  Is.  H.  Hall  schlechte 
Lesarten  der  griechischen  Recension  auf  eine  Übersetzung  aus 
syrischer  Vorlage  zurückführte2.  Wer  die  Varianten  betrachtet, 
welche  Eb.  Nestle  zu  seiner  Ausgabe  der  Prophetenleben  aus 
Brit.  Mus.  add.   171933   und   noch   mehr   aus    121784   anmerkt, 


1)  Marg.  u.  Material.,  S.  13. 

2)  Notes  on  the  „Lives  of  the  Prophets"  in  Journal  of  the  Society 
of  Biblical  Literature  und  ExegesisYI2,  Decernber  1SS6.  Boston,  S.  97. 
Juniheft  18S7,  S.  38  f. 

3)  Die  dem  Epiphanius  zugeschriebenen  vitae  prophetarum  in  dop- 
pelter griech.  Recension  in  Marginal,  und  Materialien  S.  37. 

4)  Ebenda  S.  39. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarurn.  27 

wird  die  Unmöglichkeit  eine  einheitliche1  syrische  Epiphanius- 
recension  herstellen  zu  können,  ersehen.  Dieses  Urteil  wird  noch 
mehr  bestätigt,  wenn  man  den  von  Is.  H.  Hall  in  englischer  Über- 
setzung gebotenen  Text  vergleicht.  Wir  wollen  daher  wenigstens  ver- 
suchen, die  Recensionsgattung  der  einzelnen  syrischen  ..Epiphanius- 
texte"  festzustellen.  Nur  ein  Beispiel  der  Parallelisierung  der 
syrischen  Epiphaniustexte  mit  dem  griechischen  des  Paris.  1115 
mag  angeführt  werden,  um  Unterschiede  erkennen  zu  lassen. 

'yiyjag  . .  eixe  jzeqI  SaXo^ieöv  rov  vlov  /iavlö,  oxl  jiqoGxqov- 
gel  reo  &eö>.  Ovroq  ijkeyge  xal  rov  ^IsQoßoctfi,  ort  kav  ßaöiXsv- 
ot]  öoXco  jtoQEvasTcci  (isrct  xvglov.  Elöe  yag  ojrraoiav  Cevyog 
ßoeöv  xaranarovv  rov  XaoV  xal  xara.  rcov leqeoov EJciroEyov[ra]' 
xal  jiqogeZjce  rä  Sakoficöv,  ort  yvvalxeg  avrbv  exgz?jgovGiv  curo 
rov  xvqiov  xal  reo  lhQoßoa[i  eljiev  ort  öia  reov  ovo  öaficOJcov 
gov  jiQOGxQovGeig  reo  xvgieo  xal  eIq  öovXEiav  iözai  rb  yivoz 
Gov.  \4jiE&avE  61  ^Ayiac  xal  sra<p?]  GvvEyyvq  rr\q  öqvbq  rr\q 
OVG7JQ  ev  JJrjZcofi. 

S  =  Michael  Chron.  IV  11  (Chabotl  1,  63):  Achias  prophetisa 
de  Salomon  qu'il  irriterait  le  Seigneur.  II  reprit  Jeroboam  qui 
agissait  insidieusement  avec  le  Seigneur.  II  vit  dans  une  vision 
un  couple  de  boeufs  qui  pietinaient  le  peuple  et  se  preeipitaient 
sur  les  pretres.  II  predit  ä  Salomon  que  les  femmes  l'eloigne- 
raient  du  Seigneur.  II  dit  aussi  ä  Jeroboam:  par  tes  deux  veaux 
d'or,  tu  seras  un  scandale  pour  tout  Israel.  II  mourut  et  tut 
enseveli  devant  le  chene  de  Silo. 

51  =  Nach  der  Ausgabe  von  Nestle,  Syr.  Gramm.,  (Zeile 
:>41 — 347):  Achiah  war  von  Silo,  wo  das  Zelt  von  altersher  war, 
von  der  Stadt  Heli.  Er  sprach  zu  Salomon,  daß  er  den  Herrn 
zum  Zorn  reizte.  Und  er  sah  ein  Gespann  Ochsen,  welche  das 
Volk  des  Herrn  zertraten  und  gegen  die  Priester  rannten.  Und 
er  sagte  Salomon  voraus,  daß  die  Frauen  ihn  und  sein  ganzes 
Geschlecht  betrügen.  Er  starb  und  wurde  neben  der  Eiche  von 
Silo  begraben. 

52  =  Übersetzung  von  Is.  H.  Hall  der  Hs  in  dem  Union 
Theological  Seminary  (Journ.  of  the  Soc.  of  Bibl.  Lit.  and  Exeg. 
VII  1,  June  1887,  37):  Ahijah  the  prophet  was  frorn  Sbiloh,  from 

1)  Nach  der  Überschrift  ist  der  Text  der  HS  Brit.  Mus.  add.  L2178 
ein   sekundärer,    aus    zwei    andern    zusammengearbeitet,  b.  Eb.  Nestle, 

8.  39,   Amn.  1. 


28  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

the  place  where  the  tabernacle  formerly  was.  He  prophesied 
against  Salomon,  because  he  angered  God,  and  woman  made  him 
a  fool,  and  he  was  perishing  thereby.  He  reproved  Jeroboam 
for  Walking  deceitfully  with  the  Lord;  and  he  saw  a  yoke  of 
oxen  that  trod  the  people  of  Lord,  and  ran  against  the  priests. 
And  he  died,  and  was  buried  beside  the  terebinth  of  Shiloh. 

Zunächst  seien  einige  Bemerkungen  über  den  Text  bei  Mi- 
chael dem  Syrer  gemacht.  Er  fügte  gleichsam  als  Glossen  die 
einzelnen  Abschnitte  des  Epiphaniustextes  dem  jeweils  von  ihm 
behandelten  Propheten  bei.  Dadurch  mag  es  sich  auch  erklären, 
daß  einige  Propheten  wie  Nathan  und  Joel  sich  nicht  bei  ihm 
vorfinden.  Aber  auch  in  dem  Inhalt  der  einzelnen  Viten  liegen 
manche  Verschiedenheiten  vor,  welche  teils  in  Auslassungen,  teils 
in  Zusätzen  bestehen.  Der  Text  zu  Achias  scheint  von  Michael 
dem  Syrer  durch  Auslassung  der  Schilderung  der  Persönlichkeit 
des  Propheten,  wie  durch  freiere  Wiedergabe  der  Weissagung 
au  Jeroboam  nicht  getreu  wiedergegeben  zu  sein.  Auch  in  der 
vita  des  Joam  (Chabot  S.  65),  welchen  der  Syrer  Jojada  nennt, 
hat  derselbe  abgekürzt  und  den  Ps.  Propheten  Abiathan  genannt, 
ein  Name,  den  der  Grieche  nicht  angibt.  In  den  Viten  des  Aza- 
rias  (Chabot  S.  76)  und  Elias  (S.  68)  besteht  zwischen  den 
Texten  in  Paris.  1115  und  bei  Michael  dem  Syrer  kein  großer 
Unterschied;  in  der  letzteren  hat  Michael  am  Schluß  ein  Stück 
weggelassen.  Da  darin  aus  3  Reg.  18, 38;  3  Reg.  17, 1  und  4  Reg.  2, 11 
geschichtliche  Tatsachen  erzählt  werden,  so  wäre  übrigens  auch 
eine  spätere  Beifügung  beim  Griechen  als  möglich  anzunehmen, 
so  daß  vorerst  mit  dem  Urteil  abgewartet  werden  muß.  Joachim 
Zehner1  hatte  die  Bestimmung  ex  yr\a  'Agaßcov,  welche  zu  der 
Heimat  Thesbe  und  zur  Zugehörigkeit  des  Propheten  zum  Stamme 
Aaron  nicht  wohl  paßt,  als  Verderbnis  betrachtet,  hervorgegangen 
aus  falscher  Lesart  des  'Aagcov;  allein  auch  der  Syrer  bietet: 
dans  le  pays  des  Arabes.  Ebenso  zeichnet  sich  die  syrische  Vita 
des  Elisaeus  (Chabot  S.  69)  durch  Umstellungen  und  durch 
starke  Abkürzung  aus.  Auffallend  ist  wiederum,  daß  der  in  S 
fehlende  Schluß  geschichtliche  Fakta  wiedergibt.  In  dem  Ab- 
schnitt über  Isaias  ist  die  syrische  und  griechische  Vita  so  ziem- 
lich   dieselbe   mit   Ausnahme   von    zwei  Abweichungen.     Der  S 


1)  Divi  Epiphanii  usw.,  S.  24. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetaruni.  29 

(Chabot  S.  87)  läßt  Isaias  avec  une  scie  de  bois  (mit  einer  Holz- 
säge) zersägt  sein,  eine  Bestimmung,  welche  erst  später  aus  fal- 
scher Interpretation  des  hebräisch-syrischen  Ausdruckes  für  Baum- 
säge entstand  und  sich  in  unserem  griechischen  Texte  noch  nicht 
findet.  Am  Schlüsse  der  Isaiasvita  hat  S  noch  einen  Zusatz 
aufbewahrt,  welchen  der  Dorotheustext  der  Prophetenviten  im 
Unterschied  von  unserm  Epiphaniustext  bietet.  Aus  dieser  Ver- 
wandtschaft des  S  mit  Dorotheus  lassen  sich  vorerst  noch  keine 
weiteren  Schlüsse  ziehen;  die  Vermutung  liegt  nahe,  dass  Doro- 
theus hierin  ein  griechischer  Text,  welcher  mit  dem  S  des  Epi- 
phanius  näher  verwandt  war  als  die  jeweiligen  griechischen, 
zugrunde  lag.  Darin  wird  man  bestärkt  durch  die  Wahrnehmung, 
daß  auch  bei  Jeremias  S  des  Epiphanius  mit  dem  griechischen 
Dorotheus  ein  Stück  über  den  griechischen  Epiphaniustext  hinaus 
gemeinsam  hat.  Bei  Ezechiel  (Chabot  S.  94)  ist  wiederum  die 
Wahrnehmung  zu  machen,  daß  der  Schlußteil  des  griechischen 
Textes  in  S  fehlt.  Die  syrische  Vita  des  Daniel  (Chabot  S.  96) 
zeigt  neben  kleineren  Umstellungen  keine  wesentlichen  Unter- 
schiede vom  griechischen  Texte.  Auch  bei  Osee  (Chabot  S.  78) 
fehlt  in  S  ein  Stück  der  Prophetie  am  Schlüsse.  Bei  Arnos 
(Chabot  S.  75)  hat  S  die  fälschliche  Bestimmung,  als  ob  er  der 
Vater  des  Isaias  gewesen  wäre,  weggelassen.  Den  Propheten 
Michaeas  (Chabot  S.  69)  läßt  S  gleich  dem  griechischen  Texte 
von  einem  Felsen  gestürzt  werden.  Joel  fehlt  in  S.  Die  Vita 
des  Abdias  (Chabot  S.  69)  zeigt  in  S  Umstellungen  und  am 
Schlüsse  einen  beträchtlichen  Zusatz  über  die  Frau  und  die 
Kinder  des  Propheten,  welcher  offenbar  spätere  Glosse  ist.  Ebenso 
weist  die  Vita  des  Jonas  (Chabot  S.  76)  kleine  Erweiterungen  auf; 
dagegen  deckt  sich  S  des  Nahum  (Chabot  S.  75)  fast  wörtlich  mit 
dem  griechischen  Texte,  ebenso  in  der  Vita  des  Habakuk  (Chabot 
S.  97),  bei  welcher  in  S  das  Schlußstück  fehlt;  in  der  Vita  des 
Sophonias  (S.  89)  fehlt  in  S  ein  Satz  mit  der  Weissagung  über 
die  Ankunft  des  Herrn,  bei  Aggaeus  (S.  101)  eine  offensichtliche 
Glosse  des  griechischen  Textes  über  den  sogenannten  Hymnus 
des  Aggaeus  und  Zacharias,  während  die  Vita  des  Zacharias(S.lOl) 
keine  wesentlichen  Unterschiede  beiderseits  zeigt.  In  der  Vita 
des  Malachias  (S.  101)  läßt  S  wiederum  die  prophetische  An- 
deutung über  die  Ankunft  des  Herrn  vermissen.  Die  Vita  des 
Zacharias  Jojadae  filii  (S.  70)  ist  frei  von  der  Verwechslung  mit 


30  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

dem  Vater  des  Johannes  des  Täufers,  welche  der  griechische  Text 
aufweist,  unterscheidet  sich  aber  sonst  nicht  wesentlich  von  letz- 
terem.    Der  Anhang  Symeon  und  Johannes  Baptista  fehlt  in  S. 

Vergleichen  wir  nun  S1,  die  bei  Nestle  edierte  syrische  Re- 
cension,  mit  unsern  griechischen  Texten.  Um  den  Unterschied 
zwischen  S1  und  der  ersten  griechischen  Epiphaniusrecension  (A) 
hervortreten  zu  lassen,  seien  S1,  A  und  andere  griechische  Re- 
censionen    einander    gegenübergestellt. 

S1:  Joel  war  vom  Lande  Rüben,  von  dem  Acker  Bethmaron; 
er  starb  im  Frieden  und  wurde  dort  begraben.  (Nestle,  Zeile 
213—215.) 

A:  'icoijX  ..  6  XQo<prjTt]q.  Ovxoq  i(V  eg  dygov  Bq&cbfi  Ix  x?]q 
yrjq  *Povßi(i'  JtoXXa  ös  jcgoscprjxevoe  jcegi  ^hgovOcüJ]^  xal  xeXovq 
ed-vcov.  'Ogcöv  6s  ajii&avsv  hv  slgrjvy  xal  ixdcpr]  Bq&cbfi  Iv  xfl 
yfl  avxov  svöoscoq. 

BCDE:  'icorjX  hx  yrjq  i]V  xov  'Povßrjv  dygov  xal  Btfro- 
fiogcöv  xcu  ajtid-avev  ev  elg?]v^  xcu  ezct(pr]  sxsl. 

D^HssBB^):  *Ico?]X  ...  jtgocprjxsvoaq  jceqI  Xifiov  xcu  ax- 
d-Xltyecoq  &V61CQV  xcu  Jtd&ovq  jrgo<p?]xov  ötxaiov  xcu  öl    avrov 

ävaxcuviofrrjGEod-cu  xrjv  xxiöiv  elq  öcoxrjgiav Hieraus   geht 

hervor,  daß  S1  nicht  von  dem  Griechen  A  beeinflußt  ist.  Vielmehr 
scheint  es,  daß  S1  mit  dem  syrischen  Paralleltext  zu  D,  welcher 
in  hohes  Alter,  vielleicht  in  die  Zeit  des  Origenes  zurückreicht, 
großenteils  übereinstimmt.  Leider  ist  der  syrische  Paralleltext 
in  Cod.  Ambrosianus  Syro-Hexaplaris  nur  zu  neun  Propheten  er- 
halten. Ich  stelle  daher  einige  auffallende  Übereinstimmungen 
von  S1  mit  D  zusammen.  Das  Ende  der  Vita  des  Jonas  lautet 
beiderseits: 

D:  xcu  eöcoxe  regaq  sjtl  Is-  S1  (nach  eigener,  wörtlicher  Uber- 
govöaX/jfi  xcu  öXr\v  xtjv  yl]v,  6xs  Setzung):  Und  er  gab  ein  Zeichen 
löcoöt  Xi&ov  ßocovxa  olxrgcdq.  über  Jerusalem  und  die  ganze 
8yyiL,£i  xb  xtXoq'  xcu  oxs  iöcoöi  Erde,  daß,  wenn  sie  sehen  einen 
ev  fl£QovöaX?)(i  Jidvxa  xct  s&w],  Stein  bitterlich  schreiend,  das 
oxi  rj  jtoXiq  tcoq  eöcupovq  t)cpd-  Ende  naht  und  daß,  wenn  sie 
viöxcu  oXrj.  sehen  in  Jerusalem  alle  Völker, 

dann  die  Stadt  bis  auf  den  Erd- 
boden zerstört  werden  wird,  sie 
ganz.  (Nestle,  Zeile  27U— 273.) 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetaruin. 


31 


Ferner  in  der  Vita  des  Habakuk: 


D:  "Eöcoxe  6s  xtqag  xolg  iv 
xr\  'iovöaia,  öxi  otpovxat  iv  reo 
vaco  (pmg'  xai  ovxcng  IöcoOl  xr\v 
ööiav  xov  vaov.  Kai  Jtsoi  övv- 
rsÄEiag  xov  vaov  xqoeijcev  oxl 
vxb  t&vovg  övxixov  y£V7]6£xai. 


S1:  Er  gab  aber  ein  Zeichen  in 
Juda,  daß  sie  sehen  in  dem 
Tempel  ein  Feuer;  und  so  sollen 
sie  sehen  den  Ruhm  des  Tem- 
pels; und  über  das  Ende  des 
Tempels  sagte  er  voraus,  daß 
es  von  einem  Volke  von  Westen 
her  kommen  wird.  (Nestle, 
Zeile  285—289.) 


In  der  Vita  des  Jeremias:  S1:  Und  in  der  Nacht  war  eine 
D:  Kai  iv  vvxzi  vtfptXt]  mg  Wolke  wie  Feuer  gemäß  der 
jivq  ylvexai  xaxcc  xov  xvjiov  früheren  Art,  auf  daß  nicht  auf- 
zog aQ'/alov  (andere  Hss  xojtov).  hört  der  Lobpreis  Gottes  von  sei- 
oxi  ov  fi?]  jiavötjxai  i)  öo^a  xov  nem  Gesetze.  Und  deshalb  gab 
fttov  ix  xov  vofiov  avxov.  Kai  Gott  Gnade  dem  Jeremias,  daß  er 
löcoxev  o  &ebg  xcp  TsQSfiia  ya-  mache  das  Ende  dieses  Geheim- 
Qiv,  Iva  xb  xiXog  xov  tuvoxt]-  nisses,  damit  er  werde  Mitgenosse 


qiov  avxov  avxog  jzom/geisv, 
Iva  yev7]xai  ovyxocvojvbg  Mcov- 
Otcog^xaiofioveioivtcogOr'jfiEQop. 


des  Moses;  und  sie  sind  zusammen 
bis  zum  heutigen  Tage.  (Nestle, 
Zeile  90—95.) 


Ich  habe  hier  Beispiele  gewählt,  in  welchen  D  von  den 
übrigen  griechischen  Recensionen  abweicht.  Eine  wörtliche  Über- 
einstimmung zwischen  D  und  S1  findet  sich  auch  sonst  sehr  oft. 
Man  vergleiche  folgendes  Beispiel: 


D:  £Zö7)£'  ovxog  i)v  Ix  Bs- 
Xefiatfr  xi~)g  cpvXr/g  'ioayao  zcü 
ixafprj  iv  xrj  yt~]  avxov  iv  sIqtjV)] 
xai  töcoxe  xtoag  ?%etv  xvoiov 
im  xrjg  yijq,  iav  7/  öovg  7]  iv 
JSrjXcofi  lunio'&ij  ag.  lavxijg,  xai 
ytvcovxai  ÖQvsg  ömötxa. 


S1:  Oseas.  Dieser  war  von  Bel- 
moth  vom  Stamme  Isachar  und 
er  wurde  begraben  in  seinem 
Lande  im  Frieden.  Und  er  gab 
ein  Zeicheu,  daß  kommen  wird 
der  Herr  auf  die  Erde,  wenn  die 
Terebinthus,  welche  in  Silo  ist, 
gespalten  wird  in  12  Teile  von 
selbst  und  12  Terebinthen  ent- 
stehen. (Nestle, Zeile  201— 205.) 

Da  D  bei  Osee  trotz  seines  hohen  Alters  bereits  christianisiert  ist, 
so  hat  S1  dieselbe  christliche  Form  ohne  Weiterbildung  bewahrt. 


32 


Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Abgesehen  von  den  kleineren  Abweichungen  ist  besonders 
auffallend,  daß  S1  mit  den  andern  griechischen  Recensionen  nur 
selten,  manchmal  mit  der  2.  Epiphaniusrecension,  aber  besonders 
mit  der  anonymen  (D)  geht;  wie  in  der  Vita  des  Jeremias,  wo 
der  Schluß  von  S1  sich  ganz  mit  D  deckt;  ebenso  in  der  Vita  des 
Jonas;  ebenso  finden  sich  in  der  Vita  des  Habakuk  beiderseits 
Anklänge,  so  daß  es  nicht  rätlich  ist,  diese  Textgestalt  S1  als 
Zeugen  zur  Textherstellung  einer  etwaigen  Epiphaniusgrundschrift 
einspringen  zu  lassen.  Ebensowenig  ist  dies  ratsam  betreffs  S^, 
der  in  Cod.  Sachau  131  und  der  HS  des  Union  Theological  Semi- 
nary  in  New  York  vorhandenen  Textgestalt,  welche  die  griechi- 
schen Viten  an  Ausführlichkeit  übertrifft.  Sie  ist  aus  zwei  syrischen 
Texten  geflossen,  jenem  von  S1  bei  Nestle,  aber  auch  jenem  der 
vitae  prophetarum  bei  Sb  =  Salomon  von  Basrah  „Buch  der  Biene" 
c.  32.  Ferner  hat  S2  bei  Osee,  Arnos  und  Michaeas  eine  etwaige 
Datierung  dieser  Propheten  vor  Christus  angegeben.  Es  läßt  sich 
öfters  feststellen,  daß  S2  manche  vita  geradezu  aus  S1  und  Sb 
zusammensetzte.    Als  Beispiel  diene  folgende  Gegenüberstellung: 


S2:  Habakkuk  was 
of  the  country  of 
Beth  Sachöth,  of 
the  tribe  of  Simeon, 
of  theland  of  Zoar 
(Soir).  This  one 
prophesied  con- 
cerning  Christ, 
that  be  should 
come  and  destroyjrum  esse 
the  law  s  of  the 
Jews;  and  before 
he  saw  the  capti- 
vity,  also  concer- 
ning  the  subjuga- 
tion  of  Jerusalem. 
And  he  mourned 
much. 


Sb:  Habakuk  e  tribu 
Simeon  de  terra 
Zoar  (Süär). 


Hie  prophetavit 
de  Christo,  eo  ve- 
niente  legem  Ju- 
daeorum    cessatu- 


S l :  Habakuk  war  vom 
Stamme  Simeon,  von 
dem  Acker  Beth- 
Suchar. 


Ehe  er  die  Gefan- 
genschaft sah, (er- 
kannte er)über  die 
Einnahme  Jerusa- 
lems. Und  er  war 
sehr  betrübt. 
(Nestle, Z.27U-273.) 


Solcherlei  Fälle  ließen   sich  noch  öfters  in  S2  nachweisen. 
Sb  scheint  ihm    namentlich   in    spezifisch   christlichen  Zusätzen 


1.  Überliefe rungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  33 

Quelle  gewesen  zu  sein,  wie  folgende  Gegenüberstellung  zeigt, 
deren  Inhalt  sonst  in  keinem  bekannten  griechischen  noch  syri- 
schen Zeugen  sich  findet: 

S2:  Zephaniah ..  he  prophe-     Sb:    De    Christo    passuro    pro- 
sied concerning  Christ,  that  be     pbetavit;    solem    tenebris   obru- 
should  suffer,  and  the  sun  would     tum,  lunam  opertum  iri. 
become    dark,    and    the    moon 
be  hid. 

Ebenso  ist  in  der  Vita  des  Aggaeus  die  Weissagung  über 
Christus  aus  Sb,  die  andere  über  die  Rückkehr  des  Volkes  aus 
Babylon  aus  S  J  genommen.  In  der  Vita  des  Zacharias  trat  in 
S2  eine  Verschmelzung  ein  zwischen  jener  des  Barachiae  filius 
und  jenem  Jojadae  filius,  und  zwar  nur  aus  S l  entnommen. 
Dagegen  bot  Sb  dazu  die  Veranlassung,  welcher  den  elften  Pro- 
pheten nicht  näher  charakterisierte  (durch  das  Attribut  Barachiae 
filius) ,  so  daß  der  Kompilator  beide  in  S 1  getrennte  Zacharias 
für  eine  Person  hielt.  Diese  und  ähnliche  Fälle  zeigen,  daß  S2 
eine  spätere  Kompilation1  aus  Sb  und  S1  ist  und  zur  Herstellung 
oder  Einschätzung  einer  syrischen  Grundschrift  nicht  in  Betracht 
kommen  kann,  zumal  auch  starke  Kürzungen  darin  vorkommen, 
namentlich  in  den  vitae  der  großen  Propheten.  Da  Sb  nur  sehr 
kurze  Notizen  über  dieselben  hat,  so  konnte  S2  diese  nicht  als 
Grundlage  nehmen,  vielmehr  mußte  S  l  dazu  dienen,  wobei  auch 
andere  Elemente  mitwirken  konnten.  In  der  vita  des  Isaias  er- 
setzen z.  B.  nur  S l  und  S  -  das  griechische  jroX^fiioi,  welche 
die  Israeliten  bedrängen,  mit  „Philister",  während  S1  im  weitern 
Verlauf  dieser  vita,  wie  auch  jener  des  Jeremias,  ebenso  des  Eze- 
chiel  stark  abgekürzt  mit  Umstellungen  in  S2  wiedergegeben  ist. 
Daneben   findet  man   auch   Zusätze  in   S2   der  vita  des  Jsaias 2, 


1)  Vgl.  Nestle  a.  a.  0.  S.  39  A.  1  zu  Brit.  Mus.  add.  1217s. 

2)  Z.B.:  Griech. Synax.(F) :  8-eToq  S2:  And  because  he  reprovedMa- 
<)':  vnrJQxe  xov  ßaaiki-wq  Mavaaafj  nasseh  the  son  ofHezekiah,  because 
vlov  E'C,ex!ov.  EXiyy^üiv  6e  avzbr  he  did  evil  and  sacrifed  to  idols,  he 
^v  xalg  avout'aiq  avvov  inQiaO-rj  sawed  him  in  two  with  a  wood- 
elq  ovo  fAfza  §v?.ivov  noiovoq.         saw. 

Das  gesperrt  Gedruckte  hat  F  allein  gegen  alle  andern  griechischen 
Zeugen  der  vitae  prophetarum, 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  3 


34  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

welche  er  mit  dem  Text  der  griechischen  Synaxarien  gemeinsam 
hat.  Wenn  wir  diese  drei  syrischen  „Epiphanius"recensionen 
vergleichen,  so  finden  wir  die  auffallendsten  Gegensätze:  Während 
S  die  christlichen  Geist  verratenden  Zusätze  über  die  Ankunft 
des  Herrn  ausläßt,  deckt  sich  in  der  Mitteilung  solcher  messia- 
nischer  Weissagungen  S  1  öfters  mit  der  griechischen  Epiphanius- 
recension  (A);  dagegen  ist  S2  bedacht,  diesen  christlichen  Gehalt 
zu  vermehren.  Während  S  hierdurch  öfters  an  die  griechische 
Dorotheusrecension  anklingt,  zeigt  S *  manchmal  Berührungen 
mit  der  griechischen  anonymen  Recension  des  Vatic.  2125,  und 
S 2  gar  mit  dem  Text  der  griechischen  Synaxarien  und  Meno- 
logien,  welche  uns  in  spätere  Zeit  hineinführen. 

Was  durch  eine  solche  Vergleichung  gewonnen  werden 
kann,  ist  nicht  besonders  hoch  anzuschlagen;  immerhin  wurde 
gezeigt,  daß  wir  keine  syrische  einheitliche  Epiphaniusrecension 
besitzen,  daß  manche  auch  späteren  Einflüssen  unterlagen  und 
daß  in  der  von  dem  Patriarchen  Michael  mitgeteilten  am  ehesten 
eine  etwaige  unverfälschte  syrische  Grundschrift  vorliegt.  Auch 
Nestles  Versuch,  die  Vita  des  Nahuni  einheitlich  zu  rekon- 
struieren, war  undurchführbar. 

Angesichts  dieser  Tatsache  ist  die  von  Isaac  H.  Eball  aus- 
gesprochene Meinung,  daß  der  von  Nestle  edierte  syrische  Text 
das  Original  für  die  griechischen  Epiphaniusrecensionen,  ja  auch 
für  die  übrigen1  sei,  ganz  in  der  Luft  hängend.  Hall  hatte  einen 
griechischen  Text  in  der  HS  Philadelph.  1141  (der  anonymen 
griechischen  Recension  D  angehörend)  mit  dem  Text  bei  Nestle 
verglichen,  dabei  herausgefunden,  daß  der  Grieche  öfters  schlechter 
überliefere,  wobei  er  aber  nicht  bemerkte,  daß  dies  auf  Kosten 
des  HSschreibers  auch  zu  setzen  ist.  Hall  läßt  seine  HS  in 
der  vita  des  Jeremias  überliefern,  daß  der  Prophet  in  der  Nähe 
r?/g  Krjöemg  $>aQaä>'2  begraben  wurde.  Trotzdem  die  syrische 
Parallele  liest:  j&uls»..  (=  des  Hauses),  wird  der  Herausgeber 
nicht  zu  der  Korrektur  (ofyxrjöscog  veranlaßt.  Mit  seinem  ein- 
mal auf  Grund  ungenügenden  Vergleichungsmaterials  vorgefaßten 


1)  Notes  on  the  „Lives  of  the  Prophets"  in  Journal  of  the  Society 
of  Biblical  Literature  and  Exegesis  VI  2,  December  1886,  Boston  p.  07 ; 
vgl.  VE  1,  June  1887,  p.  38  f. 

2)  Journal  usw.  VI  1,  Juniheft  1886,  S.  30. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  35 

Urteil  polemisiert  Hall  des  weiteren  gegen  Baethgen1,  welcher 
an  der  griechischen  Originalität  unserer  Viten  nicht  zweifelt. 

Die  uns  bekannten  syrischen  Epiphaniusrecensionen  sind 
nicht  geeignet,  eine  Grundschrift  für  unsere  griechischen  Texte 
darzustellen;  vielmehr  unterlagen  sie  verhältnismäßig  mehr  als 
unsere  griechischen  spätem  Einflüssen. 

§  9.   Andere  syrische  Zeugen  von  vitae  prophetarum. 

1.  Agnes  Sm.  Lewis  hatte  in  dem  Catalogue  of  the  Syriac 
Mss  in  the  Convent  of  S.  Catharine  on  Mount  Sinai2  aus  HS 
10  (saec.  IX.)  Prophetenviten  veröffentlicht,  welche  sich  in  kurzer 
Form  nur  über  Zeitalter  der  Propheten,  über  Stammesangehörig- 
keit  und  Begräbnisort  verbreiten.  Sie  werden  dem  Epiphanius 
von  Cypern  und  Cornelius  von  Jerusalem  zugeschrieben,  haben 
aber  für  unsern  Zweck  fast  kein  Interesse. 

2.  In  der  römischen  Ausgabe  der  Werke  Ephrems  des 
Syrers3  finden  sich  Scholien  zu  den  vier  großen  und  einer 
Reihe  kleinerer  Propheten,  welchen  manchmal  vitae,  kurze 
Lebensbeschreibungen  vorausgeschickt  sind.  Sie  haben  aber  fast 
nichts  mit  unsern  syrischen  Texten  gemeinsam.  Z.  B.  die  Nach- 
richt über  Isaias4  ist  eine  bloße  Inhaltsangabe  seiner  Weis- 
sagungen, ebenso  enthält  jene  des  Ezechiel5  nur  historische 
Daten,  bei  Daniel6  findet  sich  kein  derartiges  Scholion.  Da- 
gegen zeigt  die  kurze  Lebensbeschreibung  des  Jeremias 7  einige 
Berührung  mit  unsern  Legenden;  sie  lautet  in  lateinischer  Über- 
setzung: Jeremias,  patria  Anathotites,  Taphnis  Aegypti  urbe  a 
populo  lapidibus  oppressus  interiit.  Situs  est  in  eo  loco,  ubi 
Pharao  quondam  domicilium  habuit:  hoc  nimirum  honore  Aegypti 
acceptorum  ab  ipso  beneficiorum  memores,  eius  reliquias  prose- 
cuti  sunt.  Postmodnm  Alexandriam  translatae  ibidem  magnifice 
collocatae  fuerunt.    Duobus  supra  quadraginta  annis  prophetavit, 


1)  Zeitschr.  für  die  alttest.  Wissensch.  VI.  Jahrg.  188G,  197.  Vgl. 
Hall,  Journal  of  the  Society  etc.  Vi  2,  Deceniber  1886,  Boston  p.  102. 

2)  Studia  Sinaitica  Nr.  I.    London  1894,  p.  7. 

3)  Sancti  Patris  nostri  Ephremi  Syri  opera  omnia,  quae  exstant  Graece, 
Byriace,  Lafane,  in  sex  tomos  distributa.  Nunc  priraum  sub  auspiciis  Bene- 
dicti  XIV  P.  M.  e  Bibliotheca  Viiticana  prodeunt.  Syriacuni  textinn  recen- 
suit  Petras  Benedictus  S.  I.  Tom.  IT.  Syriace  et  latine.  Romae  17  l<». 

4)  ibidem  p.  20.      5)  p.  165.      6)  p.  203.      7)  p.  98. 

3* 


36  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

sexaginta  vero  supra  quingentos  Christi  in  carne  adventuni  an- 
tecessit. 

Von  den  kleinen  Propheten  sind  Osee  (p.  234),  Joel  (p.  249), 
Arnos  (p.  255)  und  Malachias  (p.  312)  mit  kurzen  vitae  ausge- 
zeichnet, wovon  jene  des  Osee,  Joel  und  Malachias  mit  den 
legendarischen  vitae  prophetarum  in  manchen  Angaben  über- 
einstimmen; auch  jene  des  Abdias,  welche  sich  bei  Ephrem 
anderorts  findet1. 

Ein  Vergleich  der  Vita  des  Osee  mit  S1  gestaltet  sich  also: 

Ephrem:    Hoseae   Prophetae  S1:  Osee.     Er  war  von  Bel- 

patria    fuit   Beelmoth   in    tribu  mothvom  Stamme  Isachar.  Und 

Issachar,    in  eaque  mortuus  in  er  wurde  begraben  in  dem  Lande 

pace  sepultus  est.  Dominum  in  im  Frieden.  Er  gab  ein  Zeichen, 

terras  venturum  praedixitet  eius  daß  der  Herr  auf  die  Erde  kom- 

adventum  expresso  signo  prae-  men  wird,  wenn  die  Terebinthus 

monstravit  ...  sich  spaltet  in  zwölf  Teile 

Das  Gemeinsame  in  der  vita  des  Malachias  umfaßt  in  S ] 
und  Ephrem  die  Notiz  über  das  engelreine  Aussehen  des  Pro- 
pheten und  die  daraus  entsprungene  Verehrung  des  Volkes.  Im 
übrigen  erklärt  Ephrem  den  angelus  Malach.  3,  1  und  den  Elias 
Malach.  4,  5  als  Johannes  Baptista.  Besondere  Schlüsse  lassen  sich 
weiter  nicht  ziehen,  als  daß  legendarische  vitae  prophetarum 
von  Ephrem  benützt  wurden. 

3.  Weitere  vitae  prophetarum  finden  sich  in  cap.  32  des 
„Buches  der  Biene"  von  Salomon  von  Basrah  (c.  1222),  auf 
welche  schon  Jos.  Sim.  Assemani  aufmerksam  machte.  Neben 
einer  lateinischen  Übersetzung,  durch  J.  M.  Schönfelder2  besorgt, 
haben  wir  jetzt  die  Ausgabe  nach  einer  syrischen  und  arabischen 
HS  von  Ern.  A.  Wallis  Budge 3  gefertigt.  Salomon  von  Basrah 
bietet  eine  Neubearbeitung  mit  Vermehrung  der  messianischen 
Andeutungen  und  Verringerung  und  Streichung  des  übrigen 
legendarischen  Stoffes.     Die  Prophetenreihe  ist  folgende:  Isaias, 


1)  Fr.  Delitzsch,  De  Habacuci  vita  etc.  S.  60,  Anin.  1. 

2)  Bamberg  1806,  S.  51  ff. 

3)  The  Book  of  the  Bee  [Anecdota  Oxoniensia,  Semitic  Series  Vol.  I. 
pari  DJ  Oxford  1886,  p.  69  ff. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarum.  37 

die  12  kleinen  Propheten,  ferner  Jeremias,  Ezechiel,  Daniel, 
Achia,  Esra,  Zacharia  Barachiae  filius,  Simon  und  Nathan. 

4.  Besonders  von  Interesse  sind  die  vitae  zu  neun  der  kleinen 
Propheten  in  Cod.  Syriac.  Ambrosianus  Hexaplaris.  H.  A.  Ha- 
maker1  hatte  in  dem  öfters  zitierten  Werke  einige  Biographien 
bereits  zum  Vergleich  mit  den  griechischen  vitae  prophetarum 
herangezogen. 

Dieser  Codex  Syro- Hexaplaris  gibt  in  einer  Unterschrift2 
an,  daß  die  syrische  Übersetzung  des  alten  Testamentes3  auf 
eine  griechische  Handschrift  zurückgehe,  welche  aus  der 
Tetrapia  des  Origenes  in  der  Bibliothek  in  Caesarea  abge- 
schrieben von  Eusebius4  und  Pamphilus  verglichen  und  ver- 
bessert wurde.  Die  Übersetzung  sei  im  März  617  vollendet 
worden.  Und  zwar  sollen  Job,  Daniel  und  die  12  kleinen  Pro- 
pheten auf  dem  Tetrapiatext  beruhen.  Der  Codex  Marchalianus- 
Vatic.  gr.  2125  enthält,  wie  bereits  bemerkt,  ebenfalls  die 
vitae  prophetarum  als  geschlossenes  Ganze  (Recension  D).  Er 
wird  durch  Unterschrift  hinter  Ezechiel  auf  Origenes  zurück- 
geführt. So  glaubten  Hamaker  und  Nestle,  daß  sowohl  die 
griechischen  vitae  des  Codex  Marchai.,  wie  die  syrischen  des 
Ambros.    entweder   von    Origenes    selbst    herrühren    oder    schon 


1)  Comuientatio  p.  150  zu  Arnos,  p.  186  zu  Nahum.  Nestle,  Margin. 
und  Material.,  S.  5. 

2)  Vgl.  Matth.  Norberg,  Codex  Syriaco-Hexaplaris  Auibrosiano  Me- 
diolensis.    Editus  et  latine  versus,  Londini  1787,  Toni.  I.  Praefatio  Editoris 

p.vnif. 

3)  Unterschrift  zu  Isaias  in:  Codex  Syro-Hexaplaris  liber  quartus  Reg. 
e  cod  Parisiensi,  Jesaias,  duodecini  Propbetae  etc.  e  cod.  Mediolanensi.  Ed. 
Henr.  Middeldorpf.  Berolini  1835.  Pars.  II,  Commentarii  p.  508:  Explicifc 
prophetia  Jesaiae  secundum  interpretationem  Septuaginta.  —  Desumptus 

ist  et  appositus  (Jesaias)  ex  Eusebii  et  Pamphili  codice,  quem  illi  etiam 
correxerant  e  bibliotheca  Origenis."  Unterschrift  zu  Arnos  (ibid.  p.  530). 
Propheta  Arnos,  opus  [graece]  versuin  secundum  Hebraicum  [Syrus  secun- 
dum graecumj. 

4)  Unterschrift  zu  Malachias  (ibid.  p.S'JS):  Die  Vorlage  des  syrischen 
Übersetzers  war  ein  altes  Exemplar,  in  welchem  geschrieben  war:  III. 
„Desumti  sunt  duodecim  prophetae  ex  exemplari,  quod  erat  secundum 
versiones  quattuor  colurunarum  (i.  e.  secundum  Tetrapia).  Pamphilus  et 
Eusebius  sedulo  correxerant.  IV.  Conversus  auteni  est  hie  liber  syriace 
in  Alexaudriae  urbe  mense  Canuni  posterioris  anni  vicesiiui  orhi\  i  Alexandri, 
indictione  quinta." 


38  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

von  ihm  gekannt  sind.  Beide  HSS,  die  griech.  und  die  syrische, 
welche  hier  in  Betracht  kommen,  zeigen  aber  darin  eine  Ver- 
schiedenheit, daß  in  der  griech.  sämtliche  vitae  vorausgeschickt 
sind,  in  der  syrischen  aber  die  vita  dem  einzelnen  Propheten 
jeweils  beigegeben  ist,  und  zwar  nur  zu  neun  derselben.  Das 
Verhältnis  mag  hier  ähnlich  sein,  wie  bei  der  Recension  E  der 
griechischen  Prophetenviten,  welche  bald  den  capitula  des  He- 
sychius  beigegeben  sind,  bald  dem  griechischen  Text  der  Pro- 
phetenbücher, bald  den  Kommentaren  des  Theophylakt  angehängt 
wurden.  Dabei  ist  wohl  anzunehmen,  daß  sie  von  einem  ein- 
heitlichen Ganzen  erst  nachträglich  verteilt  wurden.  Die  Fragen, 
welche  Nestle  fernerhin  aufwarf,  warum  nur  zu  den  neun  kleinen 
Propheten  sich  die  Notizen  fänden,  auf  wen  die  syrische  Über- 
setzung zurückgehe,  wer  Verfasser  einer  etwaigen  Grundschrift 
der  vitae  prophetarum  sei,  ob  dabei  Origenes  ein  Anteil  zufalle, 
all  diese  Fragen  bleiben  nach  wie  vor  noch  unbeantwortet. 

Nach  Nestle's  Urteil  ist1  „das  Syrische  des  Ambrosianus 
jedenfalls  Übersetzung  aus  dem  Griechischen". 

Die  vitae  prophetarum  sind  aus  dem  Codex  Syro-Hexaplaris 
noch  in  keiner  der  Ausgaben,  weder  in  der  von  Norberg  (1787), 
noch  in  jener  von  Middeldorpf  (1835),  trotzdem  der  letztere  daraus 
die  12  kleinen  Propheten  eigens  publizierte,  veröffentlicht  worden. 
Weshalb  er  die  am  Schlüsse  des  einzelnen  Prophetentextes 
stehenden  vitae  nicht  edierte,  dafür  ist  kein  Grund  einzusehen. 
Nach  der  nun  phototypisch  durch  Ceriani  besorgten  Wiedergabe 
der  HS  steht  die  Vita  des  Osee  fol.  99 v,  des  Arnos  fol.  101 v,  des 
Michah  (fol.  103v),  des  Joel  (fol.  104^),  des  Obadjah  (fol.  105), 
des  Jonas  (fol.  106),  des  Nahum  (fol.  106v),  Habakuk  (108),  So- 
phonias  (fol.  108v).     Die  vitae   der  weiteren  Propheten    fehlen. 

Die  Recension  der  syrischen  Vitae  deckt  sich  mit  der  griechi- 
schen anonymen  Recension  (D)  des  Vatic.  gr.  2125;  nur  geringe 
Unterschiede  sind  wahrzunehmen,  welche  aber  mehr  dem  Über- 
setzer zur  Last  fallen;  z.  B.  in  der  Vita  des  Arnos  lautet  die 
syrische  Übersetzung  so,  als  ob  der  den  Propheten  tütende 
Amasias  sein  Sohn  gewesen  wäre:  Arnos  fuit  e  Thecoa,  et  Ama- 
sias  filius  eius  .  .  occidit  eum,  zudem  konnte  der  griechische 
Wortlaut    von    D    dazu   Veranlassung    werden:     'Alicoz    i]v    ex 


1)  Margin.  und  Material.  S.  46. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetarmn.  39 

Ssxovs.  xcu  Afiaotac  .  .  avrbv  TVfutavlöag,  reloq  avBlXev  avzov 
6  vloc  avrov  .  .  Inhaltlich  ist  zwischen  der  syrischen  Re- 
cension  und  der  griechischen  anonymen  nicht  der  geringste 
Unterschied  wahrzunehmen.  So  ist  es  wohl  möglich,  daß  die 
syrische  Übersetzung  direkt  aus  einer  Quelle  floß,  welche  zu- 
gleich jene  der  Prophetenvitae  des  Vatic.  gr.  2125  war,  nur  daß 
erstere  die  vitae  jedesmal  an  den  Schluß  des  einzelnen  Pro- 
phetentextes stellte  und  sie  aus  der  ursprünglichen  Einheitlich- 
keit zerteilte. 

§  10.   Die  Reihenfolge  der  Propheten. 

Die  fünf  zuerst  genannten  griechischen  Recensionen  weichen 
in  der  Anordnung  der  verschiedenen  Gruppen,  große  und  kleine 
Propheten,  und  solche,  welche  nichts  Schriftliches  hinterlassen 
haben,  unter  einander  ab.  Namentlich  die  Stellung  der  letzteren 
Gruppe  weist  große  Verschiedenheit  auf,  sogar  in  HSS  ein  und 
derselben  Recension,  so  daß  selten  gewisse  Prinzipien  darin  er- 
blickt werden  können.  Bald  steht  die  Reihe  Nathan,  Achias, 
Joad,  Azarias  a»  erster  Stelle,  wie  in  Paris.  1115  der  Epiphanius- 
recension,  und  es  sind  dann  Elias,  Elisaeus  angereiht,  bald  an 
letzter  Stelle  mit  noch  weiterem  Anhang:  Zacharias,  Symeon, 
Johannes  Baptista. 

Im  allgemeinen  lassen  sich  drei  Gruppen  in  der  Anordnung 
unterscheiden: 

a)  jene,  in  welcher  diejenigen  Propheten,  welche  nichts 
Schriftliches  hinterlassen  haben,  dagegen  in  den  historischen 
Büchern  des  A.  T.  erwähnt  werden,  an  die  erste  Stelle  gesetzt 
werden,  wie  dies  in  der  griechischen  Epiphaniusrecension l  I  des 
Paris.  1115  der  Fall  ist,  ebenso  in  dem  syrischen  Texte  des  Cod. 
Sinait.  syr.  10,  der  Epiphanius  von  Cypern  und  Cornelius  von 
Jerusalem  zugeschrieben  wird.  Letzterer  erweitert  die  erste 
Gruppe  durch  Moses  und  David,  und  verfährt  historisch,  indem 
er  zu  Nathan,  Achias,  Joad,  auch  Elias,  Abdias,  Jonas,  -Elisaeus 
einreiht  und  dann  erst  die  vier  großen  und  die  10  übrigen  kleinen 
Propheten  erwähnt.     Diese   historische  Ordnung  ist  auch  bereits 


1)  Der  syrische  Text  beginnt  in  den  HSS  mit  den  großen  Propheten. 
Eb.  Nestle,  Syrische  Grammatik  2.  Aufl.  [Porta  Linguarum  orientalium 
Pars  V.|    Berlin  1888,  S.  os. 


40  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

durch  die  Überschrift  angegeben:  „quibus  temporibus  fuerunt  pro- 
phetae"  und  durch  die  Unterschrift  zu  Aggaeus  und  Malachias: 
„fueruntque  prophetae  ultimi".  Derselben  Ordnung  folgte  Eu- 
sebius 1  in  seiner  Schrift  de  vitis  prophetarum,  welche  in  Cod. 
Marchal.-Vat.  2125  erhalten  ist.  Er  zählt  zuerst  Propheten  auf, 
von  denen  nichts  Schriftliches  überliefert  ist:  Samuel,  Nathan 
und  Gad  zur  Zeit  Davids;  zur  Zeit  Jeroboams  aber  Abia,  Asa 
und  Achias,  Samaias,  Addo,  Azaria,  Anania,  unter  Josaphat  und 
Achab:  Elias,  Elisaeus  und  einige  Namenlose,  ferner  Jehu,  Oziel 
und  Eliada:  al£  ov  (ptQerai  xovxcav  iöia  CvyyQa/ifiaTa,  sondern 
es  sind  nur  einige  Aussprüche  oder  Worte  von  ihnen  in  den 
Büchern  der  Könige  oder  in  den  Paralipomena  erhalten.  Dann 
gibt  Eusebius  eine  vorläufige  Datierung  der  übrigen  großen  und 
kleinen  Propheten,  indem  er  als  die  ersten  Osee  und  Isaias 
nennt,  dann  aber  die  kleinen,  dann  die  großen  Propheten 
weiterzählt. 

Einen  äußeren  Grund  für  die  Voranstellung  des  Nathan  und 
Genossen  glaubte  H.  A.  Hamaker2  geltend  machen  zu  können, 
indem  er  gemäß  seiner  Scheidungsthese  zwischen  einer  hebräi- 
schen und  griechischen  Grundschrift  der  vitae  prophetarum  an- 
nahm, daß  eine  ursprüngliche  hebräische  Grundschrift  nur  diese 
Viten  umfaßt  habe.  Allein  diese  Scheidung  würde  zu  einem 
undurchdringlichen  Wirrsal  von  hebräischer  oder  griechischer 
Grundlage  der  einzelnen  vitae  führen.  Viel  eher  ließe  sich  die 
Überbrückung  von  dieser  ersten  zur  zweiten  Gruppe  auf  tech- 
nische Weise  erklären. 

b)  Die  zweite  Gruppe  stellt  dieselben  Propheten  an  letzte 
Stelle  nach  den  großen  und  kleinen.  Es  wäre  nicht  undenkbar, 
daß  alle  Recensionen  auf  eine  Grundschrift,  auf  einem  Rotulus  ge-" 
schrieben,  zurückgingen,  dessen  eines  Ende  mit  Isaias  oder  Osee 
begann,  dessen  Kehrseite  aber  die  Reihe  Nathan  usw.  aufwies. 
Der  eine  Abschreiber  mochte  mit  Isaias,  ein  anderer  mit  Nathan 
beginnen,  zweierlei  Ordnungen,  welche  dann  später  bei  wieder- 
holter Bearbeitung  und  Abschrift  noch  mehr  Verbindungen  und 
Veränderungen  eingehen  mußten.  Zu  dieser  Gruppe  gehört  vor 
allem   die  Dorotheusrecension,    welche    die  Dreiteilung   deutlich 

1)  Bei  Migne  P.  gr.  22,  1264  ff.  Die  Schrift  enthält  eigentlich  exe- 
getische Exkurse  über  den  Inhalt  der  Prophezien. 

2)  Commentatio  in  lihellum  de  vita  et  niorte  prophetarum.  p.  10  ff. 


1.  Überlieferungsgeschichte  der  vitae  prophetaruin.  4^ 

angibt:  kleine  Propheten,  Übergang  zu  den  großen  {Xoljiov  axl 
rovg  täööccQaq  [layalovg  ßaöiovfiav  JcXrjQcoöavzag  Ovv  &acö  zovg 
iß')  und  der  Anbang :  hactenus  de  prophetis  cmi  libros  con- 
scripserunt  iam  consequenter  et  de  illis  dicendum  est,  quorum 
nulli  libri  circumferuntur  (Übers,  d.  Musculus),  wobei  Elias,  Eli- 
saeus,  Zacharias,  Nathan,  Achia,  Joath,  Azarias  mit  Jephthe, 
David  und  Samuel  genannt  werden.  Ferner  hat  diese  Anordnung 
Isidor  von  Sevilla  in  de  ortu  et  obitu  patrum,  qui  in  scriptura 
laudibus  efferuntur  c.  34—57  [Migne  P.  lat.  83,  140  f.];  auch 
die  Reihenfolge  in  dem  ,,Buch  der  Biene"  c.  32  des  Salomon 
von  Basrah  kann  mit  größern  Umstellungen  auf  diese  Gruppe 
zurückgeführt  werden. 

c)  Eine  dritte  Gattung  von  Texten  hat  weitere  mehr  oder 
weniger  prinzipienlose  Anordnungen:  so  die  HS  Paris.  1712  des 
Ps.  Symeon  Logotheta,  welche  die  vier  großen  Propheten  durch 
Nathan,  Elias,  Achias,  Joad,  homo  Dei,  Elisaeus  von  den  kleinen 
trennt.  Ebenso  hat  Michael  der  Syrer  die  einzelnen  Viten  des 
Epiphaniustextes  als  Glossen  dem  Texte  seiner  Chronik  der  ge- 
schichtlichen Folge  1  der  letzeren  entsprechend  angereiht. 

Aufmerksamkeit  verdient  noch  die  Reihenfolge  der  kleinen 
Propheten  innerhalb  ihrer  Gruppe. 

Die  zwei  Ordnungen,  die  hebräische  und  die  alexandrinische 
der  LXX,  welche  die  erstere  abänderte 2,  wechseln  auch  in  unsern 
Texten.  Die  vier  letzten  Namen  sind  stets  dieselben;  es  handelt 
sich  demnach  nur  um  die  Stellung  der  acht  ersten.  Wenn  wir 
sehen,  daß  Theodoret  in  dem  Vorwort  zu  seiner  tQfit]vaia3  der 
Propheten  eine  andere  Ordnung  befolgt  als  im  eigentlichen 
Kommentar,  so  kann  uns  dasselbe  Unbeständige  in  unsern 
Texten  nicht  verwundern. 

a.  Die  alte  hebräische  Ordnung:  1.  Osee.  2.  Joel.  3.  Arnos. 
4.  Abdias.    5.  Jonas.    6.  Michaeas.     7.  Nahum.    8.  Habakuk  be- 


1)  Eine  geschichtlich-chronologische  Anordnung  findet  sich  in  der 
Aufzählung  des  röm.  Chronographen  vom  Jahre  354;  s.  Theodor  Monini- 
sen,  Über  den  Chronographen  vom  J.  354  in  Abhandlungen  der  kgl.  sächs. 
Gesellschaft  der  Wissensch.  (philol.-hist.  Klasse)  IL  Bd.   Leipzig  L850,  640. 

_)  Hieron ynius,  in  prooem.  Joelis,  Migne  P.  lat.  Tom.  25,  993 A. 
Vgl.  C.  von  Orelli,  Das  Buch  Ezeohiel  und  die  L2  kleinen  Propheten. 
Nördlingen  L888,  197f. 

3)  Migne  P.  gr.  81,  1548 D. 


42  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

folgen  Eusebius  (Migne  P.  gr.  22,  1261—1272);  Theodoret, 
Kommentar  (Migne  81,  1551  f.),  Hesychiusrecension  (Migne  93, 
1348  ff.);  Paris.  1712  des  Ps.  Symeon  Logotheta-Textes,  Coisl.  205 
und  224  der  sog.  anonymen  Recension;  Salomon  v.  Basrah, 
Buch  d.  Biene  c.  32;  Isidor  v.  Sevilla  (Migne  P.  lat.  83,  140  ff.) 
de  vita  proph.  c.  41 — 52. 

b.  Die  Ordnung  der  LXX:  1.  Osee.  2.  Arnos.  3.  Michaeas. 
4.  Joel.  5.  Abdias.  6.  Jonas.  7.  Nahum.  8.  Habakuk  befolgen 
die  Dorotheusrecension,  die  anonyme  in  Vatic.  2125  aber  mit 
Umstellung  von  2.  Michaeas.  3.  Arnos;  ferner  die  Epiphanius- 
recension  I  des  Paris.  1115;  ferner  die  Epiphaniusrecension  II 
des  Coisl.  120  *. 

§  11.    Die  Namenerklärungen  der  Propheten. 

Manche  Textzeugen  schicken  den  einzelnen  vitae  Namen- 
erklärungen der  Propheten  voraus.  Dazu  gehört  das  Chronicon 
paschale  (B),  die  Ps.  Hesychiusrecension  (E),  einige  HSS  der 
anonymen  Recension  (D),  ferner  der  Text  der  griechischen 
Synaxarien  (F)  nach  der  Ausgabe  von  Hip.  Delehaye.  Von 
lateinischen  Zeugen  ist  zuerst  Hieronymus  (H)  zu  nennen,  welcher 
zweierlei  Erklärungen  bietet,  die  einen  im  Kommentar  zu  Joel-. 
wo  alle  Prophetennamen  gedeutet  werden,  die  andern  im  Ein- 
gang zu  jedem  einzelnen  Propheten.  Beide  Deutungen  weichen 
meist  von  einander  ab,  je  nachdem  er  die  griechische,  mehr  sym- 
bolische Erklärung  oder  die  etymologische,  wie  er  sie  in  seiner 
Schrift  de  nominibus  hebraicis3  gab,  die  Oberhand  gewinnen 
ließ.  Martinaeus 4  hatte  beide  Reihen  daher  einander  gegenüber- 
gestellt. 

Auch  Isidor  von  Sevilla  (Li)  scheint  einer  zweifachen  Tra- 
dition gefolgt  zu  sein,  teils  in  seiner  Schrift  „allegoriae  quaedam 
sacrae  scripturae"  (Migne  Patr.  lat.  83,  113  f.),  teils  in  der 
andern:  „in  libros  Veteris  et  Novi  Testamenti  prooemia"  (Migne 
Patr.  lat.  83,  166  f.).    Um  nun  die  Verschiedenheit  der  Deutungen 


1)  Zehner  a.  a.  0.  p.  89  f.  zählt  noch  mehr  Beispiele  aus  Amphilo- 
chius  usw.  auf;  Dan.  Huetius,  Demonstrat.  evangel.  Parisiis  1679,  pro- 
positio  IV,  pag.  232. 

2)  Migne  Patr.  lat.  25  (tom.  6)  993 B. 

3)  Migne  Patr.  lat.  23,  817  ff. 

4)  Migne  Patr.  lat.  23,  1623  C—D. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruin.  43 

und  deren  teilweise  Abhängigkeit  erkennen  zu  lassen,  sollen 
einige  Beispiele  angeführt  werden,  wobei  die  in  Klammern  ge- 
setzten Siglen  zur  Verwendung  kommen.  Z.  B.:  Joel:  avfrai- 
qstoc  ioyvg  (B),  ayant]  xvqiov  1}  ägyj]  (EF),  incipiens  HLi 
(sive  Dominus  Deus  H  [Migne  25,  1,  615  A]). 

Michaeas:  orQar?/yog  (B),  rasi£ivo}Oig  ?}  Tajtaivovfievog  E 
(<C  F),  quis  iste?  (Li),  rig  cog  =  quis  quasi  aut  quis  velut  (H), 
(humilitas  H  [Migne  25,  1207  B]). 

Sophonias :  Gxoxsvmv  (B),  oxojtia  xvqiov  EF,  ?]  ovviüg 
xQvnxa  (F),  speculator  mysteriorum  Domini  et  abscondens  (Li), 
xexQVfifiivoQ  xvqiov  =  arcanus  Domini  (H). 

Aus  den  Abweichungen  der  einzelnen  Recensionen  in  diesen 
drei  Beispielen  ist  ersichtlich,  daß  B  eigene  Wege  geht,  während 
E  und  F  miteinander  großenteils  übereinstimmen.  Ebenso  scheinen 
Li  und  H  gegenseitig  abhängig  zu  sein  oder  auf  eine  gemein- 
same Quelle  zurückzugehen. 


2.  Kapitel.     Recensionstypen  und  Rekonstruktion  einer 
etwaigen  Grundschrift. 

Wie  aus  den  bereits  angedeuteten  Kontroversen  zu  ersehen 
ist,  stehen  sich  zwei  große  Fragen  gegenüber:  Waren  die  beiden 
christlichen  Schriftsteller,  unter  deren  Namen  die  vitae  prophe- 
tarum im  Umlauf  sind,  Epiphanius  und  Dorotheus,  Verfasser 
oder  nur  Übersetzer?  Diejenigen  Gelehrten,  welche  sich  bis  jetzt 
eingehender  mit  den  Viten  beschäftigten,  H.  A.  Hamaker1,  I. 
H.  Hall2  und  Eb.  Nestle3  schwanken  zwischen  hebräischer 
oder  syrischer  Grundschrift,  während  Baethgen4  an  dem  grie- 
chischen Original  festhält. 


1)  Conimentatio  in  libelluni  de  vita  et  raorte  prophetarum  in  Com- 
mentationes  latinae  tertiae  classis,  Institut?  Regii  Belgici  vol.  V.  Amste- 
lod.  1833. 

2)  Journal  of  Society  of  Bibl.  Literatare  and  Exegetical  1830.  L887. 
p.  28—40;  !  17— 102. 

3)  Marginal,  u.  Materialien  S.43f. 

4)  Zeitschrift  für  die  alttest.  Wissenschaft  VI.  1886,  197. 


44  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Seitdem  Hamaker  und  auch  Delitzsch1  der  Frage  nach 
einer  Grundschrift  oder  einem  Grundtypus  näher  traten,  hat  „sich 
uns  eine  Reihe  ihnen  noch  verschlossener  Quellen  eröffnet2." 
Eb.  Nestle3  konnte  „leider  eine  Vergleichung  all  der  verschie- 
denen Recensionen  und  die  Zurückführung  auf  die  ursprünglichste 
Form  und  sodann  die  sachliche  Erklärung  und  Würdigung  dieser 
Traditionen"  wegen  anderweitiger  Überhäufung  mit  Arbeit  nicht 
machen;  dagegen  gibt  er  eine  einzige  Probe  von  der  vita  des 
Propheten  Nahum.  Dabei  mußte  er  manche  in  der  Sache  liegende 
Schwierigkeiten  mit  in  Kauf  nehmen.  Da  er  infolge  der  mangel- 
haften Bezeugung,  welche  ihm  zur  Hand  war,  die  Recensionen 
noch  nicht  scheiden  konnte,  so  hatte  er  jegliche  Varianten  selbst 
der  Ausgaben  des  Torinus  und  Zehner,  die  an  sich  noch  mehr 
als  ihre  Grundhs  Paris.  1115  fehlerhaft  waren,  in  den  Apparat 
aufgenommen;  ebenso  von  Einzelhss,  welche  ein  und  derselben 
Recension  angehörten.  So  mußte  er  zu  folgender  Überzeugung 
kommen4:  „Es  ist  klar,  daß  die  Arbeit  so  . .  .  nicht  weitergeführt 
werden  kann,  da  so  nicht  einmal  das  erreicht  wird,  daß  das 
Verhältnis  der  Texte  zueinander  klar  ins  Licht  tritt."  In  der 
Tat  müssen  wir  mit  Beiseitelassung  der  unwesentlichen  Vari- 
anten einzelner  HSS,  welche  übrigens  öfters  von  einer  Recen- 
sion auch  zur  andern  überspielen,  unser  Augenmerk  auf  einen 
etwaigen  Grundtypus  richten.  Die  Einzelvarianten  gehören  in  die 
Ausgabe. 

Trotzdem  manche  Recensionen  teilweise  wörtliche  Überein- 
stimmung zeigen,  bot  keine  Textgruppe  hinlängliche  Sicherheit 
zur  Rekonstruktion  einer  gemeinsamen  Grundlage,  oder  um  ein 
annäherndes  Bild  eines  Urtypus  zu  gewinnen;  vielmehr  müssen 
zwei  Gruppen  geschieden  werden,  eine  ausführlichere  (christlich 
erweiterte)  und  eine  kürzere;  jene  des  Epiphanius  I  und  diese 
des  Dorotheus.  Letztere  scheint  die  ursprünglichere,  mehr  an 
ein  hebräisches  oder  syrisches  Original  anklingende  Grundschrift 
darzustellen,  wenn  wir   nur  die  Lebensbeschreibungen   der  Pro- 


1)  Fr.  Delitzsch,   De  Habacuci  prophetae  vita   et  aetatc  adiecta 
diatribe  de  Ps.  Dorotheo  et  Ps.  Epiphanio  Lipsiae  1S42. 

2)  Nestle,  Marginalien  S.  6. 

3)  Ebenda  S.  43  ff. 

4)  Ebenda  S.  45  f. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruni.  45 

pheten  in  Betracht  ziehen.  Öfters  aber  —  und  dies  bei  den- 
jenigen vitae  besonders,  welche  einen  größeren  Umfang  haben, 
z.  B.  bei  Habakuk,  Zacharias,  auch  bei  Nahum,  dann  aber  bei 
den  großen  Propheten,  ferner  bei  Elias  und  Elisaeus  —  zeigten 
sich  bei  Dorotheus  keine  wesentlichen  Differenzpunkte  gegenüber 
Epiphanius  I  und  den  übrigen  Recensionen,  so  daß  ein  Grund- 
stock hergestellt  werden  konnte. 

Am  entschiedensten  läßt  sich  die  Frage  nach  einer  Grund- 
schrift bei  den  großen  Propheten  bejahen,  wobei  sogar  die  beiden 
Repräsentanten  eines  Urtypus  Epiphanius  I  und  Dorotheus  gegen- 
seitige stilistische  Abhängigkeit  und  wörtliche  Übereinstimmung 
verraten. 

Demgemäß  werden  folgende  Klassen  unterschieden  und  ver- 
glichen: 

A   =  recensio  Epiphanii  I  (Paris.  1115), 

B   =  recensio  Dorothei, 

C    =  recensio  Epiphanii  II, 

D   =  recensio  Anonymi, 

D*  =  recensio  Anonymi  (Coisl.  205,  Paris.  1712, 

Leid.  Voss.,  Philad.  1141), 
E    =  recensio  Hesychii, 
F    =  recensio  Synaxariorum  Graecorum. 

Zum  weiteren  Vergleiche  werden  dann  noch  beigezogen: 
Li  =  Isidor  Hispalensis,  de  ortu  et  obitu  Patrum  c.  34 — 57 
(Migne  P.  lat.  83,  144  f.). 

Sb  =  Salomon  von  Basrah  (c.  1222),  Buch  der  Biene  c.  32. 
Ern.  A.Wallis  Budge,  The  Book  of  the  Bee  [Anecdota  Oxoniensia, 
Semitic  Series,  Vol.  I  part.  II]  Oxford  18S6,  S.  69  und  I.  M.  Schoen- 
felder,  Salomonis  episcopi  Bassorensis  über  Apis,  Bamberg  1866, 
S.  51  ff. 

Ss  =  Cod.  Sinait.  syr.  10  (s.  IX).  Agn.  Sm.  Lewis,  Catalogue 
of  the  Syriac  Mss  in  the  Convent  of  S.  Catharine  on  Mount  Sinai 
[Studia  Sinaitica  I]  London  1S94,  4  ff.  In  lateinischer  Übersetzung 
mir  von  Dr.  C.  Julius  besorgt. 


46  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

§  12.  Osee. 

(Sco&fievog  BEF  oxia$a>v  D'F  ij  <pvXa$  F) 

Ovrog  'ßorjh  fjv  ex  Beleficbfr  rrjg  cpvlijg  'iöayag  xal  erd<p?j 
ev  ry  yf]  avrov  ev  elgrjvrj  (B). 

5  'Qörjh  6  JcQocp?]tT]g'    vlbg  Berjgel.    Ovrog  syevvrjxrrj  ev  BeXe- 

{icbd-  ex  rrjg  <pvXr)g  'iöayag-  Ovrog  töcoxe  regag  rj&iv  rbv 
xvqlov  Ig  ovgavov  eJtl  rrjv  yr)v  xcu  rovro  rb  örjfielov  rrjg 
jtagovolag  avrov'  örav  r)  ögvg  rj  ev  SiXcofi  fiegio&ü  äcp*  iavrrjg 
eig  öcoöexa  fiegrj  xcu  ytvcovrai  ögveg  öcoöexa.  Ovrcog  xcu  eyevero. 
10  HoXXa  öh  jcgocpijrevdag  Jtegl  rrjg  Jiogveiag  rov  Xaov  avrov, 
äjte&avev  ev  elgrjvrj  xcu  eracprj  ev  rfj  yf]  avrov  (A). 

1.  Osee  de  tribu  Issachar  ortus  in  Belemoth.  Hie  praenun- 
tians  dedit  signum:  Veniet  Dominus  in  terram  suam,  si  quercus 
quae  est  in  Silo,  ex  semetipsa  in  duodeeim  divisa  fuerit  partes 
totidemque  quercus  effecerit.  Hie  in  terra  sua  sepultus  placida 
quiete  dormivit  Li. 

2.  Osee  filius  Beeri  de  tribu  Issachar,  de  vico  Beelmuth 
(Bee'lmath,   Budge  p.  69).     In   mysterio    de   DNJ  Chr.   venturo 

5  Osee  1,1  —  7  cfr.  testament.  XII  patriarchar.  Simeon  c.  6  — 
10  Osee  5,  4 

3  [BCD]  ovxoq  <Z  C  ^oijh  +  vlöq  BetjqI  C  zijq  <Z  C  xal  +  d-arvav  C  | 
4  slQt'jvy  -\-  Kai  eöcoxev  zsoaq  tfl-siv  rov  xvqlov  inl  zr\q  yrjq.  idv  gnjaiv  (<C  D) 
))  öovq  fj  iv  SiXujf/.  [/.egioQ-y  slq  iß'  (<D)  dep '  kavzfjq  xal  ysvcovzai  öoveq  iß'  CD 

5  [AD^F]  6  —  Beyoei  <  E  o  noo<p.]  ovrog  i)v  F  Ber/Qt]  F  Oho; 
iyevv.  <  F  iv  BsXs(.ico&  F  ovzoq]  ElXaßl/q  6s  a>v  xal  rov  &ebv  rov 
ovQavov  xal  zijq  yfjq  oeßo/usvoq  xal  zovq  zü>v  i&vCbv  &sovg  ßiaüjv  xal  aito- 
azQScpö^isvoq  xal  züov  6/*o<pv?.(ov  'iovöalwv  xä  a<pdXfj.aza  xal  rdq  ä/uaoziaq 
ikeyxav  xal  6ioo&ov/ii£voq  sös^axo  yaoiofiaxa  noocprizsiaq  xal  TtoXXa  tiqo- 
(prjxevaaq  xaxä  xe  xov  ^Iopal/X  xal  xibv  i&vCov  F  ovxoq]  xal  E  |  7  i$ 
ovQavov  <  EF  xljv  yrjv]  xfjq  yijq  EF  yfjq  +  dvd-oümoiq  ovvavaoxQEcpö- 
fzsvov    (testam.  Dan  c.  ö)  D'EF  xovxo —  oxav  <C  D*E   xovxo —  oxav] 

oxe  Svvei  6  tjXioq  iv  ZiXtoft  xal  F  |  8  /nepioStjOexai  DJE  d<p*  savxi'jq  < 
DJEF  |  9  yevrjoovzai  D'E  yevqÖijaovTcu  F  dtoösxa  +  tfxoi  oi  öäyösxa 
aitöoxoXoi  xal  diöägovoi  nävxa  xä  e&vtj  tugteveiv  elq  xdv  Xqlotöv  F 
Sihöexa  +  inaxovoai  (dxo?.ov&fjoai  D1)  [av]  xeo  inl  yijq  (pavsvxi  9-eöj  D»E 
-)-  xal  öi1   avrov  ccü&TjOsxai  näaa  ?)  y>]  D!EF  Ovxoq — Xaov  avxov] 

xavxa  TtQotprjxEvoaq  F  Ovxoq  —  stQi'jvtj  xal  <  E  |  11  xal  +  ovxcoq  (Hxvoav  E 
avzov  -r-'Hv  6s  Xsvxög  xljv  xoi%a  ovx  slq  ßcc&oq,  äXXä  oxooyyiXov  lycnv  x 
ysvecov'  ifi<f>£ol]q  xm  'hoaxslß  1}  [xcü.Xov  rw  ^Itoa/j(p  F 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruni.  47 

prophetavit:  quando  natus  erit,  quercus  illa  quae  in  Silo  est,  in 
duodecim  partes  dividetur.  Et  gubernabit  duodecim  (Arab.  et 
accipiet  duodecim  discipulos)  ex  Israel.  Mortuus  est  in  pace  et 
in  regione  sua  sepultus  Sb. 

15.  Osee  fuit  tempore  Oziae  ex  tribu  Issach ar  sepultusque 
est  in  terra  sua  Ss. 

Die  Vita  des  Osee  läßt  zwei  bis  dreierlei  Recensionen  unter- 
scheiden, die  kürzeste  des  Dorotheustextes1  (B),  welche  nur  per- 
sönliche Angaben  macht,  die  längste  des  Epiphaniustextes  I  (A), 
welche  ihm  messianische  Weissagungen  in  den  Mund  legt2,  und 
eine  dritte  Gruppe  (CD),  welche  sich  aus  beiden  zusammensetzt. 
Die  beiden  übrigen  griechischen  Texte  (EF)  können  keine  eigene 
Bedeutung  inhaltlich  beanspruchen;  auch  eine  zweite  Textgestalt 
von  D  (D1  =  Ps.  Logotheta  in  Paris.  1712  und  Coisl.  2053)  sind 
eng  mit  A  verwandt.  Ein  prinzipieller  Unterschied  zwischen  den 
beiden  führenden  Recensionen  A  und  B  liegt  zweifellos  in  der 
prophetischen  Erweiterung  von  A,  welche  alle  übrigen  griechi- 
schen in  dieser  oder  jener  Form  ebenfalls  teilen.  Der  Inhalt 
ist  folgender:  Die  Ankunft  des  Messias  (xvQtog)  werde  nach  der 
Weissagung  des  Propheten  durch  die  Eiche  in  Silo  dadurch  an- 
gekündigt werden,  daß  sie  sich  von  selbst  in  12  Teile  spalte, 
aus  welchen  12  neue  Eichen  entstehen.  Weder  bei  Osee,  noch 
sonst  im  A.  T.  ist  von  einer  derartigen  Eiche  die  Rede. 

H.  A.  Hamaker4  sucht  eine  Erklärung  dieser  Erfindung  zu 
geben,  indem  er  durch  Genes.  49,  10  unsere  Stelle  beeinflußt  sein 
läßt.  Hier  spricht  Jakob  von  dem  nb^lö  der  da  kommen  soll, 
Worte,  die  schon  von  altersher  auf  den  Messias  gedeutet  wurden. 
So  mochte  Silo  durch  die  Wortähnlichkeit  zu  der  fälschlichen 
Weissagung  Anlaß   gegeben  haben,    welche    noch   weiter  durch 


1)  Be?.8fxüj&,  wohl  BeeXfxü)»  =  BeXafiüv  Jos.  13, 17  (cfr.  Judith  8,  3)(?); 
B.  Aug.  Knobel,  Der  Prophetisuius  der  Hebräer.  II.  Teil.  Breslau  1837, 154. 

2)  Übereinstimmend  mit  testament.  XII  patriarch.  Simeon  c.  G 
(Migne  Patr.  gr.  2,  1052  A):  xvQioq  .. .  (faivöfxevoq  hd  y^q  ioq  av&Qwnoq. 

3)  Weist  eine  Erweiterung  des  christl.  Gehaltes,  vgl.  testam.  XII 
patriarch.  Dan.  c.  5  (Migne  1104 A)  auf:  xvQioq  {iv  (teocp  avrfjq)  xolq  av&Q<x>- 
noii  ovvavaOTQ£<p6(XEVog.  Vgl.  F.  Schnapp's  Übersetzung  der  Testamente  der 
zwölf  Patriarchen  in  E.  Kautzsch,  Die  Apokryphen  und  Pseudepigraphen 
des  Alten  Testamentes.    Zweiter  Band.    Tübingen  1900,  p.  405—485. 

1)  Commentatio  a.  a.  O.  p.  148. 


48  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

die  Symbolisierung  der  12  neuerstandenen  Eichen  verchristlicht 
wurde,  durch  welche  wohl  nicht  auf  die  zwölf  Stämme  Israels 
angespielt  wird,  sondern  auf  die  Apostel,  wie  manche  spätere 
-Texte  erklären.  E  und  D1  fügen  ausdrücklich  bei:  die  neuher- 
vorgekommenen Eichen  werden  dem  erschienenen  Gotte  gehorchen 
und  nachfolgen,  ja  F  erklärt  die  12  Eichen  rjroi  61  ömösxa  ajto- 
öxoXol;  ebenso  nennt  der  arabische  Text  von  Sb  12  Jünger. 
Text  A  referiert  nicht  bloß  diese  Prophetie  und  überläßt  die 
Entscheidung  über  deren  Erfüllung  dem  frommen  Gemüte  des 
Lesers,  wie  dies  die  übrigen  Texte  tun,  sondern  fügte  noch  eine 
Tatsachenbestätigung  bei:  ovtcocxal  sysvsro.  Ahat  noch  weiteres 
aus  etwaigen  Weissagungen  über  den  Götzendienst  {piOQvüd)  des 
Volkes  mitgeteilt;  diese  Worte  sind  in  keinen  andern  Text  über- 
gegangen und  machen  nicht  den  Eindruck  der  Ursprünglichkeit. 
Demgemäß  gibt  B  eine  etwaige  außerchristliche  Grundschrift 
(hebräische)  am  unverfälschtesten  wieder,  welche  nur  Angaben 
über  die  Persönlichkeit  des  Propheten  enthielt,  wie  auch  Ss. 
Dies  mochte  auch  der  Grundbestand  der  Texte  C  und  D  sein, 
welche  die  nachträgliche  Beifügung  der  messianischen  Prophetie 
dadurch  verraten,  daß  sie  nach  der  abgeschlossenen  Vita,  welche 
sie  gleich  Dorotheus  bieten,  erst  die  angebliche  Weissagung  an- 
fügen, während  AED1  letztere  organisch  verbinden  und  zwischen 
die  Angabe  der  Geburt  und  des  Todes  des  Propheten  einschieben; 
ebenso  Li  und  Sb. 

§  13.  Joel. 

(Av&aiQ8Tog  löyvg  B  ayajtrj  xvqiov  ?}  aQxr)  EF  i)  ayani]  &eov 

?]  äjtaQ'/j]  frsov  F). 

'IcqtjZ  ex  yr\g  ?)v  rov  'Povßr/v   aygov  rov  Be&otuoQcov  xal 
5  ajted-avev  ev  eigrjvr}  xal  eragir)  exel  (B). 

7cö?}2  o  7tgo(pr}X7}q'  ovtog  ijv  e£,  aygov  Brj&cbn  Ix  z?jg  ;'/'_■ 
'Povßifi'  jtolXa  öh  jzgoe(pr}TevGe  jcegl  lIegovoa?J]tu  xal  reXovg 
k&vojv.  'Ogcov  öh  ajted-avev  ev  elg?jvy  xal  eracp?]  Br/frcbii  Iv 
xi]  y?j  avrov  evöo^cog  (A). 

7  Joel  c.  3,  1.  9.  12.  20 

4  [BCDE]  lu)tj?.  +  vlög  Ba&ovt]?.  C  ix  —  zov]  h  vife  tpvlrfe  CE  | 
BeQ-ofiÖQvov  E  QeßoQü>v  C 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarain.  49 

'IcotjX  6  JTQocprjTTjg.  Ovxog  ?)v  ex  Oxeofiaxog  Povßifi,  ayoov 
Mefrouogmv  xal  jcgocprjxevoag  negl  Xifiov  xal  exXeirpecog  &vöicöv 
xcä  jza&ovg  jTQO(prjrov  öixalov,  ov  xal  ex  jcag&evov  fielleiv 
Ttxi)?)6eö&at  etprjöe  xal  öV  avxov  ävaxaiviZeöfrai  eig  Omrijgiav 
sräöav  x?]v  xxiöiv.  exi  öh  xal  Jiegl  xov  ayiov  jcvevfiaxog  o  eXa-  5 
ßov  oi  axodxoXoi  ev  xr\  fieyaXt]  eogxrj  x?]g  IIevxexoöx?]g  eijzojv 
öxi'  ,.xaöe  Xe'yei  xvgiog'  xal  loxai  ev  xalg  eoyaxaig  7]tuegaig, 
exyioi  aJtb  xov  Jtvevfiaxog  fiov."  xal  t^g,  ev  eigrjvi]  exoL^r\d-r\ 
xal  ev  xr\  161a  yr\  exacpr]  (F). 

2.  Joel.  Hie  fuit  de  tribu  Rüben,  natus  in  agro  Betheron, 
ubi  etiam  in  pace  mortuus  est  atque  sepultus  Li. 

3.  Joel,  filius  Phatuel  (Bethuel,  Budge  p.  69)  de  tribu  Rüben. 
Mortuus  est  hie  in  pace  in  terra  sua.  Secundum  alium  Ochozias 
filius  Amasiae,  virga  caput  eius  percussit;  cumque  [adhuc  viveret, 
eum  in  terram  proiecerunt  (apportaverunt)  et  post  duos  dies 
mortuus  est  Sb. 

22.  Et  Joel  ex  ea  Rüben  Ss. 

Auch  in  der  vita  dieses  Propheten  bietet  B  nur  persönliche 
Notizen,  CD,  diesmal  mit  E,  folgen  ihm.  C  hat  mit  dem  Syrer 
Sb  die  Angabe  filius  Bathuel  gemeinsam.  Nur  A  und  F  mit  D1 
bieten  prophetische  Exkurse.  Nach  A  enthielten  seine  Weis- 
sagungen die  Ankündigung  über  Jerusalems  Ende  und  den  Unter- 
gang des  Heidentums  (c.  3).  Bei  diesen  Gesichten  starb  er:  ogäv 
öe  äjze&avev.  Über  diese  seltsame  Lesart  sind  bis  jetzt  zwei 
Ansichten  laut  geworden.  Relandus1  erklärte  sich  diese  offen- 
bar fälschliche  Lesart  durch  ein  Schreibversehen  verursacht,  das 
folgendermassen  entstanden  sein  könnte: 

—  —     —     —     —     —     —     —     —     —     e§,  ayctov  Btji}a)fi 

OQCOV 

ex  xrjg    Povßifi.     JtoXXa   de   jigoq  t/Tevoag  Jiegl   ....   astet)  1 

•j  Joe]  1,  9—20  —  :i  cfr.  Isa.  7,14  —  4  Joel  2,  22sa  —  5  Joel  3,  1  ss 

—  7  Act.  2,  17 

1  [D'F]  iy.XelxpetDq}  £x&).Upecoq  D1  |  3  xal  +  u>§  1 ' '  8v  ••'</  tjas  <  D1  | 
4  avaxaivto&r'jOEOxlai  D1  |  5  näaav  —  8  l£?s]  äni&avev  D1  |  8  ixoififöij — 

:"'•■! i,   liit'h\tu  ,'V  n~  yj~  avrov  £vö6£(i><;  I»1 

1)  Bei  II .  b.  a.  0.  p.  163  f. 

Texte  u.  Ontersnchni         etc.  81,8  1 


50  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Der  Abschreiber  würde  dabei  das  entweder  zur  Ergänzung 
oder  nachträglich  zur  Verbesserung  von  Brj&cbfi 1  beigefügte  oqcov 
als  eigenes  Wort  gefaßt  haben.  Hamaker  dagegen  glaubt,  daß 
der  Interpolator  von  A  einen  Text  wie  B  vor  Augen  hatte.  Als 
er  nun  die  kurzen  prophetischen  Angaben  einschob,  teilte  er 
Br]&co^  oqcov,  ursprünglich  ein  einziges  Wort  in  Btj&cofi  (Lesart 
bei  A)  und  ein  vermeintliches  oqcöv  und  schob  zwischen  beide 
Bestandteile  seine  Zugaben  ein.  Erstere  Auffassung  scheint  mir 
die  wahrscheinlichere  zu  sein,  da  Hamaker  mit  einer  späteren 
Umstellung  der  Worte  kx  xr\g  yrjg  (Povßi{i,  das  ursprünglich  wie 
in  E  vor  s£,  dyQov  B^&co^u  gestanden  baben  müßte,  rechnet. 
Jedenfalls  liegt  eine  verdorbene  Textgestalt  in  A  vor. 

D1  dagegen  und  F  haben  andere  prophetische  Notizen  ein- 
geschaltet, wonach  Joel  über  Hungersnot,  über  Verdrängung 
(Ausfall)  der  Opfer,  über  die  Leiden  eines  gerechten  Propheten 
(welcher  aus  einer  Jungfrau  geboren  werden  soll  F),  durch  den 
die  Welt  erneuert  werden  wird  s lg  ömxrjQiav,  weissagte,  Gedanken, 
deren  erster  Teil  Joel  c.  1,  9 — 20  entspricht,  während  der  letztere 
stark  christliche  Erfindungsgabe  verrät.  F  hat  die  Worte  von  D1 
noch  mehr  christianisiert  und  verdeutlicht.  Hamaker  möchte  hier 
wiederum  eine  Verbesserung  anbringen,  indem  er  ävaxcuviofrrjoe- 
öQ-ai  tt]v  xxlöiv  slq  öcoxTjQiav  in  slg  xQtxalav  verwandelt,  was 
er  aus  einer  unrichtigen  Auflösung  von  döxrjQLav  erklärt.  Allein 
da  durch  keine  weiteren  Worte  eine  Anspielung  auf  die  Auf- 
erstehung des  Herrn  ausgesprochen  ist,  so  muß  man  die  von 
Hamaker  vorgeschlagene  Lesart  für  gezwungen  und  willkürlich 
erklären. 

Von  den  übrigen  Angaben  ist  noch  hervorzuheben,  daß  die  Les- 
arten des  Heimatsorts  des  Propheten  d-Eßogmv,  ßs&onoQmv,  //£#o,wo- 
qo)v,  ßijd-cbfi,  Betheron  teilweise  auf  unrichtiger  Auflösung  der  Sigle 
ftTjü-cofj,  beruhen,  teilweise  auf  Verwechslung  von  u  (=  ß)  und  //. 
Hamaker  will  Betheron  (-pn  n^n  Num.  32,  36;  Jos.  13,  27)  als 
die  richtige  Lesart  erweisen.  Der  Syrer  Sb  berichtet  noch  von 
einer  zweiten  Tradition,   wonach    der  Prophet    nicht   ruhig    ge- 


1)  Bethoron  s.  Eusebius,  Onomastikon  der  bibl.  Ortsnamen,  hrsg. 
v.  Erich  Klostermann,  Leipzig  1904  [Die  griech.  christl.  Schriftsteller, 
Eusebius  DJ.  Bd]  S.  46,  21;  Hieronymus  ebenda  S.  47,  18  und  Aum. 
Andererseits  wird  Bethramtha  als  Heimat  bezeichnet.  Vgl.  Aug.  Knobel, 
Der  Prophetismus  der  Hebräer  H,  132. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  51 

storben  sei,  sondern  zunächst  von  Ockozias  mit  einem  Holze  er- 
schlagen, aber  noch  am  Leben  seiend  in  seine  Heimat  gebracht 
wurde,  wo  ihn  der  Tod  erlöste,  was  offenbar  auf  Verwechslung 
mit  Arnos  beruht. 

§  14.  Arnos. 
(2t£Q£(o<jic  BE  //  löxvQ  E,  xaQx£Qoq,   möxoq,    ÖQaxxrjq.   laöq. 
6xXi}o6q.  OTEQEog  1]  loyyq  F). 
Atucbq  i)v  ex  &£xove.  xal  Afiaöiaq  ovxvcöq   avxov  kxvfiJta- 
vioe.    Tsloq  avellsv  avxov  o  vlbq  avxov  QOJiaXm   jclrj^ac  xov  5 
xgbxa<pov.     Kai   ext  sfijtveov   ißd-tv   dq   xrjv   yrjv    avxov   xal 
fisß-    rjfisoaq  ovo  anifravtv  xal  sxü  kxa<prj  (B). 

Afiaiq  6h  o  JtQO<pr}xrjq'  ovxoq  £y£vv?j&?]  lv  &£xovh  ix  yr\q 
ZaßovXcoV  höxi  6h  Jtaxijg  Hoä'iov  xov  Jtgocprjxov.  AtuaGiaq  6h 
0  iegsvq  Bs&rjZ  Ovxvcöq  avxov  xvftjcavlöaq  Ivtöoa  avxov  kXoi-  10 
6oQ£i,  dq  xeXoq  6h  av£ll£V  avxov  o  vlbq  'Afiaoiov  [ev]  QOJtaXcp 
JcXr/B,aq  avxov  xara  xov  xooxayov,  öxt  i]Xeyx£v  avxov  Jiegl  xrjq 
£ve6gaq  xcöv  6vo  6akuaX£cov  xcöv  xqvowv.  Kai  Ixt  £fucv£cov 
?/X&£v  dq  xrjv  yijv  avxov'  xal  ajt£&av£  xal  ixatyrj  Ixü  fi£xa 
xcöv  Jcax£QG>v  avxov  (A).  15 

3.  Arnos  .  .  .  Hie  autem  fuit  ex  oppido  Thecue  .  .  .  Arnos, 
unus  de  numero  pastorum,  quem  Dominus  ablatum  inde  misit 
ad  populum  Israel  praeeipiens  ei,  ut  in  Samariam  pergeret,  et 
ibi  quae  Ventura  erant,  prophetaret  quem  Amasias  rex  frequenter 
plagis  affecit;  novissime  Ozias  filius  eius,  vecte  per  tempora  trans- 
fixo,  crudeli  morte  neeavit.  Post  haec  semivivens  evectus  in  ter- 
ram  suam  post  aliquot  dies  dolore  nimio  vulneris  animam  eunc- 
tanter  efflavit,  sepultusque  est  cum  patribus  suis  Li. 

4  Arnos  1,1;  7,  10  —  9  cfr.  Arnos  7,  10.  13  —  13  cfr.  3  Reg.  12, 
29;  13,  1 

4  [BCDD^]  xal  —  5  7i?./ßaq]  xal  rh'^QtO-t]  vnb  xov  vlov 'Afieolov  7i).i'r 
§aq  avxov  £v  QOfxipala  xazä  C  n \unavlaaq  DE  iv  qoti.  D  |  5  6  —  ('» 
tpnviwv]  $l<p£t  £[A7tvcorTOQ  avxov  E  kftnvkwv]  6/.iö)q  ökiyoipvxCov  D  |  7  «7rfc'- 
Qavev  xal]  T£).svi>'i<jaq  C 

8  [AFJ  rfe  —  TiQMpfjrov]  Ovxoq  fp>  naxf/Q  ^Hoatov  toi-  nQvqrijxov  xal 
tyewy&r]  £v  Bexovk  iv  yjj  ZaßovXutv  x<ü  TtQoegrfxevoev  exy  nevr^xovi 

9  Atueoi'aq  F  |  10  ivrfÖQEvoev  F  Hamaker  p.  L50  corrigit  iviÖQaq  ofr.  \ 

10  |  13  6io  <F  I  14  ani&ave]  (tetä  dvo  ^(ligaq  rx«iu>'t!hi  V 

\- 


52  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

4.  Arnos  de  regione  Thecue.  Cruciavit  eum  sacerdos  de 
Bethel  et  tunc  occidit.  Juxta  alium  hie  est,  quem  Ochozias  ülius 
Amasiae  virga  sua  percussit  et  occidit  Sb. 

17.  Arnos  fuit  de  Thecue;  oeeiditque  eum  Amasias  sacerdos 
Bethel  Ss. 

Die  vita  dieses  Propheten  ist  am  weitschweifigsten  in  A  er- 
zählt, mit  verschiedenen  Irrtümern  behaftet.  F  folgt  diesmal  fast 
Wort  für  Wort  diesem  Texte.  Von  B  dagegen  weichen  CDD1 
und  E  fast  nur  stilistisch  ab,  C  scheint  eine  Annäherung  an  A 
zu  verraten.  Nach  diesen  letzteren  Zeugen  würde  die  vita  außer 
den  Angaben  der  Herkunft1  sich  also  gestalten.  Amasias  be- 
drängte den  Propheten  hart2.  Dessen  Sohn  suchte  ihn  schließ- 
lich durch  einen  Keulenschlag  an  die  Schläfe  aus  dem  Wege  zu 
schaffen.  Noch  am  Leben  kam  der  Prophet  in  seine  Heimat, 
wo  er  nach  zwei  (drei)  Tagen  starb  und  dort  begraben  wurde. 
Statt  der  Keule  nennt  C  einen  Säbel  (goficpala)  und  E  ein  ^icpog, 
mit  welchem  der  Sohn  des  Amasias  ihn  zu  töten  suchte. 

Die  Erweiterungen,  welche  A  (P)  aufweist,  beginnen  bereits 
mit  der  Lokalisierung  von  Thecue,  welches  nach  Zabulon  verlegt 
wird.  Hamaker3  will  diesen  Irrtum  folgendermaßen  erklären: 
Er  glaubt,  daß  Epiphanius  ein  hebräisch-lateinisches  Glossar  zur 
Verfügung  stand,  in  welchem  Thecua4  in  terra  sabulorum  oder 
sabulonis  gestanden  haben  soll,  d.  h.  in  der  Einöde  (Wüstenei), 
woraus  dann  Zaßovlcbv  geworden  wäre.  Eine  zweite  Möglich- 
keit liegt  nach  Hamaker  in  der  Verwechslung  von  2  und  5,  da 
Thecue  zu  tfb^Ä  gehörte.  Beide  Erklärungsversuche  scheinen 
gezwungen  zu  sein,  vielmehr  mag  eine  geographische  Täuschung 
des  Verfassers  von  A  vorliegen. 

Die  zweite  Erweiterung  in  A  und  F,  wonach  der  Prophet 
Vater  des  Isaias  war,   ist  jedenfalls  auf  Verwechslung  von   tfttXP 


1)  S.  hierüber  Nestle,  Marginalien  S.  55. 

2)  Nach  Am os  7,  10  ss  wird  der  Prophet  von  dem  Oberpriester 
Amasia  aus  Bethel  vertrieben. 

:;)  a.  a.  0.  S.  151. 

4)  Eusebius-Hieronymus,  Onomastikon  derbibl.  Ortsnamen,  hrsg 
y.  Erich  Klostermann  S.  86,  13.  Zu  Eusebius  Zeit  wurde  dort  das  Grab 
des  Arnos  noch  gezeigt. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  53 

der  Schreibart  unseres  Propheten  mit  flEtf,  jener  des  Vaters  des 
Isaias,  zurückzuführen1. 

Die  weitere  Ausschmückung  in  A,  insbesondere  die  Angabe 
des  Grundes,  weshalb  Amasias  den  Propheten  peinigen  ließ, 
scheint  auf  Arnos  7,  10  zu  beruhen,  wo  auch  Amasias  Priester 
von  Bethel  genannt  und  des  Götzendienstes  geziehen  wird2.  Etwas 
unklar  ist  das  Wort  eveöga,  welches  Hamaker  auf  das  Hebräische 
VlttJD'a  (Ärgernis)  zurückführt.  A  folgte  demnach  einem  histori- 
schen Anhaltspunkte;  dennoch  scheint  dieser  Gedanke  der  ur- 
sprünglichen vita  fremd  gewesen  zu  sein.  Denn  auch  in  keiner 
der  syrischen  vitae,  auch  nicht  jener  des  Codex  Syro-Hexaplaris 
Ambrosianus3  ist  hiervon  die  Rede,  vielmehr  stimmt  letztere 
wesentlich  mit  Dorotheus  (B)  überein;  nur  ist  hier  eine  ver- 
hängnisvolle Umstellung  vorgenommen,  wonach  des  Arnos  eigener 
Sohn  Amasias  seinen  Vater  ermordet  hätte,  als  ob  der  griechische 
Text  lauten  würde:  .  .  .  Afiaoiaq  o  vloq  avxov  övyyäiq  avxbv 
rv^jtaviöaq  avelXev. 

§  15.  Abdias. 
(/lovXevo)»  xvq'lco  B  öovXoq  xvqiov  F  1}  e£,0[toXoyov[/evoc  F  öovXoq 
egofioXoyrjzoq  E). 
Aßöiov  o   jcQocpi]T7]g'    ovroq    i}v    ex    rrjq  2vyh[t  e$    äygov 
BtjOfrayafiao.     Ovroq  eöxiv  o  roiroq  Jcsvr^xovraQXOq,  ov  ecpei-  5 
Oaxo  HXlaq  o  Oeoßitrjq  xai  xaxeßr]  Jtgoq  xbv  ßaoiXea.     Meto. 
de  xavxa  ajcoXuicov  xr\v  ßaCiXix?)v  avxov  vagiv,  JtQoöexoXXrjd-y] 
x<ö   jcQO(p7]TTi]  HXia   xai  eytvexo    avxov  fia&rjxrjg.      Kai    JtoXXa 

5  4  Reg.  1, 13  ff.  —  7  3  Reg.  18,  3  ff.  Ista  traditio  apud  Hieronynium, 
Ephraein  Syrum,  Kimchi,  Abarbanel  vide  Budge  p.  70  nota,  1 

1)  Cfr.  Hieronyiuus,  Comnientar.  in  Arnos  prophetam,  Migne  P. 
lat.  25,  1037  A.  Weitere  Literatur,  -worin  diese  Verwechslung  berichtigt  wird 
8.  P.  Dan.  Huetii,  Demonstratio  evangelica,  Parisiis  1679,  p.  205.  Der  Irr- 
tum findet  sich  auch  bei  Clem.  Alex,  ström.  I;  bei  dem  Rabbiner  R.  I>.i\. 
Ganz  und  in  der  Vulgata  zu  Isa.  37,2;  38,1.  Vgl.  Aug.  K nobel,  Der 
Prophetismus  der  Hebräer  II,  144. 

2)  Cfr.  3  Reg.  12,  29;  13,  1  ff.  Der  Götzenpriester  Amasias  zeigte 
Arnos,  der  gegen  die  Abgötter  predigte,  beim  Könige  Jeroboam  an  und 
hieß  ihn  nach  Juda  zurückkehren;  s.  Au^.  Knobel,  Der  ProphetismuE  der 
Hebräer  II,  146. 

3)  Hamaker  p.  149. 


54  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

vjiofielvaq  öl    avxbv  jieqleöcqCezo  xal  fravcov  izacp?]  l.v  aynro 
Brjfrd-aya[iaQ  f/Ezcc  zcöv  JiazEQmv  avzov  (A). 

jtßöiov  i]v  ex  yrjq  ^vyhfi  dygov  BL&ayaQan-  Ovzoq  x/v 
{iad"r)zrjq  HXLa  xal  jtoXXa  vjrofitivaq  öl  avxbv  jieqlgwCez o.l. 
5  Ovzoq  ijv  o  zgizoq  JZEVzrjxovzagyoq  ov  ecpsioazo  ^Hliaq  xal 
xaztßrj  jigbq  OypZJLav.  Kai  fieza,  xavza  ajioujcmv  XELZovoyiav 
zov  ßaöilEcoq  XQOE<pr\zEv6Ev  xal  ajit&avE  zaq>Elq  fiEza  zöiv 
üiaziQcov  avzov  (B). 

4.  Abdias  de  terra  Sichern,  ortus  in  agro  Betkacaram.  Iste 
est  ille,  qui  sub  Ochozia,  rege  Samariae,  centum  pavit  prophetas. 
Iste  est  tertius  ille  dux,  cui  pepercit  Elias1,  qui  postmodum  re- 
licto  Ochoziae  regis  ministerio  Eliae  factus  discipulus  prophe- 
tavit.  Quique  etiam  morte  propria  obiit,  sepultus  cum  patribus 
suis  in  Sebastia  civitate;  ubi  et  Elisaeus  propbeta  et  Joannes 
Baptista  venerabiliter  requiescunt  Li. 

5.  Abdias  de  terra  Sichern,  princeps  erat  de  quinquaginta 
qui  Achab  serviebant.  Fuit  discipulus  Eliae  et  multa  ab  Achab 
sustinuit;  dereliquerat  enim  illuru  et  post  Eliam  abierat.  Mor- 
tuus  est  in  pace.  Ex  quo  Eliae  adhaerebat,  prophetia  dignatus 
est  Sb. 

8.  Abdias  ex  tribu  Ephraim,  isque  erat  praefectus  copiarum 
Achab,  isque  abscondit  centum  prophetas  in  spelunca,  eratque 
discipulus  Eliae  prophetae  Ss. 

Der  Geburtsort  des  Propheten  wird  verschieden  gelesen,  bald 
Brjd-aoafi,  bald  Brj&fraydfiaQ.  Vielleicht  ist  Btj&ycoQ2  (1  Reg.  7, 
11)  zu  lesen.  Die  Erzählung,  daß  Abdias  Haushofmeister  des 
Königs  Achab  war  und  derjenige,  welcher  100  Jahwepropheten  vor 

3  [BCDEF]  Btid-ayaoa/j.  DF  ayQ.  Bi&.  <  CE  oixoq—  5  ~i,v  6]  6  xal 
CE  ovroq  —  4  'Hlla]  [ia&)]Z£ioaq  6h  HXla  xöj  fieyäXw  71qo<p>'jt>,  F 
4  neoie oiot,£xo  D  |  5  6  —  7  ßaoi?Jioq]  6  xoiözäxtjq  sxaxörzaoyoq  ö  xoizoq 
Oyotlov  xal  öerjS-elq  xov  'H)üov  xal  öiaaw&elq  7iaoa66t~(x>q  iysvexo  Xeizovq- 
yöq~  TioXXa  6h  7ia9-a>v  xal  vnd  xov  \Ayaaß  6iä  xov  HXiav  xekoq  xaza<poo- 
vfjoaq  &avärov,  xazaXtnoiv  xov  ßaaiXea  i}xo?,oi&>ios  xiö  'HUq  xal  D'E  | 
7  anoSarviv  EF 


1)  Hieronymus,  conimentar.  in  Ab di am  prophetam,  Migne  P.  lat. 
25,  1151  B;  nennt  aber  statt  Ochozias:  Achab. 

2)  Eusebius,    Ononiastikon  der  bibl.  Ortsnamen,    hrsg.  von  Erich 
Klostermann  S.  50,  5. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  55 

dem  Grimm  der  Isebel  schützte,  dann  plötzlich  auf  den  Propheten 
Elias  stößt  und  dessen  Begegnung  mit  Achab  vermittelt,  ist  auf 

3  Reg.  18,  3 ff.  aufgebaut;  eine  Tradition,  welche  sich  bei  Josephus, 
im  Targum  zu  4  Heg.  4,  1  und  Talmud,  Sanhedrin1  vorfindet. 

Unsere  Texte  dagegen,  ebenso  Ephrem  der  Syrer,  und  Theo- 
doret  identifizieren  unsern  Propheten  mit  dem  dritten  von  Achazias 
zu   Elia    geschickten    und   von    diesem  verschonten  Hauptmanne 

4  Reg.  1,  13.  Ephrem  der  Syrer  und  Hieronymus  combinieren 
beide  Traditionen.  Weiter  nehmen  unsere  Texte  die  Episode  auf, 
Abdias  habe  des  Königs  Dienst  (offenbar  als  Haushofmeister) 
verlassen  und  sei  Schüler  des  Elias  geworden,  wobei  sich  die 
Prophetengabe  auf  ihn  übertragen  habe. 

Mehr  Aufmerksamkeit  ist  diesmal  den  Texten  D '  und  E  zu 
schenken.  E  nennt  Abdias  6  xQiOraxi]g  txarovraQyog  o  TQirog 
^jyoZiov.  wobei  rgiorarijc ,  wie  Hamaker  erklärt2,  auf  eine  Ver- 
wechslung des  hebräischen  Zahlwortes  "'ttJbttJ  mit  ttpb"£  =  tribunus 
zurückzuführen  sei. 

§  16.  Jonas. 
(ziir/Oic  xvqiov,    o  ttmog  ßajcrioxrjQ   B    vcplörov  xovovvtoq  t] 

JlEQlOTEQCC    E). 

'icoväq  6  xQocprirrjQ'  ovrog  ovv  ex  yr\g  KaQiafrf/aovfj.  jtXrj- 
oiov  \tCc6xov  JcoXscoq  'EZZJjvcov  xaxa  ftaXaoöav.  Hv  tote  IlXiag  5 
o  rroog)TjTrjg  hXsyjmv  rbv  'Ayaaß  ßaGilta  Safiagelag  xal  xaXi- 
Oag  Zifibv  fityaXijv  Ixl  xt\v  yrjv  ecpvysv  ev  t#  sgrjfjcp'  xal\ktQb- 
(ftro  Ix  tÖ)v  xoQaxcov'  xai  tjtivsv  vöcoq  ex  tov  yeitua()QOv,  xal 
ort  e^tjoarOfj  6  yeifiaotjoc  Ijteivaös.  Kai  ijX&sv  elg  —apEcp&a 
rrjq  Siöovlaq  jrobg  yvvalxa  yjjoav  jtEvryoar,  i)rig  i]v  fi^r?]Q  \q 
tov  'Icova,  xal  stOTJZ&ev  elg  rbv  olxov  avrtjg-  xal  ejio'ü]öev 
avrm  mg  jcQoCera^EV  avrf].   xal  trpayt  xal  EvZoyiyösv  avrfj  ohm 

6  3  Reg.  17,1;  3  Reg.  21,17.  20.  28   —    7  3  Reg.  17,6  —  \)  3  Reg. 
17,9  —  12  ::Reg.  17,  12.  L5 

10  [AD1]  r>]q  Zitiovtaq  <  D1        71Q01; — 12   s<paye]  etgtav  rfv  x>'iqccv 

ߣTU    TOV    vlov    ttblTJQ    *I(Vvä    D1 


1)  C.  P.Caspari,  Der  Prophel  Obadja,  Leipzig  L842,  L,  3.  Vgl.  über 
diese  Fabeln  „entstanden  aue  der  Sucht,  gleichnamige  Personen  zu  identi- 
fizieren" Aug.  Knobel,  Der  Prophetismus  der  Hebräer  [1,325. 

2)  a.a.O.  S.  L64. 


56  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

xal  sXaico  xal  sfisivs  fier'  avrrjg.  Ov  yag  rjövvaro  (islvai  (isra 
räv  aJt£QiT(ir)Toov'  xal  fravovra  rov  vlbv  avrr/g  Io)väv  avs- 
örrjosv  6  d-sbg  öia  rov  'HXia  xal  djtsöorxsv  avrov  Cmvra  rfj 
[irjTQi  avrov  öia  xrpv  (pü.o^sviav.  Kai  ysvbfisvog  r/Xixiag  o 
5  'Iajväg  dxeördXr/  eig  Nivsvlv  jtgbg  tovg  Aoovgiovg.  Kai  sCr/- 
rrjösv  Imvag  ajtoögäoai  xvgiov  xal  xarsjto&rj  vjio  rov  xr/rovg. 
xogsv&rjvai  ßovXofisvog  dg  Gagosig'  s£sX&o)V  ös  Ix  rov  xrjrovg 
sxr/gv£s  rr/v  djtcoXtiav  Nivsv'C.  Kai  fisrsvoi]Oav  ol  Xivsvlrai 
reo  d-em  xal  rjXsrj&rjöav.    Kai  sXvjtr/{hj  Icnväg    xal    avaxafiipag 

10  ovx  s/isivsv  eig  rr/v  yrjv  avrov'  aXXa.  JiagaXaßwv  r?/v  2ovg 
yxogav  röiv  aXXocpvXcov.  EXsys  yag  ort'  ovrmg  acpcöfiai  rov 
ovsiÖiOfiov,  ort  eip£vadfiJ]v  jigo<py]rsvöag  xara  Nivsv'i.  Kai 
xaroixrjoag  sv  yy  2adg  sxsl  axt&ave  xal  sra<pr\  sv  rät  öjitj- 
Xaico  rov  KsvsCiov  xgirov.    'Exgocprjrsvöe  ös  ort'  orav  löcooiv 

15  sv  'hgovoaXrjfi  s&vq  xoXXa  vjio  övnxcov,  soig  eÖafpovg  acpavi- 
o&rjoerai  (A). 

*lmvag  i/v  sx  yrjg  KagiaO \uaovg  JtXr/öiov  ACcorov  JcoXsmg 
'EXXrjvov  xara  ftdXaööav.  Kai  sxßgaöB-slg  sx  rov  xrjrovg  xal 
aJisXd-mv  sv  Ntvsvf]  dvaxafiipag  ovx  l\usivsv  slg  rijv  yijv  avrov, 

20  aXXa  siagaXaßojv  ri]V  firjrsga  avrov  jtagcoxrjOs  rr/v  —ovg  yaygav 
aXXocpvXcov  sdvwv.  "EXsys  yag  ort'  ovroog  dcpsXoj  rb  ovstÖog 
tuov:  ort  sipsvodfjrjV  jrgo<p)]rsvöag  xara  Nivsvrj  JtoXsmg  X7\g 
[tsydXrjg. 

Ev  ös  rbrs  *HXiag  sXtyymv  xal  rov  oixov  Ayadß  xal  xa- 

25  Xsöag  Xifisva  sjtl  rrjv  yrjv  s<pvysv.  Kai  eX&ojv  rjvgt  rijv  yjjgav 
[isra.  rov  vlov  avrT/g  xal  Sfisivs  Jtag1  avroig.    Ov  yag  t/Övvaro 

3  3  Reg.  17,  17.  20  —  5  Jona  1,  2;  3,  2  —  «  Jon.  2,  1;  4,  2  —  9  Jon. 
3,  10  —  12  Jon.  4,  1  s  —  25  3  Reg.  17,  1  s 

2  ävsarrjasv]  tiytiQsv  D1  |  12  Nivev't  +  tfjq  fiey&Xijq  nöl.ewq  lloavoicov, 
fj^tXrjae  ya.Q  o'&söq  6el§ai  avxijj,  oxf*  ov  6vvaxai  anoÖQäaat  Q-töv  D1  | 
14  xnixov  -\-  oixög  iaxiv  Icjräq  6  yEvöusrog  eig  rvnov  xrjq  xov  /cvq'iov 
avaoxäaeojq  xal  söwxev  xeoaq  snl  ^Ioga>j/.  '/.kyiov  oxi  öxs  D1  |  15  vnb  övxi- 
xü)v]  xöxs  fj  710 foc  D1 

17  [BCDEF]  ~r\v  +  vibq  'AftaM  CF  +  anö  r£x$  F  KaQiaSsaQifx  CF 
KaQia9htu  E  |  18  ixßQccdelq  E  [  19  Nivevl  F  Niv.  +  xal  XTjgvl-at  xal  F  | 
h>  rrj  yijY  \  20  sv  xr]  Äooovq  yöiQa  EF  |  21  i&vüv  <  F  |  23  (jteydAtjq  — 
Ovxöq  eoziv  6  vldg  r/Jc  y/'/oc.:,  8v  }]ytiQEV  H).iaq  6  7ioo<pi)xr}q  F  |  24  \v 
(sie)  B  olxov  <  F  i'/.9-uiv  +  elq  Zapa<pSa  E  elq  Zäoov&a  x/~;q  Ztöovia;  F  j 
26  xal  —  avxolq  C 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruin.  57 

[LbvtLV  fisra  ajctQixftrjxmv.  Kai  ?]vXoy?jö£V  avxi)v.  Oavovxa 
xbv  'fmväv  JcaXiv  ?}yeiQEV  ix  vexqcöv  o  freoq  öia  xov  HXia. 
'H&e'Xtjöe  yao  öei^cu  avxcö ,  öxi  ov  övvaxai  ajroÖQaoai  freov. 
Kai  avaoxaq  'icoväq  fiexcc  xr\v  Xitu6v  ?]X&sv  iv  yy  'lovöa.  xal 
ajcodavovoav  z/jv  tui]xtQa  avxov  xaxa  ztjv  Xifiov  i&axpEv  avztjv.  5 
t%6(Jeva  z-tjq  Aißavov  ßaXavov. 

'Ev  yrj  JSaaQ  ajzt&avsv  xal  iza<pi]    iv    GJi?]lalcp    KeveCiov 
xqixov  yevofiivov  tuiäc  ffvXtjq  iv  ?)lutoaic  zr\q  avao%iaq.     Kai 
töcoxs  xtgaq  im  IegovoaXtjfi  xal  oXrjv  zyv  yr\V  oxav  iömoi  XI- 
&ov  ßocövza  oixxQcöq,  eyyiCti  xo  ziloq.  xal  özav  idcoöiv  iv  hoov-  10 
ßaXrj/i  jtavxa  xa  s&vt],  xoxs  ?}  jtoXiq  dcpavio&//OEzai  (B). 

5.  Jonas,  columba  et  dolens,  filius  Amathi,  qui  fuit  de  Getb. 
quae  est  in  Opher1,  ad  gentium  praeconia  mittitur,  missus  con- 
temnit,  contemnens  fugit,  fugiens  dormit:  propter  quem  peri- 
clitabatur  navis,  sed  magister  navis  latentem  reperit,  cetus  abiectum 
devoravit,  orantem  removuit;  reiectus  praedicavit  subversionem. 
Sed  contristatus  in  poenitentia  urbis  et  saluti  gentium  invidit; 
gaudet   etiam   sub  hederae  virentis    umbraculo,    et    dolet    subito 

10  Habac.  2,  11 

1  avxyv  +  Siä  x?)v  $svo6oyj'av  avxfjq  EF  +  tjv  yäo  yiv<x>ox(ov  avtijy 
ix  nowxrjq  F  fjq  xal  Davbvxa  F  9avövxa  xbv  vlbv  avxfjg  CDF  |  2  ix — &EÖq] 
cyxovö/xtjoe  6h  6  &eög  xbv  HXlav  TtEiväaavxa  qeviG&rjvat  vnö  xr]q  yfiQaq, 
woxe  Evcao&ai  ?.v9-fjvai  xbv  aiyjxbv  o  xal  yiyovsv  F  |  4  ^Iwväq  <C  D  | 
elq  ytjv  EF  'ioväalav  E  xal—  5  Xitubv]  xaxa  ovv  xljv  66bv  xiXoq  Xa- 
ßovatjq  ti'iq  avxov  ftqxobq  F  xal  «rroö-. — ßaXävov  <  C  Aißävov  <  DEF 
ßaX.  +  Jeßßcooag  DP]  JeßuQaq  F  |  7  Avxbq  6h  xaxwxrjOEv  iv  yfj  Zevaäp 
i—ana/jQ  E)  EF  svB-a  xal  anoS-aviov  ixücpr]  F  iv  anrjX.—  H  avaQyiaq] 
ixec  C  |  8  xal—  9  yf/v]  Xiyvov  C  |  9  xal]  iv  6h  zip  fiiXXsiv  xeXeviäv  V 
10  oixroä>q-\-Xe7iTtiv  (pcovfyvxal  V  +  xäv&aoov  and  §vXov  noöq  &eor  (fO-eyyö- 
uevov,  töte  iyyitEtv  EF  xb  — 11  äcpav.]  xfjv  awxrjoiav  xoxe  oipovtai 
xijv  iEQOvoaXijfi  ))6aif>ia^.bvi]v  oXrjv  tcoq  &EfiS?Ju>r  xal  Eiq  avtijv  nävca  xa 
ww;  fjget  iv  tiqooxvvi'iOEi  xvqIov  (zip  xvqIw  E)  xal  uExad->]oovoi  zovq 
Xi&ovq  avxrjq  xaxa  6vo(xaq  tjXiov  xal  ixEl  ianv  (h'arat  E  //  nQOOxvvqoiq 
tov  tfXEiftfxivov  6iä  xb  t/)v  ''lEQOvaaXlj/x  ßöekvx&ijvat  iv  ioTj/xaiOEi  (hjgioiv 
(xal  Tiäariq  axa&aQGtaq  El  [cf.  Habac.  2,  14;  Zach.  6,  15;  8,  20;  14,  16  tf'.]  xal 
Tnxi-  i'j^i-i  xb  xi'/.oq  Tcäotjq  7ivo/]q  EF  |  11  ort  >t  nbXiq  eioq  i6ä<povq  %<pavi- 
axai  o?.>)  D  i6a<pio&rjOExai  C 

1)   I  Reg.  II.  25  cfr.   Hieronymue,   comment.   in   Jonam  prophel 
Migne  P.  lat.  25,  1172  A. 


58  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

arescente.  Tradunt  Hebraei,  hunc  esse  viduae  filium  quem  a 
inortuis  suscitavit  Elias.  Cuius  sepulcrum  in  quodam  urbium 
Getb  a  viculo  demonstratur,  quod  est  in  secundo  milliario  a 
Sephorim,  in  itinere  quo  pergitur  Tiberiadem  Li. 

8.  Jonas  filius  Matthaei  (Amittai,  im  Syr.  Matthai)  de  Gada- 
phor  (Gath-hepher)  e  vico  Adamps  (Küryath-Adämös),  qui  prope 
ad  Ascalon  et  Gazam  et  littus  maris  est.  Qui  cum  Ninivitis 
tempore  regis  Sardaua  (Surdänös  vgl.  Budge  p.  70)  prophetasset, 
in  terra  sua  non  remansit,  quia  Judaei  ei  invidebant,  sed  cum 
matre  sua  abiit  et  in  Athur  (Assuria)  habitavit.  Timebat  enim 
invidiam  Judaeorum,  quia  prophetaverat,  et  prophetia  eius  non 
stetit  (non  est  stabilita,  eventu  probata).  Accusavit  autem  Achab 
regem  et  famem  super  terram  vocavit.  Venit  ad  viduam  Eliae 
eique  benedixit  quia  ipsum  susceperat,  et  iterum  in  terram  Juda 
reversus  est.  Mater  eius  itinere  defuncta  est;  sepelivit  eam  apud 
sepulcrum  Debborae  et  habitavit  in  terra  Sarid  (Seridä).  Secundo 
anno  postquam  populus  de  Babel  migravit,  mortuus  et  in  spe- 
lunca  Cainan  (Kainän)  sepultus  est.  Prophetavit  Christo  veniente 
urbes  Judaeorum  destruendas  esse  Sb. 

9.  Jonas  fuit  ex  Geth  Opher  (gdhfr),  filius  Amathi,  eumque 
salvavit  Elias  propheta,  cum  fugeret  tempore  Oziae  regis  Ss. 

Sonderbarerweise  ist  in  der  vita  des  Jonas  die  Recension  D ' 
ganz  von  A  abhängig,  welches  so  ziemlich  vereinzelt  dasteht. 
Zwar  ist  die  Kluft  zwischen  A  und  B  nicht  so  groß,  wie  bereits 
bei  andern  vitae  festzustellen  wrar,  vielmehr  sind  sogar  wörtliche 
Berührungen  wahrzunehmen,  allein  die  Anordnung  der  Ereignisse 
in  A  weicht  doch  von  B  und  Konsorten  ab.  Diese  vita  scheint 
bereits  dem  Verfasser  (Ps.  Athanasius)  der  quaestiones  ad  An- 
tiochum  bekannt  gewesen  zu  sein;  denn  c.  64  wird  erzählt  coc  yctQ 
ctQxalog  g)EQ£tai  loyoq, ',  daß  er  der  Sohn  der  Witwe  war,  welchen 
Elias  von  den  Toten  auferweckte.  Die  geschichtliche  Möglich- 
keit dieser  Erzählung  wird  von  Zehner-  entschieden  bestritten; 
auch  Hamaker :!  weist  in  der  vita  geographische  wie  chronologische 
Verstöße  nach,  darunter  daß  Kariathmaum  nicht  xara  9-aXaooav 


1)  Ebenso    von    Hieronymus,    commentar.    in    Jonam    prophetam, 
Migne  P.  lat.  25,  1172  B:  tradunt  ..  Hebraei. 

2)  a.  a.  0.  S.  101  f. 

3)  Comnientatio  p.  176  ö'. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  59 

gelegen  sei.  wie  sämtliche  Recensionen  angeben1.  Hamaker  ver- 
mutet, daß  hier  eine  Kombination  mit  dem  Gedanken  vorliege 
„Jona  per  mare  aufugere  cupiente".  Ferner  führt  Hamaker  die 
Schreibweise  'Aooovg  (EF)  statt  Sovq,  der  Heimat  der  Mutter 
des  Propheten,  auf  den  hebräischen  Artikel  "Yläft  zurück  und 
stellt  chronologische  Unrichtigkeiten  fest,  darunter  auch  jene, 
daß  Jonas  mit  seiner  Mutter  erst  nach  der  Hungersnot  nach 
Judaea  gekommen  sei. 

Was  die  in  der  vita  erwähnten  Weissagungen  des  Propheten 
anlangt,  so  hat  A  die  kürzeste  Form  erhalten,  worin  nur  von 
einer  kommenden  Zerstörung  Jerusalems  die  Rede  ist,  welche 
durch  einen  Zug  vieler  Völker  von  Westen  her  eingeleitet  und 
angedeutet  werde.  Dieser  Grundgedanke  ist  in  B,  CD  und  noch 
mehr  in  EF  durch  Habac  2,  11  erweitert.  Es  wurden  noch 
weitere  Anzeichen  beigefügt:  Xl&ov  ßocövru  oIxtqöjq  (Habac.  2, 
11  „denn  die  Steine  schreien  aus  der  Wand")  in  BCD,  in  EF  xcu 
y.avd-aQov  ujio  gvlov  jrgog  debv  cpdsyyofievov  (Habac.  „und  die 
Sparren  aus  dem  Holz  . . .  antworten").  E  schließt  dann  mit  einer 
eschatologischen  Weissagung  ab,  welche  an  Habac.  2,  14  oder 
Zach.  6.  15;  8,  20;  14,  16  ff.  erinnernd  die  Anbetung  des  Herrn  auf 
der  ganzen  Welt  in  Aussicht  stellt,  dabei  aber  sichtlich  auf  Rom  als 
das  neue  Jerusalem  anspielt:  „sie  werden  die  Steine  nach  Westen 
versetzen,  wo  dann  die  Anbetung  des  Gesalbten  (//Xeifiutvov) 
sein  wird,  da  Jerusalem  zur  Einöde  für  wilde  Tiere  und  jeglichen 
Schmutz  geworden  ist  und  Ekel  erregt."  Wie  dieser  Zusatz,  so 
ist  auch  jener  in  D ',  wo  Jonas  als  Vorbild  der  Auferstehung  des 
Herrn  gepriesen  wird,  sicherlich  als  ausschließlich  christlicher 
Gedanke  später  beigefügt.  Auffallenderweise  ist  Li  und  Ss  ganz 
von  der  Mitteilung  von  Weissagungen  frei,  Sb  dagegen  läßt  in 
allgemeinerer  Form  die  Zerstörung  der  Städte  Judaeas  bei  der 
Ankunft  Christi  ankündigen. 


1)  Die  syrischen  Zeugen  verlegen  die  Heimat   gemäß  -A  Reg.  14,  25 
nach    Gath    in  Hepher.     Das   Kariatnmaus    geben    CF   mit   KaQia&iaQt/j. 
wieder  (.s.  Eusebius-Hieronymuß,  Onomastikou   der  bibl.  Orfcsna 
hrsg.  von  Erich  Elostermano  S.  18,  22.  2-t). 


60  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

§  17.  Michaeas. 
(JSroarqyoQ  B  rajtsivcoöig  //  rajtavovixtvoq  E). 

Miyaiag  7]V  aüio  Mooao&i  ex  cpvXrjq  'E<pQäifi'  jtoZZa  jcoitj- 

öaq  rw  A%accß  vxo   Icogafi  rov  viov  avrov  av^jQt&rj  ev  XQrjfivtp, 

5  ort  rjXeyxev  avrov  sxl  ralg  aOeßelaiq  xmv  nartomv  avrov'  xal 

eracpr]  ev  ry  yfi  avrov  ftovoq,  ovveyyvc  Jiokvavdolov  'Evaxeifi. 


6.  Michaeas  de  tribu  Ephrem  in  Morathi  ortus  est.  Hie 
quoniam  peccantem  Achab  saepius  arguebat,  sub  Jorarn  filio 
eius  de  praeeipitio  magno  provectus  oeeubuit.  Sepultus  est  in 
terra  sua  iuxta  Polyandrum  quod  est  prope  Naim  Li. 

9.  Michaeas  Morathites  e  tribu  Ephraim.  Joram  filius  Achab 
eum  oeeidit.  Prophetavit  hie  de  excidio  templi  Judaeorum  et 
cessatione  Pasch  ae  per  mortem  Christi.  Mortuus  est  in  pace  (et 
sepultus  in  Anikäm  Arab.)  Sb. 

16.  Michaeas  fuit  in  diebus  Joram  filii  Achab,  ex  tribu 
Ephraim.  Ss. 

In  dieser  Vita  hat  keine  einzige  der  Recensionen  messianische 
Weissagungen  auch  nur  angedeutet,  trotzdem  später  aus  der 
Prophezie  des  Michaeas  die  bekannte  Stelle:  Auch  du  Bethlehem 
(5,  1)  usw.  Gemeingut  der  Dogmatik  in  messianischer  Hinsicht 
geworden  ist.  Daher  unterscheiden  sich  alle  Texte  inhaltlich 
nicht,  sondern  nur  durch  geringe  Zusätze,  so  daß  ein  Grundtext, 
den  wiederum  B  am  besten  wiedergibt,  erkennbar  ist.     Die  Hei- 

3  Mich.  1,1]  Jerein.  2(3,  18  —  4  3  Reg.  22,  8  s 

3  [ABCDEF|  Mry.  -f-  «5  TtootprjzriQ  A  fjv  and]  vioq  ^Iegaßioq  (3  Reg. 
22,  8)  6  Mcoga&lxrjq  yiyovev  ix  C  oixoq  iyew/jd-?]  iv  Moga&l  A  and  Mop.] 
vldq  xov  'Iwgäu.  \yevv7i&dq  iv  Miopa&i  F  6  Miopaül  D  EtpQaifi,  -+-  xal 
TtQoetp/'jTevoev  ixt]  dy6o>']xovxa  rieaaga,  ngoikaße  6h  xfjv  eXevoiv  rov  Xgi- 
axov  (cfr.  Mich.  4,  1 — 4;  5,  1)  hxt]  bqaxüoia  £§,  xal  F  |  4  inohjaev  oixoq  A 
'A'/äß  -+-  ßaoiXel  'Ioiöa  AF  vnd  +  6h  A  avaigeizai  AF  xgTjuviod-elq  A 
xgsfxaaS-slq  F  iv  <  CD  xgq/xvfj  gupelq  D1  |  5  daeß.  +  avxov  xal  A  | 
avxov  -+-  cbv  inolyoev  A  xal  -+-  &aviov  iv  Mwga&i  AF  |  (>  /novtoxazoq  A  | 
fidvoq — 'Evaxsl/Li  <  C  'Evaxel/i  <Z  A  'Ev/naxeifi  D1  Ev.  -f-  xal  iaxiv  6  xa<poq 
avxov  evyvtüoxoq  (yivcoaxöfisvog  F)  scoq  {(xi%gi-  F)  x/Jq  or \usgov  t]/xegaq 
(<F)  AF 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruin.  61 

mat  des  Propheten  ist  wohl  Morasti1  zu  lesen;  in  C  wird 
Michaeas  vlbq  'hgaßcöq  (3  Reg.  22,  8)  genannt,  wobei  der  Name 
aus  Jimla2  korrumpiert  ist.  Das  Martyrium  des  Propheten 
bestand  nach  allen  Texten  darin,  daß  er  von  einem  Felsen  hinab- 
gestürzt wurde.  Sie  wissen  nichts  von  der  Tradition,  welche  die 
syrischen  Philippusakten3  weiterzählen,  daß  er  mit  Backenstreichen 
wie  ein  Knabe  mißhandelt  worden  sei.  Unsere  Texte  berichten 
aber  auch  nicht  die  Wiederauffindung  der  Gebeine  des  Propheten 
in  Berathsatia  unter  Bischof  Zebenus  von  Eleutheropolis,  von 
welcher  Sozomenus4  vom  Hörensagen  her  {mq  hjiv&ourjv)  Kunde 
erhielt  und  Nikephorus5  nach  ihm  weitererzählt. 

§  18.  Nahum. 

{Ilagä.xXi]Oiq  B  7iagäxh]Toq  E   jcagaxhjOiq   sycb    Jiäöiv  //  cpgo- 
vijfia  i]  vjt6lt]if?iq  F). 

Naovfi  rjv  ajib  'EAxsöst  jisgav  tov  'logddvov   dq  Brjyaßag 
ex  <pvlr)2  2!v[iE(6v.     Ovroq  fisra  tov  'imväv  Tegaq  eöcoxev  em  5 
Ntvev'i,  ort  vjtb  vöaxcov  yZvxt'cov  xal  jtvgbq  vjioycdov  ajioZetTcu' 
o  xal    yeyovev.      <H  ydg   JtegLtyovöa   avr?]v    lijivt]    xartxlvöev 
avr?]v  ev  Geiöficö   xcu  jtvg  Ix   r/}_:   egijfiov  bjteld-bv  jtdvta    t« 

4  Nah.  1,1  —  5  —  6  cfr.  Nah.  2,  9  ss  —  7  Nah.  1,  8  —  8  cfr.  Nah.  3, 15 

4  [ABCDEF]  N.  -+-  de  //  KQoq>^%rjq-  ohoq  A  ijv  —  Btjy.]  vlbq  EX- 
xeaaiov  i]v  and  'Isoßfj  C  EXxeaslfi  F  E/jcsgI  DE  'EXxeoiv  A  'lood.  <  BCDEF 
elq  Brjy.]  'ioßrjyaßaQiv  D  Bazaßaoijv  B  Biyaßol  ('hjvßaoeiv)  E  |  5  ovroq] 
xal  C  'Icoväv  +  xü  Nivevt  CDF  im  N.  <  BCDF  |  6  vnb]  änö  B  | 
bnoyelov  B  imyelov  A  änoXeixai  +  //  Nlvev'iE  |  7  o]  oneo  C  xax&.vGEv  C  | 
8  avooeiofiö)  F  oeia/nw  +  xal  ändoXeoe  B  %vqI  A  ine A9-tbv  A  ins ?.Q-dv] 
i-SrjX&EV  xal  C      itävxa  <B  to  iiprjXöxeoor  . .  .  fitQoq  BCF 


1)  Haraaker  a.  a.  0.  S.  156;  Nestle  a.  a.  0.  S.  55. 

2)  In  unserer  Vita  tritt  also  eine  Identification  des  Propheten  Mi- 
chaeas unter  König  Ahab  (3  Reg.  22,  8  ss)  ein  mit  dein  Verfasser  des 
Buches  M.     Vgl.  Aug.  Knobel,    Prophetismus  bei  den   Eebräern   IT,  200. 

3)  Wright,  ed.  Apocryphal  Acts  of  the  Apostles  p.  83f.  der  eng- 
lischen Übersetzung. 

4)  h.  e.  VU  c.  20  (Migne  Fair.  gr.  67,  L505  C). 

5)  h.  e.  XII  c.  48  (Migne  146,  916  B).  Über  seinen  Begräbnisort 
Enacim  (Jos.  11,21)  vgl.  EusebiuB-Hieronymus,  Onomastiken  derbibl. 
Ortsnamen,  ed.  Klostermann,  Leipzig  L904,  3.84,27. 


(i2  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

vipTjÄozsQa  avzrjq  bvtjcQrjos  //tri?].     'Ajt'öd-avt   öt   Naov/i  lv   ti- 
Q^vtj,  etacprj  de  ev  zy  yy  avrov. 

7.  Nahum  de  tribu  Sinieon,  in  Helcesi  trans  Betharim  natus, 
ibique  mortuus  suo  iacet  in  tumulo  Li. 

10.  Nahum  de  vico  Elcosch,  de  tribu  Simeon.  Hie  post 
obitum  Jonae  de  Ninivitis  prophetavit:  aquis  alternantibus  et 
igne  ascendente  Niniveh  periturum  esse;  eo  populos  superventuros 
esse,  propter  quod  eum  interficere  voluerunt.  Hie  prophetavit 
Christi  morte  faciem  portae  templi  in  duas  partes  scissum  iri  et 
spiritum  sanetum  ex  eo  migraturum  esse.  Mortuus  in  pace  in 
regione  sua  sepultus  est  Sb. 

18.  Nahum  fuit  ex  tribu  Simeon  Ss. 

Sämtliche  Recensionen  stimmen  auch  in  dieser  vita  wesent- 
lich überein.  Nur  A  und  einige  HSS  von  E  verlegen  Elkese1, 
die  Geburtsstadt  des  Propheten  jesgav  rov  ('ioQÖavov),  was  wohl 
nur  das  unverständliche  rov  in  BCDEF  ergänzen  sollte.  Der 
Name  Brjyaß/]Q  mußte  sich  alle  möglichen  Entstellungen  gefallen 
lassen;  der  Syro-Hexaplaris  liest  B?]&yaßQ?]  -.  Die  Angaben,  daß 
Ninive  durch  Überschwemmung  vöaroav  yXvxscov,  worunter  Ha- 
maker  den  Tigris  versteht3,  und  jcVQog  vji&yaiov  (nicht  wohl 
ejciysiov  wie  A)  zerstört  werde,  mögen  teilweise  aus  Nahum  2, 
9  ss  geflossen  sein. 

§  19.  Habakuk. 
(JIsQlXrjtpiQ    B     JtaTtjQ    syeQöecog    E     deöacaicofisvog    t]   JiaxijQ 

eysigcov  F). 
Afißaxovti    r\v    sg    aygov    Btj^ovxccq    ex    <pvXj]?    ~i\uec6v. 

1  ivenvQijas  C  äntS-ave —  slQJjvg  <C  C  Naoi\u  <C  BDEF  |  2  aivov 
+  rrp/qßäo  (sie)  A 

4  [ABCDEF]  BESijOovyaQel  F  (Bcu&'Ca/ccQicc,  1  Maech.  6,  32)  Btj&itov- 
'/ü()B  BiS-tovyjxQ  C  Brj&ZovyäQ  D 


1)  Eusebius-Hieronymus,  Onomastikon  der  bibl.  Ortsnamen, 
hrsg.  von  Erich  Klostermann  S.  90,  12;  cfr.  Cyrill  Alex,  ad  Nah.  1,1; 
s.  Aug.  K nobel,  Der  Prophetismus  bei  den  Hebräern  TL  209. 

2)  Nestle,  Marginalien  S.  56  und  derselbe  in  Zeitschrift  des  deut- 
schen Palästinavereins  I,  224. 

3)  Commentatio  p.  188. 


2.  Eecensionstypen  der  vitae  prophetamui.  63 

Ovxog  sl6s  Jigb  xi)g  alxftaXmöiag  nsgl  xr\g  aXcoöscog  fIsgovoaXi'tu. 
xal  sjtsvd-rjos  0<po6ga  sjiI  xij  jioXei  xal  reo  Xacö'  xal  oxs  i]XQ-sv 
NaßovxoöovoöoQ  slg  IsgovöaXr)(i  xov  Jtog&tjvai  avzrjv,  ovzog 
scpvysv  siq  OöxgaxlvrjV  xal  ?'/v  sxsl  jrdgoixog  dg  yrjv  'löi/arjX. 
S2g  de  vjtsOxgsxpav  oi  XaX6aloi  ajtb  xr/g  IsgovoaXt/fi  slg  x?]v  5 
yrjv  avxcöv  Xa<pvgov  avxr)v  Jtoir]öavxsg,  xal  ol  xaxaXouioi  oi 
ovxsg  sv  JsgovöaX?]tu  xaxsßtjGav  tig  Älyvjtxov  avxbg  6s  dvrjX*- 
irev  slg  ryv  yi)v  avxov  xal  sXsixovgysi  xolg  &sgioxalg  xov 
dygov  avxov'  söjrstgs  yag  xgt&ov.  '&c  6h  r)ipsv  avxolg  s6sO- 
fiaxa,  ejtgocprjxtvGE  xolg  löioig  sljtmv'  ,.jrogsvotuai  syob  dg  yrjv  10 
fiaxgav  xal  xäyiov  sjtavsXsvOotuai'  sav  6h  ßga6vva>,  ajtsvsyxaxs 
<payslv  xolg  d-sgioxalg"  Kai  ysvöfisvog  kv  BctßvXcovi  xal  6ovg 
xb  agiöxov  xeo  AavifjX  slg  xov  Xaxxov  xwv  Xsovxmv  vjiooxgs- 
ipag  Jtagsöxt]  xolg  {rsgioxalg  sö&iovöi  xal]  ov6svl  sluis  xb  yivo- 
fisvov.  Hvvr)xs  6s  oxc  xdxiov  sjitoxgsif'si  b  Xabg  sx  BaßvXcövog  15 
sig  IsgovoaX^fi.  "E6orxs  6s  xsgag  xolg  sv  xfj  'lovöaia,  oxi  oipov- 
xai  sv  xeo  vaco  <pcög  fisya  6iaXcciutyav'  xal  ovxcog  I6a>öi  xi]v 
6o£,av  xov  {)-sov  xal  xsgl  xr\g  ovvxsXsiag  xov  vaov  jtgoslxsv. 
oxi  vjco  s&vovg  övxixov  ysvrjosxai.'  xbxs  xb  djtXa)tua  xov  Aaßrjg 
slg  6vo  us'gjj  gayr'jösxai  xal  xa  tJtixgava  xcöv  6vo  öxvX.oiv  20 
aepaigs&rjGsxaf  xal  ov6s\g  yvcoosxai  jiov  soovxai.    Avxa  6s  kv 

1  Hab.  1,  6  ss  c.  2  —  7  cf.  Jer.  40,  11.  12  —  13  Dan.  14,  32  ss 

1  tisqI —  ä?.ü>a.]  t/)v  sQt'fixojaiv  xov  vaov  xal  F  |  2  inl —  ?.aijj  <  BCF  | 
a(f,uÖQa  <  B  |  3  Naß.  die  ?JA#£V  B  elg]  iv  D  xov  —  ovzog  <  BCDF  | 
4  elg]  iv  BCD  |  5  anö  —  6  noa'joavzeg  <  BCDF  I  7  avxög — 8  elg]  ?}v  nagot- 
xö)v  BCDF  |  8  ?.eiTovoyöjv  C  xal  •<  A  |  9  dygov]  ).aov  C  ion. — xqlQ-üv 
<  BCDF  tjxprjOE  A  t'/.aße  BCDF  höso/sa  BCDF  -f-  dnevsyxai  toi;  eoyü- 
xaiq  C  |  10  inoo(p.]  nooslne  F  einwv]  ?Jgag  F  xayjnoz  BCDF  |  11  ei  6h 
ßnaövvib'B  |  12  (fayelv  <  B  (payslv]  t<)  nniovov  CF  xal — Baßv?..]  ravxa 
slnuiv  vnb  äyye/.ov  aTii'j/ß-ij  siq  BaßvXthva  ui/.ia  xoiaxvoia  k^xovza  nivzs  F  | 
13  elg — vjiooToixp'ag  <  BCD  iv  zip  Xdxx<p  F  j  14  nageaxrj]  iniarij  BCDF  | 
ovöhv  . .  xü)v  yivo/cbvcjv  B  yeyovöq  CD  |  15  6h  -\-  6  7ioo(p>'/Tr]g  A  +  ix  xov- 
xov  C  ix]  and  B  vnb  DF  |  16  slg  ^IsQoraaXl/fx]  xal  tiqö  6vo  ixCov  äno- 
'}ri]<ixfi  r/7;  inioTooyfjg  (vTioorQixp^g  F)  xal  ix<x(pTj  iv  dygü)  I6l(p  uövog 
iv  xri  iIov6aiq  B)  BCDF  "Ethoxs  — 18  #eof  <B  uzt  ^  tcqo^xijq  avaoztf- 
osxai  xal  F  |  17  [xiya  dia/.äfiipav  <  CDF  |  18  #eof|  vaov  CD  (lovoyevovq' 
öi  6h  vTiaxovoavxEQ  avxov  eaovxai  iv  axöxsiY  \  11)  yevrfoezai]  aXihoszail? 
yevJjoezai  +  '/  TtÖQ&rjocg  xov  ia<>r  ^IegovoaXtf/t  A  |  20  ovo  /<•';,"/ 1  (juxqo. 
CDF  +  (»'ty^ara  F  öayr/oexat  +  iSs/.ttüvzog  ix  rar  vaov  i 
Ttvevfiaxog  !•'  |  21  äq>aiQe&$oovTai  A       l'oovzai]  elev  I 


64  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

TV  sQrj[iq)  aüi£Vtyß-r\(>ovTai  vüib  ayyeXcov  ojcov  iv  aoyjj  EJiayr] 
rj  oxrjvr/  xov  fiagxvQiov.  Kai  ev  avxolg  yvcoo&rjoszai  ejtl  xeXel 
xvgiog,  xal  cpmx'iOEi  xovg  öiojxofiEvovg  vxb  xov  ocpsoiq  c'jöüieq 
Ig  ctQxrjg".  [Kai  öiaömoei  avxovc  xvgiog  ex  öxoxovg  xal  öxiäg 
5  {ravaxoV  xal  eöovzcu  ev  tixrjvy  ayia.  Ovxog  o  uiQO<pr\xi]g  üieqI 
xrjg  sXevoscog  xov  xvq'iov  jtoXXa  jcgoEcprjXEVOE'  ngb  ovo  exoöv 
üieqI  xrjg  tJUöxQocpTJg  xov  Xaov  xrjg  am)  BaßvXcövog  äxä&avE' 
xal  Exacprj  ev  xä>  löitp  avxov  aygqö  Ivöo^cog  A]. 

8.  Habacuc  de  tribu  Siraeon,  in  agro  Bethsachar  ortus  est; 
hie  ante  biennium  regressionis  filiorum  Israel  de  captivitate  in 
agro  Sabarith,  qui  est  in  Ceila,  a  vita  decessit  Li. 

11.  Habacuc  e  tribu  Simeon  de  terra  Zoar  (Süär).  Hie 
prophetavit  de  Christo:  Eo  veniente  legem  Judaeorum  cessaturum 
esse.  Ipse  eibum  Danieli  dispositione  divina  Babel  deportavit. 
Judaei  eum  Jerosolymis  lapidaverunt  Sb. 

19.  Habacuc  fuit  tempore  captivitatis,  ex  tribu  Simeon.  Is- 
que  attulit  pulmentum  Danieli,  fuitque  in  lacu  leonum  Ss. 

Zunächst  verdient  die  Tatsache  bemerkt  zu  werden,  daß  E 
(Ps.  Hesychius)  keine  vita  des  Habakuk  bietet,  während  der  weitere 
Zeuge  dieser  Recension  Theophylakt  (=  E1)  dieselbe  wörtlich 
von  C  (Epiphanius  II)  herübernahm.  Zur  Einschätzung  der 
einzelnen  Recensionen  sind  besonders  zwei  Erweiterungen  in  A 
und  anderen  Texten  dienstlich.  Die  erste  zeigt  sich  in  der 
Gegenüberstellung  folgendermaßen : 

A  B  CDE'F 

EmöxQEtyEi  o  Xabg  ex  EJiiöxgtipEL  6  X.abg  Ix  ejciöxq.  6  X.  ex  Baß. 
BaßvXcövog  sig  h-  BaßvXcövog'  xal  jegb  xal  jig.  ö.  exoöv  x7jg 
QovöaXrjfi.  EömxEv  övoExcövajto&vröxEL  EJiLOxgocprjg  {ravoöv 
oh  xe'gag  xolg  ev  xq  I  xrjg  Ejciovgocprjg  xal  Ixacpr]  xal  ev   aygco 

3'ss  cf.  Habac.  3,  4  ss 

1  äyysXov  F  iv — 4  aQX'ii]  xal  xoiq  im  xsXsi  yvioo&t'josxai  xvQioq 
CE1  xiXovq  B  |  3  xal]  ozi  A  (pcoxloovoi  AD  nnc  Siwxo/ntvoi;  A  | 
o<pecoq  +  iv  oxözsi  B  -f-  xal  anoxataar^asL  avxovq  tag  F  |  4  —  8  <  BCDE1 
4  —  8  Taixa  slnibv  iv  £i(>>'jvy  ävsTtaiaaro  xal  ixd<prj  iv  ayoco  idUo  fiövoq. 
['Hv  de  GXQoyyvXov  sycuv  xö  y&veiov,  (uxqöv  xt  TCQoyaivwv  xt'jq  xoiaj;  xal 
ovx  iv  %qv)  xovolaq,  ov/.tjv  xt,v  rolytooiv  xov  ftexu>7iov  ?yor.  htl  xfjq  xe<fa- 
Xfjq  xal  xov  Ttwywvoq  Xsvxaiq  xaxeanaQ/.thoc  S-piZi]  F 


2.  Reeensionstypen  der  vitae  prophetarum. 


65 


löicp.  "Eöcoxe  ös  xtgag 
xolg  hv  zjj  'lovöaia, 
oxi  oxpovxcu  ev  reo 
vaep  <pcog  xai  ovxcog 
löcaoi  x/jv  ö6c.av  xov 
vaov.  Kai  jiegi  tijg 
övvxeXelag  xrX. 


'fovöala,  ort  oipovxai  exaepr]  ev  ayoco  iöiqj 

ev     xcp      vaco     (pcög  jiovog  ev  xy  fovdaia' 

fiiya  ötaXautpav'  xai  xai  sie  gl  T7Jg  övvxe- 

ovxcog  töojGi  xijv  60-  Xeiag  xxX. 

£av  xov  ireov.     Kai 

jtsgl  x7]Q  övvzsJLsiag 

xxh 

.  .  fiiiis  jtQoscprjxevoe' 

3T()6     OVO    eXCOV    Jt£Ql 

xrjg  sjiiöxQocptjg  xov 
Xaov  xrjg  aotb  Baßv- 
Xcövog  djceO-avs  xal 
exag)rj  ev  xo>  löiop 
avxov  ayorö  evöo^cog. 


Wie  aus  dieser  Zusammenstellung  hervorgeht,  haben  BCDE^F 
die  eigentliche  Biographie  des  Propheten  mit  dem  Bericht  über 
dessen  Tod  abgeschlossen.  A  dagegen  stellte  ihn  ganz  an  den 
Schluß  und  hatte  die  folgenden  Mitteilungen  über  etwaige  Weis- 
sagungen des  Propheten  mit  der  vorausgehenden  Biographie  ver- 
woben. Die  übrigen  Zeugen  lassen  in  sekundärer  Weise  dagegen 
nach  Abschluß  der  Biographie  die  Partien  prophetischen  In- 
halts folgen.  Wir  dürfen  hier  wohl  annehmen,  daß  A  die  ur- 
sprüngliche Anordnung  verlassen  und  eigenmächtig  geändert  hat, 
indem  er  den  Todesbericht  ganz  an  den  Schluß  rückte.  Auf- 
fallend muß  es  fernerhin  erscheinen,  daß  B  nach  der  Nachricht 
vom  Tode  des  Propheten  weiterfährt  mit  xcu  jteol  xrjg  ovvxe- 
Xslag  xx X.  xQoelJtev,  als  ob  bereits  eine  prophetische  Mitteilung 
erfolgt  wäre.  Tatsächlich  bieten  alle  Zeugen  mit  Ausnahme  von 
B  vorher  eine  solche,  welche  über  Wundererscheinungen  im 
Tempel  und  deren  Deutimg  auf  die  zukünftige  Verherrlichung 
Gottes  handelt.  Es  scheint,  daß  diese  Erzählung  in  B  ausfiel; 
denn  es  liegt  diese  Annahme  näher  als  jene,  wonach  diese  an 
und  für  sich  unbedeutende  Mitteilung  erst  später  in  den  Text 
hereingekommen  wäre. 

Einen  weiteren  Zusatz  hat  A  allein  am  Schlüsse  beigefügt, 
messianische  und  eschatologische  Gedanken  enthaltend,  deren 
Fehlen  in  sämtlichen  andern  Zeugen  die  spätere  Abfassung  von 
A  bestärkt  und  betätigt. 

Texte  u.  I  oter Buchungen  etc.  Bl,  8 


(36  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Über  die  biographischen  Notizen  hat  Fr.  Delitzsch1  ein- 
gehende Studien  gemacht;  er  mußte  bekennen,  daß  die  Geschichts- 
bücher des  A.  T.  nicht  eine  einzige,  das  Leben  Habakuks  be- 
treffende Bemerkung  aufbewahrt  haben,  daß  fernerhin  die  Quellen, 
woraus  jene  Geschichten  des  Dorotheus  usw.  geschöpft  sind,  ob 
aus  jüdisch  volkstümlicher  Überlieferung  oder  nicht,  sich  nicht 
nachweisen  lassen. 

Unsere  Texte,  welche  vielleicht  die  synagogal-kirchliche  Sage 
wiedergeben,  wissen  demnach  zu  erzählen,  daß  er  in  B?]CC,ovyar>2 
geboren  sei,  dann  als  Nebukadnezar  gen  Jerusalem  zog,  sich 
nach  Ostrakine  flüchtete3),  nach  dem  Abzüge  der  Chaldäer  und 
der  Auswanderung  der  Juden  nach  Ägypten  in  die  Heimat  zurück- 
kehrte, hier  Ackerbau  trieb  und  zwei  Jahre  vor  der  Rückkehr 
des  Volkes  aus  Babylon  auf  heimatlichem  Boden  gestorben  und 
begraben  sei.  Dabei  ist  in  die  Darstellung  die  apokryphe  Er- 
zählung (Dan.  14,  32  ff.)  von  der  Entrückung4  Habakuks  durch 
den  Engel  zu  Daniel  nach  Babylon  eingewoben.  Unsere  Texte 
lassen  Habakuk  aus  dem  Stamme  Simeon  sein,  nach  der  Auf- 
schrift der  LXX  über  die  apokryphen  Stücke  von  Bei  und 
dem  Drachen  ist  er  aber  kx  rt]g  cpvXrjg  Asvlb. 

Über  das  Grab  des  Propheten  berichten  Eusebius  und  Hie- 
ronymus6,  daß  es  zwischen  Keila  und  Gabatha  gezeigt  wurde, 
während  Sozomenus7  und  nach  ihm  Nikephoras8  ,von  dessen 
Auffindung  in  Keia  oder  Keila  infolge  eines  Traumgesichtes  des 
Bischofs  Zebenus  von  Eleutheropolis  erzählen.- 

Der  Name  Habakuk  ist  nach  Delitzsch  von  p2~n  övfiJttjyvvvai 


1)  De  Habacuci  prophetae  vita  atque  aetate,  adiecta  diatriba  de  Ps. 
Dorotheo  et  Pseudepiphanio,  Lipsiae  1842,  80;  und  derselbe,  Der  Prophet 
Habakuk,  Leipzig  1843,  S.  H  ff. 

2)  Vgl.  Sozomenus  h.  e.  IX,  17  (Migne  67,  1623  C):  zayäg  Za/apia. 

3)  Delitzsch,  De  Habacuci  vita  pag.  19  f.  21f.  Beth-Sacharja 
(1  Macc.  6,  32);  s.  Eb.  Nestle,  Margin.  und  Material.  H  S.  57. 

4)  Vgl.  C.  Julius,  Die  griech.  Danielzusätze  und  ihre  kanon.  Geltung. 
Freiburg  1901,  S.15.  Über  den  Ort  der  Entrückung  s.  Nestle,  Margin.  - 

5)  Delitzsch,  Der  Prophet  Habakuk  S.  3.  Vgl.  Aug.  Knobel.  Der 
Prophetismus  der  Hebräer  H  292. 

6)  Onomastikon  (ed.  Er.  Klostermann)  S.  114,  15. 

7)  h.  e.  VH,  29  (Migne  Patr.  gr.  67,  1505  C). 

8)  h.  e.  XH,  48  (Migne  146,  916  B). 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  07 

abzuleiten,  nicht  von  p2~X,  wie  Hieronymus  durch  luctator  fortis 
ac  rigidus  zu  erkennen  giebt1. 

§  20.  Sophonias. 

(Sxojievcöv  B  oxojcia  xvqiov  EF  //  ovvielg  xqvjito.  F). 

2oq>oviag  o  XQo<pr\xi]g'  ovrog  i]v  ex  cpvXijg  Svpecnv  aJtb 
ogovg  2aoaßafrä'  ejtQorprjrevöe  de  Jttol  rrjg  jtoXecog  IeoovöaXfjfi, 
ort  olxoöofirj&rjoerai  em  xgürrov  elg  ftfjxog  xcä  xXarog,  xal  5 
jiegl  reXovg  ed-vmv  xal  ai6yvvr]g  aöeßcöv  xal  Jtegl  rrjg  rov 
xvglov  Jtagovoiag'  ajie&ave  öh  [ev  axoxaXvipei  xvglov]  xal  era<pt] 
ev  reo  aygm  avrov  [lovoörarog. 

2o<povlag   rjv^  ex    cpvXrjg   2v[i£(oi>   Ig   dygov    2aßagd-a&a. 
Ovrog  jtgoecprjTevGe  Jtegl  rrjg  jtoXecog  xal  xegl   reXovg  IogarjX  10 
xal  aioyyvr]g  aöeßcöv  xal  ftavcbv  erd<pt]  ev  aygco  avzov. 

9.  Sophonias  de  tribu  Simeon,  filius  Chusi,  in  agro  Saraboth 
ortus  et  gloriosa  maiorum  suorum  stirpe  progenitus  prophetavit, 
mortuusque  est  atque  sepultus  in  agro  suo  Li. 

12.  Sophonias  de  tribu  Simeon.  De  Christo  passufo  pro- 
phetavit; solem  tenebris  obrutum,  lunam  opertum  iri.  Mortuus 
est  in  pace  in  patria  sua  Sb. 

20.  Sophonias  porro  ex  eadem  tribu  (Simeon)  erat  Ss. 

Hamaker2  glaubt,  daß  mit  Sabarthatha  nicht  ein  Ort  zwi- 
schen Jerusalem  und  Sichern  gemeint  ist,  sondern  das  heutige 
Tripolis,   welches   diesen   Namen   getragen    habe.     Da    aber    alle 

4  cfr.  Zachar.  c.  14,  10  —  6  Zachar.  14,  12.  18  —  (>  Sophon.  c.  2,11; 
c  3,  9.  10.  14.  15.  19  —  10  Soph.  1 

3  [AEF]  Zo<p.  +  vldq  XovafjY  |  4  SaßäpaöpaF  ZaQU)9-(ZaßaQÜ>&)~ft 
Zaß.  +  xal  EF  6h  <  EF  \  5  oxt—nXdxoq  <  EF  <>  xiXovq  +  'ioga^X  xal 
dvieiaayoyijq  xal  aojxtjQiaq  xCov  (Sophon.  3,  9)  EF  daeßCbv  -f-  xal  öd^tjq 
n'>v  Sixalcjv  xal  rov  xqixov  Tiäorjq  nvofjq  EF  xal  tcsqI — 8  fiovöoxaxoq] 
xal  &ava)v  £xä<pt]  iv  dygio  abxov  EF 

9  [BCD]  Sotpovlaq  CD  +  vidq  Xoval  C  HaßagaM  CD  iv  ßaga- 
&d  D1  |  10  oi't«s<CD       'lOQai/?.\  xüjv  iO-väiv  CD  |  11  #avtbr]  zeXevxrfoaq  C 


1)  Delitzsch,  Der  Prophet  Habakuk  S.  1. 

2)  a.  a.  O.  S.  202  ff. 

5* 


68  Scheruiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Texte  ihn  aus  dem  Stamme  Symeon  geboren  sein  lassen,  so  muß 
es  doch  wohl  die  Ortschaft  Septem  puteorum  sein.  Eine  Diffe- 
renz zwischen  den  einzelnen  Recensionen  verursachen  wiederum 
die  beigefügten  Weissagungen;  B,  C,  D  bieten  den  kürzesten 
Text,  A  verrät  wiederum  am  meisten  christliche  Tendenz,  wäh- 
rend E  und  F  die  aus  Sophonias  c.  2  und  3  angedeuteten  Stellen 
weiter  verfolgt1.  Übrigens  gehört  die  Weissagung  über  den 
Wiederaufbau  Jerusalems  (bei  A)  nicht  Sophonias,  sondern  wohl 
Zacharias  an.  Einiges  Kopfzerbrechen  machten  die  Worte  djct&ave 
.  .  sv  axoxaXvxpEi  xvqlov.  Hamaker  sieht  diesen  Ausdruck  als 
Dublette  des  Hebräischen  PnrP  nib5H2  an,  das  bereits  mit  jceqI 
r?jq  tov  xvglov  Jtagovöiaq  wiedergegeben  sei.  Allein  selbst  wenn 
beide  Ausdrücke  auf  dieselbe  hebräische  Grundform  sich  zurück- 
führen ließen,  so  wäre  immerhin  die  Verschiedenheit  der  Wieder- 
gabe durch  einen  Übersetzer  noch  nicht  erklärt;  ein  doppelter 
Zweifel  entsteht  dadurch,  daß  es  fraglich  ist,  ob  der  christliche 
Gedanke  von  der  Weissagung  der  Ankunft  des  Herrn,  welcher 
sich  sonst  in  keinem  Texte  findet,  auf  eine  hebräische  Grund- 
schrift zurückgeht.  Auch  der  Beisatz  in  EF,  daß  Sophonias  über 
den  xQiroq  Jtaötjq  jtvorjg  geweissagt  habe,  ist  der  christlichen  Escha- 
tologie  entnommen.  Ganz  mit  christlichen  Zusätzen  durchsetzt 
ist  Sb,  wonach  Sophonias  über  das  Leiden  Christi  geweissagt  hätte. 

§  21.  Aggaeus. 
(Eoqttj  BF  lograCmv  EF  y  toQTaCoitsvoq  F). 
'Ayyaloq  o  JcQorp^rrjq'  öxt  vsoq  cov  E7cav7]Xd-EV  ex  BaßvXcovoq 
eiq  IegovöaX?](i  xcu   cpavsQÖJq  jzeql   xtjq  sjti6TQog)7jq    tov    Xccov 
5  ejtQO(prjt8vO£'    (xcu  aide   rt]v    olxoöoturjv  tov   vaov   lEQOVöaXTjft 
xcu    avrbq    tipaXXev   exeI    XQcoToq    dXXijXovia'    o  EQfirjvsvETCU' 
aiv£ö03fi8V  tco  Ccövri  frscp.  dfit]V  6  sözi  yivoixo'  ylvoiro).   'Exü 
ovv   ajre'ß-avs  xcu    ETCup?)   jcXi]Giov    tcov    Ieqeojv  svöo^coq'    (öib 
Xsyofisv'  aXXrjXovta'  6  egtlv  vfivoq  \lyyaiov  xcu  Za^agiov). 

5  Agg.  1,  8;  2,  10  —  6  Titulus  psalm.  137.  145— 148  (LXXi:  Ps.  125. 
126  (sec.  Pesitho);  Ps.  111  (sec.  Vulgat.) 

5 — 8  [AD1]  D1  refert  etiani  illam  lunulis  inclusam  glossam. 

1)  Über  andere  Traditionen  s.  Aug.  Knobel,  Der  Prophetismus  der 
Hebräer  II  246. 


2.  Recensionstygen  der  vitae  prophetarum.  69 

'Ayyatog  viog  ?)Xfrev  ix  BaßvXcövog  sig  'FsQovGaX?]^  xal 
(pavtQcög  jtsqI  xr\g  ijiioxQO(prjg  xov  Xaov  jrgoEcprjxevGe.  Kai 
eIöbv  ex  tUEQOvg  xi]v  olxoöofirjv  xov  vaov  xal  fravoov  ixa(pr\ 
jtXrjOiov  xov  xatpov  xä>v  leqecov  evöoscog  cog  avxoi. 

10.  Aggaeus,  natus  in  Babylonia,  juvenculus  Jerusalem  venit, 
aedificationem  templi  aspexit,  ac  iuxta  saGerdotum  monumenta 
gloriose  sepultus  requiescit  Li. 

13.  Haggaeus,  juvenis  Babel  Hierosolymani  migravit.  Pro- 
phetavit  de  Christo:  finern  f'aciet  sacriticiis  Judaeorum.  Mortuus 
est  in  pace  Sb. 

21.  Aggaeus  ex  tribu  Levi  Ss. 

Auch  hier  hat  Hamaker1  infolge  seiner  beliebten  These  von 
einer  hebräischen  Grundschrift  Textverbesserungen  angebracht. 
Sämtliche  Recensionen  überliefern  eine  Weissagung  des  Aggaeus 
jtEQi  x?jg  sjiioxQOcpfjg  xov  Xaov.  Da  bei  Aggaeus  nun  nicht  von 
der  Rückkehr  des  Volkes,  wohl  aber  von  dem  Aufbau  des  Tempels 
die  Rede  sei,  so  sucht  Hamaker  Xaov  in  vaov  zu  verbessern,  da 
das  Wort  aifcj  ebenso  restaurare  wie  ex  captivitate  educere  be- 
deute. Der  Übersetzer,  durch  die  häufigere  Bedeutung  (educere) 
getäuscht,  habe  Xaov  beigefügt.  Diese  Lösung  scheint  einige 
Wahrscheinlichkeit  für  sich  zu  haben,  da  auch  Li  den  Propheten 
über  den  Aufbau  des  Tempels  weissagen  läßt.  Auf  welche  Grund- 
laue  hier  Li  zurückgeht,  läßt  sich  nicht  ausmachen. 

A  und  D1  berichten  noch  von  der  Verfasserschaft  des  Alle- 
in] a  durch  Aggaeus  und  Zacharias.  Ursprünglich  mochten  diese 
Zusätze  wohl  Glossen  sein  und  verschiedener  Zeit  angehören,  da 
sie  in  der  Mitte  und  am  Ende  der  vita  zu  stehen  kommen. 
Letztere  Glosse  aXXrjXov'Ca  o  Igxiv  vfivog  Ayyaiov  xal  Za^agiov 

:5  Agg.  1,8;  2,10 

1  |1jCDEI  i;  ]  loq  H  6  xal  ayyeXoq  räyu  D+ovrog  in'y'.h,  iv  Baßv- 
Xibvf  ijv  6h  tu  (pvXtjg  Aevt  xal  szi  vioq  u>v  EF  i'jji',  1        ix]  and  E      aal  -f- 

7ln<<i<l  1,11  i'0>    niiu   Zi'.yi'.nli'r    ;>/,    IQl&XOVZa    JSj"    TtQOiXaßt    61    tfjV  OttQXCOaiV 

toi    Xqiozov    (cfr.  Agg.  2,  s  töoia   ^ß6ofi^xovza  F    \   11  «fer  C  | 

;'T(or  V      iza<prt    \- iv  ^Iegovaakfifi  V     \  nkrjoiov]  ivümiov  C      avzol 
mW,  i       E)  xal  airedq  \v  ix  yivovq  iSQazixov  EF 


1)  a.  a.  0.  S.  206  f. 


70  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

rührt  wohl  von  der  Benennung  der  Ps.  145 — 148  bei  den  grie- 
chischen Alexandrinern  als  'AXXrjXovia  *Ayyalov  xcu  Zayaoiov  her. 

§  22.  Zacharias. 

(Mvrj/irj  d-sov  BF  [ivrjfir]  vtplözov  r\  vixrjzrjq  Xtovzcov  E). 

Zayaoiaq  o  jroocprjzrjq'  ovzoq  i]v  vlbq  BagayloV  ovzoq  i)X- 

■d-sv  dito  zrjq  XaXöalcov  rjörj  jtgoßeßtjxcbq    xal    hxü  cov  jroXXcc 

5  zcp  Xaco  jcQOEcprjrevöe'  xal  TEQaza  jtoXXa  töcoxev  elq  äxodeistv. 

Ovzoq  eijts  zcp  'icoöeöix,   özi  ysvvrjGEi  vlbv  xcu  ev  Isqov- 

GaXr)(i  hgazevosi  zcp  xvgicp.     Ovzoq    xcu    zbv  2aXad-ir)l  evXo- 

yrjosv  sm  vlco  XtycoV  ozt  yEvv?]6eiq  viov  xcu  xaXtöeiq  zo  ovofia 

ZoooßaßrjX.    Kai  sjtl  Kvqov  zov  ßaöiXtcoq  ütoGcov  zioaq  l'dco- 

10  xev  tiq   vlxoq  jceoi    Kgoiöov  zov   Avölcov  ßaöiXtcoq'    xcu   jcegl 

Aozvdyovq  zov  zcov  Mrjöcov  ßaöiXtcoq  xai  jceqi  zrjq  Xeizovoylaq 

avzov   exQocprjzevösv,    r}v  Jtoirjöei   Kvgoq    sjcI    [sQOvGaXrjfi    xdi 

TjvXoyrjöEV  avzov  Gcpodoa'  za  de  zrjq  otoo(pi]züaq  avzov  zr/q  ev 

kgovöaXrjfi  xal   jceql    zeXovq    efrvcdv   xal  jieqI    zrjq   zov  vaov 

15  IsQovoaXrjfi  olxoöoy.r)q'  xal  aoyiaq  JtQO<prjZcöv  xal  zcov  leotcov 

xal  öutXijq  xgiGecoq  e^e'9-ezo. 

Aned-ave  de  slq  zr)v  'lovöaiav  Iv  yrjoei  (laxgcp  xal  ezacpi] 
Gvveyyvq   'Ayyaiov    zov   XQO(pr)zov   (A).     ['Ezacprj    eyyvq  EXtv- 

3  Zachar.  1,  1  —  14  Zachar.  9,  8;  14,  12  —  15  Zachar.  1,  16;  4,  9; 
6, 12—15  —  15—16  Zachar.  13,  2—22  —  16  cfr.  c.  11,  8.  1?' 

3  [ABCDEF]  6  ngo(pi]xi^q— ovxoq2  <  B  vlöq  —  i]?.9-ev]  ex  yevovq 
'iogarjX,  (pvXfjq  Aev'i,  eyevvifii]  öh  ev  raXaäö  EF  xal  iX&u>v  E  rjX&ev 
■+-  öh  F  |  4  xijq  <  B  XaXöa'uav  +  eis  ^IegovoaXl^u  C  |  6  ovzoq]  oq  xal  C  | 
yevvr/aeiq  CF  |  7  xib  xvglw  <  B  xvgicp  -+-  elq  xvnov  zov  ä?.7]\Höq  (äk^d-ivod  F) 
dgxisgecoq  EF  -f-  xal  negl  xi\q  Xeixovgylaq  avzov  Tigostpt'jxevoe  %v  nou\oei 
iv  ^IsQovaa?.i/fi  xal  evlöyrjaev  aixov  acpööga  F  |  8  Xeytov —  xa?Joeiq]  xal  B 
1)  Zogoß.  -{- ened-rjxeB  xov  ßaa.IIeoaCov<BCD  \  10  elqvixoq<.V  neol — 11 
M/jöojv  ßaoiXe(vq-<BCD  xal— 11  ßaailecoq<.F  \  11  xal  neol — 13  ocpööna 
<F  |  12  inQO<p.}  TtpoTjyöoevoev  B  Kvooq <BCDF  |  13  7ioo<p.]  Tioo^r^aecoq 
F  noo&i'joeojq  E  ainov  xrjq]  elSev  BCDEF  eV<EF  |  14  £&ribv  +  xal 
'looai]).  CDEF  %eol  t^<BCD  |  15  %QOvaal>iß  otxoS.  <  BCD  'leg.  oix] 
eojq  SeneXimv  xaxaaxQO(pijq  EF  leoetov  +  xal  oaßßäxtov  EF  leg.  -+• 
7iQoe(p)'/zevoe  C  |  16  xal  SinX.  — 18  nooyi'txov]  xal  ex/.etntov  £xä<prj  DE  | 
'AneS-.  —  'lovöaiav]  xal  exega  noXXa  ngofprjxevaaq  ixotu^S-t]  F  |  17  elq  zfjv 
'lovöaiav  <  B  |  18  xov  ngocp^xov]  AAXqXovCa,  Ayyalov  xal  Za%ag!ov  einev 
ö  7ivev/j.axixdq  ngocfrjXtjq  Javlö  ev  xolq  xe?.evxaloiq  ipaXfxolq'  xovxeaxiv 
alvelxe  xov  0-edv  ev  rpaXfioTq  xal  yogolq  neol  xrjq  inavööov  «rro  Baßv?.ü)voq  D1 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  71 

&£Qovjt6Ä£coq  ajcb  Oxaölcov  xsöoaoaxovxa  sv  aygco  xov  Nostuav 
sv  XQOvoiq  'Ecplöov  sjuoxojiov  sf/tyavio&slq  oxi  avxoq  söxi  Za- 
Xagtaq  vlbq  Bagcr/lov,  ov  {isfivqxat,  Höäiaq'  ovo/sa  ös  xcö  aygco, 
'ivd-a    xsixai,    Bs&CaQia ,    (jrjxotttv    'isQovoaXr/fi   ajto    oxaölcov 

Qv   (B)J  f  ,  ,    ,     ,  ,    ,    ,  .  5 

[Ajisxxelve  6s  avxbv  Icoaq  ßaOiXsvq  Iovöa  fisxasv  xov  vaov 
xal  xov  &v6ia6xrjQiov,  Jtagcuvovvxa  avxtö  xe  xal  xcö  Xacp  avs- 
ysod-ai  xrjq  aösßsiaq  xal  sjiioxgtcpeiv  jrgbq  freov  xcä  X.aßovxsq 
avxbv  ol  isgslq  tfraifiav  fisxa  xov  xaxgbq  avxov.  Kai  ajib  xoxs 
sylvovxo  xtgaxa  xe  sv  vaco  JtoXXa  cpavxaöicoöt]  xal  ovx  toxvov'  10 
oi  Isgslq  siöov  ojtxaoiav  ayyiXcov  &sov,  ovxs  öovvcu  XQr/Gftovq 
sx  xov  Aaßrjg,  ovxs  öia  xcov  drjXcov  äjtoxgi&TJvat,  sv  xcö  Xacp 
coq  xb  üiq'iv  (C).] 

11.  Zacharias  de  regione  Chaldaeorum  valde  senex  in  terram 
suani  reversus  est,  in  qua  et  mortuus  est  ac  sepultus  iuxta  Ag- 
gaeum  quiescit  in  pace  Li. 

14.  Zacharias  filius  Jojadae  de  Babel  in  senectute  sua  reversus 
signa  in  populo  fecit.  Mortuus  est  in  summa  senectute  et  iuxta 
sepulcrum  Aggaei  sepultus  Sb. 

Deest  in  Ss. 

Die  Varianten  der  Recensionen  in  dieser  Vita  sind  nicht 
derart,  daß  wie  bisher  öfters,  zwischen  einem  kürzern  und  einem 
längern  mehr  christianisierten  Text -Typus  geschieden  werden 
müßte.  Nur  A  hat  wiederum  die  vollere  Form  bewahrt,  welche 
D1  bis  ins  Einzelne  übernommen  hat,  z.B.  Kvgov  -\-  xov  ßaöi- 
Xicoq  üsgocöv,  vlxoq  -f-  ütsgl  KqoLöov  xov  Avöiov.  Dagegen 
haben  B  und  E  beachtenswerte  Zusätze  am  Schlüsse. 

Der  Inhalt  der  mitgeteilten  Weissagungen  läßt  sich  in  zwei 
Teile  scheiden,  in  einen  apokryphen1,  dessen  Quellen  nicht'nach- 
gewiesen  werden  können,  die  Weissagungen  des  Zacharias  im 
Exil   über   die    Geburt   eines    Sohnes    des   Josedek    und    dessen 

4  Sozoui.  h.  e.  IX  17  (Migne  Patr.  67,  1629  B);  Nicephor.  1.  XIV  c.  8 
(Migne  Patr.  146,  1081  B). 


1)  Alex.  Berendts,  Studien  über  Zachanas-Apokryphen  und  Za- 
charias-Legenden,  Leipzig  1895,  S.  20  ff.  glaubt,  daß  dieser  Teil  nur  „eine 
für  unser  Gefühl  fremdartige  und  willkürliche  Deutung  der  cc.  1 — 8  des 
Zacharias-Buehes  ist".     Allein  die  Namen  sind  für  ihn  störend! 


72  Sehennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

künftiges  priesterliches  Amt,  über  die  Namengebung  des  Sohnes 
Salathiels.  über  des  Kyrus  Sieg  über  Krösus  und  Astyages  und 
über  desselben  Bemühungen  um  Jerusalem.  Der  andere  Teil  der 
angeführten  Weissagungen  über  das  Ende  der  Heiden  (c.  9,  8; 
14,  12),  über  den  Wiederaufbau  des  Tempels  (c.  1,  16;  4,  9;  6, 
12—15);  über  die  Untätigkeit  der  Propheten  und  Priester  (c.  13, 2) 
und  über  das  doppelte  Gericht  (c.  13,  8—9)  beruht  auf  prophe- 
tischen Mitteilungen  des  Zachariasbuches. 

Was  B  und  C  darüber  hinaus  berichten,  wird  ebenso  von 
Zacharia  dem  Sohn  des  Jojada  ausgesagt  und  mag  auf  einer  spätem 
Vermengung1  beider  beruhen;  wie  z.B.  wenn  C  berichtet,  daß  der 
Prophet  von  Joas,  dem  Könige  von  Juda  vor  dem  Altare  ermordet 
wurde,   als   gerade  Zacharias  eine  Mahnpredigt  an  das  Volk  hielt. 

Der  eine  Zeuge  des  Dorotheustextes  B,  das  Chronicon  pa- 
schale,  fügt  am  Schlüsse  noch  den  Bericht  der  Wiederauffindung 
der  Gebeine  des  Propheten  bei  Eleutheropolis  unter  Bischof 
Ephidus  bei,  welcher  ursprünglich  Glosse  sein  mochte;  denn  in 
dem  zweiten  Zeugen  desselben  Textes,  Vindob.  theol.  gr.  77,  ist 
davon  nichts  erhalten.  Sozomenus  h.  e.  IX  17 2  hat  darüber  einen 
Parallelbericht,  welchen  Nicephorus  h.  e.  XIV  8  fast  wörtlich 
nachschrieb.  Alex.  Berendts3  hat  die  aus  den  verschiedenen 
Angaben  sich  ergebende  Datierung  dahin  bestimmt,  daß  die 
Wiederauffindung  der  Reliquien  nach  dem  Chronicon  paschale 
in  das  Jahr  415,  nach  Theodorus  Lektor  ungefähr  in  das  Jahr  427, 
nach  Sozomenus  c.  423  fallen  würde. 

§  23.  Malachias. 
CAyyeZog  BEF). 
MaZaxtag'  ovrog  {isra  xi]v  eJuöTQOcpyv  tlxrarai  ev  2o<pq 
xal  tri  jtavv  veoq  <hv  xaXbv  ßiov    loyjjxf    xcü    extiöt)    -~räc  o 

4  cfr.  Malach.  3,  1 

3  [BCDEF]   ohog  <  C  *       £nLGTQO<pi,v  +  rov  Xaov  F         ZoyaTg  F 
Soxpä  D  2a<piQä  E  2a>xd  CI  +  utv  ex  (pvXjjq  Aevi  F  -r-  4x  ysvovq  AevfE 
4  xal  —  jtdvv]  dg  C  ßiov  ei%e  xaXbv  nävv  E       xuvi-  —  utv]  vsaCfitv  F 

1)  Dieselbe  findet  sieb.  auch,  bei  Sozomenus,  Berendts  S.  19,  in 
den  syrischen  Philippusakten  (W.  Wright,  ApoeryphaJ  Acts  of  the 
Apostles  p.  83  f.),  Lipsius,  Die  apokryphen  Apostelgeschichten  und 
Apostellegenden  II  2,  35. 

2)  Migne  Patr.  gr.  67, 1629  B.        3)  a.  a.  0.  S.  13. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  73 

Xabg  szlfia  avxbv  cog  ööiov  xal  Jtoäov,  exccXeöccv  avxbv  MaXa- 
ylav,  6  tQfirjvsvercu  äyyeZoc.  Hv  yao  xco  elÖei  EVJtQEjrtjg.  *AX7~a 
xal  öoa  eIjcsv  avxbg  ev  jroocp?]X£ia,  avxrj  xr\  rjfiSQtt  o<p&£lg 
ayyO.og  xvqiov  ejieöevxeqcooev  cog  eyevsro  ev  TjfitQaig  avagyiag, 
cog  ytyQajcrai  ev  £cp£QX£ZZ£iku,  xovxeöxlv  ev  ßlßXcp  xqlxcov.  Kai  5 
ETiveog  cqv  JtQoo&zti)}/  jtgbg  xovg  JtaxEQag  avxov  ev  dygcö  avxov. 

Mcü.aylag  6  Jtgog>rjxt]g  r/v  ex  cpvXiqg  ZaßovXcoV  ovxog 
fiEza  r?)v  EjriGzQcxprjV  xov  Xaov  xr\v  axb  BaßvXcovog  zixzEzat 
ev  2ocpä,  ev  yij  ZaßovXcov.  Kai  ezl  vsog  cov  xaXov  ßlov  t6%£. 
ütoXXa  6h  JCQOE(pi]ZEX)6E  jceqI  x/jg  xov  xvqiov  £7iiÖ7]niag  xal  Jtsoi  10 
xniosrog  vexqcöv,  xa\  6z i  xa  td-tj  McovOtcog  JiXr/gcod-rjOovxca 
xal  aZZayi)öovzai.  Kai  ejceiö?)  nag  o  Xabg  ixifia  avzbv  mg 
ÖOlov  xal  jtgavv,  kxaXEOav  avzbv  MaXayi,  o  lg{t?]V£V£xai  äyys- 
Xog.  Hv  ydg  xal  xco  eIöel  Jtdvv  EVJtQExrjg.  'AXXa  xal  öoa 
eItiev  avxbg  ev  jiQocprjXEia,  avxrj  xfi  rjfisga  äyyeXog  ocp{r£ig  15 
EJttÖEVZEQOföEv  avxov  ZT/v  jtgocprjxEiav,  ojöjceq  EyivEzo  ev  xalg 
TjftEQaig  zrjg  dvagx^ag.  cog  ytyoajizai  ev  ^(pagcpco&Etfi,  xovxeöxlv 
ev  ßißXco  xgixcov.  NEog  öe  cov  6  xgo(prjx?jg  axtfravE  xal  jtgoo- 
exeü-1]  Jigbg  xovg  JtaxEQag  avxov  ev  xco  dygco  avxov  (A). 

12.  Malacbias  post  egressionem  populi  in  Sophia  est  genitus, 
vir  iustus  et  aspectu  decorus,  quem  Judaei  Malachiam  i.  e.  angeluni 
Domini  vocant;  ideo  asserunt  vocitatem,  quia  quaecumque  prae- 
dicebat,  confestim  angelo  de  coelis  veniente  confirmabatur.  Hie 
aiitemadmodnmiuvenis  moritur,  atque  in  agro  proprio  sepelitur  Li. 

15.  Malachias  post  reditum  populi  natus  est.  Propter  pul- 
ebritudinem  suam  angelus  nominabatur.  In  terra  sua  in  pace 
mortuus  est  Sb. 

10  Malach.  c.  3  u.  4  —  13  Malach.  3,  1  —  17  Judic.  2,  1  ff. 

1  üoiov]  n/ii-iiTiTor  E  rinrivv  E  uoun — tcqSov]  ayiov  C  Ma/.aylD 
-  :['f(.\  ioriv  CE  eidei]  iSetv  ~D  tu  8iöoQ  F  aXXa  xal]  xal  rip  Xöyip 
TtXtjQUittfq  C  |  .'{  n<;<:  \  ;,';,,  c  |  4  xvqLov]  9-soi  E  inedevxigov -\- xovq 
Xöyovq  avtoij'  zur  äs  ayyeXov  ovöelq  avä&QQ  i&eutQEi,  (':/./.'  /,'  zfjv  {'>]t<h  E) 
(ptüvfjv  aircoi  tyxovov  {fjxovev  V.)  uiiror,  o\  6k  agioi  xal  td  eldoq  avxov 
;'!):, '>,,,)!  i  (eßXenov  E)  111''  ined.]  ißeßaltoasv  C  ük  iyev.]  fa/tact  rf^F 
5  uiq — xQLxibv  ■<  C  oyjtifpezi •■in  'EtpaQ  'PoiXEifi  E  G<paQ<po)xL(i  l>  u, 
<portiel(i  V      ßißXlcp  F  |  6  nQooerid-t]  —  aixov]  faeXeiü&ti  xal  £tä<prt  -V  *' 

-f-  iv  ßlip  r.ii: ii:uci  (aya&ä>  E)  xal  ird(pr]  i  |    fiera   tüöv  naxE'Q&v 
(ci  toi   E)  EF 


74  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

23-  Malachias  autem  ex  eis  qui  ascenderant  a  Babylone, 
natus  est  Ss. 

Der  Geburtsort  des  Malachias  heißt  bald  Sopha,  bald  So- 
phira,  bald  Socha  und  wird  von  A  in  den  Stamm  Zabulon,  von 
C  in  den  Stamm  Levi  verlegt.  Vielleicht  ist  TS©  (Mich.  1,  11) 
zwischen  Eleutheropolis  und  Ascalon  gemeint  oder  Socha,  das 
bei  Jos.  15,  4S1  u.  a.  erwähnt  wird.  In  die  Schilderung  der 
Jugend  hat  A  wiederum  eine  Angabe  des  Inhalts  einiger  Weis- 
sagungen (c.  3  und  4)  eingeschoben.  Da  sie  sonst  in  keiner 
Recension  vorkommt,  so  dürfte  A  hierin  wiederum  spätere  Ein- 
flüsse aufweisen. 

Die  Fabel  von  dem  Engel,  welcher  die  einzelnen  Weissagungen 
des  Propheten  wiederholte  (und  bekräftigte  C),  gehört  zum  Grund- 
bestand aller  Texte2.  Nach  der  einen  Ansicht  dürfte  sie  aus  der 
Erklärung  des  Namens  Malachias  mit  ayyslog  abgeleitet  sein, 
nach  der  andern  durch  falsche  Interpretation  von  "GS"*)?  TG  in 
c.  1,  1  und  3,  1,  wo  von  einem  Engel,  dem  Vorläufer  des  Messias, 
die  Rede  ist,  entstanden.  Text  E  schildert  noch  die  Mitteilungs- 
weise, wie  dieser  Engel  die  Weissagungen  des  Malachias  kund 
tat.  Das  Sepher  Sophthim  (Buch  der  Richter)  mußte  sich  alle 
möglichen  Verballhornungen  gefallen  lassen;  die  Lesart  in  Spher- 
telleim  in  B  mochte  auf  Verwechslung  mit  Sepher  tehilim  be- 
ruhen. Die  Anspielung  bezieht  sich  auf  die  Erscheinung  des 
Engels  des  Herrn  in  Judic.  2,  1. 

§  24.  Isaias. 
Hödtaq  o  JzQO<prJT?]g,  vtbq  Afimg,  sytvero  (ikv  sv  Ieqovoci- 

2  Jes.  1,  1;  4  Reg.  14,  10—15;  Isa,  c.  20,  2 

2  [ABCDFQ]  6  -f-  fi£ya"/.0(f(i)vöxaroz  F  o  —  iv]  >)v  anb  B  6  +  fxi- 
yaq  D       6  noo(p.  <  C       vlöq  —  fr]  i)v  and  DF       eytveto  —  iv]  r^v  and  C 


1)  Vgl.  Eusebius-Hieronynius,  Onomastikou  der  bibl.  Ortsnamen, 
hrsg.  von  Er.  Klostermann  S.  156,  25. 

2)  Die  Ansicht,  daß  Malachias,  dessen  Vater  nirgends  genannt  wird, 
ein  Engel  in  Menschengestalt  gewesen  sei,  wovon  Origenes,  Hieronymus 
und  Cyrillus,  letztere  zwei  ohne  ihr  beizutreten,  berichten,  kennen  unsere 
Texte  nicht.  Vgl.  Aug.  Knobel,  Der  Prophetismus  der  Hebräer  11  p.  3S6, 
Anm.  2. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  75 

Xr/tu  ex  <pvX?jc  Iovöa'  &vrjGxei  öh  vjto  MavaGGt}  xov  ßaGiXemg 
'iovöa.  Jigio  freie  eig  ovo  xal  hrifh}  vjtoxarco  ögvbg  'PcoyijX  eyö- 
fisva  x?]g  öiaßaGeojg  rcöv  vöaxcov.  cov  aJicoXeGev  'ECexlag  o 
ßaGiXevg  yrnGag  avxa. 

0  öh  frebg  xb  Gr\y.elov  rov  SiXmay,  öia  xov  srgog)^xt]V  5 
ezzolrjoev,  öxi  ngb  xov  ajtod-avüv  oXiycoQTjöag  :  xgoGr]vi-axo 
jtieiv  vöcoq"  xal  evfrewg  aJteGxaXf]  avxcp  eg  avxov.  Aia  xovxo 
txXtjß-ij  xb  ovofia  JSiZcoa/i  o  lgio]vevexai  ajreüxaXfievog.  Kai 
£jtl  ECexiov  xov  ßaGiXewg  jtqo  xov  JiotT/Gai  avxov  xovg  Xax- 
xovg  xal  xccg  xoXv^ßijfrgag  em  evyjj  xov  Jtgocprjxov  'Hgcuov  10 
(itXQOV  vöcoq  £gelr]Zvd-£v,  Öxl  i)v  b  Xabg  ev  GvyxXeiG\iä>  xcov 
aX).o<pv).oiv,  xal  Iva  tut)  öiapfragy  i)  JioXig  cog  ///)  hyovoa  vöcog. 

Hqcüxojv  yag  ol  jioXe\uioi  jtbd-i  jtivovGiv;  ov  yag  eiöt/Gav 
eyovxeg  öh  xtjv  JtbXiv  jragexa&lCovxo  xcp  2iXma[i.  Oxs  ovv 
ol  TovöalOL  i)Qyovxo  avxXelv.  e^rjgexo  avxov  vöoyg  xalvögevovxo;  15 

01  öh  aXXÖ<pv).oi,  ovyl  evgiGxov'  expevye  yag  xb  vöodq.  Aib  xal 
scog  xr/g  Gr^tegov  alqpviöicog  e^egyexai,  iva  öery&ü  xb  uvGxrjgiov. 

1  f  ascensio  Isaiae  aethiop.  c.  5;  graece  c.  3,  19  u.  4  (Q).  Ose.  v.  Geb- 
hardt  in  Zeitschrift  f.  wissensch.  Theologie  XXI,  Leipzig  1878,  350  ff.  — 

2  cfr.  Hebr.  11,  37;  Justin,  dial.  c.  Tryph.  c.  120,  Tertullian  de  patientia 
c.  14;  seorpiace  c.  8;  andere  patrist.  Belege  bei  Schürer,  Gesch.  des  Is- 
rael. Volkes  JJJ3  283  —  3  2  Chron.  32,  3;  Sir.  48,  17  —  7  Joa.  9,  7  — 
10  cfr.  Is.  22,  9—11  vide  Hamaker  p.  79—94. 

1  ex — 'Iovöa  <  BCDF  9-v/jOxei —  ovo]  9-eToq  öh  vTirjoye  xov  ßaoi- 
Xe<aq  Mavaoofj  viov  'Et,exlov.  'EXtyyojv  öh  avxov  £nl  xaiq  avouiaiq  avxov 
tnniod-t]  elq  ovo  fiexa  §vXlvov  noiovoq  FQ  xov  —  2  ^loiöa  <Z  BC  rov 
'lovöa]  ßaaiXhoq  ihn'  'Eg~exioi  D  9-vi'jOxei  —  2  xal]  avaioe&elq  öh  inb  M. 
nnioüslq  eh  ovo  C  |  2  ''Poyi)'/.  B  'AqojSjX  FQ  |  3f  b  ßaa.  <  C  |  4  xaxaywoaq 
D  avxa  -\-  öiä  xovq  noXe/xlovq  F  |  5  Kai  b  9ebq  BCDF  |  (>  9-aveTv  A  | 
7  avxov  -f-  ^ü>r  vöa)Q  FQ  |  8  xb  uvoua  BCDF  xal  inl  —  neol  avxov  <  F  | 
Kai  —  9  avxov]  'E'Zexi'aq  f?ii  tCov  eiyCov  xovxov  ^noirjoev  C  xov  ßaai- 
?.ea)q  <  BD  |  10  inl  —  ^Haai'ov  <  C  |  11  fxixobv  +  yäo  ?]v  vöcjq  £ceh]?.vd-öq 
C  6  ?.abg]  >t  nbXig  T&v  <C  BCD  avyxXeio/uö)  xCov  ä).Xo(f.]  avxaZq  Mwäß 
r./j.aif  i/.wv  B  |  12  "6o)Q  +  inoirjaev  xovxo  C  |  13  rjoüixcov  —  2iX.]  xal  i'aav 
ovv  tjoyovxo  ol  no?.tluioi  ävx/.rjoat,  oix  ijoyexo  vövoq,  oxav  6h  'iovöaioi 
%Q%ovto,  tfoxero  xal  xb  vöojq.  "Oxav  ea><;  C  ob — 14  6h  ov  yaoaxtooav- 
xeq  B  tyaoaxiuoav  D  neoiexa&e'C.ovxo  D1  oxe  — 15  avxov]  oxav  ovv 
fJQZOvro  oiv  xö>  "Hoala  ol  'lov6aloi,  £<-rjoyexo  xb  BCD  |  15  xal  — 16  i 
■<  BC  xal  —  i6ojp]  inav  6h  ol  a.XXb<pvXoi  tfoyovxu,  ovx  fi>,'o/;  r<»  xb  döotQ 
D  |  17  yci'oyi-Tai  -f-  xal  xaxä  x^v  iooav  )]v  ^Q%£to  'Haalaq  xbxe  ovv  zoiq 
'lovöaioiq  DQ        xb  +  (xeya  xovxo  BC 


76  Schercnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Kai  etcsiö?)  öia  zov  'Haatov  xovzo  ysyovs  (ivtjfiqq  yaoiv  yML  o 
Xabq  Jtlrjölov  avzov  süiinsXmq  s&aipazo  xai  svÖöswq,   'Iva  öia 
zmv  svyßv  avzov  smq  zsXovq  lymöiv  zrjv  aJioXavoiv  rov  vöa- 
zoq.     XQ?]G[<6g  yag  sooft?]  avzolq  jtsgi  avzov. 
5  "Eon  ös  o  zacpoq  lHoäiov  rov  JiQofprjzov  syoixsva  rov  zarpov 

rcöv  ßaöiXsoov  ojildco  rov  za<pov  zeöv  IsQsatv,  sjii  zb  fii-Qoq  zb 
jtobg  vbzov.  JZoXofiätv  yho  olxoöofiäJv  'iEQovoaZij/i  ejtolrjös 
zovq  za<povq  zöjv  ßaoiXsov  zov  Aaßiö  öiayoaipavzoq  avzovq. 
Eözi  ös  xaz    avazoXaq  zrjq  Sicov,   ?jziq  syst   siooöov  aJtb  ra- 

10  ßaatd-  firjxoftsv  zrjq  xoXsmq  özaöiovq  x .  Kai  sjtoir]6E  oxoXiav 
Ovvd-szov  avvjiov6>]zov  xal  söziv  sa>q  Gtjiieqov  zolq  JioXXolq 
ayvooviitvt)  (A). 

Exsl  slysv  6  ßaöiXsvq  [JEoXofioöv]  zb  yovolov  zb  fcj  AHrio- 
Tiiaq  xal  za  aoaifiaza.     Kai  sjcsiörj  eöei£,ev   ECsxiaq  zb  (IVöttj- 

15  qiov  Aaßiö  xai  2oXo{icöv  zolq  sfrvsGi  xai  sfiiavsv  oözä  zä>v 
jiQOJiazoomv  avzov,  öia  zovzo  o  ftsbq  sjc?]Qaöazo  siq  öovXsiav 
sösoüai  zb  6Jt£Q{ia  avzov  zolq  s%d-golq  avzov.  Kai  axaojiov 
avzov  xai  ayovov  EJtoirjösv  o  {rsbq  cuib  zrjq  ?][i£Qaq  sxstvrjq  (B). 

Isaias1,  filius  Amos,  non  Arnos  prophetae,  sed  alterius  qui 
siniili   nuncupatus   est   nomine:    ille    enim    ex  numero   pastorura 

13  4  Reg.  20,  13  ff;  2  Chron.  32,  27  —  17  4  Reg.  20,  18 

2  Xabq  -\-  zä>v  ^Iovöaiwv  B  avzov  -+-  zov  HtXa)ätu  %9-arpav  BCDQ  | 
i&äipazo  <  BCD  |  3  zübv —  zeXovq]  oolwv  avzov  nQooev/ß»-  xal  /neiä  &d- 
vcczov  avzov  woavxojq  BCD  |  4  ozi  xal  XQ^jOfiöq  B  yäo  <  B  avzov] 
zov  vöazoq  CDQ  avzov  +  zov  noiijoai  ovziaq  B 

5  "Hoaiov  <  BCD  i%6tuEva  +  z/]\;  ööov  D  |  (>  ßaoüluiv]  'lorSa'nov 
ßao.  +  AaßlS  xal  SoXo(jtä>vzoq  F  önioo)  —  leoecjv  <Z  BD  |  7  olxoöouüiv 
"Ie ().  <  BCDFQ  |  8  xCov  ßaoiXkov  <  BCDF  ÖLayofapaq  B  avcovq—9 
dh  <  BCDFQ  |  9  raßacov  FQ  |  10  x]  elxool  BF  ovrd-eoiv  AC  xal  aii- 
&exov  x>jV  el'ooöov  D  l  11  ävvnovötjxov -{- x>tv  ELOodttr  totq  noXkolq  FQ 
avvrc.  +  xolq  noXlolq  D  ioxiv  +  /)  si'aoöoq  B  |  12  äyvoovfxsvii  --  tSw 
Ieqewv  xal  oXo)  xöj  kaö)  BDFQ 

13  — IS  ixEivtiq  <  A  SoXouCov  <  CDF  I  14  EZexIcc;  6  ßaoi?.£v; 
DF  (jLvazijQiov  -\-  zov  F  |  15  SoXofiCbvxoq  FQ  xolq  E'h-EOi  <C  C  | 
l-O-r.  4-  xoT^:  Ilcßvlojvloiq  DFQ  ztbv  noonaz.]  zov  zönov  Tt'or  TiaziocüV 
DF  nazioiov  C  |  1(J  ETiaoäaazo  C  |  17  EOEG&ai  <  C  |  18  xal  ayovov  <DF 


1)  Cod.  Monteeass.  117  pag.  1  (Bibliotheca  Casinensiß  tom.  III  1877, 
58)    hat    eine   kurze  vita  vor    dem   Prologe    des  Hieronymus    in   Isaiam: 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  77 

fuit  de  oppido  Thecue,  hie  autem  genere  nobili  ortus  in  Jeru- 
salem. Quem  etiam  aiunt  Hebraei  socerum  fuisse  Manasse.  In 
quo  tanta  fuit  sanetitatis  et  vitae  excellentia,  ut  unam  tantum 
dicatur  habuisse  tunicam,  et  hanc  cilicinam,  quaeque  etiam  post- 
modum  pro  delicto  populi  abieeta,  saeco  membra  cooperuit.  5 

Sed  et  hoc  ad  extremum  deposito,  iuxta  Domini  imperium 
nudo  corpore  nudoque  vestigio  in  conventu  populorum  versatus 
est,  sieque  ferrorem  aestivum  hiemisque  pruinas  atque  imbrium 
tempestates  sustinuit,  ut  et  Dei  praeeeptis  obediret,  et  populi 
deploraret  delicta.  10 

Hie  quindeeim  gradibus  ascendentem  umbram  retrodescendere 
jussit.  Huius  oraculo  rex  Ezechias  mortis  dilatationem  promeruit. 
Hunc  autem  Manasses  extensum  a  vertice  per  medium  seeuit, 
atrocique  supplicio  exeruciatum  exstinxit. 

Tradunt  autem  Hebraei  duabus  ex  causis  interfectum  fuisse  15 
Isaiam:  una  quod  eos  appellaverit  prineipes  Sodomorum  et  popu- 
lum  Gomorrhae;  altera  quod  testante  Domino  ad  Moysem:  „non 
poteris  videre  faciem  meam",  iste  ausus  est  exclamare:  „Vidi 
Dominum  sedentem  super  solium  excelsum  et  elevatum",  non 
animadvertentes  caecati  mente  Judaei,  quod  in  sequentibus  faciem  20 
et  pedes  Dei  Seraphim  texisse  narraverat,  ac  media  tantum  eius 
vidisse  propheta  ascribat.  Iacet  sub  quercu  Rogel,  iuxta  decursus 
aquarum,  quas  Ezechias  rex  Juda  mole  construeta  terrae  ex- 
posuerat  Li. 

I.  Isaias.     Manasses  Ezechiae  filius,  serra  lignea  eum  inter-  25 
fecit.     Depositus   ante   canalem,    quem  Ezechias   ad  ripam   Siloa 
fodit  Sb. 

II.  Isaias  fuit  in  diebus  Oziae  et  Joathan  et  Achaz  et  Eze- 
chiae regum  Juda,  eratque  ex  tribu  Juda  et  mortuus  est  ac  se- 
pultus  in  Jerusalem  Ss.  30 

Für  die  großen  Propheten  haben  wir  nur  fünf  Textzeugen, 
da  E   (die  Scholienrecension)    keine  Viten   überliefert.     Auch   in 

19 — 20  Isidorus  interdum  nominativum  pro  ablativo  absoluta  i 
buit:  non  animadv.  J ad. 


in    Bierusalem    nobili    genere  aatus  est',     [bique    propbetavit   sali 
Miiiuissc  i-i  in  iliui.s  partes  oeeubuit.    Sepultue    est    sub   querou 

Rogel,  iii\t;i  fcransitum  aquarum,  quam  olim  Ezechias  rex  iacto  obstru 
pulvere. 


78  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

der  vita  des  Isaias  machte  Hamaker1  verschiedene  Vorschläge 
zu  Textverbesserungen.  So  möchte  er  statt  der  dgvg  PcoyfjX 
eine  jcrjjr]  lP.  korrigieren,  da  wohl  eine  Verwechslung  von  py 
(arbor)  und  "plP  (fons)  vorliege,  welch  letztere  aus  Itinerarien 
bekannt  sei.  Auch  in  manch  andern  Lesarten  der  griechischen 
Texte  sieht  Hamaker  Hebraismen-,  welche  er  zu  rekonstruieren 
sucht;  namentlich  auch  in  dem  Ausdruck  ev  OvyxXeiO(icp  xcöv 
ä/L/Locpv/Lcov:  als  das  israelitische  Volk  in  der  „Umschließung 
fremder  Völker"  (Assyrier)  war.  Auffallend  dürfte  die  Lesart 
vonB  sein,  welche  statt  dessen  liest  ev Ovxalg Mcoaß3  aXlocpvlcov , 
daher  auch  die  Übersetzung  des  Musculus:  nam  erat  populus  in 
campestribus  Moabitarum  alienigenarum.  Hamaker  erklärt  diese 
Lesarten  durch  einen  technischen  Irrtum  des  Schreibers,  dessen  Vor- 
lage also  lauten  mochte:  ZYTKAEIZ  MQTQN  AAAO&YA&N, 
wobei  er  das  [lajvcov  als  Abkürzung  für  Mojaßircov  gehalten 
hatte  und  dann  OvyxXeiQ,  weil  unverständlich  in  ovxalq  abänderte. 
Ein  Zweifel  an  dieser  sehr  gefälligen  Erklärung  wird  nur  durch 
die  Lesart  Mcoaß  in  B  statt  Mcaaßixoov  verursacht.  Ebenso  führt 
Hamaker  die  Differenz  im  zweiten  Teile  der  vita  zwischen  (xarpov 
xcöv)  Isqscov  (in  AC)  gegen  'iovöaicov  (B)  auf  verschiedene  Auf- 
lösung der  Sigle  1QN  zurück. 

Inhaltlich  unterscheiden  sich  unsere  griechischen  Recensionen 
nicht  in  einer  Weise,  daß  man  gezwungen  wäre,  zweierlei  Typen 
anzunehmen.  Vielmehr  zeigen  die  sonst  am  meisten '  entgegen- 
gesetzten Texte  A  und  B  weithinige  wörtliche  Verwandtschaft; 
dabei  ist  eine  gewisse  stilistische  Abhängigkeit  in  ACD  zu 
bemerken,  während  B  wiederum  eigene  Wege  geht, 

Quelle  unserer  Texte  ist  teilweise  die  apokryphe  ascensio 
Isaiae,  deren  Entstehung  Em.  Schürer4  dem  ersten  Jahrhundert 
zuweist.  Die  zweifache  Überlieferung  der  ascensio  gewährt  uns 
einen  Einblick  in  die  verschiedenartige  Ausbildung  der  Legende. 


1)  a.  a.  0.  S.  63,  75  ff. 

2)  S.  65,  68. 

3)'  Cfr.  Isa.  15,  1.  2. 

4)  Geschichte  des  jüdischen  Volkes  im  Zeitalter  Jesu  Christi  III.  Bd. 
3.  Aufl.  Leipzig  1898,  S.  283.  Vgl.  0.  Zö ekler,  Die  Apokryphen  des 
Alt.  Testaments  nebst  einem  Anhang  über  die  Pseudepigraphenliteratur, 
München  1891,  439  ff. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  79 

Die  äthiopische  Überlieferung,  durch  Aug.  Dillmann1  veröffent- 
licht, gibt  das  ursprüngliche  Buch  im  wesentlichen  wieder,  von 
welcher  sich  der  griechische  Text,  von  Osk.  von  Gebhardt2 
veröffentlicht,  stark  unterscheidet.  Letztere  Textgestalt,  eine  Be- 
arbeitung der  visio  als  christliche  Heiiigenlegende,  nähert  sich 
unsern  Texten  ganz  bedeutend,  ja  mag  mit  ihnen  aus  derselben 
Bearbeitung  hervorgegangen  sein.  Unsere  Texte  bieten  nicht 
den  vollen  Inhalt,  z.  B.  verraten  sie  nirgends  Anspielungen  auf 
die  eigentliche  visio  Isaiae,  die  visionäre  Reise  des  Isaias  durch 
die  sieben  Himmel;  andererseits  haben  sie  Zusätze,  welche  in  der 
äthiopischen  ascensio  nicht  überliefert  werden,  z.  B.  die  kurze 
Erzählung,  welche  den  Quell  Siloah  durch  das  Gebet  des  Pro- 
pheten hervorsprudeln  läßt,  sie  wird  auch  in  der  griechischen 
ascensio  erwähnt.  Osk.  v.  Gebhardt  glaubte,  daß  diese  Erzählung 
vom  griechischen  Bearbeiter  erfunden  sei;  „wenigstens  scheint  sie 
sonst  weder  in  der  jüdischen  noch  in  der  christlichen  Literatur 
vorzukommen". 

Leider  wissen  wir  über  die  Entstehuugszeit  und  über  eine 
etwaige  Grundschrift  unserer  Texte  nichts  Gewisses;  dennoch 
dürfen  wir  vorerst  als  erste  Zeugen  dieser  Überlieferung  unsere 
Texte  betrachten,  aus  welchen  sie  dann  erst  in  die  griechische 
ascensio  überging.  Unsere  Texte  zeigen  überhaupt  nur  in  der 
Schilderung  des  Martyriums  des  Isaias  Verwandtschaft  mit  der 
äthiopischen  ascensio  Isaiae,  mit  welcher  die  griechische  sonst 
inhaltlich  übereinstimmt.  Dies  ist  wohl  nur  dadurch  erklärbar, 
daß  eben  die  griechische  ascensio  Isaiae  aus  unsern  Texten  diese 
neuen  Stücke  aufnahm,  und  zwar  in  einer  Bearbeitung,  wie  sie 
einer  unserer  spätesten  Textzeugen  aufweist,  nämlich  jener  der 
griechischen  Synaxarien  und  Menologien  (F). 

Osk.  v.  Gebhardt  hatte  bereits  unsere  Texte  auf  die  Ver- 
wandtschaft mit  der  griechischen  ascensio  angesehen  und  heraus- 
gefunden3,   daß    die   Erzählung    der    griechischen    Menaeen    am 


1)  Ascensio  Isaiae  Aethiopice  et  Latine  cum  prolegomenis  adnota- 
tionibu8  criticis  et  exegeticis  additis  versionum  latinarum  reliquiis  edita 
;il)  Aug.  Dillmann,  Lipsiae  1877. 

2)  Die  ascensio  Isaiae  als  Heiligenlegende  in  Zeitschrift  für  wissen- 
schaftliche Theologie  XXI.  Jahrg.  Leipzig  1878,331. 

3)  a.a.O.  334;  im  griech.  Text  c.  IV  beginnend  S.  351. 


§1)  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

meisten  damit  harmoniere,  daß  die  übrigen  Recensionen,  nament- 
lich jene  des  Dorotheus,  sich  bei  diesem  Gesichtspunkt  im  Nachteil 
befinden,  d.  h.  minderwertig  seien.  In  der  Tat  ist  das  Verhältnis 
umgekehrt.  F,  der  Text  der  Menaeen,  ist  nach  allen  Proben  der 
andern  Viten  der  jüngste  und  am  wenigsten  ursprüngliche,  seine 
Redaktion  überragt  nicht  das  10.  Jahrhundert,  daher  ist  auch  der 
griechische  Text  der  ascensio  Isaiae,  weil  am  meisten  damit  ver- 
wandt, nicht  als  Maßstab  zur  Einschätzung  der  übrigen  Text- 
zeugen aufzustellen. 

Was  nun  die  Schilderung  des  Martyriums  des  Propheten 
anlangt,  so  weiß  kein  einziger  unserer  älteren  Zeugen  etwas  von 
der  spätem  Ausschmückung,  wonach  ein  Versuch,  die  Todes- 
strafe1 am  Propheten  mittels  einer  eisernen  Säge  zu  vollstrecken, 
sich  als  erfolglos  erwies,  „damit  die  einem  hölzernen  Instrumente 
geltende  Vorherbestimmung  wahr  werde",  sondern  sie  berichten  ein- 
fachhin  jiqiö&zIq  de  ovo.  Kur  F  und  Q  (c.  3,  15)  überliefern  diese 
Legende.  Wenn  Nestle2  meint,  daß  diese  Erzählung  auf  einem  miß- 
verstandenen Hebraismus  y$  lliCQ  Holz-  d.  h.  Baumsäge,  welche 
dann  als  hölzerne  Säge  gedeutet  wurde,  beruhe,  so  mögen  viel- 
leicht die  syrischen  Philippusakten3  zur  Verbreitung  dieses  Irr- 
tums weitergeholfen  haben,  welche  den  Isaias  von  Juden  mit 
einer  Säge  von  Buchsbaumholz  zersägen  lassen.  Die  Kunde  von 
der  Zersägung  ist  wohl  schon  in  Hebr.  11,  37  gemeint  und  in 
der  patristischen  Literatur  oftmals  schon  seit  dem  2.  Jahrh.  be- 
zeugt; „wahrscheinlich  stammt  sie  aus  der  ascensio  Isaiae"4  (äth. 
Text  c.  5). 

Isaias  wurde    nach    unsern   Texten    unter   der  Eiche  Rogel 


1)  E.  Kau tz seh,    Die  Apokryphen   und   Pseudepigraphen    des  Alt. 

Testaments.  Zweiter  Baud,  Tübingen  1900,  S.  126;  c.  5,  2  der  deutschen 
Übersetzung  nach  dem  von  Dillmann  veröffentlichten  äthiopischen 
Texte. 

2)  Marginalien  und  Materialien  II  47. 

3)  Wright  ed.  Apocryphal  Acts  of  the  Apostles  p.  83.  Vgl.  C.  von 
Orelli,  Der  Prophet  Jesaja,  3.  Aufl.  München  1904.  2.  vro  von  der  wei- 
teren Ausschmückung  in  der  judaistischen  Literatur,  Gemara  Jebamoth 
und  Sanhedrin.  die  Rede  ist. 

4)  Schürer  a.  a.  0.  III  S.  283;  Klostermann  in  HRE  VI3  über  die 
Todesart  und  den  Todestag;  Zehner  a.  a.  O.  S.  40. 


2.  Reeensionstypen  der  vitae  prophetarum.  81 

bei  der  Quelle  Siloe  begraben1;  Kaulen2  weiß  von  einer  andern 
„besser  beglaubigten"  Nachricht  zu  erzählen,  wonach  Isaias  Grab 
später  zu  Paneas  in  Basan  gezeigt  wurde,  von  wo  seine  Gebeine 
442  unter  Theodosius  II.  nach  CPel  gebracht  wurden. 

Nach  dem  eigentlichen  Abschluß  der  vita  des  Propheten 
bringen  sämtliche  Zeugen  außer  A,  also  BCDFQ  noch  einen  ge- 
schichtlichen Vorgang,  welcher  aus  4  Reg.  20,  13.  14.  18  ent- 
nommen ist  und  von  der  Grabschändung  des  Königs  Hiskia 
handelt,  weil  er  den  Heiden  in  die  Grabkammern  des  David  und 
Salomo  Eintritt  gewährte.  B  hat  den  Namen  Salomo  beigefügt, 
der  ebenda  auch  die  Goldschätze  und  Spezereien  aus  Äthiopien 
verbarg.  Die  Strafe  traf  Hiskia  und  sein  Volk,  welche  ihm  der 
Herr  durch  Isaias  verkünden  ließ;  jenes  traf  Unterjochung  durch 
Babylon,  ihn3  selbst  Unfruchtbarkeit.  Wir  haben  keinen  Grund 
diese  Stelle  als  spätem  Zusatz  zu  betrachten. 

§  25.  Jeremias. 
'isQEftlaq    6    jiQocpqTTjg    ?)v    e|   'Araftcbfr    xal    sv    Ta<pvaig 
Alyvjirov  Xtd-oßoXrj&slg  vxb  rov  Xaov  ereXsvT^osv.    Kürai  öh 
ev  xojtcp  xr\g  oixrjosmg  <PaQaco,  ort  ol  Ar/vjtnoi  eöo^aöav  av- 
xov evaQytTr/frtvTEg  vjt  avxov.    Aojridsg  yag  xal  xcöv  vöaxmv  5 

2  Jerem.  1, 1;  43,  S  —  3  cfr.  Hebr.  11,  37;  Tertull.  scorp.  c.  8  —  4  cfr. 
Jerem.  43,  9 

2  [ABCDF]  ö  ngocp.]  ix  ufjxoaq  ^yidoO-t]  F  i4va#d)9-  ytooaq  x>]q 
^lovöaiaq  F  Tä<pv.  -+-  xrjq  CF  |  3  XiQ-oiq  ßXrjd-elq  CDF  ixeXevxtjoev] 
dnod-vt/oxei  BCDF  xelxai  6h]  xal  xl&exai  F  |  4  xönio  x.  olx.\  n\i]aiov 
xfjq  olxiuq  C  |  5  avxov  -f-  r\v\iXO  yho  avroTq'B  aoniöeq  —  vöäxatv]  tjv§axo 
yao  xal  ai  öXo&QtiovGai  avxovq  äanldeq  änedavov  xal  ol  iv  xoiq  vöaoi  DF 
rjv^axo  yag  xal  al  aoniöeq  avxovq  ei'aoav  xal  xibv  iSäxwv  ol  S-i/oeq  CD 
aoniöeq  yaQ  xal  <  B        xvjv  +  yao  B        &rjoeq  -f-  rfvö%Xovv  avxov  B 


1)  Damit  auch  fernerhin  nach  seinem  Tode  diu  xö)v  ei^cuv  avxov  die 
Quelle  sprudle.  Grynaeus  übersetzte  diese  Stelle:  per  sanctos  illius  preces, 
quas  videlieet  semel  cum  viveret,  ad  Deum  effuderat.  Zehner 
a.  ;i.  0.  j>.  51  f.  fügt  bei:  Grynaeus  .  .  .  veritus  procul  dubio,  ne  ponti- 
ficii  hoc  testimonio  abuterentur  ad  stabilicndani  sanctonuu  invocationem. 

2)  Einleitung  ins  A.  T.  3.  Aufl.  352  aus  den  Acta  SS.  Holland.  Juli  II 
p.  250;  s.  Nestle,  Margin.  II  48. 

3)  Hamaker  p.  69  glaubt,  daß  diese  Strafe  auch  auf  seine  Nach- 
kommenschaft auszudehnen  und   avxbv  im  Texte  zu  streichen  sei. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  {j 


82  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

&rjoeq,  ovq  xaXovoiv  ol  Aiyvjtxioi  Ne<pco&-,  EXXijveq  xovq  xqo- 
xoötLXovq,  rjöav  avxovq  &avaxovvxeq.  Kai  ev^cc^epov  xov  jiqo- 
<pr\xov  TsQEfilov  excoXv&r)  ex  xtjq  yyq  exelvr\q  o  &vfioq  xcov 
actiiidcov  xal  ix  xov  xorccfiov  coöavxcoq  xo  eveögov  xcov  &?]- 
5  q'lcov.  Kai  6öoi  elolv  xloxo'l,  ecoq  ör^iegov  evyovxcu  ev  xcö 
xöjtm  exe'ivco,  xal  Xafißdvovxeq  xov  yooq  öijyfia  dojtiöojv  &eoa- 
jcevovöiv,  xal  avxa.  xa  ftr/gla  cpvyaöevovoiv.  Hfteiq  de  rjxovOa- 
[iev  ex  xcöv  Jtaiöcov  Avxtyovov  xal  üxoXefiaiov  yegovxcov 
dvögcöv,  oxi  'AXe^avdgoq  6  xcöv  Maxeöovcov  ejiiöxaq  xcö  xonco 

10  xov  stgocprjxov  xal  ejiiyvovq  xa  eiq  avxbv  (ivöxTjgia.  eiq  AXe- 
£,dvögeiav  fiexeöxr]Oev  avxov  xa  Xeiipava,  Jtegi&elq  avxa  evöo- 
£-coq  xvxXcp'  xal  excoXv&rj  ex  x7jq  yr\q  exeivr\q  xo  yevoq  xcöv 
döJtlöcov  xal  ex  xov  jtoxafiov  coöavxcoq  xal  ovxcoq  eveßaXev 
xovq  ocpeiq   xovq   Xeyopevovq  dgyoXdovq ,    6  eöxiv  ocpiofid%ovq, 

15  ovq  9]veyxev  ex  xov  Agyovq  xov  IleXoJtovvrjOiaxov ,  6&ev  xal 
dgyoXaoi  xaXovvxai,  xovxeöxtv  Aoyovq  de§tol,  XaXiav  de  lyov- 
Olv  7jövxdx?)v  xal  jravevcovvfiov. 

Ovxoq  o  ütgocpr\xr]q  örjfiüov  töcoxe  xolq  Alyvjtxov  legevöiv 
Xeymv,  oxi  öel  öeiüfrrjvai  jidvxa  xa,  eldcoXa  avxcöv  xal  övfute- 

2  cfr.  2  Macchab.  15.  14;  Origenes  in  Joan.  t.  XIII  c.  57  etc.;  Schärer 
HI  3,  362  —  19  Isa.  19, 1 

1  Alyvnnoi  +  (xsv  D  [xsvvsq>ü)9-  B  aEXX.  +  6s  B  |  2  ?)aav  —  4f 
&rjgio)v  <'BDF  |  3  'isQEfxiov  <  C  ixcoXid-rjaav  C  6  &v/xög)  xo  ysvog  C  | 
5  soyg  -\-  x?]g  F  orj/nsgov]  rov  vvv  C  |  <>  sxsivco]  oaov  xsTvxai  C  xov 
yoog]  rov  yovv  F  yobg  +  rov  xönov" 6?py/j.axa  avQ-ocorcov  B  xal  \  1  xcl  -+- 
noXXol  B  xal — 8  avdpibv] f  <Paalv  6s  F  avxa  <  C  &tjg[a  +  iv  rö)  vöan 
B  xa  xovtv6axog  CD  ^Hßsig — 17  navsvüivvixov  <  A  |  9  av6oCov\  nviov  C  | 
xöiv  Maxs6.]  Maxsötov  CF  rönoj]  räcpco  F  |  10  imyvovg — /nvart'joia]  tua9-u)v 
rix  xar^  avxov  F  |  11  (Hainaker  p.  100  corrigit  naQaQ-slq  ...  7ivs?.io)  tcsqi- 
&sIq  — 17  navsvihvvßov]  xal  ravra  navrayov  rijq  nöl.sajq  xaraonsigaz  xal 
xvxka)  rairriq  avrä  nsgi&slg  rag  [xsv  äo7il6ag  ixslftsv  äns6lü)§er,  ävxeioi)- 
yays  6s  rovg  o<psic  rovg  Xsyofxsvovg  ägyo).äovg,  ovg  sx  rov"Agyovg  rtvsyxsv 
ixsi&sv  syovxag  rtjv  ngoarjyoQiav  F  nsoi&slg]  negiaxsü.ag  C  |  12  ixslvTjg 
<  CD  |  13  oioavxoig  +  t«  &i]Qia  C  uioaircog  +  rovg  y.Qoxo6iXovg  D  xal 
ovrtog — 17  navsvthvvfiov  <  C  |  14  ay^oXag  D  ayoölai  \  1(>  ös&ol  mutat 
Hamaker  p.  101  in  6iipiov  laliav  — 17  navsvihvv/xor]  Xaiäv  ycto  ).syor- 
oiv  näv  sviovifiov  D  -(-  rö  6h  "Apyog  ooov  avaxoXtxöv  D1  (Hamaker  corri- 
git p.  102  xb  6s  äoyaXov  öoog). 

18  7tQO(p.]  >'IsQSiuiag  BD  Js6u)xs  6s  6  7too<p.  F  6s6ujxs  CD  isga- 
rsvoiv  C  |  19  Xsywv  <  BCDF      nävxa  <  CF 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarurn.  83 

oelv  Tß  i£iQ03ioh]za  üiavxa,  oxav  ijtißf]  iv  Alyvjixoo  naQ&ivog 
Xox^vovoa  ovv  ßo£<p£i  &£0£iÖ£l.  Kai  iyivsxo  avxolg.  Aib  xal 
vvv  rifiooöi  Jtaofrivov  Xoypvv  xal  ßgi(pog  kv  (paxvrj  xi&ivxeg 
jtooöxvvovoc  xal  ÜToXtfiaim  xoo  ßaöiXsi  Jtvvfravoftivm  xijv 
alxiav  sXsyov,  ort'  jzaxoojiaoadoxov  r/tuiv  ioxi  [ivöxtjqiov  vjco  5 
oölov  xov  jtQocprjxov  xolg  jcaxgaoiv  rjficöv  jiaoado&av  xal  sx- 
dex6tu£&a  xb  Jtigag  xov  {ivöxrjQiov  i/tucöv. 

Ovxog  o   JcQo<p?]T?]g  jtgo  xrjg  aXcoöEcog  xov   vaov  ?'jQJtaötv 
Tt]v  xißcoxov  xov  votuov  xal  xa  iv  avxy  navxa  xal  ijcob]0£v 
avxct  xaxajrofrijvai   iv  xixoa  xal   eljtev  xolg  hgsvöi  xov  Xaov  10 
xal  rolg  Jtg£ößvxigoig  jiag£6xcoOiV  djtsörjfirjOEV  xvgiog  Ix  Siva 
dg  xovg  ovgavovg,   xal  jraXiv  eXevosrai  iv  övvafisi  ayla.     Kai 
xovxo  örjfiElov  torai  x?]g   avxov  xagovolag,    öxs  BvXov  Jiavxa 
xa  h&vrj  JtQoOxvvi']Oovöiv.     Eljts  6h   avxolg,    ort   xrjv   xißcoxov 
xavxrjv  ovöüg  avajrxvgsi  sxi  hgioov  //  jtgocprjxoov  d  fi?]  Mcovöi]g  15 
o  ixXexxog  xov  ß-eov'   rag   iv  avxfi  jtXaxag   ovöalg  avaütXooöu 
ei  [i ij   .  tagoov.     Kai  iv  avaoxaoei   ttqojxov  r\  xißooxbg  avaox?]- 
osxai  xal  i$tX£vöexai  ix  xrjg  Jiixgag,  xal  x£&rjö£xai  iv  xoo  oq£c 
2£ivä  xal  JiavxEg  oi  ayioi   jrgbg  avxov  övvayd-r)oovxai  ixü  ix- 
Ö£x6ft£Voi  xov  xvgiov,    xdi   xov   iyß-Qov  cp£vyovx£g  ccveXüv  av-  20 
xovg  fttXovxa. 

Kai  iö(pgayiG£  xijv  Jtixgav  xoo  öaxxvXco  xb  ovo{ua  xvqiov 

8  2  Macchab.  2,  4—8 

1  xa —  2  avxolg]  6ta  aojti/Qog  naiöiov  ysvvw/usvov  iv  (paxvy  F  Sia 
oojz>]noq  nai6dg  ix  naoO-svov  ysvo.uivov,  iv  <päxvy  6s  xeifiivov  B  6iö 
—  7  ijfxüiv  <  A  6w]  xal  6ia  xovxo  F  xal  -f-  £(*><;  BCDF  |  3  xi[(Gdoi]  9eo- 
Ttowvai  BDF  loyov  BDF  xal]  öiäxoi  xal  F  |  4f  xtjv  alxiav  <.  B  | 
5  ijßiv  <Z  BD  |  6  xal  ixSe%- — 1  ijfiibv  <  B  |  7  nipag  -\-  <p?]olv  C  ty/übv 
<  F  |  8  Ovxoq  6  7iQO<p.]  Xiyexai  6s  tisqI  xov  7iQO(pt'jxov  oxi  F  no<i(p.  + 
ISQSftlaq  B  |  10  avxa  +  ind  nixpag  F  xaxanod->~pai]  xaxaxsSfjvai  B  | 
iv  TtsxQa<iY  leoevoi — 11  7ioeativx.  <  BCDF  xal  einev]  Xiywv  C  | 
11  ix  2iibv  C  iv  Sivä  CF  |  12  slg  —  ovgavovg  <  C  xov  ovoavöv  BDF  | 
iXevaerai  +  vofxofrtxrjg  ix  2i<hv  B  vonod-ecrjaai  ir  —nä  F  ayla  ■<  BCDF  | 
tovto  <  BCDF  |  13  saxeu  BCD  |  14  sine  —  oxi  <  C  avxoTq  <  BDF  ti]v 
+  6s  C  |  15  ov6slg  -f-  ixßaXsl  (ixßüD.si)  CD  st  fi^  'Aaowv  xal  t«,-  iv 
amy  n).äxag  oh6slg  ävanxit-st  ovxsxi  BCDF  |  16  — 17  Aagthv  <  BCDF  | 
17  r.vcozi'iosxai]  x?]  >i,u>9a  1*1$  avaaxäasoig  B  tiqojxt]  BF  xiß.  -)  tov 
Usov  C  |  18  ix  x.  nixQag  <  F  xal  +  xbxs  C  |  20  xvqiov]  rov  Xoiavdv  C  | 
xdv— 21  üü.ovza  <  C 

22  xal  —  iv]  'Er  6s  xt]  nixoa  BCDF-f  ixslr),  B     xvqIov]  r<>r  &eov  HCDF 

IJ* 


84  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

xal  yeyovev  o  xvjtoq  o^q  yXv(pr\  öidr/gov  xal  verfielt]  eöxejtaöe 
xt]v  Jiexgav  xal  ovöelq  voel  xov  xojtov  exelvov,  aXÜ  ovxe 
avayvcövai  övvaxai  xb  ovofia  ecoq  xrjq  ?/(ieQaq  xavx?]q  xal  ecoq 
xrjq  GvvxeXelaq  xov  alcövoq  xovxov.  Kai  eöxiv  rj  jtexoa  ev  xfj 
5  eQTjUop  Öjiov  i]  xißcoxoc  xqcöxov  yeyove,  fiexat-v  xcöv  Ovo  ooemv, 
ev  oiq  xelvxai  Mmvor]q  xal  'Aagcov.  'Ev  öe  xalq  vv$l  ve<fieXr\ 
coq  jivq  ylvexai  ev  xcp  xojtcp  exeivco  xaxa  xrjv  xvüiov  xoov 
agyalcov,  6xi  ov  [itj  jtavöexai  ?}  d6$a  xov  &eov  ex  xov  votuov 
avxov.  Aia  xovxo  eömx.ev  o  &ebq  xcp  'iegepia  yagiv,  iva  xb 
10  xeXoq  xov  (ivöxtjqiov  avxov  avxbq  üioir\öxi,  iva  yev?]xai  övy- 
xoivcovbq  Mcovoecoq  xal  AagcoV  xal  ofiov  elöiv  eojq  o?](iegov, 
exeiörj  xal  o  Iegefiiaq  eöxlv  ex  ojtegf/axoq  legaxixov. 

Jeremias  ex  tribu  sacerdotali  ortus,  in  vico  Anathot  qui  est 
tribus  mülibus   ab  Jerusalem,   sacerdos   in  Judaea  positus,    pro- 

15  pheta  in  gentibus  consecratus,  antequam  plasmaretur  agnitus, 
antequam  [procederet  sanctificatus,  et  ut  virgo  permaneret,  ad- 
monitus.  Hie  praedicare  puer  coepit,  arguens  populum  ob  de- 
licta  et  saepius  cohortans  ad  poenitentiam,  sed  plebis  perfidae 
saevientis  crudelitate   afficitur  saepe   atque  ligatur,    in   carcerem 

20  etiam  mittitur,  proieitur  in  lacuru,  catenis  cingitur,  ad  ultimum 
apud  Taphnas  in  Aegypto  a  populo  lapidatur. 

Sepultus  est  in  eo  loco,  ubi  Pharao  rex  Aegypti  habitavit. 
Verumtamen  quia  preeibus  suis  serpentibus  ab  eo  loco  effugatis 
Aegyptios  a  noxio^aspidum   morsu   eripuit,  insigni  cum  veDera- 

25  tione  amplissimoque  honore  iidem  Aegyptii  colunt,  sepulcrumque 
eius  insigni  eultu  hactenus  venerantur  Li. 

2  2  Macchab.  2,  7  —  6— 7  2  Macchab.  2,  8 

1  yeyovev]  eyevexo  BF  yXvylq  F  ve<pe).t]  +  (pmxeivfj  BF  |  2  rqr 
nexoav]  xb  ovo/xa  BCDF  vortoei  F  ixeTvov  <.  BC  ixeTvov —  3  xaixyq 
xal  <  C  ovös  ävayriovat  avxov  övvaxai  xiq  eioq  ormeoov  xal  B  |  3  dvrr'j- 
aevai  ea>q  xrjq  rjftEoaq  exeivtjq  F  |  4  xov  alCoroq  xovxov  <!  BF  "Eoxi  6e  BF  | 
5  otiov  +  tiqCoxov  CF  noioxioq  D  ngCoxov  <  BCDF  |  <>  ev  oiq]  ev&a  F  | 
Kai  er  vvxxl  BCDF  |  7  ev  xü>  —  8  aoyaliov  <  B  ev — 8  agy.]  xaxa  xov  xv- 
nov  xov  agyalov  CD  enl  xov  xönov  xaxa  xov  xinor  xov  äoyaiov  F  |  0  vxi 
— 13  leoaxixov  <  F  |  9  öia  xovxo]  xal  CD  Jiä — 12  leoaxixov  <  A  j 
10  noit'/oeiev  D  |  11  xal  jlaovjv  ■<  D  xal  1-iaaöjv — 12  leoaxixov  C  | 
12  eneiöij —  leoaxixov  <  D 

21  Jeremiam  lapidibus  obrutum  fuisse  narrat  Tertull.  scorp.  8. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  85 

Jeremias,  filius  Helciae.  Judaei  eum  in  Aegypto  lapidarunt ; 
accusaverat  eniin  eos,  quod  idola  adorarent.  Aegyptii  eurn  prope 
palatium  Pharaonis  sepelierunt.  Amabant  enim  eum  valde:  quia 
orabat,  et  animalia,  quae  de  Nilo  ascendebant  et  homines  devo- 
rabant,  moriebantur.  Haec  animalia  crocodili  nominabantur. 
Cumque  Alexander  Philippi  MacedoDis  filius  veniret,  sepulcrum 
eins  exquisivit  eumque  secum  Alexandriam  tulit.  Hie  vivus 
Aegyptiis  dixerat:  Puer  h.  e.  Christus,  de  Virgine  nascetur  et  in 
praesepio  ponetur  et  idola  commovebit  et  destruet.  Ex  illo  tem- 
pore usque  ad  nativitatem  Christi  Aegyptii  virginem  et  infantem 
in  praesepio  erigebant  illumque  adorabant;  quia  eis  dixerat:  „in 
praesepio  ponetur"  Sb. 

12.  Jeremias  fuit  ex  tribu  Levi,  filius  Helciae  sacerdotis, 
sororque  eius  Susanna  erat.  Fuitque  tempore  quo  descendit 
capitivitas  in  Babylonem.  Lapidatus  autem  est  a  Judaeis,  qui 
remanserant,  cum  irent  Memphim  quae  est  in  Aegypto,  et  rnor- 
tuus  est  ac  sepultus  ibidem  Ss. 

Der  erste  Teil  der  vita  des  Jeremias  ist  allen  Recensionen 
gemeinsam  und  handelt  von  dem  wunderbaren  Einfluß,  welchen 
seine  Gebeine,  in  den  Bauten  des  Pharao  geborgen,  auf  die 
giftigen  Nattern  und  Wassertiere  ausübten,  so  daß  die  Aegypter, 
welche  davon  geplagt  waren,  auf  die  Fürbitte  des  toten  Pro- 
pheten hin  heil  davonkamen  und  gegen  den  Biß  der  Nattern 
geschützt  waren,  wenn  sie  von  dem  Schutte  des  Grabes  nahmen. 
Offenbar  ist  damit  eine  Lokalsage  wiedergegeben,  deren  Ent- 
stehung wohl  vorchristlicher  Zeit  angehört.  Im  2.  Makkabäerbuch 
15,  14 1  wird  ein  Satz  der  vita  des  Jeremias  zitiert:  o  JtoXXa 
jTQootvxof/evog  jcsql  rov  Xaov  xal  xi}o,  ayiag  xoXeooq  Iegefilaq, 
welcher  zwar  nicht  in  dieser  Fassung  sich  in  unsern  Texten  be- 
findet, insbesondere  fehlt  die  Beziehung  auf  Jerusalem,  wohl 
aber  ebenfalls  die  Fürbitte  des  Propheten  erwähnt.  Es  wäre 
nicht  unmöglich,  daß  mit  ev§afievov  rov  JTQoeprjTOV  'ieoefilov 
unserer  Texte  auf  denselben  Ausdruck  des  2.  Makkabäerbuches, 


li  Übersetzung  von  A.  Camphausen  in  E.  Kautzsch,  Die  apo- 
kryphen und  Pseudepigraphen  des  Alten  Testaments.  Erster  Hand,  Tü- 
bingen L900,  117.  0.  Zöekler,  Die  apokryphen  des  Alt.  Testaments 
nebst  einem  Anhang  über  die  Pseudepigraphenliteratur.  München  1891, 
S.  137. 


gß  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

das  auf  ein  Werk  eines  Jason  von  Cyrene  (c.  161  v.Chr.)  zurück- 
geht, angespielt  wird.  Bekanntlich  wurde  jene  Stelle  öfters 
Gegenstand  der  Kontroverse  —  namentlich  Origenes  fand  in  ihr 
die  Fürbitte  der  Heiligen  ausgedrückt1  — ,  demselben  Interessen- 
kreis gehört  auch  die  Stelle  unserer  Viten  ob  ihrer  Verwandt- 
schaft an. 

Die  Schlangen  heißen  (N)Ephoth,  B  überliefert  ft£W£<j)o)&, 
was  aber  nur  eine  Zusammenziehung  von  fihv  vtcpobft  im  Gegen- 
satz zu  dem  griechischen  Namen  öh  xQoxoösilovg  ist.  B  zeigt 
fernerhin  noch  Abweichungen  gegenüber  den  übrigen  Texten, 
indem  er  nur  von  Wassertieren,  nicht  von  den  Nattern  spricht. 
In  der  Tat  war  aber  auch  in  B  von  den  aOJtlösg  die  Rede;  denn 
das  sinnlose  örjytuara  avfrgcojiov  (Menschenbisse),  welche  auf 
des  Jeremias  Hilfe  geheilt  wurden,  rührt  sicherlich  nur  von  einer 
falschen  Auflösung  axmv  her,  das  die  übrigen  Recensionen  mit 
aöJtiöcov  wiedergeben.  In  dieser  vita  scheint  der  Vorzug  wirk- 
lich A  und  C  gegen  B  zuerkannt  werden  zu  müssen,  welche  fast 
als  einheitliche  Recension  auftreten.  Der  Kern  der  Erzählung 
knüpft  an  die  historische  Tatsache  von  dem  Aufenthalt  des 
Propheten  in  Taphne  an,  wo  er  am  Tore  des  Palastes  des  Pharao 
weissagen  sollte  (Jerem.  43,  9). 

Als  Abschluß  dieser  Schlangenlegende2  wird  in  allen  Texten 
außer  A  noch  eine  geschichtliche  Erzählung  Zweier  Greise,  Anti- 
gonus  und  Ptolemaeus,  eingeführt,  welche  noch  von  Alexander 
dem  Großen  wußten,  daß  er  die  Gebeine  des  Propheten  nach 
Alexandreia  bringen  ließ,  wodurch  die  Nattern  und  eine  Art 
Schlangen,  welche  agyoXaoi  hießen  und  ein  gar  süßes  und  wohl- 
klingendes Zischen  hatten,  ausgerottet  wurden.  An  der  Glaub- 
würdigkeit dieser  Erzählung  zweifelt  Hamaker3  und  meint,  daß 
der  Fälscher  sie  beigefügt  habe,  um  seiner  Erfindung  einen  ge- 
schichtlichen Anstrich  zu  geben.  Das  Urteil  ist  wohl  zu  hart: 
es  liegt  wohl  nur  eine  arglose  Wiedergabe  einer  alexandrinischen 
Sage  vor. 


1)  Em.  Schür  er,  Geschichte  des  jüdischen  Volkes  im  Zeitalter  Jesu 
Christi  m.  Bd.  3.  Aufl.  Leipzig  1898,  S.  360,  362. 

2)  Über  die  Schlangen,  Literatur  bei  Eb.  Nestle,  Marginal,  a.  a.  0. 
p.  50 f.;  zu  Argolaoi  v.  Suidas  ed.  Bernhardy  I  695,  15 — 21,  "svo  unsere 
Texte  benützt  sind. 

3)  a.  a.  0.  p.  100. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  87 

Der  zweite  Teil  der  vita  berichtet  von  emer  Weissagung  des 
Jeremias  an  die  ägyptischen  Priester,  daß  alle  ihre  Götzenbilder 
zusammenfallen,  wenn  eine  Jungfrau  mit  ihrem  gottähnlichen 
Kinde  nach  Ägypten  komme.  Daher  sollen  die  Priester  (bis 
heute)  eine  Jungfrau,  die  gebar,  und  ein  Kind  in  der  Krippe 
verehren.  Als  Ptolemäus  sich  nach  der  Ursache  erkundigte, 
gaben  sie  ihm  zur  Antwort,  daß  dieses  Geheimnis  von  dem  Pro- 
pheten überliefert  ist  [und  daß  sie  das  Ende  des  Geheimnisses 
abwarten  CD],  Auch  hier  hat  A  wiederum  den  letzteren  Zusatz 
von  der  Verehrung  der  Jungfrau  und  ihres  Kindes  durch  die 
Priester  weggelassen,  ebenso  die  Anfrage  des  Ptolemäus.  Ist 
vielleicht  der  Grund  darin  zu  suchen,  daß  BCDP  die  alexan- 
drinisch-ägyptische  Redaktion  darstellen?  Hamaker  vermutete, 
daß  gerade  in  dieser  vita  eine  längere  und  kürzere  Recension, 
welche  schon  bei  Beginn  der  Sammlung  so  gestaltet  war,  von 
jeher  im  Umlauf  war. 

Die  Quelle  der  hier  verwendeten  Sage  und  Legende  ist  strittig. 
Ob  in  der  Erzählung  von  der  Weissagung  des  Jeremias  ein  apo- 
kryphes Evangelium  benutzt  ist,  wie  Hamaker  annimmt,  bleibt 
vorerst  dahingestellt.  Erwähnenswert  ist,  daß  der  Verfasser  dieses 
Abschnittes  es  als  etwas  Sonderliches  darstellt,  daß  die  Ägypter 
eine  solche  Jungfrau-Mutter  und  ihr  Kind  verehrten.  Hätte  ein 
Christ  dies  geschrieben,  so  würde  er  dies  nicht  als  auffallenden 
Zug  berichten.  Vielmehr  scheint  hiermit  auf  einen  in  den  My- 
sterien1 und  bei  den  Gnostikern  üblichen  Kultus  angespielt  zu 
sein,  worin  in  nächtlicher  Procession  ßgecpoc  ev  (patvri  te&sv 
in  unterirdischen  Grotten  herumgetragen  wurde,  dessen  jung- 
fräuliche  Gebärerin  —  die  Köre  —  ebenfalls  Verehrung  genoß. 

Der  dritte  Teil  der  vita  berichtet  von  dem  Raub  der  Bundes- 
lade durch  Jeremias  vor  der  Einnahme  des  Tempels  und  wie  er 
dieselbe  in  einem  Felsen  verbarg.  Dabei  soll  Jeremias  eine 
Weissagung  an  die  umstehenden  Priester  und  Altesten  gerichtet 
haben,  worin  er  die  Bedeutung  der  Entfernung  der  Bundeslade 
in  messianischem  und  eschatologischem  Sinne  erklärte.  Moses 
und  Aaron,  zu  denen  sich  dann  Jeremias  gesellt,  sind  als  Wächter 
bis  zum  Weltende  berufen.     Auch  Eusebius   zitiert   in  praeparat. 

1)  CiY.  Epiphan.  adv.  haer.  51,  22  (ed.  Dindorf  II.  IM.    183,  L2 
BLUsener,  Reliyionsgcschichtl.  Untersuchungen.  Kister  Teil.  Das  Weih- 
aachtsfest,  Bonn  1889,  S.  27,  31. 


gg  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

evang.  IX  39  aus  einem  alten  Schriftsteller  Eupolemus1:  Nebu- 
kadnezar,  durch  die  Weissagung  des  Jeremias  aufgestachelt,  habe 
Krieg  mit  den  Juden  angefangen,  Jerusalem  eingenommen,  Gold, 
Silber  und  Erz  aus  dem  Tempel  genommen  x^Qh  *ov  xißcorov 
xal  rcöv  sv  avzy  nXaxcov'  ravtr/v  Öh  xhv  IsQSfiiav  xaraoytlv. 
Darin  mag  der  Grundbestand  unserer  erweiterten  Fassung  und 
jener  des  2.  Makkabäerbuches  c.  2,  4 — S2,  das  hierin  wohl  auch 
von  dem  wahrscheinlich  hebräisch  schreibenden  Palästinenser 
Eupolemus,  der  c.  158 — 157  v.  Chr.  schrieb,  abhängt.  Über  den 
Tod  des  Propheten  berichten  unsere  Texte,  daß  er  in  Taphne 
gesteinigt  wurde.  Die  syrischen  Philippusakten3  dagegen  er- 
zählten streng  historisch,  daß  Jeremias  in  eine  Schlammgrube 
(Jerem.  38,  6)  geworfen  wurde. 

Text  A  scheint  gegen  die  sonstige  Gewohnheit  den  kürzeren 
Typus  zu  vertreten,  während  CD  in  der  Ausdehnung  mit  B 
übereinstimmen,  dagegen  in  der  stilistischen  Form  mehr  mit  A 
als  mit  B  harmonieren.  Infolgedessen  mag  A  die  Vorlage  (von 
CD)  abgekürzt  haben,  B  den  erweiterten  alexandrinischen  Grund- 
stock vertreten.  Demgemäß  dürfte  in  dieser  vita  folgendes  Stemma 
die  Abhängigkeit  veranschaulichen. 

X 


CDF 


1)  „Das  Fragment  ist  nach  der  Lesart  der  bessern  HSS  anonym, 
darf  aber  aus  innern  Gründen  dem  Eupolemos  zugeschrieben  werden." 
Schürer,  Gesch.  d.  jüd.  Volkes  III3  352.  Huetius,  Deuionstr.  evang. 
Parisiis  1679,  p.  211  weist  es  Alexander  Polyhistor  zu. 

2)  E.  Kautzsch,  Die  Apokryphen  und  Pseudepigraphen  des  A.  T 
I.  Band,  Tübingen  1900,  S.  88. 

3)  Wright,  Apocryph.  acts  of  the  Apostles  p.  83  f.  Cfr.  Tertullian 
scorp.  8  (CSEL  XX  Vindob.  1890,  161,  2);  Hippolyt  de  Antichristo  (Aus- 
gabe von  H.  Achelis,  Leipzig  1897,  2.  Teil  S.  20,  15).  Ebenso  Hieronynius 
adv.  Jovin.  II  19.  J.  Dan.  Huetii,  Demonstratio  evangel.  S.  208  stellt  die 
abweichende  rabbin.  Überlieferung  über  das  Lebensende  zusammen.  Vgl. 
Aug.  K nobel,  Der  Prophetismus  der  Hebräer  II  261,  Anm.  5. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruni.  g9 

Über  Jeremias  und  die  Rettung  der  Bundeslade  durch  ihn 
hat  der  Dorotheustext  nach  den  Apostel-  und  Jüngerverzeich- 
nissen nochmals  berichtet  und  am  Schlüsse  des  Apostelverzeich- 
nisses neben  andern  Apokryphen  auch  dieses  Apokryphon  an- 
gefügt. Als  die  Prophetenlisten  in  späterer  Zeit  aus  ihrer 
Verbindung  mit  den  Apostel-  und  Jüugerlisten  weggelassen 
wurden,  wollten  manche  vielleicht  diese  kurze  Notiz  als  wichtige 
Sache  retten  und  hatten  sie  dem  Texte  angehängt.  „Was  hier 
über  den  Propheten  Jeremias  erzählt  wird,  findet  sich  wirk- 
lich in  der  dem  Dorotheus  beigelegten  vita  prophetarum"  l 
und  ist  ein  Zeichen  der  ursprünglichen  Anlage  des  Dorotheus- 
komplexes. 

§  26.  Ezechiel. 
Is^exirjX  6  JiQO(p7]trjg  vlbg  BovCtj.     Ovxog  ?)v  ex  yi]g  J£a- 
gigä  ix  xcöv  vloov  xcöv  agyitgecov  Aevtxi]g'   aJte&ave  öe  ev  xfj 
yf]   xcöv  Xalöaicov  em   xrjg    alyfiaXcoölag   JtoXXa   Jtgo(prjxevoag 
jcegl  xrjg  ejiioxgocpijg  xov  Xaov   xal   jtegl   xrjg   exavoöov  xcöv  5 
vlcöv    Ioga/jX   xal    xrjg   xov   xvgiov   jtagovolag.     Ajttxxeive    öe 
avxov  6  rjyovfievog  xov  Xaov  ev  xr~]  Jiagotxia  avxov  ev  Baßv- 
Xcövi,    eXeyyotuevog   vx     avxov   ejtl    eiömXcov    öeßaöfiaöt.      Kai 
td-aipav    avxov   ev  xop    aygcö    Maovg,    ev    xop    xacpop   -*?]{i   xal 
Agq)a$aö  jtaxegmv  Aßgadfi.     Kai  iöxiv  6  xdcpog  ecog  Or]tuegov  10 
ojrrjXawv  öutXovv.     Kai    yag    Aßgaafi    ev  Xeßgobv    Jtgbg    xr)v 
ofioioxrjxa   avxov   ejtoirjöev  xov  xdcpov  2aggac    xrjg  yvvaixbg 

2  Ezech.  1,  3  —  5  cfr.  Ezech.  28,  25  —  (>  cfr.  Ezech.  17, 18  s  —  11  Genes. 
23,  2  —  12  cfr.  Genes.  23,  9.  19 

2  [ABCDF]  6 — Hagiyä]  ovxäq  iaxiv  £<•  AqiqA  BF  |  3  ix  xGiv — Aev't- 
ttjq]  ix  (<  BF)  xCnv  ieqewv  BCDF        nni&ave —  S.  90  Z.  3  xigaq  eöcdxe] 

Xal   JlQOE(pl'/T6VOEV  EX7]  X  ,   TlQOSkaßE   ÖE   xijV  OaQXUiOlV  xov  Xqigxov   i'xtj   XQICC- 

xöaia  kßSofxrjxovxa  hnxä.  Kai  inl  xijq  aixf^oc).woiag  iv  yy  XaXSaicov  xal 
no).Xä  n QO(ptjXEiaaq  xoiq  iv  xy  'iovöaia  xalF  an£9-. — 7  BaßvXCovi]  äno- 
xxeivaq  avxdv  7/yov/j.evoq  xov  'lopat/X  ev  x%  yy  xCbv  XakSaiwv  inl  tfjq 
al//Lta?Molaq  C  |  5  tceqI — (>  naQovalaq]  xoiq  iv  xfi  *Iov6ala  B  |  7  iv  ty — 
Baßvhovi]  '/ffpaz/A  ixEi  B  |  1)  e&aipsv  6  Xauq  B  2tj/u]  ^Iwa^tp  B  |  10  na- 
xeq.  AßQ.\  nyoyrjXEvoavxa  x<ü^  iv  xfi  'lovSaia  C  tcuq  orffAEQOV  <C  BCD 
11  Kai  yäg]  öxi  xal  C 


1)  Lipsius,  Die  Apostelleg.  u.  Apostelgesch.  I  190. 


90  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

avxov.  AutXovv  yag  Xiysxai,  oxi  ogvxxöv  toxi  xal  ctJtoxgvrpov 
Ig  sjcijttöov,  xal  vjtegcäov  höxi  ejiI  yrjq  ev  ütixga  xQSfiafievop. 
Ovxoq  ovv  6  jcQoeprjrrjg  xtgaq  töcoxs  xcö  Xaca,  coöxe  xgoo- 
bxuv  reo  jcoxaftcö  Xoßag,  ort'  otav  sxXeljty  xb  vöcoq  avxov, 
5  eXjii&iv  xb  ögtjiavov  x?]q  egrjfiwGEcoq  siq  Jiigaq  xrjq  yrjq'  xdi 
öxav  j[Xt]fifivQTJö^j  avxov  xb  vöcoq,  xtjv  big  fsgovCaXrjii  Ejtavo- 
öov  avxcov  örjficcivy'  o  xal  ysyovsv.  Kai  siq  yrjv  xeov  Svgicov 
xsixat  6  ootoq,  xal  jioXXol  xgbq  xbv  xaepov  avxov  üvvEöxgE- 
cpovxo    ejtl    JigoCEV/rjv   xal   htsölav.     Kai    xoxe   üiXr\&ovq    xeov 

10  'iovöaicov  övvsX&ovxoq  exel  ejiI  xr/v  \LV7\y.r\v  avxov  öböioxEq  ol 
XaXdaloi  (irj  avxagcooiv,  e(j,eXXov  ejteX&eIv  avxcov  xal  avaigtlv 
avxovq.  'EjioLrjöEv  öh  6  jtgocp?jxt]q  oxtjvcu  xb  vöcog  xov  jtoxa- 
fiov,  Iva  hxcpvycoöiv  ol  vlol  'iogarjX  siq  xb  Jttgav  yivofiEVOi.  Ol  öh 
xoXfttjöavxeq  xbv  Xabv  sjtiöicöt-ai  ok'ioco  avxcov  xaxEJiovxiöd-rjöav. 

15  Ovxoq  o  Jigocpr\xr\q  öia  jigoGEvyjqq  avxofidxcoq  avxolq  öa- 

tpiXrj  xgocpip  Ix&vcov  jcagtoxexo,  oxi  Xifjcp  öiEcpirEigovxo.  xal 
ex  xov  JcXrjirovq  xeov  ly&vcov  öiExgacptjöav  xal  jtoXXolq  exXe'l- 
jtovöi  £co?]v  eXfrelv  ix  B-eov  jtagsxaXtöav.  Ovxoq  o  Jtgocprjxrjq 
ajtoXXvfievov  xov  Xaov  vjib   xeov  by&gcov  jtgotöxf]   xolq  yyov- 

20  fiEvoiq  avxcov  xal  üiagr\vöxXi]G£V  avxovq  öia  xsgaxicov,  xal 
cpoßrjfrevxsq  sjravoavxo  ol   jxoXe\uioi.      Toxs   IXsyev  xcö  Xaco  o 

3  cfr.  Ezech.  1,  3  —  18  cfr.  Ezech.  47,  9 

1  ogvxxbv]  elXixxöv  BD  eu.ixiCoSeq  C  xal —  2  XQe/xä.uevov]  vTieotoov  C 
3  Ovxoq,  —  eöojxe]  eöwxe  xb  xeQaq  C  |  4  Xoß.  -{-xal  C  uxav —  (»  avxov] 
oxe  exXeinoi  BF  oxe  nkrj/ißi-Qi/osi  BF  |  (>  e Iq  <  C  |  7  avxCor — 12  avxovq] 
xal  yäo  ixel  xaxtöxei  6  ootoq  xal  noXXol  ngbq  avxbv  ovv>)yovxo  (ovvere- 
oxoecpovxo  DF)  xal  (avvi'jQyovxo  loaxe  (pioßeioDai  xovq  XaXöalovq  C)  nüxe 
nh'jd-ovq  ovrövzoq  avxio  eöeioav  ol  XaXSaloi  (xovq  ''Eßoaiovq  B)  ,«//  ävxäocooi, 
(öiö  C)  xal  £7t>]X&ov  (eTieX&cuoiv  B)  avxolq  siq  aualosoiv  BCDF  |  12  Kai 
enolqosv  BCDF  diaoxqvat,  B  xov  noxapov  <  BCDF  |  13  ol — *Iog.  <. 
BCDF  yivöfxevot.  <  BCD  |  14  xaxaxolßi)aarxeq  B  |  Kai  ol  <  6h  CDF  | 
xov  —  avxüiv]  xCbv  e/9-^ü)v  (imöivbl-avTEQ  B)  i;iiöuo£ci  BCDF 

15  b  Tcgocp.  <  CDF  |  1(>  xQo<fiji'  +  i§  F  7iag60%e  B  oxi  —  öiexoä- 
<pt]oav  <  BCDF  |  17  nolXCov  exXeuiövxtov  B  ixXaiovai  CD  |  IS  iX&elv  < 
BC  eX&eiv  +  avioiq  B  ex  —  naoexüXeoav]  t/aoloaxo  C  6  7iQO<p.  < 
BCDF  |  19  i>7to  —  21  xöxe]  orjfxela  noit'joaq  snavas  xovq  no?.£,ulovq  xaxa- 
nXrfeaq  avxovq  ovoavo&sv'  oxe  B  e-yß-pCov]  £&vcbv  F  nooeoxr]]  7iQoo>Y/.&e 
CDF  |  20  avxCor  <  CDF  naQijröyy.tjoer  avxovq  <  CDF  xeoaox'uav  CDF  | 
xal  <  CDF  |  21  <poß/'/oaq~F  enavo.  —  TtoXe/nioi]  avxovq  xaxenavae  F  ol 
noXefxioi  <  C      rw  — S.  91  Z.  1  '/«■£.]  avxolq  CD       rö  Xaü  <  BF 


2.  Recensionstypen  der  vifcae  prophetarum.  91 

Is^sxirjX,  ort'  öcajzsrpcovrjxafisv,  ajtcoXtro  q  sXmg  rjftcöv  xal 
sv  rsgaöi  rcöv  ooxscov  rcöv  vsxgcov  sjislösv  avrovg,  ort  sörlv 
sXjtlg  reo  lögatjX,  xcu  cpös  xcu  sv  reo  (isXXovn  alcovi.  Ovrog 
Ixsl  cov  sv  xr\  %cbga  rcov  XaXöaicov  ijQfiijvsvosv  reo  lach  jcctvra 
xa  sv  IsgovoaX?]^  xcu  sv  reo  vaep  yivo^isva.  Ovrog  6  Jtgocprj-  5 
xi]g  i]Q7iayi]  sx  rrjg  %c6gag  rcöv  XaXöaicov  xcu  r/vsx&r]  slg  'isgov- 
OaXijfi  sig  sXsy%ov  rcov  axiorcov. 

Ovrog  o  'is&xiijX  stös  xata  rbv  Mcovorjv  rbv  rbütov  rov 
vaov  xvg'iov  rb  rsiftog  rs  JtXarv,  xa&cbg  slnsv  xcu  o  Aavir\X 
Öxl  xri6&r\6srcu.  Ovrog  sv  BaßvXcövi  sxgivsv  rrjv  <pvXr]v  Aav  10 
xal  raö,  ön  ijötßovv  xgbg  rbv  xvgiov  öicoxovrsg  rovg  rbv 
vofiov  cpvXaööovrcig  xcu  sjiohjösv  avrolg  rtgctg  fis'ya,  ort  ol 
oepsig  avi'jXtöxov  ret  ßgscpi]  avrcov  xal  üidvra  ra  xrr)vi]  avrcov. 
ügosXtysv  6s,  ort  öi  avrovg  ovx  sjciorgsipsi  6  Xabg  sig  Isgov- 
oaXrjft,  aXX  sv  Mrjösia  iöovrai  scog  ovvrsXsiag  jcXavrjg  avrcov'  15 
E§  avrcov  yag  ?)v  xal  o  avsXcbv  avrbv  dvrsxsivro  yag  avreo 
scog  r)fisgag  rsXevrrjg  avrov. 

Ezechiel  sacerdos,  filins  Buzi,  genitus  in  terra  Sarira,  in 
typo  Christi  filius  hominis  nuneupatur.  Hie  captivus  cum  Joa- 
chim in  Babyloniam  duetus,   ad   concaptivos  prophetavit,   corri- 

1  Ezech.  37,  11  —  7  Ezecli.  c.  S— 11  —  9  Exod.  25,  9  —  9  Dan.  9, 
25  cfr.  Ezech.  c.  40;  43,  2;  44,  2;  46,  1.  2.  8. 14  —  11  cfr.  Genes.  49,  16—19 

1  anüikwXev  B  |  2  iozlv]  eazai  F  |  3  cböe]  ivxavd-a  C  alCovL  <  C  | 
inl  xov  [xiXXovxog  B  ]  4  iv  ry  —  tjyßtjv.]  eöeIxvve  CDF  Xaw  -\-  ^IOQa^X 
CDF  7t«JT«<BCDF  |  5  6  nQo<p//xrjg  <  BCDF  |  <>  ix  —  XaXöalaiv]  exei- 
&sv  BCDF  ix—i}vex&ri<C  rfvex&TJ]  fad-ev  BOF  'Iegovaalijß  +  xaz' 
avzl/v  rfjv  UiQuv  BF  |  7  änlazcor]  aneid-ovvrtov  zip  9-eiojZ'B 

8  u  'Ie&xi)iX  <  BCDF  xvnov  BCDF  ]  9  xv'qIov  <  BCDF  xal  zb  B  | 
ts  <  BCF  xa&cog — 10  xziad-t'jijszaL]  xal  TZE<iizEi%og  xal  zfjv  tivXtjv,  er  j/  xi-Qiog 
slaeXeiaeraixal  igs?.£voExai.  Kai  iaziv  //  TtvXrj  xsxXsiG(ikvr\  xal  elq  avzov  iX- 
movoi  nävza  xa  t&vi]  BD1  Ovzog  exQtvsv  BCDF  Aav  xal<L  C  |  11  rov 
räd  BCDF  nyug]  eig  BCDF  öuoxovxsq — 12  (pvXäaoovzaq]  öoxovrxeq 
xov  vö/xov  (fvXäxxeiv  F  |  12  avzolg — 3  av/jL]  x<>vg  ucpsiq  uvalioxsiv  C  | 
13  avxüiv  4-  Sia  xljV  äaeßelav  avzibr  B  |  14  npotk.  öh]  Xiytov  C  xal  tcqo- 
elfijxev  BDF  'isQovaaXlj^]  zl/v  yijv  avzov  BCDF  |  15  äXXy — 8  avzov]  ig 
(hv  xal  uvüQtQ-ri  C  M/jöoig  F  |  1(>  ig  —  aircöv]  u&ev  xal  ig*  ai'Tön-  &vy- 
{"'Uli  F  ävztxeizo — 17  reXewtjq]  näaag  n'c  ^fiigac,  zijq  "Qta^q  B  |  17  i'cog  — 
TE?.evTi}q)  näaag  zag  tifiigaq  DF  +  anLxzEivE  äh  atizdv  6  tjyovfiEVOq—  xal 
iativ  Inl  yfjq  iv  ketqo.  ixzioßivov  (S.  89,  6 — 90,  2)  P 


92  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

piens  eorum  offensiones,  et  zelo  Dei  motus  cuncta  eorum  crimina 
turpitudinesque  arguens.  Quem  dux  populi  Israel  interfecit,  pro 
eo  quod  severitate  et  auctoritate  pontificati  corriperetur  ab  eo 
ob  irnpietateni  sacrilegii.  Sepultus  est  a  populo  in  agro  Maurim, 
in  sepulcro  Sem  et  Arphaxat  Li. 

17.  Ezechiel  filius  Buzi  e  tribu  sacerdotum  de  terra  Sarid 
(Seridä).  Princeps  Judaeorum,  qui  in  terra  Caldaeorum  erat,  eum 
interfecit:  quia  ipsum  de  adoratione  idolorum  accusaverat.  In 
sepulcro  Arphaxad,  filii  Sem,  filii  Noe,  sepultus  est  Sb. 

13.  Ezechiel  fuit  in  captivitate,  quam  cepit  Nabuchodonosor, 
eratque  ex  tribu  Levi,  mortuusque  est  in  captivitate  ac  sepultus 
ibidem  Ss. 

Der  erste  Teil  der  vita  behandelt  in  kurzen  Zügen  die  Bio- 
graphie des  Propheten,  seine  Abstammung,  wesentlichsten  Inhalt 
seiner  Weissagungen,  seine  Ermordung  und  sein  Grab.  Die 
vollendetere  stilistische  Form  vertritt  wiederum  A,  das  auch  einige 
Zusätze  hat.  Er  spricht  von  ihm  als  einem  Leviten  und  erweitert 
die  allgemeinlautende  Angabe  in  B,  Ezechias  habe  den  Israeliten 
prophezeit,  mit  dem  spezialisierenden  Inhalt  über  die  Rückkehr 
des  Volkes  und  die  Ankunft  des  Messias,  was  F  noch  weiter 
führt.  Bei  dem  Bericht  über  die  Ermordung  des  Propheten1 
durch  den  israelitischen  Führer  in  Babylon  wird  jene  Nachricht 
der  syrischen  Philippusakten2  nicht  erwähnt,  wonach  Ezechiel 
an  den  Füßen  geschleift  wurde,  bis  seine  Hirnschalen  zer- 
schmettert waren.  Die  Erzählung  von  dem  Grabe  des  Propheten 
schreitet  in  allen  Recensionen  gleichmäßig  fort. 

Im  weiteren  Verlauf  werden  eine  Reihe  von  Weissagungen 
und  Wundern  des  Propheten  eingeführt,  durch  welche  er  die 
Verwüstung  Jerusalems  durch  die  Chaldäer  ankündigt  und 
seinem  Volke  noch  nach  dem  Tode,  als  es  zu  seinem  Grabe 
wallfahrte,    Hilfe    gegen    diese    Feinde    erbat3.      Offenbar   war 


1)  Über  andere  Nachrichten  hei  Athanasius  s.  Aug.  Knobel,  Der 
Prophetismus  der  Hebräer  II  302. 

2)  Wright,  ed.  Apocryphal  Acts  of  the  Apostles  p.  83  f. 

3)  Die  Hilfe  des  Propheten,  welche  er  seinem  Volke  dadurch  ver- 
schaffte, daß  bei  dessen  Übergang  über  den  Fluß  derselbe  ausgetrocknet 
war,  während  die  nachfolgenden  Feinde  durch  den  Ansturm  der  Wellen 
darin  umkamen,  wird  in  Parallele  gesetzt  zu  Zaratus  (Zoroaster)  Zug  von 
China  nach  Persien:  Clem.  Alex,  ström  I.    Huetius  a.  a.  0.  p.  220. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruni.  93 

dieser  Abschnitt  dazu  geschaffen,  den  hoffnungs-  und  treulosen 
Israeliten  neue  Kraft  einzuflößen  und  zum  letzten  Kampfe  auf- 
zufordern; wir  stehen  hier  in  der  Zeit  von  Nationalkämpfen,  wo 
die  Parole  erklingt:  loxlv  aXma  xcö  'iöQctrjZ  und  wo  zum  letzten- 
mal noch  der  Prophet  vor  Augen  geführt  wird  gleichsam  als 
lebendiger  Zeuge,  nachdem  sein  Leichnam  aus  Chaldäa  nach 
Jerusalem  gebracht  war  elq  eXsyxov  xcöv  ajiiörmv. 

Noch  in  einer  wuchtigen  Schlußansprache  wird  der  Wieder- 
aufbau des  Tempels,  wie  ihn  Ezechiel  vorher  verkündigt,  in 
Aussicht  gestellt  und  der  Prophet  als  Richter  über  Dan  und 
Gad,  die  treulosesten  Stämme  des  Volkes,  ausgespielt,  aus  denen 
auch  der  Mörder  des  Propheten  hervorging1. 

Diese  ganze  Schilderung  ist  nichts  anderes  als  ein  Kriegs- 
aufruf gegen  die  Feinde  Israels.  Wir  könnten  annehmen,  daß 
die  Entstehungszeit  der  großenteils  fabelhaften  Prophezeiungen 
und  Wunder,  welche  von  dem  Propheten  ausgesagt  werden,  die 
Zeit  der  Makkabäerkämpfe  wäre,  wenn  nicht  auf  den  Wieder- 
aufbau des  Tempels  nach  der  Schilderung  Ezechiels  angespielt 
wäre.  Es  könnte  sich  auch  hier  um  einen  letzten  Aufruf  nach 
der  Zerstörung  des  Tempels  und  der  Stadt  durch  Titus  handeln. 

Weshalb  Dan  und  Gad  als  Beispiele  treuloser  Stämme  ein- 
geführt werden,  dafür  findet  Hamaker'2  den  Grund  in  Genes.  49, 
16.  19.  Damit  mag  eine  Tradition  vermischt  sein,  gemäß  welcher 
der  Antichrist  aus  dem  Stamme  Dan  wäre. 

§  27.  Daniel. 
AavujX   o  xQO(pi'}xi]q.     Ovxoq  ?]v  sx    <pvXt]q  'lovöa    ytvovq 
xä>v  l&icov  xrjq  ßaöiXixrjq  vjrt]Qeöiag,  aXX*  txi  v7]jtioq  g>v  //##•>/ 
slq  BaßvXmva   sx   rr\q  'lovöalaq.     ^Eysvvqd-rj   6s   sv   Bed-sßoQcö 

3  Dan.  1,  3  cfr.  4  Reg.  20,  18;  Isa.  39,  7 

2  7)v  +  ix  Bsd-ÖQcov  x?]q  ävvoxeQaq  G  yevovq  <C  B  |  3  i§E%6vxü>v  BDF 
■  J"/ior«rrwr  C  vtitjq,  -+-  iyevv>]&r]  de  iv  Brj&ayöj  xöj  ävioxiga  F  |  4  elq  Ba- 
ßvkwva]  iv  r#  alyjjiaXioalq  D  ^i'/ßn — ylovö.\  äv/~,k&ev  C  'Ioväalaq  -j-  elq 
yf}v  XcüSaiwv  BCDF  iyev.  —  S.  94  Z.  1  'iegovoatfii  <  G  Be&oQwv  G 
Bed-ojQui/ji  BD  Brj&aQöj  F 

1)  Vgl.  von  Orelli,  Das  Buch  Ezechiel  und  die  zwölf  kleinen  Pro- 
pheten.   Nördlingen  1882,  S.  2. 

2)  a.  a.  0.  p.  Ils. 


94  Schemiann.  Propheten-  und  Apostellegenden. 

rfj  avairtga,  nlr\olov  'fegovoaXrjfi.  Kai  t)v  avtjg  öoirpgoov  töörs 
öoxeIv  rolq  'iovöalotq  avrov  eivai  OJiaöovra.  IloXXa  ijrEV&r/GEV 
ovroq  xi]v  IegovGaXrjfi  xal  ev  vr/Grtiaiq  ioyvoev  ccjio  jraGt/q  rgo- 
cprjq  Ejti&vfiriTTJq-  xal  t/v  äv?/g  sr/gbraroq  rf]  iÖta,  aXX   cogaioq 

5  ev  yägiri  &£ov. 

IloXXa  öh  rjvt-aro  ovroq  Jitgl  rov  Naßovyoöovooog,  ors 
eyevszo  ftrjQiov  xal  xrijvoq,  iva  fit)  äjtoXtjrai.  Hv  yaQ  ra  Ifi- 
jrgoG&ia  avrov  wq  ßovq  ovv  XEtpaXy  xal  ol  jrböiq  avrov  ovv 
rolq  ojriG&loiq  wq  lecov.     \>AjitxaZvcp{rrj  öh  reo  oöico  ntgl  rov 

10  fivGrrjgiov  rovrov,  ort  xrrjvoq  yiyovE  öia.  rrjv  aXoyov  avrov 
<piX)]öoviav  xal  GxXrjgorgayjjXiav,  xal  ort  mq  ßovq  vjtoCvyiov 
yswfjGsrai  rov  BsXlccg,  Xewv  Öh  öia  rb  agjtaxrixbv  xal  rvgavvi- 
xbv  xal  d-ijQimötq  rov  rgojiov.]  Tavra  yag  hyovGiv  ol  övva- 
Grai  Iv  rfj  vEortjn  [avrwv,   rb   wq  ßovq  vjtb  C,vyov  yevofievoi 

15  rov  BsXLag  öia  rrjq  cpiX?]öovlaq]'  sjtl  reXsi  d-rjoeq  yivofisvoi 
aQJiaCovrsq.  oXo&gtvovreq,  jraraGoovreq.  Eyprn  ovv  o  ayioq 
ovroq,  ort  wq  ßovq  ?JgO-ie  yogrov,  xal  eyivsxo  avrw  dv&gw- 
jiivrjq  tpvGscoq  TQoqprjfia.  Aia  rovro  o  AaßovyoöovoGog  fiera 
ri]v  jctfiipiv  rov   {iaGriyoq  avrov,   ev  xagöla  ävfrgojxov  ysvo- 

20  fisvoq,  sxXais  xal  rjt-lov  rov  frtbv  jcaGav  ijfiegav  xal  vvxrbq 
rEGGagaxovraxiq  ösbfisvoq  rov  dsov  Btrjfioov.  o  EGriv  rov  &eov 

4  cfr.  Dan.  1,  8.  13  —  16  Dan.  4,  23.  30 

1  nkrjalov  lIsqovo.  <  BCDF  |  2  areäd.  +  xal  TtQOEfprjXEvoer  ext]  eßdo- 
(xi'y/.ovxa,  7iooe?.aße  de  xi/r  yewr\oiv  rov  Xqloxov  exr\  v§'  F  oixoq  +  rov 
t.abv  xal  enl  xt\v  tiö?.iv  7.  B  ovroq — Tfo.]  hnl  xrtq  yftq  F  |  3  loyiaev]  fjoxij- 
oev  BCDF  |  4  im&vfi.  -j-  oneo/bia  yfjq  ead-lojv  B  xal  rjv  —  5  d-eov  <.  C  | 
äv>jo  <  F  SrjQog  r?jv  töiav  DF  gj]QÖq  +  xal  anavog  B  |  5  &eoi]  vwloxov 
C  |  6  tieqi]  V7zsg  BCD  Xaßovy.  +  naoaxa/.ovvxoq  avxbv  Ba/.züoao  xov 
vlov  avrov  BCD  |  7  E[i.nQoo&Ev  B  |  9  otuo&ev  B  coc  <C  B  anexak. — 
13  xoÖTtov  <  A  baUu]  ayltp  C  |  10  xtyvog]  &?]qIov  /nh-  C  T//J — 11 
<pi?.?]doviav]  xb  <pi?,?'j6ovov  avxov  xal  oyJ.rjQOXQäyrj/.ov  CD  xal  oxi  — 13 
zgÖTtov]  xxfjvoQ  de  uxi  vrtb  tvybv  i\v  xov  Be/.iaQ  xal  vnfycoog  xal  to?  ßiv 
ßovq  rjO$i£  %boxov  iylvExo  de  avxö>  avS-QtonlvTjq  wvoEwq  xooqi)  C  xal — 
tqötiov  <  D  |  14  avxwv  — 15  <pi?.Tjdoviag<^BGDF  \  15  tnl — S. 95,  2  olvO-qw- 
noq<G  9-rJQEq]  de B  yivovxaiB  7iaxäoaorxeq  +  avaiQoivxEg.  rvQawovvteg, 
äosßovrxeg,  xäq  de  xovxwv  äfj.oißäq  naoa  xov  dixatoxQixov  &eov  djio?.a/x- 
ßüvovxeqB  |  17  xal  +  oxt  oiacB  eyevexo  B  |  18  xob<f?j/jia]  xqo<p~,;  eni&v- 
fjia  B  XQO(pfj  D  |  19  Tie/ixpiv  —  avxov]  nexpuv  zrjq  xoo(pT,q  B  av&Qoyitivq  B  | 
20  xov  9-eov]  xvqlov  B  |  21  xov  &Eoi  —  S.  95  Z.  1  Zaxäv]  Jai/xwv  [ßertuu)9 
D)  de  ETiEylvExo  abxtp  BD 


2.  Reccnsionstypen  der  vitae  prophetaruni.  95 

'iGQarjX.  'Exeyivtxo  yag  avxcö  xvevfia  2£axav  xcu  iXav&avev 
avxov,  oxl  ytyovev  av&ocojioq  xal  yXoÖGGa  avxov  iöeGfisvexo 
XaXslv  xal  cpcovi]  &rjoiov  iöiöoxo  avxcö  xal  iyivovxo  01  6cp&aX- 
fiol  avxov  coq  xgsaq  anb  xov  xXalsiv.  Kai  jtoXXol  övvaoxat 
xal  JtoXlxai  l^iovxeq  ix  xtjg  jcoXscoq  sfreoiQOvv  avxov.  Acivir]  X  5 
öh  fiovog  ovx  r)&kXr]G8v  Ideiv  avxov,  6x1  jiavxa  xov  ygovov 
xrjq  aXXoic6oeo)c  avxov  Iv  xalq  JiQOGtvyalq  ?)v  jieql  avxov  xcu 
IXsytv,  6x1  ..jiciXlv  av&ocojcoq  ytvrjGtxai.  xal  xoaxrjGei  xrjq 
ßaGiXuaq  avxov1'  xcu  rjjriGxovv  avxcö. 

Ta  ijtxa  txi]  a  atjtev  avxcö  AavirjX,  inxct  xaiQovq  £jcoi?]GE  10 
yevtG&ai  tjtxa.  firjvaq   öebfjevoq  Jteol  avxov  Jtobq  xvqlov.     Tb 
(ivoxrjQiov  xcöv  tjtxa   xmlqcöv  txeXeo&t]    £jr'  avxov.    oxl    ajto- 
xaxtGxijGtv  tjtxa  [seotxtjg.     E$  ovv  ex/j  xal  £$•  tu?]vaq  vjti'jtutxsv 
xvqIco   xcö  &tcö.   xal    tS.mfioXoyeixo    xr)v  äos'ßeiav  avxov.     Kai 
fiexcc   zi/v   acptGiv  xrjq  avofiiaq  avxov   ajceöcoxsv  avxcö  0  &tbq  15 
xr)v  ßaGiXüav.     Kai  ovxe  xota  scpayev  ovxe   oivov  ejtisv  Qo- 
fioXoyovfisvoq  xq>  &£<x>,  oxl  AavirjX  avxcö  3tQoGtxac,tv  iv  ogxq'l- 
oiq  1}  yXojgoiq  r\  ßoexzoiq  tgiXeojGaGd-ai  xov  xvqlov.    Alci  xovxo 
xal  0  NaßovyoöovoGog  txaXtoev  xov  AavirjX   BaXxaoao  xaxa. 
xb    ovofia    xov   [lovoyevovq    viov    avxov   xal    rj&t'XrjGsv  avxov  20 
OvyxXr]Qovofiov  ajcoxaxaoxrjoai  xcöv  xtxvcvv  avxov,  aXX  0  oöioq 

15  Dan.  4,  33 

2  eSeoueiexo]  xov  fx/j  BCD  |  3  xal  -+-  voöiv  evSvg  eSäxovev  B  xal 
(fwvfj]  qo&rj  [ixQatTji^j]  C)  de  ^  y).loooa  BCD  xal—  avzijj  xal]  naoexäXei. 
xov  &eov  xaxa  voiv  näaav  fjtueQav  xal  ojqüv  C  iyivovxo  — 4c  xkaleiv] 
avxov  yeybvaoiv  xoeooSeiq  ex  noXXLov  Soxqvidv  C  |  4  avxov  -f-  i}aav  ioq 
vsxqöv  B  anö  xov]  iv  rwB  Svväoxai — 5  noXixai]  <Z  BCD  |  5  igiovxeq 
—  id-evooovv]  x/'jq  7iö?.E(oq  ewniov  avxov  xal  i&av(jiagov  C  '0  Sh  Jav.  BCD  | 
C>  oxi]  lüla  C  |  7  xalq  npootryalg]  nooaeryf]  BCD  avxov  -\-  äeö/ievoq  xov 
&eov  C  |  8  xal  —  J>  avxov]  xal  xöxs  orpo/itai  avxov  B  xal — avxov  <  CD 

K>  a  einer  —  Java)k]  fixTjoev  yevio9ai  oi'g  einer  xaioovg  nQoaevyö- 
ixevoq  npo;  xov  vxpioxov  enoirjoev  yeveo&ai  enxä  ufjvag  B  avxö>  Javi/,/. 
<Z  CD  '0  de  AavütX  ovv  CD  |  12  oxi—  1<»  ßaaü.elav]  ,uezä  xitv  ätpeotv  tijq 
avo/uag  alxov.  Kai  antfcoxev  nä).iv  avxco  6  9-eog  x),v  ßaaü.eiav  avn>v, 
ovxe  öl  äpxov  C  dnoxaxiax.  — 13  fxeaixrjc]  anoxaxaaxäq  ev  knxä  firjolv, 
i»g  tjv  xl>  no!v  B  'i'^\  nkvxe  B  |  1  •">  nexa  <B  ö  0-eog  B  |  1(5  ßaoi)..  + 
avxov  B  oi'ze  +  apxov  ovxe  BCD  |  17  u]>  !h-('y\  xvglut  BD  dorcQ.  + 
SntsToIq  B  I  18  xal  yhjaiq  BCD  xvQtOv]  Seov  C  |  V.)  xat  6  IS'aß.  <BCD  | 
xava  —  20  avxov  xal]  wg  xbv  vldv  aircov  B       t}i)-i).rioev  +  6h  BD 


96  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

slnsv  iXscoq  fioi  arpslval  fis  xXrjQovofiiav  jcaxtQcov  ftovxal  xoXXr/- 
d-rjvai  xXrjQovofiiq.  djisoixfirjxoiv.    Kai  sv  xolq  ßaöiXsvot  IIsQOmv 
jtoXXa  eJioit]öe  xi.Qa.xia,  böa  ovx  sygatpafisv  sv  xij  ßißXco  xavxr] ' 
slölv  ös  ysyoafifitva  sv  xfi  ßlßXoo  xov  davir/X. 
5  Ovxoq  o  ütQoeprjxrjq    löooxsv  xsgaq  sv    xolc,  vtyrjXoiq  OQSOi 

BaßvXcövoq  Xsycov,  ort'  öxav  iörjrs  xajivtCofisvov  xo  Ix  ßoooä 
OQOq,  7]§si  xo  xsXoq  BaßvXmvoq' 

oxav  ös  LÖtjxs  avxb  coq  sv  ütv-  [oxs  ös  xax  avaxoXaq  vöcoq 
q\  xaiofisvov,  ?}£si  xo  xsXoq  xa&agov  s^sXsvosxai,  xoxs  6 
10  Jiao"r}q  xrjq  yrjq.  Eav  ös  sv  d-sbq  im  yrjq  <pavslq  coq  av&oco- 
voxoo  ogoq  Qsvöy  vöaxa,  im-  jtoq  avaöt£,sxai  jtaöaq  xaq  avo- 
öxQsipsi  6  Xabq  sv  ry  yf]  avxov,  filaq  xov  xoöfiov  siq  iavxbv  sv 
xal  olxoöofirj&Tjösxai  IsQovoa-  xcö  avaöxoXomCsod-ai  avxbv 
Xr/pi  jiXaxsia  xal  svQvjmgoq'  vjio  xätv  lsqsoov  xov  vofiov. 
15  coöjcsq  xai  syivsxo  öia.  xov  Ir\-  Kai  svfrvq  Jivsvfiaxoq  yaQiq 
öov  aQxiSQsmq  xal  ZoooßaßsX  im  yr)q  svyy&i]Qsxai  siq  Jtavxa 
xov  vlov  JEaXa&irjX  (A).  xa    t&v?].]      'Oxs    ös    sv    jcvqI 

xalsxai,  xoxs  xsXoq  söxai  xrjq 

yrjq.      'Eav    ös    sv    xcö    voxco 

20  gsvöfl     vöaxa,     vxooxQsxpsi    o 

Xabq    siq    xijv  yrjv  avxov   (B). 

4  Dan.  13  —  8  cfr.  Ezech.  47,  1  ss  —  102  Testam.  ±H  patriarch. 
Simeon  c.  6  (Migne  2,  1051  A) ;  Äser  c.  7 ;  Beniamin  c.  6.  10 

1  acpslvai  xh7]Qovo/j.laq  A  xai]  fxsxsnsixa  Ss  C  I  3  xsoäoxia  BCD  | 
iyi>ä<pr}aav  BD  iygavja/jisv  +  Ssvxsqov  Ss  iß/.fj&t]  sv.  zip  Xäxxco  x&v 
Xsbvxcov  vnsQ  svasßsiag  xai  a.yänr\g  &sov.  Tb  /xsv  yao  nQöixov  insiS/j 
xü)v  BaßvXioviwv  nooosvxo/xsvwv  AaQsko  xiy  ßaoiXsl  fibvog  avxb;  t&  9-sco 
7iQO<jrjv%sxo.  Tb  Ss  Ssvxsqov  Siöri  xov  Bf]),  xaxsozoswsv  xal  xbv  Soäxovza 
itpövsvosv  inl  Kvqov  xov  ßaoiXsujg  xai  avzbg  /xsv  Sisold&tj,  xai  aßXaßijg 
anb  xibv  Xsövzmv  avrjXd-sv  ix  xov  Xäxxov.  Ol  Ss  ißovXsvaarzsg  avxco 
ißXt'j&rjoav  sig  xbv  Xäxxov  zütv  Xsövzmv  xai  si&vg  xazsßpto&rjoav  in'  av- 
xibv.  Msxä  Ss  xavxa  yrjQäoag  xai  xeXsvxtfoag  iv  slgt'jvtj  ixäcftj  sxsl  iv  x. 
an.  x.  ß.  C  iv  zfi  —  4  JavirjX  <  BCD  iv  —  4  davvfjX]  Ovxog  Ss  ansS-ave 
xai  izä<prj  iv  zw  onr]Xal(p  xö>  ßaoiXixw  (xbvog  ivSö^tog  BD  |  5  oixog  o 
nQO<p.]  xai  avxbg  BD  <  C  "EScoxsv  -f-iffC  zotg  vxprjXolg  <C  BCD  oq. 
xolg  vnsoäva>  x/jg  B  |  (>  oxi  —  xanv.]  uxav  xanviod-tjoexai  BCD  |  7  ugoq 
<CD 

8  oxs  Ss  (B)  — 17  s&vr/  <  CD  |  18  saxai  (B)  +  näarjg  CD  |  19  #  + 
r«  C  |  20  Qsvdwaiv  C      iniaxQsxpsi  C  j  21  avxov]  avxüav  C 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  97 

3Eav  öe  aifia  Qsvoy  rb  ogoq,  <povoq  edrl  rov  BsllaQ  ev  jtaoi] 
zjj  yfj'  [tjs£l  o  xvoioq  kxl  yrjq  evav&QOJjfrjöaq].  'Exsc  ovv  exoi- 
fcr}&?]  6  ooioq  Aavci]!  kv  BaßvXmvt  Iv  elQrjvy  xal  eracpt]  sv  r<p 
öJirjlaioi  rrö  ßaöiXixcö  evöo^cog'  xal  iönv  o  racpoq  avrov  ciajq 
rrjq  Orji/£Qoi>  t)(itQaq  jiaGiv  yvcoorozaroq  ev  BaßvXcövi.  I 

Daniel  de  tribu  Juda  in  Bethoron  superiore  natus,  genere 
nobilis,  princeps  omnium  Chaldaeoruru  reguruque  prosapia  et 
florens  patriae  nobilitate.  Hie  sub  Joachim  rege  Juda  post  ex- 
eidium  Jerusalem,  cum  tribus  pueris  admodum  puer  in  Baby- 
lonem  translatus  et  princeps  Chaldaeorum  effectus   est,  vir  glo- 

riosus  et  aspectu  decorus,  qui  continuatis  ieiuniis  et  orationis 

instantia  futura  praenoscere  meruit  sacramenta. 

Hie  inter  cetera  mysteriorum  mysteria  his  virtutibus  gestis 
atque  signis  effulsit.  Principio  sceleratorum  senum  mendacium 
reprehendens,  castitatem  feminae  revelavit.  Tribus  hebdomadis 
dierum  exorans  pro  populo  ieiunavit.  Simulacrum  Bei  divinae 
aspirationis  argumentis  elisit:  draconem  Babyloniae  numen  eius- 
dem  gentis,  offa  pice  et  adipe  et  capillis  confeeta,  divinae  mentis 
instineta,  incredibili  admiratione  disrupit;  in  lacum  quoque  mis- 
sus  rabiem  mitigavit  ferarum  atque  virtute  animi  fortis  inter 
frementes  securus  epulatur  leones. 

Hunc  Darius  postquam  Babylonium  subvertit  imperium, 
honore  maximo  habitum  secum  tulit  et  in  Medos  abduxit.  Qui 
etiam  fertur  dedisse  signa  in  montibus  super  Babyloniam,  dicens: 
Dum  montes  a  Borea  fum averint,  finem  instare  Babyloniae,  dum 
visi  fuerint  incendiis  conflagrare,  finis  erit  totius  mundi.  Item 
dum  ad  partem  Noti  refluxerit  Tigris,  regressio  erit  populi  ad 
Jerusalem.  Vixit  autem  usque  ad  tempus  Darii  regis  Persarum, 
annis  centum  et  decem,  sepultusque  est  iam  senex  in  spelunca 
regia,  solus  in  captivitate  cum  gloria  Li1. 

'2  cfr.  Testam.  XII  patriareh.  Äser  c.  7  (Migne  2,  1124  C),  Beniam. 
c.  10  (1148  C) 

1  eorai  BCD  rov]  zw  BCD  |  2  ljf§6<  -  ivcn&Q.  <  BCD  ixsl  oh) 
xal  B  'Exel  —  JJ  Baßv?.üwi  <  C  |  8  6  oaioz, —  5  Baßv?.Covi]  iv  <•''(''/»'{<  " 
oaioq  {rov  &eov  B)  BD 

1)  Beachtenswertes  zur  vihi  iles  Daniel  aus  Hieronymus  hat  Nestle, 
Margin.  p.  55  zusammengestellt. 

Texte  n.  Untersueluingim  etc.  :u.3  7 


98  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

18.  Daniel  de  tribu  Juda,  in  Beth-Huran  superiori  natus  est. 
Fuit  vir  a  mulieribus  se  continens;  quamobrem  Judaei  eunuchum 
eurn  existimabant1;  facies  enim  eius  absque  barba  erat,  filiosque 
non  habebat.  Oravit  pro  Babyloniis.  Mortuus  est  Aelam,  in 
urbe  Huzitarum  (Hözäye,  arab.  Al-Ahwäz,  hodie  Khüzistän),  et 
in  Castro  Susae  (Shöshan)  sepultus.  De  reditu  populi  prophe- 
tavit  Sb. 

14.  Daniel  erat  de  tribu  Juda  et  mortuus  est  ac  sepultus  in 
Susis  castro  Ss. 

Die  vita  des  Daniel  ist  die  umfangreichste.  In  der  Be- 
schreibung der  Jugend  und  der  Persönlichkeit  des  Propheten, 
welche  sich  zumeist  auf  das  erste  Kapitel  des  Buches  Daniel 
beschränkt2,  faßt  sich  C  am  kürzesten,  welchem  D  fast  gleich- 
kommt, während  A  und  B  weitschweifigere  Weiterbildungen  zur 
Verdeutlichung  des  geschichtlichen  Bildes  haben.  Die  Trauer 
des  Daniel  über  Jerusalem,  nachdem  er  nach  Babel  weggeführt 
war,  die  Schilderung  seiner  dortigen  Ascese,  seines  Ansehens, 
welche  sich  ja  auf  Dan.  1,  4ss  stützt,  erwähnen  A  und  B  mit 
breiter  Behaglichkeit,  D  dagegen  abgekürzt,  noch  mehr  aber  C. 

Der  zweite  Teil  knüpft  teilweise  an  Daniel  c.  4  an,  an  die 
Traumgesichte  Nabuchodonosors,  welche  sagenhaft  ausgestaltet 
werden.  Der  Traum  Nabuchodonosors  von  dem  herrlichen  Baum, 
welcher  auf  göttlichen  Befehl  umgehauen  wurde,  so  daß  nur  der 
Wurzelstumpf  unter  wilden  Tieren  noch  für  sieben  Jahre  weiter 
vegetierte,  wird  hier  umgedeutet  und  in  Wirklichkeit  übertragen. 
Die  Deutung  Daniels,  daß  Nabuchodonosor  sieben  Jahre  lang 
fern  von  menschlicher  Gesellschaft  zubringen  müsse,  hatte  dazu 
den  Schlüssel  gegeben.  Nabuchodonosor  wurde  demnach  selbst 
ein  wildes  Tier  und  erträgt  alles,  was  er  dann  nachträglich 
Dan.  4,  30  f.  schilderte. 

Die  Tiergestalt,  in  welche  Nabuchodouosor  gehüllt  wird, 
mit  einem  Stierkopf,  während  der  Hinterteil  einem  Löwen  gleicht, 
wird  auf  die  Herrsch-  und  Genußsucht  der  jungen  Herrscher 
gedeutet. 


1)  Huetius,    Dem.  ev.  p.  224  stellt  die  rabb.  und   patristische 
Literatur  zusammen. 

2)  Über  dieWegfüürung  des  Daniel  im  Alter  von  12  Jahren  s.  Ps.Ignat. 
ad  Magnes.  3,  2  (ed.  Funk,  Patr.  ap.  II,  Tüb.  1901  p.  78,  23). 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  99 

Auf  das  Gebet  Daniels  hin  wird  die  Zeit  der  sieben  Jahre, 
in  welchen  Nabuchoclonosor  in  dieser  Gestalt  verharren  sollte, 
zu  sieben  Monaten  abgekürzt.  Der  Herrscher  erhält  Verzeihung 
und  wird  wiederum  vom  Gotte  Israels1  (cf.  Dan.  4,  33)  in  seine 
Herrschaft  eingesetzt. 

Die  weitere  Erzählung,  daß  Daniel  infolgedessen  vom  Könige 
den  Namen  Balthasar  erhielt,  widerspricht  Dan.  1,  7,  wonach 
der  Eunuchenoberste  ihm  den  Namen  gab. 

Zum  Schlüsse  dieses  historischen  Teiles  unserer  vitae  wird 
ferner  erzählt,  daß  Daniel  noch  mehr  Wunder  gewirkt  habe,  welche 
aber  im  Buche  Daniel  aufgezeichnet  seien.  Nur  C  spricht  dann  von 
den  deuterokanonischen  Zusätzen  des  c.  13  des  Danielbuches2. 

Der  nun  folgende  prophetische  Teil  eschatologischen  Inhalts, 
welchen  Daniel  von  den  hohen  Bergen  Babyloniens  ausgesprochen 
hat,  ist  auf  Ezechiel  47,  1  s  aufgebaut,  B  dagegen  hat  messia- 
nische  Weissagungen  eingestreut,  daß  bei  bestimmten  Zeichen 
6  &s6g  em  yrjq  (pavelq  coq  avfrQcojiog  alle  Sünden  wegnehmen 
wird,  während  A  diese  messianische  Andeutung  ?]t-£i  o  xvqoq 
exl  ytjg  kvavd-QcojtrjOaq  an  den  Schluß  verlegt. 

A  fügte  den  Weissagungen  einiges  über  den  Wiederaufbau 
Jerusalems  bei,  wie  dies  auch  durch  den  Hohenpriester  Jesus  und 
durch  Zorobabel,  den  Sohn  Salatiels,  stattgefunden  habe. 

Während  B  und  D  durch  die  Mitteilung  des  Todes  und 
Begräbnisses  Daniels  den  sog.  geschichtlichen  und  prophetischen 
Teil  scheidet,  hat  A  diese  Notiz  reichlicher  ausgestaltet  an  den 
Schluß  gestellt,  Hamaker3  stellt  in  dieser  vita  auffallend  viele 
Hebraismen  fest. 

§  28.  Nathan. 
Nad-av  6  jiQocprjzrjg  eyevero    ev   ?]iutQaig   Aavid  ex   (pvXriq 
&cox.     Ovtoq  de  f'/v  ex  Faßad-  xal  avtög  eöviv  o  öiöa^aa  rov 

3  2  Reg.  7,  2;  Sir.  47,  1 

:i  fAD'jdeest  inCE)  Oüx]  AsvlD*    oizoq  6h  %v]  £yevv}']Q-tj  6s  hTaßaO)  D1 


1)  Über  Berj/xiov   als  Namen   des  Gottes  Israels   im    tcxhis    receptua 
b.  Literatur  bei  Nestle,  Martin,  u.  Material.  II  S.  .Y>. 

2)  C.  Julius,   Die  griechischen  DanielzuBätze  und  ihre   kanonische 
Geltung  [Biblische  Studien  VI  3  u.   1.  Eeffc].    Freiburg  L901. 

3)  a.  a.  0.  p.  L22,  L29,  131,  134. 


100  Sehermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Aavlö  xbv  vbfiov  xov  xvqiov.  Kai  \yvco  Na&dv,  oxi  o 
ßaöiXEvq  Aavld  sv  xjj  Bt]Q6aßee  jtaQEßr].  Kai  ojtEvöovxa 
eX&eiv  ex  raßaO-  slq  lEQovoaXrjfi  xal  xoolvöai  xbv  Aavld  ajtb 
xrjq  avofiiaq  xavx?]q  exojXvoev  avxbv  o  BtXiag'  oxi  xaxa  xrjv 
ß  oöbv  evqe  vexqov  xei{uevov  yvfivov,  xal  ijit'fisivs  rov  &drpai 
avxbv  kxel,  Iva  p]  vjco  ßtjQimv  avaZco&fj,  Kai  xij  vvxzl 
exsivi]  eyvco,  ort  ejtohjöe  Aavlö  xtjv  aftagrlav,  xal  ejieGxqewe 
jiev&cüv  slq  raßdfr.  Kai  coq  avElle  Aavlö  OvQiav  xbv  dvÖQa 
xrjq  B?jQöaߣE,  ajtiöxEilEV  o  {rebq  xbv  Nafrav  xal  rjksy^E  xbv 
10  Aavld  jieqI  xrjq  af/agxiag  avxov.  Kai  £rpoß?]fr?]  Aavlö  xov  xv- 
qiov, oxi  TjXe'yx&V  °  £xol?]6£.  Kai  Eyvm  Aavlö  öxi  jcvEVfia 
&eov  aytov  ejcI  Na&ccv  xbv  JTQocprjx?]v  eöxi'  xal  ExipjOEv  avxbv 
a>q  oOtov  &£ov"  xal  avxbq  Jtdvv  yrjQaöaq  anEÜavE  xal  Exacpiq  ev 
raßad-  ev  xfj  yf]  avxov  (A). 

15  Ovxoq   Na&av  6  JCQoeprjxqq  ?)v  ex   raßacbv  em   Aavlö  xal 

avxbq  i)v  o  öiöa^aq  avxbv  xbv  vofjov  xov  xvqiov  xal  eiöev  oxi 
Aavlö  ev  xfj  BtjQöaßhx  JtaQaß/jöExai.  Kai  öjtevöovxi  eZ&eiv 
xal  avayyEllai  avxw  evexoÖiöev  6  BsXiaQ.  'EQ'/bfiEvoq  ös 
xaxa.  xr\v  oöbv,  evqe  vexqov  xei^ievov  yvfivbv  EöcpayfiEVoV  xal 

20  ajtEfiEive  öl  avxbv  exei.  Ovxoq  djce&avE  xal  Exdcptj  slq  xi]v  ytjv 
avxov  ev  raßacov  (B). 

1  f  2  Reg.  12,  1  ss 

1  [AD1]  xal  yvovq  oxi  D1  |  2  BqQOaßsh — 4  oxi]  Brjgoaßel  Tzagaßi]- 
Gerai  6  Aavlö  eötievoe  rov  eXS-eiv  xal  ävayyEilai  avxtjj.  Iboxe  (fv?.a$ao~9ai 
and  xrjq  ävo/niaq  xal  evetiööigsv  avxov  6  BsXlaQ.  ^Egyöusvoq  ya.Q  eI:  Ie- 
QovaaXljß  D1  |  5  xslß.]  naQEoxEvaaiiivov  D1  yi\uvöv  -f-  xal  dnoövaäfj.Evoq 
'  xö  TtaXlov  xal  neQißaliov  avxöj  D1  |  10  tieqI — 14  yjj  avxoir\  inEiöi,  yag 
eiöev  6  &eöq  na&ovvxa  xov  Na&äv  h?.Ey£v  yag,  oxi  öi  ituov  ysyovsv  >j 
afxaQxla  avxrj.  Kai  7tQOO£0%sv  6  9-soq  inl  xov  oxEvay^ibv  avxov  xal  einev 
iiQoq  avxov.  ^Etieiöi]  öta  oov  vo/tlteii;  yeyevijoO-ai  xö  XQaiua'  öiä  oov  xal 
r]  &£(>a7i£ia  yevTjoexai.  ^nsX&'tbv  ovv  i'ßsy^ev  avxov  ircl  xexQvuusvoiq  xal 
avxoc  nävv  yt]Qccoaq  ane&ave.  Ovxoq  ovv  elq  ßaS-v  yrjgaq  iXdoaq  xal  iv 
710?.?.%  äya&%  exoiiujfyt]  ev  elQ^vq  xal  ixdcpt]  Eiq  r>)v  y//v  avxov  sv  Taßaw  D1 

15  [BDF]  Ovxoq  — 16  eiöev]  Jaßlö  ...  sölöa^ev  Na&äv  6  Ttpoqrfxtjq 
xov  vöfiov  xov  xvqiov  xal  TtQOScptfxevoev  ext]  xEöoaoäxovxa'  nQOsXaßE  Se  tijv 
oaQxvjoiv  xov  Xqigxov  sxtj  svaxöaia  ivEv/jxovxa  svvsa'  xal  }jv  ix  Paßä  xal 
eIöe  Na9av  F  tjv  —  davLS]  Aavlö  i)v  ix  raßä  D  j  H>  xov  <  D  xov  <D  | 
\1  o^evölov  F  |  18  ivE7ioö!aS-7]  naget  xov  Bs?.iag"  evqe  yaQ  xx?..  Y 
20  äniuEivE  —  21  raßaüiv]  iitifistvsv  ixsi  (&e?.iov  ftüu-ai  xov  vexqöv  F), 
xal  xtf  vvxxl  ixElv),  lyrco,    oxi  inolijOE  zijv  ä/uaQxlav    (Jaßlö  F)    xal  vn£- 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  101 

Nathan  propheta  ex  Gabaonitis,  qui  David  regem  legem  Dei 
docuit,  et  peccatum  quod  esset  in  Bethsabee  praevaricatus  mani- 
festavit.  Hie  etiam  quod  non  aedificaret  David  Domino  templum 
praedixit.  Hie  Salomonem  ungens  in  prineipem  consecravit. 
Obiit  autem  senex  in  terra  sua,  sepultusque  est  cum  dignitate  Li. 

Nathan  in  pace  mortuus  est  Sb. 

4.  Nathan  ex  Gabaon ;  et  mortuus  est  ac  sepultus  in  Gabaon 
[in]  diebus  Roboam  regis  Ss. 

Für  die  folgende  Reihe  von  vitae  prophetarum  haben  wir  nur 
noch  A,B,D,  F  als  Zeugen.  C  und  E  überliefern  diese  Viten  nicht. 
Dagegen  spaltet  sich  D  in  zwei  Recensionen  D  und  D1,  welch 
letztere  bei  Ps.  Symeon  Logotheta,  in  Cod.  Leidensis  und  Coisl.  205 
vertreten  ist.  Beide  D  und  D1  gehen  im  einzelnen  mit  B,  wie 
die  stilistischen  Varianten  im  Gegensatz  zu  A  zeigen.  Für  das 
hebräische  Wort  2D^  liest  A  sxcoAvösv,  B,  D,  D1  dagegen  ge- 
meinsam kvEJioöiöev.  Andererseits  aber  haben  D  und  D1  manche 
Erweiterungen,  welche  A  hat,  ebenfalls,  D  allerdings  nur  einen 
einzigen  solchen  Zusatz,  welcher  als  Glosse  betrachtet  werden 
kann.  D1  dagegen  übernimmt  die  Neuredaktion  von  A  ganz 
und  erzählt  daher  die  weitere  Entwicklung  des  Falles  Davids. 
D1  berichtet  sogar  über  A  hinaus  von  der  Begnadigung  Davids. 

Hamaker  geht  hier  offenbar  zu  weit,  wenn  er  in  derselben 
vita  Hebraismen  und  Latinismen  zugleich  finden  will.  Gemäß 
der  gefälschten  vita  des  Dorotheus,  daß  derselbe  lateinisch  und 
griechisch  seine  ov/yga^fiaza  verfaßt  habe,  vermutet  er,  daß  dem 
griechischen  Dorotheustexte  eine  lateinische  Grundschrift  unter- 
liege, worauf  der  Ausdruck  yv/tvog  xal  jta(>t6xtvaötuii>og  (D1)  = 
iacens  clausis  oculis,  membris  extensis  hinweise,  während  jeaga- 
ßaiveiv  kv   den  Hebraismus   b2£    mit  3   wiedergebe.    Von   einer 


lateinischen  Grundschrift  unserer  vitae  kann  keine  Rede  sein,  es 
kann  sich  nur  um  die  Berechtigung  der  Aussage,  daß  Dorotheus 
hebräisch  verstand  und  daher  aus  dem  Hebräischen  übersetzte, 
handeln.  Das  Verhältnis  der  HSS  mit  Annahme  einer  jüdischen 
Grundschrift  mag  sieh   folgendermaßen  gestalten: 


oxQerpe  nev&ibv  xal  u>s  aveXXsv  töv  ävöga  airetjq  (6  daßld  I' I .  Ihcefiipt 
xvgioq  (xöv  nQoifi,! /,>■  Na&av  Fi  h'/.iy^ai  avzüv  Ttokkä  SknsvQ^aaq  6  favlö 
[xal  abzog  l'i  xal  :uu  r  y/ioäaag  äni&ave  xiü  &T&(prt  elq  z}jv  y~,r  airtov  DF 


102  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

X  Jüdische  Grundschrift 


Zä.ng.  griech.  R.ez.     X*>\ 


A 


3  Kürz.  griech.Kez. 


)  D  (mit  1 'Glosse) 


§  29.  Achias. 
Ovxoq  Ayiaq  t)v  sv  ^EcXchfi  ojxov  t)v  rj  axf/v//  rj  jcaZaia  sx 
jtoXscoq  HXi,   xal  ajxsd-avs  xcd   sracptj  övvsyyvq  rtjq  ögvbq  2li- 
Xoofi,  o  ös  avxbq  xcd  'Aöcoviac  Xsysxai  (B). 

h  HXsl  o  xal  2-ijXcofi'  ovroq  eysvvTJd-r]  sv  2r]Xa>{i  jcov  ?)v  i) 

oxrjvrj    xvq'lov,    JZtjXcofi    ös   sx).r\&i]   'HXsl   xara    rb    ovofia   rrjq 
jtöX-scoq'  ovroq  6  'HXsl  sv  dgyjj  rrjq  Isqcoovv?]c  sljis  xrX.  Z.  10  (D1) 

' Ayiaq  ös  o  2t]Xcovirr/q"  ovroq  ?)v  cutb  2t]Xcb(i  sx  cpvXJf\q 
'iovöa,  Öjiov  jjv  t)  dxrjvrj  rrjq  xißcorov  rb  xaXaiov  sx  JtoXscoq 
10  Aofiaüslfi  HXsl  rov  Isgscoq'  ovroq  o  jroocprjrrjq  sijcs  jcsqI  2oXo- 
ficov  rov  vlov  Aaviö,  örc  jcqoöxqovüsi  reo  {rsco.  Ovroq  r]XsyZ.s 
xal  rov  'ieooßoafi,  ort  kav  ßaöiXevöy  öoXco  jcoosvGsrai  f/sza 
xvqiov.  Etös  yag  ojtraoiav  Csvyoq  ßoeov  xarajcarovv  rov  Xabv 
xal  xara.   rcov  isQtcov  sjTirotyov    xcä  xqogsijcs   reo  ^oXoiicdv, 


10  f  3  Reg.  11,  20;  12,  15;  15,  29 

14,  2  ss) 


12  AP.  Const,  IV  7,  2  (cfr.  3  Reg. 


8  [ADD'F]  6s  — yv  <  DF  sx  —  9  'loi-öa  <  D  +  ix  ttö/.soj:  'W.el 
('HU  D)  DF  |  9  r/7;  xißmxov  <  DF  sx  — 10  tsoitog  <  DF  |  10  6  tcqo> 
(prjTTjq  <C  DF  sine]  TiQoecprjxsvasv  D1  SokoftihvxoQ  D'F  |  11  x<p  9e«>} 
xvqUo  DF  +  öia  xäg  yvvalxag'  ixoxijoovoir  yäo  avxöv  cu  ywatxeg  xal 
äTioTQtiporoiv  avxbv  and  rov  xvqiov  F  oixog]  xal  DF  tisqI  xov  ^Isq. 
eher  D1  |  12  iäv,  ßaoiX.  <  DD 'F  noQSiasxai  DDT  |  13  dnxaalar  < 
DDT  naxovvxa  D  |  14  iniXQS^ovxa  A  nQoasüne  —  S.  103  Z.  3  Ayiag] 
xal  oxi  7iaf>aßi)G£xai  6  ~o?.otuä>v  xöv  vöfiov  xvqLov  xcd  zavxa  ngoelnsv 
*HXsi  noug  xovq  viovg  avxov  \sQuxsvoai'  xal  oixog  6  ngocpr'jx^g  ant^avs  iv 
yi'i'jti  ßadvxäxw  ovx  ayadxbg  D1      xv>  —o/..]  tieqI  xov  —o/.ouCorrog  F 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  ll)3 

ort  yvvalxsg  avxbv  Ixörr/Oovotv  curb  zov  xvgiov  xcd  reo   hgo- 

ßoafl   £IJI£V     ÖXL    ÖlO.    TCÖV    OVO    Öa^a7.i.cöv    ÖOV    JtQOOXQOVO&iq    xä> 

xvqIco,  xal  sig  öovXelav  totai  rb  ysvoq  oov.    'Ajtt&avs  ös  'Ayjc- 
xal  trarft]  ovvsyyvg  xr\g  ögvbg  rrjg  ovot/g  hv  ^f]Xc6{u  (A). 

Achias  Silonites  de  civitate  Heli  sacerdotis,  ubi  primum 
tabernaculum  et  arca  Dei  erat.  Salamoni  regi  praedixit,  quod  per 
uiulieres  gentium  a  mandatis  Dei  dilanaret,  et  divisionem  populi 
in  prole  non  taeuit.  Mortuus  est  ergo  Achias  atque  sepultus 
iuxta  quercum  in  Silo  Li. 

Achias  de  Silo.  Hunc  prophetam  leo  neeavit.  Iuxta  quer- 
cum quae  in  Silo  Samariae  est,  sepultus  est  Sb. 

Achias  porro  fuit  in  diebus  Jeroboam  Ss. 

Was  die  gegenseitige  Abhängigkeit  der  Texte  anbelangt,  so 
mag  dasselbe  Verhältnis  wie  bei  der  vorigen  zutreffen.  B  er- 
zählt nur  Aufenthalt  und  Sterbeort  des  Propheten.  A,  D,  D1 
berichten  noch  über  eine  Weissagung  des  Achias  an  Salomon 
und  Jeroboam  (3  Reg.  11,  29  ff.) 

Die  Benennung  dieses  Propheten  ist  eine  sehr  verschiedene. 
In  dem  Dorotheustexte  befindet  sich  am  Schlüsse  eine  Scholie, 
wonach  derselbe  Achias  auch  Adonias1  genannt  worden  sein  soll. 

In  D1  dagegen  wird  er  Eli  qui  et  Selom  genannt,  offenbar 
aus  Verwechslung  mit  den  Angaben,  daß  Achias  in  Selom  aus 
der  Stadt  Helis  war. 

Achias  wird  in  Sb  mit  der  Nachricht  3  Reg.  13,  24.  29  be- 
dacht, wonach  er  der  anonyme  Prophet  war,  welcher  vom  Löwen 
getötet  wurde.  Darauf  scheint  B  hinzuweisen,  wenn  er  nach 
dessen  Glosse  mit  Adonias  identifiziert  wird.  Allein  in  der  christ- 
lichen Literatur  wird  er  stets  davon  unterschieden;  in  den  Apost. 

2  3  Reg.  12,  28 

1  änd —  xvgiov  <  DF  |  xal  —  3  oov]  xal  näv  xu  ytvoq  airzov  DF  ] 
3  xal  än£&.  DF      lAyja?  <  DF  |  t/]q  ovorjq  <  DF 


1)  Vgl.  SS.  Patniui  qui  temnoribus  apostolicis  floruerunt,  Barnabae, 
Clementis,  Hermae,  Ignatii  . .  opera  edita  et  inedita  . .  J.  B.  Cotelerius  . . . 
Accesserunt  in  hae  nova  editione  notae  integrae  alioiuin  viroium  doctorum. 
Recensuit  Joan.  Clericus  Vol.  primum,  Antverpiae  171«».  p.  296  Nota  6. 


104  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Constitut.  1.  IV  c.  7,  21,  bei  Lucifer  von  Caglari,  de  regibus  aposta- 
ticis  c.  4  (ed.  Gul.  Hartel,  CSEL  XIV,  Vindob.  1886,  44);  Gregor 
Magn.  hora.  I  in  Ezech.,  Anastas.  Sinait.  quaest.  s.  Cotelier. 

§  3<>.  Joath  (Joad)  -Joam. 
Ovxoq  Icoafr  ?)v  Ix  yyq  Safiagh,  ixarage  de  avxbv  6  Xtcov, 
xal  ajit&avs,  xal  exd<pt/  iv  BtO-rjX  eyyvq  xov  tptvöojcQOCßrjxov 
rov  xlavrjöavxoq  avxov  (B). 

5  Icoafi  o  JtQ0(pTjT7]g  eyevvrjfr?]  iv  JSafiaotia'  ovxoq  loxiv  ov 

ijidxaZ,ev  o  Xecav  iv  rfj  oöcä  xal  aTÜd-avev,  öxi  tjZeyi-e  xov 
'kooßoccfi  ixl  ralq  XQv<Jatq  6a{iaXtGiv  avrov,  aq  ijioirjötv  öre 
xal  xarrjodoaro  xrjv  &vöiav  'leooßodu,  xal  et-sxttvs  rr/v  ytlQa 
rov  xaxcöoai.  avrov,  xal  i^tjQav^rj  rj  x&q  xov  'ieQoßoan  xal  fiexa. 
10  ravxa  t]jtax?j&r/  vjco  rov  tp£vöoJiQO(p?]xov,  xal  ißiaoaxo  avxbv 
cpayslv  agxov  xal  müv  vÖcoq.    Kai  i^elfrovxa  avxbv  esiaxasEv 

6  Xioov,  xal  xrjv  ovov  avrov  ovx  r/öixrjOs.  Kai  ixd<pt]  kv  Be- 
&rjQ  ovvsyyvq  xov  \ptvöoJiQO(prirov.  Kai  vortgov  ajcofrv?]Gxa)V 
o  iptvdoJiQO(prjr?]q   coqxiös   xolq    Isqsvölv,    ort   fiexct    xov  'fcoäfi 

15  xov  JiQO(pr]xov  fis  ß-aipers'    öxi  yjcdxt]Oa   avxbv.      Kai    Iv    xjj 

3  3  Reg.  13,  24.  29  —  7  3  Reg.  12,  28  —  9  3  Reg.  13,  4  s  —  10  ibid. 
v.  18  cfr.  Apost.  Constit.  IV  6,  5  —  113  Reg.  13,  24  —  12  3  Reg.  13,  28 
—  14  ibid.  v.  31 

2  [BD,  deest  in  CEJ  Ovxoq — Safiao.]  '/warf  ix  trjq  Safiagel/i.  Obxöq 
iativ  ov  D  |  3  änid-avs  +  oxs  rjXey^e  xov  ^Ieooßoäu  iid  xalq  6atuä?.£Gi  D 

5  [ADJFJ  'Iwäfx  —  ioxiv]  '/warf  .  .  .  rjv  ix  ytjq  Safiaoeiaq  F  |  6  iv — 
odöj  <;  F       äni&.  ort]  i&aväuooev  avxbv,  8w  nagi'jxovGs  xvqiov  oixoq'D1\ 

7  yoiaaiq  <  F  avxov — 17  fivrtfielqt]  ÜQoahaqe  y«o  avzä)  6  9ebq  anü.- 
9-zTv  fihv  xal  iXiy£ai,  ,«/)  (payeTv  6h  aoxov  f.irj6h  nielv  vöwq,  aAA'  vxogxqs- 
xpai  xayjwq.  knekd-ibv  6h  xal  evowv  xov  'leooßoäu  9-vovva  insxd/.EGer  iv 
Xüyo)  xvqiov  xal  eine  (3  Reg.  13,  2)  xal  ixxelvaq  'Ieooßoäu  vi/v  yelga  xga- 
xijGai  avxöv,  iSqoäv&t]  //  yelg  avxov.     Kai  7iaoaxa?JGavroq  xov  legt 

xal  xov  TiQOcpfjxov  6eri$iiVxoq  uTtexaxiax),  >,  yslg  avrov  xa&toq  n>  tiqÖxeoov. 
L0  6h  npocp'jXtiq  v7iooxQt<p(DV  7iaoe7i£iG&>]   nagä  \pev6o7iQO<pi'lxov   Gv/nqaytlr 
avxä>  anxor.     Kai  6tä  x^v  naoaxofjv  Gvveyü>ot]Gev  aixio  ö  9-tuq  TiaTayßijvai, 
[ihv  xal  anoxTav&rjvai  vnö  &t]Qiov  ?Jovxoq,  (i)j  ßocoS-F/vai  6em   ixä<f  . 
iv  Bed-ij?.  iyyvq  rov  ipev6o7tQO<ptfzov  'Evßl  rov  nXav^aavzoq  tctoöv  F 


1)  F.  X.  Funk,    Didascalia    et    Constitutiones    Apostolorum  Vol.  I. 
Paderbornae  1906,  p.  227,  20.     Adonias  227,  6. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruni.  105 

dvaOrdoii   dixaq   tlojcga^o/jed-a  xal   atug:oT£QOt  xelvrai   iv   evl 
ftvTjfisicp  (A). 

Addo  in  Sarnaria  natus  est.  Hie  est  qui  ad  Jeroboam  im- 
molantem  vitulum  missus  in  sermone  Domini  venit  eumque 
arguit  immolautein.  Hunc  ad  propria  revertentern  propter  inobe- 
dientiam  leo  in  via  strangulavit  sepultumque  teuet  Bethel,  et 
propbetam  illum.  qui  eum  fefellerat  Li  (deest  in  Sb). 

Joad  erat  ex  Samaria  eumque  oeeidit  leo  in  diebus  Jero- 
boam regis  sepultusque  est  in  Bethel  Ss. 

Auch  hier  zeichnen  sich  B  und  D  durch  ihre  Kürze  aus. 
AD*F  erzählen  den  ganzen  Vorgang  des  anonymen  Propheten, 
wie  er  in  3  Reg.  12,  28;  13,  4 — 31  sich  abspielt.  Der  Name  des 
Propheten  wird  in  der  jüdischen  wie  christlichen  Literatur  ver- 
schieden bezeichnet.  Flavius  Josephus  antiqu.  VIII  8,  5  nennt 
ihn  Jadon,  Hieronymus  Addo  (2  Chron.  13,  22),  auch  wird  er 
Sameas  und  in  unsern  Texten  Joath  oder  Joam  genannt.  Die 
Apost.  Konstit.  1.  IV  c.  6,  5  nennen  den  vom  Löwen  Getöteten 
Adonias '. 

D  und  D1  unterscheiden  von  diesem  Joath  noch  einen  Ja- 
dok,  oder  einen  anonymen  Mann  Gottes,  von  welchem  das  in 
3  Reg.  13,  1—4  erzählt  wird.  Hierzu  gab  4  Reg.  23.  17  Ver- 
anlassung, wo  Josias  sich  nach  einem  Grabe  erkundigt  und  ihm 
die  Bürger  antworteten:  „Es  ist  das  Grab  des  Mannes  Gottes, 
der  von  Juda  gekommen  und  die  Dinge  verkündigt  hat,  welche 
du  getan  am  Altare  Gottes." 

§  31.  Zacharias,  Joiadae  filius. 
Za/aQiaz  aXAog  jcQoprjzijq  xai  leqevq.    Ovtoq  1,v  vloq  Icoöah 

•_'  2  Chron.  24.  21 1 

'_'  !.UD)D'F|  Zu/,  -p  ncal,n  'Iomxvov  tov  tiqoSÖ/xov  y.ui  ßanxiorov  F  | 
a/./.oz  —  ifotr.l  ig  IeQOvaaXfjfA  DD1 


1)  Cotelerius,  SS.  Patrum  qui  fcemporibufl  Apostolicis  floruerunt 
opera  edita  et  inedita  .  .  J.  B.  Coteleiiua  .  .  illustravit,  Recensuit  . .  Joa. 
Clericus.  Vol.  primum,  Antverpiae  L700,  294 f.  Vgl.  Aug.  Knobel,  Der 
Prophetisraus  der  Hebräer  II  64. 


106  Sphercnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

IsQtcoq  [jtarrjQ  6h  Icoavvov  rov  ßajtriörov].  Tovrov  ajttxr£iv£v 
[HQmdijq]  o  ßaoiltvq  eyofisva  rov  &vöiaörrjQiov  xal  rov  oixov 
xvqiov.  Ovroq  de  r/v  £§  'iioovöaZrjfi  fcg  oixov  Aaviö,  ava.  (liöov 
rov  EXafi  £g  oixov  xvqiov.  Ovroq  ejiQogjrjrsvot  jceqi  Xotörov 
5  y£W£aq.  'ExsZ  ovv  l&atyav  Iv  ohcco  &eov  h%6[ieva  vaov  xvqiov. 
Exrore  hyivovra  rsQCcra  jcoXXa.  hv  reo  vaco  xal  rpavraoiai'  xal 
ovx  iöyyov'  ol  i£Q£lq  löüv  ovxsri  ojcraolav  dyytXoiV  ovös 
öovvai  XQrjöfiovq  reo  Xaco  hv  Aaßs'iQ,  ovrs  tQojrrjöcu  Iv  rät 
}E<povö  ovrs  öia  rcöv  dr/Xcov  dxoxQi&rjvai  tcoq  xb  jcqIv  tcoq  rrjq 
10  f/ft£Qaq  exelvrjq  (A). 

ZayaQiaq  vlbq  'imdah  rov  iSQtcoq.    Ovroq  ?)v  £§,  lf£QovöaX?]fi 

xal    djt£xr£iv£v   avrbv    Iomq    o    ßaöiX£vq   'iovöa   lybusva    rov 

&vöiaörrjQiov ,    xal    £$£%££    rb    aifia   avrov  o  oixoq   Aaßlö  ava 

f/£öov  £jtI   rov  iEXd[i.     Kai   Xaßovrsg  avrbv  ol  UQüq  t&atyav 

15  [t£rcc  rov  üiarQoq  avrov  (B). 

Zacharias  propheta  atque  sacerdos,  filius  Joiadae  sacerdotis 
qui  et  Barachias  cognominatus  est,  quem  congregatus  in  atrio 
doraus  Doraini  populus  iuxta  Joas  regis  imperium  missis  in 
eum  lapidibus  exstinxit.  Hunc  sublevatum  continuo  sacerdotes 
iuxta  patrem  suum  sepelierunt  in  Jerusalem  Li. 

Zacharias  filius  Barachiae,  sacerdos  Hierosolymitanus  Joas 
rex  eum  inter  gradus  altaris  interfecit  et  sanguinem  eius  ad 
cornua  altaris  sparsit.  Sacerdotes  eum  deposuerunt.  Ex  hoc  die 
Deus  templum  dereliquit  neque  angeli  amplius  in  eo  visi  sunt  Sb. 

Zacbarias  des  Jojada  Sohn  (2  Chron.  24,  20).  Diese  vita 
fehlt  in  C.  B  liefert  hierin  eine  gute  Probe  der  Unversehrt- 
heit.    Während  A   und   einige  Handschriften  von   D,    besonders 

2  2  Chron.  24,  21  —  3  Mt.  23,  35;  Lc.  11,  51;  cfr.  Sozomen.  h.  e.  IX 
17;  Niceph.  Call.  h.  e.  XIV  S  —  5  cfr.  Lc.  1,  67—79 

I  7iar//Q  —  tovrov]  dv  D1  nazijQ —  zovzov]  syyovoq  ,usv  Afia&ao  rov 
iv  sbayyeXloiq  avayeyQafifjevov  äp'/jEQecüq,  vlöq  öh  'Icoöas  teoätoq,  ov  xal 
ixäXovv  Baoa%iav.  "Ovziva  Baoayjav  antxzELVE  ^IomZ,  6  ,?.  F  |  2  Hochötjq 
<D*  'HgcbSrjq]  'Icoäq  D  'Icoäq~  F  xal  —  3  xvqiov  <  DF  |  7  äyyslwv  -f- 
&eov  DF  l  8  reo  Xaco  <  DF  ix  rov  Ja/%  (3  Reg.  6,  9)  DF  |  9  tcoq— 
ixeivrjq  <  DF 

II  [BD]  AiXäß  D  |  15  avrov  -j-  sxzoze  (Z.  6)  —  icjoq  rö  tcqiv  (==  A)  D 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetaruui.  107 

F  eine  Verwechslung  mit  dem  Vater  des  Johannes  Bapt.1  be- 
gehen, hat  B,  auch  D  sich  davon  unberührt  erhalten.  Da- 
gegen scheint  D  wiederum  die  Grundlage  von  A  teilweise 
gewesen  zu  sein,  da  beide  Texte  den  Schlußsatz  fast  wörtlicb 
gleich  bieten. 

Den  vorkommenden  Namen  'Elafi  erklärt  Hamaker2  als  irr- 
tümliche Auffassung  von  Db^lN  (porticus),  da  damit  eine  lokale 
Bezeichnung  gegeben  ist.  Einige  HSS  lesen  'Adaft,  was  aus 
A[AAM  (wie  D  Vatic.  2125)  zeigt,  sich  erklären  läßt. 

Auf  diesen  Zacharias  wird  das  Martyrium  von  Mt.  23,  35, 
Lc.  11,  51  angewandt,  gemäß  einer  alten  Tradition,  deren  erster 
Zeuge  nach  Hieronymus3  im  Evangelium,  das  die  Nazaräer  ge- 
brauchten, vorliegt;  denn  dort  war  statt  Barachiae  filius,  Jojadae 
geschrieben.  Aber  auch  der  Vater  des  Johannes  wurde  schon 
bei  Tertullian  scorp.  c.  84  und  später5  in  dem  zwischen  dem  Altar 
und  dem  Heiligtum  ermordeten  Zacharias  (Mt.  23,  35)   erkannt. 

Die  Nachricht,  dieser  Zacharias  habe  über  die  Geburt  Christi 
geweissagt,  mag  aus  zweierlei  Traditionen  erklärt  werden.  Hie- 
ronymus6 erzählt  nach  einigen  apokryphen  Träumereien,  daß  das 
Motiv  der  Ermordung  des  Zacharias  darin  bestand,  weil  er  die  An- 
kunft des  Erlösers  vorher  verkündigt  habe.  Diese  Mitteilung  steht 
vereinzelt  da,  deckt  sich  aber  am  besten  mit  unsern  Texten.  Aus 
einer  andern  Überlieferung  schöpfte  Origenes7  und  eine  Homilie 
auf  die  Geburt  Christi,  fälschlicherweise  dem  Basilius  von  Cäsarea8 
beigelegt,  wonach  Zacharias  Maria  auch  nach  der  Geburt  an  dem 
für  die  Jungfrauen  im  Tempel  bestimmten  Platze  eingereiht  habe, 


1)  Ebenso  der  syrische  Epiphaniustext,  den  Jacob  von  Edessa  kannte; 
W.  Wrigbt,  Cafcalogue  of  Syriac  Manuscripts  in  the  Brit.  Museum,  part.  II, 
London  1871,  601  nach  cod.  Syriac  707  saec.  IX. 

2)  Commentatio  in  libellum  de  vita  etc.  216  f. 

3)  Hieronym.  com.  in  Mt.  23,  35.  Erw.  Preuschen,  Antilegomena, 
2.  Aufl.  Giessen  1905,  S.  7. 

4)  ed.  Reifferscheid-WissowainCSELXXVindok  L890  pag.  161, 
5.  6. 

5)  Bei  Chrysost.  Migne  Patr.  gr.  58,681. 

6)  In  Matth.  com.  1.  W  (Migne  Patr.  lat,  26, 180 B).  Vgl.  A.  Berendts , 
Studien  über  Zacharias -Apokryphen  und  Zacharias -Legenden,  Leipzig 
1895,  25  f. 

7)  Berendts  S.  25  F. 

8)  Migne  Patr.  gr.  31,  I  168,  Berendts  S.  28. 


10g  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

weshalb  er  von  den  Juden  wegen  dieser  angeblichen  Gesetzes- 
übertretung zwischen  dem  Tempel  und  dem  Heiligtum  ermordet 
wurde. 

A.  Berendts1  vermutet,  daß  diejenigen  unserer  Texte,  welche 
Zacharias  von  Herodes  getötet  sein  lassen  und  berichten:  eseyjexo 
xb  alfia  avxov  eiq  xa  xoö&voa  xov  vaov  xvq'lov  auf  das  Proto- 
evangelium  Jacobi  (letztere  Stelle  c.  23,  3)  zurückgehen,  da  eine 
Zacharias-Legende  den  Herodes  der  Ermordung  des  Propheten 
zeiht,  welche  mit  dem  Protoevang.  Jacobi  in  enger  Beziehung  steht. 

Nach  dem  Tode  des  Propheten  geschahen  im  Tempel  viele 
Wunder2  und  Gesichte.  Die  Priester  hatten  nicht  mehr  die 
Macht  Engelerscheinungen  zu  haben,  noch  dem  Volke  im  Aller- 
heiligsten  Orakel  zu  erteilen,  noch  das  Ephod3  zu  erfragen  noch 
in  bekannter  Weise  wie  zuvor  zu  antworten. 


§  32.  Azarias. 

'A^aQiag  o  JtQO(ptjX7]q'    ovxoq  rjv  ex  xr\q  2viißafrä.     Ovxoq 
eöxiv  o   ajiooxoeipaq    xr)v  alynalcaölav  'iovda   slq  'Joqütj?.    dia 
jtQoöevyätv.     JJoHa  de  jiQocprjxevöaq  ütegl    xrjq  elevoemq  xov 
5  Xqlöxov  exoifirjfr?]  ev  xfj  jicctqlÖl  avxov  (A). 

Ovxoq  A^aoiaq  r\v  ex  y?]q  2vva&ä,  oq  djteoxQetpev  Ig 
IeoovöaXijfi  x?)v  aiyjialcoöiav  'lovda  xai  &avcbv  kxatpr\  ev  ayocp 
avxov.  [V>  de  'lerp&aq  xai  Aaßlö  xcd  2a\iovi]X  txaöxoq  ev  xtj 
eavzov  jcoXei  ajie&ave  xai  exag>rj]. 

2  2  Chron.  15,  1.  8  —  3  2  Chron.  23,  9  ss  —  4  cfr.  2  Chron.  15,  3  — 
8 — 9  Haniaker  p.  39  glossa  librarii 

('»  [BDF]  y]v  +  vlög  'AdSüi  F  Zvßa&ä,  Ze/tßa&ä  F  |  7  lIsgova.]  1a- 
(>a>jX  (sie)  F  |  8  —  9  <  DF 


1)  a.  a.  0.  S.  37.  48  f. 

2)  Berendts  S.  17  glaubt,  daß  „diese  unbestimmte  Haltung  der 
auszugartigen  Angaben  es  nicht  unwahrscheinlich  erscheinen  lassen,  daß 
unter  deu  „Wundern"  auch  der  rasche  Tod  des  Königssohnes  verstanden 
ist",  welcher  in  dem  Zacharias- Apokryphon  bei  Sozoinenus  erwähnt  wird. 
Hierzu  berechtigt  nicht  der  geringste  Anhaltspunkt. 

3)  A. Maecklenburg,  Ephod  in  Israel  in  Zeitschrift  für  wiss.  Theo- 
logie 49  (N.  F.  14)  1906,  433  ff. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarurn.  109 

Azarias  in  terra  oritur  Sabatha  mortuusque  est  ac  sepultus 
in  agello  suo  Li. 

Deest  in  Sb  et  Ss. 

Der  Grundbestand  dieser  vita  ist  in  2  Chron.  28,  8  ff.  ent- 
halten, wo  erzählt  wird,  daß  ein  Prophet  namens  Oded  den 
Israeliten  riet,  die  von  ihnen  gefangenen  Brüder  aus  Jerusalem 
und  Juda  wieder  freizugeben.  Da  Azarias  2  Chron.  15,  1  (8) 
der  Sohn  Odeds  genannt  wird,  so  mochte  die  Weissagung  vom 
Vater  auf  den  Sohn  übertragen  worden  sein.  Die  Mitteilung, 
daß  Azarias  über  die  Ankunft  des  Herrn  weissagte,  mochte  sich 
auf  2  Chron.  15,  3  ff  stützen. 

§33.  Elias. 
^HXiaq  6  JcQOtyrjTrjc'  ovroq  r\v  ex  Geoßcöv,  ht  y?]c  Andßcov, 
ex  (pvli]g  'Aaocbv,  oixcöv  ev  raXadö,  ön  ?]  Oeößlq  öofia  ?)v  rolq 
leoevöi  ösöofisvrj.     Kai  öre  erexev  avrov  rj  fi^rrjQ  avrov,  eiöe 
Scoßax  6  jrarrjQ  avrov  ojcraoiav,  ort  avöoeq  ).evxo(pavelq  avrä»  5 
jcgoOTjyoQSvov'  xal  ön  ev  jcvqX  eöjraQydvovv  xal  cpXoya  Jtvooq 
eöldovv   cvrcä   cpayelv.     Kai  eX&cbv   eiq   IegovoaXrjfi  dvqyyeiXe 
xolq  uqevöc  xal  eijrev  6  XQ/jfiariüfioq'  firj  öeiXiaorjq'  eötai  ydo 
i)  olxrjöiq  rov  jiaiöbq   cpcöq  xal  o  Xoyoq   avrov   djrocpaöiq   xal 
xQivel  rov  }[öga?]X  ev  QOfHpala  xal  ev  oivqL    [Ovroq  eöriv  HXiaq  10 
6  rb  jivq  rgirov  Ig  ovgavov  xareveyxaq  xal  rov  verbv  rfj  16  ia 
ylcoöCf)  ßaordoaq'  xal  vexgovq  eyeioaq  xal  eiq  ovgavovq  dva- 
Xrjfp&elq  ev  Xailaüti  jzvqoq].    [Kai  ya.Q  Ct]Xajr?jq  xal  (pvXaz  röiv 

2  3  Reg.  17, 1;  21,  17  |  4  Reg.  1,  3.  8—10  cfr.  Isa.  GG,  IG  —  11  3  Reg. 

18,  38;  17,  1  |  Siraeh.  48,  3.  5.  9  —  15  4  Reg.  2, 11;  1  Maech.  2,  58 

2  [ABCDF]  7ioo(f/',z>iq]  d-eoßlxrjq  BCD  r)v-\-  vlöq  — wßäx  F  ixOeoßibv 
<BCD  Otoßrj  F  |  3  döjficc  B  |  4  öxe  <5s  C  öxav  Sfj.eV.ev  {elys  D)  tsx&fjvai 
(xlxxeo&ai  C)  BCD  avrov — fyxijQ  airvov]  <  BCD  |  5  2u}ßa%a  B  ooßayä 
CD  Tiaren]  /uf'/T-qp  C  dnxaolav  <  BCD  avöoeq]  ayye).oi  BD  avtip] 
airxöv  BCD  |  (>  öxi  <  C  |  7  ik&Cov  +  6  naxitQ  aixov  'Aocofi  C  eiq  7tp.  < 
C  |  8  xolq  Uqev oi  <  BCD  XQ^Ofiöq  BCD  ,«//  ÖEiXidoyq]  d-äposi  C  J  \)  vov 
liaiööq  <  BCD  |  10  h> —  itvgl]  xal  ava).i)([&>)otxai  £v  orcsosiotirt  £x  züiV 
oinavöiv  (4  Reg.  2,  1.  11)  D1  tcvqI  +  ovzoq  ovv  TCQoegrfzevaev  :'r/t  Eixoat 
71evxe  xai  TtQoiXaße  xitv  k).sroir  xov  Xqigxov  IHj  öxzaxöoia  äexait;  F  | 
10 — finis<BD  10  —  13<C  |  12  eyslgag  +  xal  jievr^xovTa  Siaaovq  xaxa- 
<p).scaq  xal  tv  xö>  XfüQijß  Sqei  u){  av&o6i7t(])  IöeZv  övvaxöv,  ih<)v  lS<av  xiu  vdv 
loQÖdvrjv  r/j  iui/.oi/j  oyjoaq  F   |  13  \alkanC[  ünuaxi  F       13  —  linis  <C  AF 


HO  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

xov  &£ov  hvxoXcöv  äxQißrjg  yeyovooq  xal  fityiotcov  (ivoxrjQicov 
xal  xagLOfiarcov  &eioov  agim&eig  avsXrjcptt?]  Iv  äofiaxi  xvq'lvco, 
oq  xaXiv  lXi.voi.xaL  jtob  xrjq  ovvxeXüaq,  wq  fpr/oiv  o  i)ibq  öia 
MaXayiov  ,,löov  eS,ajtoOTeXä)  vfilv  HX'iav  xov  Sioßlxip  rrnir 
5  eXfrsiv  x?]v  rjfieQcxv  xvoiov  xr\v  fieyaXrjv  xal  sxicpavf),  oq  axo- 
xaxaoxrjöai  xaoöiav  Jiazooq  jcooq  viov  xal  xaodiav  avd-Qcoüiov 
Jiooq  xb  Tihp'iov  avxov,  (irj  eX&cbv  jiaxa$co  xr\v  y?jv  aQÖTjv"]. 

Elias  Thesbites  ....  Trienni  nainque  siccitate  clausit  imbri- 
bus  coelum.  Oravit  sursum  et  coelum  dedit  pluvias,  mortuumque 
mulieris  filium  suscitavit.  Cuius  virtute  hydria  farinae  non  de- 
fecit,  vas  olei  perpetuo  fönte  manavit.  Cuius  verbo  super  sacri- 
ficium  ignis  de  coelo  descendit.  Hie  duos  quinquagenarios  cum 
militibus  coelesti  igne  combussit.  Jordanem  transiens  tactu  me- 
lotis  abrupit.  Post  igneo  curru  in  coelum  raptus  ascendit,  ven- 
turus  iuxta  Malachiam  prophetam  in  fine  mundi  ac  praecessurus 
Christum  nuntiaturus  ultimum  eius  adventum  cum  magnis  vir- 
tutibus  prodigiisque  signorum:  ita  ut  etiam  in  terra  bellum  gerat 
Antichristus  adversus  eum,  vel  qui  cum  eo  venturus  est,  et  occi- 
det  eos,  cadavera  quoque  eorum  in  plateis  insepulta  iacebant. 

Dehinc  suscitati  a  Domino  regnum  Antichristi  plaga  magna 
percutient1.  Post  haec  veniet  Dominus  et  interficiet  Antichristum 
gladio  oris  sui  et  eos  qui  adoraverunt  eum.  Et  regnabit  Do- 
minus cum  omnibus  sanetis  suis  in  gloria  sempiterna. 

Item2.  Elias  Thesbites  de  terra  Arabum,  de  tribu  Aaron, 
cum  esset  in  utero  matris  suae  Gralaath,  Sobac  pater  eius  som- 
nium  vidit,  quod  nascentem  Eliam  viri  candidis  vestibus  saluta- 
bant,  igneisque  eum  vestimentis  (al.  institis)  obvolvebant  atque 
pro  eibo  igneum  ei  ad  nutriendum  subministrabant.  Hoc  visum 
pater  eius  prophetis  in  Jerosolymis  indieavit,  hoeque  ab  eis  acce- 
pit  responsum:  Ne  timueris  inquiunt,  erit  enim  natio  eius  lumen, 
verbumque  eius  fixis  sententiis.  Iudicabit  enim  Israel  in  gladio 
et  igne  Li. 

6.  Elias  igneus  ex  familia  Aaron  de  Thesbe,  vico  Levitarum. 

4f  Malach.  4,  5.  6  (3,  23.  24) 


1)  Tertullian.  de  anima  c.  35  n.  50  de  Elia  et  Henoeh:  „morituri  reser- 
vantur,  ut  Antichristum  sanguine  suo  exstinguant". 

2)  In  tribus  Mss  Isidori;  cfr.  Texte  B,  D. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  \l\ 

Cum  nasceretur,  pater  eius  somnium  vidit,  nasciturum  esse  ho- 
minem  et  pro  pannis  igne  enm  circumdari;  darique  ei  de  hoc 
igne,  ut  comedat.  Venitque  pater  eius  Jerusalem  et  sacerdotibus 
visionein,  quam  viderat,  narravit.  Dixerunt  ei  nobiles  populi: 
Ne  timeas;  ignis  —  filius  tuus  erit;  verbum  eius  non  cadet  super 
terram,  et  inflammabit  peccatores  zelo  suo  sicut  ignis,  et  zelus 
eius  acceptus  erit  coram  Domino.  Assumptus  est  curru  in  coelum. 
Secundum  quosdam  pater  eius  Sobach  (Shobäkh)  nominatus  est  Sb. 
7.  Elias  erat  a  Thesbi  ex  tribu  Levi  in  diebus  Achab  regis 
et  [in  diebus]  hie  in  coelos  evectus  est  Ss. 

Für  die  vitae  des  Elias  und  Elisaeus  tritt  wiederum  C  als 
Zeuge  auf.  Die  Entwicklung  des  Gedankenganges  ist  in  ABCDD l 
dieselbe.  BDD1  haben  nur  äußerst  wenige  Varianten,  so  daß  wir 
sie  als  direkt  verwandt  bezeichnen  können.  C  bietet  einen  eigenen 
Zusatz  am  Schlüsse,  worin  mit  Zuhilfenahme  von  Malach.  4,  5.  6 
von  der  eschatologischen  Bedeutung  der  Auffahrt  des  Elias  die 
Rede  ist.  Auch  A  hat  aus  Sir.  48.  3.  5.  9  eine  Erweiterung;  auf- 
genommen.  Wir  können  diese  beiden  Zusätze,  weil  sie  nur  ver- 
einzelt auftreten,  als  spätere  Glossen  oder  Beifügungen  erklären 
und  sind  nicht  gehindert,  für  alle  Texte  eine  Grundschrift  anzu- 
nehmen. 

Früheren  Versuchen,  die  Bezeichnung  ex  y?]g  Agaßcov  für 
die  Heimat  des  Elias  durch  ein  Schreibversehen  zu  erklären 
oder  als  Duplikat  eines  etwaigen  ex  yrjg  'Accqcov,  wie  dies 
Hamaker  wiederum  versuchte,  trat  schon  Petavius1  entgegen, 
welcher  nachwies,  daß  von  Tertullian  adv.  Marc.  1.  111  c.  13  Da- 
maskus nach  Arabien  verlegt  wird,  und  zu  Hieronymus  Zeit  noch 
Baasan  und  Galaaditis  zu  Arabien  gezählt  wurde.  Der  Name 
Arabien  umfaßte  also  auch  Syrien.  In  C  scheint  ein  Irrtum  ob- 
zuwalten, indem  der  Vater  des  Elias  Asom  genannt  wird,  seine 
Mutter  Sobach(a),  welch  letzteren  Namen  alle  andern  Recensionen 
dem  Vater  des  Propheten  beilegen,  ohne  ersteren  Namen  anzu- 
führen2. Am  Schlüsse  des  allen  Recensionen  gemeinsamen  Teiles 
schreiben  einige  HSS  statt  o  Xoyog  avzov  ajr6(paoig:  oöog,  was 
ans  der  Schreibweise  OAOC  wohl  zu  erklären  ist. 


1)  Migne  Patr.  gr.  41,  Pariais  1863  p.  070  nota  81. 

_)  Epiph.  adv.  haeres.  55,  3  (adv.  Bfelchisedec.)  eine  andere  Tradition. 


112  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


§  34.  Elisaeus. 

'EXiööalog  o  ütgo<pr\z7]g.  Ovzog  t/v  ag  'slßeX[/.aov&  sx  rrjg 
y?jg  Povßifi'  xal  sjtl  zovztp  ysyovs  zsgaöztov.  Ott  r\vixa  sztyßrj 
sv  ralyaloig  7)  damalig  7)  ygvOT]  7)  sv  2r}X<h(i  o$v  sßotjösv, 
5  coözs  dxovo&rjvai  sv  IsgovOaXrjfi.  Kai  sioisv  o  Isgsvg  öia  zojv 
drjlcov,  özi  jtQocprjz?]g  sxsyßr\  07'jfjsgov,  og  xa&sXsi  yXvJiza  xcä 
ovvd-XaöGsi  za  ywvsvza. 

Kai  fravcbv  sza<pr]  sv  JSaiiageia. 

[IloXXa  ös  zsgdozia  sttoitjösv  o  &sog  öia  ysigbg  'EXiöoaiov 

10  xal  fravcbv  sxäcprj  sv  2afiagsla,  sv  2sßa6zonoXsi.    Ovzog  sjtgo- 

rprjzsvös  jisgl  züjg  zov  xvgiov  jtagovölag'  xal  za  vöaza  'isgrycö 

äzsxva  ovza  rjyovv  aX^ivgd,   läoazo  siüimv  zdös  Xsysi  xvgiog' 

lafiat  za  vöaza  zavza.    Kai  latii/öav  soig  zrjg  orj/jsgov  7/fJsgag' 

xal  vsxgovg  7jysigs'   xal  Xsngbv  ovza  Nssfiav  zov  2vgov  sxa- 

15  &agiüs  Z7~jg  Xsjigag.    Kai  zov  risCrj  zov  vjtrjgsz7]v  avzov  XtJigbv 

sjioirjos  ysvsö&ai.     Kai  vsxgbg  mv  vsxgbv  7jysigsv]. 

[Kai  yag  sjcavajtavodfisvov  sjc    avzov  rb  jcvsi\ua  öucXovv 

ysyovsv  sv  avzcp  öuiXa.  sv  xvsvpiazi  xal  za  yagiOfiaza  xal  za 

svsgyrjfiaza'   6&sv  ov  (iovov  sv  zy  £eö#   avzov  s{ravtuazovgysi, 

20  aXXa  xal  &ava)v  xal  zacpslg  sv  JJafiaQsia  egglcpT]  vsxgog  y.ovo- 

C,a)og  sv  zcp  zacptp  avzov  xal  sv&vg  avsC,7]Osv  o  vsxgog]. 

2  3  Reg.  19,  16  —  4  cfr.  Cyrill.  Alex,  coniment.  in  Oseam  laudans 
versionem  graecam  3  Reg.  12,  29  —  6  Is.  48,  5  —  12  4  Reg.  2,  19  ss  — 
14  4  Reg.  5,  lss  —  15  ibid.  v.  20ss  —  16  ibid.  13,  21  —  17  4  Reg.  2,  15 
—  20  4  Reg.  13,  21 

2  [ABCDDiF]  fjv  +  vlöq  Zayäz  F  'AßsXtuaovX  BF  |  3  ytjq  +  zov 
BCDF  ^Povßlß  F  LPovßlv  B  -f-  (pvX?~/q  Asvt,  vlöq  ^Iiuaatpäx  C  srcl —  ort] 
ovzoq  de  C  |  4  fj  i v  SrjX.  <  BCD  ö%bv  A  ißdyosv  +  elq  Btd-r'jX  D1  | 
5  elq  iIeoovoaXil/„i]  orj/uepor  AD1  er]  elq  BD  '/eo.]  ^lonai'jX  D  |  (5  ai'jfiegov 
<  D1  xa&eXüxai  A  |  7  avv&Xüaaec  <BCD  (Hainaker  corrigit  p.  61  ary- 
xXäaei)  ovv9-?.äoaEi]  ovvTQiipei  F  "/cor.  -f-  avxibv  C  |  8  xal — —aiiao.  <Z 
ACDD'F  |  9  IloXXa  —  21  IjyeiQEv  <  BCDDi  ]  12  fasxvowza  F  aXfi.  + 
ovza  F  |  16  yertoScu  +  öia  r^v  (piXagyiaiav  avzov  xal  zijv  nagaxorfv  F 
^lysioe  4-  xal  t«  ^loQÖäveiu  pn&pa  z%  xov  'HXwv  j.u]Xu>xy  naräSaq  äie$pi]§ß 
(4  Reg.  2,  14);  xal  neol  ti/q  zov  xvqiov  nagovolaq  TtQostptftsvos  F  j  17 — 21 
solum  in  C  ]  20  Hamaker  p.  62  ita  corrigit  aXXa  xal  9avü)v  tzäq:?]  £v 
2afA.ao£ia '  i{jQi(prj  vsxabq  xal  [xovö^wvoq  xxX. 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  113 

Elisaeus,  Eliae  discipulus  ex  Abel  Meula  oppido,  ex  tribu 
Rüben,  in  cuius  ortu  aurea  vitula  in  Galgalis  mngitum  dedit 
eiusqne  vox  in  Jerusalem  personavit.  Tunc  quidam  praesagus 
vates  praedixit:  Hodie  in  Israel  natus  est  propheta,  qui  cuncta 
eorum  destruet  idola. 

[Hie  genuino  Eliae  glorificatus  spiritu  plurimis  atque  magnis 
virtutum  signis  emieuit.  Jordanem  transitu  suo  divisurn  refre- 
natis  undis  retro  convertit;  aquas  Jericho  steriles  demerso  vas- 
culo  ad  feeunditatem  perduxit;  pueros  insultantes  sibi  verbo 
tradidit  bestiis  repente  vorandos;  sanguineas  aquas  in  necem 
hostium  decurrere  fecit;  inter  haec  sterilem  coneeptionem  verbo 
feeundavit  eiusque  filium  mortuum  suscitavit;  eiborum  temperat 
amaritudinem;  denique  ex  decem  panibus  plebe  refeeta  reliquias 
collegit. 

Et  Naaman  leprae  stigmatibus  lavacro  Jordanis  purgavit; 
lepra  quoque  maledictum  aspersit  diseipulum;  ferrum  securis  in 
Jordane  mersum,  ligno  in  aquas  misso,  supernatare  fecit.  Hostes 
Syriae  caecitate  percussit,  mortem  incredulo  praedixit,  fragore 
quadrigarum  fugavit  hostem,  obsidionem  dispersit,  famem  repulit. 
Postremo  post  mortem  exanimis  cadaveri  vitam  dedit;  cfr.  A  u. 
Vat.  2125]. 

Cuius  sepulcrum  usque  hodie  in  Sebastia  civitate  ostenditur 
honore  satis  dignum  et  digna  habitum   veneratione  Li. 

Elisaeus  eiusdem  discipulus  de  Mahul-Ebil  (Abel-Melöläh)  e 
tribu  Rüben.  Die  illo  quo  natus  est,  magnum  miraculum  in 
Israel  factum  est.  Taurus  enim  ille,  qui  in  Golgala  erat  quern- 
que  adorabant,  clamavit,  et  vox  eius  Jerosolymis  audita  est. 
Dixeruntque  sacerdotes  magni  qui  in  Jerusalem  erant:  propheta 
magnus  hoc  tempore  natus  est;  ipse  simulacra  et  sculpturas  con- 
fringet.     Mortuus  in  pace  in  Samaria  sepultus  est  Sb. 

II).  Elisaeus  fuit  ex  tribu  Rüben  eratque  discipulus  Eliae  Ss. 

Auch  in  dieser  Vita  stimmen  B  und  D  miteinander  überein. 
Eine  Lesart,  wie  sie  A  und  D1  haben,  indem  sie  statt  dg  Isqov- 
oa?Jjf/  (lögarjX)  örjfiegov  bieten,  führt  Hamaker1  auf  die  Schreib- 
weise Öl^ä  (in  Jerusalem)  und  31*2  {Crjuegov)  zurück.  Allein 
es  ist  immerhin  sehr  fraglich,  ob  diese  Recensionen,  welche  sonst 
stets  ein  späteres  Alter  verraten,  auf  eine  hebräische  Grundschrit't 

l)  a.  a.0.  p.  4Sf. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  Bl,9  S 


114  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zurückgehen.  D1  erweist  sich  vom  griechischen  D  und  A  meist 
als  abhängig,  so  könnte  es  sich  nur  betreffs  A  um  eine  hebräische 
Grundschrift  handeln,  welche  übrigens  in  diesem  Falle  auch  eine 
syrische  sein  könnte.  A  hat  einen  umfangreichen  Anhang,  die 
Wunderbegebenheiten  nach  4  Reg.  c.  2,  c.  4,  c.  5;  13  schildernd. 
Ebenso  dürfte  auf  eine  Glosse  zurückgeführt  werden  ein  Zu- 
satz in  C,  4  Reg.  c.  2  und  13  entnommen.  In  A  scheint  die  Er- 
klärung von  Samareia  mit  Sebastopolis  eine  griechische  Scholie 
zu  sein,  trotzdem  Sam.  bei  Griechen  und  Römern  nur  Sebaste  hieß. 

§  35.  Homo  Dei  anonymus. 
cO  av&gcojiog  xov  d-eov,  6  eX&d)V  ex  yr\g  Iovöa  eig  Isqov- 
Oali]fi  JtQoq,  'legoßoaji,  'iaöcbx  exaXelxo.  Ovxog  jrooetyfjxevGe 
jtegl  'leoöia  xov  ßaöiXeeog  'iovöa,  oxi  xa  oöxä  xmv  hgecov  xov 
5  BaaX  xaxaxavoei  ejcl  xov  d-vöiaöxijoiov,  evfra  'legoßoay.  ed-vev 
xä>  Baal'  xal  jcgoyrjxevovxog  avxov  e$exeivev  o  ßaöiXevg  xrjv 
XüQa  avxov  OvXXaßelv  avxov,  xal  e^gävd-?]  ?)  x£lQ  r°v  ßaöi- 
Xemg  jtagavxlxa  (Vat.  2125  [D]  u.  Paris.  1712  [D1]). 

Diese  beiden  Zeugen  scheinen  einen  weiteren  anonymen  Pro- 
10  pheten  zu  unterscheiden,  welcher  aber  mit  dem  Joam,  Joath  ge- 
nannten identisch  ist  und  auf  3  Reg.  13,  1 — 4  zurückgeht.  Diese 
weitere  Ausbildung  mochte  zuerst  in  D  als  Ergänzung  der  kurzen 
Mitteilung  über  den  Propheten,  welchen  der  Löwe  tötete,  viel- 
leicht als  Scholie  gestanden  haben,  woraus    sie   in  D1  überging. 

15  §  36.  Symeon. 

Svftemv  6  legevg.  Ovxog  ?)v  ex  tpvX?]g  AaQcoV  ovxog  exQi)- 
fiaxiöd-t]  vjio  Jtvevfiaxog  ayiov  xov  fit]  löelv  fravaxov  eoig  av 
tötj  xov  Xgiöxbv  ev  öagxi.  Ovxog  eßaöxaöe  xov  xvgiov  eig 
xctg   löiag   ayxvXag.     Kai    eöo^aöe    xov  d-ebv  eljzcov'    elöov  ol 

20  o<p&aXtuoi  fiov  xb  öwxtjqlov  öov  vvv  astoXveig  xov  öovXov  oov 

2  4  Reg.  23,  17  —  4  3  Reg.  13,  1  |  ibid.  v.  2  —  7  ibid.  v.  3 
18  Lc.  2,  26—30  ayxäXaq 

2  Videtur  esse  duplicata  vita  Joain  in  codd.  Vat.  2125  (D)  et  Paris. 
1712  (D'-Sym.  Logoth.). 
15  [in  A  soluin] 


2.  Recensionstypen  der  vitae  prophetarum.  115 

ötojtora,  xaxd  xb  Qtjfia  oov  sv  slorjvy.    Ajit&avs  6s  xal  sxdcprj 
jiXtjoiov  xcov  lsqscov  JiQE6ßvxi]q  xZrJQijq  Tjfisocov  (A). 

2i(imv  6  vlbq  xov   KXcojtä,    o  avetpioq   xov   xvq'iov   ovxo- 
<pavx>]&slq  vjto  xcov  algioscov  xaxt]yoQ?]&rj   sjiI  Axxixov  vjta- 
xixov.     Kai   sjcI  JtoXXaq    ijfisgaq    alxi^bfisvoq    sftaQXVQ?jOsv  coq  5 
jiü.vxaq  vjitQ&avfiaöcu  xal   rov  vjtaxixov,    Jtcöq  qx    srcov  rvy- 
yavcov  vjis\uslvs  rdq  alxiaq,  xcu  sxsXsvosv  avrbv  6xavgco&?)vai 

Symeon  filius  Sira  in  pace  in  vico  suo  defunctus  est  Sb. 
Pro  Symeon  D  et  D1  praebent  Sirneonis  Cleophae  vitam. 

§  37.  Joannes  Baptista.  10 

Icodvvrjq  o  ßajtxioxi/q  vlbq  Za%aoiov  xcu  'Efaöaßex.  Ovxoq 
i]V  sx  g)vk?]q  Asv'i.  Ovxoq  l6t]Xcoösv  rj(ilv  xbv  dfivbv  xov  &sov 
rov  vlov  xov  JiaxQoq  xbv  aoavxcc  xov  xoöfiov  xr\v  afiagxlav. 
Ovxoq  slooöoq  rjfiiv  sysvsxo  xr/q  xov  &eov  ßaöiXtlag'  ovöslq  yaQ 
sv  yev?]xolq  yvvaixcav  fisiCcov  söxlv  'lcodvvov  xov  ßajtxiöxov.  15 
Ajct&avs  6s  xy,r}&s\q  xtjv  xecpaXrjv  jcaga  'Hgcoöov  öia  cIIgco6tccöa 
xtjv  yvvcüxa  'PiXijtJtov  xov  dösXcpov  avxov., 

§  38.  Anhang. 
Kai  aXXoi  jiQocprjrcu  sysvovro,  cbv  rd  ovofiaxa  syys'yoa- 
ütxai  sv  ralq  avxcov  ysvsalq  sv  ßlßXcp  ovofidxcov  'ionarjX],  cbv  20 
ovx  sfivrjiwvsvöaiisv.  ['Eyodffovro  yag  jcäv  rb  ysvoq  'lOQa?]X 
xar  ovofia  xcov  jtQocprjrcov  xal  oolcov  avögcov  xcu  o  d-dvaxoq 
avxcov  xcu  xa  a^icofiaxa  avxcöv  xal  Jtoxs  cIjis&vtjOxov  xal  i/v 
slq  fivTjfioövvov  xcov  Uqscov  xal  ßaotXscov  xal  jtQocpijxcdv  xal 
rcöv  fityiordvcov  xal  oolcov  dvÖQcöv].  25 

Diesen  Schluß  führt  Hamaker  auf  eine  hebräische  Grund- 
schrift zurück,  welche  er  a.  a.  0.  p.  224  wiederherzustellen  sucht. 
Zehner  dagegen  meint,  daß  unter  dem  Buch  der  jüdischen  „Namen" 

11  Lc.  1,  5  —  13  Joa.  1,  29  —  15  Lc.  7,  28;  Mt.  11,  9  —  17  Mt.  14, 
2—5;  Mc.  6, 14.  16—20;  vgl.  Lc.  3,  19.  20;  9,  7.  9 

19  [AD]  iyev.  +  xqvtcxoL  D  tyyi'yQccTirai]  iftyepovtai  D  |  20  yeve- 
aloyicug  D  inl  ßißliov  D  &>v  —  21  i/x(ft]/u.  <  D  |  21  'EyQÜip.  —  25  ar- 
ÖQÜbv  <;  A 

S* 


116  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Genealogien  wie  1  Esr.  2,  59  (cfr.  1  Tim.  1,  4;  Tit.  3,  9)  gemeint 
seien,  oder  öffentliche  Volkslisten,  welche  Herodes  verbrennen 
ließ.  Delitzsch1  denkt  an  ein  apokryphes  Bach,  welches  zu 
Zeiten  des  Epiphanius  noch  im  Umlauf  war  und  woraus  die 
Väter  manchmal  geschöpft  haben.  Vielleicht  stamme  daher  auch 
die  Genealogie  des  Elias,  welche  Epiphanius  aus  einer  Tradition 
gegen  die  Melchisedeeianer  nahm.  Epiphanius  A  hat  diesen  Schluß 
wohl  aus  D  entnommen,  von  dem  es  auch  sonst  abhängig  ist. 
Die  Wendung  ist  zu  allgemein,  als  daß  man  auf  ein  eigenes  apo- 
kryphes Buch  schließen  dürfte. 


3.  Kapitel.    Alter  und  Wert  der  einzelnen  Recensionen. 

Wie  jetzt  die  Texte  vor  uns  liegen,  verraten  so  ziemlich 
sämtliche  eine  christliche  Tendenz,  indem  sie  mehr  oder  weniger 
die  angeführten  Propheten  als  Herolde  des  Messias  preisen.  Die 
einzelnen  Recensionen  sind  nicht  in  gleicher  Weise  bei  Verteilung 
dieser  Rolle  bedacht  worden;  namentlich  Recension  B  (Dorotheus) 
überliefert  die  vitae  der  kleinen  Propheten  fast  ganz  ohne  dies- 
bezügliche Bemerkungen,  da  messianische  Weissagungen,  welche 
aus  den  einzelnen  Propheten  als  solche  gedeutet  und  ausgezogen 
werden  konnten,  vorausgeschickt  sind.  Die  vita  blieb  infolge- 
dessen fast  ganz  frei  von  Zusätzen.  Bei  den  großen  Propheten 
ist  dagegen  in  B  eine  gegenteilige  Bemerkung  zu  machen;  diese 
vitae  unterlagen  wie  bei  allen  andern  Recensionen  auch  in  B 
christlichem  Einflüsse.  Da  uns  infolge  mangelnder  Kenntnis  der 
Quellen  der  Legenden  und  Fabeln  nicht  viele  Kriterien  zur  Ein- 
schätzung des  Wertes  und  Alters  geboten  sind,  so  muß  zuerst 
die  Frage  behandelt  werden:  Müssen  infolge  der  christlich  mes- 
sianischen  Tendenz  unsere  Teste  in  verhältnismäßig  späte  Zeit 
verlegt  werden? 

§  39.  Christlich-messianische  Tendenz  der  Texte. 
Der    Dorotheustext   (B)    führt    prophetische    Exzerpte    den 
Messias  betreffend  mit  der  Formel  ein  jcqoeijiev  (jrQOtiJcslv)  m  q\ 
rijq  s/.svoscog  zov  Öeöjcotov  Xqlöxov.    Als  erster  christlicher 

1)  De  Habacuci  Prophetae  etc.  p.  97. 


3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetarum.       WJ 

Zeuge  für  eine  solche  christliche  Sammlung  darf  wohl  der 
1.  Korintherbrief  des  Klemens  gelten  c.  17,  1,  in  welchem  bei 
Gelegenheit  der  Erwähnung  der  Propheten,  den  Vorbildern  in  der 
Demut  und  Bescheidenheit,  ihrer  gedacht  wird  als  xtjQvööovrsq 
r?]V  eXevöiv  rov  Xqiötov;  wobei  er  namentlich  Elias  und 
Elisaeus1,  aber  auch  Ezechiel  und  dazu  jene,  „über  welche  ein 
Zeugnis  vorliegt",  nennt.  Nicht  ohne  Grund  ist  Elias  und  Elisaeus 
genannt,  welche  auch  in  unsern  Texten  erwähnt  werden,  ja  im 
Chronicon  paschale  wird  Elias  an  erster  Stelle  als  vortrefflichster 
genannt.  Jedenfalls  spielt  hiermit  Klemens  von  Rom  am  Schlüsse 
des  ersten  Jahrhunderts  auf  eine  Sammlung  an,  in  welcher  Zeug- 
nisse aus  Propheten  mit  messianischer  Tendenz  vereiuigt  waren. 
Auch  anderwärts  konnte  man  die  Beobachtung  machen,  daß  in 
der  ur-  und  altchristlichen  Literatur  eine  gewisse  Tradition  in  der 
Heranziehung  alttestamentlicher  Schriftstellen  zur  Beleuchtung 
dogmatischer  wie  ethischer  Wahrheiten  herrscht.  Durch  Zu- 
sammenstellung von  Zitaten  aus  Klemens  Romanus,  Barnabas, 
Justin  wurde  wahrscheinlich  gemacht2,  „daß  im  ersten  und  zweiten 
Jahrhundert  als  ein  Erbe  der  hellenistischen  Synagoge  kurze 
Handbücher  im  Umlauf  waren,  die  sachlich  geordnete  Auszüge 
aus  dem  A.  T.  enthielten".  Dies  konnte  anbetracht  der  Messias- 
erwartung3 auch  für  unsern  Stoff  zutreffen;  doch  ist  es  damit 
noch  nicht  genügend  erwiesen,  daß  die  Christen  sich  diese  Samm- 
lungen zunutze  gemacht  hätten  und  in  dieser  Weise  christlich 
ex  eventu  umgedeutet  und  verwertet.  Dennoch  brauchen  wir  für 
solche  christliche  Produkte  nur  die  Apologeten  des  zweiten  Jahr- 
hunderts zu  betrachten,  um  zu  erkennen,  daß  messianische  Weis- 
sagungen in  der  christlichen  Apologie  eine  große  Rolle  spielten. 
Athenagoras4,   Ariston  von  Pella5  in   seiner  altercatio  Jasoni?  et 


1)  Aiyo/uev  Je  'H?.lav  xcu  ,E?.iauit,  an  de  aal  le^sxiijX  zoi-z  nQCxprfzaQ, 
7ZQOQ  xoizoiq  xal  xoiq  ixeuc.nzvntiakvoi'q. 

2)  R.  Knopf,  Der  erste  Klemensbrief  [T.  u.  U.  N.F.V.]  Leipzig  1901, 
184  f.  Vgl.  die  niessianische  Erwartung  in  den  Psalmen  Salomons,  welche 
im  1.  Jahrh.  vor  Christus  verfaßt  sein  sollen. 

3)  R.  Kittel,  Die  Psalmen  Salomons  in  Die  Apokryphen  und  Fseud- 
epigraphen  des  Alt.  Test.  hrsg.  von  E.  K'autzsch.  IL  Band.  Tübingen 
1900,  129. 

4)  c.  9  erwähnt  „Moses,  [saias,  Jeremias  und  die  andern.,.  Barden- 
hewer,  Die  altkirchl.  Literatur  1271. 

•.135—175  verfaßt.    Bardenhewer  1180,188;  Justin  S  203. 


Hg  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Papisci,  Justinus  martyr  in  seirier  ersten  Apologie  (c.  30 — 53) 
suchten  auf  Grund  messianischer  Weissagungen  zu  beweisen,  daß 
Jesus  Christus  allein  der  Sohn  Gottes  sei. 

Aus  dieser  Umgebung  heraus  beurteilt  zwingt  kein  Grund, 
unsere  Texte  wegen  dieser  messianischen  Anspielungen,  welche 
auch  in  die  Lebensskizze  verwoben  sind,  weiter  als  bis  in  das  zweite 
bis  dritte  Jahrhundert  hinabzurücken,  wenn  keine  weiteren  Gründe 
vorliegen.  Im  Gegenteil  spricht  die  Übereinstimmung  oder  gar 
die  Identität  eines  Jeremias-Apokryphons  mit  der  Stellensamm- 
lung unseres  Dorotheustextes  (s.  meine  Ausgabe  in  d.  Bibl.  Teubn. 
p.  43,  8)  in  bezug  auf  Zuteilung  von  Mi  27,  9  an  Jeremias  für 
ein  hohes  Alter,  da  Hieronymus  (c.  398)  ein  solches  volumen 
einer  „Nazarenersekte"  mit  diesem  Zitat  unter  des  Jeremias 
Namen  von  einem  „Hebräer"  erhielt1. 

Dadurch  ist  aber  nur  ein  Teil  des  legendarischen  Inhalts  er- 
klärt, ein  anderer  betrifft  die  Lebensskizze  des  Propheten  selbst, 
wozu  wir  daher  die  judaistische  Literatur  der  vor-  und  nach- 
christlichen Zeit  zum  Vergleiche  beiziehen  müssen. 

§  40.   Verhältnis    der  vitae    prophetarum    zur  jüdischen 

Literatur. 
1.  Die  Verwertung  des  Martyriums  Isaiae  in  sämtlichen  Re- 
censionen  der  vita  dieses  Propheten  steht  außer  Zweifel.  Auch 
ist  es  nicht  fraglich,  daß  unsere  Texte  aus  der  äthiopisch  am  voll- 
kommensten erhaltenen  Himmelfahrt  Isaiae  geschöpft2  haben. 
Kein  einziger  unserer  Zeugen  verrät  von  dem  zweiten  Teil  des 
erhaltenen  Textes3,  welcher  christlichen  Ursprungs  ist,  irgend- 
welche Spur.  So  sehr  es  dem  Verfasser  oder  einem  Redaktor 
hätte  nahe  gelegen  sein  können,  auch  von  dem  visionären  Teil 
des  Isaiasmartyriums  einiges  zu  verwerten,  so  ist  gerade  dieser 
Mangel  ein  gutes  Zeichen  für  die  Grundlage  unserer  Texte.     Sie 

1)  Ad.  Harnack,  Die  Chronolog.  d.  altchristl.  Liter.  I.  Leipzig  1897, 
579.  0.  Bardenhewer  II  1903,  651;  Ein.  Schürer,  Geschichte  des  jüdi- 
schen Volkes  im  Zeitalter  Jesu  Christi.  3.  Aufl.  3.  Bd.  Leipzig  189S,  272. 
Die  Nachricht  des  Hieron.  ist  zu  unbestimmt  gehalten. 

2)  G.  Beer,  Das  Martyrium  Jesajae  in  E.  Kautzsch,  Die  Apokryphen 
und  Pseudepigraphen  des  Alt.  Testaments.    IT.  Bd.    Tübingen  190*1,  S.  122. 

3)  Ebenda  S.  121.  Schür  er  III  2S2.  Vgl.  besonder?  die  Neuausgabe 
von  R.  H.  Charles  1900  u.  H.  Flemming,  bei  Edg.  Hennecke,  Handb. 
d.  neutet.  Apokryphen.   Tüb.  1904,  323  ff.  " 


3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetaruin.       H9 

bewahrten  also  hierin  noch  ganz  das  jüdische  Gepräge,  welches 
auch  sonst  sämtliche  unserer  vitae  beherrscht.  Da  aber  doch  die 
Angaben  unserer  Texte  über  jene  eines  Justin  c.  Tryph.  c.  120, 
eines  Tertullian  de  patientia  c.  14  hinausgehen,  und  die  Zeich- 
nung der  Situation,  unter  welcher  Isaias  das  Martyrium  erlitt, 
ganz  mit  dem  „Martyrium"  übereinstimmt,  so  dürfen  wir  an- 
nehmen, daß  der  Verfasser  der  Grundschrift  unserer  Texte  nur  das 
jüdische  Martyrium  gekannt  hat.  Damit  ist  für  die  Datierung1 
allerdings  nicht  viel  gewonnen.  Die  Kritiker  Dillmann,  Harnack, 
Schürer,  Charles  u.a.  haben  sogar  auf  Grund  der  unsern  Texten 
parallel  laufenden  Überlieferung  des  „Martyriums  Isaiae  als  Hei- 
ligenlegende"  2  die  auch  durch  andere  Kriterien  veranlaßte  Aus- 
Scheidung  solcher  Teile,  welche  jüdischen  Ursprungs  sind,  wie  des 
Martyriums  des  Propheten,  und  anderer,  welche  christlichen  Ur- 
sprungs sind,  vorgenommen.  Unsere  Texte  zeigen  durchwegs  noch 
eine  ursprünglichere  Form  als  der  von  Gebhardt  edierte  Text. 
Somit  mag  die  Schilderung  des  Martyriums  Isaiae  in  unsern  Texten 
noch  vorchristlicher  Zeit  oder  dem  1.  christl.  Jahrh.  angehören. 
2.  Die  vita  des  Jeremias  unserer  Recensionen  hat  aus  einer 
Überlieferung  geschöpft,  welche  in  dem  2.  Makkabäerbuch  sich 
vorfindet.  Es  ist  die  Erzählung  von  der  Verbergung  der  Arche 
und  der  andern  hl.  Gerätschaften  durch  Jeremias,  deren  Parallele 
in  2  Macchab.  2,  4 — 8  vorhanden  ist,  welches  seinerseits  wiederum 
auf  das  Werk  eines  gewissen  Jason  von  Cyrene  zurückgeht. 
Unsere  Texte  haben  die  Legende  weiter  ausgeführt  und  ver- 
christlicht.     Zur  Vergegenwärtigung  diene  folgende  Parallele: 

2Macch.2,73:  Jeremias  sprach:  UnsereTexte:  djtsö/jfitjoevxv- 

Der  Ort  soll  unbekannt  bleiben,  Qiog  . . .  xcu  jtahv  elevöexcu  ev 

bis   Gott  sein  Volk  wieder   zu-  övvafisi  cr/ia.     Kai   xovxo  0//- 

sammenbringen  und  sich  gnädig  fislov  töxcu  xtjq   ctvxov  jcccqov- 

erweisen  wird.  Alsdann  wird  der  oiaq,  öxs  §,vXov  navxa  xa  ld-vr\ 

Herr  diese  Dinge  sichtbar  wer-  jtQooxvv?]öovöiv.  . . .  xal  ev  ava- 

1)  Beer  a.  a.  0.  121  läßt  den  zweiten  Teil  der  Visionen  des  Isaias 
im  2.  Jahrh.  entstanden  sein. 

2)  Osc.v.  Gebhardt  in  Zeitschr. f. wissensch. Theologie  187S,  350 — 353; 
wieder  abgedruckt  bei  R.  H.  Charles,  The  Ascension  of  Isaiah  S.  141 — 148. 

3)  Nach  der  Übersetzung  von  A.  Kaiup hausen,  in  E.  Kautzsch, 
Die  Apokryphen  und  Pseudepigraphen  des  Alt.  Testaments.  I.  Bd.  Tü- 
bingen 1!)00,  S.  88. 


120  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

den  lassen  und  die  Herrlichkeit  GxaGsi  . . .  xavxtq  ol  äyioi  jiQoq 
des  Herrn  wird  in  der  Wolke  er-  avxbv  GvvayJ^rjGovxat.  Ixet  txöt- 
scheinen,  wie  sie  zur  Zeit  Moses  xonsvoi  xbv  xvqiov,  xa)  xbv 
sich  zeigte.  ex&Qov   cpsvyovxsq  avtltlv  av- 

xovq  &t!ovxa. 

Wir  können  hierin  nur  zu  deutlich  die  christliche  Um- 
färbung  in  unseren  sämtlichen  Texten  erblicken:  auch  B  uimrnt 
daran  teil.  Wenn  demnach  das  2.  Makkabäerbach  älter  ist  als 
Philo1,  so  kann  keiner  unserer  Texte  an  dieser  Datierung  parti- 
zipieren; sondern  sie  müssen  samt  und  sonders  in  die  christliche 
Zeit  des  ersten  oder  des  zweiten  Jahrhunderts  verwiesen  werden. 
Hierin  ein  hebräisches  Original  zu  vermuten,  ist  ganz  unstatthaft, 
nachdem  sowohl  das  Werk  Jasons  wie  auch  der  Auszug  im 
2.  Makkabäerbuch  ursprünglich  griechisch  geschrieben  sind.  Es 
scheint  überhaupt,  daß  B  nur,  was  die  kleinen  Propheten  anbe- 
langt, die  reine  biographische  Grundschrift  erhalten  hat.  In 
unsern  Texten  wurde  die  Jeremiasepisode  herausgegriffen,  da  mit 
ihr  „der  feste  Glaube  an  Unsterblichkeit,  Auferstehung  und 
Weltgericht"2  verbunden  werden  konnte,  welche  im  eigentlichen 
Makkabäerbuch  an  den  7  Märtyrern,  den  sog.  Makkabäischen 
Brüdern,  demonstriert  wurden. 

3.  Einige  unserer  Texte  haben  auch  Beziehungen  zu  den 
christlichen  Zusätzen  in  den  „Testamenten  der  zwölf  Patriarchen". 
Text  A  (Pseudo-Epiphanius)  verrät  in  der  vita  des  Osee  einige 
Verwandtschaft: 

A :  7]§etv  xbv  xvqiov  £g  ov-  Testarn.  Simeon.  c  6  (Migne 
qccvov  sjiI  xr\v  yr\v.  Patr.  gr.  2,  1052  A):    xvQioq  o 

A:  Vita  des  Daniel:  ijt-ei  6  frebq  fiey.aq  xov  IoqcctjZ 
xvQioq  ex\  yrjq  svav&Qcojr?]-  cpaivofisvoq  sjiI  y?]q  coq  av- 
öaq.  &QCQJtoq.    cfr.  Testam.  Äser  c.  7 

Texte  D!EF:  hä  yr\q  +  av-  (Migne  1124  C);  Beniam.  c.  10 
d-QooJtoiq  GvvavaGXQ£(p6[iSvov.       (1148  C).      Testam.    Dan.    c.  5 

(Migne  1104  A):  xvoioq  ..  xolq 
av&ocoJtoiqGvvavccGXQtcpofitvog. 


1)  Schürer,  Geschichte  des  jüdischen  Volkes  im  Zeitalter  Jesu  Christi. 
3.  Aufl.    in.  Bd.   Leipzig  1898,  361. 

2)  Kamphausen  a.  a.  0.  S.  84. 


3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetarum.        121 

B  (Vita  des  Daniel):  6  d  sog         cfr.  Testarn.  Sirneon,  c.  6  xv- 
ijtl  yrjq  cpavslg   cog  äv&oco-     Qtog  o   freog  .  .  cpaivofievog 
jiog    avaö£<ii]Tca,    jtaöag    rag     sjtl  y?]g  cog  av&ocojcog. 
avon'iag  rov  xoOfiov  elg  iavrbv 
sv  reo  avaoxo/.ojci^eG&ai  avxbv 

VJIO    XCOV    ItQSCOV    TOV    VOflOV. 

Das  sind  die  hauptsächlichsten  Parallelen.  So  gering  sie  sind, 
so  sind  sie  doch  nicht  ohne  Bedeutung,  da  sie  sich  meist  wört- 
lich berühren  und  eine  gegenseitige  direkte  Beeinflussung  oder 
gemeinsame  Quelle  voraussetzen.  Es  wäre  ja  nicht  unmöglich, 
daß  derselbe,  welcher  die  Testamente  der  12  Patriarchen  mit 
christlichen  Zusätzen  versah1,  auch  unsere  Texte  interpoliert 
hätte.  Die  letztere  Parallele  von  B  zeigt  auch  etwas  von  der 
patripassianischen  Christologie2,  welche  in  den  christlichen  Zu- 
sätzen der  Testamente  der  12  Patriarchen  ausgeprägt  erscheint. 
Allerdings  sind  in  unsern  Texten  derlei  Stellen  zu  wenig,  um 
weitere  Schlüsse  ziehen  zu  können. 

Dagegen  verdient  die  Kritik,  welche  an  den  Testamenten 
geübt  wurde,  für  unsere  Texte  eine  gewisse  Berücksichtigung. 
Denn  dieselben  Fragen  lassen  sich  hier  wiederholen.  Fr.  Schnapp, 
welcher  sich  am  eingehendsten  damit  beschäftigte,  schied  die 
christlichen  Zusätze  aus,  ebenfalls  die  weissagenden  alttestament- 
lichen  und  eschatologischen  Partien,  so  daß  als  Grundbestand 
der  Testamente  die  bloßen  Biographien  übrig  blieben.  In  gleicher 
Weise  ist  es  zweifellos,  daß  die  christlichen  Sätze  in  unsern 
vitae  prophetarum  nicht  zur  ursprünglichen  Grundschrift  gehörten. 
Dafür  bürgen  manche  Texte,  welche  dieselben  vermissen  lassen, 
insbesondere  B,  dessen  vitae  der  kleinen  Propheten  fast  nur 
biographische  Tendenz  haben.  Anders  dagegen  scheint  es  mit 
den  eschatologischen  Excursen  zu  sein,  welche  meist  mit  iöcoxe 
61   rtQag    eingeführt    sind.     Sie  finden    sich    in    den  Viten:    des 


1)  Dieselben  zusammengestellt  bei  0.  Zöckler,  Die  Apokryphen  des 
A.  T.  nebst  einem  Anhang  über  die  Pseudepigraphenliteratur.  München 
1891,474.  F.  Schnapp,  Die  Testamente  der  12  Patriarchen  inE.  Kautzsch, 
Die  Apokryphen  und  Pseudepigraphen  des  Alt.  Testaments.  II.  Bd.  Tü- 
bingen 1900,  S.  465  ü'.,  hervorgehoben  durch  Fettdruck. 

2)  Em.  Schürer,  Geschichte  des  jüdischen  Volkes  im  Zeitalter  Christ*. 
3.  Aufl.  III.  Bd.   Leipzig  1898,  254  A.nm.  60f.  S.  256f.   Vgl.  Ad.  Hau 

lichte  der  altchristl.  Literatur  II  1.  Leipzig  1897,  566    570. 


122  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Habakuk  (am  Schlüsse  beigefügt),  des  Jonas,  des  Jeremias  (Pro- 
phezie  an  die  ägyptischen  Priester  über  die  Jungfrauengeburt), 
des  Daniel  (über  die  Zeichen  des  Weltendes).  Bei  des  letzteren 
vita  ist  es  nicht  schwer,  diesen  eschatologischen  Teil  abzutrennen, 
da  die  besten  Zeugen  (B  und  D)  den  Bericht  von  dem  Tode  des 
Daniel  vorher  bringen  und  damit  die  eigentliche  Biographie  ab- 
schließen, dann  erst  die  verschiedenen  Weissagungen  über  das 
Ende  Babylons,  der  Welt,  über  die  Rückkehr  des  Volkes,  über 
den  Mord  des  Satan  anführen.  Übrigens  ist  auch  in  den  Testa- 
menten der  12  Patriarchen  die  Ausscheidung  ähnlicher  Teile 
nicht  so  zwingend,  wie  Schnapp  annahm1.  Auch  in  unsern 
Texten  läßt  sich  nicht  streng  die  Absonderung  vollziehen,  zumal 
B  hierin  mit  den  andern  Zeugen  übereinstimmt,  ja  selbst  mit 
christlichen  Zusätzen  interpoliert  zu  sein  scheint. 

Ein  weiterer  Berührungspunkt  zwischen  den  Testamenten 
und  unsern  Texten  betrifft  die  Sprache  einer  etwaigen  Grund- 
schrift. Nachdem  nun  einmal  beide  Produkte  ursprünglich  jüdisch 
sind,  „worauf  auch  ihr  ganzer  Inhalt  hinweist,  so  entsteht  die 
Frage,  ob  die  Ursprache  nicht  doch  eine  hebräische  gewesen  ist"'2. 
Trotzdem  das  Testament  Nephthalis  auch  in  hebräischer  Sprache 
existiert,  so  ist  ein  „unbedingt  sicherer  Beweis"  doch  nicht  zu 
erbringen.  Das  gleiche  Urteil  müssen  wir,  so  sehr  Hebraismen 
den  griechischen  Text  durchsetzen ,  auch  auf  unsere  vitae  aus- 
dehnen. In  Syrien -Palästina  mag  das  griechische  ■  Sprachidiom 
immer  mit  Hebraismen  versehen  gewesen  sein,  so  daß  die  vielen 
Anklänge,  welche  Hamaker  feststellte,  eigentlich  nur  Zeugen  der 
syrisch-palästinensischen  Heimat  sind. 

4.  Beachtung  verdient  ferner  das  Verhältnis  unserer  vitae  zu 
der  judaistischen  Literatur,  Flavius  Josephus  und  den  Rabbinen, 
da  es  sich  hier  nur  um  den  biographischen  Teil,  also  um  den 
Grundbestand  unserer  vitae  handelt.  Das  Urteil  mag  dahin  ab- 
gegeben werden,  daß  unsere  vitae  nicht  viel  Zusammenhang 
zeigen,  ja  öfters  eine  andere  Tradition  bei  den  letzteren  wahrzu- 
nehmen ist.  Fr.  Delitzsch3  glaubte  zwar,  daß  die  vitae  mit  der 
synagogalen  Tradition  übereinstimmen,  daneben  sagt  er  allerdings4, 


1)  S.  Schür  er  S.  255.  258. 

2)  F.  Schnapp  bei  E.  Kautzsch  E  S.  459. 

3)  De  Habacuci  vita  S.  60.  4)  p.  S9  s. 


/ 
3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetaram.       123 

daß  die  Dorotheus-  und  Epiphaniusrecension  ganz  von  der  Natur 
der  altjüdischen  Literatur  abweiche  und  in  der  Hagada  keine  Einzel- 
parallelen zu  finden  seien.    Wir  wollen  daher  einige  Fälle  prüfen. 

Flavius  Josephus,  anticpiit.  iud.  IX  11,  31  spricht  von  den 
Weissagungen  des  Nahum  auf  Grund  von  Nah.  II  8,  auf  welche 
unsere  vitae  ebenfalls  ihre  Mitteilungen  aufbauen,  ohne  aber 
weitere  Berührungen  damit  zu  zeigen.  Allerdings  spricht  Josephus 
noch  von  vielen  andern  Weissagungen,  welche  der  Prophet  über 
Ninive  gemacht  habe,  was  er  aber  nicht  anführen  wolle.  Schwer- 
lich wird  man  dafür  halten,  daß  der  jüdische  Geschichtsschreiber 
damit  auf  unsere  Texte  oder  deren  Vorlage  anspielt,  wo  er  auch 
sonst  keine  Kenntnis  verrät. 

Anticpiit.  iud.  VIII  8,  52  schildert  Josephus  in  Parallel- 
berichten zu  unsern  Texten  die  Ereignisse  unter  Jeroboam 
(3  Reg.  12,  28  ff.)  und  nennt  den  anonymen  Propheten  'ladojv, 
unsere  Texte  dagegen  'lcoad  oder  'lcoatu. 

Einen  Unterschied  zwischen  Flavius  Josephus  antiqu.  iud. 
X  10,  l3  und  unsern  Texten  können  wir  darin  feststellen,  daß 
nach  der  Überlieferung,  welcher  Ps.  Epiphanius  und  Dorotheus 
folgen,  Daniel  nur  zu  den  vornehmen  Juden  gehörte,  nach  Jo- 
sephus aber  aus  königlichem  Geschlechte  und  aus  der  Verwandt- 
schaft des  Königs  Sakchius  war. 

Die  rabbinische  Literatur  zeigt  ebenfalls  andere  Traditionen 
als  unsere  Texte.  Z.  B.  ist  die  sich  dort  findende  Überliefe- 
rung, daß  Habakuk  ein  Sohn  der  Sunamitin  gewesen  sei,  was 
„etymologisierende  Rabbinen';  aus  4  Reg.  4,  16  herausgelesen 
haben,  unsern  Texten  ganz  fremd.  Abarbanel4,  welcher  ebenfalls 
diese  Kunde  verrät,  weiß  übrigens  nichts  von  den  Lebensver- 
hältnissen des  Propheten,  kennt  also  wohl  auch  nicht  jene  unsrer 
Texte. 

Teilweise  Übereinstimmung  zeigen  beiderlei  Traditionen  über 
Abdias,    daß   er  als   der  dritte  Hauptmann  von  Elias  verschont 


1)  Flavii  Josephi   opera    edidit    et  apparatu   critico  instruxit  Bene- 
dicts Niese.  Vol.  U.   Berolini  1885,  p.  316,  21  ss  (n.  239). 

2)  Ebenda  226,  20  ss  (n.  230). 

3)  Ebenda  S.  370, 15  tf.  (n.  186— 188).    Vgl.  Aug.  Knobel,  Der  Pro- 
phetismus der  Hebräer.    II.  Teil.    Breslau  1837,  304  Anm.  5. 

L)  Knobel  a.  a,  O.  S.  291. 


124  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

wurde  (4  Reg.  1, 13) x;  daneben  hat  aber  die  rabbinische  Literatur 
Weiterbildungen,  nach  welchen  er  sich  der  von  Jezabel  verfolgten 
Jahwepropheten  im  geheimen  annimmt. 

Die  Todesart  des  Jeremias  scheint  der  jüdischen  Tradition 
nicht  so  bekannt  gewesen  zu  sein,  wie  sie  unsere  Texte  berichten, 
nämlich  die  Steinigung  in  Taphne.  Hieronymus  ad  Jes.  30,  6 
kennt  die  jüdische  Tradition,  wonach  Jeremias  und  Baruch  der 
bevorstehenden  Gefangenschaft  durch  Nebukadnezar  infolge 
ihres  Todes  in  Ägypten  entkamen,  ohne  daß  weiterhin  eine 
Todesart  genannt  wäre.  Dagegen  sollen  „nach  Seder  Olam  und 
Jarchi  Jeremias  und  Baruch  von  Nebukadnezar,  als  er  Ägypten 
erobert  hatte,  mit  nach  Babylon  geführt  worden  sein"  2. 

Betreffs  der  Todesart  des  Isaias  scheinen  unsere  Zeugen  von 
den  zwei  talmudischen  Überlieferungen  abzuweichen,  der  baby- 
lonischen und  der  hierosolimitanischen.  Die  Tradition  der  babyloni- 
schen Juden  ging  dahin,  daß  Manasse  den  Isaias  ums  Leben  brachte3. 
Der  jerusalemische  Talmud  dagegen  schildert  die  Zersägung  des 
Propheten  in  der  Weise,  „daß  sich  Isaias  vor  Manasse  in  einer 
Ceder  verbarg.  Die  Fransen  seines  Gewandes,  die  aus  dem  Baume 
hervorguckten,  verrieten  ihn.    Manasse  ließ  den  Baum  zersägen"4. 

5.  Eine  gewisse  Bedeutung  für  die  Einschätzung  unserer 
Texte  haben  noch  zwei  Aussagen  des  Hieronymus,  welche  sich  auf 
„iudaisierende"  Texte  beziehen.  Es  handelt  sich  um  den  terminus 
faeitifisvog  =  Messias-Christus  und  um  den  Namen  des  Vaters 
des  Zacharias,  der  inter  altare  et  templum  ermordet  wurde.  Der 
terminus  rjXsifi(ievog  kommt  in  einigen  Recensionen  der  Vita  des 
Jonas  (D  [3  HSS]  EF)  am  Schlüsse  vor,  wo  von  der  Erwartung  des- 
selben die  Rede  ist.    Hieronymus5  kommentiert  die  Stellen  Malach. 


1)  Ebenda  S.  325.  C.  P.  Caspar i,  Der  Prophet  Obadja,  Leipzig  1S42, 
1.  3.  Knobel  erwähnt  als  Literatur  Talm.  Tr.  Sanhedrin  fol.  39,  2;  Jarchi 
ad  Obad.  1;  Abarbanel  ad  Ezechiel  fol.  153. 

2)  Knobel  II  261  Anm.  4. 

3)  Im  babylonischen  Talmud  Sanhedrin  103b  (vgl.  A.  Wünsche, 
Der  babyl.  Talm.  II,  3,  Leipzig  1SS9,  S.  233);  ebenso  Jebamoth  49b;  G.  Beer, 
Das  Martyrium  Jesajae  bei  E.  Kautzsch,  Die  Apokryphen  und  Pseudepi- 
graphen  des  Alt.  Testam.     Zweiter  Band.    Tübingen  1900,  S.  122,  Anm.  d. 

4)  Vgl.  M.  Schwab.  Le  talm.  de  Jerusal.  XI  1839,  p.  49.  G.  Beer 
S.  112;  ebenda  Beispiele  anderer  Variationen  der  Legende. 

5)  Commentar.  in  Malach.  prophet.  lib.  Migne  Patr.  lat.  25  [tom.  6] 
pag.  1642  A— B. 


3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetarcrai.       ^25 

3,  1  ecce  ego  mitto  angelum  meum  und  Malach.  4,  5:  Ecce  ego 
mitto  vobis  Eliam  prophetam,  antequam  veniet  dies  Domini  magnus 
et  horribilis.  Hierzu  schreibt  Hieronymus,  daß  die  Juden  Malach.  3, 
1  ebenfalls  auf  Elias  beziehen,  und  den  folgenden  Satz  „sogleich 
wird  der  Herrscher  zu  seinem  Tempel  kommen,  welchen  ihr 
sucht  und  der  Engel  des  Bundes,  nach  welchem  ihr  verlangt'" 
auf  den  TjlsLfifievoq  h.  e.  Christum  suum,  quem  dicunt  ultimo 
tempore  esse  venturum.  Und  noch  einmal  erwähnt  Hieronymus1, 
daß  Judaei  et  judaizantes  haeretici  glauben,  daß  vor  ihrem  i)).eiu- 
ptvoz  Elias  kommen  und  alles  herstellen  werde.  Damit  erklärt 
Hieronymus  tjihiuutvoq  als  terminus  jüdischer  oder  judaisierender 
Auffassung,  woran  demnach  unsere  Schriften  partizipieren. 

In  dem  Kommentare  zu  Mt.  23,  35,  wo  von  der  Ermordung 
des  Zacharias.  des  Hohnes  des  Barachias,  die  Rede  ist,  bemerkt 
Hieronymus,  daß  in  dem  Evangelium,  das  die  Xazaräer  gebrauchen, 
anstatt  Sohn  des  Barachias:  filius  Jojadae  gelesen  werde.  Erw. 
Preuschen 2  hat  dieses  Zeugnis  für  das  Hebräerevangelium  in 
Anspruch  genommen.  Wie  dem  immer  sei,  unsere  Texte  nennen 
den  ermordeten  Zacharias  ebenfalls  Sohn  des  Jojada  und  ver- 
raten demnach  dieselbe  Tradition,  wie  das  in  judenchristlichen 
Kreisen  mehr  gebrauchte  Evangelium. 

G.  Demgemäß  scheinen  die  vitae  prophetarum  minorum  in 
ihrer  ersten  Form  rein  doktrinäres  Interesse  verfolgt  zu  haben. 
Manche  vitae  der  großen  Propheten  dagegen,  namentlich  jene 
des  Ezechiel,  haben  ein  agitatorisches  Gepräge.  Die  vita  des 
letzteren  ist  geradezu  ein  Aufruf  an  das  Volk  zu  neuer  Erhebung 
und  zu  einem  letzten  Freiheitskampf.  Wann  dieser  Appell,  ob 
zur  Zeit  der  Makkabäerkämpfe,  oder  nach  der  Zerstörung  Jeru- 
salems durch  Titus  seine  Verwirklichung  erfahren  sollte,  ist  nicht 
sicher  zu  erkennen. 

Es  scheint  fast,  als  ob  die  letztere  Epoche  anzunehmen  ist. 
Die  in  der  vita  des  Zacharias,  Jojadae  filii,  angekündigt  m 
„ Wunder",  die  Vernichtung  der  Herrschaft  der  Priester  und  das 
Aufhören  ihrer  Verrichtungen  scheint  wirklieh  in  diese  Zeit  zu 
passen,  wo  der  Opferdienst  aufhörte  und  das  Synedrium  aufge- 


1)  Eben.Li  p.  1654  C. 

2)  Antüegomena.    Zweite  Auflage.    Gießen  1905,  7.    Vgl.  oben  S 
Mt.  27,  9  in  quodam  Eebraico  volumine  ..  Nazaraenae  sectae. 


126  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

hoben  war1,  eine  Zeit,  in  welcher  die  messianischen  Hoffnungen 
neu  rege  waren,  welche  sich  auch  in  unseren  Viten  aussprechen. 

Die  Schilderung  der  Schand-  und  Greueltaten  eines  maß- 
losen Herrschers  und  seiner  Strafe  wird  in  der  vita  des  Daniel 
an  Nebukadnezar  vor  Augen  geführt,  wobei  man  nur  zu  sehr 
an  eine  Persönlichkeit  denkt,  welche  in  dem  neuen  Falle  die 
Rolle  des  Nebukadnezar  spielt,  vielleicht  Trajan,  unter  dem  neue 
Kriege  und  Aufstände  der  Juden  (115 — 117)  entbrannten,  oder 
Hadrian,  welcher  den  letzten  großen  Aufstand  (132 — 135)  nieder- 
schlug. Unter  Trajan  erhoben  sich  die  Juden  in  Ägypten  und 
Cyrene'2,  eine  Situation,  welche  zur  Jeremiasvita3  sich  vortreff- 
lich eignete. 

Daß  übrigens  dieselbe  Sammlung  nicht  schon  im  ersten  Jahrh. 
vor  Christus  bei  ähnlicher  Gelegenheit  veranstaltet  war  und  immer 
wieder  neue  Verbreitung  erhielt,  ist  nicht  auszuschließen. 

§  41.  Verhältnis  der  verschiedenen  Recensionen 
zueinander. 

Nach  diesen  Gesichtspunkten  wollen  wir  nun  unsere  einzelnen 
Texte  betrachten. 

Die  erste  Epiphaniusrecension  (A)  darf  wenig  Anspruch  auf 
Originalität  erheben.  Nicht  bloß  ist  sie  durch  und  durch  ver- 
christlicht  und  fügt  sogar  den  Propheten  noch  Zacharias,  den 
Vater  des  Johannes,  ferner  Symeon  und  selbst  Johannes  ßap- 
tista  bei,  sondern  ist  auch  bemüht,  den  legendarischen  Inhalt  durch 
biblische  Aussagen  zu  ergänzen.  Man  vergleiche  den  Schluß  der 
vita  des  Elisaeus.  Daneben  zeigen  sich  auffallende  Textverderb- 
nisse, welche  die  Abhängigkeit  von  einer  griechischen  Vorlage 
voraussetzen.  Allerdings  mag  daran  auch  der  Schreiber  der 
einzigen  HS  dieser  Recension  Paris.  1115  eine  Schuld  treffen. 
A  steht  auch  in  der  Erklärung  des  Namens  Siloe  in  Abhängigkeit 
von  Joa.  9,  7,  was  als  ursprüngliche  Glosse  erklärt  werden  kann. 


1)  Emil  Schürer,  Geschichte  des  jüdischen  Volkes.  I.  Bd.  3.  und 
4.  Aufl.   652,653. 

2)  Schürer  I.  Bd.  662.  Vgl.  Aug.  Bludau,  Juden  und  Judenver- 
folgungen im  alten  Alexandreia.    Münster  1906,  SS  ff. 

3)  Hier  wird  ein  Ptolemäus  ö  ßaoiXeiq  ohne  weitere  Charakteristik 
genannt;  über  Judenverfolgungen  unter  Ptolemäern  in  Ägypten  s.  Blu- 
dau S.  60;  62.  65.    Zu  2  Macchab.  2,  4— S  s  ebenda  S.  25. 


3.  Alter  und  "Wert  der  Recensionen  der  Vitae  prophetarum.       127 

In  die  Lebensskizze  beinahe  eines  jeden  Propheten  ist  ein  Zusatz 
auf  das  Erscheinen  des  Messias  abzielend  eingeschoben;  z.  B. 
weist  die  vita  des  Osee  jene  Fabel  von  der  Eiche  Siloe  auf, 
deren  Zwölfteilung  mit  ovrcog  xal  eyevezo  bekräftigt  wird.  In 
der  vita  des  Joel  ist  jene  Textverderbnis,  wonach  der  Prophet 
ogdiv  äjre&ave,  auf  eine  griechische  Vorlage  zurückzuführen. 
Daneben  zeigt  auch  A  stilistisch  die  weitschweifigste  Form1. 

Die  zweite  sogenannte  Dorotheusrecension  (B)  bewahrte  am 
besten  eine  von  christlichen  Zusätzen  freie  Textgestalt  der  vitae 
der  kleinen  Propheten  auf.  Dies  erklärt  sich  am  leichtesten  aus 
dem  Umstände,  daß  Auszüge  aus  den  einzelnen  Propheten,  welche 
messianisehe  Weissagungen  enthielten,  vorausgeschickt  waren, 
denen  eine  Biographie  in  kürzester  Form  beigegeben  wurde. 
Der  eine  Zeuge  dieser  Recension,  das  Chronicon  Paschale,  schickte 
eine  Charakteristik  des  Elias  allen  Propheten  voraus,  als  des 
Bekämpfers  des  Antichrists  und  daher  hervorragendsten  seiner 
Kollegen,  ein  Gedanke,  der  sich  bei  Tertullian  de  anima  c.  35 
und  50  über  Elias  und  Henoch  findet:  morituri  reservantur,  ut 
Antichristum  sanguine  suo  exstinguant.  Hierin  verrät  dieser 
Zeuge  vielleicht  christliche  Tendenz2,  ohne  jedoch  die  vitae  der 
kleinen  Propheten  nach  dieser  Seite  hin  „verbessert"  zu  haben. 
Anders  steht  es  mit  den  vitae  der  großen  Propheten.  Hier  kann 
B  nicht  wohl  die  erste  Stelle  beanspruchen,  sowohl  was  Text- 
gestalt als  auch  Integrität  anbelangt.  Es  finden  sich  darin 
manche  Weiterbildungen,  welche  christliche  Hand  verraten;  z.  B. 
die  Ausgestaltung  der  wertvollen  religionsgeschichtlichen  Mit- 
teilung von  der  Verehrung  der  Jungfrau  und  ihres  Kindes,  welche 
in  den  ägyptischen  Mysterien  und  bei  den  Gnostikern3  heimisch 


1)  Über  das  Verhältnis  von  Ps.  Epiphanius  und  Dorotheus  s.  Fr.  De- 
litzsch, De  Habacuci  prophetae  vita  atque  aetate.  Accedifc  diatribe  de 
Pseudodorotheo  et  Pseudepiphanio  Lipsiae  1842,  p.  Sl  ss,  03  s:  Epiphanii 
opusculum  ex  Dorotheano  compilatum  vel  potius  exscripturn  est.  Huius 
exernplum,  nescio  qua  fortuna  ipsi  oblatum,  Epiphanius  passim  correxit, 
auxit,  aliter  disposuit. 

2)  Trotzdem  nach  Hieronymus,  conim.  in  Malachiam  4,  5.  6  (Migne 
Patr.  lat.  25,  1654  C)  Judaei  et  iudaizantes  haeretici  auch  den  Elias  als 
Wiederhersteller  der  Welt  vor  ihrem  „Christus"  erwarten. 

3)  Vgl.  A.  Meyer,  bei  Henneke,  Handb.  d.  neut,  Apokr.  Tüb.  1904, 
S.  98.  Ebenda  S.  101  über  den  Umsturz  der  Götterbilder  im  arab.  Kind- 
heitsevang.    (=  S.  o.  Vita  des  Jeremias  S.  82,  19). 


128  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

war.  Immerhin  ist  nur  zu  deutlich  in  dem  Dorotheustexte  das 
christliche  Interesse  bemerkbar.  Das  Chronicon  Paschale  hat 
ferner  einen  Zusatz  in  den  Dorotheustext  aufgenommen,  welcher 
ursprünglich  wohl  Glosse  war.  Er  handelt  von  der  Auffindung 
des  Grabes  des  Propheten  Zacharias  unter  Bischof  Ephidus  in 
der  Nähe  von  Eleutheropolis  um  415. 

Die  zweite  Epiphaniusrecension  (C)  zeigt  mit  der  ersten  (A) 
große  Verwandtschaft.  Die  enge  Berührung  von  C  mit  D  nötigt 
fast,  C  vor  A  die  Priorität  zuzuerkennen.  A  mochte  die  bereits 
mit  Glossen  in  C  versehene  Form  noch  mehr  erweitert  haben. 
Gegenseitige  Abhängigkeit  oder  jedenfalls  von  einer  gemeinsamen 
griechischen  Vorlage  ist  Voraussetzung  der  oft  zahlreichen  wört- 
lichen Berührungen. 

Die  vierte  Recension  (D)  zerfällt  öfters  in  zwei  Gruppen,  in 
eine  ältere,  vorhanden  inVat.  2125,  und  eine  jüngere,  welche  nach 
Dorotheus  neuredigiert  wurde,  aber  auch  in  den  jüngsten  Zeugen 
mit  A  Verwandtschaft  zeigt.  Die  Recension  D  besitzt  selbstän- 
digen Wert1  und  mochte  für  (A  und)  C  auch  die  griechische 
Grundschrift,  die  bereits  christianisiert  war,  abgegeben  haben. 
D1  dagegen  nimmt  die  spätem  Zusätze  von  A  auf  und  gibt  uns 
die  Form  eines  Zeugen  (Ps.  Logotheta)  des  10.  Jahrhunderts  wieder. 

Der  fünfte  Zeuge  E  nähert  sich  C,  überliefert  aber  nur  die 
Viten  der  kleinen  Propheten. 

Unser  sechster  Zeuge  F,  die  in  den  griechischen  Menaeen 
und  Synaxarien  vorhandenen  vitae  sind  eine  Mischung  der  ver- 
schiedensten genannten  Recensionen,  welche  abwechslungsweise 
teils  wörtlich,  teils  in  Neuredaktion  zur  Verwendung  kamen. 

Sie  schließen  sich  also  nicht  einem  Typus  an,  so  daß  sie 
eine  einheitliche  Recension  darstellen  würden,  vielmehr  sind  sie 
aus  verschiedenen  zusammengewürfelt.  Z.  B.  folgt  in  der  vita 
des  Osee  dieser  Text  der  Recension  E;  die  vita  des  Joel  ist 
Erweiterung  von  D1;  jene  des  Arnos  stimmt  wiederum  fast  wört- 
lich mit  A  überein;  Abdias  dagegen  mit  B;  bei  Jonas  vertritt 
F  wiederum  die  Recension  E.  Bei  ein  und  derselben  vita  des 
Michaeas,  welche  geteilt  ist,  geht  die  erste  Hälfte,  am  14.  Au 2. 
erwähnt,  mit  A  und  teilweise  mit  B;  die  zweite  Hälfte  aber  am 


1)  Abgesehen  von  den  Viten  des  Simon  Cleophae,  den  D  statt  Symeon 
einsetzt,  und  Joa.  Baptista. 


3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetarum.       129 

22.  April  zeigt  große  Verwandtschaft  mit  D.  Die  vita  des  Na- 
hum  ist  auf  B  und  D  aufgebaut.  Habakuks  vita  geht  auf  A 
und  C  zurück.  Jene  des  Sophonias  stellt  eine  Mischung 
aus  C  und  E  dar,  die  des  Aggaeus  stimmt  wesentlich  mit  E 
überein;  ebenso  jene  des  Zacharias.  Dieselbe  vita  findet  sich 
im  Synaxarium  Sirmondianum  am  8.  Febr.  und  16.  Mai;  auch  in 
der  vita  des  Malachias  folgt  F  der  Recension  E. 

In  den  Viten  der  großen  Propheten  ist  F  von  A  abhängig, 
manchmal  auch  Spuren  von  B  aufweisend. 

In  der  Biographie  des  Nathan,  welche  F  an  jene  Davids 
anschließt,  war  Recension  D  Quelle;  ebenso  für  jene  des  Achias, 
Joam,  bei  welcher  F  am  ausführlichsten  berichtet,  und  Azarias, 
in  welch  letzterer  BDF  sich  vollständig  decken.  Dagegen  folgt  F 
in  der  vita  des  Elias  gegen  BCD  ganz  und  gar  A,  ebenso  bei 
Elisaeus.  In  der  vita  des  Zacharias,  Joiadae  filius,  tritt  in  F  wie 
in  A  und  D  die  Verwechslung  mit  Zacharias,  dem  Vater  des 
Johannes  Baptista,  ein.  Den  Viten  der  Synaxarien  ist  fernerhin 
eigen,  daß  sie  am  Schlüsse  jeder  einzelnen  eine  phantastische 
Personalbeschreibung  bieten,  welche  aber  von  keinem  Werte  ist. 

Der  uns  unter  dem  Namen  des  Isidor  von  Sevilla  überlieferte 
lateinische  Text  ist  teilweise  Übersetzung  eines  griechischen  (D). 
Er  kürzt  die  legendarischen  Erzählungen  "bedeutend  ab  und  er- 
setzt sie  öfters  mit  historischen  Notizen  oder  lobenden  Aussprüchen. 

Die  syrischen  Texte  können  insofern  größere  Aufmerksam- 
keit beanspruchen,  als  in  ihnen  nach  der  Annahme  von  Hall  eine 
etwaige  Grundschrift  versteckt  sein  soll. 

Der  Text,  welcher  am  meisten  diese  Rolle  spielen  könnte,  ist 
jedenfalls  jener  des  Codex  Syro-Hexaplaris  Ambrosianus  (a.  617), 
welchen  Hamaker  und  Eb.  Nestle  zugleich  mit  unserer  griechischen 
D- Recension  bei  zwar  unsicherer  Bezeugung  in  die  Zeit  des 
Origenes  hinaufdatieren.  In  der  Tat  stimmen  beide  Texte  wesent- 
lich überein.  Da  aber  der  syrische  Zeuge  nur  die  Viten  der  neun 
kleinen  Propheten  überliefert,  so  läßt  sich  jedenfalls  der  Syrer 
nicht  als  vollgiltige  Grundschrift  betrachten. 

Wie  steht  es  nun  mit  dem  Verhältnis  unserer  griechischen 
ersten  (A)  und  der  syrischen  Epiphaniusrecensionen?  Kann  eine 
der  letzteren  die  Priorität  beanspruchen? 

Während  auf  griechischer  Seite  nur  eine  HS  Paris.  1115  vor- 
handen ist,  überliefern  einen  verwandten  Epiphaniustext  eine  An- 
Texte n.  i  Qtersaohungen  etc.  Bl, 8  !i 


130  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zahl  syrischer  HSS  und  Michael  der  jakobitische  Patriarch. 
Hamaker  vermutete  und  erkannte  im  griechischen  Texte  (A) 
öfters  „Hebraismen",  welche  wohl  ebensogut  „Syriacismen"  sein 
können.  Da  der  einzige  Paris.  1115  vorerst  so  vielen  syrischen 
Zeugen  gegenübersteht,  so  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  die  mehrseitige 
syrische  Verbreitung  auf  Grund  einer  syrischen  Grundschrift  zu- 
stande kommen  konnte,  während  eine  etwaige  spätere  griechische 
Übersetzung  fremd  blieb.  Dabei  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß 
der  griechische  Epiphaniustext  C  bei  einer  nicht  ganz  unwahr- 
scheinlichen Übertragung  Grundlage  bildete. 

Die  syrischen  vitae,  welche  Salomon  von  Basrah  bietet,  sind 
weit  kürzer  als  die  bereits  genannten  griechischen  wie  syrischen. 
In  der  Angabe  der  Heimat  und  des  Begräbnisortes  der  Propheten 
stimmen  sie  mit  den  griechischen  Angaben  überein.  Aber  all 
die  legendenhaften  Erzählungen  über  die  Weissagungen  der  Pro- 
pheten sind  stark  abgekürzt  und  bieten,  soweit  sie  mitgeteilt  sind, 
meist  die  Andeutungen  über  die  Ankunft  des  Messias.  Hatten 
die  griechischen  vitae  diese  messianischen  Gedanken  nicht  deut- 
lich genug  ausgesprochen,  so  hat  der  Syrer  nachgeholfen.  Wäh- 
rend z.  B.  bei  Osee  die  Spaltung  der  Eiche  in  Silo  in  12  Teile, 
welche  die  Ankunft  des  Messias  vorher  verkünden  soll,  nicht 
weiter  erklärt,  hat  Salomon  von  Basrah  beigefügt,  daß  diese 
12  Teile  die  12  Jünger  aus  Israel  bedeuten  sollen.  In  der  vita 
des  Joel  ist  beigefügt,  daß  nach  einer  zweiten  Überlieferung 
Joel  von  Achazias,  dem  Sohne  des  Amasias,  getötet  wurde,  was 
offenbar  auf  Verwechslung  mit  dem  nachfolgenden  Arnos  beruht. 
Auch  der  Name  Achazias,  des  Sohnes  des  Amasias.  findet  sich 
nur  bei  Salomon,  nicht  auch  in  den  griechischen  Texten.  In 
der  vita  des  Michaeas  hat  Sb  ein  Plus  gegenüber  sämtlichen 
griechischen  Texten  mit  den  Angaben  über  die  Weissagungen 
des  Michaeas  von  der  Zerstörung  des  Tempels,  dem  Aufhören 
des  Passahmahles  bei  dem  Tode  des  Messias.  In  der  vita  des 
Nahum  hat  Sb  weitere  christliche  Zusätze  über  den  Tod  des 
Messias,  über  die  Zweiteilung  des  Vorhanges  im  Tempel  und 
dessen  Verlassenheit.  Die  Nachricht  von  der  Steinigung  des 
Habakuk  durch  die  Juden  in  Sb  findet  sich  nicht  im  Griechischen. 
Ebenso  zeigt  die  vita  des  Sophonias  und  Aggaeus  eine  Weiter- 
bildung in  messianischem  Sinne. 

Die  Biographien  der  großen  Propheten  in  Sb  berichten  meist 


3.  Alter  und  Wert  der  Recensionen  der  vitae  prophetarum.       \%l 

nur  vom  Geburts-  und  Begräbnisort;  allein  die  vita  des  Jeremias 
hat  die  legendarischen  Züge  der  griechischen  Viten,  jedoch  in 
weitschweifigerer  Form,  aufgenommen. 

Die  Viten  des  Nathan,  Zacharias,  Barachiae  filius  genannt, 
des  Elias  und  Elisaeus  haben  in  Sb  große  Ähnlichkeit  mit  den 
griechischen  Recensionen  A  und  D,  welche  bekanntlich  syrische 
Parallelviten  haben,  wenn  auch  letztere  nicht  in  vollem  Umfange. 

Aus  diesem  Vergleiche  geht  hervor,  daß  die  griechischen 
vitae  prophetarum  mit  diesem  syrischen  Texte  des  Salomon  von 
Basrah  die  Angaben  über  Geburt,  Sterbe-  und  Begräbnisort  in 
gleicher  Weise  überliefern.  Daneben  hat  Sb  meist  die  messia- 
nischen  Prophetien  erweitert,  während  er  die  legendarischen  Er- 
zählungen aus  dem  A.  T.,  namentlich  bei  den  großen  Propheten, 
kaum  in  der  Überlieferung  berücksichtigt  Es  kann  jedenfalls 
dieser  syrische  Text  nicht  Grundlage  der  andern  syrischen  ge- 
wesen sein,  auch  nicht  älter,  da  diese  alttestamentlichen  Zusätze 
nicht  erst  später  in  diese  Texte  dazugekommen  sein  können. 
Höchstwahrscheinlich  war  eine  unserer  syrischen  Epiphanius- 
recensionen  für  Salomon  Quelle,  vielleicht  in  ungeordneter  Weise 
auch  die  Viten  der  9  kleinen  Propheten  des  Codex  Syro-Hexa- 
plaris  Ambrosianus. 

Der  letzte  syrische  Zeuge  Ss  des  Cod.  Sinait.  syr.  10  ist  ganz 
frei  von  Legendarischem,  bietet  überhaupt  nur  biographische 
Notizen  in  kürzester  Form,  mag  daher  hohes  Alter  beanspruchen. 

Eb.  Nestle1  hatte  eine  Probe  mit  der  vita  des  Nahuni  ver- 
anstaltet und  sämtliche  syrische  wie  griechische  Texte  verglichen. 
Dennoch  mußte  er  gestehen,  daß  damit  die  Grundschrift  noch 
nicht  sicher  bestimmbar,  zumal  in  der  Frage  nach  deren  sprach- 
lichen Seite,  ob  ursprünglich  hebräisch  oder  syrisch,  keine  Ent- 
scheidung zu  treffen  war.  Wir  haben  nun  nicht  bloß  eine  vita 
daraufhin  untersucht,  sondern  alle  durchgesehen,  ohne  eine  Ge- 
wißheit zu  erzielen.  Die  große  Meinungsverschiedenheit,  welche 
früher  über  den  Verfasser  der  am  meisten  behandelten  Epiphanius- 
recension  (A)  herrschte,  kann  auch  über  die  Verfasser  der  andern 
Recensionen  nicht  ganz  beseitigt  werden.  Während  auf  der  einen 
Seite  Epiphauius  wohl  als  Verfasser  angesehen  wurde,  hielt  eine 
andere  Partei  die  Schrift  für  ein  rabbinisches  Produkt,  mit  Tal- 
nn  Verklärungen  versehen. 

1)  Marginalien  II  46. 

'.  I  ': 


132 


Seherin  arm,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Nur  um  Geringes  sind  wir  trotz  der  Kenntnis  so  vieler  Text- 
zeugen weiter  gekommen,  da  unter  den  griechischen  Recensionen 
die  Mehrzahl  keine  eigene  Rolle  in  der  Rekonstruktion  eines  hebrä- 
ischen (oder  syrischen)  Exemplars  beanspruchen  kann,  sondern  in- 
folge derwörtlichenÜbereinstimmung  öfters  gegenseitige  Abhängig- 
keit gesichert  ist.  In  der  Tat  zeigten  sich  weitgehende  stilistische 
Übereinstimmungen  sogar  bei  jenen  griechischen  Recensionen, 
welche  von  Hamaker  und  Hall  als  die  unmittelbaren  griechischen 
Abkömmlinge  aus  einem  semitischen  Original  angesehen  wurden. 


-A/> onymu%  D 
grierÄ  s  (TUev) 

v-w 


(Y Hebrz.isch(  Grund  Schrift J 


ÄJüciffriecb-Grundschriff 


B(Dorolh.s.lII-W) 

Di  CSyr  -//(x\pL  A  mir)  h.nni  617 


Cflpiph.Is.W) 

CScholien-ßec 

(Syr.  Epiph  s.  W) 
SbiSddom.oöti.&sO':) 


(Ps  Sym  Logothetb^sK 


FA4?nol  -Syn&x.  sX 

Hamaker  ließ  sich  wohl  aus  Liebe  zu  seiner  These  öfters  hin- 
reißen, griechische  Wendungen  als  Semitismen  zu  bezeichnen; 
am  meisten  Gewicht  dürfen  jedenfalls  jene  Versehen  oder  Fehler 
des  griechischen  Textes  beanspruchen,  welche,  wie  Hamaker  in 
ziemlich  großer  Zahl  nachweist,  aus  einer  falschen  Lesart  oder 
aus  Mißverständnis  eines  hebräischen  Wortes  hervorgegangen 
sein  können.  Damit  müßte  man,  da  diese  Fehler  öfters  in  eine 
Gruppe  von  Recensionen  übergingen ,  eine  griechische  Grund- 
übersetzung annehmen.  Inhaltlich  verdient  jedenfalls  B  an  erster 
Stelle  und  am  ehesten  als  Zeuge  einer  außerchristlichen  Grund- 
schrift genannt  zu  werden,    da  die  vitae  der  kleinen  Propheten 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  133 

gar  keine  christlichen  Züge,  oder  nur  solche,  welche  als  spätere 
Glossen  leicht  erkennbar  sind,  aufweisen.  Selbst  in  der  Form, 
wie  jetzt  die  Texte  vorliegen,  ist  ihre  syrische  Heimat  nicht  zu 
leugnen,  trotzdem  die  Nachrichten  der  syrischen  Philippusakten 
über  den  Tod  mancher  Propheten  unsern  Texten  nicht  bekannt  sind. 
Die  Abhängigkeit  der  Recensionen  mag  durch  das  Stemma 
auf  S.  132  veranschaulicht  werden,  wobei  jeweils  die  möglichst 
späte  Datierung  angesetzt  ist. 


2.  Teil.  Die  Apostellegenden  nnd  Jimgerverzeichnisse 
nebst  den  geschichtlichen  Fälschungen  des  Dorotheas- 

textes. 

4.  Kapitel.    Die  Überliefenmgsgesclrichte  der  Texte. 

Bis  heute  galten  Ps.  Dorotheus  und  Ps.  Hippolyt  als  jene 
Schlagworte,  welche  man  zur  Hand  hatte,  um  griechische  mit 
Legenden  und  historischen  Notizen  ausgestattete  Apostel-  und 
Jüngerlisten  zu  bezeichnen.  R.  A.  Lipsius1,  dessen  Studien  in 
den  letzten  Jahrzehnten  am  meisten  Beachtung  fanden,  unter- 
schied zwei  Dorotheusrecensionen  A  und  B,  von  denen  die  eine 
die  alexandrinische  Gruppe,  die  andere  den  vulgärgriechischen 
Typus  darstellte.  Beide  aber  entsprangen  nach  seiner  Ansicht 
der  offenbaren  Fälschung  des  Dorotheustextes,  dessen  Datierung 
in  dem  damit  zusammenhängenden  Exkurs  über  die  Geschichte 
der  Gründung  des  Bischofssitzes  Byzanz  durch  Andreas  auf  das 
Jahr  525  angegeben  war,  was  Glauben  fand.  So  wurde  dieser 
Zeitpunkt  als  normangebend  für  das  früheste  Aufkommen  solcher 
Verzeichnisse  betrachtet. 

Einen  geringen  Zweifel  an  dieser  scheinbar  so  sichern  Da- 
tierung und  Zurechtlegung  der  Sachlage  verursachte  eine  Hand- 
schrift (Paris.  1115),  welche  der  ägyptischen  Recension  offenbar 
angehörte,  aber  nur  die  Apostel-  und  Jüngerverzeichnisse  auf- 
wies, sonst  aber  von  der  geschichtlichen  Umkleidung  der  Dorotheus- 
texte,  welche  die  Persönlichkeit  des  angeblichen  Verfassers  Doro- 

1)  Die  apokryphen  Apostelgeschichten  und  Apostellegenden  I,  Bnum- 
schweig  1883,  202. 


134  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

theus,  die  Entstehungsursache  des  Textes,  den  Bischofskatalog  von 
Byzanz  aus  den  ersten  drei  Jahrhunderten  aufwies,  ganz  frei  war 
und  den  Namen  des  Epiphanius  trug.  Wie  nun  das  Unglück 
wollte,  war  aber  die  zweite  HS  dieser  Gruppe  (Vindob.  theol. 
gr.  77)  bereits  mit  dem  Mäntelchen  der  byzantinischen  Geschichts- 
fälschung des  Ps.  Dorotheus  umhangen,  welche  dann,  obwohl  nicht 
älter  als  die  erste  HS,  den  Typus  Dorotheus  A  am  besten  reprä- 
sentieren sollte.  Der  erstgenannte  Zeuge  konnte  ja  mit  einem 
neuen  „Aushängeschild"  versehen  worden  sein. 

Lipsius  hatte  damit  die  einfache  Losung  früherer,  insbeson- 
dere eines  Cave  übernommen,  welche  aber  die  Entwicklungs- 
geschichte und  die  psychologische  Seite,  welche  die  Dorotheus- 
fälschung  hat,  ganz  unberücksichtigt  läßt  oder  vielmehr  nicht 
zu  erklären  vermag.  Schon  Osk.  von  Gebhardt1  hatte  gegen 
die  Annahme  Bedenken  getragen,  als  ob  der  in  Cod.  Vindob. 
theol.  gr.  77  enthaltene  Text  die  ursprünglichste  Form  darstelle. 
In  der  Tat  wurde  das  Apostel-  und  Jüngerverzeichnis  dieser  HS 
ungerechterweise  Dorotheus  A  genannt,  wie  die  folgenden  Aus- 
führungen zeigen  sollen. 

§  42.    Der  Pseudo-Epiphaniustext. 

1.  Wir  nennen  den  von  Lipsius  Dorotheus  A  benannten  Text 
wohl  mit  Recht  Ps.  Epiphaniustext,  weil  er  unter  diesem  Namen 
längere  Zeit  in  Umlauf  war.  Allerdings  ist  er  nur  in1  einer  HS, 
dem  genannten  Paris.  1115  anni  12762,  unter  xov  avrov  den 
vitae  prophetarum  des  Epiphanius  von  Cypern  angereiht;  allein 
wir  haben  ein  anderes  litterarisches  Zeugnis  aus  dem  Anfange 
des  9.  Jahrhunderts 3  bei  dem  Mönche  Epiphanius,  der  in  seiner 
Schrift  über  den  Apostel  Andreas  zweimal  auf  unsern  Text  unter 


1)  Hieronymus  de  viris  illustribus  in  griechischer  Übersetzung  (Der 
sogenannte  Sophronius)  [T.  u.  U.  XIV  1  b]  Leipzig  1896,  S.  IX. 

2)  Die  in  der  Unterschrift  gemachte  Angabe,  daß  die  HS  eine  Ab- 
schrift einer  Apostolischen  des  Jahres  759  sei,  erstreckt  sich  nicht  mit 
Sicherheit  auf  unsern  Test  fol.  228,  wie  Ducange  und  Fr.  Delitzsch, 
De  Habacuci  prophetae  vitae  atque  aetate.  Accedit  diatribe  de  Pseudo- 
dorotheo  et  Pseudepiphanio,  Lipsiae  1842,  78  f.,  meinen,  da  bereits  in  den 
vorhergehenden  Traktaten  Stücke  späteren  Datums  vorkommen. 

3)  Fr.  Diekamp,  Hippolytos  von  Theben.  Texte  und  Untersuchungen, 
Münster  1898,  S.  145. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden. 


13; 


ausdrücklicher  Nennung  des  Epiphanius  von  Cypern  als  Verfassers 
Bezug  nimmt.  Da  aber  Epiphanius  Monachus  in  derselben  Schrift 
jcsqI  tov  ßiov  xal  tcöv  jrga^scov  xal  rsX.ovg  Avögsov  auch  von 
Ps.  Dorotheus  Kenntnis  verrät1,  so  lohnt  es  sich  die  korrespon- 
dierenden Texte  bei  Epiphanius  dem  Mönch2,  jenem  von  Cypern 
und  bei  Dorotheus  in  Parallele  zu  setzen. 


Epiph.  monach. 
[Tov  ös.  ay'iov  Exi- 
cpavlov  ssiioxojtov 
Evjtgov  XsyovTog] 
cog  Ix  jtagaöcoOscog 
£%siv,  tov  (laxagiov 
cijcoOtoXov  Avögsav 
öiÖaZcu  2ixv{rag,  Eo- 
öoyöiavovg  xal  /bo- 
oivovg,  sv  Hsßaöro- 
jcoXsi  r?j  (isyaX)] 
öxov  sötiv  i)  jcagsiu- 
ßoX?)  Aipagov  xal 
"Vooov  Xifir/v  xcä 
<Päoig  jioza/uog'  sv- 
&a  olxovoiv  "]ßt]Qsg 
xal  2ovöoi  xal  <Pov- 
otol  xal  AXiavoi. 


Epiph.  Cypr. 


Dorotheus 


cog 01  jiqo  Tjficov  naga- 
ösöcbxaoiv ,  sx?]qv£,s 
Hxv&aig  xal  JJoyöi- 
avolg  xal  roQöivocg 
xal  sv  —sßaOTOJioXsi 
xfi  (i&yaZy  ojcov  sorlv 
7)  jtagsiußoXt]  Atyagog 
xal  Foöov  Xtfirjv  xal 
<Päöigxoza[i6g,  svß-a 

OlXOVOlV  Ai&lOJtEQ 
SOCQTSOOl  .... 


.  .  .  Avögtag  .  . 
jtäöav  xi]V  JiagaXiav 
xr\g  Bi&vviag  xs  xal 
IIovxov.  &gaxi]g  xs 
xal  Sxvdag  diifi&sv 
svayysXiCofisvog  xbv 
xvgiov'  fisxsxeixa  ös 
kJtoQsvd-t/  sv  2sßa- 
öxojtoXsi  xfi  fisyah], 
ojcov  1]  jcagsfißoX?) 
"Aipa.Qog  xal  o  <Päöig 
jcoxai-iog,  tv&a  01 
socoxsgoi  Atihiojceg 
olxovoiv  .  . 


Durch  Vergleich  der  drei  Kolumnen  wird  klar,  daß  der  Mönch 
Epiphanius  nicht  den  jetzt  Dorotheus  benannten  Text  mit  seinem 
Zitat  meinen  konnte,  sondern  unsern  dem  Epiphanius  von  Cypern 
auch  in  Cod.  Paris.  1115  beigelegten  Text  darunter  verstand, 
welcher  demnach  als  eigener  bekannt  war.  Die  wesentliche 
Übereinstimmung  des  Zitates  mit  Epiph.  Cypr.  wird  nicht  durch 
die  zuletzt  aufgezählten  Völkerschaften1'  beeinträchtigt,  da  sie  nur 
„eine  geographische  Erläuterung  der  Al&iOJtsg  sötoxtgoC'  sind. 
Ps.  Dorotheus   kann    hier   bei   Feststellung   der  etwaigen   Quelle 

1)  Alb.  Dressel,  Epiphanii  monachi  et  presbyteri  edita  et  inedita, 
Parisiis  et  Lipsiae  1843,  p.  68,  27  wird  erzählt  von  der  Einsetzung  des 
Stachys  zum  Bischof  von  Byzanz  durch  Andreas. 

2)  In  derselben  Ausgabe  p.  4!),  23. 

3)  Lipsius  a.  a.  0.  I  5ü9  Anm. 


136  Scherinann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

überhaupt  nicht  in  Betracht  kommen,  da  bei  ihm  bereits  die 
politische  und  thrakische  Andreassage  in  den  Vordergrund  tritt, 
wodurch  die  Namen  der  Völkerschaften  Sogdianer  und  Gorsiner 
verdrängt  wurden.  Übrigens  zitiert  Epiphanius  Monachus  noch- 
mals unsern  Text:  „Wir  haben  Stadt  und  Land  durchwandert, 
die  Schrift  des  Epiphanius  von  Cypern  in  den  Händen"  l. 

Eng  verwandt  mit  Cod.  Paris.  1115  ist  die  zweite  HS  ägyp- 
tischer Heimat  Vindob.  theol.  gr.  77  (al.4U)  chartac.  saec.XIH  exeunt., 
welche  bereits  unter  dem  Namen  des  Dorotheus,  Bischofs  von 
Tyrus,  unsern  Text  überliefert,  da  sie  mit  der  Kappe,  welche  dem 
sog.  Dorotheustexte  eigen  ist,  umkleidet  wurde.  Dennoch  mußte 
schon  äußerlich  der  Umstand,  daß  in  dieser  HS  nicht  das  70  Jünger- 
verzeichnis wie  bei  Dorotheus,  sondern  der  Apostelkatalog  an  erster 
Stelle  stand,  den  Unterschied  vom  Dorotheustexte  bemerkbar 
machen,  eine  wesentliche  Abweichung,  zumal  da  unter  ungefähr 
20  HSS  des  Dorotheustextes  nur  zwei  voneinander  abhängige 
gewaltsam  und  leicht  erkennbar  die  Stellung  änderten.  Die  An- 
lage des  Textes,  der  im  Cod.  Vindob.  vorliegt,  mußte  demnach 
von  Anfang  an  eine  verschiedene  gewesen  sein,  welchem  erst 
später  die  gefälschten  Angaben  des  Dorotheus  beigegeben  wurden. 

Trotz  dieser  späteren  Überarbeitung  hat  diese  HS  die  Merk- 
male ihrer  ägyptischen  Heimat  wesentlich  bewahrt,  wodurch  ihre 
Verwandtschaft  mit  Paris.  1115  noch  mehr  zutage  tritt.  In  beiden 
HSS  tragen  die  Monatsnamen  neben  der  griechischen  die  ägyp- 
tische Bezeichnung2.  Z.B.  ist  das  griechische  Datum  des  Mar- 
tyriums des  Petrus  also  angegeben: 

Paris.  1115..  'Poifit]  Jtgorgimv  Vindob.  theol.  gr.  40:  ..  'Pco- 
EaXavöcov  lovllcov ö  sötiv'Ejci-  [ig  (j?]vi  'Ejtupl  s' ,  6  iöxiv  jiqo 
g>ls  ,navvcöhxi],o£<fTiv3IovviOQ.    tqicqv  KaZavöcöv  TovXicov. 

Das  Martyriumsdatum  des  Markus,  welcher  nebst  Paulus  den 
Aposteln  beigegeben  ist,  wird  also  bezeichnet: 

Paris.  1115:  <Pag!iov&l  x[vqie]  Vindob.  th.  gr.  40:  /Ji/vl  <Pan- 
o  eöxLV  AjcQiXXioq.  [tovfri  /.'. 

1)  Vgl.  Diekainp,  Hippolytos  a.  a.  0.  S.  141. 

2)  Ein  Fragment  einer  solchen  Monatsliste  s.  B.  P.  Grenfell,  Arth. 
S.  Hunt  and  D.  G.  Hogarth,  Fayüm  Towns  and  their  papyri  [Egypt.  Ex- 
ploration fand]  pari  I,  London  1900,  p.  290,  papyrus  CXXXV  verso  (s.  IV). 
Vgl.  G.  Steindorff,  Koptische  Grammatik.    2.  Aufl.   Berlin  1904,  231. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  137 

Das  x  (Zahl  2<>),  welches  übrigens  von  der  Angabe  des  Vindob. 
abweicht,  hat  der  Schreiber  der  ersteren  HS  zu  y.vQis  gemacht. 
Gerade  das  Martyrium  des  Markus  ist  in  beiden  HSS  besonders 
ausführlich  behandelt,  da  ihnen  wohl  eine  alexandrinische  Lokal- 
tradition zugrunde  liegt. 

Ein  Parallelzeuge  zu  der  Wiener  HS  liegt  in  einer  lateini- 
schen Übersetzung  vor,  welche  von  einem  Wolfgang  Musculus 
gefertigt  und  im  Jahre  1557 '  zum  erstenmal  veröffentlicht  wurde: 
Ecclesiasticae  historiae  auctores.  Eusebi,  Pamphili,  Rufini,  So- 
cratis,  Theodoreti,  Sozomeni,  Theodori,  Evagrii  et  Dorothei  epis- 
copi  Tyri  Synopsis  Apostolorum  ac  Prophetarum  vitas  complectens 
eodem  (sc.  Musculo)  interprete,  nunc  primum  in  Lucem  aedita. 
Basil.  MDL VII.  Seitdem  man  in  Vindob.  th.  gr.  77  dieselbe  An- 
ordnung und  Recension  wie  in  der  lateinischen  Übersetzung 
(versio  vulgata)  fand,  ist  die  Frage  noch  nicht  zur  Ruhe  ge- 
kommen, ob  beide  Zeugen  auf  eine  gemeinsame  griechische  Vor- 
lage zurückgehen  oder  die  versio  vulgata  ohne  Zwischenglied 
auf  dem  griechischen  Vindob.  beruhe,  wobei  der  Übersetzer  einige 
Änderungen  vornahm'2. 

Die  Ungleichheit  der  griechischen  HS  und  der  lateinischen 
Übersetzung  zeigt  sich  in  den  4 — 5  letzten  Apostelnamen.  Das 
unkanonische  Verzeichnis,  das  in  Paris.  1115  vorliegt  und  ebenso 
dem  Schreiber  des  Vindob.  zugrunde  lag,  suchte  der  Redaktor 
der  letzteren  HS  dadurch  zu  ergänzen,  daß  er  nach  den  lukani- 
schen  Verzeichnissen  Simon  Zelotes  einschob  und  dadurch  die 
Zahl  13  der  Apostel  erzielte:  9.  Jacob.  Alph.;  10.  Simon  Zelotes; 
11.  Judas  Jacobi  Thaddaeus;  12.  Simon  Judas;  13.  Matthias.  Zu 
dieser  Manipulation  mochte  der  Redaktor  auch  durch  die  ihm 
bekannte    Liste    des    Dorotheustextes    verursacht    worden    sein. 


1)  Nicht  wie  Lipsius,  Die  apokr.  Apostelgesch.  1194,  angibt,  i.  J.  L57I '. 
Vgl.  0.  v.  Gebhardt,  Hieronym.  de  viris  illustr.  a.a.O.  S.  IX  Anm.  6. 
Die  weiteren  Ausgaben  dieses  lat.  Textes  verzeichnet  Fr.  Delitzsch,  De 
Habac.  proph.  vita  etc.  S.  54;  Eb.  Nestle,  Maigin.  u.  Material.  II,  Tü- 
bingen 1893.  Lambecius,  Comnientar.  de  Aug.  Bibl.  Caes. Vindob.  lib.  III. 
Editio  altera  studio  ..  Ad.  Fr.  Kollarii,  Vind.  1770,  p.130  u.  Cas.  Oudinus, 
Comnientar.  de  Script,  eccl.  antiquis  illorumque  scriptis.  Francof.  1722, 
p.  1379  f.  schreiben  die  Übersetzung  fälschlicherweise  Jacob  Faber  zu,  da 
er  sie  15G0  in  die  Ausgabe  des  Sulpicius  Severus  Aquitanua  aufnahm: 
fol.  120— 155*. 

-    Vgl.  Fr.  Delitzsch  a.  a.  0.  S.  54  nota  1. 


138  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

welche  nun  auch  der  seinigen  neuredigierten  näher  kam  als  jene 
in  seiner  Vorlage  (=  Paris.  1115)  stehende.  Denselben  Weg 
scheint  auch  die  versio  latina  (oder  deren  Vorlage]  gegangen  zu 
sein,  nur  noch  einen  Schritt  weiter.  Offenbar  durch  die  Überzahl 
eines  Apostelnamens  veranlaßt,  hatte  (der  Redaktor  oder)  der 
Übersetzer  noch  mehr  den  Dorotheustext  zum  Vorbild  genommen 
und  gleich  dem  hier  fehlenden  Jacobus  Alphaei  ihn  auch  aus 
seiner  Liste  gestrichen.  Somit  hatte  er  eine  Zwölfzahl  erreicht, 
sich  aber  dabei  von  seiner  ursprünglichen  Vorlage  entfernt.  Diese 
Vereinfachung  ist  einem  Übersetzer  des  16.  Jahrh.  wohl  zuzu- 
trauen, ebenso  wie  einige  Namenumstellungen  in  dem  Jünger- 
verzeichnis, so  daß  an  die  Identität  der  griechischen  Vorlage  der 
sog.  versio  latina  vulgata  und  des  Cod.  Vindob.  theol.  gr.  77  hierin 
wohl  gedacht  werden  kann. 

Außer  diesen  Zeugen,  welche  die  ägyptische  Gruppe  dieses 
Textes  darstellen,  fanden  sich  aber  noch  weitere,  welche  ihn 
zumeist  anonym  überliefern  und  den  vulgärgriechischen  Typus 
repräsentieren:  hiezu  gehören  vor  allem  die  HSS  Cod.  Pii  II 
gr.  47  (s.  XII);  Baroc.  142  (s.  XIV);  Matr.  105  (s.  incerti)1. 
Letztere  zwei  HSS  sind  für  die  Geschichte  unseres  Textes  des- 
wegen von  größerer  Bedeutung,  weil  sie  den  12  Apostelkatalog 
anonym  überliefern,  dagegen  das  unmittelbar  nachfolgende  Jünger- 
verzeichnis im  Titel  auf  Dorotheus  zurückführen. 

Besonders  häufig  hat  sich  das  legendarische  Apostelverzeichnis 
unseres  Textes  in  HSS  der  Öcumenius-  und  Arethaskommentare 
zum  N.  T.  erhalten,  an  deren  Anfang  es  sich  zumeist  findet2, 
wodurch  der  anonyme  Charakter  bewahrt  bleibt:  Cod.  Bodl. 
Canonic.  34  (saec.  XVI)3.  Auch  in  Cod.  Vatop.  635  (saec.  XI)  ist 
diese  Recension  vertreten,  woselbst  der  Apostelkatalog  fol.  7 — 10v 
unter  dem  Titel  öiaza^Etg  rmv  aJtooxöXmv  rolg  t&vsoiv  taco- 
öraZeTOai   eingetragen   ist.     Nach   Mitteilung  von  Ph.  Meyer4 


1)  Regiae  Bibliothecae  Matritensis  Codices  graeci  manuscr.  Joannes 
Iriarte  . . .  excussit,  recensuit,  notis  etc.  illustravit.  Vol.  I.  Matriti  1749,  415. 

2)  'jEgr/yz/öet?  naXcual  xal  Xiav  uxpskifioi  y.z"/..  Expositiones  antiquae 
ac  valde  utiles  .  .  ex  diversis  sanctoruin  patnrrn  commentaiiis  ab  Oecu- 
menio  et  Aretha  collectae.    Veronae  1532  ist  die  erste  Ausgabe. 

3)  Catalogus  codicum  manuscr.  Bibl.Bodleiauae,  pars  III,  Codices  Graec. 
et  Latin.  Canonic.  continens.  Confecit  Henr.  0.  Coxe,  Oxonii  1854,  p.  38. 

4)  Bei  R.  A.  Lipsius,  a.  a.  0.  Ergänzungsheft,  Braunschweig  1890,  3. 


4.  Überliefenmgsgeschiclite  der  Apostellegenden.  139 

weicht  diese  HS  von  der  Recension  der  Ocumeniushss  nur  durch 
Einschiebung  von  Marcus  nach  Matthäus  ab. 

Viel  genannt  wurde  die  Sophroniusrecension,  welche  als 
eigene  und  früheste  Textgestalt  öfters  betrachtet  wurde,  da  sie 
in  die  ersten  Kapitel  der  angeblich  von  dem  Zeitgenossen  des 
Hieronymus,  Sophronius,  gefertigten  griechischen  Übersetzung 
der  viri  inlustres  eingestreut  war.  Eine  andere  Gruppe  solcher, 
die  sich  mit  unsern  Texten  beschäftigten,  versetzten  die  hier  mit- 
geteilte Textgestalt  in  das  16.  Jahrhundert,  weil  der  erste1  Heraus- 
geber dieser  griechischen  Version  Erasmus  (i.  J.  1516)  zugleich  als 
Übersetzer  galt,  der  seine  eigene  Arbeit  unter  klangvollem  Namen 
ausgeben  wollte.  In  diesem  Verdachte  wurde  man  bestärkt,  da 
die  ihm  vorliegende  HS  nicht  aufgefunden  wurde.  Damit  hatte 
man  aber  diesmal  Erasmus  Unrecht  getan;  denn  seine  Vorlage 
wurde  in  Codex  C.  11  (s.  XIV)  der  Stadtbibliothek  von  Zürich 
durch  Carl  Alb.  Bernoulli  entdeckt  und  von  Osk.  von  Gebhardt 
veröffentlicht2.  Zwischen  die  Kapitel  1  und  10  des  lateinischen 
Textes  des  hieronymianischen  Schriftstellerkataloges  sind  im 
griechischen  Texte  mit  ß',  s',  £',  rj ' ,  %•' ,  i  ,  ly  ty,  vr\ ' ,  i&'  jene 
Apostel  eingeschaltet,  welche  nicht  schriftstellerisch  tätig  waren, 
d.  h.  aus  unserm  Verzeichnisse  entnommen  sind.  Außerdem  sind 
noch  Timotheus,  Titus,  Crescens  und  der  Eunuch  der  Königin 
Kandace  angehängt.  Osk.  v.  Gebhardt3  erkannte  für  den  ganzen 
Text  keine  Xötiguug,  ..aus  sprachlichen  Gründen  über  das  7.  Jahr- 
hundert herabzusteigen",  und  erklärt4  sich  mit  Lipsius  für  ein- 
verstanden,   die    Urgestalt    der    darin    verwerteten    Apostelliste 


1)  Omnium  opermn  Divi  Eusebi  Hieronynii  Stridoneusis  tomus  primus 
.  .  cum  argumentis  et  scholiis  Des.  Erasmi  Roterodami  .  .  .  Basil.  [1516] 
fol.  119—138;  die  2.  Ausgabe  1521  p.  265—305.  Bis  zur  Ausgabe  bei 
Migne  P.  lat.  XXIII,  Paris.  1S45,  602—702  waren  noch  fünf  weitere  er- 
schienen. Erasmus  gab  die  HS  selbst  in  die  Druckerei,  weshalb  schon 
die  erste  Ausgabe  durch  öftere  Versehen  des  Setzers  fehlerhaft  war. 

2)  Hieronymus  de  viris  illustribus  in  griechischer  Übersetzung.  (Der 
sogenannte  Sophronius)  |T.  u.  U.  XIV  lb)  Leipzig  1896.  Der  Text  befindet 
sich  S.  663 — 716.  Die  HS  ist  „169"  im  Katalog  der  fortlaufenden  schwei- 
zerischen griech.  HSS  von  Omont  numuieriert,  der  sie  dem  13.  Jahrh.  zu- 
weist, v.  Gebhardt  spricht  für  den  Teil  des  Sophroniustextes,  der  sich 
durch  Schrift  und  Format  vom  ersten  unterscheidet,  für  das  14.  Jahrh. 

3)  p.  VIH. 

4)  p.  X  (Lipsius  I  199). 


140 


Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


frühestens  an  den  Anfang  des  5.  Jahrb.,  spätestens  jenem  des 
6.  Jahrh.  zuzuweisen.  Beide  Gelehrte  haben  sicherlich  zu  hoch 
gegriffen,  da  die  hier  mitgeteilte  Textgestalt  eine  späte,  ja  ver- 
hältnismäßig junge  Recension  darstellt,  welche  jener  des  Cod. 
Matrit.  gleicht  und  auch  eng  mit  der  sog.  Ocumeniusgruppe  und 
dem  Baroc.  verwandt  ist.  Namentlich  mit  letzterer  HS  betrifft 
die  Übereinstimmung  auch  den  Anhang,  die  Fragmente  über 
Timotheus,  Titus  usw.,  wenn  auch  in  etwas  anderer  Form. 

In  den  4 — 5  letzten  schwankenden  Namen  der  Apostelliste 
vertritt  der  sog.  Sophroniustext  ebenfalls  die  neuredigierte  Ge- 
stalt,   deren    ältesten   Zeugen    wir   in    Cod.  Pii  47    und    in    den 


Ägypt.  Fee.  A( 


D 


\.£  Agypt  Rec. 

'      Vlndob.77 


/{  vu.lqi.rcf-riech.  PfC 


*_•>  F  (O(eumen.JJty) 


r '  Aiz.tr  it.  105 


P'Sophron,.  Text 


Ocumeniushss  haben,  welche  die  unkanonischen,  und  teils  über- 
schüssigen Namen  der  ägyptischen  Gruppe  ausläßt  und  Jacobus 
Alphaei,  Thaddäus  Lebbäns,  Simon  (Judas)  Cananäus,  Matthias 
als  Normalliste  übernimmt. 

Die  neuredigierte  vulgärgriechische  Textgestalt  hat  Cod.  Pii 
47  am  reinsten  aufbewahrt.  Die  andern  HSS  und  Texte  unter- 
lagen späteren  Einflüssen,  welche  auch  in  der  HS  Vindob.  theol. 
gr.  77  der  ägyptischen  Recension  auftreten  und  von  dorther 
weiter  verbreitet  sein  mögen.  Hierzu  gehört  der  Anhang  über 
Timotheus,  Titus,  Crescens  und  den  Eunuchen  der  Königin, 
welcher  sich  in  Vindob.,  Vatop.  635 ,  in  der  Ausgabe  der  Öcume- 
niuskommentare,    bei  Ps.  Sophronius   und  in   Baroc.  142   findet; 


4.  Überliefenmgsgeschichfce  der  Apostellegenden.  141 

in  beiden  letzteren  ist  Timotheus  allein  vertreten.  Auch  einige 
HSS  des  folgenden  Dorotheustextes  weisen  den  Anhang  auf,  so 
daß  man  auf  eine  gemeinsame  Quelle  schließen  kann.  Sie  mag 
in  Vindob.  theol.  gr.  77  oder  in  der  ältesten  HS  Vatop.  635  saec. 
XI  der  sog.  Öcumeniusrecension  vorliegen. 

Eine  Übereinstimmung  mit  Paris.  1115  zeigt  noch  Baroc, 
welche  beide  nach  den  Aposteln  noch  Paulus,  Markus,  Lukas 
einführen,  wohl  eine  Eigenheit  der  ersteren  HS,  welche  auf  die 
letztere  überging.  Demgemäß  mag  das  Stemma  auf  S.  140  die 
Abhängigkeit  der  Texte  in  dem  Apostelkataloge  veranschaulichen. 

2.  Die  Frage,  gehörte  ein  Jüngerkatalog  zu  dem  Apostel- 
verzeichnis des  Ps.Epiphaniustextes,  verdient  noch  Beachtung.  In 
den  HSS  Barroc.  142  und  Matrit.  105  ist  der  anonymen  Apostel- 
liste ein  Jüngerkatalog  nachfolgend,  der  aber  ausdrücklich  dem 
Dorotheus,  Bischof  von  Tyrus,  zugeschrieben  wird.  In  den  andern 
HSS  und  Texten  Pii  47,  Öcum.,  Sophron.  fehlt  ein  solcher.  Die 
HS  Paris.  1115  (A)  hat  nur  ein  Fragment  eines  solchen,  welchen 
Vindob.  (B)  und  dessen  lateinische  Übersetzung  (b)  nach  dem 
Ps.  Dorotheus  ergänzte.  Die  ersten  24  Namen,  welche  Bb  bietet, 
fehlen  in  A.  Dabei  könnte  man  vermuten,  daß  durch  irgend- 
welchen bibliographischen  Fehler  diese  Nummern  in  A  wegge- 
fallen wären.  Diese  Ansicht  läßt  sich  aber  mit  Hilfe  Bb  nicht 
zuversichtlich  erhärten,  da  Bb  auch  die  folgenden  Namen  im 
Gegensatz  zu  den  bei  A  parallel  stehenden  nach  Ps.  Dorotheus 
neuredigierte  und  umänderte,  so  daß  wir  von  B  aus  keinen  Schluß 
auf  die  ursprüngliche  Gestalt  von  A  oder  deren  Vorlage  ziehen 
können.  Immerhin  ist  es  wahrscheinlich,  daß  durch  irgendwelches 
Versehen  eines  Abschreibers  ein  Teil  am  Anfang  ausfiel,  da  ja 
A  die  Tendenz  zu  einem  ersten  Ansatz  eines  möglichst  voll- 
ständigen Jüngerverzeichnisses  verrät.  Bestärkt  werden  wir  in 
dieser  Ansicht  durch  das  literarische  Zeugnis  des  Epiphanius 
Monachus1  (saec.  IX  ineuntis),  der  von  einer  avayoacpt)  xmv  hß- 
öofirjxovTa  fiad-r/rmv  des  Epiphanius  von  Cypern  zu  berichten 
weiß,  worin  letzterer  als  seine  Quelle  die  Tradition  nenne.  Der 
Mönch  ergänzt  diese  Angabe  noch  dadurch,  daß  darunter  natür- 
lich nicht  die  hl.  Schrift  gemeint  sein  könne,  sondern  apokryphe 
Historiographien,  Enkomiasten  und  andere  Überlieferungen.     Zu 


1)  ed.  Alb.  Dreseel  p.  45,  17. 


142  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

dem  Zeugenverhör  kommt  noch  Cod.  Pii  47  in  Betracht,  Avelcher 
keinen  Rest  eines  Jüngerkataloges  aufweist.  Da  vielleicht  dessen 
Vorlage  ebenfalls  wie  in  A  korrupt  war  oder  auch  nur  fragmen- 
tarische Ansätze  enthielt,  so  mochte  der  Schreiber  sie  nicht  der 
Mühe  oder  der  Erhaltung  wert  erachten,  um  dieselben  eigens 
beizufügen. 

3.  Dieselben  Einwände,  welche  von  den  verschiedensten  Ge- 
lehrten gegen  Epiphanius  von  Cypern  als  Verfasser  der  vitae 
prophetarum  gerichtet  waren,  übertrugen  sich  auch  auf  diese 
Kataloge,  soweit  sie  nicht  mit  den  Dorotheustexten  als  eine 
Textgruppe  betrachtet  wurden.  Dies  war  meistenteils  der  Fall, 
da  nur  der  einzige  Zeuge  Paris.  1115  überhaupt  den  Namen 
Epiphanius  damit  verband.  Nur  zwei  Ausnahmen  verdienen  er- 
wähnt zu  werden,  welche  auch  die  Apostel-  und  Jüngerlisten 
einem  Epiphanius  zuschreiben. 

Die  eine  Ansicht,  welche  Oudin1  vertritt,  geht  dahin,  daß 
nicht  Epiphanius  von  Cypern,  sondern  Epiphanius  der  Patriarch 
von  CPel  (520 — 525)  als  Verfasser  zu  gelten  habe.  In  der  An- 
gabe des  Ps.  Dorotheustextes  sei  der  Anhaltspunkt  dafür  zu 
suchen,  wo  der  Presbyter  Procopius  aussage,  daß  er  im  Jahre  525 
das  Werk  aus  dem  Nachlaß  des  angeblichen  Dorotheus  nieder- 
geschrieben habe;  in  demselben  Jahre,  wo  nach  derselben  Quelle 
Papst  Johannes  nach  CPel  kam  und  damals  noch  Epiphanius 
Patriarch  war.  So  sei  es  nicht  zu  verwundern,  daß  das  Werk, 
im  Auftrage  des  Epiphanius  von  CPel  von  Prokopius  verfaßt, 
irrtümlicherweise  jenem  von  Cypern  zugeschrieben  wurde. 

Gegen  diese  geistreiche  These  wandte  sich  schon  Fr.  De- 
litzsch mit  Gründen,  welche  durchschlagend  sind.  Nicht  nur 
nenne  Procopius  mit  keinem  Worte  einen  Epiphanius  als  Ver- 
fasser, sondern  es  fehle  auch  im  Epiphaniustexte  der  Haupt- 
zankapfel,  die  vornicänische  Bischofsliste,  durch  welche  die 
Apostolizität  des  C Politanischen  Bischofsitzes  erwiesen  werden 
sollte.  Diese  ist  nur  dem  Dorotheustexte  eigen.  Ferner  sei  es 
unmöglich,  daß  man  später  statt  des  Epiphanius  von  CPel  ein- 
fachhin    Epiphanius    von    Cypern    nenne.      Diesen    Gründen   ist 

1)  Gas.  Oudini,  Cominentarius  de  scriptoribus  ecclesiae  antiquis  illo- 
rumque  scriptis  tarn  impressis  quam  rnanuscriptis  . .  .  Francof.  1722,  tom.  I, 
p.  1387.  Vgl.  Fr.  Delitzsch,  De  Habacuci  prophetae  vita  atque  aetate. 
Accedit  diatribe  de  Pseudodorotheo  et  Pseudepiphanio.    Lipsiae  1S42.  S6ff. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegendeu.  143 

ein  weiterer  beizufügen,  welchen  Delitzsch  ohne  genaue  Kenntnis 
der  Streitfrage  noch  nicht  einschätzen  konnte.  In  den  Mittei- 
lungen über  Andreas  hatte  der  Dorotheustext  im  Gegensatz  zu 
jenem  des  Epiphanius,  wie  bereits  erwähnt,  darauf  hingearbeitet, 
die  Reise  des  Andreas  über  Pontus  nach  Thracien  zu  schildern, 
um  es  wahrscheinlich  zu  machen,  daß  Andreas  nach  Byzanz  kam 
und  dort  Stachys  zum  Bischof  einsetzte.  Dies  wird  aber  im  Doro- 
theustexte  schon  bei  Nennung  des  Stachys  im  Jüngerkataloge  anti- 
zipiert, so  daß  das  korrespondierende  Glied,  die  Mitteilung  über 
Andreas,  danach  redigiert  werden  mußte.  Hätte  nun  unser  Epi- 
phaniustext  dem  Zwecke  dienen  sollen,  den  Oudin  vermutet,  so 
wäre  er  in  nichts  behilflich  gewesen,  da  er  nichts  von  der  Ab- 
sicht einer  solchen  Fälschung  weder  bei  Andreas,  noch  im  reinen 
Jüngerverzeichnis1  aufweist.  Außerdem  bezeichnet  Epiphanius 
Monachus  den  Bischof  von  Cypern  ausdrücklich  als  Verfasser  des 
Textes  in  seiner  heutigen  Gestalt.  Oudin  hatte  vielmehr  die  Ten- 
denz des  Dorotheustextes  bereits  auf  den  Epiphaniustext  über- 
tragen, welcher  überhaupt  nur  den  ersten  Versuch  einer  legen- 
darisch ausgebildeten  Apostelreihe  und  einer  Sammlung  der  70 
Jünger  darstellt,  ohne  eine  weitere  Absicht  zur  Schau  zu  tragen. 
Eine  zweite  Meinung,  welche  Delitzsch2  vorträgt,  verdient 
Erwähnung.  Ebenso  wie  keine  gewichtigen  Gründe  nach  ihm 
dagegensprechen,  die  Verfasserschaft  der  vitae  prophetarum  durch 
Epiphanius  zu  bestreiten,  ebensowenig  könne  man  die  Abfassung  der 
Apostel-  und  Jüngerlisten  in  Abrede  stellen,  zumal  auch  Delitzsch 
als  Verfasser  des  Hippolyttextes  wirklich  an  Hippolyt  von  Rom 
denkt.  Gegen  Delitzschs  Annahme  sprechen  diesmal  innere 
Gründe.  Die  einzelnen  Legenden,  welche  über  die  Apostel  in 
dem  Texte  erwähnt  werden,  lassen  eine  verhältnismäßig  so  frühe 
Abfassungszeit  am  Schlüsse  des  4.  Jahrhunderts  nicht  zu,  eben- 
sowenig die  Jüngerliste,  welche  doch  schon  die  Sitze,  welche  die 
einzelnen  Jünger  nach  der  Handauflegung  durch  die  Apostel  er- 
halten haben  sollen,  enthält.  Die  Anzeichen  einer  solchen  ent- 
wickelten Form  verraten  eine  weit  spätere  Zeit,  wie  sich  noch 
zeigen  wird.    Wir  dürfen  demnach  überhaupt  nicht  an  Epiphanius 


1)  Stachys  findet  sich  nur  in  dem  Jüngerkatalog  des  nach  Dorotheas 
redigierten  Vindob.  theol.  gr.  77. 

2)  De  Habacuci  proph.  vita  etc.  S.  97.  79.  77  f. 


144  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

von  Cypern  als  Verfasser  denken.  Die  ihm  zugeschriebenen 
Apostel-  und  Jüngerkataloge  entstanden  in  Syrien,  wo  unter 
seinem  Namen  schon  die  vitae  prophetarum  im  Umlauf  waren, 
denen  solche  ursprünglich  anonyme  Apostellegenden  unter  xov 
avxov  angehängt  wurden. 

§  43.  Der  sog.  Dorotheustext. 

1.  So  ziemlich  in  allen  HSS  und  gedruckten  Texten  wird 
als  Verfasser  ein  Märtyrer  Dorotheus,  Bischof  von  Tyrus  in  der 
ersten  Hälfte  des  4.  Jahrh.  lebend,  angegeben,  über  dessen  Per- 
sönlichkeit wir  bei  Gelegenheit  des  geschichtlichen  Exkurses, 
welcher  im  Texte  eingestreut  ist,  zu  sprechen  kommen.  Vorerst 
ist  nur  eine  HS  bekannt,  welche  die  Autorschaft  einem  andern, 
nämlich  Kosmas  Indikopleustes  zuweist:  Cod.  Athous  Iviron.  60 
(s.  XII)  f.  191.  Die  dem  Dorotheustexte  vorangehende  übliche 
Einleitung  wird  auch  hier  wiedergegeben  mit  der  Abänderung, 
daß  einfachhin  statt  des  Namens  Dorotheus  Kosmas  Indikopleustes 
eingesetzt  wurde1. 

2.  Die  handschriftliche  Bezeugung  geht  bis  in  das  10.  Jahrh. 
zurück.  Alle  HSS  und  gedruckten  Texte  haben  das  Apostel- 
verzeichnis erst  an  zweiter  Stelle  nach  dem  70  Jüngerkataloge 
und  dem  beigefügten  sog.  geschichtlichen  Exkurs  über  die  Ge- 
schichte des  Bistums  CPel;  nur  zwei  HSS  weichen  davon  ab: 
Coisl.  224  (saec.  XI)  (B)  und  Vindob.  th.  gr.  34  (Nessel  302) 
(saec.  XI)  (B1),  welche  aber  einen  Text  darstellen  und  darin  eine 
eigenmächtige  Änderung  aufweisen.  Hierfür  spricht  die  dritte  HS 
B2  =  Baroc.  206  (s.  XIII)  derselben  Recension,  und  besonders 
b=Vallic.  47  anni  1425,  welche  mit  BB1  sonst  genau  überein- 
stimmt, also  wohl  die  Vorlage  von  BB '  wiedergiebt;  dafür  spricht 
ferner  die  Angliederung  der  12  Apostelliste  an  den  sog.  Prolog, 
in  welchem  BB1  gegen  alle  andern  Textzeugen  also  liest: 

Alle  HSS  außer  BB1:  kv  tcq(6-  B:  xal  jiqcoxov  fisv  Xsysi 
xoiq  tusi>  xovc  o'  nad-rjxaq,  uvat  jieqX  xcöv  iß' .  tsieixa  sregl 
liyei.  xcöv  o ' . 

Demnach  repräsentiert  BB1  nicht  vielleicht  eine  frühere  Gestalt 

1)  Nach  Mitteüung  von  Ph.  Meyer  bei  R.  A.  Lipsius,  Ergänzungs- 
heft S.  3. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  145 

analog  dem  sog.  Epiphaniustexte,  sondern  ist  eine  spätere 
freie  Redaktion  des  Dorotheustextes,  verursacht  womöglich  durch 
den  Schreiber  der  HSS  selbst.  Schon  bei  der  ersten  Ausgabe 
des  Dorotheustextes  durch  den  Fälscher  war  die  Anordnung  ge- 
troffen, daß  das  Jüngerverzeichnis  vorangestellt  werde,  da  in  ihm 
sich  das  Ausschlaggebende  vorfinden  sollte,  die  Einsetzung  des 
Stachys  zum  ersten  Bischof  von  Byzanz  durch  Andreas.  Erst 
daran  konnte  sich  die  weitere  Bischofsliste  in  den  geschicht- 
lichen Einlagen  anschließen. 

Dadurch  wird  aber  auch  die  von  H.  Geizer1,  Fr.  Fischer 
und  R.  A.  Lipsius  verfochtene  These,  daß  die  Recension  im 
Cod.  Vindob.  theol.  gr.  77  die  eigentliche  Grundschrift  des  ganzen 
Dorotheustextes  darstelle  mit  Ausnahme  des  eingeschobenen 
Bischofskataloges  von  Byzanz,  umgestoßen.  Wie  bereits  erwähnt, 
gehört  der  Apostelkatalog  der  in  Frage  stehenden  HS  gar  nicht 
dieser  Textgruppe  an,  sondern  wurde  erst  später  mit  der  Ein- 
leitung des  Dorotheustextes  versehen.  Auch  das  Jüngerverzeichnis 
wurde  danach  redigiert,  wobei  aber  das  fragmentarische  des 
Epiphaniustextes  wohl  noch  zu  erkennen  ist.  Da  Cod.  Vindob. 
eine  späte  HS  (saec.  XIII  exeunt.)  ist,  so  wäre  es  höchst  auffallend, 
wenn  sie  unter  der  sonst  guten  Bezeugung  von  20  HSS  eine 
Ausnahme  machen  würde  und  der  beste  Zeuge  wäre.  H.  Geizer 
spaltet  den  jetzigen  Dorotheustext  auf  Grund  seiner  Annahme 
in  zwei  Teile:  einer  Grundschrift  des  sog.  Prologes,  des  71)  Jünger- 
und  Apostelkataloges,  welche  in  Cod.  Vindob.  theol.  gr.  77  vor- 
liege, und  in  den  Teil  eines  Fälschers,  der  die  Bischofsliste  von 
Byzanz  beifügte  und  zwischen  Jünger-  und  Apostelliste  einschob. 
An  der  Einheitlichkeit  des  Dorotheustextes  ist  aber  nicht  zu 
zweifeln,  da  die  Tendenz,  welche  auf  den  Beweis  der  apostoli- 
schen Gründung  des  Bischofssitzes  Byzanz  abzielt,  alle  Teile  in 
gleicher  Weise  umfaßt.  Der  am  meisten  nach  dieser  Richtung 
in  die  Augen  springende  Teil  ist  allerdings  die  eingeschobene 
Bischofsliste,  welche  in  Vindob.  nicht  aufgenommen  wurde. 
Dieses  Fehlen  ist  aber  nur  ein  zufälliges;  denn  gleich  nach  dein 
Dorotheustexte  wird  in  derselben  HS  die  Patriarchenliste  von 
Stachys  bis  Kosmas  Hierosolymitanus  10S1  wiedergegeben2,  was 

1)  In  Fr.  Fischer,  De  patriarcharum  CPolitan.  Datalogis  [Common- 
tat.  philo].  Jenons.  t.  1IIJ.    Lipshie  1884,  273. 
'_')  Fischer  a.  a.  0.  274. 
Text.:  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  10 


146  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

die  Kenntnis  des  ganzen  Dorotheustextes  verrät,  da  die  Patriarchen- 
liste ja  auf  dem  dorotheanischen  Bischofskataloge  aufgebaut  ist. 
Ferner  macht  Geizer  und  nach  ihm  Fischer  geltend,  daß  der 
Titel  oder  vielmehr  der  sog.  Prolog  am  besten  in  Vindob.  mit 
dem  folgenden  Textkomplexe  übereinstimme;  denn  darin  werde 
des  Bisch ofskataloges  nicht  Erwähnung  getan,  sondern  nur  des 
Jünger-  und  Apostelkataloges.  Allein  dieses  argumentum  ex 
silentio  ist  nicht  zwingend,  so  daß  man  annehmen  müßte,  daß 
den  eigentlichen  Text  nur  die  o'  f/a&-?]rai  und  die  axoOxoXoi 
ausmachen  würden;  vielmehr  mochte  der  Fälscher  bewußt  die 
Ankündigung  der  zwischen  beiden  Reihen  stehenden  Bischofs- 
liste unterlassen  haben,  um  umsoweniger  die  erste  Aufmerksam- 
keit darauf  zu  lenken.  Ein  gewichtiger  Grund  dafür,  daß  Vindob. 
erst  später  nach  Ps.  Dorotheus  redigiert  wurde  und  nicht  eine 
Grundschrift  darstellt,  liegt  dann  wiederum  in  der  Reihenfolge 
der  Apostel-  und  Jüngerliste,  welche  in  der  Ordnung  des  Epi- 
phaniustextes  beibehalten  wurden,  so  daß  der  sog.  Prolog  des 
Dorotheustextes  danach  geändert  werden  mußte. 

Doroth.:  ^vyygajjiia  kxxlrj-  Vindob.:  AcoQo&tov..Ovvoiptg 
OiaOnxov  jcsqI  rmv  o  (icc&rj-  elg  rovg  ßlovq  xcu  xa  rilrj  rmi> 
rcov.    AcoQo&iov  xrX.  axooroXcov  xcä  rmv  jiQO(pi]TCQV. 

Ein  weiterer  Grund,  der  widerstreitet,  in  Vindob.  th.  gr.  77 
die  Grundschrift  des  Dorotheustextes  zu  erblicken,  besteht  in 
dessen  Verwandtschaft  mit  Cod.  Baroc.  142  (saec.  XIV),  welcher 
nach  der  anonym  eingeführten  Apostelliste  des  sog.  Epiphanius- 
textes  den  Prolog  des  Ps.  Dorotheus,  die  Jüngerliste  und  den 
Bischofskatalog  von  Byzanz  mitteilt.  Beide  HSS  haben  die  ge- 
schichtliche Tatsache,  daß  Dorotheus  unter  Diokletian  gemartert 
wurde,  welche  sich  auf  Euseb.  h.  1.  VIII  1,  13  stützt,  an  die  Spitze 
gestellt,  während  sie  in  den  Dorotheushandschriften  bedeutungs- 
los nachfolgt.  Eine  weitere  Verwandtschaft  liegt  in  der  Anord- 
nung der  Texte  in  beiden  HSS  und  wurde  schon  in  dem 
Epiphaniustexte  festgestellt.  Daraus  ist  allerdings  noch  nicht 
der  Schluß  zu  ziehen,  daß  Cod.  Vindob.  und  Baroc.  unmittelbar 
voneinander  abhängen;  denn  Baroc.  hört  mit  dem  sog.  Prolog 
schon  vor  der  Schwesterhs  Vindob.  auf,  welche  noch  die  Über- 
leitung zu  der  Apostelliste  in  stark  verkürzter  Form  gegenüber 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  147 

den  übrigen  Dorotheushss  bringt.  Dennoch  kann  man  sich  denken, 
daß  beide  HSS  auf  eine  gemeinsame  dritte  HS  zurückgehen,  in 
welcher  die  Apostelliste  des  Epiphaniustextes  vorausgeschickt 
war,  dann  der  dorotheanische  Prolog  mit  dem  Jüngerverzeiclinis 
folgte.  Der  Redaktor  von  Cod.  Vindob.  stellte  nun  noch  den 
Prolog  mit  entsprechender  Abänderung  vor  die  Apostelliste. 
Jedenfalls  ist  die  nahe  Beziehung  des  Vindob.  zu  dem  verhältnis- 
mäßig jungen  Baroc.  kein  gutes  Zeichen  für  eine  Ursprünglich- 
keit des  Prologes  bei  ersterem  Textzeugen. 

Immerhin  bedarf  eine  dadurch  gestellte  Frage  erneuter 
Aufmerksamkeit:  ob  der  geschichtliche  Exkurs  über  die  vor- 
nicaenischen  Bischöfe  von  Byzanz  schon  bei  Ausgabe  des 
Dorotheustextes  über  die  Jünger  und  Apostel  des  Herrn  dem- 
selben beigegeben  war.  nachdem  im  Prologe  seiner  nicht  Er- 
wähnung geschieht  und  nur  eine  sehr  geringe  Anzahl  von  HSS 
(4  von  21)  denselben  überliefern?  Die  Frage  muß  entschieden 
bejaht  werden,  wenn  auch  die  frühe  Verbreitung  dieses  Teiles 
durch  die  Chronographia  brevis  des  Patriarchen  Nikephorus 
(c.  806 — 828)  infolge  der  zweifelhaften  Autenticität  der  letzteren 
nicht  sicher  bestimmt  werden  kann.  Dagegen  zeigen  die  HSS, 
daß  sie  öfters  nur  der  Kürze  halber  den  mittleren  Teil  auslassen, 
da  sie  an  den  verschiedensten  Stellen  derselben  abbrechen,  um 
dann  vor  Beginn  des  Apostelkataloges  wieder  einzusetzen.  Diese 
fragmentarischen  Anfangs-  und  Schlußstücke  sind  sichere  Zeichen 
dafür,  daß  den  HSSschreibern  der  ganze  geschichtliche  Exkurs 
vorlag.  Da  derselbe  im  vorausgeschickten  Programm  nicht  ge- 
nannt war,  so  mochten  sie  sich  um  so  eher  berechtigt  fühlen, 
denselben  zu  unterdrücken.  Lassen  nun  HSS  des  10.  Jahrhunderts 
bereits  diesen  Teil  vermissen,  so  konnte  die  Anzahl  solcher  spä- 
teren HSS  eine  ziemlich  beträchtliche  werden.  Ein  Zweifel,  ob 
die  HSSklasse  Aaa1  [und  C1]  (Paris.  237;  Casanat,  334;  Athous 
Laur.  34  K;  Monac.  211)  wirklich  schon  den  Exkurs  in  der  Vor- 
lage hatte,  wäre  berechtigt,  weil  sie  an  einer  Stelle  abbrechen, 
welche  ein  abgeschlossenes  Ganze  ohne  die  Bischofsliste  von  CPel 
darstellt,  und  an  einer  Stelle  beginnen,  welche  einzig  zum 
folgenden  Apostelkatalog  überleitet,  wenn  nicht  Aa1  lesen  würde: 
vjtoxarubv  ös  ...  tutra  rr/v  rtöv  Ijiloxojicov  vov  Bv£av- 
riov  axctQi&firjÖlV  xz/...  was  allerdings  C  nicht  enthält.  Da 
aber  letztere  HS  mehrere  lu-censionsgenossen  mii  der  Bisch ofs- 

10* 


148  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

liste  hat,  so  kann  auf  ihre  Zeugenschaft  verzichtet  werden.  Da- 
mit ist  aber  nicht  ausgeschlossen,  daß  der  Bischofskatalog  auch 
separat  überliefert  und  die  erste  Anregung  wurde,  ihn  mit  Auf- 
zählung der  Bischöfe  nach  dem  Nicaenum  später  weiterzuführen. 

3.  Die  HSS  sind  in  der  Textwiedergabe  ziemlich  überein- 
stimmend. Neuredaktionen  wie  bei  Ps.  Epiphanius,  wo  in  dem 
Apostelverzeichnis  neue  Namen  eingeführt,  andere  ausgelassen 
wurden,  gibt  es  hier  nicht.  Auch  die  bisherigen  Ausgaben 
weichen  nicht  stark  ab;  beinahe  alle  berohen  auf  der  ersten 
Ducange's1,  welche  die  HSS  „Reg.  2760  und  2819"  benützte,  von 
welchen  die  eine  heute  unter  Coisl.  224  (B)  registriert  ist.  wäh- 
rend die  andere  HS  nicht  sicher  bestimmbar,  nach  den  ange- 
gebenen Varianten  zwischen  Coisl.  205  (C)  oder  209  (D1)  oder 
258  (e)  schwankend  ist.  Gleichzeitig  hatte  Guil.  Cave2  größere 
Proben  des  Textes  aus  zwei  HSS  Baroc.  142  und  206  mitgeteilt. 
Während  Jo.  Alb.  Fabricius3  unsern  Text  aus  dem  Anhang  des 
Chronicon  Paschale  i.  J.  1714  abdruckte,  hatte  L.  Dindorf  bei 
Neuauflage  des  Chronicon  Paschale  noch  einen  Cod.  Leidensis 
Voss.  46  [?]  (saec.  X — XI)  benützt,  dessen  Varianten  ihm  Geelius 
mitgeteilt  hatte.  Eine  zweite  Kollation  dieser  HS,  durch  E.  Preu- 
schen  vorgenommen,  zeigte  aber,  daß  die  verschiedenen  Lesarten 
nicht  immer  richtig  angegeben  waren. 

Die  HSS  lassen  sich  in  fünf  Klassen  einteilen,  von  denen 
die  Grundhss  der  ersten  vier  auf  den  Prototypus  zurückgehen, 
während  der  fünften  Klasse  keine  Selbständigkeit  zukommt.  Die 
HSS  51,  ß,  (S  überliefern  nur  die  Apostelliste,  wobei  (E  und  (S 
ausdrücklich  den  angeblichen  Dorotheus  als  Verfasser  nennen, 
2)2)  *2)2  nur  die  Jüngerliste. 

A   =  Paris.  237  saec.  X  fol.  242v. 

a    ==  Casanat.  334  saec.  XV— XVI  fol.  325. 

a1  =  Athous  Laur.  34  K  saec.  ignoti  fol.  247, 


1)  Im  Anhange  der  Ausgabe  des  Chronicon  Paschale,  Lutet.  1688 
p.  426—436;  wiederholt  Venedig  1729,  342—350. 

2)  Guil.  Cave,  Scriptorum  ecclesiasticorum  Historia  literaria  a  Christo 
nato  usque  ad  saec.  XIV.    Londini  168S,  I.  Vol.  p.  144  ff  ad  annum  303. 

3)  De  vita  et  morte  Mosis  libri  tres  cum  observationibus  Gilb.  Gaul- 
mini. Accedunt  I  Pseudodorothei  Tyrii  et  aliorum  apospasmata  etc.  Cum 
praefatione  Jo.  Alb.  Fabricii,  Hamburgi  1714,  p.  470— 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  149 

%   =  Ottobon.  167  saec.  XIV  fol.  147, 

B   =  Coisl.  224  saec.  XI  fol.  8V, 

B  i  ==  Vindob.  theol.  gr.  34  (Nessel  302)  saec.  X— XI, 

B2  =  Baroc.  206  saec.  XIII  fol.  124, 

b    =  Vallic.  47  anni  1425  fol.  69, 

C    =  Coisl.  205  saec.  XI  fol.  258, 

C1  =  Monac.  211  saec.  XI  fol.  218, 

(£   =  Vatic.  1974  saec.  XII— XIII  fol.  4V, 

D  =  Leidens.  Voss.  46  saec.  X— XI  fol.  46, 

Di  =  Coisl.  209  saec.  XI  fol.  260, 

D2=  Laurent,  plut.  IV  32  saec.  XI  fol.  3, 

2)  =  Baroc.  142  saec.  XIV  fol.  288, 

£)i=Matritens.  105  saec.  ignoti  fol.  37v, 

©2=  Anibros.  484  (L.  49  sup.)  saec.  XIII  fol.  118, 

d    =  Iviron.  60  saec.  XII  fol.  191, 

d1  =  Napol.  II  C  34  saec.  XV  fol.  137, 

6    =  Ottob.  408  saec.  XVI  fol.  144v  (copia  cod.  d1), 

d2  =  Athous  Laur.  38  Q  saec.  ignoti, 

d3  =  Athous  Dionys.  120  saec.  XIV, 

d4  =  Athous  Esphigm.  87  saec.  XV  fol.  506, 

d5  =  Ambros.  445  (H  104  sup)  anni  1434  fol.  157, 

E  =  Paris.  1085  saec.  XI  fol.  267, 

e    =  Coisl.  258  saec.  XII  fol.  212, 

ei  =  Napol.  II  AA  27  saec.  XVI  fol.  315v, 

©  =  Ottob.  268  saec.  XVI  fol.  43, 

V  =  Vindob.  theol.  gr.  77  saec.  XIII  fol.  259  (prolog.  et 

epilog.), 
p    =  editio  Chronici  paschalis  per  L.  Dindorf,   Bonnae 

1832  Vol.  II  120  ff, 
c    =  Guil.  Cave,  script.  eccl.  hist.  Liter,  a  Christo  nato 

usque  ad  saec.  XIV.    Londini  1688  I  114  f  (prolog. 

epilog.  index  XII  apostolorum, 
f    =  editio  Fabricii,  De  vita  et  morte  Mosis  libri  tres 

cum   observationibus   Gilb.  Gaulmini.     Cum   prae- 

fatione  Jo.  Alb.  Fabricii   1714,  477—480. 

§  44.  Anhang:   Über  die  Taufe  der  Apostel  und  Maria. 
In  Cod.  Coisl.  224   (saec.  XI)  folgt  fol.  12v  einem  Teile  des 
Dorotheustextes   über  die  Apostel  ein  Fragment,   welches  liber 


150  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

die  Taufe  der  Apostel  und  der  Gottesmutter  handelt.  Es  wird 
einem  Sophronius  beigeschrieben:  svQOfiev  ovv  Iv  xotq  vjto- 
f/vrjfiaoi  xov  ayiov  J£co<pQoviov.  In  einer  zweiten  HS  Vindob. 
theol.  gr.  34 l,  welche  mit  der  ersten  auf  dieselbe  Vorlage  zurück- 
geht oder  sogar  mit  derselben  direkt  verwandt  ist,  findet  sich 
ebenfalls  dieser  Text. 

Es  handelt  sich  hier  um  eine  Zusammenstellung  von  Ant- 
worten auf  zuvor  gestellte  Fragen.  Die  Antworten  wurden  aus 
vuroßv/j/jata  des  Sophronius  genommen,  welche  als  Fragment 
eines  Enkomiums  auf  Johannes  Evangelista,  das  dem  Patriarchen 
Sophronius  von  Jerusalem  zugeschrieben  wird,  in  den  Menaeen2 
und  Synaxarien3  zum  8.  Mai  aufbewahrt  sind.  „Der  vollständige 
Text  der  Lobrede  ist  noch  nicht  aufgefunden."4 

Die  erste  Ausgabe  unseres  Textes  veranstaltete  Ducange5 
aus  Cod.  Paris,  gr.  1712,  wo  er  der  Chronik  des  Ps.  Symeou  Logo- 
theta  unter  dem  Lemma  tov  ev  ayloiq  0£o6coqitov  sjuöxojiov 
Tvqov  einverleibt  ist.  Der  Herausgeber  und  ebenso  J.  A.  F  a  b  r  i  ci  u  s6 


1)  Petri  Lambecii  Haniburgensis,  Comnientariormn  de  augustissinia 
ßibliotheca  Caesarea  Vindobonensi,  liber  tertius.  Editio  altera  studio  et 
opera  Adami  Francisci  Kollarii,  Vindobonae  1776,  138  f.  Wiederum  be- 
schrieben in  Casimiri  Oudini,  Coimnentarius  de  scriptoribus  ecclesiae 
utriusque  illorumque  scriptis  tarn  irnpressis  quam  manuscriptis,  Francof. 
1722,  1382-138S.  Bereits  von  Cotelier  erwähnt:  SS.  Patrum,  qui  tem- 
poribus  Apostolicis  floruerunt  .  .  .  opera.  J.  B.  Cotelerius  .  .  Nov.  edit  .  . 
Joa.  Clericus,  editio  altera.  Vol.  I.  Amstelod.  1724  p.  120.  Teilweise  Aus- 
gabe des  Encomiums  p.  280  nota  5  und  p.  119  e  cod.  „2216"  fol.  124. 

2)  Menologium  Graecorum  tom.  II  BißXior  xov  MaCoq  [xijvöq  nsydyov 
rtjv  HQtnovoav  avxöj  änaaav  äxolov&lccv.  ^Eveilrjoir,  acpnr]'  (1588)  fol.  S 
(p.  35)  unter  dem  Lemma  2aj<pQorlov. 

3)  Hipp.  Delehaye,  Synaxarium  CPolitan.  [Propylaeum  ad  Acta 
Sanctorum  Novembris]  p.  663,  8  f. 

4)  Diekamp,  Hippolytos  a.a.O.  S.  XXXI  gibt  noch  weitere  Aus- 
gaben und  HSS  des  Auszuges  des  Encomiums  an.  Derselbe  ist  auch  in 
einer  schon  im  10.  Jahrh.  bezeugten  Redaktion  der  Chronik  des  Hippolytos 
von  Theben  (Text  IV  c.  3,  5 — 13;  Diekamp  p.  20,  5 — 21,  2)  aufgenommen. 
Weitere  HSS  auch  bei  Cotelier  p.  120,  wo  auch  jene  im  Chronicon  des 
Ps.  Symeon  Logotheta  als  „cod.  ms  2363"  erwähnt  ist. 

5)  Chronicon  Paschale  p.  438.  ed.  alt.  L.  Dindorf  Vol.  n.  Bonnae 
1832,  144.     (Migne  Patr.  gr.  92,  1076.) 

6)  De  vita  est  morte  Mosis,  Cum  praefatione  Jo.  Alb.  Fabricii,  p.  552 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  151 

glaubten,  um  der  Wirklichkeit  gerecht  zu  werden,  Tvqov 
in  Kvqov  abändern  zu  müssen.  In  der  Tat  hatten  sie  sich 
damit  von  der  Vorlage  ihrer  Handschrift  mehr  entfernt,  als 
sie  ahnten.  Da  in  der  HS  der  Chronik  offenbar  die  Quelle  mit 
der  besagten  Bezeichnung  angegeben  werden  sollte,  so  war 
&£odcoQr]Tov  doch  wohl  nur  eine  Verstümmelung  von  Acogo&tov, 
welcher  ja  nach  dem  vorausgeschickten  Martyrium  Bischof  von 
Tyrus  war.  Nachdem  nun  einmal  Ps.  Symeon  Logotheta  das 
Apostelverzeichnis  und  die  Jüngerliste  aus  unserem  Dorotheus 
gekannt  und  umgestaltet  hatte,  diente  ihm  dieselbe  Quelle  zur 
Herübernahme  der  Beantwortung  der  Fragen  über  die  Taufe  der 
Apostel  und  der  Gottesmutter. 

Während  das  Fragment  des  Encomiums  sich  „als  eine  knappe, 
excerptartige  Zusammenfassung  aller  Nachrichten  über  Johannes 
bis  zu  seiner  Übersiedlung  nach  Ephesus"  *  darstellt,  hatte  unser 
Kompilator  ein  anderes  Interesse.  Ihm  war  es  darum  zu  tun, 
die  mit  den  vorhergehenden  Apostel-  und  Jüngerverzeichnissen 
zusammenhängenden  Fragen,  von  wem  und  wie  die  Apostel  ge- 
tauft und  geweiht  wurden,  und  wie  sie  diese  Gnaden  auf  andere 
(die  Jünger)  übertragen  konnten,  zu  beantworten.  Dabei  war 
ihm  das  Encomium  des  Sophronius  sehr  erwünscht;  allein  er 
mußte  die  Notizen  aus  demselben  seinem  Zwecke  entsprechend 
ausheben  und  zusammenzustellen.  Während  in  dem  Encomium 
das  Verwandtschaftsverhältnis  des  Theologen  zum  Herrn  voran- 
stand, dann  dessen  und  der  andern  Apostel  Taufe  Erwähnung 
fand,  ferner  von  der  dreifachen  Sohnschaft  des  Johannes,  von  der 
Taufe  der  Madonna  durch  Petrus  und  Joannes  die  Rede  war, 
hatte  unser  Kompilator  die  Taufe  der  Apostel  und  Maria  zu- 
sammengestellt, dann  den  Titel,  daß  Johannes  ein  Vetter  (aveipioo) 
des  Herrn  sei,  mit  der  folgenden  Verwandtschaftsreihe  begründet 
und  am  Schlüsse  die  absurde  Erwähnung,  daß  Johannes  drei 
Mütter  gehabt  habe,  beigefügt.  Die  Sätze  wurden  daher  aus  dem 
Encomium  frei  ausgehoben  und  von  dem  Kompilator  meist  mit 
öxi  (=  :)  wörtlich  angeführt. 


mit   lateinischer  Übersetzung  nach  dem  Kataloge  von  Lambecius  (erste 
AuHage  tom.  III  p.  53).    Vgl.  Kollarius  in  der  Neuautlage  des  Lambecius- 
schen   Kataloges  tom.  III  p.  138  nota  A. 
1)  Diekamp  p.  XXX  f. 


152  Schermann, ■  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Lambecius1  hatte  bei  seiner  Ausgabe  unseres  Textes  an- 
gemerkt, daß  eine  Verwandtschaft  mit  der  Chronik  des  Hippolyt 
bestehe.  Diese  kann  sich  aber  offenbar  nur  auf  solche  Texte 
der  Chronik  erstrecken,  welche  mit  den  Fragmenten  des  Sophro- 
nius  interpoliert  sind.  Das  ist  die  vierte  von  Diekamp  aufge- 
zählte und  edierte  Textgestalt,  in  welcher  in  c.  3,  5 — 13  (Die- 
kamp p.  20)  das  Stück  wohl  zum  Zweck  der  Korrektur  der 
Hippolyteischen  Sätze  eingeschoben  ist.  Lambecius  mag  dem- 
nach diese  Gestalt  der  Chronik,  welche  schon  im  zehnten  Jahr- 
hundert bezeugt  ist,  im  Auge  gehabt  haben. 

Allerdings  hat  unser  Text  oder  der  des  Sophronius  mit  den 
echten  Fragmenten  der  Chronik  Berührungen,  welche  aber  bei 
näherem  Vergleich  ebensoviele2  Differenzen  wie  Gemeinsames  auf- 
weisen, z.  B.  in  der  Aufzählung  der  Kinder  Josefs,  wo  zwar  jeweils 
[chron.  Hipp.  I  c.  6,  1 — 2  (Diekamp  S.  7,  6 — 9)]  die  vier  Söhne 
gleichmäßig  benannt  werden,  während  das  Encomium  noch  drei 
Töchter,  Hippolyt  aber  nur  zwei  ihm  zuschreibt.  An  solche  Parallelen 
dachte  wohl  Lambecius  nicht,  wohl  auch  nicht  an  den  interpo- 
lierten Text  V3  (c.  2,  5,  Diekamp  p.  27,  5),  woselbst  die  Mit- 
teilung über  die  Taufe  der  Apostel  und  der  Jungfrau  aus  einem 
Briefe,  „Licht"  betitelt,  des  angeblichen  Evodius4,  Bischofs  von 
Antiocheia,  gemacht  wird.  Auch  hier  sind,  wenn  auch  geringe, 
Unterschiede  mit  unserm  Texte  wahrzunehmen,  noch  mehr  bei  dem 
zweiten  Zeugen,  Nikephorus5  Callisti  Xanthopulus,  der  in  seine 
Kirchengeschichte  (1.  2,  3)  dieses  pseudonyme  Fragment  mit  einem 
Stück  der  Chronik  des  Hippolyt  aufnahm.  Der  sog.  Sophronius 
hatte  seine  Sätze  über  die  Taufe  der  Apostel  nicht  aus  Ps.  Evodius6 


1)  Commentar.  usw.  tom.  III  p.  138  A. 

2)  Hierbei  weiß  Hyppolyt  nichts  von  Salome,  der  Tochter  Josephs, 
auch  nennt  er  überhaupt  nicht  die  Mutter  der  Zebedaiden.  s.  Diekamp, 
p.  119. 

3)  „Die  durchgreifendste  Überarbeitung"  der  Chronik  in  Cod.  Barocc. 
142  s.  Diekamp  p.  XXXIV. 

4)  Über  die  Stellung  des  Fragmentes  zur  Evodiusliteratur  s.  Die- 
kamp p.  XXXVI  ff. 

5)  Migne  P.  gr.  145,  757;  vgl.  Lipsius  II  1,  10.  Der  Ps.  Evodiustext 
hier  verderbt;  s.  Diekamp  p.  XXXVII  Anm.  2. 

G)  Hier  einige  Unterschiede  mit  Sophronius  s.  Diekamp  S.  121  f. 


4.  Überlieferungsgesehichte  der  Apostellegenden.  153 

genommen,  sondern  nach  aller  Wahrscheinlichkeit  aus  des  Jo- 
hannes Moschus1  pratum  spirituale  c.  176. 

Demgemäß  müssen  wir  annehmen,  daß  Lambecius  die  Ver- 
wandtschaft zwischen  unserm  Appendix  und  der  Chronik  des 
Hippolyt  nur  auf  Grand  der  Aufnahme  des  Encomiumsfragmentes 
des  sog.  Sophronius  in  den  interpolierten  Hippolyttext  IV  fest- 
stellen konnte. 

§  45.  Der  sog.  Hippolyttext. 
Der  erste  Zeuge  dieses  Textes  liegt  in  der  Chronik  des 
Georgias  Monachus  Hamartolus  (c.  866  abgefaßt)  vor,  der  unter 
dem  Namen  des  Hippolyt  von  Rom  die  vita  des  Joannes  des  Evan- 
gelisten mitteilt.  Allerdings  könnte  man  darüber  streiten,  ob  ihm 
unser  Text  vorlag;  denn  der  Unterschied  der  beiderseitigen  Viten 
ist  beträchtlich,  wie  die  folgende  Gegenüberstellung  zeigt: 

Hipp,  de  XII  apost.:  'lcoavvr]g  Georg.  Mon.  chron.  (ed.  C.  de 
ev  'Joia  vjco  Ao[i£xiavov  xov  Boor  II  447,  22  —  448,  6):  7co- 
ßaOcXicoq  e^oqiö&eiq  ev  Ilaxfico  dvvrjc  o  aÖEXcpoQ  'laxcoßov  xtj- 
xr\  vfjöcp,  ev  ?j  xcä  xb  Evayyi-  qvööcov  ev  xrj  'Aöla  xbv 
Xiov  ovvEyodipaxo,  xcä  xrjv  Xoyov  E^coQio&t]  ev  Ildx^cp 
ctJioxaXvipiv  s&eaöaro,  EJtl  xfj  vrjöcp  vstb  JofiExiavov  ßaöi- 
Tqccicwov  exoifirj&rj  ev  'EcpEöco,  XECoq  'Pcofiaicov,  xaxti&EV 
ov  xo  Ashpavov  C^xrjd-hv  ov>x  jcgXiv  elq  EcpEöov  ex  x  rj q 
evqe&tj.  sgogiaq     ävaxXi]&elq     vjtb 

Negova  xcä  xb  xax  avxbv 
EvayytXiov  ovyyoaipdfJEvoq,  tv- 
&cc  xcä  xtjv  ctJtoxaXvipiv  &saod- 
fievoQ  exeXevxjjoev,   ov  xb  Xe'l- 

IpaVOV   OV%    EVQE&T). 

Der  Unterschied  liegt  nicht  bloß  im  Umfang,  sondern  auch  im 
Inhalt.  Nach  der  Stelle  des  Hippolyt  in  der  Chronik  des  Geor- 
gias Monachus  schrieb  Johannes  erst  nach  der  Rückkehr  von 
Patmos,  welche  unter  Nerva  stattfand,  in  Ephesus  das  Evan- 
gelium und  die  Apokalypse,  nach  unserm  Texte  dagegen  auf 
Patmos  während  der  Verbannung.    Da  jedoch  Georgius  Monachus 

1)  Migne  Patr.  gr.  87,  3,  3045  D,  der  seinerseits  als  Quelle  das  5.  Buch 
der  Hypotyposen  des  Klemens  angiebt,  s.  Diekamp  p.  120  u.  Anm.  2. 


154  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

ausdrücklich  bemerkt,  daß  er  die  Schilderung  der  Mission  und 
des  Todes  der  Apostel1,  welche  Hippolyt  von  Rom  gab,  vor  sich 
habe,  so  muß  er  den  Bericht  des  Hippolyt  mit  andern  Nach- 
richten vermischt  haben,  trotzdem  er  die  ganze  Stelle  durch  tfpr) 
als  wörtliches  Zitat  einführt.  Auch  die  übrigen  Paralleltexte  des 
Dorotheus  usw.  berühren  sich  nicht  mit  den  Zusätzen  bei  Georgius. 
Die  Mehrzahl  der  HSS  des  sog.  Hippolyttextes2,  darunter 
eine,  welche  die  Entstehungszeit  des  Traktates  fast  erreicht  — 
Coisl.  120  saec.  X  — ,  bezeichnen  den  Verfasser  einfacbhin  mit 
Hippolyt,  ohne  ihn  durch  ein  Beiwort  zu  kennzeichnen.  Nur 
zwei  späte  HSS  des  16.  bis  18.  Jahrhunderts  nennen  ihn  Mär- 
tyrer. Dagegen  hat  ein  Mischtext  aus  Ps.  Dorotheus  und  unserm 
Hippolyt,  dessen  ältester  Zeuge  Cod.  Petropol.  254  (anni  1111), 
Hippolyt  von  Rom  als  Verfasser  genannt.  Die  ersten  Heraus- 
geber schienen  auch  das  Apostelverzeichnis,  welches  vorerst  nur 
bekannt  war,  ihm  zuschreiben  zu  wollen:  Fr.  Combefis,  Steph. 
le  Moyne,  J.  A.  Fabricius;  später  dachte  Gallandi  daran,  unter 
die  Schriften  des  Hippolyt  von  Theben  die  Kataloge  einzureihen. 
In  neuerer  Zeit  sprach  sich  Delitzsch3  wiederum  für  Hippolyt 
von  Rom  aus:  „ego  vero  eos  a  Portuensi  Hippolyto  confectos 
esse  posse  . .,  contendere  non  vereor".  Die  Berechtigung  und 
Begründung  seiner  Behauptung,  daß  man  im  Hippolyttexte  die 
Grundlage  der  dorotheanischen  Synopsis  zu  betrachten  habe,  wird 
alsbald  besprochen  werden.  Unter  den  Forschern  der  letzten 
Zeit  Bardenhewer,  Diekamp,  Harnack,  Lipsius.  dachte  keiner  mehr 
ernstlich  an  Hippolyt  von  Rom;  Harnack,  Lipsius,  Lightfoot4 
dagegen  andrerseits  an  Hippolytus  von  Theben,  dessen  dunkle 
Gestalt  durch  Diekamps5  Untersuchungen  inzwischen  in  helleres 


1)  6  .  .  'innöXvTOi  'Pä>/jU]q  neQt  xov  xtjQiy/uaToq  xal  xT/q  re?.siü>oeio.; 
t(bv  anoarö).(uv  öiet-iuiv. 

2)  Fr.  Delitzsch,  De  Habacuci  prophetae  vita  atque  aetate.  Lipsiae 
1842,  77  nennt  fälschlicherweise  als  Zeugen  unseres  Textes  Georgios 
Kedrenos,  Theodoros  Metochita  und  Michael  Glycas,  was  teilweise  für 
die  Chronik  und  einzelne  Redaktionen  derselben  des  Hippolyt  von  Theben 
gut.  Vgl.  Diekamp,  Hippolytos  von  Theben,  Texte  und  Untersuchungen, 
Münster  1898,  XLI. 

3)  Vgl.  Diekamp  p.  LIX. 

4)  Ebenso  Max  Treppner,  Das  Patriarchat  von  Antiochien  von 
seinem  Entstehen  bis  zum  Ephesinum  431,  Würzburg  1891  S.  212. 

5)  Fr.  Diekamp,  a.  a.  0.  p.  LlXf  u.  42 f. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  155 

Licht  gestellt  wurde.  Derselbe  Forscher,  der  zwar  nur  nebenbei 
unsern  Text  in  den  Bereich  seiner  Studien  zog,  konnte  noch  eine 
HS  Cod.  Mosq.  bibl.  synod.  186  (Vladimir  430)  s.  XII  namhaft 
machen,  welche  ihn  ausdrücklich  dem  Thebaner  zuschrieb:  et-rj- 
yt]öig  'IjijcoXvtov  Orjßaiov  Jiegl  rcöv  [lad-ijTcöv  xr)..  Vielleicht 
wäre  noch  eine  zweite  HS  zu  nennen,  Cod.  Escurial.  i2 — IV — 16, 
wenn  wir  die  Notiz  des  Kataloges1  zu  fol.  206:  „Extrait  de  la 
chronique  d'Hippolyte  le  Thebain  sur  les  disciples  du  Seigneur" 
als  wörtliche  Übersetzung  des  griechischen  Titels  nehmen  dürften. 
Trotz  der  sonst  zahlreichen  Bezeugung  dieses  Textes  ist  vorerst 
keine  weitere  HS2,  welche  in  diesem  Falle  zu  Rate  gezogen 
werden  könnte,  ausfindig  zu  machen.  Auf  den  Verfasser  und 
demnach  die  Abfassungszeit  des  Textes  nach  äußern  Kriterien 
zu  schließen,  dafür  sind  nicht  genügend  Anhaltspunkte  vorhanden. 

Innere  Kriterien  zur  Einschätzung  des  Hippolyttextes  stehen 
uns  zwei  zu  Gebote:  dessen  Verhältnis  zur  Chronik  des  Thebaners, 
soweit  aus  den  Fragmenten  der  letzteren  sich  ein  solches  fest- 
stellen läßt,  und  dessen  Beziehung  zu  dem  sog.  Dorotheustexte. 
Erstere  Untersuchung  führte  schon  Diekamp,  der  sich  aus  den 
wenigen  Anhaltspunkten  nicht  entschließen  konnte,  dem  Thebaner 
Hippolyt  in  der  nun  vorliegenden  Fassung  den  Apostel-  und 
Jüngerkatalog  zuzuschreiben.  „An  den  wenigen  Punkten  näm- 
lich, an  denen  die  Verzeichnisse  sich  mit  der  Chronik  Hippolyts 
berühren,  sind  Differenzen  zu  konstatieren",  in  der  Datierung 
der  Bekehrung  und  Taufe  des  Saulus  und  in  den  Umständen  des 
Todes  oder  der  Selbstbestattung  des  Apostels  Johannes.  Diekamps 
Hoffnung  auf  etwaige  Auffindung  eines  Textes,  welcher  mit  den 
Angaben  der  Chronik  mehr  harmonierte,  erfüllte  sich  vorerst  nicht. 

In  der  Bestimmung  des  Verhältnisses  des  Ps.  Hippolyt  zum 
sog.  Dorotheustexte  kann  es  sich  nur  um  zwei  Möglichkeiten 
handeln:  ist  Hippolyt  von  Dorotheus  abhängig  oder  umgekehrt, 
da  eine  dritte  Möglichkeit,  beide  gehen  auf  einen  gemeinsamen 
Text,    ev.  den    sog.  Epiphaniustext,    zurück,    ausgeschlossen    ist. 


1)  E.  Miller,    Catalogue   des  manuscripts  grecs  de  la  bibliotheque 
de  l'Escurial.    Paria  1848,  491. 

2)  G-allandi,  BibliothecaVeterum  Patrum  antiquorumque  scriptorum 

erclesiiistieormn  T XIV   stellt  die  indices  apostolorum  diseipulorumque 

unter  den  Namen  dos  Hippolyt  von  Theben  p.  117,   ohne  sich  auf  HSS 
stützen  zu  können. 


156  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Den  Ausschlag  gibt  das  Jüngerverzeichnis.  Ps.  Epiphanius  hat 
keinen  ausgebildeten  70  Jüngerkatalog,  in  der  Tendenz  des  Ps. 
Dorotheus  lag  es  fernerhin,  unter  den  70  Jüngern  Stachys  als 
Bischof  von  ßyzanz  aufzuführen,  wobei  wohl  auch  die  Vollzahl 
von  70  Jüngern  erreicht  werden  sollte.  Die  Jüngerliste  des 
Hippolyt  schreitet  aber  mit  der  dorotheanischen  gleichmäßig  fort, 
nur  daß  die  letztere  den  Quellennachweis  der  Erwähnung  des 
einzelnen  Jüngers  in  den  paulinischen  Briefen  oder  andern  neu- 
testamentlichen  Schriften  zwischen  den  Namen  des  Jüngers  und 
dessen  Bischofssitz  einreiht,  d.  h.  die  vollere  Form  hat.  Der 
Hippolyttext  hat  dies  offenbar,  weil  überflüssig,  weggelassen,  da- 
gegen bewahrt  er  den  springenden  Punkt  ruhig  bei;  er  nennt 
Stachys  sjiloxojtog  BvCavzlov.  Da  wohl  ein  griechisches  Jünger- 
verzeichnis vor  dem  des  Ps.  Dorotheus  nicht  in  der  Vollzahl 
existierte  und  der  Hippolyttext  mit  jenem  des  Dorotheus  zweifellos 
den  für  letzteren  charakteristischen  Satz:  Stachys  Bischof  von  By- 
zanz,  gemeinsam  hat,  so  ist  in  diesem  Teil  des  Hippolyttextes 
eine  Abhängigkeit  von  Ps.  Dorotheus  sehr  wahrscheinlich. 

Anders  verhält  es  sich  mit  dem  legendarischen  Apostel  Ver- 
zeichnisse. Eine  auffallende  Erscheinung  ist  es  schon,  daß  im 
Hippolyttexte  im  Gegensatz  zu  Ps.  Dorotheus  der  12  Apostel- 
katalog an  erster  Stelle  steht  und  die  70  Jüngerliste  nachfolgt. 
Ferner  deckt  sich  das  Apostelverzeichnis  des  Hippolyt  nicht  ganz 
mit  dem  des  Dorotheus,  und  scheint  hierin  fremden  Einflüssen, 
wohl  syrischen,  hauptsächlich  in  den  letzten  vier  Apostelnamen, 
unterlegen  zu  sein.  Im  übrigen  ließ  sich  nicht  ein  einziges  Mal 
eine  ursprünglichere  Fassung  gegenüber  Ps.  Dorotheus  nach- 
weisen, welche  nötigen  würde,  vielleicht  Ps.  Epiphanius  als  erste 
Quelle  des  Hippolyt  anzunehmen;  sondern  auch  hier  ist  Hippolyt 
von  Dorotheus  abhängig,  wie  ebenfalls  die  kurze  Nachricht  über 
Andreas,  daß  er  den  Skythen  und  Trakern  gepredigt  habe,  be- 
stätigt. Wenn  nach  Diekamps  Datierung  die  Chronik  des  Hip- 
polyt von  Theben  in  die  Zeit  von  650 — 750  zu  verlegen,  ja  eher 
sogar  die  letztere  Hälfte  dieser  Periode  zu  wählen  ist,  so  erreicht 
das  Alter  unseres  Hippolyttextes  noch  nicht  diese  Abfassungszeit, 
da  dessen  Hauptquelle  Ps.  Dorotheus  nicht  vor  dem  Beginn  des 
9.  Jahrh.  anzusetzen  ist.  Also  ist  an  Hippolytus  von  Theben  als 
Verfasser  der  hippolyteischen  Verzeichnisse  nicht  zu  denken. 

2.  Die   handschriftliche  Überlieferuno;  des  Textes  ist  durch- 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  ^57 

weg  nicht  so  feststehend,  wie  bei  dem  Dorotheustexte.  Der  erste 
Herausgeber,  Fr.  Combefis1,  kannte  aus  seiner  HS  „Cod.  Reg. 
1820"  nur  das  dem  Hippolyt  beigelegte  Apostelverzeichnis.  Trotz- 
dem Baronius  zweimal  einige  Zitate  aus  dem  Jüngerkatalog  des 
Hippolyt  anführte2,  glaubte  Combefis,  daß  hier  eine  Verwechs- 
lung mit  dem  dorotheanischen  Texte  vorliege.  Eine  kleine  Diffe- 
renz, welche  darin  bestand,  daß  Narcissus  nach  der  aus  dem 
hippolyteischen  Jüngerverzeichnisse  von  Baronius  mitgeteilten 
Stelle  Bischof  von  Athen  gewesen  sein  soll,  während  er  nach 
jenem  des  Dorotheus  Bischof  von  Paträ  war,  hielt  Combefis 
nicht  für  beachtenswert.  Auf  weitere  HSS  dieses  Textes  machte 
dann  Montfaucon''  aufmerksam.  J.  A.  Fabricius  hatte  die  Aus- 
gabe des  Combefis  zweimal  (17144  und  171 65)  mit  Verwertung 
der  Anmerkungen  des  ersten  Herausgebers  und  des  Stephanus  le 
Moyne  abdrucken  lassen. 

Während  die  bisherigen  Herausgeber  zweifelten,  ob  Hippolyt 
von  Rom  Verfasser  des  Traktates  sei,  hatte  Andr.  Gallandi  ihn 
unter  der  Rubrik  Hippolyt  von  Theben0  untergebracht,  zugleich 
aber  das  Jüngerverzeichnis  aus  cod.  Baroc.  200  beigefügt.  Das 
Alter  setzte  er  c.  935  an.  Diese  Ausgabe"  wurde  dann  bei  Migne 
Patr.  gr.  10,  951—958  wiederholt. 


1)  Historia  haeresis  Monothelitaram  .  .  Diversoram  item  antiqua  ac 
medii  aevi,  tum  historiae  sacrae,  tum  dogmatica,  graeca  Opuscula.  Opera 
ac  studio  Fr.  Combefis,  Paris.  1648  [Biblioth.  PP.  Graecorum.  Combefis 
T.  IT]  p.  831. 

2)  Anal,  ad  ann.  44  num.  38  und  ann.  08  n.  56;   s.  Combefis  p.  834. 

3)  Die  HSS  Coisl.  258  und  296;  Bibliotheca  Bibliothecarum  manu- 
scriptorum  nova.  Ubi  quae  innumeris  pene  manuscriptorum  bibliothecis 
oontinentur,  ad  quodvis  literaturae  genus  spectantia  et  notatu  digna 
describuntur  et  indicantur.  Auetore  Bernardo  de  Montfaucon.  Tomus 
seeundus,  Parisiis  1739,  p.  1061  und  413. 

4)  De  vita  et  morte  Mosis  libri  tres  cum  observat.  Gilb.  Gaulmini. 
Accedunt  I  Pseudo  Dorothei  Tyrii  etc.  apospasmata.  Cum  praef.  Jo.  Alb. 
Fabricii  1714  p.  508. 

5)  In  der  Ausgabe  der  Werke  des  Hippolyt,  Hamburg  1716.  Tom.  I. 
Appendix  p.  30  et  II. 

6)  Bibliotheca  Veteran:  Patram  antiquoramque  scriptorum  ecclesiasti« 
corum  . .  Cura  et  studio  Andreae  Galandii.  Tom.  XIV,  Venotiis  17S1  p.  117  f. 

7)  Nicht  jene  des  Combefis,  wie  Diekamp,  Hippolytos  von  Theben 
S.  LXI  Anin.  2  angibt. 


158  Seherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Wie  Ad.  Harnack1  mitteilt,  hatte  H.  Achelis  bereits  HSS 
der  verschiedenen  Recensionen  —  er  vermischt  Ps.  Hippolyt  und 
Ps.  Dorotheas  —  in  römischen  Bibliotheken  vorgefunden  und 
verglichen;  doch  scheint  er  nichts  hierüber  veröffentlicht  zu  haben. 
A.  Baumstark2  hatte  zu  dem  arabischen  Verzeichnis  der  70 
Jünger  von  Abül-1-Barakät  die  HSS  Vat.  1177  und  1226  ver- 
gleichend beigezogen.  Auch  Fr.  Diekamp3  machte  einige  HSS 
namhaft.  Zu  der  Neuausgabe  hatte  Max  Bonnet  sämtliche 
Pariserhss  verglichen  und  H.  Geizer  zur  Verfügung  gestellt,  von 
welchem  ich  sie  überkam. 

Zweifellos  stellt  die  älteste  HS  (A)  Coisl.  120  (s.  X)  den 
besten  Text  dar,  den  Archetypus  aller  übrigen  Redaktionen, 
trotzdem  diese  wohl  nicht  auf  sie  direkt  zurückgehen,  da  die 
HS  nicht  frei  von  Verderbnissen  und  Lücken  ist.  Ein  späterer 
Korrektor  hat  manchmal  unwesentlich  nachgeholfen.  Mit  dieser 
HS  stimmt  wesentlich  überein  die  zweite  Klasse,  vertreten  in 
Paris.  1085  (B),  Coisl.  258  (b),  während  Coisl.  296  (C)  eine  eigene 
Redaktion  verrät,  ebenso  Vatic.  1506  (D),  welche  am  meisten 
textliche  Veränderungen,  sachliche  Korrekturen  und  sprachliche 
Verbesserungen  mit  sichtlicher  Anlehnung  an  Ps.  Dorotheus  auf- 
weist. Alle  Jüngern  HSS,  welche  unter  das  14.  Jahrhundert  hinab- 
gehen, lassen  sich  in  zwei  Klassen  scheiden,  solche,  welche  sich 
mehr  an  den  Typus  A  halten,  das  ist  die  Gruppe  E,  und  solche, 
welche  den  Text  des  Archetypus  in  Einzelheiten  frei  korrigieren, 
Gruppe  F.  Manche  dieser  Jüngern  HSS  sind  direkt  voneinander 
abhängig,  z.  B.  e6  von  e5;  e2  von  e1.  Fff*f2  zeichnen  sich  dem- 
nach durch  willkürliche  Abänderungen  und  Zusätze  aus.  Zu  be- 
merken ist  noch,  daß  HSS,  welche  im  Apostelkataloge  derselben 
Gruppe  angehören,  im  Jüngerverzeichnisse  einer  andern  Redak- 
tion folgen;  z.  B.  vertritt  die  HS  b  in  letzter  Beziehung  eine  eigene 
Redaktion,  während  e1  öfters  mit  B  geht. 

Demgemäß  wurden  folgende  HSS  zur  Textherstellung  benützt: 

A  =  Coisl.  120  (saec.  X)  fol.  223, 
B  =  Paris.  10S5  (saec.  XI)  fol.  256, 
b   =  Coisl.  258  (saec.  XII)  fol.  207v, 


1)  Altchristi.  Literaturgesch.  I  2,  644. 

2)  Oriens  christianus  II  1902,  313. 

3)  Hippolytos  von  Theben  a.  a.  O.  p.  LX  f. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden. 


159 


C  =  Coisl.  296  (saec.  XIII)  fol.  32, 
D  =  Vat.  1056  (saec.  XIII— XIV)  fol.  78v, 
E  =  Paris.  1555  A  (saec.  XIV)  fol.  186\ 
=  Ath.  Esphigm.  131  (saec.  XVI)  fol.  247v, 
=  Napol.  II  C  34  (saec.  XV)  fol.  72, 
=  Ottob.  408  (saec.  XV)  fol.  77, 
=  Vat.  1226  (saec.  XVI-XVII)  fol.  35, 
e*  =  Vat.  1862  (saec.  XVI— XVII)  fol.  19, 
eö  =  Vat.  1177  (saec.  XVI— XVII)  fol.  468, 
e6  =  Vallic.  126  (saec.  XVI— XVII)  fol.  125, 
F  =  Vallic.  47  (a.  1425)  fol.  59, 
f    =  Laurent,  plut,  56,  13  (saec.  XV)  fol.  12, 
f  i  =  Vat.-Barber.  306  (saec.  XVI)  fol.  150, 
f2  =  Napol.  II  AA  27  (saec.  XVI)  fol.  312, 
c    =  editio  Combefis  1648, 
ff   =  editio  Gallandi  1781. 


Das  Abhängigkeitsverhältnis  der  HSS  ist  folgendes: 


D 


Ifl       Crr, 

Außerdem  überliefern  noch  folgende  HSS  den  Text,  deren 
Kollation  mir  nicht  zur  Verfügung  stand: 

Mosq.  bibl.  synod.  186  (Vladimir  430)  s.  XII:  'E&rpjoig 
Ijtxolvxov  &?]ßaiov  jt£Ql  rcov  [icdhrjTcov  tov  xvqiov,  jtov 
txaözog  avroov  txrjQvt-s  xcu  trelbimfr}].  Vgl.  Fr.  Diekamp, 
Hippolytos  von  Theben,  Texte  und  Untersuchungen,  Münster 
1898,  p.  LX. 

Baroc.  206  (s.  XIII)  membr.  ff  131,  binis  columnis  exarains. 
codex  palimpsestus.  f  121:  'fjtJtoXvrov  jieqI  tcöv  öc6Ö£xa  axo- 
Oxolcov  Jtov  txaoroc  avrcöv  tx/'jor^i  xai  rror  ireXticod-i].    f.  122: 


160  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

rov  avtov  iiegl  tcöv  d  anoörolcov.  Viele:  Catalogi  codicum 
Manuscriptorurn  Bibl.  Bodl.  pars  prima  recensionem  codicum 
Graecorum  continens,  confecit  Henr.  0.  Coxe,  Oxonii  1853,  p.  366. 
Deu  Katalog  der  70  Jünger  hat  daraus  Gallandi  abgedruckt. 

Escurial.  ß— IV— 16  s.  XVI.  (E.  Miller,  Catalogue 
des  Manuscripts  grecs  de  la  Bibliotheque  de  i'Escurial.  Paris 
1848,  491). 

Athous  Iviron.  388  (Lampros  II  4508)  s.  XVI  f.  844. 

Athous  Hag.  Paulu  22  (Lampros  I  149)  s.  XVII  n.  5. 

§46.  Ein  anonymer  griechischer  Text  syrischer  Heimat. 

In  den  HSS  Vat.  gr.  2001  (saec.  XII)  und  Vat.  1506  (saec. 
XIII— XIV),  welche  aus  Basilianerklöstern  in  die  apostolische 
Bibliothek  kamen,  ist  ein  Text  aufbewahrt,  über  dessen  Herkunft 
man  nicht  im  Zweifel  sein  kanu.  Denn  den  Aposteln  ist  jedes- 
mal die  palästinensisch-syrische  Heimat  beigefügt.  Auch  das 
Jüngerverzeichnis  zeichnet  sich  durch  manche  Namen  aus,  welche 
nur  syrischem  Boden  angehören  und  daher  in  den  byzantinischen 
Listen  nicht  vorkommen.  Der  in  letztern  eine  große  Rolle  spie- 
lende Stachys  fehlt  überhaupt.  So  ist  der  Kontrast  ein  in  die 
Augen  fallender,  wenn  wir  die  ältere  der  beiden  von  mir  auf- 
gefundenen und  verglichenen  HSS  zugrunde  legen.  Anders  da- 
gegen steht  es  bei  der  zweiten  HS,  welche  zwar  unmittelbar  aus 
der  ersten  geflossen  ist,  aber  vielerlei  spätere  Neuerungen  auf- 
weist. Manche  der  palästinensischen  Namen  sind  darin  ver- 
schwunden, wie  Lucius  Cyren.,  Jason,  Nikolaos,  Simon  Cleophae, 
Simon  Cyrene,  auch  eine  nachfolgende  Reihe  desselben  Charakters, 
und  mit  römischen  (italischen)  Namen  ersetzt  worden,  welche 
meistens  aber  auch  den  byzantinischen  Listen  gemein  sind.  Des- 
halb ist  die  2.  HS  eine  italienische  Redaktion  der  ersten,  welch 
letztere  mit  den  erhaltenen  ost-  und  westsyrischen  übereinstimmt. 
Dieser  griechische  Zeuge  ist  überhaupt  der  Vertreter  der  ältesten 
Jüngerlisten  mit  legendarischen  Notizen,  wie  er  sich  zuerst  in 
Syrien  bildete,  bevor  ein  byzantinischer  Typus  geschaffen  ward. 
Die  Nachrichten  zu  den  einzelnen  Aposteln  erstrecken  sich  meist 
nur  auf  Mitteilung  der  Art  des  Martyriums,  worin  der  folgende 
Text  in  der  Chronik  des  Ps.  Symeon  Logotheta  ihm  gleicht 
oder  sogar  von  ihm  abhängig  ist. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  \Ql 

§  47.  Der  Text  in  der  Chronik  des  Pseudo-Symeon 
Logotheta. 
Schon  Ducarjge  hat  diesen  Text  gekannt,  und  zwar  wohl 
nur  in  der  einzigen  bis  jetzt  die  Chronik  des  Ps.  Symeon  Logo- 
theta ganz  überliefernden  HS  Paris.  17121.  Nach  den  Unter- 
suchungen von  Ferd.  Hirsch2  soll  ihre  Abfassungszeit  in  die 
zweite  Hälfte  des  10.  Jahrhunderts  zu  verlegen  sein. 

In  welchem  Verhältnis  steht  dieser  Text  zu  den  vorher- 
genannten?  Eine  gewisse  Ähnlichkeit  zwischen  dem  anonymen 
syrisch-griechischen  Apostelverzeichnis  tritt  schon  darin  zutage, 
daß  beide  Texte  nur  von  der  Art  und  Weise  des  Martyriums 
der  einzelnen  Apostel  berichten,  nicht  auch  von  deren  Missions- 
tätigkeit, und  zwar  in  einer  Form,  daß  manchmal  ihre  gegen- 
seitige Abhängigkeit  außer  Zweifel  steht.  Ich  wähle  solche 
Beispiele,  in  welchen  die  legendarischen  Zusätze  meist  von  den 
bisher  besprochenen  Texten  abweichen. 

Sym.  Log.:  'lovöag  6..  adel-  Anonym.    Syrus:      lovdaq    o 

(foc  .  .  'laxcbßov  .  .  sv  'Psßtxrrj  äöeZcpog  'faxcoßov  hv  Ptßhx  ry 

t>]  JtoXsi  Jtaga  x(bv  ßlznuvtov  ßksfiftoiq)   ävccQTij&elq  xcä   ro- 

ävaQTTj&e'ig   xcä   TOgevfrac  te-  £ft;#ac  rsXeiovrai. 
Xuovxai. 

'iaxcoßog  6  . .  ftsoZoyog  £/<jP£«         laxcoßog  o  aözltpoq  avxov  . . 
r.To  'HqcqÖov  ävijQtd-tj.  vxb  ^HqcoÖov  rsXsiovzai  $L<pu. 

Diesen  und  ähnlichen  noch  weiter  aufzuzählenden  Parallelen 
gegenüber  sind  aber  auch  solche  entgegenzustellen,  durch  welche 


1)  Verglichen  von  A.  Schöne  und  H.  Geizer,  fol.  64  beginnend.  Geizer, 
Sextus  Jul.  Africanus  und  die  byzant.  Chronogr.  II  357 — 384. 

2)  Byzantinische  Studien,  Leipzig  1876,  303  ff,  der  HSS,  welche  die 
erhte  Chronik  des  Sym.  Logotheta  überliefern,  aufzählt.  Die  Chronik  in 
Paris.  1712  hat  mit  Symeon  Logotheta  nichts  zu  tun  und  muß  daher  als 
Pseudo-Symeon  bezeichnet  werden;  s.  K.  Krumbacher,  Gesch.  d.  byzant. 
Literatur.  2.  Auf.  München  181)7,  359  f.  In  der  Ausgabe  des  letzten  Teiles, 
von  Leo  dem  Armenier  bis  Nikephorus  Phokas  reichend,  aus  Paris.  1712 
durch  Combefis  (1685)  veranstaltet,  welche  von  J.  Bekker  (Bonn  1838)  und  von 
Migne,  Patr.  gr.  L09,  663  822  wiederholt  wurde,  ist  unser  Traktat  nicht  inbe- 
griffen. Vgl.  über  die  Chronik  M.  D.  Serruys,  Autour  d'un  fragment  de 
Philippe  de  Side  in  Melanges  d'  archeol.  et  d'histoire  XXVI  1906,  345  ff. 

TVxte  u.  Untersuchungen  etc.  31,  :t  11 


162 


Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


beide  Texte  abweichen:  schon  die  Reihe  der  Apostelnamen,  welche 
der  Logothettext,  wenn  auch  in  anderer  Ordnung,  mit  dem  sog. 
Hippolyttexte  gemein  hat.  Der  anonyme  Syrer  dagegen  hat 
Paulus  die  zweite  Stelle  eingeräumt.  Jedenfalls  ist  der  Logothet- 
text eine  Mischung  aus  einem  byzantinischen  und  dem  griechisch- 
syrischen Texte. 

Das  gleiche  Verhältnis  mag  in  der  70  Jüngerliste  zutreffen. 
Die  enge  Berührung  zwischen  dem  anonymen  Syrer  und  unserm 
Texte  wird  durch  die  Gegenüberstellung  folgender  beiderseitiger 
Schlußreflexion  dargetan: 

Ps.  Logothet:  xal  zcöv  (/ev  o  Anonym.  Syrus:  zovzmv  zöjr 

djtoozoXmv    za    ovoftara  ev-  jtgoyeyga/ifievojv ..  fiafrr/zcöv  zu 

zav&a   ovzotq   aveygdcprjoav,  ovzcoq   hotXv    axgißcöq    eldevat 

ev   de  zolq  fteloiq    evayye-  exdozov    zr/v  jigoocovvfiiav. 

Xioiq    elq    ziva    fiev    dvz'i-  zovzo  fiep  ex  zcöv  ayicov  yga- 

ygacpa     Jiegiexei,     coq     o ß'     cpcöv,  zovzo ,  zcöv  de  Xoi- 

vjiriQxov,  elq  ezega  o ',  oi  xal  tccöv  xaza  za  ovofiaza  evgofiev 

tiycoviöavzo  yevvaimq    ev  zolq  ev  avziygdcpm   Zivi  .  .    Oi  .  . 

ipevdajioözoXoiq     xal     Xoutolq  ajioozazi)oavzeq   özi   avzbq  .  . 

dvzi&ezoiq  zov  og&ov  zrjq  aX?j-  aigeöiagx?]q  ex  zcöv  oß'  f/a{r?/- 

d-eiaq  doyfiazoq  xal  xrjgvy/iazoq.     zcöv  vndgxcov 

Aia  zovzo  xal  o  (laxagioq  Ilav-  Ev  zolq   ayiotq  de  evay 


Xoq  zovq  o'  zovq  Xgiozov  fia- 
&)jzaq  Ovvegyovq  xa.Xel. 


yeXioiq,  elq  ziva  tuev  avzl- 
ygarpa  jiegiexei  o'ß' .  elq  de 
ezega  o'  fiovov  xal  jrdXiV 
ovzol  yevvaicoq  zolq  ipevdano- 
ozoXoiq  avz?]yo)vlCovzo ,  öta 
zovzo  o  tuaxagio~  IlavXoq  öw- 
egyovq avzovq  ev  Xgiozcö 
xaXel. 

Teilweise  wörtliche  Übereinstimmung  ist  außer  Zweifel.  Da  an 
dem  originalsyrischen  Aufbau  des  anonymen  Griechen  im  ganzen 
Jüngerverzeichnis  mit  all  den  Einzelabteilungen,  welche  den 
syrischen  Verzeichnissen  eigen  sind,  nicht  zu  rütteln  ist,  so  muß 
die  Abhängigkeit  auf  seite  des  sog.  Logothettextes  liegen,  wie 
auch  der  Einzelvergleich  mancher  Jüngernamen,  wie  Iguatius 
Antiochenus,  Simon  Cyrenäus,  Nathanael,  dartut.  Daneben  tritt 
aber  wieder  eine  andere  Quelle  auf,  welche  unzweideutig  byzan- 


4.  Überlief erungsgeschichte  der  Apostellegenden.  Jß3 

tinisch-dorotheanischer  Färbung  ist.  Da  der  Syrer  lokal  beschränkt 
blieb,  gewann  die  Dorotheusfälschung  mehr  und  mehr  die  Ober- 
hand. Dies  tritt  auch  hier  zutage.  Denn  im  Jüngerverzeichnis 
des  Logothet  ist  Stachys  (23)  eingereiht  mit  der  Nachricht,  daß 
ihn  Andreas  bei  seiner  Pontusreise  zum  Bischof  von  Byzanz  in 
Argyropolis  gemacht  habe.  Somit  stellt  Pseudo-Logothet  eine 
Mischrecension  zwischen  syrischen  und  byzantinischen  Typen  dar. 
In  dem  Apostelverzeichnis  herrscht  der  letztere  vor,  in  dem 
Jüngerkataloge  der  erstere.  Jedenfalls  ist  der  Text  des  Pseudo- 
Logotheten  zeitlich  erst  nach  beiden  entstanden. 

§  48.     Der    Text    in    den    griechischen    Menologien    und 

Synaxarien. 
Die  älteste  Form  des  Apostelverzeichnisses,  wie  es  am  30.  Juni1 
in  den  Menologien  und  Synaxarien  aufbewahrt  wird,  ist  uns  in 
dem  sog.  Menologium2  des  Kaisers  Basilius  IL  (976 — 1025)  er- 
halten, dessen  erste  Konzeption  aber  jedenfalls  früher  anzusetzen 
ist.  Die  entwickeiste  Form  tritt  uns  in  dem  Synaxarium  Con- 
stantinopolitanum  entgegen,  welches  nun  Hippolyt  Delehayes 
mit  Zugrundelegung  des  Codex  Sirmondianus.  nunc  Berolinensis 
219  (saec.  XV)  herausgab.  Der  ursprüngliche  Umfang  betraf  die 
12  Apostel  und  12  Jünger,  deren  Legenden  mit  den  griechisch-syri- 
schen Verzeichnissen  verwandt  sind.  Erst  in  späterer  Zeit  wurde 
die  Zwölfzahl  der  Jünger  durch  den  Jüngerkatalog  des  Dorotheus 
ergänzt,  so  daß  zwei  ursprünglich  geschiedene  Teile  zu  einem 
Mischtext  verwoben  wurden,  welcher  nun  im  Synaxarium  Con- 
stantinopolitanum  vorliegt.  Mit  dieser  Aufnahme  ging  dann 
die  Neuredaktion  des  ursprünglichen  syrischen  Apostelkataloges 
Hand  in  Hand.  Zwar  hat  das  Menologium  Basilii  auch  sonst 
schon   dorotheanischen  Einfluß   aufgenommen,    allein    schon    der 


1)  In  alten  Kaiendarien  (Vat.  syr.  37)  auch  am  20.  Dezember  gefeiert. 
N.  Nilles,  Kalendarium  manuale  utriusque  ecclesiae  oruentalia  et  occi- 
dentalis  tom.  I.    ed.  alt.    Oeniponte  1896,   L96. 

2)  Zuerst  herausgegeben  von  Card.  Albani  1727,  abgedruckt  nach 
der  Einteilung  der  drei  Bände  der  ersten  A.usgabe  bei  Migne  Patr.  gr.  117, 
s.  Heinr.  Kellner,  Heortologie  oder  die  gesch.  Entwicklung  des  Kirchen- 
jahre und  der  Heüigenfeste.   2.  Aufl.   Freiburg  1906,  274  f£ 

3)  Synaxarium  Ecclesiae  Constantinopolitanae  e  codice  Sirmondiano 
nunc  Berolinensi  [Propylaeum  ad  A.cta  SS.  Novembris]  Bruzellea  L902. 

11* 


Iß4  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Satz  in  der  vita  des  Andreas:  vjtoöTQtipaq  öia  rov  Ilovrov  xal 
Bv£,avTiöoc  läßt  an  solchem  Einfluß  keinen  Zweifel  aufkommen. 

Während  in  den  Menaen1  die  (ivrjfir]  xal  Ovvac,iq  rcöv  tßdo- 
[trjxovTct  ajcooxolmv  am  3.  bezw.  am  4.  Januar  angesetzt  wird, 
haben  frühere  Redaktoren  bereits  die  Jünger  den  Fasti  des  Me- 
nologiums  Basilii  imp.  eingereiht,  woraus  sie  dann  in  die  ent- 
wickelten späteren  Menologien  und  Synaxarien  übergingen;  so 
werden  am  8.  April  Herodion,  Agabus  und  Ruphus  gefeiert;  am 
4.  November  Patrobas,  Hermas,  Linus,  Gaius,  Philologus;  am 
10.  November  Olympas,  Rhodion,  Sosipatros,  Tertius,  Erastus, 
Quartus,  am  8.  Dezember  Sosthenes,  Apollo,  Kephas,  Tychicus, 
Epaphroditus,  Cäsar,  am  22.  Januar  Markus,  Jesus,  Artemas.  All 
diese  Notizen  bieten  keinen  selbständigen  Text,  ja  der  Verfasser 
des  Menologiums,  welcher  aus  Dorotheus  schöpfte,  hatte  mit 
großer  Flüchtigkeit  gearbeitet  oder  eine  fehlerhafte  HS  zur  Ver- 
fügung. Denn  am  8.  Dezember  ist  Katöag  ejiioxoxog  Kogojvrjg 
genannt,  während  nach  Dorotheus  Cäsar  Bischof  von  Dyrrhachium 
ist  und  der  erst  nach  vier  weiteren  Namen  genannte  Onesiphorus 
als  Bischof  von  Coronia  bezeichnet  wird. 

Von  den  Menologien  und  Synaxarien  gingen  diese  Namen 
in  die  griechischen  Kaiendarien  über,  auch  das  römische  Mar- 
tyrologium  nimmt  daran  teil.  Ja  zum  31.  Oktober2,  wo  das  grie- 
chische Kalendarium  verzeichnet:  rcöv  aylcov  ajioorolcov,  kx 
rcöv  tßdofirjxovta  Sxayyoq,  'Axellov  und  anderer,  hatte  das 
römische  Martyrologium  die  Geschichte  der  Gründung  des  Bis- 
tums Byzanz  durch  Andreas  und  die  Einsetzung  des  Stachys 
als  ersten  Bischof  aufgenommen,  also  die  Fälschung  des  Doro- 
theus, welche  zum  Kampfe  gegen  Roms  Primat  gemacht  war. 

Aug.  Thenn3  glaubte  ein  ineditum  aus  zwei  Münchner  HSS 
Monac.  gr.  255  und  551  herauszugeben,  indem  er  einen  Apostel- 
katalog mit  den  sich  anschließenden  12  Jüngern  zum  Abdruck 
bringen  ließ.  In  der  Tat  war  dies  der  bereits  bekannte  Text  der 
Synaxarien,  worauf  ihn  die  Umgebung  und  das  Lemma  3b] vi  'lovvico 
X  hätten  führen  sollen.  Zwei  weitere  HSS  Paris,  gr.  15S7  und  15SS 
(saec.  XII)  verglich  auch  Geizer,  eine  davon  benützte  Delehaye  bei 

1)  Delehaye,  Synaxarium  Eccl.  CPolit.  p.  XXXVIII. 

2)  Nilles,  Kalendarium  inanuale  a.  a.  0.  tom.  I  S.  311  f. 

3)  Vitae  oninium  XIII  Apostolorum ,  item  XIII  patr.  apostolic.  in 
Zeitschrift  für  Wissenschaft!.  Theologie  XXIX.    Leipzig  1886,  442—455. 


4.  Überlieferungsgeschickte  der  Apostellegenden.  K35 

Ausgabe  unseres  Abschnittes  im  Synaxarium  Constantinopolitanum. 
Eine  weitere  HS  Paris.  1575  saec.  XII  hat  den  Text  abgekürzt1. 

§  49.  Anhang.  Über  Judas  Iscarioth. 
In  den  Synaxarien  ist  meist  ein  Exzerpt  über  das  Ende 
Judas  des  Verräters  dem  fragmentarischen  Jüngerkataloge  ange- 
hängt, das  sich  auch  als  Auszug  aus  einer  Schrift  eines  Apolli- 
narius  in  Katenen  zur  Apostelgeschichte  findet,  der  es  wiederum 
seinerseits  aus  dem  vierten  Buche  des  Papias  von  Hierapolis  der 
8sT]yrjosig  xätv  xvQiaxcov  Xoycov  entnahm.  Sowohl  Fr.  X.  Funk 
(1901),  wie  Osk.  v.  Gebhardt,  Ad.  Harnack  und  Th.  Zahn  (187S) 
haben  diesen  Auszug  in  ihre  Ausgabe  der  apostolischen  Väter 
nach  der  Textgestalt  von  Hilgenfeld  in  Zeitschrift  für  wissensch. 
Theologie  1875,  262—265,  aufgenommen. 

§50.  Mischtexte  zwischen  Ps.  Dorotheus,  Ps.  Epiphanius 
und  Ps.  Hippolytus. 
1.  Ein  Mischtext,  aus  Dorotheus  und  Hippolyt  zusammen- 
gewürfelt, ist  handschriftlich  in  Cod.  Petropol.  gr.  254  (anni  1111) 
fol.  147v  (=  A)  überliefert,  woraus  ihn  P.  A.  de  Lagard e2  zuerst 
mitteilte,  ferner  in  Cod.  Ottob.  333  (saec.  XVI— XVII)  f.  176V(=B) 
und  in  einer  dritten  HS  Cod.  Athous  Dionys.  186  (LamprosI  3720) 
saec.  XIV,  deren  Abschrift  ich  nicht  besitze.  Während  die  zweite 
HS  (B)  keine  Überschrift  hat,  weisen  die  erste  A  und  die  dritte 
den  Text  dem  Hippolytus  emöxojcog  (Pwtu?]q  und  Dorotheus 
tjilöxojtoq  Tvqov  xal  ceQOfiaQzvq  zu.  Auch  der  Text  selbst  läßt 
diese  Mischung  erkennen,  dennoch  enthält  er  einige  Züge,  die 
sich  in  keiner  von  beiden  Quellen  finden  und  daher  eine  Weiter- 
bildung bedeuten.   Zur  Probe  mögen  folgende  Biographien  gelten: 


1.  Ps.  Dorotheus:  2.  Ps.  Hippolyt:      !  3.  Mischtext a.  beiden 

IJtTQog  [tev  6  aJTo-  UtrQoq pitvlv Ilovrio  JJerQOq'  ovtog  tx/j- 
xal  raXarla  xal  \gvt-ev  ir  raXiXaia 
KajiJtoöoxiaxal  Bi-\xal  Iv  xoiq  ftso<>- 
d-vvia    xal    '/raXialyeioiq  üovxov  xal 


OToXoq  lv  FaXXia 
xal  lv  xolq  fitOo- 
yeioiq  üovzov  xal 


1)  Über   abgekürzte  Menologien    mit   ßlot   iv   ffvvvöfsup    siehe   Eipp. 

Delekaye,  Les  Menologes  Grecs  in  Änalecta  Bollandiana  X VI  l^'.iT.  325. 

2)  Nochmals  herausgegeben  bei  F.  \.  Funk.   Didascalia   ei  Constit. 
Apostol.  Vol.  I.    Paderborn  1906,  p.  XXX  -. 


166 


Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


öoxlav  xal  Bi&vviav 
xt]Qv£,aq  xb  tvayyt- 
Xiov  fitxa  xb  kxava- 
Csvgai  avxbv  auto 
'Avxioytiuq,  vOxeqov 
öe  xal  kv  r(]  lxaXia 
jtaöi]  xal  Pcofiy, 
tv&a  xal  vjio  Ni- 
qco  v  o  q  ör  avgco- 
&slc  kvavxyxf]  Pcofiij 
frdjtxtxai  jiqo  xqlcov 
KaXavömv  'IovXioov. 
Avögiaq  6  aötX- 
<pbq  avrov  Jiäöav 
xr\v  jtaoaXlav  xrjq 
Bi&vvlaq  rs  xal 
IIÖvtov,  Goaxrjq 
rs  xal  Sxvfraq 
öi?jX&£V  svayys/uCo- 
fttvoq  xbv  xvgiov. 
MtxtJtELxa  öhsjto- 
qev&i]  kv^Eßaoxo- 
jioXei  xfj  fisyaXy, 
6jiov7]  JtaQEfißoXr/ 
"Atpaoog  xal  6  <Pa- 
öiq  jcoxafioq,  sv&a 
ol  egcoteqoi  Ai- 
ß-icojtsq  xaxoixov- 
öiv.  Ex  acp  i]  ev 
TJax q  aiq  rrj g 

A%aiaq  oxavoco- 
&tlq  vjtb  Aiysa- 
xov. 


xal  Aöla  xtjQv^aq 
xb  tvayyiXiov,  voxs- 
qov  vjio  Ntomvoq 
kv  lPwfir]  öxavgovxai 
xaxa  xt(paXr\q,  ovxa/q 
avxov  a§ia>Gavxoq 
jiad-Elv. 


ra  Xaxlaq  xal 
Aoiaq  xal  Bifrv- 
vlaq  xal  cPo)tU7jq, 
tvd-a  xal  koxav- 
oaifrr]  vjtb  Ayo'uiJta 

JTQECpe'xXOV,    kv   %QO- 

voic  Ntgavoq,  ßa- 
öiXiwq  Pa>fialcov. 


AvÖQtaq  JZxvfraiq, 
ßgaxaiq  xt]QV§aq 
köxavgmß-t/  kv  Ila- 
xgaiq  xr\q  Ayalaq  km 
kXalaq  oo&ioq  xal 
&ajtx£xai  kxü. 


Avögiaq  o  aötX- 
(pbq  IIetqov'  ov- 
xoq  kxrjQv^,£  jtao?j 
xfj  naoaXic?  Bi- 
ftvviaq  xt  xal 
llbvxov,  Ogaxrjq 
xal  2xv&iag,  fitx- 
tjttixa  öh  kjto- 
QEV&t)  kv  ^£ßa- 
öxoxoXel  xfj  fit- 
yct-Xi],  ojc.ov  jcag- 
EfißaXXEi  <FaQoq 
xal    <Päoiq    jroxa- 

flOQ,     OV     kocOXEQOt 

olAlfrlojiEq  olxov- 
oiv  Ejcstxa  kvlla- 
xgaiq  xrjq  Ayaiaq 
xal  köxavQw&rj 
vjio  Alysdxov  dv- 
{rvjtdxov xal  kxt&i] 
kv üaxQaiq  xJjq  EX- 
Xaöoq,  [iExtxt&7]  Öe 
kv  Ecovöxavxivowro- 
Xti  fisxd  Aovxa  xov 
tvayytXioxov  xal  Ti- 
uo&tov. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  167 

Aus  diesen  zwei  Beispielen  geht  hervor,  daß  der  Mischtext 
mehr  aus  Ps.  Dorotheus  ergänzt  wurde  als  aus  Ps.  Hippolyt;  jeden- 
falls wurde  gerade  dasjenige,  was  Ps.  Hippolyt  an  Legendarischem 
über  Ps.  Dorotheus  bietet,  z.  B.  die  Würdigung  der  Todesart  des 
Petrus,  die  Art  und  Weise  der  Kreuzigung  bei  Andreas  nicht 
berücksichtigt.  Auf  Abhängigkeit  des  Mischtextes  von  dem  Martyr. 
Petri  c.  4  u.  12  (ed.  Lipsius  I  1S91,  p.  84  u.  100)  macht  uns  die 
Datierung  des  To/les  des  Petrus  unter  dem  „Präfekten'1  Agrippa 
aufmerksam;  ebenso  die  nähere  Präzisierung  des  Nero  „als 
Königs  von  Rom".  Die  Abfassung  des  Mischtextes  war  wohl  für 
Palästina  berechnet.  Hierauf  weisen  uns  noch  verschiedene  andere 
Merkmale  hin.  Paulus  steht  entsprechend  den  hierosolymitani- 
schen  Diptychen  an  zweiter  Stelle  nach  Petrus;  es  wird  zunächst 
erwähnt,  daß  er  von  Jerusalem  ausging;  sein  Martyrium  erfolgte 
mit  Petrus  Iv  rf]  eiQtjfitvy]  xöXei  Pmfty,  eine  Aussage,  die  wenig 
Kenntnis  von  Rom  oder  die  weite  Entfernung  von  dem  Lande 
des  Schreibers  vermuten  läßt.  Dann  folgt  Jakobus  Zebedäi  als 
Apostel  der  12  Stämme  Israels  in  der  Diaspora;  Joannes  lebt 
noch  mit  Henoch  und  Elias  im  Fleische.  Als  Apostel  ist  auf- 
genommen der  Herrenbruder  Jakobus,  der  erste  Bischof  von 
Jerusalem  und  am  Schlüsse  ist  Philippus  mit  seinen  weissagenden 
Töchtern  beigefügt.  Dieser  Text  hat  aber  mit  dem  Anonymus 
Syrus  fast  nichts  gemeinsam;  er  ist  vielmehr  eine  Einführung 
und  Zurechtmachung  des  Ps.  Dorotheus  für  Palästina. 

2.  Ein  zweiter  Mischtext,  hervorgegangen  aus  diesem  ersten 
und  Ps.  Epiphanius,  findet  sich  in  den  HSS  Vindob.  hist.  gr.  73 
(ol.  46)  (saec.  XI— XII)  und  64  (ol.  47)  (saec.  XVI),  welche  beide 
Lagarde1  mitteilte.  An  der  Abstammung  aus  dem  ersten  Mischtext 
ist  nicht  zu  zweifeln.  Wiederum  findet  sich  die  Datierung  unter  dem 
Präfekten  Agrippa,  ferner  die  Überführung  des  Apostels  Andreas 
nach  CPel  unter  Konstantin.  Dagegen  erhielt  Paulus  wohl  durch 
Vergleich  mit  Ps.  Epiphanius  eine  andere  Stelle,  indem  er  am 
Schlüsse  beigefügt  ist,  ebenso  Jakobus  der  Herrnbruder.  Die 
Abhängigkeit  zu  dem  Epiphaniustexte  tritt  darin  hervor,  daß  An- 
dreas zu  den  Skythen  und  Sogdiane rn  geht,  und  die  Apostelliste 


1)  Constitutiones  Apostolorurn  Lipsiae  18(32,  281  als  Seholimu  zu  apost. 
conetitut.  VITI4.    Vide  Jo.  Alb.  Fabricraa,    Codicie  apoor.  N.T.  pars  111, 
irgi  1719,  593. 


168  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

nach  der  harmonisierenden  Gruppe  der  HSS  des  Epiphaniustextes 
(CDEFF1)  redigiert  ist,  wobei  Matthäus  allerdings  wegfiel. 

§  51.    Kleinere  griechische  Texte  in  Reim  und  Prosa. 

1.  Ein  ganz  fabelhaftes1  Machwerk  stellt  ein  Text  dar,  wel- 
cher von  der  Abstammung  der  Apostel,  deren  Verwandtschafts- 
verhältnis und  Eltern  erzählt.  Die  handschriftliche  Bezeugung 
reicht  bis  in  das  11.  Jahrh.  zurück.  Aus  einem  „Reg.  1026" 
hatte  bereits  Cotelier  den  Text  herausgegeben2.  Mit  einigen 
Varianten  des  Cod.  Baroc.  206  veröffentlichte  ihn  wiederum 
Fabricius3,  auch  der  Ausgabe  des  Chronicon  Paschale4  ist  er 
beigegeben,  von  wo  er  nochmals  in  die  Sammlung  von  Migne 
P.  gr.  91,  1076  überging.  Der  Titel  des  Textes  wechselt;  ra 
ovofiaza  xcav  iß'  axoöToloiv  xcu  r<x>v  yavvrjOavrcov  avxovz 
dürfte  der  meist  bezeugte  sein. 

Zur  Textesherstellung  standen   mir  folgende  HSS  zugebote: 

A  =  Paris.  1085  (anni  1001)  fol.  272; 
B  =  Paris.  1115  (anni  1276)  fol.  235; 
C  =  Coisl.  296  (saec.  XII)  fol.  31v; 
D  =  Baroc.  206  (saec.  XIII)  fol.  130v; 
E  =  Ottob.  268  (saec.  XVI)  fol.  42. 

Folgende  HSS  sind  noch  nicht  verglichen:  Iviron.  329  fol.  113 
(Lampros  II  4449);  Panteleem.  829  fol.  2v  (Lampros  II  6336  ; 
Bodl.  Canonic.  19  (saec.  XV— XVI)  fol.  127. 

2.  Ein  Gedicht  auf  die  12  Apostel  in  der  Sammlung  des  Johannes 
Euchaites  Mauropus  (saec.  XI),  welche  J.  B.  Pitra  aber  Michael 
Psellus    zuschrieb.      Matthäus    Bust  16105    edieite   dasselbe    aus 


1)  R.  A.  Lipsius,  Die  apokr.  Apostelgescb.  und  Apostelleg.  I,  Braun- 
scbweig  1883,  206. 

2)  SS.  Patrum  qui  temporibus  Apostolicis  florueruut,  Barnabae,  Cle- 
mentis  etc.  opera  J.  B.  Cotelerius.  Accesserunt  in  bac  nova  editione  notae 
integrae  aliorurn  virorum  doctorum  . .  recensuit  Joa.  Clericus.  Vol.  II  p.  272 ; 
abgedruckt  bei  Migne  I  755. 

3)  Codicis  Apocrypbi  Novi  Testament!  pars  III,  nunc  primum  edita 
curante  Jo.  Alb.  Fabricio,  590  ff. 

4)  Corpus  script.  Historiae  Byzantinae.  Cnronicon  pascbale  ad  exem- 
plar  Vatican.  recensuit  Ludov.  Dindorfius.  Vol.  IL  Bonnae  1S32,  p.  142. 

5)  Abgedruckt  bei  Migne  Patr.  gr.  120,  1196  A — B;  getrennt  bei  Jo. 


4.  Cberlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  169 

einer  HS  der  Gedichte  des  Johannes  Euchaites.  Von  den  mir 
zugebote  stehenden  HSS  nennt  keine  einen  Verfasser:  Ottob.  167 
fol.  147v,  Paris.  1310  fol.34v,  Escurial  y— III— 9  fol.6,  Baroc.  197 
fol.  581.  In  die  Apostelliste  sind  die  Evangelisten  aufgenommen. 
3.  Unter  dem  Namen  des  Johannes  Chrysostomus  ist  eine 
Homilie  sie,  rovq  ayiovq  djtoöToXovg1  erhalten,  welche  zuerst 
Gerbard  Voß  herausgab;  es  werden  in  ihr  die  Apostel  mit  An- 
gabe ihrer  lokalen  Wirksamkeit  aufgezählt,  welche  aber  mit  Ps. 
Dorotheus  nichts  gemein  haben.  H.  Geizer  verglich  diesen  Teil 
der  Homilie  in  Paris,  gr.  1453  saec.  X. 

§  52.    Lateinische  verwandte  Texte. 

Wenn  wir  von  der  gallisch-fränkischen  Passionensammlimg 
der  Apostel,  welche  unter  dem  Namen  eines  Crato  oder  Abdias 
ausgegeben  wurde,  absehen  —  sie  wird  hier  nicht  weiter  berück- 
sichtigt — ,  so  kommen  für  uns  noch  lateinische  Texte  in  Betracht, 
welche  Apostellegenden  in  einer  Reihe  als  geschlossenes 
Ganzes  bieten. 

1.  In  HSS  der  passiones  apostolorum2  ist  gar  oft  der  passio 
des  einzelnen  Apostels  eine  kurze  biographische  Notiz  voran- 
geschickt, welche  gesammelt  auch  eigens  überliefert  werden3 
und  unter  dem  Titel:  Breviarium  apostolorum  ex  nomine  vel 
locis,  ubi  praedieaverunt,  orti  vel  obiti  sunt,  auch  in  einzelnen 
HSS  an  der  Spitze  des  Martyrologiums  Hieronymiannms  stehen. 
Dieser  Text  existiert  in  kürzerer  und  längerer  Rezension.  Erstere 
ist  vertreten  in  Paris,  lat.  2316  und  scheint  die  ursprünglichere 

Alb.  Fabricius,  Codieis  apoeryphi  Nov.  Test,  pars  EX  Hamburgi  1710,  593. 
J.  B.  Pitra,  Spicilegium  Solesmense  complectens  SS.  Patruin  scriptorumque 
ecclesiasticorum  aneedota  hactenus  opera  torn.  IV,  Parisiis  18öS,  S.  496 
aus  Paris.  17S2,  fol.  77.  In  der  Ausgabe  von  P.  de  Lagarde,  Johannis 
Paichaitensis  Metrop.  quae  in  cod.  Vatic.  gr.  676  supersunt.  Gottingae 
1SX2  iE  voluin.  comment.  a  soeiet.  reg.  Gotting.  editor.  duodetriges.  repe- 
tita)  ist  unser  Gedicht  nicht  enthalten. 

1)  Migne  Patr.  gr.  59,  495. 

2)  L.  Duchesne,  Les  anciens  recueils  de  legendes  apostoliques  in 
Corapte  rendu  du  troisieme  Congrea  scientifique  internationale  des  Catho- 
liques  1894,  Bruxelles  1895,  V.  section,  sciences  historiqnes  pag.  75  f. 

3)  R.  A.  Lipsius,  Die  Apostelgesch.  und  Apostellegenden  a.a.O.  I 
212  f  und  Ergänzungsheft  S.  17.  Vgl.  Bibl,  hag.  Lat.  odd.  Boüandiani  [ 
L899,  105. 


170  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zu  sein.  Mit  dem  Text  dieser  HS  ist  jener  von  Cod.  Paris. 
S.  Genovefae  H.  1.  10  eng  verwandt,  sie  wurde  von  einer  Hand 
des  15.  Jahrh.  nach  Paris.  2316  korrigiert.  Die  längere  Re- 
cension  findet  sich  in  Cod.  Sangall.  110  saec.  IX,  welcher  aber  nur 
unvollständig  den  Text  überliefert,  da  er  in  der  Vita  des  Simon 
Zelotes  abbricht;  ferner  in  Monac.  lat.  6382  (saec.  IX)  fol.  41, 
Paris  lat.  12604  (saec.  XII)  fol.  88  v;  Paris  2543  saec.  XIII  fol.  91 T. 
Ediert  wurde  der  Text  schon  von  Lucas  d'Achery l  nach  dem 
Martyrologiurn  Gellonense  (c.  804),  von  Martene  und  Durand2  nach 
einer  „sehr  alten  HS  S.  Germani  Autissiodorensis",  von  Gerbert3 
nach  einem  cod.  Rhenaugiens.  saec.  VIII. 

2.  Das  Martyrologiurn  Hieronymianum  hat  am  Eingang 
ein  weiteres  Apostelverzeichnis,  welches  die  Herausgeber  zum 
ältesten  Bestand  des  Martyrologiums  rechnen.  Vielleicht  hatte 
der  Verfasser  selbst  aus  den  Kalendertagen  die  einzelnen  Merk- 
würdigkeiten der  Apostel  zusammengetragen  und  unter  dem  Titel 
notitia  de  locis  s.  apostolorum  an  die  Spitze  gestellt.  Die  HSS 
weichen  aber  in  der  Anordnung  stark  voneinander  ab,  so  daß 
R.  A.  Lipsius  die  Erstlingsform  zu  rekonstruieren  suchte4.  Du- 
chesne  und  de  Rossi5  legten  bei  ihrer  Neuausgabe  Cod.  Epter- 
nac,  jetzt  Paris,  lat.  10837  saec.  VIII  zugrunde,  den  Max  Bonnet 
nochmals  verglich.  Die  früheren  Herausgeber  Chr.  Brower,  Flo- 
rentinius  und  Vallarsi6  hatten  noch  Cod.  Corbeiensis  und  Codd. 
Luccenses  verglichen. 

3.  Mit  dem  Breviarium  apostolorum  ist  ein  laterculus  ver- 
wandt,   den    bereits   Theodor  Zahn"    aus  Cod.  Marcian  lat.  class. 


1)  Spicilegiirm  sive  Collectio  veterum  aliquot  scriptorum  qui  in 
Galliae  bibliothecis  delituerant.  Olim  editum  opera  ac  studio  D.  Lucae 
d'Achery.  Nova  editio  priori  accuratior  .  .  per  Lud.  Fr.  Jos.  de  la  Barre. 
Tom.  IL    Parisiis  1723  pag.  25. 

2)  Thesaurus  novus  anecdotorum.  Tom  III,  studio  et  opera  D.  Edm. 
Martene  et  Ursini  Durand.,  Lutet.    Paris.  1717  pag.  1549. 

3)  Monumenta  veteris  liturg.  alemannicae.    Pars  I,  San  Blas.  1773,  453. 

4)  a.  a.  O.  I  210  Anm.  4. 

5)  Acta  Sanctorum  Novembris.  Tom.  II  pars  prior.  Praemissum  est 
Martyrologiurn  Hieronymianum  ed.  J.  B.  de  Rossi  et  L.  Duchesne.  Bruxelles 
1894  p.  LXX V".     Mit  Varianten  aus  Bernensis  und  Corbeiensis. 

6)  Bibl.  hag.  lat.  1 105,  AA.  SS.  Febr.  tom.  III  431  [6.  Kai.  Martias  p.92]: 
Vet.  occid.  eccl.  Martyr.  Luccae  1688.    Vallarsi,  bei  Migne  P.  1.  30,  499  D. 

7)  Forsch,  z.  Gesch.  des  nt.  Kanons  u.  der  altkirchl.  Literatur.  III.  Teil. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  \~\ 

XXI  cod.  10  (saec.  XIII)  edierte,  in  dem  ein  Zitat  aus  den  Hypo- 
typosen  des  Clemens  Alexandrinus  sich  zu  befinden  schien.  Eine 
andere  HS  dieses  Textes  liegt  in  Paris,  lat.  9562  (saec.  XII — XIII) 
fol.  142v  vor. 

4.  Versus  memoriales  sind  in  Paris,  lat.  8069  (saec.  XI)  fol.  3 
aufbewahrt,  deren  Quellen  teils  in  der  Passionensammlung,  teils 
im  Breviarium  apostolorum  verborgen  sind. 

5.  Sehr  enge  mit  dem  Breviarium  berührt  sich  der  wohl 
..relativ  ältere"  Text  bei  Isidor  Hispalensis l  in  der  Schrift  de 
vita  et  obitu  santorum  utriusque  testamenti,  über  deren  Echtheit 
man  strittig  ist.  Freculph  von  Liscieux  hat  diese  Apostellegenden 
in  seine  Chronik  (c.  824 — 830)   fast  wörtlich  hinübergenommen2. 

6.  Auch  in  des  Venantius  Fortunatus3  Gedicht  „de  virgini- 
tate"  carm.  misc.  VIII  6,  zwischen  559 — 574  verfaßt4,  ist  eine 
legendarische  Apostelreihe  aufgenommen.  Verglichen  wurde  Cod. 
Montepesul.  39  (saec.  XII). 

7.  In  dem  sog.  Cold.  Fuldensis5  geht  der  Praefatio  zur  Apostel- 
geschichte ein  laterculus  vorauf:  quibus  locis  singuli  apostoli  iaceant' 
der  auch  in  Cod.  Sangall.  682  (saec.  IX)  fol.  409  aufbewahrt  wird. 

8.  In  Paris  lat.  12604  (saec.  XII)  fol.  91v  ist  ein  laterculus 
..divisio  apostolorum"  erhalten. 

Die  Benützung  der  Passionensammlung  oder  des  sog.  Abdias- 
textes  durch  Gregor  von  Tours  (f  595)  in  de  gloria  martyrum 
c.  27 — 33,  im  Martyrologium  Hieronymianum  und  anderen  Martyro- 
logien    hat   schon    Lipsius6   herausgehoben.     Duchesne"    machte 


Suppl.  Clementin.  Erlangen  1884  p.  70.  Erstausgabe  bei  J.  Valentinelli 
Bibl.  nianuscr.  ad.  S.  Marc.  V  1872,  214.  Vgl.  R.  A.  Lipsius  a,  a.  O.  Ergän- 
zungsheft III  17. 

1)  Baronius  sprach  ihm  diese  Schrift  ab,  Papebroch  ihm  zu;  s.  Eb. 
Nestle,  Margin.p. 5.  O.  Bardenhewer,  Patrologie.  2. Aufl.  Freib.  1901, 584. 

2)  Duchesne  a.a.O.  p.  75  f.  Die  Ausgabe  der  Schrift  des  Isidor 
Hispal.  nach  jener  des  Faustinus  Arevalus  abgedruckt  in:  De  vita  et 
rnorte  Mosis,  libri  tres  cum  observationibus  Gilb.  Gaulmini.  Accedunt  I 
Pseudodorothei  Tyrii  et  aliorum  apospasmata  etc.  Cum  praefatione  Jo. 
Alb.  Fabricii,  Hamburgi  1714  S.  512— 551  und  bei  Migne  P.  lat.  LXXX1II. 

3)  Migne  P.  lat.  88,  270.    Lipsius  I  168. 

4)  H.  Kellner,  Sterbeort  und  Translation  des  Evangelisten  Lukas 
und  des  Apostels  Bartholom.  in  Theol.  Quartalschr.  87,  1905.  606  f. 

5)  E.  Ranke,  Codex  Fuldensis,  Marb.  et  Lipsiae  L868  S.  332. 

6)  Lipsius  a.  a.  O.  I  216  f.  Ti  a.  a.  O.  p.  77  f. 


172  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

auf  die  Benützung  in  den  Altarinschriften  von  Aldhelm  von  Mal- 
mesbury 1  (f  709)  aufmerksam.  Diese  letzteren  Texte  gehören 
aber  nicht  mehr  zu  unserem  Stoffe. 

Über  den  lateinischen  Text  des  Wolfg.  Musculus2,  der  Vin- 
dob.  theol.  gr.  77  (al.  40)  übersetzte,  ist  schon  öfters  gesprochen 
worden. 

§  53.    Syrische  und  arabische  Apostel-  und  Jünger- 
verzeichnisse. 

R.  A.  Lipsius  [die  apokryphen  Apostellegenden  I  218  u.  111 
(Ergänzungsband)  19  f.]  hat  die  Quellen  über  die  syrischen  Apostel- 
akten zusammengestellt.  Für  uns  kommen  nur  in  Betracht  voll- 
ständige Apostel-  und  Jüngerverzeichnisse  mit  jeweilig  beigefügten 
biographischen  Notizen. 

Die  Zeugen  syrischer  Listen  sind  folgende: 

In  Cod.  Sinait.  syr.  10  ist  unter  dem  Namen  des  Irenaeus 
eine  Liste  der  70  Jünger  geboten,  welche  Agn.  Sm.  Lewis,  Studia 
Sinaitica  No.  I  (Catalogue  of  the  Syriac  Mss.),  London  1894, 
8 — 11  mitteilt.  Dr.  Casp.  Julius  hat  sie  mir  in  lateinischer  Über- 
setzung wiedergegeben.  Das  Verzeichnis  ist  sehr  kurz  gehalten, 
und  bietet  nebst  Notizen  über  den  Tod  mancher  Jünger  fast 
nur  die  Namenreihe.  Der  Titel ,  lautet:  Porro  nomina  septua- 
ginta  apostolorum  composita  ab  Irenaeo  episcopo  Lugduni. 
R.  Harris  (ibid.  in  beigefügten  Noten)  glaubt,  daß  die,  Verfasser- 
schaft irrtümlich  dem  Irenaeus  beigelegt  werde,  daß  vielmehr 
irgendwelches  Stück  des  Irenaeus  in  einer  andern  Vorlage  voran- 
gegangen sei,  welcher  dieses  Verzeichnis  anonym  beigegeben 
war.  Später  sei  ersteres  ausgelassen  worden,  sodaß  nur  noch 
dieses  den  Titel  trage. 

Zwei  verschiedene  Texte  hat  Michael  der  Syrer  seiner  Chro- 
nik einverleibt.  Im  fünften  Buch  c.  1 0 3  bietet  er  eine  Zwölf- 
apostelreihe, wobei  er  von  jedem  einzelnen  den  Stamm,  die  Missions- 

1)  Bei  Migne  P.  1.  89,291.  „Nach  all  dem  ist  die  Abfassungszeit 
der  gallofränkischen  Passionensammlung  des  Abdias  nicht  über  die  2.  Hälfte 
des  6.  Jahrb..  hinabzurücken." 

2)  Eb.  Nestle,  Marginal,  u.  Material,  p.  7  f. 

3)  Chronique  de  Michel  le  Syrien,  Patriarche  Jacobite  d'Antioche 
(1166 — 1199),  editee  pour  la  premiere  fois  et  traduite  en  francais  par  J. 
B.  Chabot,  tome  premier,  fascic.  II  Paris  1900,146. 


4.  Überlieferungsgeschichte  der  Apostellegenden.  )  73 

Stationen  und  den  Begräbnisort  angibt.  Michael  beruft  sich  hier 
auf  keine  Quelle.    Er  scheint  also  einer  eigenen  Tradition  zu  folgen. 

Dagegen  ist  als  Anhang  zu  Buch  V  der  Chronik 1  ein 
Apostel-  und  Jüngerkatalog  aus  dem  Matthäuskommentar  (X  2 
— 4;  Bibl.  nat.  m.  syr.  67,  f.  85v)  des  Dionysius  Bar-Salibi  auf- 
genommen. 

Eine  70  Jüngerliste  gibt  Michael  noch  1.  VI  c.  1  seiner  Chronik2. 

Salomon  von  Basrah  (c.  1222)  hat  in  sein  „Buch  der 
Biene" 3  ebenfalls  zweierlei  Apostel-  und  Jüngerkataloge  ein- 
verleibt: in  c.  48  und  49,  einen  ausführlichen  und  einen  kür- 
zeren. Letzterer  in  c.  49  berührt  sich  stark  mit  dem  Texte  des 
Cod.  Sinait.  Syr.  10. 

Wie  Assemani  angibt,  findet  sich  eine  wohl  ganz  ähnliche 
Liste  wie  cap.  49  der  Biene  in  einer  Abhandlung  eines  anonymen 
Syrers  in  Cod.  Vat.  syr.  159,  olim  Beroeensis  primus.  Assemani 
behandelt  sie  mit  c.  49  als  einen  Text.  (Jos.  Sim.  Assemani, 
Biblioth.  oriental.  Clement. -Vatic.  t.  III  pars  I,  Romae  1725 
p.  319  f;  Eb.  Nestle,  Margin.  u.  Material.  S.  15).  Im  Jüngerver- 
zeichnisse bricht  die  HS  mit  num.  59  ab. 

Ein  Jüngerverzeichnis  findet  sich  bei  dem  großen  Mono- 
physiten  Bar-Ebräjä  (1226 — 1286)  in  seinem  thesaurus  myste- 
riorum4,  welches  aber  fast  ganz  mit  jenem  3.  Michaels  des 
Syrers  (chronic.  1.  VI  c.  1)  sich  in  der  Reihenfolge  deckt. 

Derselbe  Bär-Ebräjä  gibt  auch  ein  Apostelverzeichnis  in 
seinem   „Chronicum  ecclesiasticum"5. 

Ein  syrisches  Apostelverzeichnis  aus  d.  J.  874  in  Cod,  Add. 
17193  Mus.  Brit.  fol.  80  ist  ungedruckt,  ebenso  Add.  14601 
fol.  163v.    Im  syrischen  Kalendarium  sind  nicht  alle  Aposteltage6 


1)  Ebenda  p.  147—151.        2)  p.  154  ff. 

3)  Em.  A.  Wallis  Budge,  The  Book  of  the  Bee  [Anecdota  Oxomcii-ii. 
Texts,  Documents  and  Extracts,  Seuiitic  Series  Vol.  1 — Part.  TI]  Oxford 
L886,  c.  48  p.  ^*»j  (der  engl.  Übersetzung  p.  103)  und  c.  49  p.  -*.'—=  (der 
engl.  Übers,  p.  113).  J.  M.  Schönfelder,  Salonionis  episcopi  Bassorensis 
liber  Apis,  Bambergae  1886,  77 — 83. 

4)  Commentare  zum  A.  u.  N.  T.  Ausgaben  verzeichnet  bei  Rub. 
Duval,  Anciennes  litteratures  chretiennes  II,  La  Litterature  syriaque  Paris 
1899,  p.  81  note  2. 

"))  ed.  Abbeloos  et  Lamy  T.  I.    Lovanii  l87-_'.    Lipsius  I  218. 
0)  Vgl.  Wright,     Katalog    der    syrischen    Handschriften    des    Brit. 
Museums  I  280  u.  318 f.     Nilles,  Calendarium  II  G13f. 


1  74  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

aufgeführt,  nur  jene  von  Simon  und  Petrus,  Thomas  und  Phi- 
lippus,  Petrus  und  Paulus,  Jakobus  Alphaei  und  Jakobus  dem 
Herrnbruder. 

In  der  ägyptischen  Kirche  ist  neben  den  Passionssammlungen 
in  koptischer  Sprache  und  den  Notizen  im  koptisch -arabischen 
Synaxarium  eine  zweifache  70  Jüngerliste  überliefert,  welche 
unter  dem  Namen  des  Abul-1-Barakät  bekannt,  eine  griechische 
und  eine  nichtgriechische  Liste,  Ant.  Baumstark,  Oriens 
Christianus  I  Romae  1901,  240—275;  u.  II  1902,  312—343  edierte. 
Sie  sind  beide  neben  den  griechischen  und  syrischen  Zeugen 
ziemlich  wertlos. 


5.  Kapitel.    Die  geschichtlichen  Einlagen  des  Dorotheus- 

textes. 

Wir  hatten  bis  jetzt  von  der  Untersuchung  die  zwei  ge- 
schichtlichen Traktate,  welche  das  Jüngerverzeichnis  des  Doro- 
theustextes  umgeben,  ausgeschlossen.  Vorausgeschickt  ist  als 
geschichtliche  Einleitung  — •  wir  nennen  sie  Prolog  —  eine  Bio- 
graphie des  angeblichen  Verfassers.  An  die  Jüngerliste  dagegen 
ist  eine  Übersicht  über  die  Kirchengeschichte  von  Byzanz,  ins- 
besondere die  ununterbrochene  Reihenfolge  der  vornicänischen 
byzantinischen  Bischöfe  angeschlossen,  welche  wir  den  sog.  Epilog 
nennen.  Es  ist  nun  unsere  Pflicht,  die  angegebenen  Tatsachen 
im  sog.  Prologe  und  Epiloge  auf  ihre  Wirklichkeit  zu  prüfen. 

§  54.    Der  sog.  Prolog. 

Die  Persönlichkeit  des  Märtyrers  und  Bischofs  Doro- 
theus,  des  angeblichen  Verfassers  des  Textes,  wird  von  einem 
gewissen  Presbyter  Procopius,  welcher  die  literarischen  Erzeug- 
nisse unseres  Helden  aufgefunden  haben  will,  beschrieben.  Nach 
diesen  Mitteilungen  war  Dorotheus  (geboren  255)  literarisch  hoch- 
gebildet, der  lateinischen  wie  griechischen  Sprache  mächtiü'. 
Unter  Diokletian  und  wiederum  unter  Licinius  (also  c.  284 — 305 
und  c.  308  bis  323)  hatte  er  Verfolgungen  zu  ertragen.  Nach 
beider  Tod  kehrte  er  dann  jedesmal  (wohl  aus  der  Verbannung) 
in  seine  Diözese  Tyrus  zurück  und   leitete   sie  bis   zum  zweiten 


5.  Die  geschieht!.  Einlagen  des  Dorotheustexte^.  175 

Jahre  Julians  des  Tyrannen  (362).  Da  Julian  wiederum  die 
Christen  geheim  verfolgte,  floh  Dorotheus  nach  Odyssopolis,  v>o 
er  aber  aufgespürt  und  seines  Glaubens  wegen  gemartert  wurde. 
Unter  den  Martern  starb  er  im  Alter  von  107  Jahren. 

Auf  den  ersten  Blick  macht  dieser  Bericht  nicht  den  Ein- 
druck der  Unwahrscheinlichkeit,  trotzdem  gewisse  Lücken  vor- 
handen zu  sein  scheinen:  z.  B.  muß  man  eine  erste  Verbannung 
unter  Diokletian  aus  der  folgenden  Mitteilung  entnehmen,  daß 
Dorotheus  xi)v  löiav  jiagoixictv  nach  des  Verfolgers  Tod  über- 
nahm. Die  Mehrzahl  der  Gelehrten,  welche  sich  mit  dem  Texte 
abgaben,  sprachen  sich  nachteilig  über  ihn  aus  und  hielten  diese 
Biographie,  wie  die  übrigen  ausschließlich  dorotheanischen  Teile 
für  eine  plumpe  Fälschung:  Marg.  de  la  Bigne  (1589),  Molanus 
(1585),  Bellarmin  (162  L),  Possevin  (1686),  Ducange  (1688),  Tille- 
mont  (1698),  Vales.  Labbe  (1680),  Ellies  du  Pin  (1719),  Natalis 
Alexander  (1724),  Banduri  (1711),  Voss,  Cave  (168S),  Papebroch 
(1714),  Cuperus  (1741)  *,  Hergenröther,  Nilles,  Jocham2,  Lipsius. 
Daneben  gab  es  Stimmen,  welche  an  der  Echtheit  und  Wahrschein- 
lichkeit des  Berichtes  festhielten,  und  zwar  gehören  sie  neben 
jener  des  Karmeliter  Ambros.  Gardebosc  (1715)  meist  der  neueren 
Zeit  an,  darunter  Fr.  Delitzsch,3  M.  Treppner,4  W.  Christ5  und 
K.  Krumbacher.6 

Bevor  wir  jedoch  über  unsern  Text  bei  Dorotheus  urteilen 
können,  müssen  wir  eine  zweite  Biographie  unseres  Helden  in 
der  Chronographie  des  Theophanes,  welche  in  den  Jahren  810  11 
abgefaßt  ist,  zum  Vergleiche  beiziehen. 

Ps.  Dorotheus,  Prolog:  Theophanes,     Chronographia 

ed.  C.  de  Boor,  Vol.  ],  Lipsiae 
L883,  S.  24  Z.  20—32  (Migne 
P.  gr.  I118  p.  108  B— C)  ad  an- 
num  316  p.  Chr.: 


1)  Über  diese  älteren  wird  gehandelt  in  Acta  SS.  Juni  tom.  I  pag.  392, 
435  ff,  Augusti  tom.  1  pag.  1  ff,  Octobris  tom.  XIII  688 ff. 

2)  Kirchenlexion  von  Wetzer  und  Weite  III2  Sp.  1996. 

3)  Der  Prophet  Habacnc  1843  S.  IV. 

4)  Das  Patriarchat  von  Antiochien,  Würzburg  1891,212. 

5)  Geschichte  der  griech.  Literatur,  München   L898,  922f. 

6)  Geschichte  der  by/.anr.   Literatur.    2.  Auil.    München    L897,  3 


176  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Outoq    o    xgoXeyßüq  .  .    dv?/g  Töze     xal    Amgo&eoq    ijtioxo- 

(Awgo&eoq    ijc'iGxojtoq    Tvgov)  Jioq    Tvgov,    6   im  AioxXr/zia- 

Gvyygafifiaza    öid<poga    xata-  vov    JcoXXd   xaxojia&r/Gaq    xal 

XtXoutt  Pcofialxa  xe  xal  EXXr/-  i^ogiaq  xal  ßaoava  vJioiieivaq 

5  vixa,  ijieiörjjteg  xal  e.xazegcov  r/xfiaCsv,  jtX.tlGza  Gvyygdttiiaza 

zcöv  yXcoGGcöv  efiJieigoq  vjtrjgys'  xazaXijrcov  Pcofiäixa  xal  EXXtj- 

yeyove    öh   xal   jioXvloxodq    öl  vixa,  caq  dficpozegcov  yXojGGoiv 

evcpv'iav.  ii.ijitLQÖxaxoq    xal    JioXv'CGzcog 

öi'  evcpv'iav   yevöfievoq.    Ovroq 

10  dxgißcöq   xal   stegl    xcöv    iniG- 

xbitcov  xov  BvCavxiov  xal  aX- 

Mexd  öe  xr\v  zeXsvzrjv  AioxXrj-  Xcov  jioXXcöv  xojccov  öiegrjX&EP. 

xiavov   xal  Alxlv'lov  xazeXaße  *0    avzoq    ijcaveX^cbv    ix    zl)q 

xal  avzoq  zrjv  iöiav  jtagoixiav,  i^oglaq  xal  iv  zi]  Gvvööca  evge- 

15  xal    r\v    l&vvcov    xrp>  iv  Tvgm  &elq  xazaXaßcbv  zrjv  löiav  jta- 

ixxXrjoiav     l^tygiq     'iovXtavov  Qoixiav  öirjgxeGev  tcoq  IovXia- 

tov  zvgdvvov.     Kai  ijieLÖ?]Jteg  vov  zov  Jtagaßdvov.    Kai  ijcti- 

ovx    avzocpavcöq,    dXXa    xgvjt-  örjxeg     ov     Jtgocpavcöq,     aXXä 

zcöq    öid    zcöv  agyövzcov  'iov-  xgvjixcöq  öid  xcöv  agyövzcov  6 

20  Xiavbq    dvygei    zovq    Xgiozia-  fiiagoq .  dv/jg  elq  zovq  XgiGzia- 

vovq,  JtaXiv  6  Acogofrsoq  xazs-  vovq  jcagoivei,   JcaXiv  o  fiaxd- 

Xaßs  z?]v  'OövGGovjtoXiv,  Iv&a  Qioq  Acogofreog   xazeXaße    zt/r 

xal    GvGye&eiq   vjtb    zcöv  'lov-  OövggojcoXlv,   evfra  xal  Gvoyt- 

Xiavov  agyjbvzmv  xal  JcoXXovq  &elq  vjco   zcöv   agyjbvzmv  'iov- 

25  alxiGfiovq   vjiofielvaq  iv  ßa&v-  Xiavov  xal  jtoXXovq  vjcofiehaq 

zdzco   yrjga   öid   zrjv  elq    Xgi-  alxiGfiovq  iv  ßa&vzdzco    yt'/ga 

gzov  ofioXoyiav  zalq  ßaGavotq  öid  zyv  elq  XgiGzbv  ofioXoylav 

ivajced-avev    exaxbv   xal    tjcxd  xalq   ßaGavotq  ivajte&avev  gZ' 

ixcöv  rjör/  xvyydvcov.  izcöv  tjör]  zvyydvcov. 

Da  Anastasius  ßibliothecarius  in  seine  historia  tripartita 
eine  lateinische  Übersetung  dieser  Partie  des  Theophanes  auf- 
nahm, so  habe  ich  ihre  Varianten  unter  t1  im  Apparat  beigefügt1. 
Sie  sind  nur  geringe  und  ohne  größere  Bedeutung.  Auch  die 
HSS    des    Dorotheus    unterschieden    sich    unwesentlich   in    ihren 

(>  Latina  simul  et  t1  |  12  öie^ijXSsv]  historiarn  texuit  t1  |  13  aiToc 
—  14  igoylaq  <i  t1  |  15  statt  iöiav  1  HS  oixelav  |  16  statt  ea)z  eine  HS 
fiexQi  \  23  Edissopolrm  1  HS 

1)  Nach  C.  de  Boor,  Theophaais  Chrono graphia,  Vol.  II  84,  31 — So,  4. 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Dorotneustextes.  177 

Lesarten.  Theophanes  kommt  aber  zum  zweitenmal  auf  Doro- 
theus,  den  JtoXvad-Xog  ijtloxojtog  Tvqov  zusprechen1,  wo  er  von 
ihm  berichtet,  daß  er  jcoXXag  lövoQiag  exxXrjöiaörtxag  verfaßt 
habe  und  ein  guter  Prediger  gewesen  sei  (kv  Xoyoig  öiajiQtJtmv), 
daß  er  unter  Diokletian  und  wiederum  unter  Licinius  Bekenner 
geworden  sei  woran  sich  sein  Martyrium  unter  Julian  in  beinahe 
denselben  Worten,  wie  in  der  ersten  Schilderung,  anschließt.  In 
dem  Texte  des  Ps.  Dorotheus  wird  noch  zur  Vermittlung  mit 
der  nun  folgenden  Jüngerliste  weiter  erzählt,  daß  unter  dem 
literarischen  Nachlaß  sich  die  Geschichte  der  70  Jünger  und 
eine  Lebensbeschreibung  der  Propheten  gefunden  habe.  Zuerst 
habe  er  über  die  Jünger  gehandelt,  von  denen  die  meisten  Bi- 
schöfe in  verschiedenen  Diözesen  geworden  seien. 

Ps.  Dorotheus  und  Theophanes  sind  von  einander  in  dem 
Prologe  zweifellos  wörtlich  abhängig:  dennoch  ist  es  schwer, 
sich  für  die  Priorität  des  einen  oder  andern  zu  entscheiden. 
Theophanes  bietet  mehr  als  Ps.  Dorotheus,  er  teilt  mit,  daß  der 
Märtyrer  und  Bischof  an  der  Synode  (wohl  von  Nicaea)  teil- 
genommen habe;  und  was  dessen  Schriftstellerei  anbelangt,  so 
erwähnt  Theophanes  das  reine  Gegenteil  zu  Ps.  Dorotheus. 
Theophanes2  weiß  nur  von  der  Abfassung  der  Bischofsliste  von 
Byzanz  und  anderer  Orte  durch  Dorotheus,  Ps.  Dorotheus  da- 
gegen erwähnt  allein  die  Abfassung  der  Jünger  und  Prophetenliste. 

Die  Entwicklung  des  Biographischen  schreitet  bei  Theo- 
phanes normal  fort;  bei  Dorotheus  tritt  die  Mitteilung  über  die 
Rückkehr  des  Dorotheus  in  seine  Diözese  nach  dem  Tode  Dio- 
kletians ganz  unvermittelt  und  abgerissen  auf,  nachdem  zuvor 
von  seiner  großen  Gelehrsamkeit  und  schriftstellerischen  Tätig- 
keit im  allgemeinen  die  Rede  war,  welche  hervorgehoben  wer- 
den sollte.  Daher  ergeben  manche  Notizen  eine  Lücke  im  Ge- 
dankengang, so  daß  man  zur  Überzeugung  kommen  könnte,  die 
vita  des  Dorotheustextes  sei  aus  Theophanes  oder  aus  einer 
beiden  zugrundeliegenden  Vorlage  geflossen.   J.  Hergenröther3 


1)  Ebenda  Vol.  I  p.  48,  27—49,  3. 

2)  Tillemont  urteilt  darüber:   1;.  narration  de  Theophane  se  detruit 
evidemment  d'elle  meine;  s.  Fr.  Delitzsch,   De  Habacuci  prophetae  \ir.i 

p.  64  Anra.  1. 

3)  l'hotius,  Patriarch  von  KIM  1  8.  7  A.imi.  28  u.  S.  660. 
Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  12 


178  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

vermutete,  um  die  beiden  Berichte  in  Einklang  zu  bringen,  daß 
der  Satz  ovxoq  axQißätg  xdi  jisqI  tcöv  sxioxojiojv  tov  BvCav- 
riov  xal  aXlmv  üioXlmv  xbncov  öugrjX&sv  ein  späteres  Ein- 
schiebsel bei  Theophanes  wäre,  da  letzterer  von  dem  Bischofs- 
kataloge keinen  Gebrauch  mache,  obwohl  er  die  Bischöfe  und 
Patriarchen  KP  eis  von  der  Zeit  Diokletians  an  verzeichne.  Nach 
der  Ausgabe  /von  C.  de  Boor  aber  fehlt  in  keiner  HS  dieser 
Satz.  Vielmehr  vermag  er  gerade  das  Rätsel  der  Abhängigkeit 
beider  Berichte  von  einem  dritten  zu  lösen.  Sehr  wahrscheinlich 
ist  es,  daß  ursprünglich  in  dem  Streite  zwischen  Rom  und 
Byzanz,  dessenwegen  wohl  die  ganze  Fälschung  gemacht  wurde, 
nur  die  Bischofsliste  unter  des  Dorotheus  Namen  mit  den  damit 
zusammenhängenden  historischen  Fälschungen,  der  Gründung 
des  Bistums  Byzanz  durch  Andreas  usw.,  ausgegeben  war,  welcher 
dann  später  —  wohl  schon  kurz  darauf  —  zur  Unterstützung 
des  Gesagten,  die  Jünger-  und  Apostelliste  mit  den  entsprechen- 
den Zusätzen  beigegeben  wurde.  Nur  so  läßt  sich  die  unvoll- 
ständige, lückenhafte  Biographie  unseres  Ps.  Dorotheus  erklären, 
während  Theophanes  ohne  Hintergedanken  seine  Vorlage  un- 
verfälscht und  daher  lückenlos  übernahm. 

Woher  stammen  aber  die  Nachrichten,  welche  Ps.  Dorotheus 
und  Theophanes  über  den  Märtyrer  und  Bischof  von  Tyrus 
bringen?  Unter  den  verschiedenen  Dorothei,  welche  in  der 
hagiographischen  Literatur1  vorkommen,  kann  nur  die  Biographie 
jener  2  Dorothei  in  Betracht  kommen,  welche  Eusebius  in  seiner 
Kirchengeschichte  als  Märtyrer  der  diokletianischen  Verfolgung 
beschreibt.  Theophanes2  erwähnt  noch  einen  Dorotheus  in 
Alexandreia  unter  Valens  (364 — 378),  welcher  in  der  Verfolgung 
durch  die  Arianer  litt,  aber  keine  Lebenszüge  mit  unserm  Doro- 
theus gemeinsam  hat.  Dagegen  scheint  in  der  vita  des  Ps. 
Dorotheus  ein  wahrer  Kern  verborgen  zu  sein,  der  in  Euseb.  h. 
e.  VII  32 3  vorliegt.  Dort  ist  die  Rede  von  einem  Dorotheus, 
der    als    Presbyter   von    Antiocheia    sprachenkundig    war.    sogar 


1)  Janningius  unterscheidet  ungefähr  6  Dorothei,  Acta  SS.  Juni  t.  1 
p.  383—387;  429—430.  N.  Nilles,  Kalendarium  Manuale  utriusque  eccle- 
siae  Orient,  et  occident.  I,  Oeniponte  1896,  174. 

2)  C.  de  Boor  ed.  I  66,  4,  und  Register  s.  v.  Jü>oö&eoq  JJ  p.  589.  Vgl. 
Streber  im  Kirchenlexikon  von  Wetzer  und  Weite  III2  Spalte  1994 f. 

3)  Migne  P.  gr.  20,  721  B. 


5.  Die  geschieh tl.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  179 

Hebräisch  verstand.  Kaiser  Diokletian  hatte  ihn  als  besonders 
auffallende  Tat  (oiov  ti  jtaQadoZov)  in  sein  Hausgesinde 
aufgenommen  und  ihn  mit  der  Fürsorge  der  Purpurfarberei  in 
Tyrus  betraut.  In  dieser  Stellung  hatte  er  aber  auch  in  der 
Kirche,  wohl  in  der  Predigt,  die  hl.  Schrift  nicht  ungewandt 
ausgelegt.  Diese  vita  hatte  Nikephorus  Callisti  h.  e.  VI  35 l  aus 
Eusebius  aufgenommen,  seine  Quelle  aber  nicht  verschwiegen, 
indem  er  berichtet,  daß  Eusebius  ihn  selbst  gehört  habe.  Diese 
Eigenschaft  des  Dorotheus  als  Prediger  in  Tyrus  findet  sich  in 
den  Parallelviten  des  Ps.  Dorotheus  und  Theophanes  nicht,  wohl 
aber  an  der  Stelle,  wo  Theophanes  zum  zweitenmal  von  Doro- 
theus spricht  und  ihn  als  kv  loyotq  diaJiQtTiovTa,  feiert,  wodurch 
in  unserer  vita  sein  Bischofsamt  gepriesen  wird,  da  in  der  alten 
Kirche  es  hauptsächlichste  Pflicht  der  Bischöfe  war  zu  predigen. 
Aus  der  Sprachenkenntnis,  die  ihm  schon  als  Presbyter  von 
Antiocheia  zukam,  mochte  leicht  durch  tendenziöse  Entstellung 
unser  Text,  der  ihn  des  Griechischen  ebenso  wie  des  Lateinischen 
kundig  sein  läßt,  konstruiert  werden.  Von  einem  Martyrium 
eines  Hofbeamten  Dorotheus  unter  Diokletian  spricht  wiederum 
Eusebius  h.  e.  VIII  62,  der  aber  nicht  sicher  mit  dem  Presbyter 
von  Antiocheia  identifiziert  werden  darf.  Denn  dieser  Dorotheus 
und  sein  Leidensgenosse  Gorgonius,  waren  am  Hoflager  in  Niko- 
medeia,  wie  Eusebius  schon  h.  e.  VIII  c.  I3  berichtet.  Da  nach 
unserer  fälschlichen  •vita  Dorotheus  auch  nur  Bekenner  unter 
Diokletian  war  und  sich  durch  Flucht  dem  Martyrium  entzog, 
so  hat  er  mit  diesem  Märtyrer  nichts  gemein;  nur  die  leise 
Andeutung  eines  christlichen  Dulders  unter  Diokletian  mag  da- 
von herrühren. 

Damit  haben  wir  einen  sicheren  geschichtlichen  Kern  heraus- 
geschält, an  dem  die  Fälschung  Anhaltspunkte  zur  weiteren 
Entfaltung  hatte.  Eine  Reihe  von  Einzelheiten,  welche  aber  in 
der  vita  unseres  Dorotheus  erwähnt  werden,  haben  bei  Eusebius 


1)  Migne  P.  gi-.  145,  1200  C. 

_')  Migne  P.  gr.  20,  753  A;  übernommen  von  Nikephorus  Callisti  h.  e. 
VII  5  (Migne  P.  gr.  145,  1214  C). 

3)  Migne  P.  gr.  20,  740  C— D;  im  Chronicon  Paschale  ad  ann.  303, 
XIX  Dioclet.  Augusti  wiederum  verwertet;  ed.  L.  Dindorf  a.  a.  O.  I  515, 
L6f  (Migne  P.  gr.  92,  689  B). 

12* 


IgQ  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

noch  keine  Bestätigung  gefunden,  müssen  daher  aus  einer  andern 
Quelle  stammen  oder  als  Fälschung  erklärt  werden. 

Fr.  Delitzsch1,  welcher  am  meisten  von  der  Echtheit  der 
Fälschung  überzeugt  war,  hält  an  jedem  einzelnen  Punkte  fest. 
sieht  überhaupt  nur  die  Schwierigkeit  in  dem  Schweigen  des 
Eusebius  und  Hieronymus  über  unsern  Schriftsteller.  Selbst  die 
Frage,  ob  unser  Dorotheus  wirklich  auf  „der  Synode"2,  welche 
die  meisten  mit  ihm  für  jene  von  Nicaea  hielten,  anwesend  sein 
konnte,  weiß  er  glücklich  zu  beantworten,  trotzdem  in  den  Unter- 
schriften der  Akten  des  Konzils  ein  Zeno  von  Tyrus3  sich  nennt. 
Allerdings  herrscht  hier  ein  gewisser  Widerspruch,  da  Theodor 
von  Mopsuestia.  dessen  Zeugnis  Niketas  Akominatus  Choniates4 
uns  aufbewahrt  hat,  erzählt,  daß  Paulinus  von  Tyrus  mit  acht 
andern  Bischöfen  die  Dekrete  der  ersten  Sitzung  der  nicänischen 
Synode  nicht  unterschrieben  habe.  Diese  Verschiedenheit  mag 
davon  herrühren,'  daß  Paulinus  als  Eindringling  Bischof  von 
Tyrus  war,  wie  schon  Eusebius5  berichtet,  welchen  die  orthodoxe 
Partei  nicht  anerkannte,  so  daß  sie  an  seiner  statt  einen  andern 
Bischof  wählte. 

Delitzsch6  versuchte  aber  der  Erzählung  des  Dorotheus- 
prologes  dadurch  gerecht  zu  werden,  indem  er  zunächst  annahm, 
daß  der  Presbyter  Dorotheus  von  Antiocheia  als  Bischof  nach 
Tyrus  gewählt  wurde  und  zwar  während  eines  zweijährigen  Inter- 
valls, das  zwischen  dem  Tod  des  früheren  Bischofs  Tyrannis 
(f  309)  und  zwischen  Paulinus,  der  schon  geraume  Zeit  vor  315 
Bischof  von  Tyrus  wurde,  sich  herausstellte.  In  diesem  Zeit- 
raum muß  aber  auch  nach  Delitzsch  noch  die  Wahl  des  Metho- 
dius  als  Bischof  erfolgt  sein,  von  welchem  Hieronymus  berichtet. 
Um  hier  Wandel  zu  schaffen,  läßt  Delitzsch  den  Dorotheus  als- 
bald   verbannt    werden    und    wieder    gegen    Ende    seines  Lebens 

1)  De  Habac.  proph.  vita  a.  a.  0.  S.  68,  74.  85. 

2)  Wie  Theophanes  berichtet. 

3)  Max  Treppner,  Das  Patriarchat  v.  Antioch.  S.  72.  H.  Geizer. 
H.  Hilgenfeld,  0.  Cuntz,  Patrum  Nicaenorurn  nomina,  Lipsiae  1898 
(Bibl.  Script.  Graec.  et  Lat.  Teubner.  [Scriptores  sacri  et  profani  fasc.  EEj) 
S.  13.  63.  82.  100.  191. 

4)  Thesaur.  ortbod.  fidei  1.  V  c.  7  (c.  1204—1210  abgefaßt),  Migne  P. 
gr.  139,  1368.     Vgl.  Theodoret.  h.  e.  16;  Sozomenus  b.  e.  II  IS. 

5)  b.  e.  1.  X  Delitzsch  S.  70. 

6)  De  Habacuci  proph.  vita  S.  70 — 74. 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  jgl 

zurückkehren,  währenddessen  eine  ganze  Reihe  anderer  Bischöfe 
ihres  Amtes  in  Tyrus  walteten.  Allein  seine  ganze  Konstruktion 
scheitert  daran,  daß  damit  nicht  der  Widerspruch  zwischen  der 
Mitteilung  des  Theophanes,  Dorotheus  habe  der  Synode  (dem 
Nicaenum)  beigewohnt,  und  dem  Tatsachenbestande,  daß  andere 
Bischöfe  von  Tyrus,  wohl  ein  arianischer  wie  ein  orthodoxer, 
anwesend  waren,  aufgehoben  wird,  geschweige  denn,  daß  in  einer 
glaubhaften  Quelle  ein  Dorotheus  jemals  als  Bischof  von  Tyrus 
dieser  Zeit  genannt  wird. 

Eine  andere  Lösung  versuchte  Hamaker1,  der  in  Abrede 
stellte,  daß  Eusebius  dieses  Dorotheus  überhaupt  hätte  Erwäh- 
nung tun  können,  da  er  ja  erst  nach  des  Eusebius  Tod  unter 
Julian  das  Martyrium  erlitten  habe.  Auch  drei  Jahre  vor  seinem 
Tode  (359)  habe  Dorotheus  nicht  mehr  Bischof  sein  können, 
da  Uranius  bereits  dem  semiarianischen  Konzil  von  Seleukia 
assistiert  habe.  So  sei  wohl  an  Bischof  Dorotheus  Vitalis,  den 
Vorgänger  des  Uranius  zu  denken,  der  347  noch  lebte  und  auf 
dem  Konzil  von  Sardika  unterschrieb.  Allein  auch  auf  diese 
"Weise  läßt  sich  die  Geschichtlichkeit  der  Erzählung  nicht  halten, 
welche  abgesehen  von  dem  historischen  Kern,  der  Existenz  eines 
sprachenkundigen  Presbyters  Dorotheus  von  Antiocheia,  in  das 
Reich  der  Fabel  zu  verweisen  ist. 

Die  weitere  Erzählung,  Dorotheus  habe  die  überlieferten 
Schriften  lateinisch  und  griechisch  abgefaßt,  hält  auch  Delitzsch2 
für  unrichtig.  Dennoch  sucht  er  auch  hier  einen  Funken 
von  Wahrheit  herauszufinden.  Wie  verschiedene  Schriften  des 
christlichen  Altertums  ursprünglich  griechisch  abgefaßt,  aber 
nur  in  einer  früh  angefertigten  Übersetzung  vorhanden  seien,  so 
habe  das  gleiche  Schicksal  auch  die  Schriften  unseres  Dorotheus 
getroffen.  Procopius  der  Herausgeber  habe  wohl  nur  noch  die 
lateinische  Übersetzung  angetroffen,  und  sie  dann  in  seiner  eige- 
nen Rückübersetzung  veröffentlicht.  Mit  diesen  Hypothesen, 
worin  ihm  wohl  niemand  folgt,  glaubte  Delitzsch,  daß  in  den 
Apostel-,  Jünger-  und  Bischofslisten  echte  Produkte  des  Doro- 
theus vorliegen. 


1)  H.  A.  Hamaker,  Cominentatio  etc.  [Commentationcs  latinae 
fciae  '-lassis  instituti  Regii  belgiei  Vol.  V]  Auistelod.  1S33  p.  15. 

2)  ii.  a.  0.  p.  76.  85.  56.  58. 


182  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Heute  teilen  die  wenigsten  die  Ansicht  von  der  Echtheit 
der  passio;  dennoch  hatte  eine  bedeutende  Zahl  von  Vorgängern 
die  Biographie  des  Dorotheus  für  bare  Münze  genommen  und 
weitererzählt.  Hierzu  gehörte  schon  Georgius  Monachus  *, 
welcher  in  seiner  Chronik  zum  J.  1816  der  Welt  (316  Christi) 
und  unter  Julian  unseres  Dorotheus  gedenkt,  ferner  Anastasius 
Bibliothecarius,  dessen  Notiz  in  seiner  historia  tripartita  wir 
bereits  erwähnt  haben;  dann  aber  eine  Reihe  von  Kaiendarien2, 
das  Menologium  Basilii  zum  9.  Oktober,  das  Synaxarium  CPol. 
zum  6.  Juni,  das  Typicum  S.  Sabae  und  selbst  das  Martyrologium 
Romanum,  welches  zum  5.  Juni  schreibt3:  Tyri  passio  S.  Doro- 
thei  presbyteri,  qui  sub  Diocletiano  multa  passus  et  usque  ad 
Juliani  tempora  superstes  sub  eo  annum  agens  septimum  9upra 
centesimum,  venerandam  senectam  martyrio  honestavit. 

§  55.     Des   Epilogs    1.  Teil.     Die   Gründung   der   Kirche 
von  Byzanz   durch  Andreas. 

Der  Hauptzweck  des  ganzen  Dorotheustextes  spricht  sich 
am  deutlichsten  in  dem  hier  vorgetragenen  Gedanken  aus,  daß 
der  Apostel  Andreas  den  Bischofssitz  Byzanz  begründet  und  als 
ersten  Inhaber  Stachys  eingesetzt  habe.  Hieran  reiht  sich  dann, 
um  die  ununterbrochene  Nachfolge  in  der  bischöflichen  Amts- 
gewalt zu  beweisen,  ein  Katalog  von  byzantinischen  Bischöfen 
bis  in  die  Zeit  Konstantins  des  Großen,  in  welcher  Metrophanes 
residierte. 

Die  Erfindung  dieser  Begebenheiten  wurde  durch  die  meisten 
Forscher,  welche  gegen  die  Dorotheanische  Fälschung  Stellung 
nahmen,  meist  durch  argumenta  ex  silentio  dargetan.  Bevor  wir 
jedoch  die  Reihe  der  vorgebrachten  Zeugnisse  prüfen,  darf  eiue 
bis  jetzt  in  diesem  Zusammenhange  noch  ganz  unbeachtete  Quelle 
oder  Parallele  zu  Dorotheus  nicht  unerwähnt  gelassen  werden. 
Nach  den  Akten  des  Andreas,  welche  bei  den  Priscillianisten 
viel  gelesen  wurden,    aber  großenteils  verloren  sind,   und  beson- 


1)  Delitzsch  a.  a.  0.  S.  63. 

2)  Acta  SS.  Juni  tom.  I  p.  434  f. 

3)  N.  Nilles,    Kalendarium  Manuale    a.  a.  0.    tom.  I    ed.   alt.   173. 
Delitzsch  a.  a.  0.  S.  75  nota  40. 


5.  Die  geschieht!.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  133 

ders  nach  den  noch  erhaltenen  katholischen  Bearbeitungen1) 
nach  den  acta  Andreae  et  Matthiae  und  acta  Petri  et  Andreae, 
soll  der  Apostel  Andreas  auf  der  Durchreise  nach  Griechenland 
(Achaia)  auch  Thracien  berührt  haben,  sodaß  man  einen  Aufent- 
halt in  Byzanz  anschließen  kann.  Philastrius  (haer.  88)  bezeichnet 
daher  die  gnostischen  Akten  als  „actus  quos  Andreas  fecit  veniens 
de  Ponto  in  Graeciam."  Diese  Erzählung2  wurde  noch  weiter- 
hin wach  gehalten  durch  die  Überführung  der  Gebeine  des 
Andreas  nach  CPel  im  J.  357  im  20.  Regierungsjahre  des  Kaisers 
Konstantius,  welche  nebst  den  Reliquien  des  Lukas  und  Tiino- 
theus  in  der  Apostelkirche  beigesetzt  wurden.  Daneben  spielte 
noch  eine  zweite  alte  Tradition  mit,  wonach  eine  Kirche  auf 
der  Akropolis3,  der  benachbarten  Anhöhe  von  Byzanz,  von 
Andreas  erbaut  sei.  Der  Fälscher  entstellte  den  Namen  der 
Burg  und  nannte  sie  Argyropolis,  sodaß  sich  die  Legende  bei 
Dorotheus  folgendermaßen  gestaltete:  Als  Andreas  „nach  dem 
Pontus"  übersetzte,  wurde  er  in  Byzanz  an  einer  beabsichtigten 
Predigt  durch  die  Grausamkeit  des  Tyrannen  Zeuxippus4  ver- 
hindert, welcher  jeden  Christen,  der  die  Stadt  betrat,  an  Händen 
und  Füßen  gefesselt,  ins  Meer  werfen  ließ.  Andreas  sei  daher 
bei  Byzanz  vorbeigefahren  und  habe  ein  Stadium  weit  entfernt 
in  Argyropolis   seinen  Wohnsitz  aufgeschlagen,   dort  zwei  Jahre 


1)  0.  Bardenhewer,  Geschichte  der  altkirchl.  Literatur.  I.  Bd. 
Freiburg  1902,  432  ff. 

2)  Lipsius  a.  a.  0.  I  007  Anui.  1;  Die  Überführung  nach  CPel  bei 
Hieronymus,  de  vir.  ülustr.  c.  7;  Chronicon  zum  20.  Jahre  des  Konstantius; 
adv.  Vigilantiura  ed.  Vallarsi  t.  II  p.  122;  Socrates  h.  e.  140;  Philostorg. 
h.  e.  III  2;  Georgius  Monach.  Hamart.  1.  III  c.  122  u.  1.  IV  c.'lSS  (Migne 
P.  gr.  110,  444  A  u.  057  B). 

3)  Epiph.  Monach.  vita  Andreae  ed.  D  res  sei  p.  OS,  27:  slg  r//v  ay.oo- 
no).iv  xov  Bv'Qavziov  xa&dQOJOev  evxrt'jyLov  xtjq  äyiaq  &eotöxov,  u  £ou 
ft&XQl  T'l?  ofifiegov.  Niketas  David  Paphl.  (f  SSO)  bei  Migne  P.  gr.  105, 
6SC.  Vgl.  A.  v.  (Jutschmid,  Die  Königsnainen  in  d.  apokr.  Ap. -Gesch. 
in  Rhein.  Mus.  f.  Philol.  N.  F.  XIX,  Frankf.  1804,  393:  „Die  Behauptung 
der  Byzantiner,  Andreas  habe  das  Bistum  Byzanz  gegründet,  ist  eine 
notorische  Fälschung;  sie  setzt  aber  das  politische  Apostolhit  dessen  als 
etwas  allgemein  Angenommenes  voraus". 

4)  Der  Name  Zeuxippus  wird  im  Chronicon  Paschale  bei  Erwähnung 
der  Gründungsgeschichte  von  Byzanz  einem  von  Severus  eingerichteten 
öffentlichen  Bad  gegeben.     Migne  Patr.  gr.  92.  649  A. 


Ig4  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

lang  gepredigt,    2000  Seelen  bekehrt,    danach   den  Stachys  zum 
Bischof  geweiht  und  seine  Reise  nach  Sinope  fortgesetzt. 

Die  letzten  Mitteilungen,  daß  Andreas  die  Christengemeinde 
von  Byzanz  begründet,  sind  eine  Weiterbildung  des  Fälschers 
auf  Grund  der  Andreasakten;  ferner  läßt  sich  bis  zum  Beginn 
des  9.  Jahrh.  kein  Zeugnis  beibringen,  welches  von  einer  Ein- 
setzung des  Stachys  zum  ersten  Bischof  von  Byzanz  Kunde 
geben  würde.  Stachys  „der  Geliebte"  (Rom.  16,  9)  wird  von 
Origenes  in  seinem  Kommentar  zum  Römerbrief1  mit  Ampliatus 
apostolici  operis  particeps  genannt.  Auch  Ps.  Ambrosius'2  spricht 
im  Kommentar  zu  demselben  Paulusbrief  in  ähnlicher  Weise 
von  ihm.  Auch  Chrysostomos,  Theodoret,  Primasius  und  Se- 
dulius3  erwähnen  ihn  lobend,  ohne  von  seinem  Amte  als  erstem 
Bischof  zu  sprechen. 

AVeit  mehr  Bedeutung  als  bei  diesen  Gelegenheitszeugen 
erlangt  das  argumentum  ex  silentio  bei  Eusebius,  welcher  im 
ersten  Buch  seiner  Kirchengeschichte  (c.  1)  die  Succession  der 
apostolischen  Bischofssitze  beschreibt,  ohne  jener  von  Byzanz 
Erwähnung  zu  tun.  Gregor  von  Nazianz  (or.  33) 4  gibt  von 
einigen  Aposteln  die  Missionsgebiete  an,  Lukas  in  Achaja,  An- 
dreas in  Epirus,  Johannes  in  Ephesus,  Thomas  in  Indien,  Markus 
in  Italien.  Auf  den  Konzilien  von  CPol.  (381)5  und  Chalcedon6 
(451)  hatten  sich  die  CPolitaner  für  ihren  Vorrang  nicht  auf 
die  Gründung  durch  Andreas  berufen,  sondern  nur  öia,  rb  üvat 
amrjv  vtav  lPc6fir]v.  Leo  I.  hatte  in  seinem  Briefe  an  Kaiser 
Marcian  (450 — 457)  die  Gelüste  des  Anatolius,  welche  der  Kaiser 
ihm  in  einem  Schreiben  darlegte,  dahin  zurückgedämmt,  daß" 
..Anatolius  von  KPel  sich  begnügen  solle,  Bischof  der  Residenz- 
stadt zu  sein;  zu  einem  apostolischen  Sitze  könne  er  diese  doch 
nicht   machen".     Auch   andere  Briefe  Leos  I.8  sprechen  sich  da- 


1)  1.  X  n.  23  (Migne  P.  gr.  14,  1281  A). 

2)  Migne  P.  lat.  17,  179. 

3)  Die  genauen  Nachweise  ihrer  Angaben  s.  Acta  SS.  Octobris  tom. 
XIII,  Parisiis  1883,  687  nota  7—10. 

4)  n.  11,  Migne  Patr.  gr.  36,  22S  C. 

5)  can.  3;  C.  J.  Hef ele,  Conciliengeschichte  II2,  Freiburg  1S75, 17 f.  32. 

6)  can.  2S;  Hefele  p.  528. 

7)  Hefele  ebenda  S.  530,  Mansi  T.  YI  p.  191. 

8)  Hefele  ebenda  S.  530 f. 


5.  Die  geschieht!.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  l§5 

gegen  aus,  daß  CPel  rechtshalber,  weil  nicht  von  einem  Apostel 
begründet,  nicht  den  Anspruch  auf  Bevorzugung  vor  Alexandreia 
und  Antiocheia  machen  könne.  Es  scheint  aber  aus  diesen  Ent- 
gegnungen hervorzugehen,  daß  von  CPel  aus  der  Versuch  ge- 
macht wurde,  die  Gründung  auf  einen  Apostel  zurückzuführen, 
trotzdem  nichts  weiter  darüber  bekannt  ist.  Auch  Joh.  Chryso- 
stomus1  nennt  CPel  die  Stadt  der  Apostel,  allerdings  aus  dem 
Grunde,  weil  in  ihr  die  berühmte  von  Konstantin2  gegründete 
Apostelkirche  war.  Allein  dieser  Ehrentitel,  i)  jcolig  rcöv  auto- 
oxblcov,  den  sich  CPel  alsbald  beilegte,  mochte  zu  dem  Nimbus 
der  Stadt  als  einer  Apostelgründung  beigetragen  haben.  Die 
Übertragung  dieses  Gedankens  auf  Andreas  war  leicht  gefunden, 
als  seine  Gebeine  dorthin  überführt  worden  waren.  Im  Jahre  396 
ließ  Arcadia,  die  Tochter  des  Arcadius,  ihm  zu  Ehren  eine  Ka- 
pelle erbauen,  wie  das  Chronicon  Paschale3  berichtet,  welches 
aber  bei  Erzählung  der  Gründungsgeschichte  von  ßyzanz  nichts 
von  der  Andreassage  weiß4.  Noch  im  9.  Jahrhundert  scheint 
man  von  dieser  byzantinischen  Fälschung  in  Rom  nicht  Notiz 
genommen  oder  nichts  gewußt  zu  haben,  denn  Nikolaus  I.  (858 
bis  867)  spricht  in  responsis  ad  consulta  Bulgarorum  c.  92 5  nur 
von  der  Apostolizität  der  Patriarchate  von  Rom,  Alexandreia  und 
Antiocheia,  während  die  Bischöfe  von  CPel  und  Jerusalem  für 
ihre  Patriarchentitel  keine  solche  Auktorität  in  Anspruch  nehmen 
könnten.  Denn  die  CPol.  Kirche  habe  weder  einer  der  Apostel 
gegründet,  noch  sei  auf  der  Synode  von  Nicaea  irgendwie  der- 
selben Erwähnung  geschehen;  sondern  nur  weil  CPel  Neurom 
genannt  werde,  sei  der  Bischof  mehr  durch  die  Gunst  der  Fürsten, 
als  durch  einen  Rechtsgrund  Patriarch  genannt  worden.  Derselbe 
Papst  schrieb  im  Jahre  860  in  der  Sache  des  Photius  an  Michael  III.6 

1)  Ho-inilia  ad  eos  qui  ecclesia  relicta  ad  circenses  ludos  et  ad 
theatra  transfugerunt  (Migne  P.  gr.  56,  204).  Es  wird  in  der  Anmerkung 
von  Montfaucon  (?)  aufmerksam  gemacht,  daß  auch  Konstantin  und  Helena 
loanüoxoXoL  genannt  wurden,  wobei  anöoroXog  im  weitesten  Sinne  ge- 
braucht ist. 

2)  Georg.  Monach.  Hamart.  Chronicon  ed.  C.  de  Boor,  Vol.  II, 
LipoLae  1904  pag.  501,  3-4. 

3)  Migne  P.  gr.  92,  777B;  ed.  L.  Dindorf  1,  Bonnae  1832,  566,  13. 

4)  Migne  92,  048  B;  ed.  Dindorf  I  494,  12 f  und  507,  20  f. 

5)  Labee  VIII  545ff  und  Acta  SS.  Octobr.  XIII  687. 

6)  Mansi  XVl'JOA— Bf.    Migne  P.  Lat.  L19,  769.    Acta  SS.  Octobris 


186  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

(842 — 867),  daß  CPel  nur  durch  Beute  und  Gewalt  bereichert 
worden  sei,  wobei  er  sich  auf  den  Brief  Leos  I.  an  Kaiser  Marcian 
beruft. 

Daraus,  daß  in  Rom  zu  Nikolaus  I.  Zeit  noch  nichts  von 
der  Fälschung  bekannt  gewesen  zu  sein  scheint,  ist  aber  nicht  der 
Schluß  zu  ziehen,  daß  sie  in  CPel  und  den  damit  harmonierenden 
Landesteilen  gleichzeitig  nicht  schon  gemacht  und  verbreitet  war. 
Der  erste  Zeuge  ist  Epiphanius  Monachus1,  der  die  neue  Erfin- 
dung von  der  Einsetzung  des  Stachys  zum  Bischof  von  Argyro- 
polis  und  die  ältere  Tradition  von  der  durch  Andreas  auf  der 
Akropolis  erbauten  Marienkirche  nebeneinander  feil  bietet:  Als 
Andreas  von  Sinope  nach  Byzanz  kam,  war  Argyropolis  eine 
blühende  Stadt.  Er  setzte  ihnen  den  Stachys  zum  Bischof  ein 
und  erbaute  auf  der  Akropolis  von  Byzanz  einen  Gebetsraum 
zur  hl.  Gottesgebärerin,  welche  noch  bis  heute  steht.  Das  eigentlich 
an  erster  Stelle2  zu  nennende  Zeugnis  der  chronographia  brevis  des 
Patriarchen  Nikephorus  von  CPel  (758  geb.,  806  Patriarch,  815 
verbannt,  f  828)  ist  nicht  unumstritten,  da  deren  Echtheit  äußere 
wie  innere  Gründe  wankend  machen.  Von  der  zweiten  Hälfte 
des   9.  Jahrhunderts   an  mehren  sich  die  Zeugnisse,    welche  sich 


tom.  XIII,  687  comment.  Historie,  ad  31   octob.  de  SS.  Stachy,  Arnpliato, 
Urbano  et  Narcisso. 

1)  Vita  Andreae,  c.  800—815  abgefaßt.  Diekamp,  Hippolytos  von 
Theben  S.  145.    ed.  Dressel  p.  68,  27. 

2)  Migne  P.  gr.  100,  1042  D.  Der  Biograph  des  Patriarchen.  Diakon 
Ignatius,  erwähnt  nichts  von  chronologischen  Studien  (vide  AA.  SS.  Octob. 
XIII  688),  auch  nicht  Photius  Bibl.  cod.  66  (Migne  P.  gr.  103,  163  A— B ), 
trotzdem  ihm  gerade  die  Cronik  ob  dieser  Notiz  über  Andreas  und  Stachys 
hätte  erwünscht  sein  können.  Nach  der  neuesten  Ausgabe  von  C.  de 
Boor,  Nicephori  archiepisc.  CPolitani  opuscula  historica  {"/aovoyQa<pixbv 
aivropov  Leipzig  18S0  p.  112)  schreiben  alle  10  griech.  HSS,  welche  in 
zwei  Redaktionen  zerfallen,  das  chronol.  Compendium  dem  Patriarchen 
zu.  Dagegen  fehlt  die  Bischofsliste  von  Byzanz  in  der  Historia  tripartita 
des  Anastasius  Bibliothec.  (in  der  Ausgabe  von  C.  de  Boor,  Theophanis 
Chronographia  Vol.  DZ  185,  52),  der  also  seine  Quelle  nicht  getreu  wieder- 
gibt. Auf  andere  Schwierigkeiten  machte  Petavius  aufmerksam,  da  nach 
dem  angebl.  Verfasser  noch  weitere  16  Patriarchen  bis  Ignatius  aufgezählt 
sind.  Der  neuste  Herausgeber  C.  de  Boor  scheint  dafür  zu  sprechen,  daß 
dieses  Werk  nur  in  einer  Überarbeitung  veröffentlicht  ist,  welche  unter 
Michael  III.  um  das  Jahr  850  veranstaltet  wurde.  Vgl.  K.  Krumbacher, 
Gesch.  d.  byzant.  Literatur,  2.  Aufl.  S.  350. 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Borotheustextes.  l$7 

meist  in  den  Bischofslisten  von  Byzanz  vorfinden;  in  dem  Pane- 
gyrikus  des  Niketas  David  Paphlago  (f  880)  auf  Andreas1,  der 
auch  von  der  Muttergotteskirche  auf  der  Akropolis  erzählt,  in 
der  Rechtsammlung  des  X.  Jahrh.,  dem  ius  Graeco-Romanum2. 
und  in  denjenigen  Chroniken,  welche  die  Bischofsliste  von  Byzanz 
mit  jener  des  Dorotheustextes  gemein  haben  und  alsbald  zur 
Sprache  kommen.  Auch  das  vjtoiivt/fia  in  den  griechischen 
Menaeen  und  Menologien,  jenem  des  Kaisers  Basilius  (saec.  X)3. 
in  dem  Synaxarium  CPolit.  haben  die  Einsetzung  des  Stachys 
als  ersten  Bischof  von  Byzanz  aufgenommen.  Selbst  das  römische 
Martyrologium  zeigt  in  der  seit  1583  ihm  einverleibten  Xotiz 
zum  31.  Oktober  Byzanz  gegenüber  großes  Entgegenkommen: 
CPoli  sancti  Stachys  episcopi,  qui  a  beato  Andrea  Apostolo 
primus  eiusdem  civitatis  episcopus  ordinatus  est4.  Übrigens 
findet  sich  kein  Jüngername  der  Dorotheusliste.  auch  nicht 
Stachys,  im  ältesten  CPolitanischen  Kalendarium5. 

§56.    Des  Epilogs  2.  Teil.    Die  Bischofsliste  von  Byzanz. 

In  ausführlicher  und  eingehender  Weise  gab  sich  Fr.  Fischer6 
mit  den  Bischofs-  und  Patriarchenkatalogen  von  Byzanz  ab,  ohne 
daß  es  ihm  gelungen  wäre,  die  Liste  des  Dorotheustextes"  or- 
dentlich einzureihen.  Wer  einen  Einblick  in  die  dabei  schwebende 
Frage  hat,  ob  überhaupt  vor  Konstantin  d.  Gr.  berechtigterweise 
ein  Katalog  aufgestellt  werden  kann  oder  ob  erst  die  mit  Metro- 
phanes  beginnenden  Bischofslisten  von  CPel  der  geschichtlichen 
Tatsache    entsprechen,    wird    nicht  wie  Fischer  die  Gruppierung 


1)  Migne  P.  gr.  105,  63  <  . 

2)  Migne  P.  gr.  119,  909  C—D. 

3)  Lipsius  a.  a.  0.  I  549  Anui.  u.  WS  Anin.  1. 

4)  Martyrologium  Romanuni,  auctore  C.  Baronio,  secunda  editio  Ant- 
verpiae  1589,  481.    Vgl.  AA.  SS.  Octobr.  tom.  XIII  687. 

5)  Steph.  Ant.  Morcelli,  Kalendarium  Eccl.  CPolit.  t.  II  Romae 
1788  p.  243.  Vgl.  H.  Kellner,  Heortologie  oder  die  geschichtl.  Entwickl. 
des  Kirchenjahrs  und  der  Eeiligenfeste.    '_'.  Autl.    Freib.  1906,  273. 

0)  Bo  Patriarcbarum  CPolitanor.  catalogia  [Commentat.  philolog.  Je- 
nenses  t.  III]  Lipsiae  1884.    Dissertat. 

7)  In  der  Batierung  der  Kaiser  wimmelt  das  Ganze  von  Anachronis- 
men, s.  Bucange  in  der  Ausgabe  (Migne  P.  gr.  92,  L068);  Hergenröther, 
Photius  I  661. 


188  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

der  in  verhältnismäßig  reicher  Anzahl  vorhandenen  Listen  nach 
deren  äußeren  Form,  ob  in  Prosa  oder  Reim  abgefaßt,  treffen, 
und  ebensowenig  nach  ihrem  Endziel,  ob  sie  mit  einem  Patriar- 
chen des  13.  oder  17.  Jahrhunderts  abschließen.  All  diese  äußern 
Kriterien  und  Zutaten,  welche  für  die  Geschichte  gewiß  nicht 
belanglos  sind,  bieten  aber  für  unsern  Zweck  keine  Merkmale, 
welche  eine  ihnen  etwa  zugrundeliegende  Vorlage  beurteilen 
lassen.  Ein  weiterer  Widerspruch  liegt  darin,  daß  Fischer,  trotz- 
dem er  den  vornicänischen  Dorotheuskatalog  der  byzantinischen 
Bischöfe  wie  Banduri1,  Cave,  H.  Geizer,  Lipsius  u.  a.  als  Fäl- 
schung2 betrachtet,  ihn  dennoch  auf  die  kirchlichen  Diptychen 
zurückführt,  ja  ihn  als  unverfälschten  Repräsentanten  derselben 
anzunehmen  scheint;  dabei  sollen  die  übrigen  spätem  Kataloge 
darnach  interpoliert  worden  sein.  Dadurch  ist  sein  Stemma, 
durch  welches  die  gegenseitige  Abhängigkeit  der  Listen  dargetan 
wird,  ein  höchst  kompliziertes  geworden,  welches  die  zwei 
Gruppen,  die  von  Andreas  resp.  Stachys3  beginnende  und  jene 
mit  Metrophanes  z.  Z.  Konstantins  anhebende  zu  verschmelzen 
sucht.  Bevor  wir  auf  diese  zwei  Gruppen  eingehen,  mag  noch 
eine  3.  vorher  zur  Sprache  kommen. 

1.  Ps.  Symeon  Logotheta4,  dessen  Chronik  unter  Nikephorus 
Phokas  (963 — 969)  vollendet  worden  zu  sein  scheint,  und  Geor- 
gius  Kedrenus5  erwähnen  vor  Konstantin  drei,  resp.  Metrophanes 
eingerechnet,  vier  Bischöfe  von  Byzanz:  z.  Z.  des  Caracalla  (211 
bis  217)  Bischof  Philadelphias  als  ersten,  der  drei  Jahre  lang 
regierte;  vor  ihm  stand  ein  Presbyter  der  Kirche  vor.  Im 
3.  Jahre  des  Gordianus  (238 — 244)  sei  ein  Eugenius  Bischof  ge- 
worden, welcher  25  Jahre  lang  den  Sitz  inne  hatte;  unter  Xu- 
merian  (284)  sei  ein  dritter  Bischof  namens  Rufinus  der  Kirche 
vorgestanden;    und  unter  Konstantin  wird  als  4.  Bischof  Metro- 


1)  Anselm  Banduri,  Imperium  Orientale  tom.  II  Pavisiis  1711  p.  SSS. 

2)  De  patriarch.  CPol.  catal.  S.  273.  295. 

3)  K.  Krumbacher,  Geschichte  der  byzant.  Literatur  2.  Aufl.,  Mün- 
chen 1897  S.  1148  gibt  den  Katalog  der  Bischöfe  von  Stachys  (3S— 54) 
bis  Probus  (303 — 315)  nach  der  Datierung  des  Dorotheus. 

4)  Ans.  Banduri,  Imper.  oriental.  tom.  II  p.  888.  Vgl.  K.  Krum- 
bacher, Gesch.  d.  byzant.  Literatur  a.  a.  0.  S.  358  f. 

5)  Synopsis  historic.  (Migne  P.  gr.  121,  520  D)  Kguxtoq  tnioy.ont>i 
xareoTTj  <Pi).üöe).<poq  £r>/  tq'kx'  noior/v  yäo  i/'jg  ixxXrjaiag  rj'  TtQEOßvzSQÖs  n.\ 


5.  Die  geschieht!.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  189 

phanes1  genannt.  Der  letztere  Schriftsteller  übernahm  diese 
Notizen  der  Chronik,  wobei  er  aber  den  als  dritten  angeführten 
Bischof  Rufmus  nicht  nennt.  Nur  diese  zwei  Zeugen  haben  uns 
drei  Bischöfe  von  Byzanz  vor  Konstantin  genannt,  welche  sonst 
nirgends  erwähnt  werden.  Daraus  hat  nun  Guil.  Cuperus2  ge- 
schlossen, daß  bei  Ps.  Symeon  in  der  Charakterisierung  der 
Männer  als  „Bischöfe"  ein  Irrtum  vorliege.  Da  zudem  die  an- 
gegebene Regierungszeit  der  einzelnen  „Bischöfe"  nicht  den 
Zeitraum  von  Caracalla  (f  217)  bis  Konstantin  ausfüllt  und 
zwischen  den  einzelnen  Hierarchen  große  Intervallen  frei  blieben, 
welche  ein  halbes  Jahrhundert  Interregnum  auf  dem  bischöflichen 
Stuhl  von  Byzanz  darstellen,  so  würde  diese  auffallende  Erschei- 
nung am  besten  durch  die  Annahme  einer  Verwechslung  gehoben, 
wonach  diese  drei  Männer  als  Leiter  der  byzantinischen  Christen- 
gemeinde im  Auftrage  des  Bischofs  von  Heraklea,  welchem 
Byzanz  unterstand3,  zu  gelten  hätten  (im  Sinne  von  chorepiscopi). 
Fischer4  nahm  auch  hierin  eine  eigentümliche  Stellung  ein.  Er 
glaubt,  daß  die  drei  Bischofsnamen,  welche  Ps.  Symeon  Logo- 
theta  und  Georgius  Kedrenus  nennen,  Fragmente  aus  einem 
..chronicon  vetustum  aliquod  Constantinopolitannm"  seien,  welches 
z.  Z.  des  Sokrates  schon  in  Vergessenheit  geraten  wäre.  Allein 
auch  Eusebius  erwähnt  sie  mit  keinem  Worte.  So  wäre  es 
höchst  eigentümlich,  daß  ihre  Namen  bis  zum  9.  Jahrh.  ganz 
verschwunden,  auf  einmal  wieder  auftauchten.  Ps.  Symeon  hatte, 
um  Byzanz  etwas  in  den  Vordergrund  zu  stellen,  aus  seiner 
Quelle,  welche  ein  nach  Verfolgungen  geordnetes  Martyrologium 
sein  mochte,  die  Vorstände  ImLotcojcol  genannt,  ein  terminus, 
der  gerade  in  alter  Zeit  weite  Ausdehnung  hatte,  so  daß  es  nicht 
unmöglich  ist,  daß  sie  in  seiner  Vorlage  bereits  so  genannt  waren. 
2.  Die  zweite  Gruppe  der  byzantinischen  Bischofs-  und 
Patriarchenlisten    beginnt    mit  Metrophanes,    d.  i.    dem  Bischöfe 


1)  Em  0.  Jahre  Konstantins.     Vgl.  St.  Ant.  Morcelli,  Kalendarium 
eccl.  Constantinop.  Vol.  II  p.  121. 

2)  Tractatus    praeliminaris   de   patriarchis    CPolitanis   in   Acta  SS. 
Augustitora.  I,  Venetiis  1750  pag.  1  ff. 

3)  Janningius,  ActaSS.  Junii  tom.Ip.383— 387;429-430.  N.Nilles 
Kalendarium  Manuale  a.  a.  0.  tom.  I,  ed.  alt.  172. 

4)  a.  a.  0.  S.  296. 


190  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

unter  Konstantin,  dessen  Regierungsantritt  verschieden  angesetzt 
wird.  Die  ältesten  Zeugen  sind  Sokrates  h.  e.  I  37  und  das 
Chronicon  Paschale,  welches  c.  630 — 640  abgefaßt  wurde.  Letz- 
teres1 berichtet  zum  8.  Jahre  der  1.  Indiktion,  dem  4.  Jahre'2  des 
Konstantin  und  dem  3.  des  Licinius:  xr\q  Iv  rm  Bvtavziqy  IxxÄrj- 
oiaq  rffüxai  JcQwtog  Mr\xQo(pä.vr\q  Ixt]  i .  Ein  weiterer  Zeuge  ist 
Theophanes,  welcher  zwar  in  der  Biographie  des  Märtyrers  Doro- 
theus  von  unserm  Pseudonymen  Text  abhängig  zu  sein  scheint,  den- 
noch aber  nicht  den  angegebenen  Bischofskatalog  von  Byzanz 
übernahm,  welcher  mit  Stachys  beginnt.  Dies  ist  umso  auffallender, 
als  Theophanes  ausdrücklich  erwähnt,  daß  Dorotheus  äxQißäq  xat 
jieqi  xmv  kjcLOxojccov  BvCavxiov  xal  alXcov  xojccqv  öiegrjZd'ev. 
Dennoch  beginnt  er  die  Bischofsliste  von  Byzanz  erst  mit  Metro- 
phanes i.  J.  5810  der  Welt3.  Der  verdiente  Herausgeber  C.  de 
Boor4  gab  als  Grund  für  des  Theophanes  Handlungsweise  an, 
weil  erst  „dieser  Sitz  durch  die  Wahl  von  Byzanz  zur  Residenz 
den  übrigen  4  oekumenischen  Sitzen  an  Bedeutung  gleichgestellt 
wurde".  Allein  wir  können  dieser  Begründung  nicht  beipflichten, 
ebensowenig  einer  etwaigen  Vermutung,  es  mochte  Theophanes, 
da  er  das  Werk  erst  von  Diokletian  bis  Michael  I.  (813)  be- 
arbeitete, die  früheren  Bischöfe  von  Byzanz  nicht  genannt  haben. 
Offenbar  bot  die  von  ihm  hier  benützte  Vorlage  den  uns  auch 
sonst  bekannten,  erst  mit  Metrophanes  beginnenden  Kataloü'. 
welcher  die  geschichtliche  Grundlage  der  ersten  Einsetzung  des 
Metrophanes  zum  Bischof  von  Byzanz  vertrat.  Daher  haben  auch 
zwei  Theophanes-HSS  eine  Glosse  am  Rande  zum  J.  5802:  xovxco 
xtö  £T£C  MtjzQogxxvrjq  sjtlöxojtoq  xov  BvCavxlov  exEigoxov?]{hi/, 
eine  Bemerkung5,    welche    „freilich   ebensogut  von  einem  Leser, 


1)  ed.  Lud.  Dindorf  I,  Bonnae  1832,  522,  15. 

2)  Vol.  II  36S  ist  angemerkt,  daß  nach  allen  Fasten  zu  lesen  sei: 
dem  3.  Jahre.  Im  ältesten  konstantinopol.  Kalender  ist  auch  nicht  ein 
Name  der  Bischöfe  vor  Metrophanes  aufgenommen.  Morcelli,  Kalend. 
eccl.  CPolit.  tom.  II,  121.    H.  Kellner.  Heortologie  S.  273. 

3)  C.  de  Boor,  Theophanis  Chronographia  t.  I,  p.  16. 

4)  Ebenda  II  512. 

5)  Über  den  Anfang  der  Regierungszeit  des  Metrophanes  als  Bischof 
läßt  sich  aus  den  vorhandenen  Quellen  keine  Sicherheit  gewinnen:  s. 
Fr.  Fischer  a.  a.  0.  in  Commentat.  philol.  Jenens.  Vol.  III.  Lipsiae  1S44. 
p.  298— 333.    N.  Nilles.  Kalend.  Manuale  I,  172. 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  191 

welcher  9  Jahre  rückwärts  zählte,  als  von  Theophanes  selbst  her- 
rühren kann".  Obwohl  Antiocheia,  Jerusalem,  Alexandreia  auch 
keine  Residenzstädte  sind  und  dennoch  ihre  Bischöfe  gleich  den 
römischen  der  ersten  drei  Jahrhunderte  von  Theophanes  ver- 
zeichnet werden,  so  muß  der  Grund,  warum  Byzanz  erst  mit 
Metrophanes  zu  Beginn  des  4.  Jahrh.  bei  ihm  eintritt,  ein  an- 
derer gewesen  sein,  als  der  von  C.  de  Boor  aus  der  neuen  Be- 
deutung der  Stadt  geschöpfte.  Wie  vielmehr  de  Boor  aus  andern 
Anzeichen  schließt,  muß  für  Theophanes  ein  sorgfältiger  Katalog 
zugrunde  gelegen  haben,  welcher  „in  Bezug  auf  den  Beginn  der 
Liste",  sowie  auf  die  Erhebung  der  Bischöfe  zu  Patriarchen  und 
auf  die  Zeit  der  Namensänderung  der  Stadt  (erst  vom  J.  5817 
wird  statt  ijilöxojioq  Bvyavrlov:  sjt.  Kcovöravrivovjcolemq  ge- 
schrieben) korrekt  war.  Demnach  hatte  die  von  ihm  benützte 
Bischofsliste  von  Byzanz  wohl  erst  mit  Metrophanes  begonnen, 
weil  er  in  dieser  Vorlage  als  erster  Bischof  bezeichnet  war1. 

Von  dieser  Gruppe  sind  noch  verschiedene  Kataloge  anonym 
überliefert,  teilweise  schon  gedruckt  oder  handschriftlich  erhalten, 
von  denen  Anselm  Banduri2  einige  gesammelt  hat  und  weitere 
Carolus  a.  S.  Paulo  namhaft  macht3.  Auch  Baronius  ad  an.  536 
n.  59  u.  60  berichtet  von  einem  wahrscheinlich  dem  6.  Jahrh.  an- 
gehörenden Anonymus,  der  mit  Metrophanes  die  Reihe  beginnen 
lasse. 

Die  wertvollsten  und  handschriftlich  am  besten  überlieferten 
Kataloge  dieser  Gattung  sind  in  Prosa  abgefaßt:  jener  aus  einem 
Cod.  Vat.-Column.  s.  XI  (bisher  noch  nicht  aufgefunden)  zuerst 
von  A.  Mai4  ediert,  welcher  von  Metrophanes  bis  Methodius  (842) 
reicht;  ferner  jener  aus  Vindob.  hist.  gr.  76  f.  136v  von  Fr.  Fi- 
scher5 edierte,  von  Metrophanes  bis  Polyeuctus  (956);  ferner  jener 
von    Metrophanes    bis    Cyprian  (1706)    reichende,    welchen  Guil. 


1)  Bv'Cavzlov  iniaxönov  TtQÜizov  Mt]Z(jo(pavovq  evoq  t.  (&'.)  Vgl.  C.  d  e 
Boor  II  512. 

2)  Imperium  Orientale  t.  I  1.  VIII  pag.  201. 

3)  Geographia  sacra  cum  not.  Holstenii,  Amstelod.  1734,  209. 

4)  Script.  VV.  nova  coli.  t.  I  p.  II  p.  1—40  (alias  Nova  Bibl.  PP.  IV  1 
p.  49);  nach  dieser  Ausgabe  wiederholt  bei  Alf.  Schoene,  Euseb.  Chronic 
app.  IV  p.  59—101. 

5)  De  patriarch.  CPol.  catalogis  a.  a.  O.  p.  270. 


192  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Cuperus1  edierte.  In  Reimen  abgefaßt  sind  ebenfalls  einige 
überliefert,  welche  teilweise  auf  Theodorus  Prodromus  (saec.  XII) 
zurückgeführt  werden,  wie  jener  in  Cod.  Paris  „Reg.  1637";  in 
Laurent,  plut.  87  cod.  16.  Diese  metrischen  Kataloge  scheinen 
beliebt  gewesen  zu  sein,  so  daß  die  späteren  Patriarchen  immer 
wieder  nachgetragen  wurden.  Einige  reichen  bis  zum  Patriarchen 
Isaias  (1333);  andere  bis  zum  Patriarchen  Joseph  (1439)  oder 
Philotheus  (1534),  über  deren  handschriftliche  Erhaltung  Fr.  Fischer 
in  der  öfters  erwähnten,  auf  die  Aufmunterung  von  H.  Geizer  be- 
gonnenen Dissertation  (p.  272  ff.)  pünktlich  Aufschluß  erteilt. 

3.  Die  dritte  Gruppe  von  Bischofskatalogen  von  Byzanz  ist 
jene  des  Ps.  Dorotheus2,  welche  zuerst  in  dem  yj)ovo~/Qa.(piy.ov 
ovvzofiov  des  Patriarchen  Nikephorus  von  CPel  (c.  806 — 815, 
t  829)  entgegentritt,  gegen  dessen  Echtheit  einige  Gründe 
vorgebracht  werden.  Ferner  tritt  dann  die  Dorotheusliste 
handschriftlich  auch  in  zahlreichen  Katalogen  auf,  dann  in 
der  Kirchengeschichte  des  Nikephorus  Callisti  Xanthopulus, 
welcher  im  Anfange  des  14.  Jahrhunderts  ein  zu  Beginn  des 
10.  Jahrb.  abgefaßtes3,  bis  zum  Jahre  920  geführtes  Werk 
umarbeitete  und  in  18  Büchern  veröffentlichte.  Nikephorus 
handelt  an  zwei  Stellen  von  den  byzantinischen  Bischöfen4:  h.  e. 
VIII  c.  65,  wo  er  die  ganz  auf  Dorotheus  fußende  Liste  über- 
liefert, und  h.  e.  XIV  c.  246,  wo  er  einer  andern  Quelle  gefolgt 
zu  sein  scheint.  Bei  letzterer  Gelegenheit  schreibt  nämlich  der 
Kompilator,  daß  Argyropolis  erst  im  5.  Jahrhundert  diesen  Namen 
von  Bischof  Attikus  von  CPel  (406 — 425)  wegen  der  prachtvollen 
Lage  erhalten  habe,  was  auch  Sokrates  h.  e.  VII  c.  25",  der 
zeitgenössische  Geschichtsschreiber  des  Attikus,  bestätigt.     Nike- 


1)  Acta  SS.  Augusti  toui  I,  Venetiis  1750,  praefatio.  Vgl.  St.  Ant. 
Morcelli,  Kalendarium  eccles.  CPolit.  Vol.  II,  232. 

2)  Von  den  Bischofsnamen  des  Ps.  Dorotheus  ging  nicht  ein  einziger 
in  die  CPol.  Synaxarien,  deren  Komposition  ins  10.  bis  13.  Jahrhundert 
angesetzt  wird,  über;  s.  Delehaye,  Propylaeum  ad  AA.  SS.  Novembrä, 
Synaxarium  eccl.  CPolit.,  Bruxelles  1902  p.  LXXIII  f. 

3)  K.  Krumbacher,  Gesch.  d.  byzant.  Literatur  S.  291. 

4)  Gr.  Grosch,  De  codice  Coislin.  120.     Dissert.  chronol.  Jena*-    38 
39.     G.  Cuperus  a.  a.  O.  AA.  SS.  Augusti  tom.  I  p.  2*. 

5)  Migne  P.  gr.  146,  23  C. 

6)  Migne  P.  gr.  147,  450.     AA.  SS.  Junii  tom.  I  p.  393. 

7)  Migne  P.  gr.  57,  796  B. 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  193 

phorus  gerät  daher  in  Widerspruch  mit  seiner  früheren  Angabe 
in  1.  VIII  c.  6,  wo  er  nach  Dorotheus  berichtet,  daß  schon  der 
Apostel  Andreas  dort  eine  Kirche  erbaut  habe1.  So  dürfen  wir 
eine  zweifache  Quelle  bei  Nikephorus  annehmen.  In  letzterem 
Falle  verarbeitete  er  offenbar  nur  seine  Vorlage  des  anonymen 
Chronisten  des  10-  Jahrh.,  welcher  aus  Sokrates  schöpfte,  während 
er  die  Bischofsliste  wohl  direkt  aus  Ps.  Dorotheus  nahm,  um  sie 
dem  achten  Buche  seiner  Kirchengeschichte  einzuverleiben. 

Es  ist  selbstverständlich,  daß  die  späteren  Chronisten  die 
Bischofsliste  des  Dorotheus,  welche  ja  nur  die  ersten  drei  Jahr- 
hunderte umfaßt,  bis  auf  ihre  Zeit  weiterführten,  so  daß  sie  mit 
jener  Gruppe,  die  erst  mit  Metrophanes  beginnt,  von  Konstantin 
d.  Gr.  an  wesentlich  übereinstimmen2.  Diese  Kataloge  zerfallen 
wieder  in  zwei  Gruppen,  in  Prosatexte  und  versifizierte.  Erstere 
sind  vertreten  in  den  HSS  Vindob.  theol.  gr.  77  (Nessel  40) 
fol.  266v  bis  Cosmas  Hierosolym.  (1081);  in  Vindob.  theol.  gr.  34 
(Nessel  302)  fol.  356  bis  Johannes  Xiphilinus  (1D63)3,  andere  reichen 
bis  Josephus4  (1268),  oder  Neophytus  (1636),  welch  letzterer 
Katalog  Matthaeus  Cigala  zugeschrieben  wird5,  mit  welchem  ein 
anderer  im  Chronicon  des  Philippus  Cyprius6  eng  verwandt  ist. 

Die  versifizierten  Kataloge  mit  Ps.  Dorotheanischer  Grund- 
lage werden  zwei  byzantinischen  Chronisten  zugeschrieben. 
Ephrem  Monachus"  hatte  im  Anhang  seiner  gereimten  Chronik 
..als  kirchengeschichtliches  Supplement"  ein  Verzeichnis  der 
Bischöfe  und  Patriarchen  von  Byzanz  bis  Isaias  (1313)  (Vers 
9565 — 10392)   beigegeben,   während  einen  andern  Katalog,    der 


1)  Daß  nach  der  älteren  Tradition  bei  Epiph.  Monach.  und  bei  Ni- 
ketas  David  Paphlago  der  Ort  Acropolis  bieß,  ist  bereits  bemerkt  worden. 

2)  Fr.  Fischer,  De  patriarch.  CPol.  catalogis  a.  a.  O.  p.  27S. 
:;    Von  Fischer  p.  282  herausgegeben. 

4)  Joa.  Leunclavius,  Ius  Graeco-Ronianum  (ed.  Marquard  Freherus) 
Francof.  1596;  abgedruckt  in  Anselm  Banduri,  Imperium  Orientale  tom.  I 
1.  VDI,  p.  201. 

5)  Gedruckt  bei  Ans.  Banduri  a.  a.  O.  209. 

6)  ibid.  p.  218. 

7,  A.Mai,  Script.  Veter.  nova  coli.  t.  HI,  Romae  1828.  part,  1.  p.  383; 
p.  226     245.    Migne  P.  gr.  143,  349  C-352  C. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  13 


194  Schermann,  Propheten-  and  Apostellegenden. 

aber  bis  Josephus  II.  (1416)  fortgesetzt  ist,  K.  Krumbacher1  dem 
Nikephorus  Callisti  Xanthopulus  (Anfangs  des  14.  Jahrh.)  zu- 
schreibt. Die  Aufzählung  derjenigen  Kataloge,  welche  nach  Ps. 
Dorotheus  die  Bischöfe  der  ersten  drei  Jahrhunderte  einschließen, 
läßt  sich  noch  vermehren,  wenn  die  in  HSS  verborgenen  von 
Fr.  Fischer  namhaft  gemachten  Bischofslisten  mitgeteilt  werden. 


§  57.    Die  im  Epilog  angegebene  Datierung  des 
Dorotheustextes. 

Der  Herausgeber  der  dorotheanischen  Hinterlassenschaft 
Procopius  erzählt  gleichsam  in  einer  Nachschrift  zum  byzan- 
tinischen Bischofskatalog,  daß  Iv  vnaxtia  <Pilo§tvov  xal  ÜQoßov 
Papst  Johannes  nach  CPel  kam  und  dort  zur  Weihnachtszeit 
den  Vortritt  in  liturgischer  Beziehung  vor  dem  Patriarchen  ver- 
langte. Damals  sei  nun  zum  erstenmal  der  Dorotheustext  zur 
Geltung  gekommen  und  dem  Papst  vorgelegt  worden2.  Letzterer 
erkannte  das  Dokument  als  beweiskräftig  für  den  Streitpunkt  an. 
daß  der  Bischofssitz  von  CPel  älter  sei  als  jener  Roms,  da  An- 
dreas zugleich  der  jtgcoroxXrjToq  war;  dagegen  suchte  er  doch 
den  Vorzug  von  Rom  mit  dem  Hinweis  zu  wahren,  daß  eben 
seine  Hierarchie  durch  den  xoQVcpcuoTazoq  der  Apostel  begründet 
sei.  An  der  hier  gebotenen  Datierung  der  övvotpig  in  das  Jahr 
525  hielten  die  meisten  Forscher  fest,  Cave3,  Oudin,  Ducange, 
Bellarmin,  Possevin,  Baronius4,  Lipsius5  und  Fr.  Fischer6;   H.  A. 


1)  Krumbacher  a.a.O.  S.  292.  Labbaeus,  Protrept.  hist.  Byzaut. 
ed.  Venet.  p.  34  ff. 

2)  Darauf  zielt  die  Mitteilung  im  Prologe  ab,  daß  der  Dorotheus 
ursprünglich  lateinisch  und  griechisch  geschrieben  gewesen  sei,  was 
Fr.  Delitzsch,  De  Hab.  proph.  vita  p.  56.  58  und  H.  A.  Hamaker  a.  a.  0. 
p.  16  für  bare  Münze  nehmen.  Latinismen  seien:  tcqö  tquov  Ka/.avöCbv 
'Iov?Ja>v.  AvÖQtaq  enogei&t]  iv  UeßaGTOTiökei  x%  /ueyä?.%  =  in  urbem 
Sebastam  magnam;  'Idzcoßoq  ävaioeivai  fiayaiQcc  =  gladio  perimitur. 

3)  Script,  ecclesiast.  hist.  liter.  a  Christo  ad  saec.  XIV,  Londini  1688 
p.  114. 

4)  All  diese  aufgezählt  und  gewürdigt  in  Acta  SS.  Octobr.  t.  XIII. 
Parisiis  1883,  687. 

5)  Die  apokr.  Apostelgesch.  1 195.  197. 

6)  De  catalogis  Patr.  CPol.  a.  a.  0. 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  195 

Hamaker1    setzt    die    Ankunft    des    Papstes    Johannes    in    das 
Jahr  523,  (anno  Justini  senioris  sexto). 

Daneben  wurden  aber  auch  Stimmen  laut,  welche  diese  feste 
Datierung  und  das  Vorkommnis  des  Papstes  Johannes  in  CPel 
ebenfalls  als  Erfindung  ausgaben,  da  von  einem  solchen  Streite 
mit  dem  Patriarchen  Epiphanius  nichts  bekannt  sei.  Diese  An- 
sicht vertraten  Morcelli2,  G.  Cuperus3,  Hergenröther4,  Nilles5  und 
der  Bollandist  des  13.  Oktoberbandes  der  AA.  SS6  und  L.  Du- 
chesne".  Manche  dachten  an  die  Zeit  Justinians  I.  (527 — 565). 
in  welcher  die  Dorotheusfälschung  entstanden  wäre,  bei  Gelegen- 
heit, als  vielleicht  bei  der  Restauration  der  Apostelkirche  unter 
diesem  Herrscher  die  Gebeine  von  Andreas,  Lukas  und  Timotheus. 
welche  unter  Konstantius  dorthin  verbracht  waren,  wieder  auf- 
gefunden8 worden  seien.  Jedenfalls  mußte  nach  der  Begründung 
Hergenröthers9  die  Fälschung  damals  bekannt  gewesen  sein, 
als  das  Chronicon  paschale  entstand,  da  sich  in  ihm  sichere 
Spuren  einer  Benützung  fänden.  Mit  Recht  beruft  er  sich  auf 
die  vitae  prophetarum.  Dennoch  hat  dieses  Zeugnis  in  diesem 
Falle  keine  Beweiskraft,  da  die  vitae  als  ursprünglich  ganz  un- 
abhängig von  der  Fälschung  existierten  und  wohl  als  einzig 
echtes  Dorotheusstück  zu  gelten  haben.  Vielmehr  konnten  wir 
die  Beobachtung    machen,    daß    das  Chronicon  Paschale    in  den 


1)  Commentatio  in  libellum  de  vita  et  inorte  prophetarum  a.a.O.  p.14. 

2)  Corollar.  de  auctor.  fastorum  eccl.  CPolit.  n.  4 — 6  p.  242 — 247  und 
in  Kalendar.  Eccl.  CPolit.  t.  II  p.  243:  fabulosum  esse  ipsum  Procopiuni 
censeo  et  litein  ipsam  conrmentatitiarn. 

3)  Acta  SS.  Augusti  t.  I  Venetiis  1750,  tractatus  praelim.  de  patri- 
arch.  CPolit. 

4)  Photius  a.  a.  0.  I  660. 

5)  Kalendariuni  Manuale  a.  a.  0.  I  192. 

\cta  SS.  Oct.  t.  XIII  p.  687  ff. 
7  Les  anciens  recueüs  de  legendes  apostoliques  in  Conipte  rendu 
du  troisieme  Congres  scientifique  international  des  catholiques  tenu  ä 
Bruxelles  1894,  Bruxelles  1895:  Cinquieme  section,  sciences  hiatoriques 
p.  74  f.  Nach  D.  kam  Papst  Johannes  nicht  an  Weihnachten,  sondern  an 
Ostern  nach  CPel.     cfr.  lib.  Pontif.  1. 1  p.  277. 

8)  Nach  dem  Metaphrasten  (zum  22.  Jan.  vitaTimotheij  hieß  Justinian 
die  Reliquien  in  der  Mitte  der  Kirche  beisetzen  (Migne  114,  771  C). 

9)  Photius  I  661.  Vor  ihm  schon  Casim.  Oudiu  in  Commentariua 
de  sc-riptoribus  ecclesiae  antiquis  illorumque  scriptis  tarn  impressia  quam 

luscriptifl  .  .  .  Francof.  1722  tom.  I  p.  1380. 

13* 


196  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

geschichtlichen  Angaben,  die  sich  mit  dem  Dorotheustexte  be- 
rühren, von  ihm  abweicht.  Von  dem  byzantinischen  Bischofs- 
kataloge findet  sich  noch  keine  Spur;  vielmehr  wird  Metrophanes  als 
erster  Bischof  von  Byzanz  eingeführt.  Das  Jüngerverzeichnis  der 
Paschalchronik  (I  399)  ist  ein  von  Ps.  Dorotheus  wesentlich  ver- 
schiedenes; der  Märtyrer  Dorotheus  unter  Diokletian  ist  identisch 
mit  dem  bei  Eusebius  genannten  und  ist  noch  nicht  mit  der 
dorotheanischen  Sage  um  woben.  Ein  Einwand,  den  J.  Hergen- 
röther  noch  erhebt,  daß  die  Andreassage  von  der  Gründung  des 
Bischofssitzes  CPel  auf  die  Zeit  Justinians  zurückgehe,  also 
älter  als  Photius  sei,  beruht  offenbar  auf  Verwechslung  mit  der 
Kunde  von  einem  Aufenthalt  des  Andreas  in  Byzanz  auf  dessen 
Reise  von  Griechenland  nach  dem  Pontus,  die  sich  schon  an 
die  Andreasakten  knüpfen  mochte.  Allein  von  der  Fassung  des 
Dorotheustextes  ist  in  der  Zeit  Justinians  noch  keine  Kenntnis 
vorhanden. 

L.  Duchesne  aber  glaubte  aus  innern  Gründen,  welche  die 
legendarischen  Notizen  über  die  einzelnen  Apostel  boten,  die 
Abfassung  nicht  früher  als  in  das  7.  Jahrh.  setzen  zu  sollen. 
Die  Berechtigung  einer  solchen  Datierung  werden  wir  erst  nach 
einer  Untersuchung  über  die  Apostellegenden  beurteilen  können. 

Vorerst  kann  einige  Sicherheit  zu  einer  Datierung  nur  die 
nachweisbare  Benützung  des  Dorotheustextes  schaffen,  welcher 
ja  Byzanz  höchst  erwünscht  sein  mußte. 

Bis  jetzt  haben  wir  folgende  Anhaltspunkte  gewonnen:  Der 
sog.  Prolog,  die  Biographie  des  angeblichen  Märtyrers  und  Bi- 
schofs Dorotheus,  findet  sich  zuerst  in  der  Chronographie 
des  Theophanes  c.  810/811,  worin  zugleich  die  byzantinische 
Bischofsliste  der  ersten  drei  Jahrhunderte  als  ein  Werk  des 
Dorotheus  genannt  wird.  Dieser  Satz  ist  aber  nicht,  wie  Hergen- 
röther  vermutete,  ein  späteres  Einschiebsel,  sondern  gehört  der 
ursprünglichen  Niederschrift  des  Theophanes  an.  Theophanes 
ist  somit  ein  sicherer  Zeuge  für  die  Existenz  des  Prologes  und 
Epiloges. 

Die  Sage  von  der  Einsetzung  des  Stachys  durch  Andreas  zum 
ersten  Bischof  von  Byzanz  findet  sich  zuerst  bei  Epiphanius 
Monachus  in  dessen  vita  Andreae,  deren  Abfassung  Diekamp 
in  die  Jahre  800— 815  verlegt,  fast  gleichzeitig  in  der  Chrono- 
graphia  brevis  des  Patriarchen  Nikephorus  von  CPel  (c.  806 


5.  Die  geschichtl.  Einlagen  des  Dorotheustextes.  197 

Patriarch,  815  verbannt),  deren  Echtheit  jedoch  nicht  unumstöß- 
lich feststeht. 

Das  sind  vorerst  die  Anhaltspunkte  zur  Datierung  dieser 
Teile  des  Textes,  welche  also  an  den  Anfang  des  9.  Jahrh. 
(c.  800 — 810)  oder  höchstens  noch  an  das  Ende  des  8.  Jahrh. 
verlegt  werden  können. 

§  58.    Der  Nachtrag  zum  Dorotheustexte. 

Nach  Abschluß  der  12  Apostelliste  werden  noch  Bruchstücke 
eingeführt,  die  Dorotheus  sogar  aus  „hebräischen  und  griechi- 
schen Vorlagen"  entnahm  und  dann  ins  Lateinische  übersetzte. 
Es  wird  darunter  aufgezählt,  daß  Simon  von  Cyrene  für  Christus 
gekreuzigt  wurde;  fernerhin  wird  über  des  Propheten  Jeremias 
Weissagung  von  Jerusalems  Gefangenschaft  berichtet,  von  der 
Verwahrung  der  Bundeslade  und  den  darin  befindlichen  Dingen, 
ferner  über  das  Schicksal  der  Tochter  der  Herodias,  der  letzteren 
selbst  und  des  Herodes. 

Von  diesen  Stücken  gehört  das  zweite  den  Prophetenlegen- 
den des  Dorotheus  an,  aus  welchen  gerade  des  Jeremias  Weis- 
sagung und  dessen  Verbergung  der  Bundeslade,  wie  sie  ja  aus 
dem  2.  Makkabäerbuche  c.  2,  4 — 8  und  dessen  Quelle  bekannt  ist, 
als  besonders  bemerkenswert  herausgehoben  wurde.  Jedenfalls 
stellt  dieser  letzte  Rest  und  die  Bemerkung,  daß  Dorotheus  a§ 
Eßgaixcöv  nahm,  den  Zusammenhang  mit  dem  wirklichen  Doro- 
theus von  Antiocheia  am  Schlüsse  des  3.  Jahrh..  des  mutmaßlichen 
Übersetzers  der  vitae  prophetarum  aus  einer  hebräischen  (-aramäi- 
schen) Vorlageins  Griechische,  und  dem  gefälschten  Dorotheus  her, 
und  läßt  den  wahren  Grundstock,  der  fast  verloren  ging,  noch  ahnen. 

Woher  die  übrigen  Notizen  stammen,  läßt  sich  vorerst  noch 
nicht  nachweisen.  Hamaker1  vermutete,  daß  eine  vita  des  Jo- 
hannes Baptista  ursprünglich  den  Dorotheusviten  der  Propheten 
angehörte,  welche  dann  mit  der  weiteren  phantastischen  Aus- 
bildung von  dem  Schicksal  der  Salome  und  der  Herodias  au 
den  Schluß  des  ganzen  Komplexes  gestellt  wurde.  Allein  es 
findet    sich    keine    vita    des  Johannes   Baptista    unter    den    vitae 


1)  H.  A.  Hamniaker,    Commentatio    in  üb.  de  vita  et    oiorte  pro- 
phetarum a.  n.  0.  p.  lt>. 


198  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

prophetarum  des  Dorotheus,  auch  nicht  in  dessen  bestem  Zeugen, 
dem  Chronicon  Paschale.  Nur  eine  spätere  Recension  der  vitae, 
der  Epiphaniustext  I,  welcher  auch  sonst  mehr  christliche  Zu- 
sätze als  andere  Recensionen  aufweist,  bietet  eine  solche,  welche 
aber  auch  keinerlei  Anzeichen  zu  der  von  Hamaker  vermuteten 
Weiterbildung  zeigt.  Vielmehr  dürfte  der  Umstand,  daß  die 
Erzählung  an  den  Schluß  gestellt  ist,  darauf  hinweisen,  daß 
sie  erst  später  beigefügt  wurde. 


6.  Kapitel.    Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel. 

§  59.    Die    Apostellisten    in    den    kanonischen    Schriften 

des  N.T. 

Wie  aus  unsern  griechischen  Epiphanius-,  Dorotheus-,  Hippo- 
lyt-  und  den  übrigen  Texten  zu  ersehen  war,  herrscht  in  den 
4  —  5  letzten  Apostelnamen  große  Verschiedenheit,  so  daß  sogar 
in  der  Epiphaniusrecension  drei  HSSgruppen  nach  dieser  Rich- 
tung hin  sich  bilden  ließen,  welche  zumeist  nach  Alter  und  Heimat 
jeweils  eine  andere  gebräuchliche  Apostelreihe  repräsentieren. 
Der  Unterschied  zwischen  den  einzelnen  HSS  betrifft  besonders 
die  Namen  Thaddäus,  der  irgendwelche  Vertauschung  oder  einen 
Ersatz  mit  Lebbäus  eingehen  muß,  ferner  die  Namen  Simon 
Cananäus,  Judas  Jacobi,  Judas  Zelotes,  über  deren  Persönlich- 
keiten man  schon  sehr  bald  im  Unklaren  war,  da  bereits  die 
Apostellisten  bei  Mt.  10,  2;  Mc.  3,  16;  Lc.  6,  131  keine  feststehende 
Überlieferung  verraten.  Der  äußerliche  Unterschied  in  den  kano- 
nischen Apostellisten,  darin  bestehend,  daß  Mc.  und  Lc.  die  Zwölfe 
in  je  drei  Quaternionen,  jeweils  beginnend  1.  mit  Petrus.  5.  mit 
Philipus,  9.  mit  Jacobus,  einteilen,  Mt.  dagegen  paarweise  scheidet, 
hat  für  unsere  Apostellisten  keine  Bedeutung.  Daher  sollen 
hier  nur  die  eigentlichen  Varianten  in  den  Apostelnamen  zur 
Sprache  kommen. 

1.    In    manchen    Bibelhss    wird   der    Name    Thaddäus    mit 


1)  Die  Gegenüberstellung  in  drei  Rubriken  in  A  Synopsis  of  the 
Gospels  in  Greek  with  various  readings  and  critical  notes  by  tbe  Rev. 
Arthur  Wrigbt.     Second  edition,  London  1903  p.  30 — 31. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  199 

dem  Doppelnamen  Lebbäus  verbunden  oder  sogar  durch  den 
letzteren  ersetzt.  Die  besten  HSS  bezeugen  jedoch  nur  den 
einfachen  Namen  Thaddäus.  Die  angegebene  spätere  Änderung 
versuchte  man  durch  eine  Bedeutungsidentität  der  in  Frage  kom- 
menden Namen  zu  erklären1,  was  sich  aber  sprachlich  kaum 
halten  dürfte.  Die  erste  Bezeugung  dieses  Vertausches  findet 
sich  bei  Origenes  für  die  Apostelliste  bei  Mc.  3,  16 — 19, 
welche  folgende  Reihe  aufweist:  1.  Simon  Petrus,  2.  Jakobus 
Zebedäi,  3.  Johannes  Zebedäi,  4.  Andreas,  5.  Philippus,  6.  Bartholo- 
mäus, 7.  Matthäus,  8.  Thomas,  9.  Jacobus  Alphäi,  10.  Thaddäus, 
11.  Simon  Canan.,  12.  Judas  Iscarioth. 

Auf  den  Einwand  des  Celsus,  daß  Christus  zu  Aposteln  nur 
Zöllner  und  Schiffer  erwählt  habe,  erwidert  Origenes  c.  Cels.  I 
62 2:  allerdings  soll  außer  Matthäus  auch  Levi  ein  Zöllner  ge- 
wesen sein,  welcher  Jesum  folgte;  aber  nirgends  gehöre  er  zur 
Zahl  seiner  Apostel  außer  xard  xiva  xmv  avrr/Qacpcov  des 
Markusevangeliums.  Origenes  spielte  im  ersten  Teile  seines 
Zitates  offenbar  auf  Mc.  2,  14  an,  wo  von  der  Berufung  des 
„Levi3,  des  Sohnes  des  Alphäus",  der  am  Zollhause  saß,  die 
Rede  ist,  während  er  im  zweiten  Teile  an  Varianten  einiger 
HSS  in  der  Apostelliste  von  Mc  3,  18  denkt.  Durch  seine  Er- 
klärung können  wir  aber  auch  feststellen,  wie  der  Ersatz  von 
Thaddäus  durch  Lebbäus  oder  andere  Kombinationen  beider 
Namen  zustande  kamen.  Offenbar  wollte  man  die  Berufung  des 
Levi  auch  im  Apostelkataloge  ausgedrückt  finden,  weshalb  einige 
den  Namen  Thaddäus  ganz  oder  teilweise  verdrängten.  Aller- 
dings warum  gerade  diesem  Namen  das  Schicksal  zuteil  wurde, 
ist  hiermit  noch  nicht  aufgeklärt.  Die  sprachliche  Ausbildung 
des  aramäischen4  Lebi,  Lebbi  zu  AeßßaTog  ist  analog  jener  von 
Thaddi  zu  ßadöaloq.    Immerhin  mag  die  Identität  des  origenisti- 


1)  P.  Schanz,  Kommentar  über  das  Evangelium  des  hl.  Matthäus, 
Freib.  1879,  286. 

2)  ed.  P.  Köfcschau,  Origenes  Werke  I.  Bd.  [Die  griech.  christl. 
Schriftsteller  der  ersten  drei  Jahrh.]  Leipzig  1899  S.  113  Zeile  19—23. 

3)  Über  den  Doppelnamen  Levi-Matthäus  s.  Theodor  Zahn,  Einlei- 
tang  in  das  Neue  Testament.   2.  Aufl.   2.  Bd.   Leipzig  1900,  264. 

4)  B.  F.  Westcott  and  F.  J.  A.  Hort,  The  New  Testament  in  the 
Original  G-reek,  Introduction,  Appendix.  Cambridge  and  London  1882, 
Notes  on  select  readings,  p.  11  f  zu  Mt.  10,  3. 


200  Schernianii,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

sehen  Zöllners  Asv?jq  (andere  HSS  auch  Atßrjq,  Asviq)  und  des 
in  manchen  HSS  überlieferten  Asß(ß)aloq  am  besten  uns  die  ver- 
schiedene handschriftliche  Bezeugung  von  Mc.  3,  18  erklären. 

Abgesehen  von  den  Verschiedenheiten  der  HSS  und  Über- 
setzungen bei  Mc.  3,  16  ff,  welche  in  der  asyndetischen  oder 
polysyndetischen  Verknüpfung  der  Namen  oder  in  der  Schreib- 
weise letzterer  besteht1,  teilen  sich  die  Lesarten  an  der  ent- 
scheidenden Steile  in  zwei  bis  drei  Klassen:  Die  HSS  tfB2,  die 
altsyrische  Übersetzung  in  Codex  Sinait.3,  die  koptisch  bohairische 
Version4,  Vulgata,  Syr.  Arab.  Aeth.  lesen  Oaööalov;  ein  Teil 
der  alexandrinischen  HSS  dagegen  nach  Origenes'  Zeugnis,  ferner 
die  westlichen  Texte,  Cod.  D  und  die  altlateinischen  Übersetzungen 
(d,  ff.)5  mit  Ausnahme  von  c  (Colbert.  s.  XII),  in  welcher  aber  für 
die  Evangelien  der  hieronymianische  Text  kooptierst  ist,  lesen 
Asßßalov,  Lebbaeum. 

Weniger  bedeutende  Abweichungen  in  den  HSS  verursachte 
die  Sprengung  des  Verwandtschaftsverhältnisses  zwischen  Petrus 
und  Andreas,  die  Mc.  3,  16 — 17  vornahm,  indem  er  zwischen  sie 
die  beiden  Zebedaiden  stellte.  Tatsächlich  scheint  nur  eine  lat. 
Übersetzung  umstellt  zu  haben,  so  daß  Andreas  neben  Petrus 
zu  stehen  kam6. 

Von  Interesse  ist  noch  das  epitheton  ornans,  das  dem 
11.  Apostel  Simon  gegeben  wird.  sBCDLJ  Lachm.  Tisch.  Tre- 
gelles  lesen  bei  Mc.  3,  18  Kavavalov,  während  bei  Mt.  10,  3  SJ 
textus  rec.  Kavavlrrjq  gegenüber  den  andern  Textzeugen  bietet. 
Die  Peschittha7  dagegen  hat  Mc.  3,  18  Simon.  ]^xi£  P.  Schanz 
hatte  in  seinem  Matthäuskommentar8  noch  der  Lesart  Kavavixrjq 
das  Wort    geredet,    da    dieses  Beiwort    mit  Kana    nichts  zu  tun 


1)  P.  Schanz,    Kommentar    über    das  Evangelium  des  hl.  Markus, 
Freib.  1881,  155  f. 

2)  Westcott-Hort  a.  a.  0.  p.  24. 

3)  Agn.  Sm.  Lewis,    A  translation  of  the    four  Gospels    from    the 
Syriac  of  the  Sinaitic  Palimpsest,  London  1S94,  62. 

4)  The  Coptic  Version  of  the  New  Testament  in  the  northern  dialect, 
otherwise  called  memphitic  and  bohairic,  Oxford  1898,  Vol.  I  312. 

5)  P.  Sabatier,  Biblior.  SS.  latinae  versiones  t.  III,   Parisiis  1751. 
197  und  Hort  a.  a.  0. 

6)  Sabatier  a.  a.  O.  III  197. 

7)  Polyglotta  Anglica  tom.  V  p.  168. 

8)  Comm.  über  d.  Ev.  d.  hl.  Matth.    Freib.  1879,  286. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  201 

hat,  während  er  in  seinem  Markuskommentar1  mit  der  überwiegen- 
den Mehrzahl  der  HSS  Kananäus  aufnimmt.  Letztere  Bildung  ist 
durch  Ableitung  von  dem  jüd.-aram.  82&52J3  =  tyZowrjq  zu  er- 
klären. Der  Syrer  bot  bei  Lc.  6,  15;  Apg.  1,  13  die  Übersetzung 
des  £?ßcoT?]q:  Ui^z. 

2.  Die  Vertauschuug  von  Oaööcüoq  mit  Asßßaloq,  welche 
zuerst  bei  Mc.  nach  Origenes  auftrat,  ging  auch  in  die  Apostel- 
liste bei  Mt.  10,  2 — 4  über,  welche  am  meisten  Entstellungen 
erfuhr.  Die  Reihenfolge  der  Namen  ist:  1.  Simon  Petrus  und 
2.  sein  Bruder  Andreas,  3.  u.  4.  Jacobus  Zebedäi  und  Johannes, 
5.  u.  6.  Philippus  und  Bartholomäus,  7.  u.  8.  Thomas  und  Matthäus, 
9.  u.  10.  Jacobus  Alphäi  und  Thaddäus,  11.  u.  12.  Simon  Cananites 
und  Judas  Iscarioth.  Diese  Lesart  Thaddäus  findet  sich  bei 
«B  17. 1242Copt.3,  von  lateinischen  Übersetzungen  c  (Colbert.  XII), 
die  mit  Vulgata  übereinstimmt4,  und  Hieronymus  ad  hunc  locuru, 
Lachmann.  Dagegen  nahm  Tischendorf  nach  D.  122  Asßßatog 
auf,  was  auch  Syr.  (cod.  hr.  [Thom.  v.  Harkel  616]) 5,  von  altlatei- 
nischen HSS  nur  afrikanische:  k  (Bobb.  saec.  IV — V)  und  einige 
HSS,  von  denen  Augustinus  de  consensu  evangelist.  II 70  spricht, 
haben.  Die  Stelle  bei  Augustinus  lautet:  in  nominibus  .  .  .  dis- 
cipulorum  Lucas  .  .  .  a  Mt.  non  discrepat  nisi  in  nomine  Judae 
Jacobi  quem  Mt.  „Thaddaeum"  appellat,  nonnulli  autem  Codices 
habent  Lebdaeum.  Es  scheint,  daß  in  den  altlateinischen  Texten 
die  Schreibweise  Lebbäus  nicht  feststand;  denn  in  k  war  ur- 
sprünglich iebbaeus  geschrieben,  was  dann  in  iebdaeus  von 
alter  Hand  korrigiert  wurde6.  Auch  Hieronymus  ad  h.  loc. 
kennt  die  Lesart  Lebbäus:  et  alibi  appelatur  Lebbaeus,  quod 
interpretatur  corculus.  Der  textus  receptus  kombinierte  offen- 
bar   beide  Lesarten    und    schreibt  Asßßatog   6  sjiiy.lrjfrs\q    Oaö- 

1)  S.  154.    Die  folgende  Ableitung  teilte  mir  Dr.  C.  Julius  mit. 

2)  Westcott-Hort  a.  a.  0.  p.  12.      Schanz,  Com.  zu  Mt.   S.  285. 

3)  The  Coptic  Version  I  p.  70:  eine  HS  (Bi  hat  wohl  Schreibfehler 
flEMMATßEOS  statt  QaööaZoc;  eine  andere  (D2)  läßt  Thomas  wohl  aus 
Versehen  aus.  Casp.  R.  Gregory,  Textkritik  des  Neuen  Testaments.  II.  Bd. 
Leipzig  1902,  530  f. 

4)  Sabatier  a.  a,  O.  HJ  54 f.    Gregory  II  S.  598  Bf. 

5)  C.  R.  Gregory  504 f.  524. 

6)  Die  Benediktiner  Herausgeber  schreiben  mit  einigen  HSS  (?)  Leb- 
bäum; s.  F.  C.  Burkitt,  The  Old  Latin  and  the  Itala,  Cambridge  1896 
(Texts  and  Studies  vol.  IX]  p.  77. 


202  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

öcüoq  mit  C"2  Lzl1,  was  dann  in  Syr.  Arab.  u.  Athiop.2  und  in 
arab.  Glossen  zur  koptisch-bohairischen  Übersetzung  zum  Vor- 
schein kommt3 

Demnach  ist  die  Lesart  Thaddäus  wohl  die  ursprüngliche, 
welche  dann  ähnlich  wie  bei  Mc.  im  3. — 4.  Jahrh.  in  west- 
lichen Texten  durch  Lebbäus  ersetzt  wurde;  die  weitere  Ver- 
mischung ist  das  Produkt  dieser  beiden  Lesarten. 

Rätselhaft  nach  ihrer  Herkunft  bleibt  eine  2.  Textgestalt, 
welche  für  Thaddäus  Judas  Zelotes  substituiert.  Sie  findet  sich 
in  altlateinischen  europäischen  Übersetzungen4:  a  (Vercell.  saec.IV), 
b  (Veron  saec.  V),  g  (Monac.  saec.  VII),  welche  die  letzten  Namen 
ordnen:  7.  Matthäus,  8.  Jacobus  Alphäi,  9.  Judas  Zelotes,  10.  Thomas, 
11.  Simon  Canan.,  während  die  Mischhandschriften,  welche  altlatei- 
nische und  hieronymianische  Übersetzung  abwechselnd  enthalten, 
g  (Cod.  Gig.  Holm.),  h  (Ciarom.  saec.  V — VII)  und  gat  (Evangel. 
zu  St.  Gatien)  eine  andere  Reihenfolge  haben5:  7.  Thomas, 
S.  Matthäus,  9.  Jacobus  Alphäi,  10.  Judas  Zelotes,  11.  Simon  Canan. 

Schon  Sabatier  war  es  unklar,  wie  Judas  Zelotes  in  die 
HSS  hereinkam,  da  doch  nur  Simon  das  Attribut  Zelotes  zu- 
kommt. Hort  sucht  es  auf  eine  Confusion  mit  Lukas  (6,  16) 
zurückzuführen,  wo  Simon  Zelotes  und  Judas  Jacobi  aufeinander 
folgen,  so  daß  das  Attribut  des  einen  dem  andern  angehängt 
worden  wäre,  während  nach  der  Mt.-Grundlage  Simon  Canan. 
stehen  blieb. 

Eine  3.  Lesart  ist  der  altsyrischen  Übersetzung,  des  Cod. 
Sinait.  Syr.  eigen,  wo  Thaddäus  durch  Judas  Jacobi  ersetzt 
und  an  die  letzte  Stelle  gerückt  ist6.  Da  auch  bei  Lc.  6,  16, 
Apg.  1,  13  'lovöaq  'laxcoßov  statt  Thaddäus  genannt  ist, 
so    mag    hier    die    schon  von  Hieronymus"  ausgesprochene  Ver- 

1)  Schanz,  Conmi.  zu  Mt.  S.  285  f. 

2)  Polyglotta  Anglica  tont.  V  p.  45. 

3)  The  Coptic  Version  a.  a.  0.  p.  70. 

4)  F.  Cr.  Burkitt,  Evangelion  da  Mepharreshe  Vol.  II,  Cambridge 
1904,  271  u.  Westcott-Hort  p.  12. 

5)  Sabatier  a.  a.  O.  IH  54.  Burkitt  a.  a.  O.  271.  Vgl.  A  Synopsis 
of  the  Gospels  in  Greek  -with  various  readings  etc.  by  Arth.  Wright  sec. 
ed.  p.  30—31. 

6)  Burkitt  a.  a.  0.  C.  Holzhey,  Der  neuentdeckte  Codex  Syrus 
Sinaiticus,  München  1896,  S.  32. 

7)  Sabatier  a.  a.  0.  III  54. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  203 

mutung,  daß  Thaddäus  auch  Judas  Jacobi  hieß,  Platz  greifen: 
Thaddaeum  apostolum  ab  evangelista  Luca  dici  Judam  Jacobi, 
et  alibi  appellatur  Lebbaeus,  quod  interpretatur  corculus,  creden- 
dumque  est,  eum  fuisse  trinomium,  wenn  dieser  Ausweg  nicht 
bloß  zur  Harmonisierung  von  Mt.  und  Lc.  erfunden  ist.  Auch 
Chrysostomus1  kennt  diese  Namenunion:  ?)v  jag  xal  treQoq 
'lovöag  6  Aeßßcüog  6  £jcixfo]&elc  Qaööalog.  Joa.  (14,  22)  unter- 
scheidet einen  Judas,  der  zu  den  Nachfolgern  Jesu  gehörte, 
von  dem  J.  Ischarioth,  welch'  ersterer  meist  mit  dem  bei  Luc. 
genannten  Judas  Jacobi  identifiziert  wird  (cfr.  Jud.  1),  dann 
aber  auch  mit  dem  bei  Mt.  und  Mc.  genannten  Thaddäus,  dessen 
Vollname  Judas  Thaddäus  gewesen  sein  soll.  So  hätte  die  alt- 
syrische Übersetzung  mit  Lc.  und  Johannes  den  „später  gewöhn- 
lichen" Namen  gewählt,  während  Mt.  und  Mc.  „den  früher  mehr 
gebräuchlichen  Zunamen"  anwandten2. 

Die  Exegeten  kommen  darin  nicht  überein,  ob  dieser  Judas 
(Thaddäus)  mit  dem  Verfasser  des  katholischen  Briefes,  dem 
döeZcpbg  'laxmßov,  identisch  ist,  oder  ob  vlog  'lax.  zu  er- 
gänzen ist.  Jedenfalls  ist  die  Lesart  'iovöaq  o  xal  'lax.  in  der 
Minuskelhs  243  eine  spätere  Entstellung,  wie  sie  in  ähnlicher 
Weise  in  der  äthiopischen  Version  der  ap.  KO  vorkommt,  wo 
der  als  12.  genannte  Judas  Jacobi  in  zwei  voneinander  ver- 
schiedene Namen  aufgelöst  wird. 

3.  Die  Liste  bei  Lc.  6,  14 — 16  hat  die  Reihe:  1.  Simon 
Petrus,  2.  Andreas,  3.  Jacobus,  4.  Johannes,  5.  Philippus,  6.  Bar- 
tholomäus, 7.  Matthäus,  8.  Thomas,  9.  Jacobus  Alphäi,  10.  Simon 
Zelotes,  11.  Judas  Jacobi,  12.  Judas  Ischarioth.  Die  HSS  und 
Übersetzungen  haben  fast  nur  Varianten  in  der  Schreibweise 
der  Namen.  Der  Syrer  gibt  natürlich  Petrus  stets  mit  Kepha 
wieder3.  Im  Cod.  Sinait.  Syr.  ist  der  Text  an  dieser  Stelle  etwas 
verstümmelt  .  .  .  Cepha  .  .  .  Zebedäi;  bei  10.  Simon  fehlt  ein  At- 
tribut. In  einer  altlateinischen  Übersetzung  (Cod.  Cantabrig.)  ist 
nach  dem  Vorbild  von  Joa.  11,  16  zu  Thomas  hinzugefügt:  qui 
cognominatus  est  Didymus4. 

1)  Schanz,  Comm.  zu  Mt.  S.  286. 

2)  Schanz,  Conimentar  zu  Mc.  a.  a.  0.  S.  156. 

3)  Th.  Zahn,  Einleitung  in  das  N.T.  I.  Bd.  2.  Aufl.  Leipzig  1900, 10. 

4)  Sabatier  a.  a.  O.  111  287  zu  V.  15. 


2()4  Schermann, 'Propheten-  und  Apostellegenden. 

4.  In  der  Apg.  1,  13  ist  wiederum  Petrus  von  Andreas  durch 
das  Zebedaidenpaar  getrennt,  so  daß  die  Reihe  lautet:  1.  u.  2. 
Petrus  und  Johannes,  3.  u.  4.  Jacobus  und  Andreas,  5.  u.  6.  Phi- 
lippus  und  Thomas,  7.  u.  8.  Bartholomäus  und  Matthäus,  9.  Ja- 
cobus Alphäi,  10.  u.  11.  Simon  Zelotes  und  Judas  Jacobi.  Ab- 
gesehen von  spätem  Umstellungen  der  ersten  vier  Namen,  z.  B. 
bei  Beda1,  betreffen  die  Varianten  besonders  die  syndetische 
Form.  In  der  Charakterisierung  der  einzelnen  Namen  durch 
die  Epitheta  herrscht  zwischen  den  einzelnen  HSS  und  Über- 
setzungen nicht  die  geringste  Verschiedenheit2. 

Nicht  ohne  Belang  ist  es,  noch  die  zersprengten  Namen  bei 
Johannes  und  in  den  Paulusbriefen  zu  sammeln. 

Joh.  1,  41 — 53  nennt  als  Erstberufene:  Andreas.  Petrus,  Phi- 
lippus3  und  einen  Anonymus  (Johannes?).  Joa.  11,  16  (cfr.  14.  5; 
20,  24):  Thomas  mit  dem  Beinamen  Didymus.  Joa.  21,  2:  1.  Simon 
Petrus,  2.  Thomas  Didymus,  3.  Nathanael  von  Kana4  in  Galiläa, 
5.  u.  6.  die  Söhne  des  Zebedäus,  7.  u.  8.  zwei  anonyme  Jünger. 
In  den  paulinischen  Briefen  ist  öfters  die  Rede  von  Kephas,  dem 
der  Herr  (1  Cor.  15,  5)  erschien,  und  nach  ihm  den  Elfen  (al. 
Zwölfen);  dann  werden  (1  Cor.  9,  5)  die  übrigen  Apostel  und  die 
Brüder  des  Herrn  und  Kephas  genannt,  während  in  Galat.  1,  18 
bis  19  Petrus  und  Jacobus  der  Herrenbruder  erwähnt  sind. 

§  60.    Ägyptische  außerkanonische  und  kanonische 
Apostellisten. 
Je    näher    der    urchristlichen    Zeit    lokale    Überlieferungen 
stehen,  um  so  mehr  können  individuelle  Beobachtungen  angestellt 
werden.    Dies  trifft  auch  bei  den  in  Ägypten  heimischen  Apostel- 
listen   zu.     Ein    eigentlich   ägyptischer  Typus  der  Apostelnamen 


1)  Sabatier  IH  506. 

2)  Ad.  Hilgenfeld,  Acta  apostolorum,  Graece  et  Latine,  Berolini 
1899  p. 3  et  128. 

3)  Papias  (fragm.  II  4;  F.  X.  Funk,  Patres  Apostolici  Vol.  I  editio 
II,  Tübing.  1901,  352,  1—4  aus  Euseb.  h.  e.  III  39)  beginnt  eine  Aufzählung 
mit  derselben  Reihe,  dann  folgt  Thomas  (Joa.  11,  16),  dann  Jakobus,  Jo- 
hannes, Matthäus  etc. 

4)  Theod.  Zahn,  Einleitung  IL  Bd.  2.  Aufl.,  2(34,  480  identifiziert 
Nathanael  mit  Bartholomäus,  während  Hilgenfeld  ihn  Matthias  gleich- 
setzt. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  205 

läßt  sich  wegen  der  wenigen  überlieferten  Texte  nicht  aufstellen; 
dennoch  unterscheiden  sich  die  Verzeichnisse  des  christlichen 
Altertums  von  den  spätem  arabischen,  welche  meist  kanonische 
substituieren,  wesentlich. 

Ein  besonders  wertvolles  Exemplar  einer  ägyptischen  Apostel- 
liste liegt  in  dem  ersten  Teile  der  apostolischen  Kirchenordnung 
vor,  welcher  ethische  Vorschriften  zum  Inhalte  hat,  wobei  die 
einzelnen  Apostel  redend  eingeführt  werden.  Betrachten  wir  aber 
die  einzelnen  HSS  und  Übersetzungen  des  Textes,  so  werden 
wir  finden,  daß  sie  je  nach  dem  höheren  Alter  auch  eine  ur- 
sprüngliche eigenartige  Apostelreihe  bewahrt  haben,  während  die 
jüngeren  weniger  mehr  originell  sind.  In  der  HS  Vindob.,  in 
der  thebaischen  und  äthiopischen  Version1  sind  nämlich  die 
Namen  der  Apostel  an  dem  Anfange  der  ap.  KO  zusammen- 
gestellt, wie  sie  sich  darnach  nochmals  vom  dritten  Abschnitt 
an  auf  die  einzelnen  Sittenlehren,  welche  die  Apostel  vortragen, 
verteilen.  Die  Ordnung  des  vorausgestellten  Kataloges  wie  der 
im  Texte  eingereihten  Namen  ist  dieselbe:  1.  Johannes,  2.  Mat- 
thäus, 3.  Petrus  und  4.  Andreas,  5.  Philippus,  6.  Simon,  7.  Jacobus, 
8.  Nathanael,  9.  Thomas,  10.  Kephas,  11.  Bartholomäus2  [12.  Judas 
Jacobi].  Der  Athiope  trennt  letzteren  in  Judas  und  Jacobus, 
die  Herrnbrüder,  so  daß  bei  Verteilung  der  Sprüche  Judas  mit 
einem  Teile  der  Sätze  des  Nathanael  betraut  wird.  Besondere 
Beachtung  verdient  der  letzte  Apostel  Judas  Jacobi,  der  offenbar 
die  Stelle  des  Judas  Ischarioth,  welcher  natürlich  als  Sitten- 
prediger nicht  zu  Worte  kommen  konnte,  vertritt.  Dieser  Name 
fehlt  denn  auch  in  einigen  Zeugen,  und  es  ist  nicht  ausgeschlossen, 
daß  er  erst  bei  der  Ausgabe  der  ap.  KO,  welche  in  ihrer  jetzigen 
Gestalt  c.  300  entstanden  sein  soll,  aus  einer  andern  Quelle,  um 

1)  Ad.  Harnack,  Die  Lehre  der  12  Apostel  nebst  Unters,  zur  älte- 
sten Gesch.  d.  Kirchenverfassung  [T.  u.  U.  II]  Leipzig  1896,  225  f.  Theod. 
Zahn,  Einleitung  II2  480,  (i  nennt  die  Unterscheidung  von  Nathanael  und 
Bartholomäus  eine  ebenso  mutwillige  Dichtung,  als  die  Unterscheidung 
von  Petrus  und  Kephas  in  dem  Katalog  der  apostol.  Kirchenordnung. 

2)  Diese  Liste  weiß  von  der  Identität  des  Nathanael  mit  Bartholo- 
mäus nichts,  welche  man  aus  Joa.  1,  40  ableitet;  s.  P.  Schanz,  Com- 
mentar  über  d.  Ev.  d.  hl.  Matth.  Freib.  1879,  285.  Augustinus  wehrte 
sich  gegen  eine  Identifizierung  des  Nathanael  und  Bartholomäus  (tract. 
VII  17  in  Evang.  Joan).  Vgl.  C.Schmidt  in  HRE  II3,  Leipzig  1897,  420 
Zeile  45  ff,  web-lin-  sich  für  eine  solche  ausspricht. 


206  Scherinann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

die  Zwölfzahl  vollzumachen,  beigefügt  wurde1.  Diese  Quelle 
mochte  syrischer  Herkunft  sein,  da  die  altsyrischen  Mt.listen  in 
Cod.  Sinait.  und  in  den  Thomasakten  gleich  den  lukanischen 
Apostelkatalogen  (Lc.  6,  14;  Apg.  1,  13)  Judas  Jacobi  im  Kolle- 
gium nennen.  In  einer  spätem  HS,  Cod.  Mosqu.  der  Ap.  KO. 
wurden  die  charakteristischen  Namen  Kephas  und  Nathanael, 
von  denen  der  letztere  bei  Joa.  21,  2  genannt,  der  erstere  bei 
Clemens  von  Alexandreia  von  Petrus  unterschieden  wird,  ganz 
ausgemerzt.  Im  zweiten,  dem  sog.  kirchenrechtlichen  Teile  der 
ap.  KO  ist  die  Reihe  der  Apostel  nicht  mehr  vollständig,  und 
daher  ordnungslos,  so  daß  sie  nur  insoweit  Interessse  hat,  als 
Kephas  wiederum  von  Petrus  unterschieden  auftritt. 

Ein  Nachwirken  dieser  altägyptischen  Apostelliste  ist  noch 
in  dem  Katalog  zu  verspüren,  welcher  sich  in  der  sog.  „Anaphora 
der  Apostel"  der  äthiopischen  Liturgie  der  abessinischen  Jabo- 
biten2  findet,  wo  der  Name  Nathanael  in  der  sonst  kanonisch 
geordneten  Reihe  erhalten  blieb:  Petrus  und  Andreas,  Jacobus 
und  Johannes,  Philippus  und  Bartholomäus,  Thomas  und  Mat- 
thäus, Thaddäus  und  Nathanael,  Jacobus  Alphäi,  Matthias,  auch 
Jacobus  der  Herrnbruder. 

Andere  literarische  Quellen  des  christlichen  Altertums  ägyp- 
tischer Heimat  haben  leider  nur  unvollständige  Apostellisten 
aufbewahrt,  wie  das  sog.  Ebionitenevangelium  der  12  Apostel3. 
Trotzdem  am  Schlüsse  des  zweiten  Bruchstückes  die  12  Apostel 
angeredet  werden,  sind  doch  im  Eingange  nur  acht  namentlich 
aufgezählt.  Der  Herr  zählt  dem  Simon  mit  dem  Beinamen 
Petrus  die  von  ihm  Erwählten  auf:  Johannes4  und  Jacobus,  die 
Söhne  des  Zebedäus,  Simon  und  Andreas,  Thaddäus  und  Simon 
Zelotes,  Judas  Ischarioth  und  Matthäus.  In  dem  Bruchstücke 
von  Akhmim  der  Offenbarung  des  Petrus  (n.  5)  ist  von  den 
12  Jüngern  leider    ohne  Namenangabe   die  Rede5.     In   der  neu 

1)  Vgl.  Scher  mann,  Eine  Elfapostelmoral  oder  die  X-Recension 
der  „beiden  Wege"  München  1903,  21  f. 

2)  Brightman,  Liturgies  Eastern  undWestern  I,  Cambridge  1894, 228. 

3)  Edg.  Hennecke,  Neutest.  Apokryphen.  Tüb.  1904,  26.  Ad.  Har- 
nack,    Die  Chronologie  der  altchristl.  Literatur  1  2,  Leipzig  1S97,  627  f. 

4)  Johannes  marschiert  auch  hier  an  der  Spitze  des  Apostelkollegiums, 
was  schon  Epiphan.  adv.  haer.  30,  13  bemerkte.  Vgl.  Th.  Zahn.  Artikel 
Johannes  d.  Evang.  in  HRE  IX3,  Leipzig  1901,  272  Zeile  36. 

5)  Edg.  Hennecke  S.  215. 


G.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  2 1)7 

edierten  koptisch  erhaltenen  Apokalypse  des  Bartholomäus l  uud 
dem  ..Evangelium  der  12  Apostel  und  des  hl.  Bartholomäus'- 
schließt  sich  die  Namenreihe  an  Lc.  6,  16  an.  Redend  werden 
eingeführt:  Petrus,  Andreas,  Jacobus,  Johannes,  Philippus,  (Tho- 
mas), Bartholomäus,  Matthäus,  Jacob.  Alph.,  Simon  Zelotes, 
Matthias. 

In  arabischen  HSS  der  mythologischen  Apostelakten  ist  die 
Aufzählung  derselben  nach  Mt.  10,  2— 42  geordnet.  Der  Name 
des  Petrus  fehlt,  da  er  in  den  HSS  nicht  mit  Akten  bedacht  ist. 

Das  Diatessaron  Tatians  wurde  von  dem  nestorianischen 
Mönche  Ibn  at-Tayyib  (f  1043)  ins  Arabische  übersetzt3,  aber 
leider  war  schon  vorher  der  syrische  Text  der  Schriftstellen  einer 
Revision  nach  den  Lesarten  der  Peschittha  unterzogen  worden. 
Infolgedessen  haben  wir  in  dem  arabischen  Diatessaron  nur  den 
Katalog  der  Peschittha  von  Lc.  6,  14 — 16,  welcher  keine  Eigen- 
tümlichkeiten gegenüber  dem  Griechischen  bietet. 

§  61.    Syrische  Apostellisten. 

1.  Die  ältesten  syrischen  Bearbeitungen  oder  Übersetzungen 
der  hl.  Schrift  stellen  zweifellos  Tatians  Diatessaron,  das  großenteils 
verloren  ist,  und  ein  Evangelium  da-Mepharrese,  d.  h.  eine  Über- 
setzung der  getrennten  (Evangelien),  welche  in  Cod.  Sinait.  Syrus 
und  in  Cod.  Cureton.  vorliegt,  dar.  Das  Charakteristische  der  sy- 
rischen Apostellisten  von  Mt.  X  besteht  darin,  daß  der  Syrer  statt 
Thaddäus  den  Namen  Judas  Jacobi  einsetzt,  so  daß  die  Ansicht 
aufgestellt  wird,  daß  beide  Benennungen  einer  Person  zukommen. 
Cod.  Cureton  (Brit,  Mus.  Add.  14,  451)  enthält  Mt.  cap.  X  nicht; 
so  haben  wir  als  einzigen  Zeugen  der  altsyrischen  Übersetzung 
der  getrennten  Evangelien  nur  Cod.  Sinait.  Syrus  (Ss.).  Craw- 
ford  Burkitt4,    welcher    in    der    letzten   Zeit  die   eingehendsten 


1)  Lacau,  Fragments  d'Apocal.  Coptes  in  den  Meuioires  de  PInstitut 
francais  au  Caire  1904,  S.  43 ff.  E.  Revillout,  Patrologia  Orientalis 
tom.  II  fasc.  2.  Les  apocryphes  coptes  T.  Les  t'-vangiles  des  douze  apötres 
et  de  S.  Barthelemy,  Paris  1904,  S.  149  ff 

2)  E.  v.  Do bschütz,  Besprechung  von  Agn.  Sm.  Lewis,  Acta  mythol. 
Apostolorum  in  Theol.  Literaturzeitung  1905,  Nr.  21  S.  567. 

3)  Crawf.  Burkitt,  Evangel.  da  Mephar.  S.  4  u.  271. 

4)  Evangelion  da  Mephaweslie  Vol.  II,  Cambridge  L904,  S.  12  u.  i27<  ►. 


208  Schermaim,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Untersuchungen  über  diesen  Evangelientext  anstellte,  suchte  dar- 
zutun, daß  die  Apostelliste  von  Ss  frei  von  Beeinflussung  west- 
licher Texte  die  ursprüngliche  Reihe  wiedergäbe.  Dagegen  schien 
der  Apostelkatalog  von  Tatians  Diatesseron  (D),  der  sich  noch 
in  Isho'dads  (852)  Bearbeitung  erhalten  hat,  anzukämpfen,  da  er 
den  Namen  des  Jacobus  Alphäi  also  wiedergab:  Jacobus  Lebbäus 
Alphäi.  Zahn1  sprach  früher  der  letzteren  Liste  die  Priorität  zu. 
Weil  es  sich  nur  um  die  letzten  5 — 6  Namen  handelt,  so  wollen 
wir  sie  zum  Vergleiche  unter  einander  stellen.  Die  sog.  Liste  von 
Tatians  Diatessaron  edierte  Goussen2  aus  der  Berliner  Isho'dad- 
handschrift  Cod.-Sachau  311. 

7  8                        9 

Ss  (Ev.  da  Meph.)       Thomas  Matth.         Jakob.  Alphäi 

D  (Isho'dad,  Diät.)       Thom.  Mt.         Jak.  Lebb.  Alph. 

10  11                      12 

Simon  Can.  Judas  Jacobi             — 

Sim.  Can.  Jud.  Jac.           Jud.  Isc. 

Matthäus  hatte  in  beiden  Verzeichnissen  den  Beinamen  „der 
Zöllner",  auch  ist  die  Reihenfolge  beidemal  die  gleiche,  so  daß 
wir  sicher  sein  können,  daß  wir  die  Liste  Mt.  10,  2 — 4  vor  uns 
haben.  Dennoch  bringt  in  die  Übereinstimmung  der  Zusatz 
„Lebbäus"  zu  Jacobus  Alphäi  bei  Isho'dad  eine  Disharmonie 
herein.  Gewiß  ist  er  für  die  Integrität  dieser  Liste  'kein  gutes 
Zeichen.  Nachdem  einmal  der  Apostelkatalog  des  Tatianischen 
Diatessaron  (c.  172)  zunächst  in  den  Kommentar  Ephrems  des 
Syrers  und  von  da  erst  in  jenen  des  Nestorianers  Isho'dad  über- 
ging, ist  es  sehr  leicht  begreiflich,  daß  in  dieser  indirekten  Über- 
lieferung sich  fremde  Elemente  geltend  machten;  dazu  gehört 
wohl  der  Beisatz  Lebbäus  zu  Jacobus  Alphäi,  welcher  mit  Recht 


Ofr.  C.  Holzhey,  Der  neuentdeckte  Cod.  Sinait.  Syr.  S.  9.  C.  R.  Gre- 
gory, Textkritik  des  N.  T.  IL  Bd.  Leipzig  1902,  489-493.  Weitere 
Literatur  bei  R.  Knopf,  Der  Test  des  Neuen  Testaments,  Giessen  1906 
[Vorträge  d.  theol.  Konferenz  zu  Giessen.    25.  Folge]  S.  17  Anm.  1  u.  2. 

1)  Theol.  Literaturblatt.  Oct.  18,  1895,  499.  In  seiner  Einleitung  II2 
(1900)  S.  263  Anm.  1  dagegen  nicht  mehr. 

2)  welche  ich  J.  R.  Harris,  Fragments  of  the  Commentary  of  Ephrem 
Syrus  upon  the  Diatessaron,  London  1895,  101  entnehme,  wo  sie  abge- 
druckt ist. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  209 

dem  Einflüsse  eines  westlichen  Textes,  wie  er  jetzt  in  Cod.  Bezae 
vertreten  ist,  zugeschrieben  wird.  Um  so  mehr  aber  verdient 
die  Beibehaltung  von  Judas  Jacobi  in  dem  korrigierten  Texte 
als  einer  altsyrischen  Eigentümlichkeit  Beachtung  und  bezeugt 
uns  die  Ursprünglichkeit  des  Verzeichnisses  von  Ss.  Damit 
stimmt  auch  das  gegenseitige  Abhängigkeitsverhältnis  von  dem 
Evangelium  da-Mepharrese  und  Tatians  Diatessaron,  welch  ersterem 
die  Priorität,  jedoch  nicht  unwidersprochen,  zuerkannt  wird1. 

Ein  weiteres  literarisches  Zeugnis  für  diese  altsyrische 
Apostelliste  liegt  in  den  jcsqioöoi  Om^ä2  c.  1  vor,  wo  gleich 
zu  Beginn  der  Akten  dieselbe  bereits  bekannte  Namenreihe  auf- 
tritt. Da  die  griechischen  Thomasakten  vielleicht  aus  einer 
syrischen  Grundschrift  geflossen  sind,  so  ist  die  in  ihnen  be- 
nützte syrische  Bibelübersetzung  wohl  jene  des  Evangelium  da 
Mepharrese3. 

Im  palästinensischen  Syrien  erhielt  sich  diese  altsyrische 
Apostelliste  in  den  Diptychen  der  griechischen  Jacobusliturgie. 
Diese  Gruppe  zeigt  aber  dadurch  einen  späteren  oder  fremden 
Einfluß,  daß  Paulus  unmittelbar  hinter  Petrus  zu  stehen  kommt 
und  als  einer  der  Zwölfe  angesehen  wird.  Zwar  sind  der  Kürze 
halber  Jacobus,  Simon,  Judas  nicht  näher  durch  die  Beinamen 
Alphäi  oder  Cananäus  oder  Jacobi  präzisiert,  dennoch  dürfen 
wir,  da  die  Reihenfolge  die  gleiche  ist,  annehmen,  daß  das  alt- 
syrische Verzeichnis  zu  Grunde  liegt.  Die  in  Betracht  kommen- 
den HSS  sind  unter  sich  nicht  ganz  übereinstimmend,  vielmehr 
haben  manche  wiederum  spätere  Einflüsse  aufgenommen.  In 
allen  HSS  stimmen  die  sieben  ersten  Namen  überein:  Petrus, 
Paulus,  Andreas,  Jacobus,  Johannes,  Philippus,  Bartholomäus; 
abweichend  sind  folgende  Namen: 

1.  Vatic.  2282  (s.  VIII)4:      Thomas       Mt.     Jacob.     Simon    Judas 


1)  Holzhey  a.  a.  0.  S.  59. 

2)  ed.  (Lipsius)-Bonnet  IP,  Lipsiae  1903  pag.  99,  3.  W.Wright, 
Apocryphul  Acts  of  the  Apostles  Vol.  II,  1871,  147. 

3)  Cr.  Burkitt  a.  a.  0.  101,  104.  Edg.  Hennecke,  Neutest.  Apocr. 
in  deutscher  Übersetzung  u.  m.  Einl.  herausgeg.  Tübingen  1904,  480.  Vgl. 
Alli.  Ehrhard,  Die  altchristl.  Literatur  und  ihre  Erforschung  I  1900,  164. 

4)  Nach  eigener  Abschrift,  s.  Oriens  Christ.  III  1903,  214—219.  Jetzt 
veröffentlicht  in  Novae  Patr.  bibliothecae  ab  Ang.  Card.  Maio  collectio 
tom.  X  editus  a  Jos.  Cozza-Luzi,  Romae  1905,  p.  31 — 116. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  ]4 


210  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

2.  Rot.  Messan.1 177  (s.  X — XI)  Thomas      Mt.  Jacob.  Simon  Judas 

3.  Sinait.21040(a.  1166) 

4.  Vat.  1970  (s.  XIII) 

5.  Paris  2509  (s.  XIV)      Thom.  u.  Thadd.     „ 

6.  Paris  476  (s.  XVI)  Thomas 

Die  Fortsetzung  lautet  in  Vat.  2282,  1970,  Par.  2509,  476,  Sinait. 
1040:  Matthias  Markus  Lukas,  in  Messan.  177  aber  ist  weiterhin 
beigefügt  Thaddäus,  Barnabas  usw.  Ebenso  wie  in  letzterer  HS 
Thaddäus  wohl  durch  Vergleich  mit  Mt.  10,  2 — 4  nach  X  B  u. 
andern  HSS  angereiht  wurde,  so  hat  die  noch  spätere  HS  des 
XIV.  Jahrhunderts  ihn  direkt  in  das  Verzeichnis  aufgenommen. 
Durch  Brightmans  Ausgabe  kann  man  aber  hierin  leicht  irre- 
geführt werden,  da  er  zu  ihr  den  Cod.  Paris.  2509  mit  Zu- 
hilfenahme des  Rot.  Messanensis  zugrunde  legte  und  daher 
die  Reihe  Odfia  Oaööalov  Marfralov  in  den  Text  aufnahm 3. 
Gerade  dadurch,  daß  Thaddäus  fehlt  und  Judas  (Jacobi)  bei- 
gefügt ist,  unterscheidet  sich  das  syrische  Verzeichnis  von  dem 
bei  tfB  und  Konsorten.  Ob  übrigens  in  den  Diptychen  nicht 
die  Liste  bei  Lc.  6,  14 — 16  ihre  Wirkung  zeigt,  läßt  sich  nicht 
unbedingt  ausmachen;  dagegen  spricht  nur  der  Umstand,  daß 
Thomas  und  Matthäus  hier  eine  andere  Stellung  als  bei  Lc.  und 
andern  Zeugen  haben. 

2.  Ein  zweiter  syrischer  Typus,  welcher  bei  Mt.  10,  2 — 4  statt 
Thaddäus  mit  der  griechisch  westlichen  Gruppe  D  122  Lebbäus 
liest,  ist  vertreten  in  Cod.  Syr.  hr.  (=  der  Übersetzung  des  Thomas 
von  Harkel  616)  und  in  den  Clementinischen  Recognitionen  I 
55 — 62,  wo  die  12  Apostel  im  Tempel  zu  Jerusalem  gegen  Juden 
(Samariter)  disputieren4:  1.  Matthäus,  2.  Andreas  Petri  frater, 
3.  u.  4.:  Zebedäi  filii  Jacobus  und  Joannes,  5.  Philippus,  6.  Bar- 
tholomäus, 7.  Jacobus  Alphäi,  8.  Lebbäus,  9.  Simon  Cananäus, 
10.  Barnabas,  11.  Thomas,  12.  Petrus.  Abgesehen  von  der  Um- 
stellung der  Namen  ist  auffallend,  daß  Barnabas  entgegen  der 
Erzählung   bei  Apg.  I  23  u.  26    der  Zwölfzahl    eingereiht    wird. 


1)  C.  A.  Swainson,  The  Greek  liturgies,  Cambridge  1884,  292—293. 

2)  F.  E.  Brightman,  Liturgies  Eastern  und  Western  Vol.  I,  Oxford 
1896,  p.  501. 

3)  Ebenda  p.  51. 

4)  Ad.  Hilgenfeld,   Acta  Apostolorum  ed.  Berolini  1899,  201.  205. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  211 

Clem.  Recogn.  1 60  identifizieren  Barnabas  und  Matthias:  Barna- 
bas  qui  et  Matthias,  qui  in  locum  Judae  subrogatus  est  apostolus. 

3.  Die  syrischen  Übersetzungen  des  Mc.  Evang.  haben  sämt- 
liche, sowohl  die  altsyrische  wie  die  Peschittha,  die  Lesart 
Thaddäus  beibehalten.  Noch  Barhebräus  (1285) }  hat  sie  rein 
bewahrt,  der  zwar  eine  freie  Namenstellung  sich  erlaubt,  dabei 
aber  Thaddäus,  Jacobus  Alphäi  wie  Mc.  3,  16 — 19  ohne  Zusätze 
nennt.  Auch  das  syrische  Zwölfapostelevangelium2  hat  diese 
Reihe  aufgenommen,  wobei  die  Abstammung  der  einzelnen 
Apostel3  auf  die  12  Stämme  Israels  verteilt  wird:  1.  Simon 
Kepha  aus  Rüben,  2.  u.  3.  Jacobus  und  Johannes,  vom  Stamme 
Issachar,  4.  Andreas  von  Zabulon,  5.  Philippus  aus  dem  Stamme 
Joseph,  6.  Bar  Tholmai  aus  Simeon,  7.  Matthäus  aus  Naphthali, 
S.  Thomas  aus  Benjamin,  9.  Jacobus  Alphäi  aus  Levi,  10.  Thad- 
däus aus  Juda,  11.  Simon  Canan.  aus  Asser,  12.  Judas  der  Ver- 
räter vom  Stamme  Gad.  Vielleicht  vermag  diese  Liste  uns 
Aufschluß  zu  erteilen,  wie  in  dem  Apostelkataloge  von  Tatians 
Diatessaron  in  der  Überlieferung  bei  Isho'dad  der  Apostel  Ja- 
cobus Alphäi  den  Beinamen  Lebbäus  erhielt.  Es  wäre  nicht 
unmöglich,  daß  eine  Tradition,  wie  sie  hier  vorliegt  „Jacobus 
der  Lebite  (aus  Levi)  Sohn  des  Alphäus"  zur  Lesart  des  Isho'dad 
beitrug. 

4.  Aus  der  Kombination  dieser  zwei  syrischen  Typen,  des- 
jenigen mit  westlichem  Einfluß,  wie  er  in  den  Clem.  Recogn. 
vorliegt,  und  jenes  dieser  Markusgruppe,  entstand  ein  dritter 
Mischtypus,  jener  der  Peschittha4  von  Mt.  10,  2 — 4,  welcher  viel- 
leicht auch  ein  direktes  Vorbild  in  einigen  griechischen  HSS 
(C2LJ4)    haben   konnte.     Dieser  Mischtypus    umfaßt   eine  Reihe 


1)  Gregor.  Barhebraei  Chronicon  Ecclesiast.  ed.  Joa.  Bapt.  Abbeloos 
et  Thom.  Jos.  Lamy.   Tom.  I,  Lovanii  1872,  sect.  I  p.  32  f. 

2)  J.  R.  Harris,  The  Gospel  of  the  twelve  Apostles,  Cambridge 
1900,  p.  26. 

3)  Cfr.  I  Clem.  ep.  ad  Cor.  43,  2  [PP.  Apostol.  opp.  rec.  O.  de  Geb- 
hardt,  Ad.  Harnack,  Theod.  Zahn,  ed.  V  minor,  Lipsiae  1906,  p.  23]. 
Vgl.  Eb.  Nestle,  Theol.  Literaturzeitung  190t),  S.  558. 

4)  Auch  im  Jerusalemischen  Syrisch  (d.  h.  in  Lektionarien).  Evangel. 
Hierosolymit.  ex  codice  Vaticano  Palaestino  depromptum  edidit,  latine 
vertit.  etc.  Fr.  Miniscalchi  Erezzo,  Verona  1861  — 1864.  2  vol.  Am 
1.  Novbr.  (Fest  der  Thaumaturgen  Kosmas  und  Damian)  ist  die  Lektion 

14* 


212  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

von  Apostellisten,  welche  bald  mehr,  bald  weniger  eine  frühere 
Vorlage  durchblicken  lassen.  Hierzu  gehört  das  Verzeichnis1 
in  Cod.  Sinait.  syr.  10  (saec.  9),  wo  die  letzten  Namen  lauten: 
7.  Thomas,  8.  Matthäus,  9.  Simeon,  10.  Judas  Thadd.  Lebb., 
11.  Jacobus  Alphäi,  12.  Judas,  ferner  jenes  in  den  apostolischen 
Konstitutionen  1.  VI  14,  l2  und  1.  VIII  4ff.3:  1.  u.  2.  Petrus  und 
Andreas,  3.  u.  4.  Jacobus  und  Johannes,  5.  u.  6.  Philippus  und 
Bartholomäus,  7.  u.  8.  Thomas  und  Matthäus,  9.  u.  10.  Jacobus 
Alphäi  und  Lebbäus  mit  dem  Beinamen  Thaddäus,  11.  u.  12.  Simon 
Cananites  und  Matthias,  13-  u.  14.  Jacobus  frater  Dom.  und 
Paulus.  Durch  Beiziehung  des  Paulus,  der  1.  VIII  c.  33  noch 
mit  Petrus  zusammengestellt  ist,  war  der  erste  Anfang  getan, 
durch  welchen  dann  Paulus  in  das  Apostelverzeichnis  eingereiht 
wurde,  wie  es  in  den  hierosolymitanischen  Diptychen  entgegen- 
tritt. Übrigens  auch  in  dem  Kuddäsa  der  Apostel  Mar  Addai 
und  Mar  Mari,  der  persischen  Liturgie  der  Nestorianer4,  ist 
Petrus  und  Paulus  zusammengestellt;  auch  die  sog.  arabische 
Didaskalie  reiht  in  der  ihr  eigenen  Vorrede  den  12  Aposteln 
den  „guten  und  heiligen  Bruder  Paulus  .  .  .  und  Jacobus  den 
Bruder  des  Herrn"  an5. 

Je  nachdem  nun  noch  Reste  des  altsyrischen  Namens  Judas 
(Jacobi)  bei  der  späteren  Vermengung  mit  westlichen  Verzeich- 
nissen sich  erhielten,  oder  die  Peschittha-Benennung  obsiegte,  findet 
man  in  späterer  Zeit  für  den  in  Frage  kommenden  Apostel  bald 


aus  Mt.  X  1—8;   ebenso  am  30.  Juni  aus  Mt.  IX  36— X  8.    G.  H.  Gwil- 
liani,  Tetraevangeliuni  sanctum  iuxta  simplic.  Syrorum  versioneni  1901. 

1)  Catalogue  of  the  Syriac  Ms  in  the  Convent  of  S.  Catharine  on 
Mount  Sinai,  [Studia  Sinai tica  I]  Compiled  by  Agn.  Sm.  Lewis,  London 
1894  p.  7. 

2)  F.  X.  Funk,  Didascalia  et  Constitut.  Apostol.  ed.  Vol.  I,  Paderk 
1906,  335,  8—12. 

3)  Ebenda  472,  4;  Andreas  1.  VIII  c.  6,  1;  Jacob.  Zeb.  c.  12,  1;  Phi- 
lippus c.  17,  1;  Barthol.  c.  19,  1;  Thomas  c.  21,  1;  Matthaeus  qui  et  Levi 
(c.  22,  1);  Jac.  Alph.  c.  23,  1;  Lebb.  Thadd.  c.  25;  Simon  Can.  c.  27;  Mat- 
thias c.  29;  Paulus  c.  32;  Paulus  und  Petrus  c.  33;  Jacob,  fr.  Dorn.  c.  33 
(Funk  542,  16). 

4)  Brightman  a.  a.  O.  p.  276.  Die  Liste  in  der  syr.  rnelchit.  Litanei 
(ed.  Baumstark,  Oriens  christ.  IV  S.  117)  ist  unvollständig  und  wertlos. 

5)  F.  X.  Funk,  Didasc.  et  Const.  Ap.  DZ  p.  120  und  derselbe,  Die 
apostol.  Konstitut.  S.  208;  vergl.  die  Vorrede  der  äthiop.  Didascalia  S.  217. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel. 


213 


die  Dreinamen  Judas  (Jacobi)  genannt  Thaddai,  qui  et  Labai 
oder  Labai  mit  dem  Beinamen  Thaddai,  qui  et  Judas  Jacobi. 
Die  erstere  Bezeichnung  kommt  in  dem  Katalog  (Chronik  Vc.  10) 
des  monophysitischen  Patriarchen  Michaels  vor1  und  in  jenem 
(„Buche  der  Biene"  c.  48)  des  Nestorianers  Salomon2  von  Bas- 
rah, welche  ein  und  dieselbe  Recension  darstellen.  Die  einzelnen 
Apostel  sind  auch  jüdischen  Stämmen  zugeteilt.  Der  Vorrang 
kommt  jedenfalls  der  Liste  des  zwar  später  schreibenden  Nesto- 
rianers Salomon  (1222)  zu,  da  Paulus  noch  nicht  nach  Petrus 
eingereiht  ist,  und  die  westsyrische  Redaktion  einige  Verbesse- 
rungen und  Umstellungen  anbrachte.  Daher  seien  sie  neben- 
einander gestellt. 


Buch  der  Biene  c.  48. 

1.  Simon     (Kepha)     de     tribu 
Naphthali. 

2.  Andreas  frater  eius. 

3.  Johannes   Zebed.  de  tr.  Ze- 
buion. 

4.  Jacobus  frater  Johannis. 

5.  Philippus  de  tribu  Asser. 

6.  Thomas  de  tribu  Juda. 

7.  Matthäus  de  tribu  Issach ar. 

8.  Bartolomäus  de  tribu  Issa- 
ch ar. 

9.  Judas  Jacobi  qui  et  Thaddai 
qui  et  Lebbai  de  tribu  Juda. 

10.  Simon     Zelotes     de     tribu 
Ephraim. 

1 1.  Jacobus    Alphäi     de     tribu 
Manasse. 

12.  Judas  Iscarioth. 


Chronik   Mich.  d.  Syrers  V,  10. 

1.  Simon  de  tr,  Naphthali. 

2.  Paulus  de  tr.  Benjamin. 

3.  Andreas. 

4.  Jacobus  Zebed.  de  tr.Zabulou. 

5.  Johannes  frater  eius. 

6.  Philippus  de  tribu  Asser. 

7.  Bartholomäus  de  tr.lssacbar. 

8.  Thomas  de  tr.  Juda. 

9.  Matthäus  de  tr.  Issachar. 

10.  Simon  Cananäus  de  tr. 
Ephraim. 

11.  Judas,  cogn.  Thaddai  qui  et 
Labai,  de  tribu  Juda. 

12.  Jacobus  Alphai  de  tr.  Ma- 
nasse. 

13.  Judas  Iscariotes  de  tr.  Dan. 

14.  Matthias  de  tr.  Rüben. 


In  der  Zuweisung    der  einzelnen  Apostel  an  die  zwölf  Stämme 
unterscheiden    sich   die    monophysitische  und  nestorianische  Re- 

1)  J.-B.  Chabot,   Chronique  de  Michael  lo  Syrien,  Patriarche  Jaco- 
bite  d'Antioche  (1166—1199)  Tom.  I  (fasc.  II)  Paris  1900,  146. 

2)  Ern.  A.  W.  Budge,  The  Book  of  the  Bee  [Anecdota  Oxouiensia, 
Semitic  Series  Vol.  I  part.  II],  Oxford  1886,  103. 


214  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

censiou  fast  gar  nicht.  In  der  Umgestaltung  der  Apostelreihe 
scheint  aber  dem  Patriarchen  Michael  der  Traktat  des  Dionysius 
bar-Salibi  über  die  12  Apostel  und  72  Jünger  behilflich  gewesen 
zu  sein,  welchen  er  dem  5.  Bache  seiner  Chronik  als  Appendix 
beigab1.  Diese  Liste  hatte  nämlich  bereits  Paulus  an  zweite 
Stelle  gesetzt,  so  daß  Michael  sein  überkommenes  Verzeichnis 
darnach  umänderte  und  auch  eine  andere  Namenstellung  teilweise 
vollzog.  Der  um  ein  halbes  Jahrhundert  spätere  Nestorianer 
scheint  die  in  sein  Sammelwerk,  das  er  nach  Art  einer  „Biene" 
machte,  aufgenommene  Liste  nicht  neu  redigiert  zu  haben,  wie 
auch  der  alsbald  c.  49 2  desselben  Buches  folgende  Apostelkatalog 
seine  Eigentümlichkeiten  beibehielt.  Letzterer  nennt  nur  Lebbäus 
qui  et  Thaddäus  nach  der  Peschittha.  In  c.  50 3  desselben  Buches 
aber  scheint  wiederum  eine  andere  Vorlage  aufgenommen  worden 
zu  sein,  wo  unter  den  Aposteln,  welche  verheiratet  wareu,  auf- 
gezählt wird:  Nathanael  qui  et  Bartholomäus.  Lebbäus  qui  et 
Thaddäus  qui  et  Judas  Jacobi.  Simon  Cananites  qui  et  Zelotes, 
qui  et  Judas,  Simonis  filius. 

5.  Den  Prozeß,  wie  spätere  Redakteure  in  eigenmächtiger 
Abänderung  überkommener  Listen  verfuhren,  können  wir  an 
einem  griechischen  Apostelverzeichnisse  nachprüfen,  welches  ur- 
sprünglich das  altsyrische  des  Evang.  da  Mepharrese  war,  jetzt 
aber  in  drei  Recensionen  erhalten  ist.  Ph.  Meyer  hatte  es  bereits 
bei  R.  Ä.  Lipsius  aus  Cod.  Vatop.  739  (saec.  XII)  fol.  '2S2V  mit- 
geteilt. Ich  fand  es  in  einer  weitern  HS  und  noch  gedruckt 
vor,  so  daß  sich  eine  Textherstellung  lohnt,  trotzdem  Lipsius 
„nichts  Eigentümliches"  daran  findet.    Die  Zeugen  sind  folgende: 

A  =  Im  Eingange  der  Kommentare  des  Oecumenius  als 
selbständiges  Stück.  Olxovfispiov  vjtofiprjfictza  sig  zag  zf/g 
veaq  öia&r]x?]g  jtQay^iazeiag  zagös.  Oecumenii  commentaria  in 
hosce  Novi  testamenti  tractatus.  Opus  primum  graece  et  latine 
editum.  Interprete  Joan.  Hentenio,  emendatore  et  praelectore 
Fed.  Morello,  Lutetiae  1630,  initio  pag.  i. 

B  =  Cod.  Vatop.  739  (saec.  XII)  fol.  282?    nach    neutestam. 


1)  ed.  Chabot  I  (fasc.  II)  p.  147. 

2)  ed.  W.  Budge  p.  113. 

3)  ed.  Budge  p.  115. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  215 

Schriften.     Die  Kollation  von  Ph.  Meyer  mitgeteilt  bei  Lipsius, 
Die  apocr.  Apostelgesch.  u.  Apostelleg.,  Ergänzungsheft  S.  4. 

C  =  Cod.  Vatic.  gr.  1974  (ol.  Basil.  XIII  cfr.  fbl.  2)  (saec.  XII), 
membr.  (ff.  125)  rniscell.  Nach  dem  griech.  Texte  von  Isaias  be- 
ginnt der  Katalog  fol.  23v. 

Er  findet  sich  noch  in  Cod.  Iviron.  695  (Lampros  4815)  n.  11 
'Ovofiara  xmv  iß'  ajtoörölmv  ex  rov  xaxa  3Jazd-alov,  wovon 
ich  keine  Kollation  besitze. 

Tcöv  iß'  aiioöxöXcav  ra  ovofiara. 
HifMov  6  leyofievog  üergog   xal  Avögtag  o  aöelcpog  avrov. 
'iaxcoßoq   xal  'la>avv?]g.    <PlliJtjtog   xal    Bagd-oXofiaTog,    Oco^iäg 
xal  Maz&aioq  6  xeXcovi}Q.     'laxcoßog  6  rov  Alcpaiov 


A:  Sificov  o  Kava- 
vaiog  xal  'lovöag 
laxcoßov 


B:  xal  Oaööalog  6      C:  xal  Aeßßaiog  6  5 
xal    >Iovöag.    21[Iodv '  eJiixl)]&elc&adöaTo-. 
6  Kavavirrjq  ^ificov  o  Kavavirr]g 


xal  Matd-iag   6  ovyxaratprj(piöd-elg  fisra  rcöv  evöexa  avxl   rov 

JtQOÖOTOV. 

Der  Katalog  A  bewahrte  seine  altsyrische  Form,  durch 
späteren  Vergleich  mit  anderen  Listen  ging  das  Charakte- 
ristische verloren;  B  wurde  nach  X  B  etc.  korrigiert,  C  konnte 
nach  dem  Peschitthatexte  oder  den  damit  übereinstimmenden 
griechischen  HSS,  oder  was  wahrscheinlicher  ist,  nach  dem 
Kataloge  von  Apost.  Konstit.  1.  VI  c.  14,  mit  welchem  C  ganz 
übereinstimmt,  neuredigiert  worden  sein.  Die  Beifügung  des 
Matthias  (Apg.  1 ,  26)  verlangt  nicht  auf  ein  lukanisches 
Apostelverzeichnis  Bezug  zu  nehmen,  da  unsere  Liste  nicht  bloß 
gegenüber  den  lukanischen  Umstellungen  in  den  ersten  acht 
Namen  ganz  den  sonstigen  Mt.-Listen  getreu  bleibt,  sondern 
auch  Matthäus  im  Anschluß  an  Mt.  10,  3  als  6  reZcovtjg  und 
Simon  als  Cananäus,  nicht  gemäß  der  griechischen  Übersetzung 
bei  Lc.  als  ^rßcor^g,  bezeichnet.  Auch  Ap.  Konst.  VI  14  hat  zu 
seinem  Mt-Kataloge  Matthias  beigefügt. 

1  <B       iß')  6h  A       uvöinava  -f-  iavtv  zavva  A  |  "J  Slfzcav  —  ?.ey.  <Z 
C  |   3  'Icoävvijq  -\-  o  ä6e).<poq    avxov  C  |  4  Maid-.  <  6  B        'AX<p£ov  C 
8  Mav&elaq  C        6  —  J)  tcooöotov  <Z  C 


216  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Wir  können  daher  einen  4— 5  fachen  syrischen  Typus  in 
den  Apostelkatalogen  unterscheiden. 

1.  Den  altsyrischen  des  2.  Jahrh.,  vertreten  im  Evangeliuni 
da-Mepharrese,  in  den  Thomasakten  und  mit  geringem  (west- 
lichen?) Einfluß  in  der  Recension  des  Diatessaron  Tatians  bei 
Ishocdad.  Auch  die  Diptychen  der  griechischen  Jakobusliturgie 
geben  von  ihm  noch  Zeugnis,  trotzdem  Paulus  zu  Petrus  bei- 
gefügt ist.  Ein  anonymes  griechisches  Mt.  Verzeichnis  ging  in 
seiner  ursprünglichen  Textgestalt  darauf  zurück,  wie  ein  Zeuge 
noch  beweist. 

2.  Ein  mittelsyrischer  Typus  verrät  westlichen  Einfluß  da- 
durch, daß  er  mit  D.  122  Lebbäus  liest;  er  ist  vertreten  in  den 
Clementinischen  Recognitionen  I  55 — 62  und  in  der  syrischen 
Übersetzung  des  Mt.-Evangeliums  des  Thomas  von  Harkel. 

3.  Eigene  Wege  ging  der  Verfasser  des  syrischen  Zwölf- 
apostelevangeliums, der  die  Liste  von  Mc.  3,  16  substituierte, 
welche  Barhebräus  noch  rein  erhielt. 

4.  Der  syrische  Mischtypus  der  Peschittha  fand  Eingang  in 
Ap.  Konstit.  VI  14  und  VIII  4  ff.,  in  den  späteren  nestorianischen 
und  monophysitischen  Apostelverzeichnissen,  welche  manchmal 
noch  Verwandtschaft  mit  dem  altsyrischen  oder  mit  dem  X  B  etc- 
Typus  verraten.  Damit  soll  natürlich  nicht  eine  chronologische 
Aufeinanderfolge  angezeigt  sein,  vielmehr  nur  eine  materielle 
Scheidung  vollzogen.  Der  2.  Typus  kann  wohl  gleichzeitig,  ja 
sogar  vielleicht  später  als  Typus  4  sich  gebildet  haben,  wenn 
wir  die  Peschittha  in  das  4.  Jahrh.  setzen. 

§  62.    Lateinische  Apostelverzeichnisse. 

Eine  reiche  Quelle  für  die  Geschichte  der  Apostelkataloge 
im  Abendlande  bildet  das  Gebetbuch  des  Bischofs  Aethelwold, 
[vielleicht  von  Lindisfarne  (721 — 740)],  genannt  Book  of  Cerne, 
welches  A.  B.  Kuypers1  aus  der  HS  LC  1,  10  der  Universitäts- 
bibliothek von  Cambridge  (s.VIII)  herausgab.  Dieses  Buch  enthält 
eine  Sammlung  von  Privatgebeten  und  Hymnen  in  74  Nummern, 
mit  welcher  ein  zweites  Gebetbuch  in  der  HS  2  A  XX  f.  2 — 51 v 
des    Britischen    Museums    Ähnlichkeit    hat.      Beide    haben    ver- 


1)  The  Prayer  Book  of  Aedeluald  the  Bishop  cotnmonly  called  the 
Book  of  Cerne,  Cambridge  1902. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  217 

schiedene  Gebete  gemeinsam,  einige  derselben  finden  sich  auch 
in  dem  sog.  Buch  von  Nunnamiuster  (Cod.  Harl.  2965) ',  so  daß 
Kuypers  die  Vermutung  aussprach,  daß  in  dem  Buch  von  Cerne 
mehrere  ursprünglich  getrennte  kleinere  Bücher  vereinigt  sind. 
Wie  vielerlei  Bestandteile  und  Einflüsse  sich  hier  zusammenfinden 
mochten,  geht  daraus  hervor,  daß  manche  Gebete,  abgesehen  von 
denjenigen,  welche  es  mit  4  alten  Gebetssammlungen2  gemeinsam 
hat,  mit  solchen  der  römischen  Sakramentarien,  des  Leonianums- 
und  Gelasianums,  des  karolingischen  Supplements  des  Gregoria- 
nunis,  mit  solchen  des  Missale  Gothicum,  jenes  altgallischen 
Sakramentars,  mit  solchen  des  irischen  Stowe  Missale  und  des 
irischen  über  Hymnoruin  große  Ähnlichkeit  haben.  Das  Buch 
von  Cerne  ist  ein  Produkt  aus  der  Werdezeit  der  englischen 
Christenheit  und  hat  von  überallher  Beiträge  aufgenommen. 
Daraus  erklärt  sich  auch,  daß  in  74  Nummern  nicht  weniger  als 
in  7  Gebeten  vollständige  Apostelverzeichnisse  sich  finden,  und 
unter  diesen  5  verschiedene  Gruppen.  Dank  des  guten  Quellen- 
und  Parallelennachweises  können  wir  die  lokale  Fixierung  ein- 
zelner Apostelverzeichnisse  vornehmen. 

1.  Der  erste  altlateinische  Typus  findet  sich  nicht  in 
dem  Buch  von  Cerne  und  scheint  sich  überhaupt  des  Lebens 
nicht  lange  erfreut  zu  haben.  Er  ist  in  den  europäischen  alt- 
lateinischen Übersetzungen  von  Mt.  10,  2 — 4  zu  finden,  welche 
statt  Thaddäus  den  seinem  Ursprünge  nach  rätselhaften  Namen 
Judas  Zelotes  setzen,  wobei  Thomas  bald  die  7.  (ghgat),  bald 
die  10.  (abq)  Stelle  einnimmt.  Diese  Form  ist  auch  beim  Chrono- 
graphen von  354 3  vorhanden,  der  die  Stellung  des  Thomas  und 
Bartholomäus  gemäß  Apg.  1,  13  vornahm.  Das  Verzeichnis  ist 
also  folgendes:  1.  u.  2.  Petrus  und  Andreas,  3.  u.  4.  Jacobus  und 
Johannes,  5.  u.  6.  Philippus  und  Thomas,  7.  u.  8.  Bartholomäus 
und  Matthäus,  9.  u.  10.  Jacobus  Alph.  und  Simon  Zelotes, 
11.  Simon  Canan.  Zu  bemerken  ist,  daß  Paulus  noch  nicht 
nach  Petrus    zu    stehen  kommt.     Dieses  trifft  bereits  zu  in  dem 


1)  W.  de  Gray  Birch  (Harnpsire  Record  Society)  An  ancient  Mann- 
script 1889. 

2)  p.  XXXU.        4)  p.  XXII  ff. 

'6)  Theod.  Mommsen,  Über  den  Chronographen  vom  J.  354  in  Ab- 
handlungen der  kgl.  sächs.  Gesellschaft  der  Wissensch.  (philol.-histor. 
Klasse)  II.  Bd.   Leipzig  1850,  640. 


218  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zu  dieser  Gruppe  wohl  gehörenden  Apostelmosaik  des  großen 
Baptisteriums  von  Ravenna,  wo  neben  Petrus  auch  Paulus  steht, 
während  die  sechs  letzten  Apostel  in  folgender  Reihe  bei  wech- 
selnden Zickzacklesen  dargestellt  sind:  Thomas,  Matthäus,  Ja- 
cobus  Alphäi,  Simon  Canan. ,  Judas  Zelotes.  Übrigens  ist  es 
sehr  unsicher,  ob  hier  das  altlateinische  Verzeichnis  oder  viel- 
mehr das  altsyrische  zu  Grunde  liegt.  Da  der  letzte  Judas  von 
dem  Iscarioth  unterschieden  werden  sollte,  wie  er  z.  B.  in  den 
Diptychen  der  Jacobusliturgie  ohne  Epitheton  genannt  ist,  so 
mag  der  Mosaicist  den  Beinamen  Zelotes  von  dem  vorhergehenden 
Simon  (nach  Lc.)  weggenommen  und  Judas  beigegeben  haben. 
Darin  würde  sich  der  westliche  Einfluß  an  dem  ursprünglich 
syrischen  Verzeichnis  feststellen  lassen. 

2.  Die  Uniformierung  der  selbständigen  abendländischen 
Liturgien,  hauptsächlich  Galliens  und  Irlands,  geschah  vom 
5.  u.  6.  Jahrhundert  an  auf  der  Grundlage  der  römischen  Sakra- 
mentarien, des  sog.  Gelasianums  und  Gregorianums.  Da  aber 
der  Gelasianische  Kanon  in  den  Diptychen  ein  im  Aufbau  ganz 
unkanonisches  Apostelverzeichnis  hat,  welches  sich  forterbte  und 
überallhin  Verbreitung  fand,  so  ist  dieser  liturgische  Typus 
leicht  zu  erkennen.  Im  Gelasianischen  Sakramentar,  wie  es 
Muratori1  und  andere  aus  Cod.  Vatic.-Regin.  Suec.  316  edierten, 
ebenso  in  sämtlichen  ältesten  HSS2  des  Gregorianischen  oder 
des  revidierten  Gelasianischen  ist  die  Namenreihe  die  nämliche: 
1.  Petrus,  2.  Paulus,  3.  Andreas,  4.  Jacobus,  5.  Johannes,  6.  Thomas, 
7.  Jacobus,  8.  Philippus,  9.  Bartholomäus,  10.  Matthäus,  11.  Simon 
u.  12.  Thaddäus.  Die  Liste  bat  zweifellos  den  Vulgata  Mt.-Katalog 
als  Unterlage,  weshalb  aber  die  Umstellung  der  einzelnen  Namen 
gemacht  wurde,  läßt  sich  nicht  ersehen.  In  all  jenen  außer- 
römischen Sakramentarien  und  Missalien,  in  denen  meist  die 
lokalen  Eigentümlichkeiten  in  der  Feier  der  Heiligenfeste  ver- 
blieb, dagegen  der  eigene  Aufbau  des  Kanons  durch  den  römi- 
schen verdrängt  wurde,  welchen  die  Päpste  durch  Zuschickung 
des  gelasianischen  an  die  einzelnen  Bischöfe  oder  durch  Missionäre 


1)  Lud.  Ant.  Muratori,  Liturgia  Romana  Vetus,  1. 1,  Sacram.  Gre- 
gorian.  1.  III,  p.  696. 

2)  Edm.  Bishop,  On  the  early  texts  of  the  Roman  Canon  in  Jour- 
nal of  Theol.  Studies  Vol.  IV,  1903,  558. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  219 

als  Grundlage  weitergaben,  findet  sich  dieselbe  Liste.  Hiezu 
gehört  das  sog.  irische  Stowe  Missale1,  dessen  alter  Kanon  durch 
den  „Canon  Dominicus  Papae  Gelasi"  ersetzt  wurde,  ferner2  das 
sog.  Missale  francorum  und  der  Kanon  der  altgallischen  Sakra- 
mentarien, ferner  das  Missale  von  Bobbio,  das  zum  KirGhen- 
sprengel  von  Mailand  gehörte.  All  diese  Bücher  haben  den 
römischen  Kanon    und  daher  dessen  Apostelliste  aufgenommen3. 

Das  Stowe  Missale  scheint  doch  nicht  ganz  den  römischen 
Kanon  so  übernommen  zu  haben,  wie  ihn  die  übrigen  Zeugen 
bieten.  Eine  auffallende  Erscheinung  ist  in  ihm,  daß  in  den 
Diptychen  des  Gebetes  „Communicantes"  vor  dem  Einsetzungs- 
bericht und  in  den  Totendiptychen  des  „Memento  etiam"  Gebetes 
nach  demselben,  also  zweimal  die  vollzählige  Apostelliste  sich 
findet,  während  sie  an  letzterer  Stelle  sonst  in  dem  neuredigierten 
Gelasianischen  Kanon  nicht  vorkommt.  Zudem  unterscheiden 
sich  in  ein  und  demselben  Kanon  des  Stowe  Missale  beide  Kata- 
loge in  der  Anordnung,  welche  in  jenem  der  Totendiptychen 
mehr  dem  des  Mt.  10,  2—4  entspricht4:  1.  2.  3.  4.  5.  8.  9.  6.  10. 
7.  11.  u.  12  (+  Matthiae,  Marci,  Lucae).  Die  Frage,  ob  hier 
noch  ein  Überrest  des  altirischen  Kanonaufbaues,  der  sämtliche 
Diptychen  überhaupt  erst  an  der  Stelle  der  Totendiptychen  ver- 
lesen ließ,  oder  ob  ein  Fragment  einer  älteren  Form  eines  rö- 
mischen Kanons  vorliegt5,  aus  dem  der  gelasianische  später  ge- 
formt wurde,  läßt  sich  nicht  entscheiden. 

Die  Apostelreihe  des  römischen  Kanons  findet  sich  noch  in 
andern    lateinischen    (altirischen    und    britischen)    Literaturdenk- 


1)  Barth.  Mac  Carthy,  On  the  Stowe  Missal  in  Transactions  of  the 
Royal  Irish  Academie  Vol.  XXVII  1887—1886  [Nr.  6.  1886],  Dublin,  p.  208. 

2)  Leop.  Delisle,  Memoire  sur  d'anciens  saranientaires,  Paris  1886 
p.  85,  360,  362,  363,  366,  367. 

3)  Dasselbe  ist  auch  zugrunde  gelegt  der  Verteilung  der  einzelnen 
Sätze  des  apost.  Synibolums  an  die  Apostel  in  der  pseudoaugust.  Predigt 
sermo  240  de  symbolo  IV  (Migne  Patr.  1.  39,  2189).  Vgl.  O.  Barden- 
hewer,  Gesch.  d.  altkirchl.  Literatur  I,  Freib.  1902,  69.  Arth.  Bell, 
Lives  and  legends  of  the  Evangelists,  Apostles  and  other  early  Saints  (in 
Christian  art)  London  1901,  66. 

4)  Mac  Carthy  a.  a.  O.  216.  Joh.  Watterich,  Der  Konsekrations- 
monient  im  heiligen  Abendmahl,  Heidelberg  1S96,  276. 

5)  Vgl.  Ant.  Baumstark,  Liturgia  Romana  e  liturgia  dell'Esarcato, 
Roma  1904,  185  f.  und  71  tt. 


220  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

malern.  In  dem  poema  des  Aldhelm  von  Malmesbury  (f  709)  * 
de  aris  beatae  Mariae  et  duodecim  apostolis  dedicatis  ist  jedem 
der  Apostel  nebst  Maria  eine  Strophe  gewidmet,  welche  an 
legendarischem  Inhalt  sehr  arm  ist.  Einzelne  der  Apostelnamen 
werden  durch  Attribute  näher  kenntlich  gemacht,  z.  B.  wird 
Thomas  (n.  6)  Didymus  beibenannt,  Jacobus  (n.  7)  als  der  Herrn- 
bruder durch  sein  beigefügtes  Martyrium,  die  Tötung  durch  einen 
Walker,  charakterisiert;  Simon  (n.  11)  heißt  Zelotes  Cananäus 
und  Thaddäus  (n.  12)  cognominatus  Lebbäus.  Auch  in  einigen 
Gebeten  des  Book  of  Cerne  ist  diese  Apostelreihe  verwertet; 
z.  B.  Gebet  30 2  und  dessen  Dublette  Gebet  69 3,  das  die  Über- 
schrift hat:  oratio  de  apostolis  sanctis  und  welches  auch  sonst 
stark  römisches  Gepräge  in  Anklängen  an  das  Sakramentarium 
Gelasianum  1.  III  9  u.  76,  das  Gregorianum  und  dessen  Supple- 
ment verrät,  so  daß  wir  eine  römische  Heimat  des  Gebetes  an- 
nehmen können.  Ebenso  ist  in  dem  2.  Gebet  eines  Alchfrid 
(n.  48)4  neben  dem  römischen  Apostelverzeichnis  wieder  manche 
Gedankenentlehnung  aus  den  römischen  Sakramentarien  zu  be- 
merken. In  Gebet  29  ist  dieselbe  römische  Liste,  welches  eine 
annähernde  Dublette  in  Harl.  Ms.  7653  fol.  45  hat.  Letztere  um- 
stellt nach  Art  der  Reihe  in  den  Totendiptychen  des  Stowe 
Missale. 

Es  scheint,  daß  diese  letztere  in  liturgischen  Gebeten  häufig 
im  Gebrauche  war,  bevor  die  des  römischen  Kanons,  eingeführt 
wurde,  wie  eine  Anzahl  von  Litaneien  in  der  HS  2  AXX  fol.  1SV 
und  fol.  26 6,  auch  das  1.  Gebet  des  Buches  von  Cerne  beweisen. 
Die  Revision  nach  dem  Mt.  Texte  war  weiter  fortgeschritten  in 
der  Liste    eines  irischen   Hymnus7,    eines    Gebetes    in    2  A  XX 


1)  Migne  P.  1.  89,  291—296.    Dasselbe  wird  auch  Rhabanus  Maurus 
und  Alcuin  beigelegt. 

2)  Kuypers,  Tbe  book  of  Cerne  p.  12S,  10 ff. 

3)  Kuypers  p.  164,  10 ff.    Vgl.  Edm.  Bishop,  The  Litany  of  saints 
in  the  Stowe  Missal  in  Journal  of  theolog.  studies  vol.  VII  1905,  135. 

4)  Kuypers  p.  145,  2. 

5)  Ebenda  127,  3. 

6)  p.  208  u.  211. 

7)  Irish  liber  Hymnorum  ed.  Bemard  und  Atkinson  Vol.  I  [Publ.  of 
Henry  Bradshaw  Soc.  Vol.  XEI]  p.  18—20.    Edm.  Bisehof  a,  a.  O.  p.  135. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  221 

fol.  40v  1  und  in  Cod.  Sangall.  13952,  welche  ganz  den  Vulgata- 
text  wiedergeben  oder  nur  in  der  Stellung  der  letzten  Namen 
abweichen. 

3.  Neben  dieser  Uniformierung  der  Apostelreihen  in  der 
Liturgie  der  altfränkischen,  altgallischen  und  altbritischen  Kirche 
tritt  eine  gewisse  Selbständigkeit  in  den  Diptychen  der  Kirche 
von  Arles,  der  mozarabischen  Messe3,  auch  der  altirländischen4 
auf,  welche  die  sonst  in  der  lateinischen  Kirche  nicht  gebräuch- 
lichen lukanischen  Listen  (Apg.  1, 13;  Lc.  6, 14)  zur  Verwendung 
bringen.  Auch  in  den  Literaturdenkmälern  sind  sie  selten  zu 
finden.  Die  Evangelienharmonie  in  Cod.  Fuldensis5  und  eine 
Homilie,  die  Augustinus6  zugeschrieben  wird,  hatten  sie  in  ihren 
Dienst  genommen,  erstere  jene  des  Evangeliums,  letztere  die  der 
Apostelgeschichte. 

4.  Eine  vierte  Gruppe  verrät  syrischen  Einfluß,  da  sich 
deren  Katalog  durch  das  Attribut  Simon  Cananäus  (Lc.  und  Apg. 
Simon  Zelotes)  und  durch  den  Namen  Judas  Jacobi  (bei  Mt.,  Mc. 
Thaddäus,  Lebbäus)  mit  der  altsyrischen  Liste  deckt.  Schon  der 
Apostelkatalog  des  ravennatischen  Mosaiks  näherte  sich  mehr 
dem  altsyrischen  wie  altlateinischen  Verzeichnisse,  leider  war  durch 
Beigabe  des  Attributs  Zelotes  zu  Judas  keine  Klarheit  zu  er- 
zielen. Wie  die  Diptychen  der  griechischen  Jakobusliturgie 
bereits  Paulus  mit  Petrus  verbunden  und  Judas  nach  Vorlage 
des  altsyrischen  Verzeichnisses  an  Stelle  des  Thaddäus  setzten, 
ohne  ihn  aber  näher  durch  den  Zusatz  Jacobi  zu  charakterisieren, 
so  haben  auch  zwei  Verzeichnisse  unseres  altenglischen  Gebet- 
buches diese  unbestimmte  Form  sich  zu  eigen  gemacht.  Sie 
ersetzen  den  Namen  Thaddäus  durch  Judas;  ja  das  eine  Ver- 
zeichnis nähert  sich  dem  syrischen  noch  dadurch  umsomehr,  als 

1)  Kuypers  p.  218. 

2)  F.  E.  Warren,  Liturgy  and  Ritual  of  the  Celtic  Church,  Oxford 
1881,  180. 

3)  Edm.  Bishop,  The  Litany  etc.  in  Journ.  of  th.  Stud.  VII  1905,  136. 

4)  Ebenda  und  Cr.  Burkitt,  Evang.  da  Mepharr.  a.  a.  0.  p.  271. 

5)  E.  Ranke,  Codex  Fuldensis,  Novum  Testamontum  latine  inter- 
prete  Hieronymo  ex  manuscripto  Victoris  Capuani  edidit.  prolegg.  intro- 
duxit,  coramentariis  adornavit.     Marb.  et  Lipsiae  1868  p.  (45  und)  332. 

6)  Sermo  241  (de  symbolo V)  Migne  Patr.  1.  39,  2190.  Vgl.  Barden  - 
he  wer,  Gesch.  d.  altkirchl.  Lit.  I  69. 


222  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

es  denselben  ausdrücklich  Judas  Jacobi  nennt.  Der  eine  Kata- 
log in  HS  2  A  XX  fol.  47 1  zeigt  darin  noch  eine  Abnormität, 
als  er  Jacobus  Alphäi,  der  sich  aber  in  allen  kanonischen  Ver- 
zeichnissen findet,  ausläßt.  Isidor  v.  Sevilla2  bediente  sich 
desselben  syrischen  Kataloges,  fügte  aber  als  13.  den  bei  Lc.  u. 
Apg.  genannnten  Simon  Zelotes  bei.  Demgemäß  haben  Isidor 
und  2  A  XX  fol.  47  folgende  Liste:  1.  Simon  Petrus,  2.  Paulus, 
3.  Andreas,  4.  Jacobus,  5.  Johannes,  6.  Philippus,  7.  Bartholomäus, 
8.  Thomas,  9.  Matthäus,  10.  Jacob.  Alphäi,  11.  Judas  Jacobi, 
12.  Simon  Cananäus,  13.  Matthias,  [14.  Simon  Zelotes].  In 
Hymnus  71  des  Buches  von  Cerne3,  welcher  die  Überschrift 
trägt:  Ymnum  de  apostolis  sanctis  D.  n.  J.  Chr.  heißen  die  letzten 
vier  Apostel:  9.  Jacobus  Alphäi,  10.  Simon,  11.  Matthias,  12.  Judas. 
Da  ohne  den  letzten  Namen  die  Zwölfzahl  nicht  erreicht  wird 
und  in  den  syrischen  Verzeichnissen  Judas  (Jacobi)  am  Schlüsse 
steht,  so  könnte  man  vermuten,  der  Hymnenkomponist  hätte  aus 
irgendwelchen  Rücksichten  Matthias  vorangestellt.  Tatsächlich 
hat  aber  derselbe  den  Judas  den  Verräter  mit  einigen  Versen 
bedacht,  wie  aus  dem  Inhalte  hervorgeht: 

Judas  et  victis  corpus  sine  fronte  demonstrat 
et  videt  occisum  vivere  in  orbe  deum. 

5.  Wir  hatten  bereits  bemerkt,  daß  ein  außerkanonisches 
Apostelverzeichnis  Johannes  an  erster  Stelle  nennt,  welches  der 
ägyptischen  Kirche  angehört.  Manche  lateinische  Verzeichnisse 
zeigen  in  betreff  des  Namens  Johannes  eine  dreifache  Gestalt; 
entweder  ist  dieser  Name  ohne  Charakteristikum  Petrus  voran- 
gestellt, ähnlich  dem  ägyptischen  Kataloge;  oder  es  wird  am 
Schlüsse  Johannes  der  Täufer  beigefügt;  oder  es  ist  jeglicher 
Johannes  auch  der  Zebedaide  ausgelassen. 

Die    Voranstellung    des    Johannesnamens    scheint    sich    in 


1)  Kuypers  p.  222. 

2)  De  ortu  et  obitu  patrum  (Migne  P.  1.  83,  147  ff  von  cc.  68—80). 
In  Cod.  Sangall.  227  (s.  VIII— IX),  S.  193—196,  welcher  auf  die  Schrift 
Isidors  zurückgeht,  ist  Judas  Jacobi  und  Simon  Canan.  ausgelassen.  Isidor. 
c.  81  (Migne  154  A)  bringt  noch  ein  Gesamtverzeichnis,  das  aber  mit  dem 
voraufgehenden  nicht  übereinstimmt.  Die  letzten  Namen  lauten:  9.  Simon 
Zelotes.    10.  Matthias.    11.  Jacob,  fr.  Dom.    12.  Judas  Jacobi. 

3)  Kuypers  p.  170,  6—171,  5. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  223 

Litaneien  zu  finden.  W.  van  Gulik  veröffentlichte  ein  Formular 
der  letaniae  maiores1,  welches  der  mailändischen  Kirche  angehört. 
„In  den  Heiligenreihen  nach  der  4.  Antiphon  werden  alle  Apostel, 
in  jenen  nach  der  7.  Antiphon  nur  zwei,  nach  der  9.  drei,  nach 
der  11.  Antiphon  fünf  und  im  übrigen  je  vier  Apostel  angerufen, 
wobei  aber  die  Aufeinanderfolge  der  Gesamtzählung  stets  kon- 
form bleibt":  1.  Johannes,  2.  Petrus,  3.  Paulus,  4.  Andreas, 
5.  Jacobus,  6.  Philippus,  7.  Bartholomäus,  8.  Thomas,  9.  Matthäus, 
10.  Jacobus,  11.  Simon,  12.  Thaddäus,  13.  Matthias.  Woher 
kommt  diese  exzeptionelle  Stellung  des  Johannes  (Ev.,  welcher 
innerhalb  der  Reihe  fehlt,)  in  dieser  Litanei?  Ist  sie  eine  Nach- 
bildung der  alexandriuischen  Reihe?  So  sehr  man  allenthalben 
geneigt  ist,  eine  Beeinflussung  der  altmailändischen  Liturgie  vom 
Orient  her  anzunehmen,  so  ist  sie  doch  in  diesem  Falle  zu  bestreiten. 
Dazu  führt  uns  schon  die  Anreihung  des  Johannes  an  Maria, 
welche  vorangeht,  so  daß  der  Verdacht  rege  wird,  daß  hier  unter 
Johannes  nicht  Johannes  Zebedäi,  sondern  Job.  Baptista  zu  ver- 
stehen ist.  Die  mailändische  Litanei  gehört  wohl  nicht  in  eine 
frühere  Zeit  als  in  das  12.  Jahrh.,  daher  kann  sie  bereits  eine 
größere  Entwicklung  vor  sich  haben.  Eine  solche  Zwischenstufe 
zeigt  eine  ältere  Litanei  in  HS  2  A  XX  fol.  26 2,  wo  noch  Job. 
der  Zebedaide  seinen  bekannten  Platz  im  Apostelkollegium  ein- 
nimmt und  daneben  Johannes  dem  Namen  Maria  vorangestellt  ist3. 
Gerade  auch  in  Irland  ist  die  Voransetzung  letzterer  zwei  Namen 
nichts  auffallendes.  In  den  Totendiptychen  des  Stowe  Missale4 
sind  nach  den  alttestamentlichen  Propheten,  Patriarchen  und 
Märtyrern  vor  dem  Apostelverzeichnis  genannt:  Macchabaeorum 
item  infantium;  Joannis  Baptistae  et  Virginis  Mariae,  Petri, 
Pauli  etc.  Wurde  nun  Baptista  weggelassen,  so  konnte  es  leicht 
den  Schein  erwecken,  als  ob  der  vorangestellte,  der  ja  bei  der 
Kreuzigung  des  Herrn  mit  Maria  durch  die  Worte  Christi  so 
eng    verknüpft    wurde,    der  Zebedaide    wäre,    weshalb   man  eine 


1)  In  Rom.  Quartalschrift  1904,  1  ff,  16 f.  Vgl.  M.  Magistretti, 
Manuale  Ambrosianum  e  codice  saec.  XI.    Pars.  I.   Mediolani  1905,  64 f.  80. 

2)  Kuypers  p.  211  f. 

3)  Auch  bei  Isidor  v.  Sevilla,  de  ortu  et  obitu  patr.  c.  66,  67 
(Migne  P.  lat.  83,  147);  in  der  Litanei  des  Sacr.  v.  Amiens  (Delisle  366), 
von  Winchcombe  (Delisle  307). 

4)  Mac  Carthy,  On  the  Stowe  Missal  a.  a.  O.  p.  216. 


224  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Umstellung  der  Namen  Johannes  und  Maria  vornahm,  ersteren 
aber  dafür  an  fünfter  Stelle  ausließ.  Das  mochte  der  Prozeß 
sein,  welcher  dazu  führte,  Johannes  als  ersten  Apostel  nach 
Maria  zu  nennen,  während  er  an  der  ihm  gebührenden  Stelle 
ausgemerzt  wurde1. 

In  diese  Entwicklung  ist  aber  die  Litanei  des  Stowe  Missale. 
welche  als  Vorbereitung  des  Priesters  zur  Messe  beigegeben  ist, 
nicht  leicht  einzureihen.  In  der  Apostelreihe  fehlt  an  der  ihm 
gebührenden  Stelle  der  Zebedaide;  aber  es  ist  ein  Name  Jo- 
hannes wie  in  eben  den  genannten  Verzeichnissen  auch  nicht 
vorangesetzt,  sondern  die  Litanei2  beginnt  nach  Kyrie  eleison 
mit  Anrufungen  wie:  sancta  Maria,  sancte  Petre  etc.  Es  gibt 
zwei  Möglichkeiten,  welche  uns  das  gänzliche  Fehlen  des  Jo- 
hannes erklären  lassen;  entweder  ist  er  innerhalb  des  Apostel- 
kollegiums vom  Schreiber  vergessen  worden,  oder  der  Litanei 
des  Stowe  Missale,  welche  um  die  Mitte  des  8.  Jahrhunderts 
anzusetzen  ist3,  lag  eine  solche  Apostelliste  zu  Grunde,  wie  sie 
in  der  Mailänder  Litanei  vorliegt.  Da  nun  zur  Komposition  der 
Stowe-Litanei  nur  neutestamentliche  Heilige  verwendet  wurden, 
so  hatte  man  Johannes,  welcher  als  Baptista  angenommen  ward. 
an  erster  Stelle  weggelassen;  d.  h.  die  Erkenntnis,  daß  der  voran- 
gestellte Johannes  der  Täufer  ist,  mochte  den  Namen  aus  seiner 
bisher  dominierenden  Stellung  vertrieben  haben,  während  schon 
vorher  ihr  zuliebe  der  Apostel  seinen  Platz  verlor.  Dabei  konnte 
auch  der  dogmatische  Grund  mitsprechen,  daß  vor  Petrus  und 
Paulus  keine  andere  apostolische  Auktorität  Platz  nehmen  dürfe. 
Soviel  ist  sicherlich  aus  diesen,  wenn  auch  wenigen  Fällen,  zu 
schließen,  daß  der  Apostel  Johannes  nur  wegen  des  voranstehen- 
den gleichen  Namens  innerhalb  des  Kataloges  weichen  mußte, 
da  er  nur  in  diesen  Listen  und  sonst  nigends  fehlt.  Eine  andere 
Art  von  Entwicklung  stellt  Cod.  Harl.  7653 4  dar,  wo  Johannes 


1)  Eine  Reihe  mailänd.  Litaneien  mit  vorangestelltem  Johannes  bei 
Magistretti  a.  a.  0. 1  p.  80;  II  p.  47.  49.  129.  132.  138.  164.  248  ff.  259— 
267.  Eine  gallische  Litanei  bei  M.  Gerbert,  Monum.  Vet.  Lit.  Alem. 
pars  altera,  typis  San-Blasianis  1779  p.  90. 

2)  Mac  Carthy  a.  a.  0.  192. 

3)  Ebenda  p.  166  f. 

4)  Warren,  The  Antiphonary  of  Baiigor  [Henry  Bradshaw  Society] 
II  1895  p.  83. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  225 

Baptista  an  den  Schluß  des  Zwölferkollegiums ,  das  nach  den 
gelasianischen  Diptychen  in  der  Hauptsache  geordnet  ist,  gestellt 
wurde. 

6.  Das  normale  Mt.-Verzeichnis  nach  5?  B  und  andern  HSS 
der  Vulgata  scheint  in  den  lateinischen  Denkmälern  das  seltenste 
zu  sein.  Der  eine  Fall,  welchen  ich  vorerst  kenne,  verrät  zu- 
dem mehr  griechische  als  römische  Herkunft.  Die  meisten 
spätem  Apostellisten,  insbesondere  auch  die  römischen,  haben 
die  beiden  Apostelfürsten  nebeneinander  gestellt.  Von  einem 
solchen  Einfluß  ist  jenes  Verzeichnis  frei,  das  in  den  Mosaiken 
von  Grottaferrata ,  des  griechischen  Basilianerklosters  in  der 
Nähe  von  Rom,  zur  Darstellung  kam.  Der  Chorbogen  ist  mit 
Apostelmosaiken  geschmückt,  von  denen  jeder  durch  den  daneben 
geschriebenen  Namen  kenntlich  gemacht  ist.  Die  Mosaiken 
stammen  aus  dem  12.  Jahrhundert1.  Neben  der  sog.  eroifiaola 
sind  rechts  und  links  sechs  Apostel  dargestellt.  Wenn  man 
rechts  mit  Petrus  beginnt  und  dann  von  links  Andreas  aufnimmt 
und  dieses  Zick-Zacklesen  fortsetzt,  so  ergibt  sich  folgende  Liste: 

I.  Petrus,  2.  Andreas,  3.  Johannes,  4.  Jacobus,  5.  Philippus, 
6.  Matthäus,  7.  Thomas,  8.  Bartholomäus,  9.  Jacobus,  10.  Thaddäus, 

II.  Simon,  12.  Matthias. 

7.  Daß  die  Mischrecensionen  die  Mehrzahl  bilden,  war  bei 
dieser  Mannigfaltigkeit  lateinischer  verbreiteter  Apostelreihen 
vorauszusehen.  Eine  gewisse  Unklarheit  in  der  Apostelliste  trägt 
die  dem  Martyrologium  Hieronymianum  vorausgeschickte  notitia 
de  locis  SS.  Apostolorum2  zur  Schau,  welche  der  Redaktor  wohl 
schon  bei  der  ersten  Komposition  aus  den  Kalendertagen  zu- 
sammentrug und  mit  historischen  oder  legendarischen  Notizen 
versehen  voranstellte.  Diese  notitia  ist  so  ziemlich  in  allen  HSS 
der  verschiedensten  Recensionsgattungen  vertreten,  allerdings 
auch  mit  späteren  redaktionellen  Auslassungen  und  Zusätzen. 
Daneben  findet  sich  in  manchen  HSS  noch  ein  zweiter  index 
apostolorum,  der  den  Titel  führt:  Breviarium  Apostolorum  ex 
nomine  vel  locis  ubi  praedicaverunt,  orti  vel  obiti  sunt,  über 
welchen    die    beiden  Herausgeber,    da   nicht  zum  ursprünglichen 

1)  Ant.  Baumstark,  II  mosaico  degli  apostoli  nella  chiesa  abba- 
ziale  di  Grottaferrata,  in  Oriens  Christian.  IV  1904,  131. 

2)  Joa.  B.  de  Rossi  et  Lud.  Duchesne,  Martyrologium  Hierony- 
mianum [Acta  SS.  Novembris  t.  II  pars  prior,  Bruxelles  1S94]  p.  LXXVf. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,3  ]5 


226  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Werke  gehörend,  nicht  weiter  berichten.  Duchesne  tritt  dagegen 
für  die  Datierung  der  notitia  de  locis  ss.  Apostolorum  an  den 
Beginn  des  6.  Jahrh.  ein.  Der  Redaktor  hatte  die  Reihenfolge 
der  Namen  nicht  nach  dem  Kalenderjahr  vorgenommen,  sondern 
er  mußte  eine  Liste  zu  Grunde  gelegt  haben,  nach  welcher  er 
die  verschiedenen  im  Martyrologium  gebotenen  Notizen  ordnete; 
dies  erhellt  schon  aus  den  ersten  4  Nummern: 

III.  Kl.  Jul.  Nat.  apostolorum  Petri  et  Pauli  Romae. 
II.  Kl.  Dec.  Nat.  S.  Andreae  etc. 

VI.  Kl.  Jan.  Nat.  apost.     S.  Jacobi  fratris  Domini  et  Johannis 
evangelistae. 
VIII.  Kl.  Jul.  Nat.  Dormitionis  S.  Johannis  etc.  in  Epheso. 

Ferner  ist  zu  ersehen,  daß  der  Redaktor  selbst  solche  Tages- 
daten in  die  dem  einzelnen  Apostel  gebührende  Stelle  einreihte, 
welche  ihm  gerade  bemerkenswert  erschienen.  Wenn  wir  nun 
die  Namenreihe  hieraus  zusammenstellen,  so  ergibt  sich  nach 
dem  Cod.  Epternac,  den  die  Herausgeber  zu  Grunde  legteD, 
folgender  index  apostolorum:  1.  Petrus,  2.  Paulus,  3.  Jacobus  frater 
domini,  4.  Johannes  evang.,  5.  Thomas,  6.  Jacobus  frater  Job. 
evang.,  7.  Philippus,  8.  Bartholomäus,  9.  Matthäus,  10.  Simon 
Canan.,  11.  Simon  Zelotes.  Die  Ordnung  ist  nicht  in  allen  HSS 
dieselbe,  z.  B.  vertauschen  die  sonst  zu  den  besten  gehörenden 
Cod.  Bernens.  und  Corbeiens.  n.  3  und  7;  in  Cod.  Bernens.  fehlen 
auch  die  beiden  letzten  Namen,  während  Corb.  n.  11  Judas  Zelotes 
nennt.  In  andern  spätem  HSS  ist  natürlich  die  Verschiebung 
und  daher  die  Verschiedenheit  noch  weit  größer,  je  nachdem 
bald  hier,  bald  dort  nach  den  jeweils  gebräuchlichen  Apostel- 
listen revidiert  wurde.  Eine  Hauptschuld  darf  aber  jedenfalls 
der  notitia  des  Hieronymianums  beigelegt  werden,  wenn  eine 
spätere  Verwirrung,  welche  die  Stellung  des  Jakobus  des  Herrn- 
bruders  am  3.  Orte  nach  Paulus  und  vor  Johannes  mit  sich 
brachte,  sogar  eine  Dreizahl  von  Jacobi  innerhalb  des  Apostel- 
kollegiums zählte.  Die  notitia  nennt  Jacobus  Alphäi  nicht, 
welcher  aber  in  allen  kanonischen  Verzeichnissen  vorkommt. 
Wurde  aber  deren  Liste  nachträglich  mit  einer  andern  verglichen 
oder  vermengt,  so  trafen  Jacobus  Zebed.,  Jacobus  Alphäi  und 
Jacobus  der  Herrnbruder,  sofern  letztere  zwei  nicht  als  identisch 
betrachtet    wurden,    zusammen.     Übrigens    gab    dazu    auch   eine 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  227 

Überlieferung  Anlaß,  welche  Jacobus  den  Herrnbruder  den 
Zwölfen  nebst  Paulus  anreihte.  In  seinem  Kommentar  zu  Isaias 
spricht  Hieronymus  von  solchen,  welche  die  Zahl  14  der  Apostel 
so  zu  erklären  suchen:  quatuordecim  apostolos  interpretantur 
i.  e.  duodecim  qui  electi  sunt,  et  tertium  decimum  Jacobum, 
qui  appellatur  frater  Domini,  Paulum  quoque  apostolum,  vas 
electionis l. 

Zu  dieser  Gruppe  von  Mischrecensionen,  welche  unter  den 
Aposteln  Jacobus  den  Herrnbruder  nennt,  gehört  die  Apostel- 
liste in  dem  bereits  genannten,  in  manchen  HSS  vor  dem  Mar- 
tyrologium  Hieronyniianum  stehenden  Breviarium  apostolorum, 
welches  neben  der  jeweiligen  Namenerklärung  der  j  einzelnen 
Apostel  auch  noch  legendarische  Notizen  enthält.  Die  Reihe 
ist2:  1.  Petrus,  2.  Paulus,  3.  Andreas,  4.  Jacobus  Zebedäi,  5.  Jo- 
hannes, 6.  Thomas  Didymus,  7.  Philippus,  8.  Jacobus  der  Bruder 
des  Herrn,  9.  Bartholomäus,  10.  Matthäus,  11.  Simon  Zelotes  oder 
Cananäus,  12.  Judas  der  Bruder  des  Jacobus,  13.  Matthias.  Das 
hier  zugrunde  liegende  Verzeichnis  war  Lc.  6,  14 — 16.  Auch 
das  Verzeichnis  bei  Isidor3,  de  vita  et  obitu  sanctorum,  zeigt 
sich  darin  beeinflußt,  das  es  dem  im  kanonischen  Lc.  Verzeichnis 
stehenden  Jacobus  Alphäi  die  Attribute  des  Herrnbruders,  des 
Gerechten,  Bischofs  von  Jerusalem  anhängte. 

In  den  Sammlungen  der  passiones  und  virtutes  apostolorum 
herrscht  ein  Mischtypus  vor,  der  sichtlich  die  Liste  des  Martyro- 
logiums  Hieronymianums  zur  Grundlage  hat.  Alle  haben  Ja- 
cobus den  Herrnbruder  aufgenommen,  zeigen  auch  das  Fehlen 
des  Thaddäus,  und  verraten  die  gegenseitige  Abhängigkeit  durch 
die  Zusammenstellung  von  Simon  und  Judas.  Der  Unterschied 
beruht  auf  der  Anordnung  der  Namen,  welche  in  einzelnen 
HSS  ein  und  derselben  Recension  öfters  verschieden  sind. 
Daher  unterscheidet4  Lipsius  drei  verschiedene  Reihen,  welche 
übrigens  nicht  als  eigene  Recensionsgattungen,  was  das  Apostel- 
verzeichnis anbelangt,  betrachtet  werden  können,  da  ihre  Grund- 


1)  Hieronymus,    in  Isaiani  prophet.  1.  V  c.  18    (Migne  P.  lat.  24, 
180  0). 

2)  R.  A.  Lipsius,   Die    apokr.  Apostelgesch.  u.  Apostellegenden  I, 
Braunschweig  1883,  211  f. 

3)  Lipsius  a.  a.  0.  I  213. 

4)  Lipsius  I  155,  12ütf. 

15* 


228  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

läge  stets  dieselbe  ist  und  nur  durch  die  Verschiedenheit 
in  der  Stellung  von  Philippus  und  Jacobus  dem  Herrnbruder 
variiert.  Zur  gleichen  Gruppe  gehört  auch  das  Verzeichnis  hei 
Venantius  Fortunatus  (f  609)1  in  dem  Gedichte  zum  Lobpreis  der 
Jungfräulichkeit,  der  sichtlich  aus  einer  vollständigen  Passioneu- 
sammlung  schöpfte,  wenn  er  auch  nicht  Jacobus  den  Herrnbruder 
anführt.  Seine  Liste,  in  welcher  Thaddäus  fehlt,  zeichnet  sich 
auch  dadurch  aus,  daß  Paulus  äußerlich  an  die  Spitze  gestellt 
ist2,  inhaltlich  aber  nach  Petrus  seinen  Platz  hat,  wie  die  Verse 
angeben: 

Juris  consultu  Pauli  comitante  volatu 
Princeps  Romana  currit  ab  arce  Petrus. 

Solche  Verzeichnisse,  in  welcher  die  Jacobi  generell  genannt 
sind,  finden  sich  in  dem  Buch  von  Cerne  (Gebet  153  =  Buch 
von  Nunnaminster  ed.  W.  de  Gray  Birch  [Hampshire  Record 
Society  1889  p.  59]),  wo  als  5.,  6.  u.  7.  Apostel  „tres  Jacobi'"  gezählt 
sind.  In  Gebet  684  desselben  Buches  wird  als  2.  Apostel  Jacobus 
Justus,  als  5.  clarus  Jacobus  genannt. 

Zwei  Kataloge,  die  wahrscheinlich  auf  eine  griechische  Vorlage 
ursprünglich  zurückgehen,  zeigen  sonstige  spätere  Verunstaltungen 
durch  Mischung.  Der  laterculus  Apostolorum5,  welcher  sich  für 
die  Nachricht,  daß  der  Eunuch  der  Königin  Candace  zu  den 
72  Jüngern  gehöre,  auf  das  5.  Buch  der  Hypotyposen  des  Clemens 
beruft,  hat  folgende  Reihe  der  letzten  fünf  Namen:  7.  Thomas, 
8.  Matthäus,  9.  Jacobus  Alphäi,  10.  Thaddäus,  auch  Judas  ge- 
nannt, 11.  Simon  Kleophas,  auch  Judas  (+  Titus,  Crescens, 
Eunuchus  reg.  Cand.).     Ebenso   mag   der  arg  entstellte   Katalog 


1)  Migne  P.  lat.  88,  270. 

2)  Vgl.  Die  Aposteldarstellungen  am  Bronceportal  der  alten  Panls- 
basilica,  wo  natürlich  Paulus  an  der  Spitze  steht.  Die  Apostelliste  ist 
unvollständig.  Arth.  Bell,  Lives  and  legends  a.  a.  0.  S.  67.  Es  sind 
Lukas  und  Markus  beigefügt.  Joh.  Wieg  and,  Bemerkungen  über  das 
Bronceportal  der  alten  Paulsbasilica,  StQcofMxziov  &Q%aioXoyucövi  Roma 
1900,  S.  122. 

3)  Kuypers  a.  a.  O.  104,  18—105,  2.  Ed.  Bishop  a.  a.  O.  Joum. 
of  Theol.  Studies  VII  1905,  135. 

4)  Kuypers  162,  16—163,  3. 

5)  Zahn,  Forsch,  z.  Gesch.  d.  neut.  Kanons  III,   Erlangen  1S84,  70. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  229 

in  dem  irischen  liber  Hymnorum1  auf  mancherlei  Mischungen 
älterer  Verzeichnisse  beruhen.  Da  er  die  sonderbarsten  Zu- 
sammenstellungen aufweist,  sei  er  ganz  zum  Abdruck  gebracht: 
1.  Simon  Canan.,  2.  Matthias,  3.  Matthäus,  4.  Bartholomäus, 
5.  Thomas,  6.  Thaddäus,  7.  Petrus,  8.  Andreas,  9.  Philippus, 
10.  Paulus,  11.  Jacobus,  12.  Johannes,  13.  u.  14.  duo  Jacobi. 

In  den  lateinischen  Apostelverzeichnissen  sind  demnach 
verschiedene  Typen,  welche  teils  lokal,  teils  zeitlich  sich  eigens 
entwickelten,  zu  unterscheiden,  je  nachdem  die  Beziehungen 
und  die  Auktorität  wechselte,  welche  maßgebend  war. 

Der  1.  Typus,  in  den  altlateinischen  Bibelübersetzungen 
europäischer  Herkunft  vertreten,  fristete  kein  langes  Dasein;  er 
findet  sich  noch  im  Chronographen  von  354,  eventuell  in  Ra- 
venna,  wenn  der  Mosaikkatalog  des  5.  Jahrh.  nicht  syrischen 
Ursprungs  ist. 

Der  2.  Typus,  der  liturgische,  scheint  durch  die  römischen 
Diptychen  geschaffen  worden  zu  sein,  mit  freier  Umstellung 
einiger  Kamen  und  Beifügung  von  Paulus  zu  Petrus.  Dieser 
Typus  wurde  mit  der  Verschickung  des  römischen  (gelasianischen) 
Kanons  nach  Gallien,  Irland  und  England,  auch  in  Mailand 
verbreitet. 

3.  Daneben  scheinen  in  eben  den  Ländern,  Gallien  mit  Spa- 
nien und  den  britischen  Inseln,  die  lukanischen  Verzeichnisse  im 
Gebrauch  gewesen  zu  sein  (Lc.  6,  14 — 16;  Apg.  1,  13). 

Eine  4.  Gruppe  scheint  syrische  Herkunft  zu  verraten,  welche 
in  Irland  und  Spanien  vereinzelt  zur  Verwendung  kam. 

Ein  5.  Typus  ist  beherrscht  durch  eine  gewisse  Unklarheit 
in  den  Johannes-Namen,  da  auch  Johannes  Baptista  mit  zu  dem 
Zwölferkollegium  gerechnet  wurde.  Er  findet  sich  in  Mailand 
und  Irland. 

6.  Der  eigentliche  Normaltypus  von  Mt.  10,  2 — 4,  wie  ihn  die 
Vulgata  mit  SB  u.  a.  überliefert,  scheint  der  seltenste  zu  sein. 
Er   ist   vorerst   allein    durch  das  Mosaik  des  griechischen  Basi- 


1)  ed.  Bernard  and  Atkinson  Vol.  I  [Publ.  of  Henry  Bradshaw  Soc. 
Vol.  XHI]  p.  159;  Vol,  II  52,  222;  s.  Ed.  Bishop  a.  a.O.  p.  132.  Eine 
Aufnahme  von  Lukas  und  Markus  in  einer  metrischen  Litanei  mit  Um- 
stellungen anderer  Namen,  s.  Mart.  Gerbert,  Monum.  Veter,  Lit.  Alem. 
Pars  altera,  San-Blasien  1770  p.  88. 


230  Scherinann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

lianerklosters    Grottaferrata    bei  Rom    vertreten   und    mag   hier 
importiert  sein. 

Ein  7.  Mischtypus  hat  je  nachdem  die  ursprüngliche  Grund- 
lage war,  verschiedene  Gestalt.  Durch  die  notitia  de  locis  ss. 
Apostolorum,  welche  dem  Martyrologium  Hieronymianum  wohl 
schon  bei  seiner  ersten  Ausgabe  zu  Beginn  des  6.  Jahrh.  beigegeben 
war,  wurde  Jacobus  der  Herrnbruder  als  Zwölfer  aufgenommen, 
wodurch  unter  den  Jacobusnamen  eine  Verwirrung  durch  Ver- 
wechslung oder  Identifikation  oder  gar  durch  Zählung  von  drei 
Jacobi  entstand.  Insbesondere  sind  die  Kataloge  der  lateinischen 
Sammlungen  der  passiones  und  virtutes  apostolorum  des  sog. 
Abdias  dadurch  beeinflußt. 


§  63.    Griechisch-byzantinische  Apostellisten. 

1.  Die  bei  Epiphanius  sich  findenden  oder  ihm  zugeschrie- 
benen Kataloge  sind  nicht  mehr,  wie  man  nach  der  Heimat 
Cypern  erwarten  sollte,  die  rein  palästinensisch  syrischen,  sondern 
bereits  eine  Mischung  mit  den  vulgärgriechischen  oder  westlichen 
Listen.  Als  Vorstufe  der  späteren  byzantinischen  kommen  sie 
daher  zur  Besprechung. 

Epiphanius  hat  zweierlei  Verzeichnisse  in  seinen  Schriften 
aufbewahrt.  Das  eine  adv.  haeres.  20,  41  zählt  die  Apostel  auf. 
wie  sie  nach  der  Himmelfahrt  des  Herrn  auszogen;  1.  Simon 
Petrus  und  2.  Andreas  sein  Bruder;  3.  Jacobus  und  4.  Johannes, 
die  Söhne  des  Zebedäus;  5.  Philippus  und  6.  Bartholomäus; 
7.  Matthäus;  8.  Thomas  und  9.  Judas  und  10.  Thaddäus: 
11.  Simon  Zelotes;  12.  Judas  Iscarioth.  Dieses  Zwölferver- 
zeichnis scheint  eine  Mischung  von  Mt.  10,  2 — 4  nach  xB  und 
Lc.  6,  16 — 19  zu  sein. 

Die  zweite  Liste,  die  sich  bei  Epiphanius  findet,  haer.  79,  32 
ist  folgende:  1.  Petrus  und  2.  Andreas;  3.  Jacobus  und  4.  Jo- 
hannes; 5.  Philippus  und  6.  Bartholomäus;  7.  Thomas;  8.  Thad- 
däus und  9.  Jacobus  Alphäi  und  10.  Judas  Jacobi;  11.  Simon 
Cananäus;  12.  Matthias  (+  Paulus,  Barnabas,  Jakobus  der  Herrn- 
bruder,   der    erste   Bischof  von    Jerusalem).      Die   ersten   sechs 


1)  Migne  P.  gr.  41,  277  D. 

2)  Migne  P.  gr.  42,  744  B—C. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  23  t 

Namen  nennt  Epipbanius  noch  haeres.  51,  14.  16  *,  wo  er  die 
Berufungsgeschichte  erzählt,  in  ganz  gleicher  Reihenfolge  wie 
in  beiden  vorhergenannten  Fällen,  aber  statt  Bartholomäus  setzt 
er  Nathanael.  Wenn  man  nun  das  letztere  vollständige  Ver- 
zeichnis ansieht,  erkennt  man  wohl,  daß  demselben  das  altsyrische 
zugrunde  liegt.  Nur  der  Name  Thaddäus  wirkt  störend.  Würde 
die  Vermutung  von  Lipsius2  zutreffen,  daß  bei  Oaööalog  eine 
Verwechslung  mit  Matthäus  vorliege,  so  würde  das  altsyrische 
voll  hergestellt  sein.  Bevor  aber  nicht  durch  handschriftliche 
genaue  Untersuchung  diese  These  bestätigt  wird,  können  wir 
vorerst  nur  feststellen,  daß  allerdings  Thaddäus  hier  den  Platz 
einnimmt,  den  in  der  Liste  des  Mt.  10,  2 — 4  der  Name  Matthäus 
zu  beanspruchen  hätte.  Immerhin  mag  ein  griechisch  erhaltenes 
Apostelverzeichnis,  welches  vielleicht  auf  Epiph.  haer.  79,  3  zurück- 
geht, uns  auf  einen  andern  Weg  führen,  da  in  diesem  dem  Epi- 
pbanius in  einer  HS  zugeschriebenen  Texte  die  Auslassung  von 
Matthäus  besonders  begründet  wird. 

Die  Zeugen  des  Textes  sind  folgende: 

A  =  Vatic.  gr.  1974  (al.  Basil.  13)  (saec.  XII)  membr.  fol.  7V. 

B  =  Vat.-Pii  II  gr.  47  (saec.  XII)  membr.  fol.  151*.  Vide 
Cod.  Manuscripti  Graeci  Regin.  Suecor.  et  Pii  PP.  II,  recens. 
Stevenson,  Romae  1888,  164  f. 

C  =  Ausgabe  bei  R.  A.  Lipsius  a.  a.  0.  I  24  nach  Cotelier. 
SS.  Patrum  Apostolic.  opera  t.  II  p.  274  ed.  alt.  Clericus,  Amste- 
lod.  1724,  welcher  den  Text  aus  einem  „Reg.  1007"  entnahm. 
Derselbe  Text  ist  bei  Migne  zum  2.  Buch  der  Const.  apostol. 
Patr.  gr.  I  754  abgedruckt. 

D  =  Ausgabe  in  Codicis  apocryphi  Novi  Testamenti  pars 
tertia,  nunc  primum  edita,  curante  Jo.  Alb.  Fabricio,  Hamburgi 
sumptu  vid.  Beni.  Schilleri  1719,  590,  der  keine  HS,  die  ihm 
etwa  zur  Verfüg-uns;  stand,  namhaft  macht. 


1)  Migne  41,  916  B,  920  B. 

2)  Apokr.  Apostelgesch.  u.  Apostelleg.  1  23  u.  Ergänzungsband  S.  2. 


232  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Tov  ayiov  'Ejticpaviov  ägyjejiioxojtov  Kvjtgov. 
Tavza  xa  ovofiara  xcov  iß'  ajtooxoXcov. 
a.  üsxgog,  ovxog  sXsyexo  xal  Sificov  xal  Kricpäg  xal  2£v- 
liscöv.    ß' .  'Avögsag  dösXcpbg  avxov.    -/'.   Iaxcoßog.    ö'.  'imavvrjg, 
5  ovxoi     ßoavegysg     IxaXovvxo,     o    Igftrjvsvsxai     vlol     ßgovxrjg. 
s '.    <t>iXuiJiog.     g'.    Bag&oXofialog.     £,'.    Max&cüog    o    xeXcovr/g. 
})' .   Qco^äg,  ovtoq  xal  Jiövfiog  sxaXslxo.    &' '.  Iaxcoßog  AXcpalov. 
l  .  &aööalog,  ovxog  jiaga  fisv  reo  Maxd-aico  Asßßalog  xaXstxcu, 
jeaga  ös  reo  Aovxa  lovöag  laxcößov,  jraga  ös  reo  Magxco  Asvig 
10  xa&rjfisvog     jiaga    xb    xsXcbviov.      ia'.    JZipcov    o    Kavavixrjg. 
iß' .  'lovöag  IöxaQiorqg,  xal  avxl  xovxov  Max&iag  slor/Xß-sv 

'AösXcpol  Ös  üsxgog  xal  Avögsag,  vlol  Avväg,  xal  'iaxcoßog 
xal  'lcoavvt]g,  vlol  Zsßsöaiov,  Iaxcoßog  xal  lovöag,  vlol  AX- 
(palov,  aXislg.  üsxgog  xal  'Avögsag,  'iaxcoßog  xal  lcoavvi)g 
15  Iaxcoßog  o  xaXovfievog  aösXcpbg  xov  xvgiov,  jtolog  ?/v  o  ysvo- 
{isvog  sjtioxojiog  'isgovöaXrtii,  6  sjrovofia^ousvog  ölxaiog,  o  sig 
ijV  vlbg  Zsßsöaiov  xal  o  sxegog  AXcpaiov,  xal  o  aXXog  xov 
'lcoorjcp  xov  fivrjOxogog,  cog  IXsyov  Iovöaloi.  2iy.cova  xal  IovÖa, 
'icoorj  xov  äösXcpbv,  Max&alog  Xsysi  avxovg  xaXsiö&ai  xsXcovag, 
20  Aovxag  ös  xal  Asviv  xsxXrjGfrai  xsXcova.  'Icoväg  ös  sgtut]vsvs- 
xcu  jcsgioxsga. 

8  Mt.  10,  3  wie  in  HS  D  122  Tisch.  —  9  Lc.  6,  16  |  Marc.  2,  14  — 
19  Mt.  10,  3  —  20  Lc.  5,  27 

1  Tov — Kvtcqov  <.  BCD  |  xaxxa  <.  A  xavxa —  änoaxöXujv  <  C  | 
3  oixoq  s?.sy.]  6  C  Krjcpäq  -)-  xal  Zifxmv  B  —v/xs/xstov  A  |  4  Avögsag 
-\- 6  CD  'iäxcußoq  +  6  viöq  Zsßsöaiov  CD  ö'  +  xal  CD  |  5  ovxoi  — 
kof.irjv.]  sxaXovvxo  öcä  xb  ßoavsoysq  C  |  6  <Pi).i7i7ioq  +  6  ic  ''IsQanöXsojg  C 
iv  %gan6?.si  D  Bag9o?..  +  ovxoq  'lvöoig  ötödoxsi  CD  |  7  ovxoq]  6  CD  | 
sxaXslxo]  näo&oiq  xal  'lvöoig  CD  AX(f.  +  ovxoq  (desunt  tria  verba) 
xaXslxai  B  +  SQfirjvsvexai  ös  fia9-rjx>tq  Zwrjq  CD  |  10  xsXwviov  -+-  kQfttjvev- 
exai  ös  av8Giq  CD  xeXöoviov  -\-  soxiv  A  Kavav.  -+-  Gxavoiö  7tQoarj/.ä>9^], 
6  xal  Sv/uemv  xal  K/.eioxaq  xal  *Iovöaq  ?.syü/nevoq  CD  j  11  Tovöaq  —  hoF,"/.- 
9ev]  xal  Maz&laq  6  ärxl  3Iovöa  eloayßelq  CD  |  12  'Avögeaq  hie  finit  A  | 
Pro  'A6e?.(fol  —  21  finis  CD  praebent:  Te?.ü)vai  Max&cdoq,  'iäxuißoq  xal'loiöaq, 
Max&aioq  Xeyei  avxöv  xex?./]o^ai  xü.iovi]v  {xeXiovijq  D)  (Mt.  10,  3).  0  ös 
Mäoxoq  (2,  14)  xov  'läxuißov  A?.(faiov,  ö  ös  Aovxäq  (5,  27)  iv  xü>  Xrj  xeya- 
?.aup  xov  Aeviv,  otq  xal  o  Mäoxoq  (2,  14)  övo/xäZei,  iv  ös  zw  /xö'  'iäxwßov 
(lovöav  'laxwßov  D) 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  233 

Die  HSS  zerfallen  in  zwei  Klassen,  in  ältere  A,  B  und  jüngere, 
welche  die  Drucke  C  und  D  vertreten;  die  älteren  A  und  B  bieten 
fast  nur  das  Apostelverzeichnis,  welches  in  A  dem  Epiphanius 
von  Cypern  zugeschrieben  wird.  Der  Anhang  in  B,  C,  D  war 
ursprünglich  jedenfalls  nur  Glosse.  A  und  B  sind  aber  nicht 
direkt  voneinander  abhängig.  Dem  Schreiber  von  A  lag  der 
beigegebene  Schluß  auch  vor;  da  er  aber  nur  ein  Fragment,  die 
beiden  ersten  Namen,  mitteilt,  so  mochte  er  ihn  als  nicht  wesent- 
liche Glosse  erkannt  und  ausgelassen  haben.  Die  HSS,  welche 
C  und  D  repräsentieren,  bilden  die  jüngere  Gruppe,  welche  be- 
reits mit  historischen  Zusätzen  aus  Ps.  Epiphanius  oder  der- 
gleichen Texten  versehen  sind. 

Vergleichen  wir  nun  mit  dieser  Apostelliste  jene  des  Epi- 
phanius, so  finden  wir  zunächst  den  Unterschied,  daß  dieses 
Verzeichnis  Matthäus  an  der  ihm  gebührenden  Stelle  aufweist, 
während  er  bei  Epiphanius  vermißt  wird.  Kann  man  dafür  viel- 
leicht einen  Grund,  der  auf  redaktionellen  Erwägungen  beruht, 
geltend  machen?  Er  könnte  in  der  Erklärung  zu  Thaddäus 
liegen,  wie  sie  das  Epiphan. -Verzeichnis  bietet,  hier  fällt  be- 
sonders die  Identification  von  Thaddäus  und  Levi  (Marc.  2,  14) 
auf,  welche  ihrerseits  auf  die  von  Origenes  schon  genannte  eigen- 
tümliche Lesart  bei  Marc.  3,  18  (S.  199)  zurückgeht.  Andererseits 
aber  wird  der  Levi  mit  Mt.  identifiziert,  weil  er  ebenfalls  jtaga 
ro  rsXcoviov  saß.  Eine  dritte  Erklärung  und  Personalangabe 
macht  die  Glosse  der  Texte  C  und  D,  welche  bei  Marc.  2,  14 
den  Jacobus  Alphäi  als  Levi  betrachten.  Letztere  Annahme  be- 
ruht schon  auf  manchen  Lesarten  in  griechischen  und  altlateini- 
schen HSS  des  N.  T.,  welche  wegen  der  Verwandtschaftsangabe 
„Sohn  des  Alphäus"  Jacobus  statt  Levi  einsetzten1.  Wenn  nun 
Matthäus  einerseits  mit  Levi  identifiziert  wurde,  letzterer  aber 
mit  Jacobus  Alphäi  und  mit  Thaddäus,  so  konnte  auch  bei 
Epiphanius  eine  solche  Erwähnung  mitspielen,  um  Matthäus  ganz 
aus  dem  Verzeichnisse  zu  entfernen.  Die  Verfasserschaft  des 
Epiphanius  kann  für  diesen  kleinen  Text  nicht  wohl  in  Abrede 
gestellt  werden;  jedenfalls  kann  das  Fragment  dem  4.  Jahrh.  an- 
gehören, ja  vielleicht  in  noch  frühere  Zeit  verlegt  werden,  da  die 

1)  Westcott  und  Hort,  t.  II,  Notes  on  select  readings  p.  23  zu 
Mc.  2,  14.  Sabatier  a.  a.  0.  III  183  zählt  auf:  Colbert.  Gennan.  I,  Can- 
tabr.,  Corb.  2,  welche  Jacobum  Alphäi  lesen. 


234 


Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


darin  sich  findenden  textkritischen  Erwägungen  schon  Origenes 
bekannt  waren,  wie  z.  B.,  daß  in  Mc.  3,  18  statt  Thaddäus  der 
Name  Lebbäus  eingesetzt  ist.  Auch  die  Zusammenstellung  der 
rsXmvai  in  der  Glosse  mag  der  bereits  erwähnten  Entgegnung 
des  Origenes  auf  des  Celsus  Anklage  hin  entsprungen  sein.  Dem- 
jenigen, welcher  diesen  Exkurs  niederschrieb,  standen  jedenfalls 
mehrere  HSS  zur  Verfügung,  welche  statt  des  einfachen  Thad- 
däus bereits  Asßßaloq  oder  Judas  Jacobi  (nach  Lc.  und  der  alt- 
syrischen Übersetzung)  lasen. 

2.  Wie  frei  man  später  in  redaktionellen  Abänderungen 
gerade  in  den  letzten  Apostelnamen  verfuhr,  zeigen  die  ver- 
schiedenen Listen  vom  6.  Jahrh.  ab;  z.  B.  jene  des  Chronicon 
Paschale1,  welche  nach  Thomas  fortfährt:  8.  Jacob.  Alph.  „der 
Herrnbruder,  der  Gerechte";  9.  Matthäus  der  Evangelist;  10.  Thad- 
daeus  qui  et  Lebbaeus,  cognominatus  Barsabbas;  11.  Simon  Ca- 
nanites  cognominatus  Judas  Jacobi;  12.  Judas  Iscarioth. 

Epiphanius  monachus2  in  de  vita  Deigenitricis  et  de  chronologia 
vitae  zählt  gar:  7.  Jacobus  Alphäi  und  8.  Judas,  die  Herrnbrüder; 
9.  Josef  6  tovt cor  jrarrjg'  xo  ejtixirjv  eJ.ey£To'Al<pcüoq;  10.  Simon 
Canan.;  11.  Thomas  Didymus;  12.  Matthäus;  13.  Jud.  Iscarioth. 

Die  HSS  des  sog.  Epiphaniustextes  über  die  Apostel  und 
Jünger  des  Herrn  scheiden  sich  nach  der  Redaktion  der  letzten 
vier  Apostelnamen  in  drei  Klassen,  während  die  ersten  8  ganz 
der  Liste  von  Mt.  10,  2 — 3  entsprechen. 


HS  CDEFF1: 
9.  Jacobus  Alphaei. 


10.  Thadd.  Lebbaeus. 

11.  Simon  Canan. 

Cleophae  filius  qui  et 

Judas. 

12.  Matthias. 


HS  B: 

9.  Jacobus  Alph. 

(frater   Matth.    episc. 

Hierosol.). 

10.  Simon  Zelotes. 

11.  Judas  Jacobi  qui 
et  Thaddaeus. 

12.  Simon  Judas  ep. 
Hieros.  post  Jacob. 

13.  Matthias. 


HS  A: 

9.  Jacobus  cognom. 
Thadd. 

10.Thadd.Lebb.cogn. 

Judas  Jacobi. 
11.  Judas  frater  Do- 
mini. 

12.  Matthias. 


1)  Vol.I  [Corp.  script.  hist.  Byzant.]  rec.  L.  Dindorf,  BonnaelS32,  399. 

2)  ed.  Alb.  Dressel,  Epiphan.  inonachi  et  presbyteri  edita  et  ine- 
dita.    Paris.  1843,  p.  35,  8. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  235 

Die  HS  A  scheint  sich  von  jeder  bekannten  Liste  zu  ent- 
fernen und  durch  spätere  Redaktoren  stark  verwirrt  worden  zu 
sein.  Die  HS  B  und  deren  lateinische  Übersetzung  (b)  stimmen 
nicht  miteinander  überein,  b  läßt  Jacobus  Alphaei  ganz  aus. 
Sonst  sind  die  letzten  Namen  unter  Mischung  mit  Mt.  (tf  B) 
nach  Lc.  neuredigiert,  eine  Form,  welche  CDEFF1  aufweisen. 
Damit  ist  aber  nicht  gesagt,  daß  CDEFF1  früher  als  die  Grund- 
schrift der  HSS  A  und  B  anzusetzen  wären;  vielmehr  folgt 
daraus,  daß  die  erstere  Gruppe  die  unregelmäßige  Liste,  welche 
die  letzteren  HSS  vertreten,  neugestaltete,  wobei  sie  die  über- 
zähligen aus  A  und  B  stammenden  Namen  unter  qui  et,  6  xal 
verbanden,  wie  n.  11  zeigt.  Die  legendarischen  Zusätze  sind 
in  allen  HSS  so  ziemlich  dieselben,  mit  Ausnahme  derer,  welche 
durch  Teilung  auf  zwei  Apostel  übertragen  (Bb  n.  11  und  12) 
oder  durch  Wiederholung  ebenfalls  zwei  Aposteln  gegeben  wurden. 

Von  allen  andern  Texten,  welche  mit  Ps.  Dorotheus  ver- 
wandt sind,  zeigt  jeder  eine  eigene  Apostelreihe. 

Die  Liste  des  Ps.  Dorotheus  stimmt  in  den  ersten  acht 
Namen  wiederum  mit  Mt.  10,  2 — 4  überein.  Die  letzten  vier 
Namen  lauten  mit  der  HS  B  des  Epiphaniustextes  nur  mit  an- 
derer Kombinierung  gleich: 

Ps.  Dorotheus:  Ps.  Epiphan.  HS  B: 

(Jacobus  Alphaei). 
9.  Judas  Jacobi.  9.  Simon  Zelotes. 

10.  Simon  Judas.  10.  Judas  Jacobi  qui  et  Thad- 

daeus. 

11.  Matthias.  11.  Simon  Judas. 

12.  Simon  Zelotes.  12.  Matthias. 

In  der  lateinischen  Übersetzung  von  B  (b)  liegt  eine  Neuredaktion 
nach  Ps.  Dorotheus  vor,  da  diese  versio  den  vor  Simon  Zelotes 
stehenden  Jacobus  Alphaei  ausmerzte. 

Diese  letzten  vier  Namen  sind  teilweise  aus  dem  lukanischen 
Verzeichnis  entnommen,  wie  Judas  Jacobi,  Simon  Zelotes  dartun. 
Simon  Judas  (n.  10)  in  Ps.  Dorotheus  ist  nur  eine  Dublette  von 
Simon  Zelotes  (n.  12);  beide  wirken  in  Afrika  und  werden  dort 
gekreuzigt,  wenn  auch  kleinere  Umstände  verschieden  angegeben 
werden,    ebenso    wie   in    Ps.  Epiphanias    (n.  9   und   11)    HS  B. 


236  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Wahrscheinlich    suchte   Ps.  Dorotheus  seine  Vorlage  nur  durch 
Umstellung  der  Namen  zu  verbergen. 

3.  Auf  Mt.  10,  2— 41  (8B)  nach  Mischung  mit  den  west- 
lichen Texten  beruhen  die  Listen  bei  Ps.  Hippolyt  und  Ps.  Logo- 
thet,  welche  die  Namen  anders  gruppieren.  Letzterer  Text 
umstellte  gegenüber  Ps.  Hippolyt  ganz  frei,  vielleicht  um  seine 
Abhängigkeit  nicht  durchblicken  zu  lassen.  Beide  Verzeichnisse 
nennen  statt  Thaddäus:  Judas  Lebbäus  (Hipp.)  oder  Judas  Thadd. 
Lebb.  (Logothet.)  Die  Reihe  des  Ps.  Hippolyt  ist  entsprechend 
den  Nummern  bei  Mt.: 

1     2     4     3     5    6     8     7     9     10     11     12     Matthias; 
die  des  Logothet: 

1     2     4     3     5     8     7     9     10     6     11     12     Matthias. 

4.  Mit  der  Liste  des  Epiphanius  haer.  79,  3  stimmt  jene  des 
textus  mixtus  (s.  o.  S.  167)  überein,  wo  ebenfalls  Matthäus  fehlt. 
Sie  nennt  aber  nicht  Judas  Jacobi,  sondern  fügt  (=  Epiph.) 
Paulus  und  Jacobus  den  Herrnbruder  bei. 

5.  Jene  Apostellisten,  welche  Paulus  zu  Petrus  in  die  Apostel- 
reihe gestellt  haben,  lassen  sich  in  zwei  Klassen  teilen;  solche, 
welche  ein  kanonisches  Verzeichnis  dabei  zugrunde  legen  und 
wie  es  scheint,  meistens  Lc.  6,  und  solche,  welche  bereits  die 
Evangelisten  den  Listen  einreihen. 

Zu  den  ersteren  gehört  der  anonyme  syrische  Text  (S.  169), 
welcher  vielleicht  die  altsyrische  Mt.-Liste  trotz  des  Simon  „Zelotes" 
zur  Grundlage  hat;  das  Apostelverzeichnis  in  den  griechischen 
Synaxarien2,  welche  streng  den  Lc.-Katalog  unter  Beifügung  von 
Jacobus  dem  Herrnbruder  einhalten,  der  zugleich  dann  als  erster 
der  70  Jüngerverzeichnisse  gezählt  wird.  Der  aus  Ps.  Hippolyt 
und  Dorotheus  hervorgegangene  Mischtext  hat  seine  Apostelreihe 
aus  Mt.  und  Lc.  zusammengestellt. 

Hierher  gehört   noch  eine  Liste,    welche  in   .,Canones  Cle- 


1)  Die  Normalliste  hat  Nikephorus  Call.  Xanthop.  h.  e.  II  c.  44  (Migne 
P.  gr.  145,  877  B— C) ;  nur  Judas  Thaddäus  Lebbäus  ist  der  Yollname  von 
n.  10. 

2)  Auch  im  Menologium  Basilii  imperat.  zum  30.  Juli  (Migne  Patr. 
gr.  117,  516  B—C).  Die  letzten  Namen  sind:  8.  Barthol.;  9.  Matthäus; 
10.  Jacobus  Alphäi;  11.  Simon  Zelotes;  12.  Judas  Jacobi. 


6.  Namen  und  Reihenfolge  der  12  Apostel.  237 

mentis"  erwähnt  ist.  Pitra1  teilte  dieses  Stück  aus  einer  HS 
einer  Privatbibliothek  in  Petersburg  mit  (describo  menibranas  in 
privata  Petropolitani  cuiusdam  viri  bibliotbeca  asservatas),  über 
welche  ich  sonst  nirgends  Aufschluß  fand.  Die  durch  Ps.  Clemens 
gegebenen  Canones  wurden  von  den  Aposteln  verkündigt:  1.  Petrus; 
2.  Paulus;  3.  Jacobus;  4.  Johannes;  5.  Andreas;  6.  Thomas; 
7.  Philippus;  S.  Bartholomäus;  9.  Matthäus;  10.  Simon  Zelotes; 
11.  Jacobus  Alphäi;  12.  Judas  Jacobi,  woran  sich  weiterhin 
Matthias,  Jacobus  der  Herrnbruder,  Clemens  von  Rom,  der  dritte 
Bischof  nach  Linus,  die  7  Diakonen  usw.  anschließen. 

6.  Daneben  gibt  es  Verzeichnisse,  welche  offenbar  erst  in 
späterer  Zeit  entstanden,  welche  die  Evangelisten,  hauptsächlich 
Marcus  und  Lucas,  neben  Paulus  in  die  Apostelliste  aufnahmen, 
wodurch  andere  Apostel  verdrängt  wurden;  dies  begegnet  in 
einem  Ps.  Clemenstext2,  wo  Marcus  an  9.  Stelle  steht  und  Mat- 
thäus zweimal  (als  n.  S  und  13)  gezählt  wird;  besonders  aber 
wrurden  damit  bedacht  die  Apostellisten  mancher  griechischen 
Menologien  und  Synaxarien,  des  Codex  Patmiac.  266  (saec.  X)3, 
ferner  des  Gedichtes,  welches  dem  Joannes  Euchaitensis  (S.  168) 
zugeschrieben  wird.  Die  Namenliste  des  letzteren  ist:  1.  Petrus; 
2.  Paulus;  3.  Lucas;  4.  Matthäus;  5.  Marcus;  6.  Johannes;  7.  An- 
dreas; 8.  Thomas;  9.  Bartholomäus;  10.  Simon;  11.  Jacobus. 
Genau  die  Liste  des  Synaxarium  Patmiacum  befolgt  auch  die 
Homilie  des  Ps.  Chrysostomus:  1.  Petrus;  2.  Paulus;  3.  Andreas; 
4.  Simon;  5.  Thomas;  6.  Jacobus;  7.  Marcus;  8.  Lucas;  9.  Mat- 
thäus;   10.  Johannes;    11.  Bartholomäus;    12.  Philippus. 

7.  Ebenso  wie  die  syrischen  Verzeichnisse  bei  Salomon  von 
Basrah  und  im  syrischen  12  Apostelevangelium,  haben  auch 
griechische  die  Heimat  der  Apostel  teils  unter  die  12  Stämme, 
teils  in  bestimmte  Städte  verteilt.  Einen  solchen  Text  haben  wir 
bereits  (S.  16S)  namhaft  gemacht4,  worin  Petrus  und  Andreas  aus 


1)  Juris  eccl.  Graec.  hist.  et  nionum.  I  Romae  1SG4  p.  75  Anm.  1. 

2)  Lipsius,  Ergänzungsheft  S.  3.  Vgl.  über  die  Aufnahme  des 
Marcus  unter  die  Zwölfe,  Lipsius  II  2,  238.  Ebenso  in  2  Troparien  der 
HS  58  {<p.  8)  der  Ratsbibl.  zu  Athen  in  Nioq  to.»ii'o,«c//,«ojv  III  1906,  243  f. 

3)  Hipp.  Delehaye,  Synax.  Eccl.  CPol.  [Propylaeum  ad  AA.  SS. 
Novembris],  p.  X  u.  779,  44. 

4)  Gedruckt  bei  Migne  I  755  und  bei  Jo.  Alb.  Fabricius,  Codicis 
apocr.  Novi  Testam.  pars  HI.     Hainburgi  1710,  690  f. 


238  Seherin  ann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

dem  Dorfe  Bethsaida  stammen;  des  Jacobus  und  Johannes  Heimat 
wird  nicht  angegeben.  Philippus  ist  ebenfalls  von  Bethsaida; 
Thomas  qui  et  Didymus  von  Antiocheia;  Bartholomäus  unbe- 
kannter Herkunft;  Thaddaeus  qui  et  Lebbaeus  ist  ein  Italiker; 
Jacobus  Alphäi  stammt  von  Hierapolis;  Matthäus  qui  et  Levi 
von  Galiläa;  Simon  Cananites  ist  unbekannter  Heimat;  Simon 
Zelotes  von  Salem. 

Solche  fragmentarische  Verzeichnisse  hatte  Fabricius1  auch 
aus  einer  Katene  zu  Ps.  67,  28  mitgeteilt.  Die  sog.  Brüder  des 
Herrn  waren  aus  dem  Stamme  Juda.  Petrus,  Andreas,  Jacobus, 
Johannes  und  Philippus  aus  Bethsaida,  Matthäus  und  Jacobus 
Alphäi  aus  Kapharnaum,  Simon  Zelotes  aus  Kanan.  In  der- 
selben Katene  werden  unter  dem  Lemma  „Athanasius"  Petrus, 
Andreas,  Jacobus  und  Johannes  „nach  der  Überlieferung  der  hl. 
Schrift"  den  Stämmen  Zabulon  und  Nephthali  zugewiesen,  dem 
Stamme  Juda:  Levi  oder  Matthäus  und  die  übrigen  Apostel. 

Wenig  Wert  hat  die  unvollständige  Liste  in  einer  Recension 
des  Martyriums  des  Andreas  in  Vatic.  gr.  807  saec.  XII2,  worin 
jedem  Apostel  der  Wirkungskreis  zubenannt  ist.  Petrus  loste 
sich  die  Judenschaft  (zrjv  jisQirofirjv)  aus,  Jacobus  und  Johannes 
den  Osten,  Philippus  die  Städte  Samarias  und  Asia  ßovvojtoXig, 
Matthäus  Parthien  und  die  Myrmenidenstadt,  Thomas  Groß- 
armenien und  Indien,  Lebbäus  Thaddäus  die  Beronikis,  Simon 
Cananites  das  Barbarenland;  nach  all  diesen  erloste  Andreas 
Bithynien,  Lacedämon  und  Achaia. 

Am  wenigsten  zeigten  die  griechischen  Apostellisten  deutlich 
unterscheidbare  Gruppen.  Solche,  welche  nach  X  B  die  Mt.-Liste 
überliefern,  solche,  welche  mit  D  122  gehen  und  solche,  welche 
sich  an  Lucas  anschließen,  sind  äußerst  wenige;  die  meisten  sind 
Mischlisten.  Angefangen  mit  den  bei  Epiphanius  überlieferten 
litten  die  folgenden  immer  mehr  an  dem  Bestreben,  die  Ungleich- 
heit der  vorhandenen  Listen  mit  den  kanonischen  dadurch  aus- 
zugleichen, daß  sie  durch  das  attributive  6  xcu  die  Namen  der 
letzteren  aufnahmen  und  anschlössen.  Dadurch  war  eine  Ver- 
wirrung unvermeidlich  geworden.  Aber  auch  in  späterer  Zeit 
griff  man,  um  Klarheit  zu  schaffen,  nicht  auf  einen  Typus  der 


1)  Ebenda  p.  254. 

2)  Lipsius,  Ergänzungsheft  S.;14f. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  239 

biblischen  Verzeichnisse  zurück  und  strich  die  überschüssigen 
Namen,  vielmehr  riß  vollständige  Ungesetzlichkeit  ein,  als  noch 
zu  Paulus  die  Evangelisten  in  corpore  aufgenommen  wurden, 
welche  dann  allerdings  manche  strittige  Namen  verdrängten. 


7.  Kapitel.    Die  legendarischen  und  geschichtlichen  Nach- 
richten über  die  12  Apostel  und  die  Evangelisten  in  den 
verschiedenen  Texten  und  Recensionen. 

L.  Duchesne  hatte  aus  dem  Inhalt  der  in  den  Texten  des 
Dorotheus  mitgeteilten  Apostellegenden  auf  ein  späteres  Alter 
als  das  6.  Jahrh.  geschlossen,  da  die  lateinische  Parallelüber- 
lieferung des  Abdiastextes,  des  Breviarium  apostolorum  usw.  eine 
gleichzeitige,  wenn  nicht  gar  manchmal  eine  ursprünglichere 
Form  der  Legende  verraten.  Es  ist  daher  nötig,  die  in  unsern 
Texten  überlieferten  legendarischen  Züge  auf  ihr  Alter  zu  prüfen, 
um  wiederum  den  Wert  der  einzelnen  Recensionen  und  Über- 
lieferungen einschätzen  zu  können.  Es  werden  daher  folgende 
Texte  zum  Vergleiche  beigezogen  und  mit  den  benannten  Siglen 
bezeichnet: 

A  =  Ps.  Epiphaniustext, 

B  =  Ps.  Dorotheustext, 

C  =  Ps.  Hippolyttext, 

D  =  Anonymer  griechisch-palästin.  Text, 

E  =  Text  in  der  Chronik  des  Logothet, 

F  =  Text  in  den  griech.  Synaxarien, 

G  =  Mischtext  zwischen  Ps.  Doroth.  und  Ps.  Hippolyt, 

H  =  „  Ps.  Epiphan.    „       „  „ 

Lb  =  Lat.  Text  des  Breviarium  Apostolorum, 

Li  =  Text  bei  Isidor  v.  Sevilla. 

Die  Varianten  des  Freculph  von  Liscieux,  welcher  in  seine 
Chronik  (824—830  verfaßt,  nach  Lipsius  a.  a.  0.  1  216  c.  840) 
dieselben  legendarischen  Notizen  fast  wörtlich  aus  Isidor  auf- 
nahm, werden  nicht  angegeben.  Vgl.  Duchesne,  Les  anciens 
recueils  de  legendes  apostoliques  [Compte  rendu  du  troisieme 
Congres  scientifique  internat.  des  Cathol.,  Bruxelles  1895.  V.section, 
sciences  historiques]  p.  75. 


240  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Ss  =  Syrischer  Text  in  Cod.  Sinait.  syr.  10  (s.  IX),  mitge- 
teilt von  Agnes  Smith  Lewis,  Catalogue  of  the  Syriac  Mss  in 
the  Convent  of  S.  Catharine  on  Mount  Sinai  [Studia  Sinaitica 
No.  I]  London  1894,  p.  7—8.  Die  Übersetzung  fertigte  mir 
Dr.  Caspar  Julius,  Hofstiftsvikar  bei  S.  Cajetan  in  München. 

Sd  =  Syrischer  Text  des  Dionysius  Bar-Salibi,  aufgenommen 
in  die  Chronik  Michaels  des  Syrers  (append.  ad  libr.  V)  ed.  J. 
B.  Chabot,  Chronique  de  Michael  le  Syrien,  Patriarche  Jacobite 
d'Antioche,  Tom.  I  fasc.  2,  p.  147  f. 

Sm  =  Syrischer  Text  Michaels  des  Syrers  in  dessen  Chronik 
1.  V  c.  10  (ed.  Chabot  p.  146—147). 

Sb  =  Syrischer  Text  bei  Salomon  von  Basrah,  Buch  der 
Biene  c.  48,  ed.  Em.  A.  Wallis  Budge,  The  Book  of  the  Bee 
[Anecdota  Oxoniensia,  Semitic  Series  Vol.  I — Part.  II]  Oxford  1886 
p.  103 — 106  der  englischen  Übersetzung.  Hiezu  wurde  noch  die 
lateinische  Übersetzung  von  J.  M.  Schönfelder,  Salomonis  epis- 
copi  Bassorensis  liber  apis,  Bambergae  1866  p.  77  f  benützt. 

Se  =  syrischer  Text  bei  Bar-Ebräjä  in  dessen  Chronicum 
ecclesiasticum  sect.  I,  Grregorii  Barhebraei  Chronicon  ecclesiasti- 
cum  edidit  et  illustr.  Joa.  Bapt.  Abbeloos  et  Thom.  Jos.  Lamy 
tom.  I,  Lovanii  1872,  31  ff. 

Da  ein  völliger  Abdruck  der  einzelnen  Texte  zu  viel  Raum 
beanspruchen  würde,  werden  nur  beispielsweise  und  bei  be- 
sonders bemerkenswerten  Lesarten  dieselben  in  Parallele  gesetzt. 

§  64.  Simon  Petrus. 

2i(icov  IIsxQog  o  xcöv  aüio-  JJsxQog  fiev  o  ajcooxoXog  sv 

oxoXojv  xogvcpalog  a>g  öia  xcöv  TaXlia  xal  sv  xolg  nsöoysioig 

sjtioxoXcöv  avxov  (paivsxai  dt]-  Il6vxovxalsjtlnäöavx7]v  Kaüt- 

Xcöv   sv    Ilövxcp    xal    r<xlaxia  Jtaöoxiav  xal  Bi&vviav  xi}QV$aq 

xal  KaTtnadoxia   xal    Bixrvvia  xb  svayyiXiov  fisxa  xb  sjtava- 

xal  sv  IvaXia,  ^Aöla  xal  sv  xm  Csv^ai  avxov  ccjio  \\vxLoy^siag, 

IXXvqlxcq]    sxt]qvss  xb  svayys-  vöxsqov  ös    xal   sv  xt~j   IxaXia 

Xiov,  voxsqov  6s  sv  Pwfifl  sjiI  Jtaöy  xal  Poifoj.  sv&a  xal  v.ib 

Nsocovog  ßaoeXscog  oxavQodxai  Nsocovog  öxavowOslg  sv  avxfj 

xaxcc   xscpaXtjg,    avxov    ovxcog  xy  Poi/Jt]  d-ajcxsxai  jtqo  xquqv 

jia&slv  a^ioiöavxog,   &ajcxsxai  EaXavöcöv  IovXimv  (B). 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel. 


241 


ös  sv  avxjj  rjj  Pcopiy  jcqo  xqicöv  JJsxQog  ujio  B?]&ocuöä'  ovxog 

KaXavöcöv    'iovXicov    [6    köxiv  ysvousvog    kjcioxojcog    jcqwxov 

'Ejuqil  e'].    [pro  kjcl  As'q. —  xs-  kv    \ivxcoysla,    sjcsixa    ös    kv 

(paX7jg   HS  D:    xaxsX&a>v   xal  Poofiy.      Exsl    xsXsiovxat   vjco 

2itucovi     xaxaßaXcbv     oxavgcö  NsQcovoq  oxavoco&slg  xaxcxs- 

jcagsöcoß-rj  vjco   Nsgcovog]   (A).  (paXog  (D). 


IJtzQog  {jhv  sv  növrcp  xal 
raXaxla  xal  Kajcjcaöoxia  xal 
Bi&vvia  xal  }IxaXla  xal  Aölq 
xrjQvt-aq  xb  svayysXiov,  voxs- 
qov  vjco  NsQeovog  sv  Pcofiy 
oxavQovxaixaxaxstyaXrjgovxoig 
avxov  a^icooavxog  jca&siv  (C). 

JJsxoog'  ovxog  sxijqv^sv  sv 
raXiXaia  xal  sv  xolg  fisooysl- 
oig  Dovxov  xal  raXaxiag  xal 
Aöiag  xal  Bidvviag  xal  lPa>- 
(i?]g,  sv&a  xal  söxavocoür]  vjco 
Ayoijcjca  jcqs(£Sxxov,  sv  ygö- 
voig  Nsoa)vog,  ßaOiXscog  ^Pco- 
uaicov  (GH  [+  sig  t}v  xal  &ajc- 
xsxai  H]). 


IIsxQog  o  usyag  axöoxoXog 
kv  Pa>nxi  vjco  Nsgcovog  xov 
ßaoiXscog  xaxa  xsrfaXrjg  oxav- 
Qcofrslg  xsXstol  xov  ßiov  (E). 

üs'xQog  o  öiajcvoog  soaoxrjg 
xov  Xqloxov.  Üg  JCQOXSQOV 
[ilv  sv  'iovöaia,  sixa  kv  Av- 
xcoysia,  sjcsixa  kv  Uövxcp  xal 
raXaxia  xal  Kajcjraöoxia,  Aoia 
xs  xal  Bidvvia  xr]Qv$ag  xax- 
?]X&s  usygi  'Pcoftrjg  avxrjg.  Kai 
öia  xb  jcaosvöoxiiir/öai  avxbv 
kv  xolg  &avuaGiv  sig  xov  21- 
ficova  uayov,  vjco  Ns'gojvog 
OxavQcod-slg  xaxa  xsfpaXrjg  xs- 
Xsiovxai  (F). 


Simon  qui  interpretatur  oboediens  .  .  .,  Petrus  agnoscens, 
.  .  .  filius  Joannis,  frater  Andreae  dicitur.  Orkus  vico  Bethsaidae 
provinciae  Galilaeae,  qui  propter  Simonem  ruagum,  licet  Dei 
occulto  nutu,  Rornam  pervenit  ibique  praedicans  evangelium,  XXV 
anuorum  eiusdem  urbis  tenuit  pontificatuin,  VI  autem  et  tricesimo 
anno  post  passioneru  Domini  sub  Nerone  Caesare,  ut  voluit,  cruce 
suspensus  est,  cuius  natalitium  III.  Kai.  Julius  celebratur.    Lb. 

c  68.  Simon  Petrus  ..  Hie  in  Galatia,  Ponto,  Cappadocia, 
Bithynia,  Asia  atque  Italia  Evangelium  praedieavit  .  .  .  Simonem 
etiam  magicis  artibus  caelum  conscendentem  ad  terram  elisit. 
Hie  postquam  Antiochenam  fundavit  ecclesiam,  sub  Claudio 
Caesare  contra  eundem  Simonem  magum  Rornam  pergit  ibique 
praedicans  evangelium  viginti  quinque  annis  eiusdem  urbis  ponti- 
Tezte  u.  I'iitersuchungen  etc.  Bl,8  lti 


242  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

ficatum  tenuit.  Sexto  et  trigesimo  anno  post  passionem  Domini 
a  Nerone  Caesare  in  urbe  Roma  deorsum,  ut  ipse  voluit,  capite 
crucifixus  est.  Sic  post  ajjostolicum  meritum  etiam  martyrio 
coronatus,  sepultus  Romae  in  Vaticano  secus  viam  iuxta  vicum 
triumphalem.    Li. 

.  Simon  precha  ä  Antioche  pendant  un  an;  il  y  bätit  une 
eglise,  puis  il  monta  ä  Rome,  oü  il  precha  pendant  vingt-sept 
ans.     Sd. 

Simon  de  la  tribu  de  Nephtali.  II  etablit  un  sanctuaire  ä 
Antioche  en  la  löre  annee  de  Claude;  et  il  monta  precher  ä  Rome, 
oü  il  fut  eveque  pendant  25  ans.  En  l'an  13  de  Neron,  il  fut 
couronne  (du  martyre).     Sm. 

Simon  a  Bethsaida  de  tribu  Nephtali  erat.  Primum  An- 
tiochiae  praedicavit  ibique  ecclesiam  in  domo  Cassiani,  cuius 
filium  resuscitaverat,  aedificavit;  mansitque  ibi  unum  annum. 
Ibidem  discipuli  Christiani  cognominati  sunt.  Hinc  Romain 
ascendit  ibique  27  annos  mansit.  Nero  eum  capite  in  terram 
verso  crucifixit.    Sb. 

Petrus  vero  carceri  inclusus  atque  ab  angelo  Dei  e  custodia 
ereptus  Hierosolymis  exivit,  cumque  per  biennium  in  itinere 
versatus  esset  docens,  pervenit  Antiochiam,  ubi  ecclesiae  funda- 
menta  iecit,  altare  exstruxit  et  episcopum  primum  constituit  Evo- 
dium.  Hinc  porro  Romam  perexit  et  in  ea  episcopus  fuit  annis 
viginti  quinque.     Se. 

Simon  a  Bethsaida  e  tribu  Nephtali.  Mortuusque  est  Romae 
anno  7  mense  Junio  28  eius.     Ss. 

Zunächst1  seien  noch  einige  Bemerkungen  über  Text  A  (Ps. 
Epiphanius)  vorausgeschickt,  da  einige  HSS  Erweiterungen  bieten, 
welche  in  Klammern  eingeschlossen  sind.  Die  HS  D  dieses 
Textes  erwähnt  allein  das  Zusammentreffen  des  Petrus  mit  Simon 
Magus.     Die  Beifügung  des  ägyptischen  Monatsdatums  sstiqpl  a- 

1)  Es  kann  hier  nichs  meine  Aufgabe  sein,  das  Verhältnis  der  Über- 
reste und  Bearbeitungen  der  gnostischen  Akten  zu  der  Originalschrift 
darzulegen.  Carl  Schmidt,  Die  alten  Petrusakten  [T.  u.  TL  N.  F.  IX.  Bd. 
1.  Heft]  Leipzig  1903,  S.  22. 

2)  Das  koptische  Martyrium  trägt  die  Datierung  am  5.  Epep. 


i .  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  243 

gehört  den  beiden  besten  HSS  an;  die  ältere  (HS  A)  fügt  noch 
ein  syrisch-rnacedonisches  Datum1  bei:  Ttavvi  de  v.i{ ,  o  loxiv 
lovvioq,  wobei  Lipsius2  y.rf  in  xfr'  korrigiert,  da  es  sonst  dem 
vorausgeschickten  Datum  auf  den  29.  Juni  widersprechen  würde. 

1.  Name,  epitheton  ornans,  Geburtsort.  Alle  griechischen 
Recensionen  mit  Ausnahme  von  A  nennen  ihn  schlechtweg  Petrus. 
Die  Bezeichnung  Simon  (Petrus)  (Joa.  1,  40)  ist  den  Syrern  eigen, 
mit  denen  demnach  der  Grieche  A  hierin  verwandt  ist;  ebenso 
der  lateinische  Zeuge  Lb,  welcher  Worterklärungen  sowohl  zu 
Simon  wie  zu  Petrus  beifügt.  Ebenda  ist  die  alleinstehende 
Angabe  filius  Joannis3  frater  Andreae.  Den  Heimatsort  ccjio 
Bij&öaidä4  gibt  nur  der  griechische  Zeuge  D,  dessen  syrische 
Heimat  noch  öfters  hervortritt,  ebenso  Lb  und  Sb,  während  Sm 
und  Sb  die  Stammesangehörigkeit  in  den  Vordergrund  rücken. 
Die  meisten  Texte  legen  Petrus  weiter  kein  Attribut  bei:  Text  A 
nennt  ihn  o  rüiv  axooroloDV  y.oQvqaloq,  B  einfachhin  axodxoXoc, 
E  tutyag  äjcoöroloq  und  F  öiujivqog  iQaörrjq  rov  Xqiotov. 

2.  Orte  der  Missionstätigkeit5.  Stufenweise  Angaben  über 
die  verschiedenen  Länder  und  Orte,  wo  Petrus  predigte,  bieten 
B,  F,  Li,  Sb,  welche  zunächst  nach  Petr.  1,  1  die  Völkerschaften 
am  Pontus,  dann  Antiocheia  und  zuletzt  Rom  betreffen.  Text 
ACFGHELb  erwähnen  nichts  von  einem  Aufenthalt  in  Antiocheia. 

Die  Angaben  unserer  Texte  über  den  Aufenthalt  Petri  in 
Antiocheia  gehen  nur  selten  über  die  Mitteilungen  der  Apg.  12,  3  ff 
hinaus.  Li  erwähnt  die  Gründung  der  antiochenischen  Kirche, 
wie  auch   alle  Syrer   einen   einjährigen  Aufenthalt  und  den  Bau 


1)  Ein  Laterculus  rnensium  Macedonicorum  im  Chronicon  Paschale 
ed.  Lud.  Dindorfius  II,  Bonnae  1832,  230. 

2)  R.  A.  Lipsius,  Apokr.  Apostelgesch.  u.  Apostelleg.  I.  Leipzig 
1883,  200. 

3)  Jo.  1,  43;  21,  15  ff. 

4)  Jo.  1,  44.    Vgl.  F.  Sieffert,  HRE  XV»,  Leipzig  1904, 187  Zeile  43. 

5)  Die  von  J.  Guidi  edierten  koptischen  Petrusakten  sind  aus  dem 
griechischen  sog.  Marcelliistext  geflossen.  Gli  atti  apocrin'  degli  Apostoli  nei 
testi  copti,  arabi  ed  etiopici  in  Giornale  della  societä  asiatica  italiana  Vol.  II 
1888,  S.29 — 35.  Ebenda  S.5ff  über  den  Wert  der  koptischen  und  der  aus 
ihnen  geflossenen  arabischen  und  äthiopischen  (Mal an,  The  conflicts  of 
the  holy  Apostles,  London  1371.  Neuausgabe  durch  Wallis  Budge  [1901]) 
Akten;  vgl.  Lipsius  a.  a.  O.  Ergänzungsheft  S.  80  ff.  Vgl.  E.  von  Dob- 
schütz  in  Theol.  Literaturzeitg.  1905,  556f. 

16* 


244  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

einer  Kirche  mitteilen.  Text  Sb  bezeichnet  sogar  das  Haus  eines 
Kassian,  dessen  Sohn  Petrus  vom  Tode  erweckte,  als  das  Grund- 
stück, auf  welchem  die  Kirche  errichtet  war. 

Text  D  nennt  Petrus  aber  geradezu  Bischof  von  Antiocheia, 
was  syrisch-antiochenische  Überlieferung  ist.  Eusebius  h.  e.  III 
36,  l1  nennt  daher  auch  Ignatius  rr/q  xara  'Avno'/tiav  üe- 
tqov  ÖLaöoyJiq  ÖEvregog  zr/v  EJtioxoji?]V  xtxfojQcopttvog.  Hier- 
mit stimmt  auch  die  Nachricht  in  seiner  Chronik  überein,  daß 
Petrus  die  erste  Gemeinde  in  Antiocheia  gegründet  habe;  und 
zwar  wie  es  scheint,  kurz  bevor  Claudius  die  Regierung  antrat, 
und  dann  sich  nach  Rom  begab2.  Dagegen  scheint  eine  Stelle 
seiner  Kirchengeschichte  (h.  e.  III  22) 3  einen  antiochenischen 
Episkopat  Petri  förmlich  auszuschließen,  da  dort  Evodius  als 
erster,  Ignatius  als  zweiter  Bischof  von  Antiocheia  erwähnt  wird. 
Doch  ist  dieses  negative  Kriterium  nicht  geeignet,  die  Tradition 
von  der  cathedra  Petri  Antiochiae,  welche  neben  der  Stelle  der 
Eusebianischen  Kirchengeschichte  durch  weitere  antiochenische 
Zeugnisse4  und  mehrere  lateinische5  gestützt  wird,  zu  beseitigen. 
Wenn  wir  nun  unsere  syrischen  Texte  zu  Worte  kommen  lassen, 
so  verteilen  sich  die  Angaben  folgendermaßen:  Petrus  predigte 
(zuerst:  Sb)  in  Antiocheia  und  blieb  daselbst  ein  Jahr  lang  (Sd, 
Sb).  Er  erbaute  im  ersten  Jahre  des  Claudius  (Sm)  eine  Kirche 
und  setzte  den  Evodius  als  ersten  Bischof  ein  (Se).  Schwache 
Anlehnungen  an  die  syrische  Tradition  verraten  dann  noch  Li, 
welcher  ebenfalls  die  Gründung  der  antiochenischen  Kirche  unter 
Kaiser  Claudius  ihm  beigelegt,  B,  welcher  ihn  von  Antiocheia 
aus  zu  weiteren  Missionsreisen  aufbrechen  läßt6,  während  F  von 


1)  Eusebius  Werke.  Zweiter  Band.  Die  Kirchengeschichte.  Bear- 
beitet von  Ed.  Schwartz  und  Theod.  Mornmsen.  Erste  Hälfte.  Leipzig 
1903,  p.  274„  17. 

2)  ad  ann.  40  (Migne  Patr.  gr.  19,  539);  ed.  Schoene.  Cfr.  Orosius 
h.  e.  VII  6  (Migne  Patr.  1.  31,  1072  B).  Petrus  begab  sich  im  Anfange 
der  Regierung  des  Claudius  nach  Rom. 

3)  ed.  Schwartz  p.  236,  14. 

4)  Chrysostoni.  hom.  in  S.Ignatium  c.4  (Migne  P.gr.49.50  [IT1.2]p.593). 

5)  Das  Martyrol.  Hieronym.,  aus  dem  Depositionsverzeichnis  des 
röin.  Chronisten  entnommen.  Hieronymus  de  vir.  inlustr.  u.  interpretat. 
in  chron.  Eusebii.  s.  Lipsius  a.  a.  0.  II  1,  406  f.  Zö ekler  in  HRE  XV3, 
Leipzig  1904,  213  Zeile  27. 

6)  Wie  nach  einem  VTtöfivrjfia  TLexqov  xal  Tlai).ov,  das  in  AA.  SS.  Juni 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  245 

seiner  Predigt  in  dieser  Stadt  zu  berichten  weiß.  Nur  die  An- 
gabe, daß  Petrus  zuerst  in  Antiocheia  predigte,  welche  mit  Sb 
das  Chronicon  Paschale 1  und  Johannes  Malalas 2  befürworten, 
widerstreitet  Apg.  11,  19— 30 3. 

Neben  seiner  Missionstätigkeit  in  Judäa  (Apg.  10,  48)  und 
Antiocheia  wird  dann  von  den  grichischen  Zeugen  fast  allgemein 
genannt4  (ABCFGH):  Pontus,  Galatien  (Gallien),  Kappadocien, 
Asien  und  Bithynieu,  wohl  aus  1.  Petr.  1,  1  genommen,  wo  die 
Gemeinden  dieser  Gegenden  als  Adressaten  genannt  werden.  Die 
syrischen  Texte  berichten  nicht  davon,  ebensowenig  D,  Lb,  Li5. 

Allgemein  wird  Rom  als  Aufenthaltsort  Petri  genannt  und 
zwar  von  den  griechischen  Texten  meist  nur  im  Zusammenhang 
mit  dessen  Martyrium  unter  Neroü.  A  und  B  lassen  ihn  aber 
auch  in  ganz  Italien  predigen,  und  die  syrischen  Texte  mit  Lb 
und  Li  weisen  ihm  in  Rom  eine  25  resp.  27jährige  bischöfliche 
Tätigkeit  zu,  da  auch  Li  und  Sm  seine  Ankunft  unter  Claudius 
verlegen.  Immerhin  ist  es  auffallend,  daß  diese  in  das  3.  bis 
4.  Jahrhundert  zurückgehende  Tradition"  nur  in  syrischen  und 
lateinischen  Texten  sich  findet  und  sich  keinem  der  griechischen 
mitteilte. 

Seine  Kämpfe  mit  Simon  Magus  in  Rom  erwähnt  allein  eine 
HS  von  A,  ferner  F,  Lb  (propter  Simonem  magum,  licet  Dei 
occulto  nutu  Romam  pervenit),  trotzdem  auch  dieser  Teil   der 


tom.  V  p.  411 — 424  einem  Sophronius  zugeschrieben  wird,  wonach  Petrus 
sich  nur  auf  der  Durchreise  in  Antiocheia  aufhält.  Vgl.  Lipsius  II  217;  S  f. 

1)  ed.  Dindorf  I  421. 

2)  Chronogr.  1.  X  242  (Migne  P.  gr.  97,  372  B). 

3)  M.  Treppner,  Das  Patriarchat  von  Antiochien  von  seinem  Ent- 
stehen bis  zum  Ephesinum  431,  Würzburg  1891,  S.  6.  F.  Sieffert  in 
HRE  XV3,  195  Zeile  41. 

4)  Origenes  bei  Euseb.  h.  1.  III  1,  2  (ed.  Schwartz  188,  5—8). 

5)  Dagegen  Hieronymus,  de  vir.  inlustr.  c.l  nennt-  dieselben  Völker; 
ebenso  werden  in  der  syrischen  doctrina  apostolorum  (ed.  W.  Cure  ton, 
Ancient  Syriac.  documents,  London  1SG4,  p.  33)  zuerst  genannt:  Antiocheia, 
Syrien,  Cilicien,  Galatien  bis  zum  Pontus,  dann  Rom,  wo  das  Zusammen- 
treffen mit  Simon  dem  Magier  erwähnt  wird.  Daneben  wird  eine  zweite 
Reihe  von  Missionsländern  des  Simon  Kephas  angereiht:  Die  Stadt  Rom, 
Italien,  Spanien,  Britannien  und  Gallien. 

0)  Über  die  Dauer  des  Aufenthaltes  s.  C.Schmidt  a.  a.  0.  S.  168. 
7)  Sieffert  in  ERE  K\r3  202,  Zeile  20ff.    Schmidt  S.  L69. 


946  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

ältesten  Tradition  angehört  und  in  den  petrinischen  Romanen1,  in 
den  Philosophumenen2,  in  der  syrischen  Didascalie3  erzählt  wird. 

3.  Martyrium.  Eine  große  Anzahl  unserer  Textzeugen 
ABCDEFGHLbSb  berichten  von  der  Kreuzigung  Petri  unter 
Nero  (durch  den  Präfekten  Agrippa4  GH),  welche  in  Joa.  21,  18 
vom  Herrn  selbst  vorausgesagt  wird.  Während  die  älteste  rö- 
mische Nachricht  in  1  Clem.  5  nur  sein  Martyrium,  ohne  die 
Art  desselben,  bekannt  gibt,  hatte  die  spätere  Überlieferung  auch 
noch  die  Kreuzigungsart  spezialisiert,  indem  sie  berichtet,  daß 
Petrus  xaraxecpaXrjg  gekreuzigt  wurde.  Indem  gnostischen  griecb. 
Martyrium  erbittet  sich  Petrus  die  Kreuzigung  sjcl  rrjv  xsyalrjv: 
c.  8  und  9  (vgl.  Acta  Petri  et  Pauli  c.  81)5.  Schon  Origenes6  be- 
richtete dieselbe  Art  der  Kreuzigung. 

Lb  und  Li  geben  als  Todesjahr  das  36.  nach  dem  Tode  des 
Herrn,  Sm  das  13.  Jahr  des  Nero  an.  Als  Tag  wird  in  A,  B, 
Lb  gemäß  alter  Tradition  vom  3.  Jahrh.  an  der  29.  Juni  genannt. 
Li  weiß  auch  von  dem  Begräbnisort  auf  dem  Vatican  secus  vicum 
triumphalem7. 

Unter  allen  Angaben  unserer  Texte  ist  keine  vorhanden, 
welche  jünger  als  das  4.  Jahrh.  wäre.  Text  A  scheint  für  sich 
zu  stehen  als  der  Grundstock  einer  Reihe  anderer  Texte,  welche 
aus  ihm  geschöpft,  manches  abgestreift  und  vermischt  haben; 
insbesondere  C  macht   den  Eindruck  einer  abgekürzten  Fassung 

1)  Ebenda  S.  201  Zeile  28  f.    Actus  Petri  cum  Simone  c.  23  ff. 

2)  Philos.  6,  20. 

3)  Didasc.  Apost.  G,  9  (ed.  Funk,  Didasc.  et  Const.  Apost.  I,  Pader- 
borns 1905,  318 f);  Ap.  Constit.  6,  9  (Funk  321,  5  ff).  Vgl.  C.  Schmidt, 
Die  alt.  Petrusakten  S.  146. 

4)  Wohl  aus  dem  grieeh.  Martyrium  Petri  c.  4  u.  12  (Acta  Apost olorum 
apocrypha.  Post  Constantini  Tischendorf  denuo  ediderunt  R.  A.  Lipsius 
et  Max.  Bonnet.  Pars  Prior,  Lipsiae  1891,  84,  15  u.  100,  15  f);  in  den 
Act.  Petr.  c.  Sim.  c.  33  und  41. 

5)  ed.  Lipsius-Bonnet  192,  18.  Act.  P.  cum  Sim.  c.  37;  und  p.  215,  2. 

6)  Bei  Euseb.  h.  e.  III  1,  2  (ed.  Schwartz  18S,  8  äveaxo/.onio&r] 
xaxa  xs(pa?j]g).  Euseb.  h.  e.  II  25,  5  (ed.  Schwartz  176,  18)  erwähnt 
nicht  xaxa  xe<pah~jq,  wohl  aber  in  demonstr.  ev.  DI  5,  65  (Migne,  Patr. 
gr.  22,  209  A). 

7)  Irrtümlich  aus  der  Nachricht  des  Gaius  bei  Euseb ius  h.  e.  II  25, 
6—7  (ed.  Schwartz,  178,  3)  gefolgert,  s.  Sieffert  HRE  XV3,  202, 15 ff. 
Übrigens  auch  in  den  Acta  Petri  et  Pauli  c.  84  (ed.  Lipsius-Bonnet 
I  216,  Zeile  16)  mitgeteilt:  s&r/xav  .  .  .  elq  xönov  xa?.oi\uevov  Baxixavöv. 


7.  Die  Nachrichten  üher  die  12  Apostel. 


247 


von  A.  Auch  E  beruht  direkt  oder  indirekt  durch  C  auf  A  und 
ist  fast  wertlos.  B  hängt  teilweise  wörtlich  von  A  ab,  hat  aber 
in  der  Mitteilung  des  antiochenischen  Aufenthaltes  Petri  einen 
andern,  lateinischen  oder  syrischen  Einfluß  aufgenommen.  D  ist 
syrischer  Heimat.  Text  F  ist  aus  einer  Mischung  von  A  (viel- 
mehr dessen  HS  D,  welche  den  Kampf  des  Petrus  mit  Simon 
Magus  erzählt)  und  D  hervorgegangen.  GH  sind  spätere  Texte 
und  haben  in  einem  einzelnen  Falle  mit  dem  „Martyrium  des 
Petrus"  Verwandtschaft. 

Die  syrischen  Texte  befolgen  ein  und  dieselbe  Tradition 
mit  Angabe  der  Wirksamkeit  Petri  in  Antiocheia,  Gründung  der 
Kirche  daselbst,  Aufenthalt  und  Martyrium  in  Rom.  Die  latei- 
nischen Texte  folgen  römischer  Tradition,  welche  sich  z.  B.  be- 
treffs der  cathedra  Petri  in  Antiocheia  öfters  mit  der  syrischen 
deckt.  Zu  weiteren  Petrusproblemen  Stellung  zu  nehmen,  geben 
unsere  Texte  keine  Veranlassung. 


§  65. 

Avögeaq  de  o  ddeXcpbq  avxov, 
coq  ol  Jtgb  7]{io)v  Jtagaöeömxa- 
öiv,  kxtjQv^E  2xv&aiq  xai  2oy- 
öiavolq  xai  rogolvoiq,  [JZaxaiq] 
xcä  ev  2eßaöxoJioXei  xfj  fieydX)], 
0310V  löxiv  7]  Trage^ßoXt]  "A\pa- 
goq  xai  Yööov  Xifirjv  xai  <Päöiq 
Jtorafioq,  ev&a  oixovöiv  AlMo- 
Jtsq.  Odjtxexat  de  ev  üdxgaiq 
xr\q  Ayalaq,  öxavgco  jtgoööe- 
d-eiq  vjio  Alyea  xov  ßaöiXecoq 
üaxgcöv  \^EöeOOr]vcöv].     A. 

Avögeaq  2xv&aiq,  Ogaxaiq 
x7]Qv$aq  eöxavgw&r)  ev  üdxgaiq 
xr/q  Aya'iaq  lüti  eXaiaq  bgOioq 
xai  ftdjtxexai  exel.    C. 

Avögeaq  o  döeXcpbq  2i(/o)voq 
Ilexgov  xrjQv^aq  ev  xr\  'J'JXXaöi, 


Andreas. 

Avögeaq  o  döeXcpbq  avxov 
jiäöav  x?)v  üiagaXiav  x?]q  Bi- 
frvviaq  xe  xai  IIovxov,  Ogdxtjq 
xs  xai  2xv&aq  öirjXfrev  evay- 
yeXiCofievoq  xbv  xvgiov.  Meri- 
jtetxa  de  ejtogevO-?]  ev  Seßaöxo- 
jtoXei  xfj  fieydh],  onov  ?j  jta- 
gef/ßoXrj  Aipagoq  xai  6  <Päoiq 
jtoxafioq,  ev&a  ol  eöcoxegoi 
AlOioDJteq  xaxoixovöiv.  Exdcp?] 
ev  ndxoaiq  xijq  Ayaiaq  Oxavgoi- 
d-eiq  vjtb  Alyedxov.     B. 

Avögeaq  o  xovxov  avxdöeX- 
<poq  ev  Ayaia  i'/xoi  ev  IJdxgaiq 
xrjq  IleXojtovvrjOov'  vxb  Alye- 
dxov xov  ?<jyeiu6voq  öxavgojfreiq 
xaxaXvei  xbv  ßiov.    E. 


Avögeaq  o  döeXcpbq  Ilexgov 


24S 


Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


elg  IJargag  zeXsiovzai  vjco  zov 
Aiyearov.    D. 

Avögeag  6  jcgcozbxX?]zog  xal 
aöeXcpog  Hezgov  xaza  jcäöav 
z/]v  jcagdXuov  Bi&vviag  zs  xal 
IJbvzov  xal  Agfisviaq  zov  Xgi- 

OZOV   X7]QVc,aQ    xal   VJCOÖZgs'lpaq 

öid  T£  Lfbvzov  xal  BvCavziöoq 
xazijXds  ysxgig  'EXXadog  xal 
sv  ndzgaig  zl]g  ^Aya'iag  vjco 
Alysdzov  özavQcodslg  zsXsl- 
ovzai.    F. 

Avögsag  o  aösXcpbg  IIezqov 
x?]gvzzei  xb  evayyiXLOV  2xv- 
&aig,  JEoydiavoZg,  Oga^iv,  bg 
6 ia  zb  Xgiozov  xrjgvyya  ozavgcp 
zeXeiovzai  vjco  Alyeazov  dv- 
ftvjidzov,  xal  ezacpi]  sv  ndzgaig, 
vözsgov  dh  {iszsztfr?]  sv  Kcov- 
GzavzivovjcoXsL  vjco  Iicavözav- 
zivov  avzoxgdzogoq.    H. 


ovzog  sxrjgvgev  jcdo?j  zjj  jcaga- 
Xlco  Bidvviag  zs  xal  növzov, 
Sgaxi]g  xal  Sxvd-iag,  fisztjceiza 
ös  sjtogsvfrr/  sv  JZeßaözoJcoXeL 
zfi  fisydX?],  ojcov  JcageyßdXXeL 
Wagoq  xal  <Päöiq  ütozay,bg,  ov 
somzsgov  ol  Aldiojcsq  olxovoiv 
sjceiza  sv  ndzgaig  z?jq  'Ayalag, 
xal  sözavga){h]  vjco  Alyeazov 
av&vjcdzov'  xal  sze&?]  sv  nd- 
zgaig Ttjg  'EXXaöoq,  fiezsze&i] 
öe  sv  KovözavzLVovjcoXsi  y.ezd 
Aovxä  zov  evayyeXuozov  xal 
Tiuo&t'ov.    G. 


Andreas  qui  interpretatur  virilis  aut  decorus,  frater  Petri, 
hie  praedieavit  Spasiam  et  Achaiani  ibique  in  civitate  Patrae 
cruce  suspensus  oeeubuit  pridie  Kai.  Decembris.     Lb. 

c.  70.  Andreas  qui  interpretatur  decorus,  frater  Petri,  se- 
eundum  Joannem  primus,  iuxta  Matthaeum  a  prirno  seeundus. 
Hie  in  sorte  praedicationis  Scythiam  atque  Achaiani  aeeepit,  in 
qua  etiarn  civitate  Patris  cruce  suspensus  oeeubuit.     Li. 

Andre  precha  dans  le  pays  de  Beit-Kalbin  et  sur  tout  le 
littoral;  plus  tard  les  Kalbe  lui  couperent  les  mernbres  en  mor- 
ceaux.  (Beit-Kalbin  =  ruaison  des  chiens1,  on  interprete  gene- 
ralernent   cette  locution    comme  designant  la  region  des  xvvoxe- 


1)  Vgl.  Die  syrischen  Akten  des  Matthäus  und  Andreas  inW.Wright, 
Apocryphal  Acts  of  the  Apostles  Vol.  II,  London  1871,  p.  93. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  249 

(ficikoi  —  Ethiopie  — .     La   plupart   des  Actes   disent:    „le  pays 
des  anthropophages".  Chabotl2,  148  note  1,  cfr.  Lipsius  1 547).  Sd. 

Andree  precha  ä  Nicee,  ä  Nicomedie,  en  Scythie  et  en 
Achaie,  le  premier  il  siegea  ä  Constantinople  et  il  y  mourut.   Sin. 

Andreas  frater  eius,  Scythis  et  Nicomediae  et  in  Achaia 
praedicavit.  Byzantii  ecclesiam  aedificavit  ibique  mortuus  et  se- 
pultus  est.     Sb. 

Andreas  praedicavit  Nicaeae,  Nicomediae,  in  Scythia  et  in 
Achaia,  ac  primus  sedem  fixit  Constantinopoli  ibique  mortem 
obiit.     Se. 

Andreas  frater  Simonis,  mortuus  est  Patris  in  urbe.     Ss. 

Andreas  hat  schon  in  den  lukanischen  Verzeichnissen  seinen 
Platz  nicht  nach  Petrus,  vom  5.  Jahrb.  ab  wird  er  ferner 
öfters  durch  Dazwischenstellung  des  Paulus  getrennt,  und  in 
jüngeren  Texten  kommen  noch  andere  Kombinationen  vor. 

A  berichtet  die  Biographie  des  Andreas  unter  ausdrücklicher 
Berufung  auf  eine  ältere  Überlieferung:  cog  ol  jtqo  rjfimv  jictQa- 
deöcoxaOiv.  Lipsius1  unterscheidet  in  seiner  Quellenaualyse  ver- 
schiedene Bestandteile;  einen  katholisch  traditionellen,  die  Nach- 
richt von  der  Mission  bei  den  Skythen,  Sogdianern  und  deren 
Nachbarn,  einen  weiteren,  der  wenn  auch  nur  mittelbar  auf  die 
gnostischen  jisqioöol,  auf  die  Akten  des  Andreas  und  Matthias 
und  jene'  des  Petrus  und  Andreas  zurückgehe,  und  von  der 
Wirksamkeit  des  Apostels  im  Gebiet  von  Kolchis,  am  schwarzen 
Meere  und  dem  äußern  Äthiopien  im  Lande  der  Menschenfresser 
berichte,  und  eine  katholische  Tradition  des  4. — 5.  Jahrb.  über 
den  Kreuzestod  in  Paträ  durch  den  fälschlich  zum  König  be- 
förderten Ageas  oder  Ageates. 

1.  Wirksamkeit  des  Apostels  Andreas.  Skythien  scheint 
schon  in  alter  Überlieferung,  von  welcher  Eusebius  h.  e.  III  l2 
mit  Berufung  auf  seine  Quelle,  Origenes  explanat.  in  Genes.  1.  III, 
Kunde   gibt,    als    das  Missionsgebiet   des  Andreas3   gegolten  zu 


1 )  a.  a.  0.  I  567. 

2)  ed.  Schwartz  p.  ISS,  lf. 

3)  Niketas  David  Paphlago,    oratio  IV  in   laud.  S.  Andr.   (Migne 


250  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

haben,  wie  auch  in  ABCGHLi  und  sämtlichen  syrischen  Texten 
berichtet  wird.  Daneben  werden  noch  andere  Volksstämme, 
Sogdianer,  Gorsiner1,  Saker,  Thraker  (Sebastopol)  (ABGH),  Ar- 
menier (F)  genannt,  welchen  er  das  Evangelium  brachte. 

Die  syrischen  Texte  folgen  einer  schon  dem  4.  Jahrh.  an- 
gehörenden Tradition,  welche  in  der  syrischen  doctrina  aposto- 
lorum2  Ausdruck  erhielt,  und  lassen  Andreas  in  Nicäa,  Nicopolis, 
Bithynien  und  Nicomedien  (Gothien)  (Sm,  Sb,  Se)  predigen, 
während  Sd  mit  den  griechischen  Zeugen  ihn  im  Lande  der 
Anthropophagen3  (Äthiopien)  wirken  läßt. 

Damit  streifen  wir  bereits  die  Nachrichten  der  Akten  des 
Andreas,  welche  bei  den  Anthropophagen  am  Pontus  sich  ab- 
spielen4. Das  urspr.  lateinisch  geschriebene  Martyrium  des 
Apostels  Andreas  setzt  diese  Mission  voraus  und  schildert  die 
weitere  in  Achaia,  nachdem  der  Apostel  Bithynien5  durchkreuzt 
und  sich  nach  Griechenland  gewandt  hatte.  Unsere  Texte  ver- 
teilen die  Mission  ebenfalls  auf  Pontus  und  Bithynien  (BFG),  auf 
Thrakien  (BCGH),  auf  Byzanz6  (F).  Die  Syrer  Sm,  Sb,  Se  sind 
aber  von  der  spätem  Tradition  abhängig  und  berichten  noch  von 
der  Begründung  der  Kirche  in  Byzanz  durch  Andreas. 

Nach  derselben  Quelle  berichten  noch  D,  F,  Lb,  Li  von  der 


Patr.  gr.  105,  64  C)  nennt  als  Missionsvölker  die  Iberer,  Sauromaten, 
Tauren  und  Skythen  und  die  übrigen  am  Pontus  Euxinus;  ebenso  6SA 
die  Skythen.  Im  Menolog.  Basilii  imp.  am  30.  Dezember  (Migne  Patr. 
gr.  117,  185  A):  Bithynien,  Pontus,  Tracien,  Skythien,  Sebastopol,  Äthiopen, 
Achaia. 

1)  Die  Erklärung  des  Namens  Gorsiner  (Grusien)  durch  v.  Gutschmid 
und  Nöldeke  bei  Lipsins  a.  a.  0.  II  2,  430  und  I  606. 

2)  Cureton,  Ancients  Syriac  documents,  London  1864,  p.  34. 

3)  A.  v.  Gutschmid,  Die  Königsnamen  in  den  apokryphen  Apostel- 
geschichten, in  Rhein.  Museum  für  Philologie  N.  F.  XIX.  Jahrg.  Frankf. 
1864,  393  will  die  Skythen  und  die  Bewohner  des  Pontus  als  ein  und 
dieselbe  Landschaft  der  Menschenfresser  fassen. 

4)  Akten  des  Andreas  und  Matthias  ed.  Acta  apostol.  apocr.  R. 
A.  Lipsius  et  M.  Bonnet  II  1,  Lipsiae  1893,  65,  6  ss. 

5)  Die  griech.  Übersetzung:  6ieX&sTv  tyq  B&vvlaq  (ed.  Lips.-Bonnet 
II  1,47,  9).  Vgl.  Nikephorus  Callist.  h.  e.  II  39  (Migne  Patr.  gr.  145, 860C). 

6)  Dieselbe  Route  bei  Nikephorus  Call.  h.  e.  II  39  (M  860 D);  auch 
bei  Niketas  Dav.  Paphl.  or.  IV  in  s.  Andr.  (Migne  105,  69  A),  der  An- 
dreas aber  noch  die  Reise  durch  Macedonien,  Thessalien,  den  Peloponnes 
bis  Achaia  fortsetzen  läßt  (=  D,  F). 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  251 

Mission  in  Griechenland,  während  die  andern  Texte  in  Paträ  in 
Achaia  ihn  nur  das  Martyrium  erleiden  lassen.  Wie  bereits  er- 
wähnt, mochte  sich  an  die  Reise  des  Andreas  vom  Pontus  über 
Bithynien,  Thracien  nach  Achaia  die  byzantinische  Fälschung 
des  Ps.  Dorotheus  angeknüpft  haben.  Auffallend  ist,  daß  von 
den  griechischen  Texten  nur  B  und  F  Spuren  der  Fälschung 
zeigen,  während  die  Syrer1  Sm,  Sb,  Se  sämtlich  von  ihr  ab- 
hängig sind  und  daher  mit  dieser  Nachricht  das  9.  Jahrb.  nicht 
übersteigen. 

2.  Martyrium  und  Begräbnisort.  Die  gewöhnliche  Lesart 
geht  dahin,  daß  Andreas  in  Paträ  unter  Ageas,  Ageates  ge- 
kreuzigt wurde  (ABCDEF2GHLbLiSs).  In  dem  Fragmente  der 
„Akten  des  Andreas"3,  wie  auch  im  „Martyrium"4  heißt  der 
Richter  Ageates;  in  einigen  unserer  Texte  aber  auch  Ageas,  in- 
dem das  xov  in  Alyea  xov  ßaoiXscog  zum  folgenden  Attribut 
gezogen  wrurde.  Ferner  wird  er  König  von  Paträ  (A)  oder  selbst 
von  Edessa  genannt,  wohl  in  Verwechslung  mit  Abgar  König 
von  Edessa.  E  gibt  ihm  den  Titel  rjytftcov,  GH  gemäß  dem 
„Martyrium"  äv&vjiaxog  =  Prokonsul5. 

Auf  Grund  der  Untersuchungen  von  Alfr.  v.  Gutschmid6, 
wonach  die  Achäer  und  Heniocher  am  Gestade  des  Pontus, 
ebenso  wie  die  Tauren  zu  den  Menschenfressern  gezählt  wurden, 
glaubte  Lipsius,  daß  hier  eine  grobe  „Verwechslung  zwischen 
dem  taurischen  Stamme  der  Achäer  an  der  Ostküste  des  Pontus 
Euxinus  und  den  Achäern  im  Norden  des  Peloponnes  vorliege. 
Indem  man  an  die  Stelle  der  Ersteren  ihre  bekannten  Namens- 
vettern setzte,  fixierte  man  das  Martyrium  des  Apostels  in  Paträ", 


1  vie  haben  mit  den  syrischen  Akten  des  Matthäus  und  Andreas 
nichts  gemeinsam,  welche  die  Bekehrung  der  „Stadt  der  Hunde",  genannt 
lIrka,  berichten;  s.  W.  Wright,  Apocr.  Acts  of  the  Apostles  Vol.  II  p.  115. 

2)  Vgl.  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  39  (M  145,  860  D):  AlyaiüzTjq.  Menolog. 
Basilii  irnper.  (M  117,  185  A)  vnö  Aiyeazor  zov  äv9v7iäzov. 

3)  ed.  Lipsius-Bonnet  II  1,  p.  38,  27 ff. 

4)  ed.  Lipsius-Bonnet  II  1  p.  51,  1. 

5)  Dieselbe  Ausgabe  II  1  p.  1:  o  zi]v  av&vnazeiav  xe/eintousvoq. 
Über  den  Namen  s.  A.  v.  Gutschmid,  Die  Königsnamen  in  den  a[iokr. 
Apostelgesch.  in  Rhein.  Museum  für  Philologie  N.  F.  XIX.  Jahrg.   S.  396. 

6)  Ebenda  S.  393.     Lipsius  a.  a.  0.  I  010. 

7)  II.  Kellner,  Zur  Geschichte  des  Apostels  Andreas  i Katholik 
3.  Folge  XXXIII  101 — 106)  verteidigt  die  Glaubwürdigkeit  des  Briefes  der 


252  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

der  bekannten  Küstenstadt  von  Achaja,  und  mußte  nun,  um  die 
ältere  Tradition  mit  der  jüngeren  auszugleichen,  den  Andreas 
die  ganze  lange  Reise  nicht  bloß  an  der  Südküste  des  schwarzen 
Meeres  hin  —  denn  dies  berichtete  schon  die  ältere  Sage  — , 
sondern  auch  weiter  durch  den  Hellespont,  durch  Thrakien, 
Makedonien,  Thessalien,  Hellas  nach  dem  Peloponnes  antreten 
lassen."  Diese  Vermutung,  welche  wahrscheinlich  sein  könnte, 
wird  aber  durch  die  Zeugnisse  der  gnostischen  Akten  nach  der 
Aussage  des  Philastrius  und  der  gesamten  nachfolgenden  Tradi- 
tion vom  4.  Jahrh.1  an  nicht  bestätigt,  da  allgemein  die  Mission 
des  Andreas  in  Skythien,  ebenso  wie  in  Griechenland  angegeben 
wird.  Die  Art  des  Martyriums  wird  allgemein  als  Kreuzigung  be- 
zeichnet; C  weiß  noch  von  einer  Kreuzigung  an  einem  Ölbaume 
in  aufrechter  Haltung  zu  berichten,  wie  auch  Petrus  Chrvso- 
logus  von  Ravenna  von  ihm  sagt2:  arborem  conscendit  Andreas 
und  in  späterer  Zeit  das  Menologium  Basilii  Porphyrogenitr*. 

Die  syrischen  Zeugen  scheiden  sich  in  den  Nachrichten 
über  das  Ende  des  Apostels  in  zwei  Gruppen.  Die  erste  (Sm, 
Sb,  Se)  berichtete  die  Gründung  von  Byzanz,  welchem  er  zu- 
gleich als  erster  Bischof  (Sm,  Se)  vorstand,  und  läßt  ihn  dort 
gestorben  (und  begraben  Sb)  sein.  Nach  der  zweiten  Gruppe 
dagegen  kam  Andreas  nicht  aus  dem  Gebiet  des  Pontus  Euxinus 
hinaus  und  wird  von  den  Menschenfressern  in  Stücke  geschnitten 
(Sd).  Die  ersteren  Texte  sind  eine  Weiterbildung  der  Dorothea- 
nischen Fälschung  und  der  Nachricht  von  der  Übertragung  der 
Reliquien  des  Andreas  zu  denen  des  Lucas  und  Timotheus  (G) 
im  J.  357  nach  Constantinopel  unter  Konstantius4. 

Presbyter  und  Diakonen  von  Achaia  über  das  Martyrium  des  Andreas 
und  die  von  Usener  in  der  Analecta  Bolland.  Xlll  374  ff  herausgegebene 
passio. 

1)  Die  Zusammenstellung  bei  Lipsius  I  608. 

2)  serrno  133  de  s.  Andrea.     Lipsius  I  613. 

3)  Migne  117,  516.  Am  30.  Novbr.  s.  Nilles,  Kalendarium  I  338. 
In  dem  Texte  der  beiden  „Martyrien  des  Andreas"  ist  nur  von  einem 
Svkoq  und  oxavQÖ^  die  Rede;  ed.  Lipsius-Bonnet  IT  1,  54,  14;  63,  1. 
Cfr.  Niket.  David  Paphlago  or.  IV  in  s.  Andr.  (Migne  105,  73  C):  vrpw- 
9eig  .  .  inl  xov  §vXov. 

4)  Hieronymus  de  vir.  inlustr.,  c.  1  u.  andere  Zeugnisse  bei  Lipsius 
a.  a.  0.  I  607  Anm.  1.     Menolog.  Basilii  imper.  (Migne  117,  183 B) 

die  Translation  unter  Konstantin  an. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel. 


253 


Demgemäß  ist  A  wiederum  der  Grundstock  der  griechischen 
Texte  BCFGH.  B  nimmt  die  Andreassage  von  der  Reise  über 
Bithynien,  Thrakien  auf;  welche  von  ihm  auf  FG,  vielleicht 
auch  C  überging,  während  D,  E  nur  den  Aufenthalt  im  Pelo- 
ponnes  erwähnen.  H  überliefert  noch  die  Überführung  nach 
CPel  unter  Konstantius,  was  G  mit  kleinen  Erweiterungen  über- 
nimmt. Die  lateinischen  Texte  geben  die  gewöhnliche  Tradition 
wieder;  die  syrischen  folgten  in  der  Angabe  des  Missionsgebietes 
teilweise  eigener  Tradition,  teilweise  sind  sie  von  der  Dorothea- 
nischen Fälschung  abhängig,  letztere  dürfen  also  nicht  vor  das 
9.  Jahrhundert  gesetzt  werden  mit  Ausnahme  von  Sd,  welcher 
die  älteste  Form  von  der  Mission  des  Andreas  und  dem  Tod  bei 
den  Anthropophagen  wiedergibt. 


§  66.    Jacobus  Zebedäi. 

laxcoßog  de  o  rov  Zeßeöaiov,  'laxcoßog  öh  6  rov  Zeßeöaiov 

aöeXcpbg  öh  'icoavvov  rov  evay-  rag  öcoöexa  yvXag  rov  'iöQaqX, 

yeXtörov,   ralg  öojöexa  (pvXalg  //£#•'    cov    evayyeXiCotuevog  rov 

rrjg  öiaojtoQäg  txrjQVss  rb  evay-  Xgiörbv     dvaioelrai     (laxaioa 

yt'Xiov   rov   Xgiörov,    vjco    öe  vjtb  'Hqgoöov  rov  rergdg^ov  ev 

1Hqcqöov   rov   reroaQxov    rä>v  Kaioageia  r?jg  IJaXaiOrivrjg.  B. 

'lovöaimv  avqoed-i]  fiayaioa  xccl 

exel  Iracp?)  ev  ry  'lovöaia.    A.  'laxcoßog   aöe?.<pbg    avrov  ev 

(ixoifirjd-r)   ev  JcoXet  rrjg  Mag-  rij     'lovöaia     x?]QVööcov      vjio 

[laoixTjg  HS  EF).  'Hgcoöov   rov  rergdgxov  dvat- 

gtlrai    ficr/aiga   xai   ftccjcrercu 

'laxcoßog    6    döeXqjbg    avrov,  exel.  C.   (txoi^'jO-?]  de  ev  Axelft 

vtol  Zeßeöaiov,    ravrov   vjtdg-  t//c  MaopaoiXTJg  HS  D). 
yovxog    6    [thv    'idxoißoq    vxb 

'flgo'jöov  reXeiovrai  £icpei.    D.  'laxcoßog    6    rov    Zeßeöaiov. 


"Og   ev   ütaöii    rij  'lovöaia   rov 

'laxcoßog     6     rov    'AXcpaiov,  Xgiorbv  xr\gvrrcov  vxb   Ilgco- 

fteoXoyog    gifpei    vjco  'ilgcööov  öovrovrergägyovxaVAygijt^a 

avyjoe&i].   E.  öia   rb  evjcaggfjoiaörov  avrov 

itaycinr.  ävatgtirai.    F. 

'laxcoßog    o    rov    Zeßeöaiov'     

ovxog     ralg     iß'     (pvXalg    rov  'laxcoßog    o    rov    Zeßeöaiov. 

'loga/jX    ralg    ev    r(]   öiaOJioga  döeXcpbg     'icoavvov,     ex?'jgvS,ev 


254  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

tvayyeXLöaiitvoc,  rov  Xqiötov  Iv  'iovöaia  rb  svayythov,  ccv?j- 
avcuoeirca  [ictyccioa  vjco  HqojÖov  Qt&rj  fiayaloa  vjco  HqcoÖov  rov 
rov  rsroaoyov.   G.  rergdoyov  xal  xslrcu  Iv  Kaioa- 

gtia.  H. 

Jacobus,  qui  interpretatur  subplantatus,  filius  Zebedaei,  frater 
Joarjnis,  hie  Spaniae  et  occidentalia  loca  praedicat  et  sub  Herode 
gladio  caesus  occubuit  sepultusque  est  in  Achaia  Marmarica 
VIII  Kai.  Septembris  IM 

c.  71.  Jacobus,  filius  Zebedaei,  frater  Joannis,  quartus  in 
ordine,  duodecimus  tribubus  quae  sunt  in  dispersione  gentium 
scripsit  atque  Hispaniae  et  occidentalium  locorum  gentibus  Evan- 
gelium praedicavit,  et  in  occasu  mundi  lucem  praedicatiouis  in- 
fundit.  Hie  ab  Herode  tetrarcha  in  gladio  caesus  occubuit  se- 
pultus  in  Marmarica.    Li2. 

Jacques  fils  de  Zebedee,  et  Jean  son  frere,  etaient  de  la 
tribu  de  Zabulon,  du  village  de  Beit-Cayda.  Jacqus  precha  ä 
Jerusalem  meme,  et  ensuite  il  fut  martyrise  par  les  Juifs,  ä 
l'aide  d'un  bois  de  foulon  Sd. 

Jaques  fils  de  Zebedee,  de  la  tribu  de  Zabulon,  fut  mis  a 
mort  ä  Jerusalem  par  Herode  Agrippa,  il  fut  depose  ä  Aquar 
de  Marmärique  (in  arce  Marmarica)  Sm. 

Jacobus  frater  Joannis  Betbsaidae,  in  civitate  sua  praedicavit 
ibique  ecclesiam  constrnxit.  Herodes  Agrippa  gladio  eum  oeeidit 
anno,  post  ascensionem  D.  N.  Sepultus  est  in  urbe  Marmaricae 
Akar.     Sb. 

Jacobus  filius  Zebedai,  occisus  est  in  Jerusalem.  Primo 
anno  quo  in  Judaea  regnavit  Agrippa,  neci  tradidit  Jacobuni 
Zebedaei  filium,  fratrem  scilicet  Joannis  evangelistae  Se. 

Jacobus  filius  Zebedaei  ex  tribu  Zabulon    Ss. 


1)  Ebenso    in   Martyrol.   Gellonense    und    andern   Martyrologien    s. 
Lipsius  II  2,  214  Anrn.  1. 

2)  Freculf.  chronic.  II  2,  4  „fast  wörtlich  ebenso".     Lipsius  II  2, 
215  Anrn. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  255 

Im  Gegensatz  zu  allen  andern  Zeugen  spricht  der  Text  E 
des  Ps.  Logotheten  hier  von  Jacobus  Alphäi.  Da  wir  nur  eine 
HS  besitzen,  so  ist  diese  Verwechslung  offenbar  auf  den  Schreiber 
zurückzuführen,  umsomehr  als  dann  nochmals  Jacobus  Alphäi 
an  seiner  Stelle  erwähnt  wird.  Das  ebenda  beigelegte  Attribut 
&toX6yog  mag  ebenfalls  aus  einer  Korruptel  der  Worte  6  xov 
&eoZ6yov  entstanden  sein. 

1.  Die  Missionstätigkeit  unter  den  zwölf  Stämmen  Israels, 
welche  die  griechischen  Texte  erwähnen,  wird  sonst  Jacobus 
minor,  dem  Verfasser  des  Jacobusbriefes  (1,  1)  beigelegt.  Daher 
sieht  in  dieser  Angabe  Lipsius1  auch  eine  Verwechslung  mit 
letzterem;  ebenso  führt  er  das  Prädikat  „Tetrarch"2  bei  Herodes 
Agrippa  auf  irrtümliche  Übertragung  von  Herodes  Antipas 
zurück.  Text  CHF  und  die  syrischen  halten  die  Überlieferung 
fest,  daß  Jacobus  die  Grenzen  Judäas3  nicht  verlassen  habe. 

2.  Das  Martyrium  unter  Herodes  Agrippa  I.  durch  das 
Schwert  wird  von  allen  Zeugen  erzählt  (Apg.  12,  1.  2).  Nur  in 
Sd  wird  das  Martyrium  des  Jacobus  minor,  Erschlagung  mit 
einem  Walkerholz,  auf  den  Zebedaiden  übertragen. 

3.  Weniger  einstimmig  lauten  die  Nachrichten  über  den 
Begräbnisort.  In  A  und  C  wird  allgemein  „in  Judaea"  genannt; 
in  B  und  H  wohl  nach  Apg.  12,  19  Caesarea  in  Palästina,  was 
auch  das  Menologium  Basilii4  überliefert;  die  große  Mehrzahl 
aber  von  Textzeugen,  einige  HSS  von  A,  eine  HS  von  C,  Lb, 
Li,  Sm,  Sb  verlegen  sein  Grab  in  eine  Stadt  oder  Burg  der 
Marmarica,  welche  alle  möglichen  Schreibarten  sich  gefallen 
lassen  muß  (ev  'Axeifi  HS  D  von  Text  C;  in  achagia  marmarica 
Lb,  Acmar  [arx?]  Sm,  in  urbe  Marmarica  Akar  Sb).     Auch  hier 


1)  a.  a.  0.  II  2,  208  f.  Sie  findet  sich  auch  im  Menolog.  Basilii  imper. 
am  15.  November  (Migne  Patr.  gr.  117,  101  A  . 

2)  Ebenda  im  Menolog.  Basilii. 

3)  Die  syrische  doctrina  apostolorum  in  Ancient  Svriac  üocuments 
relative  to  the  earliest  establishuient  of  Christianity  in  Edessa  and  fche 
neighbouring  countries  by  W.  Cureton,  London  1864,  p.  33  nennt  als 
Missionsgebiet  Palästina,  das  Land  der  Samariter  und  Philister,  die  Ge- 
gend der  Araber  und  Phönicien  und  das  Volk  von  Cäsarea.  iS'iket.  David 
Paphl.  or.  V  in  laud.  S.  Jacobi  Zebediii  (Migne  105.  ÖGD):  Judäa,  Galiläa, 
Jerusalem. 

4)  Migne  P.  gr.  117,  164 


256  Scherruann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

soll  wiederum  eine  irrtümliche  Verwechslung  mit  Jacobus  Alphäi 
vorliegen,  welcher  nach  manchen  Texten  in  Afrika  predigte,  so 
daß  diese  Lokalnachricht  der  Marmarica,  des  Küstenlandes 
zwischen  Ägypten  und  der  Kyrenaica,  Jacobus  dem  Zebedaiden 
zugewendet  wurde.  Bei  der  Verstümmelung  des  Namens  der 
Stadt  denkt  Lipsius1  an  Ostrakine.  J.  B.  Chabot2  dagegen  glaubt, 
daß  die  syrische  Schreibart  aquar  oder  Akar  (Sm,  Sb)  auf  einen 
lateinischen  Ausdruck  in  arce  zurückgehe,  der  schon  in  der 
griechischen  Voi-lage  schlecht  wiedergegeben  war. 

4.  Unsere  griechischen  Texte  erwähnen  nichts  von  den  Um- 
ständen seiner  Hinrichtung,  wie  sie  Clemens  Alexandrinus3  im 
7.  Buche  semer  Hypotyposen  erzählt,  auch  keine  Züge,  welche 
mit  der  „passio  Jacobi  minoris"  Ähnlichkeit  hätten.  Dagegen 
haben  die  lateinischen  Texte  Lb  und  Li  eine  andere  Tradition 
aufgenommen,  wonach  Jacobus  in  Spanien  und  im  übrigen  Abend- 
land gepredigt  hat,  wohl  eine  spanische  Legende,  welche  bis  in 
das  7.  Jahrhundert  zurückgehen  mag.  Der  Gedächtnistag  (in  Lb: 
VIII  Kai.  Septembris)  findet  sich  im  Sacramentarium  Gregorianum 
VIII  Kai.  Augusti4. 

Demgemäß  machte  A  den  Anfang  der  Verwechslung  mit 
Jacobus  minor,  wie  sie  sodann  in  den  meisten  griechischen 
Texten5  auftritt  mit  den  sonstigen  Irrtümern,  welche  darauf 
zurückzuführen  sind.  Engere  Verwandtschaft  zeigen  B  und  H, 
welche  für  ersteren  Text  nicht  besonders  rühmenswert  ist,  zumal 
an  der  Verwandtschaft  das  sog.  Menologium  des  Kaisers  Basilius 
des  9. — 10.  Jahrh.  partizipiert.  Unter  den  Syrern  zeigt  Sd  wieder 
eine  Ausnahmestellung,  da  er  allein  das  Martyrium  des  Jacobus 
minor  auf  unsern  überträgt.  Die  übrigen  Syrer  Sm,  Sb  haben 
mit  einigen  HSS  von  A  und  C  die  unrichtige  Notiz  über  den 
Begräbnisort  in  der  Marmarica  gemeinsam. 


1)  a.  a.  0.  II  2,  210  f. 

2)  Michael  le  Syrien,  Chronique  toni.  1  fasc.  2  p.  140. 

3)  Bei  Euseb.  h.  e.  II  9,2—3  (ed.  Schwartz  124,  10  ff  . 

4)  L.  Ant.  Muratori.  Liturgia  Romana  vet.  Tom.  II,  Venetiis  1748 
(Migne  Patr.  1.  78,  127  A). 

5)  Ebenso  in  den  ägyptischen  (kopt.,  arab.  und  äthiop.)  Texten  des 
Martyriums  des  Jacobus  Zebedäi,  s.  J.  Guidi,  gli  atti  apocrifi  degli  apo- 
stoli  nei  testi  copti  arabi  et  etiopici,  in  Giornale  della  societa  asiatioa 
italiana.  Vol.  II  183S,  S.  19. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.                        257 

§  67.   Johannes  Evangelista. 

'lcodvvi]z  öh  6  dösXcpbgavrov,  Icoavvt]c  o  rovrov  dösXr/uj. 

sv   f/ev   rfi   'Aoicc    hxrjQvgs    rb  ogxalxoevayyiXtovysyQaqprjxsv 

svayys'Xiov   rov  Xgtorov,    vjco  (+  xal  xrjv  ajioxaZvipsv  HS  B) 

6s  Tgatavov  rov  ßaöiXscog  rcov  iv     xjj    Eg>£öcp    xijQvt-ag    rov 

'Pcoftaicov  i^ogto&tlg  vxavxov  XqiOtov     vjco     Tgatavov    rov 

iv  Ilar/jcp    zfj    vrjöqj    öid    rov  ßaöiXscog  sig  Uatfiov  xr)v  vrjöov 

Xoyovxov  xvgiov,  sxsl  CDVövvE-  6td    rov    Xoyov    rov  Xgtorov 

ygaips  rb   svayys'Xiov  rb  xaxa  isogiCsrcu.    'Ex  ravrtjq  fierdg- 

'icodvvrjv.  xcu  i^s'öoro  avrb  öia  otog    ysyovcoc,    öto    xal    Xoyoq 

rcuov  rov  t-svoöoyov.  fisra  öh  xsxgarrjxe,    ovv  reo  Evcby  xal 

r?]v  Tgatavov  rsXsvrijv  ijiav-  rw   HXla    ext   iv   Oagxl  avrbv 

hjosv   obeb  xr\g  vrfiov  elg   rtjv  vxagyjtv.  B. 

"Ecpsoov  xcu  ixsl  Ccövra  lavrbv     

Sd-aipsv,    cov    ircöv  qx    rfj  rov  'icodvvrjg  6   rovrov  dösXcpbq 

dsov  ßovX.^ost.(Eiol6soiXt'yovoi  ircöv  vjzsycov  v    xcu  (irjvcöv  Z' 

PI    vjco   Tgatavov    avrbv    i$o-  slösXOcbv    iv   'Ecpe'ocp    xcu   xrj- 

gtofrrjvai  elg  IIax(iov,  aXX    ixl  gvS,aq  iv   avrfj  rov  Xoyov  trt/ 

Aousrtavov  viov  OveöJtaöcavov  ifr'}    i^ogt^erai   vjtb    Tgatavov 

HS  Bb).    A.  rov    ßaöiXscog    iv  IJc'crfiqy    ri] 

vrjöcp    xcu    ötargiipag   iv  avrfj 

Icoavvrjg    6s    iv    'Aoicc    vjtb  üxrj   ts    ovvsygdrpccro  rb  dytov 

Ao,usnavov  rov  ßaöiXscog  i£,o-  svayys'Xiov  xal  xnväjioxaXvipiv 

gtöfrelg    iv    ndriicp    r\\    v/jOco.  xaljcdXivvjroGrgsipagiv'EtpsOcp 

iv  >j  xcu  rb    svayysXaov   Owe-  xcu    Crjoaq    exrj    xg'    ötödöxcov, 

ygvMv.ro.  xal  r/jv  anoxaXvipiv  {isrsordfr?]  sv  xvgicp  vjtdgycov 

i&saoaro,    im    Tgatavov  sxoi-  ircöv  g'  xcu   [Itjvcöv  C',   racpslg 

f/Tjihr]  iv  Ecpsoop,  ov  rb  Xsiipavov  vjtb  xoovfta&i]xcövavxov,xa9-cbg 

Crjri]0-sv  ovy  tvgsdr].    C.  öujysirai  b  dxoöroX.og  Ugbyo- 

gog  o  xcu  r?jv  jisgtoöov  avxov 

'Icodvvrjg  6  svayytXiörijg  ..  iv  övyygarpdiisvog.    HS  C1  von  B. 
'Ecpsoop    irsXsvrrjOs    fiexa    grj' 

trt/   fiexa    ryv   xvglov   c'cvaX?]-  'laHXVvrjg  6  iisoXöyog  iv  Tld- 

tyiv.    D.  Tuo>   ic.ogiolhj   /ja    uirv.    mero 

iv   'Ecptoco    rJ/.   'Aalag    zacpslg 

Icoavvrjg,  b  svayysXtor/j^  xcu  fisxexid-rj.  E. 
d-eoXoyog  xal  aöeXcpbg'laxcoßov, 


o  im  rb  Grijüoq  rov  Xgtorov         lmavvr\g   o   aösXcpbq    error' 

ii.  Untersuchungen  etc.  31,  3  17 


253 


Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


dvajisömv.  'Oq  sv  Aöia  xbv 
Xgioxov  XTjQv^ag  xai  sv  üccxfico 
xy  vrjöop  vjto  Ao\isxiavov  s£o- 
giö&slqxal  xoXXd  7i)j]&i]  Jtgooa- 
yaycov  xcp  Xgiöxcp,  vjcoöxgtipaq 
svEtpsöop  sv  sigrjv)]  dvsjtavöaxo 
jiX?]gt]q   rjfisgcöv   vxägymv.    F. 

*Icoavvi]Q,o  svayysXtOxr}q,dös).- 
gbc  'laxcoßov,  cpvyadsv&slq  vjto 
Aopisxiavov  sv  Ildxfiq)  xfj  vrjöcp 
övvsygdipaxo  xo  xax  avxov  sv- 
ayysXiov  sv  xolq  Tgaiavov  %go- 
voiq,  xslxai  sv  Ecpsöqp  iöicp 
xsXsi  XQt]Oa{usvoc,  ov  xo  Xsitya- 

VOV    0]X1]&SV    OVX   7]VQ?]xai.     H. 


OVXOQ    xfj    ACia    X?]QV00O3V   VJCO 

Aofisxiavov,  ßaöiXt'coq  (Po')fi7]c, 
sgcoQiödrj  sv  IJaxficp  xfj  vrjOcp, 
sv&a  xai  ovvsygdipaxo  xo  tvay- 
ysXuov  avxov  sv  xolq  ygövotq 
Tgaiavov,  ojiov  xai  xrjv  ccjco- 
xaXvipiv  s&sdoaxo'  sxs&rj  6s 
sv  E<psGop  [isxdgöioq  ysyovmq, 
öib  xai  o  X.oyoq  xsxgdxrjxs'  övv 
xöp  Evmy  xai  HXla  sxi  sv  öagxl 
avxov  vjcdgysiv.    G. 


Joannes  .  .  .  Doniini  praedicator  Asiae  et  in  Epheso  VI.  Kai. 
Januar,  sepultus;  natalicia  VIII.  Kai.  Julias  dieuntur,  quando  et 
saneti  Joarmis  Baptistae  natalicia  celebrantur  Lb. 

c.  72.  Joannes,  apostolus  et  evangelista.  Hie  dum  Evange- 
lium in  Asia  praedicaret,  a  Domitiano  Caesare  in  Pathmos  insu- 
lam  metallo  relegatur,  ubi  etiam  positus  apocalypsim  scripsit. 
Interfecto  autem  . . .  Domitiano,  exilio  resolutus  recessit  Ephesum 
ibique  ob  haereticorum  refutandas  versutias  efflagitatus  ab  Asiae 
episeopis  Evangelium  novissimus  edidit.  Hie  anno  sexagesimo 
septimo  post  passionem  Domini  Salvatoris  sub  Traiano  principe 
longo  iam  vetustatis  senio  fessus,  cum  diem  transmigrationis 
suae  imminere  sibi  sentiret,  jussisse  fertur  effodi  sibi  sepulcrum, 
atque  inde  „vale"  dicens  fratribus  facta  oratione  vivens  tumulum 
introivit,  deinde  tamquam  in  lectulo  in  eo  requievit.  Unde 
aeeidit,  ut  quidem  eum  vivere  asserant,  nee  mortuum  in  sepulcro, 
sed  dormientem  iacere  contendant,  rnaxiine  pro  eo  quod  illie 
terra  sensim  ab  imo  scaturiens,  ad  superficiem  sepulcri  conscendat. 
et  quasi  flatu  quiescentis  deorsum  ad  superiora  pulvis  ebulliat. 
Quievit  autem  apud  Ephesum  sexto  Kai.  Januarii  Li. 

Jean  precha  a  Antioche  avec  Simon;  ensuite  il  s'en  alla  a 
Ephese,    et   la  niere  de   notre-Seigneur   l'accoinpagna.     Aussitöt 


. .  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  259 

ils  furent  relegues  dans  1'ile  de  Patmos.  En  revenant  d'exil,  il 
precha  ä  Ephese  et  y  bätit  une  eglise;  Ignace  et  Polycarpe  le 
servaient;  il  eusevelit  la  bienheureuse  Marie.  II  vecut  73  ans1 
et  mourut  apres  tous  les  apötres,  il  fut  enseveli  a  Ephese.  Sd. 
(1.  L'auteur  veut  dire  73  ans  apres  l'ascension.    Chabot  I  148,  2). 

Jean,  son  frere,  precha  ä  Ephese  et  en  Asie,  jusqua  l'an  7 
de  Trajan;  il  fut  enseveli  ä  Ephese.    Sm. 

Joannes  .  .  .  primum  in  Asia  praedicavit,  deinde  in  Pontum 
insulam  a  Tiberio  Caesare  in  exiliuni  rnissus  est.  Tandem  Ephe- 
sum  pervenit  ibique  ecclesiam  aedificavit.  Tres  discipuli  euin 
coinitati  sunt:  Ignatius,  Polycarpus  et  Joannes,  cui  sacerdotium 
et  sedera  episcopalem  reliquit.  Ipse  vero  multo  tempore  vixit 
et  Ephesi  sepultus  est.  Praecepit,  ne  quis  sepulcrum  suum  sciret. 
Duo  autem  sepulcra  eius  Ephesi  exstant:  unum  absconditum 
Evangelistae,  alterum  Joannis,  discipuli  eius,  qui  apocalypsim 
„scripsit";  ait  enim,  ex  ore  Evangelistae  se  ornnia,  quae  scripserit, 
audivisse  Sb. 

Joannes  evangelista  praedicavit  Ephesi  et  in  Asia  Se. 

Joannes  frater  Jacobi  mortuusque  est  anno  Traiani  regis 
(septimo)  sepultusque  est  Ephesi  Ss. 

Cod.  Monac.  (C1)  des  Dorotheustextes  gibt  einen  von  den 
übrigen  HSS  derselben  Recension  verschiedenen  Text  und  dafür 
als  Quelle  die  scsqloöoi,  welche  Prochorus  aufgezeichnet  habe. 
Zahn  und  Lipsius  haben  nachgewiesen,  daß  die  JieQiodoi  des 
Prochorus,  ebenso  die  katholischen  Johannesakten  auf  die  gno- 
stischen  zurückgehen.  Da  unsere  indiculi  überhaupt  mit  ihrem 
johanneischen  Legendenstoff  nicht  direkt  auf  die  gnostischen 
Akten  zurückgehen,  sondern  nur  indirekt  durch  Prochorus1  oder 
die  katholischen  Akten,  so  ist  zur  Datierung  unserer  Listen,  um 
den  terminus  a  quo  zu  bestimmen,  auch  eine  solche  ihrer  Quelle 
von  Nutzen.     Zahn-    setzt    für  die  Entstehung  der  letzteren  den 


1)  Die  koptischen  Akten  gehen  auf  den  griechischen  Prochorustext 
zurück;  s.  J.  Guidi,  gli  atti  apocrifi  etc.  in  Giornnle  delln    societä 

fcica  italiana.  Vol.  II  1888,  56  Anm.  1. 

2)  Wf;i  Joannis  anter  Benützung  von  C.  v.  Tischendorfs  Nachlaß. 
Erlangen  1880,  S.  LVIII. 

17* 


260  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Anfang  des  5.  Jahrhunderts  an,  „weil  eine  volkreiche  und  groß 
vorgestellte  Inselprovinz  als  völlig  christianisiert  und  Ephesus  als 
vom  Götzendienst  gereinigt  dargestellt  wird  und  zwar  durch 
einen  Apostel  im  1.  Jahrh."  So  habe  man  aber  vor  der  gewalt- 
samen Ausrottung  des  Heidentums  im  griechischen  Orient  durch 
Theodosius  d.  Gr.  und  seine  Nachfolger  nicht  dichten  können. 
Lipsius1  fügt  noch  einen  zweiten  Grund  hinzu,  der  in  der  „Be- 
obachtung liegt,  daß  erst  seit  Anfang  des  5.  Jahrh.  oder  doch 
nicht  lange  vorher  eine  nähere  Bekanntschaft  der  katholischen 
Schriftsteller2  mit  dem  Inhalt  der  gnostischen  Jiegioöoi  djtoaroXcov 
nachweislich  ist,  wie  wir  denn  erst  in  jener  Zeit  die  Spuren 
katholischer  Bearbeitung  treffen.  Pseudoprochorus  aber  setzt 
die  allgemeine  Verbreitung  des  gesamten  auf  die  gnostischen 
Akten  zurückgehenden  Legendenstoffs  beim  katholischen  Volke 
voraus.  Hiernach  ist  als  Abfassungszeit  unserer  Schrift  (des 
Prochorustextes)  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  die  erste  Hälfte 
des  5.  Jahrhunderts  anzusetzen.'' 

Die  zur  Vergleichung  gelangenden  syrischen  Texte  haben 
mit  den  Nachrichten  des  Prochorus  oder  dessen  Grundlage  fast 
nichts  gemein,  ebensowenig  wie  die  „syrische  Geschichte  des  Jo- 
hannes3, des  Sohnes  des  Zebedäus",  welche  fast  nur  dessen 
„Lehre"4  mit  stark  nicänisch-trinitarischer  Tendenz  enthält. 

1.  Missionstätigkeit  des  Johannes  in  Asien,  Verbannung  auf 
Patmos  und  Abfassung  des  Evangeliums.  Von  einer  Missions- 
tätigkeit in  Asien  berichten  ACFGLbSmSbSe5;  speziell  in 
Ephesus  B  (19  Jahre  lang  daselbst  HS  C1  von  B  =  B1)  Sm 
Se.  Sd  läßt  ihn  zuerst  mit  Simon  in  Antiocheia,  dann  erst  in 
Ephesus  predigen,  wobei  ihn  auf  dieser  Wanderung  die  Gottes- 


1)  a.  a.  0.  I  400  f. 

2)  Vgl.  P.  Corssen,  Monarchian.  Prologe  zu  den  4  Evangel.  [T. u.U. 
XV  1,  1896]  S.  72—134.  Alb.  Ehrhard,  Die  altchristl.  Literatur  und  ihre 
Erforschung  von  1884—1900,  I.  Abteil.  Freiburg  1900,  159. 

3)  Apocryphal  Acts  of  the  Apostles  ed.  by  W.  "Wright,  London 
1871  Vol.  II  (engl.  Übersetzung)  p.  3—60. 

4)  Ebenda  p.  60.  Die  syrische  doctrina  Apostolorum  (ed.  Cureton, 
Ancient  Syriac  documents  p.  34)  nennt  als  Missionsländer  des  Evangelisten 
Johannes:  Ephesus,  Thessalonich,  ganz  Asien,  die  Gegend  der  Korinther, 
Achaia  und  Umgebung. 

5)  Vgl.  Syr.  apocr.  Akten  bei  Wright  p.  S  f . 


?.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  261 

mutter  begleitet  habe.  Allgemein  schließt  sich  daran  der  Bericht 
über  seine  Verbannung  nach  der  Insel  Patrnos1  und  zwar  durch 
Trajan  (nach  ABB1)  oder  Domitian2  (HSS  Bb  des  Textes  A. 
CFGH),  die  andern  Texte  geben  keinen  Herrscher  an.  Diese 
Angaben  beruhen  teils  auf  kleinasiatischer  "Überlieferung3,  teils 
auf  Prochorus.  Die  HS  C1  des  Textes  B  (=  B1)  scheint  übrigens 
trotz  der  Quellenangabe  doch  nicht  ganz  mit  Prochorus  zu  gehen, 
da  sie  vor  der  Verbaunung  auf  Patmos  eine  19jährige  Wirk- 
samkeit des  Apostels  in  Ephesus  nennt,  während  das  Chronicon 
Paschale  mit  Prochorus  nur  neun  Jahre  angeben4.  Auch  jene 
Texte,  welche  die  Verbannung  durch  Trajan  geschehen  sein 
lassen,  gehen  auf  Prochorus  zurück,  da  ein  Teil  der  HSS  dem 
Trajan,  ein  anderer  und  die  gnostischen  Akten  dem  Domitian0 
die  Verbannung  des  Apostels  zuschreibt. 

Auf  Patmos  soll  dann  der  Apostel  das  Evangelium  verfaßt 
haben  (A,  C);  nach  B1  während  seines  15jährigen  Aufenthalts6 
auch  die  Apocalypse.  F  läßt  ihn  vielmehr  dort  viele  bekehren". 
H  setzt  die  Abfassung  des  Evangeliums  in  der  Zeit  Trajans, 
ebenso  Gr  zugleich  jene  der  Apocalypse.  Die  syrischen  Texte 
berichten  nichts  von  einer  schriftstellerischen  Tätigkeit.  Nach 
Sd  wurde  auch  Maria  mit  ihm  nach  Patmos  verbannt.  Text  A 
dagegen  berichtet,  daß  die  Veröffentlichung  seines  auf  Patmos  ge- 
schriebenen Evangeliums  durch  seinen  Gastfreund  Gaius8  erfolgt  sei. 


1)  Der  Bericht  von  Sb,  wonach  Johannes  von  dem  Kaiser  Tiberius 
nach  einer  Insel  Pontus  verbannt  wurde,  beruht  jedenfalls  auf  einer  Ver- 
wechslung oder  Versehen  der  Schreiber. 

2)  Ebenso  Nikepb.  Call.  h.  e.  II  42  (Migne  145,  869 Bi. 

3)  Vgl.  Th.  Zahn,  Artikel  „Johannes  der  Apostel"  in  HRE  IX3, 
Leipzig  191  »1,  275  Zeüe  40  ff  u.  281,  42  ff. 

4)  Th.  Zahn,  Acta  Joannis  p.  LVIII.  Übrigens  kann  in  der  HS  C1 
auch  ein  Schreibfehler  vorliegen  i#'  statt  #'. 

5)  Zahn,  Acta  Joannis  p.45,  1,  namentlich  L  nennt  Domitian,  andere 
griechische  HSS  sogar  Hadrian,  ebenso  p.  46,  5  Apparat.  In  allen  alten 
Berichten  wird  aber  Domitian  als  der  den  Johannes  zum  Exil  verurtei- 
lende Richter  bezeichnet.  s.Zahn  ebenda  p.  CXXIII,  CXVHI  n.  2.  Ebenso 
die  alten  gnostischen  Akten  c.  2  s.  Acta  apostol.  apocr.  ed.  R.  A. Lipsius  et 
M.  Bonnet  pars  n  vol.  prius.  Acta  Joannis  ed.  M.  Bonnet,  Lipsiae  1S93, 
p.  L51,  13  ff.   Dagegen  die  Rückkehr  nach  Ephesus  unter  Trajan  c.14  (159,19). 

6)  Zahn  p.  LVIII f  nach  Prochorus. 

7)  Ebenfalls  auf  Prochorus  zurückgehend. 

8)  Gaius,  Adressat  des  3.  Johannesbriefs;  Zahn,  EinleitungII2579,5S3ff. 


262  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Mit  unseren  Texten  zeigt  auch  eine  spätere  Bearbeitung 
der  Chronik  des  Hippolyt  von  Theben '  und  ein  anonymer  Text'2 
Verwandtschaft,  welche  den  Gang  der  Ereignisse  in  ähnlicher 
Weise  schildern3;  zunächst  die  Predigt  des  Johannes  in  Asien, 
die  Verbannung  auf  Patmos,  Abfassung  des  Evangeliums  und  der 
Apokalypse  auf  Patmos,  woran  sich  die  Rückkehr  nach  Ephesus 
unter  Trajan  anschließt,  wie  in  AEFG.  B1  läßt  ihn  dort  nach 
Prochorus  und  dem  Chronicon  paschale  26  Jahre  lang  leben. 
Die  syrischen  Texte  Sd,  Sb  berichten,  daß  er  in  Ephesus  eine 
Kirche  erbaut  habe,  und  daß  ihm  Ignatius  und  Polykarp  zur 
Seite  gestanden  seien,  nach  Sb  noch  ein  dritter  Schüler  mit 
Namen  Johannes,  welchen  der  Apostel  zum  Priester  weihte4  und 
zum  Bischof  einsetzte.  Er  begrub  nach  Sd  dort  die  selige  Jung- 
frau Maria. 

2.  Tod  und  Lebensalter  des  Apostels.  Im  ganzen  kursieren 
über  das  Lebensende  des  Apostels  Johannes  zweierlei  Ansichten, 
die  Kunde  von  einem  natürlichen  Tod  und  dem  Begräbnis  durch 
seine  Schüler  (B1:  fisT£öza&?]  sv  xvqlco  .  .  .  racpslg  vjio  rcöv 
Had-rjtmv  avrov,  E:  sv  'EcpsOm  .  ..  racpelg  {isTsrs&r],  F:  sv 
uQrjVfl  ävsjtavöaxo ,  C:  sxoif/rjO?]  sv  EcpsOro,  ov  zo  Isixpavov 
C,rjTrjd-hv  ovx  GVQd&rj,  cfr.  Lb,  Sm,  Sd,  Sb:  praecepit,  ne  cpiis  sepul- 
crum  suum  sciret  Sb),  verbunden  mit  der  Legende  von  der  Selbst- 
bestattung (in  A,  H)5  und  die  Sage  von  der  Entrückung,  so  daß  die 
Nachricht  geht,  er  lebe  noch  mit  Henoch  und  Elias6  (BG).  In  den 
ersten  vier7  Jahrhunderten  weiß  die  christliche  Literatur  nur  von 


1)  Fr.  Diekainp,  Hippolytos  von  Theben  Text  XIV  c.  V,  5  (S.  44; 
45,  10). 

2)  Ebenda  Text  IX  a  b  c  S.  40. 

3)  Ebenso  Niketas  David  Paphl.  or.  VI  in  laud.  S.  Joann.  evang. 
(Migne  105,  117  A;  121  A). 

4)  Über  den  Presbyter  Johannes  in  Papiae  fragni.  II,  4  bei  Euseb. 
h.  e.  III  39,  6  u.  VII  25,  7—16;  s.  Th.  Zahn  in  HRE  1X3,  Leipzig  1901, 
276,  16  ff. 

5)  Aus  den  gnostischen  Akten  des  Leucius  genommen  c.  115  (ed. 
M.  Bonnet,  acta  apost.  apocr.  11  1  pag.  215,  1—4;  Zahn  pag.  250,  4 — 6, 
vgl.  pag.  XCVIII  und  CXI),  wonach  Johannes  sich  in  ein  sorgfältig  be- 
reitetes und  mit  seinem  Mantel  ausgestattetes  Grab  legte  und  sofort  nach 
dem  Gruße:  stQ^rrj  [ie&  vtu(bv  starb:  TiaQsScoxe  xö  Tcvevfta  y_aiQiov. 

6)  Cfr.  Andreas  Caesar,  comm.  in  apoc.  29  (Migne  Patr.gr.  106, 309 C). 

7)  Zahn,  Acta  Joannis  pag.  CV,  Lipsius  a.  a.  O.  I  495  f. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  263 

dem  natürlichen  Tode  des  Apostels,  Polykrates  von  Ephesus  (bei 
Euseb.  h.  e.  V  24),  Tertullian  (de  anima  c,  50),  Eusebius  (Theo- 
phan.  IV,  6)  bis  Ambrosius  und  wahrscheinlich  noch  die  Väter 
des  Ephesinischen  Konzils  431.  Dies  war  auch  die  ursprüngliche 
Gestalt  des  Schlußkapitels  der  Johannesakten  des  Leucius1, 
daß  Johannes  wirklich  gestorben  ist.  Daneben  machte  sich 
schon  bei  Ambrosius2  und  noch  mehr  bei3  Augustin  eine  andere 
Fassung  geltend,  wonach  einige  an  seinem  Tod  gezweifelt  haben 
oder  glauben,  daß  er  nicht  gestorben  sei,  sondern  in  seinem  Grabe 
lebend  schlafe. 

Die  Sage  von  der  Entrückung  des  Apostels  und  dem  leeren 
Grab  geht  auf  die  Weiterbildung  bei  Prochorus  zurück.  Pro- 
chorns  läßt  nach  dem  unverfälschten  Leucius  den  Johannes  den 
Geist  aufgeben4,  weiß  aber  dann  von  dem  leer  gefundenen  Grab 
zu  berichten,  welches  notwendig  die  Entrückung  voraussetzt. 
Diese  war  aus  dem  Vergleich  des  Johannes  mit  Elias  und  He- 
noch,  welchen  schon  Tertullian  de  anima  c.  50  anstellte,  nur  die 
gezogene  Konsequenz.  Lipsius  dagegen  will  aus  der  Sage  vom 
leeren  Grab  jene  der  Entrückung  ableiten.  Unsere  Texte  C,  H 
und  Sb  berichten  nebeneinander  von  der  Selbstbestattung  und 
dem  Nichtauffinden  des  Leichnams  wie  der  Prochorustext.  Text  B 
dagegen  weiß  überhaupt  nichts  von  einer  Bestattung,  sondern 
läßt  den  Apostel  gleich  jenen  alttestamentlichen  Männern  in  den 
Himmel  entrückt  werden.  Die  späteren  Texte,  wie  G,  vermischen 
diese  verschiedenen  Legenden  zu  mißverständlichenKomplikationen, 
lassen  ihn  begraben5  und  dann  entrückt  sein.    Aber  erst  Niketas 


1)  Zahn  pag.  XCVII,  wie  in  der  syrischen  und  armenischen  Version, 
ebenso  noch  bei  Augustin,  tract.  124  in  Joa.  c.  21,  19  (Zahn  pag.  CIX 
und  205,  8),  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  42  (Migne  145,  S73B):  Nachdem  Jo- 
hannes sich  ins  Grab  gelegt  hatte,  ei&ix;  xav  öcpeiXüfievov  vnvov  öixaloiq 
XEXolfiTjTcti.  Ebenso  in  der  syrischen  Erzählung  des  Hinscheidens  des 
Johannes  s.  W.  Wright,  Apocr.  Acts  of  the  Apostles  Vol.  IL  London 
1871,  07  f. 

2)  Zahn  pag.  CVII  Anm.  2. 

3)  Ebenda  pag.  XCVIIL 

4)  Zahn  p.  CIX.  Text  S.  104,  9:  xcd  aircdg  naptdcoxe  xo  nveriuc. 
p.  104,  12:  xcd  £X&6vxwv  >tu\~>r  h>  xv>  xÖTtcp,  ÖQvgavTEq  ovdev  suoouev  xcd 
(X/.aiOCtfAEV  a<poÖQÜ)Q. 

5)  Lipsius   1499 f.      Niket.    David    Paphl.    or.  VI    in    läud.    Joan. 


2(54  Schernianrij  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Phaphlago,  Siraeon  Metaphrastes,  das  Menologiurn  Basilii  und 
die  griechischen  Menaeen  und  andere  sind  Zeugen  der  Ver- 
mischung der  ursprünglichen  Fassung  in  den  gnostischen  Akten 
und  der  späteren  legendenhaften  Ausbildung  von  der  Entrückung. 

Dasselbe  Anschwellen  der  Legende  können  wir  in  der  Chronik 
des  Hippolytus  von  Theben  und  deren  spätem  Bearbeitung  er- 
sehen. 

Text  1 5,  51  (ursprüngl.  Fassung):  ev  xfj  'Erpeöra  xrjg  'Aöiag 
x>lQv£aq  xov  loyov  'icoavvqg  exel  avelr\<pd-r\. 

Text  II  5,  52  (1.  Überarbeitung)  .  .  .  ev  xy  'Aoia  xexoiurjxai. 
xcu  ovx  evoed-q  xb  öcöfia  avxov  ev  xcö  xaqco. 

Text  V  5,  53  (spätere  Überarbeitung):  exel  ovv  {rcutxexcu 
jiaga  xeov  (iafr?]rcöv  ext  Z>cöv,  xccl  fiexa  xgelg  rjfieQag  cvpavrjg 
eyevexo,  [lällov  öe  elg  ovgavovg  dve?J](p&?},  xa&cog  xcu  ol  fia- 
frrjral  vjzoöxoeipavxeg  ev  xcö  (ivrjfieicp  xccl  avoisavxeg  ov%  ev- 
qov  avxov. 

Unser  Text  in  dem  Apostelverzeichnis  des  Ps.  Hippolyt  berührt 
sich  nahe  mit  der  zweiten  Recension  der  Stelle  der  Chronik, 
während  die  ursprüngliche  Fassung  mit  jener  des  Dorotheus- 
textes  inhaltlich  harmoniert.  Diekamp  hatte  aus  dieser  Differenz 
unserer  Hippolytliste  mit  der  eigentlichen  Niederschrift  des  The- 
baners  die  Annahme  einer  Verfasserschaft  des  Hippolytverzeich- 
nisses  durch  letzteren  abgelehnt. 

Die  Nachricht  in  Sb:  duo  autem  sepulcra  eius  Ephesi  ex- 
stant:  unum  absconditum  Evangelistae,  alterum  Joannis  diseipuli 
eins,   qui  apocalypsim  scripsit,   beruht  auf  einer  „Duplizität  der 


(Migne  105,  124 A):  Johannes  el'aeiaiv  svöov  xov  oQiyfiaxoq  ev&vq,  ara- 
xMvexai  ös-  ol  öh  xuxäXomoL  .  .  xfj  k$t]q  .  .  avxov  evQt'axofxev  oiöa/j.üi;. 
Menolog.  Basil.  imperat.  zum  26.  Septbr.  (Migne  117,  73  C). 

1)  Diekamp,  Hippolytos  von  Theben,  Texte  und  Untersuchungen. 
Münster  1898  p.  7,  2—3.  Cfr.  Dorotheustext,  der  ebenfalls  nur  von  der 
Entrückung  zu  erzählen  weiß. 

2)  Ebenda  p.  14,  1—2  (vgl.  p.  XXXIV)  cfr.  Hippolyttext:  ixoi/x^j 
iv  'Ecpeoto,  ov  xö  Xeiipavov  g~qxr]&£v  ov/  evQS&tj.  Unter  Hippolyts  Namen 
ein  Text  in  den  griech.  Menaen  zum  26.  Septbr.  (Lipsius  I  364  Anm.  4): 
xäxeld-ev  näXiv  eiq  "Eyeoov  ex  xT^q  igOQiaq  avaxhjd-eiq  imb  Nsqovcx ,  TS- 
Xevxä  exeloe,  ov  xö  ?.eiipanov  nagä  xüov  inolxajv  xrjq  nöXewq  maxüiv 
Zyxrj&hv  ovy  evQsS-rj. 

3)  Diekamp  p.  30,  4— S,  vgl.  S.  117;  cfr.  Text  G. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  265 

Lokaltradition  über  die  Grabesstätte  des  Johannes  in  Ephesus"1, 
welche  zu  der  Annahme  von  zwei  Johannes  führte,  von  denen 
Eusebius  b.  e.  III  36.  2  berichtet,  woselbst  er  von  dem  Apostel 
einen  Presbyter  unterscheidet.  Letzterer  sei  der  Verfasser  der 
Apocalypse2,  welchen  Papias  gehört  habe. 

Das  Lebensalter  des  Apostels  wird  in  A  auf  120  Jahre  an- 
gegeben, während  B1  100  Jahre  und  7  Monate,  D  68  Jahre  nach 
der  Himmelfahrt  des  Herrn  zählt  und  Sm  ihn  im  7.  Jahre  Trajans 
(105)  gestorben  sein  läßt.  Sb  spricht  nur  von  einem  hohen 
Lebensalter,  das  er  erreicht  habe,  Sd  von  73  Jahren,  welche 
Chabot3  nach  der  Himmelfahrt  des  Herrn  verstanden  wissen  will, 
worauf  auch  der  Zusatz  „und  er  starb  nach  allen  Aposteln''  hin- 
deutet. Die  übrigen  Texte  geben  keine  Altersgrenze  an,  auch 
nicht  der  Hippolyttext,  ebensowenig  die  Chronik  des  Thebaners 
Hippolytns4. 

Die  Datierung  schöpfte  B1  mit  den  andern  das  Leben  des 
Johannes  betreffenden  Zahlen  nach  eigener  Angabe  aus  Prochorus, 
woraus  sie  auch  das  Chronikon  paschale  entnahm5.  Die  Angabe 
des  Lebensalters  auf  120  Jahre  (A)  scheint  der  von  Prochorus 
unabhängigen  syrischen  „Geschichte  Johannes  des  Sohnes  Zebe- 
däi  des  Apostels  und  Evangelisten",  welche  W.  Wright0  heraus- 
gab, eigen  zu  sein.  Hierin  würde  also  A  wie  auch  sonst  syrische 
Tradition  verraten.  Die  Berechnung  auf  68  Jahre  nach  der 
Himmelfahrt  des  Herrn  (D)  bietet  auch  Hieronymus  und  andere7, 
und    scheint   für   Diekamp    am   meisten    Wahrscheinlichkeit   zu 


1)  Th.Zahn,  HRE  1X3,  Leipzig  1901,  276  Zeile  16.  Euseb.h.  e. VII 25, 
7—10  und  Euseb.  h.  e.  III  39,  6  (ed.  Schwartz-Moinmsen  S.  288,  6). 

'_')  Ober  den  Presbyter  Johannes  in  Papiae  fragin.  114  (F.  X.Funk, 
Patres  apostolici  Vol.  I  editio  II.  Tübingae  1901,  352,  4  und  354  nota). 
Vgl.  O.  Bardenhewer,  Geschichte  der  altkirchl.  Literatur  I  539.  Und 
Zahn,  Einleitung  in  das  N.T.  2.  Aufl.  II.  Bd.  4S4. 

3)  ed.  Michel  le  Syrien  tom.  I  fasc.  2,  148  note  2. 

4)  Diekamp  a.  a.  O.  S.  118. 

5)  Zahn  p.LVHIf.  Chron.  pasch,  ed.  Di ndorf  1461.  470.  Prochorus 
Text  bei  Zahn  p.  162,  5—9. 

6)  Apocr.  Acts  of  the  Apostles  II,  London  1871,  59.  Vgl.  Lipsius 
I  434,  303.     Zahn  p.  CXXXII,  162,  238. 

7    Auch  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  42  (Migne  145,  873 B)  im  68.  Jahre 

[iETtl   To  näO-o^  Tor   OfOTtJQOQ  XqiOXOV. 


266  Sehermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

haben.  Die  andern  abweichenden  Zahlen  mögen  auf  andere 
Traditionen  oder  auch  Schreibversehen  zurückgeführt  werden. 

Der  lateinische  Text  Lb  berichtet  noch,  daß  die  Natalicia 
des  Apostels  Johannes  mit  jenen  des  Johannes  Baptista  am 
24.  Juni  gefeiert  werden. 

An  der  Hand  der  verschiedenen  Zeugnisse  und  Parallelen 
lassen  sich  unsere  Texte  folgendermaßen  einschätzen.  A  zeigt 
teils  Abhängigkeit  von  den  gnostischen  Akten  in  der  Erzählung 
des  Todes  oder  der  Selbstbestattung,  teils  in  der  Angabe  des 
Alters  von  der  syrischen  Überlieferung.  Merkmale  eines  spätem 
Alters  als  das  5.  Jahrh.  trägt  er  nicht  zur  Schau.  Text  B  (Ps.  Doro- 
theus)  erzählt  von  der  Entrückung  des  Apostels,  welcher  mit 
Henoch  und  Elias  verglichen  wird.  In  diesem  Punkt  berührt 
sich  dieser  Text  mit  der  Chronik  des  Thebaners  Hippolyt,  mit 
einigen  HSS  der  letzteren  sogar  wörtlich.  Text  C  (Ps.  Hippolyt) 
hat  bereits  mit  der  überarbeiteten  Chronik  des  Thebaners  die 
Erzählung  von  der  Bestattung  und  dem  leeren  Grab  gemeinsam. 
Die  Texte  D,  F,  wie  die  Syrer  Sm,  Sd,  Sb,  Se,  Ss  zeigen  die  alte 
Tradition  von  dem  natürlichen  Tode  des  Apostels.  Die  übrigen 
griechischen  Texte  vermischen  zweierlei  Todesarten.  Li  erzählt 
auch  schon  wie  Hieronymus1,  Gregor  von  Tours,  Abdias  von 
dem  alle  Krankheiten  heilenden  Staub  „Manna"  genannt,  welcher 
über  dem  Grabe  zum  Zeichen  aufwirble,  daß  der  Apostel  noch 
lebe.  Auch  die  Homilie  des  Ps.  Chrysostomus,  das  Menologium 
des  Basilius  Porphyrogen.  tun  dieser  Legende  Erwähnung; 
nach  dem  letzteren  soll  der  Staub  am  8.  Mai  jährlich  hervor- 
quellen2. 

§  68.    Philippus. 

Während  die  Jüngerkataloge  einen  Evangelisten  Philippus 
mit  seinen  weissagenden  Töchtern  unter  die  70  Jünger  rechnen 
und  ihn  von  dem  Apostel  Philippus  aus  Bethsaida  (Joa.  1,  45) 
unterscheiden,    haben    unsere  Apostellisten   meist  die  Verwechs- 


1)  Hieronymus  (bei  Migne  Patr.  gr.  145,  873  nota  1  zu  Nikeph. 
Call.  h.  e.  II  42  erwähnt):  quod  et  de  beato  Joa.  Evang.  .  .  .  plurimi  asse- 
verant,  quia  in  sepulcro  eius  (ut  fertur)  non  nisi  manna  invenitur,  quod 
et  scaturire  cernitur.     Zahn,  Acta  Joan.  pag.  CVIII  Anm.  1  u.  2. 

2)  Migne  Patr.  gr.  117,  441  D. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  267 

lang  und  Yermengung  beider  Persönlichkeiten  vollzogen.  Die 
Vermischung  war  schon  um  die  Mitte  des  zweiten  Jahrhunderts 
allgemein,  wie  aus  Papias1,  Polykrates2  und  Proklus3  hervorgeht. 
Philippus  von  Hierapolis  wird  ebenso  in  den  Philippusakten4  als 
Apostel  erklärt. 

Aber  auch  die  HSS  unserer  einzelnen  Texte  sind  in  den 
Lesarten  mehr  unbeständig  als  in  den  übrigen  vitae.  Z.  B.  spielt 
HS  D1  des  Dorotheustextes  B  in  Ps.  Hippolyt  über  und  über- 
nahm von  dort  die  Kreuzigungsart;  dieselbe  HS  läßt  unter  Do- 
mitian  (=  Text  H)  seine  Tüchter  bei  ihm  begraben  sein.  In 
dem  Ps.  Epiphaniustexte  A  zeigt  die  ganze  jüngere  Handschriften- 
gruppe mehr  Spuren  der  Verwechslang  der  beiden  Philippi  als 
die  beiden  altern  HSS,  und  HS  D  derselben  Recension  A  läßt 
ihn  (=  Hippolyttext  C)  am  Kreuze  sterben,  wovon  wiederum  die 
andern  HSS  der  Texte  A  und  B  noch  nichts  wissen.  Auf  diese 
späteren  Interpolationen  in  einzelnen  HSS  kann  jedoch  weiter 
keine  Rücksicht  genommen  werden,  da  sie  in  ihrer  Textgruppe 
doch  nur  Ausnahmen  bilden. 

1.  Heimat  und  Wirksamkeit  des  Philippus.  Text  A  nennt 
als  Geburtsort  Bethsaida  (Joa.  1,  45),  ebenso  D,  F5,  Lb  und  die 
syrischen  Texte  Sm,  Sd,  Sb.  Seine  Missionstätigkeit  wird  all- 
gemein nach  Phrygien  verlegt,  welches  A  näherhin  als  t)  avco 
4>Qvyia  bezeichnet,  F  als  Asien  und  Hierapolis6,  H  als  ?)  'Aöiavf) 
öwlxtjoig,  was  bereits  auf  eine  Verwechslung  mit  Philippus  aus 


1)  Bei  Euseb.  h.  e.  III  39,  9  (ed.  Ed.  Schwartz  p.  28S,  17). 

2)  Bei  Euseb.  h.e.11131,  2  (ed.  Schwartz  264,6—9).  cfr.  Euseb. V 24. 

3)  Bei  Euseb.  h.  e.  III  31,  4  (266,  1—4).  Vgl.  Lipsius  a.a.O.  11  2, 
S.  1.  Über  die  Erklärung  der  Stellen  s.  Sieffert,  HRE  XV3,  1904,  335 
Zeüe  34. 

1)  Über  den  Charakter  und  Abfassungszeit  s.  Alb.  Ehrhard,  Die 
altchristl.  Literatur  usw.  I,  1900,  165.  Neue  Ausgabe  von  Max  Bonnet, 
Acta  Apost.  apocr.  II  2,  Lipsiae  1903. 

5)  Niket.  Dav.  Paphl.  or.  IX  in  Philipp.  (Migne  105,  169 B);  Menol. 
Basil.  zum  14.  November  (Migne  117,  160 D);  Metaphrast  zum  14.  Novbr. 
(Migne  115,  188  B). 

6)  A\is  den  ntQioöoi  <Pi).innov  (ed.  M.  Bonnet,  Acta  apost.  apocr. 
II  '_'  pag.  41,  9.  11):  Asien  und  Hierapolis  mit  Mariamne  and  Bartholom. 
Nik.  Dav.  Paphl.  (173  C,  170  C);  Menol.  Basil.  (161  A);  Nikeph.  b.  e.  II  39 
(Migne  145,  861  A);  ebenso  Metaphrast  c.  7  (Migne  115,  192). 


9(jg  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Hierapolis  zurückzuführen  ist.  Der  Syrer  Sd1  berichtet,  daß  er 
eine  Kirche  in  Pisidien  erbaut  habe  und  Sb,  daß  er  in  Phrygien, 
Pamphylien  und  Pisidien  predigte.  Die  Nachricht  einiger  Lateiner 
von  einer  Wirksamkeit  des  Philippus  in  Gallien2  spiegelt  sich 
in  Lb  wieder. 

2.  Tod  und  Martyrium.  Das  „Martyrium",  welches  den 
Schluß  der  Philippusakten  bildet,  ist  noch  unbenutzt  in  A,  B, 
Sm,  Sb,  welche  ihn  im  Frieden  sterben  und  in  Hierapolis  be- 
graben sein  lassen.  Das  ist  die  alte  Tradition  des  2. — 3.  Jahrh. 
über  den  Evangelisten  Philippus,  welche  Proklus3  in  einem  Dia- 
loge mit  Gaius  preisgibt.  Nach  derselben  Quelle  wurden  auch 
seine  vier  weissagenden  Töchter  bei  ihrem  Vater  bestattet, 
welche  in  dieser  Weise  auch  von  unsern  Texten  A,  B,  H  erwähnt 
werden. 

Das  Martyrium  soll  in  der  Kreuzigung4  kopfabwärts,  d.  h. 
nach  petrinischer  Art,  bestanden  haben,  wie  C  und  E  überliefert, 
andere  Texte  sprechen  nur  von  einem  Martyrium,  ohne  die  Art 
näher  anzugeben  (D,  H  unter  Domitian),  oder  von  einer  Kreuzi- 
gung schlechthin  (F,  G,  Lb,  Sd).  E  läßt  ihn  nach  unten  an  einem 
Pfahle  gekreuzigt  verbrannt  werden.  Lb  und  Sd5  wissen  noch 
von  einer  Steinigung  zu  berichten.  Auch  einige  Texte  der  grie- 
chischen Menologien  (F  und  verwandte)  verschmelzen  einen  Teil 
der  Philippusakten  (ptQagig  ß'  und  g)Cl,  wo  von  einer  Mission 
des  Philippus  in  Griechenland  (Athen  und  Nikatera)  die  Rede 
ist,    mit  dem  Martyrium,    und  stellen  die  Hellenen  als  die  Voll- 


1)  Nach  den  syrischen  Philippusakten  predigte  er  in  Karthago  (ed. 
W.  Wright,  Apocryph.  Acts  of  the  Apostles.  Vol.  II.    London  1871  p.  69). 

2)  Lipsius  a.a.O.  112,  52.  Eine  andere  Weiterbildung  der  griech. 
Akten  bieten  die  koptischen,  J.  Gruidi,  Giornale  della  societä  asiatica 
italiana  Vol.  H  1888  pag.  29. 

3)  Bei  Euseb.  h.  e.  IE  31,  4  (ed.  Schwartz,  266,  3—5). 

4)  Nikephor.  Call.  h.  e.  II  39  (Migne  Patr.  gr.  145,  861  B)  erzählt, 
daß  er  wie  ein  Schlachtstück  ini  rivoq  y.iovoq  y.axb.  xs(fa?.r]q  aufgehängt 
wurde  (cfr.  Text  E).  Das  Menol.  Basüii  iniper.  (Migne  117,  161 A)  er- 
wähnt: xQSfxäxai  .  .  xaxa  xe(paXtj^.  Der  Metaphrast  c.  10  (Migne  115,  196) 
läßt  ihn  eingesperrt,  gegeißelt  und  mit  Seilen  gehängt  werden. 

5)  Sd  nennt  nach  einer  zweiten  Quelle,  wie  er  angibt,  als  Ort  des 
Martyriums:  Mabboug  in  Phrygien,  wo  er  zuerst  gesteinigt,  dann  ge- 
kreuzigt worden  sein  soll. 

6)  ed.  M.  Bonnet  II  2,  p.  3  und  26. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  269 

zielier  des  Kreuzigungstodes  dar.  Jedenfalls  geht  der  Bericht 
über  die  Kreuzigung  auf  die  Akten  c.  133 1  zurück. 

Die  Kunde  von  der  Verbrennung  des  gekreuzigten  Philippus 
(E,  HS  d1  von  B)  wird  auch  in  dem  äthiopischen  certamen  apo- 
stolorum-  wach  erhalten,  wo  eine  sekundäre  Bearbeitung  des  Mar- 
tyriums den  Akten  angefügt  ist. 

Sb  erzählt  noch  weiter,  daß  Philippus  27  Jahre  lang  Apostel 
war,  und  Lb  spricht  von  seinen  Natalicia  am  1.  Mai. 

Da  die  Zeit  der  Abfassung  der  Philippusakten  nicht  fest- 
steht, aber  wohl  nicht  über  das  5.  Jahrh.  hinabgerückt  werden 
darf,  so  ist  damit  für  unsere  Texte  noch  kein  sicherer  Anhalts- 
punkt'' zur  Datierung  geboten,  wenn  wir  die  Stellung,  wie  sie 
sich  zu  den  Akten  verhalten,  in  Betracht  ziehen.  Dennoch  ist 
eine  Benützung  derselben  im  Hippolyttext  (C)  nicht  gerade  ver- 
trauenserweckend, zumal  A  und  B  von  solchen  Spuren  frei  sind. 
Die  späteren  Texte  gingen  allerlei  Kombinationen  mit  ander- 
weitiger Überlieferung  ein. 

In  einem  ähnlichen  Verhältnis  wie  AB  :  C  stehen  die  latei- 
nischen Texte  Lb,  Li,  woran  sich  noch  die  irische  Passion  im 
LeabharBreac  anschließt,  zu  dem  sog.  Abdiastexte  (s.  VI)4,  welcher 
Philippus  friedlich  im  S7.  Jahre  in  Hierapolis  sterben  läßt.  Lb, 
Li  und  der  weitere  Zeuge  dagegen  lassen  ihn  wie  die  Akten  das 
Martyrium  durch  Steinigung  und  Kreuzigung  erleiden. 

§  60.    Bartholomäus. 

Die  Nachrichten  über  Bartholomäus,  von  welchem  noch 
keine  Akten  gefunden  wurden5,  sind  meist  den  Philippusakten 
entnommen,    als    dessen  Begleiter    er   in  Hierapolis    wirkte    und 


1)  ed.  M.  Bonnet  II  2,  p.  64,  3;  c.  137,  13S  (p.  70,  SS). 

2)  Lipsius,  Die  apokr.  Apostelgesch.  II  2,  S.  46.  48. 

3)  Eine  Benützung  vor  dem  Ende  des  6.  Jahrh.  ist  nicht  nachweis- 
bar; s.  Lipsius  II  2,  S.  22. 

4)  Lipsius,  Ergänzungshefli  S.  '■'•  nach  Atkinson,  The  I'assions 
and  the  Homilies  from  Leabhar  l'reac  p.  :!.~>6 — 358. 

5)  DievonA.Vasiljev  zuerst  veröffentlichten  Quaestiones  Hartholomaei, 
wie  auch  die  passio  Bartholornaei  scheinen  Reste  von  Barth. -Akten  zu  sein, 
vgl.  Alb.  Ehrhard,  Die  altckrisü.  Literatur  usw.  I   L66f. 


270  Scherinann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zuletzt  in  Lycaonien  den  Märtyrertod  starb1.  Daneben  sind 
verschiedene  Lokallegenden  im  Umlauf  gewesen-;  eine  nestoria- 
nische,  welche  ins  bosporenische  Reich  und  an  den  Pontus  weist, 
und  eine  großarmenische  Nationalsage,  welche  das  Martyrium 
in  Arbanopolis  lokalisiert.  Die  von  Eusebius  (h.  e.  V  10,  3)3  über- 
lieferte Sage  läßt  ihn  nach  Indien  kommen. 

1.  Die  Missionstätigkeit  des  Bartholomäus  wird  zumeist  nach 
dem  Gebiet  der  'ivöol  tvöalfioveg4  verlegt,  wo  er  das  Matthäus- 
evangelium in  die  Landessprache  übersetzte5  (ABCFGHLi).  Da- 
neben berichtet  E  von  einer  Wirksamkeit  in  Parthien6,  Lb  und 
Li  nach  der  Tradition  der  Philippusakten  in  Lycaonien,  während 
unsere  Syrer7  insgesamt  ihn  in  Armenien  predigen  lassen  (und 
zwar  Sd  drei  Jahre  lang,  Sb  im  innern  Armenien).  Auch  Moses 
von  Khorene8  läßt  ihn  in  Armenien  wirken. 

2.  Tod  und  Martyrium.  Nach  A  und  B  starb  Bartholomäus 
eines  natürlichen  Todes  in  Arbano-  (Albano-,  Korbano-,  Urbano-) 
polis  in  Großarmenien  und  wurde  dort  begraben.  H  läßt  ihn 
einfachhin  in  Indien  bestattet  sein.  Alle  andern  Texte  sprechen 
von  einem  Martyrium  der  Kreuzigung  (nach  unten:  D,  C9;    auf- 


1)  Phil.-Äkten  c.  137  ed.  M.  Bonnet  [Acta  apost.  apocr.  Part.  alt.  vol. 
alt.,  Lipsiae  1903,  p.  69,  15]. 

2)  Couard,  Altchristi.  Sagen  über  das  Lehen  der  Apostel  in  Neue 
kirchl.  Zeitschrift  XV  1904,  486  f. 

3)  ed.  Schwartz  p.  450,  25.  27.  Ebenso  die  passio  Barthol.,  deren 
griechischer  Text  nur  „eine  schlechte  Übersetzung  des  lateinischen  ist". 
Aber  auch  das  „Martyrium"  ist  jünger  als  der  Abdiastext  s.  A.  v.  Gut- 
schmid,  Die  Königsnamen  usw.  S.  173;  derselbe,  Kleine  Schriften  IT  348ft'. 

4)  Auch  im  Menol.  Basilii  (Migne  117,  493  D)  zum  11.  Juni.  Ob 
damit  das  glückliche  Arabien  oder  Indien  gemeint  s.  C.  Schmidt  in  HRE 
II3,  Leipzig  1897,  420  Zeüe  35  ff.  Niket.  David  Paphl.  or.  X  in  laud. 
Barthol.  (Migne  105,  208  A:  Arabes  felices,  Indier  und  Äthiopier. 

5)  Cfr.  Euseb.  h.  e.  V  10,  3. 

0)  Bei  syrisch.  Schriftstellern  spätem  Datums  zu  Hause,  s.  Lipsius 
a.  a.  O.  II  2,  62.  Auch  in  der  armen,  vita  Barth,  herausgeg.  von  M  5  - 
singer,  Insbruck  1877,  Lipsius  II  2,  58. 

7)  Auch  in  dem  syr.  Text  des  „transitus  Mariae",  Lipsius  II  2,  61. 

8)  Gesch.  Armeniens  1.  H  c.  34  (cfr.  Cureton,  Ancient  Syriac  Docum. 
p.  137).  Barthol.  wurde  in  der  Stadt  Arep an  gemartert.  Kellner,  Theol. 
Quartalschr.  1905,  603. 

9)  Die  Kreuzigung  xava  zeq)a).ijq  auch  bei  Josephus  Rhetor  (Lipsius 
II  2,  105);    aber  nicht  bei  Nik.  David  or.  X  in  laud.  S.  Barthol.   (Migne 


i.  Die  Nachrichten,  über  die  12  Apostel.  271 

recht  F,  E,  durch  König  Herstion  oder  Hirustani :  Sb,  Sd).  Hier 
sind  offenbar  die  Philippusakten  (c.  137)  Vorbild,  welche  ihn 
ebenfalls  des  Kreuzestodes  sterben  lassen.  Daneben  wird  aber 
eine  Art  des  Martyriums  in  Lb,  Li  als  Geiselung  oder  Enthäu- 
tung,  so  daß  seine  Haut  wie  ein  Lederschlauch  wurde,  (einige 
HSS  von  C  und  G)  mit  folgender  Enthauptung  nach  Art  des  Paulus 
angegeben.  All  diese  Angaben  sind  späteren  Datums;  ursprüng- 
lich waren  die  Arten  der  Enthauptung  oder  Enthäutung  gesondert 
überliefert,  wie  in  dem  Encomium  des  Theodorus  Studites,  später 
wurden  sie  kombiniert,  wie  in  der  lateinischen  Übersetzung  des 
soeben  genannten  Encomiums  bei  Anastasius  Bibliothecarius ',  so 
daß  er  noch  jcqo  xriq  Cg>ayr}Q  enthäutet  oder  nach  der  Lesart 
von  Lb  noch  gegeißelt  wird2.  Das  lateinisch-griechische  Marty- 
rium läßt  ihn  auch  zuerst  mit  Ruten  gestrichen  (fustibus  caedi, 
gr.  (xxßdiCsGfrai),  so  daß  die  Haut  abgeschunden  wird,  und  dann 
enthauptet  werden3. 

Als  Vollstrecker  des  Martyriums  wird  in  Lb  König  Astarges4, 
in  Sd  Herstion,  in  Sb  Hirustani  genannt.  Die  Bestattung  er- 
folgte am  Orte  der  Hinrichtung  oder  des  Todes  (ABCHLb,  Li 
Sd,  in  der  Kirche,  welche  er  erbaut  hatte  Sb).  Nach  Lb  werden 
seine  Natalicia  VIII  Kai.  Septembris  gehalten. 

Jünger  als  das  6.  Jahrh.  scheinen  alle  Texte  zu  sein  mit 
Ausnahme  von  A  und  dem  abhängigen  B;  denn  alle  partizipieren 
entweder   an    den  Nachrichten   der  Philippusakten,   deren  Alter 

105,  209  V\  auch,  nicht  bei  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  39  (Migne  115,  861  B— C) 
uq&ioq  (=  F,  E).  Dagegen  im  Menolog.  Basil.  imp.  (M  117,  1(31  A)  mit 
Philippus:  xQE^iäiUL  6  BaQ&oloiiaToc'  xaxa  xe(falrjq  and  xov  xtl%ovq. 
Nach  dem  Metaphrast.  zum  1-1.  Nov.  c.  11  u.  13  (Migne  115,  196 B.  197  B- 
wurde  er  in  Hierapolis  gekreuzigt. 

1)  Lipsius  II  2,  101  f. 

2)  Wie  in  Abdias  Lipsius  II  2,  101;  Gutschmid  S.  173. 

3)  c.  9  (ed.  Bonnet  II  1  p.  149,  3  und  IS:  xal  ovzcog  ^xöaQ&hra 
unox£<fa?.io&r}rai  avxöv.  Die  Legende  der  koptischen  Akten  von  der 
Wirksamkeit  in  Äthiopien  und  Ägypten  und  der  armenischen  Akten  von 
jener  in  Aden  und  die  daran  anschließenden  Martyrien  iin  einem  Sack 
ins  Meer  geworfen  kopt.,  von  6  Männern  mit  Knütteln  geschlagen  armen.! 
ist  unsern  Texten  fremd. 

4)  A.  v.  Gutschmid  a.  a.  0.  S.  176  stellt  die  Schreibweisen  des  Na 
zusammen.     Er  sucht  an  der  Hand  des  spaten  Martyriums  die  Geschicht- 
lichkeit dieser  Persönlichkeit  zu  erweisen   und  will   darin  Artaxias  (f  35 
n.  Chr.)  erblicken.     Die  Beweisführung  ist  nicht  überzeugend. 


272  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zwar  unsicher,  aber  deren  Benützung  vor  dem  6.  Jahrh.  nicht 
nachweisbar  ist,  oder  an  dem  lat.- griechischen  Martyrium,  das 
ebenfalls  nicht  vor  Ende  des  6.  Jahrh.,  wenn  nicht  bedeutend 
später  angesetzt  wird,  oder  an  der  syrischen  Tradition1,  welche 
auch  nicht  höher  als  das  angegebene  Jahrhundert  hinaufgeht. 


§  70.  Thomas. 

Die  von  Thilo,  dann  von  M.  Bonnet  herausgegebenen  jceql- 
oöol  Ocofia1  setzen  die  Legende  von  der  indischen  und  edesse- 
nischen  Wirksamkeit  des  Thomas  voraus.  Leider  sind  uns  die 
ursprünglich  gnostischen  Akten  nur  in  katholischer  Überarbei- 
tung erhalten3. 

1.  Name  und  Missionstätigkeit  des  Apostels.  Neben  Thomas 
wird  auch  sein  Name  Didymus  (Zwilling  Joa.  11,  16;  20,  24)  ge- 
nannt, welcher  wohl  nur  eine  griechische  Übersetzung  des  he- 
bräischen Wortes  ist.  Daneben  wird  ihm  in  der  edessenischen 
Tradition  auch  der  Beiname  Judas  gegeben,  als  ob  „der  Apostel4 
Judas  Jacobi,  der  dabei  wohl  als  Zwillingsbruder  des  Jacobus 
Alphäi  vorgestellt  ist,  den  Beinamen  Thomas  erhalten  habe". 
(D  6  xal  3lovöaq,  EF  6  xcu  Jlövfiog.)  Die  Benennung  qui  et 
Didymus  erklären  Lb  und  Li  mit:  hoc  est  Christo  similis  oder 
Christi  geminus  ac  similis  Salvatori.  Dagegen  leitet  eine  Glosse 
einer  Jüngern  HS  d1  von  Text  B  das  Epitheton  „Didymus"  aus 
der  Begebenheit  her,    daß  Thomas  wirklich   ein  Zwilling  war"1, 


1)  Die  koptischen  Akten  des  Bartholomäus  lassen  ihn  mit  Andreas 
bei  Parthern  und  zuvor  bei  den  Menschenfressern  predigen;  s.  J.  Guidi, 
Gli  atti  apocrifi  etc.  in  Giornale  della  societä  asiatica  italiana.  Vol.  II 
1888,  46  ff. 

2)  Neu  herausgegeben  in  Acta  apostol.  apocrypha  ed.  R.  A.  Lipsius 
et  M.  Bonnet.  Partis  alterius  vol.  alterum.  Lipsiae  1903,  99— 292.  Vgl. 
A.  E.  Medlcott,  India  and  the  Apostle  Thomas.  An  inquiry  with  an 
Critical  Analysis  of  the  Acta  Thomae.  London  1905,  304  pp.  Vgl.  Recen- 
sion  in  The  Journal  of  Theolog.  studies  VII  1906,  635  aus  der  Feder  von 
M.  J.  James. 

3)  Vgl.  A.  Ehrhard,  Die  altchristl.  Literatur  usw.  S.  163 f. 

4)  Sieffert  in  HRE  XV,  Leipzig  1885,  569.  Ebenso  in  den  syrischen 
Thomasakten.  W.  Wright,  ApocryphalActsoftheApostlesVol.il  p.  14»». 

5)  Vgl.  Niketas  David  Paphl.  or.  VII  in  laud.  S.  Thomae  (Migne 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  273 

und  nennt  gemäß  einem  „Historiographen"  seinen  Bruder  Elea- 
zarus.  Offenbar  ist  diese  Nachricht  aus  den  Clementinischen 
Homilien  (II  1)  genommen,  wo  derselbe  Zwillingsbruder  mit  ihm 
genannt  wird.  In  einem  sonst  fast  wertlosen  Verzeichnis  über 
die  „Heimat  der  12  Apostel"  wird  ihm  eine  Zwillingsschwester1 
unterschoben.  Nach  einigen  HSS  von  Text  A  soll  er  aus  Paneas2 
in  Galiläa  stammen,  nach  Sm,  Sd  aus  dem  Stamme  Juda,  nach 
Sb  aus  Jerusalem,  nach  D  aus  Nazareth. 

Als  Missionsgebiet  geben  ABCGHLi  an:  Parther,  Meder, 
Perser,  Hyrcaner,  (Germanen3),  Baktrer,  Marger4,  Lb,  Sm,  Sd,  Sb, 
Se  nennen  nur  Parther  und  Meder.  In  der  weitern  Angabe, 
daß  Thomas  in  Indien  gewirkt  habe5,  sind  so  ziemlich  alle  Texte 
einig.  Mit  der  Erwähnung  der  soeben  genannten  Völkerschaften 
scheinen  unsere  Texte  an  der  Spitze  einer  Tradition  zu  stehen, 
welche  Lipsius  in  das  7.  Jahrh.  versetzt  und  die  später  noch  bei 
Barhebräus  nachwirkt,  der  in  seinen  längern  Exzerpten  aus 
den  Akten  von  dessen  Predigt  unter  den  „Parthern,  Medern, 
Karabäern,  Baktrern,  Margern  und  Indern"  spricht.  Niketas 
Paphlago'',  Simeon  Metaphrastes,  Nikephorus  Callisti  h.  e.  II  40, 
also  jene  Schriftsteller,  welche  als  die  ständigen  Vertreter  der 
in  den  Apostelverzeichnissen  vorhandenen  Tradition  auftreten, 
erzählen  demnach  von  der  Mission  des  Thomas  bei  den  Parthern 
und  den  darüber  hinausliegenden  Ländern,  bis  Äthiopien,  d.  h. 
Indien  und  Ceylon". 


Patr.  gr.  105,  132 A:  diSifxoq  6b  xex/.ijo&at,  rw  [x>/  /idrov,  /ue&'  ersQov  fä 
xovxov  £x  /mag  anoxeyßfjvai  yaozgög. 

1)  Lipsius  a.  a.  0.  I  245,  247. 

2)  Nach  der  doctrina  Addaei  ist  Paneas  die  Geburfcsstadt  des  Addai, 
der  manchmal  mit  Thomas  verwechselt  wird.     Lipsius  I  271. 

3)  Wohl  ursprünglich  Kaßfiavoig. 

4)  HSS  Mayoig:  s.  hiezu  Lipsius  I  245. 

.1)  Auch  in  der  syrischen  doctrina  Apostolorum  (ed.  W.  Curetoii, 
Ancient  Syriac  Documents  1804  p.  33);  ebenso  nennt  Niketas  David  (136  ü, 
HOB,  C)  und  Nikephor.  Call.  h.  e.  II  c.  40  (Migne  Patr.  gr.  145,  S61  D) 
neben  Äthiopien  und  Indien  auch  Parther,  Meder  (864  A). 

6)  Nicht  aber  das  Menolog.  Basilii  am  6.  Oktober  (Migne  1 17.  93  A). 
welches  nur  von  der  Mission  in  Indien  spricht.  Der  Metaphrast  zum 
0.  Oktob.  (Migne  116,  559). 

7)  Nik.  Call.  (864 B)  nennt  als  äußerste  Grenze  seiner  Mission  die 
Insel  Taprobane  bei  den  Brahmanen. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,  3  18 


274  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Die  Mission  in  Parthien  beruht  auf  alter  Tradition,  welche 
schon  bei  Origenes1  angetroffen  wird.  Wie  sich  hieran  die 
übrigen  Völkerschaften  in  unsern  Texten  anschlössen,  läßt  sich 
nicht  sagen;  jedenfalls  sind  dieselben  die  ersten  Träger  dieser 
Überlieferung,  welche  deshalb  nicht  mit  Sicherheit  in  das  7.  Jahrh. 
versetzt  werden  muß.  Beachtung  verdient,  daß  unsere  zwei  zu- 
verlässigsten Texte  A  und  B  der  Mission  bei  den  Indern,  welche 
sonst  alle  übrigen  Zeugen  gemäß  der  vom  4.  Jahrh.  an2  gang- 
baren Tradition  nachdrücklich  betonen,  nur  vorübergehend  ge- 
legentlich der  Beisetzung  des  Apostels  in  Kalame  in  Indien 
Erwähnung  tun.  So  dürften  unsere  Texte  A  und  B  nur  eine 
Weiterbildung  der  ältesten  Nachricht  von  der  Mission  in  Par- 
thien sein. 

2.  Tod  und  Martyrium.  Von  einem  Märtyrertode  des  Thomas 
weiß  die  älteste  Überlieferung  noch  nichts.  Der  Gnostiker  Hera- 
kleon3  läßt  ihn  eines  natürlichen  Todes  gestorben  sein;  ebenso 
berichtete  Text  A  ursprünglich  einfachhin  exoifi^&rj  (eine  HS 
fügt  bei  {laQTVQrjöaq  xal  Ixtl  eracpi]  evöo^coc)  und  Text  B:  re- 
Ztiovtai4.  Die  übrigen  Texte  sprechen  alle  von  einem  Martyrium, 
und  zwar  HSmSe,  ohne  die  Art  desselben  anzugeben,  während 
CEFGLbLiSdSb  gleich  den  Akten  die  Durchbohrung  mit  einer 
Lanze5  überliefern.  Wohl  infolge  Verwechslung  mit  Bartholo- 
mäus berichtet  eine  HS  von  Text  D  reXziovrcu  jisgidageig^, 
die  andere  dagegen  Zoyx8V&£l?  vjio  JtaQavoficov  ccvöqcöv.  Der 
Hippolyttext  spricht  davon,  daß  Thomas  in  vier  Stücke  zerrissen 


1)  Bei  Euseb.  h.  e.  III  1  (ed.  Schwarte  p.  1S3,  3).  Weiterhin  in 
den  Clem.  Recogn.  1X29  usw.  s.  A.  v.  Gutschruid,  Die  Königsnamen  in 
Rhein.  Mus.  N.  F.  XIX.  Jahrg.  162. 

2)  Zuerst  bei  Gregor  Naz.  or.  33  n.  11  (Migne  Patr.  gr.  36,  228  C); 
ebenda  Lipsius  I  227.    Vgl.  Sieffert  in  PRE  XV,  569. 

3)  Bei  Clem.  Alex.  Strom.  IV  9,  71  und  73  (ed.  0.  Stählin  1906, 
280  f). 

4)  Die  HS  Bb  fügt  in  Text  A  bei:  Xöy/jj  dvai^eO-sL,  ebenso  in  Text 
B  die  21  *,  welche  offenbar  auf  eine  spätere  Glosse  zurückgehen. 

5)  Acta  Thomae  c.  104  (Bonnet  II  2  p.  278,  Zeile  4.  13 ff  und  W. 
Wright,  Apocryphal  Acts  of  the  Apostles  Vol.  II  p.  295).  Ebenso  Niket. 
Dav.  Paphl.  or.  VII  (Migne  105,  144  A)  und  Menolog.  Basilii  imperat. 
(Migne  117,  93  A):  fxezä  töjv  Hovxagicjv  ^ch'jSarve^  anexienav;  Nik.  Call, 
h.  e.  11  40  (864  A). 

0)  Lipsius  I  274.  276. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  275 

worden  sei1,  was  Lipsius  auf  eine  mißverstandene  Stelle  der 
TtEQtoöoi  zurückführt. 

Der  Name  der  Stadt,  wo  Thomas  starb  oder  das  Martyrium 
erlitt,  wechselt  zwischen:  KaXakulv?]  (A),  Ka/.aiiiru  (E),  KaXainj 
ri\  Xtyontvy]  (B),  KcO.aidxi]  (G),  IlaXaurjuz  (D),  KaXafiijvrj  (C1), 
(  alaminica  Lb,  Calamia  Li,  Calamina  Sm,  Sd,  Se.  Thilo  glaubte, 
daß  darin  ein  griechisches  Wort  verborgen  sei  und  daß  der 
Name  den  Darstellungen  des  Thomas  mit  dem  y.aXa{uoq,  oder 
Meßstabe2  seine  Erfindung  verdanke.  A.  v.  Gutschmid:5  dagegen 
weist  nach,  daß  xa  KaXctfia  ein  Dorf  an  der  Küste  Gedrosiens 
war,  wie  noch  heute  der  dortige  Fluß  Kaiami  (oder  Kurmut) 
heiße.     Der  Name  dieses  Ortes  findet  sich'  nicht  in  den  Akten4. 

Die  Aufbewahrung  des  Leichnams  geschah  nach  A  Lb  und 
Li  ebenda  in  Calamina,  HG  dagegen  und  die  Syrer  Sm,  Sd  wissen 
von  einem  Transport  oder  einer  Überführung  nach  Edessa  der 
Osrhoene.  Sb  nennt  sogar  einen  gewissen  Haban5,  der  den 
Apostel  dorther  verbrachte,  und  berichtet  zugleich  von  einer  zweiten 
Tradition:  „iuxta  alios  in  Mahluph,  urbe  regionis  Indorum,  se- 
pultus  est". 

Die  syrische  Tradition  von  dem  Grabe  des  Apostels  in 
Edessa 6  findet  sich  zuerst  in  der  vita  Ephremi  und  dann  noch 
öfters,  Barhebräus  verlegt  die  Transferierung  des  Leichnams 
unter  Bischof  Eulogius  (3S7 — 396).  Die  angebliche  Stadt  Mah- 
luph in  Sb  ist  wohl  nach  der  Tradition  der  Thomaschristen  mit 
Mailapar  zu  identifizieren". 


1)  Cfr.  Acta  Thomae  c.  165  (ed.  Bonuet  II  2  p.  27S  Zeüe  21  und  279 
Zeile  19).    Lipsius  I  245. 

2)  Cfr.  Acta  Thomae  c.  13  (ed.  Bonnet  II  2,  127,  6)  6  nnöato?.og 
xäla.uov  Xaßibv  Sieydgaaaev  tiexoCov  zbv  xönov. 

3)  Rhein.  Museum  XIX.  Jahrg.  106.  168,  infolge  der  historischen  Züge 
spricht  Gutschmid  von  der  Entstehung  der  Thoniaslegende  in  Indien  im 
1.  oder  2.  Jahrh. 

i'agegen  -wiederum  bei  Niketas  Paphlago,  Symeon  Metaphrastes. 
Vgl.  Lipsius  I  245. 

5)  Der  Kaufmann  Habbän  spielt  in  dem  ersten  Akt  der  sj'rischen 
Thomasakten  die  Hauptrolle,  s.  W.  Wright,  ApocryphaJ  Acts  of  the 
Apostles,  Vol.  II  p.  146  ff,  der  bekehrt  wird  und  Thomas  zum  Eönig  Güd- 
aaphar  bringt  (Güdnpr  oder  Güdnfn. 

6)  Sieffert  in  HRE  XV*  569. 

7)  Lip  Bius  r  J:>  n.  284. 

L8 


276  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Unsere  Texte  A  und  B  scheinen  in  mancher  Beziehung  die 
ersten  Zeugen  einer  Tradition  zu  sein,  welche  sicher  datierbar 
erst  bei  Niketas  David  Paphlago  in  der  zweiten  Hälfte  des 
9.  Jahrh.  auftritt,  so  betreffs  der  Nachricht  von  der  Wirksamkeit 
des  Apostels  bei  den  verschiedenen  Völkerschaften  und  dessen 
Tod  in  Kalamina. 

§  71.    Matthäus. 
Den  Nachrichten  über  Matthäus  liegen  meist  Lokaltraditionen 
zugrunde. 

1.  Herkunft  des  Matthäus,  Verfasserschaft  des  Evangeliums. 
In  A  wird  als  Heimat  des  Apostels  Jerusalem  angegeben,  in 
den  syrischen  Texten  Sm,  Sd,  Sb  Nazareth  im  Stamme  Issachar. 
Die  Identifikation  mit  Levi  und  dem  Bruder  des  Jacobus  Alphäi 
(Mc.  2,  14),  welche  in  F,  Lb,  Li  erwähnt  werden,  beruht  auf  der 
Berufungsgeschichte  des  „Zöllners"1.  Die  Niederschrift  des 
Evangeliums  tßgcuöi  öiaZextcp  (ABCG)  scheint  auf  die  Mitteilung 
bei  Eusebius  h.  e.  III  39,  15 2  zurückzugehen.  Als  Übersetzer3 
des  hebräischen  Evangeliums  in  die  griechische  Sprache  werden 
Jacobus  der  Herrnbruder  (A)  und  Jacobus  Zebedäi  (G)  genannt. 
Es  fand  nach  B  in  Jerusalem  Verbreitung.  Matthäus  predigte 
in  Judäa  (Lb,  Li),  Palästina  (Sd,  Sb,  Sm)4,  in  Macedonien  (Lb. 
Li),  in  Tyrus  und  Sidon  (Sb). 

2.  Tod  und  Martyrium.  Wenn  ihn  auch  eine  Anzahl  von 
Texten  (ABE5,  Sd,  Sm,  Sb,  Se)  eines  natürlichen  Todes  sterben 
lassen,    so    sind    sie    ebenso    uneinig   in    der  Angabe    der  Stadt; 


1)  s.  Ad.  Jülicher,  HRE  XIP,  Leipzig  1903,  428  Zeüe  50  ff  und  oben 
unter  dem  Kapitel:  Die  Apostellisten.  Th.  Zahn,  Einleitung  in  das  N.  T. 
2.  Aufl.  IL  Bd.  S.  263  f. 

2)  Auf  Papias  c.  130  beruhend.  S.  hierüber  Jülicher  HRE  XII, 
S.  429,  Zeile  38  ff  und  die  dort  angegebene  weitere  Literatur. 

3)  Ebenda  bei  Papias:  i}Qf/.}']vevoe  d'  avia  a>g  i)v  Svvaxöq  sxaoto:. 
Vgl.  Jülicher  S.  431  Zeüe  10  f. 

4)  Nach  den  syrischen  Akten  predigte  Matthäus  im  Lande  der 
Menschenfresser  mit  Andreas,  s.  W.  "Wright,  Apocryphal  Acts  of  the 
Apostlea  Vol.  II  93,  wobei  noch  die  Verwechslung  TiQÜisiq  'Avögeov  xai 
Maz&slov  mit  Maz&aiov,  wie  in  einigen  griech.  HSS,  mitwirkte.  Ebenso 
bei  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  41  (Migne  145,  S65  B).  Auch  im  Menolog.  Basüii 
imper.  (Migne  Patr.  gr.  117,  164  C)  zum  16.  Novbr. 

5)  Ebenso  Menol.  Basüii  (164  C);  in  Hierapolis  in  Syrien. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  277 

A:  Hierapolis  in  Parthien,  B:  Hierapolis  in  Syrien  (HS  d1  in 
Edessa),  C:  Hiereus  in  Parthien,  D:  Ere  in  Parthien,  E:  Eirene 
in  Parthien,  F:  Hierapolis  in  Syrien;  ebenso  G;  Lb:  in  Persien, 
Sm  ebenso  Sd,  Se  in  Gabala,  Sb  in  Antiocbeia  in  Pisidien;  Sd 
berichtet  von  einer  zweiten  Tradition,  wonach  er  in  Thabira  in 
Parthien  getötet  worden  sei.  Kein  einziger  Text  spricht  von 
Myrne  (Smyrna?  oder  Myrrnene?),  wo  nach  dem  „Martyrium 
des  Apostels"  Matthäus  wirkte1. 

Ebenso  sind  die  Berichte  über  seine  Todesart2  weit  aus- 
einandergehend. Nach  ABESm,  Sd,  Sb,  Se  starb  er  eines  natür- 
lichen Todes3,  eine  HS  (D)  von  Text  A  dagegen,  ebenso  Text  D, 
E,  F  lassen  ihn  gesteinigt  werden,  während  er  nach  G  durch 
Verbrennung  gemartert  wurde.  Lb  spricht  allgemein  von  einer 
passio,  Sd  weiß  nach  einer  zweiten  Überlieferung  von  einer  Er- 
mordung zu  erzählen. 

Noch  mehr  divergieren  die  Texte  in  den  Nachrichten  über 
seine  Beisetzung.  Nach  A  liegt  er  in  Hierapolis  begraben,  nach 
HS  d1  von  Text  B  bei  den  Parthern,  nach  Lb,  Li  ebenfalls  in 
montibus  Parthorum,  nach  Sm,  Sd,  Sb,  Se  in  Antiocheia  (in  Pi- 
sidien Sb). 

Die  Legende  von  der  Wirksamkeit  unseres  Apostels  in  Persien 
oder  im  parthischen  Reiche  ist  zuerst  bei  den  Lateinern  des 
4.  Jahrh.  Ambrosius,  dann  Paulinus  von  Nola4  zu  finden ,  offen- 
bar weisen  unsere  Texte  auf  eine  Parallelüberlieferung  in  der 
griechischen  Kirche  hin.  Lipsius  erkennt  in  ihnen  fast  die  ein- 
zigen, jedenfalls  die  ersten  Zeugen.     Die  Todesstätte  wäre  dem- 


1)  ed.  M.  Bonnet,  Acta  apost.  apocr.  II  1,  Lipsiae  1S98,  p.  220,  6; 
227,  2;  262,  3.  Vgl.  A.  v.  Gutschmid  a.  a.  0.  S.  391  ff.  Dagegen  nennt 
Nikeph.  Call.  h.  e.  II  41  (Migne  145,  865  B)  die  Stadt  Mymiene.  Der  Meta- 
phrast  c.  5  und  6  (Migne  115,  820  E — B)  nennt  Hierapolis  in  Syrien. 

2)  Niketas  David  Paphl.  or.  XI  in  laud.  S.  Matthaei  spricht  nur  von 
einem  Martyrium  schlechthin  in  Hierapolis  (Migne  Patr.  gr.  105,  233  A — B). 

3)  Auch  Symeon  Metaphr.  c.  0  (Migne  P.  gr.  115,  820  B):  iv  eln^v^ 
TiQÖt;  xbv  rfjz  elg^VTjg  ära?.i6i  Btöv.  Die  Geschichte  des  Matthäus  stand 
in  der  alten  Metaphrastessammlung  am  16.  Nov.  s.  Alb.  Ehrhard,  Die 
Legendensammlung  des  Symeon  Metaphrastea  und  ihr  ursprüngl.  Bestand, 
in  Festschrift  zum  elfhundertjährigen  Jubiläum  des  Deutschen  Campo 
santo  in  Rom;  herausgeg.  von  St.  Ehses,  Freiburg  IS! '7,   17  II. 

4)  Zuerst  zusammengestellt  von  Tillemont,  Mem.  eccles.  I  386;  A. 
v.  Gutschmid  a.  a.  0.  S.  389;  Lipsius  II  2,  125 f. 


27 S  Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

gemäß  nach  Hierapolis  iu  Parthien,  oder,  wie  B  besser  sagt,  in 
Syrien  zu  verlegen,  d.  b.  nach  Mabng  am  Euphrat.  Ebenda 
scheint  auch  die  Legende  von  der  Steinigung  lokalisiert  zu  sein1. 
Der  Feuertod  beruht  auf  Entlehnung  aus  dem  katholischen 
..Martyrium1'2.  Die  äthiopische  Matthäuslegende  ist  unseren 
Texten  ganz  fremd,  trotzdem  sie  schon  bei  Rufin,  Sokratn.s 
auftritt3. 

§  72.   Jacobus  Alphäi. 

Wie  das  Martyrium  und  andere  xAngaben  unserer  Texte 
dartun,  wurde  Jacobus  Alphäi  mit  Jacobus  dem  Gerechten,  dem 
Bruder  des  Herrn,  als  eine  Person  angesehen.  Infolgedessen 
hatte  Text  B  (Ps.  Dorotheus)  ihn  überhaupt  nicht  unter  di« 
Zwölfe  aufgenommen,  trotzdem  er  mit  dem  vollen  Namen  Ja- 
cobus Alphäi  in  den  4  Apostelverzeichnissen  genannt  ist4,  son- 
dern als  ersten  der  70  auf  Grund  von  Euseb.  h.  e.  I  12.  45  auf- 
geführt. 

Als  eigene  Persönlichkeit  mit  eigenem  Martyrium  schildern 
ihn  D,  F  und  die  syrischen  Texte.  In  Text  F  dagegen  scheint 
man  eine  wenig  greifbare  vita  für  Jacobus  Alphäi  gemacht  zu 
haben,  da  daneben  Jacobus  der  Herrnbruder  als  14.  Apostel  die 
Überleitung  zum  Jüngerverzeichnis  bilden  mußte.  Demgemäß 
seien  zuerst  die  Nachrichten  über  Jacobus  Alphäi  zusammen- 
gestellt. 

D  erzählt,  daß  Jacobus  Alphäi  in  India  der  Marinarica  (die 
Schenkel  gebrochen  wurden)  gerädert  wurde;  E  dagegen,  daß  er 
in  dem  afrikanischen  Indien  gesteinigt  wurde'1;  F"  dagegen,  daß 


1)  Lipsius  II  2,  130  Anm.  1. 

2)  c.  19  ed.  Bonnet  Acta  apost.  apocr.  II  1,  S.  242,  11;  c.  22  (S.  248,  8). 

3)  Lipsius  II  2,  130.  A.  v.  Gutsehniid,  Rhein.  Mus.  XIX  389  sucht 
dein  Text  des  Abdias  VII.  Buch  über  die  Wirksamkeit  des  Matthäus  in 
Abessinien  und  Äthiopien  an  der  Hand  der  Namen  der  Könige  historische 
Glaubwürdigkeit  beizumessen. 

4)  Vgl.  Sieffert  in  HRE  VIH3,  Leipzig  1900,  573  Zeüe  42  f. 

5)  ed.  Schwartz  p.  82,  15  f. 

6)  Diese  Angabe  der  Todes  art  beruht  auf  Verwechslung  mit  Jacobus 
dem  Hermbruder. 

7)  Ähnlich  Menolog.  Basilii  imper.  (Migne  Patr.  gr.  117,  100  B— Q 
am  9.  Oktober.  Jacobus  Alphäi  predigte  Juden  und  Heiden.  Er  wurde 
grausam  gemartert,  ziüetzt  mit  Ruten  zu  Tode  gepeitscht. 


..  Die  Nachrichten  üher  die  12  Apostel.  279 

er  den  Heiden  predigte  und  gekreuzigt  wurde.  Sämtliche  Syrer 
haben  eine  eigene  gemeinsame  Tradition,  wonach  Jacobus  Alphäi 
aus  dem  Stamme  Manasse  war,  (in  Kaliinikien,  Circesium  und 
Thadmor  predigte  Sd,  Sb),  eiue  Kirche  in  Bathua-Sarug  erbaute, 
ebenda  starb  und  begraben  liegt. 

Die  syrischen  Zeugen  sind  als  Repräsentanten  einer  eigenen 
Tradition  zu  achten.  Von  den  angeführten  griechischen  ist  jeder 
nur  per  nefas  als  solcher  einer  griechischen  Überlieferung  zu 
betrachten,  da  alle  Angaben  meist  auf  Verwechslung  beruhen. 
Die  Predigt  in  der  Marmarica  und  Afrika  ist  wohl  von  dem 
Martyrium  des  mit  Thaddäus  und  Simon  Cleopha  identifizierten 
Apostel  Judas  übertragen1.  Diese  Verwechslung  findet  sich  denn 
auch  bei  Xiketas  David  Paphlago"2  und  (Jsikephorus  h.  e.  II  40 3), 
also  in  der  2.  Hälfte  des  9.  Jahrhunderts.  Ganz  und  gar  hat  H 
seine  Notizen  aus  der  vita  des  Jacobus  des  Gerechten  genommen 
und  nur  unter  dem  Titel  Jacobus  Alphäi  ausgegeben,  wenn  er 
ihn  den  zwölf  Stämmen  in  der  Zerstreuung  predigen  und  dann 
in  Judäa  begraben  sein  läßt. 

Syrien4  scheint  es  sich  demnach  als  Verdienst  anrechnen 
zu  dürfen,  den  Alphaiden  von  dem  Herrnbruder  unterschieden 
zu  haben.  Denn  schon  im  2.  Jahrh.  war  man  darüber  strittig5. 
Und  in  der  Folgezeit  werden  meist  nur  zwei  Jacobi  unterschie- 
den, der  Zebedaide,  welcher  von  Herodes  enthauptet  wurde,  und 
der  Gerechte. 

Wir  haben  es  in  der  griechischen  Tradition  nur  mit  Jacobus 
minor,  dem  „Herrnbruder"  (Marc.  6,  3;  Mt.  13, 55;  Galat.  1, 19  usw.), 
dem  Haupte  der  hierosolymitanischen  Gemeinde  (Apg.  12,  17; 
15,  13:  21,  15)  zu  tun.  Unsere  Texte  A  und  B  scheiden  zwar 
die  Personen,  so   daß  der  Herrnbruder  unter  die  70  fällt,  über- 


1)  Ebenso  der  Kreuzestod  in  F. 

2)  or.  VIII  in  laud.  S.  Jacobi  Alphaei  (Migne  Patr.  gr.  in.".,  157  C): 
Eleutheropolis,  Gaza,  Tyrus;  (160 A—B):  Ägypten,  Ostraldne. 

3)  -Migne  Patr.  gr.  145,  S'it  B.  Alfl  .Missionsstationen  sind  angegrt'cn: 
Gaza,  Eleutheropolis  und  Umgebung,  Ägypten  und  die  Stadt  Ostrakine, 
wo  er  gekreuzigt  wird. 

4)  Wie  dies  auch  in  den  ap.  Constit.  II  55,  VI  12,  13  und  sonst  in 
der  syr.  Literatur  der  Fall  ist,  Vgl.  Sieffert  HRE  VIIP,  514,  57  und 
Lipsius  II  2,  23a 

I  'lein.  Alex,  im  0.  Buch  der  Hypotyposen  bei  Euseb.  h.  e.  II  1.  5 
(ed.  Schwartz  p.  104,  11.  14)  und  Strom.  7,  93.  94.    Sieffert  574  Z.  51. 


2S0  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

tragen  aber  ganz  und  gar  die  vita  des  Jacobus  minor  auf  den 
Alphaiden.  Die  Berichte  unserer  Texte  beruhen  fast  wörtlich 
auf  der  Tradition,  welche  Hegesippus  im  5.  Buche  seiner  vjio- 
fWTjfiata1  erhielt,  und  teilweise  auf  jener,  deren  Favius  Josephus 
gedenkt  (antiqu.XX9, 1),  der  von  einer  Steinigung2berichtet.  Unsere 
Texte  übernahmen  die  Nachricht,  daß  Jacobus  vom  Tempeldache 
herabgestürzt  und  dann  von  einem  Walker  erschlagen  wurde, 
von  Hegesipp3  (FGLbSb),  die  Steinigung  dagegen  von  dem  jü- 
dischen Geschichtsschreiber  (ACHLb).  Manche  Lb  und  Sb  ver- 
mischen beide  Berichte  und  lassen  ihn  zuerst  vom  Tempeldach 
gestürzt,  dann  gesteinigt  und  endlich  erschlagen  werden.  Sein 
Grab  beim  Tempel  (ACLb)  erwähnt  ebenfalls  Hegesipp. 

Historische  Anhaltspunkte  zur  Datierung  einiger  Texte,  wie 
D  und  E,  sind  in  der  Übertragung  des  Missionslandes  des  Simon 
Cleophae  auf  Jacobus  Alphäi  zu  erkennen,  wozu  Parallelen  erst 
aus  dem  9.  Jahrh.  bekannt  sind. 

§  73.   Simon  Zelotes  (Cananäus)  und  Simon  Judas. 

Welch  große  Verschiedenheit  in  der  Identifikation  so  mancher 
Apostel  herrschen  kann,  zeigt  Text  A,  in  dem  sich  betreffs  des 
Simon  Zelotes  drei  Handschriftengruppen  unterscheiden  lassen. 
HS  A  kennt  überhaupt  nicht  den  Simon  Zelotes,  HS  B  (b)  hatte 
infolgedessen  die  vita  des  Simon  Zelotes  einfachhin  wörtlich  aus 
Text  B  (Ps.  Dorotheus)  übernommen,  die  jüngere  HS  hatte  Simon 
Cleophae  (=  Ps.  Hippolyt,  Text  C)  eingeschaltet.  In  den  übrigen 
Texten  ist  eine  Verwechslung  zwischen  Simon  Zelotes  und  Simon 
Cleophae,  auch  Judas  Thaddäus4  festzustellen.  Da  wir  für  die 
vita  des  Simon  Judas5  sichere  geschichtliche  Anhaltspunkte  haben, 


1)  Euseb.  h.  e.  II  23,  4—6  (ed.  Schwartz  p.  166,  Off). 

2)  Der  Metaphrast  zum  23.  Okt.  (Migne  115,  200)  folgt  in  der  vita 
dem  Hegesippus  und  Clemens. 

3)  Auch,  bei  Clem.  Alesandr.  im  6.  Buch  der  Hypotyposen  bei  Euseb. 
h.  e.  II  1,  5. 

4)  Das  Menologium  Basilii  imperat.  am  29.  April  (Migne  117.  4*2'.» Bi 
identifiziert  Simon  Judas  offenbar  mit  Thaddäus,  indem  ersterer  in  Edessa 
und  Mesopotamien  gepredigt  haben  soll. 

5)  Das  kopt.,  arab.  u.  äthiop.  Martyrium  identifiziert  Simon  Cleophä 
mit  Nathanael.  s.  J.  Guidi  in  Giornale  della  societa  asiatiea  ital.  Vol.  II 
1888  p.  20. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  281 

so  sei  seine  vita,  trotzdem  sie  nicht  hierher  gehören  würde,  voran- 
gestellt. 

1.  Simon  qui  et  Judas  (HSS  BDFF1  von  Text  A,  Text  B 
und  C),  Bruder  des  Jacobus  und  daher  Sohn  des  Joseph  ge- 
nannt (F),  qui  et  Cleophae  (HSS  DEFF1  von  Text  A,  Text  C,  F) 
(o  xcu  Klswjtaq).  Er  war  nach  dem  Tode  des  Jacobus  zweiter 
Bischof  von  Jerusalem  (HSS  BDEFF1  von  Text  A,  Text  C,  F), 
wie  dies  auch  Eusebius  h.  e.  III  32,  l1  berichtet.  Er  lebte  12« ) 
(nach  den  soeben  genannten  HSS  und  Texten)  Jahre,  entschlief 
und  wurde  dort  begraben  (C).  Nach  andern  Nachrichten2  (HSS 
DEFF1  von  Text  A,  HS  D  von  Text  C,  Text  F)  wurde  er  unter 
Trajan  gekreuzigt,  (nachdem  er  unter  Domitian  vergiftet  werden 
sollte  F)3. 

2.  Simon  Zelotes,  qui  et  Cananaeus  (o  ajtb  Kavä  rrjg  raXi- 
Xaiag  E,  F)4,  qui  et  Nathanael  (F  cfr.  Joa.  21,  2:  Nathanael  von 
Kana  in  Galiläa)  predigte  nach  der  einen  Tradition  in  Maure- 
tanien und  Afrika  (HS  B  von  Text  A,  Text  B,  G,  F)  und  wird 
in  Britannien  gekreuzigt. 

Eine  zweite  Tradition  liegt  in  D,  E  vor,  wonach  er  am 
Bosporus  und  in  Iberien  gewirkt  haben  soll  und  dann  durchs 
Schwert  enthauptet  wurde.  Die  Tradition  findet  sich  auch  bei 
dem  Mönche  Epiphanius5.  Sie  beruht  auf  armenischer  Lokalsage 
(Moses  von  Khorene)*'. 

Eine  dritte  Tradition  bieten  die  Syrer:  Er  predigte  in  Syrien, 
in  Aleppo,  Mabboug  bis  Claudia  (Sd),  in  Samosata  und  andern 
Orten  Syriens  (Sb).  In  der  Stadt  Cyrus  soll  er  eine  Kirche  er- 
baut haben,  wo  er  begraben  liegt  (Sd,  Sb,  cfr.  Sm).  Sm  und  Se 
nennen  seinen  Sterbeort  Hemath. 

Besondere  Aufmerksamkeit  verdient  noch  die  Nachricht 
des   Dorotheustextes,    daß    Simon   Judas   in  Eleutheropolis   und 


1)  ed.  Schwartz  p.  266,  19 f. 

2)  Nach  Hegesipp  hei  Eusebius  h.  e.  III  32,  3  (ed.  Schwartz  p.  268,  711'). 

3)  Nikephorus  Callisti  h.  e.  II  40  berichtet  dies  von  Jacobus  Alplüii. 

4)  Über  diese  Erklärung  des  „Cananäus"  s.  Sieffert  in  HRE  XVIIP 
Leipzig  1906,  367  Zeile  5  f.  Wie  B,  CI,  F  auch  das  Menolog.  Basilii  imper. 
nm  10.  Mai  (Migne  117,  448  C). 

5)  ed.  Dressel  p.  67  f.     Lipsius  II  2.  143. 

6)  Lipsius  II  2,  143. 


282  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Gaza  predigte  und  dann  in  Ostrakine1  starb.  Diesen  Bericht 
übernahm  die  HS  Bb  des  Textes  A  und  verschmolzen  ihn  mit 
der  Wirksamkeit  des  2.  Bischofs  von  Jerusalem. 

Auch  hier  ist  wiederum  für  die  Sage  einer  Predigt  in  Maure- 
tanien Niketas  David  Paphlago  der  erste  datierbare  Zeuge2, 
welcher  auf  das  Alter  von  Text  B3  und  den  übrigen  Zeugen 
kein  gutes  Licht  wirft. 

§  74.  Thaddäus  Lebbäus  und  Judas  Jacobi. 

Die  beiden  Namen  Thaddäus  und  Judas  Jacobi  wurden 
bald  identifiziert,  wie  schon  von  Origenes,  bald  als  zwei  ver- 
schiedene Personen  betrachtet.  Auch  Simon  Judas  wurde  dann 
weiterhin  unterschieden,  wie  dies  im  Chronicon  paschale  der 
Fall  ist.  Unser  Text  A  hatte  Judas  den  Herrnbruder  und  Simon 
Judas  als  getrennte  Personen  behandelt,  dagegen  Judas  Jacobi 
mit  Thaddäus  Lebbäus  identifiziert. 

Nach  den  acta  Thaddaei4  wirkte  Lebbaeus  qui  et  Thaddaeus, 
der  von  Edessa  der  Osrhoene  stammte5,  daselbst  zur  Zeit  des 
Toparchen  Abgar,  dann  in  Mesopotamien6  und  liegt  in  Berytus" 
begraben.  Das  ist  die  griechische  Bearbeitung  der  edessenischen 
Abgarsage8,  welche  in  diesen  kurzen  Angaben  in  A,  C,  H  vorliegt. 


1)  Judas  Thaddäus,  wie  Jacobus  Alphäi  wurden  nach  unsem  Texten 
auch  in  Ostrakine  gemartert.     Lipsius  II  2,  150f. 

2)  or.  XII  in  laudem  S.  Simonis  (Migne  105,  244  D);  Nikeph.  Call, 
h.  e.  II  40  (Migne  145,  S64  D):  Ägypten,  Cyrene,  Afrika,  Mauretanien, 
Libyen,  bis  Britannien,  wo  er  gekreuzigt  wurde. 

3)  Text  A  (in  den  unbeeinflußten  HSS)  bietet  nicht  Simon  Zelotes. 

4)  ed.  R.  A.  Lipsius,  Acta  apostol.  apocrypha  I,  Lipsiae  1891,  273. 

5)  c.  1  (p.  273,  3j.  Die  koptischen  Akten  des  Judas  Thaddäus  sind 
wohl  auf  den  acta  Thaddaei  aufgebaut  und  lassen  ihn  in  Syrien  und 
Mesopotamien  predigen;  s.  J.  Guidi  in  Giornale  della  societä  asiatica 
italiana  Vol.  II  18SS,  21. 

6)  Acta  Thaddaei  c.  5  (ed.  Lipsius  I  276,  2). 

7)  Ebenda  c.  8  (Lipsius  p.  278,  10). 

8)  Vgl.  Lipsius,  Die  apocr.  Apostelgesch.  II  2,  178  ff;  dort  weitere 
Literatur.  Niketas  David  Paphl.  or.  XIII  in  laud.  s.  Judae  (Migne  Patr. 
gr.  105,  264  C,  268  A)  und  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  40  (Migne  145,  864  D 
zählten  als  Missionsländer  auf:  (Judäa.  Galiläa,  Samaria,  Idumäa,  Arabien  i. 
Syrien  und  Mesopotamien,  dann  Edessa,  wo  zuvor  ein  anderer  Thaddäus. 
einer  der  70,  gepredigt  haben  soll. 


(.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  2S3 

Eine  spätere  syrische  Tradition,  vertreten  durch  die  Schrift- 
steller Amrus  und  Barhebräus1,  und  durch  unsere  Texte  Sin,  Sb, 
Sd,  Se  unterscheiden  den  Apostel  Judas  Thaddäus  von  jenem  in 
der  Abgarsage  die  Hauptrolle  spielenden  Addai  oder  Thaddäus, 
der  einer  der  70  Jünger  gewesen  sein  soll.  Im  Unterschied  von 
diesem  letzteren  soll  der  Apostel  Märtyrer  geworden  und  nach 
den  einen  Nachrichten  in  Berytus,  nach  den  andern  in  Arados 
gesteinigt  worden  sein.  Es  liegt  hierin  wohl  nur  eine  Abzwei- 
gung der  Abgarlegende  vor,  wie  auch  in  der  armenischen  Tradi- 
tion, wonach  Thaddäus  in  Ararat  in  Armenien  von  den  Un- 
gläubigen mit  Pfeilen  durchbohrt  wurde:  F.  Texte  D  und  E 
verlegen  dagegen  seinen  Tod  nach  Rebek,  wo  er  ebenfalls  von 
den  Blemmyern  mit  Pfeilen  erschossen  wird. 

Einzig  steht  eine  Nachricht  in  Gr  da,  welche  ihn  in  Edessa 
predigen  und  in  Ostrakene  Ägyptens  gekreuzigt  werden  läßt, 
was  wohl  auf  Verwechslung  beruht. 

Erwähnung  verdient  noch  Text  A,  welcher  Judas  den  Herrn- 
brnder  ausdrücklich  von  Thaddäus  unterscheidet,  den  Verfasser 
des  katholischen  Briefes,  der  in  Judäa  und  Samaria  predigte 
und  zwei  Söhne  hatte,  Jacob  und  Zoker.  Er  starb  in  Jerusalem. 
Die  beiden  Söhne  erwähnt  ebenfalls  Epiphanius  monachus  in 
der  vita  Maria2. 

Bei  den  übrigen  Texten  BDEF3,  welche  Judas  Jacobi  nennen 
und  ihm  eine  Legende  zuschreiben,  ist  letztere  ganz  auf  die 
edessenische  Abgarsage  zurückzuführen. 

§  75.    Matthias. 
Die    Meinung,    welche  Lipsius4    über  Matthias   noch    hatte, 
daß    über    ihn    keine    selbständige    Tradition    herrschte,    sondern 
daß    er   nur    durch  Entlehnung    oder  Verwechslung    mit   andern 


1)  Lipsius  II  2,  155. 

2)  ed.  Dressel  a.  a.  0.  p.  28.     Vgl.  Lipsius  II  2,  159  Aimi.  1. 

3)  Das  Menologium  Basilü  am  19.  Juni  (Migne  117,  504  C)  spricht 
dem  Judas  Jacobi  Thaddäus  die  Abfassung  des  kathol.  Briefes  und  die 
Predigt  in  Mesopotamien,  die  Heilung  des  Abgar  in  Edessa  zu.  In  Amt 
wurde  er  gekreuzigt  und  mit  Pfeilen  erschossen. 

4)  Lipsius,  Die  apocr.  Apostelgesch.  II  2,  130  und  259.  Couard, 
Altchristi.  Sagen  usw.  in  Neue  kircbl.  Zeitschrift  XV,  Erlangen  L904,  573  0 '; 
ebenso  Hauck,  Art.  Matthias  Lrj  IIKK  XII:;,  Leipzig  1903,  441  Zeile  41  f. 


284  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Aposteln,  besonders  mit  Matthäus  eine  eigene  vita  erhielt,  scheint 
durch  die  Ausgaben  der  Acta  Andreae  et  Matthiae  durch  C.  Thilo, 
Tischendorf  und  M.  Bonnet1  umgestoßen  zu  werden:  denn  die 
griechischen  HSS  der  jtQaseig  'AvÖQtov  ~/ai  Mar&üov  'lesen 
nicht  Mar&aiov,  sondern  Mar&slov. 

Nach  dem  Vorgange  bei  Eusebius  h.  e.  I  12,  32  wird  er  in 
unsern  Texten  bald  einer  der  70  Jünger  genannt,  bald  gemäß 
Act.  1,  23  einer  der  zwölf  Apostel. 

Auf  die  acta  Andreae  et  Matthiae  geht  die  Nachricht  von 
der  Missionstätigkeit  im  äußern  (oder  ersten)  Äthiopien  oder  im 
Lande  der  Menschenfresser  zurück3,  wo  der  Fluß  Phasis  und  die 
Festung  Hyssos  ist  (ABFE).  Daselbst  erlitt  er  auch  das  Mar- 
tyrium4 (A,  HS  B  von  A  in  Sebastopol). 

Eine  Verwechslung  dagegen  mit  Simon  Zelotes  scheint  in  B 
vorzuliegen,  wonach  Matthias  nach  Britannien  ging  und  dort 
gekreuzigt  wird.  Eine  HS  desselben  Textes  B  dagegen  nahm 
aus  dem  Martyrium  Matthäi  die  Nachricht,  daß  Matthias  von 
dem  König  der  Athiopen  Buphnamos5  gemartert  und  von  dem 
Bischof  PlatoG  begraben  wurde. 

Die  übrigen  griechischen  und  lateinischen  Texte  lassen  ihn 
in  Jerusalem  oder  in  Judäa  wirken  (C,  H,  Li,  Lb).  Unbekannt 
ist  sonst  die  syrische  Überlieferung,  wonach  Matthias  in  Griechen- 
land und  Sizilien  gewirkt  habe,  dort  gestorben  und  begraben  sei 
(Sb),  oder  daß  er  in  Seleucia  eine  Kirche  erbaut  habe,  worin  er 
seine  Ruhestätte  fand  (Sd).  Letztere  Angabe  von  einer  Mission 
in  Persien  ist  auch  dem  äthiopischen  certamen  apostolorum 
eigen". 


1)  Acta  Apostol.  apocr.  II  1,  Lipsiae  1898,  65;  vgl.  C.  Thilo,  Acta 
SS.  Apostolor.  Andr.  et  Matthiae,  Halis  1846  p.  1  liest  Mcczd-lov;  ebenso 
C.  Tischendorf,  Acta  apost.  apocr.,  Lipsiae  1851,  p.  132 — 166. 

2)  ed.  Schwartz  p.  82,  5. 

3)  c.  1  ed.  Bonnet  III,  65,  7  f. 

4)  Niketas  David  Paphl.  or.  XIV  in  laud.  S.  Matthiae  (Migne  Patr. 
gr.  105,  280  C,  281  D)  und  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  40  (Migne  145,  865  Ai  (=  A). 
Nach  dem  Menolog.  Basilii  imperat.  am  9.  August  (Migne  117,  5S0A) 
wurde  er  iv  zy  e|to  Al&ionicc  mit  Qualen  überhäuft,  so  daß  er  starb. 

5)  Martyr.  Matthaei  c.  5  (ed.  Bonnet  DI  p.  221  Zeile  16:  <PovXßav6$ 
oder  Bov).(fafxvoq,  BovXyavSQOZ  p.  258,  5.  7). 

6)  Cfr.  c.  30  (Bonnet  n  1,  260  Zeüe  6  u.  öfters). 

7)  Lipsius,  Die  apocr.  Apostelgesch.  I  274. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  2S5 

Demnach  würde  Text  A  die  ursprünglichste  Tradition,  welche 
auf  den  Acta  Andreae  et  Matthiae  beruht,  wiedergeben. 

§  76.  Judas  Iscarioth. 

Die  syrischen  Texte  Sm,  Sd,  Sb,  Se,  Ss  verbinden  stets  die 
Nachricht  über  Matthias  mit  jenen  über  Judas  den  Verräter, 
der  aus  dem  Stamme  Dan  (Sm,  Sb,  Ss)  oder  Gad  (Sd)  war,  von 
der  Stadt  Saquara  (Sm)  oder  von  dem  Dorfe  Scariot  (Sd,  Sb,  Ss). 
Nur  Se  berichtet  weiter,  daß  er  sich  selbst  erhängt  habe. 

Unser  Dorotheustext  hat  im  Anhang  eine  Erzählung  aus 
einem  Fragment  des  Papias.  welches  auch  Theophylakt  benützte1. 
Nach  Zahns  Untersuchung  soll  dasselbe  zu  dem  Zwecke  ent- 
standen sein,  die  Berichte  des  Mi  (27,  3 — 10)  und  des  Lucas 
(Apg.  1,  16 — 26)  über  das  Ende  des  Verräters  auszugleichen2. 
In  der  Apg.  wird  in  der  Rede  des  Petrus  die  Erzählung  über 
das  Ende  des  Verräters  gegeben,  wonach  „Judas  sich  für  den 
Verräterlohn  ein  Grundstück  kaufte.  Dem  Verräter  platzte  bei 
einem  Fall  der  Bauch,  so  daß  seine  Eingeweide  verschüttet 
wurden,  und  daß  um  deswillen  jenes  Grundstück  bei  der  jerusa- 
lemischen Bevölkerung  den  Namen  ,Blutacker'  führte1'.  Die 
Darstellung  des  Mt.,  wonach  der  Verräter  mit  einem  Strick  sich 
selbst  entleibte,  hat  ihren  Typus  in  der  alttest.  Erzählung  von 
Achitophel,  dem  Verräter  Davids:  2  Sam.  17,  23. 

§  77.   Marcus  der  Evangelist*. 

Die  Abstammung  des  Marcus  wird  in  verschiedenen  Texten 
sehr  spezialisiert  angegeben.     In  F    wird   er  o  XQ>]luaT^oa?  v^ 


1)  Gedruckt  in  der  Catena  in  Acta  S.  Apostolorum  (ed.  Cr  am  er, 
Oxon.  1838  p.  12  f).  Aus  Theophylakt  zu  Act.  1,  IS  in  Patr.  apostolic. 
opera  rec.  v.  Gebhardt,  Harnack,  Zahn.  Fase.  I  part.  II  editio  altera 
appendix:  Papiae  fragnienta  III,  Lipsiae  1878  p.  93.  F.X.Funk,  Patres 
apostolici  Vol.  I  editio  IL  Tubingae  1901,  p.  361  fragm.  III.  Beide  Ab- 
gaben nach  der  Textkonstruktion  von  Hi Igen  fei d  in  Zeitschr.  f,  wiss. 
Theologie  1875  p.  202 — 2t',r,. 

2)  Vgl.  C.  Schmidt,  Art.  Judas  Iscarioth  in  HRE  IX,  Leipzig  L901, 
588,  Zeile  56  f. 

■  )  Als  weitere  Zeugen  treten  noch  Ta  =  Abül-Barakäts  oichtgriech. 
Verzeichnis  (Baumstark,  Oriens  christ.  I)  und  Tb  =  Abül-Barakats  kriech. 
Verzeichnis  (Baumstark,  Oriens  ohrist.  II)  hinzu. 


2§ß  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

des  Petrus  genannt.  Sb  will  wissen,  daß  er  der  Sohn  der  Frau1 
des  Petrus  (offenbar  vor  der  Verheiratung)  gewesen  sei,  andere 
dagegen,  daß  er  der  Sohn  des  Simon  war,  während  seine  Schwester 
Rhoda  hieß.  Er  hieß  zuerst  Johannes  und  zum  Unterschied  von 
dem  Apostel  und  Evangelisten  sei  er  Marcus  genannt  worden. 
Auch  in  Se  wird  er  Petri  discipulus  et  filius  genannt.  Kur 
Text  A  weiß  von  seiner  Heimat  Kyrene  in  Libyen  zu  berichten. 

Diese  Nachrichten  gehen  teils  auf  Act.  12,  12,  25  usw. 
zurück,  wo  der  mit  Paulus  und  Barnabas  in  Jerusalem  und 
Salamis  wirkende  Johannes  stets  o  ejtixalovfiepoq  MaQXog  ge- 
nannt wird,  teils  auf  Act.  12,  12,  wo  die  Mutter  des  Johannes 
Marcus  Maria  heißt,  und  auf  1  Petr.  5,  13,  wo  Petrus  von  MaQXOq 
6  vlog  fiov  spricht2.  Aus  „Akten  des  Marcus"3  stammt  die 
Notiz  in  A,  daß  er  aus  Kyrene  stamme. 

2.  Wirksamkeit  und  Abfassung  des  Evangeliums.  ADF4 
lassen  ihn  von  Alexandreia  bis  in  die  Pentapolis  wirken,  und  in 
ganz  Ägypten5,  wo  er  das  ihm  von  Petrus  überlieferte  Evangelium 
weitertradierte.  Nach  B,  C,  E,  Se  war  er  Bischof  von  Alexandreia 
(B,  E  von  Petrus  eingesetzt,  Se  12  Jahre  lang).  Nach  G  predigte 
er  den  12  Stämmen  in  der  Zerstreuung  in  Ägypten,  nach  Sd, 
Sb,  Tb  in  Rom;  nach  Ta  wirkte  er  zuerst  in  Barca,  dann 
Alexandreia,  Kairo  und  Umgebung  bis  nach  dem  äußern  Äthio- 
pien. Sb  dagegen  gibt  eine  vollständige  Chronologie.  Zuerst 
wirkte  er  mit  Petrus  in  Rom;  im  25.  Jahre  nach  Christi  Himmel- 
fahrt schickte  ihn  Petrus  nach  Alexandreia,  wo  er  dann  seine 
Mission  bis  Libyen  und  Tunis  von  Ägypten  ausdehnte;  dann  im 
9.  Jahre  des  Claudius  in  der  westlichen  Pentapolis  und  in  Barca, 


1)  In  Sb  soll  es  wahrscheinlich ,  wie  bei  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  43 
(Migne  145,  876  A)  heißen:  sororis  filius  (aöe?.(fiöoiq  fflf  IIlxQip). 

2)  Vgl.  Jülicher,  Artikel  Marcus,  in  HRE  XIP,  Leipzig  1903,  289 f. 

3)  Lipsius,  Die  apocr.  Apostelakten  II  2,  332  (Cod.  Vat.  SOG);  AA. 
SS.  April  tom.  III  p.  XL  VI. 

4)  Ebenso  Niketas  David  Paphl.  or.  XV  in  laud.  s.  Marci  (Migne 
Patr.  gr.  105,  292  D)  und  Nikeph.  Call.  h.  e.  U  43  (Migne  14:»,  S70  A-B). 
Das  Monolog.  Basilii  irnper.  am  25.  April  (Migne  117,  421  D)  nennt  Ägyten, 
Libyen,  Pentapolis. 

5)  Nach  der  syrischen  Doctrina  apostolorurn  (ed.  W.  Cure  ton.  An- 
cient  Syriac  documents,  London  1804,  p.  33)  wirkte  Marcus  in  Alexandreia, 
der  Thebais,  in  ganz  Innerägypten,  in  der  Gegend  von  Pelusium  bis  zu 
den  Grenzen  von  Indien. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  287 

worauf  er  nach  Alexandreia  zurückkehrte,  dort  in  Ägypten  Kopten, 
Nubier  und  Äthiopier  taufte. 

Allgemein  wird  die  Abfassung  des  Evangeliums  auf  die 
Mitteilung  des  Petrus  zurückgeführt,  A,  F,  G,  Ta,  und  zwar  nach 
letzterem  Text  in  Rom  in  lateinischer  Sprache  im  12.  Jahre  nach 
Christi  Himmelfahrt. 

All  diese  Nachrichten  haben  eine  Überlieferung  für  sich. 
Die  alexandrinische  Marcussage  reicht  bis  an  das  Ende  des 
2.  Jahrhunderts1  zurück,  und  reicht  durch  die  Hand  des  Eusebius 
(h.  e.  IV  15)  in  vielerlei  Texte  über;  ebenso  hat  die  Abfassung 
des  Evangeliums  nach  den  Lehrvorträgen  Petri  ihren  ersten 
Zeugen  in  Papias  von  Hierapolis  bei  Euseb.  h.  e.  III  39,  152. 
Gleich  Tb  berichtet  auch  Epiphanius  haer.  51,  6,  daß  Petrus  selbst 
den  Marcus  nach  Abfassung  des  Evangeliums  nach  Rom  geschickt 
habe3. 

3.  Martyrium.  Nach  A,  F  war  er  mit  Seilen  geschleift4 
und  von  den  götzendienerischen  Heiden  in  der  Gegend  von 
Bukolon  (Rinderstall)  verbrannt,  wo  seine  Asche  begraben  liegt. 
Seine  xoifUjöig  wird  am  30.  April  angesetzt.  Nach  D  wohnte 
und  starb  er  in  den  Capitana,  offenbar  einem  Vorort  Alexandreias, 
und  wurde  begraben  in  den  Bukola,  mit  Iuktor,  wo  alle  Bischöfe 
vor  Theonas  liegen.  Daneben  gibt  D  eine  zweite  Tradition,  wo- 
nach er  von  den  Kalodiern  erhängt,  sein  Leichnam  aber  nach 
dem  Tode  dem  Feuer  übergeben  wurde.  Sd  läßt  ihn  in  Panös5 
gemartert  sein,  Sb  in  Rom  gestorben  und  begraben.    Die  andern 


1)  Schon  die  monarchian.  Prologe  zu  Marc.  s.  Jülicher  S.  290, 
Zeile  17,  vgl.  Lipsius  II  2,  323.  In  den  Subscriptionen  einiger  koptischer 
HSS  ist  als  Missionsgebiet  des  Marcus  angegeben:  Alexandreia  und  das 
weitere  Ägypten,  Pentapolis,  Afrika,  Äthiopien,  Libyen  s.  Ad.  Jacoby, 
Studien  zur  kopt.  Literatur  in  Recueil  des  travaux  relatifs  a  la  philologie 
et  ä  l'archeologie  egyptiennes  et  assyriennes  vol.  XXV,   Paris  1903,  40ff. 

2)  ed.  Schwartz  p.  29o,  Zeile  21. 

3)  Ebenso  das  vnöfxvrj^a  des  Ps.  Sophronius  in  AA.  SS.  Junii  toin  V. 

p.  im. 

4)  Ähnlich  bei  Niketas  David  Paphl.  or.  XVI  in  laud.  S.  Marci 
i  Mi-ne  105,  3oii  Aj  und  Nikeph.  Callisti  h.  e.  II  L3  (Migne  145,  876  B), 
wonach  er  zum  zweitenmal  zu  Tode  geschleift  wird,  wie  auch  nach  dem 
Menol.  Basilii  (Migne  117,    1  _*  l   \). 

5)  Pharos  bei  Alexandreia  in  den  Akten,  im  iithiop.  certamen  apo- 
stolorum  (ed.  Mal  an  p.  18]  —  L87)  and  im  arab.  Synaxarium. 


288  Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Texte  berichten  nichts  von  seinem  Tode;  dagegen  der  späte 
Araber  Tb  ausführlich:  Die  Ungläubigen  schleppten  ihn  am 
2.  Paschatage1  mit  dem  Antlitz  zu  Boden  gekehrt  durch  Alexan- 
dreia,  bis  er  am  30.  Barmüdah,  d.  i.  am  29.  Nisän  unter  Tiberius 
starb.  Nach  andern  dagegen  sei  sein  Leichnam  verbrannt  wor- 
den; nach  weitern  Nachrichten  sei  er  in  der  östlichen  Kirche 
am  Gestade  begraben  gewesen,  bis  Venetianer  den  Leichnam 
gestohlen  hätten.  Nur  sein  Haupt  sei  noch  in  einem  Kloster 
in  Alexandreia  verwahrt  worden.  Zu  erwähnen  ist  noch  die 
HS  f1  des  Hippolyttextes  C,  welche  ihn  mit  Lucas  zuerst  ab- 
fallen und  dann  durch  Petrus  bekehrt  werden  läßt. 

Auf  die  Akten  gehen  alle  jene  Texte  zurück,  welche  Marcus 
eines  gewaltsamen  Todes  durch  Schleppen  mit  Stricken  und 
nachfolgendes  Verbrennen  sterben  lassen-.  Die  Abfassungszeit 
der  Akten  setzt  Lipsius3  in  das  5. — 6.  Jahrb.  Die  Venetianer- 
legende4,  nur  in  Tb,  ist  eine  jüngere  Schwester  der  von  Aqui- 
leja,  und  mag  in  der  ersten  Hälfte  des  9.  Jahrh.  entstanden  sein. 

§  78.   Lucas  der  Evangelist. 

1.  Persönlichkeit  und  Mission.  Gemäß  Coloss.  4,  14  nennen 
unsere  Texte  ihn  meistens  iarQoq.  Hieronymus  berichtet  (de 
vir.  inl.  c.  7)  nach  dem  Vorgange  bei  Origenes5,  daß  der  2  Cor. 
8,  18  erwähnte  Bruder,  welchen  Paulus  mit  Titus  nach  Korinth 
entsandte,  Lucas  sei,  wovon  Text  G  ebenfalls  Kunde  verrät.  In 
TextD  wird  er  'Avrioxtvg^,  ebenso  in  Ta  genannt.  Nach  Sb  soll  er 
zuerst  von  Lazarus  belehrt,  dann  von  Philippus  in  Beröa  getauft 
worden  sein.  F  nennt  ihn  dann  noch  einen  Maler,  wofür  als 
erster  Zeuge  Theodorus  Anagnostes"  betrachtet  wird8. 


1)  Nach  den  Akten  am  Ostersonntag,  am  24.  April  (20.  Phannouthi). 

2)  Lipsius,  Die  apocr.  Apostelgesch.  II  2,  336—338. 

3)  Ebenda  II  2,  345. 

4)  Ebenda  p.  351  f. 

5)  P.  Ewald,  Artikel  Lucas  in  HRE  XI3.  Leipzig  1902,  091  Zeüe  6  f. 

6)  Cfr.  Euseb.  h.  e.  III  4,  6  (ed.  Schwartz  p.  102  Zeile  20). 

7)  In  der  ersten  Hälfte  des  0.  Jahrh.,  ferner  im  Menolog.  Basilii 
(Migne  117,  113  C),  bei  Nikephorus  Call.  h.  e.  I  1.  Lipsius  11  2,  361. 
Th.  Zahn,  Einl.  ins  N.  T.  1000,  p.  334 ff. 

8)  Daß  Lucas  der  bei  Lc.  1,  2  unbenannte  Emmausjünger  war,  er- 
zählen Tb,  die  späteren  Menologien,  Theophylakt.   Simeon  Metapbr  d 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  2S9 

Seine  Mission  wird  nach  Rom,  Italien  und  Griechenland 
(A,  G,  Ta)  verlegt,  oder  xaza  ütäöav  tijv  y^v  (B,  E);  ferner 
nach  Alexandreia,  wo  er  in  griechischer  Sprache1  (Sd,  Sb,  Tb) 
predigte,  nach  Rom,  Afrika,  nach  dem  Westen,  am  großen  Meere, 
bei  den  fernen  Barbaren,  und  nach  Macedonien.  Als  Bischof  soll 
er  in  Theben  in  Böotien  gewirkt  haben  (AG);  in  Antiocheia  (E). 

Diese  Angaben  beruhen  auf  Traditionen2  des  4.  und  5.  Jahrh.: 
Epiph.  haer.  51,  11  weiß  von  Dalmatien,  Gallien,  Italien  und 
Macedonien;  die  Ap.  Konstitutionen  VII  46  berichten  von  Alexan- 
dreia; von  Griechenland  erzählt  seine  Predigt  Gregor  von  Nazianz 
(Achaia)  und  Hieronyrnus  (Achaiae  Boeotiaecpie  partibus)3.  Die 
Nachricht,  daß  er  in  Italien  wirkte,  ist  offenbar  eine  Erweiterung 
seines  Romaufenthaltes  zu  Zeiten  der  beiden  Gefangenschaften 
Pauli. 

2.  Tod  des  Apostels.  Er  starb  eines  natürlichen  Todes  (A) 
in  Theben  (HS  A  von  Text  A);  in  Ephesus  (HS  B  von  Text  A), 
in  Theben  in  Böotien4  80  Jahre  alt  (F,  Ta  unter  Trajan). 

Sd  dagegen  berichtet  von  einem  gewaltsamen  Tod  in  Theben, 
Sb  von  einem  Tod  durch  das  Schwert  in  Alexandreia  unter  Horus, 
dem  Richter  des  Tiberius,  Tb5  von  einem  Martyrium  unter  Nero 
in  Rom  mit  169  Glaubensgenossen.  Die  HS  fl  des  Hippolyt- 
textes  C  überträgt  auf  ihn  das  Martyrium  des  Andreas  und  läßt 
ihn  an  einem  Ölbaume  gekreuzigt6  sein. 

Die  Überführung  nach  CPel  im  Jahre  357  unter  Konstantius 
mit  Andreas  hat  HS  B  von  Text  A7  erwähnt. 


zum  18.  Okt.  (Migne  115,  1129);  vgl.  Lipsius  II  2,  358;  dagegen  Ewald 
a.  a.  0.  S.  091  Zeile  45. 

1)  Vgl.  Lipsius  n  2,  307. 

2)  Ebenda  II  2,  355. 

3)  Vgl.  die  syrische  doctrina  Apostolorum  (ed.  W.  Cureton,  An- 
cient  Syriac  documents  p.  34):  Byzantiuin,  Thrakien  und  Umgebung. 

4)  Die  gebräuchliche  Tradition  bei  Philostorgius;  in  den  acta  Lucae, 
in  den  Menaeen,  Menologium  Basilii  (Migne  117,  113  C)  und  bei  Nike- 
phorus  Call.  h.  e.  II  43  (Migne  145,  870  C).  Vgl.  H.  Kellner,  Theol. 
Quartalschr.  87,  1905,  598  f. 

5)  Tb  gibt  die  Legende  des  arab.  Synaxariums  zum  22.  Babeh  = 
aethiop.  certamen  apostolorum  wieder.    Lipsius  II  2,  308. 

6)  Im  Chronicon  des  Georg.  Monach.  Harnart.  (ed.  C.  de  Boor,  Vol.  I 
377,  15)  und  bei  Nikeph.  Call.  h.  e.  II  43  (Migne  145,  870  D). 

7)  Dasselbe  Chronicon  des  Georgios  Monach.  (ed.  de  Boor  I  377.  22  ; 
Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,8  1<j 


290  Schermann,  Propheten-  und  Äpostellegenden. 

§  79.  Paulus. 
Ein  Zeuge  des  Textes  A,  die  Recension,  welche  den  exege- 
tischen Werken  des  Oecumenius  vorausgeschickt  ist,  hat  eine 
ausführliche  vita  des  Paulus  beginnend  mit  ITavXoq  6  axooxoXoq 
riQ^axo  axo  Jafiaöxov  —  expl.  Pcofifl  SftaQTVQijöev,  welche  auch 
in  dem  Martyrium  aus  dem  Jahre  396  sich  befindet  und  in  ver- 
schiedenen HSS  separat  überliefert  wird. 

1.  Herkunft,  Bekehrung  und  Wirksamkeit.  D  berichtet, 
daß  Paulus  aus  Tarsus1  in  Cilicien  stamme,  Lb,  Sm:  aus  dem 
Stamme  Beniamin,  Sb:  aus  dem  Stamme  Ephraim.  Xach  der 
Himmelfahrt  des  Herrn  bekehrte  er  sich  (AC  ein  Jahr  darnach), 
durch  die  Unterweisung  Gamaliels  in  Jerusalem  (D);  nach  Lb 
dagegen  erst  16  Jahre  nach  der  Auferstehung  des  Herrn.  Seine 
Wirksamkeit  erstreckte  sich  von  Jerusalem  ausgehend  bis  Illyri- 
cum2  (ACDFG)  [cfr.  Tit.  3,  12]  und  bis  Rom  und  Spanien  (ACG) 
[cfr.  Rom.  15,  34,  1  Clem.  c.  5  exl  xo  xtgfict  xi]q  övascog]. 

2.  Enthauptung,  Begräbnis  und  dies  anniversarius.  Xach 
35jähriger  Mission  (C  G  Sb  Sm  nach  27 jähriger)  soll  er  in 
Rom  (am  29.  Juni  A)3  unter  Nero,  dem  Sohne  des  Claudius 
(ACFG  und  Agrippa)  mit  Petrus  (Gr  Lb  Sb  Sd  Sm)  enthauptet 
worden  sein.  Begraben  lag  er  nahe  dem  hl.  Petrus  (A)  in  Rom 
(GLb),  in  domibus  illustribus  imperii  (Sb),  nachdem  die  Legende 
von  dem  Verlorengehen  des  Hauptes  und  dessen  Anfügung  an  den 
Körper  erzählt  ist.  In  der  Erzählung  von  der  Wiederauffindung 
des  Hauptes  hat  Sb  aus  dem  apokryphen  Brief  des  Areopagiten 
Dionysius  an  Timotheus  über  den  Tod  der  Apostel  Petrus  und 
Paulus  geschöpft4. 

Die  meisten  unserer  griechischen  Texte  scheinen  für  eine 
ursprüngliche  Unabhängigkeit5   der  beiden  Traditionen  über  die 


Nikeph.  Call.  (877  A)  und  Menol.  Basilii  (M  117,  113  D);    der  Metaphrasfc 
zum  18. Okt.  c.  10  (Migne  115, 1137B).  Kellner,  Theol.Quartalschr.190:..      ". 

1)  Apg.  22,  3. 

2)  Origenes  bei  Eusebius  h.  e.  111 1,  3  (ed.  Schwartz  p.  1SS,  Zeile  9) : 
HavXov  . .  änö  IsQovaa).>],u  (iexqi  tov  'IXXvqixov  nenXrj^mxözoq  ro  siayye- 
foov  rov  Xqiotov  xcä  cozeqov  st  t?]  Pwity  inl  Ni(HovoQ  (i£fxaQTVQTix6zoq. 

3)  Ebenso  die  syrische  Kirche,  Lipsius,  Ergänzungskeft  S.  61.  Vgl. 
Th.  Zahn,  Artikel  Paulus  in  HRE  XV^,  Leipzig  1004,  S.  8S  Zeile  2  f. 

4)  Lipsius  n  2,  227.  229. 

5)  Zahn  a.  a.  0.  S.  88  Zeile  8 ff,  Lipsius  II  1,  236. 


7.  Die  Nachrichten  über  die  12  Apostel.  291 

letzten  Schicksale  des  Petrus  und  Paulus  zu  sprechen,  da  nur 
G  neben  Lb  und  den  Syrern  auf  Petrus  Bezug  nehmen.  Für 
eine  Verwertung  der  ütga^iq  IltTQOv  xcd  IlavXov  c.  80,  welche 
beide  Apostel  an  demselben  Tag  gemartert  sein  lassen,  haben  sie 
keine  Anhaltspunkte. 

Wenn  wir  nun  eine  Einschätzung  mancher  Nachrichten  unserer 
Texte  Yornehmen  wollen,  so  stoßen  wir  nicht  selten  auf  die 
Encomien  des  Niketas  David  Paphlago,  auf  das  Menologium  des 
Basilius  Porphyrog.1  und  den  Metaphrasten  als  feste  Handhaben 
zur  Datierung.  Die  letzteren  beiden  Zeugen  dürfen  wir  dabei 
eliminieren,  da  der  Metaphrast  in  seinen  Angaben  sich  offenbar 
auf  das  Menologium  stützt,  dessen  Grundbestand  zugestandener- 
maßen ja  vor  die  Neuordnung  durch  den  Kaiser  Basilius  zurück- 
geht. Die  fast  völlige  Übereinstimmung  der  Angaben  des  Meno- 
logiums  und  des  Niketas  David  Paphlago  lassen  auf  eine  direkte 
Abhängigkeit  erkennen,  welch  letzterer  wiederum  wohl  unsere 
Texte  benutzte. 

Der  Metaphrast2  hatte  nur  Petrus  und  Paulus,  Andreas, 
Philippus,  Matthäus,  Thomas,  Jacobus  minor,  Lucas,  Timotheus 
von  den  Aposteln,  Evangelisten  und  Jüngern  mit  Encomien  be- 
dacht, während  das  Menologium  Basilii  biographische  Notizen 
von  allen  Aposteln  bietet.  Der  Mangel  bei  dem  Metaphrasten  hat 
aber  wohl  nicht  darin  seinen  Grund,  daß  er  auf  ein  altes  Kalendar 
zurückginge,  in  welchem  die  übrigen  Namen  fehlten,  sondern 
die  Ursache  wird  in  äußerlichen  Umständen  zu  suchen  sein. 
Tatsächlich  hatten  ja  vor  dem  7.  Jahrh.  in  der  griechischen 
Kirche  nicht  alle  Apostel  eine  eigene  Feier;  im  ältesten  Fest- 
kalender von  CPel3  fehlten  z.  B.  Bartholomäus,  Jacobus,  Thomas, 
Simon,  Thaddäus,  Matthäus,  Barnabas,  Titus,  Lucas,  Marcus. 

Fast  jede  vita  der  späteren  abgeleiteten  Texte,  so  schon  des 


1)  Über  die  Entwicklung  der  Menologien  bis  zum  Metaphrasten  vgl. 
H.  Liet/.ui  an  n  in  Thcol.  Studien  und  Kritiken  1907,  140  f. 

2)  Alb.  Ehrhard,  Die  Legendensammlung  des  Synieon  Metaphrastes 
und  ihr  ursprünglicher  Bestand  in  Festschrift  zum  elfhundertjährigen 
Jubiläum  des  Deutschen  Campo  santo  in  Rom,  herausgeg.  v.  St.  Ehses. 
Freib.  1897,  47  ff.  Vgl.  Hipp.  Delehaye,  Les  Menologes  Grecs  in  Ana- 
leeta  Bollandiana  XVI  1807,  311  f. 

3)  Steph.  Ant.  Morcelli,  MrjvoXöytOV  itbv  tiayyeliojv  hoQtüouxov 
sive  Kalendarium  Ecclesiae  CPolitanae  Vol.  II,  Romae  17ss,  pag.  131, 

19* 


292  Scherinann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Dorotheus,  mehr  noch  des  Hippolytus  und  des  Ps.  Symeon  Logo- 
theta,  zu  schweigen  von  den  Mischtexten,  hat  Angaben,  nament- 
lich über  die  Art  des  Martyriums,  welche  zum  Unterschied  von 
der  früheren  Tradition  zum  erstenmal  auftreten  und  mit  Niketas 
Dav.  Paphl.  harmonieren.  Davon  ist  der  Text  des  Ps.  Epiphanius 
fast  vollständig  frei;  er  bietet  meist  die  ältere  Tradition,  welche 
manche  der  Apostel,  denen  nachher  ein  Martyrium  zugedichtet 
wurde,  eines  natürlichen  Todes  sterben  läßt.  Nur  in  der  vita 
des  Thomas  nennt  er  Völkerschaften  als  Missionsbezirke,  welche 
eine  Fortbildung  bedeuten  und  mit  den  spätem  Texten,  auch 
Niketas  David  Paphlago  übereinstimmen.  Allein  dieser  Aus- 
nahmefall ist  für  eine  spätere  Datierung  des  Textes  A  nicht  von 
Belang,  wenn  wir  daneben  die  sonstigen  Unterschiede,  welche 
uns  auf  Schritt  und  Tritt  begegnen,  in  betracht  ziehen.  Wenn  wir 
nun  auch  auf  Grund  anderer  Kriterien  die  Gestalt  des  Dorotheus- 
textes  in  den  Beginn  des  9.  Jahrh.  (c.  800 — 815)  setzen,  so  dürfen 
wir  mit  dem  Ps.  Epiphanius  wohl  um  ein  halbes,  wenn  nicht 
ganzes  Jahrhundert  höher  hinaufrücken  (c.  700 — 750),  während  Ps. 
Hippolyt  durch  das  Zitat  bei  Georgius  Monach.  Hamartolus  auf 
die  Mitte  des  9.  Jahrh.  (c.  850)  festgelegt  ist.  Der  Text  des 
Pseudo-Logothet  entspricht  der  Datierung  der  Chronik  in  die 
Mitte  des  10.  Jahrh. 


8.  Kapitel.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger  in  griechischen, 
lateinischen  wie  oriental.  Verzeichnissen. 

Den  Ausgangspunkt,  70  Jüngerverzeichnisse  in  früherer  oder 
späterer  Zeit  auszugestalten,  bildete  zweifellos  Lc.  10,  1:  dar- 
nach aber  verordnete  der  Herr  noch  andere  72;  und  er  sandte  sie 
paarweise  vor  sich  her  in  alle  Städte,  wo  er  selbst  hinkommen 
wollte,  ava  ovo.  Die  textkritiche  Frage,  welche  sich  an  diesen 
Satz  anschließt,  dreht  sich  um  die  Zahl  70  oder  72  Jünger1.    Es 

1)  Siehe  P.  Schanz,  Commentar  über  das  Evangel.  des  hl.  Lucas, 
Tübingen  1883,  S.  296  Anm.  stellt  die  verschiedene  Bezeugung  in  HSS  und 
Literaturwerken  zusammen.  Vor  ihm  David  Blondellus,  de  LXX  dis- 
cipulis  dissertatio,  abgedruckt  in  De  Vita  et  Morte  Mosis  libri  tres  cum 
observationibus  Gilb.  Gaulmini.  Accedunt  I.  Ps.  Dorothei  Tyrii  aliorum 
veterum  apospasmata  etc.  cum  praefatione  Jo.  Alb.  Fabricii,  Hamburgi 
1714  p.  488  ff. 


S.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  293 

scheint  übrigens,  daß  sich  hierbei  weder  eine  geschlossene  sy- 
rische1 noch  griechische  noch  westliche  Überlieferung  feststellen 
läßt.  Die  Schriftsteller  des  2. — 3.  Jahrb.  Irenäus,  Clemens  Alexan- 
drinus,  Tertullian  nennen  in  der  Mehrzahl  70  Jünger;  Origenes 
bald  70,  bald  72.  Die  spätere  Überlieferung  gebraucht  ebenfalls 
beide  Zahlen  promiscue.  In  der  Art  und  Weise,  in  welcher 
einige  „nach  gewisser  Überlieferung  oder  aus  Konjektur  das 
teilweise  zu  ersetzen  wagten,  was  die  Schrift  verschweigen  zu 
sollen  glaubte",  nämlich  die  Namen  der  70  Jünger,  wurde  eben- 
falls bald  die  Zahl  70,  bald  72  ausgefüllt.  David  Blondeil  aber, 
welcher  sich  um  die  Jüngerverzeichnisse  verdient  machte,  meint, 
daß  es  einen  Katalog  von  86  Jüngern  gegeben  habe,  neben  den 
von  Lucas  genannten  72  noch  14  weitere,  welche  in  Lokal- 
traditionen genannt  werden,  so  die  Bischöfe  und  Jünger  der 
gallischen  Überlieferung,  ferner  jene  der  syrischen.  Natürlich 
ist  seine  Vermutung  eine  höchst  problematische,  da  sich  wohl 
noch  mehr  als  14  Bischöfe  oder  Jünger  finden  ließen2,  welche 
nach  Lokaltraditionen  in  die  apostolische  Zeit  hinaufreichen,  als 
die  von  ihm  genannten.  Wir  begnügen  uns  daher,  die  ge- 
schlossenen 70  Jüngerverzeichnisse  nach  Ursprung  und  Heimat 
zusammenzustellen. 

§  so.    Clemens  Alexandrinus  und  Eusebius  über  die 
70  Jünger. 

Eusebius  h.  e.  I  12,  1  ff 3  beginnt  seine  Erzählung  über  einige 
der  70  Jünger  des  Herrn  mit  dem  Bekenntnis,  daß  er  keinen 
Katalog  derselben  irgendwo  kenne.  Dennoch  seien  einige  Namen 
bekannt.  Zunächst  verweist  er  auf  die  Überlieferung  (Jjyercu, 
(paoi)  für  die  Tatsache,  daß  Barnabas  und  Sosthenes  dazu  ge- 
rechnet   werden,    welche    durch  Schriftstellen  unterstützt  würde. 

1)  Vgl.  über  das  Schwanken  der  syrischen  Zeugen  W.  Cureton, 
Ancient  Syriac  Documenta  relative  to  the  earliesfc  establishenient  of 
Christianity  in  Edessa,  p.  141  note  zu  pag.  2. 

2)  L.  Duchenne,  Meinoires  sur  Porigine  des  dioeceses  episcopaux 
ilans  Pancienne  Gaule,  Paris  1900.  W.  Wattenbach,  Deutschlands  Ge- 
schichtsquellen im  Mittelalter  I.  Bd.  G.  Aufl.  Berlin  1893,  S.  39  Anni.  1. 
H.  Delehaye,  Les  legendes  hagiogr.  2  §d.  1906  p.  63  note  1. 

3)  Ed.  Schwartz  und  Th.  .Mommsen.  Eusebius  Werke.  IL  Bd.  Die 
Kirchengeschichte.   Erste  Hälfte,  S.  80,  15—82,  20. 


294  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Dann  führt  er  eine  trefflichere  Quelle  ein  „die  Geschichte  bei 
Clemens  im  fünften  Buche  seiner  Hypotyposen",  worin  mit  Be- 
rufung auf  Galat.  2,  1 1  Kephas,  der  Namensvetter  des  Petrus,  als 
einer  der  70  Jünger  genannt  werde.  Eine  dritte  Quelle  stand 
Eusebius  zu  Diensten  über  Matthias,  der  die  Stelle  des  Judas 
im  Apostelkollegium  ausfüllte  und  rrjq  avzr/g  rü)v  eßöofiijxovTa 
xXrjöecoq  gewürdigt  wurde,  welche  Eusebius  mit  xartyti  XÖyoq 
(p.  82,  8)  bezeichnet.  So  ziemlich  dieselbe  Quelle  wird  mit  (paöi 
bei  dem  Bericht  über  Thaddäus  gemeint  sein.  Im  übrigen  glaubt 
Eusebius,  daß  man  mehr  als  70  Jünger  annehmen  dürfe,  wenn 
man  die  Schriftstelle  1  Cor.  15,  5 — 7  wörtlich  interpretiere,  wo- 
nach der  Herr  nach  seiner  Auferstehung  dem  Kephas,  ferner 
den  Elfen  und  noch  weiter  mehr  als  500  Brüdern  erschienen 
sei,  auch  dem  Jacobus,  einem  der  sogenannten  Brüder  des  Herrn. 
Die  übrigen  „Jünger"  seien  nur  xaza  [ii[ir}6iv  der  Zwölfe  „Apostel" 
genannt  worden. 

Der  griechische  Text  des  Eusebius  läßt  keinen  Zweifel 
darüber  bestehen,  daß  der  Verfasser  der  Kirchengeschichte  nur 
die  Nachricht  über  die  Zugehörigkeit  des*  Kephas  zu  den  Sieb- 
zigern auf  das  fünfte  Buch  der  Hypotyposen  des  Clemens 
Alexandrinus1  gründet.  Anders  faßt  die  Rufmische  Übersetzung 
der  Kirchen geschichte  des  Eusebius  die  Stelle  auf.  Nicht  bloß 
führt  sie  die  Nachricht  über  Kephas  auf  das  vierte  Buch  der 
Dispositionen  des  Clemens  zurück,  sondern  veränderte  die  Sach- 
lage auch  dadurch  in  etwa,  daß  noch  die  Nachricht  über  Matthias 
als  eines  Siebzigers  aus  derselben  Quelle  stammend  wie  über 
Kephas  in  folgender  Form  angereiht  wird:  sed  et  Matthian  ex 
ipsis  esse  dicit  [sc.  Clemens]  (p.  83,  5).  Th.  Zahn2  versuchte,  die 
lözoQia  in  Clemens  Hypotyposen,  5.  Buch,  als  Quelle  auch  auf 
Sosthenes  und  Barnabas  auszudehnen,  da  die  Zusammengehörig- 
keit des  Sosthenes  und  Kephas  in  den  spätem  byzantinischen 
Listen  des  Chronicon  paschale,  Ps.  Dorotheus  usw.  doch  wohl 
nur  auf  das  fünfte  Buch   der  Hypotyposen  indirekt  zurückgehe. 


1)  W.  Christ,  Geschichte  der  griechischen  Literatur  bis  auf  die 
Zeit  Justinians,  München  189S,  922  f.  Das  ovyyQau/ncc  des  Dorotheus  „hat 
zur  Hauptquelle  das  5.  Buch  des  verloren  gegangenen  Werkes  vnorvTtÜMJeiq 
des  Clemens  von  Alexandreia"(!). 

2)  Forschungen  zur  Geschichte  des  neutestam.  Kanons  III.  Teil,  Er- 
langen 1884,  68  f. 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  295 

wie  auch  die  Aufnahme  des  Barnabas  in  die  Siebzigerliste  durch 
dasselbe  Buch  und  anderwärts  bei  Clemens  begründet  sei.  Dem 
Wortlaut  des  Eusebius  entsprechend  lehnte  schon  R.  A.  Lipsius1 
die  Ausführung  Zahns  mit  Recht  ab. 

Noch  weiterhin  wurde  jenes  Zitat  über  Kephas  aus  dem 
5.  Buch  der  Hypotyposen  später  auf  alle  bei  Eusebius  h.  e.  I  12 
genannten  Jünger  ausgedehnt.  In  dieser  Form  wurde  es  selb- 
ständig in  den  byzantinischen  Siebzigerlisten  eingeführt  oder  an 
dieselben  angehängt,  ja  das  Chronicon  Paschale  läßt  sogar  den 
Clemens  im  5.  Buch  der  Hypotyposen  über  alle  vorher  aufge- 
zählten 70  Jünger  berichten2.  In  den  byzantinischen  Listen  ist 
der  Text  des  sogenannten  Clemenszitates  in  den  Recensionstypen 
Ps.  Epiphanii  und  Ps.  Hippolyti  vertreten,  ersterer  durch  Cod. 
Vatop.  635  (saec.  XI)  fol.  10v  und  durch  den  Text  vor  den  Kom- 
mentaren des  Oecumenius,  letzterer  durch  Vatic.  1506  fol.  78v.  Er 
lautet: 

Ex  rwv  anoöxölcov  xov  öcozTjQoq  rätv  o  yejovaöiv*,  wq 
löxoqü  Kkrjfit]q  hv  jitfutrij  tvjv  vjiotvjiwöecov.  Bagvaßaq, 
2coG&tvqq,  Krjtpäq  oftcow^ioq  Iltzgco,  Maxfriaq  o  ov/xara- 
Qid-(H]d,elq  xolq  tvÖsxa,  [EvßovXoq,  IIov6f]q,  KQiOxt]q  hv  rfi  ßf\, 
BaQoaßäq  xal  Alvoq,  ov  (isfivrjrai  Ilavloq  Tifio&sm  ygacpcov,  5 
Oaööaioq,  KXtojtaq  xal  ol  övv  avrm. 

Ein  anderes  Verzeichnis  weist  dagegen  die  HS  Ottob.  167 
fol.  147v  des  Ps.  Dorotheustextes  auf: 

A  (Oecurnenii  comment.  ed.  Morell.  p.  i) ;  B  (Vatop.  635  fol.  10v ; 
Lipsius  a.  a.  0.  Ergänzungsbeft  p.  3);  C  (Vatic.  1506  fol.  7SV). 

1  o'\  kßöofi/jxorza  AB  |  2  tozooelzai  A  |  3  6  dficav.  A  JlezQov  A 
TlhXQoq  C  Maz&cäoq  B  |  4  evdexcc]  öüöexa  A  [Evß.  —  ß'\  <  AB  ß  in 
m argine  iv  zfi  ijCiazoXy  ovx  iozlv  C  |  5  xal  Bcxoa.  A  Baooaßäq  AC  Alvoq 
AB  [  (5  hl.conäq  A 


1)  Die  apokryphen  Apostelgesch.  und  Apostellegenden,  Ergänzungs- 
heft, Braunschweig  1890,  3. 

2)  Chronicon  Paschale  rec.  Lud.  Dindorfius  Vol.  I  [Corpus  Scriptorum 
Historiae  Byzantinae],  Bonnae  1832,  p.  421,  8—10. 

3)  Mit  diesen  Namen  sind  jene  8  von  den  70,  welche  Josephus  in 
seinem  vno/xpr/azixov  c.  137  nennt,  verwandt:  Barnabaa,  Sosthenes,  Justus, 
Thaddäus,  Johannes,  Marcus,  Judas,  Silas  und  Kephas.  Siehe  Diekamp, 
Hippolytos  von  Theben  S.  150. 


296  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

ovtoi  ex  TGJv  (iafrr]TüJv  ysyovaöi  rov  OcorrJQog,  mg  Iotoqsc 
KZr}(it]Q  iv  rf]  e  xcöv  vjiotvjicoöecov ,  xal  öooi  ejctorafiai  xä>v 
ajioöToZcov  IlavXog,  Bagvaßag,  Magxog,  Tirog,  Tifiodsog, 
Aovxäg  xal  JEilovavog. 

Während  letztere  Notiz  gar  keinen  Anspruch,  auf  klementi- 
nische  Urheberschaft  machen  kann,  weist  der  Name  Linus  mit 
Berufung  auf  2  Tim.  4,  21  uns  wohl  auf  Euseb.  h.  e.  III  2 
(ed.  p.  188,  13—16)  oder  h.  e.  III  4  n.  8  (p.  194,  6)  als  Quelle  hin. 

Th.  Zahn  hatte  als  12.  Fragment  der  Hypotyposen  des 
Clemens  Alexandrinus  ein  Zitat  eines  lateinischen  laterculus  über 
die  12  Apostel  betrachtet  in  Cod.  Marcian.  lat.  21,  10  (saec.  XIII)  \ 
welches  nach  dem  fünften  Buch  der  Hypotyposen  bezeugen  wTill, 
daß  der  Eunuch  der  Königin  Candace  zu  den  70  Jüngern  gezählt 
wurde.  Derselbe  laterculus  findet  sich  auch  in  Cod.  Paris,  lat. 
9562  (saec.  XII — XIII)  fol.  142v.  Der  hier  interessierende  Passus 
lautet:  Eunuchus  Candacis  reginae  unus  ex  septuaginta  discipulis 
in  Arabia,  quae  felix  dicitur,  passus,  ut  ait  Clemens  in  quinto 
libro  hypotyposeon  i.  e.  informationum.  A.  Baumstark2  fand  in 
dem  von  ihm  veröffentlichten  arabischen  Kataloge  der  70  Jünger 
von  Abü-1-Barakät,  welcher  auf  ein  griechisches  Verzeichnis 
zurückgeht,  in  der  Notiz  über  den  Eunuchen  (n.  73,  LXXI)  eben- 
falls eine  Berufung  auf  ein  Zeugnis  bei  Clemens:  Candaces 
eunuchus  .  .  .,  et  in  nurnero  septuaginta  (discipulorum)  habitus 
est  suffectus  pro  iis,  qui  defecerant,  ut  Clemens  in  quinto  (libroj 
similitudinum  scribit.  Der  Übersetzer  und  Herausgeber  glaubte, 
daß  dieses  „höchst  Avertvolle"  Hypotyposenfragment,  die  „sichere 
Frucht"  seines  sonst  arg  entstellten  Textes  auf  den  griechischen 
des  angeblichen  Sophronius  [in  Ps.  Epiphaniustext  mit  F1  von 
mir  bezeichnet]  zurückgehe,  worin  das  Zitat  auf  den  Eunuchen 
bezogen  werde.  In  der  Tat  findet  sich  in  der  Mitteilung  über 
den  Eunuchen  bei  Ps.  Sophronius  keine  Erwähnung  der  Hypo- 
typosen als  Quelle;  vielmehr  hatte  Baumstark  in  der  Eile  den 
Wortlaut  bei  R.  A.  Lipsius  a.  a.  0.  I  201  mißverstanden.  Nicht 
ein  einziges  griechisches  Zeugnis  läßt  sich  in  diesem  Falle  für 
Clemens  als  Gewährsmann  ausfindig  machen,  so  daß  man  mit  Recht 

1)  Forschungen  zur  Geschichte  des  neutestam.  Kanons  III.  Teil,  Er- 
langen 1884,  70. 

2)  Ant.  Baumstark,  Abü-1-Barakäts  „griech."  Verzeichnis  der  70 
Jünger,  Oriens  christianus  II  1902,  317. 


S.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  297 

an  der  Autentizität  des  nur  lateinisch  und  arabisch  überlieferten 
Fragments  zweifeln  kann.  Vielleicht  mochte  einer  die  Mitteilung 
des  Eusebius  über  des  Eunuchen  und  Äthiopiens  Bekehrung 
(h.  e.  II  1,  13) 1  auf  die  weiter  oben  genannte  Quelle  (h.  e.  II  1, 
3.  4):  das  6.  und  7.  Buch  der  Hypotyposen  des  Clemens  zurück- 
bezogen haben2. 

Aus  einer  andern  Quelle,  den  Xoyicov  v.vQiay.mv  ej-rjyrjösiq 
des  Papias,  schöpfte  Eusebius  h.  e.  III  39,  33,  wo  Aristion  und 
der  Presbyter  Johannes  als  xov  xvqiov  [iad-rjxcd  bezeichnet  sind, 
ebenso  bringt  er  daraus  Nachrichten  über  Philippus4  „rov  ajto- 
<jto/.ov"  mit  seinen  weissagenden  Töchtern  und  über  Justus 
genannt  Barsabas.  In  1.  II  c.  1  nennt  Eusebius  noch  andere  von 
den  siebzig  Jüngern:  Matthias  (n.  1,  p.  102,  11  f),  Jacobus  Justus, 
den  ersten  Bischof  von  Jerusalem  auf  Grund  des  6.  Buches  der 
Hypotyposen  des  Clemens  (n.  3,  4,  5);  ebenso  den  Barnabas  (n.  4); 
dann  den  Stephan us  (n.  8),  zu  dessen  Zeit  alle  Jünger  wegen  der 
Verfolgung  über  Judäa  und  Samaria  hinaus  bis  nach  Phönizien, 
Cypern  und  Antiocheia  zerstreut  worden  seien.  Er  schildert 
dabei  noch  eingehender  die  Missionstätigkeit  des  Diakon  Philippus 
in  Samaria  (n.  10),  des  Eunuchen  der  Königin  Candace  (n.  13). 
In  h.  e.  III  3  ff  (ed.  p.  192  12  f)  nennt  Eusebius  noch  manche 
ovvEQyoi  des  Paulus  und  ovötQaTicörat,  welche  Lucas  teilweise 
namhaft  mache.  Timotheus  habe  zuerst  den  Bischofssitz  in 
Ephesus  eingenommen,  Titus  über  die  Kirchen  Kretas  gewacht. 
Er  berichtet  dann  über  die  Abfassung  der  Evangelien  durch 
Lucas  und  Marcus,  während  Crescens  (Kqtjgx?]?)  zuerst  Gallien 
missioniert,  Linus  und  Clemens  der  römischen  Gemeinde  vor- 
gestanden und  Dionysius  der  sog.  Areopagita  in  Athen  den 
christlichen  Glauben  von  Paulus  angenommen  habe;  in  Athen 
dagegen  sei  der  Hirte  der  korinthischen  Gemeinde,  ein  anderer 
Dionysius,  zuerst  Bischof  geworden.  Sonst  finden  sich  bei 
Eusebius  nur  noch  wenige  ganz  zerstreute  Notizen  über  die 
Jünger  des  Herrn. 


1)  ed.  Schwartz  p.  108,  10—15.     Cfr.  Zahn  a.  a.  O.  III  148  f. 

-)  Vgl.  Lipsius,Die  apokr. Apostel gesch.  [12,416;  Nachtrag  zu  IS.  120. 

3)  ed.  Schwartz  p.  286,  10—20. 

4)  h.  e.  III  30,  n.  9  (p.  288,  17  f ;  23). 


298  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

§  81.  Die  Ausbildung  der  Jüngerkataloge  im  4.,  5.  und 
6.  Jahrhundert. 

Eusebius  kannte  noch  keinen  70  Jüngerkatalog.  Die  An- 
sätze, welche  er  darbot,  mochten  in  Syrien  zur  weiteren  Aus- 
gestaltung im  vierten  und  den  folgenden  Jahrhunderten  benützt 
worden  sein1.  Die  ersten  Anhaltspunkte  bietet  Epiphanius,  welcher 
an  zwei  Stellen  von  den  72  Jüngern  spricht.  Bei  der  einen 
Gelegenheit2  gibt  er  die  bereits  bei  Ps.  Origenes  de  recta  in 
Deum  fide  1  5  (c.  300)  gebotene  Xachricht,  daß  Marcus  samt 
Lucas  zu  den  Jüngern  gehörten,  wieder.  An  der  zweiten  Stelle3 
rechnet  Epiphanius  zu  den  72  Jüngern  die  7  Diakonen  in  der 
Reihenfolge  von  Apg.  6,  5;  vor  diesen  aber  sei  Matthias,  der  statt 
des  Judas  ausgeloste,  zu  zählen.  Den  Diakonen  folgen  nach  ihm 
Marcus,  Lucas,  Justus,  Barnabas,  Apelles,  Rufus,  Niger  und  die 
übrigen  der  7<).  Dazu  komme  noch  Paulus.  Aus  dieser  genauen 
Ordnung  der  Namen,  soweit  sie  Epiphanius  mitteilt,  könnte  man 
den  Schluß  ziehen,  als  ob  die  louiol  rcov  lßöo(irjy.ovxa}  welche 
sich  an  Niger  anreihen,  ihm  auch  schon  namentlich  bekannt 
gewesen  wären.  Jedenfalls  hatte  er  damit  kund  gegeben,  daß 
ihm  die  Namenliste  von  Interesse  war.  Eine  weitere  Entwick- 
lung verrät  die  fragmentarische  Liste  in  den  ap.  Konstitutionen 
1.  VII  c.  464,  wo  bereits  den  einzelnen  Jüngern  ihre  Bischofs- 
sitze angewiesen  werden.  Die  syrische  Heimat  wird  zu  allem 
hin  noch  dadurch  bestätigt,  daß  die  ersten  acht  Namen  den 
Patriarchaten  Jerusalem  mit  Cäsarea  und  Antiocheia  zugewiesen 
werden.     Im  ganzen  werden  30  Namen  geboten. 

1.  Jacobus,  2.  Simeon  Cleoph.  und  3.  Judas  Jacobi  in  Jeru- 
salem; 4.  Zacchäus,  5.  Cornelius  und  6.  Theophilus  in  Cäsarea 
Palästina;  7.  Evodius  und  8.  Ignatius  in  Antiocheia  in  Syrien; 
9.  u.  10.  Anianus  und  Abilius  in  Alexandreia  in  Ägypten;  11.  u. 
12.  Linus    und  Clemens    in  Rom;    13.  u.  14.  Timotheus    und  Jo- 


1)  Auch  Joa.  Chrysostornus,  hom.  IS  in  Joan.  (Migne  P.  gr.  59,  117) 
scheint  keine  72erliste  zu  kennen. 

2)  adv.  haeres.  51,  6  (Migne  P.  gr.  41,  900). 

3)  adv.  haeres.  20,  4  (Migne  41,  277  D). 

4)  P.  A.  de  Lagarde,  Constitutiones  apostolorum  ed.  Lipsiae  1S62, 
228,  9.  Fr.  X.  Funk,  Didascalia  et  Constitutiones  Apostolorum,  Vol.  I. 
Paderbornae  1905,  452,  11—454,  10. 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  299 

hannes  (unterschieden  vom  Evangelisten)  in  Ephesus;  15.  u.  16-, 
17.  Aristion,  Strateas  und  Ariston  der  andere  in  Smyrna;  18.  Caius 
in  Pergamon:  19.  Demetrius  in  Philadelphia;  20.  Lucius  in 
Kenchrä;  21.  Titus  in  Kreta;  22.  Dionysius  in  Athen;  23.  Mar- 
thones  in  Tripolis  in  Phönizien;  24.  Archippus  in  Laodicea  in 
Phrygien;  25.  Philemon  in  Colossae;  26.  Onesimus  in  Beröa  in 
Macedonien;  27.  Crescens  in  Galatien;  28.  Aquila  und  29.  Niketas 
in  Asien;  30.  Crispus  in  Agina.  Damit  war  der  Anfang  zur 
weiteren  legendarischen  Ausschmückung  gegeben. 

Das  Testamentum  Domini  N.  J.  Chr.  hat  am  Ende  des 
2.  Buches  1.  II  c.  27 l,  die  Unterschrift,  daß  die  unterzeichneten 
Apostel  Johannes,  Petrus  und  Matthäus  durch  Dositheus,  Sil[l]as, 
Magnus  und  Aquila  die  Verbreitung  desselben  in  Jerusalem  in 
alle  Häuser  besorgen  ließen.  In  diesen  vier  Namen  ist  wohl 
kein  Rest  eines  Siebzigerverzeichnisses  enthalten,  zumal  einige 
sich  in  den  syrischen  Listen  nicht  finden. 

2.  Etwas  später  als  diese  Entwicklung  in  Palästina  mochte 
auch  in  Byzanz  die  Schaffung  eines  Siebzigerkataloges  vor  sich 
gegangen  sein.  Denn  das  bloße  Namenverzeichnis  ohne  jegliche 
legendarische  Ausschmückung,  wie  es  uns  das  Chronicon  Paschale2 
(629)  aufbewahrt  hat,  ist  ein  erster  notgedrungener  Versuch,  aus 
den  in  den  Apostelbriefen  oder  in  der  Apostelgeschichte  genannten 
Persönlichkeiten  einen  Katalog  der  70  Jünger  zusammenzustellen. 
Merkwürdigerweise  beginnt  das  Verzeichnis  mit  Matthias  (den 
auch  Epiphanius  als  ersten  bezeichnet),  Sosthenes  und  Kephas, 
welche  Eusebius  h.  e.  1 12,  1  nennt;  auch  Linus  (2  Tim.  4.  21)  und 
Kleophas  (Lc.  24,  18)  mochten  durch  Eusebius  und  das  angeb- 
liche Zitat  aus  dem  5.  Buche  der  Hypotyposen  des  Clemens  diese 
Stelle  erhalten  haben.  Dann  begann  der  Kompilator  mit  der 
Ausbeutung  von  Rom.  c.  XVI  zur  Füllung  seiner  Liste.  Die 
Namen  6  —  31  sind  aus  diesem  Kapitel  entnommen:  6.  Aquila 
(v.  3);  7.  Epaenetus  (v.  5);  8.  Andronicus  (v.  7);  9.  Amplias  (v.  8); 
10.  Urbanus  (9);  11.  Stachys  (9);  12.  Apelles  (10);  13.  Aristobulus 

1)  ed.  Ign.  Ephr.  II  Rahniani,  Moguntiao  1809,  148. 

2)  Cbronicon  Paschale  rec.  Lud.  DindorfiuB  Vol.  I  [Corp.  Script.  Hist. 
Byzant.],  Bonnae  1832,  p.  400  und  420  f.  Das  Urteil  Fr.  Diekamps:  „Um 
500  .  .  gelangten  die  Verzeichnisse  der  70  Jünger  allmählich  in  weiten 
Kreisen  in  Aufnahme"  (Hippolytos  von  Theben  S.  150)  ist  nicht  aufrecht 
zu  halten. 


3Q0  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

(v.  11);  14.  Herodion  (11);  15.  Narcissus  (11);  16.  Rufus  (13); 
17.  Asyncritus  (14);  18.  Phlegon  (14);  19.  Hermes  (14);  20.  Pa- 
trobas  (14);  21.  Hermas  (14);  22.  Philologus  (15);  23.  Nereus  (15); 
24.  Olympias  (15);  25.  Lucius  (21);  26.  Jason  (21);  27.  Sosipater 
(21);  28.  Tertius  (22);  29.  Caius  (23);  30.  Erastus  (23);  31.  Quar- 
tus  (23). 

Aus  1  Cor.  waren  entnommen  die  Namen:  32.  Apollos  (1,  13; 
3,  4.  21);    33.  Stephanas  (1,  16;  16,  15);    34.  Fortunatus  (16,  15); 
35.  Achaicus  (16, 15);  aus  dem  Epheserbrief:  36.  Tychicus  (6,  21); 
aus    dem  Philipp  erbrief:    37.  Clemens  (4,  3);  38.  Epaphroditus 
(4,  18);  aus  dem  Coloss erbrief:  39.  Onesimus  (4,  9);  40.  Aristar- 
chus  (4,  9);  41.  Marcus  Barnabas  (4,  10);  42.  Jesus  Justus  (4,  11) 
43.  Epaphras  (4,  12);    44.   Demas   (4,  14);    45.  Nymphas  (4,  15) 
46.  Archippus  (4,  17);    aus  2.  Timoth.:    47.  Onesiphorus  (4,  19) 
48.  Erastus  (4,  20);   49.  Trophimus  (4,  20);   50.  Eubulus  (4,  21) 
51.  Pudens  (4,  21);  aus  Titus:  52.  Artemas  (3,  12);  53.  Tychicus 
(3,  12);  54.  Zenas  (3,  13);    aus  Philem.:  55.  Philem.  (1);  56.  Epa- 
phras (23);  57.  Demas  (24);  aus  Apg.:  58.  Barnabas  (1,  23  Barsa- 
bas);     59.  Marcus;     60.  Silas;     61.   Lucas;     62.  Timotheus;    aus 
2.  Cor.:  63.  Silvanus  (1,  19);  64.  Titus  (2,  13);  aus  Apg.  6,  5  die 
7  Diaconen    65 — 72.      Der   Abschreiber    oder    Compilator   nahm 
mechanisch,    ohne    weitere    Überlegung,    aus    seiner    jeweiligen 
Quelle  die  Namen;  infolgedessen  wurde  Tychicus  (n.  36  und  53) 
zweimal    aufgezählt,    weil    er   in  Ephes.  und  Titusbrief   vorkam, 
ebenso  Demas  (n.  44  und  57),    auch  Erastus  (n.  30  u.  48),  Epa- 
phras (n.  43.  56). 

§  82.    Die  palästinensisch-syrischen  Kataloge. 

Wie  schon  die  Ansätze  zu  einer  Jüngerliste  bei  Eusebius 
von  Cäsarea  in  Palästina,  die  weitere  Ausgestaltung  bei  Epi- 
phanius  von  Salamis  auf  Cypern,  das  mit  den  Patriarchaten 
Jerusalem  und  Antiocheia  eng  verbunden  war,  ferner  die  Angabe 
der  Missionsstationen  so  mancher  Jünger  in  den  syrischen  Ap. 
Konst,  VII  dartun,  war  Palästina-Syrien  der  Boden  zur  Vollendung 
und  legendenhaften  Ausschmückung  der  Jüngerkataloge.  Diese 
Beobachtung  wird  uns  durch  die  mannigfache  Bezeugung  der 
Kataloge  gerade  in  Syrien  bestätigt.  Wir  können  hier  drei 
Typen  unterscheiden. 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  301 

1.  Der  Vulgärsyrische  Typus,  welcher  im  Gebiet  von 
Jerusalern-Antiocheia  heimisch  war,  ist  in  einem  griechischen 
und  zwei  syrischen  Texten  erhalten,  a)  Die  beiden  HSS,  welche 
den  griechischen  Text  aufbewahren,  Cod.  Vatic.  2001  (saec.  XII) 
und  Vatic.  1506  (saec.  XIII)  sind  unter  sich  verschieden.  Die 
ältere  HS  hatte  den  eigentlich  palästinensischen  Charakter  bei- 
behalten, stimmt  daher  mit  den  beiden  syrischen  Listen  im 
wesentlichen  überein,  während  die  jüngere  griechische  HS  öfters 
naGh  den  byzantinischen  Listen  korrigiert  wurde,  b)  Der  Anfang 
der  Listen  mit  Jacobus  dem  Herrnbruder,  welche  in  dem  „Buche 
der  Biene"  c.  49  *  des  Salomon  von  Basrah  und  in  einer  Ab- 
handlung eines  anonymen  Syrers  über  die  Propheten-  und 
Apostelleben  in  Cod.  Beroeen.2  sich  finden,  läßt  an  ihrer  Heimat 
im  Patriarchate  Jerusalem  keinen  Zweifel  aufkommen.  Diese 
beiden  syrischen  Listen  unterscheiden  sich  nach  der  Angabe 
Assemanis  fast  nicht;  er  behandelt  sie  als  einen  Text,  weshalb 
wir,  da  uns  keine  nähere  Kenntnis  des  syrischen  Anonymus  des 
Cod.  Beroeen.  vorliegt,  dieselbe  Methode  beobachten,  c)  Eine 
weitere  syrische  Liste  in  Kitäb-al  magcdad  von  'Arnr  und 
Mär(j)3  hat  durch  Vergleich  mit  dem  2.  syrischen  Typus,  dem 
edessenischen,  ihre  Vorlage  stark  verändert.  Bevor  wir  auf  einen 
weiteren  Vergleich  uns  einlassen,  mögen  zunächst  nur  die  Namen 
der  70  Jünger  in  Parallelkolumnen  nebeneinander  gestellt  werden, 
wobei  A)  die  griechische  Liste  bedeutet  und  zwar  et)  Vatic.  200 1 
(saec.  XII)  f.  303;  ß)  Vatic.  1506  (saec.  XIII)  f.  78v,  beide  HSS 
nach  eigener  Kollation.  B):  Verzeichnis  im  „Buch  d.  Biene'" 
c.  49  (ed.  E.  A.  W.  Budge  p.  113  bezw.  ■  -V  -)  und  Anonym.  Cod. 
Beroeen.  (Assemani  III  1,  319  ff);  C)  Verzeichnis  bei  'Amr  und 
Mär(j)  (Assemani  III 1,  320). 


1)  E.  A.  Wallis  Budge,  The  Book  of  the  Bee,  Anecdota  Oxoniensia, 
Seinitic  Series  Vol.  I,  Part.  II,  Oxford  1886,  p.  113  bezw.  >  ..\  p  . 

2)  Jetzt  Vat.  syr.  159;  Jos.  Sim.  Assemani,  Biblioth.  Orient.  Clement. - 
Vatic.  t.  III  pars!,  Rom'ae  1725,  p.  319  f ;  t.  I,  Romae  1719,  p.  585. 

3)  Assemani  t.  III  pars  I  p.  320.  Vgl.  Rub.  Duval,  Anciennes 
litteratures  chretiennes  II.  La  litterature  syriaque  Paris  1899,  210  f. 
M.  Treppner,  Das  Patriarchat  von  Antiochien,  Würzburg  1891,  219  da- 
tiert die  von  'Amr  (1349)  bearbeitete  Grundschrift  des  Marj  in  das 
Jahr  1135. 


I 


302 


Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 

24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 

33. 
34. 


=  Griechische  Liste 
=  Vatic.  2001  fol.  303; 

=  Vatic.  150G  fol.  780. 

Jacob.  Justus  ep. 

Hieros. 

Matthias 

Josef  (ß  +  Barsabas  qui  et  Justus) 


B  =  Buch  der  Biene  c.  49        C  =  'Amr  u.  Mär(j) 

Jacobus  filius  Joseph,  j  Jacob,  fil.  Jos.  frater 

Dom. 
Simon  Cleophae  |  SimonCleophae  frater  Dom. 


Josef  de  Arimathaea 

Marcus  (ß  Clemens  Rom 

Barnabas  {ß  Marcus) 

Lucas  (ß  Joannes,  filius  Mariae) 

Kleopas  (ß  Jason,  Apollos,  Kleopas) 

Senecas  (ß  Archippus) 

Simeon  Niger 


Lucius  Cyren  (<ß) 

Manaen 

Sosthenes 

Kephas 

Thaddaeus 

Hermas 

Andronicus 

Junias 

Amplias 

Urbanus 

Rhodion 

Asyncritus 

Jason  (ß  Philologus) 

Die  7  Diakonen. 


Josef 

Simon 

Judah 

Barnabas 
Manaeus 
Ananias 
|  Cephas 
Josef 

Nicodemus  (A  43) 
Nathanael   (  A42) 
Justus  Josef  Barsabä 
Silas 
Judah 

Johannes  Marcus 
Mnason  (A  35) 
Manael  (A  12) 
Simon  Niger  (A  10) 
Jason  (A  23) 
Rufus  (A  40) 

Alexander  (A4 1) 


Cleophas  |  fehlt 

Josef  filius  Josephi 

Simon  filius  Josephi 

Judah  filius  Josephi 
Barnabas 
Manaeus 
Ananias 
Cephas 

Josef  de  Arimathaea 

Nicodemus 

Silas 

Nathanael 

Justus 

Jason 

Judas  Niger 

Simeon  Barses 

Simon  Cyren.  (A  39) 

Hermas 

Philologus 

Judas 

Arion  latis  pedibus 


Tertius 

Castor 

Rhodion  (A  21) 

Philippus  (A  25  B  33) 

Prochorus  (A 26  B 35) 

Stephanus  (A24B  34) 

Parmenas  (A  29  B  38) 

Philippus 

Timon  (A  27  B  37) 

Philippus  Antioch. 
Simon  Cleophae  (ß  Epaenetus)  |  Stephanus  |  Andronicus  (B  40) 


Stephanus 

Simon  Cyren.  (A  39) 

Philippus 

Lucius  Cyren.  (A  11) 

Prochorus 

Judas  alter 

Timon 

Judas  Simon 

Nicanor 

Eurion 

Parmenas 

Thorus  (?) 

Nicolaus  «/?) 

Thorisus  (Thyrsis) 

Judas 

Zabdon 

Silas  (ß  OlfiL  II) 

Zakron 

Septem  diaconi 

Silvanus 

Philippus  Evang. 

8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger. 


303 


35. 
36. 
37. 
38. 

39. 
40. 
41. 
42. 

43. 
44. 
45. 
46. 
47. 

48. 
49. 

50. 
51. 
52. 
53. 

54. 
55. 
56. 
57. 

58. 
59. 


A 

Mnason 
Agabus 
Ananias 
Ignatius  ep. 


B 
Prochorus 
Nicanor 
Tiraon 
Antioch.  I  Parmenas 


Junias 
Titus  (B  41) 
Patrobas  (B  45) 
Asyncritus^  (B  46) 


Sim.  Cyren.  (ß  Epaphras)   Nicol.  Antioch.  Herrnas  Pastor  (B  47) 
Rufus  (ß  lacuna)  |  Andronicus  Criscus  (B  48?) 


Alexander  (ßZelas?) 
Nathanael  (ß  Linus) 


Titus 
Timotheus 


Priscas  (B  44) 
Aquila 


|  Quinque  coniites  Petri  Romae  (B)  j 
Nicodemus  Pharis.  (ß  Pudens)  |  Hermas  |  Narcissus 
Kleopas  (ß  Tychicus) '  Phigtä  (Priscas)  |  Lucas  Evangelista  (B55) 


Josef  (ß  Trophimus) 
Jacobus  (ß  Sosipatrus) 
Judas  (ßOnesiphorus) 


Patrobas  Apollos  (B  54) 

Asyncritus  Aristobulus(A65B6 1) 

Hermes  |  Stephanus  (A  66  B  62) 

|  Sex  ad  Cornelium  euntes  (cfr.  Act.  10)  (B)  | 

Simon  (0 Marcus)  |  Criscus  (Crescens)(A55)  Herodion(A67B63) 

Simon  alter  (ßS.  +  Byr-   Milichus(A56) , 

sensis?  Berroeensis) 

Lucas  Antioch.  |  Kiriton  (Criton)   Rufus  (A  68  B  22) 

Barnabas  (ß  Joses  qui  et  B.)  |  Simon  J  Carpus 

Joannes  pater  ($Quartus)  |  Gaios  (A  57)     Amplias  (A61  B  57) 

Barsabbas  (.tfAchaicus)  |  Abrazon 

Stephanus  (^Stephanas)  |  Apollos  (A60) 

Charisius  (/?Enetimus  sive  Narcissus)  | 

Miliggus  (ß  Gaius) 


Gaius  (ß  Aristarchus,  Carp.) 

Aquilas 

Phlegon  (ß  Phlogeas  seu 

Phlegon.  ß  Hermas) 


ürbanus  (A  62  B  58) 

Aristarchus 

Philemon 

Marcus  Evang.  (B  65) 

Legatus  RegisEdessae 

Abdaeus  (B  71) 

Aghaeus  (B  72) 

60.  Maris  (B  73) 

61.  Demas  (A  70  B  67) 

62.  Timotheus  (B  12) 

Hiemit  schließt  C. 


Duodecim  apostatici  eorumque  successores. 
A  B 

60.  Korinthus   Apollos  o  öoxifiog  \  Simon  (A  63)     Lucas  medicus 

61.  Heuron  A(m)plias  Levi  (A  64)  Apollos  (A  60) 

62.  Appelles  ürbanus     ßar-Kubbä  (A  65)    Amp(e)lius  (A  61) 


304 


Scherniann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


B 


63. 

Sirneon         Stachys 

Kleon  (A  66) 

Urbanus  (A  62) 

64. 

Levis            Puplius 

Hymenaeus  (A67? 

)  Stachys  (A  63) 

65. 

Macubas       Aristobulos 

Candarus  (A  68) 

Puplius  CA  64) 

66. 

Kleon            Stephanos 

Clithon  (A  69) 

Aristobulus  (A  65) 

67. 

Syrianos  |  Arodion  (Her.) 

Demas  (A  70) 

Stephanus  (A  66) 

68. 

Candarus      Ruphus 

Narcissus  (A  71) 

Herodion  (A  67) 

69. 

Kleon  alter  Olympas 

Slikispus 

Olympas  (A  69) 

70. 

Demas       \  fehlen  Er- 

Thaddaeus 

Marcus  evang. 

71. 

Narcissus  >  satzmänner 

Märuthä 

Addai 

• 

72. 

Aggai 

73 

Mär-Mari 

Wer  die  letzten  drei  Namen  von  B  betrachtet,  wird  ersehen, 
nach  welcher  Richtung  hin  B  Veränderungen  erlitten  hat, 
Addai,  der  Apostel  Edessas,  ist  mit  zwei  andern  Genossen  bei- 
gefügt, welche  in  den  monophysitischen  wie  nestorianischen 
Listen  an  der  Spitze  stehen  oder  eine  bevorzugte  Rolle  spielen, 
ist  ja  auch  die  nestorianische  Hauptliturgie  den  Aposteln  Addai 
und  Mär(j)  zugeschrieben.  Wir  haben  es  daher  mit  A,  als  dem 
unverfälschten  und  unverbesserten  (abzusehen  ist  von  der  byzan- 
tinischen Korrektur  in  ß)  Hauptzeugen  zu  tun. 

Für  die  ersten  51  Namen  gibt  der  griechische  Text  (A)  als 
Quellen  an:  die  hl.  Schrift,  alte  Historiographien  und  Briefe, 
welche  aufbewahrt  werden,  die  übrigen  Namen  von  52  ab  fand 
er  in  einem  Antigraphon.  Die  erstgenannten  Quellen  werden 
von  ihm  zu  Beginn  der  Liste  und  bei  den  einzelnen  Namen  be- 
zeichnet, woraus  er  die  jtQoöcohVfilat  mit  Pünktlichkeit  entnommen 
habe;  zunächst  das  Lucasevangelium,  woraus  er  die  ersten  acht 
Namen  schöpfte;  vom  9.  Senecas  waren  ihm  die  Briefe  an  Paulus 
bekannt.  Die  folgenden  Männer  waren  nach  der  Apostelgeschichte 
in  Antiocheia:  Simeon  Niger,  Lucius  Cyren.,  Manahen  [Act.  13, 1], 
Sosthenes  [Act.  18,  8.  17],  ebenso  Kephas  [nach  Galat.  2,  9.  11; 
Clem.  Alex,  hypotyp.  V  bei  Euseb.  h.  e.  1 12,  2].  Von  Thaddäus 
wußte  der  Verfasser  aus  der  Abgarlegende.  Die  folgende  Reihe 
n.  16 — 23  entnahm  er  dem  Römerbrief:  Hermes  (Rom.  16,  14), 
Andronicus  (16,  7),  Junias  (16,  7),  Amplias  (16,  S),  Urbanus 
(16,  9),  Rhodion  (Herodion  16,  11),  Asyncritus  (16,  14),  Jason 
(16,  21).      Für    die    Namen    der    7    Diaconen    beruft    er    sich 


S.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  3ll5 

auf  Apg.  6,  5.  Die  weiteren  dagegen  entnahm  er  der  Missions- 
geschichte von  Antiocheia  und  Palästina,  wie  sie  ihm  aus  der 
Apostelgeschichte  und  andern  Quellen  bekannt  waren:  Judas 
Barsabbas  (Act.  15,  22  f ),  Silas  (ebenda),  Silvanus  (als  verschieden 
von  Silas  betrachtet).  Simon  Cleophae  (2.  Bischof  von  Jerusalem), 
Mnason  von  Cypern;  Agabus  (Act  11,  27),  Ananias  (Act.  9,  10). 
Ignatius  von  Antiocheia  war  dem  Kompilator  aus  dessen  Briefen 
bekannt;  Simon  von  Cyrene  aus  der  Leidensgeschichte  des  Herrn. 
Die  weiteren  Xamen  tragen  stark  palästinensisches  Gepräge, 
trotzdem  sie  nicht  gerade  als  Jünger  des  Herrn  oder  Wander- 
gehilfen bezeugt  sind:  Alexander  und  Rufus,  Nathanaül,  Nico- 
demus  der  Pharisäer,  Kleopas,  Josef,  Jacobus,  Judas,  Simon,  ein 
zweiter  Simon  aus  Joppe  (Act.  9,  43),  Lucas  der  Evangelist.  Bar- 
nabas  (Act.  4,  36).  Woher  das  avriyQa(fov  stammte,  aus  dem 
der  Verfasser  die  letzten  20  Nummern,  insbesondere  die  Xamen 
der  Häretiker  mit  deren  Ersatzmännern,  entnahm,  bleibt  vorerst 
unbekannt.  An  der  palästinensischen  Heimat  dieses  Apostaten- 
kataloges  ist  ebenfalls  nicht  zu  zweifeln.  Trotz  der  syrisch- 
palästinensischen Herkunft  dieses  ganzen  Jüngerverzeichnisses 
herrscht  doch  gegenüber  der  fragmentarischen  Liste  der  apost. 
Konstitutionen  wesentliche  Verschiedenheit.  Die  Ungleichheit 
rührt  davon  her,  daß  die  Reihe  in  AK  VII  eine  universellere  ist; 
sie  will  die  Verteilung  der  Jünger  über  die  ganze  christliche 
Welt  dartun,  während  unser  Katalog  sich  wesentlich  ganz  auf 
die  Aufzählung  der  Jünger  und  Christianisierten  Palästinas  und 
Syriens  beschränkt.  Wenn  wir  vollends  betrachten,  daß  unsere 
Liste  nur  solche  biographische  Zusätze  bietet,  welche  aus  kon- 
trollierbaren historischen  Quellen  der  ersten  drei  Jahrhunderte 
uns  bekannt  sind,  so  können  wir  annehmen,  daß  unsere  Liste  im 
wesentlichen  schon  dieselbe  ist,  auf  welche  Epiphanius  adv. 
haeres.  20,  4  anspielt,  der  dort  die  7  Diakonen  zu  den  Jüngern 
zählt,  Matthias  die  hervorragende  Stelle  anweist  und  andere 
Namen  nennt,  welche  in  unserer  Liste  vertreten  sind.  So  gehört 
jedenfalls  die  Zusammenstellung  der  52  ersten  Namen  einem 
Verfasser  des  4.  Jahrhunderts  an,  der  zu  den  Patriarchaten  Jeru- 
salem oder  Antiocheia  oder  zu  dem  autokephalen  Cypern  gehörte. 
Über  den  syrischen  Ursprung  des  „Anhangs"  gibt  uns  der 
2.  Zeuge  Aufschluß,  die  syrische  70  Jüngerliste  B.  Denn  es  kann 
nicht  als  Zufall  betrachtet  werden,  daß  unter  den  12  Apostatm 
Texte  u.  Untersuchungen  etc.  Bl,  8  20 


306  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

beiderseits  9  gleiche  Namen  führen,  wenn  man  die  Entstellung 
der  syrischen  Schreibweise  nicht  in  Betracht  zieht;  auch  die  Er- 
satzmänner decken  sich  großenteils.  Vielmehr  gehen  wohl  beide 
Zeugen  auf  eine  gemeinsame  Quelle  zurück,  welche  in  der  syri- 
schen Liste  noch  mit  geringen,  edessenische  Herkunft  verraten- 
den Zusätzen,  versehen  wurde.  Welchen  Wert  übrigens  die 
syrische  Übersetzung  hat,  zeigt  folgende  Gegenüberstellung: 

B  =  Syr.  Text  in  lat.  Über-  Griech.  Text  von  A  (Vat.  2001): 

Setzung  (nach  Budge  p.  114):  Ol  aua  KoQivfr{i]cp  djtoörarr/- 

Hi  erant  illi  duodecim  qui  erant  Oüvxeq,  oriavzoq  [sicjKoQiv&og 

separati   ab  LXX  discipulis,   ut  ytyovtv  cuQtGiaQyjic  exrcov  oß' 

Judas  Iscarioth  ab  XII  apostolis,  pa&rjTcöv.  .  . 

quoniam    vestigia    Cerinthi    se-  IIsqL  tovtow  tpaölv  Xtyeiv  rbv 

quentes  divinitatem  D.  N.  pror-  äytov  'icoavvr/v    (1  Joh.  2,  19), 

sus  negaverunt.  De  quibus Lucas:  ort  £=•  i)ac7)V  i^rjÄ&ov  elg  xtva 

hi   exierunt  a  nobis ,     sed    non  }itv,   all    ovx  rfiav  t$   r/ficöv ' 

erant  nostrum,    et  Paulus  illos  xcu  xhv  äyiov  IIavlov(l  Cor.  11, 

falsos  apostolos  et  operarios  dolo  13)  anoxlaluv  avrovg  ipevda- 

plenos  nominat.  jioöroZovq  xcu  sQyazaq  öoliovq. 

Einerseits  legt  der  Syrer  1  Joh.  2,  19  dem  Lukasevangelium  bei, 
andererseits  zeigt  er,  wie  der  Name  Korinthos  richtig  mit  Cerinth 
wiedergegeben  wurde,  so  daß  wir  auf  die  Verstümmelung  anderer 
Namen  im  Syrischen  keinen  Schluß  ziehen  können.  Wir  dürfen 
doch  wohl  den  syrischen  Criscos  (B  48)  dem  griechischen  Charisios 
(A  55)  gegenüberstellen,  trotzdem  sonst  Criscos  eine  Verstümme- 
lung des  griechischen  KQiöxrjq  und  lat.  Crescens  ist;  ebenso  den 
syrischen  Milichus  (B  49)  dem  griech.  Miliggos  (A  56).  Es  möchte 
scheinen,  als  ob  der  „Anhang",  unter  dessen  Namen  auch  außer- 
palästinensische auftreten  (z.B.  Stephanas  in  Korinth  [1  Cor.  1,  16; 
16,  15],  Gaius  in  Korinth  [Act.  19,  29],  Aquila  [Rom.  16,  3])  von 
einem  andern  mehr  universalkirchlichen  Verzeichnis  herstammte, 
wie  auch  die  Ersatzmänner  der  12  Apostaten  aus  Rom.  XVI 
genommen  zu  sein  scheinen:  Amplias  (v.  S);  Urbanus  (9);  Sta- 
chys  (10);  Aristobulus  (11);  Arodion  (Herodion  11);  Rufus  (13); 
Olympas  (15),  während  Apollos  und  Stephanas  aus  1  Cor.  1,  13 
resp.  16  stammen.  Der  „Anhang"  von  A  ist  wirklich  der  An- 
gabe   des  Kompilators    entsprechend   einer   andern    Quelle    ent- 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  307 

nommen  als  der  erste  Teil,  den  er  selbst  teilweise  zusammen- 
gestellt haben  mochte  oder  aus  einer  palästinensisch  einheitlichen 
Vorlage  entlehnte.  Damit  ist  aber  nicht  ausgeschlossen,  daß  der 
mehr  universalkirchliche  Tendenz  verratende  Schlußanhang  nicht 
auch  in  Palästina  entstanden  sein  könnte;  denn  auch  AK  VII 
hat  in  seinem  fragmentarischen  Kataloge  die  Missionsjünger  der 
ganzen  christlich  gedachten  Welt  aufgezählt,  zudem  sind  zwei 
Namen  des  Anhangs  und  des  genannten  Verzeichnisses  in  AK  VII 
gleichlautend:  Crescens  und  Aquila.  Wir  brauchen  daher  nicht 
über  den  Anfang  des  5.  Jahrhunderts  in  der  Datierung  der  Zu- 
sammenstellung des  Anhangs  hinabzugehen.  Was  die  zweite 
griechische  HS  von  A  (Vatic.  1506  =ß)  anbelangt,  so  enthält  sie 
den  Anhang  von  a  in  fast  unveränderter  Form,  aber  in  öfters 
unleserlicher  Schrift.  Die  übrige  Korrektur  oder  der  Ersatz  der 
syrisch-palästinensischen  Namen  mit  griechisch-römischen  ent- 
sprach offenbar  einer  lokalen  Benützung  des  Textes  oder  der  HS 
in  der  westlichen  Christenheit.  Die  syrische  Liste  B  hat  größere 
Umstellungen  gegenüber  A  vorgenommen,  ohne  eigentlich  neue 
Namen  einzuführen.  Die  Liste  C  ließ  dagegen  die  Aufzählung 
der  Häretiker  ganz  fallen  und  nahm  sofort  deren  Ersatzmänner 
in  die  auch  sonst  unvollständige  Liste  —  es  sind  nur  62  Jünger 
genannt  —  auf.  Im  übrigen  verleugnet  sie  ihre  gemeinsame 
Herkunft  mit  B  nicht.  Beide  Listen  B  und  C  haben  keine 
legendarischen  Zusätze,  sind  also  bloße  Namenreihen. 

2.  Ein  Typus,  welcher  der  nestorianischen.  aber  auch  der 
monophysitischen  Kirche  eigen  war,  beginnt  den  Jüngerkatalog 
mit  Addai  von  Urhai,  d.  i.  Thaddäus  von  Edessa.  Im  ganzen 
ist  er  in  vier  Texten  vertreten: 

a)  in  dem  Jüngerverzeichnis  des  Cod.  Sinait.  Syr.  10  (saec. 
IX),  welchen  Agn.  Sm.  Lewis1  veröffentlicht  hat.  Der  Katalog 
wird  in  griechischer  wie  syrischer  Überschrift  mit  einer  Sticho- 
metrie  des  Alten  und  Neuen  Testaments  auflrenäus  zurückgeführt: 

Gr.:  Tazmv tßöofirjxovTa tua&fj-  S.:  Nomina  septuaginta  aposto- 
xö)V  ovofiara  tlq  xov  EIq/j-  lorura  conscripta  ab  Irenaeo 
valov  djtoöiö6/j£va.  episcopo  Lugdunorum. 


1)  Catalogue  of  tho  Syriac  Mss  in  the  Convent  of  S.  Catharine  on 
Mount  Sinai  [Studia  Sinaitica  Nr.  1],  London  1894  p.  8 — 10. 

20* 


308 


Schemiann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Die  Zueignung  an  Irenäus  erklärt  J.  R.  Harris1,  der  zu  der  Ver- 
öffentlichung Bemerkuugen  beifügte,  auf  bibiographischem  Wege, 
daß  an  die  Werke  des  Irenäus  in  einer  dem  Cod.  Sinait.  viel- 
leicht durch  mehrere  Mittelglieder  zugrunde  liegenden  HS  das 
Dokument  auf  noch  übrig  stehenden  Blättern  angereiht  war  und 
damit  unter  die  Gesamtrubrik-  Irenäus  gelangte.  Das  Stück, 
welches  beinahe  nur  eine  Namenliste  darstellt,  stammt  wohl  aus 
Edessa. 

b)  Eine  zweite  syrische  Liste  ist  aufbewahrt  in  dem  Appen- 
dix zum  fünften  Buch  der  Chronik  Michaels  des  Syrers,  jako- 
bitischen  Patriarchen  von  Antiocheia  (1166 — 1199),  als  deren 
Verfasser  Dionysius  Bar  Salibi2  angegeben  wird.  Das  Jünger- 
verzeichnis ebenso  wie  der  vorangehende  Apostelkatalog  ist  reich 
mit  legendarischen  Nachrichten  versehen.  Wie  der  Herausgeber 
J.-B.  Chabot  notiert,  stimmt  die  Liste  des  Bar  Salibi  bei 
Michael  nicht  mit  einer  noch  unveröffentlichten  desselben  Ver- 
fassers überein,  welche  in  Cod.  Paris,  syr.  67  fol.  85  dem  Kom- 
mentar zu  Mt.  10,  2 — 4  angehängt  ist.  Diese  letztere  Liste  steht 
mir  nicht  zu  Diensten. 

c)  Michael  der  Syrer  hat  aber  selbst  im  6.  Buche  seiner 
Chronik  c.  I3  eine  bloße  Namenliste  der  Evangelisatoren  gegeben, 
welche,  wie  es  scheint, 

d)  von  Bar-'Ebräjä  (1226 — 1286)4,  dem  großen  monophysi- 
tischen  Doktor,  in  den  Mt.-Kommentar  seines  thesaurus  myste- 
riorum  beinahe  unverändert  herübergenommen  wurde. 


A  =  Sinait.  Syr.  10 

(Lewis  [Stud.sin.l] 

p.  8—10) 

1.  Addar 

2.  Chananias 

3.  Melias 

4.  Kephas 


B  =  Dion.  Bar 

Salibi  (Chabot  I 

p. 149  ff) 

Addai  (AI) 
Agai 
Sirinos 
Ananias  (A  2) 


C  =  Michaels  d.  I  D  =  Bar-cEbräjäs 
Syrers  Chronik  VI  I  Mt.  Com.  (Asse- 
(Chabot  I  p.  154 ff)  j  mani  III 1,  320) 

B  1  B  1 

Aggai  (B  2)  C  2 

(E)leazar(us)  (B  5)  1     B  4 

Hananias   (B  4)  |  B  5 


1)  Ebenda  p.  15  f. 

2)  J.-B.  Chabot,  Chronique  de  Michel  le  Syrien  toni.  I  (fasc.  II) 
Paris  1900,  147  ff. 

3)  Ebenda  p.  154. 

4)  Das  Verzeichnis  bei  Assemani,  Bibl.  Orient.  III 1,  320  gegeben, 
ecb  Spanuth  p.  23,  24.  Vgl.  Rub.  Duval,  Anciennes  litteratures  chre- 
tiennes  II,  La  litterature  syriaque,  Paris  1899,  p.  81  note  2. 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger. 


309 


A 

B 

C 

D 

5. 

Barnabas       Lazarus 

Jacob us 

B6 

6. 

Sosthenes       Meleas   (A  3) 

Elias(-Meleas  B  6?) 

A4 

7. 

Criscus                    A  4 

A5 

A5 

8. 

Josef  consiliar.          |  A  6 

A6 

A6 

9. 

Nicodemus  Pharis.  |  A  7 

Cyriacus   (Criscos?) 

A7 

10. 

Nathanael    |            A  5 

B  11    1  Josef  ab  Arimath. 

11. 

Mathias        |  Josef  Senator  (A  8)    |    A  9 

Nicodemus 

12. 

Judas  Barsabas  |  A  9 

A  10 

A  li) 

13. 

Süas              |          A  10 

A  12 

B  14 

14. 

Judas  Barnabas  |  Justus  (A  14?)  |   B  14 

A  13 

15. 

Marcus         1          A  12 

A  13 

A  14 

16. 

Johannes                A  13 

Barsaba  (A  12) 

A  15 

17. 

Manson  Cypr.  |  Ammonius  | 

Joh.  Marcus 

Amonius  (C  18) 

18. 

Manael  |  Nigla  (Niger  A  20) 

|  Omius  (Amonius?  . 

B  17)  |  C  19 

19. 

Herodes                 A  21 

Niger  (B  18?) 

A21 

20. 

Niger             Olympas 

A21 

A  18 

21. 

Jason                      A  22 

A  18 

A22 

22. 

Rufus      |  Alexander  (A  23) 

Dophikimios 

B  22 

23. 

Alexander               A  24 

B  22 

A  24 

24. 

Simon  Cyren.  |     A  25 

A  24 

A  25 

25. 

Lucius  Cyreu.  |  Kleophas  (A 

26)  |  A  25 

B  25 

26. 

Kleopha 

Simon  (A  27) 

B25 

B  26 

27. 

Siuieon 

Yousai  (A  29?) 

B26 

Joses  (C  28) 

28. 

Jacob 

A  28 

Josa           |  Jaco 

bus 

eiusd.  frater 

29. 

Juda 

Bitarsos(A31?) 

Rhodosios 

Termas 

30. 

Aorion 

Märmätos 

Qatastrios 

Quartus  (C  30) 

31. 

Tyrsis 

Andronicus 

Zebedion 

Zab 

arion  (C  31) 

32. 

Kastor 

Junias 

A  43 

Mamtus 

33. 

Zabrion          Titus 

A  44 

B31 

34. 

(E)Stephanus    Jonas  Probus 

A48 

B32 

35. 

Philij)pus               A  48 

Asynclitus  (A  6 

1)\ 

B33 

36. 

Prochorus      Crisis(Cyriacus) 

Triscus 

A   II 

37. 

Nicanor         Socrates 

Lucas 

A67 

38. 

Panuenas       Crispan 

A  6<i 

A4S 

39. 

'riuinn           1  Narcissus 

B41 

Cyriacus 

40. 

Nicolaus                A  60 

B42 

A  60 

41. 

Adronicus     Demas 

B  45 

B41 

42. 

Junias 

Timotheus 

B46 

B  42 

310 


Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


A 

B 

C 

D 

43.  Titus 

Lucas  ev. 

B48 

Lucas 

44.  Patrobas 

Marcus  ev. 

B49 

B  45 

45.  Hermas 

Levi 

B47 

B46 

46.  Phlegon 

Epbrem 

B  50 

B  47 

47.  Asyncritus 

Nicetas 

B  51 

Herodion 

48.  Hermas  Pastor  Act. XVI 12  |  Herodes  |  B  53 

B49 

49.  Kersis 

Silvanus 

B  54 

B50 

50.  Malachius 

Johannes 

Lasion  (B  55) 

Vaticlius 

51.  Kerito 

Theodorus 

Zacharius  fil.  vic 

uae  |  Engiu« 

52.  Simeon 

A61 

Simon  Lepros 

Martolus 

53.  Gaius 

Nigeos 

A61 

Lison 

54.  Achlus 

Marötölos 

Estabus 

Zacharias 

55.  Kerinthus)   55.  Lucas  j  LaisoL 

l  |  Apollo 

B  57 

56.  Ebion        j  56.  Apla     Zacchaeus  (A  67)  |  Yaston  |  Sim.  Lep 

57.  Urbanus 

Der  Wwe.  Sohn 

A5 

Olympas 

58.  Astecus 

A  52 

Josef 

Stephanus 

59.  Puplius 

Kleophas 

Orosus 

Stachys 

60.  Aristobulus 

A61 

Amimaus 

Apollos 

61.  Stephanas 

Stetios 

Eulius 

Theocristus 

62.  Herodion 

Apollon 

A  35 

Anabestion 

63.  Narcissus 

Yopistan 

A36 

A52 

64.  Rufus 

Simon 

A37 

A  34 

65.  Alompba 

Theophilos 

A39 

,  A35 

66-  Narcissus 

Prismus 

A  38 

A36 

67.  Zach[i]aeus 

Barsabbas 

Agabus 

A37 

68.  Gamaliel  u. 

Zabdai 

Kephas 

A39 

4  Evangelisten: 

Tholomai,     qui 

Matth.  Marc. 

substitus  erat 

Luc.  Job. 

loco  Judae  et 

Thaddaei 

69. 

Malael 

ASS 

70. 

A40 

Diese  vier  Listen  gehen  auf  einen  Grundstock  zurück,  welcher 
wahrscheinlich  aus  dem  vulgärsyrischen  Typus  und  teilweise  auch 
aus  einer  Liste,  ähnlich  jener  im  Chronicon  Paschale,  zusammen- 
gesetzt ist.  Jedenfalls  hat  die  Reihe  jener,  welche  in  Rom.  16 
mit  Grüßen  bedacht  werden,  manche  Namen  geliefert,  wobei  der 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  311 

Text  dem  Kompilator  in  syrischer  Übersetzung  vorlag1.  Da- 
neben mochten  auch  in  gemäßigter  Weise  apokryphe  Traditionen 
mitspielen.  J.  R.  Harris2  führt  die  Namen  der  drei  Männer, 
welche  Cleophas  nach  Emmaus  begleiteten,  darauf  zurück.  Die 
Datierung  dieses  Typus,  wie  er  wohl  noch  am  reinsten  in  der 
Liste  des  Sinait.  Syr.  10  erhalten  ist.  mag  dem  vulgärsyrischen 
nicht  lange  Zeit  nachstehen.  A.  Baumstark3  möchte  an  den 
monophysitischen  Bischof  von  Hierapolis  Philoxenus  (f  523) 
denken,  da  ein  arabisches  Verzeichnis  seine  syrische  Quelle  mit 
„Hierapolitauus"  bezeichnet.  Trotzdem  dies  bloße  Konjektur 
ist,  so  wäre  es  doch  nicht  unmöglich,  daß  schon  im  6.  Jahrh. 
die  legendarische  Ausschmückung  erfolgt  ist,  während  vielleicht 
im  5.  Jahrh.  die  Anfertigung  der  Namenliste  vor  sich  ging. 
Übrigens  hatte  der  Verfasser  der  letzteren,  wie  sie  bei  Michael 
dem  Syrer  vorliegt,  auf  Euseb.  h.  e.  I  12,  5  bezug  genommen, 
wenn  am  Schlüsse  erwähnt  wird,  daß  nach  den  Worten  des 
Paulus  1  Cor.  15,  6  es  mehr  als  70  Jünger  gegeben  habe. 

3.  Ein  weiterer  noch  späterer  Typus  scheint  schon  bei  der 
Abfassung  mit  biographischen  Notizen  versehen  worden  zu  sein. 
Seine  edessenische  Heimat  wird  durch  die  hervorragende  Stelle, 
welche  Addai  und  Aggai  einnehmen,  verraten.  Da  der  vorerst 
einzige  bekannte  Zeuge  in  dem  Buch  der  Biene  des  Sal.  v.  Basrah 
c.  48  zwischen  dem  voraufgehenden  Apostelverzeichnis  und  den 
nachfolgenden  Jüngern  gar  nicht  unterscheidet,  so  können  die 
ersten  0  Namen  ebensogut  als  Abschluß  der  Apostelliste,  wie 
als  Anfang  des  Jüngerverzeichnisses  gelten;  in  ersterem  Falle 
würden  die  Apostel  Syriens  die  erste  Stelle  einnehmen.  Auf- 
fallend ist,  daß  neben  Addai  noch  Thaddäus  genannt  ist,  was 
vielleicht  auf  ein  griechisches  Verzeichnis  neben  einem  syrischen 
als  Grundlage  schließen  läßt.  Die  Namenreihe  stellte  schon 
früher  Assemani4  nach  dieser  Liste  zusammen;  Abweichungen, 
welche  gegenüber  dem  Texte  bei  E.  A.  Wall.  Budge5  beachtens- 
wert erscheinen,  werden  mit  a  beigefügt. 


1)  Studia  Sinaitica  I  a.  a.  0.  p.  IG.  2)  Ebenda. 

3)  A.bül-1-Barakäta  nichtgriech.  Verzeichnis  der  70  Jünger  in  Oriens 
Christ.  I,  Roma  1901,  245. 

4)  Bibl.  Orient,  III  1,  320. 

5)  Anecdota  Oxoniensia,    Semitic  Seriea  Vol.  I  pars  II,   Oxford  188(3, 
[>.  107   und     m'  ■  r  . 


312 


Schennann,  Propheten:  und  Apostellegenden. 


1. 

Jac.  frat.  Dom. 

23. 

Justus 

45. 

Silas  (Timoth.  a) 

2. 

Joh.  Baptista 

24. 

Andronicus 

(Manael   d) 

( 

3.  Anamas  in  d) 

25. 

Rufus 

46. 

Eunuch.  Candace 

3. 

Paulus  v.  Tarsus 

26. 

Patrobas 

47. 

Jason 

4. 

Lucas  Evang. 

27. 

Hermas 

48. 

Sosipatrus 

5. 

Marcus  in  Rom 

(+  Pastor  a) 

49. 

Demas 

6. 

Addai  in  Edessa 

28. 

Narcissus  «  d) 

50. 

Omius 

7. 

Aggai  dessen 

29. 

Asyncritus 

(Hymenaeus  d) 

Schüler 

30. 

Aristobulus 

51. 

Thraseus 

8. 

Taddai  in  Edessa 

31. 

Onesimus 

(Tertius  d) 

9. 

Zacchaeus 

32. 

Apollos 

52. 

Bistorius 

d.  Zöllner 

33. 

Olympas 

(Aristarchus  d) 

10. 

Simon  Leprosus 

34. 

Stachys 

53. 

Abrios  (Ephr.  d) 

11. 

Josef  Senator 

35. 

Stephanus 

54. 

Mötos  «  a) 

ab  Arim. 

(Stephana  a) 

55. 

Levi  (<  d) 

12. 

Nicodem.  Pharis. 

36. 

Junias 

56. 

Nicetas 

13. 

Nathaniel 

37. 

Theocritus  «  d) 

57. 

Johannes 

14. 

Simon  Cyren. 

38. 

Martolus  «  d) 

58. 

Theodorus 

15. 

Simon  Cleoph. 

39. 

Niger 

(Theododion  a) 

16. 

Stephanus 

40. 

Lucius 

59. 

Metalius  (<^  d) 

17. 

Johannes  Marcus 

41. 

Alexander 

60. 

Euchestion 

18. 

Kephas 

42. 

Milus  (Linus?) 

(Auqsilion  a) 

19. 

Barnabas  «  «) 

43. 

Silvanus 

61. 

Simon 

20. 

Titus 

44. 

Herodion 

62. 

Aphrem 

21. 

Sosthenes 

(Rhodion  a) 

63. 

Justus 

22. 

Crisios  (Cresc.  a) 

64. 

Jacobus  «  «) 

Der  Kompilator  muß  bereits  eine  stark  verballhornte  Vorlage 
gehabt  haben;  Assemani  glaubte  n.  51  Omius  in  Hymenäus  ver- 
bessern zu  sollen;  in  der  Tat  hat  die  Liste  der  Chronik  des 
Michael  n.  18  ebenfalls  Omius,  aber  als  Verstümmelung  von 
Amonius,  wie  die  übrigen  westsyrischen  Zeugen  bieten. 


§  83.  Byzantinische  und  lateinische  70  Jüngerverzeich- 
nisse. 
1.  Das  Jüngerverzeichnis  des  Chronicon  Paschale,  welches 
aus  den  neutestamentlichen  Briefen  zusammengestellt  war.  wurde 
nicht  von  späteren  Kompilatoren  übernommen.  Da  wir  über- 
haupt   sonst   keine    byzantinischen  Verzeichnisse    haben,    welche 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger.  313 

bloß  Namen  aufweisen,  so  scheint,  daß  großenteils  aus  dem 
Lande,  wo  die  legendarische  Tätigkeit  im  5.  und  6.  Jahrh.  am 
meisten  sich  entfaltete,  nämlich  aus  Syrien,  auch  die  Legenden- 
verzeichnisse nach  Byzanz  importiert  wurden.  Wir  haben  ja 
noch  ein  griechisch-syrisches  Verzeichnis,  mit  dem  der  Anfang 
gemacht  wurde.  Im  ganzen  sind  es  5  Recensionsgattungen-,  die 
sich  in  den  Namenreihen  wie  den  Beigaben  sehr  nahe  berühren, 
a)  Das  Jüngerverzeichnis  im  Texte  des  Ps.  Epiphanius.  Be- 
achtung verdient,  daß  von  7  Textzeugen  nur  2  (A  =  Paris.  1115 
[a.  1276]  und  B  =  Vindob.  theol.  gr.  77  und  dessen  lateinische 
Übersetzung  b)  eigene  Jüngerverzeichnisse  haben,  und  auch  diese 
nur  fragmentarisch.  Beide  HSS  scheinen  ägyptischer  Heimat  zu 
sein.  In  A  =  HS  Paris.  1115  fehlen  die  ersten  24  Namen, 
wohl  deshalb,  weil  in  einer  Grundschrift  von  A  ein  Blatt  fehlte 
oder  unleserlich  war.  Ein  anderer  Grund,  als  ob  in  einer  Vor- 
lage von  A  überhaupt  hier  keine  Namen,  wenn  auch  nicht  ge- 
rade diese,  gestanden  hätten,  ist  wohl  unzulässig.  Aber  auch 
von  Nr.  25  ab  bestehen  zwischen  A  und  B  (Vind.  77)  Differenzen, 
welche  teils  nur  in  Umstellungen  der  Namen  bestehen,  teils 
aber  auch  in  spätem  Beifügungen,  welche  B  (und  dessen  lat. 
Übersetzung  b)  aufnahm.  Ferner  hat  Bb  auch  die  stilistisch 
vollendetere  Form  in  der  Anreihung  weiterer  Angaben,  die  mit 
ov  xcu  avxov  o  anboroloz  (ITavXoc)  n£pLvi]Tai,  eingeleitet  werden, 
eine  Formel,  wie  sie  Ps.  Dorotheus  aufweist.  Daher  liegt  die 
Vermutung  nahe,  daß  Bb  nach  Ps.  Dorotheus  ergänzt  und  teil- 
weise neuredigiert  wurde,  zumal  auch  die  apostatischen  Jünger, 
n.  43  Phigellus,  44  Hermogenes  (2  Tim.  1,  15)  und  45  Demas 
(2  Tim.  4,  9),  sich  nur  in  Bb  und  Ps.  Dorotheus,  nicht  aber  in  A 
und  Chronicon  Paschale  (I  p.400)  finden.  Die  Namen  xg — xfr'  sind 
in  B  fast  unleserlich,  weshalb  sie  aus  A  ergänzt  werdeu  müssen. 
Der  nur  in  B  (als  63.)  aufgeführte  Priscas  (d.  h.  Priscilla,  die 
Gattin  des  Aquila),  ebenso  der  (als  64.)  genannte  Junias  (Rom.  16,  7 
Junia)  sind  für  B's  Originalität  nicht  günstig.  Auch  die  über- 
zählige Aufführung  des  Eunuchen  der  Candace,  die  Zählung  des 
Titus  und  Timotheus  als  2.  und  3-  Jünger  ist  wohl  von  den  in 
manchen  HSS  (D.  F1)  des  Ps.  Epiphauiustextes  angehängten 
Notizen  über  dies>'  Jünger  übernommen.  Es  scheint,  daß  B  die 
unvollständige  Liste  von  A  ergänzen  wollte.  Weshalb  die  übrigen 
(späteren)  HSS  des  Ps.  Epiphanius  keine  70  Jüngerliste   haben, 


314  Seherin ann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

oder  die  des  Dorotheus  beifügten,  erklärt  sich  wohl  daraus,  daß 
die  nur  fragmentarisch  vorhandene  (wie  in  Paris.  1115)  von  dem 
Schreiber  als  minderwertig  erachtet  und  weggelassen  wurde.  Die 
Liste  der  HS  A  ist  wohl  ein  erster  Versuch,  weshalb  die  Re- 
konstruktion der  24  ersten  Nummern  nach  HS  B  nicht  ganz 
zutreffend  ist. 

b)  Die  70  Jüngerliste  des  Ps.  Dorotheus  geht  jener  der  12 
Apostel  voran.  Ihre  Verwandtschaft  mit  dem  vulgärsyrischen 
Typus  bekundet  sie  sowohl  in  den  ersten  zwei  Jüngern,  dem 
Herrnbruder  Jacobus  und  Simon  Kleopas,  dem  zweiten  Bischof 
von  Jerusalem,  dann  aber  auch  in  denjenigen  Namen,  welche 
sie  verschieden  von  der  Liste  des  Chronicon  Paschale  (I  400) 
aufweist.  Folgende  Namen  des  Dorotheusverzeichnisses  fehlen 
in  letzterem:  Hermogenes  und  Phigellus  (2  Tim.  1,  15),  Jacobus 
der  Herrnbruder,  Thaddäus  von  Edessa,  Ananias  (Act.  9,  10), 
Agabus  (Act.  11,  28),  Carpus  (2  Tim.  4,  13),  Euodus  (Euodius) 
erster  Bischof  von  Antiocheia,  Johannes  Marcus  (Act.  12,  12)  und 
Cäsar,  der  aus  Mißverständnis  von  Phil.  4,  22  als  Jünger  aufge- 
zählt wird.  Man  muß  übrigens  daran  zweifeln,  ob  eine  Liste 
wie  die  des  Chronicon  Paschale  jemals  Grundlage  war,  da  die 
Namenreihe  nur  sehr  selten  parallel  läuft.  Bei  den  gemeinsamen 
Namen  stimmen  Ps.  Dorotheus,  Ps.  Hippolytus  und  Ps.  Epiphanius 
in  der  Angabe  der  Bischofssitze  überein,  so  daß  sie  gegenseitig 
abhängig  sind  oder  auf  eine  gemeinsame  Quelle  zurückgehen. 
„Aus  demselben  Archetypus  ist  schließlich  auch  die  Liste  in  der 
Chronik  des  angeblichen  Logotheten  geflossen"  l.  Die  HSS  des 
Dorotheusverzeichnisses  weichen  nicht  wesentlich  ab;  daher 
können  sie   als   eine  Recension  angesehen  werden. 

c)  Die  70  Jüngerliste  des  Ps.  Hippolytus  ist  der  vorangehenden 
fast  völlig  gleich;  nur  ist  Silas  als  unterschieden  von  Silvanus 
vor  ihn  gestellt.  Statt  Apelles  (an  24.  Stelle)  bei  Dorotheus  ist 
Barsabas  bei  Ps.  Hippolytus  genannt.  Statt  Kephas  (50.)  wählte 
letzterer  Petrus. 

d)  Mehr  Verwandtschaft  mit  dem  vulgärsyrischen  Typus 
zeigt  wiederum  das  70  Jüngerverzeichnis  bei  Ps.  Logotheta  und 
weicht  daher  von  den  vorgenannten  griechischen  ab.  Namentlich 
die  letzten  Namen:  Archippus,  Ignatius  von  Antiocheia,  Symon 


1)  Lipsius  a.  a.  O.  I  204. 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger. 


315 


von  Kyrene,  Nathanael,  die  Quellenangaben  und  die  Bemerkung 
am  Schlüsse,  daß  HSS  der  hl.  Schrift  in  der  Angabe  der  Jünger- 
zahl abweichen,  weisen  unmittelbar  auf  das  griechische  vulgär- 
syrische Verzeichnis  hin,  aus  dem  Ps.  Logothet  schöpfte.  Die 
Annahme,  daß  beide  auf  eine  gemeinsame  Grundlage  zurück- 
gehen, ist  nicht  zu  beweisen.  Da  Ps.  Logothet  sonst  von  Ps. 
Dorotheus  abhängig  ist  und  nur  zur  Ergänzung  das  avtr/Qarpov 
beizog,  so  hat  er  wohl  dasselbe  in  der  Bearbeitung  des  grie- 
chischen Syrers  übernommen. 

e)  Das  70  Jüngerverzeichnis  der  griechischen  Menologien  und 
Synaxarien  schließt  sich  ohne  Unterbrechung  an  den  Apostel- 
katalog an.    Es  stimmt  wesentlich  mit  Ps.  Dorotheus  überein. 

2.  Lateinische  70  Jüngerverzeichnisse  sind  nur  Übersetzungen 
der  griechischen,  haben  demnach  keinen  selbständigen  Wert. 
Das  Verzeichnis  des  Ps.  Epiphanius  ist  in  der  Übersetzung  des 
Musculus  nach  der  Vorlage  des  Cod.  Vindob.  theol.  gr.  77  über- 
liefert. Aus  einem  griechischen  Katalog  ist  nach  meinen  Auf- 
zeichnungen, ohne  weiteres  angemerkt  zu  haben,  auch  jenes  in 
Cod.  Vallic.  H.  5  fol.  134  (saec.  XVII)  übersetzt. 

Bei  der  folgenden  Zusammenstellung  habe  ich  daher  die 
fünf  griechischen  Verzeichnisse  nebeneinander  gestellt,  um  ihre 
gegenseitige  Abhängigkeit  zu  veranschaulichen.  Im  Texte  des 
Ps.  Epiphanius  habe  ich  die  Unterschiede  der  beiden  überliefern- 
den HSS  («  =  Paris.  1115,  ß  =  Vindob.  theol.  gr.  77)  angemerkt. 


Ps.  Epiphanius  (A) 

(1-24  <  «) 

1.  Jacobus  fr.  Dom 

2.  Timotheus 

3.  Titus 

4.  Barnabas 

5.  Ananias 

6.  Stephanus 

7.  Philippus 

8.  Prochorus 

9.  Nicanor 

10.  Simon 

11.  Parmenas 


Ps.  Doro- 
theus (B) 

A  1 

KleopasSi- 
meon(Al3) 
Matthias 
Thaddaeus 

A5 

A  6 

A  7 

A8 

A  9 
Timon 

A  II 


Ps.  Hippo- 
lytus  (C) 

A  1 

B2 

B3 
B4 
A  5 
A6 

A7 

A8 
A9 
B  in 
A  11 


Ps.  Logo- 
theta  (D) 

A  1 


Griech. 

Synaxar.  (E) 

A  1 


A  4  |  Simon  et  Simeon 
|  et  Kleoph.  (B  2) 
B  2         A4+Joses 
A69 


B3 
B4 

A  :, 
A6 
A7 

A8 
A9 
A    in 


A  70 
A7 

Ar, 
A  53 
A  0 
A  8 
B  in 


316 


Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


A 

B 

C 

D 

E 

12.  Nicolaus 

A  12 

A  12 

A  11 

A  11 

13.  KleopasSimeon 

A4 

A4 

A  12 

A  12 

14.  Silas 

Marc  (A69) 

B  14 

B  14 

A  2 

15.  Crescens 

A  14 

B  16 

A  3 

A3 

16.  Epaenetus 

Lucas  (A  70) 

A  14 

A  14 

A9 

17.  Andronicus 

Silvanus 

B  17 

B  17 

A  15 

18.  Amplias 

A  15 

A  15 

B  16 

A  16 

19.  Urbanus 

A  16 

A  16 

A  15 

A  17 

20.  Stachys 

A  17 

A  17 

A  16 

A  19 

21.  Apelles 

A  18 

A  18 

A  17 

A  20 

22.  Aristobulus 

A  19 

A  19 

A18 

A  21 

23.  Narcissus 

A  20 

A20 

A  20 

A43 

24.  Herod.  («  +  Agabus)  |  A  21 

Barsabas 

A53)  |  A43 

A  44 

25.  Rufus 

A43 

B  25 

A44 

A  45 

26.  Asyncritus 

A44 

A  44 

A  45 

A  21 

27.  Phlegon 

A45 

A45 

A  21 

A  22 

28.  Hermes  (Patrobas  a)  |  A21 

[cfr.  B  24) 

A  2 1  |  A  22 

A  23 

29.  Hermas 

A  22 

A  22 

A  24 

A24 

30.  Patrobas««) 

A  23 

A  23 

A  23 

A  31 

31.  Agabus  (<  a) 

A  24 

A24 

A  31 

A  25 

32.  Linus 

A  31 

A  31 

A  25 

A  26 

33.  Graius 

A  25 

A  25 

A  26 

A  27 

34.  Pbilogogus 

A  26 

A  26 

A  27     , 

A  28 

35.  Olympas 

A  27 

A27 

A  28 

A  30 

36.  Rbodion 

A  28 

A28 

A  30 

A32 

37.  Herodion  (cfr.  24)  |  A  30 

A  30 

A  29 

A33 

38.  Jason 

A  29 

A29 

A  32 

A  34 

39.  Sosipatrus 

A32 

A32 

A  33 

A  35 

40.  Lucius 

A33 

A33 

A  34 

A  39 

41.  Tertius 

A  34 

A  34 

A  35 

A  41 

42.  Erastus 

A  35 

A35 

A  36 

A42 

43.  Phigelus««) 

A  36 

A  36 

A  40 

A  46 

44.  Hermogenes  (<<  a)  \  A  40 

A  40 

A38 

A  47 

45.  Demas  «  «) 

A  38 

A38 

A  39 

Als 

46.  Quartus 

A39 

A  39 

A  41 

A  49 

47.  Apollos 

A  41 

Terentius 

(cfr.  A  41)  I 

A42  |  A57 

48.  Kephas 

A  42 

A42 

A  46 

A  50 

49.  Sosthenes 

A46 

A  46 

A  47 

A  51 

8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger. 


317 


50. 
51. 

52. 
53. 

54. 
55. 
56. 
57. 
5^. 
59. 
6ü. 
61. 
62. 
63. 
64. 
65. 
66. 
67. 
6S. 
69. 
70. 
71. 


A  B  C  D  E 

Epaphroditus  A  47  A  47  A  49  A  52 

Kaisar  A  4S        Petrus  A  50  A  53 

Marcus  Barn.  A  49  A  49  A  69  A  54 

Jos.  Just.  Bars. 

(Jesus  Just,  a)  A  57  (cfr.  B  61)  |  A  57  |  A53  (Jes.Just.)  |  A55 

A  54  A  56 

A55|  A57(cfr.E47) 


Artemas 

Klemens 

Onesiphorus 

Tychicus 

Karpus 

Evodus 


A  50  A  50 

A  51  A  51 

A  52  A  52 

A  53  (Jes.  Just.)  j  A  53 
A  54  A  54 

A  55  A  55 

Philemon  (Marcusa)  |  A 56|     A  56 
Zenas  (Parm.  a)  \  A  57  (cfr.  B  53)  |  A 
Aquila  (Philemon  a)  |  A  58     A  58 
Priscas  «  a)         A  59  A  59 

Junias  «  a)    A  66  (cfr.  B  68)  |  A  66 
Marc.Joa.«a)        A  65  A  65 

Aristarchus  A  61  A  61 

Pudens  A  60  A  60 

Trophimus        A  66  (cfr.  B  64)  |  A  66 
Marc.  ev.  « a)       A  67  A  67 

Lucas  ev. «  a)\ 
Eunuch.  Cand.  «  «)  | 


A  57 

(Just.)  A59 

A  65 

A  60 
Archippus 


A  58 
A59 
A  66 
A  65 
A  61 


57  |  Ign.  Antioch.  |  A  60 


Sim.  Cyren 
Natanael 
A  58 
B  56 


A  66 
A  67 
A  70 

Joannes 
A71 
A  14 
B  17 
A  36 
[Judas  Iscarioth] 


Die  "Übereinstimmung  sämtlicher  Verzeichnisse  in  gewissen 
Namenreihen  ist  nicht  zu  bestreiten.  Dennoch  haben  einige 
charakteristische  Eigentümlichkeiten,  welche  auf  eine  2.  Quelle 
schließen  lassen.  Hätte  Text  A  in  der  durch  Dorotheus  unbe- 
einflußten HS  die  ersten  24  Namen  erhalten,  so  könnten  wir 
besser  beurteilen,  ob  Text  B  Vorlage  oder  Abschrift  von  A  ist. 
Da  aber  auch  sonst  in  dem  Apostelverzeichnisse  A  von  B  nicht 
abhängig  ist,  so  können  wir  eher  annehmen,  daß  B  das  Teilver- 
zeichnis von  A  erweiterte  und  nach  seinem  Zwecke  gering  ver- 
änderte. Das  Verhältnis  von  B  (Ps.  Dorotheus)  und  C  (Ps.  Hip- 
polyt)  ist  entschieden  mit  einer  Abhängigkeit  des  letzteren  zu 
bejahen,  da  C  nur  eine  kürzere  Form  von  B  darstellt,  indem  er 
die  Quellenangaben  von  B,  welche  die  Auffindbarkeit  des  ein- 
zelnen Jüngernamens  dartun,  ganz  wegläßt  und  nur  die  Bezeich- 


318  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

nung  des  Bischofssitzes  beifügt.  Auch  D  verrät  eine  Abhängig- 
keit von  B.  Bei  E  schimmert,  wie  bei  D  am  Schlüsse,  eine 
zweite  syrische  Quelle  durch.  Die  Aufnahme  des  KalöaQ  (Cäsar 
irrtümlich  aus  Phil.  4,  22  als  Jünger  betrachtet)  in  den  Jünger- 
kreis geht  schon  von  A  aus,  während  die  des  sog.  Priscas 
(=  Priscilla)  und  Junias  (Junia)  zuerst  HS  ß  von  A  eigen  zu 
sein  scheint,  da  sie  in  der  bessern  HS  a  fehlen. 

§  84.   Arabische  Jüngerverzeichnisse. 

Da  die  christlich-arabische  Literatur  meist  nur  Übersetzungen 
von  griechischen,  syrischen  und  koptischen  Stücken  sind,  wobei 
Text  und  Namen  oft  arg  entstellt  werden,  so  können  wir  auch 
hier  dieselbe  Beobachtung  machen  und  infolgedessen  die  arabi- 
schen Übersetzungen  syrischer  Listen  ausschalten:  1)  jene  in 
c.  48  der  Biene  des  Salomon  von  Basrah  von  E.  A.  W.  Budge 
verglichen1,  2)  jene  des  cAmr-  und  Mär(j)verzeichnisses  und 
3)  jene  des  Verzeichnisses  bei  Bar-Salibi2.  Dagegen  verdienen 
zwei  arabische  Verzeichnisse  Beachtung,  um  deren  Herausgabe 
sich  Ant.  Baumstark3  verdient  machte.  Abül-1-Barakät  hatte  in 
der  „Lampe  der  Finsternis"  c.  14  zwei  solche  mitgeteilt,  welche 
verschiedene  Grundschriften  haben.  Der  Verfasser  unterscheidet 
sie  selbst  als  „griechisches"  und  „nichtgriechisches  Verzeichnis". 
Beide  entnahm  Baumstark  den  HSS  Vat.  Arab.  623  (saec.  XVI) 
und  106  (a.  d.  1718). 

Das  „nichtgriechische"  Verzeichnis  stimmt  großenteils  mit  dem 
in  Cod.  Sinait.  Syr.  10  überein;  nur  ist  es  reich  mit  historischen 
und  apokryphen  Notizen  ausgestattet,  so  daß  man  vermuten 
könnte,  daß  dieses  arabische  eine  syrische  Mittelstufe  zwischen 
den  legendenlosen  bloßen  Namenverzeichnissen  und  den  legenden- 
reichen syrischen  Listen  darstelle.  Nachdem  einmal  die  Ent- 
wicklung von  bloßen  Namenreihen  zu  biologischen  Jüngertabellen 
in  Syrien  stattgefunden  hat,  wäre  es  sehr  wohl  denkbar,  daß 
sich  zuerst  ein  Typus  bildete,  der  für  die  spätem  Kompilatoren 


1)  Anecdota  Oxoniensia,  Semitic  Studies  Vol.  I  part.  IT,  Oxford  1SS6 
p.  Vif. 

2)  Oriens  Christ.  I  242. 

3)  Das  „nichtgriech."  Verzeichnis  in  Oriens   Christ.  I,    Romae  1901, 
240—275;  das  „griech."  Verzeichnis  ebenda  E  1902,  312—343. 


8.  Die  Reihenfolge  der  70  Jünger. 


319 


Quelle  war.  Dieses  Verzeichnis  kann  uns  aber  in  der  arabischen 
Übersetzung  Abul-1-Barakäts  nicht  vorliegen.  Ich  gebe  daher 
hier  den  Namenskatalog  (Oriens  christ.  I  247  ff)  mit  in  Klammern 
beigefügter  Nummer,  welche  der  Name  in  dem  sog.  syrischen 
„Irenäus" Verzeichnis  (S)  trägt. 


1.  Addai  v.  Edessa  26. 

(S  1)  ,  27. 

2.  Ananias  (S  2)  28. 

3.  Mljanu    (S  3)  29. 

4.  Sosthenes  (S  6) 

5.  Barnabas  (S  5)  30. 

6.  Crescens  (S  7)  31. 

7.  Thomas 

8.  Nicodemus  (S9)  32. 

9.  Jos.  Senator  (S  8)  33. 

10.  Nzqüs  34. 

11.  Justus  I  35. 

12.  Jacob.  Jos.  (S  28) 

13.  Judas  frater  36. 

eius  (S  28)  37. 

Josias  38. 

Simon  (S  27)  39. 

Silas  (S  13)  4H. 

17.  Judas  Barsabbas  41. 

(S  14)  42. 

Marc.  ev.  (S  15)  43. 

Luc.  evang.  (S71)  44. 

Joannes  (S  16)  45. 

Munson  (S  17)  46. 

22.  Mshj  (Niger? S 20)  17. 

23.  Herodes  (S  19)  48. 

24.  Manael  (S  18)  49. 

25.  Jason  (S  21)  50. 


11 
15 

10 


18 
19 

2() 
21 


Alexander  (S  23) 
Rufus  (S  22) 
Sim.Cyren.(S24) 
Lucius  Cyren. 

(S25) 
Kleopha  (S  26) 
Simon  filius 

Cleoph.  (S  27) 
Jac.  maior  (S28) 
Judas  Sim.  (S  29) 
Tyrsis  (S  31) 
Qstarj  us 

(Kastor?  S  32) 
Stephanus  (S  34) 
Prochorus  (S  36) 
Nicanor  (S  37) 
Timon  (S  39) 
Parmenas  (S  38) 
Philippus  (S35) 
Nicolaus  (S  40) 
Andronicus 
Timotheus 
Titus  (S  43) 
Phlegon  (S  46) 
Patrobas  (S  44) 
Asyncritus  (S  47) 
Hermas  (S  48) 
Hrnsiirs 


51.  Qrtils 

(Kersis?  S  49) 

52.  Btritün 

'  (Kerito?  S  51) 

53.  Simon  (S  52) 

54.  Caius  (S  53) 

55.  Aquila 

(Achlus?  S  54) 

56.  Cyriacus 

57.  Stachys 

58.  Bur.  im 

(Urbanus?  S  57) 

59.  .  rstä  . .  lis 
(Aristobulus?S60) 

60.  Tumnjä 

61.  Stephanus  (S61) 

62.  Murqsös 
(Narcissus?  S  63) 

63.  Rufus  (S  64) 

64.  Ephrem 

65.  Jason  (S  21) 

66.  Marqsös 

(Narcissus  S  66) 

67.  Simon 

68.  Munis 

69.  Murüläd 

70.  Hurumänüs 

71.  Levi 


Das  „nichtgriechische"  arabische  Verzeichnis  verdient  wohl 
nicht  die  Ehre  eines  Lückenbüßers  eines  verlorenen  syrischen 
Verzeichnisses,  das  die  Grundlage  für  die  andern  legendarischen 
Verzeichnisse  gewesen  wäre.  Vielmehr  zeigen  die  dem  Syrer  S 
fremden  Namen,  welche  Abül-1-Barakat  aufweist,  daß  er  dieselben 


320  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

zugleich  mit  den  Legendennotizen  aus  einer  andern  Quelle 
herübernahm,  z.  B.  gehören  Lucas  evangel.  (n.  19),  Levi  (n.  71), 
Murüläd  (Marötölus)  (n.  69),  Simon  (n.  67),  Timotheus  (n.  44), 
Josias  (n.  14),  Justus  (n.  11)  dem  edessenischen  Verzeichnis  des 
Diouys.  Bar  Salibi  an,  während  Stachys  (n.  57),  Ephrem  (64)  in 
dem  reich  mit  Notizen  ausgestatteten  ostsyrischen  Kataloge  des 
Buch  der  Biene  c.  48  sich  finden,  worin  die  Aufnahme  des 
Namens  Stachys  bereits  byzantinischen  Einfluß  anzeigt.  Aus 
diesen  Kriterien  ist  das  „nichtgriechische"  Verzeichnis  Abül-1- 
Barakäts  nicht  als  Ausgangs-,  sondern  als  Endpunkt  der  syrischen 
legendarischen  Jüngerverzeichnisse  zu  betrachten. 

Auch  das  „griechisch"-arabische  Verzeichnis  hat  beinahe 
keinen  eigenen  Wert  neben  den  mannigfachen  griechisch-byzan- 
tinischen Zeugen.  Es  ist  ganz  von  diesem  Typus  abhängig,  wie 
es  z.  B.  auch  Stachys  und  Cäsar  bietet.  An  die  Spitze  ist  Bar- 
nabas  gestellt,  wohl  wegen  der  alexandrinischen  Heimat.  Es 
lohnt  sich  nicht  die  Namenliste  eigens  zu  geben.  Der  Heraus- 
geber Baumstark  glaubte,  daß  die  arabische  Übersetzung  aus 
einem  koptischen  Texte  geflossen  ist.  Diese  These  läßt  sich  auf 
sprachlichem  Gebiete  nicht  erhärten1.  Denn  was  Baumstark 
an  lautlichen  Veränderungen  der  griechischen  Eigennamen  durch 
eine  koptische  Übersetzung  beeinflußt  betrachtet,  beweist  nichts 
gegen  eine  griechische  Vorlage,  da  auch  das  Griechische  solche 
Wandlungen  in  Ägypten  durchmachte.  Man  braucht  nur  die 
griechischen  Worte  in  koptischen  Texten  zu  betrachten,  so  wird 
man  ersehen,  daß  das  Griechische  den  koptischen  Lautgesetzen 
unterlag.  Wenn  vollends  Abül-1-Barakät  ausdrücklich  hervor- 
hebt, ein  „griechisches"  Verzeichnis  zu  bieten,  so  wird  damit  seine 
Vorlage  als  im  griechischen  Sprachidiom  geschrieben  bezeichnet. 

Dagegen  verdient  noch  ein  arabisches  Teilverzeichnis2  in 
dem  arabischen  Synaxarium  der  Maroniten,  das  aus  dem  Grie- 
chischen übersetzt  ist,  Beachtung.    Am  30.  Juni  wird  die  Predigt 


1)  Ob  „Partien  des  Textes"  oder  nur  die  Eigennamen  koptisch- 
griechisch geschrieben  sind,  wie  in  der  Ausgabe  Baumstarks,  ist  von  Be- 
deutung. 

2)  Assemani  III  1,  320.  M.  Treppner,  Das  Patriarchat  von  An- 
tiochien  von  seinem  Entstehen  bis  zum  Ephesin.  431,  S.  220  setzt  dessen 
Abfassung  in  das  Jahr  1666.  A.  Baumstark,  Oriens  christianus  I  1901, 
314  f. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  321 

und  der  Hingang  der  12  Apostel  summarisch  beschrieben;  es 
werden  dann  die  Namen  folgender  Jünger  angereiht:  1.  Jacobi 
fratris  Domini,  qui  filius  Josephi  dicitur;  2.  Simeonis  Cleophae, 
eiusdem  Jacobi  fratris;  3.  Barnabae  qui  et  Joseph;  4.  Marci 
evangelistae,  qui  filius  Simonis  Petri  dicitur;  5.  Lucae  evange- 
listae;  6.  Philippi  diaconi,  patris  filiarum  prophetissarum,  qui 
eunuchum  reginae  Candacis  baptizavit;  7.  Ananiae,  qui  Pauluni 
baptizavit;  8.  Joseph,  qui  et  Justus  et  Barsabas;  9.  Stephani 
protomartyris;  10.  Prochori;  11.  Nicanoris;  12.  Parmenae;  13.  Ni- 
colai. Wie  ersichtlich,  ist  dies  genau  das  Verzeichnis  der  grie- 
chischen Menologien  und  Synaxarien,  welches  hierin  auf  syrischer 
Grundlage  ruht.  Es  bricht  ebenfalls  ursprünglich  mit  Nicolaus 
ab1.  Nur  in  späterer  Zeit  wurden  diese  13  Namen  mit  Hilfe 
des  Dorotheusverzeichnisses  zu  70  ergänzt  und  dadurch  einige 
dieser  Namen  umstellt,  wie  dies  in  dem  Codex  Sirmondianus 
des  CPolit.  Synaxariums,  welchen  Delehaye  bei  seiner  Ausgabe 
zugrunde  legte,  der  Fall  ist. 


9.  Kapitel.    Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze. 

Wie  aus  dem  letzten  Kapitel  hervorging,  zerfallen  die  Jünger- 
listen in  byzantinische  und  syrische.  Erstere  sind  die  späteren 
und  beruhen  teilweise  auf  syrischer  Grundlage.  Jedenfalls  exi- 
stierten bereits  die  bloßen  Namenlisten  geraume  Zeit,  bevor 
etwaige  biographische  Notizen,  insbesondere  die  Angaben  des 
Bischofsitzes  und  der  Weihe  durch  einen  der  Apostel  beigefügt 
wurden.  Wollen  wir  daher  ersehen,  in  wieweit  unsere  Texte 
anderweitiger  früherer  Überlieferung  folgen,  so  müssen  wir  sie 
mit  einschlägigen  syrischen  oder  byzantinischen  Schriftdenk- 
mälern, welche  vor  das  10.  Jahrh.  fallen,  vergleichen. 

An  etwaigen  syrischen  Parallelen  kommen  in  Betracht  die 
apostolischen  Konstitutionen  1.  VII  c.  46 2,  mit  denen   hierin  Ps. 

1)  Siehe  A.  Thenn,  Vitae  oranium  XIII  Apostolorura,  item  XIII 
Patrum  Apostolicorum  in  Zeitschr.  für  wissensch.  Theologie  29,  188(5  aus 
Cod.  Monac.  gr.  255  u.  551. 

2)  F.  X.  Funk,  Didascalia  et  Constitutiones  apostolorum  Vol.  I, 
Padcrbornae  1905,  452,  11  ff. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  81.8  21 


322  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Ignatius1  etwas  verwandt  ist.  In  dem  genannten  Kapitel  der 
AK  VII  wird  nämlich  von  Yers  2 — 15  jcsqI  .  .  .  xcöv  vcp  ?jijcöv 
XEiqotov?]&evtwv  ajtcoxojrcov  der  Städte  Jerusalem,  Cäsarea, 
Antiocheia,  Alexandreia,  Rom,  Ephesus,  Smyrna,  Pergamon  und 
Philadelphia,  Kenchrae  und  Kreta,  Athen,  Tripolis,  Laodicea, 
Colossae,  Beroea,  Galatiens,  Asiens  und  von  Agina  gehandelt. 
Als  Weihende  werden  Petrus,  Paulus,  Marcus  und  Lucas  einge- 
führt. Trotz  der  vielen  Jünger-  oder  Bischöfe,  welche  sich  an 
diese  Städtenamen  anhängen,  ist  eine  Verwandtschaft  mit  unsern 
Texten  gar  nicht  zu  verspüren,  wie  die  nachfolgende  Tabelle 
zeigt.  Nicht  bloß  weist  Dorotheus  eine  Reihe  von  hier  vor- 
kommenden Namen  gar  nicht  auf,  sondern  selbst  wenn  sie  ge- 
nannt sind,  unterscheiden  sie  sich  durch  die  Angabe  des  Bischof- 
sitzes. Wenn  auch  in  AK  VII  die  Namen  der  Weihenden  oft 
willkürlich  eingesetzt  sind,  so  hatte  der  Verfasser  der  AK  doch 
meist  geschichtliche  Anhaltspunkte  in  der  Angabe  des  Bischofs- 
sitzes oder  des  Missionslandes  benutzt  und  trifft  darin  mit  Eu- 
sebius  öfters  zusammen. 

Wie  weit  übrigens  auch  die  in  AK  VII  angegebene  Tra- 
dition von  anderweitig  verbreiteter  abweichen  kann,  ist  aus  beiden 
folgenden  Beispielen  ersichtlich.  Archippus2  (bei  Dorotheus 
fehlend)  ist  nach  AK  VII  46,  12  Bischof  von  Laodicea  in 
Phrygien;  nach  Theodoret  dagegen  (ad.  Col.  4,  16 — 17)  soll  er 
nach  der  einen  Überlieferung  Bischof  von  Colossä  (==  Logothet- 
text  E),  nach  der  andern  Bischof  von  Thessalonich  gewesen  sein. 
Gaius2  ist  nach  AK  VII  46,  9  Bischof  von  Pergamum,  nach 
Origenes3  Bischof  von  Thessalonich,  nach  Dorotheus  von  Ephesus. 
nach  arabischer  Überlieferung  von  Antiocheia. 

Einiges  Vergleichungsmaterial  bieten  auch  die  clementinischen 
Recognitionen  und  Homilien,  da  darin  die  Städte  erwähnt  sind, 
welche  Petrus  berührte,  und  in  welchen  er  Bischöfe  einsetzte. 

Aus  der  byzantinischen  Literatur  stehen  uns  zweierlei  Paral- 
lelen zugebote.     Zunächst   ein  vjt6tuvr}fia  dg  rovq  ayiovg  <xjio- 


1)  Etwaige  Parallelen  zitiert  Funk  ebenda  S.  453  aus  Ps.  Ignatius 
Ant.  7,  1  (nota  4),  Trall.  7,  4  (nota  6). 

2)  Funk  ebenda  I  453  nota  6. 

3)  Vgl.  Funk  I  455  nota  12. 

4)  Ebenda  454,  3. 

5)  Ebenda  nota  9. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  323 

öroXovq  IlixQov  xal  UavXov,  das  anonym  aus  einer  HS  der 
Medicaea  mit  einer  lateinischen  Übersetzung  des  Jacobus  Sirletus 
in  AA.  SS.  Junii  tom.  V  p.  411  f1  herausgegeben,  jetzt  aber  wohl 
mit  Recht 2  unter  den  Namen  des  Simeon  Metaphrastes  gestellt 
wurde.  Im  ersten  Teil  des  vjioiuv?]tua  ist  ähnlich  den  Clemen- 
tinischen  Recognitionen  nur  die  Reiseroute  des  Petrus  genannt, 
wobei  angegeben  wird,  daß  er  Bischöfe  einsetzte,  dereu  Namen 
aber  nicht  genannt  werden,  in  Cäsarea,  Sidon,  Berytus,  Biblus. 
Tripolis  (Bischof  Maro),  Orthosia,  Antaradus,  Batanaea,  Paltus, 
Gabala,  Laodicea,  Antiocheia:  ferner  in  Tyana,  Ancyra:  dann  kam 
Petrus  in  verschiedene  Städte,  wo  er  keine  Bischöfe  zurückließ. 

Bei  Erwähnung  einer  neuen  Reise  werden  nun  die  Bischöfe, 
welche  Petrus  in  den  Städten  einsetzte,  jedesmal  genannt,  was 
dann  wiederum  für  unsern  Zweck  ein  Vergleichungsmaterial  ab- 
gibt. Jetzt  schon  muß  darauf  hingewiesen  werden,  daß  in  dem 
vjt6fivi]na  keine  einheitliche  Redaktion  vorliegt,  z.  B.  wird  Epa- 
phroditus3  einmal  Bischof  von  Andriake  in  Lykien  genannt,  etwas 
weiter  unten  Bischof  von  Teracina;  ferner  daß  hiermit  Ps.  Ignatius, 
den  Abschnitten  aus  den  Clementinischen  Recognitionen  und 
AK  VII  eine  Verwandtschaft  vorliegt,  so  daß  das  Urteil  von 
Lipsius  begründet  ist:  „Die  Nachrichten  über  die  von  Petrus 
vollzogenen  Bischofsweihen  beruhen  zum  Teil  auf  älteren  Lokal- 
traditionen". 

Ein  lateinischer  Paralleltext  zu  dem  vjtouvr]tua  liegt  in  einer 
lateinischen  Homilie4  vor,  welche  unter  dem  Namen  des  Patri- 
archen Sophronius  von  Jerusalem  unter  dem  Titel:  de  laboribus. 
certaminibus  et  peregrinationibus  SS.  Petri  et  Pauli  bekannt  ist. 


1)  Venetiis  1744.    Vgl.  Lipsius  D  1,  217  f. 

'_')  Alb.  Ehrhard,  Die  Legendensaminlung  des  Symeon  Metaphrastes 
und  ihr  ursprünglicher  Bestand  in  Festschrift  zum  Elfhundertjährigen 
Jubiläum  des  Deutschen  Campo  santo  in  Rom,  herausgeg.  von  St.  Ehses. 
Freiburg  1897,  47,  gemäß  der  Metaphrasths  Mosqu.  382  fol.  57—72  . 

3)  a.  a.  0.  p.  414. 

4)  ed.  de  la  Bigne,  Biblioth.  Patrum  tom.  VII.  Paris.  1589  col.  153ff. 
Lipsius  vermutete,  daß  die  latein.  Homilie,  dem  Sophronius  zugeschrieben, 
nur  ein  Fragment  der  griechischen  des  Sophronius  von  Jerusalem  auf  die 
hl.  Petrus  und  Paulus  ist,  was  aber  nicht  zutrifft.  Die  letztere  Homilie 
steht  Migne  Patr.  gr.  87,  3,  p.  33ö5tf  abgedruckt  und  enthält  nichts  Hierher- 
gehöriges. Vgl.  Lipsius,  Die  apocr.  Apostclgesch.  II  1.  469  (nicht  1  1.  469 
wie  in  Ergänzungsheft  S.  14  gedruckt)  Nachtrag  zu  II  1,  7  Zeile  6. 

21* 


324  Schercnarm,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Abgesehen  davon,  daß  die  Namen  der  Orte  in  Syrien,  welche 
Petrus  berührt,  in  der  lateinischen  Fassung  entstellt  sind,  ist 
das  griechische  vjcoftvfjfia  reichhaltiger  als  die  lat.  Homilie,  da 
dasselbe  nicht  bloß  die  Erzählung  der  Jugendgeschichte  des 
Petrus  bis  zu  seiner  zweiten  Reise  nach  Nikoniedien  bietet,  son- 
dern die  Aufzählung  der  Bischofsweihen,  welche  Petrus  auf 
späteren  Reisen  gemacht  haben  soll,  fortführt,  so  daß  die  latei- 
nische Homilie  nur  ein  Fragment  des  vjrofivrjf/a  zu  sein  scheint. 

Ein  weiteres  Vergleichungsmaterial  liegt  in  der  Schrift  jcsq! 
rov  ßiov  xcu  rcöv  jtQa^scov  xcu  riXovq  'Avögtov  des  Epiphanius 
Monachus  vor,  wo  er  sich  beklagt,  daß  noch  niemand  die  Lebens- 
geschichte der  seligen  Apostel  auf  angemessene  "Weise  beschrieben 
habe,  so  daß  er  jetzt  diesem  Mangel  abhelfen  wolle.  Er  benütze 
Clemens  von  Rom,  Evagrius  den  Sizilier  und  Epiphanius  von 
Cypern,  von  denen  der  letztgenannte  in  der  avayQacpr)  rcöv  iß- 
öofirjxovxa  [tafrrjTcöv  sich  auf  die  Überlieferung  seiner  Vor- 
gänger, d.  h.  auf  mündliche  Angaben,  apokryphe  Geschichten 
und  Enkomiasten  berufe.  In  den  nun  bei  Epiphanius  sich  fin- 
denden Bischofslisten  sind  aber  mehrere  vorhanden,  welche  weder 
in  dem  Jüngerkatalog  des  Epiphaniustextes  (A)  noch  jenem  des 
Dorotheustextes  (B)  sich  finden,  welche  vielmehr  mit  den  von 
Petrus  Geweihten  und  in  dem  griechischen  anonymen  vjtoftvrjiia 
Erwähnten  identisch  sind.  Deshalb  mochte  Epiphanius  monachus 
zwei  Quellen  verarbeitet  haben. 

Weiteres  Vergleichungsmaterial  bietet  das  Menologium 
Basilii,  welches  schon  in  den  Namen  der  Jünger  ganz  von  un- 
serm  Dorotheus  abhängig  ist.  Am  15.  April1,  bei  Erwähnung  von 
Aristarch,  Pudens  und  Trophimus  ist  sogar  ein  Abschnitt  aus 
dem  Dorotheustexte  mitgeteilt,  in  dem  der  angebliche  Heraus- 
geber Procopius  der  literarischen  Hinterlassenschaft  dessen 
Schriften  über  die  Apostel  „und  andere  Heiligen  und  über  die 
Propheten"  namhaft  macht. 

Dieselben  Festtagsdaten,  welche  Delehaye2  aus  dem  Syna- 
xarium  CPolitanum  für  die  Jünger  zusammenstellte,  treffen  auch 
für  das  Menologium  Basilii  zu,  welches  wohl  hierin  des  ersteren 
Vorlage  war.     Wir  können   dies  an  einem  Fehler  kontrollieren. 


1)  Migne  Patr.  gr.  117,  405  A. 

2)  Synax.  CPol.  a.  a.  0.  pag.  LX1X. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  325 

Am  9.  Dezember  sind  im  Menologium  Basilii1  genannt:  Sosthenes, 
Apollo,  Cephas,  Tychicus,  Epaphroditus,  Caesar  und  Onesiphorus. 
Alle  vorausgehenden  mit  Ausnahme  des  letzten  haben  im  Texte 
die  Bischofsitze  nach  Ps.  Dorotheus'  Jüngerkataloge  beigefügt. 
Da  nun  der  Name  des  Onesiphorus  ausfiel,  wurde  der  vorher- 
gehende Jünger  Caesar  mit  dem  Bischofsitz  des  ersteren:  Coroneia 
betraut,  so  daß  wir  hier  die  Verderbnis  folgendermaßen  feststellen 
können:  O  de  Kalöag,  ov  xcd  avrov  o  avrog  ajioöroloq  fiefivrj- 
xai,  [enioxojtoq  ävQQaylov  hysvexo,  o  öh  OvrjOicpoQOQ,  ov  xal 
avrov  o  anbdxoloo,  (tSfivrjTai,]  ejilüxojioq  KoQojv?]q  (KoQwvtlag) 
kyeveto.  Dieselbe  Auslassung  ging  auch  in  das  Synaxarium 
CPolit.  zum  8.  Dezbr.  über2. 

Jedenfalls  schon  bei  der  ersten  Ausarbeitung  des  Menolo- 
giums,  welches  auf  Befehl  des  Basilius  IL  (976 — 1025)  angefertigt 
sein  soll3,  dessen  Grundstock  aber  älter  ist,  hatte  die  Dorotheus- 
liste  über  die  70  Jünger  Patenschaft  gestanden.  Die  Jünger, 
welche  bei  der  ersten  Einfügung  nicht  aufgenommen  waren, 
wurden  auch  späterhin  nicht  mehr  berücksichtigt;  und  die  Fehler, 
welche  bei  der  ersten  Ausgabe  sich  eingeschlichen  hatten,  blieben 
für  immer  darin,  wie  wir  an  einem  Fall  kontrollieren  konnten. 
Bei  der  folgenden  Zusammenstellung  wurden  folgende  Siglen 
benutzt: 

A  =  Jüngerliste  des  Ps.  Epiphaniustextes, 
B  =  ,,  „      „    Dorotheustextes, 

C  =  „  „      „    Hippolytustextes, 

D  =  „  „    anonym,  griech.-paläst.  Textes, 

E  =  „  „    Ps.  Logothettextes, 

F  =  „  in  dem  griech.  Synaxarium  CPolitan., 

Sd=  „  des  Dionysius  Bar  Salibi  als  Anhang 

des  5.  Buches  der  Chronik  Michael  des  Syrers, 
ed.  J.  B.  Chabot,  Chronique  de  Michel  le  Syrien, 
Patriarche Jacobite d'Antioche(l  166—1199).  Tonil, 
fasc.  II,  Paris  1900,  147  ff. 

1)  Migne  P.  gr.  117,  197  ß. 

2)  Delehaye  pag.  LXIX  und  290,  13. 

3)  Vgl.  Andr.  Schmid,  Artikel  Menologium  in  Wetzer  und  Weites 
Kirchenlexikon  XIII.  Bd.  2.  Aufl.  Freiburg  1893,  12G1.  K.  A.  H.  Kellner, 
Heortologie,  2.  Aufl.  Freiburg  190(3,  274  f.  Delehaye  pag.  LIU  f  setzt  den 
Grundstock  in  die  ersten  Dezennien  des  10.  Jahrh. 


326  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Sb  ==  Jüngerverzeichnis  bei  Salomon  von  Basrah  c.  4S  des 
Buches  der  Biene;  ed.  J.  M.  Schönfelder,  Salomonis  episcopi 
Bassorensis  liber  apis.  Bambergae  1886  p.  78  ff.  E.  A.  Wallis 
Budge,  The  Book  of  the  Bee  [Anecdota  Oxoniensia,  Semitic 
Series  Vol.  I  part.  II].    Oxford  1886  p.  109—113. 

Ss  =  Jüngerverzeichnis  in  Cod.  Sinait.  Syr.  10  (s.  IX);  ed. 
Agn.  Sm.  Lewis,  Catalogue  of  the  Syriac  Mss  in  the  Convent 
of  S.  Catharine  on  Mount  Sinai  [Studia  Sinaitica  Nr.  I].  London 
1894,  p.  8 — 10.  Die  lateinische  Übersetzung  rührt  von  meinem 
Freunde  Dr.  Casp.  Julius  her. 

Ta  =  Abül-1-Barakäts1  „griechisches"  Verzeichnis  der 
70  Jünger  in  der  „Lampe  der  Finsternis"  c.  14,  herausgegeben 
von  Ant.  Baumstark  in  Oriens  christianus  II  Roma  1902, 
312—343. 

Tb  =  Abül-1-Barakäts  nichtgriechisches  Verzeichnis  der 
70  Jünger,  herausgeg.  von  Ant.  Baumstark  in  Oriens  christianus 
I  Roma  1901,  241-275. 

Funk  =  Didascalia  et  Constitutiones  Apostolorum  edidit 
Fr.  X.  Funk,  Vol.  I,  Paderbornae  1906;  vol.  II  1905. 

Dressel  =  Epiphanii  monachi  et  presbyteri  edita  et  ine- 
dita.     Ed.  Alb.  Dressel,  Parisiis  et  Lipsiae  1843. 

AA.  SS.  Junii  tom.  V  p.  411  =  vjr6fivr]fia  eig  xovg  aylovg 
djtoorolovg  IltxQov  xal  llavlov  ebenda. 

Delehaye  =  Synaxarium  ecclesiae  Constantinopolitanae  e 
codice  Sirmondiano  nunc  Berolinensi  adiectis  synaxariis  selectis 
opera  et  studio  Hippolyti  Delehaye  [Propylaeum  ad  Acta  Sanc- 
torum  Novembris]  Bruxelles  1902. 

Menol.  Basilii2  =  Menologium  Basilianum,  ex  editione 
cardinalis  Albani,  Migne  Patrol.  gr.  tom.  117,  Parisiis  1864. 

Lipsius  I,  II  1,  II  2,  Ergänzungsheft  =  Die  apokryphen 
Apostelgeschichten  und  Apostellegenden  von  R.  A.  Lipsius.  I.  Bd., 
Braunschweig  1883;    IL  Bd.    Erste  Hälfte,   Braunschweig  1887; 


1)  Bereits  erwähnt  werden  die  dazugehörigen  arab.  indices  aposto- 
lorum, welche  von  Baumstark  nicht  ediert  wurden,  von  J.  Guidi  in  Giorn. 
della  Societä  asiatica  italiana  Vol.  II  18S8  pag.  67. 

2)  Wo  das  Synaxarium  CPolit.  mit  dem  Menologium  Basüii  im  Da- 
tum und  sonstigen  Angaben  übereinstimmt,  wird  nur  letzteres   erwähnt. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  327 

IL  Bd.  Zweite  Hälfte,  Braunschweig  1SS4  (sie).  Ergänzungsheft, 
Braunschweig  1890. 

Zahn  VI  =  Theodor  Zahn,  Forschungen  zur  Geschichte  des 
neutestamentl.  Kanons  und  der  altkirchl.  Literatur  VI.  Teil,  Leip- 
zig 1900. 

Treppner  =  Max  Treppner,  Das  Patriarchat  von  Antiochien 
von  seinem  Entstehen  bis  zum  Ephesinum  431.    Würzburg  1891. 

Nilles  I,  II  =  Nikolaus  Nilles,  Kalendarium  Manuale  utrius- 
que  ecclesiae  orientalis  et  occidentalis  . .  auetius  atque  emen- 
datius  iterum  edid.  Tomus  I.  Oeniponte  1896.  Tom.  II.  Oeniponte 
1897. 

Die  in  den  erwähnten  Listen  genannten  Jünger  sind  folgende: 

1.  Abilius:  Bischof  von  Alexandreia.  Nach  AK  VII  46,  5 
(Funk  1  452,  19)  von  Lucas  als  2.  Bischof  von  Alex,  eingesetzt. 
Ebenso  2.  Bischof  von  Alex,  bei  Euseb.  h.  e.  III  21  (ed.  Schwartz 
236,  7)  und  in  Chronik  (ed.  Schoene  II  160).  Im  koptischen 
Kalendarium  Todestag  am  1.  Septbr.,  com  memoriert  am  3.  April. 
Siehe  Nilles  II  705.  717.     Von  keinem   unserer  Texte  erwähnt. 

2.  Addai,  einer  der  70  bei  Euseb.  h.  e.  I  13,  4  (ed.  Schwartz 
p.  84,  15)  und  in  der  edessenischen  Legende,  stammt  aus  Paneas1 
(Ss,  Sb).  Tb  vertritt  die  spätere  syrische  Tradition,  wonach  er 
nach  Nisibis  und  Mesopotamien  gekommen  wäre,  während  er 
nach  der  edessenischen  Legende2  den  Abgar  V.  Ukhäma  in  Edessa 
vom  Aussatze  heilte  und  bekehrte,  und  dort  eines  natürlichen 
Todes  starb  (Ss,  Sd).  In  Sb  heißt  der  Sohn  des  Abgar,  der 
Addai  tötete,  Herodes;  in  Tb  dagegen  Süds.  Sb  nennt  den  Ort 
der  Ermordung  arx  Agig,  weiß  von  dem  Verbleiben  des  Leich- 
nams zweierlei  Überlieferung  zu  berichten;  nach  der  einen 
soll  er  in  Edessa  begraben,  nach  der  andern  nach  Rom  ver- 
bracht  worden    sein.     Die    alten    syrischen    Kaiendarien3    haben 

1)  Ancient  Syriac  Documents  relative  to  the  early  etablishmenfc  of 
Chri.stianity  in  Edessa  and  the  neighbouring  countries  .  .  by  W.  Cureton, 
with  a  preface  by  W.  Wright.  London  1S04,  p.  8;  Paneas-Caesarea  Phi- 
lippi,  Lipsius  II  2,  154. 

2)  Doctrina  Addaei  bei  Cureton  p.  1  ff  U  ff.  Euseb.  h.  e.  I  13.  Nach 
der  syrischen  doctrina  Apostolorum  (ed.  Cure  ton  p.  34)  wirkte  Addaeus 
in  Edessa  und  Umgebung,  in  Soba  und  Arabien,  im  Norden  und  Süden 
von  Mesopotamien. 

3)  Nilles  II  41t;. 


328  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

feria  II  hebdoni.  primae  im  Monat  August  das  Fest  des  Apostels 
Addai,  das  dem  griechischen  Ritus  und  daher  unsern  griechischen 
Texten  ganz  fremd  ist.  Über  die  Priorität  der  von  Eusebius  h. 
e.  I  13  benutzten  acta  Edessena  gegenüber  der  doctrina  Addai 
s.  Lipsius  Ergänzungsheft  S.  105  und  neueste  Literaturgeschichten. 

3.  Agabus,  nach  Act.  11,  27;  21,11  der  prophetischen  Gabe  ge- 
würdigt (AB  CDETa).  Ohne  Angabe  seiner  Wirksamkeit  an  einem 
bestimmten  Orte.  In  den  griech.  Menaen  und  Synaxarien  Gedächt- 
nistag mit  Rufus,  Herodion,  Asyncritus  am  8.  (resp.  10.  11.)  April 
(und  30.  Juni),  Delehaye  591,  9;  596,  48;  786,  7.  Im  koptischen 
Kalender  am  4.  Febr.  Martyr.  s.  Agabi  ex  72  discipulis.  Nillesll714. 

4.  Aggai.  Nur  in  Sb,  Sd1.  Nach  Sb  war  er  seines  Hand- 
werks purpurius;  nach  Sd  predigte  er  in  Beit-eoupha-naye  (la 
Sophene)  und  in  Beit  Arzanaye  (Arzanene)  und  im  äußern  Ar- 
menien, wo  ihm  die  Heiden  die  Beine  brachen,  so  daß  er  starb. 
Nach  der  doctrina2  Addaei  und  der  armenischen  Überlieferung3 
dagegen  habe  ein  abtrünniger  Sohn  Abgars  V.  ihm  die  Beine 
mit  seiner  Rute  abgehauen  und  gebrochen,  worauf  er  starb. 
Fehlt  in  den  Kaiendarien. 

[In  Ta  wird  ein  Achaeus  erwähnt,  welchen  Baumstark  p.  341 
mit  ^Ayaixöc,  identifiziert]. 

5.  Alexander,  Bruder  des  Rufus  (Mc.  15,  21)  und  Sohn 
des  Simon  von  Kyrene  (Tb),  predigte  bei  den  Dailamiten,  in  der 
Stadt  Filu,  taufte  dort,  wurde  getötet  und  ist  dort  begraben  (Tb). 
Nach  Sb,  Sd  hatte  ein  Alexander  in  Heracleopolis  in  Ägypten4 
gepredigt,  wurde  dann  in  einen  Graben  geworfen,  wo  er  starb. 
Immerhin  ist  es  fraglich,  ob  hier  nicht  eine  Verwechslung  mit 
Heliopolis  (=  Balbec)  vorliegt.  Die  in  Tb  angegebene  Stadt  Filu 
ist  vielleicht  mit  Flavias  (Flaviopolis)  am  Calycadnus  (das  jetzige 
Dorf  Flipoli),  wo  ein  Alexander  Bischof  zu  Anfang  des  3.  Jahrh. 


1)  Nach  der  syrischen  doctrina  apostolorum  (ed.  Cure  ton  p.  34) 
wirkte  Aggai  in  Persien,  Assyrien,  Armenien,  Medien,  in  den  Gegenden 
um  Babylon,  bei  den  Huriten  und  Gelen  bis  zu  den  Grenzen  von  Indien 
und  der  Gegend  von  Gog  und  Magog. 

2)  ed.  Cureton,  Ancient  Syr.  Doc.  p.  22  f. 

3)  Bei  Moses  von  Khorene,  Geschichte  Armeniens  1.  n  c.  34  (ed. 
Cureton,  Anc.  Syr.  Doc.  p.  136).     Vgl.  Lipsius  II  2,  157. 

4)  Vgl.  Ad.  Harnack,  Die  Mission  und  Ausbreitung  des  Christen- 
tums in  den  ersten  drei  Jahrh.  Leipzig  1902,  455  f  (noch  erste  Aufl.). 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  329 

war1.  Alexander  mit  Rufus  werden  in  den  Akten  des  Petrus 
und  Andreas  und  des  Andreas2  und  Bartholomäus  als  Gehilfen  des 
Andreas  im  Lande  der  Gazarener  erwähnt.  Die  Apostel  werden 
verbrannt,  die  Urne  mit  ihrer  Asche  ins  Meer  geworfen3,  woraus 
vielleicht  die  rätselhaften  Nachrichten  in  Sd:  „fut  jete  dans  une 
fosse"  oder  Sb:  „in  foveam  coniectus''  entstanden.  Übrigens 
werden  Alexander  und  Rufus  auch  in  den  äthiopischen  und  alt- 
slavischen  Akten  des  Andreas  und  Matthias4  erwähnt.  „Der 
Schauplatz  ist  das  Land  der  Menschenfresser". 

6.  Ammonius  predigte  nach  Sd  in  Melitene  in  Armenien. 
Vielleicht  einer  der  Wanderer  nach  Emmaus,  welche  Ambrosius 
Amaon  (Ammaon)  und  Kleophas,  (Origenes  aber  c.  Cels.  II 62  Simon 
und  Kleophas)  nennt.  Vgl.  Zahn  VI  350  Anm.  2  f.  Über  Am- 
monii  s.  Nilles  II  744  index  generalis. 

7.  Amplias  (Rom.  16,  8).  Einstimmig  berichten  A,  B,  C, E, 
Ta  nebst  dem  Menologium  Basilii  porphyrog.  (Migne  P.  gr.  117, 
137  A)  und  dem  Synaxar.  CPol.  am  30.  Oktober  von  ihm  als 
Bischof  von  Odyssus  (oder  Odyssopolis). 

8.  Ananias.  Allgemein  wird  erwähnt,  daß  er  Paulus  taufte 
(Act.  6,  10  f)  und  dann  Bischof  von  Damascus  wurde  (Text  A 
HS  Bb,  B,  C,  E,  F,  Ta,  Tb).  In  Sb  wird  seine  Mission  auf  Da- 
mascus und  Arbela  ausgedehnt,  ebenso  in  Tb.  Von  seinem 
Lebensende  wissen  die  Syrer  zu  berichten,  daß  er  ermordet  wurde 
(Ss,  Ta)  und  zwar  durch  Balas,  den  Feldherrn  des  Arethas  (Sd), 
welcher  auch  Phul  (Sb)  heißt  oder  Philippus  (Tb),  oder  Lucianus 
(F),  von  dem  er  eine  Reihe  von  Martern,  Zerbrechen  der  Gliedmaßen, 
Brennen  mit  Flammen  und  zuletzt  Steinigung,  außerhalb  der 
Stadt  zu  erleiden  hat  (F).  Den  Tod  verlegen  Sd  nach  Arenaöl, 
Sb  nach  Arel.  Tb  erwähnt  den  Todestag  am  27.  Baöneh.  Im 
griech.  Synaxarium  wird  sein  Gedächtnistag  am  1.  Oktbr.  (Dele- 
haye  95,  5)  gefeiert,  wobei  die  vita  =  F  ist,  ebenso  im  Meno- 
logium Basilii   (Migne  117,  SO  C).     In  Sb   und  Tb   tritt   offenbar 


1)  Vgl.  Treppner,  Das  Patriarchat  von  Antioch.  S.  87. 

2)  Ed.  Lipsius-Bonnet,  Acta  apost.  apocr.  II  1,  117,  5  f.  .1.  Arm. 
Robinson,  Coptic  Apocryph.  Gospels  [Tcxts  and  Studies  IV.  No.  2]  Cam- 
bridge 1896,  209;  vgl.  Mahm,  Confüets  of  the  holy  Apostles  p.  99. 

3)  Lipsius,  Ergänzungsheft  8.  '.»i. 

4)  Tischendorf  Act.  ap.  apocr.  p.  151,  17.     Lipsius  I  553. 


330  Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

eine  Verwechslung  oder  Vermengung  mit  Ananias,  dem  Märtyrer 
von  Arbela  in  Persien  ein,  dessen  Fest  aber  im  Menologium 
Basilii  am  1.  Dezbr.  begangen  wird  (Migne  117, 186  D).  Nilles  1  340. 

9.  Andronicus  (Rom.  16,  7).  Nach  A  (HS  Bb),  B,  C,  E 
Bischof  von  Panonien,  ebenso  in  den  Menologien  und  Synaxarien 
am  30.  Juli  (Delehaye  856,  48).  Dagegen  nach  Sb,  Sd  predigte 
er  in  Illyrien,  nach  Tb  in  Thünjüs  (Thunisa,  Africa  procons.?), 
nach  Ta  in  Susa  (?).  Unsere  Texte  erwähnen  nichts  von  der 
Rolle,  welche  Andronicus  in  den  Johannesakteu  des  Leucius  und 
der  Überarbeitung  des  Prochorus  zukommt,    s.  Zahn  VI  102  Anm. 

10.  Annianus,  Bischof  von  Alexandreia,  durch  Marcus  or- 
diniert in  AK  VII  46,  5  (Funk  I  452,  18).  Vgl.  Eusebius  Chronik 
s.  Funk  I  453  nota  5  (Euseb.  h.  e.  III  21  [ed.  Schwartz  p.  236,  6] 
erwähnt  ihn  nicht).  Im  kopt.  Kalender  am  20(28.)  November, 
im  röm.  Martyrol.  am  25.  April.    In  unsern  Texten  nicht  erwähnt. 

11.  Apelles,  Bischof  von  Smyrna  vor  Polycarp  (A  [HS  Bb], 
B  [2  mal  xr\  ,  xö'  Bischof  von  Herakleia],  C,  E),  ebenso  in  Menol. 
und  Synax.  am  10.  Septbr.  (Delehaye  33,  36)  oder  31.  Oktober 
(184,  11);  in  vjrofiv^f/a  Act.  SS.  Junii  tora.  V  p.  414. 

—  Bischof  von  Heracleia  in  B  (xö'),  F,  Ta,  griech.  Synax.- 
Menol.  am  22.  April  (Delehaye  621,  53). 

—  Bischof  von  Mailand,  nachdem  er  in  Italien  gepredigt  hat.  Ta. 

12.  Apion  von  Andreas  als  Bischof  von  Odyssopolis  ein- 
gesetzt bei  Epiphanius  monach.  (Dressel  p.  56,  13). 

13.  Apollos  (Act.  18,  24;  19,  1;  1  Cor.  1,  12;  3,  4  etc.), 
Bischof  von  Cäsarea  (ABCETa);  ebenso  in  Synax.  am  7.  Jan. 
(Delehaye  376,  51).  Dagegen  wurde  Apollo  nach  Sb,  Sd  von 
Sparcelins,  dem  Richter  von  Grangra,  verbrannt,  und  zwar  nach 
Sd  in  Apamea. 

14.  Aquila,  in  A  (nur  HS  Bb)  und  Ta  wohl  irrtümlich 
Bischof  von  Heraklea  genannt,  aber  unterschieden  von  dem 
Gatten  der  Priscilla  (Act.  18,  1  ff).  Dagegen  erwähnt  Tb  seine 
Mission  in  Hi'gän  und  seinen  Verbrennungstod  in  Sfär.  Nach 
AK  VII  46,  14  sind  Aquila  und  Niketas  Bischöfe  in  Asien  (Funk 
I  454,  9);  in  den  Clementinen  sind  Aquila  und  Niketas  oder 
Faustus  und  Faustinianus  Brüder  des  Clemens  und  Begleiter 
Petri.     Funk  I  455  nota  14. 

15.  Archippus  nach  E  Bischof  von  Colossä  (cfr.  Col.  4,  17). 
In  Synaxarien  und  Menologien  am  23.  Novbr.,  20.  Febr.,  6.  Juli, 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  331 

ohne  weitere  Angaben.  Nach  AK  VII  46,  12  (Funk  I  454,  6) 
Bischof  von  Laodicea  in  Phrygien;  nach  Theodoret  (ad.  Col.  4, 
IG — 17)  sollen  zwei  Überlieferungen  existieren,  die  eine  machte 
ihn  zum  Bischof  von  Colossä,  die  andere  von  Thessalonich;  s. 
Funk  I  455,  nota  12. 

16.  Aristarch  (Act.  19,  29;  20,  4;  27,  2;  Col.  4.  10  Mit- 
gefangener des  Paulus)  wurde  nach  AB  (£//)  C  ($>]')  mit  Paulus 
gemartert  oder  enthauptet.  B  dagegen  (£$'),  C  (s<f ),  Ta  nennen 
ihn  Bischof  von  Apamea  in  Syrien.  In  den  griechischen  Meno- 
logien  und  Synaxarien  wird  er  mit  Pudens  und  Trophinius  am 
14.  April  (Delehaye  601,  5)  oder  am  15.  und  16.  April  gefeiert. 
Sb  berichtet  nach  einer  andern  Tradition,  daß  er  in  Magsarta 
predigte  und  gestorben  sei.  Ta  nennt  Codices,  welche  Aristarch 
Bischof  von  Diospolis  in  Syrien,  heute  Lydda,  nennen. 

17.  Aristobulus.  Die  gewöhnliche  Tradition  nennt  ihn 
Bischof  von  Britannien  (A  [HS  B],  B,  C,  E,  Ta).  Nach  dem  vjco- 
fiv?]fia  (AA.  SS.  Junii  tom.  V  p.  416)  hat  Petrus  in  Britannien 
Bischöfe,  Presbyter  und  Diakonen  eingesetzt,  ohne  daß  Namen 
angegeben  werden.  Öfters  wird  er  Bruder  des  Barnabas  genannt, 
so  bei  Epipbanius  monachus1,  auch  in  den  griechischen  Syna- 
xarien, nach  denen  er  aber  (15.  März,  Delehaye  539,  4;  oder 
30.  Okt.)  von  Paulus  zum  Bischof  von  Spanien  geweiht  wurde. 
Sb  läßt  ihn  in  Isaurien  predigen2,  dessen  Metropole  Seleucia  am 
Calycadnus  ist,  Tb  in  der  Gegend  der  Romäer  (Kleinasien)  und 
Tarsus,  wo  er  im  Gefängnisse  starb. 

18.  Aristion  (Ariston3),  öfters  als  Jünger  Jesu  von  Papias4 
zitiert  (Euseb.  III  39,  7.  14),  nennen  AK  VII  46,  8  (Funk  I  454,  2) 
Bischof  von  Smyrna.     In  unsern  Texten  nicht  genannt. 

19.  Artemas  (Tit.  3,  12),  Bischof  von  Lystra  (A,  B,C,E,Ta); 
ebenso  Synaxarien,  Menologien  am  20.  Okt.  (Delehaye  153,  40); 
oder  22.  Juni,  30.  Oktober. 

20.  Asyncritus  (Rom.  16,  14),  Bischof  von  Hyrcania  (A,  E, 
C,  Ta),  Urbania  (B).    Nach  Sb  predigte  er  bei  den  Huziten  (Beth- 


1)  Lipsius  I  575;  II  I,  7.  372. 

2)  Treppner  a.  a.  O.  S.  174 f. 

3)  Verwechslung  mit  Ariston,  dem  Verfasser  der  altercatio  Simonis 
et  Papisci  s.  Bardenhewer,  Die  altürchl,  Literatur  I  188. 

4)  Zahn  VI  120,  123,  L24.     Vgl.  Funk  I  454    nota  8  und  derselbe, 
Patres  apostolici.  Vol.  I  editio  II,  Tubing.  1901,  352,  3—1   und  p.  353  nota. 


332  Schercnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Hüzaye  =  Khüzistän   Budge  111),    nach  Tb   bei  den  Elamiten. 
In  den  griechischen  Menologien  am  8.  April  erwähnt. 

21.  Barnabas,  mit  dem  Beinamen  Josef  oder  Joses  (F,  Tb) 
gemäß  Act.  4,  36  Levit  aus  Cypern  (Tb).  Infolge  Act.  11,  26, 
wo  erwähnt  wird,  daß  in  Antiocheia  die  Jünger,  welche  Barnabas 
und  Saulus  bekehrte,  zuerst  Christen  genannt  wurden,  wird  er 
priuceps  LXX  discipulorum  (Ta,  cfr.  F)  geheißen1.  Als  Missions- 
station wird  zunächst  Rom  genannt,  wo  er  nach  A,  B  zuerst  das 
Evangelium  verkündigte,  nach  E  mit  Paulus,  nach  Sb  in  Italien 
allgemein.  Auch  die  Clementinischen  Recognitionen  und  Ho- 
milien  (I  6  und  7)  sprechen  von  seiner  Predigt  in  Rom,  aber 
nach  Petrus.  Daran  schließen  die  meisten  griechischen  Texte 
sein  Amt  als  Bischof  von  Mailand  (A,  B,  C,  E,  Ta),  eine  Legende, 
welche  von  der  zweiten  Hälfte  des  8.  Jahrh.  ab  (Bischof  Beringus) 
verfolgt  werden  kann2.  Die  älteren  Martyrologien  vor  dem  9. 
und  10.  Jahrh.  wissen  noch  nichts  davon;  daher  glaubte  Pape- 
broch,  daß  die  Nachricht  von  unsern  Jüngerlisten  (Dorotheus) 
ausgehe.  Lipsius  widerspricht  ihm  und  behauptet,  daß  eine  Mai- 
länder Lokaltradition  die  Priorität  beanspruchen  könne.  Dieses 
Moment  ist  jedenfalls  ein  wesentlicher  Punkt  zur  Datierung 
unserer  Texte.  Nach  der  syrischen  Tradition  predigte  Barnabas 
in  Attalia  und  Claudia  (==  Römer-Colonie  Claudiopolis  in  Isau- 
rien  Sd)  oder  in  Kurä  (Sb),  und  läßt  ihn  in  Samos  auf  Cypern 
entweder  sterben  (Sd)  oder  getötet  (Ss)  sein.  Ta  schildert  sein 
Martyrium  als  Steinigung  und  Verbrennung.  Auch  seine  Ruhe- 
stätte wird  von  Sb,  Ss,  Tb  auf  Samos  angegeben.  Hier  liegt 
die  Überlieferung  zugrunde,  welche  auf  Act.  15,  39  aufgebaut 
ist,  wonach  sich  Barnabas  nach  seiner  Trennung  von  Paulus  dort 
niederließ,  und  von  Clem.  Alexandr.  Strom.  II  20,  12  und  Euseb. 
h.  e.  I  12,  II  2  und  den  jcsqloÖol  Bagvaßa  festgehalten  wird. 
Eine  weitere  Ausgestaltung  erhielten  dann  diese  Notizen  in  dem 
syxcofiiov  des  Mönches  Alexander3. 

22.  Während  Tb  den  Barsabbas  genannt  Justus  (Act.  1,  23) 
mit  dem  vorhergehenden  Barnabas  identifiziert,  nennt  C  einfach- 


1)  Vgl.  David  Blondell  (ed.  Fabricius)  p.  491.    Apostel  genannt  bei 
Ainbrosius  de  Spir.  s.  II  12. 

2)  Lipsius  II  2,  300. 

3)  Lipsius  II  2,  298. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  333 

hin   einen  Barsabas  Bischof  von  Herakleia.    nach   Sd  predigte 
ein  solcher  in  Arnun  und  starb  im  Gefängnis. 

23.  Birrhus  (Birrus,  Burrhus).  Diakon  in  den  Johannes- 
akten s.  Zahn  VI  204  Anm.  2,  Schüler  des  Petras  in  sahidischen 
Fragmenten  des  Lebens  der  Jungfrau  c.  4  J.  Arm.  Robinson, 
Coptic  Apocr.  Gospels  (Texts  und  Studies  IV  No.  2,  Cambridge 
1896)  p.  36  u.  37.  Burrhus,  Diakon  in  Smyrna:  Ignatius  ad 
Ephes.  2,  1. 

24.  Bitärsus  wurde  nach  Sd  in  einen  Ofen  in  Laodicea 
geworfen  und  starb  daselbst. 

25.  Btritün  und  Simon,  Elfenbeinschnitzer,  predigten  in 
der  Stadt  Brutjah,  wo  sie   der  Präfekt  Silvanus  töten  ließ  (Tb). 

26.  Bukolus,  erster  Bischof  von  Smyrna,  nach  Ps.  Pionius 
in  der  vita  Polycarpi  c.  10  (F.  X.  Funk,  Patres  apostolici  II  1901, 
291—336).     Cfr.  Funk,  Didascalia  I  454  nota  8. 

27.  Bürün  soll  nach  Tb  Nubien  mit  Stachys  bekehrt  haben. 

28.  Caesar,  fälschlich  aus  Phil.  4,  22  abgeleitet,  war  nach 
A,  B,  C,  E,  Ta  Bischof  von  Dyrrhachium.    Vgl.  Lipsius  I  203. 

29.  Carpus  (2  Tim.  4,  15),  Bischof  von  Berrhoea  in  Thrakien 
ABC  (Berytus  in  Thracien),  E,  Ta.  Menologium  Basilii  (476  D) 
ohne  Angabe  eines  Bischofssitzes  am  26.  Mai.    Vgl.  Nilles  I  165. 

Ob  Qrisis  in  Sd  mit  Carpus  identifiziert  werden  darf,  wie 
Chabot  meint,  welcher  in  Birilön  (Beroea)  predigte  und  in  Krünos 
(Chersonese)  starb,  ist  fraglich. 

30.  Cornelius  centurio  wird  er  in  AK  VII  46  (Funk  I  452, 
16)  von  Petrus  als  2.  Bischof  von  Cäsarea  in  Palästina  eingesetzt, 
nach  dem  vjcofivtjfia  (AA.  SS.  Junii  tom.  V  p.  414)  ebenfalls  von 
Petrus,  aber  als  Bischof  von  Ilium  am  Hellespont. 

31.  Crescens  (2  Tim.  4,  10),  KQioxrjg,  Qrisius  Sd,  wird 
Bischof  von  Chalcedon  in  Gallien  genannt  A,  B,  Charcedon  C, 
Chalcis  E,  in  Gallien  F,  in  Kälänia  (=  Gallien?)  Sd,  in  Dalmatien 
Sb,  in  Galatien  Tb,  in  Lyon  (?)  Galliens  Ta.  Die  vielen  Ent- 
stellungen der  Städte-  oder  Ländernamen  gehen  doch  wohl  auf 
Galatien  (Gallien)  zurück,  da  hierin  eine  alte  Überlieferung  ver- 
borgen ist,  von  der  schon  Eusebius  h.  e.  III  4,  8  (ed.  Schwärt/ 
p.  194,  4)  berichtet:  rcöv  de  louicbv  axolovftmv  rov  IlavXov 
Kqtjöxijq  ..  Im  rag  Falliaq  GT£iAdtutvoQ  vn  avrov  (laQXVQEltau 
Auch  in  AK  VII  46,  13  (Funk  I  451,  8)  wird  Crescens  Bischof 
der  Kirche  von   Galatien  genannt.     Wohl  durch  Verstümmelung 


334  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

aus  Chalcedon  entstand  die  Nachricht,  daß  Petrus  in  Karthago 
den  Crescens  zum  Bischof  geweiht  haben  soll,  wie  das  vjio[ivr][ia 
(AA.  SS.  Junii  tom.  V  p,  416)  und  das  lateinische  Fragment  des 
Pseudo-Sophronius  (Lipsius  II  1,  222)  mitteilen. 

Von  einem  Martyrium  unter  Trajan  sprechen  A  (HS  B)  und 
Ta  in  Gallien  selbst;  dagegen  wurde  Crescens  nach  Sb,  Sd,  Tb 
in  Alexandreia  ins  Gefängnis  geworfen,  wo  er  dann  Hungers 
starb.  Im  Menol.  Basilii  (M  565  C)  wird  er  am  30.  Juli  mit 
Silas,  Silvanus,  Epaenetus  und  Andronicus  erwähnt. 

32.  Crispus  (Act.  18,  8;  1  Cor.  1,  14)  ist  nach  AK  VII  46,  14 
(Funk  I  454,  10)  Bischof  der  Kirche  von  Ägina.  In  Sd  ist  die 
Stadt,  wo  Crispan  predigte,  nicht  genannt.  Im  kopt.  Kalender 
am  1.  Juni.     Nilles  I  720. 

33.  Cyriacus  (Junias,  wohl  in  Tb  Verstümmelung  aus  Judas). 
Judas  Cyriacus  ist  die  Hauptperson  der  Geschichte  von  der  2.  Auf- 
findung des  Kreuzes  durch  Helena  (Zahn  VI  254.  292  Anm.  3). 
Nach  Tb  predigte  er  in  Samos  (in  occidente),  taufte  und  wurde 
Märtyrer. 

34.  Demas  wurde  nach  2  Tim.  4,  10  wieder  abtrünnig  und 
Götzenpriester  in  Thesalonich:  A  (HS  B),  B,  C,  E.  Nach  Ta  war 
er  zuvor  Bischof  von  Diospolis  in  Syrien.  Sb  weiß  nichts  von 
seinem  Abfall,  auch  nicht  Sd,  wonach  er  in  Cilicien  in  ein  Bade- 
bassin geworfen  wurde. 

35.  Demetrius  als  Bischof  von  Philadelphia  von  Johannes 
geweiht  in  AK  VII  46,  9  (Funk  I  454,  3). 

36.  Dionysius  (Areopagita)  von  Athen,  nach  Euseb.  h.  e.  III 
4,  10  und  AK  VII  46,  11  (Funk  I  454,  5)  Bischof  von  Athen. 

37.  Dracontius,  von  Andreas  als  Bischof  von  Nicaea  ein- 
gesetzt.    Epiphan.  monach.  (ed.  Dressel)  p.  65,  6. 

38.  Ebrius  (nur  in  Sb:  Abrion  et  Mo  tos)  soll  mit  Mutus 
nach  Äthiopien  gewandert  sein  (Budge  p.  112). 

39.  Epaenetus  (Rom.  16,  5),  Bischof  von  Karthagena  nach 
A  (HS  B),  B,  C,  E,  F,  Ta.  Nach  dem  vjcofivtjfia  (Act.  SS.  Junii 
tom.  V  p.  416)  weihte  ihn  Petrus  in  Sirmium  in  Spanien?  (sonst 
in  Pannonien)  zum  Bischof. 

40.  Epaphroditus  (Phil.  2,  25  s),  Bischof  von  Andriake 
(A,  B,  C,  E,  Ta,  griech.  Menol.  und  Synax.  am  9.  Dez.  Migne  117, 
197  B).  In  dem  vjtofivtjf/a  c.  2  (AA.  SS.  Junii  tom.  V  p.  414 1 
dieselbe  Nachricht,  dagegen  in  c.  3  (p.  416)  nochmals  als  Bischof 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  335 

von  Terracina  genannt,  was  wohl  auf  Lokaltradition  zurückgeht 
(Lipsius  II  1,  222). 

41.  Ephraem  predigte  und  starb  in  Baisän:  Sd,  Sb. 

42.  Erastus  (Rom.  16,  23),  Bischof  von  Paneas  =  Caesarea 
Philippi:  A,  B,  C,  E,  Ta,  Menol.  Basilii  10.  November,  (M.  153 C); 
Nilles  I  320. 

43.  Esphana  starb  im  Gefängnis  in  Tarsus  Sd. 

44.  Evodus  (Euodius),  erster  Bischof  von  Antiocheia  nach 
Petrus:  A,  B,  C,  E.  Nach  Ta  soll  er  auch  Eubulus  heißen  und 
Bischof  von  Antiocheia  in  Pisidien  gewesen  sein.  Die  erste 
Nachricht  teilen  auch  AK  VII  46  (Funk  I  452,  16  f);  vji6[ivrj^ia 
(AA.  SS.  Junii  tom.  V,  414)  ebenso  der  lat.  Ps.  Sophronius; 
ebenso  Malala,  Nikephorus  Call.  h.  e.  II  35  (Lipsius  II  1,  211), 
ebenso  die  griecb.  Menologien  und  Synaxarien  (Delehaye  24,  54) 
zum  7.  Septbr.  Sie  ist  historisch  begründet,  wie  Euseb.  h.  e.  III 
22  (ed.  Schwartz  236,  14)  mitteilt.  Evodius,  Schüler  des  Petrus, 
erzählt  den  transitus  Maria.  Er  nennt  sich  darin  einen  der  72 
Jünger,  den  Schüler  des  Petrus  und  dessen  Nachfolger,  aber 
nicht  in  Antiocheia,  sondern  in  Rom  als  der  2.  Siehe  J.  Arm. 
Robinson,  Copt.  Apocr.  Gospels  (Texts  and  Studies  IV  2)  p.  44. 
51.  207.  209.  Über  Evodius  als  Verfasser  eines  Briefes  „cpwc" 
betitelt,  bei  Nikephorus  teilweise  aufbewahrt  und  in  einem  inter- 
polierten Text  der  Chronik  Hippolyts  von  Theben  (Diekamp  V 
2,  5  p.  27,  5)  s.  Diekamp  p.  XXXIV  ff. 

45.  Euchastion  und  Simeon  wurden  von  Metholius,  dem 
Präfekten  von  Byzanz,  hingerichtet:  Sb. 

46.  Eunuch us  Candacis  reginae,  soll  in  Äthiopien  gepredigt 
haben,  dann  auf  der  Insel  Parpachia,  wo  er  an  einem  Seil  er- 
tränkt wurde:  Sb.  Nach  Ta  soll  er  in  Arabia  Felix  und  der 
Insel  Taprobane  gepredigt  haben. 

47.  Fortunatus,  ohne  weitere  Angaben  in  Ta. 

48.  Gaius  (Act.  19,  29;  Rom.  16,  23;  1  Cor.  1,  14),  nach  AB 
CETa  Bischof  von  Ephesus.  Nach  Tb  predigte  er  in  Antio- 
cheia und  Umgebung,  wo  er  am  4.  des  Amsir  als  Märtyrer  starb. 
Nach  Origenes  dagegen,  Com.  in  Rom.  16,  23,  erster  Bischof 
von  Thessalonich,  nach  AK  VII  46,  9  (Funk  1  454,  3)  von  Petrus 
zum  Bischof  von  Pergamum  geweiht.  In  dem  Synaxarium  CPolit. 
stimmt  zum  4.  Novbr.  (ev.  6.  Novbr.)  die  Nachricht  über  ihn  mit 
unsern  griechischen  Jüngerlisten  (Delehaye    IUI.  <>.   17). 


336  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

49.  Hermas  (Rom.  16,  14)  wurde  Bischof  von  Philippi: 
ABCETa,  ebenso  Synax.  CPol.  am  4.  Novbr.  (Delehaye  194,  6. 
12).  Von  diesem  scheint  in  den  syrischen  Zeugen  Hermas  Pastor 
(D,  Sd,  Sb,  Tb)  unterschieden  werden  zu  müssen,  der  in  Rom, 
Antiocheia  und  Caesarea  predigte  (Tb)  und  in  Antiocheia  starb 
(Sd,  Sb). 

50.  Hermes  (Rom.  16,  14).  Daneben  wird  in  A  (HS  B),  B, 
C,  E,  Ta  ein  Hermes  genannt,  welcher  Bischof  von  Dalmatien 
oder  Berytus  (Ta)  wurde,  dessen  Gedächtnis  in  der  griechischen 
Kirche  am  8.  April  begangen  wird.     Nilles  I  134. 

51.  Hermogenes  war  Bischof  von  Megara:  A  (HS  B),  B, 
C,  E  und  fiel  nach  2  Tim.  1,  15  mit  Phygelus  ab.  In  den  Acta 
Theclae  c.  14  wird  er  mit  Demas  als  Irrlehrer  erwähnt.  Im 
syrischen  Martyrologium  vom  J.  412  wird  er  mit  Rufus  zum 
19.  April  erwähnt.     Lipsius,  Ergänzungsheft  S.  42. 

52.  Herodion  (Rom.  16,  11),  Bischof  von  Patara  (Paträ) 
nach  A,  B,  E.  Nach  C  Bischof  von  Tarsus,  nach  Ta  der  nitri- 
schen  Wüste.  In  dem  vji6tuvrjfia  (AA.  SS.  Junii  V  p.  414)  wird 
er  ebenfalls  Bischof  von  Paträ  genannt;  ebenso  in  Synax.  CPol. 
zum  27.  März,  wo  sein  Martyrium  näher  beschrieben  wird  (Dele- 
haye 564,  9).  Er  findet  sich  in  Menaeen  und  dem  Synax.  noch- 
mals am  8.  April  mit  Agabus  und  Rufus  (Delehaye  591,  8.  50). 

53.  In  Sd,  Tb  wird  auch  ein  Her  ödes  genannt,,  der  in  Acco 
ermordet  wurde  und  begraben  liegt. 

In  Hierapolis  setzt  Philippus  Heroe  zum  Bischof  ein  = 
Niketas  David  Paphl.  or.IX  in  laud.  S.  Philippi  (Migne  105,  196  C). 

54.  Hrnsürs,  einer  der  6,  welche  mit  Petrus  in  Caesarea 
waren,  predigte  auf  den  Inseln.    Tb. 

55.  Hurumänüs  predigte  in  Emesa  und  Heliopolis,  liegt  in 
Sjör  begraben.    Tb. 

56.  Hymenaeus  (Budge  112:  Omius)  predigte  und  starb 
in  Melitene.  Nach  dem  Ambrosiaster  zu  2  Tim.  2,  18  wird  ihm 
und  Philetus  mit  Verweis  auf  Acta  Theclae  c.  14  eine  Irrlehre 
zugeschrieben,  als  deren  Vertreter  aber  dort  Demas  und  Hermo- 
genes erscheinen.     Lipsius  II  1,  425  A.  3. 

57.  Jacobus  der  Herrnbruder  wird  6  dös2.g)6g  rov  xvqiov 
in  A  (HS  Bb),  B,  H,  D  (+  xata  öagxa  D,  Tb)  Ta,  aösXyo&soq 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  337 

in  C  genannt.  Als  erster  Jünger1  tritt  er  in  A  (HS  Bb)BCDE, 
als  28.  in  Sd,  als  2.  in  Ta,  als  12.  in  Tb  auf.  Ta  und  Tb  nennen 
ihn  fernerhin  filium  Josephi  fabri  lignarii,  Ta  noch  concionator. 

Nach  Tb  war  er  aus  dem  Stamme  Juda;  seine  Mutter  Sa- 
lome  stand  unter  dem  Kreuze,  welche  die  Nichte  des  Priesters 
Zacharias  war. 

Er  war  der  erste  Bischof  von  Jerusalem2  (A  [HS  Bb],  B 
[vom  Herrn  selbst  dazu  gemacht],  C,  E);  als  solcher  28  Jahre  in 
Jerusalem  tätig  (Ta),  oder  gar  30  Jahre  (Tb).  Seine  Mission  (Tb) 
erstreckte  sich  auch  außerhalb  Jerusalems  über  ganz  Palästina, 
Emesa,  Caesarea  bis  zu  den  Nomaden  von  Arabia  Petraea,  Nach 
derselben  Quelle  ist  er  Verfasser  des  katholischen  Briefes3. 

Sein  Martyrium  bestand  nach  A,  H,  Sb  darin,  daß  er  von 
den  Juden  in  Jerusalem  gesteinigt  wurde4.  Sb,  Ta  lassen  ihn 
gemäß  der  Erzählung  des  7.  Buches  der  Hypotyposen  des  Cle- 
mens5 und  des  Hegesippus6  von  der  Zinne  des  Tempels  herab- 
gestürzt und  dann  von  einem  Walker  erschlagen  sein.  Tb  da- 
gegen läßt  ihn  auf  Befehl  des  Agrippa  gesteinigt  und  dann  von 
einem  Walker  getötet  werden. 

Seine  Beisetzung  erfolgte  in  Jerusalem  in  dem  Tempel  in 
der  Nähe  der  Priestergräber  (A).  In  Tb  ist  dann  fernerhin  die 
Legende  erzählt,  wonach  die  Juden  als  Strafe  für  die  Ermordung 
des  Jacobus  die  Eroberung  Jerusalems  durch  Vespasian7  be- 
trachteten. 

58.  Jason  (Act.  17,  5;  Rom.  16,  21),  Bischof  von  Tarsus 
(ABCETa);  nach  dem  vjcofivrjfia  zum  Bischof  von  Thessalonich 
durch  Petrus  geweiht  (AA.  SS.  Junii  V  414).  Im  Synax.  CPol. 
am  28.  April  mit  Sosipater  (Delehaye  633,  7),  mit  welchem  er  iu 

1)  Euseb.  comm.  in  Isai.  17,  5 — 6  (Migne  Patr.  24,  209  A)  nennt  ihn 
nach  Paulus  den  vierzehnten  in  der  Reihe  der  Apostel. 

2)  Nach  dem  6.  Buche  der  Hypotyposen  des  Clemens  bei  Euseb.  h. 
e.  III  3  (ed.  Schwartz-Mommsen  S.  104,  4 — 8).  In  Constit.  apost.  (Funk 
I  452,  12)  von  Petrus  eingesetzt. 

3)  Cfr.  Euseb.  h.  e.  II  23,  25. 

4)  Nach  Flavius  Josephus  antiqu.  1.  XX  9,  1;  ebenfalls  bei  Euseb. 
h.  e.  U  23,  21—22. 

5)  Bei  Euseb.  H  1,  5  (ed.  Schwartz  S.  104,  14). 

6)  Bei  Euseb.  II  23,  3.  12. 

7)  Hegesippus  bei  Euseb.  H  23,  18  (ed.  Schwartz  170,  23).  Die 
späteren  Berichte  über  Jacobus  siehe  bei  Lipsius  a.  a.  O.  II  2,  241  Ö'. 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31.  3  22 


338  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Sb  erwähnt  wird:  praedicantes  in  Olmio  bestiis  obiciuntur.  Dieses 
Martyrium  wird  in  Sd  ebenfalls  von  Jason  ausgesagt.  In  Tb 
dagegen  wird  ihm  die  Stadt  Apamea  und  Saizr  als  Wirkungs- 
kreis übertragen.  In  demselben  Zeugen  Tb  wird  dann  als  n.  64 
genannt  ein  Jason,  den  man  auch  sonst  Murqsös  (Marcus?)  nenne, 
welcher  in  Rhüs  (vielleicht  Rhosos  =  El  Ros  am  Orontes  bei 
dem  Meerbusen  von  Issus  [Treppner  S.  123])  wirkte  und   starb. 

59.  Jousai  predigte  in  'Ard'at  und  wurde  dort  zu  Tode  ge- 
steinigt: Sd.  cArdcat  vielleicht  =  Arad,  Bistum  der  Insel  Arad 
und  des  unweit  von  der  Küste  Phönikiens  gelegenen  Antarad. 

60.  Ignatius  von  Antiocheia,  unter  Trajan  zum  Tode  im 
Kampfe  mit  den  wilden  Tieren  verurteilt:  D,  E.  Nach  AK  VII 
46,  4  (Funk  I  452,  17)  war  Ignatius  von  Paulus  als  Bischof 
von  Antiocheia  ordiniert;  über  die  Zeugnisse  bei  Eusebius  s. 
Funk  I  453  nota  4. 

61.  Johannes  predigte  (mit  Theodoms  Sb,  mit  Munson  Tb) 
in  Heliopolis  (Baalbec)  und  Satrön  (Tb).  Sie  wurden  dann  im 
Theater  von  Baalbec  wilden  Tieren  vorgeworfen  SdSbTb.  Nach 
AK  VII  46,  7  (Funk  I  454,  1)  wurde  ein  Johannes  zum  Bischof 
von  Ephesus  durch  den  Apostel  geweiht.  Offenbar  ist  mit  dem 
ersteren  der  Presbyter  Johannes  gemeint,  über  welchen  Papias 
bei  Euseb.  h.  e.  III  39,  6  berichtet  (Funk  I  453  nota  7). 

62.  Johannes  Marcus  (Act.  12,  12.  25;  15,  37)  (D)  wurde 
Bischof  von  Alybante  (Ta);  Bischof  von  Biblus  (A)., 

63.  Josef  von  Arimathaea  predigte  in  Galiläa  und  in  der 
Decapolis  (D  Sd  Ss  Tb),  begraben  in  Ramath  (Sb),  Arimathaea  (Tb). 

64.  Josef  Justus  qui  et  Barsabbas  (Col.  4,  11:  'irjöovg  o 
Xty6tu£voc  'iovötoq  BE;  Judas  Barsabbas:  Act.  15,  22.  27.  32 
A  D  E  F  Ta).  Bischof  von  Eleutheropolis :  A  B  C  E  Ta.  Die  sy- 
rische Tradition  in  SdSbTb  läßt  ihn  in  Tiberias  und  Caesarea 
predigen  und  sterben.  Unsere  Texte  wissen  weder  etwas  von 
dem  Lebensende  des  Barsabbas  Justus,  von  dem  Papias  berichtet 
(Zahn  VI  110  Anm.  2),  noch  von  der  Nachricht  des  Eusebius 
(h.  e.  IV  5,  3;  ed.  Schwartz  p.  304,  26),  daß  ein  Justus  3.  Bischof 
von  Jerusalem  war. 

65.  Josias,  „Sohn  des  Schreiners  Joseph,  Bruder  des  Jacobus 
und  Judas",  predigte  und  starb  in  Fraus.    Tb. 

66.  Judas  Jacobi,  Verfasser  des  katholischen  Briefes  (Tb), 
predigte  in  Adrät,  Edessa,  Auranitis  und  heilte  den  Abgar  von 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  339 

Edessa  vom  Aussatze.  Als  Märtyrer  starb  er  in  Adr'ät  am  25. 
des  Baöneh.  Tb.  Hier  liegt  offenbar  Identifikation  mit  Thaddäus 
vor.  Siehe  hierüber  in  dem  Apostelverzeichnis.  Nach  Sd  pre- 
digte Judas  Jacobi  in  Baisan  und  starb  in  Loud.  Nach  Tb  wird 
noch  ein  Judas  Barsabbas  unterschieden  (n.  17),  der  in  Persien 
und  der  Tabaristana  predigte  und  zersägt  wurde;  fernerhin  noch 
ein  Judas  Simon,  der  in  Arimathaea  predigte  und  dort  von  den 
Juden  getötet  wurde.  Nach  AK  VII  46  (Funk  I  452,  14)  wurde 
Judas  Jacobi  als  3.  Bischof  von  Jerusalem  durch  Petrus  ein- 
gesetzt. 

67.  Junias  (cfr.  Rom.  16,  7),  Bischof  von  Apamea  in  Syrien 
(A).  Nach  Sb  Sd  in  Samos  ergriffen  und  getötet.  In  dem  Synaxar. 
CPol.  am   17.  Mai  mit  Andronicus  erwähnt  (Delehaye  689,  23). 

68.  Kephas  (Galat.  2,  11),  unterschieden  von  Petrus  (D) 
durch  Clemens  Alex,  bei  Euseb.  I  12,  2  (ed.  Schwartz  p.  82,  3  f). 
Bischof  von  Konia  (ABC Ta)  oder  Kolonia  (E).  Nach  Sd  pre- 
digte er  in  Rhodus  und  wurde  dann  ins  Meer  geworfen;  nach  Ss 
wurde  er  in  Antiocheia  gesteinigt.  Nach  Sb  predigte  er  in 
Baalbec,  Hamaz  (Budge  p.  110:  Hirns  [Emesa])  und  in  der  Natron- 
wüste. Er  starb  und  wurde  begraben  in  Sarmi  (Budge  p.  110: 
Shiräz,  Sarmin,  Shaizär,  Kurärnah). 

69.  Kleophas  qui  et  Symeon,  oder  Simon  o  rov  Kloüta. 
Nur  ein  einziger  Text  (Sd)  unterscheidet  Kleophas,  der  im  Ge- 
fängnis in  Tarsus  gestorben  sein  soll,  von  dem  Bischof  von 
Jerusalem.  Während  die  griechischen  Texte  und  die  arabischen, 
welche  teilweise  mit  den  griechischen  verwandt  sind,  letzteren 
Kleophas  6  xcu  ^vfiscbv  nennen,  sprechen  die  syrischen  Texte 
(DSdSbSsTb)  von  Simon,  filius  Cleophae1.  Tb  unterscheidet 
beide,  den  Kleophas,  frater  Josephi  lignarii  fabri,  und  Simon 
Cleophae,  den  Bischof  von  Jerusalem,  was  offenbar  eine  spätere 
Trennung  ist. 

Cleophae  filius  wird  avstyibq  xvqiov  genannt  (ABE),  oder 
o  yctfißgog  7eöO?}<jp  rov  öixalov  E,  frater  Josephi  fabri  lignarii 
Tb,  filius  Josephi,  frater  Jacobi  Ta,  ccvtjq  61  MaQiag  rrjq  xaXov- 
[iü'tjg  aöeXcprjc,  (itjrQog  rov  xvqiov  E.  Damit  sollte  das  Ver- 
wandtschaftsverhältnis  zum  Herrn   ausgedrückt  werden.     Schon 


1)  Mit  Simon  Kleophae  wird    öfters  Simon    Kananites  identifiziert. 
Lipsius  II  2,  142 f. 

22* 


340  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Hegesippus  1  hatte  Joa.  19,  25  zu  interpretieren  versucht,  wo  die 
Schwester  seiner  Mutter,  Maria,  die  Frau  des  Kleophas  heißt, 
und  daher  Symeon  Cleophae  als  äveipibq  des  Herrn  nach  allge- 
meiner Annahme  bezeichnet;  an  einer  andern2  Stelle  nennt  er 
Kleophas  dösXcpoc  rov  'icoorjy). 

Nach  manchen  Texten  (ABDETaTb)  ging  Kleophas  mit 
Lucas  nach  der  Auferstehung  des  Herrn  nach  Emmaus3;  und  auf 
seiner  Hochzeit  verwandelte  der  Herr  Wasser  in  Wein  (Joh.2, 9):  E. 

Er  war  nach  seinem  Bruder  Jacobus  Bischof  von  Jerusalem 
(ABDETaTb)  und  wurde  120  Jahre  alt  (SsTa).  Über  die 
Berechtigung  dieser  Angaben  haben  wir  bereits  bei  Judas  Jacobi 
und  Simon  Cleophae  gehandelt,  gemäß  Euseb.  h.  e.  III  11  und 
Hegesippus  bei  Euseb.  III  32,  3  (Zahn  VI  241). 

Das  Lebensende  erwähnen  nur  wenige  Texte.  Nach  Sd  starb 
er  im  Gefängnis,  nach  Ta  wurde  er  unter  Domitian  gemartert 
und  unter  Trajan  gekreuzigt,  nach  D  wurde  er  ebenfalls  unter 
Domitian  gemartert  und  in  Caesarea  in  Palästina  enthauptet. 
Nach  Sd  wurde  er  durch  den  Chiliarchen  Irenaeus  (Heraeus: 
Schönfelder)  im  100.  Lebensjahre  gekreuzigt.  Da  Tb  Kleophas 
von  Simon  Cleophae  unterscheidet,  läßt  er  Kleophas  in  Diospolis 
getötet  werden.  Die  Nachricht  von  der  Kreuzigung  unter  Trajan 
basiert  auf  Hegesippus  bei  Euseb.  III  32,  6  (Zahn  VI  239)  und 
III  32,  3  (Zahn  VI  241). 

70.  Klemens  (Phil.  4,  3),  Bischof  von  Sardica  (ABE),  Sar- 
dinia  C.  Dagegen  nach  Ta  Bischof  von  Rom,  als  Nachfolger 
des  Linus,  wie  auch  AK  VII  46,  6  ihn  als  2.  Bischof  von  Rom 
nach  Linus  von  Petrus  geweiht  sein  läßt  (Funk  I  452.  21;  453 
nota  6);  vgl.  Nilles  II  622.  I  334. 

71.  Laison,  nur  in  Sd  erwähnt;  danach  starb  er  in  Apamea 
in  einem  siedenden  Ofen. 

72.  Lazarus,  ebenfalls  in  Sd,  Bruder  der  Maria,  predigte 
in  Cypern  und  starb  dort.  Ebenso  berichtet  Barhebraeus,  der 
von  der  Predigt  des  Lazarus  in  Cypern  von  „Eusebius"  Kunde 
haben  will.     Über  weitere  Tradition   in   den   Clement.  Homilien 


1)  Bei  Euseb.  h.  e.  IV  22,  4—5;  Zahn  VI  326 f,  338 f. 

2)  Euseb.  HI  11,  1;  Zahn  VI  236 f. 

3)  Diese  Tradition  bei  Gregor  d.  Großen  und  später  s.  Lipsius  II  2, 
360  Anm.  1.  2.  3  und  S.  362. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  341 

und  Recognitionen  s.  Zahn  VI,  50.  51.    Im  Martyrol.  Roman,  am 
17.  Dezbr.     Nilles  II  611;  sonst  am  17.  März:  Xilles  II  195. 

73.  Levi,  nur  in  SbSdTb  genannt,  predigte  in  Phainös 
(=  Paneas)  (Athen  Tb)  und  wurde  durch  Charmus  (Chronos  Sd, 
Krmüs  Tb)  ermordet  (Sd  Sd  Tb).  In  der  syrischen  doctrina 
apostolorum,  W.  Cureton,  Ancient  Syriac  documents,  London  1864 
p.  30  bekannte  Levi  auf  die  Lehre  der  Apostel  hin  Christus. 

74.  Linus  (2  Tim.  4,  21)  nach  Petrus  erster  Bischof  von 
Rom  (ABCETa),  nach  dem  vjr6fivr]fia  (Act,  SS.  Junii  V  416) 
von  Petrus  eingesetzt;  ebenso  Menolog.  Bas.  (Migne  117.  144  C) 
am  4.  Novbr.  (=  Synax.  Delehaye  194,  6).  Nach  AK  VII  46,  6 
(Funk  I  452,  20)  wurde  Linus,  Sohn  der  Claudia,  als  erster  Bi- 
schof von  Rom  durch  Paulus  geweiht  (vgl.  Funk  I  453  nota  6). 

75.  Lucius,  Bischof  von  Laodicea  in  Syrien  (ABCETa). 
Die  syrische  Tradition  dagegen  nennt  ihn  Cyrenaeum  (Act.  13, 1) 
(DTb)  und  gibt  ihm  ein  Martyrium.  Er  soll  von  Pferden  ge- 
schleift worden  sein,  so  daß  seine  Glieder  ausgerissen  wurden 
(SdSbTb).  Nach  Tb  predigte  der  letztere  in  Njäbör.  Im  Menol. 
Basilii  am  21.  August  (M.  117,  593  Df):  ohne  Erwähnung  seines 
Bischofsitzes,  und  Martyrium  durch  Enthauptung  =  Delehaye 
916,  30. 

76.  Manahen,  Milchbruder  des  Herodes  (D).  In  einem 
Exzerpt  aus  Papias  wird  von  der  Mutter  eines  JTavdlfiog  be- 
richtet, daß  sie  von  den  Toten  auferstanden  sei.  Zahn  vergleicht 
Mavaifiog  mit  Manaen  (Apg.  13,  1),  dem  Milchbruder  des  He- 
rodes, glaubt  aber,  daß  das  Zitat  des  Papias  nicht  von  diesem 
handeln  könne.  Zahn  VI  110  Anm.  2;  166  Anm.  Daneben  wird 
ein  Manael1,  Sohn  des  Demetrius  (Sb  Tb),  der  in  Acco  verbrannt 
wurde,  genannt.  Ferner  nennt  Sd  einen  Malael,  der  in  Seleucia 
in  einem  Ofen  verbrannt  wurde.  Sb  und  Tb  Ss  nennen  dann 
noch  einen  M'leas  (Mljanu'  Tb,  Milus  Sb),  welcher  in  Rhodus 
predigte  (Sb  Tb),  dann  in  Alexandreia  als  3.  Bischof  nach  Marcus 
(Tb),  und  dort  gesteinigt  wurde  (SsTb).  Nach  Sb  wurde  er  im 
Meere  ertränkt.     Vgl.  Meleas  nr.  83. 

77.  Marcianus  wurde  mit  Pankratius  zum  Bischof  von 
Sicilien  von  Petrus  geweiht:  Epiph.  monachus  ed.  Dressel  p.  56. 


1)  Die  syrische  doctrina  apostolorum  nennt  einen  Menaeus  (ed.  Cureton 
p.  35)  als  einen  der  ersten  Apostelschüler. 


342  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Ebenso  in  dem  vx6(ivr]fia  (AA.  SS.  Junii  V  414),  nur  daß  hier 
statt  Marcianus:  Maximus  geschrieben  ist.  Am  9.  Februar  in 
dem  Menol.  Basilii  (M.  305  B)  =  Epiph.  mon.    Nilles  I  97. 

78.  Marcus,  der  ävsipiog  BaQvaßa  (Col.  4,  10),  wurde  Bi- 
schof von  Apollonias  (A  B  C  E  Ta). 

79.  Marcellus  (Budge  p.  111:  Martalus)  predigte  den 
Barbaren  und  kam  dabei  um  (Sb).  Wohl  derselbe,  Marötölos 
geschrieben,  ist  in  Sb  gemeint,  der  bei  den  Barbaren  in  Nikta- 
motos  predigend  ermordet  wird. 

80.  Ein  Märmätus  soll  bei  den  Äthiopiern  gepredigt  haben 
und  dort  gestorben  sein  (Sd). 

81.  Maro,  zum  Bischof  von  Tripolis  durch  Petrus  einge- 
setzt: vjtofivTjfia  (AA.  SS.  Junii  V  412). 

82.  Marthones  wurde  von  Paulus  zum  Bischof  von  Tripolis 
in  Phönicien  geweiht:  AK  VII  46,  11  (Funk  I  454,  5);  dagegen 
nach  den  Clem.  Recogn.  6,  15,  Homilien  11,  36  von  Petrus;  sein 
Name  ist  Maro  geschrieben. 

83.  Melea  predigte  in  Emesa,  Baalbec,  Aristän  und  Hemat 
und  starb  in  Saizar  (Sd).  Ein  Migla  predigte  und  starb  in 
Tyana  (Sb).  Tb  erwähnt  nebst  Herodes  einen  Mshj,  welche  in 
Acco  predigten  und  begraben  sind.  Vielleicht  ist  der  Name  eine 
Entstellung  von  Manael. 

84.  Mnason  (Act.  21,  16);  nur  erwähnt  in  D.  Tb  nennt 
einen  Munsön,  der  in  Heliopolis  und  in  Satron  predigte,  und 
in  Heliopolis  den  wilden  Tieren  vorgeworfen  wurde.  Nach  Tb 
predigte  ein  Murqsös  in  Nyssa,  Nazianz  und  den  Inseln. 
Nach  Sb  zog  ein  Mutus  (Budge  p.  112:  Motos)  mit  einem  Ebrius 
(Abrios)  nach  Äthiopien.  Nach  Tb  starb  ein  Murüläd,  d.  h. 
Theophanes,  in  Jälüs. 

85.  Narcissus,  Bischof  von  Athen  (ABCETa),  starb 
in  Griechenland  (Sb  [Budge  p.  111],  Sd).  Nach  den  jieqioöoi 
<PiZijtJiov,  auf  welche  die  Erzählung  in  den  Menaeen  zurück- 
geht, setzt  Philippus  vor  seiner  Abreise  den  Narcissus  zum  Bi- 
schof von  Athen  ein.     Lipsius  II  2,  37. 

86.  Nathanael,  erwähnt  in  DESs,  soll  nach  SdSb  im 
Hauran  gepredigt  haben,  dann  gesteinigt  worden  sein.  Nathanael 
(Joa.  1,  45;  21,  2)  wird  sonst  bald  mit  Bartholomäus,  bald  mit 
Simon  Cananaeus  identifiziert.    In  dem  Menol.  Basilii  am  22.  April 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  343 

(Migne  117,  417  D)  keine  Kenntnis  unserer  Texte;    ebensowenig 
im  Synax.  CPol.  (Delehaye  621,  21). 

87.  Nicanor,  Diakon  (Act.  6,  5),  starb  an  demselben  Tage 
wie  Stephanus  mit  200Ü  Gläubigen  (A  B  C  E  Ta).  Nach  Ta  wurde 
er  wie  ein  Lamm  abgeschlachtet,  nach  Tb  wirkte  er  in  der  Stadt 
Bsrj  (Botrys?)  und  Umgebung;  die  Griechen  (Heiden)  verbrannten 
ihn.  Erwähnt  am  28.  Juli  mit  Prochorus  u.  a.  im  Menol.  Basil. 
(M.  564  D). 

88.  Nicodemus  der  Pharisäer  nahm  die  Apostel  in  Jeru- 
salem auf,  predigte  dort  und  starb  ebendaselbst  (DSdSbTb). 
Im  kopt.  Kalender  am  1.  August:  Nilles  II  722. 

89.  Nicolaus,  Diakon  (Act.  6,  5),  zuerst  Bischof  von  Sama- 
reia,  fiel  dann  mit  Simon  wieder  ab  (ABCEFTaTb):  Stifter 
der  Nicolaiten.  Gegen  Nicolaus,  den  Anführer  der  Nicolaiten: 
Clem.  Alex,  ström.  II  28,  118;  ström. III 4,  25.  26;  Irenaeus  126,  3; 
III  11,  1,  s.  Hilgenfeld,  Acta  apostolorum  ed.  Berolini  1899,  210  f. 

90.  Nigeos  wurde  von  Caiphas  im  Tempel  getötet  (Sd). 

91.  Niger  (Simeon  Niger  Act.  13,  1)  predigte  in  Antiocheia 
und  wurde  dort  begraben  (Sb). 

92.  Niketas  starb  in  Tiberias  (Sd)  und  wurde  in  zwei  Teile 
zersägt  (Sb).  In  AK  VII  46,  14  (Funk  I  454,  9)  ist  Niketas  (mit 
Aquila)  Bischof  der  Gemeinden  in  Asien.  In  den  Clem.  Recog- 
nitionen  ist  Niketas  Bruder  des  Clemens.  Niketas  und  Aquila 
erscheinen  auch  als  durch  Zacchaeus  bekehrte  Anhänger  Simons 
des  Magiers:  Recog.  II  5.  6.  9-14.  19.     Siehe  Lipsius  II  1,  40 f. 

93.  Nzqüs,  aus  Blün  in  Romaea  (Kleinasien).    Tb. 

94.  Olympas  (Rom.  16,  15)  wurde  mit  Petrus1  in  Rom  ge- 
martert, aber  durch  Enthauptung  (ABC E).  In  dem  vjc6(ivTj(ia 
(AA.  SS.  V  p.  414)  wird  Olympas  durch  Petrus  zum  Bischof  von 
Philippi  geweiht.  Ta  läßt  ihn  Bischof  von  Rom  und  am  6.  Abib 
gemartert  sein.  Nach  Sd  wurde  Olympas  genannt  Manael  in 
Acco  verbrüht;  nach  Sd  mit  Stachys  und  Stephanas  in  Tarsus 
in  den  Kerker  geworfen,  wo  sie  starben.  Im  Menol.  Basilii 
(M.  153  B)  mit  Rhodion  u.  a.  am  10.  November  (=  A). 

95.  Onesimus  (Col.  4,  9;  Phil.  10).  Bischof  von  Beröa  in 
Macedonien  nach  AK  VII  46,  13  (Funk  I  454,  7f);  Sb  erwähnt, 


1)  Lipsius  II  1,  10  schreibt  „mit  Paulus",  wohl  durch  die  Gleichheit 
des  Martyriums  verleitet. 


344  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

daß  ihm  in  Rom   die  Rippen   eingebrochen  wurden.     Im  Menol. 
Basilii  (M.  313  B)  zum  15.  Febr.  nichts  mit  obigem  Gemeinsames. 

96.  Onesiphorus  (2  Tim.  1,  16;  4,  19)  Bischof  von  Koroneia 
(AB  CE).  Im  Menol.  Basilii  (M.  197 B)  am  9. Dez.  fiel  Onesiphorus 
durch  Auslassung  weg;  s.  S.  235;  ebenso  im  Syn.  CPol.  am  8.  Dez. 
Andere  Traditionen  s.  GL Ficker,  Amphilochiana  1 1906,  Ulf.  130 f. 

97.  Pancratius,  Bischof  von  Tauromenium  von  Petrus  ge- 
weiht. Nikephor.  Call.  h.  e.  III  35  (Migne  Patr.  gr.  145,  848  C). 
Am  9.  Febr.  im  Menol.  Basilii  (M.  305  B).  Ebenso  im  armen. 
Kalendarium.    Nilles  II  622  f.    AA.  SS.  April  tom.  I  p.  237-243. 

98.  Parmenas  (Act.  6,  5),  einer  der  7  Diakonen,  ohne  An- 
gabe des  Ortes  der  Wirksamkeit  (A  B  F  E).  Dagegen  nennt  C 
einen  Parmenon  Bischof  von  Soli  (auf  Cypern),  ebenso  Ta.  Am 
2.  März  im  Menolog.  Basilii  (M.  336  A). 

99.  Patrobas,  Bischof  von  Puteoli  (ABCETa).  Nach  Tb 
Sb  predigte  er  in  Chalcedon.  Am  4.  Nov.  (=  A  B  usw.)  Menol. 
Basil.  (M.  144  B). 

100.  Philagrius,  Bischof  von  Cypern,  Schüler  des  hl.  Petrus. 
Am  9.  Febr.  im  Menol.  Basilii  (M.  305  C).     Nilles  I  97. 

101.  Philemon,  Bischof  von  Gaza  (ABCETa).  Nach 
AK  VII  46,  7  (Funk  I  454,  7)  Bischof  von  Colossä.  Am  14.  Febr. 
(=A)  Menol.  Basüii  (M.  313  B). 

102.  Philippus  (Act.  6,  5:  Diakon),  taufte  Simon  den  Magier 
(Act.  8,  13)  und  den  Kämmerer  der  Königin  Candace  (Act.  8,  26  f) 
(FHTa).  Er  hatte  vier  Töchter  (Act,  21,  9),  welche  mit  den 
Aposteln  im  coenaculum  am  Pfingstfeste  gewesen  seien  (Tb). 
Nach  einer  Tradition,  welche  sich  schon  bei  Hieronymus,  ep.  108 
ad  Eustochium,  findet,  lassen  ihn  auch  ABEFTa  Bischof  von 
Tralles  gewesen  sein.  Ss  nennt  gemäß  Act.  8,  4  als  seinen 
Wirkungskreis  Samareia.  Nur  Tb  spricht  von  seinem  Grab  in 
Hierapolis.  Die  Verwechslung  des  Apostels  und  dieses  Jüngers 
kommt  schon  bei  Papias  von  Hierapolis  und  Clemens  von  Ale- 
xandreia  vor.     Am  11.  Okt.  (=  A)  Menol.  Basilii  (104  B). 

103.  Philologus,  Bischof  von  Sinope,  von  Andreas  einge- 
setzt (A  B  C  E  Ta),  ebenso  bei  Epiphanius  monachus  (ed.  Dressel 
p.  68,  25).    Am  4.  Novbr.  (=  A  usw.)  im  Menol.  Basilii  (M.  144  C). 

104.  Phlegon,  Bischof  von  Marathon  (ABCETa).  Nach 
Tb  taufte  er  in  Mltjah.  Mit  5  andern  Jüngern  am  8.  April  er- 
wähnt.    Nilles  I  134. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  345 

105.  Phygellus,  der  nach  2  Tim.  1,  15  mit  Hermogenes 
abfiel,  war  Bischof  von  Ephesus  (A  B  C  E  F  Ta),  vjiofivrjua  (AA. 
SS.  JuniiV  414).  Nach  dem  Menol.  Basilii  imper.  am  16.  Nov. 
(Migne  Patr.  gr.  117,  164  C)  wurde  Plato  von  Matthaeus  geweiht. 

106.  Priscas  (Rom.  16, 13  f  Prisca  =  Priscilla),  fälschlich  als 
Jünger  betrachtet,  Bischof  von  Heraklea  nur  in  A  (HS  B). 

107.  Prismus,  der  Weise,  starb  in  Galiläa  (Sb). 

108.  Prochorus  (Act.  6,  5:  Diakon),  Bischof  von  Nicome- 
deia  (A  B  C  E  F  Ta  Tb),  vjtofjvrjfia  (AA.  SS.  Junii  V  414)  und  in 
dem  latein.  Ps.  Sophronius,  Lipsius  II  1,  8.  9.  Im  Menologium  am 
28.  Juli  (M.  564  C)  mit  Nicanor.  Nach  Tb  Verfasser  der  Jo- 
hannesakten. 

109.  Pudens  (2  Tim.  4,  21)  wurde  mit  Paulus  enthauptet 
A  B  C).  Nach  Ta  wurde  er  nach  Petrus  Bischof  von  Antiocheia. 
Am  15.  April  im  Menol.  Basilii  (404  D). 

110.  Quartus  (Rom.  16,  13),  Bischof  von  Berytus  (ABCE), 
von  Tholemessa  Ta.  Vielleicht  mit  ihm  identisch:  Qstärjüs,  der 
im  Westen  und  der  Insel  Mnü'  (BmV)  predigte  (Tb).  In  den  jtsgi- 
oÖol  IJezQov  wird  Quartus  zum  kaiserlichen  Leibgardisten,  wel- 
cher mit  der  Bewachung  des  Paulus  betraut  ist.  Lipsius  II  1,  276. 
Tb  nennt  einen  Qrtils,  welchen  ein  Hierapolitanus  Marcellus 
nenne,  der  bei  den  Barbaren  und  in  Creta  predigte.  Er  gehörte 
zu  den  6  Begleitern  des  Petrus  in  Caesarea.  Am  10.  Nov.  Menol. 
Basüii  (M.  153,  B):  Quartus  (=  A);  Syn.  CPol.  (Delehaye  209,  4). 

111.  Rhodion,  mit  Petrus  und  Olympas  in  Rom  durch  Ent- 
hauptung gemartert  (ABCE  Ta)  (v.  Herodion).  Am  10.  Novbr. 
Menol.  Basilii  (==  A). 

112.  Rufus  (Rom.  16,  13  [Mc.  15,  21  Bruder  des  Alexander, 
Sohn  des  Simon  von  Cyrene]),  Bischof  von  Theben  (AB  CETa). 
Das  vji6(iv?][ia  (AA.  SS.  Junii  V  416)  bezeichnet  das  Theben 
näherhin  als  das  ägyptische.  In  den  griechischen  Menaeen  zum 
8.  April.  Im  syrischen  Martyrologium  l  vom  J.  412  wird  Rufus 
mit  Hermogenes  zum  19.  April,  im  Menol.  Basilii  am  8.  April 
erwähnt.  Daneben  existieren  noch  andere  Traditionen:  Nach  Sd 
predigte  Rufus  bei  den  Dailumiten,  welche  ihn  töteten,  nach  Ta 
ein  anderer  Rufus,  mit  dem  Beinamen  Ephraem,  im  Innern  Chinas, 
nach  Tb  in  Herculae,  wo  er  in  einem  Brunnen  ertränkt  wurde, 


1)  Lipsius,  Ergänzungsheft  S.  42.    Nilles  I  134. 


346  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

nach  Sb  in  Zeugmia1.  Nach  dem  spanischen  Martyrologium  des 
Tamayo  de  Salazar  wird  Rufus  von  Paulus  als  1.  Bischof  von 
Dertosa  (Tortosa)  erwähnt2. 

113.  Seneca,  dessen  Briefe  an  Paulus  erhalten  sind  (D). 
Siehe  hierüber  neueste  Gesch.  d.  altchristl.  Literatur. 

114.  Silas  (Act.  15,  22  ff)  mit  Paulus  predigend,  wurde  in 
Korinth  Bischof  (ABCETa).  Nach  dem  vxofivr/fia  (AA.  SS. 
Junii  V  414)  wurde  dagegen  Jason  in  Korinth  Bischof.  Nach  Sd 
predigte  Silas  in  Galatien;  nach  Sb  in  Sarapolis,  nach  Tb  in  Si- 
cilien  und  den  westlichen  Inseln,  wurde  mit  Paulus  eingekerkert 
(Act.  16,  19.  25)  und  starb  in  Sicilien.  Erwähnt  im  Menol.  Basilii 
(M.  565  C). 

115.  Von  Silas  wird  Sil  van  us  unterschieden,  welcher  Bi- 
schof von  Thessalonich  wurde  (B  C  E  Ta).  Nach  D  schrieb  er 
mit  Paulus  nach  Thessalonich  (1  u.  2  Thess.  1,  1);  nach  Sb  Sd 
predigte  er  in  Acco  und  wurde  dort  getötet.  Erwähnt  im  Menol. 
Basilii  (M.  565  C). 

116.  Simon,  Sohn  der  Witwe  von  Naim,  predigte  bei  den 
Schwarzen,  in  Batanaea3,  in  der  Auranitis  mit  Judas  dem  Bru- 
der des  Jacobus  und  starb  dort  von  Mörderhand  (Tb). 

117.  Simeon,  welcher  mit  Euchastion  von  dem  Präfekten 
Metholius  von  Byzanz  ermordet  wurde  (Sb).  In  Sd  heißt  der 
Jünger  Simon  und  der  Präfekt  Metellius. 

118.  Simon  von  Kyrene,  welcher  das  Kreuz  des  Herrn 
trug  (D),  wurde  für  Christus  gekreuzigt  (E).  In  den  Fragmenten 
der  Act.  Joh.  (c.  984)  des  2.  nicänischen  Konzils  ist  von  einer 
Scheinkreuzigung  Christi  die  Rede  (Zahn  VI  223,  2).  „Photius 
(Bibl.  cod.  114)  hat  um  der  umlaufenden  Sage  willen,  es  sei  ein 
wirklicher  Mensch,  Simon  von  Kyrene  (Basilidianer)  oder  der 
Verräter  Judas  (islamische  Sage  und  im  Evangelium  Barnabae), 
nach  einer  Verähnlichung  mit  Jesu  gekreuzigt  worden,  in  der 
löm  ofiola  (der  Joh.  Akten  c.  98)  einen  txsQoq  suchen  zu  müssen 
geglaubt".     Rösch  bei  Lipsius  II  2,  427  zu  Lipsius  I  452,  454. 


1)  Wohl  Zeugma,    am    Euphrat    zwischen    Edessa   und  Germanicia, 
Treppner  S.  143. 

2)  Lipsius  II  1,  227. 

3)  Teil  von  Peraea,  südlich  vom  Hauran.    Treppner  S.  132. 

4)  ed.  Bonnet,  Act.  ap.  apocr.  III,  1S93,  199,  20 f. 


9.  Die  Jünger  und  ihre  Bischofsitze.  347 

Nach  Sd  Sb  wurde  Simon  in  Chios   durch   das  Schwert  getötet, 
nach  Tb  predigte  er  auf  der  Insel  Blcüs. 

Ein  anderer  Simon  (Act.  9,  43;  10,  5),  bei  welchem  Petrus 
in  Joppe  (D:  Sinope)  Gastfreundschaft  genoß. 

119.  Simon  (und  Btritün),  Elfenbeinschnitzer,  predigte  und 
starb  in  der  Stadt  Brutjah  (Tb). 

120.  Simeon  der  Aussätzige  wurde  in  Ramatha  durch 
die  Juden  mit  Ruten  geschlagen  (Sd  Sb). 

121.  Sirinus,  Sohn  des  Abgar,  starb  in  Edessa  (Sd). 

122.  Socrates  predigte  in  Beit-Houzaye  und  starb  dort  (Sd). 

123.  Sosipater  (Act.  20,  4;  Rom.  16,  21)  wurde  Bischof  von 
Iconium  ( A  B  C  E  Ta).  Nach  Sb  predigte  er  mit  Jason  in  Olmium 
und  wurde  den  wilden  Tieren  vorgeworfen.  Am  10.  Nov.  Menol. 
Basilii  (M.  153  B)  =  A. 

124.  Sosthenes  (1  Cor.  1,  1  D,  Ta),  Bischof  von  Colophon[ia] 
(ABC Ta).  Nach  Sb  predigte  er  am  Pontus  und  in  Asien.  Er 
wurde  auf  Befehl  des  Präfekten  Nopha  (Budge  p.  111  Nonni, 
Tb  Jünä)  ins  Meer  geworfen  (Sb  Tb).  Am  9.  (resp.  8.)  Dez.  Menol. 
Basilii,  Synax.  CPolit.  (=A)  (M.  198  B). 

125.  Stachys  (Rom.  16,  9)  wurde  von  Andreas  als  1.  Bischof 
von  Byzanz  in  Argyropolis  in  Thrakien  eingesetzt  (A  [HS  B]  B 
CEFTa);  Epiph.  Monach.  ed.  Dressel  p.  68,  28.  Nach  Sb  wurde 
Stachys  mit  Olympas  und  Stephanas  in  Tarsus  in  Fesseln  ge- 
worfen, nach  Tb  predigte  er  mit  Bür.ün  in  Nubien  und  bei  den 
Schwarzen.     Am  31.  Novbr.  Menol.  Basilii  (M.  136  D)  =  AB. 

126.  Stephanus  jtQcoTOfiayTvg.  Alle  Texte  (ABCEFSd 
SbSsTaTb)  halten  sich  streng  an  Act,  6,  5;  7,  58.  Nur  F  weiß 
noch  von  der  Überbringung  seiner  Gebeine  nach  CPel  zu  be- 
richten, Sb  Tb  erzählen,  daß  sein  Leichnam  in  vico  Caphar  Garnal 
begraben  wurde  (Kafr  Hinlä  Tb).  Die  Überführung  unter  Kon- 
stantin im  Menol.  Basilii  (M.  569  D)  am  2.  August.  Die  ä&h]öig 
am  27.  Dezbr.  (M.  228  D). 

127.  Stephanas  (1  Cor.  1,  16)  mit  Stachys  und  Olympas  in 
Tarsus  ins  Gefängnis  geworfen  (SbTb),  nachdem  er  in  Romaia 
(Kleinasien)  gepredigt  hatte. 

128.  Stetios  starb  im  Gefängnis  in  Tarsus  (Sd). 

129.  Stratokies  wurde  in  Paträ  von  Andreas  zum  Bischof 
geweiht:  Epiph.  monach.  ed.  Dressel  p.  73,  29. 

130.  Thaddaeus  in  BCDESbTa=dem  syrischen  Addai. 


348  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

heilte  Abgar  vom  Aussatze.  Sb  berichtet  noch,  daß  Herodes,  der 
Sohn  des  Abgar,  ihn  tötete,  worauf  Thaddaeus  in  Edessa  bei- 
gesetzt wurde.  Nach  Ta  dagegen  begibt  sich  Thaddaeus  von 
Abgar  weg  nach  dem  übrigen  Syrien,  besonders  Berytus,  welches 
nicht  mit  der  Hafenstadt  identifiziert  werden  dürfe,  und  starb 
dort  am  2.  Abib  im  Frieden. 

131.  Theocritus  predigte  und  starb  in  Ilium  (Sb). 

132.  Theodorus  starb  in  Baalbec  (Sd),  wo  er  mit  Joannes 
den  wilden  Tieren  vorgeworfen  wurde  (Sb).  Nach  AK  VII  46 
(Funk  I  452,  16)  ward  er  3.  Bischof  von  Caesarea  in  Palästina. 
Vgl.  Lipsius  II  2,  223. 

133.  Theophilus  (Lc.  1,  3)  starb  in  Ägypten  (Sd). 

134.  Thomas  al-Maultai  predigte  bei  den  Romaeern,  kehrte 
nach  Jerusalem  zurück  und  starb  dort  (Tb). 

135.  Tertius  (Rom.  16,  22)  als  2.  Bischof  von  Iconium 
(ABCETa).  Am  10.  Nov.  Menol.  Basilii  (M.  153 B).  Nach  Sb 
soll  ein  Tertius  oder  Thraseus  (Budge  p.  112)  in  Laodicea  in 
einen  Feuerofen  geworfen  worden  sein.  Tb  nennt  letzteren  Tür.is, 
schreibt  ihm  aber  dasselbe  Martyrium  zu. 

136.  Timon  (Act.  6,  5),  von  AE:  Simon  geschrieben.  Bi- 
schof von  Bostra  in  Arabien,  wurde  von  den  Hellenen  (Heiden) 
verbrannt  (A  B  C  E  F  Ta).  Tb  nennt  die  Stadt  Basrah,  wo  er  am 
20.  Babäh  starb.    Am  30.  Januar  Menol.  Basilii  (M.  236  A)  =  AB. 

137.  Timotheus,  durch  Paulus  als  Bischof  von  Ephesus  ein- 
gesetzt (AFTb),  wo  er  auch  begraben  liegt  (Sb  Sd).  Tradition 
bei  Eusebius  h.  e.  III  4,  61:  als  1.  Bischof  von  Ephesus;  AK  VII 
46,  7  (Funk  I  452,  22),  in  den  Akten  des  Timotheus2.  Von  der 
Übertragung  der  Gebeine  durch  Kaiser  Konstantius  i.  J.  356  ist 
nicht  die  Rede.     Am  22.  Januar  Menol.  Basilii3  (M.  273B)  =  A. 

138.  Titus  (Tit.  1,  5).  Die  Tradition  von  dem  kretischen 
Bistum  geht  auf  Tit.  1,  5  zurück,  dann  bei  Euseb.  III  4,  6  wieder 
erwähnt;  AK  VII  46,  10  (Funk  I  454,  4):  A  F  Sb  Sd  Tb.  Text  E 
scheint    auf    eine    angebliche,    nicht    wiedergefundene    Lebens- 


1)  Auch  IV  5. 

2)  H.  Usener,  Acta  S.  Timothei.    Bonner  Univers.    Programm  1877. 
Lipsius  II  2,  373  f. 

3)  Beim   Metaphrasten   an   demselben   Tage   eine   ausführliche   vita 
(Migne  114,  761  f). 


10.  Alter  u.  Wert  der  Apostel-  u.  Jüngerkataloge.  349 

beschreibung  eines  angeblichen  Zenas  (Tit.  3,  13)  zurückzugehen, 
wo  er  als  Bischof  von  Gortyna  auf  Kreta  gepriesen  wird. 
Lipsius  II  2,  401.  Ta  läßt  den  Adressaten  des  Titusbriefes  nicht  zu 
70  Jüngern  gehören.  Am  25.  August  Menol.  Basilii  (M.  604D)  =  A. 

139.  Trophimus  (Act.  20,  4  usw.),  mit  Paulus  unter  Nero 
enthauptet  (ABC).     Am  15.  April  Menol.  Basilii  (M.  404 D). 

140.  Tychicus  (Ephes.  6,  21;  Coloss.  4,  7),  Bischof  von 
Chalcedon  in  Bithynien:  ABCTa  (n.  19),  Epiph.  Monach.  (ed. 
Dressel  p.  65,  18).  In  B  C  Ta  (n.  59)  wird  ein  anderer  Tychicus 
unterschieden,  der  in  Colophonia  Bischof  gewesen  sei.  Ta  unter- 
scheidet noch  einen  3.  Tychicus  (n.  37),  der  in  Chalcedon  =  in- 
sula  Rhodus  Bischof  war.  Am  9.  Dezbr.  Menol.  Basilii  (=  A) 
(M.  198  B). 

141.  Urbanus  (Rom.  16,9),  Bischof  von  Macedonien  (ACTa). 
Nach  dem  vjcofivrjf/a  Bischof  von  Tarsus,  durch  Petrus  geweiht 
(AA.  SS.  JuniiV414).   Am  31.  Nov.  Menol.  Basilii  (M.  137  A)  =  A. 

142.  Yopistan  getötet  durch  Metellius  in  Byzanz  (Sd). 

143.  Zabdai  wurde  mit  Malael  in  Seleucia  in  einem  Ofen 
erstickt  (Sd). 

144.  Zacchaeus,  der  Zöllner,  wurde  im  Hauran  ermordet 
(Sd  Sb).  Nach  AK  VII  46,  3  (Funk  I  452,  15)  ist  Zacchaeus  1.  Bi- 
schof von  Caesarea.  Vgl.  Recogn.  III  65 — 66;  Homil.  III  72  vide 
Funk  I  453,  nota  3;  vgl.  Lipsius  II  1,  40.  57. 

145.  Zenas  (Tit.  3,  13),  Bischof  von  Diospolis  (ABC);  Ta 
nennt  ihn  Bischof  von  Chios. 


10.  Kapitel.    Alter,  Entwicklungsgeschichte  und  Wert  der 
einzelnen  Apostel-  und  Jüngerkataloge. 

1.  Die  dem  Epiphanius  beigelegten  Recensionen  der  vitae 
prophetarum  sind  bereits  gewürdigt  worden.  Es  handelt  sich 
hier  noch  um  die  Apostel-  und  Jüngerlisten.  Die  palästinensisch  - 
syrische  Heimat  dieser  beiden  Teile  des  Ps.  Epiphaniustextes  und 
die  Verwandtschaft  mit  den  syrisch  erhaltenen  und  der  anonymen 
griechischen  Liste  ist  unzweideutig.  Ihre  Priorität  gegenüber  den 
dorotheanischen  ist  nicht  zu  bestreiten;  dennoch  wird  die  Ver- 
fasserschaft des  Epiphanius  von  Cypern,    welche  zu  Beginn  des 


350  Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

9.  Jahrh.  von  Epiphanius  monachus  bezeugt  wird,  nicht  zu  halten 
sein.  Vielmehr  mochten  die  jetzt  dem  Epiphanius  beigelegten 
Verzeichnisse  ursprünglich  anonym,  wie  die  meisten  Handschriften 
bezeugen,  überliefert  und  vereinzelt  an  die  vitae  prophetarum  des 
Epiphanius  angehängt  worden  sein,  wie  Paris.  1115  zeigt.  Das 
Jüngerverzeichnis  erreichte  wohl  anfänglich  nicht  die  Zahl  70. 

Ein  früheres  Alter  als  Anfang  oder  Mitte  des  8.  Jahrhunderts 
für  die  Entstehung  der  Texte  anzunehmen,  dürfte  gewagt  erschei- 
nen. Für  einzelne  legendarische  Züge  in  den  Apostelviten  haben  wir 
als  erste  datierbare  Zeugen  durch  Einzelvergleich  Epiphanius  mo- 
nach.,  Niketas  David  Paphlago,  das  Menologium  Basilii  kennen 
gelernt,  z.  B.  für  die  Aufzählung  von  Völkerschaften,  bei  welchen 
Thomas  wirkte,  für  die  Namen  der  Söhne  des  Judas  Jacobi  und 
für  Nachrichten  der  von  Paris.  1115  abweichenden  HSS,  z.B.  über 
die  Wirksamkeit  des  Simon  Zelotes  in  Mauretanien.  Daneben 
aber  zeigt  gerade  dieser  Ps.  Epiphaniustext  häufig  in  den  Be- 
richten über  den  Tod  so  mancher  Apostel  die  alte  Überlieferung, 
welche  dann  bereits  bei  Ps.  Dorotheus  und  den  genannten  Enco- 
miasten  bedeutend  erweitert  oder  umgestaltet  wurden.  Damit 
ist  aber  zugleich  gesagt,  daß  der  Verfasser  des  Ps.  Epiphanius- 
textes  neben  Aufnahme  alter  Tradition  eigene  Wege  ging  und 
manchmal  eine  neue  Überlieferung  anbahnte,  wo  bis  dahin  noch 
keine  vorhanden  war.  Sie  bedurfte  wohl  längerer  Zeit,  bis  sie 
allgemein  Eingang  fand.  DuchesneV  Urteil  behält  daher  Recht, 
wenn  er  sagt,  daß  unsere  Kataloge  sowohl  von  den  Akten  des 
Leucius  und  deren  späteren  Weiterbildung,  wie  von  der  kirch- 
lichen Tradition  der  ersten  vier  bis  fünf  Jahrhunderte  abweichen. 

Eine  gewisse  Einschränkung  in  der  Altersgrenze  unserer  Texte 
versuchte  Duchesne  durch  Vergleich  mit  lateinischen  Parallelviten, 
namentlich  jenen  des  Breviarium  apostolorum,  welches  hand- 
schriftlich zuerst  7*22  bezeugt  sei,  ferner  der  Altarinschriften  des 
Aldhelm  von  Malmesbury  (f  709),  welche  er  teils  auf  unsere  griechi- 
schen Texte,  teils  auf  die  Schrift  des  Isidor  von  Sevilla  de  ortu  et 
obitu  patrum,  teils  auf  die  gallisch-fränkische  Abdiassammlung 
zurückführt.      Eine    Benutzung    unserer    Texte    ist    darin    nicht 


1)  L.  Duchesne,  Les  anciens  recueils  de  legendes  apostoliques  in 
Compte  rendu  du  troisieme  congres  scientifique  international  des  Catholi- 
ques  1894,  Bruxelles  1895,  V  section,  sciences  historiques  p.  77. 


10.  Alter  u.Wert  der  Apostel-  u.  Jüngerkataloge.  351 

sicher  erweisbar,  geschweige  denn,  daß  wir  hieraus  Schlüsse 
auf  ihr  Alter  ziehen  könnten.  Wir  können  höchstens  damit 
feststellen,  daß  in  der  lateinischen  wie  griechischen  Literatur  so 
ziemlich  gleichzeitig  zu  Beginn  oder  um  die  Mitte  des  8.  Jahrh. 
solche  Breviarien  entstanden. 

Auch  in  dem  Jüngerverzeichnis  scheint  späterer  Einfluß 
wahrgenommen  werden  zu  können,  z.  B.  in  der  Nachricht,  daß 
Barnabas  Bischof  von  Mailand  war,  welche  erst  von  der  zweiten 
Hälfte  des  8.  Jahrh.  ab  sicher  datierbar  ist.  Ob  hier  unsere 
Texte  Bannerträger  oder  nur  im  Gefolge  waren,  läßt  sich  nicht 
sicher  ausmachen. 

Wir  haben  vorerst  nur  zwei  Kriterien  zur  Datierung  des 
Ps.  Epiphaniustextes,  das  Zitat  bei  Epiphanius  monachus,  welches 
uns  in  die  Zeit  zwischen  800 — 815  führt,  und  die  ältere  Tra- 
dition gegenüber  dem  Ps.  Dorotheustexte  in  so  manchen  Viten, 
so  daß  wir  ein  halbes,  höchstens  ein  ganzes  Jahrhundert  mit 
der  Datierung  zurückgreifen  dürfen,  etwa  in  den  Anfang  oder 
die  Mitte  des  8.  Jahrh. 

2.  Die  einzelnen  Teile  des  Dorotheustextes  machten  vielerlei 
Wandlungen  durch,  bis  sie  zu  dem  Ganzen  vereinigt  wurden, 
wie  es  heute  vorliegt.  Die  eigentliche  Fälschung  liegt  in  dem 
Prologe,  in  dem  Jüngerkataloge  und  der  Geschichte  der  byzan- 
tinischen Bischöfe.  Für  diese  Teile  ist  eine  Datierung  vor  800 
nicht  anzunehmen.  Anders  steht  es  mit  den  Prophetenlegenden 
und  dem  Apostelkataloge.  Letzterer  ist  nicht  eigenes  Produkt 
des  Fälschers;  vielmehr  hat  er  denselben  aus  jenem  anonymen 
Verzeichnis,  das  Epiphanius  beigelegt  war,  herübergenommen 
und  umgestaltet.  Hier  konnte  der  Fälscher  seine  eigenen  Ideen 
nicht  so  deutlich  zum  Ausdruck  bringen,  da  ihm  zu  wenig 
äußerer  Anlaß  geboten  war.  Bei  dem  in  erster  Linie  in  Betracht 
kommenden  Apostel  Andreas  hatte  der  Plagiator  die  pontische 
Andreassage  mehr  für  seinen  Zweck  einverwoben,  womit  er  einen 
Überweg  zu  der  Notiz  über  Stachys  im  Jüngerverzeichnis  bahnen 
wollte.  Viel  ändern  durfte  er  nicht,  denn  nachdem  nun  einmal 
der  Apostelkatalog  bereits  Verbreitung  erlangt  hatte,  wären 
wesentliche  tendenziöse  Einschiebungen  und  Umstellungen  auf- 
gefallen. Deshalb  finden  wir  noch  nicht,  wie  in  den  spätem 
Mischtexten,  Byzanz  als  Aufenthaltsort  des  Andreas  genannt, 
sondern  nur  im  allgemeinen  die  Erwähnung   seiner  Mission   in 


352  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Bithynien,  Pontus  und  Thrakien.  Das  Apostelverzeichnis  des 
Dorotheus  zeigt  aber  auch  gegenüber  dem  des  Pseudoepiphanius 
eine  verflachende  Weiterbildung  sowohl  in  der  Reihe  der  4  letzten 
Namen  als  auch  in  den  Legenden,  so  daß  diese  Veränderung  und 
Verschmelzung  mit  den  übrigen  Ps.  Dorotheusstücken  wohl  erst 
nach  c.  815  vor  sich  ging.  Diese  Datierung  bestimmt  der  Um- 
stand, daß  Epiphanius  Monachus  in  seiner  vita  des  Andreas 
(800 — 815  verfaßt)  zwar  unsern  Dorotheus  teilweise  kennt,  wie  die 
Erwähnung  des  Stachys  als  des  von  Andreas  eingesetzten  ersten 
Bischofs  zeigt,  daneben  aber  noch  das  Apostel-  und  Jüngerver- 
zeichnis dem  Epiphanius  von  Cypern  beilegt.  Hätten  diese  zwei 
Stücke  schon  einen  integrierenden  Bestandteil  des  Dorotheus- 
textes  gebildet,  so  hätte  er  sie  sicherlich  nicht  Epiphanius  zu- 
geschrieben. Ob  zu  der  Zeit,  als  Epiphanius  monachus  dies 
schrieb,  schon  der  dorotheanische  Jüngerkatalog  geformt  war, 
ist  sehr  fraglich.  Demgemäß  wäre  der  Termin  für  diese  Voll- 
bildung erst  nach  c.  815  zu  bestimmen,  nachdem  vielleicht  schon 
die  Bischofsliste1,  wie  Theophanes  nahelegt,  eigens  ausgegeben 
war.  Epiphanius  monachus  erwähnt  zweierlei  Bischöfe  in  seinem 
Encomium  auf  Andreas,  solche  von  Petrus  und  solche  von  An- 
dreas eingesetzte;  die  Namen  der  letzteren  hat  Ps.  Dorotheus 
und  Epiphanius  monachus  gemeinsam,  die  der  ersteren  hat  Doro- 
theus nicht  in  seiner  Namenliste.  Doch  spricht  diese  teilweise 
Unkenntnis  von  Epiphanius'  Jüngernamen  in  der  Dorotheusliste 
nicht  dagegen,  daß  gleichzeitig  oder  auch  erst  nach  dem  Enco- 
mium des  Mönches  Epiphanius  unser  Text  abgefaßt  wurde. 

Der  ursprünglichste  Bestandteil2,  welcher  der  ganzen  Fäl- 
schung den  Namen  gab,  waren  die  vitae  prophetarum,  welche  der 
Presbyter  Dorotheus,  Vorstand  der  kaiserl.  Purpurfärberei  in  Tyrus, 
wahrscheinlich  aus  dem  Hebräischen(-aramäischen)  ins  Griechische 
übertrug,  oder  in  neuer  Bearbeitung  weitergab.  Im  ersten  Augen- 
blick wurde  der  sonst  wohl  wenig  beachtete  Traktat  des  Doro- 
theus benützt,  um  die  weitere  Fälschung  damit  zu  verbinden. 
Nur  dadurch,  daß  Dorotheus  bereits  als  Verfasser  ähnlicher  Texte 


1)  Der  Annahme  von  St.  A.  Morcelli  und  H.Kellner,  Heortologie 
2.  Aufl.  usw.  S.  272,  daß  zur  Zeit  der  Abfassung  des  ältesten  konstantinop. 
Menologiums  (8.  Jahrh.)  die  Erdichtung  von  21  Bischöfen  vor  Metrophanes 
noch  nicht  bekannt  war,  steht  nichts  im  Wege. 

2)  Vgl.  Delitzsch,  De  Habacuci  vita  p.  59.  76. 


10.  Alter  u.  Wert  der  Apostel-  u.  Jüngerkataloge. 


353 


bekannt  war,  konnten  ihm  noch  andere  beigelegt  werden.  Sonst 
würde  man  auch  nicht  einsehen,  warum  der  Fälscher  gerade 
diesen  Namen  gewählt  hätte.  Dabei  zeigte  sich  wiederum,  daß 
die  Fälschung  das  Historische  ganz  überwucherte,  welches  nur 
noch  in  geringen  Anzeichen  zu  erkennen  ist,  in  der  Bemerkung 
des  Nachtrags,  daß  Dorotheus  hebräisch  und  griechisch  verstand 
und  daher  alttestamentliche  Bücher  aus  dem  Hebräischen  ins 
Griechische   übersetzte,    worunter    auch    ein    Teil   der   vita    des 


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DoToth  ^siLfc.JXinturil. 


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Jeremias  angeführt  wird.  Von  dem  gefälschten  Dorotheus  ist 
eine  Menge  handschriftlicher  Zeugen  vorhanden.  Dagegen  war 
das  einzige  ihm  wirklich  gehörende  Eigentum,  die  griechischen 
vitae  prophetarum,  nur  in  einer  verhältnismäßig  späten  HS  mit 
der  Fälschung  erhalten  geblieben,  während  es  aber  auch  namen- 
los im  Chronicon  Paschale  verwertet  wurde. 

3.  Der  Hippolyttext  ist  weder  Hippolyt  von  Rom,  noch 
Hippolyt  von  Theben  beizulegen.  Er  ist  aus  dem  Dorotheus- 
texte  entstanden,  zeigt  in  manchen  Teilen  eine  spätere  Redaktion, 
so  daß  er  vor  die  Mitte  des  9.  Jahrh.  nicht  zu  setzen  ist,   eine 

Texte  n.  Untersuchungen  etc.  31,3  23 


354  Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 

Datierung,  welche  durch  das  Zitat  des  Georgius  Monachus  Ha- 
rnartolus  (c.  866)  bestätigt  wird. 

4.  Ebenso  trägt  der  Text  in  der  Chronik  des  Ps.  Symeon- 
Logotheta  Bestandteile  zur  Schau,  welche  ihn  in  die  Mitte  des 
10.  Jahrh.,  in  welche  auch  die  Abfassung  der  Chronik  des  Cod. 
Paris.  1712  gesetzt  wird,  verweisen.  Die  übrigen  Texte,  teils 
Mischungen  bereits  genannter  Kataloge,  teils  solche  in  den  grie- 
chischen Menologien  und  Synaxarien,  verteilen  sich  auf  die  Zeit 
vom  10.  bis  13.  Jahrhundert. 

5.  Von  den  uns  syrisch  erhaltenen  Listen  kennen  wir  die 
Schriftsteller,  welchen  die  Abfassung  beigelegt  ist.  Ihre  Arbeit  ist 
aber  keine  originelle,  vielmehr  vermengen  sie  nur  spätere  Über- 
lieferungen mit  einem  überkommenen  altsyrischen  Verzeichnis, 
dessen  bester  Zeuge  uns  in  dem  anonym-griechischen  Verzeichnis 
syrischer  Heimat,  wohl  des  6.  Jahrh.,  vorliegt.  Die  Abhängig- 
keit der  späteren  syrischen  Listen  von  Ps.  Dorotheus  ist  durch 
die  Bemerkung,  daß  Andreas  die  Kirche  von  Byzanz  gründete, 
gesichert.  Eine  säuberliche  Scheidung  zwischen  monophysitischer 
und  nestorianischer  Überlieferung  ist  nicht  durchzuführen. 

Die  Abhängigkeit  der  griechischen  und  syrischen  Apostel- 
und  Jüngerlisten  stellt  das  Stemma  auf  S.  353  dar. 


Nachträge  und  Berichtigungen. 

S.  132:   In  der  Zeichnung  verbinde  Ds  mit  AS. 

S.  250:   Anm.  Zeile  3  schreibe  statt  Dezember:  November. 

S.  353:   In  der  Zeichnung  schreibe  Ps.  Epiph.  saec.  VIII  frieunt. 


1.  Handschriftenverzeichnis. 


Athen ,    Bibl.    zF/q  ßovXijq   58    (<p.  8) 

S.  237  A.  2. 
Athos,  Dionys.  120  S.  149;  186  S.165. 

Esphigm.  87  S.  149;  103  S.  20  A.  5; 

131  S.  159.  Iviron.    60  S.  144.  149; 

329  S.  168;  388  S.  160;  695  S. 215. 

Laura  Magn.  34  K  S.  147.   Pantel. 

710  S.  20  A.  5;   829  S.  168.    Paul. 

22.  S.  160.  Vatop.  635  S.  138.  140  f. 

295;  739  S.  214. 
Berlin,   gr.  219  S.  163;    syr.  Sachau 

131  S.  24.  32;  311  S.  208. 
Cambridge,  Univers.  Bibl.  LC  1.  10 

S.  216. 
Escurial,  gr.  Y  —  IH  —  9  S.  169 ;  ß  — 

IV— 16  S.  155.  160. 
Florenz,  plut.  4,  6  S.  14;  4,  32  S.  149; 

9,  28  S.  13  A.  1;    11,  4  (nicht  9,4) 

S.  20.  56,  13  S.  159.  87, 16  S.  192- 
Leiden,  gr.Voß.  46  S.  17. 18. 101. 148  f 
London.  Add.  12172  S.  4  A.  3.  107;' 

12178   S.  24.   26.  27  A.   33  A.  1; 

14451  S.  207;  14536  S.  24;  14601 

S.  173;  17193  S.  24.  173.  Harl.  2965 

S  217;  7653  S.  220.  224;  2  A  XX 

S.  216.  220.  222  f. 
Mailand,  gr.  Ainbr.  260  (D  96  sup.)  S.21 ; 

433  (H  45  sup.)  S.  21;   445  (H  104 

sup.)  S.  149;  484  (L  49  sup.)  8.  L49; 

Byr.  Hexapl.  S.  16.  30.  37  f.  129. 
Madrid.,  gr.  105  S.  138.  141.  149. 
Messina,  gr.  177  S.  210. 
Montecassino,  lat.  117  S.  76  A.  1. 
Montepesulo,  lat.  39  S.  171. 
Moskau,   gr.  382   S.  323  A.  2;    bibl. 

syn.  186  S.  155.  159. 
Miiuchen,    arm.    13    S.  24;    gr.    211 

S.  1-17.  14«);    255  S.  164.  321  A.  1; 


472  S.  19;   551   S.  164.   321  A.  1; 

lat.  6382  S.  170. 
Neapel,  gr.  II  AA  27  S.  9. 15. 149. 159; 

II  C  34  S.  149.  159. 
New  York,  Union  theol.  semin.  syr. 

S.  25.  32. 
Oxford,  Baroc.  131  S.  17;  142  S.  138. 

141.  146.  148  f.;    197  S.  169;    206 

S.  144.  146.  148  f.  157.  159.  Canon. 

19  S.  168;  34  S.  138. 
Paris,  Bibl.  Nat.  gr.  237  S.  147.  148; 

476  S.  210;    1085  S.  9.  14.  15.  149. 

158.  168;    1115  S.  1.  2  ff.  27  f.  39. 

42.  44.   130.  133  ff.  144.  168.  315; 

1310  S.  169;    1453  S.  169;    1555  A 

S.  159;    1575  S.165;    1587   S.  164; 

1588  S.  164;    1712  S.  17  f.  41.  42. 

150.  161;  2496  S.  15;  2509  S.  210. 

Coisl.  120  S.  14.  154.  158;  205  S.  9. 

17  f.  42.  45.  47.  101.  148;  209  S.  148; 

224  S.  1.  9.  17  f.  42.  45.  47.  144. 

148.  149;  25S  S.  14.  148.  15S;    296 

S.  159.  168. 

—  lat.  2316  S.  169.  170;  2543  S.170; 
8069  S.  171;  9562  S.  171.  296;  10837 
S.  170;  12604  S.  170.  171. 

—  syr.  67  S.  173.  308. 

—  S.  Genovef.  H  L  10  S.  1 7'  I. 
Pat.nos,  gr.  266  S.  237. 
Petersburg,  gr.  254  S.  154.  165. 
Philadelphia,  gr.  1141  S.  18.  34. 
Rom,    Bibl.  Vatic.    gr.    676    S.   L69; 

699  S.  [:>,  A.  1;  807  S.  238;  1177 
S.  L58f;  L226  S.  L58  f;  1506  S.159f. 
295.  301  f.  307;  1862  S.  L59;  1970 
S.  210;  1974  S.  9.  17  f.  11'.'.  215. 
231;  2001  s.  L60.  301  f.  307;  2125 
S.  1.   14  f.  34.  37  IV.    1".  12;    2282 


SOG 


Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


S.  209.  Pii  H  gr.  47  S.  138.  140. 
231.  Reg.  Suec.  lat.  316  S.  218. 
Ottob.  gr.  167  S.  148.  169.  295; 
268  S.  149.  168;  333  S.  165;  408 
S.  149.  159;  Barber.  306  S.  159. 
Rom.  Yat,  syr.  37  S.  163. 
159  S.  173.  301. 

—  arab.  106  S.  318. 

623  S.  318. 
— ,  Vallicel.  gr.  47.  S.  144.  149.  159; 
126  S.  158;  lat.  H.  5  S.  315. 

—  Casanat.  334  S.  147. 

St.  Gallen,  lat.  110  S.  170;  227  S.222; 
682  S.  171;  1395  S.  221. 


Sinai,  gr.  1040  S.  210. 
1186  S.  13. 

—  syr.    10   S.  26.   35.   39.  131.  212. 
240.  307.  318. 

Yenedig,    Marcian.    gr.    498    S.  15. 

lat.  21,  10  S.  171.  296. 
Wien,  tbeol.  gr.  34  (Neßel  302)  S.  144. 

149  f.  193;   77   (Neßel  40)   S.  7.  9. 

13.  72.  134.  136.  140  f.  145.  149. 

193.  315;  89  (Neßel  184)  S.  15. 

—  bist.   gr.  64  (ol.  47 j   S.  167;    73 
(ol.  46)  S.  167;  76  S.  191. 

Zürich,  gr.  C  11  S.  139. 


2.  Verzeichnis  der  Bibel-  und  Väterstellen. 


Seite 

Gen.  23,  2.  9  19 89 

49,  10 47 

49,  16-19 91.  93 

Exod.  25,  9 91 

Num.  32,  36 50 

Jos.  13,  17       47  Ä.  1 

13,  27 50 

15,  48 74 

Rieht.  2,  1 73 

II  Reg.  7,  2 99 

12,  1 100 

17 285 

Hl  Reg.  6,  9 106 

11,  29 102.  103 

12,  15 102 

12,  28  .    .     .  103.  104.  105.  123 

12,  29 51 

13,  1—4   ....    51.  104.  105 

13.  18 104 

13,  24.  29     ....     103.  104 

13,  31 104.  105 

14,  2 102 

15,  29 102 


Seite 
HI  Reg.  17, 1  .    28.  55.  56.  109.  111 

17,  6.  9.  12.  15.  17.  20      .      55 

18,  3 53.  55 

18,  38 28.  109.  111 

19,  16 112 

21,  17.  20.  28   .    .'   .    .  55.  109 

22,  8 60.  61 

IV  Reg.  1,  3.  8 109 

1,  13 4.  53.  124 

c.  2       114 

2,  11 28.  109 

2,  15.  19 112 

c.  4 114 

4,  16 123 

4,  32 112 

c.  5 114 

5,  1.  20 112 

c.  13 114 

13,  21 112 

14,  25 51 

20,  13.  14 76.  81 

20,  18 76.  81.  93 

23,  17 105.  114 


Verzeichnis  der  Bibel-  und  Väterstellen. 


357 


Seite 

II  Chron.  13,  22 105 

15,  1.  3 10S 

24,  20.  21     ....     105.  106 

28,  9 108.  109 

32,  27 76 

Esr.  2,   59 116 

Sir.  47,  1 99 

48,  3.  5.  9     .     .     .     .     109.  111 

Judith  8,  3 47  A.  1 

Ose.  1,1 46 

5,  4 46 

Arnos  1,1 51 

7,  10 51.  52  f. 

Mich.  1,  11 74 

4,  1—4 60 

5,  1 60 

Joel  1,  9—20       49 

2,  22 49 

3,  1.  9.  12.  20  .  .  .  .  48.  49 
Jon.  1,2;  2,1;  3,2.10;  4,  1.  2  55 
Nah.  1,  8 61 

2,  8 123 

2,  9 61.  62 

3,  15 61 

Habak.  1,  6;  c.  2 63 

2,  11.  14 57.  59 

3,  4 64 

Zachar.  1,  16;  4,  9       ....      72 

6,  12—15 59.  72 

8,  20 59 

9,  8;  13.  2.  8.  9    .     .     .     .      72 

14,  12 72 

14,  16 59 

Mal.  3,  1     ...    36.  72.  73.  124  f. 

4,  5  ....  36.  110  f.  125 
Jes.  7,  14 49 

19,  1 82 

39,  7 93 

66,  16 109 

Jerem.  1,1 81 

12,  18 60 

131,  31—34 9 

38,  6 88 

I".  11.  12 63 

13,  B.  9 81,  86 


Seite 

Ezech.  1,  3 88.  9" 

c.  8-11 91 

c.  17.  18;  28,  25  .    .    .    .      89 

37,  11.  c.  40 91 

41,  1 09 

43,  2;  44,2;  46,  1.2.  8  .     .      Ol 

47,  1 96 

Dan.  1,  3 93 

1,  4 98 

I,  7 99 

c.  4 OS 

4,  23 94 

4,  33 95.  99 

9,  25 91 

c.  13 96 

14,  32  f. 63.  66 

I  Makk.  2,  58 109 

6,  32 62  A.  1 

II  Makk.  2,  4—8  .  83. 84. 88. 119. 197 

15,  14 82.  85 

Matth.  10,2-4    .    .  201.  207.  210  f. 

[215.  229  ff.  30S 

II,  9 115 

13,  55 279 

14,  2-5 115 

23,  35 4.  106  f. 

27,  9 118;  125  A.  2 

Mark.  2,14       .     .     .       199.  232.  27«  i 
3,  16—19      .    .     .    .  198  f.  211 

3,  18 234 

6,  3 270 

6.  14.  16—20 115 

15,  21 32S. 

Luk.  1,  2 288 

1,  5 115 

1,  67—79 106 

2,  26—30 114 

3,  19.  20 115 

5,  27 232 

6,  1—16    .     202  f.  207.  210.  221 

[227.  229  f.  232 

7,  28 115 

9,  7.  9 115 

Oi,  i 292 

L5,  51 4.  106.  107 


358 


Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Seite 

Luk.  24,  18 299 

Joh.  1,  29 115 

1,  40.  41—53    .      243;  244  A.  4 
1,  45 266.  342 

1,  46 205 

2,  9 340 

11,  16  .     .     .     .      204  A. 3;  272 
14,  5 204 

14,  22 203 

19,  25 339 

20,  24 204.  272 

21,  2    .    .    .  204.  206.  281.  342 

21,  15 243 

21,  18 246 

Apg.  1,  13  .    .    .  202.  204.  217.  221 

[229.  284 

1,  23 210.  300 

1,  26 210.  215 

2,  17 49 

4,  36 332 

6,  5      .    .    289.  343.  344  f.  348 

6,  10 329 

7,  58 347 

8,  13.  26 344 

9,  10 314 

9,  43 347 

10,  5 347 

10,  48 245 

11,  19—30 245 

11,  26.  27     ....      328.  332 

11,  28 314 

12,  1.  2 255 

12,  3 243 

12,  12.  25     .    .      286.  314.  338 
12,  17 279 

12,  19 255 

13,  1     ...    .      304.  341.  333 

15,  13 279 

15,22.27.32.37.    .    .    .338.346 

16,  19.  25 346 

17,  5 337 

18,  1 330 

18,  8.  17 304.  334 

18,  24 330 

19,  1 330 


Seite 
Apg.  19,  29 331.  335 

20,  4    ...    .      331.  347.  349 

21,  9 344 

21,  11 328 

21,  16 342 

21,  18 279 

22,  3 290  A.  1 

27,  2 331 

I  Petr.  1,  11 243,  245 

5,  13 286 

I  Joh.  2,  19 306 

Rom.  15,  34 290 

16,  3.  5 299 

7  .    .    .  299.  304.  330.  338 

8  .    .    .    .      299.  304.  329 

9  .    184.  299.  304.  347.  349 
10.  11     ...     .     299.  304 

13 300.  345 

14      .    .  300.  304.  331.  336 

15 300.  343 

21      .    .  300.  304.  337.  347 

22 300.  348 

23 300.  335 

1  Kor.  1,  12 330 

1,  13 300.  306 

1,  14 334  f. 

I,  16    ...     .      300.  306.  347 

3,  4.  21     ....     .     300.  330 
9,  5 204 

II,  13 306 

15,  5—7    ...      204.  294.  311 

16,  15 300 

U  Kor.  1,  19;  2,  12      ....    300 

8,  18 288 

Gal.  1, 18 204 

1,  19 279 

2,  9.  11     .    .     .      294.  304.  339 

Ephes.  6,  21 300.  349 

Phil.  2,  25 334 

4,  3.  18 300.  340 

4,  22 314 

Kol.  4,  7 349 

4,  9—14   ...      288.  300.  343 

4,  10 331 

4,  11 338 


Verzeichnis  der  Bibel-  und  Väterstellen. 


359 


Kol.  4,  17   . 
Hebr.  11,  37 

I  Tim.  1,  4 

II  Tim.  1,  15 

1,  16     . 

2,  28  . 
4,9  . 
4,  10  . 
4,  13  . 
4,  15 


Seite 
....  330 
.  .  75.  80.  81 
....  116 
313  f.  336.  345 
....  344 
....  336 
....  313 
.  .  .  333  f. 
....  314 
....    333 


4,  19 300.  344 

4,  21     .    .     296.  299  f.  341.  345 

4,  22 333 

Tit.  1,  5 348 

3,  9 116 

3,  12  f.      .     .  290.  300.  331.  339 

Philem.  1 300 

10 343 

23—24 300 

Test.  d.  12  Patr.  Simeon  6     .    46.  96 

Äser  7 97 

Beniamin  6.  10     ....  96  f. 

Dan.  5 46 

Martyr.  Jes.  aeth.  c.  5       ...       75 

gr.  3,  19  f. 75 

Jeremias- Apokr.  (Mt.  27, 9  betr.)     1 1 8 
Josephus  antiqu.  8,  8,  5  .     105.  123 

9,  11,  3 123 

10, 10,  1 123 

20,  9,  1  .  .  .  280.  337  A.  6 
Acta  JobanniB  c.  114.  115  261  A.  5 
Martyr.  Petri  c.  4.  8.  9.  12  .  246 
Acta  Petri  c.  Sim.  c.  33.  37.  41  .  246 
ActaPetrietPaulic.58.81.84  246 A. 4.7 
Acta  Theclae  c.  14      ....    336 


Acta  Andreae  c.  2  .     . 

.     250  A.  6 

Acta  Andr.  et  Mattb.  c.  1 

250  A.  4.  284 

Martyr.  Andreae  c.  8  . 

...    250 

Acta  Tbaddaei  c.  1.  5. 

8      .     .    282 

Acta  Tbomae  c.  1  .     . 

...    209 

c.  18 

.    27.".  A.  2 

164.  165   ...     . 

274  A.  1.  5 

Acta  Philippi  c.  133    . 

.    .    .    269 

137 

.     270  A.  l 

syr 

.    .    72.  88 

Seite 
Martyr.  Matthaei  c.  5     .     284  A.  5 

c.  19.  22 278  A.  2 

c  30 284  A.  6 

Protoevang.  Jacobi  c.  23,  3  .     .     108 

I.  Clem.  5 246.  290 

17,  1 117 

43,  2 211  A.  3 

lustin  dial.  c.  Trypb.  120  .    75.  119 
Clemens  Alex,  ström.  II.  20,  12    332 

II  28,  118 343 

III  4,  25.  26 343 

IV  9,  71.  73      ...     274  A.  3 
VII  93.  94    ...     .     279  A.  5 

Origenes  in  Joa.  tom.  XIII  57  .      82 

in  Isa.  V  18 227 

Genes.  1.  III 249 

c.  Cels.  I  62 199 

II  62 329 

Tertullian    de    anim.  c.  30.  50 

110  A.  1.  263 
de  patient.  c.  14  .  .  .  75.  119 
scorpiace  c.  8  .  75.81.84.88.107 
adv.  Marc.  3,  13  .    .     .     .     111 

Lucifer  Cagl.  de  reg.  apost.  c.  4     104 

Eusebius  b.  e.  1  12,  1     293.  299.  332 

I  12,  2 339 

12,  3 284.  297 

12,  4 278.  297 

12,  5 311 

13,  4 327 

II  1,  5      .    279.  280  A.  3.  337  A.  4 

1,  13 297 

c.  2 333 

9,  2—3 256 

23,  3.  12 337  A.  5 

23,  4—6 280  A.  1 

23,  18.  21—22.  25    337  A.  3. 6.  7 

25,  5 246  A.  0 

HI  1,  1     .     .    .      249.  274  A.  1 

1,  2 246  A.  6 

1,  3 290 

c.  2 296 

3,  3       ....      297.  337  A.  2 

4,  6 348 

4,  8 296.  333 


360 


Schermaim,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Seite 
Eusebius  h.  e.  HI  4,  10  .    .     .    334 

c.  11 340 

c.  21 327 

c.  22 244.  334 

31,  4 268 

32,  1.  3.  6    .     .     .     .     281.  340 

36,  1 244 

36,  2 265 

39,  3 297 

39,  6    .    262  A.  4;  265  A.  1.  358 

39,  7.  14 331 

39,  15 276.  287 

IV  5,  3 338 

c.  15 287 

22,  4—5 340  A.  1 

V  10,  3 270 

c.  24 263 

VE,  1 179 

25,  7-16      .    262  A.  4;  265  A.l 

c.  32 11.  178 

VIII  1,  13 146 

c.  6 179 

praep.  evang.  9,  39  .    .    .      88 
demonstr.  evg.2,25,6— 7  246  A.  7 
3,  5,  65    .....     .  246  A.6 

chronic,  ad  ann.  40       .     .     244 

onomast 66.  74 

theophan.  4,  6   ....  263 

Gregor.  Naz.  or.  33,  11  .  274  A.  2 

Epiphanius 

adv.  haer.  20, 4    230 ;  298  A.  2.  305 

30,  13 206  A.  4 

51,  6 287.  298  A.  2 

51,  11 289 

51.  14.  16 231 

55,  3 5.  111 

79,  3 230  f.  236 


Seite 
Joh. Chrysost.inJoa.hom.19  298 A.l 
Cyrill.Alexandr.com.inproph.niin.112 
ad  Nah.  1,1  .  .  .  .  62  A.  1 
Didasc.  apost.  6,  9  .  .  246  A.  3 
Constit.  apost.  2,  55    .     .     .     .    279 

4,  6,  5 104 

4,  7,  2 102.  104 

6,  9 246  A.  3 

6,  12,  13 279 

6,  14,  1 212.  215 

7,  46    .     .    .  289.  321.  327.  338 

[339  ff.  343.  348 

8,  4.  33 212 

Clem.  Recogn.  1,  55—62      .     .    210 

3,65-66 349 

6,  15 343 

9,  29 274  A.  1 

Clem.  Hom.  2,  1 273 

3,  72 349 

11,  36 342 

Hieronymus  in  Isa.  5,  18     .     .     227 

30,  6 124 

in  Malach 124 

in  Matth.  23,  35  .     .    .    .     107 

adv.  Jovin.  2,  19       ...      88 

ep.  108  ad  Eustoch.      .     .    344 

Augustin.  de  cons.  evang.  2,  70    201 

Ps.Aug.de  symb.lV(serm'o240)  219 A.3 

V  (sermo  241)  ...     221  A.  6 

Orosius  h.  7,  6    .    .    .    .     244  A.  2 

Socrates  h.  e.  1,  37     .     .     .     .     190 

7,  25 192 

Sozomenus  h.  e.  2,  18   .  180  A.  4 

7,  29  .  .  .  61.  66  A.  7.  71.  72 

9,  17 66  A.  2.  106 

Theodoret  h.  e.  1,  6    .     .    180  A.  1 
Theodoret  ad  Coloss.  4,  16—17    H22 


Spätere  Schriftsteller  siehe  unter  dem  Namen-  und  Sachregister. 


Verzeichnis  der  Namen  und  Sachen. 


361 


3.  Verzeichnis  der  Namen  nnd  Sachen. 


Seite 

Aaron 87 

Abdias,  Proph 53 

Abdiastexte  über  die  Apostel  269 
Abilius,  Jünger  ....     298.  327 

Abrazon,  Jünger 303 

Abül-1-Barakät,  Lampe  der  Fin- 
sternis, Jüngerverz.    158.  318  f.  326 

Achaicus,  Jünger 300 

Achelis,  H 158 

Achias,  Proph.  .  .  7.  18.  27.  102 
Addai,  Ap.  Edess.  Jünger  .  .  327 
Adonias,  Proph.  ...  103  f.  105 
Aethelwold,  Bischof  in  Irland  210 
Agabus,  Jünger  .     .      302.  305.  328 

Aggaeus,  Proph 33.  68 

Aggai,  Jünger 328 

Akropolis  von  Byzanz  .  .  .  183 
Aldhelm  v.  Malmesbury  .  172.  220 
Alexander,  Jünger  .     .     .     303.  328 

Alexander  d.  Gr 86 

Ambrosius  v.  Mailand      .     .     .     263 

Amianus.  Jünger 298 

Ammonius,  Jünger      ....    329 

Arnos,  Prophet 36.  51 

Amphilochius  v.  Icon.  .  .  42  A.  1 
Amplias,  Jünger    299.  302.  304.  329 

Ampliatus,  Jünger 184 

'Amr  und  Mar(j),  arab.  Jünger- 
verzeichnis .    .    .      283.  301.  318 
Ananias,  Jünger    302.  305.  321.  329 
Anaphora  d.Apostel(aethiop.Lit. 

d.  abess.  Jacobiten)  ....    206 
Anastasius   Bibl.   bist,  tripart. 

176.  182.  186  A.  2 
Andreas,7towr^A//ro,,81;6nost. 
Andr.  Akten  182  f ;    Martyr. 
Andr.238.217.  251.  Wirksam- 
keit und  Mission,  Tod     249—251 
Andronicus,  Jünger  299.  302.  304.  330 
Anianus,  Jünger      .     .     .     29S.  330 
Anonym.  Text  d.  vitae  prophet. 
(D-Recension);  2  fache  Neu- 


Seite 

redaktion  18.  129;  syrischer 
Paralltext    in    Hexapl.    syr. 

Ambr 18  f. 

Anonymer  Text  über  die  Ab- 
stammung der  12  Apostel  168.  237 
Anonymer  Apostel-  und  Jünger- 
katalog syr.-paläst.  Heimat  .    215 
[325.  354 
Antonius,  erzähl.  Greis    ...       86 
ApeUes,  Jünger    .    .    299.  303.  330 

Apion,  Jünger 330 

Apostaten  unter  den  Jüngern  306 
Apostellisten :  griech.  -  byzant. 
Typen  137. 140. 238;  syr.Typen 
216 ;  latein.  218. 229;  Paulus  an 
2.  Stelle  225;  griech.  dem  Epi- 
phanius  beigelegt     .     . 

—  Mosaiken  v.Ravenna  . 
i  —  v.  Grottaferrata       .     . 

—  syr.  Evangel.  .  .  . 
Apostol.  Kirchenordnung 
Apostol.  Konstitutionen  . 
Apollos,  Jünger  .... 
Aquila,  Jünger  .... 
Arabien,  frühere  geograph.  Aus- 
dehnung des  Namens  .    .  28.  111 

Arabische  apocr.  Apostelakten    207 

—  Apostelverzeichnisse  .      326  A.  1 

—  Jüngerverzeichnisse  .  .  .  318 
— s  Kindheitsevangelium  127  A.  3 
Archippus,  Jünger  299.  300.  322.  330 
Argolaoi,  Schlangenart  ...  86 
Argyropolis  von  Byzanz  183. 186. 192 
Aristarch,  Jünger  .  .  .  300.  3.!l 
Aristion,  Jünger  .  --".'7.  299.  331 
Aristobulus,  Jünger     .     .     299.  331 

Ariston  von  Pella 117 

Arles,  Diptychen  der  Kirche  von  221 
Artemas,  Jünger      .    .    .     300.  331 

Aatyages 72 

Asyncritus,  Jünger   300.  3'  6 
Athanasius,  P8.quaest.adAntioeh.  58 


231. 

242 

218. 

221 

.    . 

■2S, 

206. 

237 

31 15 

300. 

330 

299. 

31 H  1 

362 


Schermann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Seite 
Athenagoras  Apologet     .     .     .     117 

Attikus  von  CPel 192 

Augustinus,  über  Job.,  d.  Apost. 

Ende 263 

Azarias,  Propbet 108 

Baetbgen 24  f.  35.  43 

Bardenbewer,  0 154 

Bar-Ebraja  Cbron.Apostelkatal. 

173.  211.  240.  273.  275.  283.  308 
Barnabas,  Apostel  u.  Jünger  117. 

297.  300.  302  f.  332.   Biscbof 

von  Mailand 351 

Baronius  ....  157.  191.  194 
Barsabbas,  Jünger  .  .  303.  332 
Bar-Salibi,  Dionys.  Jüngerkat. 

214.  240.  307.  318.  325 
Bartholomaeus,  Apostel: 

Mission,  Tod 269  f. 

Basilius  v.  Caes.    Ps.,  Homilie 

über  Christi  Geburt  .  .  .  107 
Basilius     Maced.     Porphyrog., 

Menologium  des  ....  291  ff. 
Baumstark,  A.  158.  296.  311.  318.  326 
Behemon,  Gott  Israels  .  .  99  A.  1 
Bellarmin  .....  5.  175.  194 
Berendts,  AI.     71  A.  1.  72.  107  A.  6 

Bernoulli,  CA 139 

Birrhus  (Burrh.),  Jünger  .  .  333 
Bollandisten,  bibl.  hag.  gr.      .        1 

Bonwetsch,  N 5 

Book  of  Cerne  .  .  216  ff.  220.  228 
Boor,  C.  de  ...  178.  186.  190 
Breviarium  apostol.       169.  225.  227 

Brightman 210 

Btritün,  Jünger 333 

Budge,  E.A.Wall.  36. 45.  213  A.  2 

240.  311.  326. 

Bukolus,  Jünger 333 

Bundeslade,  Verbergung   durch 

Jerem 87.  89 

Burkitt,  Crawf 202.  207 

Bürün,  Jünger       333 

Bust  Matth 168 

Byzanz,    vornicän.  Bischofsliste 

145.  147.  178;  nachnicän.  .     .  193 


Seite 
Caesar,  Jünger  ....  325.  333 
Caesarea,  Bibliothek  von  .  .  37 
Caius,  Jünger      .     .      299.  300.  303 

Candarus,  Jünger 304 

Carolus  a.  S.  Paulo 191 

Carpus,  Jünger 304 

Cave,  G.   .      134.  148.  175.  188.  194 

Ceillier 5 

Ceriani 16.  38 

Cerinth,  abtrün.  Jünger     .    303.  306 

Chäbot,  J.  B 25.  325 

Charisius,  Jünger 303 

Charles,  R.  H 118  f. 

Christ,  W 175 

Chronicon  paschale,  Abfassungs- 
zeit 8. 12;  vitae  propbet.  1.  72. 
prophet.  Exkurse  10;  Doroth. 
Apostel-  und  Jüngerliste  168. 
185.  190.  195.  234.  299  f. 
Chronograph  vom  J.  354  .  .  .  229 
Cbrysostomus  Ps.,  Homilie  auf 
die  12  Apostel  169.  237,  Ur- 
teile über  CPel     .     .      184  f.  203 

Cigala  Matth 293 

Clemens,  Jünger  297.298.300.302.340 
Clemens  Alex.,Hypotyp.  171.  228.  294 

296.  297. 
Clementis  Ps.  Canon.   '.     .     .     .  237 
Combefis,  Fr.     .     154.  167.  161  A.  2 
Cornelius  v.  Jerusalem       ...     35 

Cornelius,  Jünger 298 

Crescens,  Jünger  .     .     297.  299.  333 
Crispus,  Jünger     ....    299.  333 

Criton,  Jünger 303 

Cuperus,  Guil.        175.  189.  192.  195 

Cyriacus,  Jünger 334 

Cyrill.  Alexandr.  in  proph.  min.  20.  74 

Cyrus 72 

Dan  und  Gad 93 

Daniel,  Proph 35.  98 

Delehaye  Hipp.     .    21.  42.  321.  326 
Delitzsch,  Fr.  5.  8.  44.  66  f.  116.  122 

142  f.  154.  175.  180. 
Demas,  Jünger      .     .     300.  304.  334 
Demetrius,  Jünger    .     .     .    299.  314 


Verzeichnis  der  Namen  und  Sachen. 


363 


Seite 

Didascalie,  arab 212 

Didymus  (Thomas) 272 

Diekamp,  Fr.     134.  130.  152.  154  f. 
158.  264  A.  266. 

Dillmann,  A 79 

Dionysius,  Jünger  .  .  .  299.  334 
Dionysius,  der  sog.  Areopag.  .  297 
Diptychen,    kirchl.    von    CPel    188, 

von  Arles 221 

Dorotheusschriffcen ,  ursprüngl. 
Umfang  89.  145.  351.  vitae 
proph.  1.  6.  116.  120;  prophet. 
Excerpte  12 ;  lat.  Übers,  s.  unter 
Musculus  8.  9.  Lebensbeschr. 
u.  passio  des  Dorotheus  11. 
136.  146.  172.  179.  181.  Doro- 
theus A-  und  B-Recens.  über 
die  12  Apostel  133.  12  Apostel- 
reihe 178,  Jüngerkat.  9.  141. 
145.  314.  317.  325.  Datierung 
des  Ps.  Doroth.  .  196.  292.  351 
D-Recension  (anonyme)  der  vitae 
prophet.  s.  Anonym. 

Dracontius,  Jünger 334 

Duchesne,  L.    170  f.  195  f.  226.  239 

293.  350. 
Ebionitenevangel.  d.  12  Apostel  206 

Ebrius,  Jünger 334 

Eleazar,      Zwillingsbruder     des 

Thoin 273 

Elias,  Proph.     .     .      8.  28.  109.  117 

Elisaeus,  Proph 112 

Epaenetus,  Jünger    .     .     .    299.  343 

Epaphras,  Jünger 300 

Epaphroditus,  Jünger  300.  323.  334 
Epep,  kopt.  Monatsname  .     .     .  242 

Ephrein,  Monach 193 

Ephreni  d.  Syrer  vitae  proph.    .     35 

Ephrein,  Jünger 335 

Ephod       108 

Epiphanius,  Monach.,  vita  Andr. 

134  .f  186.  vit.  Mar.  234 
Epiphanius,  Patriarch  v.CPel  142. 195 
E[iiphanius   von  Cypern:    vitae 
prophet.  sog.  längere  Recens. 


Seite 
(A)  12.  18.  20;  kürzere  (C.)  1. 
6.  9.  14.  21.  Syr.  oder  hebr. 
Grundschr.  d.  griech.  vitae  6. 
113.  114  f.  122.  129.  131 ;  syr. 
vitae  proph.  6.  24  f.  27  f.  30. 
32.  34.  43.  129.  Verfasser  der 
70  Prophetennamen  14,  von 
vit.  proph.  in  Sinait.  syr.  10.  35 
Epiphanius  von  Cypern:  Apostel- 
und  Jüngeriisten  141. 142  f.  242. 
313.  317.  349.  Apostelreihen 
230  f.  234;  Eine  Apostelreihe 
unter  d.  Epiph.  Namen  231. 
232  f.  Datierung  der  Apostel- 
und  Jüngerkat.  292.  298.  325.  349 

Erasmus  v.  Rotteid 139 

Erastus,  Jünger    ....    300.  335 

Esphana,  Jünger 335 

Eubulus 300 

Euchastion,  Jünger 335 

Eugenius,  vornicän.  P>ischol  von 

Byzanz 188 

Eunuch  der  Königin  Candace  .  335 
Eupolemus,  jüd.  Geschichtsschr.    88 

Eurion,  Jünger 302 

Eusebius,  Schrift  de  vitis  proph. 
40;  Hsskorrektor  37,  Onomas- 
ticon  50A.1.  52  A.  4.  61  A.5.62A.1 
Evangelium  da-Mepharrese  207.  209 

—  syr.  der  12  Apostel     .    206.  237 

—  der  12  Apostel  u.  d.  Barthol. 
Kopt 207 

Euodius  Ps.  aus  Antioch.  Brief  152 

-,  Jünger 298.  335 

Ezechiel,  Prophet 89 

Fischer,  Fr.      .     .     .  145.  187  f.  194 
Fortunatus,  Jünger  .     .     .    300.  335 
Freculph  v.  Liscieux     ....  171 
Gaius,  Jünger  322.  335,  veröffent- 
licht das  Joh.  Ev 261 

Gardebosc 175 

Gebhardt,  Ose.  v.    17.   79.   119.  134. 

139.  165 

Lanum,  Missale     .     .    .    217  f. 

Geizer,  H 145.  188 


364 


Schennann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Seite 

Georgius  Kedrenus,  syr.  Liste    .  188 

Georgius  Monach.  Hamart.   153.  182 

185.  196.  354 

Gerbert,  M.       .     .     .     170.  224  A.  1 

Goussen 208 

Gregor  von  Tours  .  .  .  171.  266 
Gregorianum,  Missale  .     .     .    217  f. 

Gulik,  W.  van 223 

Gundermann,  G 14 

Habakuk,  Proph.  .  13.  16.  31.  62 
Habbän  i.  d.  Thomasakten  .  .  275 
Hall,  Js.  H.  6.  25.  33  ff.  43. 129.  132 
Hamaker,  H.  A.  2.  5  f.  8. 17.  37  u.  oft. 
129  f.  132.  181.  195.  197 
Harnack,  Ad.  .  118.  154.  158.  165 
Harris,  J.  R.  .  208.  211.  308.  311 
Hebraismen  in  den  vitae  prophet. 

99.  101.  122 

Hegesippus 280 

Heimat  d.  Apostel,  anonym.Verz.  273 
Herakleon,  Gnostiker  ....  274 
Hergenröther,  Jos.  175.  177.  195  f. 
Hermas,  Jünger  .  .  300.  302.  336 
Hermes,  Jünger  .  .  300.  304.  335 
Herrnogenes,  Jünger  ....  336 
Herodes,  Schicksal  des      .     .     .  197 

Herodes,  Jünger 336 

Herodion,  Jünger      .    300.  304.  336 

Heroe,  Jünger 336 

Hesychius,  angebl.  Verfasser  von 

vitae  prophet 19.  38 

Heuron,  Jünger  ....  302.  303 
Hieronymus,  über  vitae  prophet. 

23.  24.  41  A.  2.  50.  A.  1.  74; 

Namenerklärungen   d.  Proph. 

42;  com.  in  Jon.  58  A.  1;  über 

das  Manna  am  Grabe  des  Joh. 

266,  com.  in  Joa.  .     .     202  f.  227 
Hieronymiannm  Martyrolog.     .  169 
171.  225  f. 
Hippolytus,  Verf.  v.  Apostelkat. 

153.  155  f.  236,  Datierung  292. 

353  f.  Jüngerverz.  314.  317.  325 
Hippolyt  v.Theben,Chronik  152  f.  264 
Hirsch,  Ferd 17.  161 


Seite 

Hoeschelius,  D 19 

Hrnsürs,  Jünger 336 

Hugo  Card,  (f  1264)      ....      4 
Hymenaeus,  Jünger  .     .     .    304.  336 
Jacobus,   3  zahl  im  Apostelkoll. 
226,  in  den  Apostel-  u.  Jünger- 
verzeichnissen  .     .     .  297  f.  302  f. 

—  Alphaei  226.  276;  identifiziert 
mit  dem  Herrnbruder  278,  Syr. 
Tradition       279 

—  d.  Herrnbruder,  übersetzt  d. 
Mt.  Evang.  276;  im  Apostel- 
koll. 226  f.  Jünger  336  f. 
Martyrium 337 

—  Zebedaei,  Mission,  Martyr., 
Begräbnis 253 — 255 

—  von  Edessa,  nest.  Schrittst.  4.  107 

—  Lebbaeus  zubenannt     .     .     .  211 

—  Liturgie  griech.,  Diptych.     .  209 

Jadok 105 

Jason  v.  Cyrene,  jüd.  Geschichts- 
schreiber ....      86.  119.  160 

Jason,  Jünger    300.  302.  304.  337  f. 

Jbn  at-Tayib,  nest.  Mönch,  207, 

Jeremias,  der  Proph.  31 — 34  f. 

81.  Martyr.  124;  Weissagung 

über   Jerusalem    und  Verber- 

gung  d.  Bundesl.    .     . '   .     .     .  197 

—  Apokryphon 118 

Ignatius  v.  Antioch.  mit  Joh.  in 

Ephesus  262;  als  Jünger  298. 
303.  305.  338;   Ps.  Ign.  Briefe  322 
Joath,  Joam-Joad      ....  7.  104 

Johannes  L,  Papst 194 

— ,  Baptist 115 

— ,  Euchaitens.,  Mauropus,  Ge- 
dicht auf  die  12  Apostel  163.  237 
— ,  Evangelist  u.  Ap.,  als  1.  im 
Apostelkoll.  gezählt 222;  gnost. 
Joh.  Akten  267,  Prochorustext 
259  f.  261.  Mission  260.  299. 
Verbannung  auf  Patmos  260, 
nach  Pontus  durch  Tiberius 
261  A.  1;  Abf.  d.Ev.  u.  d.  Apoc. 
261;    Tod,  Entrückuner  262  ff. 


Verzeichnis  der  Namen  und  Sachen. 


365 


Seite 
2  Gräber  in  Ephes.  264;  Manna 
am  Grabe  des  Ap.  266,  Lebens- 
alter 205.     Syr.  Gesch.  d.  Joh.  265 
Johannes,      Presbyter,      unter- 
schieden vom  Apostel  262.  265.  297 

—  Marcus,  Jünger 338 

Joel,  Proph.  .  .  30.  36.  48  f.  50 
Jonas,  Proph.    .     .     18.  30.  55  f.  59 

Josedek 71 

Josef  v.  Arimathia  .  .  .  302.  338 
Josef  Barsabbas,  Jünger  300.  302.  321 
Josef,  filius  Josephi  .  .  302.  303 
Josefus,  Flavius  ....    122.  280 

Josias  Jünger 338 

Irenaeus,  Verf.  einer  Jüngerliste 

i.  Sinait,  syr.  10  .  .  .  172.  307 
Isaias,  Proph.  .  13.  16.  33.  35.  74  ff. 

—  Himmelfahrt  u.Martyr.  118  f.  124 
Isho'dad,  Komment.  Ephr.  208.  211 
Isidor  von  Sevilla,    de  ortu  et 

obitupatr.  23. 41  f.  129. 171.  227.222 
Judas  Barsabbas,  Jünger  .     .     .  305 

—  der  Herrnbruder       ....  283 

—  filius  Josephi 302  f. 

—  Jacobi     .     .     282.  298.  302.  338 

—  Iscarioth,  Ende  des  .  165.  285 
Julius,  C.  .  .  45.  201  A.  1.  326 
Jüngerzahl,  70  oder  72  .  .  292  f. 
Jüngerverzeichnis,     syr.    Typen 

301  f.  321,  Datierung  .  305.  307 
Jungfrauengeburt  ...  87.  128 
Junias,  Jünger      .     .    302.  304.  339 

Justin,  Apol 117  f. 

Justus  Barsabbas,  Jünger  .  .  297 
Kalamine  in  Indien  .  .  .  274  f. 
Kanon  d.  altirisch.  Messe       .     .  219 

Kariathmaum 58 

Kephas,  Jünger     .     .    302.  304.  339 

Kleon,  Jünger 304 

Kleophas,  qui  et  Sym.  Jünger 302  f.  339 
Kosmas  Indicopl.  typogr.  christ. 

1.  5 8.  12.  144 

—  von  Jerusalem 193 

Krösus 72 

Kuddääa,  pers.  Lit.  d.  Nestor.     .  212 


Seite 

Labbe       5.  175 

Lagarde,  P.  A.  de     .     .     .    165.  167 

Laison,  Jünger 340 

Laterculus  apostol 228 

Latinismen  in  den  vitae  proph. 
d.  Doroth.  101,  in  den  Apostel- 
verzeichnissen   .     .     .     .    194  A.  2 

Lazarus,  Jünger 340 

Lebbaeus,  Beiname  zu  Thadd.  .  234 
Leo  L,  Brief  an  Marcian  .  .  184 
Leonianum,  Sacrament.  .  .  .  217 
Levi,  als  Apostel  und  Jünger  .  199 
233.  304.  341 
Lewis,  Ag.  Sm.  35.  45.  240.  307.  326 
Liber  hymnorum,  irisch.   .     .     .  217 

Lightfoot 154 

Linus,  Jünger  ....      297  f.  341 
Lipsius,  R.  A.    135  f.  145.  154  f.  170 
u.  oft.  260.  295.  326 
LogothetPs.Syni.,Chron.i.  Paris. 
1712,  Prophet,  vitae  17.  101; 
Apostelverz.    160.    188.    236, 
Jüngerverz.    314.    318.      Da- 
tierung          291.  354 

Lucas,  Evang.  (im  Apostelkoll. 
237),  Mission  und  Tod  2S8  ff. 

297.  300.  302  f.  321 
Lucius  Cyren.,  Jünger  160.  299. 

300.  302.  304.  341 
Macubas  (Bar-cubas?),  Jünger  .  304 
Mahluph  (Mailapar)  in  Indien  .  275 

Malachias,  Proph 36.  72 

Malael,  Jünger 341 

Malalas,  Joh.  chron.  1.x.      .     .  245 

Manaeus,  Jünger 302 

Manahen,  Jünger 302 

Manael,  Jünger 302 

Marcellus  (Martolus)     ....  342 

Marcianus 341 

Marcus  Baraabas      .    300.  321.  342 
Marcus,  Evangel.  137  (im  Apostel- 
koll. 237),  unter  den  Jüngern 
297.300.302.  Mission,Tod  285—287 
Diana  mit  Joh.  in  Ephes.    260.  262 
Mannatus,  Jünger    .     ...     .     .  342 


366 


Scherrnann,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Seite 

Maro,  Jünger 342 

Marthonas,  Jünger  .  .  .  299.  342 
Martyrol.  Gellonense     .     .     .     .170 

—  Roman 164.  182.  187 

—  Syriac.  v.  J.  412 336 

Marüthä,  Jünger 304 

Matthaeus,  im  Apostelkollegium 

fehlend  231;  Herkunft,  Mission, 
Tod 276  f. 

Matthias,  Mission,  Tod  283—284, 
unter  den  Jüngern     .     .    297.  302 

Meleas,  Jünger 341 

Menologien,  griech.  des  Basil. 
Porphyrog.  21  f.;  Recens.  d. 
vitae  prophet.  128  f.  Apostel  - 
verz.150.163f.  182. 187 f.  291. 324  ff. 

Messe,  altirische 221 

—  mozarabische 221 

Metaphrastes,  Sym.  267  ff.  291.  323 
Methodius,  Bischof  v.  Tyrus  .  180 
Metrophanes,  Bischof  v.Byzanz  188 f. 
Meyer,  Phil.      .     .    .    138.  214.  215 

Michaeas,  Proph 60  f. 

Michael  d.  Syrer,   Chronik  1.  V, 

VI,  25.  28.  172.  213.  240.  308  f. 
Miliggos  (Milichus)  Jünger  303.  310 
Mischtexte  der  Apostelverz.  167.  354 
Missale  von  Bobbio       ....  219 

—  Francorum 219 

Mnason,  Jünger  .  .  302  f.  305.  342 
Moschus,  Joa.,  prat.  spirit.  c.  176  153 

Montfaucon       157 

Moses 87 

Muratori 218 

Musculus,  Wolfg.  7  ff.  137  ff'.  — 

Die  griech.  Hs.  Vindob.  hat 
den  Passus  über  Elias  an  der 
Stelle  wie  Muse,  wie  ich  bei 
meiner  Kollation  ersah; 
Geizer  hatte  ihn  nicht  ver- 
merkt, weil  im  Chron.  Pa- 
schale hier  fehlend 8 

Narcissus,  Jünger    .      300.  304.  342 

Natalis,  Alex 175 

Nathan,  Prophet 18.  99 


Seite 
Nathanael,  Jünger     .     .      302  f.  342 

Nebucadnezar 88.  98 

Nereus,  Jünger 300 

Nestle,  Eb.  1.  2.  4.  15.  19.  21  f. 

24.   34.   37.   43.    66.   80.   129.  173 

Niger,  Jünger 343 

Nikanor,  Jünger  .  .  302  321.  343 
Nikephorus,   Patriarch  v.  CPel, 

chronol.  brevis  147.  186.  192.  196 
Nikephorus  Call.  Xanthop.  h.  e. 

61.  71  f.  106.  153.  179.  192  f. 

236  A.  1.  250  A.  5.  6.  261.  273. 

279.  ff.  289.  A.  4.  6.  344. 
Niketas,  Jünger    ....    299.  343 
Niketas,  David  Paphl.  249  A.  3. 

262  A.  3.  263.  273.  279.  291  f. 
Nikodemus,  Pharis.,  Jünger  302  f.  343 
Nikolaus,  Jünger  ...     302  f.  343 

Nilles,  N 163.  175.  327 

Norberg,  M 37  f. 

Notitia  de  locis  sanet.  ap.  170.  225  f. 
Nunnaminster,  Buch  von       .     .  217 

Nymphas,  Jünger 300 

Nzqüs,  Jünger       343 

Oecumenius-Comm.z.N.T.  138.  140  f. 
Offenbarung  des  Petrus  .  .  .  206 
Olympas,  Jünger  .  .  .,  .  300.  343 
Onesimus  ....  299.  300.  343 
Onesiphorus  .  .  .  300.  325.  344 
Origenes,  Hexapl.  u.  Tetrapl.  37, 

Verfasser  d-(anonym-)Rec.  der 

vitae  prophet.   37  f.  129;    Ps., 

de  reeta  in  de  um  fide  .  .  .  298 
Oseas,  Prophet  .  .  .31.  36.  46  f. 
Oudin,  Cas.  .  5.  142.  194.  195  A.  9 
Pamphilus,  Biblioth.  des  ...     37 

Paneas  in  Basan Sl 

Pancratius,  Jünger 344 

Papebroch 5.  175 

Papias  v.  Hierapolis  165.  204  A.  3. 

267.  297 
Parmenas,  Jünger  .  .  302.  321.  344 
Patrobas,  Jünger  .  .  .  300.  344 
Paulus,  im  Apostelkollegium  209. 

212.  225.  227.   Bekehrung,  Tod  2  I 1 


Verzeichnis  der  Namen  und  Sachen. 


367 


Seite 
Pauni,  aeg.-kopt.  Monatsname  .  243 
Petrus,  Datierung  des  Todes  136, 
Kämpfe  mit  Simon  Magus  242, 
Petrus- Akten  245  f.  Simon  P. 
Heimat,  Mission,  Martyrium  243  ff. 
Philadelphus,  vornic.  Bischof  v. 

Byzanz 188 

Philagrius,  Jünger 344 

Philastrius,  Geschichtschr.     .     .183 
Philemon,  Jünger  .     .  299.  300.  344 
Philippus,  Apostel  mit  Phil.  v. 
Hierapolis    verwechselt.    267. 
297.  Phil.  Akten  syr.  61.  266. 
268.  Heimat  u.  Wirksamkeit, 
Tod  d.  Apostels    .    .    .  266—268 
—  Jünger     ....     302.  321.  344 

Philo,  jüd.  Philos 120 

Philologus,  Jünger    .     300.  302.  344 
Philoxenus,  Bischof  v.  Hierapo- 
lis      311 

Philoxenus  u.  Probus,  Konsuln  .  194 
Phlegon,  Jünger  ....    300.  303 

Phygellus,  Jünger 345 

Pitra  J.  B 16S 

Polykarp  m.  Joh.  i.  Ephesus  .  262 
Polykrates  von  Ephesus     .  263.  267 

Preuschen  E 107.  148 

Priscus,  Jünger 345 

Prismus,  Jünger 345 

Prochorus,  Jünger     .    302.  321.  345 

Proklus 267 

Psellus,  Michael 168 

Ptolemäus,  König 87 

Ptolemaeus,  erzähl.  Greis  .  .  87 
Pudens,  Jünger  ....  300.  345 
(Juartus,  Jünger  ....  300.  345 
Rhodion,  Jünger  .  .  300.  304.  345 
Rufin,  Übers,    d.    Kirchengesch. 

d.  Euseb 294 

Rufus,  Jünger  .    .    .    300.  303.  345 

Salathiel 72 

Salomo,  König 81 

Salomon  von  Basrah,  vitae  pro- 
phet.  32.  36.  41.  130.  Apostel- 
11  iten  .    .  173.  213f.  237.  240.  301 


Seite 

Sauieas,  Prophet 105 

Sardica,  Koncil  von,  ....  181 
Scholienrecension  der  vitae proph.  21 
Schönfelder,  J.  M.     36.  45.  240.  326 

Schürer  E 7S.  125  f. 

Senecas,  Jünger  ....  302.  346 
Silas,  Jünger     .     300.  302.  305.  346 

Siloe,  Quelle 81 

Silvanus,  Jünger  300.  302.  305.  346 
Simon  Cyr.  Jünger  160.  303.  305. 

346;  fürChristus  gekreuzigt  197. 34 6 
Simon  Judas,  Bischof  v.  Jerusal., 

Kreuzigung  unter  Trajan  .  280  f. 
Sim(e)on  Kleophae,  Jünger  114  f. 

160.  298.  302.  305.  321.  346 
Sim(e)on  Niger,  Jünger  302.  304.  346 
Simon  Zelotes,  Mission  281,  arm. 
Lokalsagen,     Kreuzigung    in 

Brit 281 

Simon  d.  Aussatz.,  Jünger    .     .  347 

Sirinus,  Jünger 304 

Slikispus,  Jünger 304 

Sokrates,  Kirchengesch.     .     .     .  193 

Sokrates,  Jünger 347 

Sophonias,  Prophet  .     .     .     .  33.  67 
Sosipater,  Jünger  ....  300.  347 
Sosthenes,  Jünger      .    302.  304.  347 
Sophronius-Recens.    d.   Apostel- 
listen      139 

—  über  die  Taufe  d.  Apostel  u. 
Maria 149f. 

—  v.  Jerus.  Homilie  über  Pet. 

u.  Paul 323  f. 

Stachys,  Jünger,    1.    Bischof  v. 

Byzanz  .  11.  145.  184.  299.  347 
Stephanas,  Jünger  .  .  .  300.  347 
Stophanus,  Jünger  297.  302f.  321.  347 

Stetios,  Jünger 347 

Stowe  Missale  .     .     .    217.  219.  224 

Strateas,  Jünger 299 

Stratokies,  Jünger 347 

Synaxarium  CPolit.,  vitae  proph. 

21.  33.  A.  1;   Apostellist.  129. 

L50.  103.  182.  187.  Jüngerverz. 

315.  320  f.  324 


368 


Schermaim,  Propheten-  und  Apostellegenden. 


Seite 

Syrianus,  Jünger 304 

Syriacisroen  i.  d.  gr.  vitae  proph.  129 
Syrische  vitae  prophet.     .     .     .  130 
Syrisch-griech.  anonym.  Apostel- 
verzeichnis     160 

Tatian,  Diatessaron       .     .    209.  211 
Tertius,  Jünger     ....    300.  348 
Testamente  d.  12  Patriarch.      .  120 
Thaddaens  Apostel  231.  234,  Bei- 
name Lebbaeus  213  f.,  Jünger 

302.  303.  347 

Theocritus,  Jünger 348 

Theodoret  v.  Cyrus,  Erklärungen 
zu  d.  Proph.  20.  41;  Verf.  v. 
Frag.  üb.  d.  Taufe  d.  Ap.  (?)  150. 184 
Theodorus  Prodromus  ....  192 

Theodorus,  Jünger 192 

Theodosius  II 81 

Theophanes  Chron.  175. 177. 190. 196 
Theophilus,  Jünger  .  .  .  298.  348 
Theophylakt.  Erkl.  d.  Proph.  21.  38 
Thomas    Apostel,     Akten    209. 

Name,  Mission,  Tod .  272—275. 348 
—  von  Harkel,  syr.  Bibelübers.  210 


Seite 

Thörus,  Jünger 302 

Thyrsis,  Jünger 302 

Timon,  Jünger  ....  302.  348 
Timotheus,  ....     297.  300.  348 

Titus 297.  299  f.  348 

Trophimus,  Jünger  .  .  .  300.  349 
Tychicus,  Jünger  .  .  .  300.  349 
Tyrannis,  Bischof  v.  Tyrus  .     .  180 

Uranius 181 

Urbanus,  Jünger  299.  302—304.  349 
Venantius  Fortunatus,  de  virg. 

171.  228 
Yirtutes  apostol.  Sammlung  .     .  227 

Wright  W 4.  107.  265 

Topistan,  Jünger 349 

Zabdai,  Jünger  ....  302.  349 
Zacchaeus,  Jünger  .  .  .  298.  349 
Zaccharias,  Barach.  fil.  ...  70 
Zaccharias,  Iojad.  fil.     .     .     .  18.  33 

Zakron,  Jünger      302 

Zebennus,  Bischof  v.  Eleutherop.    61 

Zenas,  Jünger 300.  349 

Zeno,  Bischof  v.  Tyrus  .  .  .  181 
Zeuxippus,  Tyrann  i.  Byzanz     .  183 


Verlag  der  X  C.  HINRICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 


DIE  GRIECHISCHEN  CHRISTI.  SCHRIFTSTELLER 

(Fortsetzung  von  der  zweiten  Umschlagseite.) 

Origenes.  Schrift  vom  Martyrium  (exhortatio).  —  Die  acht  Bücher  gegen  Celsus. 
—  Die  Schrift  vom  Gebet  (de  oratione).  Herausg.  von  P.  Koetschatt. 
Mit  Einleitung  und  dreifachem  Eegister.  (29%  und  345/8  Bogen).  [Origenes 
Band  I/DT|   1899.  M.  28— 

—  Jeremiahomilien.  —  Klageliederkommentar.  —  Erklärung  der  Samuel-  und 
Königsbücher.  Hrsg.  v.  E.  Klostermann.  Mit  Einleitg.  u.  dreif.  Reg.  (25  74 
Bogen).     [Origenes  Band  ILT]    1901.  M.  12.50 

—  Der  Johanneskommentar.  Hrsg.  v.  E.  Preuschen.  Mit  Einleitg.  u.  vierf.  Res. 
(48y2  Bogen).    [Origenes  Band  IV]    1903.  M.  24.50 

Gebunden  in  geschmackvolle  Halbfranxbände  je  M.  2.50  mehr. 
*Vorläufig  nur  in  Interimskartonage  je  50  Pf. 

Nicht  nur  die  Werke  der  Väter  im  kirchlichen  Sinne  des  Wortes,  sondern 
alle  in  griechischer  Sprache  geschriebenen  Urkunden  des  ältesten  Christen- 
tums (einschließlich  der  gnostischen,  der  zuverlässigen  Märtyreracten  usw.)  sollen 
in  kritischen,  nach  einem  einheitlichen  Plane  gearbeiteten  Ausgaben  vorgelegt 
werden.  Wo  die  Originale  nicht  mehr  vorhauden  sind,  treten  die  alten  Über- 
setzungen ein.  Die  Ausgaben  erhalten  außer  einem  vollständigen  Apparat 
historisch  orientierende  Einleitungen  und  Register  und  sie  sollen  sowohl  in 
philologischer  als  in  historisch-theologischer  Hinsicht  den  Anforderungen  ent- 
sprechen, die  heute  mit  Recht  an  solche  Veröffentlichungen   gestellt   werden. 

Die  neue  Ausgabe  der  griechischen  christlichen  Schriftsteller  —  zu- 
nächst der  ersten  drei  Jahrhunderte  —  ist  daher  berufen  den  verschiedensten 
Forschungen  zu  dienen.  Wer  eine  Antwort  auf  die  Frage  sucht,  wie  die  Funda- 
mente unserer  Kultur  in  der  Verbindung  von  Christentum  und  Antike  gelegt 
worden  sind,  wer  die  Entstehung  der  katholischen  Reichskirche  ermitteln  will, 
wer  die  Ursprünge  der  Verfassungsformen,  die  das  mittelalterliche  Europa  be- 
herrscht haben,  studiert,  sieht  sich  auf  die  patristische  Literatur  gewiesen, 
und  diese  Literatur  ist  auch  der  Mutterschoß  der  Literaturen  aller  romanischen 
und  germanischen  Völker  gewesen. 

Im  Druck  befinden  sich: 

Eusebius.  Kirchengeschichte  bearb.  von  Ed.  Schwartz,  Göttingen.  2.  Hälfte  mit 
Rufins  Lateinischer  Übersetzg.  bearb.  v.  Theodor  Mommsen  (f);  sowie  Re- 
gisterband: Prolegomena,  Übersichten  (Kaiserliste,  vier  Bischofslisten,  Gesamt- 
übersicht) und  fünffaches  Register  bearbeitet  von  Ed.  Schwartz. 

Die  Esra-Apokalypse  (IV.  Esra)  bearbeitet  von  B.  Violet  in  Berlin. 

Der  Umfang  dieser  monumentalen  Ausgabe  läßt  sich  im  voraus  nur  annähernd 
jerechnen.  Ins  Auge  gefaßt  sind  etwa  50  (einzeln  käufliche)  Bände. 

Jährlich  noch  nicht  20  Mark  hat  die  Anschaffung  der  ganzen  Reihe  bisher  durch- 
schnittlich beansprucht,  ein  Betrag,  der  gewiss  auch  jeder  kleinen  Bibliothek  die  Subscrip- 
ion  möglieh  macht,  um  sich  die  vollständige  so  wertvolle  Sammlung  zu  sichern. 

Leipzig.  3-  t.  %mx\<$)&\<$)t  (gucflflanfcfung. 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENYÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREUSSISCHEN  AKADEMTE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  BAMACK  und  CAEL  SCHMIDT 

DRITTE  REIHE  —  ERSTER  BAND  3.  HEFT 

DER  GANZEN  REIHE  XXXI,  3 


LEIPZIG 

J.  C.  HLNRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 

1907 


ZU  DEN  SCHRIFTEN 


DES 


MAKAEIOS  VON  MAGNESIA 


VON 


GEORG  SCHALKHAUSSER 


^^ 


-n^m 


LEIPZIG 

J.  C.  HINRJCHö's«  he  BUCHHANDLUNG 

L907 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUK  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREUSSISCHEN  AKADEMLE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLE  HAMACK  und  CARL  SCHMIDT 

DRITTE  REIHE  —  ERSTER  BAND  3.  HEFT 

DER  GANZEN  REIHE  XXXI,  3 


LEIPZIG 

J.  C.  HLNRICHS'sche  BUCHHANDLUNG 

1907 


ZU  DEN  SCHRIFTEN 


DES 


MAKAEIOS  VON  MAGNESIA 


VON 


GEORG  SCHALKHAUSSER 


LEIPZIG 
.1.  Q  HINRICHS'ai  he  BUCHHANDLUNG 


Y'erlag  der  J.  C.  HINRICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN  ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN    LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  GRIECHISCHEN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLER 
DER  ERSTEN  DREI  JAHRHUNDERTE 

Herausgegeben  von  0.  von  Gebhardt  und  A.  Harnack. 

Inhalt  der  Dritten  Reihe  (herausgegeben  vonA.  Harnack  und  C.  Schmidt)  Bd.  XXXI H.  ff. 


Neueste  Hefte: 

Schalkhausser,  G.,  Zu  den  Schritten  des  Maka- 
rios  von  Magnesia.     V,  218  S.    1907.  (XXXI,  4 1 

M.  7  — 

Schermann.  Th.,  Propheten-  und  Apostellegenden. 
Nebst  Jüngerkatalogon  Dorotheus  und  ver- 
wandter Texte.    VII,  3Ö8  S    1907.  (XXXI,  3) 

M.  11.50 

Bonwetsch,  G.  N.,  Die  unter  Hippolyts  Namen 
überlieferte  Schrift  über  den  Glauben.  Nach 
einer  Übersetzung  der  in  einer  Sckatberder 
Handschrift  vorliegenden  georgischen  Ver- 
sion. 30  S.  —  Koch,  H. ,  Vineenz  von  Lerin 
und  Gennadius.  Ein  Beitrag  zur  Literaturge- 
schichte des  Semipelagianismus.  22  S.  — 
Koch,  H.,  Virgines  Christi.  Die  Gelübde  der 
gottgeweihten  Jungfrauen  in  den  ersten  drei 
Jahrhunderten.  54  S.  1907.  (XXXI,  2)   M.  3.50 

Irenäus,  des  hl.,  Schrift  zum  Erweise  der  apo- 
stolischen Verkündigung.  Eli  lUMet^n  roö 
ajioazoi.iKnv  xivoyfiitzni.  In  armenischer  Version 
entdeckt,  hrsg.  und  ins  Deutsche  übersetzt 
von  Licc.  Dr.  Karapet  Ter-Mekerttschian  und 
Erwand  Ter-Minassiantz.  Mit  einem  Nach- 
wort und  Anmerkungen  von  Ad.  Harnack. 
VIII,  69  u.  G8  S.  1907.  (XXXI,1)  M.     6  — 


Inhalt  der  NF.  (Ztveite  Reihe,  Bd.  XVI -XXX). 

Achelis,  H.,  Hippolytstudien.  VIII,  233  S.  1897. 
(NF.  I,  4)    M.    7.50 

Augar,  F.,  Die  Frau  im  römischen  Christen- 
process.  Ein  Beitrag  zur  Verfolgungsge- 
sohichte  der  christlichen  Kirche  im  röm. 
Staat.  82  S.  (Mit  Harnack  und  Schultze.  NF. 
XIII,  4.)  M.  4.50 

Bauer,  Ad.,  Die  Chronik  des  Hippolytos  im 
Matritensis  graecusl2l.  Nebst  einer  Abhand- 
lung über  den  Stadiasmus  Maris  Magni  von 
Otto  Cuntz.  Mit  1  Abbildung  im  Text  und 
5  Tafeln.  VI,  288  S.  1905.  (NF.XIV,  1)  M.  8.50 

Berendts,  A. ,  Die  Zeugnisse  vom  Christentum 
im  slavischen  de  bello  Judaico  des  Josephus. 
III,  79  S.     1906.  (NF.  XIV,  4)  M.  2.50 

—  Die  handschriftl.  Überlieferung  d...Zacha- 
rias-  u.  Johannes -Apokryphen.  —  Über  d. 
Bibliotheken  d.  Meteorischen  u.  Ossa-Olvmp. 
Klöster.    IV,  84  S.  1904.  (NF.  XI,  3)    M.  2.70 

Bonwetsch,  G.  N.,  Studien  z.  d.  Komm.  Hippolyts 
zum  Buche  Daniel  n.  Hohenliede.  IV,  86  S. 
1897.  (NF.  I,  2)    M.     3  — 

—  Drei  georgisch  erhaltene  Schriften  v.  Hippo- 
lytus.  XVI,  98  S.  1904.  (NF.  XI,  la)    M.  3.50 

—  Hippolyts  Kommentar  z.  Hohenlied  auf  Grund 
v.  N.  MÄRR'S  Ausg.  d.  grusin.  Textes  herausg. 
108  S.    1902.    (s.  Harnack) 

Eratke,  E.,  Das  sogenannte  Religionsgespräch 
am  Hof  der  Sasaniden.  IV,  305  S.  1899.  (Mit 
Harnack,  Cyi'iian.  Schriften  NF.IV, 3)  M.  10.50 

Die  syrische Didaskalia  ülis.  uerkl.v.H. Achelis u. 
J.  FLEMMlNG.  VIII,  388S.  1904.  (NF.X.2)  M.  12.50 

Dobschütz,  E.  von,  Christusbilder.  Untersuchun- 
gen zur  christlichen  Legende.  XII,  294,  336 
und  357  S.     1899.  (NF.  III)    M.  32  — 


Erbes,  C,  Die  Todestage  «1er  Apostel  Paulus 
und  Petrus  und  ihre  römischen  Denkmäler. 
IV,  1X8  S.  1899.  (Mit  Harnack,  K<-tzeikatalog 
und  Goetz,  Cyprian  NF.  IV, ..l)  M,    5.50 

Flemming,  J.,  Das  Buchllenoch.  Ättuop.Text,  Einl. 
Komm.  XVI,  172  S.  1902.  (NF.  VII,  I)  M.  11  — 

Gebhardt,  ..0.  v.,  Passio  S.  Theclae  virginis.  Die 
latein.  Übersetzgn.  der  Acta  Pauli  et  Theclae 
nebst  Fragm.,  Auszügen  u.  Beilagen  herausg. 
"XVIII,  188  S.    1902.     (NF.  VII,  2)    M 

Geffcken,  J.,  Komposition  u.  Entstehungszet  d. 
Orac.  Sibyll.  IV,  78S.  1902. (NF.  VIII.l)  M.2.SÖ 

Goltz,  Ed.  v.d.,  Tischgebete  u.  Abendmalilsgebete 
in  d.  altchristlichen  u.  in  der  griechischen 
Kirche.    67  S.    1905.    (NF.  XIV,  21.)     M.  2  — 

—  Aiyoi  oaiTr^iai  ncli    z'r,v  7iu(&ävov  (de   Vir_illi- 

tate).     Eine    e<hte  Schrift    des  Athanasius 
IV,  144  S.     1905.     (NF.  XIV,  2a)  M.5- 

—  Eine  textkrit.  Arbeit  d.  10.  bez.  6.  Jh., hrsg. 
nach  e.  Codex  d.  Athoskl.  Lawra.  Mit  1  Tafel. 
VI,  116. S.   1899.  (NF.  II,  4)  M.     4.50 

Goetz,  K.  G.,  D.  alte  Anfang  u.  d.  ursprüngl.  Form 

v.i  ypr.  Schrift  ad  Donatum.  16  S.  1899.  (s.Erbes) 
Gressmann,  H.,  Studien  zu  Euseb's  Theophanie. 

XI,  154  u.  69  S.  1903.  (NF.  VIII,  3)  M.  8- 
Haller,  W.,  Jovinianns,  dieFragm.  s. Schriften  eto. 

VIII,   159  S.  1897.     (NF.  II,  2)  M.     5.50 

Harnack,  A.,    D.  pseudocypr.  Trakt,   de   singu- 

laritate  cleric.   e.  Werk   d.    douatist.  Bisch. 

Macrobiusin  Rom.  (72S.)   —  D.  Hypotyposen 

d.  Theognost.  (20 S.)  —  D.  gefälschte  Brief  d. 

Bisch. Theonas  an  d.OberkammerherrnLucian. 

(25  S.)     117  S.     1903.     (NF.  IX,  3)  M.  3.5U 

—  Über  verlorene  Briefe  und  Actenstikk--. 
die  sich  a.  d.  Cyprian.  Briefsammlg.  ermitteln 
lassen.  45  S.  1902.  (Mit  Klostermann,  u.  Bon- 
wetsch,  NF.  VIII,  2)  M. 

—  Der  Ketzer-Katalog  des  Bischofs  Maruta 
von  Maii>herkat.    17  S.    1899.   (s.  Erbes) 

—  Die  Pfaffschen  Irenäus-Fragmente  als 
Fälschgn.  PfafFs  nachgewiesen.  —  Patrist. 
Miscellen.  III,  148  S.  1900.  (NF.  V,  3)     M.  5  — 

—  Diodor  v.  Tarsus.  IV,  251  S.  1901.  (NF.  VI,  4) 

M.    8  — 

—  Analecta  zur  ältesten  Gesch.  d.  Christen- 
tums in  Rom.  10  S.  (Mit  Koetschau  und 
Klostermann.    NF.  XIII,  2.) 

—  Drei  wenig  beachtete  Cvpi'ianische  Schriften 
und  die  „Acta  Pauli".    34  S.    1899.    (s.  Bratke> 

—  Der  Vorwurf  des  Atheismus  in  den  drei 
ersten  Jahrhunderten.  16  S.  1905.  (Mit 
Schnitze  und  Augar.     NF.  XIII,  4)    M.  4.5  ' 

Holl,  K.,  Fragmente  vornicän.  Kirchenvater 
aus  d.  Sacra  parallela.  XXXIX,  241  s. 

(NF.  V,  2)    M.    !'  - 

—  Die  Sacra  parallela  des  Johannes  Damas- 
cenus    XVI,  392  S.   1897.    (NF.  I,  1)     M.  12  - 

Janssen, R.,D.Johannes-Ev.u.d.Paraph.d.N 
Panopolit,  IV,  80  S.  1903.  (NF.  VIII,  4  l  M.  2.5<i 

Jeep,  L.,  Zur  Überlieferung  des  Philostorgios. 
33  S.     1899.    (s...  Wobbermin)    Nicht   einzelu. 

Klostermann, E.,  D.  Überlief,  d.  Jeremia-Homilien 
d.Origenes.    VI.116S.  1897.  (NF.  I,  i)ti 

—  Eusebius'    Schrift  »*<?»  ™>'  tonixCiv  ö 

rolv  Iv  zf]  de,?  yp«(f5.     28  S.  1902.     (s.  Harnack 
Fortsetzung  auf  der  dritten  Umschlag:- 


ZU  DEX  SCHRIFTEN 


DES 


MAKARIOS  VON  MAGNESIA 


VON 


GEORG  SCHALKHAUSSER 


^^ 


LEIPZIG 

•i.  C.  ll  [NRICHS*sche  BUCHE  WhLUNG 

1907 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 
ZUR  GESCHICHTE  DER  ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KÖNIGL.  PREUSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEX  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ALTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLEI; 

HERAUSGEGEBEN    VON 

ADOLF  HARNACK  vxv   CARL  SCHMIDT 
31.  BAND  HEFT  -1 


Druck  von  Julius   \iu'l  in  Greifswald 


Vorbemerkung. 

Seit  mehreren  Jahren  bin  ich  damit  beschäftigt,  zusammen- 
zubringen, was  von  dem  griechischen  Kirchenschriftsteller 
Makarios  Magnes  oder  über  ihn  geschrieben  wurde  und  da/u 
beitragen  könnte,  das  Dunkel  in  etwas  zu  erhellen,  in  das  die 
Grestalt  dieses  Autors  großenteils  noch  gehüllt  ist.  Da  sich 
jedoch  am  hiesigen  Orte,  einem  Landstädtchen,  keine  größere 
Büchersammlung  befindet  und  mein  Beruf  es  mir  nicht 
erlaubt,  öfters  längere  Zeit  von  hier  abwesend  zu  sein,  war 
ich  für  die  gedruckte  Literatur  in  der  Hauptsache  auf  den 
Postverkehr  mit  den  Bibliotheken,  für  die  Einsichtnahme  in 
die  Bücher,  die  die  Bibliotheken  nicht  nach  auswärts  versenden 
dürfen,  und  in  Handschriften  auf  die  wenigen  Wochen  Urlaub 
angewiesen,  die  ich  jedes  Jahr  und  zwar  zu  einer  Zeil 
hatte,  in  der  manche  Bibliotheken  ganz  geschlossen,  andere 
nur  ein  paar  Stunden  täglich  geöffnet  sind.  Es  ist  daher  nicht 
unmöglich,  dal,'»  mir  die  eine  oder  andere  Notiz  über  oder  von 
Makarios,  die  sich  irgendwo  findet,  entgangen  ist  und  infolge 
dessen  der  Kenner  schon  indem  der  vorstehenden  Abhandlung 
zugrunde  liegenden  Materiale  Lücken  entdeckt.  Wer  solche 
gewahr!  oder  sich  überhaupt  zu  den  Ergebnissen  meiner  Arbeit 
in  irgend  einer  Druckschrift  äußert,  würde  mir  einen  Gefallen 
erweisen,  wenn  er  mich  von  seiner  Wahrnehmung  in  Kenntnis 
setzen,   bezw.   wenn   er   mir  einen    Abdruck    seiner   Äußerungen 


JY  Sehalkhausser.    Makariu-,   Maines.     Vorbemerkung. 

zukommen  lassen  oder  mich  wenigstens  auf  den  Fundort  der- 
selben aufmerksam  machen  würde. 

Mehreren  Bibliotheksverwaltungen  bin  ich  für  freundliches 
Entgegenkommen  zu  großem  Danke  verpflichtet.  Er  sei  auch 
hier  abgestattet. 

Wassertrüdingen,  Mittelfranken,  den   12.  Dezbr.   1906. 

Dr.  Georg  Sehalkhausser, 

ev.  Pfarrer. 


Inhaltsverzeichnis. 

Vorbemerkung III 

Einleitung 1 

I.    Zum  Apokritikos  des  Makarios  Magnes. 

1.  Handschriften  mit  Teilen  des  Apokritikos 5 

2.  Franciscus  Turrianus    und    der  Apokritikos   des  Makarios  Magnes  18 

3.  Zackarias   Skordylios   und   der  Apokritikos  des  Makarios  .Magnes  81 

4.  Die  Geschichte  des  codex  Venetus 9G 

5.  Das  Verhältnis  des  codex  Atheniensis  zum  codex  Venetus  .     .     .  109 

Tl.    Die  sogenannten  Homilien   des  Makarios  Magnes 
zur  Genesis. 

1.  Geschichtlicher  Rückblick 113 

2.  Fundstellen  der  sog.  Genesishomilien  des  Makarios  Magnes     .     .  120 

3.  Makarios  Magnes  nicht  Verfasser  der  „Schöpfungsgeschichte"  .     .  130 

Anhan  g, 
Der  Text  des  Ottobonianischen  Fragments  nach  dem  Manuskript  des 

Magnus  Crusius 18ti 

Register. 

I.  Namen-  und  Sachregister 203 

II.   Wortregister  zu   den   griech.  Texten 211 

Nachtrüge 202 


1 1    te  ii.  Untersuchungen  etc.  ü.  • 


Einleitung. 

Makarios  Magnes  gehört  zu  den  kirchlichen  Autoren,  bei 
denen,  sowohl  was  die  persönlichen  Verhältnisse,  als  auch  was 
die  schriftstellerische  Tätigkeit  betrifft,  noch  vieles  dunkel  ist. 
Fest  steht,  daß  er  Bischof  war.  Denn  Nikephoros  L,  Patriarch 
von  Konstantinopel  (806 — 815),  berichtet  von  ihm1,  daß  ihm 
in  der  Überschrift  des  sehr  alten  Exemplars,  das  er,  Nikeph., 
nach  langem  Suchen  von  dem  Apokritikos  desselben  gefunden 
habe,  die  Würde  eines  IsQaQxVs  beigelegt  war.  Ebenso  wird 
nicht  zu  bezweifeln  sein,  daß  dieser  Hierarch  Makarios  hieß. 
Daß  Makarios  als  Eigenname  zu  fassen  ist,  sieht  mau  nicht 
nur  aus  dem  Titel,  den  die  Gegner  des  Nikeph.,  die  Ikouo- 
klasten,  ihrem  Apokritikos- Exzerpt  gegeben  hatten2,  und  aus 
der  Aufschrift,  die  das  eigene  Exemplar  des  Nikeph.  trug3, 
sondern  auch  aus  dem  Wortlaut  der  Überschriften,  unter  denen 
uns  Teile  oder  Stellen  aus  dem  Werke  des  Mak.  in  Hss.  er- 
halten sind.  Der  Verfasser  wird  nämlich  in  mehreren  derselben 
mit  fiaxaQiov  (idyvfjzog  bezeichnet,  wrobei  also  (taxagiov  ohne 
Artikel  steht4. 


1)  Nicephori  antirrhebicus  liber  de  Magnete  bei  Pitra,  Spicilegium 
Solesmense  T.  [.    Par.  1852,  p.  307. 

2)  Ibid.  p.  305:   Tov  äyiov  Maxaoiov. 

3)  Ibid.  p.  307:  H  irir  ori-  ßißXoq  Maxaoiov  ulr  hiiyiyQanxai, 
ii.  ]i.  334. 

4)  So  im  cod.  Atheniensis  des  Apokr.  in  der  Überschrift  des  -">.  und 
4.  Buches,  ferner  in  der  Aufschrift,  unter  d<>r  im  Werke  des  Johannes 
Antioch.:  '  Yicd&eoig  tisqi  t<5v  frelcav  (ivoTTjoiatv  im  Coisl.  Gr.  112,  Li  den 
codd.  regü  Gr.  364,  90]  und  1133  der  Pariser  Nationalbibliothek,  im  cod. 
Gr.  qu.  24  der  k.  Bibl.  zu  Berlin  und  in  den  Mosquenses  •"'!>•">  und  IIS 
ein  Zital  aus  dem  Apokr.  mitgeteilt  ist.  Wenn  es  in  manchen  II».  vov 
fiaxaQiov  fiayvijroQ  hieß  oder  beißt  [so  im  Kodex  zu  Coriolane  und  in  dem 
des  Klosters  auf  dem  Berge  Sardo,  in  den  Vatic.  Gr.  840  und  2022,  im 
Ven.  Gr.  Marc.  503,  im  Paris.  Gr.  L630,  im  Coisl.  Gr.  205  und  in  einem 
Athoskodex  —  Näheres  über  die  genannten  llss.  später],  so  erklärt  sich 
hier  der  Artikel  vor  fiaxaoiov  durch  ein  sehr  mibe  liegendes  Mißverständnis. 

ii'Xtc  ii.  Untersuchungen  etc.  31,4  1 


2  Schalkhausser.  Makarios  Magnes. 

So  gut  wie  allgemeines  Einverständnis  herrscht  meines 
Wissens  jetzt  auch  darüber,  daß  „fidyvrjq11  nicht  für  einen  zweiten 
Eigennamen  unseres  Autors,  sondern  für  ein  Ortsadjektiv  [„der 
Magnesier"]  zu  halten  und  daß  der  Verf.  des  Apokr.  kein 
anderer  als  jeuer  Makarios  ist,  der  nach  Photios,  Bibl.  cod.  59 
[Ed.  Bekker,  Berol.  1824  T.  I.  p.  17  b,  37  sq.]  Bischof  von  Ma- 
gnesia war  und  auf  der  Eichensvnode  a.  403  als  Ankläger  o-egen 
Herakleides,  den  Bischof  von  Ephesus,  auftrat1.  Gegen  diese 
Auffassung  und  Identifizierung  spricht  nicht,  daß  in  den  Hss. 
für  unseren  Autor  nie  die  Benennung  (laxaQioq  allein  gebraucht 
wird,  denn  das  wäre  undeutlich  gewesen ;  auch  nicht,  daß  da, 
wo  die  beiden  Namen  (laxccQiog  (idyvrjg  nebeneinander  sicli 
finden,  (idyvijq  stets  ohne  Artikel  erscheint.  In  Überschriften 
wurde  der  Art.  vor  Ortsadjektiven  öfters  weggelassen.  So 
lesen  wir  z.  B.  tov  jtatQoq  fjfieöv  'Icodvvov  KaQjtad-lov  PG  85, 
1837sq.,  1857sq.;  IIqotcojilov  TaC,alov  PG  87,  21  sq.;  'Iwdvvov 
.  .  .  taftaöxijvov  PG  94,  1421  sq.,  1435sq.;  llni'r/.'/.oi  Avxlov 
Pitra,  Anal.  Sacra  et  Class.  Par.  Pvomae  1888,  Teil  II.  p.  1,  188 
u.  201;  Mdyvov 'EfiTjöivov  lazQov  ooyiöTor  im  Kod.  3632  der 
Univ.-Bibl.  zu  Bologna  cf.  Studi  Italiani  di  filol.  classica  III. 
Fir.  1895  p.  444.  Schwerer  scheint  gegen  die  erwähnte  Er- 
klärung des  (idyvrjq  ins  Gewicht  zu  fallen,  daß  in  einer  so 
alten  Hs.,  wie  der  Yen.  Marc.  Gr.  23  ist2,  der  Verf.  zweier 
kurzer  Scholien  zu  zwei  Versen  des  Hohenliedes  nur  mit   „ud- 


1)  So  Möller  in  ThLZ.  1877  p.  523:  Th.  Zahn  in  ZfKG.  1878 
p.  450sqq.:  Neumann  in  Juliani  11.  contra  Christianos  .  .  Lips.  1880  p.  23: 
L.  Duchesne  in  Yita  s.  Polycarpi  .  .  Graece  edita.  Par.  1881  \<.  7 sq.; 
G.  S.  im  Dictionarv  of  Christ.  Biography  .  .  V.  III.  Lond.  1882  p.  771 
[Art,  Mac.  M.];  Lightfoot,  The  Apost.  Fathers.  Part.  IL.  Vol.  I.  Lund. 
1885  p.  546;  Fr.  X.  Funk  in  Patres  Apostolici  V.  II.  Tai..  1901,  p.  LIX.  u.  a. 
Von  Früheren  Lequien  in  Jo.  Damase.  opp.  PG.  94,  I147sq.  n.  84  und  in 
Oriens  Christianus  T.  I.  Par.  1740  p.  698.  Bei  Guil.  Cave,  Script,  eccl. 
hist.  lit.  Bas.  1741/5  wird  T.  I.  p.  135  das  Werk  -gegen  Theosthenes.  ans 
dem  Turrianus  Bruchstücke  mitteilte."  unter  Maanes.  Priester  von  Jeros. 
a,  265  und  die  „Apocritica".  als  wäre  das  eine  andere  Schritt,  unter 
Macarius.  Bisch,  v.  Magnesia,  a.  403  T.  I.  p.  379 sq.  angeführt. 

2)  Ich  konnte  den  Kodex  im  August  1905  zu  Venedig  einsehen.  Er 
gehört  nach  dem  Kataloge  von  1740  p.  21  etwa  dein  10..  nach  J.  Morelli. 
Bibl.  ms.  Graeca  et  Lat.,  Bassani  1802  p.  42  dem  11.,  nach  Karo-Lietzmann, 
Catenarum  Graecarum  catalogus  in  „Nachrichten  v.  d.  k.  Gesellschaft  der 
Wissenschaften  zu  Gott..  Philol.  hist.  Kl.,  aus  dem  Jahre  1902".  p.  309 
und  317,  dem  9.  saec.  an. 


Einleitung.  3 

yvtjTog1'  bezeichnet  wird.  Doch  wäre  möglich,  daß  hier,  falls 
nicht  etwa  an  einen  anderen  Magnes  zu  denken  ist,  eine  Vor- 
lage tov  (laxaglov  yxxyvtjxoQ  hatte  und  tov  fiaxagiov  dann  von 
einem  späteren  Kopisten  weggelassen  wurde.  Vielleicht  darf 
auch  daran  erinnert  werden,  daß  z.  B.  Schriften  des  S.  Julius 
Africauus  öfters  unter  dem  bloßen  Xamen  *Ag)Qixai>ov  sich 
finden  (PG  10,42,  50,  52,  97).  Als  feststehend  kann  dem- 
nach betrachtet  werden,  daß  der  Verf.  des  Apokr.  der  um 
400  p.  Chr.  lebende  Bischof  Makarios  von  Magnesia  war.  Aber 
wann  M.  geboren  wurde  und  starb,  wann  man  ihm  das  Amt 
eines  Bischofs  übertrug,  welches  seine  Lebensschicksale  sind, 
welchen  Umfang  seine  schriftstellerische  Tätigkeit  hatte,  in 
welchen  Jahren  ungefähr  er  seine  Werke  schrieb1,  welches 
seine  Quellen  sind,  wer  der  Hellene  ist,  gegen  den  er  im  Ap. 
sich    wendet2,    ob   Mak.  die  Einwürfe    des  Gegners   aus   einer 


1)  Den  Ansatz,  nach  410  wurde  der  Ap.  geschrieben,  den  Xeumann 
1.  1.  p.  22sq.  machte  und  der  noch  in  der  neuesten  (9.)  Aufl.  v.  Ueberwegs 
Grundr.  der  Gesch.  der  Philos.  der  patr.  a.  schol.  Zeit  1905  p.  112  wieder- 
holt i-t.  hat  Neumann  selbst  noch  am  Schlosse  seiner  Schrift  p.  i>4ö 
zurückgenommen. 

2)  In  den  Abhandlungen  und  Besprechungen,  die  anläßlich  des  V. 
scheinens  der  editio  princeps  des  Apokr.  (1876 1  veröffentlicht  wurden,  tindet 
man  die  Meinungen  darüber,  wer  im  Ap.  bekämpft  wird,  noch  geteilt. 
Duchesne  [De  Macario  Magnete  et  scriptis  eius.  Par.  1877  p.  17sqq.]  und 
andere  treten  für  Hierokles,  Wagenmann  [Jahrbücher  f.  Deutsche  Theologie 
_'•"..  Bd.  Gotha  1878  p.  L40sqq.,  p.  269sqq.]  und  Xeumann  [Juliaui  11.  contra 
Christ.  Lips.  1880  p.  I7sqq.]  für  Porphyr  ein.  Manche  wie  Geffroy  [Revue 
>l-~,  deux  mondes  46.  Par.  1876  p.  819]  und  Foucart  [in  der  praefatio  der 
Blondeischen  Apokritikos-Ausg.  Par.  1876  p.  VI.]  reden  unbestimmter  von 
einem  Schüler  des  Porphyr.  Möller  1.  1.  p.  5:Msq.  scheint  hauptsächlich 
an  Julian  gedacht  zu  halten.  Zahn  1.  I.  p.  A'rl  [cf.  auch  Gesch.  des 
Deutest  Kanon-  I.  1.  Eil.  ISNS  ]>.  310]  spricht  von  einem  um  350  lebenden 
Schriftsteller. 

Späterhin  oeigt  sich  in  der  Frage,  wessen  christenfeindliche  Angriffe 
Mak.  zu  link  wies,  bei  allen,  wenn  auch  bei  den  einen  mehr,  bei  den 
anderen  •  ark,   die    Wagschale    zugunsten   des  Porphyr.     Ct.   G. 

Loesche,  Haben  die  späteren  Neuplat.  Polemiker  gegen  das  Christentum 
das  Werk  des  Celsus  benützt?  in  ZwTh.  27.  1884  v.  277;  Th.  Zahn,  Gesch. 
des  aeutest.  Canons  II.  2.  Erl.  Leipzig  1892  i».  1005 n.  2;  Ad.  Harnack, 
Gesch.  der  altchristl.  Literaturl.  Leipz.  1893  p.  873;  Lehrb.  der  Dognnui- 
geschichte  I.  3.  Aufl.  Freib.  Leipz.  1894  p.  778;  Zeitschr.  f.  Theol.  u. 
Kirche  5.  1895  p.  100;  Probleme  im  Tr\t.-  der  Leiden.-.u-'-s.-h.  .l.-su  in 
Sitzgsber.  d.  k.  preuß.  Akademie  der  Wissensch.  zu  Berl.  X.  KI.  XII. 
Berl.1901   p.  262    Ann,.  1  ;    ThLZ.    1902    Nr.  22    p.  604;    Die    Miss.    ii. 

1* 


4  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

heidnischen  Polemik  nur  nach  ihrem  Inhalte  oder  auch  nach 
ihrem  Wortlaut  herübernahm1,  diese  und  sonstige  Fragen  sind, 
die  einen  noch  nicht  in  Angriff  genommen,  die  anderen  noch 
nicht  endgiltig  beantwortet. 

Eine  sichere  Lösung  der  Probleme,  die  sich  an  Mak. 
knüpfen,  ist  dadurch  erschwert,  daß  uns  die  Schriften  des 
Mak.  nur  sehr  fragmentarisch  vorliegen.  Was  darum  in  Bezug 
auf  Mak.  Magnes  in  erster  Linie  not  tut,  ist  nach  meiner 
Ansicht  nicht,  daß  man  versucht,  den  einen  oder  anderen 
dunklen  Punkt  aufzuhellen,  sondern  daß  man  zusieht,  ob  nicht 
eine  Vermehrung  des  Textmateriales  sich  erzielen  lasse.  Ich 
entschloß  mich,  nach  dieser  Seite  hin  Nachforschungen  an- 
zustellen. Der  Zweck  der  vorliegenden  Abhandlung  ist,  dar- 
zulegen, zu  welchen  Ergebnissen  diese  Nachforschungen  geführt 
haben. 

Zwei  Schriften  werden  unserem  Mak.  zugeschrieben:  die 
eine  kurzweg  „Apokritikos",  die  andere  „Homilien  zur  Genesis" 
o-enannt-. 


Ausbreitung  des  Christen!;,  in  den  ersten  drei  Jahrhunderten.  Leipz. 
2.  Aufl.  1906  an  verschiedenen  Stellen:  Kleffner,  Porphyrius  der  Xeu- 
platoniker  und  Christenfeind.  Paderb.  1896  p.  63 sqq.;  ferner  die  neueren 
Patrologien,   Kirchengeschichten  usw. 

In  der  neuesten  Zeit  dagegen  hat  J.  Geffcken  in  s.  Aufsatz:  Aus 
dem  literarischen  Kampfe  zwischen  Heident.  und  Christent.  [Preuß.  Jahr- 
bücher 114.  B..  2.  H.  Nov.  1903]  die  Richtigkeit  der  Annahme.  Porphyr 
sei  der  von  Mak.  bekämpfte  Christengegner,  in  Frage  gestellt.'  Er  sagt 
p.  248:  „Mit  anderen,  viel  schärferen  Waffen  [sc.  als  Porphyr]  hat  ein 
Ungenannter,  den  man  seit  langem  wohl  fälschlich  mit  Porph.  identifiziert 
hat,  das  Christent.  in  dieser  Epoche  bekämpft,  usw." 

Aus  der  Art.  wie  Nikephoros  [Pitra,  Spicil.  Sol.  I  p.  309]  sich  über 
den  Gegner  des  Mak.  äußert,  und  wie  Turrianus  ihn  in  seinen  Apokrit.- 
Zitaten  anführt,  darf  man  schließen,  daß  auch  in  dem  uns  nicht  erhaltenen 
Teile  des  Apokr.  der  Hellene  nicht  näher  bezeichnet  war. 

1)  Während  sonst  allgemein  angenommen  wird,  daß  Mak.  die  Ein- 
würfe des  Hellenen  in  der  Hauptsache  aus  einer  ihm  vorliegenden,  gegen 
das  Christentum  gerichteten  Angriffsschrift  wörtlich  herausgeschrieben 
habe,  meint  G.  S.  [George  Salmon  |  in  seinem  Art.  Mae.  Magnes  im  Dict 
of  Christ.  Biogr.  III.  Lond.  1882  p.  7(i~ sq..  Mak.  habe  zwar  den  Inhalt  der 
(piaestiones  im  wesentlichen  aus  heidnischen  «Quellen  geschöpft,  die  Formu- 
lierung der  Einwände  jedoch  sei  im  ganzen  sein  Werk.  —  G.  S.  hat 
meines  Erachtens  nicht  durchweg  recht.  Immerhin  sind  die  Bedenken, 
die  er  gegen  die  herrschende  Ansicht  äußert,  der   Berücksichtigung  wert. 

"2)  Ein  drittes  Werk  des  Mak..  eine  Erklärung  zum  Hohenliede.  um 
deswillen   anzunehmen,    weil    sich,    wie    schon    erwähnt,    im    cod.    Venet. 


I,  1.    Bandschriften  des  Apokritikos.  5 

f.  Zum  Apokritikos  des  Makarios  Magnes. 

1.    Handschriften  mit  Teilen  des  Apokritikos. 

Die  bis  zum  Jahre  187(1  bekannt  gewordenen  Hand- 
schriften, in  denen  sieh  Teile  der  Schriften  des  Blak,  befinden, 
sind  bei  Duchesne  (De  Mac.  Magnete,  Par.  1  ST  7  p.  4-8)  aufgeführt. 
Die  hauptsächlichste  ist  der  Atheniensis.  Als  er  im  J.  1867  auf- 
tauchte, war  er  Eigentum  des  Hrn.  Apostolides,  früheren  Konser- 
vators der  Nationalbibliothek  zu  Athen1.  Nach  Athen  war  die 
Handschrift  bekanntlich  von  Epirus,  wo  sie  entdeckt  wurde2,  und 
zwar,  wie  es  scheint,  von  Janina  aus  (Dach.  1.1. p.  5)  gekommen.  Als 
Apostolides  starb,  suchte  seine  Witwe  den  Kodex  zu  verkaufend 

Gr.  23  zu  zwei  Versen  des  Hohenliedes  zwei  kurze  Scholien  des  „Magnes" 
finden,  ist  kaum  erforderlich.  Die  beiden  Scholien  können,  vorausgi  - 
daß  es  nicht  ein  anderer  Magnes  ist,  dem  sie  gehören,  auch  dem  uns 
nicht  mehr  erhaltenen  Teile  des  Apokr.  oder  der  Reden  zur  Genesis  ent- 
stammen. Der  Texl  des  einen  Scholions  steht  schon  bei  J.  Morelli,  Bibl. 
ms.  Graeca  et  Latina,  ßassani  1802  p.  42.  Beide  sind  abgedruckt  bei 
Pitra,  Analecta  Sacra  ei  Classica,  Par.  Romae  1888.  Teil  1  p.  36.  Pitra 
teilt  jedoch  nicht  mit,  wie  in  der  Hs.  der  Verf.  der  Scholien  bezeichnel 
i-t.  Beim  ersten  derselben:  Kgivov  keyst  etc.  steht  im  Kodex  f.  80r  auf 
dem  rechten  seitlichen  Rande  von  erster  Hand:  fiayvrj.  Da  dieser  Name 
sowie  der  letzte  Satz  des  Scholions:  rml-^  dt  zovq  avd-Qtöitovq  etwas 
kleiner  und  mit  etwas  schwärzerer  Tinte  geschrieben  i-t  als  das  übrige, 
so  wird  es  von  der  ersten  Hand  etwas  später  hinzugefüg!  worden  sein. 
Das  zweite  Scholion  findet  sich  f.  8lv.  Etwas  unter  <\^v  Mitte  der  Seite 
steht  hier  von  der  einen  Hand,  die  den  ganzen  Kodex  schrieb:  Tiq  kwtjj 
/,  '  vctßaivovaa  ■  .  .  &Sek<ptöbv  avrijq:  (/äyviixoq:  Ttjv  ixxXjjaiav  coöt 
etc.  Zwischen  avrijq  und  ^ayvqxoq  ist  ein  wenig  Kaum  gelassen  wie 
sonst  zwischen  Bibeltext  und  Verfassernamen  [sc.  Verfasser  der  Scholien]. 
Die  Bibelverse  und  ^utorennamen  sind  in  etwas  anderer  der  Unziale  näher 
kommenden  Schrift  geschrieben  als  die  Scholien. 

Ain-h  das  von  Herodes  handelnde  Bruchstück,  das  Pitra  1. 1.  p.  33sq. 
aus  dem  Vat.  Gr.  I'ii  II.  Nr.  22  t.  69r  mitteilt,  wird  einer  der  zwei  uns 
bekannten  Schriften  des  Mak.  zuzuweisen  sein. 

1     Cf.    Lcademie  des  Inscriptions  ei  Belles-Lettre.s.     Comptes  rendus 
seances    de    L'annee    L867.     T.  ■">.    Par.  L867    p.   138 sq.    u.    340.    T.   I. 
l'annee   1868  Par.  1869  p.  38;  L'annee  1877  Paris  L878  p.  112. 

\e;u|.'Ulie   de.-,    I  IlSil.    etc.    Kailln-o     L867,     |>.    138;     1'aUlier    1868,    |>.    38  J 

l'annee  1877  p.  L12.     Dazu  vgl.  in  der  Druckausg.  des  Apokrit.  p.  5  n.  1 
Notiz:  Cod.   in   Lma    fol.   parte   ab   hod.   m.   Kry/ia  /'.    I.  Koifuvrt,^ 
toi  ix  x<ü(407i6Xea>q  Svoaxov  vijq  'HitEiQOV. 

3)  Dies  teilte  nur  auf  Aufrage  Herr  P.  Foucarl  in  Paris  unterm 
ö.  Dez.   1903  eütigst  mit. 


()  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Iü  wessen  Hände  er  gelangte,  konnte  ich  uicht  erfahren.  ICli 
vermutete,  er  sei  in  die  Nat.-Bibliothek  zu  Athen  gekommen. 
Im  Kataloge  der  griech.  Hss.  dieser  Bibliothek,  den  J.  und 
A.  Sakkelion  herausgaben1,  ist  er  jedoch  nicht  verzeichnet. 
Es  wäre  schade,  wenn  das  Ms.,  das  ein  Unikum  bildet  -  -  es 
ist  das  einzige,  durch  das  uns  ein  großer  Teil  des  Apokr. 
gerettet  wurde  -  -  im  Privatbesitze  bliebe  und  uns  so  der 
Apokr.  vielleicht  noch  einmal  verloren  ginge. 

Der  Kodex  des  Ach.  Statius2,  von  dem  Duch.  p.  7  be- 
merkt, daß  er  ihn  vergeblich  in  der  bibliotheca  Vallicellana 
suchte,  ist  noch  vorhanden3.  Was  diese  Hs.  von  Mak.  enthält, 
ist  aus  dem  Kataloge  Martinis  nicht  zu  erkennen.  Da  aber 
Thomas  Bozius  Eugubinus  in  s.  Buche  De  Signis  ecclesiae  Dei, 
Col.  Agripp.  1626,  T.  II.  p.  71  am  Schlüsse  eines  längeren  lat. 
Zitats  aus  dem  Apokr.  des  Mak.  sagt:  Haec  Magnes,  quem 
Turrianus  refert,  et  ejus  nos  aliqua  fragmenta  habemus  in 
bibliotheca  Achillis  Statu,  quae  secuti  sumus,  und  da  die  Ver- 
gleichung  des  Mak.-Zitats  bei  Bozius  mit  dem  gleichfalls  lat. 
wiedergegebenen  Mak.-Zitate  bei  Turrianus,  De  SS.  Eucharistia, 
Romae  1576,  p.  98 — 100  zeigt,  daß  Bozius  im  Mak.-Zitate  die 
Übersetzung  des  Turr.  so  gut  wie  wörtlich  abgeschrieben4  und 
nur  im  letzten  Satze  des  Zitats5,  der  bei  Turr.  teilweise  falsch 
übersetzt  ist,  sich  nicht  ganz  au  Turr.  gehalten  hat,  so  ergibt 
sich  daraus,  daß  Bozius  nur  in  diesem  letzten  Satze  das  Mak.- 
Fragment  des  Statianus  benutzte,  und  hieraus  darf  wiederum 
geschlossen  werden,  daß  wahrscheinlich  im  Kodex  nichts  weiter 

1)  hc.T('(?.oyoz  t(öv  /:  tooynr.tf  vir  tJ^  E&vucrjQ  ßißXio&rjxrjg  T/t; 
EXXädoq  vnb  Im.  SaxxsXidüvoQ  y.t'."t  'Akxiß.  I.  2<xxxe?a<övoz.  Er 
'A&ijvatQ  1892. 

'2)  Achilles  Statius  Lusitanus,  „poeta  simul  et  philologus",  geb.  1524, 
t  zu  Rom  1581.  Cf.  über  ihn  [Andr.  Schott],  Hispaniae  bibliotheca. 
Francofurti  1608  p.  483—490.  Daß  er  die  bibl.  Vallicell.  zu  Rom  be- 
gründete, darüber  s.  Le  biblioteche  governative  [taliane  nel  1898.  Roma 
1900  p.  437. 

3)  Cf.  E.  Martini,  Catalogus  codd.  Graec,  qui  in  bibl.  Vallicellana 
adservantur.     Milano  1902  p.  98sqq.  [cod.  67],  besonders  p.  108. 

4)  Bei  Boz.  fehlen  die  griech.  Worte  und  Sätze,  die  Turr.  im 
Zitate  hat. 

5)  Dieser  Satz  lautet  bei  Bozius:  quin  potius,  qui  edit.  ad  incre- 
mentum  virium  divinarum  venit:  quod  vero  editur,  consumi  nun  potest, 
(|uoniam  naturae  inconsumptibili  quadam  ratione  cognatum  et  Lnsepara- 
biliter  est  coniunctum. 


I,  1.   Handschriften  des  Apokritikos.  , 

vou  Mak.  sich  findet  als  jene  bekannte  Stelle  über  die  Eucha- 
ristie, Apokr.  ed.  Blondel  p.  107,  6 — 9,  die  auch  in  einer  Reihe 
anderer  Hss.  anzutreffen  ist. 

Auch  der  Yatic.  Gr.  840,  den  Duch.  p.  7  unter  Nr.  1 1 
nennt,  enthält  diese  Stelle.  Er  wird  mit  dem  Vatic.  „Grabii", 
von  dem  Duch.  p.  7  am  Anf.  der  Seite  spricht  und  von  dem  er 
annimmt,  er  sei  verloren  gegangen  oder  verborgen,  identisch 
und  zugleich  der  Kodex  sein,  aus  dem  bereits  Allatius1  den 
griech.  Wortlaut  des  Mak.-Fragments  mitgeteilt  hat2. 

Außer  den  bei  Duch.  p.  4 — 8  aufgezählten  Hss.  enthalten 
noch  folgende  Kodizes  ein  Bruchstück  aus  dem  Apokr.: 

1.  Der  cod.  Gr.  qu.  24  der  k.  Bibl.  zu  Berlin,  chart., 
saec.  15:i.  In  ihm  findet  sich  von  f.  132 v  an  die  Schrift  des 
J.  Antiocheuus:  Vjtod-söcg  tv>v  .  .  (ivöTnQioDV  zov  .  .  6<D[iaxoc, 
xai  cii/r.Toj  .  .  Irjöov  yoioror,  und  in  ihr  f.  142 v  sq.  der  bereits 
genannte  Satz  über  die  Eucharistie  [=  Apokr.  ed.  Blondel 
p.  107,6—9]. 

2.  Die  gleiche  Stelle  haben  zwei  Florentiner  Hss.,  der 
Magliabechianus  Gr.  VIII,  1357,  chart..  saec.  10  [in  diesem 
Teile],  f.  5r4  und  der  Marueellianus  A  148,  „ex  schedis  Sal- 
vinii",  saec.  17. 5,  dessen  Mak.-Fragmenr  ausdrücklich  als  eine 
Abschrift   aus   dem  oben  erwähnten  Vatic.  840  bezeichnet  ist. 

3.  Auch  im  Ottobonianus  Gr.  362,  chart.  saec.  IG.6,  steht 

1)  Cf.  Leonis  Allatii  in  Kuli.  Creyghtoni  apparatum  .  .  exercitationum 
pars  1.     Romae  L665  p.  ">f>3. 

-  Magnus  Crusius  sagt  nämlich  [PGr.  10,  col.  1367  AB  j  „ex  fi.de 
excerptorum  .To.  E.  Grabii,"  daß  sich  in  einem  Kataloge  der  Hss.  der 
Vaticana,  „qui  "lim  penes  episcopum  Norvicensem  in  A.nglia  fuit",  t\<-v  Titel 
fand:  WayvijToq  ix  r<-~>r  itgoq  EkXrjvaq  anoxQiasiov.  Die  Worte  ix  xätv 
.  .  anoxQio.  deuten  darauf  hin,  daß  im  Vat.  „Grabii"  jenes  A.pokr.- 
Fragment  stand,  das  wir  unter  dem  gleichen  Titel  in  der  Sammelschrifl 
des  Jo.  Antioch.  [cf.  Duch.  p.  6]  lesen.  Es  ist  das  die  schon  erwähnte 
kurze  Stelle  über  die  Euch.  Das  „Mäyvrjtoq"  macht  wahrscheinlich,  daß 
im  Vat.  Grabii  der  Verf.  nicht  mit  [xaxaQiov  (jtäyvrjxoq,  sondern  mit 
xov  fxaxaQLOv  ftäyvrjtoq  bezeichnet  war.  Eben  diese  Bezeichnung  findet 
sich  alier  nach  Duch.  p.  7  im  Vat.  840  und  ist  für  den  Vat.  des  Ulatius 
um  deswillen  anzunehmen,  weil  Ulatius  -ein  Zitat  mit  den  Worten  ein 
leitet:  Magnes  in   responsionibus  ad  gentes. 

3)  Cf.  Verz.  der  griech.  Hss.  ili'y  k.  Bibl.  zu  Berlin.  II.  Nun  < '.  de 
Boor.     Berl.  1897  p.  I82sq. 

I    Cf.  Studi    Italiani   di   filol.   classica.     Vol.  V.  Fir.   1897  p.  W7sq. 

5)  Cf.  Studi  Italiani  di  filol.  class.    Vol.  II.    Fir.  L894    p.  561    Amn. 

6  Cf.  Codices  mss.  ©raeci  Ottoboniani  bibliothecae  Vatic.  descripti. 
I.'ee.  E.  Feron  ei   F.  Battaglini.     Romae  1893  p.  I86sqq. 


^  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

zwischen  f.  192  und  218  etwas  von  Magnes.  Was  es  ist,  ist 
im  Kataloge  von  1893  nicht  gesagt.  Doch  darf  man  nach  den 
Angaben  des  Katalogs  vermuten,  daß  zwischen  f.  192  und  218 
ein  Bruchstück  von  des  Jo.  Antiochenus  'Yjcofrsöiq  jcsqI  rcov 
(ivözriQlcav  vorliegt.  Das  Zitat  aus  Magnes  wäre  dann  nichts 
anderes  als  die  schon  einigemal  namhaft  gemachte  Bemerkung 
des  Mak.   über  die  Eucharistie. 

4.  Eben  diese  Bemerkung  bietet  ohne  Zweifel  der  cod. 
Mosquensis  418  [öccl]'  saec-  l**«1  au^  P-  193.  Denn  aus  der 
bei  Wladimir  p.  (529  teilweise  griechisch  gegebenen  Beschreibung 
der  Hs.  geht  hervor,  daß  auf  den  pp.  158 — 194  derselben  auf 
eine  exXoyrj  jceqI  svyjjq  die  Sylloge  des  Jo.  Antioch.  .Tfo/  tcöv 
ayQavxcov  xcu  d-sicov  (ivörrjQicov  oder  ein  Teil  derselben  folgt. 
Ob  das  p.  200  des  Mosqu.  393  [^l  s.  15.  — 17.2,  sich  findende 
Mak. -Fragment  wiederum  die  bekannte  Äußerung  über  die 
Eucharistie  ist,  kann  ich  nicht  sageu,  da  der  Katalog  Wladimirs 
russisch  abgefaßt  ist.  Bei  der  Vorliebe,  mit  der  man  gerade 
diese  Stelle  immer  wieder  abgeschrieben  hat,  ist  es  nicht  un- 
wahrscheinlich. 

5.  Endlich  findet  sich  ein  Bruchstück  „Tov  (laxaQiov 
MayvrjToq  sx  t<~>)-  jiqoq  "EXX-rjvag"  auf  f.  805v  des  Kod.  382 
der  {(<>>'/)  'ißqQcov  [auf  dem  Athos].  Der  Kod.  ist  chart.  und 
gehört  dem  15.  saec  an3.  Da  das  Fragment  nicht  einmal  eine 
Seite  eines  Oktavkodex  ausfüllt,  kann  es  nicht  lang  sein.  Was 
es  enthält,  ist  aus  Lambros  nicht  zu  ersehen.  Der  Wortlaut 
der  Überschrift  berechtigt  zu  der  Annahme,  daß  es  die  des 
öfteren  berührte  Stelle  über  die  Eucharistie  ist. 

Selbst  einsehen  konnte  ich  von  den  bei  Duehesne  und  von 
den  von  mir  aufgezählten  Mss.,  in  denen  Apokr.-Fragmente 
stehen,  die  vier  Pariser4  und  die  eine  Berl.  Hs.,  in  denen  «las 


1)  Wladimir,  Die  griech.  Hss.  der  Moskauer  Synodalbibliothek. 
Mosk.  1894  [nissisch]. 

2)  Wladimir  1.  1.  p.  591  sqq.  Daß  die  Mosk.  Synodalbibl.  keine  der 
Schriften  des  Mak.  enthält  und  Wladimir  nur  die  zwei  erwähnten  Frag- 
mente aus  Mak.  verzeichnet,  teilte  mir  auf  Anfrage  0.  von  Gebhardt  unter 
dem  14.  Juli   1904  mit. 

3)  Cf.  Catalogue  of  the  Greek  Manuscripts  on  Mount  Athos  bj 
Sp.  Lambros.     Vol.  IL     Cambridge  1900,  p.  109  und  118. 

4)  Par.  Gr.  364,  901  und  1133  und  Coisl.  11-'.  über  sie  vgl 
II.  Omont,  Inventaire  Sommaire  T.  Par.  1886.  p.  37sq.,  I70sq.,  226;  luv. 
Summ.  111.  Par.  1888  p.  136;  über  den  Coisl.  112  auch  Bern,  de  Mont- 
faueon,  Bibliotheca  Coisl.    Par.  171Ö  p.  18<i. 


I.  1.    Handschriften  des  Apokritikos.  ',) 

Sammelwerk  des  Jo.  Antioch.  sieh  findet,  sowie  den  Yen.  Gr. 
Marcianns  503,  der.  so  behauptet  man,  die  Schrift  des  Jo. 
Karpathios  llsgl  trjq   ayiaq  xoivcovijöscoq  enthält1.     Alle  diese 


1)  Cod.  ms.  Ven.  Gr.  503,  (hart..  12°,  saec.  c.  14  [nach  dem  Katt 
\.  L740  li.-n  jetzl  noch  120  beschriebene  Blätter.  Anfang  and  Schluß 
fehlen.  Der  ganze  Kodex  ist  von  einer  Hand  geschrieben.  Das  Mak.- 
BruchstücJj  steh!  f.  88v.  Das  größere  Ganze,  in  dem  es  sich  findet,  hat 
der  Verf.  des  Katalogs  von  1740  [cf.  p.  265]  als  das  Werk  des  -l". 
Carpathius  Ihn)  r>^  ayiaq  xoivwvijOSüiq  betrachtet.  Ihm  folgten  Jac. 
Morelli,  wie  aus  handschriftlichen  Bemerkungen  desselben  zum  Ven.  503, 
die  sich  im  cod.  ms.  riserv.  97  der  Marciana  befinden,  hervorgeht,  und 
Duchesne  [cf.  p.  T  sr.  Abh.  i><'  Macario  MngneteJ.  Endigen  würde  die 
Schrifl  des  Karpathios  dem  Kat.  v.  174(1  zufolge  unmittelbar  \>>v  den  oqoi 
des  Anastasius  Antiochenus  und  dem,  was  diesen  als  eine  Art  Prolog 
vorausgeht,  das  wäre  mit  f.  96v.  Daß  in  der  Tat  mit  f.  97r  etwas  Neues 
beginnt,  ist  schon  daraus  zu  ersehen,  daß  auf  diesem  fol.  zuerst  eine  rote 
Zierleiste  und  darunter  eine  rote  I  berschrift  kommt.  Ob  wir  aber  f.  84v 
bis  !'H\  wirklich  eine  Schrift  d^s  Kari>uthio>  De  s.  communione  oder  einen 
Teil  einer  solchen  vor  uns  Indien?  Dafür  scheint  zusprechen,  daß  es  in 
unserer  Hs.  f.  84  \  Zeile  12  heißt:  Tov  ayiov  Im  tov  xagitad-iaq.  tieq\  tJ^ 
ayiaq  xotvwvrjGEcoq,  und  daß  nun  nicht  Äußerungen  des  Karp.  selbst 
mdern  die  Worte:  '1(5'  b  ßooTQ'iybq,  avrjQ  ay'ioq  etc.  Diese  Schrift 
des  Karpath.  könnte  sich  jedoch  keinesfalls  bis  f.  96v  erstrecken.  Denn 
f.  95a  lesen  wir  wiederum:  Tov  ayiov  'i<ä  tov  xaQita&iov,  woran  sich  eine 
Stelle  aus  Karp.  schließt.  Und  es  ist  kaum  anzunehmen,  daß  Jo.  Karp. 
sich  selbst  exzerpiert  und  als  ayioq  bezeichnet  hat.  Aber  auch  die  Karpa- 
thianische  Herkunft  des  übrigen,  f.  84 v  bis  95 v  scheint  zweifelhaft.  Auf- 
fällig ist  es  schon,  daß,  so  oft  uns  auch  der  Name  des  Jo.  Karp.  in  den 
Hss.-Katalogen  begegnet,  doch  nirgends  von  einer  Schrift  desselben:  I  >■■ 
s.  communione  die  Rede  ist.  Ferner  ist  beachtenswert,  daß  in  den  II-.-.. 
in  denen  das  Sammelwerk  des  •!<>.  Antiochenus  üeol  itöv  frsicov  (ivaxi^Qimv 
vollständig  sich  findet,  auf  ein  Zitat  aus  Jo.  Karp.  eben  die  Worte  folgen, 
mit  denen  im  Ven.  503  f.  84  v  die  Bemerkung  über  Jo.  Bostrenos  anfängt: 
'Iotavvrjq  o  ßoororjvbg'  avtjQ  ayioq  xal  i^ovaiav  i'yrir  xaxa.  nvevfiazatv 
äxa&äoT&v  etc.  [cf.  Paris.  Gr.  901  f.  233 v  Kol.  A;  Coisl.  112  f.  450^ 
Kol.  A.  hu  Par.  364,  in  dem  die  Abhandlung  des  Jo.  Ant.  stark  verkürzt 
ist,  fehlt  die  Karpathios- und  Bostrenosstelle].  Wahrscheinlich  haben  wir 
es  auch  im  Ven.  503 f  84vsqq.  mit  einem  Stück  der  Schrift  des  .In.  antioch. 
über  die  göttlichen  Mysterien  zu  tun.  Daß  im  Ven.  l'.Mv  auf  den  Titel 
Tov  ayiov  /<•"/  tov  xagnad-iaq  etc.  nicht,  wie  in  den  Pariser  II.--.  Reg 
901    und    Coisl.   112,   die   Stelle    u>q    inl    r<>   nXelaxov   §v    i <■>   xaiQtö   töii 

loQTWV   Xal   '  (ÖV  "i  i  i  J:  <•>)■  xal  in:/  n.i  <    nn  >■  "•'/././,    tiq  '  >~,  ;n<,risit     tQi 

iiQooievai  etc.,  sondern  gleich  die  Bemerkung  über  Jo.  Bostrenos  folgt, 
wird  daher  rühren,  daß  uns  im  Ven.  die  Abhandlung  des  -I".  Antiochenus 
nur  Lückenhaft  vorliegt.  Auch  braucht  das  neol  trjq  ayiaq  xoiva)vj]oe<o$ 
Ven.  f  84a  nicht  als  Titel  einer  besonderen  Schritt  des  Karpathios  gefaßt 
zu  werden.     Es   kann  damit  ein   Abschnitt  irgend  eine-  anderen  Werks  des 


10  Schalkhansser,  Makarios  Magnes. 

Kodizes  bieten  das  gleiche  Zitat,  die  bekannte  Bemerkung  über 
•die  Eucharistie. 

In  mehreren  Hss.1  folgt  unmittelbar  auf  dieses  Zitat  eine 
längere  Erzählung  von  einem  „adsZpog",  der  daran  zweifelte, 
daß  Brot  und  Wein  bei  der  Eucharistie  der  Leib  und  das  Blut 
des  Herrn  seien,  durch  eine  Wundererscheinung  aber  von  seiner 
„äjuöria"  geheilt  wurde.  Da  diese  Erzählung  von  Früheren'2 
noch  mit  zum  Makarioszitate  gerechnet  wurde  und  meines 
Wissens  noch  nicht  gedruckt  ist,  teile  ich,  damit  auch  anderen 
eine  Kontrolle  ermöglicht  sei,  ihren  Wortlaut  in  Verbindung 
mit  der  ächten  Mak.-Stelle  hier  mit3. 

Maxagiov  (idyvfjroq  tx  t(~jr  jcqoq  eXXijvag  avtov  ajco- 
xqiöecov:  oi'ti-   öagg  tov  Ooottjqoq  Tocr/oia'nj  (plh  loirci  '    ovrt 

Karp.  bezeichnet  sein,  in  dem  er  von  der  „heil.  Gemeinschaff  redet.  —  Ich 
konnte  mich  zu  der  Frage,  in  welchem  Verhältnisse  der  Text  Ven.  f  84 v  sqq. 
zu  der  eucharistischen  Schritt  des  Jo.  Ant.  steht  —  eine  Frage,  die  sich 
sicher  entscheiden  läßt,  wenn  man  das  ganze  Werk  des  Antiocheners  nach 
den  Hss.  mit  der  in  Betracht  kommenden  Partie  des  Ven.  vergleicht  — 
nur  vermutungsweise  äußern,  da  es  weder  in  meinem  Plane  lag,  noch  es 
mir  meine  Zeit  erlaubte,  eine  solche  umfassende  Vergleichung  vorzunehmen. 

1)  So  in  den  Par.  364,  901,  1133,  Coisl.  112;  im  Vat.  840  imd 
Magliabech.  VIII,  1357. 

2)  So  vom  Verfasser  des  Catalogus  codd.  mss.  bibliothecae  regiae. 
T.  II.  Par.  1740  [p.  51  bei  Kod.  364]  und  früher  schon  von  Steph.  Gradius, 
praefectus  bibliothecae  Vaticanae.  In  einem  Briefe,  den  Gradius  an  den 
Card.  Caesar  Estraeus  richtete  und  der  datiert  ist:  Romae  V.  Cal.  Mai. 
1674,  teilt  er  aus  dem  Vat.  840  die  Äußerung  des  Mak.  über  die  Eucha- 
ristie nebst  der  sich  anschließenden  Erzählung  vom  zweifelnden  Mönche 
und  weiterem,  das  folgt  und  das  er  auch  noch  dem  Mak.  zuschreibt,  in 
lat.  Übersetzung  mit.  Der  ganze  Brief  allgedruckt  bei  .lac.  Morelli. 
Codices  mss.  Lat.  bibliothecae  Nanianae.  Ven.  I TT* I,  p.  192 — 198.  Cf.  auch 
p.  100—102. 

3)  Und  zwar  nach  der  ältesten  der  von  mir  eingesehenen  Hss..  dem 
Par.  1133.  Von  den  übrigen,  den  Par.  364,  901,  Coisl.  112  und  [bloß  für  den 
ächten  Ausspruch  des  Mak.]  vom  Berol.  qu.  24  und  Ven.  Gr.  503  füge  ich 
die  Varianten  bei.  Unterschiede  in  der  Interpunktion,  der  Setzung  des 
/  subscriptum  u.  ä.  bleiben  dabei  unberücksichtigt.  Bemerkt  sei  noch. 
daß  im  Coisl.  112  gegeu  den  inneren  Rand  zu  dann  und  wann  Buch- 
staben oder  Worte  nicht  lesbar  sind,  da  das  Ms.  durch  Feuchtigkeit  ge- 
litten hat. 


1  Tor  (laxaQiov  Ven.  503  —  ix  bis  anoxQiaE(ov  fehlt  Ven.  503  — 
abzaj  Par.  364  —  2  tov  oojrr/QOQ  fehlt  Par.  901 ;  tov  awxrjQoq  steht  hinter 
rnv> ■/(>!< ,'•)•//  Ven.  503  —  iQioyofJiivr^  P.  901,  Coisl.  112.  Berol.  24.  Ven.  503: 
iQoyo(/.ev7]  P.  364  —  <p&{](>6zat   Ber.  24,  Ven.  503. 


I,  1.  Handschriften  des   Ä.pokritikos.  1  ] 

E§avaXiöxExai  xo  aifia  jtivofievov'  <'././.'  o  xomymv  fihv  elg 
av^tjötv  U; toi'  övvdftecov  i'nyjTci '  to  61  xomyo/isvov  eöxlv  aöa- 
jtdvrjtov,  tmidij  xrjg  d6ajtavr}xov  tpvöEmg  Xoym  tu-)  GvyyEvkg 
vjcttQZEt  /.CA  i:yc')oiOToi-:  —  \USihfü~  r/_  afMpEßaXXt  jzsqi  tmv 
dyiaöfidzcov,  liymv  ;//)  sivai  avxd  xo  öcöfia  xai  aifia  xov  xvqlov,  •"> 
<:/./.'  dvxixvjta  tovtov.  Tcov  dt  XoucoZv  dösXgxäv  xovxo  (ia- 
d-ovxcov  xcu  Xaßövxmv  error  Eig  xr)v  övva§iv'  öeij&evrmv  n 
tov  9-eov  dsLX&rjvat  avxqj  xi)v  xmv  jioayfidxmv  c.'/.tjih  icr.  Iva 
tovg  t>~-  djciöxiag  XoyiOfiovg  djtoßdXXtjtai,  ;/;rc  To  dstoXvdrjvai 
xt)v  övvagiv,  6ir]yrjOaxo  avxolg  Xeyoov'  iure,  xo  dvayva>o&rjvat  10 
tov  djzÖGToXov,  o-  dvrjXfri >•  6  öidxovog  dvayvcavai  to  dyiov 
EvayysXiov,  e16ov  hyoi  xr)v  öxtyrjv  xr\g  ExxXrjöiag  avEcoyd-ElOav 
-/.(■a  ror  ovoavov  gxxvEvra,  tov  61  6iaxovov  tov  to  ayiov 
svayyiXiov  dvayivcoöxovra  jivoi  xvxXood-Evxa  jtavtod-EV'  sixa 
XQogi  r: yjh'rTor  xmv  6coqcov  xai  Jtgoxi -d-EVXmv,  Ei6ov  tovg  15 
QVQavovg  xai  Irri  td  ih.ic.  6moa  /er:  oyöuti-oi-  to  jcvq  xal  (isxd 
to  rrro  ocXrjd-og  dyyiXmv  xai  l>-  fiEöco  avrcöv  nai6lov  xai  Exsoa 
.Toönonc.  Aro.  a)v  to  xäXXoq  ovx  eöxlv  eIjceIv'  i)r  yao  to 
tptyyog  avxcov  mgsl  doxQaxr}'  /au  oi  (iev  dyyEXoi  Eöxrjxav 
xvxXco  xfjg  dy'vag  xoa3iE%r\g'  xo  61  %ai6iov  Ejcsxdd-Tjxo  tfj  tga-20 
ott&l  '  o'jj  6e  xQoörjyyto'av  oi  cEQEig  xXdöat  tovg  tfjg  üiood-iöEwg 
agxovc,  el6ov  xd  6vo  üioöo'coxa  htElva  xa  fravpaöra  jcqoöeX- 
frovxa  xal  xQarrjöavxa  xdg  %£loag  tov  jtdi6lov'  xai  it  xatElypv 
t/cycloc  6<pa£,avxa  xo  %ai6iov  /.ca  to  aifia  error  ti-  to  rro- 
rijoior  l/./A  rc'jocrrc '  itrc  xaxaxötpavxa  xo  öojfia  error  xal  25 
Ih'rrc.  EJtdva)  r(rjr  äoxeov.  Kai  Ev&vg  kyivovxo  oi  coro/  Ooofia. 
Qg  61  3iQogrjXd-ov  oi  d6sX(poi  fiEzaXaßslv,  syivETo  avxolg  to 
OoJfia  Xiyovöt  to  dfirjv  Eig  tag  yj/oc-  ägxog.  A'.t.w  ovv  xaya) 
ücgogrjXd-ov  ror  fiExaXaßElv,  iAolhj  uoi  6c5fia  xad-aoov.  Kai 
(17)  6vvd(iEvog  erro  (lExaXaßElv  ExXaioV  /ca  rjxovoa  tpoamjg^O 
Xeyovöijg  ;L  td  mxd  fiov'  avd-QWXE,  6id  ri  ov  (lEzaXafißdvsig; 
ovx    fort    xovxo    6    :^irii>,c.:    Kayat   sbtov'    HXstog   fiot    y:  ror 


1  j'  vt  Xiaxezai  stehl  binter  nivöfievov  Ven.  503  —  <i  ihnör^  Ven.  503 
—  4  an<p£ßaXt  P.  364  .">  xal  ri,  »'nid.  L12  «5  tovrwv  P.  901,  Coisl.  112; 
toirov  P.  364  —  7  6h  P.  364  —  5»  änoßäXrjzai  P.  364.  Coisl.  112  : 
lOAtyov  ort  P.364,  901,  Coisl.  112  —  IZrbv  Da,ch  öiäxovov  fehll  P.364 
ayiov  fehll  P.  901  —  lö  TCQoqTe»ivra)v  P.  901,  <{',  vsSsptwv  P.364  16 ol- 
gavoi  g  ai'Otyc'vrag  P.  364, 901,  Coisl.  112  19  cäq  ij  Coisl.  112  eioryxeioi  i 
P,  901,  haxrfitaat  Coisl.  112  —  27  iyivexo  Coisl.  112  -  2i>  vov  fisxakaßeh 
fehll  P.  364       :M  avxl  CoisF.  112  —  32  Ueöc  V.  364. 


12  Sehalkhausser,  Makarios  Magnes. 

xrnn  '  uti  ov  övvatuat  GcHfia  <payslv.  Kai  jcäXw  /  q>covrt'  fid&i 
oi->-'  ort  ei  rjdvvazo  av&gamog  Ocäfia  (iszalaßelv,  odifia  av 
evQiöxeXo,  xa.&a)q  xal  Cv  evgeq.  A'/J.'  ov  övvazai  öcofia  tpayslv 
xid  öia  rovro  o  xvgioq  xal  frsbq  r^imv  dgxovq  h:a£i    rrjq  jtgo- 

5  d-eösa)Q.  Qqxeg  ydg  ;<  agyr^q  xbv  ddafi  öia  rv>r  olxeimv 
yeigalv  ejrXaöe  ödgxa  xa)  hve<pv6rj6ev  tr  avrcö  oivorjv  £wrjq 
y.iii  ij  tilv  <~>ag^  kycoQiöd'i]  eiq  tijv  yrjv,  tu  (Vi  jtvevfia  s/isivev, 
ovxw  xal  o  ygiöxoq  xageysi  xrjv  eavxov  öägxa  övv  t<~>  dyUp 
rrn-riicTi.      Kai    >j   fihv   ödgg   djtaviöxaxai    eiq   rovq    ovgavovq, 

10  xb  de  Jtvevfia  l'axaxai  eiq  xdq  xagdiaq  xmv  (isxaXaßovxmv.  Ei 
ovv  sjtlöxsvöaq,  fiexäXaße  xal  avxbq.  'Eym  de  ehcov'  Jitöxeva), 
xvgie.  Kai  rovro  fiov  eixovxoq,  eyevexo  sv&vq  rb  öcöfia,  o 
elyov  ;■;•  xy  yeigi  ttor,  agxoq'  xal  evyagiQxridaq  t<~>  ',h<~>.  iut:'- 
Xaßov.      TiÄKnhlo//^   de    rij^  legäq  fivözaya)yiaq,  etdov  6(ioia>q 

IhzrjV  özeyrjv  zr\q  exxXrjölaq  dvecpyfievrjv  xa)  xaq  thii'.j.  dwd/isiq 
av&iq  eiq  ror_'  ovgavovq  dwipmd-elöaq.  I\c)  ravxa  dxovöavxeq 
ol  ddeXtpol  xal  xaxavvyivxeq  sjcI  rtj  roaavzy  dwgsa.  rov  d-eov, 
axr\7£-ov  evyagiöxovvreq  xal  öo^d^ovzsq  avxov. 

Soweit  die  Erzählung-  vom  zweifelnden  dösXfpoq.  Im  Berol. 
qu.  24  und  Ven.  503  fehlt  sie  gauz.  In  den  4  Pariser  Hss. 
folgt  sie  zwar  unmittelbar  und,  ohne  daß  ihre  Quelle  angegeben 
wäre,  auf  das  Mak.- Zitat,  ist  jedoch  von  ihm  durch  das 
Zeichen  : —  oder  :,  "durch  das  auch  sonst  Aussprüche  ver- 
schiedener Autoren  in  den  Hss.  von  einander  getrennt  werden, 
geschieden.  Daß  die  Erzählung  nicht  dem  Mak.  Magnes  an- 
gehört, verrät  schon  ihr  Inhalt  und  Stil.  Pitra1,  Foucart2 
und  Duchesue;!  haben  daher  recht,  wenn  sie  sie  dem  Mak. 
absprechen.  Doch  geht  Foucart  zu  weit,  wenn  er  den  Satz 
Apokr.  p.  107,9 — 10:  As^ai  yovv  bis  dgy^yrjötv,  der  sich  in 
der  Schrift  des  Jo.  Autiochenus  in  den  Mss.  nicht  findet,  mit 
zur  Geschichte  vom  ungläubigen  Mouche  rechnet,  einklammert 
und  als  delendum  bezeichnet.  Der  Satz  bezieht  sich  nicht  auf 
die  Mönchslegende,  sondern  auf  die  Ausführungen   dos    Mak. 

3  ov  fehlt  P.  901  —  7  ive/teivev  P.  364  -  10  fieraXa/jißavovxmv 
P.  901,  (lezaXaßßbvxiovY.  1133,  (tetaXaßovzwvl?.  364,  Coisl.  112  —  1-  ro 

statt  o  P.  901  —  16  aussteht  hinter  ovqovovq  P.  364,  901,  Coisl.  112  - 
17  xal  fehlt  P.  364. 


1     Cf.  Spicileg.  Solesm.  [.    Par.  1852  p.  548  Anm.  s  . 

2)  Cf.  die  A.usg.  des    \.pokr.   v.   Blondel,  Par.  IST»!,  p.  107  Anm.  4. 

3    Cf.  Duch.,   De  Mae.  M.  P.   1877  p.  2. 


I,  1.   Handschriften  des  A.pokritikos.  {?, 

Apokr.  p.  103 — 107  und  ist  eine  der  Schlußbemcrkungeu,  wie 
sie  Mak.  gerne  am  Ende  seiner  äjtoxQiöeis  bringt1.  Auch 
würde,  wenn  man  den  Satz  Jt^cu  yovv  etc.  striche,  a<prfpr\<iiq. 
verloren  gehen  und  man  hätte  dann  kein  Subst.,  das  man  zu 
den  ersten  Worten  des  folg.  Kap.:  Tr\v  tf  ;-.£/'_•  TcrTiji-  Apokr. 
p.  108,  1  ergänzen  könnte. 

Wohl  auch  dem  Apokr.  entnommen  ist  die  Bemerkung, 
die  sich  in  dem  dem  11.  Jahrh.  angehörigen2  Pergamentkodex 
der  Pariser  Nat.-Bibl.  Coisl.  Gr.  205  auf  dem  rechten  seit- 
lichen Rande  von  f  41  r  befindet8.  Das  Scholion  ist  eine  Rand- 
notiz zu  den  Versen  des  1.  Kap.  der  Apostelgeschichte,  in 
denen  das  Ende  des  Judas  und  die  Wahl  eines  Ersatzapostels 
berichtet  wird.  Es  hat  die  Überschrift  tov  (ictxaQtov  (tayvrjtoq 
rrto)  tov  iovöa  und  umfaßt  1'2  Zeilen.  Wenn  es  nicht  auf 
den  Schreiber  der  Hs.  selbst  zurückgeht,  so  stammt  es  von 
einer  anderen  sehr  alten  Hand.  Leider  bin  ich  nicht  in  der 
Lage,  den  vollen  WTortlaut  der  Notiz  mitteilen  zu  können4. 
Sie  ist  zum  Teil  erloschen  und  nur  einzelne  Worte  und  Buch- 
staben in  ihr  lassen  sich  entziffern.  Doch  ist  soviel  zu  er- 
kennen, daß  sie  eine  Äußerung  über  Judas  den  Verräter  ent- 
hielt, die  uns  in  den  sonstigen  Resten  der  Schriften  dos  Mak. 
nicht  begegnet. 

Außer  den  bis  jetzt  namhaft  gemachten  Kodizes  vermochte 
ich  keine  weiteren,  die  Bruchstücke  aus  dem  Apokr.  darböten, 
ausfindig  zu  machen5,  obgleich  ich  alle  gedruckten  Hss. -Kataloge, 
deren  ich  habhaft  werden  konnte  und  die  mir  in  Betracht  zu 
kommen  schienen,  sowie  von  den  uugedruckten  den  Appendix  zu 
dem  a.  1740  erschienenen  Kataloge  der  oriech.  Mss.  der  Mar- 


1)  Cf.  Apokr.  p.  17,  7 sqq.;  19, 14sqq.;  68, 15sq.;  73,10sqq;  7t>,  7sq.; 
93,27sqq.;   I10,7sq.;  112,  17 sq.;   137,12  etc. 

2)  Cf.  Omont,  Invent.  Somm.  III.    Par.  L888  p.  154. 

3)  Schon  Moutt'aucon  wies  in  seiner  Bibl.  Coisl.  Par.  1715  p.  265 
auf  diese  annotatio  hin  und  Pitra  hat  offenbar  sowohl  Spie  Sol.  I  |>.  308 
n.  3,  als  auch  p.  549  Kol.  A.Z.  1  1  ff.  sie  und  den  Coisl.  205  im  A.uge,  ob- 
wohl er  ihn  beide  M : * I < ■  unrichtig,  das  eine  Mal  als  Par.  364,  das  andere 
Mal  als  Coisl.  1 12  bezeichnet. 

4)  Die  lls.  konnte  ich  in  der  Staatsbibliothek  zu  München  im  Sept. 
lildl'i  einsehen. 

5)  Über  die  Hss.,  die  das  griechische  Werkchen:  Interrogationes 
card.  Claudii  Guisii  Loth.  ei  responsiones  Zachariae  Cretensis  und  in  ihm 
einen  Satz  aus  dem  Apokr.  enthalten,  sowie  über  die  der  zweiten  Schrift 
des  Mak.  s.   weiter  unten. 


]  4  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

ciana  in  Venedig  daraufhin  einsall.  Zum  großen  Teile  un- 
gedruckt sind  freilich  auch  noch  die  Hss. -Verzeichnisse  der 
Bibliothek,  die  durch  ihren  Reichtum  an  wertvollen  grieeh. 
Kodizes  besonders  berühmt  ist,  der  Vaticana  zu  Rom.  Aber 
gerade  bei  dieser  Bibliothek  habe  ich  wenig  Hoffnung,  daß 
die  Veröffentlichung  ihrer  Mss. -Kataloge  viel  neues  Material 
aus  den  Schriften  des  Mak.  Magnes  zu  Tage  fördern  wird. 
Denn  sie  wurde,  wie  später  noch  genauer  dargelegt  werden 
soll,  nebst  anderen  italienischen  Bibliotheken  schon  öfter  als 
einmal  nach  Mak. -Überresten  durchforscht1  und  das  Wenige, 
was  dabei  sich  fand,  ist  längst  gedruckt.  Ob  trotdzem  in  ihr 
oder  sonst  einer  abendländischen  oder  morgenländischen  Biblio- 
thek noch  das  eine  oder  andere  uns  unbekannte  Stück  aus  den 
Werken  des  Mak.  verborgen  liegt,  wird  vielleicht  die  Zukunft 
lehren.  Vorderhand  müssen  wir  uns  mit  dem  wenig  erfreulichen 
Ergebnisse  begnügen,  daß,  vom  Atheuiensis,  der  den  Apokr. 
etwa  zur  Hälfte  enthält,  abgesehen,  bis  jetzt  keine  einzige 
Hs.  zum  Vorschein  gekommen  oder  bekannt  geworden  ist,  die 
auch  nur  ein  umfangreicheres  Bruchstück  aus  dem  Apokr. 
enthielte,  geschweige  denn  eine  solche,  die  ihn  oder  gar  die 
beiden  Schriften  des  Mak.  ganz  darböte. 

Noch  nicht  so  ungünstig  lagen  die  Dinge  gegen  Ende  des 
15.  und  Anfang  des  16.  Jahrh.  Für  diese  Zeit  ist  uns  das 
Vorhandensein  von  drei  Exemplaren  des  Apokr.,  die  als  voll- 
ständig angesehen  werden  dürfen,  bezeugt.  Zwei  befanden 
sich  in  Unteritalien,  das  dritte  war  ein  Venetus,  von  dem 
weiter  unten    ausführlich   gehandelt  werden   soll.     Von  jenen 

1)  So  besonders  von  Bern.  Montfaucon  während  seiner  ital.  Reise 
[1698 — 1701]  auf  Wunsch  seines  Ordensgenossen  J.  Boivin,  und  später 
von  Pitra,  dem  nachmaligen  Kardinal  und  Bibliothekar  der  Vaticana. 
Für  Montf.  vgl.  Ecole  Francais e  de  Rome.  Meianges  d'archeologie  et 
d'histoire.  11.  annee,  1891,  Par.  Rome  p.  437 — 453:  Note  sur  les  mss.  du 
Diarium  Italicum  de  Montfaucon  von  H.  Omonb.  Omont  teilt  hier  S.  443 
bis  447  aus  dem  Ms.  fr.  20052  der  Pariser  Nationalbibliothek  einen  Brief 
mit,  den  Bern.  Montfaucon  in  Rom  unter  dem  7.  Okt.  1G98  an  den  k. 
Bibliothekar,  den  Abbe  de  Louvois  in  Paris,  geschrieben  hat.  In  diesem 
Briefe  bemerkt  Montf.  unter  anderem:  Je  n'ay  janiais  oublie  le  Macarioe 
Magnes  de  M.  Boivin;  je  l'ay  cherche  dans  toutes  les  bibliotheques  oü 
j'ai  ete,  mais  je  n'en  ay  encore  rien  trouve.  Bezüglich  Pitras  s.  Juris  eccles. 
Graecorum  historia  et  monumenta  cur.  Pitra.  I.  Romae  1864  p.  347.  Auch 
der  Göttinger  Theologe  Magnus  Crusius  ließ  in  italienischen  Bibliotheken 
nach  Fragmenten  aus  den  Schriften  des  Mak.  suchen  [s.  PG.  10,  1375  DJ. 


I,  1.  Handschriften  des  Apokritikos.  15 

zweien  erfahren  wir  etwas  durch  Janos  Laskaris,  der  a.  14'.»1 
bis  1492  im  Auftrage  des  Lorenzo  Medici  in  die  griech.  Länder 
reiste,  um  griech.  Hss.  zu  kaufen.  Das  Notizbuch,  das  er  auf 
dieser  Reise  bei  sich  führte,  ist  uns  noch  im  Yat.  Gr.  141 2 
erhalten.  K.  K.  Müller  hat  in  seiuer  Abhandlung:  „Neue  Mit- 
teilungen über  Janos  Laskaris  und  die  Mediceische  Bibliothek" 
[Centralbl.  f.  Bibliothekswesen  I.  1884  p.  333—412]  Unter- 
suchungen über  dieses  Notizbuch  angestellt  und  die  Hss. -Ver- 
zeichnisse, die  es  enthält,  mitgeteilt1.  In  ihnen  findet  sich 
f  80 v  die  Notiz2:  sv  KoQoXiavr/*  jcaga  xm  hoit  yeoaQyicp*  .  .  . 
[folgen  die  Titel  verschiedener  Mss.]  tov  Maxaglov  Mayvrjtoq 
dxoxQinxog  jcQoq  'EXhf\vac,  jcsqI  tcov  djtoQOVfi8V(ov  ix  t>j  xaivy 
duz{hjxfl  ZijTtjiiÜTov  xat  XvOscov.  —  F  81r  heißt  es5:  In  Monte 
Sardo  apud  abbatem  .  .  .  [folgen  wieder  Hss. -Titel]  ror  Ma- 
xagiov  Mdyvtjtog  <crroy.oiTty.oJ:  etc.  [ganz  gleichlautend  mit  dem 
Titel  des  Exemplars  in  Corigliauo]. 

Ob  J.  Lask.  die  beiden  Apokr.-Hss.  nur  gesehen  und 
ihren  Titel  sich  abgeschrieben  oder  ob  er  sie  auch  erworben 
hat,  ist  aus  dem  Notizbuch  nicht  zu  erkennen0.  Über  ihre 
weiteren  Schicksale  konnte  ich  nichts  erfahren.  Sie  sind  wohl 
verschollen  und  haben,  abgesehen  vom  Yat.  Gr.  1412,  keine 
Spuren  ihres  Daseins  hinterlassen.    (Doch  s.  unten  in  Abschn.  4.) 

Anders  steht  es  mit  einem  Kodex,  der  ebenfalls  den  Apokr. 
des  Mak.  enthielt  und  in  der  Markusbibliothek  zu  Venedig  sich 
befand.  Zwar  wird  auch  er  —  etwa  seit  der  2.  Hälfte  des 
16.  Jahrh.  vermißt.     Aber  wir  wissen   von   ihm,   daß   ihn 

ein  kathol.  Theologe  des  10.  Jahrh.,  der  Spanier  Frauciscus 
Turnanus,  benützt  hat  und  in  mehreren  seiner  Schriften  zitiert. 


1)  Über  Jan.  Lask.  vgl.  auch  Bibliographie  Hellenique  par  E.  Legrand 
T.  I.    Par.  1885  p.  CXXXI— CLXII. 
2    K.   K.  Müller,  I.  I..  p.  403. 

3)  Cf.  ibid.  ]>..">•'>•_'.    KogoXiavrj  ist  Corigliano  [Terra  d'Otranto]. 

4)  Einiges  über  den  Priester  Georg  zu  Corigl.  isl  bemerkt  in  I aia 

Allatii   de   Georgiis  et    eorum    scriptis    diatriba    [in    Georgii    Acropolitae 
bistoria  Byzantina   Par.  L651,  p.  409—411]. 

■"i  K'.  K.  Midier,  I.  I.  p.  404.  In  Corigliano  und  mit' dem  Berge  Sardo 
war  Jan.    La>k.   a.   1492,   cf.   ibid.   p.  362. 

6)  Legrand  sagt  Bild.  Hell.  I.  L885  p.  CXXXVI:  II  [sc.  Jan.  Lask.] 
a  thüta  <\v>  mss.  grecs  ....  ä  Corigliano:  du  pretre  Georges^  enfin  ä 
Monte  Sardo. 


16  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Da  die  einzige  Hs.,  die  das  apologetische  Werk  des  Mak.  in 
die  Gegenwart  herübergerettet  hat,  der  Ath.,  dieses  doch  nur 
zur  Hälfte  enthält,  da  der  cod.  Ven.,  wie  es  scheint,  nicht 
mehr  vorhanden  ist  und  Turrianus  der  letzte  war,  der  den 
Text  des  Apokr.  noch  vollständig  vor  sich  hatte1,  so  dürfte  es 
sich,  dachte  ich,  empfehlen,  einmal  sämtliche  Schriften  des 
Turr.  daraufhin  zu  durchforschen,  was  er  über  die  Apokr.-Hs. 
der  Marciana  sagt  und  was  er  aus  ihr  beibringt.  Vielleicht 
bekommen  wir  von  ihm,  so  sagte  ich  mir,  wertvolle  Aufschlüsse 
über  den  cod.  Ven.  Vielleicht  finden  sich  in  seinen  Schriften 
zahlreiche  Stellen  aus  den  uus  handschriftlich  nicht  mehr  er- 
haltenen Partien  der  Werke  des  Mak.  Vielleicht  setzen  uns 
diese  Aufschlüsse  und  Stellen  in  den  Stand,  manche  Frage 
zuverlässiger  zu  beantworten,  als  es  uns  jetzt  möglich  ist.  Die 
Zahl  der  Schriften,  die  Turr.  veröffentlicht  hat,  ist  allerdings 
keine  kleine.  Sie  beträgt  nach  dem  neuesten  Verzeichnisse 
derselben2  nicht  weniger  als  58,  darunter  manche  größeren 
Umfanges.  Der  längere  Brief,  den  Turr.  a.  1572  von  Rom 
aus  an  den  Kardinal  Hosius  schrieb3,  das  Buch:  Latini  Latinii 
Viterbiensis  epistolae  .  .  .  a  Dom.  Magro  Melitensi  .  .  .  collectae 
T.  I.  Romae  1659,  das  den  Briefwechsel  des  Turr.  mit 
Latinius  enthält,  und  die  zahlreichen  Übersetzungen,  die  Turr. 
von  Werken  griech.  Kirchenväter  aus  bis  dahin  meist  unbe- 
kannten und  erst  durch  ihn  aus  dem  Staube  der  Vergessenheit 
gezogenen  Hss.  angefertigt  hat  und  die  durch  ihn  oder  andere 
publiziert  wurden,  sind  dabei  mit  eingerechnet4.  Aber  so 
wenig  als  die  Briefe  durften  die  Übersetzungen  des  Turr.  bei 
der  Suche  nach  Mak. -Resten  außer  Acht  gelassen  werden. 
Es  könnte  ja  sein,  daß  Turr.  in  den  Vorreden  oder  in  den 
Anmerkungen,  mit  denen  er  seine  Übersetzungen   ausgestattet 


1)  Die  mehr  oder  weniger  kurzen  Bemerkungen  über  Mak.  und  die 
Zitate  aus  ihm,  die  sich  sonst  bei  Autoren  des  16.  und  17.  Jahrh.  tiuden, 
gehen  fast  ausnahmslos  auf  Turr.  zurück. 

2)  In  Bibliotheque  de  la  Compagnie  de  Jesus.  I.  partie:  Biblio- 
graphie par  les  peres  Aug.  et  Aloys  De  Bäcker.  Nouv.  edition  par  Carlos 
Sommervogel  S.  J.    T.  8."  Brux.-Paris  1898,  Kol.  113 — 125. 

3)  Abgedruckt  in  D.  Stanislai  Hosii,  episcopi  Yarmien>i>  opera  f.  II. 
Col.  1584,  p.  331—336. 

4)  Zählt  man  die  Schriften,  die  in  e.  2.  Ausgabe  erschienen  sind,  nur 
ein  Mal  und  läßt  man  Nr.  57  und  58  bei  Sommervogel  außer  Betracht,  so  sind 
bei  diesem  erwähnt :  28  selbständige  Schriften  und  '27  Übersetzungen  des  1  un  . 


I.  1.    Sandschriften  des  Apokritikos.  17 

hat,  etwas  von  Mak.  anführt.  Register1  und  Vorarbeiten'2, 
die  das  Geschält  der  Zusammenstellung-  dessen,  was  Turr.  über 
und  aus  Mak.  mitteilt,  erleichtern,  sind  nicht  vorhanden.  Trotz- 
dem hielt  ich  es  aus  den  angeführten  Gründen  für  wünschens- 
wert, daß  eine  solche  Zusammenstellung  unternommen  werde. 
Ich  versuche,  sie  im  folgenden  zu  geben. 


1  Autorenregister  mit  Angabe  der  Seitenzahlen,  wie  sie  heutzutage 
in  wissenschaftlichen  Werken  vielfach  anzutreffen  sind,  findet  man  in  den 
Schriften  des  Turr.  nicht.  Die  meisten  derselben  haben  überhaupt  keine 
Register.  Einige  sind  mit  einem  Bibelstellen-  und  aiphabet.  Sach- 
register versehen.  In  diesen  Sachregistern  sind  dann  und  wann  auch 
Autoren,  die  im  Texte  zitiert  werden,  genannt.  Aber  Vollständigkeit  hat 
Turr.  dabei  nicht  erstrebt. 

2)  Bei  Fabricius,  Delectus  argumentorum  etc.  Hamburgi  1725  p.  65 sqq. 
sind  nur  4  Mak. -Zitate  aus  Turr.  angeführt.  Die  gleichen  r-ind  auch  bei 
Gallandi,  Bibliotheca  veterum  patrum  T.lll.  Yen.  17G7  Proleg.  p.XXXITJ  sq. 
u.  p.  541  s<j.  abgedruckt.  Ebenfalls  nur  weniges  aus  Turr.  bringt  Magnus 
Crusius  in  seinen  2  Dissertationen  über  Mak.  Magnes  [Gott.  1737  und 
1745].  Wenn  Keil  in  Fabric,  Bibl.  Graec.  VII.  Hamburgi  1801  p.  297 
behauptet,  M.  Crusius  gebe  in  §  18  seiner  1.  Dissert.  eine  Aufzahlung  aller 
von  Turr.  mitgeteilten  Mak.-Fragmente,  so  ist  das  unrichtig.  Grus,  nennt 
in  diesem  Paragraph  nur  4  Schriften  des  Turr.  und  ß  Stellen  daraus. 
Von  zweien  derselben  führt  er  den  Wortlaut  an  [Cf.  Migne,  Patrol.  Gr.  X, 
col.  1373 sqq.].  In  Pitras  Analecta  Sacra  et  Classica  Par.  Romae  1888. 
Teil  1,  p.  37  findet  sich  ein  kurzer  Abschnitt:  Magnes  apud  Turrianum. 
Pitra  will  hier  nicht  den  Text,  sondern  nur  den  Fundort  der  in  den 
Schriften  des  Turr.  anzutreffenden  Mak.-Zitate  verzeichnen.  Auch  in  dieser 
Beschränkung  hätte  sich  Pitra  mit  seiner  Zusammenstellung  Dank  verdient, 
wenn  sie  vollständig  und  zuverlässig  wäre.  Dali  >ie  das  nicht  ist.  das 
macht  seine  Arbeit  nahezu  wertlos. 


Texte  ii.  Untersuchungen  etc.  31,4 


]§  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


2.   Franciscus   Turrianus   und   der   Apokritikos 
des  Male.  Magnes. 

Franc.  Turrianus1,  auch  Torres  oder  Torrensis  genannt-'.  i>r 
geboren  schwerlich  schon  a.  1504  (so  Niceron  [s.  u.  Note  1]  LI. 
p.  272)  oder  1505  (so  Du  Pin  [s.  u.  Note  1]  1.  1.  p.  610),  eher  1509 
(so  Sonimervogel  1.  1.  Kol.  113)  oder  noch  später-5  zu  Herrera  in 
Spanien.  Unrichtig  ist  es,  wenn  De  Backer-Sommerv.  und  andere 
dieses  Herrera  in  der  Diözese  Valencia  gelegen  sein  lassen.  Es 
o-ehörte  zur   Diözese   Palencia4  im   Königreiche  Leon5.     Dies 

1)  Die  biographischen  Notizen  über  Turr.,  die  den  älteren  and 
neueren  Verzeichnissen  seiner  Werke  vorausgeschickt  sind,  sind  ganz  spärlich. 
Ct.  [A.  Schott],  Hispaniae  Bibliotheca.  Francofurti  1608.  p.  285—288.  - 
Ribadeneira,  Catalogus  scriptorum  religionis  Soc.  Jesu.  II.  ed.  Antverp. 
1613,  p.  74 — 77.  —  Sotvell,  Bibl.  scriptorum  Soc.  Jesu.  Romae  1676, 
p.  260 — 263.  —  DuPin,  Histoire  de  l'eglise  et  des  auteurs  ecclesiastiques. 
T.  5.  Par.  1703,  p.  454 — 458.  —  Teissier.  Les  eloges  des  hommes  savans, 
tirez  de  Phistoire  de  M.  de  Thou.    T.  3.    4.  ed.  A  Leyde.  1715,  p.  302—307. 

—  Joh.  P.  Nicerons  Nachrichten  von  den  Begebenheiten  u.  Schriften  be- 
rühmter Gelehrten,  deutsch  v.  Rambach.    18.  T.    Halle  1758,  p.  272—282. 

—  Nicol.  Antonius  Hispalensis,  Bibliotheca  Hispana  nova.  T.  I.  Matriti 
1783,  p.  487—490.  —  De  Backer-Sommervogel  T.  8.  1898.  Kol.  113—125 
wurde  schon  S.  16  Anm.  2  erwähnt.  Auch  der  Art.  Turrianus  im  Freib. 
Kirchenlexikon  2.  Aufl.  bietet  nicht  viel  biographisches  Material. 

2)  Er  selbst  nennt  sich  in  seinen  Schriften  nie  Torres,  sondern  in 
denen,  die  bis  a.  1555  erschienen  sind,  Torrensis.  in  den  späteren  [von 
1557  an]  Tumanus.  Dagegen  wird  ihm  der  Name  Torres  öfters  in  den 
Briefen  anderer  gegeben,  so  in  denen  des  Antonius  Augustinus' [Cf.  Anton. 
Augustini  archiepisc.  Tarracon.  epistolae  Latinae  et  Italicae  ed.  a  Jo.  An- 
dresio.  Parmae  1804  p.  368  und  370],  des  Masius  und  Latinius  [Cf.  Pu- 
blikationen der  Gesellschaft  für  Rheinische  Geschichtskunde.  IL  Briefe 
v.  Andr.  Masius  u.  seinen  Freunden,  herausgeg.  v.  M.  Lossen,  Leipzig  1886, 
p.  89,  90,  149,  154,  179  etc.]. 

3)  Turr.  spricht  sich  über  seine  Geburtszeit  selbst  aus  in  der  Schritt: 
Adversus  capita  disputationis  posterioris  Andr.  Freyhubii  .  .  de  ecclesia  et 
ordinationibus  ministrorum  ecclesiae,  libri  duo.  Colon.  1578  p.  31.  Turr. 
spöttelt  hier  über  das  geringe  Alter  der  ecclesia  Augustanae  Confessionis, 
betont,  daß  die  Conf.  Aug.  erst  1530  übergeben  wurde  und  sagt:  ego 
annis  prope  20  ante  Confessionem  Augustanam  in  Hispania  .  .  .  natus  sum. 

4)  Das  Richtige,  Herrera  Palentinae  dioecesis,  bei  Sotvell  und  An- 
tonius Hisp. 

5)  Ribadeneira  hat  also  nicht  unrecht,  wenn  er  p.  74  von  Turr. 
bemerkt:  Franc.  Turr.,  natione  Hispanus,  patria  Legionensis.  Nur  darf 
man  Legionensis  nicht  von  der  Stadt  Leon  verstehen,  wie  Antonius  Hisp., 
der  p.  487  sagt:  Turr.,  domo  Legionensis.  aliis  ex  vico  Herrera  Palentinae 
dioecesis. 


1,2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  ]*) 

ergibt  sich  unzweifelhaft  aus  einer  Bemerkung,  die  Turr.  in 
seiner  Schrift  De  sola  lectioue  legis  et  prophetarurn  Judaeis 
.  .  .  permittenda,  Romae  1555,  p.  46  macht.  Er  weist  hier 
den  Vorwurf  zurück,  daß  er  ein  getaufter  Jude  sei1  und  sagt: 
possem  profecto  gloriari  nie  esse  honesto  loco  natum  et  fidem 
meam,  qua  Christum  a  progenitoribus  meis  colo,  habitasse  in 
atavis,  tritavis  etc.,  quod  cum  infiniti  alii,  tum  praecipue  muni- 
cipes  mei  Herrerienses  in  Vaccaeis  ad  flumen  Pisoricam  .  . 
sciunt. 

Spätestens  a.  15411  kam  Turr.  nach  Rom2.  1562  wohnte 
er  dem  Konzile  zu  Trieut  als  päpstlicher  Theologe  bei3.  1566 
trat  er  in  den  Jesuitenorden  ein.  1584  am  21.  Nov.  starb  er 
in  Rom,  wo  er  einen  großen  Teil  seines  Lebens  zugebracht  hat. 

T.  hegte  eine  besondere  Vorliebe  für  das  Studium  griech. 
Hss.  Namentlich  nach  solchen,  die  Werke  von  Kirchenschrift- 
stellern enthielten,  hat  er  allenthalben,  wo  er  sich  aufhielt, 
die  Bibliotheken    durchforscht4.     Er   erwarb    sich    so    aus  den 


1)  Vgl.  bezüglich  dieses  Vorwurfs  /..  B.  eleu  Brief,  den  Masius  an 
P.  Oct.  Pantagathus  ex  Vingartena  unterm  25.  Febr.  1554  schrieb  [Publik. 
d.  Gesellsch.  f.  Rhein.  Geschichtskunde  II  p.  149]:  Mirum.  ni  et  ipse  [sc. 
Torres]  verpus  eit,  quod  plane  suspicor.  Masius  war  unwillig  über  Turr., 
weil  dieser  verlangte,  der  Talmud  u.  die  anderen  jüd.  Schriften  sollten 
verbrannt  werden. 

2)  Seine  eiste  Schrift,  die  1549  erschien,  In  Monachos  apostat;i>. 
wurde  in  Rom  gedruckt.  Geschrieben  hat  er  sie  im  Hause  des  Kardinals 
Salviati. 

3)  Cf.  Le  Plat,  Monumentorum  ad  hist.  concilii  Tridentini  illustr. 
spect.  T.  VII.  Pars  2.  Lovanii  1787  p.  310  [Diarium  Ficleri] :  Bei  der  Ver- 
handlung de  usu  euchar.  am  11.  Juni  1562  gab  „a  meridie"  „Franc.  Turri- 
anus, Hispanus,  theologus  pontiticius'"  seine  Meinung  kund :  ferner  p.  340: 
Am  28.  September  1562  sprach  u.  a.  Franc.  Turrianus  [über  den  ordo]. 
In  den  Monumenti  di  varia  letteratura  tratti  dai  mss.  di  Mons.  L.  Becca- 
delli  T.  II.  Bologna  1804,  der  p.  1  —  155  Atti  del  concilio  di  Trento  enthält, 
ist  p.  28  bemerkt:  Adi  22  Luglio  [1562]  la  mattina  alle  ore  10  fu  con- 
gregazione  generale,  dove  parlö  Francesco  Torres  Spagnuolo  sopra  i  sette 
primi  articoli  de  Missa. 

4)  Wie  groü  schon  die  Zahl  der  griech.  Mss.  war,  die  Turr.  selbst, 
namentlich  aus  L'nteritalien,  zusammengebracht  und  dann  der  Bibliothek 
der  Gesellschaft  Jesu  in  Rom  zugeführt  hat,  ersieht  man  aus  dein  Ver- 
zeichnisse dieser  Mss.  bei  Possevinus,  Apparat  US  Sacer.  T.  II.  Col.  1608 
Appendix  p.  23 — 26,  Wo  diese  Hss.  jetzt  sind  und  ob  sie  überhaupt 
noch  vorhanden  sind,  weili  ich  nicht.  Um  1754  scheinen  sie  noch  in  der 
Bibliothek  des  Collegiums  Romannm  gewesen  zu  sein.  Denn  in  dem 
Buche  Miscellaneorum  ex  mss.    libris    bibliothecae  Collegii  Roman]  Socie- 

2* 


20  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Quellen  eine  für  seine  Zeit  ungewöhnliche  Kenntnis  der  pa- 
tristischen  Litteratnr.  Im  griech.  Originaltexte  gab  er  jedoch 
nur  ein  größeres  Werk,  die  licrcyc)  tmv  ayicov  ajcoöroXcov 
Yen.  1563  heraus.  Dagegen  hat  er  nicht  wenige  griech.  Texte 
ins  Lateinische  übersetzt  und  auf  solche  Weise  manche  Kirchen- 
väterschrift, von  der  niemand  etwas  wußte,  der  Mit-,  bezw. 
Nachwelt  bekannt  gemacht.  Weiter  hat  Tnrr.  sein  patristisches 
Wissen  in  seinen  selbständigen  Schriften  verwertet.  Sie  alle 
sind  mit  griech.  u.  lat.  den  Hss.  entnommenen  Kirchenväter- 
zitaten  reichlich  versehen. 

Es  ist  mir  möglich  gewesen,  sämtliche  Schriften  des  Tnrr.1, 
die  gedruckt  wurden,  einschließlich  der  Übersetzungen  einzu- 
sehen'2 mit  Ausnahme  der  Schrift,  die  bei  De  Backer-Sommer- 
vogel T.  8,  Kol.  HS  unter  Nr.  19   mit   folg.   Titel   aufgeführt. 


tatis  Jesu  T.  I.  Romae  1  T-">4  sagt  der  Verf.  Petrus  Lazeri  in  der  Vorrede, 
wo  er  von  der  Bibl.  des  Colleg.  Rum.  spricht,  p.  XIV:  Nimirum  et  aDti- 
(juiores  Uli  komines  qui  sodalitati  uostrae  uomen  dederunt,  ad  eam  cum 
venirent,  non  doctrina  solum,  sed  lauta  etiam  librorum  suppellectile  in- 
structi,  utramque  in  domum  nostram  intulerunt:  e  quorum  nuniero 
Franciscus  Turrianus  Graecos  Codices  multos  ad  nos  comportasse  dieitur 
a  Possevino:  et  aliorum  etiam  .  .  .  litterariae  opes  postea  huc  commi- 
grarunt.  Als  a.  1773  der  Jesuitenorden  aufgehoben  wurde,  sind  diese 
literarischen  Schätze  vielleicht  verschleudert  worden.  Vgl.  auch  Le  biblio- 
teche  governative  ltaliane  nel  1898.  Notizie  storiche  .  .  .  pubblicate  a 
cura  del  ministero  della  pubblica  istruzione.  Roma  1900.  P.  27 — 55  ist 
hier  über  die  Bibl.  Naz.  Centrale  Vittorio  Emanuele  di  Roma,  in  deren 
Besitz  die  Bibl.  des  Colleg.  Rom.  überging,  Bericht  erstattet.  In  diesem 
Berichte  heißt  es  p.  30:  La  [sc.  die  Bibl.  des  Coli.  Rom.]  diceva  il  Can- 
cellieri  (in  una  supplica  diretta  a  Pio  VII,  per  la  restituzione  ai  gesuita 
del  Collegio  romano)  „doviziosa  biblioteca  formata  eon  seelta  suppellettile 
libraria  lasciata  da  5  insigni  porporati  .  .  .  e  da  quelle  dei  padri 
B.  Giustiniani,  G.  Lainez,  Franc.  Turriano,  etc.-'  Und  p.  32:  .  .  del  Collegio 
Romano,  e  certo  ehe  dei  manoscritti  greci  laseiati  dal  Torriano  (e  di  cui 
il  Possevino  pubblicö  il  catalogo),  della  ricca  collezione  di  Aldine  .  ., 
poco  o  niente  e  stato  conservato. 

1)  Über  die  Verzeichnisse  derselben  s.  S.  18  Anna.  1.  Außer  den  dort 
erwähnten  ist  noch  zu  nennen  das  bei  Possevinus,  Apparatus  Sacer.  Col. 
Agripp.  1608  T.  I.  p.  594 — 596.  Mehrere  der  älteren  Verzz.  Lassen,  was 
Vollständigkeit  und  Richtigkeit  der  Angaben  betrifft,  viel  zu  wünschen 
übrig.  Aber  auch  im  neuesten  und  besten  Verz.,  dem  von  Sommervogel, 
sind  von  früheren  Ausgaben  her  einige  Ungenauigkeiten  stehen  geblieben. 

2)  Zwei  der  Schriften,  von  denen  Turr.  selbst  noch  eine  2.  Ausg 
veranstaltete,  nur  in  dieser  2.  Ausg.,  was  für  unseren  Zweck  natürlich 
keinen  Verlust  bedeutete. 


[,  2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  21 

ist:  Epistola  P.  Francisci  Turriani  See.  .1.  De  ratione  dispen- 
sationi?  bonorum  ecclesiasticorum.  Romae,  de  facultate  superi- 
orum.  Apud.  Franc.  Zanettum  et  Barth.  Tosium,  socios.  1  -"> 7 7 
[sie],  8.°,  16ff.  —  Date:  Romae,  ex  domo  Soe.  .!.,  1  ;">7<S  [siej. 
Diese  epistola  vermochte  ich  nirgends  aufzutreiben,  [ch  kann 
mich  aber  der  Vermutung  nicht  erwehren,  daß  sie  mit  der 
unter  Xr.  29  Kol.  121  erwähnten  Epistola  ad  Gonzalum 
Herreram.  episcopum  Laodicensem,  de  redditibus  ecclesi- 
asticis  er  ratione  iis  utendi.  Romae  1584  (?)  dem  Inhalte 
nach  identisch  ist1. 


1  Meine  Gründe  für  die  Annahme  einer  solchen  Identität  von  Nr.  19 
u.  Nr.  29  sind,  abgesehen  von  der  Gleichartigkeil  des  Inhalts,  auf  die  man 
aus  dem   Wortlaute  der  beiden  Titel  schließen   darf,  folgende: 

a)  Nr.  19  ist  in  keinem  der  älteren  Verzeichnisse  der  opera  des 
Turr.,  die  ich  einsah,  erwähnt  mit  Ausnahme  desjenigen,  das  sieh  in  dem 
Buche  von  A.  Schott:  Hispaniao  lübliotheca,  Francof.  1608  findet  P.  288 
wird  hier  eine  Schrift  De  dispensatione  bonorum  ecclesiasticorum  namhaft 
gemacht.     Dafür  verlauter  aber  bei  Schott  nichts  von  der  Schrift  Nr.  29. 

b)  Der  Brief  Nr.  29  ist  nicht  1584.  wie  es  nach  Sommervogel  scheint. 
geschrieben  worden.  1584  wurde  er,  wie  aus  Sommervogel  selbst  hervor- 
geht, von  neuem  gedruckt  in  Apologia  libri  de  redditibus  eccles.  auetore 
Mari,  ab  Azpilcueta  .  .  .  Antv.  1584.  Desgleichen  fand  er  in  Mart. 
Azpilcuetae  Doctoris  Navarri  opera.  Col.  Agr.  1616  T.  1  Aufnahme  [p.  338 
bis  342].  Aus  diesem  Werke  ist  deutlich  zu  ersehen,  wann  der  Brief  des 
Turr.  geschrieben  wurde.  Er  endigt  nämlich  I.  I.  p.  342  mit  den  Worten: 
Romae,  es  domo  Soc.  Jesu,  1574.  April  20.  Daß  in  diesem  Datum  nicht 
etwa  ein  Fehler  steckt,  ergibt  sich  daraus,  daß  ein  im  nämlichen  Tom.  1. 
der  opera  des  Doctor  Navarrus  |>.  342 — 344  abgedruckter  an  Mart.  Azpil- 
cueta  in  der  gleichen  Sache  gerichteter  Brief  des  Achilles  Statius,  der 
bereits  auf  den  des  Turr.  Bezug  nimmt,  schließt:  Dat.  Romae.  Kai.  Julii. 
\.  sal.  1Ö74,  und  daß  die  Antwort,  die  Azpilc.  dem  Ach.  Statins  zu- 
sandte [p.  344 — 345]  datiert  ist:  Dat.  Romae  16.  Kai.  ^.ug.  1Ö74.  Ver- 
gleicht man  nun  das  Datum  des  in  Rede  stehenden  Briefes  des  Turr.: 
Romae,  ex  domo  Soe.  Jesu,  1574,  April  2<>  mit  dem  des  Briefes  Nr.  19, 
dessen  Datum  sein  soll:  Romae,  ex  domo  Soe.  Jesu  1578,  und  bedenkt 
man.  daß  die  Jahreszahl  1578  unmöglich  richtig  ist,  da  ein  Brief,  der 
1Ö7S  geschrieben  wurde,  nicht  schon  1ÖT7  hätte  im  Drucke  erscheinen 
können,  so  liegt  es  doch  -ehr  nahe,  anzunehmen,  daß  es  statt  1578  beißen 
muß  1">74  und  daß  Nr.  19  die  nämliche  epistola  ist,  die  Nr.  29  erwähnt  wird. 

c  Für  die  Identität  beider  spricht  auch,  daß  Maldonat  in  einem 
Briefe  an  unseren  Turr.  von  dessen  epistola  de  bonis  ecclesiasticis 
redet  und  in  diesem  Zusammenhange  bemerkt,  daß  Navarrus  |=  Mart. 
Azpilcueta)  ein   Libell  über  den  gleichen  Gegenstand  verfaßt  habe.    Cf.  Jo. 

Maldonati    opera     varia    tl logica.    Lutet.    Par.   KITT,    am    Schlüsse   des 

Bandes   Jo.   Maldonati   epistolae   et    orationes,  p.  19.     Von   den  2  Briefen 


22  Schälkbausser,  Makarios  Magnes. 

Erwünscht  wäre  es,  wenn  außer  den  gedruckten  Schriften 
noch  Mss.  des  Turr.,  etwa  Briefe  u.  dergl.,  die  Gewinn  für  Mak. 
abwerfen  würden,  zu  Gebote  stünden,  insbesondere,  wenn  die  Ex- 
zerpte noch  erhalten  wären,  die  sich,  wie  sicherlich  angenommen 
werden  darf,  Turr.  aus  dem  cod.  Venetus  gemacht  hat.  Denn  viel- 
leicht hat  Turr.  in  sie  mehr  Apokr.-Text  aufgenommen,  als  er  nach- 
her in  seinen  Werken  verwertete,  und  sehr  wahrscheinlich  standen 
in  ihnen  alle  die  Stellen  griechisch,  die  er  in  seinen  Schriften 
nur  lateinisch  wiedergibt.  Ob  aber  diese  und  andere  Papiere 
des  Turr.,  die  Makarios-Stoff  enthalten,  noch  vorhanden  sind, 
entzieht  sich  meiner  Kenntnis.  Mss.  des  Turr.  —  ob  nicht  viel- 
leicht nur  lat.  Übersetzungen  griech.  Kirchenväterschriften  — 
kamen  nach  seinem  Tode  zunächst  in  die  Hände  seines  Ordens- 
genossen Ant.  Possevinus,  der  einige  dieser  Übersetzungen  in 
seinem  Apparatus  Sacer  abdrucken  ließ l.  Weitere  stellte  Possev. 
den  Ingolstädter  Gelehrten  Jak.  Gretser  und  Heinr.  Canisius 
zur  Verfügung,  die  einen  Teil  derselben  veröffentlichten :  Gretser 
in  seinem  Buche:  Anastasii  Sinaitae,  Patriarchae  Antiocheni 
Odrjyöc,.  Ingoist.  16062,  und  Heinr.  Canisius  in  Autiquae 
Lectionis  T.  III,  IV  und  V.     Ingoist.   1603  und   1604:\     Nach 


des  Maldonat  an  Turr.,  die  hier  mitgeteilt  sind  [p.  16 — 19]  hat  der  für 
uns  in  Betracht  kommende  zweite  leider  kein  Datum.  Der  erste  ist  datiert: 
Parisiis  IV.  Id.  Apr.  1574. 

Die  Sache  wird  sich  so  verhalten,  daß  Turr.  den  Brief  Nr.  29  [bei 
Sommervogel]  a.  1574  schrieb  und  daß  eben  dieser  Brief  a.  1577  in  einer 
Sonderausgabe  gedruckt  erschien  und  dabei  den  unter  Nr.  19  angegebenen 
Titel  bekam. 

1)  Vgl.  z.  B.  Ant.  Possevini  App.  Sac.  Col.  1608  T.  I  p.  466:  Franc. 
Turrianus  noster.  Didymum  Alex,  contra  Manicbaeos  assecutus,  Latinum 
fecit  e  Graeco,  quorum  uterque  ms.  apud  nos  extat  nondum  prelo  datus, 
quem  ad  rinem  huius  lit.  D  inserere  operae  pretium  fuit.  T.  11.  1608  p.  499: 
quae  [sc.  die  Schriften  des  presbyter  Timotheus]  Franc.  Turrianus  .  .  . 
codicem  integriorem  nactus  e  Graecis  Latina  fecit,  quaeque  nos  ex  eins 
scriptis  assecuti,  nunc  primo  hie  damus.  Vgl.  auch  S.  Maximi  confessorifi 
contra  Monothelitas  et  Acephalos  opuscula  tredeeim.  Nunc  primum  in 
lucem  prolata.     .  .  .  Ingoist.  1605  [Herausgeber  nicht  genannt]  p.  4sq. 

2)  Gretser  spricht  hier  Ad  lectorem  p.  2  sqq.  von  verschiedenen  lat. 
Übertragungen  griech.  Kirchenschriftsteller,  die  er  inter  Turriani  adversaria 
gefunden  habe.  Ad  lect.  p.  8  bemerkt  er:  Nee  tarn  mihi  gratias  debebit 
lector,  quam  R.  P.  Ant.  Possevino  nostro,  absque  cuius  pietate  si  fuisset, 
forsan  Turriani  versio  parente  suo  viduata  penitus  periisset. 

3)  Ant.  Lect.  T.  [II.  Ingoist.  1603  p.  19,  54sqq.  —  T.  IV.  [ngoist. 
1603,  Epist.  dedic.  p.  2:    Rev.   P.  Ant.  Possevinus   S.   •'.  .  .     Venetiis  ad 


[.  2.    Turrianus  und  der  Apokritikos.  23 

dem  Ableben  des  II.  Canisius  gingen  die  diesem  von  Rossevin 
zugeschickten  Papiere  des  Turr.  in  den  Besitz  des  Ingolstädter 
Theologieprofessors  Stevartins  über1.  Wohin  sie  dann  ge- 
langten, ist  mir  nicht  bekannt.  In  den  Katalogen  der  lat.  Hss. 
der  Münchener  Hof-  und  Staatsbibliothek  sind  keine  Mss.  des 
Turr.  verzeichnet.  In  der  Bibliothek  des  Colleg.  Romanuni 
zu  Rom  waren  auch  scripta  von  der  Hand  des  Turrianus-. 
Sic  Bind  vielleicht  nach  der  Auflösung  des  Jesuitenordens  ver- 
loren gegangen.  In  der  Biblioteca  Yittorio  Emanuele  zu  Rom. 
der  die  Bücherschätze  des  röm.  Jesuitenkollegs  einverleibt 
winden,  befinden  sieh,  wie  es  scheint,  keine  Mss.  des  Turr.3. 
In  der  Yaticaua  nachzusehen,  war  ich  nicht  in  der  Lage. 

me  transmisit  praeclarissima  illa  monumenta  [sc.  die  von  Fr.  Turr. 
stammenden  lat.  Übersetzungen,  die  Heinr.  ( 'anis.  in  T.  IV  mitteilt]. 
Fag.  163:  Praeter  libros,  quos  nunc  primum  publici  iuris  facimus  ex 
schedis  Krane.  Turriani  .  .  de  Soc.  Jesu;  beneficio  et  liberalitate  R.  F. 
Ant.  Possevini,  qui  scheda>  illas  Turriani  male,  nescio  abi,  qua  ab  aqua, 
qua  a  blattis  et  tineis  passim  acceptas,  nobiscum  candide  eommunicavit 
etc.  S.  auch  p.  250.  —  T.  V.  Ing.  1604  p.  6  der  praef.  ad  lectorem: 
Finiam,  amice  lector,  si  te  prius  monuero,  auctores  primae  partis  huius 
tomi  deberi  admodum  Rev.  .  .  P.  Ant.  Possevino  Soe.  -i.  theologo,  qui 
eos  post  mortem  elarissinii  interpretis  Franc.  Turriani  quasi  pupillos  suam 
in  tutelam  recepit  tandernque  ad  nos  per  .  .  D.  Marc.  Velserum  IT.  virum 
Augustanum  cum  aliis  veterum  Lucubrationibus  .vulgandos  transmisit. 
Vgl.  noch  Ant.  Possev.  App.  Sacer.  Col.  1608  T.  I  p.  596,  763.  T.  II. 
p.  99,  141,  396.  503. 

1)  Tonius  .^ingularis  insignium  auctorum  tarn  Graecorum  quam  Lat i- 
norum,  quos  .  .  in  lucem  prodire  .  .  iussit  Petr.  Stevartins  etc.  Ingoist.  1616. 
p.  404:  R.  F.  Ant.  Possevinus  S.  I.  misit  olim  ad  clariss.  v.  D.  llenr.  Canisium 
varia  veterum  monumenta  a  Fr.  Turriano  quondam  ex  Graeco  in  Lat. 
sermonem  conversa:  quorum  potissimam  partem  D.  Canisius  tomis  Ant. 
Lect.  inseruil  <•!  publicavit.  Seil  cum  post  mortem  optimi  mihique,  cum 
viveret,  coniunctissimi  viri  inter  Chartas  eins  nonnulla  a  Turriano  com- 
parerent,  quae  Jiecdum  lucem  accepissent:  volui  ea,  ne  forte  interirent, 
in   bunc   aostrum  tomum  coniicere.     S.  auch  p.  436  und  462. 

2)  Cf.  Miscellaneorum  ex  mss.  libris  bibliothecae  Collegii  Romani 
Societatis  Jesu  T.  I.  Romae  1T.VI  p,  \Y  der  Vbrr.:  bibliothecam  [sc  die 
des  Coli.  Rom.],  quae  praeterea  .  .  dac.  Lainii,  Franc.  Turriani,  .  .  aliisque 
id  genus  bominum  monumentis  aondum  vulgatis  abundat. 

.'!  Auf  meine  Anfrage,  ob  Mss.  des  Turr.  in  der  Bibl.  Vitt.  Emanuele 
wären,  erhielt  ich  von  der  Direktion  unterm  5.  Juli  1904  den  Bescheid: 
I  >.  i  Mss.  di  traduzioni  latine  da  diversi  autori  greci  fatte  dal  gesuita 
spaguuolo  Franc.  Torres  .  .  .  uon  ae  fu  lasciato  alcuno  dai  Gesuiti,  e  quindi 
alla  Biblioteca  V  Emanuele  etc.  [Die  Antwort  beschränk)  sich  auf  dir 
Übersetzungen  t\<'>  Tun.,  während  ich  bei  meiner  anfrage  hauptsächlich 
Briefe  und  sonstige  derartige  Mss.  des  Turr.  im  Auge  hatte  . 


24  Schalkhausser,  Riakarios  Magnes. 

Mss.,  namentlich  etwaige  Briefe  des  Turr.  zu  Rute  /Ziehen 
zu  können,  wäre  um  so  wünschenswerter  gewesen,  als  seinen 
gedruckten  Werken  nicht  viel  über  seine  persönlichen  Ver- 
hältnisse zu  entnehmen  ist.  So  reichlichen  Aufschluß  uns  jene 
über  seine  theolog.  Anschauungen  gewähren,  so  wenig  erfährt 
man  aus  ihnen  über  den  äußeren  Gang  seines  Lebens.  Auf 
die  Fragen,  wo  er  in  den  einzelnen  Jahren  sich  aufhielt,  wann 
und  wo  er  seine  einzelnen  Schriften  verfaßte,  geben  sie  nur 
selten  genügende  Auskunft.  So  wäre  es  für  unseren  Zweck 
von  Wichtigkeit,  genau  zu  wissen,  wie  oft  und  in  welchen 
Jahren  Turr.  in  Venedig  war  und  die  der  Markusbibliothek 
gehörige  Hs.  des  Apokr.  einsah.  Da  er  hierüber  nirgends 
bestimmte  Angaben  macht,  so  siud  wir  auf  Kombinationen  an- 
gewiesen. In  seiner  155*2  erschienenen  Schrift  Antapologeticus1 
pro  libro  suo  de  residentia  pastorum  iure  divino  scripto  san- 
cita,  ad  Rev.  Dom.  Jo.  Salviatum  episc  cardinalem.  Florentiae 
p.  7  sagt  Turr.:  Nihil  praeterea  nobis,  quod  ad  dogma  ulluni 
pertineret,  controversum  fuisse,  .  .,  testis  est  Jo.  Petr.  Ferettus 
.  .  Et  Alfonsus  Dec.  Placentinus,   s.   Petri   poenitentiarius,  .  . 


1)  Sommervogel  hat  1.1.  Kol.  115  unter  Nr.  11  für  dieses  Buch  die 
Jahrzahl  (1562).  Dieses  1562  muss  auffallen,  wenn  man  bedenkt:  a)  daß 
die  Schrift  des  Turr.  die  Antwort  auf  des  Catharinus  Confirmatio  doctrinae 
de  personali  residentia  episcoporum  von  1551  war,  b)  dal.'»  Salviati,  dem 
Turr.  seine  Abhandlung  widmete,  schon  1553  gestorben  ist.  1562  erschien 
das  Buch  De  summi  pontificis  auctoritate,  de  episcoporum  res'identia  .  .  . 
gravissimorum  auctorum  complurium  opuscula  Yen.  1562.  in  dessen 
Tom.  II.  f  63—106  unsere  Schrift  nachgedruckt  ist.  Auch  daß  der  Verf. 
im  Titel  der  Schrift  sich  Torrensis,  nicht  Turrianus  nennt,  weist  auf  eine 
frühere  Zeit  hin.  Daher  vermutete  ich,  daß  Antonius  Hisp.  im  Rechl 
sei,  der  —  er  ist  der  einzige  —  in  seinem  Yerz.  der  Schriften  des  Turr. 
für  den  Antapologeticus  das  Jahr  1552  hat.  Die  übrigen  Verzeichnisse, 
soweit  sie  den  Antapologeticus  überhaupt  erwähnen,  bemerken  über  die 
Zeit  seines  Erscheinens  entweder  nichts  oder  sie  führen,  was  handgreiflich 
falsch  ist,  den  Antapol.  unter  den  von  Turr.  nach  seinem  Eintritte  in  den 
Jesuitenorden  geschriebenen  Werken  auf,  ohne  eine  bestimmte  Jahrzahl 
zu  nennen.  Für  unseren  Zweck  ist  diese  scheinbar  nebensächliche  chronolog. 
Frage,  von  anderem  abgesehen;  deshalb  nicht  unwichtig,  weil  der  Antapolog. 
ein  Zitat  aus  dem  Apokritikos  enthält  und.  wenn  er  1552  in  die  Öffentlich- 
keit trat,  das  erste  Buch  des  Turr.  ist,  das  ein  solches  bietet.  Es  war 
mir  möglich,  in  der  Ambrosiana  zu  Mailand  eine  erste  Ausg.  des  Ant- 
apologeticus in  die  Hand  zu  bekommen.  Auf  dem  Titelblatte  findet  sich 
keine  Jahrzahl.  Aber  auf  p.  96  stellt  unter  dem  Schlüsse  der  Ab- 
handlung:  1552. 


[,  2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  25 

Imo  cum  idem  ex  nie  Venetias  proficiscente  de  mei  libri 
[gemeint  ist  die  1551  zu  Florenz  erschienene  Schrift  De  resi- 
dentia  pastorum  .  .  adversus  Ambros.  Catharinum]  Florentiae 
publicatione  in  via  Bononiensi  ad  vieum  Loiani  audiret,  fa- 
miliari  amplexu,  et  osculo  sancto  mihi  gratulatus  est.  [am 
quanto  studio,  negotio  et  importunitate  Romae,  qui  libros  meos 
sumptu  suo  vellet  imprimere,  quaesitus  tunc  fuerit,  testis  est 
(iuil.  Sirletus  etc  '.  Aus  dieser  Stelle  geht  hervor,  daß  Turr. 
nach  Venedig  reiste,  als  sein,  wie  erwähnt,  1551  erschienenes 
Buch  De  residentia  pastorum  in  Florenz  publiziert  worden  war. 
Auf  die  Veröffentlichung  dieses  Werkes  muß  es  sich  auch 
beziehen,  wenn  der  mit  Turr.  befreundete  spätere  Kardinal 
Willi.  Sirletus'2  an  den  damaligen  Bibliothekar  der  Vaticana, 
Cervini3,  unterm  29.  Aug.  1551  schreibt:  J'appreuds  qu'ä  Flo- 
rence,  entre  autres  mss.  grecs,  ilya  un  nouveau  Test,  si  correct 
et  si  ancien  .  .,  et  j'ai  prie  M.  Francesco  Torres,  quia  va  a 
Florence  pour  se  faire  imprimer,  d'y  jeter  im  coup  d'oeil4. 
In  einem  anderen  Briefe  an  Cervini,  vom  26.  Sept.  1551, 
schreibt  Sirlet:  Quando  parti  M.  Francesco  Torres  me  lascio 
in  mano  l'historia  di  Georg.  Cedreno  .  .  . 5.  Am  26.  Sept.  1551 
war  also  Turr.  schon  in  Florenz.  Da  der  Druck  des  kleinen 
Schriftchens  De  residentia  pastorum  nicht  so  sehr  viele  Zeit 
in  Anspruch  genommen  haben  wird  und  Turr.  unmittelbar 
nach  der  Veröffentlichung  desselben  nach  Venedig  aufbrach, 
ist  es  wahrscheinlich,  daß  er  noch  gegen  Ende  des  J.  1551 
sich  dorthin  auf  den  Weg  gemacht  hat.  Wann  er  in  der  Lagunen- 
stadt ankam,  vermag  ich  nicht  anzugeben.  Daß  er  noch  um 
den  .'!.  Sept.  1552  in  ihr  weilte,  sehen  wir  aus  einem  Briefe, 
den  Sirlet  unterm  .'5.  Sept.  1552  an  Cervini  richtete.  Es  heißt 
darin:  Torres  m'ecrit  [de  Veuise]  qu'il  vient  d'acheter  pour  moi 
im   Nicolas,  Defense  du  concile  de  Chalcedoine  etc.6.    Da  nun 

1)  De  summi  pontif.  auctoritate  .  .  .   Ven.  1562  'I'.  II   f65a. 

2)  Willi.  Sirlet,  1514  geb.,  1565  Kard.,  gest.  L585  [Freib.  Kirchenlex.]. 

3)  Cervini  L548-  1555  Bibliothekar  der  Vat.,  1555  Papst  [Mär- 
cellns  II.].  f  1555. 

I  Ich  teile  den  Text  mit  nach:  La  Vaticane  de  Paul  III.  ;'i  Paul  V. 
d'apres  des  documents  aouveaux  par  P.  Batiffol.    Par.  1890,  p.  17. 

5    tbid.  p.  16  ii.  1. 

6)  H'iil.  p.  37.  Auch  in  einer  Mitteilung,  die  Sirlei  unterm  25.  .hmi 
1552  dem  Cervini  zugehen  ließ,  erschein!  Turr.  in  Venedig.  Cf.  ibid.  p.  43: 
Cervini  Fail  copier,  bemerkl  Batiffol,  ä  Venise:  „Torres  vienl  de  m'ecrire 
que  le  rolume  que  V.  S.  Rme  fti&i  copier,  sera  bientöl  pret,  mais  que  les  •*>  ecus 
<|ii"il  m  recus,  ii''  sont   pas  suffisants  ;'i  payer  Im  copie  et   la  collation." 


26  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

in  dem  noch  a.  1552  erschienenen  Antapologeticns  des  Turr. 
(vgl.  obeu  S.  24  Anm.  1)  schon  ein  Zitat  aus  dem  Apokritikos 
des  Mak.  steht,  muß  Turr.  in  der  ersten  Hälfte  des  J.  1552 
den  cod.  Ven.,  der  den  Apokritikos  enthielt,  eingesehen  und 
exzerpiert  haben1. 

1)  Noch  von  einer  anderen  Seite  her  wird  uns  bestätigt,  daß  Franc. 
Turr.  um  jene  Zeit  in  Venedig  sich  aufhielt  und  Hss.  der  Marciana 
studierte.  Aloys.  Lipomanus,  Bischof  von  Verona,  sagt  in  seinem  1554 
zu  Venedig  erschienenen  Werke  Vitarum  ss.  priscorum  patrum  .  .  .  T.  III 
f  143b:  Secunda  huius  tertii  tonvi  pars  candide  lector  Palladium  episcopum 
continet,  .  .  .  Liber  hie  aliquot  ante  annis  Parisiis  editus  fuerat,  sed  iani 
nullibi  fere  reperiebatur  in  animumque  mihi  hoc  venerat  ut  per  aliquem 
eitm  latine  reddendum  curarem.  Cum  ecce  a  viro  doctissimo  meiqae 
amantissimo  Basilio  Zanco  clerico  et  nobili  Bergomensi  derepente  ex  arbe 
Roma  ad  nie  liber  transmittitur,  non  tarnen  sub  Palladi  sed  cuiusdam 
Heraclidis  nomine  editus  Paradisique  titulo  praenotatus  .  .  .  haerebam 
animo  quis  esset,  .  .  .  Dumque  mecum  ipse  tluctuarem,  librum  ipsum  ad 
eruditissimum  probatissimumque  virum  amicum  meum  Franciscum  Torres 
Venetiis  tunc  commorantem  transmisi,  rogans  ut  is  qui  utriusque  linguae 
peritissimus  esset,  in  famosam  illam  quondam  Card.  Bessarionis  bibliothecam 
se  conferret  ac  librum  hunc  cum  libro  Palladii  Cappadociae  episcopi  quem 
ibi  adesse  sciebam  conferret,  et  an  is  vel  alter  esset  mihi  rescriberet. 
Functus  est  pro  sua  charitate  officio  demandato  vir  optimus  et  a  capite 
ad  calcem  usque  utroque  collatu  volumine,  hunc  eundem  prorsus  cum  illo 
esse  reperit  etc.  Wann  das  war,  gibt  Lipomanus  nicht  genau  an.  Da 
aber  die  Widmung  des  T.  III  schließt:  Dätae  Veronae  cal.  Martii  anni 
1553,  so  kommt,  wenn  man  die  Zeit  in  Abzug  bringt,  die  Lipomanus  für 
die  Vollendung  und  Drucklegung  des  T.  1  LI  brauchte,  wiederum  das 
J.  1552  als  dasjenige  heraus,  in  welchem  Turr.  in  Ven.  verweilte,  und 
eben  der  venetianische  Aufenthalt,  von  dem  wir  durch  Turr.  selbst  und 
durch  Sirlet  wissen,  ist  auch  der  von  Lipomanus  erwähnte.  Ja.  da  Jac. 
Morelli  in  seinem  Buche  Bibl.  ms.  Graeca  et  Latina  Bass.  1802  p.  233  zum 
cod.  Gr.  Ven.  345,  dem  einzigen  Marcianus,  der  Theodorets  Historia  reli- 
giosa  und  zugleich  des  Palladius  Historia  Lausiaca  enthält,  mit  Recht 
bemerkt,  mit  Hilfe  dieses  Kodex  345  habe  Turr.  die  —  oben  mitgeteilte  — 
Frage  des  Lipomanus  entschieden,  so  läßt  sich  die  Zeit,  in  der  Turr.  den 
Kodex  345  verglich,  wohl  sogar  nach  Monat  und  Tag  bestimmen.  In 
dem  alten  Ausleiheregister  der  Marciana  für  1551  — 1559,  cod.  Marc.  Lat. 
23  cl.  XIV  [veröffentlicht  von  C.  Castellani  in  Atti  del  R.  l>tituto  Veneto 
di  scienze,  lettere  ed  arti.  Ven.  1896/97  Ser.  7  T.  8  [T.  55]  p,  344—366], 
findet  sich  unter  D  der  Eintrag:  1552,  die  9  Julii.  —  Dns.  Dominicus 
Portius,  Secretarius  R. mi  D.  Episcopi  Veronae,  iuxta  mandatum  D.  Re- 
formatorum,  habuit  librum  grecum,  in  perg.,  vitarum  S.  Patrum  per  Theo- 
doretum  Cypri  (sie),  et  per  Palladium  ad  Lausum,  A  30,  n°.  845,  et  de- 
posuit  scutos  25.  —  Restituit  librum  die  14  iulii  1552,  et  rehabuit  scutos  25. 
Dazu  bemerkt  Castellani:  11  cod.  345,  sec.  15,  notato  giä  nel  Reg.  I.  fol. 
9v — 10,  p.  21.     Contenendo    vite    di    santi  e  ragionevole  supporre    che   il 


I,  2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  27 

Nun  ist  es  sehr  auffällig-,  daß  sich  gerade  aus  dem  J.  1552 
in  dem  zweiten  der  zwei  noch  vorhandenen  alten  Ausleihregister 
der  Marciana  eine  Notiz  über  eine  Ausleihe  des  Apokritikos 
des  Mak.  findet.  Die  Notiz  lautet:  Die  28  martii  1552.  lieve- 
rendiss.  I).  Lndovicus  Beccatelus,  legatus  pontificius,  habuit 
librum  grecum  dictum,  Magnetem  contra  (irecos,  in  papiro, 
cartarum  104,  per  dominum  M.  Antonium,  eius  secretarium. 
iuxta  mändatum  D.  Reformatorum,  et  deposuit  duos  tazonos 
argenteos.  —  Die  21  aprilis.  Restituit  suprascriptum  librum 
et  habuit  volumen  continens  Eusebium  etc.1.  Wir  dürfen  ver- 
muten, dal.!  Beccadelli  den  Kodex:  Magnes  contra  (rraecos  sich 
geben  ließ,  um  ihn  dem  Turr.  zur  Verfügung  zu  stellen. 
Allerdings  tut  Turr.  in  seinen  Schriften  nirgends,  wo  er  vom 
cod.  Yen.  redet  und  aus  Mak.  zitiert,  des  Beccadelli  Erwähnung 
und  es  wäre  nicht  unmöglich,  daß  Beccad.,  der  bis  zum 
24.  April  1554  im  Ausleihreg.  erscheint  und  fleißig  rlss.  der 
.Marciana  entlehnte2,  den  Apokr.  zu  seinem  eigenen  ((('brauche 
sich  geben  ließ.  Aber  da  zu  jener  Zeit  bei  der  Markusbibliothek 
das  Ausleihen  der  Mss.  gegen  ein  Pfand  die  Regel  war''  und 

Lippomani  .  .  .  1<>  prendesse  per  la  sua  raccolta  di  tali  vite  [Atti  etc. 
p.  352].  Dieser  Eintrag  bezieht  sich  sehr  wahrscheinlich  auf  die  Ausleihe, 
durch  die  Turr.  in  den  Stand  gesetzt  wurde,  die  von  Lipomanus  ge- 
wünschte  Feststellung  zu  machen.  Turr.  hätte  dann  vom  !•.  bis  14.  Juli 
1552  in  Venedig  das  griech.  Ms.  der  Historia  Lausiaca  [damals  Nr.  840. 
jetzt   Nr.  345]  für  Lipom,   verglichen. 

1  Cf.  Bibliotheque  de  l'Ecole  des  Chartes.  48.  Annee  1887  Par. 
p.  680sq.  [P.  651—686  Aldi.  v.  11.  Omont:  Deux  registres  de  prets  de 
mss.  de  la  bibliotheque  de  S.  .Marc  ä   Venise  (1545 — 1559)]. 

2)  Ibid.  p.  G8U— 682. 

3)  Ct'.  Jos.  Valeutinelli,  Bibliotheca  ms.  ad  S.  Marci  Venetiarum. 
T.  I.  Yen.  18(58  p.  45:  Quae  de  codicum  Bessarionaeorum  usu  buc  usque 
narrata  sunt,  ea  ad  annos  se  referunt  quibus  domicilio  quo  perpetuo  con- 
sistebat,  bibliotheca  carebat.  Angustia  loci  eumque  facile  adeundi  aegata 
facultas  consuetudinem  exitialem  prorsus  ingesserat  libros  commodandi 
petentibus,  quo  factum  est  ut  ex  eis  plures  .  .  .  amitterentur.  Dazu  p.  I<; 
die  Anin.  1):  „Messi  [codices]  poi  sopra  In  chiesa  di  -.  Maren,  qod  essendo 
molto  ben  guardati.  se  ne  smarrirono  oleum."  Sansoviuo.  Venezia  citta 
Qobilissima.  Ven.  1584,  c.  12.  S.  ferner  das  bei  Valent.  p.  49 sqq.  mit- 
geteilte Dekrel  der  Reformator!  dello  studio  di  Padova  und  ('.  Castellani, 
II  prestito  dei  codici  mss.  alla  biblioteca  Marciana  in  ..Atti  del  !>'■  Istituto 
Veneto  di  Bcienze  .  .  .  1896  7  Ser.  T.  T.  8."  p.  326.  Cast.  bemerkt:  Da 
quanto  e  statu  sopra  esposto  si  rileva  ehe  il  sistema  del  prestito  invalse 
Ihm  dal  primo  tempo  che  le  raecolte  del  Bessar.  vennero  in  possesso  della 
Repubblica  e  che  continuö  per  gran  parte  dal  sec.  16. 


28  Schalkhausser.    Makarios   Magne.-,. 

die  Beschaffenheit  der  Räumlichkeit,  in  der  sie  damals  unter- 
gebracht waren1,  ein  Studium  des  Kodizes  an  Ort  und  Stelle 
wohl  gar  nicht  gestattete,  so  ist  es  doch  das  Nächstliegende, 
anzunehmen,  Turr.  habe  den  Kodex  des  Mak.  durch  Ausleihe2 
und  zwar  durch  Beccadellis  Vermittlung  in  die  Hand  bekommen  . 
Ist  diese  Annahme  richtig,  dann  stüude  fest,  daß  Turr.  zwischen 
dem  28.  März  und  21.  April  1552  das  Apokritikos  -  Ms.  in 
Venedig  studiert  hat. 

Außer  im  Jahre   1552  verweilte  Turrianus  a.    1561  4  und 


1)  A.  1532  -wurden  die  Mss.,  die  Bessarion  der  Stadt  Venedig  ge- 
schenkt hatte,  aus  der  Kammer  der  Aula  novissima  des  Palatium  ducale, 
in  der  sie  seit  einigen  Jahrzehnten  in  Kisten  untergebracht  waren,  entfernt 
und  in  ein  Gemach  der  Markuskirche  geschafft.  Cf.  Jos.  Valentinelli, 
Bibl.  ms.  ad  S.  Marci  Venetiarum.  T.  1.  Yen.  1868,  p.  40—41  und 
C.  Castellani:  ..Pietro  Bembo  bibliotecario  della  libreria  di  S.  Marco  in 
Venezia  (1530 — 1543)"  in  ..  Atti  del  R.  Istituto  Veneto  di  scienze  Ser.  7.  T.  7. 
Ven.  1895/96"  p.  874.  In  der  Markuskirche  blieben  sie,  bis  sie  in  da-  neue, 
vou  Sansovino  errichtete  Bibliotheksgebäude  übergeführt  wurden.  Dies 
geschah  a.  1558  nach  Castellani  1.  1.  p.  873,  a.  1580  nach  dem  Berichte 
in  Le  biblioteche  governative  Italiane  nel  1898  .  .  .  Roma  1900  p.  115. 
A.    1552   waren    also    die    Kodizes  jedenfalls   noch   in    der   Markuskirche. 

2)  Bei  dem  Kod.,  der  die  Historia  Lausiaca  enthält,  war  es  ja  ähnlich. 
Auch  bei  ihm  ist  im  Leihregister  nicht  Turr.  als  Empfänger  genannt  und 
doch  war  es  Turr.,  der  ihn  erhielt  und  für  Lipomanus  untersuchte.  S.  oben 
S.  26  Anm.  1. 

3)  Nachträglich  fand  ich,  dal.)  schon  Jac.  Morelli  das  Gleiche  ver- 
mutete. Im  cod.  ms.  riserv.  71  der  Marciana,  den  ich  1905  in  Venedig 
einsah  —  es  ist  das  Buch  Morellis,  Della  pubblica  libreria  di  S.  Maren 
in  Venezia  dissertazione  storica  1774  mit  weißen  Blättern  durchschossen 
und  auf  diesen  sowie  den  Rändern  der  bedruckten  Blätter  mit  zahlreichen 
Nachträgen  und  Verbesserungen  von  der  Hand  Morellis  ausgestattet  — , 
steht  auf  dem  eingefügten  Blatte  rechts  von  p.  68  die  Notiz:  L'operu  di 
Macario  Magnete  nel  1552  fu  data  in  prestito  a  Lod.  Beccatelli  Nunzio 
Apostolico  in  Venezia,  che  poi  l'ha  restituita.  Registro  Franceschi  ms. 
nella  libreria.  Forse  Timprestanza  servi  per  il  Turriano  —  il  Beccatelli 
fini  di  essere  legato  a  Venezia  addi  4  Luglio  1554. 

4)  Cf.  I/abbaye  de  Rossano.  ( 'ontribution  ä  l'histoire  de  la  Yatieane 
par  P.  Batiffol.  These  .  .  .  Par.  1891  p.  39 sq.:  Des  1561  Franeois  Torres 
ecrivait  ä  Sirleto:  „J'ai  trouve  ä  Venise  une  homelie  de  Sophronius  sur 
s.  Pierre  et  s.  Paul,  Catini  manu  scripta.  11  nie  semble  que  j'en  ai  vu  un 
exemplaire  grec,  et,  si  je  me  souviens  bien,  il  est  porte  au  catalogue  du 
Patir:  regardez-y,  je  vous  prie:  Et  si  bene  mi  ricordo  sta  in  quello  in- 
dice  del  Patir,  guardatelo  di  gratia."  En  d'autres  termes,  des  1561  le 
card.  Sirleto  possedait  par-devers  lui  un  index  des  mss.  du  Patir.  Dazu 
die  Anm.  1):  Franc.  Torres  ä  Sirleto,  17.  oct.  1561  (Vatic.  lat.  618!».  f.  671  . 
Plus  loin  Torres  ajoute:  „Desidero  sapere  se  e  venuto  il  mio  Cirillo 
di  Calabria." 


I,  2.   Tarriaaas  und  der  Apokritikos.  29 

15631  in  Venedig.  Datf  er  auch  a.  1561  und  später,  wenn  er  in 
Venedig1  war,  die  Hs.  des  Mak.  einsah,  möchte  ich  bezweifeln2. 
Turr.  hat  sich  ans  ihr,  so  vermute  ich,  als  er  sie  a.  1552  in 
der  Hand  hatte,  eine  Reihe  von  Stellen,  die  ihm  wichtig  schienen, 
griechisch  exzerpiert-'5  und  diese  Stellen  dann,  wie  andere  aus 
den  vielen  griech.  Hss.,  die  er  kannte,  in  seinen  Schriften  je 
nach  Bedarf  verwertet,  sich  aber  meistens  damit  begnügt,  den 
Text  der  Apokrit. -Zitate  in  lat.  Übersetzung  zu  geben. 

Die  Zahl  der  Schriften,  in  denen  Turr.  den  Mak.  anfährt. 
beträgt  11,  die  der  Zitate  selbst  38.  Stellen  wir  nun  zusammen. 
was  sich  aus  ihnen  bezüglich  des  Mak.  ergibt. 

über  den  cod.  Ven.,  der  das  Werk  des  Mak.  enthielt, 
äul.lert  sich  Turr.  nur  an  3  Stellen  und  an  allen  dreien  sagt 
er  weiter  nichts,  als  daß  die  Schrift  des  Mak.  in  der  biblio- 
theca  Veneta  zu  finden  sei4.  Über  Alter  und  Integrität,  Format 
und  Umfang,  Schreibstoff  und  Titel  der  Hs.,  ihre  Herkunft 
und  etwaio-eu  Eio-entümlichkeiten  —  lauter  Dimie,  über  die 
wir  heutzutage,  wo  der  Yenetus  nicht  mehr  vorhanden  ist. 
gerne  mehr  wüßten  —  erfahren  wir  aus  Turr.  nicht  das  geringste. 


1)  Dies  ergibt  sich  daraas,  daß  di.'  Vorrede  der  a.  lö(>3  in  Ven. 
erschienenen  Schrift  des  Turr.:  De  matrimoniis  clandestinis  explicatio,  mit 
dem  Wiiit'':  Ven.  schließt.  In  der  gleichen  Vorr.  bemerkt  Turr..  daß  er 
zur  Zeit  an  den  Disputationen  der  Theologen  in  Trient  nicht  teilnehmen 
könne,  weil  er  mit  der  Herausgabe  der  Apostolischen  Konstitutionen  be- 
schäftigt sei.  Daß  er  im  Begriffe  stehe,  diese  zu  veröffentlichen,  >;v+\  ei 
auch  in  der  Abhandlung  De  matrim.  clandest.  f8b  selbst:  Apostolioae 
doctrinae,  quam  Clemens  Rom.  literis  mandavil  ei  aos  nunc  in  Lucem 
emittere  paramus.  In  der  Tat  ist  noch  im  •).  L563  in  Ven.  dn>  ein 
schließlich  der  Prolegomena  und  Scholieu  ganz  griechisch  geschriebeni 
Werk  des  Tun-.:  Iiazayal  itöv  ayitov  anoozökwv  erschienen.  Es  läßl 
-ich  denken,  daß  die  Herausgabe  dieses  Werkes  in  Yen.  ihn  nötigte, 
während  der  Drucklegung  dort   anwesend  zu  sein. 

2)  Insbesondere  wegen  des  Lapsus,  dr\-  ihm  bezüglich  des  Tl äthenes 

unterlaufen  ist,  worüber  später. 

3)  Dies  ist  daraus  zu  schließen,  daß  er  dann  und  wann  griech. 
Worte,  zuweilen  auch  Sätze,  ja  einmal  einen  Längeren  Abschnitl  aus  Mak. 
griech.  mitteilt. 

t     Adversu.-,     Magdrluirgruses    Oenturiatores.      Flor.    1572    p.     ivT 
Scripsit    hie   auetor  .  .  .  Libros   quinque   apologeticos    pro    Euangelio,   qui 
usque    in    hodiernum    diem   in    bibliotheca    Veneta    servantur.   —    I' 
Eucharistia.     Romae  1576   p.  L01:   si  hunc  auetorem  .  .  .  Legere  volueris, 
in  bibl.  Veneta   Libros  reperies.  -    Apostolic.   Constitut.  A.ntverpiae  1578 
p.56:  eius  Libri  quinque  in  ¥eneta  bibl.  extant. 


30  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Wenn  seine  Mitteilungen  über  die  Person  des  Autors 
gleichfalls  ganz  dürftige  sind,  so  mag  dies  daran  liegen,  daß 
es  vielleicht  nicht  möglich  war,  aus  der  Hs.  genauere  Auf- 
schlüsse über  den  Vf.  des  Apokr.  zu  erlangen.  Was  zunächst 
den  Namen  betrifft,  den  Turr.  dem  Autor  gibt,  so  ist  hervor- 
zuheben, daß  er  ihn  niemals  Makarius,  sondern  Magnes  oder 
Magnetes  nennt1.  In  einem  Falle  und  zwar  in  seinem  frühesten 
Mak. -Zitate  hat  Turr.  noch  das  Wort  beatus  vor  Magnetes 
gesetzt2.  Wir  sehen  hieraus,  daß  Turr.  wie  andere  vor  ihm 
uud  nach  ihm  das  (ia.xa.Qiov  im  Titel  des  Apokr.  nicht  für 
einen  Eigennamen,  sondern  für  das  Ehrenprädikat  gehalten 
hat,  das  vielen  Kirchenlehrern  und  kirchlichen  Autoren  in  den 
Schriften  anderer  und  in  Kodizes  beigelegt  ist,  und  sind  be- 
rechtigt, aus  der  Art,  wie  Turr.  uuseren  Vf.  bezeichnet,  zu 
schließen,  daß  in  der  Aufschrift  des  cod.  Ven.  vielleicht  nicht 
fiaxaoiov  //ayrtjToc,  sondern  rov  (laxaoiov  (jccyrt/TOj;  stand,  die 
gleiche  Benennung  demnach,  wie  sie  Janos  Laskaris  in  den 
beiden  in  Unteritalien  von  ihm  vorgefundeneu  Kodizes  des  Apokr. 
antraf3.  Da  nun  Turr.  der  erste  war,  der  in  gedruckten 
Büchern  des  Mak.  gedachte,  und  der  einzige,  der  dies  auf 
Grund  der  Kenntnis  und  Lektüre  einer  vollständigen  Apokr.- 
Hs.  tat,  so  ist  die  von  ihm  angewendete  Bezeichnung  unseres 
Autors,  Magnetes  (Magnes),  die  allgemein  übliche  geworden 
und  c.  150  Jahre  lang,  nämlich  bis  zu  der  Zeit  geblieben,  wo 
man  in  Pariser  Hss.  eine  Abhandlung  des  Patriarchen  von 
Koustantinopel,  Nikephoros  L,  über  Mak.  entdeckte4. 


1)  In  den  zwei  Zitaten,  die  Turr.  in  der  Schritt  hex  eye.)  vwv  ayifov 
emoaxö/MV  Ven.  1563  f  174a  und  182a  aus  Mak.  bringt,  bezeichnet  er  ihn 
viermal  mit  dem  Namen  Mäyvrjg.  Magnes  schreibt  er  auch  dreimal 
in  den  Apostol.  Constitut.  Antv.  1578  p.  229  sq.  in  .der  explanatio  zu 
cap.  XII  (p.  82),  die  eine  lat.  Wiedergabe  des  griech.  Scholions  liaxayai 
I.  181  b sqq.  ist.  In  allen  übrigen  Fällen,  und  deren  sind  sehr  viele,  sagt 
Turr.  ausnahmslos  Magnetes. 

2)  Cf.  Antapologeticus  pro  libro  suo  de  resid.  pastorum  [Flor.  1552] 
p.  27:  Audi  quid  beatus  Magnetes  .  .  .  scripserit. 

3)  S.  oben  S.  15.  Auch  in  sämtlichen  alten  Verzeichnissen  der 
Mss.  der  Marciana,  von  denen  noch  die  Rede  sein  wird,  heißt  unser 
Autor,  wenn  er  erwähnt  ist,  nie  Makarios  oder  Makarios  Magnes,  sondern 
immer  nur  Magnes. 

4)  Die  richtige  Erkenntnis,  daß  der  Verf.  des  Apokr.  Makarios  bezw. 
Makarios  Magnes  heiße,  findet  sich  bei  Tillemont,  Bandurius,  Lequien. 
Magn.  Crusius,  Cave  u.  a.     Die  einen  verdanken  sie  dem  Schriftchen  des 


I.  2.   Turrianus  und   der  Apokritikos.  31 

Welche  Stellung  Mak.  inne  hatte,  teilt  uns  Turr.  nicht  mit. 
Er  weiß  in  dieser  Hinsicht  von  Mak.   nichts  anderes  zu  sagen, 

ils  dal.»  er  ein  alter,  bedeutender  Kirchenschriftsteller  sei1  — 
wohl  ein  deutlicher  Hinweis  darauf,  daß  dem  cod.  Yen.  Ge- 
naueres über  die  Stellung  des  Mak.  nicht  zu  entnehmen  war. 
Auch  nicht  über  seinen  Aufenthaltsort.  Denn  darüber,  wo 
Mak.  gelebt  hat,  verlautet  bei  Turr.  nichts. 

Was  die  schriftstellerische  Tätigkeit  des  Mak.  betrifft,  so 
berührt  Turr.  das  zweite  Werk,  das  mau  dem  Mak.  zuschreibt, 
die  Homilien  zur  Genesis,  mit  keiner  Silbe.  Er  zitiert  nur 
eine  Schrift  von   ihm,   den  Apokritikos.     Auffallend   ist,    daß 

Turr.  diese  nie  mit  ihrem  eigentlichen  Titel  li.70zoiTiy.d-  oder 
'ArroxotTt/j'.  oder  einem  dem  ähnlichen,  z.  B.  'AjtoxQlöeiq,,  den 
Jo.  Antiochenus  gebraucht  (s.  oben  S.  10),  bezw.  den  Aus- 
drücken Responsor,  Respousa,  Responsiones  anführt.  Er  be- 
titelt sie'2:  Apologia  oder  Apologiae,  vielfach  mit  dem  Zusätze 
euangelica  oder  pro  euangelio  oder  euangeliorum,  oder  er  sagt 
mit  Rücksicht  auf  die  .">  Teile  des  Werks:  Libri  apologetici 
ohne  die  oder  mit  der  Apposition  „pro  euangelio"  oder  der  Be- 
merkung: quos  adversus  euangelii  calumniatores  .  .  .  scripsit. 
Selbst  in  den  Aiaxayai,  wo  er  den  grieeh.  Ausdruck  ItjToxo/rr/.o- 
hätte  beibehalten  können,  sagt  er:  AI  jcsqi  evayyekiov  djtoXoyiai 
[f.  182  a].  Dieser  Umstand  hat  schon  den  Magn.  Crusius  auf 
die  Meinung  gebracht,  daß  das  Werk  des  Mak.  auch  den  Titel: 
'.Irro/.oyuc  tov  evayysXiov  gehabt  habe8.     Der  gleichen  Ansicht 


Bandurius:  Conspectus  operum  S.  Nicephori,  patr.  Constantiuopol.  Paris. 
170/5  [abgedruckt  in  Fabric.  Bibl.  Gr.  T.  7.  Hamb.  1801,  p.  610sqq.],  die 
anderen  direkt  den  Sammlungen  des  J.  Boivinius  [Näheres  über  diese 
unter  II.:  Die  sog.  Homilien  des  Mak.  Magnes  zur  Genesis]. 

1)  Turr.  nennt  ihn,  wenn  er  ihn  näher  bezeichnet,  auctor  oder 
scriptor  vetus,  vetustus,  pervetustus,  vetustissimus,  antiquissimus,  gravis, 
gravissimus,   excellens,   ecclesiasticus.    Graecus,   naXaiöxaxoq  avyyQ«<pevQ. 

•J)  Wenn  er  sie  näher  bestimmt.  Manchmal  sagt  Turr.  nur:  Magnetes, 
oder:   „Das  Werk,  das   M.  üvgen  Theosth.  schrieb",  oder  Ähnliches. 

3)  Cf.  seine  erste  Dissert.  über  Mak.  Magnes  in  Mignes  PG  X,  Ivol. 
1357  B  und  13(jö(  \  Zur  letzteren  Stelle  ist  zu  bemerken,  dali  Zacharias 
Cretensia  und  Possevinus  für  unsere  Krage  nicht  in  Betracht  kommen. 
Beide  sind  von  Turr.  abhängig.  Inwiefern  das  bei  Zach.  Cret.  der  Kall 
ist,  soll  im  3.  Abschn. :  „Zach.  Skord.  und  der  Apokr.  des  M.  M."  gezeigl 
werden.  Possevinus  hat  über  Mak.  Magnes  nur  zwei  Stellen,  die  eine  in 
seinem  Apparatus  Sacer  T.  II.  Col.  A.gr.  1608  p.  50:  „Magnetes  perve- 
tustus  auctor  ante  mille  et  brocentos  annos    Euangelicae    Apologiae   lil>n>- 


32  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

ist  Pitra1.  Da  indessen  diese  oder  eine  ähnlich  lautende  Be- 
nennung für  den  Apokr.  handschriftlich  nicht  vorkommt2,  da 
auch  Nikephoros  in  seiner  Abhandlung-  nichts  mitteilt,  was 
auf  eine  solche  hindeutet,  da  Turr.  selbst  nirgends  die  Wendung 
'AjcoXoyla  svayysl'iov  oder  ähnliche  als  den  Titel  des  Werks 
hinstellt,  da  der  Zusatz  euangelica  oder  Gleichwertiges  dem 
Turr.  wohl  noch  durch  die  Sonderüberschriften  der  drei  ersten 
Bücher  des  Apokr.  im  cod.  Yen.  dargeboten  war  —  auch  im 
Atheuiensis  heißt  es  in  der  Überschrift  des  III.  Buches:  .  .  .  jcegl 
T(<~>f  ev  EvayyeXicp  C,rjxrj(idt(av  y.ca  Xvösoov  —  und  somit  nur 
die  Bezeichnung  'AjtoZoyia  als  eine  dem  Turr.  für  den  Apokr. 
eigentümliche  übrig  bleibt,  diese  aber  bei  dem  durchaus  apo- 
logetischen Inhalte  der  Mak. -Schrift  eine  sehr  naheliegende 
ist,  so  bedarf  es  der  Annahme  nicht,  dal.)  der  Apokr.  im  cod. 
Veu.  den  Titel  oder  Nebentitel  'AjtoXoyia  vov  EvayytXiov 
gehabt  habe. 

Teile  oder  Bücher  hatte  die  Mak.-Schrift  nach  Turr.  fünf'1. 
Daß  ihrer  gerade  so  viele  waren,  dürfen  wir  dem  Turr.  glauben. 
Er  gibt  bei  den  meisten  seiner  Apokr.-Zitate  auch  das  einzelne 
Buch  [den  koyog]  des  Apokr.  an,  dem  die  angeführte  Stelle 
entstammt.     Diese  Angaben  des  Turr.  erweisen  sich,  soweit  wir 


Graece  scripsit  ad  Theosthenem  adversus  Gentiles  Euangelii  calumniatores." 
Sie  ist  sichtlich  der  „Bibliotheca  instituta  et  collecta  primum  ;i  Conr. 
Gesnero,  deinde  .  .  .  aucta  per  Jus.  Simlerum,  .  .  postreruo  .  .  .  ampli- 
ficata  per  J.  -Tae.  Frisium  Tigurinum.  Tiguri  1583u  p.  559  Art.  Mag] 
und  dieser  Art.  hinwiederum  der  Schrift  des  Turr.:  Dogmatici  eharaeteres 
verbi  dei  ad  Catholicos  Germauiae  adv.  novos  Euangelieos.  Flor.  1561 
f.  154b  und  21b  entnommen.  Die  andere  Stelle,  die  Possev.  über  Mak. 
hat,  findet  sich  in  seinem  Buche  Moscovia,  Vilnae  1586.  capita  f  103  b 
und  lautet:  .'.  testes  sunt  ...  et  Magnetes  antiquissimus  auctor  üb.  3. 
apologiae  pro  euangelio  contra  Theosthenem  euangelia  calumniantem.  Sie 
ist  wörtlich  aus  Tun..  Apostol.  Constitutiones  Antv.  157^  p.  82  Anm.  3 
abgeschrieben. 

1)  Cf.  Spicileg.  Solesm.  T.  I.  Par.  1852  p.  305  sq.  Anm.  4. 

2)  Die  Bezeichnungen,  die  in  den  Ilss.  sich  finden,  sind:  anoxQixixlc, 
[2  mal  im  Ath.,  cf.  p.  4i)  und  155  der  Ausg.  v.  Blondel,  sowie  in  den 
2  Hss.,  die  Janos  Laskaris  in  Unteritalien  sah.  S.  oben  S.  15];  anozQixixol 
Xbyoi  [2  mal,  im  Ath.  vor  der  Inhaltsangabe  des  3.  u.  4.  Buches,  p.  49 
u.  155  der  Ausg.  v.  Bl.]:  anoxQixvxä  [im  Exzerpte  der  Ikonoklasten,  ct. 
Pitra,  Spicil.  Sol.  I.  Par.  1852  p.  305]  und  anoxQiaeiq  [bei  Jo.  Antiochenos 
S.  oben  S.  10]. 

3)  Adversus  Magdeb.  Centur.  Flor.  1572  p.  387:  Scripsit  hie  autor 
.  .  libros  quinque  apologeticos  pro  euangelio. 


1.  2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  33 

sie  kontrollieren  können,  als  richtig1.  Die  Behauptung,  dal.»  der 
Apokr.  5  Bücher  umfaßte,  wird  uns  zudem  durch  eine  Bemerkung 
bestätigt,  die  man  im  cod.  Paris.  Gr.  1630  liest.  Dieser  Kodex, 
einst  im  Besitze  des  Ant.  Eparchos  und  von  ihm  mit  anderen 
griech.  Hss.  dem  Könige  von  Frankreich,  Franz  L,  zum  Ge- 
schenke gemacht2,  gehört  dem  14.  Jahrh.  an3.  F  "205  bis  '" 
findet  sich,  rot  geschrieben,  die  Stelle:  tot  fiaxaQiov  MayDrytoc, 
xiu  ezeqov  ocyyniit/ua  evqiöxetcci  ev  tcevxe  ßißXioig  ömjqijiievov 
too_-  "EAfajvag  .  .  .4,  und  zwar  von  erster  Hand5.  Der  Satz 
steht  über  den  gleichfalls  rot  geschriebenen,  den  Titel  der 
nachfolgenden   Schrift  bildenden   Worten:   Mäyvov   Aifisörjvov 

latQOÖOg.  lüTiir    JZEQl    OVQCDV6. 


1)  Duchesne  [De  Mac.  Magnete  Par.  1877  p.  5  u.  15]  und  Pitra 
[Anal.  Sacra  et  Class.  Par.  Romae  1888  Teil  I.  p.  37]  behaupten  überein- 
stimmend, Turr.  habe  konstant  das  4.  Buch  des  Apokr.  mit  dem  5.  ver- 
wechselt, d.  h.  alles,  was  Turr.  dem  5.  Buche  zuteile,  finde  sich  im  vierten. 
Dueh.  u.  Pitra  irren.  Turr.  bringt  Zitate  aus  dem  4.  u.  5.  Buche  des 
Apokr.  Diejenigen,  die  er  dem  4.  zuweist,  stehen  zum  Teil  in  der  Ausg. 
v.  Blondel,  zum  Teil  nicht,  da  im  Atheniensis  der  Schiuli  des  4.  Buches 
fehlt.  Was  Tun-,  dagegen  aus  dem  5.  Buche  anführt,  steht  nirgends  bei 
Blondel. 

2)  A.  1540.  CT.  Bist,  generale  de  Paris.  Le  cabinet  des  mss.  de  la 
bibliotheque  imperiale  par  L.  Delisle  T.  I.  Par.  1868  p.  I54sqtj.  —  Legraud. 
Bibliographie  Hellenique  [fürs  15.  und  16.  Jahrhund.]  T.  I.  Par.  1885 
p.  ('('XIV  sqq.  —  Bibliotheque  de  l'ecole  des  chartes.  46.  Par.  1885 
p.  611  sqq.  [H.  Omont:  -Lettres  de  G.  Pelicier  ä  Feveque  de  Tülle,  Pierre 
Duchatel,  garde  de  la  Librairie  du  roi  (1540 — 1542\"  p.  611 — 624].  — 
Bibl.  de  L'ecole  des  chartes  53.  Par.  1892  p.  96  [H.  Omont:  „Catalogue 
des  mss.  Grecs  d'Ant.  Eparque",  p.  95 — 110]. 

3)  Vgl.  über  diese  Hs. :  Imperium  Orientale  sive  antiquitates  Cpoli- 
tanae . . .  opera  et  studio  Ans.  Banduri  T.  11.  Par.  1711  p.  875 — 887  [Ausführl. 
[nhaltsverz.  v.  J.  Boivinius].  —  Catalogus  codicum  mss.  bibl.  regiae  T.  II. 
Par.  1740,  p.  37t;  sqq.  —  H.  Omont,  fnvent,  sommaire  II.  Par.  1888  p.  109— 1 12. 

S.  auch   Fabric,  Bibl.  Gr.  T.  XI.  Hamb.  1808,  p.  ')M\  sqq. 

4)  8m  auch  Magn.  Crusius,  cf.  MPGr.  X,  1365  D  sq. 

5  II.  Omonl  hatte  die  Güte,  mir  auf  meine  Anfrage  dies  und  den 
oben  angegebenen  Wortlaul  der  Stelle  zov  .  .  ."EkXrjvag  mitzuteilen  [unter 
dem  20.  März  1905]. 

6  i  <  !f.  .Janus.  Zeitschrift  für  <  resch.  u.  Literatur  der  Medicin,  herausgeg. 
v.  Hensehel.  II.  Bd.  Bresl.  1847  p.  278  [Bussemaker,  über  Magnus  von 
Emesus  usw.  p.  273-  297].  Bussem.  hall  die  Bern,  über  das  ovyyQctfifit 
des  Mak.  Magnes  [roi  fiaxaglov  .  .  .  "EXXtjvas]  für  einen  /.weiten,  über 
dem  richtigen  stehenden  Titel  der  Schrift  des  Magnus  Emesenus.  Das 
ist  sie  nicht.  Jedoch  sieht  man  aus  der  Annahme  Bussemakers,  daß  die 
Notiz  über  Mak.  Magnes  im  Par.  1630  nicht  am  Rande,  sondern  im  Texte 

Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,4  ■"« 


34  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Daß    im   cod.   Yen.  die  5  Bücher    des  Apokr.   vollständig 

waren,  ist  zweifellos,  wenn  es  auch  Turr.  nicht  eigens  hervor- 
hebt. Daß  dem  Kodex  gegen  den  Schluß  des  Werkes  zu 
nichts  fehlte,  ist  damit  erwiesen,  daß  Turr.  aus  dem  Ende  des 
5.  Buches  des  Apokr.  ein  Zitat  mitteilt'.  Daß  er  auch  vorne 
unversehrt  war,  wird  daraus  geschlossen  werden  dürfen,  daß 
Turr.  in  seiner  Schrift  Adv.  Magdeburg.  Ceuturiat.  Flor.  1572 
p.  387  sagt:  „Scripsit  hie  auetor  .  .  .  libros  quinque  apologeticos 
pro  euangelio,  qui  usque  in  hodiernum  diem  in  bibl.  Veneta 
servantur",  und  in  Apost.  Constitut.  Antv.  1578  p.  56:  ..eius 
libri  quinque  in  Veueta  bibliotheca  extant".  Beweisen  diese 
Äußerungen  auch  nicht,  daß  a.  1572  und  1578  die  Hs.  des 
Apokr.  sich  noch  in  der  Marciana  befand,  so  zeigen  sie  doch, 
daß  zu  der  Zeit,  wo  Turr.  den  cod.  Ven.  in  Händen  hatte, 
a.  1552,  dieser  noch  die  vollen  fünf  Bücher  des  Apokr.  in 
sich  schloß. 

Zu  der  Auuahme,  daß  diese  5  Bücher  auch  im  Yen.,  wie 
es  im  Athen,  der  Fall  ist2,  je  mit  einer  besonderen  Überschrift 
versehen  und  dadurch  von  einander  geschieden  waren,  berechtigt 
uns  der  Umstand,  daß  Turr.  fast  bei  jedem  Apokr.-Zitat  angibt, 
dem  wievielten  Buche  es  entstammt,  daß  diese  Angaben,  wie 
schon  bemerkt  wurde,  richtig  sind,  und  daß  Turr.  das  Werk 
des  Mak.  öfters  mit  einem  plural.  Ausdrucke  wie  apologiae 
oder  libri  apologetici  bezeichnet. 

Weniger  verlässig  ist,  was  Turr.  über  die  Zeit  sagt,  zu  der 
Mak.  den  Apokr.  geschrieben  haben  soll.  Sieben  Stellen  finden 
sich  in  seinen  Schriften,  wo  er  sich  nicht  mit  dem  allgemeinen 
.,vetustissimus  auetor"  oder  ähnlichem  begnügt,  sondern  be- 
stimmtere Angaben  machte    Aber  sie  uützen  uns  nichts.    Denn 


steht.  Das  Ursprüngliche  kann  das  nicht  sein.  Anfänglich  muß  sie  nur 
eine  Randnotiz  gewesen  sein.  Daraus,  daß  sie  das  im  Par.  1630  nicht 
mehr  ist.  ist  zu  schließen,  daß  der  Schreiber  des  Kod.  1630  die  Bern, 
über  Mak.  Magnes  nicht  selbst  gemacht,  sondern  daß  er  sie  in  seiner 
Vorlage  schon  vorgefunden  hat,  und  sie  demnach  in  eine  noch  frühere 
Zeit  zurückgeht.  Ich  selbst  konnte  den  Par.  1630  nicht  einsehen,  da  er 
nicht  versendet  wird. 

1)  In  „Dogniaticus  de  justiticatione  ad  Germanos  advers us  Loteranos. 
Romae  1557"  f.  37a:  „aitenim  [sc.  Magnetes]  lib.  quinto  eodemque  extrem"  . .  .* 

2)  Beim    3.    und    4.   Buche,    den    einzigen,    denn     Anfang    im    Arh. 
erhalten   ist. 

3)  Diese  Stellen  sind,  chronologisch  geordnet,  folgende: 


[,  2.   Turrianus  und  der  Apokritikos  ."{ä 

die  Zahlenangaben  weichen  gleich  am  200  Jahre  von  einander 
ab  und  machen  den  Eindruck  größter  Willkür.  Nur  das  eine 
Gesetz  zeigt  sich  in  ihnen,  daß  die  Zahlen  in  absteigender 
Linie  sieh  bewegen  und  mn  so  kleiner  werden,  je  mehr  Turr. 
selbst  an  Jahren  zunahm  [1400  —  1300  —  supra  1200  — 
prope  1200].  Am  ersten  verdient  Beachtung  die  Notiz  im  Ant- 
apologeticus,  weil  das  die  früheste  Schrift  ist,  in  der  er  den 
Mak.  zitiert,  und  die  im  Traktat  De  eucharistia,  weil  er  hier 
seine  Zeitbestimmung  auf  Bemerkungen  des  Apokr.  selbst 
zurückführt.  Turr.  hat  da  wohl  die  beiden  Stellen  (Apokrir. 
ed.  Blondel  p.  160,6  und  163,4)  im  Auge  gehabt,  mit  deren 
Hilfe  schon  von  Nikephoros  (Pitra,  Spicil.  Solesm.  1.  Par.  1852 
p.  307,  33 sqq.)  und  dann  wieder  neuestens  nach  Auffindung  i\<>s 
Athen.  (Duehesne,  De  Mac.  M.  Par.  1*77,  p.  10)  die  Zeit  des 
.Mak.  bestimmt  wurde,  hat  dabei  aber,  wie  manche  unter  den 
Neueren,  übersehen,  daß  uns  beidemale  nicht  Äußerungen  dos 
Mak.,  sondern  des  Gegners,  den  Mak.  bekämpfte,  vorliegen 
und  sich  demnach  aus  ihnen  nur  der  terminus  post  quem,  aber 
nicht  quo  für  die  Abfassung  des  Apokr.  ergibt.  Andere,  noch 
genauere  Daten,  aus  denen  auf  die  Entstehungszeit  des  Apokr. 
geschlossen  werden  konnte,  wird  Turr.  im  Yen.  ebensowenig 
gefunden  haben,  als  Nikephoros  in  seinem  Kodex.  Die  Ver- 
schiedenheit in  den  Zeitangaben  des  Turr.  rührt  wohl  daher, 
daß  ihm  bei  der  Unmasse  dessen,  was  er  handschriftlich  und 
gedruckt  las  und  was  er  schrieb,  wiederholt  ein  Flüchtigkeits- 
versehen   unterlaufen   ist. 


^ntapologeticus.    Flor.  1552  p.  "27:    Audi    quid    beatus    Magnetes 
ante  tempora  Constautini  magni  .  .  .  scripserit. 

li,  Dogmaticus  de  justificatione.  Etomae  1557  F.  37a:  .  .  ante  mille 
400  annos  Magneto  .  .  .  scripsit. 

<•  |)uginatiri  eliaraetere.»  verbi  dei.  Flui'.  l">iil  f.  154b:  .  .  sie  scripsit 
Magnetes  vetustiss.  auctor  ante  mille  CCC  annos. 

d)   lliid.  f.  160a:  Magnetes  ...  ante  mille  ('('<'  annos  scripsit. 

•  ■  Ä.dv.  Magdeburg.  Centuriat.  Flor.  1572  p.  387 :  Scripsit  hie  auctor 
ante  mille  quadringentos  annos  libros  quinque  apologeticos  pro  euangelio 
[Zu  beachten  ist,  daß,  was  Turr.  selbst  hervorhebt,  das  Zitat  p.  387  sq., 
«renn  auch  nur  lat.,  aus  der  Schrift   !><•  justificatione  wiederholl   i-i  . 

i  De  3s.  eucharistia.  Etomae  1576  p,  101:  ...  in  bibl.  Veneta  libros 
reperies  et  in  eis  notatum  tempus  aetatis  huius  scriptoris  supra  mille  et 
ducentos,  si   recte  meraini,  annos. 

\|pd-i.  Constitut.    Antv.  1578  p.95:  Magnetes  auctor  graviss.  ante 
anmiv  prope  mille  ducentos  .  ,  .  inquit. 


3(j  Schalkhausser,  Makarios  Maines. 

Ebenso  erklärt  sich  der  Verstoß,  den  Turr.  in  der  Benen- 
nung des  Hellenen,  gegen  den  Mak.  geschrieben  hat,  machte.  Er 
bezeichnet  nämlich  in  den  meisten  Apokr.-Zitaten  den  Theosthenes 
als  den  Gegner1,  gegen  dessen  Schmähungen  des  Evangeliums 
Mak.  sich  wendete,  und  hat  so  für  mehr  als  1 1/2  Jahrhunderte 
einem  Christenfeinde  zum  Dasein  in  der  theol.  Litteratur  ver- 
holfen,  von  dessen  Existenz  das  christl., Altertum  nichts  gewußt 
hat.  Den  wahren  Sachverhalt  erkannten  erst  J.  Boivinius- 
und  dessen  gelehrte  Freunde.  Unter  ihnen  hat  namentlich 
Magnus  Crusius  in  seiner  Dissert.  v.  1737  (cf.  MPG.  X,  1368sqq.) 
darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  Theosthenes  nicht  der  Hellene 
war,  der  das  Christentum  angriff,  sondern  der  vertraute  Freund 
des  Mak.,  dem  dieser  sein  Werk  widmete3.  Es  ist  indessen 
dem  Crusius  nicht  gelungen,  den  durch  Turr.  eingeführten 
Christengegner  Theosth.  für  immer  aus  der  Welt  zu  schaffen. 
Dieser  figuriert  noch  länger  als  solcher  in  theol.  und  nicht- 
theol.  Werken  der  folg.  Zeit4.  Turr.  hätte  seinen  Irrtum  ver- 
meiden können,  wenn  er  auch  späterhin  die  Exzerpte,  die  er 
sich  aus  dem  cod.  Yen.  gemacht  hatte,  etwas  sorgfältiger  zu 
Kate  gezogen  hätte.  Iu  den  frühesten  Schriften  nämlich,  in 
denen  er  den  Mak.  zitiert,  ist  der  Freund  des  Mak.  noch  nicht 
mit  dessen  Gegner  verwechselt.  Im  Antapologeticus,  Flor.  1552 
heißt  es  p.  27:  Audi  quid  b.  Magnetes  ...  ad  Theosthenem  ad- 
versus  quendam  novi  testameuti  reprehensorem  .  .  scripserit. 
Hier  unterscheidet  also  Turr.  noch  deutlich  zwischen  Theosth., 


1)  Contra  [adversusj  Theosthenem  gentilem,  contra  Theosth.  euans 
cahunniantem:  so  oder  ähnlich  drückt  sich  Turr.  meistens  aus,  wenn  er 
angeben  will,  wem  Mak.  im  Apokr.  entgegengetreten  ist.  Im  prooemium 
[p.  V]  der  Apost.  Constit.  Antv.  1578  sagt  Turr.:  In  scriptum  enim  sacra 
non  licet  ne  unum  quidem  iota  aut  unum  apicem  movere  .  .:  uisi  quis 
Celsus  aut  Porph.  aut  Julianus  aut  Theosthenes  velit  esse. 

-  Aus  der  handschriftlich  in  Pariser  Kodizes  vorliegenden  Abh.  des 
Nikephoros  [hrsgeg.  von  Pitra  im  Spicil.  Sol.  1.     Par.    1852  p.  302 — 33-3]. 

3)  Aus  dem  Ath.  sehen  wir,  daß  der  Apokr.  eine  ausführliche  christl. 
Apologie  war  und  ist,  gekleidet  in  die  Form  eines  au  den  Freund  des 
Mak.,  Theosthenes,  gesendeten  Berichts  über  eine  mehrtägige  Streit- 
unterredung, die  zwischen  Mak.  und  einem  Hellenen  stattfand  und  an  der 
auch  Theosth.  teilnahm.     Apokr.  ed.  Bl.  p.  51   und   157. 

4)  Z.B.  in  Lami,  Del.  erud.  T.  4.  Firn-  1738  p.  XLX  u.  T.  9.  174o. 
p.  XXIX;  Gallandi,  Bibl.  vet.  patr.  III.  Ven.  i  TCT  prol.  p.  XXXIU  sq.  u. 
p.  541  so,.:  Jac.  Morelli.  Della  pubbl.  libreria  di  s  Maren  in  Venezia  diss. 
storica.  Ven.  1774  p.  (17.  u.  a. 


I.  2.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  37 

dem  Empfänger  der  Schrift  des  Mak.,  und  dem  Gegner,  dessen 
christenfeindliche  Angriffe  Mak.  zurückwies.  Vgl.  ferner:  Dog- 
maticus  de  justificatioue.  Romae  1 5 ö 7  f.  5b:  ut  Magnetes  .  . 
ad  Theosth.  scripsit;  f.  37a:  Magnetes  .  .  in  libris  apologeticis, 
quos  adversus  euangelii  calumniatores  ad  Theosth.  scripsit; 
Dogmatici  characteres  verbi  dei.  Flor.  1561  f.  17b:  ut  Ma- 
gnetes .  .  in  apologia  pro  euangelio  ad  Theosth.  notavit;  f.  21b: 
apologiae  Magnetis  .  .  ad  Theosth.  adversus  gentiles  euangelii 
calumniatores1;  De  votis  monasticis.  Romae  15G6  lib.  II  [zu 
beachten,  daß  lib.  II  a.  1561  in  erster  Aufl.  erschienen  ist] 
f.  "2a:  Scribit  Magnetes  .  .  ad  Theosth.  In  den  Aiarayai  r<~ir 
äyicov  <c~rooTo/.<>)>'  Yen.  1563  f.  182a  sagt  Turr. :  eo§  ff >i>~>> 
MdyvTjq  .  .  sv  tcp  tqito)  ßißXicp  tc5v  aeQi  svayysXiov  cutoXo- 
yicöv  jigoq  HsoüihiDi.  Der  Zusammenhang  läßt  uns  darüber 
im  unklaren,  ob  jtgbq  hier  ad  oder  adversus  bedeuten  soll-. 
Dagegen  finden  wir  in  den  Schriften  des  Turr.,  die  nach  1563 
erstmalig  erschienen  sind,  ausnahmslos  das  unzweideutige  contra 
oder  adversus  Theosthenem3.  Übrigens  zeigt  uns  sowohl  der 
Gedächtnisirrtum,  in  den  Turr.  bezüglich  des  Theosth.  in  seinen 
späteren  Schriften  verfallen  ist,  als  auch  die  Art  und  Weise, 
wie  er  in  seinen  früheren  Werken  den  Gegner  des  Mak.  be- 
zeichnet, daß,  was  wir  freilich  schon  aus  der  Abhandlung  des 
Nikephoros  schließen  können4,  auch  in  den  uns  nicht  erhaltenen 
Teilen  des  Apokr.  der  von  Mak.  bekämpfte  Christenfeind  nicht 
näher    bestimmt  war.     Damit    soll    natürlich   nicht  in   Abrede 

1)  Aus  dieser  Stelle  hat  [S.  oben  S.  32]  die  „Bibliotheca  Gesneri  ed. 
Frisius  Tig.  1583"  p.  559  und  daraus  wieder  Possevinus  im  App.  Sacer 
T.  II.  Col.  Agr.  1608  p.  50  das  richtige  ad  Theosthenem.  Den  Wortlaut 
des  Possev.  benutzte  Fabric.  in  Bibl.  Gr.  Lib.  V  1712  p.  -.'76  [=  Ed.  Earl. 
v.  VII  p.  296],  vol. VII  1.  Au,-,  p.  98sq.  [=  Ed.  Earl.  v.  VI,  p.  748]  und 
in  Delectus  argument.  Eamb.  1725  p.  64.  Dagegen  führt  er  in  der  Schrift 
Salutaris  lux  evaugelii.  Eamb.  1731  p.  154  Nr.  11  den  Theosth.  unter  den 
Christetigegnern  auf.  Auf  das  Richtig«'  hätte  den  Fabr.  der  Bericht  des 
Tillemont  über  Mak.,  den  er  im  Delectus  argum.  p.  66s<|i|.  in  extenso 
mitteilt,  bringen  können. 

-  In  der  lat.  Wiedergab'  de-  griech.  Scholions,  dem  das  in  Rede 
stehende  Mak. -Zitat  angehört,  Apost.  Constitut.  Antv.  1578  p.  229  heißt  es 
contra  Theosth. 

3)  Abgesehen  von  De  votis  tnon.  Romae  1566  I.  II..  der  jedoch  nur 
eine  2.  Aufl.  der  a.  1561  veröffentlichten  Schrift:  De  inviolabili  religione 
votorum  monasticorum   ist. 

4)  Insofern  als  sich  Nik.  doch  recht  anbestimmt  über  den  Gegner  des 
Mak.  äußert.     Cf.  Pitra,  Spicil.  Sol.  I.    Par.  L852   p.  309. 


38  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

gestellt  werden,  daß  in  der  Hälfte  der  Mak.-Schrift,  die  zu 
Verlust  gegangen  ist,  manches  gestanden  haben  mag.  was  es 
uns  ermöglicht  hätte,  die  Frage:  Gegen  wen  wendet  sich  Mak. 
im  Apokr.?  leichter  und  sicherer  zu  beantworten,  als  wir  das 
jetzt  können. 

Mit  der  Darlegung  dessen,  was  aus  Turr.  über  die  Person 
und  schriftstellerische  Tätigkeit  des  Mak.  im  allgemeinen  zu 
entnehmen  ist.  sind  wir  nun  fertig.  Unsere  Aufgabe  ist  jetzt, 
alle  Stellen,  die  Turr.  aus  dem  Apokr.  anführt,  vollständig  und 
wörtlich  mitzuteilen1  und  zu  untersuchen,  ob  sich  nicht  aus  ihnen 
Rückschlüsse  auf  den  Text  des  cod.  Yen.  tun  lassen,  und  ob  sie 
nicht  einigen  Gewinn  für  die  Bereicherung  oder  wenigstens  Berich- 
tigung des  uns  gedruckt  vorliegenden  Apokr. -Textes  abwerfen. 
Auch  die  Zitiermethode  des  Turr.  ist  ins  Auge  zu  fassen. 

Aus  dem  1.  Buche  des  Apokr.,  von  dem  wir  nur  die 
wenigen  Zeilen  haben,  die  Nikephoros  daraus  mitteilt  (Pitra, 
"Spie.  Sol.  I.    Par.  1852  p.  332  sq.),  findet  sich  bei  Turr.  nichts. 

Aus  dem  2.  Buche  ist  es  nur  eine  Stelle,  die  er  namhaft 
macht.  In  Adversus  Magdeburg.  Centuriatores,  Flor.  1572 
]».  144  sqq.  verteidigt  T.  den  Papst  Auaklet  gegen  den  Vor- 
wurf der  Centuriatoren,  er  habe  Cephas  unrichtig  mit  caput 
übersetzt.  T.  sagt  dabei  p.  14"):  Cum  enim  tarn  nota  esset 
temporibus  Anacleti  apud  omnes  lingua  Graeca,  quam  est  modo 
Latina,  ac  fortasse  magis,  Syriacam  vero  paucissimi  .  .  intelli- 
gerent,  ita  ut,  cum  audireut  nomen  Cephae,  statim '  omnes  djeo 
xMf<üi}~,  id  est  a  capite  dictum  existimarent,  quid  prudeutius 
facere  potuit  aut  debuit  quam  sie,  propter  facilitatem  intelli- 
geudi,  seeundum  cousuetudinem  vulgi  interpretari  in  ea  epistola, 
quae  ab  omnibus  ubique  legenda  erat?  praesertim  cum  tarn 
necessaria  et  utilis  esset  ista  verbi  Cephae  clarior  interpretatio, 
ut  scilicet  facile  omnes  intelligerent,  caput  esse  Petrum,  sicut 
prae  se  ferebat  ipsa,  quae  seeundum  cousuetudinem  et  opinionem 
vulgi  magis  in  promptu  erat,  verbi  Cephae  interpretatio.  Immo 
accedit  etiam  huc  exemplum  euangelistarum,  quos  aliquando 
non  ex  ipsa  veritate  rei,  sed  ex  vulgi  consuetudine  et  opinione 
nomen  sumpsisse,  auetor  est  Magnetes  vetustissimus  scriptor 
ecclesiasticus  lib.  2.  et  .").,  quos  contra  Theosthenem  gentilem 
discrepantiam  euangelistarum   et  alia  nobis  falso  in  euangelio 

1)  Dabei  glaubte  ich  auch  die  manchmal  etwa-  absonderliche  Inter- 
punktion iles  T.  im  großen  und  ganzen  beibehalten  zu  sollen. 


I.  2.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  3!> 

obiicientem  scripsit:  ait  enini,  Pro  eo,  quod  unus  euangelista 
dixit,  calamo  spongiam  circumponeiites,  dixisse  alium  propter 
eimilitudinem  arbusti,  hyssopo  eircumponentes,  cum  dicendum, 
inquit,  esset  calamo.  item,  quod  unus  Euangelista  dixit,  vinum, 
rursus  dictum  esse  acetum  in  cruce  (ex  eodem  euini  vase 
posito  hauserunt,  cum  perventum  est  ad  Calvarium,  et  in  cruce) 
praesertim,  inquit,  cum  legem  historiae  Euangelistae  servarent 
nihilque  ultra  scriberent,  quam  quod  tuuc  dicebatur  in  illo 
tumnltu  ac  furore.  Sic  enim  existimarunt  füre,  ut  historia 
omni  su>])itioue  careret,  sl  ;//)  jcsQieQyozsQOV  <'./.'/.  ajtXaörov 
evQS&sirj  rrjg  lötogiag  vo  yQcc/ifta,  id  est  si  littera  historiae  nou 
curiosa,  sed  simplex  reperiretur. 

Die  Untersuchung  des  Verhältnisses,  in  welchem  dieses 
Zitat  zu  unserem  griech.  Apokr. -Texte  steht,  verursacht  einige 
Schwierigkeit.  T.  hat  hier  nämlich  zwei  Stellen  zusammen- 
genommen und  teilweise  nur  dem  Sinne  nach  wiedergegeben, 
die  zwei  verschiedenen  Apokr.-Büchern  angehören  und  von 
denen  uns  die  eine,  die  im  5.  Buche,  griech.  gar  nicht  vorliegt. 
Die  andere  steht  im  2.  Buche.  In  diesem  ist  es  der  Abschn. 
A|>.  c.  17,  ]>.  29,3 — 11  und  p.  o!,4 — ö  der  Ausg.  Blondeis1, 
•  It'ii  Turr.  im  Auge  hat-.  Vergleicht  mau  mit  diesem  Ab- 
schnitte  «las  Zitat  des  T.3,  so  ergibt  sich  Folgendes: 

1.  Der  Satz  Pro  eo,  quod  .  .  .  esset  calamo  ist  in  einigen 
Ausdrücken  wörtliche,  im  übrigen  nur  abgekürzte  Wiedergabe 
des  Griechischen  nach  dem  Sinn.     Es  ist  daher  und  weil  hier 

1)  Der  Kürze  wegen  bezeichne  ich  im  Folgenden  die  A.pokritikos- 
ausgabe  von  Blondel  [Par.  187(>]  bloß  mit  Aj>. 

2  \|>.  c.  17.  p.  "28 — 31  soll  die  Widerlegung  des  Einwands  c.  12. 
p.  2<> — 21  sein.  Von  den  Sätzen  aus  der  Leidensgeschichte,  'li'-  der 
Hellene  p.  20 — 21  als  sieh  widersprechend  bezeichnet,  führl  Blak,  in  seiner 
Antwort  nur  zwei  noch  einmal  an,  p.  29, 5  und  6,  aber  in  e.  Wortlaut, 
der  von  dem  unserer  Ew.  und  von  dem  des  Hell.  p.  20,  lOsq.  u.  p.  20,5 
etwas  abweicht.  Der  Text  des  Hell,  wiederum  stimm!  auch  nichl  mit  dem, 
den  die  betreffenden  Stellenin  unseren  Evangelien  haben.  Vgl.  \\>.  p.  "_'<•.."> 
mit  Marc.  15,36  oder  Matth.  27,48  und  A.p.  p.  20,10sq.  mit  Jo.  19,29. 

■  '>  Nichl  ganz  zutreffend  isl  es,  wenn  I'.  dieses  Zital  mit  der  Bern, 
einleitet:  „M.  sei  Gewährsmann  dafür,  daß  die Evgsten  zuweilen  den  Aus- 
druck uicht  entsprechend  der  Sache  selbst,  sondern  gemäß  der  Gewohn- 
heit und  Meinung  des  Volkes  gewähll  hätten."  M n k.  sagt  nur:  l>ie  Evgsten 
Italien  im  Interesse  der  geschichtlichen  Wahrheit  eben  die  Worte  ange 
wendet,  die  damals  bei  dem  von  ihnen  berichteten  Vorgange  wirklieh 
gebrauchl  worden  seien,  auch  wenn  sie  akÄoxora  "der  avaxoXov&a  waren 
[Cf.  MPG.  X,  col.  1379], 


40  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

möglicherweise  die  Stelle  des  5.  Buches  benutzt  ist.  nicht  zu 
entscheiden,  ob  T.  statt  des  jcQogörjöavTeg,  das  Ap.  p.  29, 5 
übereinstimmend  mit  der  Ausdrucksweise  des  Einwände  Ap. 
p.  20,  1  1  steht,  während  es  in  unseren  Evangelientexten  bei 
keinem  der  vier  Evangelisten  sich  findet,  im  Yen.  jcsQid-ivreg 
gelesen  hat  [circumponentes].  Aus  dem  nämlichen  Grunde  ist 
unsicher,  ob  Turr.  bei  dem  Satze  Ap.  p.  29,  6  2jtoyyov  ogovg 
etc.  im  Yen.  hinter  üclrjöavreg  noch  die  Worte  xal  xakayucn 
xsQid-svrsg  vorfand  oder  nicht.  Dafür,  daß  er  sie  vorfand, 
spräche  sein  „calamo  spongiam  circumponentes"  und  der  Um- 
stand, daß  man  andernfalls  nicht  recht  begreift,  wie  Mak.  dazu 
kommt,  in  dem  Begründungssätze  Ap.  p.  29,  6  sqq.  den  xäXatiog 
zu  nennen,  den  er  vorher  noch  gar  nicht  erwähnt  hat.  Dafür, 
daß  sie  fehlten,  läßt  sich  geltend  machen,  daß  im  Einwände 
Ap.  p.  20 sq.  vom  xdXa/iog  keine  Rede  ist,  daß  Mak.  selbst 
p.  29, 4  nur  von  djxöyyog  und  vööcojtog  spricht  und  daß  bei 
der  Hinzufügung  von  xal  xaXdfico  -rtfufltrTtg  das  öjcoyyoq  im 
Begründungssatze  Ap.  p.  29, 6  sqq.  ungereimt  erscheint.  KäXctfioq 
und  vööcojtoc  sind  einander  gleichartig,  aber  der  OJtöyyog  ist 
nicht  gleichartig  dem  xdXafiog  und  vööamog.  Dürften  wir 
Ap.  p.  29,7  die  Worte  xal  6  ojröyyo^  ganz  streichen  und 
p.  29,6  hinter  nXr>6avrsg  einfügen:  xcu  xaläficp  jcsQid-tvrsg,  so 
wäre  die  Ausführung  des  Mak.  weniger  dunkel.  So  aber 
bleibt  nichts  anderes  übrig,  als  zu  konstatieren,  daß  sie 
p.  29,4sqq.  au  einer  gewissen  Unklarheit  leidet  und  .daß  Mak. 
den  Einwand  des  Heiden  nicht  richtig  verstanden  hat.  Diesem 
wird  es  bei  dem  Einwurfe  Ap.  p.  20 — 21  überhaupt  nur  darum 
zu  tun  gewesen  sein,  hervorzuheben,  daß  die  vier  Evangelisten 
über  die  näheren  Umstände  der  Kreuzigung  und  die  Worte, 
die  Jesus  am  Kreuze  sprach,  verschieden  berichten.  Will  mau 
aber  einzelnes  nennen,  so  hat  der  Heide  sicherlich  nicht  darin 
einen  Widerspruch  gesehen,  daß  der  eine  Evgst.  öjioyyog  und 
der  andere  röGojjrog  sagt,  sondern  eher  darin,  daß  es  bei  dem 
einen  öjtoyyog,  bei  dem   anderen   öxsvog   ogovg  (isözov   heißt. 

2.  Der  Satz  „item  .  .  .  acetum  in  cruce"  gibt  die  Stelle  Ap. 
p.  29, 3 sq.  nicht  wörtlich,  sondern  dem  Gedanken  nach,  aber 
richtig  wieder.  Zu  beachten  ist,  daß  sie  im  Ap.  nicht  nach, 
sondern  vor  der  vom  Schwamm  und  Ysop  steht. 

3.  Was  bei  Turr.  eingeklammert  ist:  ex  eodem  .  .  .  cruce, 
findet  sich   im   2.  Buche  des  Apokr.  nicht.     Möglich   ist,   daß 


I,  •_'.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  41 

derartiges  im  5.  stand.  Übrigens  vermißt  man  bei  Mak.  Ap. 
p.  29,4  zum  Satze:  Kav  yovv  bis  öirjfiaQzrjöav  die  Begründung. 
Zum  mindesten  zeigt  sich  auch  hier  wieder,  daß  Mak.  den  Nerv 
des  Einwandes  des  Hell,  nicht  getroffen  hat.  Eine  Differenz 
fand  dieser  gewiß  nicht  zwischen  oivog  und  o§oq  —  sie  wäre 
ja  nur  eine  scheinbare  — ,  sondern  darin,  daß  nach  dem  einen 
Evgsten  Jesus  den  Trank  empfing,  als  er  am  Kreuze  hing,  nach 
dem  anderen  Evgsten  schon,  ehe  er  gekreuzigt  wurde. 

4.  Durch  den  Satz:  praesertim. ..  furorewirdAp.p.29, 10  — 1 1 
ziemlich  wörtlich  wiedergegeben.  Turr.  wreicht  vom  Griech.  nur 
darin  ab,  daß  er  (idktöra  mit  praesertim  übersetzt,  das  Subjekt 
Euangelistae  hinzufügt,  die  zwei  Praesentia  des  Griech.  in 
Praeterita  verwandelt.  C,£ovti  unübersetzt  läßt  und  dafür  illo, 
das  sich  im  Griech.  nicht  findet,  zu  „tumultu"  setzt. 

5.  Was  hierauf  bei  Turr.  unmittelbar  folgt:  Sic  enim  .  .  . 
reperiretur,  kommt  im  Griech.  erst  gegen  den  Schluß  des 
Kap.  [Ap.  p.  31,4  sq.].  Die  Übersetzung  des  T.  ist  wörtlich. 
Nur  läßt  er  v<p  xoöfico  unberücksichtigt  und  hat  er  vor  suspitione 
das  Wort  omni,  das  im  Griech.  nicht  steht.  Die  Stelle,  die  T. 
selbst  griech.  anführt:  si  ;//)  etc.  stimmt  bis  auf  evQefrsiT],  statt 
dessen  der  Ath.  svgsdyj  hat,  mit  Ap.  p.  31,5  überein.  Schon 
hier  zeigt  sich  also  eine,  wenn  auch  geringfügige,  Abweichung 
des  Ath.  vom  Yen.  Das  Bessere  wird  svQed-shj  sein,  da  ei 
vorausgeht. 

Der  erste  Abschn.  aus  dem  3.  Buche  des  Apokr.,  den  Turr. 
verwertet  hat,  ist  Ap.  c.  14,  p.  90 — 93.  Bei  Turr.  fiudet  sich  das 
Zitat  in  der  Schrift:  Dogmatici  characteres  verbi  dei  ad  Catholicos 
GermaniaeadversusnovosEvangelicos.  Flor.  1 56 1  f.  154b—  155a 
und  lautet:  Sed  de  aütsQiyQayia,  id  est,  de  non  circum- 
scriptione  corporis  Christi,  quam  non  potest  intelligere  Cal. 
[=  Calvinus],  quia  non  credit  magisque  ei  placet  secunduni 
elementa  mundi,  quam  secund um  scripturas  in  Christo  [)hilosophari, 
sie  scripsit  Magnetes  vetustiss.  auetor  ante  mille  CCC  anDOS 
libro  111.  Euangelicae  apologiae,  transferam  Latin e  ad  verbum. 
Passurus  paulo  post,  et  impleturus  oeconomiatn  mortis,  necessario 
aiebat,  non  semper  diseipulos  habituros  esse  magistrum,  sicut 
scriptum  est,  me  autem  non  semper  habebitis,  postquam  vero 
mortem  vicit  et  immortalis  factus  est  e  mortali  et,  ut  semel 
dicam,  humanitas  deificata  est,  trjv  aüiEQlyQcupov  avtov  ^ovoiar, 
id  est,   potestatem  siiam  nullis   tenninis  definitam,   ait  fore  in 


42  Schal'khausser,  Makarios  Magnes. 

omni  loco  discipulis  praesentem,  (sie  videtur  mihi  interpretari 
illud  post  resurrectionem,  Data  est  mihi  omnis  potestas  in  coelo 
et  in  terra.)  et  non  concludi,  aut  circumscribi  tempore,  neque 
loco,  neque  corpore,  neque  quantitate,  neque  qualitate,  neque 
colore,  neque  umbra,  neque  praeterito,  neque  futuro,  neque 
praesenti.  Itaque  post  resurrectionem,  neque  locus,  neque 
tempus,  neque  magnitudo,  neque  qualitas.  neque  latitudo,  neque 
longitudo,  neque  profunditas  circumscripsit,  sed  ubique,  sive 
in  Occidente,  sive  in  Oriente  quis  invoeaverit  Christum,  antequam 
invocet  illum.  est  invenire  Christum.  Inseparabile  est  enim 
a  verbo  dei  Organum  corporis.  Sic  latroneni  in  paradisum 
ducit  et  apostolis  usque  ad  consummationem  saeculi  aderit. 
Ante  passionem  vero  verum  fuit  illud,  nie  autem  non  semper 
habebitis.  Haetenus  Magnetes.  Ut  igitur  hie  auetor  excellens 
ilivine  admonuit.  quod  dominus  dixit  discipulis,  cum  adhuc 
mortalis  esset,  Me  autem  non  semper  habebitis,  et  quod  eisdem 
post  resurrectionem  dixit,  Ego  vobiscum  sum  usque  ad  consum- 
mationem saeculi,  et  illud  item  post  resurrectionem,  Data  est 
mihi  omnis  potestas  in  coelo  et  in  terra,  cum  tarnen  idem 
deus  et  dominus  ante  resurrectionem  esset,  sed,  adhuc  homo 
mortalis,  etc. 

Das  Zitat,  das  fast  nur  lat.  ist,  gibt  zu  folgenden  Be- 
merkungen Anlaß : 

1.  Es  beginnt  mit  Ap.   p.  90,  4   ia')jj<>r. 

2.  Statt  yeco  nach  in'A'/.or  hat  T.  nach  passurus  die  Worte 
paulo  post,  die  im  Griech.  nicht  stehen.  Es  braucht  nicht 
angenommen  zu  werden,  «laß  Entsprechendes  im  Yen.  sich 
fand.  T.  wird  paulo  post  selbst  hinzugefügt  haben,  um  eine 
Zeitbestimmung  hereinzubekommen. 

3.  sicut  .  .  .  habebitis  ist  nicht  Bern,  des  Mak.,  sondern 
Zusatz  des  T.  Die  Bibelstelle:  me  autem  non  semper  habebitis 
findet  sich  griech.  am  Anfange  des  Kap.  14.  Ap.  p.  90, lsq. 

4.  postquam  vero  .  .  .  deifieata  est,  Ap.  p.  90,6 — 13. 
T.  bringt  nur  einiges  von  dem,  was  im  Griech.  steht.  Was 
er  bringt,  ist  teils  wörtlich,  teils  weniger  wörtlich,  aber  «lern 
Sinne  nach  richtig  übersetzt. 

5.  trjv  .  .  .  praesenti  nahezu  wörtlich  für  Ap.  p.  90,13 — 16. 
Unberücksichtigt  läßt  T.  xad-6  !h<> q.  Statt  avrov  Ap.  p.  90,14 
hat  er,  was  nichts  besagen  will,  avrov.     Das  Eingeklammerte 


I,  2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  43 

[sie  .  .  .  terra]  sind  seine  eigenen  Worte.  Aut  circumscribi 
steht  nicht  im  Griech.,  sondern  ist  erklärender  Znsatz  des  T.. 
der  das  xeoi  in  jzeoixleisöd-ai  mehr  zn  seinem  Rechte  kommen 
läßt.  Für  rrc.yrTijrt  öcofiaroq  hat  T.  bloß:  corpore;  jcgayfian 
Ap.  p.  90,16  drückt  T.  nicht  eigens  ans. 

<>.  Mit  Itaque  post  etc.  springt  T..  ohne  daß  dies  in  seiner 
Übersetzung  irgendwie  bemerklich  gemacht  ist,  gleich  auf 
Ap.  }>.  93,8sqq.  über.  Itaqne  .  .  .  invoeaverit  Christum  ist  fast 
wörtliche  Wiedergabe  von  Ap.  p.  93,8 — 11.  Unübersetzt  läßt 
T.  ovöelg  tbv  Irjöovv  loyog  p.  93,8,  ov%  vipog  p.  93,9  und 
xav  ev  avrotg  [rotg]  dövroig  p.  93,  10  sq.  Ubique  ist  Zusatz 
des  T.  Die  Worte:  antequam  invocet  illum  lassen  vermuten. 
daß  T.  statt  Ixel  tbv  p.  93,11  gelesen  hat  exeivov.  Möglich, 
daß  sich  T.  verlesen  hat.  Doch  kann  auch  sein,  daß  schon 
der  Yen.  das  unrichtige  exeivov  bot. 

7.  Inseparabile  .  .  .  Organum  corporis,  wörtlich  für  Ap. 
p.  93, 1 1  sq.  Vor  0-eov  Xoyov  übersetzt  T.  unrichtig  mit  „a  verbo 
deik"  statt  mit  „a  deo  verbo".  Den  Satz  aXvrov  bis  jtQayfiätog 
Ap.  p.  93,12sq.  hat  T.  nicht. 

8.  Mit  Sic  ...  aderit  gibt  T.  Ap.  p.  93,13  sqq.  verkürzt 
wieder.  Außer  Betracht  läßt  er  yovv,  dann  xal  vor  tbv 
hßötrjv,  das  zweite  und  dritte  rovroj  t<o  Xöycp  und  Ttör  jitörmv 
ov  yoouiTt:/.  Falsch  übersetzt  er  oii-fr  mit  aderit  und  zieht 
er  fiiyjQi  OvvxeXeiag  zu  tolg  äjioöroXoig.  Saeculi  ist  vervoll- 
ständigender Zusatz  des  T. 

9.  Ante  .  .  .  habebitis  gleich  Ap.  p.  93, 16  sq.  Nur  ver- 
einfacht T.  t))j'j!hvhv  eljimv  in  „verum  fuit  illud"  und  läßt  er 
von  der  Bibelstelle  den  ersten  Teil,  der  für  ihn  nicht  in  Be- 
tracht kommt,  weg. 

10.  In  dem  Satze  Ut  igitur  etc.  weist  T.  noch  einmal 
auf  das  von  ihm  benützte  Mak.-Zitat  zurück  und  gibt  er  mit 
den  Worten:  quod  eisdem  .  .  .  saeculi  eine  Stelle  etwas  verkürz! 
wieder,  die  sich  am  Anfange  des  14.  Kap.  Ap.  p.  90,2 — 3 
findet. 

Die  meisten  Abweichungen  des  T.  vom  Ap.-Texte  sind 
in  unserem  Zitate  offenbar  absichtliche.  In  ein  paar  Fällen 
[avtov  statt  terror  j).  90, 14,  exeivov  statt  ix:i  rar  p.  93,111 
scheint  <'s.  als  ob  die  Lesart  im  Ven.  eine  andere  gewesen 
sei.  Da  bei  ihnen  jedoch  auch  möglich  ist,  daß  ein  Versehen 
des  T.  vorliegt,  so   läßt  sich  über  das  Verhältnis  dos  Ath.   zum 


44  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Ven.  dem  Zitate  nichts  Sicheres  entnehmen.  Zur  Verbesserung 
uuseres  Ap. -Textes  trägt  es  nichts  bei. 

Dem  nämlichen  Kap.  14  des  3.  Buches  des  Apokr.  ent- 
stammt und  gleichfalls  ohne  Ertrag  für  die  Erkenntnis  des 
Ven. -Textes  und  die  Berichtigung  unseres  [des  Ath.]-Textes 
ist  das  Zitat  in:  Apostolicarum  constitutionum  et  catholicae 
doctrinae  Clementis  Romani  11.  8,  Antv.  1578,  p.  218:  Christus 
igitur  secundum  Euangelium  et  apostolicam  doctrinam  latronem 
introduxit  illo  die  in  regnum  suum;  nee  enim  inquit  Magnetes 
lib.  3.  Apologiarum  pro  euangelio  contra  Theosthenem,  audiendi 
sunt,  qui  ita  distinguunt:  Amen  dico  tibi  hodie,  plus  enim, 
inquit,  fuit  claudere  caelum  et  obscurare  mundum,  tum  aperire 
infernum  et  educere  eos,  qui  ibi  erant,  quam  aperire  paradisum, 
et  introducere  latronem.  Die  Benützung  des  Apokr.  beginnt 
mit  nee  enim  =  ov  yaQ  Ap.  p.  91,  3.  Das  Folgende  Ap. 
p.  91,3 — 7  verwendet  T.  nicht.  Audiendi  sunt  steht  nicht  bei 
Mak.,  ist  aber  natürlich  [mit  nee]  seine  Meinung.  Qui  ita 
distinguunt  nicht  wörtlich  so  bei  Mak.  Ap.  p.  91,8,  wo  der 
Satz,  der  viel  mehr  enthält,  als  T.  daraus  anführt,  anders 
geformt  ist.  Amen  dico  tibi  hodie  wörtlich  gleich  Ap.  p.  91,8a. 
Plus  enim  .  .  .  latronem  schließt  sich  im  Griech.  nicht  direkt 
an  den  Satz  Amen  etc.  an,  sondern  kommt  erst  Ap.  p.  91, 24 sqq. 
T.  übersetzt  diese  Stelle  [p.  9 1,24  sqq.]  teilweise  wörtlich,  teil- 
weise gibt  er  nur  den  Sinn  wieder. 

Das  längste  und  bekannteste  Zitat  aus  dem  3.  Buche  des 
Apokr.,  das  sich  bei  Turr.  findet,  ist  die  Stelle  über  die 
Eucharistie  in  Francisci  Turriani  Societ.  Jesu  contra  Andr. 
Volanum  Polonum  Calvini  diseipulum  de  ss.  eucharistia  trac- 
tatus  .  .  Romae  1576 J,  p.  98 — 101:  convertam  hie  e  Uraeco, 
quae  Magnetes  ecclesiasticus  auetor  et  valde  vetus  libro  3. 
apologiarum  adversns  Theosthenem  euaugeliorum  calumniatorem 
scripsit;  dicebat  ergo  iste  idem,  quod  Capharnaitae  illi,  durus 


1)  Von  der  Schrift  des  T. :  De  ss.  eucharistia  gibt  es  drei  Ausgaben: 
Die  florent.  von  1575,  die  römische  von  1576  und  die  Pariser  von  1577. 
Die  römische  ist  eine  von  Turr.  selbst  besorgte,  etwas  veränderte  und 
bedeutend  erweiterte  Neuausgabe  der  florent.  In  der  tlor.  fehlt,  von 
anderem  abgesehen,  alles,  was  in  der  röm.  p.  137 — 347  steht.  Die  Pariser 
ist  ein  unveränderter  und  vollständiger  Nachdruck  der  röm.  Es  ist  daher 
verkehrt,  wenn  Gallandi  meinte,  die  Par.  Ausg.  sei  „minus  emendata"  Mi- 
die Üor.  [cf.  Migne,  PL.  T.  5,  col.  346  sq.]. 


I,  2.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  45 

est  hie  sermo  et  quis  potest  audire  eum?  respondet  Magnetes, 
quod  vero1  noii  sit  hoc  gevov  xtu  (pQixäiöeq,  id  est,  inauditum 
et  horrendum,  considerare  licet  puerura  infantem,  quomodo 
nisi  manducet  carnem  et  sanguinem  matris,  nou  vivit:  natura 
enim  sanguinis  est  seeundum  veritatem  lae.  Ut  autem  clarius 
dicam,  naturale  aliquid  narrabo,  ne  hoc  fabulam  putes;  ex  terra 
nati  sumus  seeundum  corpus  et  quodam  modo  carne  eius  et 
sanguine  alimur,  id  est,  frumento  et  vino.  Audi  nunc  attente. 
prineipio  creavit  rllius  Dei  terram:  ex  terra  hominem  formavit: 
ex  homine  carnem  sumpsit  ipse.  Si  igitur  de  corpore  prae- 
dicatur  terra  ratione  originis  antiquae,  erat  autem  terra  ratione 
creationis  propria  Christi  creatura,  et  ex  hac  panis  et  vinum 
extiterunt,  ex  ipsa  rursus  corpus  hominis,  hoc  autem  corpus 
Christus  induit,  merito  cum  aeeepisset  panem  et  vinum,  dixit. 
hoc  est  corpus  ineum.  Deinde  subjungit,  ov  yccg  xvjcog  öco/iarog 
ovöl  rvjcog  aifiatog  tag  ziveg  BQQatycaörjGav  jtEjtcoQcofievoi  toi- 
vovv,  aXXa  xct  aZrjfreiav  alfia  zai  öwfia  /oiotov,  id  est,  non 
enim  figura  est  corporis  aut  sanguinis,  ut  quid  am  stupida 
mente  nugati  sunt,  sed  potius  vere  corpus  et  sanguis  Christi, 
pergit  adhuc  philosophari,  quando  quidem  vero,  inquit,  corpus 
ox  terra  existit,  ex  terra  autem  panis,  item  et  vinum,  quomodo 
non  est  alius  ausus  dicere,  caro  mea  est  eibus,  sanguis  meus 
est  potus?  nempe,  quia  nullus  est  creator  terrae  nisi  hie; 
nullius  est  creatura  nisi  filii  Dei;  ideirco  dixit,  hoc  est  corpus 
meum:  mea  enim  et  non  alterius  est  creatura  terrae;  omnes 
enim  post  terram  geniti  sunt,  corpus  a  nie  aeeipientes:  ego 
vero  ante  terram,  a  nullo  haue  aeeipiens;  ex  hac  corpus,  id 
est,  ex  mea  creatura  aeeepi,  sumens  carnem.  ex  meo  igitur 
meum  propono  vobis  charisma.  ex  terra  vobis  panis  ad  alen- 
dum  extitit;  terra  vero  creatura  mea  est:  ex  terra  similiter 
extitit  corpus  et  haec  mea  massa.  ex  unione  igitur,  qua  unitus 
sum  sanetus  cum  terreno,  do  panem  et  vinum  iubens  esse 
corpus  meum  et  sanguinem.  Etenim  si  Abraain  aut  alius 
(|iiis])iain  ex  iustis  ac  sanetis  dixisset,  caro  mea  «'st  cil)ii>  el 
sanguis  meus  potus,  valde  mentiri  ausus  esset:  aut  si  dixisset, 
hoc  esi  corpus  meum  et  hie  est  sanguis  meus,   nun  enim  hoc 


1)  Am  Rande  bat  hier  T.  die  Bern.:  Quae  Magnetes  vetus  auetor 
ecclesiasticus  d^vine  scripsil  ad  äuadendani  fidem  mutationis  panis  et  \ini 
in  carnem  el  sanguinem  Christi  in  sacramento. 


|i;  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

ipsius,  sed  alterius  esset  substantia;  neque  manducata  vitam 
raanducantibus  praeberent:  siquidem  quod  non  habet  verbum 
vivens  imituin  cum  corpore,  quod  fnit  terreuum,  ad  aeternam 
vitam  edeutes  uou  adduceret.  Christus  ergo  proprium  corpus 
et  sanguiuem  dedit  credentibus  immisso  eis  vitali  pharmaco 
divinitatis.  Deiude  subiungit,  üqtov  yovv  Xtyoov  xr\v  GccQxa 
xal  olvov  vo  aifia,  sjialöevosv  ijiiü^  svXoytng  Ix  yrjc,  sivcu  t<> 
rxöua,  id  est,  cum  igitur  eam,  quae  caro  est,  vocat  pauem  et 
eum,  qui  sanguis,  vocat  viuum,  docuit  nos  coiivenienter  rationi, 
ex  terra  esse  corpus,  similiter  et  panem;  et  unius  geueris 
substautiam  in  corpore  et  paue.  Caeterum  panis  communis  ex 
terrae  cultura  elaboratus,  etsi  caro  quaedam  terrae  est,  tarnen 
vitam  aeteruam  praebere  11011  promittit,  seil  breve  solatium 
vescentibus  tribuit,  cito  eo  extincto  sine  divino  spiritu:  panis 
vero  in  beata  Christi  terra  virtute  divinitatis  unitae  confectus, 
solo  gustu  immortalitatem  homini  affert.  mysticus  enim  panis, 
cum  benedictionem  patris  habeat  inseparabilem,  illam  dico, 
quae  in  corpore  et  sanguine  eius  facta  est,  unit  comedentem 
corpus  Christi  eumque  membra  Christi  efficit.  Ut  enim  cfaarta 
vim,  quam  per  litteras  magistri  accepit,  discipulo  tradit  et  per 
eam  cum  magistro  illum  unit,  sie  corpus,  quod  ille  panis 
mysticus  est,  et  sanguis,  qui  illud  vinum,  immortalitatem  inte- 
meratae  divinitatis  partieipanti  tribuunt  avro&sv,  id  est,  e  suo 
sive  ex  se  ipsis,  et  per  eam  ad  mansionem  incorruptibilem 
creatoris  redueunt.  Caro  enim  Salvatoris  manducata  non 
corrumpitur:  nee  sanguis  hie  potatus  consumitur.  quin  potius, 
qui  edit,  ad  iucrementuin  viriuni  venit;  qui  vero  editur,  con- 
sumi  non  potest,  quia  omnis  consumpsio  ratione  quadam  naturae 
cognata  est1,     hactenus    hie    auetor;    in    quo   observare   »lebes 

1)  Bis  daher  ist  das  Zitat  mehr  oder  weniger  vollständig  und  richtig 
nachgedruckt  bei:  Th.  ßozius  Eugubinus.  De  signis  ecclesiae  dei.  T.  II. 
Col.  Agr.  1626  p.  71  [1.  Ausg.  Romae  1591].  —  Jod.  Coccius,  Thesauri 
eatholici  T.  IL  Col.  1620  p.  607  sq.  [Ist  aus  Bozius  abgeschrieben].  — 
J.  A.  Fabricius,  Delectus  argumentorum,  Hamb.  1725,  p.  70 sqq.  —  A. 
Gallandius,  Bibl.  veterum  patrum.  T.  III.  Yen.  1767  p.  541  so,.  —  Dom. 
Schräm,  Analysis  operum  ss.  patrum.  T.  VI.  Aug.  Vind.  1784  p.  418sq<|. 
—  Gottfr.  Lumper,  Historia  theol.-critica  de  vita,  scriptis  atque  doctrina 
ss.  patrum.  T.  13.  Aug.  Vind.  1799  p.  241  sqq.  —  Migne,  PL,  T.  5.  Lut. 
Par.  1844  col.  348sqq.  [Schräm,  Lumper  und  MPL,  5  sind  —  in  den  Aus- 
führungen über  Mak.  Magnes  —  in  der  Hauptsache  nichts  anderes  als 
mit  einigen  Fehlern  bereicherte  Abdrück.'  aus  Gallandius]. 


[,  2.   Turrianus  und  Wer  Apokritikos.  47 

Volane  ea,  quae  profana  tua  novitate  verborum,  quam  Apostolus 
vitare  iubet,  eludere  nullo  iam  modo  poteris1;  primum,  quod 
cos  de  coecitate  mentis  accusat,  qui  in  hoc  sacramento  panem 
dicunt  figuram  corporis  Christi,  et  vinum  sanguinis;  deinde, 
qiiare  dominus  carnem  suam  voeaverit  panem:  praeterea  quod 
Christus  proprium  corpus  unitum  cum  divinitate  dedit  creden- 
tibus  ad  comedendum,  .  .  ;  quod  si  veritas  corporis  Christi  in 
sacramento  tota,  ut  vos  traditis,  posita  est  in  exhibitione  cor- 
poris Christi  in  manducatione  spirituali  per  solam  fidem,  quo- 
modo  nusquam  hie  auetor  in  bis,  quae  hie  translata  et  recitata 
sunt,  fidei  meminit.  nisi  in  hoc  loco  tan  tum,  cum  dicit,  dedisse 
corpus  suum  credentibus,  quod  de  omnibus  sacramentis  diceudum 
est?  Ad  haec,  illud  praeeipue  iuter  caetera  observandum  tibi 
est,  quod  ait  hie  auetor,  panem  illum  mysticum,  qui  aeeepit 
benedictionem  patris  inseparabilem,  quae  facta  est  in  corpore 
et  sanguine,  et  vinum  illud  mysticum,  id  est,  corpus  et  sau- 
guinem  Christi  immortalitatem  divinitatis  tribuere  avrod-sv  id  est, 
ex  se  ipsis  comedenti,  contra  atque  vos  docetis,  non  facere  hoc 
ex  se  ipsis,  sed  ex  adiunetione  ad  Signum  externum  et  ex- 
hibitione corporis  Christi  absentis  per  fidem  solam.  si  hunc 
auetorem  et  ea,  quae  hie  a  nobis  e  Graeco  conversa  sunt, 
legere  volueris,  in  bibliotheca  Yeneta  libros  reperies,  et  in  eis 
notatum  tempus  aetatis  huius  scriptoris  supra  mille  et  ducentos, 
si  recte  memini,  annos. 

Genommen  ist  «las  Zitat  aus  dem  "23.  Kap.  des  3.  Buches, 
Ap.p.  103 — 107.  Es  entspricht  den  Stellen:  Ap.  p.  103, 10, 12 sqq., 
23sq. ;   105,18 — 107,9.     Im  einzelnen  sei  bemerkt: 

1.  durus  .  .  .  audire  eum?  ist  ein  Bibelwort,  das  im  Ein- 
wände des  Hellenen  Ap.  p.  94 sq.  nicht  vorkommt.  T.  benützt 
es,  um  mit  ihm  im  allgemeinen  den  Inhalt  des  gegnerischen 
Einwurfs  wiederzugeben. 

2.  non  .  .  Sfcvov  xai  (pQCXtndtc.  Ap.  p.  103,10  heißt  es: 
ov  S-tvov  ovöl  cpQcxcödeg.  T.  hat  ovöl  in  xai  verwandelt,  da 
er  vorher  non,   nicht  ov  hat. 

3.  eonsiderare  .  .  .  non  vivit:  Ap.  p.  103,12 — 14a.  T.  über- 
setzt teils  wörtlich,  teils  frei  und  läßt  einiges  weg.  Ap.  p.  103, 
Mb  — 23a  hat  T.  nicht. 


1)  Am    Rande   bat   Tun*.:    Quae   .-.int    praeeipue    observanda    conti'» 
1  alvinianos  in  ii-.  quae  ex   Magnete  bactenua  recitata  sunt. 


48  Sehälkhausser,  Makarios  Magnes. 

4.  natura  .  .  .  lac  ist  fast  wörtliche  Wiedergabe  von  Ap. 
p.  103,23.    Ap.  p.  103,24—105,18  ist  von  T.  nicht  benützt. 

5.  Ut  autem  .  .  .  putes,  teils  wörtliche,  teils  freie  und 
verkürzte  Verwertung  von  Ap.  p.  105,18b — 20.  Ne  hoc  fabulam 
putes  steht  im  Grriech.  nicht.  Das  Sätzchen  wird  den  Gedanken 
von  ti  .  .  .  oirjöiv  p.  105,20  wiedergeben  sollen.  Ap.  p.  105. 
20 — 21    [uclhjö/j   .  .  .   (fcit'ri-]  hat  T.  nicht  verwendet. 

6.  ex  terra  .  .  .  alimur,  wörtliche  Übersetzung  von  Ap. 
p.  105,21b — 23a.  Jedoch  läßt  T.  einiges  weg.  Aus  Ap. 
p.  105,23b — 27  [öaQg  ....  öidyovteg]  benützt  T.  nichts  als 
das  aixov  /.VA  olvov  p.  105,26. 

7.  Audi  nunc  attente  kurz  und  frei  für  Ap.  p.  105,27  —  28 
[X(>fjooi'  .  .  .  öidvotav'].  Ti  ovv;  Ap.  p.  105,  28  steht  bei 
T.   nicht. 

8.  principio  .  .  .  corpus  raeum  =  Ap.  p.  105,28  — 106,  1. 
Die  Übertragung  ist  fast  ganz  wörtlich  und  nahezu  vollständig. 
Vom  Originale  weicht  T.  nur  darin  ab,  daß  er  fiovoyEvrjq  vibg 
105,29  mit  filius  dei,  Gcöfia  Xaßeov  evrjjfd-Q(6jtt]6ev  105,30  mit 
carnem  sumpsit  ipse,  vxaQxovöa  105,32  mit  erat,  cT  105,32 
mit  et,  öl  105,32  mit  rursus,  jcoz^qlov  106,1  mit  vinum  über- 
setzt und  daß  er  Xaßcov  105, 29,  »error  jtoirjfia  öixaicog  1 1  >5-  31  sq., 
yxCi  To  ciiir.  i/nr  106,1  [so  auch  in  Apost.  constitut.  Ant.  1578 
p.  217;  dagegen  vgl.  De  ss.  eucharistia  p.  340]  wegläßt.  Ap. 
p.  105,32  muss  es  statt  ägn  agzog  heißen.    T.  hat  richtig  panis. 

9.  ov  yao  bis  xqiötov1  stimmt  überein  mit  Ap.  p.  106,  2 — 3. 
nur  daß  T.  y.ar  dlij&Eiav  statt  xcti)  dhqd-Etav  hat  und  eine. 
vor  ödifia  nennt.  Die  Umstellung  ist  eine  Ungenauigkeit  des 
T.,  wie  seine  lat.  Übersetzung  hier  und  seine  Verwendung  der 
Stelle  in  /tiatayal  tcöv  ayieov  cljcoötÖXgov  Ven.  1563  f.  174a 
beweist  (s.  unten  S.  51). 

10.  quandoquidem  .  .  .  potus?,  beinahe  wörtliche  Wieder- 
gabe von  Ap.  p.  106,3 — 5.  Vero,  existit  und  das  zweimalige 
est  des  Bibelspruches  fehlen  im  Griecli. ;  xal  vor  rö  aifia  läßt 
T.  unberücksichtigt.  Insbesondere  aber  ist  zu  bemerken,  daß 
er  Irrtidt)  .  .  6  oivog  p.  106,3  sq.  nicht  als  Nachsatz  zum  Vorher- 
gehenden, sondern  als  Vordersatz  zum  Folgenden  zieht  und 
p.  106,4b  übersetzt,  als  ob  jtcog  ovx  aXXog  dastünde.     T.  hat 


1)  Cf.  Jo.  Damaskenos,    De    fide   orthodoxa   l.  IV.   c.   L3:    Ovx   toxi 
rvjioq  etc.  [PG.  94,   1148  sq.J. 


I.  :.'.   Turrianus  and  der  Apokritikos.  4!* 

vermutlich  im  Yen.  so  gelesen.     Besser  ist  die  Lesart  unserer 
Ausg.:  rr(~j~  ovv  xaZZoq. 

11.  uempe  .  .  .  tilii  dei  =  Ap.  p.  106,5—7.  T.  läßt  hier 
mehrere  Worte  unübersetzt;  nisi  hie  ist  eigener  Zusatz  von 
ihm:  ävspaivsTo  schwächt  er  zu  ..est"  ab:  das  übrige  ist  wört- 
lich  übertragen. 

12.  idcirco  ...  et  sanguinem  =  Ap.  p.  100,7 — lö.  Die 
Wiedergabe  i-t  last  wörtlich.  Die  Abweichungen  vom  Kriech, 
sind  unbedeutend.  Sie  bestehen  darin,  daß  T.  einige  wenige 
Worte,  darunter  GtpQayLöag  Ap.  p.  106,  14  gar  nicht,  einige  andere 
nicht  ganz  wörtlich  übersetzt.  Erwähnenswert  ist  bloß,  daß 
er  Ap.  p.  106,7  sq.,  wo  wir  nur  lesen:  Torrn  fiov,  übersetzt: 
hoc  est  corpus  meum.  Ebenso  hat  er  De  ss.  eucharistia 
p.  158.  Im  Veu.  stand  also  wohl  zovto  kort  tq  öcöfid  (iov, 
eine  Lesart,  die  mir  richtiger  zu  sein  scheint  als  das  tovro 
fiov  des  Ath. 

13.  Etenim  .  .  .  substantia  =  Ap.  p.  106,  16 — 20.  Ac  sanctis 
ist  Zusatz  des  T.  Ap.  p.  10(5,17 — 1!»  [coq  .  .  .  tr/j-o:  i<:-\  läßt 
er  weg.  Kai  Zeycov  übersetzt  er  um  deswillen  mit:  aut  si 
dixisset.  Ap.  p.  106, "20  gibt  T.  mit  „non  enim  hoc  ipsius,  sed 
alterius  esset  substantia""  wieder.  Er  hat  offenbar  nicht  <:/./.' 
ov,  sondern  dZZ3  aZZov,  das  den  Vorzug  verdient,  gelesen. 
Im  übrigen  schließt  sich  T.  eni>-  an  das  Original  an. 

1-1.  neque  manducata  .  .  .  divinitatis  =  Ap.  p.  106,20—24. 
Im  ersten  und  letzten  Satze  dieses  Abschnitts  stimmt  die  Über- 
setzung des  T.  mit  unserem  Texte  vollkommen  überein,  in  den 
zwei  mittleren  jedoch  [ejtel  bis  eöd-lovtag]  weicht  sie  teilweise 
von  ihm  so  ab,  dal.')  angenommen  werden  muß,  T.  habe  hier 
einen  von  dem  unsrigen  etwas  verschiedenen  Text  vor  sich 
gehabt. 

1,").  dqxov  yovv  .  .  .  odüfia  lautet  genau  wie  Apokr. 
I».  106,24  sM. 

Iß.  similiter  et  .  .  .  Christi  efficit  =  Ap.  p.  106,25  •>•'•. 
Die  Übertragung  geht  meist  mit  dem  griech.  Texte.  Ab- 
weichungen, auf  die  kein  Gewicht  zu  legen  ist.  sind,  daß  T.  ;■/.<':- 
t;ui:  Ap.  p.  106,26  mit  ..in  corpore  et  pane"  umschreibt,  xexrf- 
nlh'.i  nicht  eigens  ausdrucke  u.  a.  In  einigen  anderen  Fällen  ist 
vorauszusetzen,  «laß  der  Yen.  nicht  die  Lesart  des  Ath.  bot:  statt 
Tjrco/Itvoc,  Ap.  p.  10t;,:;<>  wird  jener  ^rot/ü-or  gehabt  halien.  da 
'i.  i  nlersnchungen  etc.  31,4  I 


50  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

T.  panis  . .  virtute  divinitatis  imitae  confectus  übersetzt1 ;  statt  tov 
ocotF/üol:  Ap.  p.  106,31  fand  T.  in  ihm  tov  jicitooc  vor.  Denn 
er  sagt:  cum  benedictionem  patris  habeat  inseparabilem  und 
wiederholt  diesen  Ausdruck  gegen  Ende  unseres  Zitats  [S.  oben 
S.  47].  Für  to>  öco/iari  106,  33  scheint  im  Ven.  ro  Ocöfia 
gestanden  zu  haben,  da  T.  unit  comedentem  corpus  Christi  hat. 

17.  Ut  ...  coguata  est  ist  nahezu  wörtliche  Wiedergabe 
von  Ap.  p.  107,  l — 9.  Die  Änderungen,  die  T.  vorgenommen 
hat,  sind  unbedeutend.  Unübersetzt  läßt  er  Tvyyävn  107,3, 
üjtäöavTa  107,4,  avtiji'  107,5,  d-sicov  107,7,  xcu  u/cjoiötov 
107,9.  Erklärende  Zusätze,  die  von  ihm  stammen,  sind:  ille 
mysticus  zu  6  agroq  107,3,  illud  zu  olvog  107,4,  potius  zu 
all'  107,7.  Nicht  gauz  wörtlich  und  genau  überträgt  er 
dräfiL  övvdjttovöa  107,2  sq.  mit  unit,  yovv  107,6  mit  enim, 
ro  107,8  mit  qui,  trjg  adajrar/jTov  (pvöscag  övyysvhg  vrrdoyhi 
mit  omnis  consumpsio  naturae  cognata  est.  Im  letzteren  Falle 
wäre  möglich,  daß  T.  im  Ven.  rräoa  öajtävrj  Tfj~  (pvöecag  statt 
Trjg  äöajtavrjTOv  tpvöscog  gelesen  hat. 

Das  Ergebnis  der  Untersuchung  unseres  Zitats  können 
wir  in  die  Sätze  zusammenfassen:  Was  T.  aus  dem  *23.  Kap. 
des  3.  Buches  des  Apokr.  verwendet  hat,  hat  er  größtenteils 
wörtlich  übersetzt.  Einzelnes  hat  er  dem  Sinne  nach  über- 
tragen. Die  Abweichungen,  die  vorkommen,  sind  meistens  als 
absichtliche  und  belanglose  anzusehen.  In  mehreren  F'ällen 
jedoch  ist  es  wahrscheinlich  bzw.  möglich,  daß  die  Vorlage 
des  T.  einen  anderen  Text  hatte  als  der  ist,  den  wir  in  der 
Ausg.  v.  ßlondel  finden.  In  dreien  verdient  der  Text  des  Ven. 
den  Vorzug,  nämlich  Ap.  p.  105,32,  wo  er  aarog  statt  äpzi, 
106,7  sq.,  wo  er  tovto  töri  to  dcofid  (tov  statt  tovto  (iov  und 
106,20  wo  er  d)Jj  aXXov  statt  dl)!  ov  bot. 

Der  Vollständigkeit  wegen  seien  auch  die  anderen  Stellen 
der  Schrift  De  ss.  eucharistia  mitgeteilt,  in  denen  T.  den  Mak. 
anführt.  P.  91:  .  .  .  ut  admoneremur  ad  facilius  credeudum 
hoc  mysterium,  ex  pane  creatura  sua,  quo  Christus  corpus 
suum  more  nostro  alebat,  et  in  eum  convertebat,  dedisse  nobis 
corpus  suum  in  hoc  sacramento,  ut  paulo  post  explanatius 
auctore  Magnete  diceudum  est.  P.  94  in  der  Überschrift  des 
17.   Kap.:    et    locus    diviuus    Magnetis    ecclesiastici    et    vetusti 

1)  Daß  er  divinitatis  sagt,  wo  wir  Tir^v/narog  ayiov  lesen,  mag  aut 
seine  Rechnung  gesetzt  werden. 


I,  2.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  51 

auctoris  de  S.  Eueharistia.  P.  102 :  haec  hactenus  Greg.  Nyss. 
.  .  .  quae  tarn  similia  sunt  iis,  quae  Magnetes  philosophatus 
est,  ut  uesciam  uter  alterum  imitatus  sit.  Sane  quidem  uterque 
imitatus  est  Irinaeum;  immo  et  Dominum  etc.  P.  158:  Cur 
vero  imposuerit  uomen  pauis  carni  suae  in  sacramento  do- 
minus, causam  attulit  Magnetes  auctor  Ecclesiasticus  vetustissimus 
cuius  antea  memini;  ut  admoueret,  inquit,  nos,  ex  terra  esse 
corpus  item  et  panem;  et  unius  generis  substantiam  esse  cor- 
poris et  panis:  quare  cuius  creatura  esset  terra,  eum  et  non 
alium  posse  vere  dicere  sumpto  in  manus  pane,  Hoc  est  corpus 
raeura.  Dazu  am  Rande:  Quare  domiuus  carnem  suani  in 
sacramento  panem  vocat,  tres  potissimum  gravissimas  causas 
esse  alteram  a  Magnete,  alteram  a  Tertulliano  notatam,  et 
tertiam  a  nobis.  P.  "203 :  in  carue  et  pane  unius  generis  sub- 
stantia  est,  ut  Magnetes  Graecus  et  gravis  auctor  in  iis  dixit, 
quae  in  primo  tractatu  de  hoc  sacramento  divine  ab  eo  tractata 
recitavi.  P.  339 sq.:  ipse  [sc.  Christus]  enim,  ut  Magnetes  vetus 
auctor  iu  superiore  tractatu  aiebat,  nisi  pauis  creatura  sua  esset, 
immo  et  terra  ipsa,  unde  primuui  panis  extitit,  numquam  vere 
dicere  potuisset,  sumpto  in  manus  pane,  Hoc  est  corpus  meum, 
et  sumpto  calice,  Hie  est  sanguis  meus.  —  Näher  auf  diese 
Stellen  einzugehen,  ist  nicht  nötig,  da  sie  alle  nur  auf  das 
oben  behandelte  große  Zitat  über  die  Eucharistie  oder  Teile 
desselben  Bezug  nehmen. 

Der  erste  der  beiden  Sätze,  die  Turr.  in  diesem  Zitate 
griechisch  anführt  [S.  oben  S.  45],  findet  sich  schon  in  einem 
früheren  Werke  von  ihm,  iu  den  Aia.Ta.yai  xmv  ayUav  axoGtoXcov 
Ven.  1 563  f  174a  und  heißt  da:  /}  evxaQiOtia  ovx  sözt  ri-rro- 
ror  owfiarog  xal  tov  aY/iaroq,  ojceq,  a>g  o  Mdyvrjg  Xiys't,  tivsq 
£$Qaipa>drj6av  jcsjcoQcofidvot  [soll  heißen  jcsjecogco/ievoi]  tov  vovv, 
fiäXXov  <Vt  öcöfia  xal  ati/a1-  Man  sieht,  daß  hier  T.  vom 
ursprünglichen  Wortlaute  mehr  abweicht  als  in  dem  Buche 
De  ss.  eueharistia,  Komae  157(1  p.  98.  Aber  gerade  jene  un- 
genaue   Fassung    hat.    durch    Spätere    noch    etwas    ungenauer 


1)  Wenn  Pitra  in  Anal.  Sacra  et  ('la-sioa.  Par.  luunae  1888  P.  I. 
|i.  '.il  schreibt;  I.  hazayai  etc.  I'.  174.  Magnetis.  Ovx  i'<ut  rimog  .  .  . 
ovalem  ).!>•/(■>.  so  ist  mit  ovaiag  /.<>•/<■>  da-  Ende  des  Mak. -Zitates  ganz  un- 
richtig bezeichnet.  Es  _r«'lit  nur  Ins  al/xa.  Dann  folgen  mehrere  Zeilen 
mit  eigenen  Worten  des  Tun.  Bernach  kommt  eine  Stelle  aus  Theodot 
von  Antiochia,  von  der  ein   Satz   niii   ovolaq  kbyco  schließt. 

4* 


52  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

gemacht1,  in  mehrere  theol.  Werke  der  Folgezeit  Eingang  ge- 
funden2. Richtiger  und  in  voller  Übereinstimmung  mit  De  ss. 
eucharistia  ]).  98  gibt  T.  den  Wortlaut  der  Stelle  in  der  Schrift: 
Apostol.  Constitutiones,  Antv.  1 578 3  p.  217  wieder.  Hier  lesen 
wir:  limatius  itaque  non  de  antitypo,  sed  de  typo  admonnit 
Magnetes  vetustissimus  auctor  libro  3.  Apologiarum  pro  euan- 
gelio  contra  Theosthenem  calumniatorem.  Ipse  (inquit)  dixit, 
Hoc  est  corpus  meum,  ov  yag  tvjcoq  omfiaroq  <>r<Vi  tvjtoc 
aiftazög,  coc  tiveg  eQQaty(6drjGav  jiejrcOQcofiivoi  toi-  rovv,  aXXa 
xar  (l'/.i/il'.K'.r  alfia  xccl  öcöfiü  xqiötov,  id  est,  non  enim  est 
typus  corporis  aut  sanguinis,  ut  quid  am  obcaecata  mente  nugati 
sunt,  sed  re  vera  sanguis  et  corpus  Christi.  Die  lat.  Über- 
setzung des  griechischen  Zitats  ist  von  der  in  De  ss.  eucha- 
ristia ]).  98  unabhängig. 

Dem  41.  Kap.  des  3.  Buches  des  Apokr.  ist  das  Zitat  in  der 
Schrift  des  Tun*. :  Dogmatici  characteres  verbi  dei,  Flor.  1561  f. 
*J lb  und  22a  entnommen.  Es  lautet:  Totuni  hunc  locum  et 
ipsius  Apostoli  meutern  ac  propositum,  ne  sine  auctore  loquar, 
intelligere  licet  ex  tertio  libro  apologiae  Magnetis  antiquiss.  et 
srraviss.  auctoris  ad  Theosthenem  adversus  (ientiles  euangelii 
calumniatores.  Interpretabor  latine,  cum  (inquit)  non  erat  lex, 
qua  discernerentur  facta,  et  quae  transgressores  argueret,  cum, 
inquam,  non  erat  lex,  quae  vitam  moderaretur  et  gubernaret 
et  quae  cogeret  evraxTSlv,  id  est,  composite  vivere,  multi, 
depravata  lege  naturali,  efficiebantur  ministri  vitiorum,  multi, 
inquam,  spreta  illa  ratione  virtutis  omnibus  a  natura  insita, 
quodcunque  scelus  libebat,  committebant,  cum  haec  ita  essent, 

1;  Während  z.  B.  T.  in  Übereinstimmung  mit  Ap.  p.  106,2  an  den 
drei  Stellen,  wo  er  unseren  Satz  mitteilt,  noch  neito)Q(Ofievoi  hat.  schreiben 
die  Späteren  fast  alle  neKriQO)fi8VOi.  Selbst  in  einige  Hss.  <U'^  Zacharias 
I  Iretensis  [cf.  Absehn.  1.  3  der  vorliegenden  Abhandlung]  ist  dieses  tistiijqw- 
fisvoi  eingedrungen. 

2)  Sie  hier  alle  namhaft  zu  machen,  dürfte  sieh   nicht    verlohnen. 

3)  Turr.  hat  die  Apostol.  Konstitutionen  griech.  1563  im  Buche  liazayal 
t.  ay.  aTtoarolmv,  lat.  1578  in  der  Schrift:  Apost.  Constitutiones  heraus- 
gegeben. Das  spätere  Werk  ist,  vom  Texte  der  Konstitutionen  selbst  ab- 
gesehen, durchaus  nicht  bloß  eine  lat.  Wiederholung  des  früheren,  sondern 
in  den  Prolegomenen,  Noten  und  explanationes  eher  eine  Ergänzung 
desselben.  Manches  ist  in  der  lat.  Ausg.  aus  der  griech.  einfach  herüber- 
genommen, manches  an  anderer  Stelle  oder  mit  anderen  Worten  g< 
-ehr  vieles  bemorkl.  was  in  der  griech.  fehlt,  aber  auch  einiges  nicht 
erwähnt,   was  in  der  griech.  in  den  Prolegomenen  oder  Schoben  sich  findet. 


I.  _.    Turrianus  und  der  Apokritikos.  .">.} 

venit  lex  inquisitrix  et  accusatrix  ac  magistra  acerbaque  iiicn- 
patrix,  quae  peccatum  quidem  commissum  non  purgabat  aut 
excusabat,  seil  potius  exaggerabat  et  onerosnm  faciebat,  distrin 
gendo  gladiura  sapplicii  adversus  eum  necjue  tribuebat  mi- 
serieordiam  deprehensre.  Xon  enim  lex  domina  erat.  sed 
dispensatrix  ac  voluntatis  dei  ininistra.  Ita  factum  est,  ut, 
cum  venisset  lex,  abundaret,  ut  Apost.  ait,  jta^aütxca^a,  id  est, 
cadaver,  quia  nun  permittebat  vivere  post  peccatum  enin.  qui 
peccarat,  sed  potius  sine  ulla  miseratione  puniebat  atque  ita 
accidebat,  ut  esset  peccatum  Stimulus  mortis  sive  mortiferuni, 
ita  ut  non  viveret  homo.  Accepit  a utein  haue  vim  per  Legem, 
quae  prohibebat  peccar3,  et  peccantem  ibi  statim  puniebat, 
sine  lege  äutem  nihil  poterat.  Dt  enim  Stimulus,  sive  aculeus 
oeeidere  quidem  potest  eum.  quem  feriat.  nihil  tarnen  potest 
efficere  sine  eo,  qui  eum  tenet.  sie  peccatum  Stimulus  mortis 
erat,  nihil  tarnen  poterat,  cum  nondum  lex  peccatum  poena 
sancitum  tenebat.  ac  demonstrabat,  quod  quidem  Aposto.  signi- 
fieavit.  cum  dixit,  virtutem  peccati  legem  esse.  Deinde  subiungit 
idem  .Magnetes,  ut  ergo  peccati  uocumentum  vitemus,  et  metum 
legis,  quae  peecato  ad  interticiendum  vim  praebet,  declinemus, 
consulit  Aposto.,  ut  non  ad  legem,  sed  ad  dominum  legis 
confugiamus.  hactenus  Magnetes. 

Cum  non  erat  .  .  .  argueret  entspricht  Ap.  ]»■  141,  S — -9; 
cum  non  erat  [das  zweite]  .  .  .  committebant  Ap.  p.  141, 18 — -*2'2; 
cum  haec  .  .  .  statim  puniebat  Ap.  p.  142,17 — 2!>:  sine  lege 
.  .  .  confugiamus  Ap.  p.  142,31  — 143,4.  In  der  ganzen  Stelle 
treffen  wir  die  charakteristischen  Merkmale  Turrianischer 
Zitierungsweise  an.  Vieles  überträgt  T.  wörtlich,  einiges  freier, 
so  ii it  öiayivcöoxovrog  rar  vofiov  Ap.  p.  141.8  sq.  mit  „cum 
mm  erat  lex,  qua  discernerentur" ;  trje  jictgaßdözcoc  ttjv  ahiav 
sXtyxovTOC  141,9  mit.  „quae  trausgressores  argueret":  p^ÖtJtca 
141,21  mit  „non";  rr/c q)vöixr/c,  jraQaxotyavTEQ  i  vra^iag  za  voftifia 
141,  \x  mit  „depravata  lege  naturali"  u.  a.  Manche  Ausdrückt' 
und  Wendungen  <\<i>  griech.  Textes  übergeht  er,  so  t'.rltnet.-n  tag 
1 4  1 . '_' 1 :  tov  ßiov  zov  Xoyixov  xavovoc  141,21  sq.-,  XvTTOiOt/g 
141,19;  yovv  141,20  usw.  In  dem  Abschnitte:  cum,  inquam, 
non  erat  lex  .  .  .  committebant  [Ap.  p.  141,18-  22]  hat  T. 
insofern  eine  Umstellung  vorgenommen,  als  er  zunächst  den 
Genetiv  absolutus,  der  im  < i  riech,  nachkommt  [Ap.  p.  141,21-  22], 
und  dann  erst  den  Satz  mit  dem  Hauptgedanken,  der  im  Griech. 


54  Sehalkhausser,  Makarios  Magnes. 

vorangeht  [Ap.  p.  141,18 — 20],  wiedergibt.  Dann  und  wann 
fügt  er  selbst  ein  Wort  oder  mehrere  der  Erklärung  halber 
und,  ohne  damit  den  Sinn  der  Stelle  zu  alterieren.  hinzu,  so 
omnibus  zu  E/itpvrog1  Ap.  p.  141,19;  illä  zu  (pQOVTjötv1  Ap. 
j).  141,20;  aut  excusabat  zu  txüfhcoti'1  Ap.  p.  142,19;  erat  zu  6 
vofiog1  Ap.  p.  142, 22  sq.  etc.  „Ut  Apost.  ait"  bei  Ap.  p.  142,24 
und  „quod  quidem  Aposto.  significavit  .  .  .  legem  esse"  bei  Ap. 
p.  143,1  sq.  sind  gleichfalls  Zusätze  des  Turr.  Ap.  p.  142.27 
hat  auch  T.  öia  61  [Accepit  autem]  gelesen,  wie  der  Ath.  der 
Note  2)  zufolge  hat.  Es  ist  nicht  erforderlich,  dieses  öia  öl  in 
öia  y'c  zu  ändern,  wie  der  Herausgeber  unseres  Textes  tut. 

An  zwei  Stellen  könnte  man  auf  den  Gedanken  kommen, 
daß  T.  einen  von  dem  unsrigen  abweichenden  Text  vor  sich 
hatte,  nämlich  bei  Ap.  p.  143, 1  sq.  und  143,3.  Für  Ap. 
]».  143, 1  sq.  sagt  T. :  nihil  tarnen  poterat  [sc.  peccatum],  cum 
nondum  lex  peccatum  poena  sancitum  tenebat,  ac  demonstrabat. 
Da  T.  tqoücov  nva.  nicht  wiedergibt  und  poena  sancitum  hat, 
das  sich  in  unserer  Ausgabe  nicht  findet,  so  könnte  man 
meinen,  daß  er  statt  tqojcov  nva  etwa  rificoola  las.  Auch 
das  fällt  auf,  daß  er  yvdöEi  tyij/laipijOavTOQ  mit  demonstrabat 
übersetzt.  Da  jedoch  T.  öfters  einen  kurzen  erklärenden  Zu- 
satz macht  und  noch  öfter  Worte,  die  im  Griech.  stehen,  un- 
berücksichtigt läßt,  kann  es  sein,  daß  er  poena  sancitum  auf 
Grand  des  Vorhergehenden  [Ap.  p.  142,29]  selbst  hinzugefügt  und 
voojiov  tiva  absichtlich  unausgedrückt  gelassen  hat,  'Sowie  daß 
bei  demonstrabat  eine  freiere  Übertragung  vorliegt. 

Im  Absichtssatze  Ap.  p.  143, 2  sq.:  'lv  ovv  bis  sxxXi- 
vcofisv  muß  man  vfjq  afiagriag  und  tov  v6(iov  von  trjv  ßjUzßqv 
abhängig  machen.  Dies  hat  den  Nachteil,  daß  hierdurch 
afiagtla  und'  vöfioq  hinsichtlich  der  ßXaßrj  auf  eine  Linie  ge- 
stellt werden.  Ferner  vermißt  man  bei  ExxZivcofisv  das  nähere 
Objekt  [loyri'  gehört  zu  jcaQ£%ovzoq\.  Sehen  wir  nun  noch,  daß 
Turr.  in  seiner  Übersetzung  „metum  legis. . .  declinemus"  hat,  so 
erscheint  dieA7ermutuno-  nicht  unbegründet,  daß  hinter  BXxXivoyuev 
ein  Acc.  wie  tov  cpoßov  hineinzudenken  sei.  Andrerseits  hat  es 
aber  etwas  Mißliches,  ohne  die  äußerste  Not  in  unserem  Apokr.- 
Texte  das  Fehlen  eines  ganzen  Begriffes  anzunehmen.  Auch  ist 
nicht  zu  verkennen,  daß  durch  die  Ergänzung  von  tov  tpoßov  oder 
ähnlichem   formell    das   Ebenmaß,    das    wir   im    Baue   des  Ah- 

1)  D.  h.  natürlich,  zu  seiner  lat.  Wiedergabe  dieses  griech.  Ausdrucks. 


I.  2.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  55 

sichtssatzes  gewahren,  zerstört  wird  und  inhaltlich  ein  Gedanke 
hereinkommt,  der  zwar  nicht  gegen  den  Zusammenhang  ist, 
aber  doch  auch  nicht  direkt  durch  ihn  dargeboten  wird. 
Besser  scheint  es  mir  darum  zu  sein,  falls  man  Ap.  p.  143,3 
überhaupt  eine  Änderung  für  erforderlich  hält,  nichts  zu  ergänzen, 
sondern  statt  rtaotyorro^  avxy  zu  leseu  xaxiyovxog  avxrp) 
[Cf.  Ap.  p.  142,33].  Freilich  spricht  gegen  diese  Änderung 
nicht  nur  der  Wortlaut  des  Ath..  soudern  auch  die  mit  diesem 
hier  harmonierende  Übersetzung  des  T.  Sollte  trotzdem  mit 
der  Änderung  das  Eichtige  getroffen  sein,  so  hätten  wir  an 
unserer  Stelle  ein  Beispiel  dafür,  daß  Yen.  und  Ath.  in  einem 
Fehler  übereinstimmen,  was  noch  kein  Anzeichen  der  Identität, 
wohl  aber  der  Verwandtschaft'  der  beiden  Hss.  wäre.  Ganz, 
unmöglich  ist  es  jedoch  nicht,  daß  Mak.  gerade  so  geschrieben 
hat,  wie  wir  in  unserer  Ausgabe  lesen,  daß  also  nichts  zu 
ergänzen  und  nichts  zu  ändern  ist,  und  Mak.  äfiaQTiaq  und 
vöftov  mit  ßXdßrjv  verbunden  und  den  Verbalbegriff,  um  ihn 
zu  verstärken,  durch  zwei  Zeitwörter  ausgedrückt  hat  \tx<jv- 
ycofiev  xal  txx/Jroji/tr].  Über  das  Verhältnis  des  Ath.  zum 
Yen.  ergibt  sich  somit  aus  unserem  Zitate  nichts  Sicheres. 

Teile  des  42.  Kap.  des  3.  Buches  [Ap.  p.  145 — 147]  führt 
T.  öfters  an.  Wir  behandeln  gesondert  den  Abschn.  Ap.  p.  145 
14(j  and  den  Ap.  p.  147.  Aus  dem  Inhalte  von  Ap.  p.  145 
—146  hat  T.  an  6  Stellen  geschöpft.  Da  nachher  bei  der 
Untersuchung  des  einzelnen  Zitats  auch  auf  den  Wortlaut  der 
anderen  Rücksicht  zu  nehmen  ist,  sei  er  gleich  von  allen 
6   Stellen  hier  mitgeteilt: 

1.    Aiaxayai   rvtv  dyUov  djioöxoXcov.   Ven.  1563  f.   182a: 

ff ij<t\    yiuj  0  CCJlOöXoXog,  .lär  tu  iv  tu :x, "/.'/.(>   JCCoXoVftBVOV  ;oU'iiTi 

(itjdhv  avaxQivovxeg  die  xr\v  övvsi&nöiv,  xov  ydg  xvq'lov  /  yi 
y.r.)  xo  nXr\Q(oy.a  avxfjg.  xal  yr.n  xct  Ixslvov  rar  %q6vov,  coq 
tprjcl   Mir/i//-  o  jcaXaioxaxog  ovyyQayevQ  fr  t<~>  xqixco  ßcßXU» 

T(~>r   .t.' o/    i-riryy:  /.!or   djtoXoyuoV   JtQOg    Ht  oo .'/,■' Vfj,    fjöav    SV    i/<:- 

xtXXco  öovÄoi  xiveg  aqpcoQiOfiivot  xal  sxxqixoi  <>)  (ivöxngUp  tivI 
xote  goavoig  öjttvöovxeg  xc)  frvoirceg  fisxd  vivog  yoijxelag  <n- 
oTixi^j.  cjj  er  c.rn'yi i,t)iu  xsXevcoOi  xal  ;/i]  jtgogtpaveiv  oX<ag. 
rrha'<  cov  <■>-  Efioi  öoxsl,  ygdg)8t  o  TlavXog  ;'r  rjj  Jtgog 
KoXoGöaslg  tjtiöxoXy  Xeyovxmv  ;//)  aiptj  >//)  dl  ]': ''"',•  !")  & 
'•i'tyij-  o  ovv  TlavXog  xaxa  xr\v  r/}_  öidaöxaXiag  dxoißeiar 
xc)  ovv&öiv  rir  tavxov  aGtpaXiCtxai,  mg  qprjöiv  6  c.cto.  Mdyvt/g, 


,r>(;  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

riji'  xoivfjv  Ölaixav,  GvyycoQüiv  ocxovofiixcög  ajrxto-d-ai  t:ri^;- 
xaözcog  xSv  ev  (laxEXXco  r<>^,  iv  xoivy  ayooä,  xai  xoucm  aöxav- 
öaXLöxqy  Jt&XovfiEvmv  xdv  tois  Öalftoöi  Uv<kvt<>  öia  6(payfjg 
l]  öia  .Ti'iyi/nr,  xav  xolg  öacfiovioig  avaxioivxo,  tag  xo  aifia. 
itüXXor  de  xal  avxog  o  UavXog  cpfjölv,  ti  öe  tu  xaXsl  vuäg 
to)V  ajti&tcov  xal  0-eXexe  jiOQEvsö&ai,  jcäv  ro  Ttaoaxid-EUEVov 
vfilv  eö&Lexe  (ifjösv  avaxoivovxEg  (hie  xr\v  öweLötjOiv.  läv 
ök  tij.  viiir  eIjiol,  Xovxo  EldcoXöfhrxov  toxi,  fir{  IüU'uti  öi* 
exelvov  xov  (irjvvöavxa,  öwelörjöiv  de  Xtym  ov  xr/r  tavxov, 
aXXa  tijv  exeqov'  ovxovv  ejeetör^  ucävxa,  dag  (f/jo)r  6  avxog 
Mäyvrjg,  r\v  fisöxa  siöwXoXaxQi <-iag,  xa)  t<>  üzXeIöxov  xov  ßlov 
avEXEixo  xolg  öaifiovioig,  jvqoCexi  f)l  xa)  jtoXXol  rjöar  xcSv 
avfrocojicov  d-rjOKodEig  xal  ayoiot  öhetjv  xrr(~>v  ro  alfta  Xajixovxsg 
xal  xa  xEjcviyfiEva  ä<pEida>g  xazEöftiovxEg1,  oüieq  slg  xtjr  a\/io<pa- 
ylav  övvxeLvei  etc. 

2.  Apostol.  Coustitutiones.  Antv.  1578  p.  22!) sq.:  Ulis 
namque  temporibus,  ut  Magnes  antiquissinius  auetor  in  tertio 
libro  euangelicae  apologiae  contra  Theosthenem  scribit,  erant 
in  macello  quidam  servi  ad  hoc  constitnti  et  delecti,  nt 
mysterio  quodam  idolis  libarent,  et  cum  qnadam  mystica 
fallacia  sacrificarent,  abstinereqne  ac  non  tangere  prorsus 
iuberent.  de  quibus,  ut  mihi  quidem  videtur,  Paulus  in  epistola 
ad  Coloss.  scribit,  qui  aiebant,  Xe  tetigeris  nee  gustaveris  neque 
contreetaveris.  Paulus  ergo  pro  illa  sua  perfecta  et  absoluta 
ratione  docendi  et  pro  sua  adtnirabili  prudentia  decommuni 
victu,  ait  idem  Magnes,  cavet,  permittens  oeconomice  tangere 
ea,  nihil  discernendo,  quae  in  macello,  communi  foro  et  loco 
ab  omni  ratioue  scandali  libero,  veneunt,  quamvis  daemoniis 
consecrata  sint,  ut  erat  sanguis.  immo  vero  ipse  quoque  Paulus 
ait:  Si  quis  infidelium  vocat  vos  et  vultis  ire,  omne  quod 
apponitur  vobis,  manducate,  nihil  interrogantes  propter  con- 
scientiam.     Si  quis  vero  vobis  dixerit,  hoc  immolatum  est  idolis, 

1)  Abgedruckt  ist  die  Stelle  von  y.i'.x'  ixeivov  rnr  yQovov  Ms 
xarsod-iovreq  bei  Pitra,  Iuris  ecclesiastici  Graecorom  historia  et  monumenta. 
T.  I.  Komae  18G4  p.  347,  aber  so  fehlerhaft,  daß  der  Text  oft  unverständ- 
lich wird.  Auch  erkennt  man  bei  Pitra  noch  weniger  als  bei  Turr.  seihst, 
was  aus  Mak.  entnommen  ist  und  was  wieder  Worte  des  T.  sind,  da  Pitra 
das  in  unserem  Zitate  bei  T.  dreimal  sich  findende  <-!*,'  (ptjot  MäyvrjZ  [bezw. 
coq  (fj?j<jii'  o  avzbq  Mayvijz]  weggelassen  hat.  Dieses  dreimalige  (OQ  <pt]ßl  M. 
deutet  darauf  hin,  daß  in  unserer  Stelle  eigentlich  drei  kleinere  Mak.- 
Stücke  vorliegen,  zwischen  denen  immer  wieder  Worte  des  T.   stehen. 


Li'.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  57 

aolite  mamlucare  propter  illum  qui  indicavit,  et  propter  con- 
scientiani;  conscientiam  autem  dico,  non  tuara,  sed  alterius. 
Ergo  quia  omnia,  ut  ait  idem  Magnes,  plena  erant  idololatria, 
et  magna  pars  victus  daemonibus  dedicata  erat,  praeterea 
nuilri  erant  feri  etc. 

3.  Dogmatici  characteres  verbi  dei.  Flor.  15<>1  f.  159b 
und  160a:  Superest,  ut  respondeamus  ad  loeuni  unuin  epis. 
Pauli  ad  Col.,  quo  Cal.  [=  Calvinus]  omnes  ecclesiasticas  ceri- 
monias.  quae  ad  dei  cultum  adhibentur,  improbari  affiriuat, 
cum  maxime  approbentur,  nt  idem  Cal.  confiteri  cogitur,  nisi 
proprias  voces  se  potius  ignorare  fateatur.  Ergo  qui  prae- 
ceperat  devitare  mensas  daemonum,  ne  non  vitantes,  paulatim 
per  mensae  comnmnioneni  religionem  dei  corrumperent,  idem 
concessit,  ex  macello,  ut  communi  furo  emere  obsonia,  quod 
is  locus  ut  publicus  scandalo  eareret,  ueque  nutam  curiositatis 
habere  videretnr.  Erant  autem  in  macellis,  ut  Magnetes  vetu- 
stissimus  auctor  in  tertio  libro  Apologiae  euangelicae  ante  mille 
CCC  annos  scripsit,  qui  totum  luinc  locum  mirifice  explanat, 
quid  am  servi  gentilium  delecti,  qui  mysteriis  quibusdam,  ut 
idem  ait,  et  mysticis  praestigiis  libantes  sacrificantesque  idoli.s, 
iuberent  ad  iniiciendam  scilicet  superstitionem  abstinere  et 
prorsus  non  tangere. 

4.  De  votis  monasticis  libri  duo.  Romae  1566  [  1 ."» ( >  1 J 
L.  II. '  f.  11)  sq.:  Afferamus  ad  explanandum  Apostoli  locum 
|sc.  Kolosser  2]  tum  nostra,  tum  aliena.     Scribit2  igitur  Magneto 

1  In  dem  1566  erschienenen  Buche  De  votis  monasticis  aal  T.  zwei 
Schriften,  die  er  schon  früher  und  zwar  getrennt  herausgegeben  hatte 
nämlich  die:  De  apostatis,  1  .VI!)  und  die:  De  inviolabili  religione  votorum 
monasticorum,  die  L561  das  erste  Mal  herauskam  und  das  Mak. -Zitat  ent- 
hält, vereinigt  und  aoeb  einmal  ausgehen  Lassen.  Er  sagl  dies  selbst  in 
der  Vorrede  des  1  ."> t ; * ;  verurteilt  liebten  Werkes  [Scripseram  tarn  pridem 
librum  de  apostatis  etc.].  Daß  die  Schrift  De  inviolabili  rel.  votorum 
mon.  L561  erstmalig  erschien,  i-t  auch  in  der  zweiten  Ausgabe  [von  l")(>t>| 
dadurch  ersichtlich  gemacht,  daß  es  daselbst  am  Schlüsse  der  zweiten  Ab- 
handlung heißt:  Romae.  Anno  1561.  l>ie  im  gleichen  Jahre  1">'>1  publi- 
zierte Schrift:   Dogmatici  characteres  verbi    dei   entstand    vor  der.-   De  in- 

violabili   relig.  votorum    a asticorum.     K>   gehl    dies  daraus  hervor,  daß 

T.  in  dieser  auf  jene  verweist.  So  bemerkl  er  /..  B.  De  votis  monast. 
1566  lib.  II.  f.  18b:  Ostendi  prolixe  in  tertio  libro  de  Dogmaticis  cha- 
racteribus  etc.,  quae  esset   lex  servitutis. 

2  Am   Rande  hat    T.:   Quae   Magnetes   antiquiss.  auctor  scripsit   ac- 

< imodate  ad  interpretandum  locum  ep.  ad  Col.  ile  eultu  voluntario,  quo 

loco  ( !alv,  vota  monastien   oppugual . 


58  Schalkhaussef,  Makarios  Magncs. 

antiquissimus  auctor  libro  III.  Euangelicae  Apologiae  ad  Theo- 
stlienem  ea,  quae  ad  loci  huius  interpretatioiiem  magnopere  faciunt, 
Vertam  e  Graeco.  Quaerit  Magnetes,  quemadmodum  Paulus 
prohibuit  idolothytis  vesci,  et  iis,  quae  in  macello  veuduutur, 
uon  prohibuit,  cum  tarnen  ut  plurimum  maceilarii  essent  gen- 
tiles.  Deinde  respondens  sibi,  considerauda  est  (iuquit)  dili- 
gentia et  prudentia  Pauli.  Certam  rationem  victus  constituit 
vitae,  et  iis  vesci,  quae  in  macello  venduntur  et  daemoniis 
immolantur,  sine  ulla  interrogatione  permisit.  Quia  enim  ubique 
terrarum  mactabantur  alia  spiritibus  aeriis,  alia  subterraueis, 
spiritibus  aeriis  volucres,  terrenis  quadrupedes  nigri,  quia  sit 
terra  natura  nigra,  aris  super  terram  exstructis  et  aedificatis, 
subterraueis  item  quadrupedes  nigri  in  foveis.  Sive  enim  (in- 
quit)  quis  navigare  vellet,  sacrifieabat,  sive  iter  facere,  sive 
antrum  fodere,  immolabat.  Quia  igitur  omnia  erant  plena 
idololatria,  et  maxima  pars  vitae  cousecrata  erat  daemonibus, 
praecepit  iis,  qui  religiöse  et  pure  vivere  vellent,  ut  daemonum 
mensas  devitarent,  ne  per  communionem  mensae  paulatim  cor- 
rumperent  animi  religionem.  Quia  vero  fieri  non  potest,  ut 
qui  corpore  praeditus  est,  corpori  victum  neget,  caute  et  oeco- 
nomice  concessit  ex  macello  communi  foro  emere  obsoniü, 
(juod  is  locus  ut  communis  scandalo  careret,  neque  haberet 
notam  curiositatis,  ut  publicus,  et  ministri  macelli  item  publici. 
Et  paulo  post.  Sunt  autem  (iuquit)  in  macello  quidam  servi  delecti, 
mysteriis  quibusdam  ac  mysticis  praestigiis  libautes,  ac  sacri- 
ficantes  simulacris,  ut  iubeant  abstiuere  et  prorsus  non  tangere. 
5.  Adversus  Magdeburgenses  Ceuturiatores.  Flor.  L572 
p.  19:  Idcirco  enim  vescenti  suffocato  iuste  decernebatur  ex- 
communicatio,  quia  necessarium  erat  non  vesci  eo,  ut  Apostolico 
decreto  tuuc  sancitum  est  iis,  qui  ex  gentibus  conversi  erant, 
quibus  erat  inter  gentes  habitandum,  apud  quas  ubique  erant 
omnia  plena  idololatria;  ubique  erant  iminolatitia  sanguis  et 
suffocatum  propter  sauguinem  retentum:  imnio  magna  pars 
victus  humani  demonibus  dedicata,  ut  ait  Maguetes  auctor 
antiquissimus  lib.  3.  apologetico  contra  Theosthenem;  alia  enim 
(iuquit)  mactabantur  spiritibus  aeriis,  alia  terrenis,  alia  sub- 
terraueis. spiritibus  aeriis  immolabantur  volucres:  l.iiyjhn-ioi.. 
id  est,  terrenis  quadrupedes  nigri,  quia  sit  terra  natura  nigra: 
vjzox&ovloiq,  id  est,  subterraueis,  item  quadrupedes  nigri  in 
scrobibus  sive  foveis.     Hactenus  Magnetes. 


I,  2.   Turriarms  und  der  Apokritikos.  59 

6.  Apostolicarum  Constitutionum  .  .  .  libri  VIII.  Antv.  1578 
p.  82  n.  3:  esse  autem  sanguinem,  et  suffocatum  in  hoc  decreto 
prohibita,  inimolaticia,  testes  et  auctores  sunt  Tertull.  in  apolo- 
getico,  ....  et  Magnetes  antiquiss.  auctor  lib.  3.  apologiae  pro 
euaugelio  contra  Theosthenem  euangelia  calumniantem. 

Bei  dem  Zitate  1,  Aiaxayai  f.  182  a,  das  wir  zuerst  ins 
Auge  fasseu,  weil  es  auch  bei  Turr.  ganz  griechisch  ist,  gibt 
die  Yergleichung  des  einzelnen  mit  dem  Ath. -Texte  zu  folgenden 
Bemerkungen  Anlaß:  1.  Von  (f  ijo\  yag  bis  jcqoq  Htoolh'rt/  haben 
wir  Worte  des  Turr.  2.  Auch  der  Satzteil:  rjoav  ev  fiaxsXXcp 
findet  sich  nicht  im  Ath.,  cf.  Ap.  p.  146,28.  Die  Worte  werden, 
da  T.  sie  lateinisch  verschieden  wiedergibt  [erant  autem  in 
macellis  Dch.1;  sunt  autem  in  macello  Vm.2],  von  ihm  selbst 
herrühren.  Er  wird  sie  dem  Zusammenhange  entnommen  und, 
weil  er  hier  das  im  Apokr.  Vorhergehende  nicht  hat,  der 
Deutlichkeit  halber  hinzugefügt  haben.  3.  Statt  isQodovXoi  hat 
T.  bloll  dor/.ot.  Das  Nächstliegende  scheint  es,  anzunehmen, 
daß  T.  im  Yen.  so,  wie  er  schreibt,  gelesen  hat,  da  er  auch 
an  den  anderen  Stellen  konstant  servi  sagt.  Doch  wäre  möglich, 
daß  er  i£QO  um  deswillen  unberücksichtigt  ließ,  weil  er  diese 
Eigenschaft  Sklaven,  die  im  Dienste  der  Götzenbilder  standen, 
nicht  zugestehen  wollte.  4.  Das  6s  nach  öovXoi  Ap.  p.  146,28 
hat  T.  hier  absichtlich  ausgelassen.  Da  er  das  Vorausgehende 
hier  nicht  hat,  brauchte  er  dt  nicht.  In  Dch.  und  Vm.  findet 
es  sich  [autem].  5.  Von  zivhg  bis  oZa>q  stimmt  der  Wortlaut 
des  T.  mit  Ap.  p.  146,29 — 31.  Nur  hat  T.  nach  sxxqitoi  noch 
ol  und  statt  mv  (cm'yjothii  xeZevst  hat  er  coq  av  tl.-riyiolh'.i 
xeXevcoOL  f)i  paßt  nicht  her.  Es  ist  dadurch  entstanden,  daß 
der  vorhergehende  Ausdruck  [sxxqctoi]  mit  oi  endigt.  T.  hätte 
es  schwerlich  geschrieben,  wenn  er  es  nicht  im  Yen.  gelesen 
hätte.  Sicherlich  hat  T.  in  diesem  Kodex  das  mg  av  /.:  /.;  r< 00t 
[statt  et)'  xsXsvsl]  vorgefunden,  da  er  auch  sonst,  wo  er  unsere 
Stelle  bringt,  dem  f>_-  av  xsXsvcoOt  entsprechend  sich  ausdrückt 
[qui  iuberent  Dch.;  ut  iubeant  Vm.;  ut  iuberent  Ac. 3]  und  der 
Sinn  bei  diesem  Wortlaute  ein  ganz  anderer  ist  als  bei  dem 
des  Ath.  Nach  der  Lesart  des  Ath.,  die  entschieden  den  Vorzug 
verdient,   ist  Paulus   das  Subj.   des  Nebensatzes,   nach    der  des 

1)  Dch.  =  Dogmatici  characteres  verbi  del.     Plor.   1 ."» t ;  i . 

2)  Vm.  =  De  votis  monasticis.     Etomae   1566. 

3)  Ac.  =  Apostol.  Conatitutiones.     Antv.   1578. 


(10  Schalk  hausser,  Makarios  Magnes. 

T.  sind  es  die  docÄoi.  6.  jrtoi  (ov  bis  9-lyrjq  siud  Worte  des 
Turr.  7.  In  dem  Satze  6  ovv  bis  coq  to  alfia  ist  nur  einzelnes 
Makarianisch.  Aus  Mak.  hat  T.  entnommen:  T/)r  äxQißsiav 
Ap.  p.  145,5;  doffakuiTtci  145,5;  tijv  xoivfjv  ölavtav  145.5 
u.  146,27  sq.;  olxovofitxmq  146,24;  djtnöd-ai  145,6;  ave^s- 
tdczcoq,  tmv  ev  (laxeXXco  jicoZovfisvcov  145, 6  sq. ;  xoin]  dyoQa 
146,25.  Katd  tr\v  övveöiv  trjv  eavtov  ist  freie  Wiedergabe  von 
ror  6o<pov  Ap.  p.  145,5;  Ovy^cogSv  von  IjiiTQsjzei  146,24  und 
tÖjm»  ddxavöaXiözoi  von  d{hoQvßr)TOV  to  üigäyfia  /.t)..  146,26sq. 
In  xav  tolq  öalfiooi  frvoivzo  ist  tojv  dvofievcov  tolq  dal/ioöiv 
Ap.  p.  145,6  und  iu  xav  tolq  öat/iovloiq  dvaxsoivzo  ist  dvsxtito 
öa'ifioöt  Ap.  p.  146,21  verwertet.  Das  übrige  ist  von  T.  selbst. 
8.  In  dem  Satze  //«//or  Öl  bis  srtQOv  stammt  nichts  aus  dem 
Apokr.  9.  ovxovv  bis  tolq  öaifiovloiq  ist  Ap.  p.  146.  20  sq. 
Doch  weicht  T.  mehrfach  vom  Ath.  ab.  Statt  yovv  hat  er 
ovxovv  [ergo  Dch.  und  Ac,  igitur  Ym.];  statt  dra^nc^  schreibt 
er  slöcoXolazQElaq  [idololatria  Vra.  und  Ac];  für  ror  xööfiov 
to  ytoQiov  hat  er  mh'Ta  [omnia  Ym.  und  Ac]  und  natürlich 
für  den  Sing.  fiEötov  den  Plur.  fisotd',  an  Stelle  von  r/~w  £oyrjq 
findet  sich  bei  ihm  ror  ßlov  [vitae  Ym.,  victus  Ac]  und  statt 
öalfioöt  sagt  er  tolq  öatfiovloiq  [daemonibus  Ym.  und  Ac]. 
Ob  alle  diese  Abweichungen  auf  T.  selbst  oder  ob  einige  von  ihnen 
auf  den  cod.  Yen.  zurückzuführen  sind,  ist  nicht  leicht  zu  ent- 
scheiden. Mak.  gebraucht  ovxovv  selten,  yovv  dagegen  mit  großer 
Yorliebe.  Das  slöcoXoXatQsla  des  T.  ist  gewöhnlicher  und  dem 
Zusammenhange  des  T.  entsprechender  als  das  unbestimmtere 
dzat-la  Ap.  p.  146,20;  das  jtdvta  des  T.  farbloser  und  verständ- 
licher als  ror  xÖ6[iov  to  yoQior  Ap.  p.  146,20.  Dali  Mak.  Ap. 
p.  146,21  r/y_  ~.cj/jg,  was  der  Ath.  bietet,  und  nicht  ror  ßlov,  wie 
T.  hat,  schrieb,  ist  wegen  ßlov  in  der  gleichen  Zeile  146,21  [ef. 
auch  Ap.  p.  146, 18],  das  hier  in  einem  anderen  Sinne  steht  als 
trjq  t,a)Jjq,  wahrscheinlich.  In  allen  deu  genannten  Fällen  liegt 
es  demnach  näher,  zu  vermuten,  daß  T.  die  Ausdrücke  des 
Originals  geändert  hat,  teils  ohne  erkennbaren  Grund,  teils  um 
sie  durch  gewöhnlichere  und  leichter  verständliche  zu  ersetzen. 
Zweifelhafter  ist  es  bei  tolq  öaifiovloiq,  das  T.  statt  dalfioöi  Ap.  p. 
146,21  hat,  ob  wiederum  nur  freiere  Wiedergabe  des  Ursprüng- 
lichen durch  T.  oder  ein  Abgehen  des  Yen.  vom  Ath.  anzunehmen 
ist  Man  möchte  letzteres  für  das  wahrscheinlichere  halten,  da  T. 
im  gleichen  Zitate  kurz  vorher  ebenfalls  [xdr]  ro?_-  öaiiiovloiq 


I.  2.   Turrianus  und  der  A.pokritikos.  (H 

[avaxtoivro]  schreibt.  Immerhin  ist  es  auch  liier  nicht  un- 
möglich, (lall  T.,  ohne  dal!  wir  wissen,  warum,  dem  öaifioot 
seiner  Vorlage  toIq  daifiovioiq  vorzog.  10.  Ttgogsn  dt  xc)  etc. 
hat  mit  Mak.  nichts  mehr  zu  tun.  Die  Stelle  stammt  aus 
Kyrill  von  Jerus.  Denn  f.  181b  heil.lt  es  bei  Turr. :  KvqiXXoq 
o  IsQOöolvfieov  sv  t/j  TsraQT%  xaxriyrjöei  octo  qyno\,  jroXXoi 
rc'jr  r.riloorror  (hjQicodsiq  xai  6ixi]v  xvvcöv  Ccövztc,  to  {ihr 
cii/c  XajcvovOiv,  ayQLOtaxcov  d-fjQioov  tqojcov  niiiorui rot,  za 
jcsjivcyfieva  dt  xaxsö&iovöiv  d<pec6c5c. 

Nur  die  lat.  Übersetzung  des  Zitats  1,  Aiaxaycu  f.  182  a, 
haben  wir  in  der  Stelle  2,  Ap.  Coustitut.  p.  229  sq.  Auf  diese 
brauchen   wir  darum  nicht  weiter  einzugehen. 

Anders  verhält  es  sich  mit  dem  Zitat  3,  das  sich  Dogmatici 
characteres  f.  159b  und  160a  findet.  Es  ist  auch  nur  lat., 
aber  eine  Übersetzung,  die  T.  direkt  aus  seinen  griech.  Apokr.- 
Exzerpten  angefertigt  hat.  Die  Benützung  des  Apokr.  beginnt 
in  ihm  schon  mit  dem  Satze:  Ergo  qui  praeceperat  .  .  .  habere 
videretur.  Ap.  p.  146,20 — 27  ist  in  ihm  freier  und  verkürzt 
wiedergegeben.  Die  Ausdrücke:  non  vitantes,  mensae,  idem,  vide- 
retur sind  Zutaten  des  T.  Ergo  entspricht  dem  yovv  Ap.  p.  146,20; 
qui  praeceperat  dem  jcagayysXXei  146,21;  devitare  .  .  .  corrum- 
perent  dem  T^r  ro>r  öaifiövmv  .  .  .  <h<-.<( !h sigeoot  146,2]  sqq.; 
concessit  dem  ejcitQtjcei  146,24  sq.;  ex  . . .  obsonia  dem  xoivrtr , . . 
oipaivia  146,25  sq.;  quod  .  .  .  videretur  dem  ad-ogv^rftov  .  .  . 
xtxrrjfitvov  14ti,  26  sq.  Auffallend  ist,  «lall  T.  für  tu  jegäy/m  Ap. 
p.  14(1.26,  das  sicli  auf  ;'.;  error  XafißävBiv  otymvia  bezieht, 
is  locus  sagt1.  Mit  ut  publicus  hat  er  öijftoolag  Ap.  p.  146,27 
frei  verwendet.  Im  Yen.  einen  anderen  Text  vorauszusetzen.  i>t 
nirgends  erforderlich.  Erant  autem  . . .  non  tangereist  die  ziemlich 
wörtliche  und  vollständige  Übersetzung  von  Ap.  p.  llii,2<s — 31 
[leQO&ovlot  .  .  .  oXxoc].  Zu  beachten  ist.  was  zu  dei  Stelle  schon 
bei  der  Besprechung  des  Zitats  1,  diarayäi  f.  L82a,  bemerkt 
wurde  |S.  ol»en  S.  ."»'.i  sq.].  Die  Worte  „gentilium"  und  „ad 
iuiiciendam  scilicet  superstitionem"  sind  erklärende  Zusätze  des 
Turrianus. 

Mehr  ;ils  Zitat  3  bietet  Zitat  I  aus  dem  Apokr.  Soweit 
der  beiderseitige  Inhalt  sich  deckt,  stimmt  die  Übersetzung  in 
De  votis  inon.  meist  mit  der  in  Dogmatici  characteres  f.  159b  sq. 

1     Ebenso  in;   l»p  votis  monast.,  cf.  Zital  A. 


ß2  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

vorliegeuden  überein.  Nur  ist  jene  [in  Vm.]  an  manchen  Stellen 
genauer  als  diese.  Der  Satz  quemadmodum  .  .  .  gentiles  ist 
die  nahezu  wörtliche  Übertragung  von  Ap.  p.  145,2 — 4.  Un- 
beachtet ließ  T.  nur  Xa/ißdvsiv  145,3  und  rört  145,4.  Nicht 
sehr  von  Belang  ist,  daß  er  6h  145,3  mit  et,  xcolvst  145,3 
mit  dem  Praeteritum  und  yvcoQi^ofiEvmv  145,4  mit  dem  farb- 
loseren essent  wiedergibt.  Weniger  stimmt  consideranda  .  .  . 
permisit  mit  Ap.  p.  145,4 — 7  überein.  Zwar  daßT.  yovv  trrtrlh  i\ 
ajrTtöttcu  tovc  EvGsßslg  und  toig  yvcoglfioig  wegläßt,  oga  sowie 
tov  öoffov  t>))'  axQißsiav  mehr  dem  Sinne  nach  überträgt  und 
T<~)v  Iv  (laxEÄlcp  jtcoXov/ievcov  eö&Ieiv  vor  twv  dvo/itvcov  volg 
daifioöiv  bringt,  braucht  uns,  da  bei  ihm  derartiges  oft  vorkommt, 
nicht  zu  wundern.  Auch  darauf  soll  kein  Gewicht  gelegt  werden, 
daß  er  drt^träörco^  unrichtig  zu  IjrkTQtJitr  zieht,  statt  es  mit 
tö&itiv  zu  verbinden.  Wenn  er  aber  xai  t<~)v  duofisvcov  .  .  . 
IjttrQtJTbv  Ap.  p.  145,6 — 7  mit  „et  iis  vesci,  quae  in  macello 
venduntur  et  daemoniis  immolantur,  sine  ulla  interrogatione 
permisit"  übersetzt,  so  sieht  man,  daß  seine  Übersetzung  bezüglich 
T(~)v  Uvau'cVor  toTj.  daiiiooir  ä~rThG»haL  rovg  tvßtßtic.  excoXve 
gerade  das  Gegenteil  von  dem  besagt,  was  Mak.  meinte  und 
schrieb.  Hat  T.  das  exoIZve  Ap.  p.  145,6  übersehen  oder  es  im 
Yen.  nicht  vorgefunden?  In  seinen  Apokr.-Exzerpten  kann  das 
Wort  nicht  gestanden  haben,  da  er  auch  in  der  Schrift  Aia- 
rayal  etc.  f.  182  a  {ßvyxpoQÖiv  oixovofiixcog  djcTsöfrat  avegs- 
tdörcog  rcöv  Ir  <iaxt)Jso  mg  tv  xoivy  ayoga  xai  vojcco  aöxavöa- 
Xlötco  jtcoXovfiEV<DV  xav  toij:  öalfioöi  ftvou'To  xrl.  S.  oben 
S.  56]  ähnlich  sich  ausdrückt  wie  hier.  Ob  es  aber  nur  iu 
jenen  oder  schon  im  Yen.  fehlte,  vermögen  wir  nicht  zu  ent- 
scheiden. Aus  „certam  ratiouem  victus  constitnit  vitae"  läßt  sich 
schließen,  daß  das  vom  Herausgeber  Ap.  p.  145,5  eingefügte 
[r/}r]  auch  im  Ven.  nicht  zu  lesen  war.  In  „quia  enim  .  .  .  foveis" 
ist  einzelnes  aus  Ap.  p.  145,7 — 18  herausgegriffen  und  mehr  oder 
weniger  wortgetreu  mitgeteilt.  In  „sive  enim  .  .  .  immolabat" 
ist  Ap.  p.  146,9 — 11  verwertet.  Quia  igitur  .  .  .  tangere  ist  Ap. 
p.  146,20 — 31.  Da  das  meiste,  was  zu  dem  letzteren  Abschnitte 
zu  bemerken  ist,  schon  bei  den  vorhergehenden  Zitaten  erörtert 
wurde,  sei  nur  noch  angeführt,  daß,  wie  ebenfalls  schon  er- 
wähnt wurde,  T.  für  to  jrQäy^a  Ap.  p.  146,26  „is  locus"  hat.  zu 
diesem  „is  locus"  hinzufügt:  ut  communis  und:  ut  publious,  offen- 
bar weil  sein  Blick  auf  das  im  «rt-Satz  Ap.  p.  146,27  stehende, 


I.  2.   Turriauus  und  der  Apokritikos.  (58 

jedoch  zu  dttcirt/j:  Ap.  p.  146,  28  gehörige  xoLvrjq  x<u  örj/ioöiaq  ge- 
fallen war,  und  daß  auch  aus  seiner  nur  kurzen  Wiedergabe  des 
Satzes:  ilrt  .  .  .  dveiXrjq)6rag  Ap.  p.  146,27  sq.  mit  „et  ministri 
macelli  item  publici"  nicht  klar  wird,  woher  im  /.V.-Satz  der 
Acc.   hxa.QYpvxa.c,  .  .  ötaxovovc  rovg  .  .  av€ilijg)ÖTaq  kommt. 

Kurz  fassen  können- wir  uns  bei  Zitat  5  und  6.  In  Zitat  5 
ist  als  Makarianisch  der  Satz:  erant  omnia  plena  idololatria 
und  der:  magna  pars  .  .  .  foveis  anzusehen.  Jener  [erant 
omnia  etc.]  und  der  Anfang  von  diesem  [magna  pars  .  .  . 
dedicata]  ist  gleichlautend  mit  dem  entsprechenden  Teile 
des  Zitates  2,  Apost.  Constitut.  p.  230  [Ap.  p.  146,20  sq.],  nur 
daß  T.  im  Zitat  5  nach  victus  noch  humani  einfügt.  Der 
Satz  alia  enim  .  .  .  foveis  [cf.  Ap.  p.  145,9  sq.;  12 — 14;  15 — 17; 
18  sq.]  ist  mit  einigen  Änderungen  aus  Zitat  4,  De  votis  monast., 
abgeschrieben.  Zitat  6  nennt  den  Mak.  mit  Rücksicht  auf 
dessen  Ausführungen  über  das  Essen  von  Götzenopferfleisch 
Ap.  p.  145  sq.,  ohne  etwas  aus  seinem  Texte  mitzuteilen. 

Das  Resultat  unserer  Untersuchung  der  sechs  auf  Ap. 
p.  145  sq.  sich  beziehenden  Zitate  ist,  daß  wenigstens  an  einer 
Stelle,  Ap.  p.  146,30,  im  Yen.  ein  Wortlaut  vorausgesetzt  werden 
muß,  der  von  dem  unserer  Ausg.  etwas  abweicht.  Zur  Ver- 
besserung unseres  Textes  trägt  keines  der  Zitate  bei. 

Teile  des  letzten  Abschnitts  von  Apokr.  1.  III,  cap.  42 
[p.  147  unserer  Ausg.]  verwendet  T.  an  fünf  Stellen.  Es  sind 
folgende: 

1.  Dogmatici    characteres   verbi   dei.    Flor.    1561   f  160a: 
.  non  tangere.     Hi  itaque  erant,  qui  decernendo  aiebant,    ne 

tetigeris,  ne  gustaveris,  ne  contrectaveris,  quod  quidem  faciebant 
secundum  praecepta  et  mandata  et  doctrinas  Gentilium  de  diis 
falsis  eorumque  mysteriis  et  sacrificiis.  haec  enim  omnia  Gentiles 
adinvenerunt,  ut  idem  auctor  [sc.  Magnetes]  ait.  A  quibus 
quidem  dogmatibus  sive  decretis  secundum  traditiones  Gentilium 
liberi  sunt  (inquit  Apost.)  qui  in  Christo  mortui  sunt  [Ist  die 
direkte  Fortsetzung  des  oben  S.  57  mitgeteilton    Zitats  3]. 

2.  De  votis  monasticis.  Romae  1566  [1561]  1.  II.  f.  2a: 
.  .  non  tangere.  Refellit  igitur  apostolus  stultam  sententiam 
gentilium,  inquiens  idolum  nihil  esse  in  mundo.  Hactenus  Ma- 
gnetes. Hi  ergo  erant,  qui  decernendo  et  abstinendo  aiebant, 
ne  tetigeris,  ne  gustaveris  neque  contrectaveris,  quod  quidem 
faciebant  secundum    praecepta   et  doctrinas   Dominum    de   diis 


(!4  Schalkhaüsser,  Makarios  Magnes. 

falsis  eorumque  mysteriis  et  sacrificiis.  haec  enini  gentiles 
adinvenerunt,  ut  ait  idem  Magnetes,  a  quibus  quidem  dog- 
matibus  sive  decretis  secundum  mandata  et  doctrinas  geiitilium 
liberi  sunt  (inquit  apostolus)  ii,  qui  in  Christo  mortui  sunt 
[Tst  direkte  Fortsetzg.  des  oben  S.  57  f.   angeführton   Zitats  4]. 

3.  Apostolicarum  Constitution  um  .  .  libri  VIII.  Antv.  1578 
p.  56  oben  in  der  Änni.:  itaque  de  idolis  istis  dixit  Apostolus: 
idoluni  nihil  est  in  mundo,  non  solum  quia  ad  nihil  utile  est, 
sicut  ait  Esa.  sculptile  conti avit  ad  nihil  utile;  et  sicut  Hierein. 
nullum,  inquit,  opus  Dei  cum  illo:  sed  quia,  ut  ait  Magnetes 
vetustiss.  et  ecclesiasticus  auctor  lib.  3.  Apologiarum  contra 
Theosthenem  gentilem,  nomen  idolorum  tamquam  deormn  Gen- 
tiles adinvenerunt:  /}  de  tc/.i'jhn:  xoLavxr\v  iprjyiov  ov  Öoyfia- 
riZii,  ov  yaQ  övvatai  6o)£eö-d,cu  Iv  xoöfim  <>  ajcaiöevTog  oqoc, 
el&wjLov,  id  est,  veritas  tarnen  talem  sententiam  non  decernit: 
non  enim  potest  consistere  in  mundo  ratio,  sive  definitio  idoli. 
goava  enim,  inquit,  id  est,  statuae,  non  idola,  sed  soava,  id 
est,  statuae  dicuutur:  quae  ex  auro,  argento,  aere  fiunt,  aurum, 
argentum  et  aes  sunt,  non  autem  idola:  et  corpora  mortua 
animalium  non  dicuutur  idola:  et  animae  separatae  animae 
sunt,  non  idola:  effigies  eorum,  qui  dicuntur  heroes,  non  idola, 
sed  imagines  sunt:  quae  pinguntur,  picturae  sunt,  non  idola. 
ta  öi  Xeyöfisva  t<~>v  oüixaöimv  cparrdofiara,  xal  öxial  roov  v- 
jivcov  r.ic.ny(tro(,  xa)  siöcoZa  xal  ivödXfiaza  elöl.  id  est.  illa 
vero,  quae  in  visis  phantasmata  dicuntur,  et  umbrae  somni 
sunt  et  idola,  atque  simulacra.  Deinde  subiungit,  ut  iam  veris- 
sime  dixerit  Apostolus,  idolum  nihil  est  in  mundo.  Hacteuus 
Magnetes  auctor  temporibus  A})ostolorum  vicinus,  eins  libri 
quinque  in  Yeneta  Bibliotheca  extant. 

4.  Ibid.  p.  148  n.  2:  iilola  vero,  ut  nihil  sunt  in  mundo, 
sicut  visa  somniorum,  ita  quoque  eorum  uomina  vana  sunt. 
.  .  Siquidem  nee  apud  Gentiles  quidem  idola  Heroum  dice- 
bantur,  sed  imagines,  ut  Magnetes  antiquissimus  auctor  iu  apo- 
logia  pro  euangelio  contra  Theosthenem  auctor  est.  quia 
Ueroas  non  tamquam  deos  colebant,  ut  Plato  in  4.  libro  de 
legibus  iubet  etc. 

5.  Adversus  capita  disputationis  posterioris  Andreae  Frey- 
hubii  doctoris  Academiae  Lypsiensis  de  ecclesia  et  ordina- 
tionibus  ministrorum  ecclesiae,  libri  duo.  Col.  1578,  p.  4.'! sq.: 
Audi  Maguetem Graecum  auctorem,Ecclesiasticumetpervetustum, 


I.  i'.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  65 

quomodo  idolum  nihil  esse  iu  mundo,  erudite  demonstret:  inter- 
pretabor  latine.  nomen',  inquit,  idolorum  tamquara  Deorum 
(»entiles  adinvenerunt:  Sed  veritas  lmie  sententiae  non  suffra- 
gatur,  non  enim  ratio  ac  definitio  idoli  in  mundo  servari  po- 
test:  statuae  enim  non  idola,  sed  statuae  dicuntur:  quae  ex 
auro.  argento,  aere  fiunt,  aurum,  argentum,  aes  sunt,  non 
autem  idola:  corpora  mortua  animalium  non  dicuntur  idola: 
animae  solutae  corporibus  animae  sunt,  non  idola:  effigies 
eorum,  qui  dicuntur  heroes,  non  idola,  sed  imagines  sunt : 
quae  pinguntur,  picturae  sunt,  non  idola:  illa  vero,  quae  in 
visis  phantasmata  dicuntur,  umbrae  somni  sunt,  et  idola,  atque 
simnlacra.  Deinde  subjungit,  ut  jam  verissime  dixerit  Apostolus: 
idolum  nihil  est  in  mundo.  Hactenus  Magnetes.  Cum  ergo 
secundum  Apostolum  Magnete  etiam  auctore  idolum  sit,  quod 
fingitur  Dens,  qui  non  est  alius  praeter  unum,  ac  proiude 
idolum  nihil  sit  in  rerum  natura,  nisi  fictio,  sequitur,  statuas, 
quae  olim  idola  erant,  quia  dii  esse  fingebantur,  iam  non  esse 
idola,  quia  dii  esse  non  finguntur  neque  pro  diis  habentur. 

Bei  Zitat  1  enthält  der  Satz:  „Hi  itaque  .  .  .  sacrificiis''  nur 
Worte  des  Turr.  Höchstens  kann  man  in:  „praeeepta  et  man- 
ilata  et  doctrinas  gentilium"  eine  Berücksichtigung  von:  vfjc, 
kZXrjVLxrjq  yvcöfirjQ  rar  .  .  oqov  xal  .  .  to  ööyfia  xal  T>ti'  iprjg>ov 
Ap.  }).  147,  1  — 2  und  in:  „mysteriis  et  sacrificiis  u  einen  Rückblick 
auf  fivOnjQtxt)  und  frvovtec  Ap.  p.  146,29  sq.  finden.  Haec  .  .  . 
adinvenerunt  ist  eine  nicht  ganz  genaue  Übertragung  von 
°EZZ?/veg  .  .  .  bvqov  Ap.  p.  147,2  sq.  „A  quibus  .  .  .  sunt"  sind 
Worte  des  Turr.  „Dogmatibus"  hat  er  vielleicht  im  Hinblick  auf 
t<>  öoyfia  Ap.  p.  147,2  geschrieben. 

Bei  Zitat  •_'  ist  „Refellit  .  .  .  mundo"  verkürzte,  im  übrigen 
größtenteils  wörtliche  Wiedergabe  von  Ap.  p.  147,  1 — 2  ['.ii'ctoii 
.  .  .  xoöficp].  „Hi  ergo  .  .  .  mortui  sunt"  ist  nahezu  wörtlich  aus 
Zitat   1    entnommen. 

Länger  und  wichtiger  als  Zif.  1  und  2  ist  Zit.  3.  Ver- 
gleicht man  es  mit  Ap.  p.  147,  so  macht  man  folg.  Wahr- 
nehmungen: .Mir  „nomen  .  .  .  adinvenerunt"  isr  Ap.  p.  147,2  sq. 
wörtlich  übersetzt.    Nur  ziehtT.  coc  ß-amv  unrichtig  /.um  Vorher- 


1     Am   Rande  hal  Turr. :  Quomodo  Gentiles  contra  rationem  vocabuli 
idoli  hoc  nomen  <lü>  suis  falsis  attribuerunt  ei  verissime  apostolus  idolum 
nihil  esse  in  mundo  < i i x .  i i t  es   Magnete  auctore  Graeco  vetustissimo. 
Texte  u.  Untersuchungen  etc.  31,  1  5 


66  Schalkhausser.  Makarios  Magnes. 

gehenden  und  die  Worte  egsvQev  ovo/iaöiav  6  o<pig  läßt  er  ganz 

we«1:  ob  absichtlich  oder  irrtümlich,  wissen  wir  nicht.    Das  aber 

ersieht   man    aus   der  Übersetzung  des  T.  jedenfalls,    daß    er 

ß-Ecöv  las,   während  der  Ath.  der  Anm.  b  [Ap.  p.  147]  zufolge 

dsov  hat.    Der   folgende   Satz   ist   bei  T.  auch  griechisch   mit- 

o-eteilt  und  weicht  besonders   in    der   zweiten    Hälfte   erheblich 
o 

von  Ap.  p.  147,3 — 5  ab.  Die  Worte  yvmfiij,  <>/.<■>-  und  xov 
[vor  i-idf'jiov]  wird  T.  weggelassen  haben,  weil  er  es  nicht 
für  nötig  hielt,  sie  beizubehalten.  Die  Umstellung  von  ti 
xoöfiqj  [hinter  GGt&ö&at]  und  von  slöatXov  [au  das  Ende  des 
Satzes]  mag  gleichfalls  von  ihm  selbst  herrühren.  Dagegen 
begreift  man  nicht  recht,  warum  er  ov  ydg  övvarat  c,cVz<  o',)<>i 
sagt,  wenn  er  im  Yen.  dasselbe  las,  was  wir  im  Ath.  haben. 
nämlich  dövvarov  yovv  öco&rjvai.  Wenn  T.  sich  hier  doch 
nicht  an  den  Wortlaut  seiner  Vorlage  halten  wollte,  dann 
hätte  er,  sollte  man  meinen,  nicht  auch  den  griech.  Text  der 
Stelle  hingeschrieben,  sondern  sich  damit  begnügt,  sie  lat. 
anzuführen.  Trotzdem  halte  ich  es  für  wahrscheinlicher,  dal' 
T.  mit  seinem  ov  ydg  övvarat  öm&ad-at  -  warum,  ist  nicht 
ersichtlich  —  vom  Originale  abgewichen  ist.  Wenn  er  nämlich 
statt  xov  Xöyov  rj  xov  oqov  Ap.  p.  147,5  6  djiaiösvroQ  ogog 
schreibt,  so  beweist  seine  eigene  lat.  Übersetzung  „ratio  sive 
definitio",  die  mit  unserem,  aber  nicht  mit  seinem  griech.  Texte 
übereinstimmt,  daß  er  sich  verlesen  hat  und  mit  dem  Auge  auf 
rov  ajiaiöevxov  oqov  Ap.  p.  147,1  abirrte.  Ein  solches  Ab- 
irren auf  rar  djtaidsvtov  oqov  war  jedoch  bei  dem  Are.  rnr 
Xbyov  P  xov  oqov  eher  möglich  als  bei  dem  Xom.  6  Xoyoq  / 
6  oqoq.  Stand  demzufolge  in  der  Vorlage  des  T.  der  Acc. 
tov  Xoyov  xxX.,  <laun  kann  es  in  ihr  nicht  ov  övvarat,  sondern 
es  muß  dövvarov  geheißen  haben.  Hat  aber  T.  dövvarov  in 
ov  övvarat  geändert,  dann  ist  ihm  auch  zuzutrauen,  daß  er 
yovv  in  ya.Q  und  öwd-jjvai  in  om^eöd-ai  verwandelt  hat.  Soava 
.  .  .  picturae  sunt,  non  idola  ist  verkürzende  und  in  der  Haupt- 
sache wörtliche  Übersetzung  von  Ap.  p.  147,5 — 12.  Die  Wen- 
dungen einzeln  anzuführen,  dieT.  unberücksichtigt  ließ  oder  freier 
wiedergegeben  hat,  hat  hier  keinen  Zweck.  Erwähnenswert  ist 
nur,  daß  T.  für  rarr  Ix  /qvöov  .  .  .  siömla  Ap.  p.  147,  <>—  <S 
„quae  ex  auro,  argento,  aere  fiunt,  aurum,  argentum  et  aes  sunt. 
non  autem  idola"  hat  und  daß  es  sich  empfiehlt.  Ap.  p.  147.  ii  sq. 
statt  ti'.vt  T(\  t   oder  xd  ö*  zu  lesen,  die  Reihenfolge  aQyvQiop 


[,  2.    Turrianus  und  der  A.pokritikos.  |>7 

y.ci  /nrr,i<,r  in  %qvGiov  xal  ayyvQiov  iiiuzukehreD  und  hinter 
aQ'/vQiov  noch  yaXxiov  xal  öidijQiov  zu  ergänzen.  Im  Ath.  hat 
die  erste  Hand  vieles  ausgelassen,  was  die  zweite  nachtragen 
mußte.  Und  diese  kann  beim  Nachtragen  manches  übersehen 
haben.  Td  61  Xsyofitva  tc'ji-  ojrtaOccöv  gjaptdof/ara,  x<u  öxial 
rc~>r  vjtvtov  vjiaQzovGi,  xal  tiöcoXa  xal  IvÖdXfiara  tioi  ist  der 
zweite  griech.  Satz  in  unserem  Zitate.  Auch  er  stimmt  nicht 
ganz  mit  unserem  Texte  Ap.  p.  147.  12  sq.  [zd  ti  .  .  ovx 
.  i,Tir\.  Zunächst  sieht  man  ans  dem  Satze  des  T..  daß  auch 
im  Yen.  das  vom  Herausgeber  unseres  Apokr.  p.  147,12  ein- 
gefügte [fpdöfiata]  nicht  stand.  Irgend  ein  derartiger  Begriff' 
muß  aber,  das  hat  der  Herausgeber  richtig  erkannt,  in  unseren 
Text  eingesetzt  werden.  Sonst  würde  im  Vordersatze  bei  tiol 
das  Prädikatssubst.  fehlen.  Es  ist  jedoch  besser,  nicht  vor 
Xtyofitva,  sondern  erst  nach  elolp'1  Ap.  p.  147,1-'!  ein  Subst. 
zu  ergänzen  und  zwar  nicht  (päoftaza,  das  weder  der  Ath.  bietet, 
noch  der  Yen.  hatte,  sondern  IvödXfiaza,  das  im  Texte  des  T. 
steht  und  sicherlich  auch  im  Yen.  stand.  Denn  wie  wäre 
sonst  T.  hier  auf  dieses  Wort  gekommen,  das  in  unserem 
ganzen  Kapitel  nicht  weiter  anzutreffen  ist?  Im  übrigen  dürfen 
wir  an  unserer  Stelle  dem  Texte  des  T.  nicht  folgen,  sondern 
müssen  den  des  Ath.  festhalten.  Nach  dem  Wortlaute  des  T. 
würde  unser  Satz  das  nennen,  was  nun  wirklich  eiöcuXov  ist, 
während  im  Vorhergehenden  alles  mögliche  aufgezählt  wurde. 
was  man  nicht  als  aldwXov  betrachten  darf.  Nach  unserem 
Texte  dagegen  wird  auch  Ap.  p.  147.  12  sq.  noch  etwas  erwähnt. 
was  nicht  siöcoXov  ist,  die  bisherige  Aufzählung  somit  fort- 
geführt. Daß  dies  und  nicht,  was  bei  der  Lesart  des  T. 
herauskommt,  das  Richtige  ist.  sieht  man  aus  dem  unmittelbar 
folgenden  Satze  cog  .  .  .  iv  y.ö<ii/(;>  Ap.  p.  147,13  sq.,  den  auch 
T.  [lat.]  hat,  sowie  aus  Ap.  p.  147,  14  sqq..  wo  wiederum  Dinge 
namhaft  gemacht  werden,  die  nicht  uöcoXa  sind.  Oh  <Tst  T. 
den  Satz  rr.  t:  Xsyofi&va  xzX.  in  Verwirrung  gebracht  hat 
oder  ob  er  schou  im  Yen.  gegen  den  Schluß  hin  fehlerhaft 
war.  Läßt  sich  um  so  weniger  entscheiden,  als  die  lat.  Über- 
setzung dos  T.  seinem  griech.  Texte-  entspricht.  Daß  der 
Yen.  mit  dem   Ath.  nicht   zu  identifizieren    ist.  bliebe  auch  im 


l     Und   oatüi  lieh   \ or  i  löwfo     \\<.  p   1  17.  1  '■'>. 

•_' .  |):i-  i  ii ' n/mui  in  diesem  stammt  wohl  aus  der  Stelle  A.p.  p,  147.  1 » ^ 


(5g  Schalkhausser,  Makarios  Magiies. 

ersteren  Falle  wegen  ivöaXfiara,  das  im  Ven.  gestanden  haben 
muß,  während  es  im  Ath.  [Ap.  ]).  147,  13]  fehlt,  zweifellos. 

Zitat  4  und  5  sind  schnell  erledigt.  Im  Zitat  4  liegt  bei 
„idola  vero  .  .  .  visa  somniorum"  vielleicht  eine  Reminiszens  an 
Ap.  p.  147, 12  sq.  vor  und  zwar  nach  dem  Texte,  dein  T.  hier 
folgt  [S.  oben  S.  67].  In  „Siquidem  etc."  ist  auf  Ap.  p.  147,10 
Bezug  genommen.  Zit.  5  deckt  sich  mit  Zit.  3.  Nur  fehlen 
im  Zitate  5  die  griechischen  Sätze  und  einige  wenige  Worte 
sind  in  ihm  genauer,  ein  paar  andere  weniger  genau  übersetzt 
als  im  Zitate  31. 

Aus  dem  4.  Buche  des  Apokr.  teilt  Turr.  in  der  Schrift: 
Adversus  Magdeb.  Centuriatores,  Flor.  1572  p.  185  sq.  die 
Stelle  mit:  Hunc  quoque  locuin  (sc.  1.  Thess.  4, 14]  observavit 
idem  Magnetes,  quem  supra  nieinini,  in  libro  4.  apologiarum 
contra  Theosthenem  euangelioruin  calumniatorem.  reddit  enim 
rationem,  cur  se  hoc  loco  Paulus  alioqui  viventem  inortuis 
annumeravit,  ovxo)  yag  av  Tic  cpiXsTSQog^,  xcu  t<~>v  ofioöroiycov 
ayajccov  vrjv  övyyevsiav  öoxsl,  id  est,  quia  sie,  inquit,  fit,  ut 
videatur  aliquis  amicus  quibus  se  annumerat  eosque,  qui  sui 
ordinis  sunt,  diligere.  Der  Stelle  entspricht  Ap.  p.  177,10sq. 
So  kurz  das  Zitat  des  T.  ist,  so  weicht  es  doch  mehrfach  vom 
Texte  des  Ath.  ab.  Das  einfachste  ist,  die  Unterschiede  hier 
auf  die  Rechnung  des  Yen.  zu  setzen.  Denn  mit  der  Fassung 
des  Ath.  hätte  sich  Turr.  leichter  getan.  Sie  ist  auch  an 
unserer  Stelle  die  bessere.  Nur  empfiehlt  es  sich,  dem  Wort- 
laute des  Ven.  gemäß,  nov  oiio<n<>iy<<>r  direkt  auf  xat  folgen 
zu  lassen  und  das  zweite  jtoisl  Ap.  p.  177,11   zu  streichen. 

Dem  4.  Buche  des  Apokr.  entstammt  ferner,  ohne  daß 
dies  T.  angibt,  das  Zitat  in:  Dogmatici  characteres  verbi  dei, 
Flor.  1561   f  18a:  Fidei    enim    firmitas   ac   robur  sunt    opera. 


1)  Beide  Schriften,  Apost.  Constitut.  und  Adv.  capita  disput.  poster. 
Freyhubii  sind  1578  erschienen.  Die  letztere  wurde  später  geschrieben, 
da  in  ihr  p.  44  auf  Jen*)  verwiesen  ist. 

'2)  Unrichtig  Patr.  Lat.  V,  col.  348  A  (pikaixeQoq.  Gallandi  und  Lumper. 
woraus  der  Abschn.  bei  Migne  [S.  oben  S.  46],  haben  (piketBQoq.  Auch 
Crusius  schreibt  in  seiner  ersten  Diss.  über  Mak.  (f //.j-'rf^o.:,  nicht  (pi/J- 
taiQoq,  wie  MiPaGr  X,  1374D  steht.  Bemerkt  sei.  daß  schon  Dav. 
Blondellus  in  seiner  Schrift:  Pseudo-Isidorus  et  Turrianus  vapulantes, 
Genevae  1628  p.  33  unser  Zitat  aus  Turr.  anführt  and  dabei  (pü.treQOC  in 
das  bessere  tpikexatgoq  umänderte. 


I,  2.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  69 

Xöyoq  fihv  yag  (inquit  Magnetes)  ovx  aXq&evei  JcoXXaxig,  6(t- 
yov  dt  rnoTicoct/i  >'<>>•  tijv  tpvöiv  vov  jcgayfiaxog,  jcageoxevaoi 
OSfivmg  c././jHi  riitct  xov  Xoyov,  interpretabor  latine.  sermo  enim 
(inquit)  dictus  saepe  non  est  verus,  opus  vero  cum  eoufirmarit 
naturam  rei,  facit,  ut  sermo  sit  cum  gravitate  verus.  Die 
Stelle  ist  gleich  Ap.  p.  182.  3  sqq.  Vom  Ath.  weicht  der  Wort- 
laut des  T.  in  drei  Punkten  ab.  T.  hat  noch  yaq  nach  uir. 
Aber  dieses  yäg  wird  aus  Ap.  p.  182,2  herrühren.  Bei  T. 
fehlt  ).i/lh\j.  vor  ovx.  Aber  diese  Auslassung  ist  nur  ein 
Schreib-  oder  Druckfehler.  Denn  im  Lat.  gibt  es  T.  mit  dictus 
wieder.  Ebenfalls  als  Schreib-  oder  Druckfehler  wird  es  zu 
betrachten  sein,  wenn  es  bei  T.  jccözsvüäfisvov  statt  xiözm 
Octfievov  heißt.  Denn  er  übersetzt  eoufirmarit  und  hat  somit 
jttCtcooäfisvov  in  seinen   Exzerpten  gehabt. 

Wiederum  eine  Stelle  aus  dem  4.  Buche  des  Apokr.,  bei 
deren  Anführung  T.  das  Buch  nicht  nennt,  ist  die,  die  wir 
in  der  nämlichen  Schrift:  Dogmatici  characteres  f  17b  und  18a 
lesen  und  die  lautet:  Quid  autem  efficiat  verbum  dei  in  ho- 
minibus,  et  quantum  vim  suam  in  eis  ostendat,  diviue  declarat 
parabola  ac  similitudo  sinapis,  üt  Magnetes  antiquissimus  auetor 
in  apologia  pro  Euangelio  ad  Theosthenem  notavit,  est  enim 
(inquit)  calidissimum,  salubriter  purgat  cerebri  sordes  adhibi- 
tuni  familiaribus  eibis,  scindit  crassitudinem  pituitae  et  humores 
mali  succi,  deinde  subjungit:  Similis  est  ratio  verbi  dei,  purgat 
humores  iiitemperantiae,  reprimit  jroXX/)r  <pXsyfiovr}V,  dza^Uxg 
i.  licentiam  et  ardorem  vivendi  sine  ordine.  educit  amaritu- 
dinem  peccatorum,  curat  hominein  mordens  reprehensione, 
secans  doctrina,  calefaciens  compassione,  excitaus  cogitatione. 
seminatur  in  mundo  et  profert  fruetum  supramundanum.  semi- 
natur  in  terra  et  terrenos  subducit  ad  sanetitatem.  Declarat 
praeterea  virtutem  igneam  verbi  dei,  ut  idem  auetor  ait,  alia 
parabola  de  fermento.  Ut  enim  (inquit)  modieum  fermentum 
totam  massam  firmat,  modificat,  maturat  et  (quod  in  vita 
praeeipuum  est  ad  victum)  panem  perficit,  panis  enim  fermenti 
expera  insuavis  est  ad  gustandum  et  ad  alendum  incommodus, 
sie  verbum  dei  (inquit)  quod  regnum  coelorum  appellat  Buan- 
gelium,  vitara  hominum  iramoderatam,  effusam  et  ordine 
carentem  continet  et  quodammodo  fermentat  reducens  ad  pro- 
prium ordinem. 

EjsI  enim  ...  succi  entspricht    Ap.  p.  192,15-   19;  Similis 


70  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

...  sanctitatem  Ap.  p.  192,21 — 31;  Ut  enim  ...  ordinem  Ap. 
p.  191,24 — 192,4.  Quid  .  .  .  notavit  am  Anfange  und  Declarat 
.  .  .  fermento  in  der  Mitte  des  Zitats  sind  Worte  des  Tun*. 
Die  Wiedergabe  der  Ausführungen  des  Mak.  ist  eine  sehr  ver- 
kürzende und  nicht  immer  wörtliche.  Zu  beachten  ist  auch, 
daß  M.  nicht  das  „verbum  dei",  wie  T.,  sondern  das  Himmel- 
reich mit  dem  Senfkorn  und  Sauerteig  vergleicht.  Gewinn 
für  die  Berichtigung  unseres  Textes  und  die  Erkenntnis  des 
Verhältnisses,  in  dem  der  Ath.  zum  Yen.  steht,  wirft  das 
Zitat  nicht  ab. 

Einiges  aus  den  Bemerkungen  des  Mak.  über  den  Sauer- 
teig hat  T.,  ohne  den  Mak.  zu  nennen,  in  einer  früheren 
Schrift,  im  Dogmaticus  de  justificatione,  Eomae  1557  f  38a  in 
dem  Abschnitte  verwendet:  Est  alia  quarta  parabola  [T.  hat 
vorher  drei  Gleichnisse  aus  dem  5.  Buche  des  Apokr.  mit- 
geteilt], aptissima  illa  quidem,  ut  mihi  videtur,  massae  et  fer- 
menti, ut  sit  instar  massae  fides,  fermenti  vero  opera  bona  et 
spiritualia,  nt  enim  sine  fermento  panis  est  insuavis  et  ad 
digestionem  ac  nutritionem  difficilis,  rursus  fermentum  solum 
sine  massa  prorsus  inutile,  massae  vero  additum  pauem  efficit 
suavem  et  firmum,  salubrem  et  facilem  ad  digerendum,  sie 
dilectio,  quae  est,  cum  seeundum  mandata  Dei  ambulamus, 
instar  fermenti  totam  massani  fidei  rovcoöaöa  xcu  xataCvfico- 
üc.oc.  id  est,  firmans  ac  fermentans  reddit  eam  utilem  et  salu- 
tareni.  ita  ut  massa  fidei  sine  fermento  dilectionis  et  bonorum 
operum  neque  utilis  sit  neque  salubris  animae  eibus.  neque  Deo 
gratus,  neque  rursus  dilectio  communis  sine  massa  fidei  com- 
moda  sit,  utriusque  vero  temperatio  et  admistio  salutaiis  est. 
Das  meiste  ist  hier  Turrianisch.  Turrianisch  ist  insbesondere 
die  Verwertung  des  Gleichnisses  vom  Mehl  und  Sauerteig,  um 
das  A'erhältnis  von  fides  und  bona  opera  [oder  dilectio]  klar 
zu  machen.  Dem.  was  Mak.  Ap.  p.  IUI.  24  sqq.  über  die  heil- 
samen Wirkungen  des  Sauerteigs  ausführt,  sind  nur  einzelne 
Gedanken  und  Ausdrücke  entnommen,  nämlich  in  ..sine  .  .  . 
difficilis"  ist  Ap.  p.  192,1  sq.  [ävev  .  .  .  exiTtjöeioq],  in  „panem 
.  .  .  ad  digerendum"  Ap.  p.  191,27  und  in  rovmaaoa  xat  xuxa- 
ZvikÖococ  Ap.  p.  191,26  benützt. 

Es  sind  jetzt  noch  die  Apokr.-Zitate  des  Turr.  mitzuteilen, 
deren  Text  uns  im  Ath.  nicht  erhalten  und  bei  denen  darum 
eine   Vergleichung  nicht  möglich  ist. 


I,  2.   Turrianus  und  der  A.pokritikos.  7  1 

Noch  dem  4.  Buche  des  Apokr.  und,  da  uns  dieses,  ab- 
gesehen vom  Schlüsse  des  letzten  Kapitels,  ganz  erhalten  ist, 
dem  Schlüsse  dieses  Kapitels1  gehört  die  Stelle  in  Apostol. 
Constitut.,  Antv.  1578  p.  95  an:  Subiungit  deinde  Cyrillus:  si 
enim  sudaria  et  semiciuctia,  quae  extra  corpus  sunt,  tacta  ab 
aegrotis  sanant,  quanto  magis  corpus  prophetae  suscitaret 
mortuum?  item  Magnetes  auctor  graviss.  ante  annos  prope 
mille  ducentos  lib.  4.  contra  Theosthenem  Gentilem  euangelia 
repreheudentem,  ossa,  inquit  prophetarum  uon  sunt  ossa  mor- 
tuorum,  quia  Deus  nou  est  nisivivorum:  de  his  scriptum  est, 
conservat  Dominus  omnia  ossa  eorum.  manifestum  itaque  est, 
quod  ossa  sanctorum  non  sunt  mortua,  sed  ])otius  plena  virtute. 
Si  enim  fimbria  propter  illum,  qui  ferebat  eam,  credenti  dedit 
virtutem  sanitatis  et  solo  tactu  curationem  fecit,  rr(~u  ov  <f<~>uir)- 
xovq  ayiovg  XQaöJtEÖcov  atyvy&v  ti/iuoreQOvg  vüiägyrovraq  i<~>yr- 
:/>•  rot,  jclötsvovOiv  avsvöoiaöTm  yvcofifi  jiaQSjsiv  tu  XQeitzova, 
oic,  [statt  dessen  ist,  wie  T.  im  Druckfehlerverzeichnisse  be- 
merkt, ovq  zu  lesen]  xal  tfiHvxaq,  t'r  rx'tuuTi  cog  Ifidttov  6 
■/anno-  dvsßdXXsto,  xai  tarn  d-avaxov  cbq  xoQtyVQCtv  ttfir'jOaq 
tFj~  u^'iuj.  ßaOiXcxrjq  jcEJCohjxe'  id  est,  quomodo,  inquit,  non 
dicamus  sanctos  timbriis  inanimis  honoratiores  non  posse  iis, 
qui  sine  ulla  dubitatione  credunt,  tribuere  meliora?  quibus 
Christus,  dum  in  corpore  vivebant,  tamquam  veste  induebatur, 
et  post  mortem  tamquam  purp ur am  honore  dignitatis  regalis 
affecit.  idem  paulo  ante  ait  fuisse  haeresim  Manichaei,  et  Mar- 
cionis,  esse  corpora  martyrum  ßöeZvxrd,  id  est,  esse  in  aboini- 
natione  et  horrore,  neque  differre  a  sepulchris  sceleratorum; 
at  pretiosa,  inquit  scriptum,  in  couspectu  Domini  mors  sanc- 
torum eius.  quod  si  pretiosa,  inquit  hie  auctor,  et  honorabilis 
apud  Deum,  quomodo  non  esse  apud  homines  ab  impostoribus 
audiemus? 

Ferner  werden  wir  dem  Schlüsse  des  letzten  Kap.  des 
4.  Buches  das  früheste  Zitat  zuweisen  dürfen,  das  uns  bei  T. 
aus  Mak.  begegnet,  das  in  der  Schrift:  Antapologeticus  pro 
libro    sin»    de    residentia    pastorum,    Flor.   1552   p.  27:     Audi 

1)  Aus  dein  Teile  des  .''>(>.  Kap.  <l<'s  1.  Buches,  der  nicht  auf  uns 
gekommen  ist,  und  zwar  aus  dem  Ende  desselben,  bal  uns  auch  Nike- 
phoros  in  seiner  A.bh.  über  Mak.  einen  Satz,  bewahrt.  Cf.  Pitra,  Spicil. 
Sol.  Par.  1852  p.  334,21sqq.:  (bq  tikoq  (Iget  '/,  xaxot  vbv  fiiXXovta  %qqvov 
toiq  aoeßeoiv  st/.. 


72  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

quid  beatus  Magnetes  ante  tempora  Constantini  magni  ad 
Theosthenem  adversus  quendam  novi  testamenti  reprehensorem 
libro  quarto  scripserit  in  hanc  sententiam,  interpretabor  latine. 
Nihil  esse,  quod  nou  posset  efficere  divina  natura,  ut  idem 
esse  solem,  et  nubem,  item,  quae  praeterierint,  non  esse  prae- 
teritä,  et  facta  infecta.  quomodo  autem,  et  quando,  neque 
explieari,  neque  comprehendi  posse.  Cum  itaque,  inquit,  omnia 
possit  deus  efticeve,  non  tarnen  efficit,  quatenus  potest,  sed 
quatenus  vult.  vult  autem,  quae  conveniunt,  conveniunt,  quae 
decent,  decent  vero,  aüiEQ  dxolovd-ov,  id  est,  quae  apta  sunt, 
et  cohaerentia.     Hactenus  ille. 

Nur  einen  Teil  dieses  Zitats  und  ohne  Angabe  des  Buches, 
aus  dem  es  stammt,  bringt  T.  in  der  Schrift:  Epistola  Franc. 
Turriani  sacerdotis  soc.  .].,  de  definitione  propria  peccati 
originalis  etc.  Ingolstadii  1581  f  14a.  Es  heißt  da:  Deus  cum 
omnia  possit,  non  facit  tarnen  xclh)  dvvarai,  ut  ait  Magnetes 
Ecclesiasticus  auctor  et  pervetustus  in  libris  Apologeticis  contra 
Theosthenem  Gentilem,  id  est,  non  facit,  quatenus  potest,  sed 
quatenus  vult.  Yult  autem,  inquit,  quae  conveniunt:  conveniunt 
quae  decent:  decent  autem  quae  consentanea  sunt. 

Noch  kleiner  ist  das  Bruchstück,  das  T.  von  dem  gleichen 
Zitate  und  wieder  ohne  das  Buch,  aus  dem  es  genommen  ist, 
zu  nennen,  in  dem  Schriftchen:  Epistola  Franc.  Turriani  S.  J. 
scripta  ad  quendam  in  Germania  theologum,  contra  Ubiquistas 
Ariauistas.  Iugolst.  1583  p.  5  sq.  anführt.  Es  lautet:  Deus 
enim,  sicut  ait  divina  scriptura,  omnia  quaecunque  voluit,  fecit 
in  coelo  et  in  terra,  vult  tarnen  quae  conveniunt;  conveniunt 
autem  quae  decent;  decent  vero  quae  consentanea  sunt,  sie 
enim  scripsit  Magnetes  Auctor  Ecclesiasticus  et  vetustus  contra 
Theosthenem  o-entilem 1. 


1)  Auffallend  ist,  wie  einige  Worte  des  Zitats  au  den  Satz  des 
Hellenen  Ap.  p.  159,  24  sq.  anklingen.  Man  erwartet  infolgedessen  unsere 
Stelle  in  der  Antwort,  die  Mak.  Ap.  p.  174  sqq.  auf  den  hier  in  Betracht 
kommenden  Einwurf  des  Heiden  gibt.  Sie  findet  sich  in  ihr  jedoch  nicht. 
Mak.  geht  Ap.  p.  174  sqq.  auf  die  fragliche  Äußerung  des  Gegners  [Ap. 
p.  159, 24  sq.  |  garnicht  ein.  Diese  Äusserung  selbst  kann  es  auch  nicht 
wohl  sein,  auf  die  T.  im  Zitate  Bezug  nimmt.  Man  müßte  sonst  annehmen, 
daß  der  ganze  Satz:  „Nihil  esse  .  .  .  comprehendi  posse"  noch  dem  Turr. 
selbst  angehört,  daß  mit  „Cum  . . .  efficere"  Ap.  p.  159,24  xa'urty  iSvrüufroq  .  . 
aXXcczteir  frei  wiedergegeben  ist,  daß  in  „sed  quatenus  vult"  ein  Miß- 
verständnis des  xal  &t/.et  Ap.  p.  159.25  vorliegt,  daß  die  Worte  „vult... 


I.  •_'.   Turrianus  und  der  Apokritikos.  7'5 

Was  das  5.  Buch  des  Apokr.  betrifft,  so  ist  zunächst  an 
die  schon  S.  38  ff',  behandelte  Stelle  aus  Adv.  Masrdeb.  Centur. 
Flor.  1572  p.  145  zu  erinnern.  Wir  dürfen  aus  ihr  schließen, 
daß  auch  in  irgend  einem  Kap.  des  5.  Buches  ähnlich  wie  im 
17.  Kap.  des  2.  Buches  die  Widerlegung  eines  Einwandes  sich 
fand,  der  sich  auf  die  Verschiedenheit  der  von  den  Evangelisten 
bei  der  Schilderung  eines  und  desselben  Vorganges  gewählten 
Ausdrücke  stützte.  Näheres  über  den  Inhalt  dieses  dem  5.  Buche 
angehörigen  Kap.  läßt  sich  den  Worten  des  T.  nicht  entnehmen. 

Mehr  erfahren  wir  aus  dem  letzten  Kap.  des  5.  Buches. 
Aus  ihm  teilt  T.  ein  längeres  Stück  und  zwar  gegen  seine 
sonstige  Gewohnheit  ganz  im  griech.  Originaltexte  mit.  Das 
Zitat  findet  sich  in  der  Schrift  des  Turr. :  Dogmaticus  de  iusti- 
ficatione  ad  Germanos  adversus  Luteranos,  Romae  1557 ' 
f.  36b — 38a  und  lautet:  Docuit  itaque  Apost.  istis  tarn  multis, 
tarn  variisque  exemplis  fidem  esse  jzoXv<poQOV  ö.7:'o;/c.,  ut  Magnetes 
vetustiss.  auetor  dixit,  id  est,  foeeundum  seinen,  quod  quidem 
(inquit)  nisi  seminetur  äxctQjtov,  id  est,  sterile  et  infrugiferum 
maneat,  seminari  autem  non  potest  sine  instrumentis  ad  sementem 
speetantibus,  hoc  est.  sine  variis  operibus,  quae  sunt  instar 
boum,  terrae,  iugi,  aratri,  perae.  etc.  quae  omnia  ut  ad 
fruetificandum  frustra  sunt  sine  semine,  sie  seinen  frustra 
quoque  fuerit  sine  istis  instrumentis,  se  enim  mutuo  adiuvant, 
similiter  evenit  in  fide  et  operibus  ad  fruetum  iustitiae  ferendum. 
Item  ut  lampas  (inquit)  ardere  non  potest  sine  oleo  neque 
oleum  splendere  sine  lampade,  sie  fides,  quae  instar  lampadis 
est  sine  operibus  coram  Deo  lucere  non  potest,  eademque  rursus 
facit  ut  opera  ipsa  coram  Deo,  instar  olei  splendeant,  quod 
satis  docuit   scriptum  in  Abraam,   quae   post   tan  tum    teuiporis 


decent"  wiederum  von  T.  selbst  herrühren  und  mir  uxio  axbkov&ov  frei 
.'<'.'>'  o  tijv  axoXovd'iav  aco^et  Ap.  p.  159,25  ausgedrückt  ist.  Mit  der 
Art  und  Weise,  wie  T.  im  Antapologeticus  an  unserer  Stelle  zitiert,  lassen 
-ich  die.-,e  Annahmen  nicht  vereinen.  Dali  auch  im  letzten  Kap.  des 
■I.  Buches  des  Apokr.  recht  wohl  ein  derartiger  Gedanke,  wie  ihn  T.  aus 
Mak.  in  unserem  Zitate  mitteilt,  hat  ausgesprochen  sein  können,  beweist 
z.  I!.    Ap.   |i.  224,  26  si|(|. 

1)  Nicht    1551,    wie    M.    Crusius    angibt    [MiPaGr.  X,    1355 C    und 
1375  A]  und  andere   ihm   nachschrieben.     Vgl.  auch   des   Turr.:  Adversus 
capita  disput.  poster.    A.  Freyhubii.  Col.   1Ö78    p.  340:    qos    quaedam    de 
operibus  el  de   iusttficatione  ante  annos   \.\.  anno  scilicel   IA  II   in  Dog 
matico  de  iustificatione,  sie  enim  Lnscriptus  est   Über,  scripsimus. 


74  Schalkhau6ser,  Makarios  Magnes. 

et  post  tarn  multa  opera  virtutis  ab  eo  facta  Jicit,  credidit 
Abraara  Deo,  et  reputatum  est  ei  ad  iustitiam.  significat  enira 
fidem,  quam  ante  quoque  habuerat,  sicut  Apost.  testatnr.  fecisse, 
ut  opera  facta  reputarentur  ad  iustitiam,  ut  ergo  lampas  et 
oleum  se  adiuvant  ad  lucendum,  sie  fides  et  opera  ad  fructi- 
ficandum  iustitiam.  Item  ut  fundamentum  inutile  est.  quous- 
que  adveniat  superedificatio,  qua  firmatur,  et  roboratur,  ac 
crescit,  rursus  superaedificatio  nihil  valet,  nisi  bono  funda- 
mento  sustentetur,  sie  fides  fundamentum  est  utile  et  firmum, 
si  dilectio  et  dilectionis  opera  superaedificentur,  similiter  su- 
peraedificatio operum  utilis  est.  si  fundamento  fidei  imponatur. 
Neque  vero  ego  has  parabolas  primus  adinveni,  sed  ante  Mille 
400  annos  Magnetes  auetor  gravissimus  in  libris  apologeticis, 
quos  adversus  euangelii  calumniatores  ad  Theosthenem  scripsit, 
ait  enim  lib.  quinto  eodemque  extremo  de  fide  Abraae  loquens, 
otiöTEvöagi  yao  <)i  sayatv  ayad-cöv  evaQEöxijöe  xm  Ihn'},  xav- 
tev&ev  f^iofhj  ri/j.  (piXLag  xov  XQEvxzovog,  sxeiva  mn'.TTor  xrjv 
rriöTir  ejtohjöev  Xci/rr:  ir  vjteg  rar  tJXlov.  xäl  Ovv  jclötei  xaXcög 
3ioay[iaz£V£zai.  di  o  q)iXrj{r£ig  vjtb  xov  9-eov  OEfitwvEtai, 
ft-EfitZiov  yao  xrjv  jiLg'xiv  slöoig  tov  xazog&oy/iaxog,  Qi£,ol  xav- 
t/jv  eig  ßad-og  olxoöo/ioJv  Irr  avxrjg  to  jcXrj&og  t<~>v  oixxigfimv, 
övvdtyag  ydo  exccteqov  y/oii  GvyysvEixrj,  vipiXov  ev  exartQoig 
aviöxrjöt  rrroyoua  ovx  dvafidoxvQOV  EQyow  xrjv  rrlor/r  xxt]6a- 
fisvog,  ovo  av  jtäXiv  rt)  soya  öiya  xrjg  jtiöxsoog  yvfivtjxtvstv 
eaöag,  OJCEQfia  ö3  Elvai  yvovg  xrjv  .-riorir  jioXvtpooov,  xa  öv(£- 
ßaXXofiEva  ajtavxa  övvdyEt  t<~)  öxiofiazi,  yrjv  äoozijoag,  Jiijgav, 
Zrynr,  (xqozqov,  xcu  06a  yeooycöv  ejtiöxfjfirj  xatEÖi ü:>\  cog 
yao  diya  xovxcov  o  Gjcöqog  ov  ßdXXexai,  /.<:)  6lya  t(~j>-  <i-ri<j- 
(idtatv  ovöhv  t<~>v  (ivfjtuovev9-ivxcov  6  Xoyog  ejclteXeI,  ovxcog 
it  jclöxig  r(>o.Tor  TO'n  om-oitic  xvyyavovöa  (ivdXlXOV  ti  nit  Öl 
EQyatv  ßXaöTrjöeisv  aya&oJv,  axagjtog  ;<~>t}  (iov?j  diafitrovöa, 
<<)j.<'.rTO-  Tf'jr  r.yc.ih'jr  rrnr.^ior  /  Ovvoöog  ;'cr  in]  t/])-  jiioxiv 
övfutsxXeyfievrjV  i'y/j  tavxf},  aoyov  vjtaoyei  jtodyfia,  xa)  jedfutav 
oxeXeOxov,  öi  6  tov  Aßoadfi  Iva  öiä  JtiotEmg  feig?)  T<~>r  toycov 
xrjv  yaoiv  kxXdfucovxa,  (prjölv  /)  Ihn:  yoa<prt,  ejziotevöev  Aßaadp 
to»  !h<ij,  /.iCi  lXoyitjih>i  avro)  slg  öixaioOvvijv.  ooäg  .y<~>~  xo 
ütooXaßov   y.t:T<>oih<)in:    rijj;    aoEXtjc   slg   6txaio6vvi]v    //    xiöxig 

Zoyiödvjvai    JCSJtoLlJXEV,    r->«    <>    <',.yönoj    XTW  yctnc.V   y.C.nrrtKf  nni'jOc.i 

Toni,    mg  yao  Xa/utag  üioleI  tov    IXeov  Xa{npai   tijv  jtoioxtyxa 
1)  Die  Fehler  im  griech.  Texte  des  T.  ließ  ich  fast  alle  -tehen. 


1,  2.  Tarrianus  und  der  ApoJcritikos.  7.") 

£(ißaXXo(itV7jV  /.v/vc),  ovtq}  .-rl<~>Tu  -/.i:tti:rr;o  sv  Xvyvo}  ßXij&tlöa 
t(~)  Aßgaafi  aözQaipai  jtejtoirjxi  zmv  sgyoov  zijv  aQezrjV.  gyooi- 
/.(').  o  Aßgaccfi  tu  fiev  i'our  zrjg  JtoXizeiag  xaiöev&elg  qöjtd- 
£ezo,  /.CA  jcXrjoioig  xQtjöifiog  vjrfJQxs,  xäi  aöoXog,  sv  öoöet  xai 
Xrjipst  tpiXcöv  tu  axaxovQyrpov,  atp&ovov  xolg  6eokutvoig  jtaga- 
fiv&iav  öiöovg,  astXcog  Ejcizrjdsvfiäzcov  <päßXcov  r.rayuu, evog, 
zavza  et  y.c)  xaXa  tc>  (paiveö&ai,  y.c.i  osftva,  ovöelg  eXoyi^szo 
./_•  öixaioGvvrjv,  ovöslg  aQsxrjV  xazä  Xoyov  szazzsv,  sjttl  ui^Y 
olog  zig,  fjv,  ii  ///]  fiovog  9-sog,  <:/./."  ovscco  kjtiözevezo,  bütrjvbta 
<Y  6  Aßgadfi  ijciözevöt  zcö  d-söi,  zavza,  y.c.}  zd  zotavza  T<ör 
xaXätv  y.c.Tuuitciiic.Tc))-  slg  dixaioGvvriv  iXoyiöd^  t<~>  Aßgadfi. 
Interpretabor  latine,  cum,  inquit,  Abraam  credidit,  per 
opera  bona  placuit  Deo,  hinc  factus  est  Dei  amicus,  qui  ope- 
rando  effecit,  ut  fides  supra  solem  splenderet,  et  rursus  cre- 
dendo  effecit,  ut  pulchre  operaretur,  quamobrem  amicus  Dei 
honorifice  appellatus  est,  cum  enim  intelligeret  fuudamentum 
virtutis  esse  iidem,  radicavit  eam  alte  aedificans  super  eam 
multa  opera  misericordiae.  eopulans  enim  utrunque,  fidein 
dico,  et  opera  vinculo  quodam  uecessitudinis,  et  cognationis 
celsam  turrini  ex  utrisque  extruxit.  neque  fidem  solam  sine 
testimonio  operum.  neque  opera  sola  sine  testimonio  fidei  re- 
linquens.  imo  cum  sciret  tidem  esse  seinen  foecundum.  ad- 
hibuit  semini  omnia  accommoda  et  opportuna,  terram,  boves, 
peram,  iugum,  aratrum,  et  quaecunque  ars  agriculturae  docuit. 
Dt  enim  sine  his  non  seritur  seinen,  neque  nisi  causa  seminis 
quiequam  istorum,  quae  diximus,  seeundum  rationein  efficitur, 
sie  fides.  quae  quodammodo  semen  mysticum  est.  nisi  germi- 
narit  per  opera  bona,  sed  sola  potius  remaneat,  expers  fruetus 
ac  germinis  institiae  est,  similiter  bona  opera  nisi  fidem  habeant 
secum  connexam  et  implicatam,  otiosa  sunt  et  prorsus  im- 
perfeeta,  ex  quo  sacra  scriptum  ut  demonstraret  Abraam  per 
fidem  protulisse  l)onorum  operum  splendorem,  ait.  credidit 
Abraam  Deo,  et  reputatum  est  ei  ad  iustitiam.  vides  quemad- 
modum  fecit  fides,  ut  superiora  opera  bona  reputarentur  ad 
iustitiam.  sicuti  seinen  fach,  ut  ager  f'erat  frugem?  ut  enim 
lampas  facit,  ut  oleum  lychno  infusuin  splendeat,  sie  fides 
immissa  Abraae  instar  olei  infusi  lychno  fecit,  ut  virtutes,  id 
est,  opera  bona  splenderent.  Servabai  quidem  Abraam  ma- 
gistra  natura  aeqnitatem  in  vita  communi,  eratque  utilis  pro- 
\imis,  et  a  dolo  et   trau  de   alienus,   tum   dando   et   aeeipiendo 


76  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

nemiui  nocens,  egentibus  benigne  faciens,  et  in  simplicitate 
tribuens,  deinde  a  pravis  studiis  se  abstinens.  haec  tametsi 
pulchra  et  honesta  hominibus  viderentur,  nemo  tarnen  in  insti- 
tiam  ea  computabat,  nemo  in  virtutibus  cum  ratione  ponebat, 
quia  neque  ponere  quidem  ullus  poterat,  nisi  solus  Deus.  verum 
nondum  credebat.  cum  vero  Abraam  credidit  Deo,  hae  at< j im- 
aliae  huiusmodi  actione«  et  virtutes  computatae  sunt  Abraae  in 
iustitiam1.  Hactenus  Magnetes,  apud  quem  tres  illas,  quas  dixi 
parabolas,  notare  licet  ad  fidem  et  opera  spectantes  fundamenti  et 
superaedificationis,  semiois  et  eoruni,  quae  sunt  instrumenta  et 
adiumenta,  ut  seinen  germiuet,  et  lampadis  atque  olei. 

Teile  aus  diesem  Zitate,  aber  nur  lateinisch,  finden  sich 
auch  anderwärts  bei  Turr.  Sie  seien  der  Vollständigkeit  halber 
gleichfalls  mitgeteilt: 

1.  Dogmaticus  de  justific,  Romae  1557  f.  5b:  an  dicemus 
fortasse  iustificatum  esse  [sc.  Abraam]  ex  operibus  secundum 
carnem?  qualia  erant  opera.  quae  tpvöixmg  faciebat,  antequani 
crederet,  erat  enim  ante  fidem,  ut  Magnetes  vetus  et  ecclesi- 
asticus  auctor  ad  Theosthenem  scripsit,  benignus,  continens, 
iustus  et  aliis  virtutibus  praeditus.  T.  gibt  hier  die  Worte  des 
Mak.  nur  dem  Sinne  nach  wieder. 

2.  Adversus  Magdeb.  Centuriatores,  Flor.  1572  p.  387 sq.: 
.  .  nou  pigebit  repetere  hie,  quae  ex  libro  quinto  Magnetis 
contra  Theosthenem  in  Dogmatico  uostro  de  iustificatione  latine 
interpretatus  sum,  cum  de  fide  Abrahae  dissererem.  Si  quis 
Graeca  conferre  voluerit,  inde  petat.  Scripsit  hie  auctor  ante 
mille  quadringentos  annos  libros  quinque  apologeticos  pro 
Euangelio,  qui  usque  in  hodiernum  diem  in  bibliotheca  Yeneta 
servantur.  Cum  (inquit)  Abraham  credidit  ....  computatae 
sunt  Abrahae  in  iustitiam2.     Haec  hactenus  Magnetes,  in  quibns 


1)  Die  lat.  Übersetzung  des  T.  beizufügen,  erschien  um  deswillen 
angebracht,  weil  aus  ihr  zu  ersehen  Lst,  wie  T.  den  griechischen  Text  auf- 
faßte, und  weil  bei  früher  behandelten  Zitaten  ein  paarmal  wahrzunehmen 
war,  daß  die  lat.  Übersetzung  des  T.  Fehler  nicht  aufwies,  die  sieh  in 
seinen  griech.  Text  eingeschlichen  hatten. 

2)  Den  vollen  Wortlaut  der  Stelle:  Cum  .  .  .  iustitiam  hier  anzuführen, 
ist  überflüssig,  da  sie  mit  der  oben  [S.  75 — 76]  aus  der  Sehritt  Dogm. 
de  iustificatione  p.  37  b  mitgeteilten  lat.  Übersetzung  des  griech.  Mak.-Zitats 
nahezu  gleichlautend  ist.  Die  Abweichungen  sind  folgende:  In  der  späteren 
Schrift  [Adv.  Magdeb.  Cent.]  ist  die  Interpunktion  eine  bessere.  „Abraham" 
schreibt  T.  in  ihr  mit  h.    Statt  per  opera  bona  [in  Dogm.  de  iu-t.  p.  37b, 


I.  l'.  Turrianus  und  der  Apokritikos.  77 

tres  illas  parabolas  ad  fidem  et  opera  spectantes,  divino  i n— 
genio  notavit,  fundamenti  et  superaedificationis:  serainis  et 
eorum,  quae  sunt  instrumenta  et  adiumenta,  ut  seinen  germinet: 
lampadis  et  olei,  quae  ita  colligata  sunt,  ut  qui  ea  divellat. 
inutilia  ad  habitandum,  ad   gerininandum  et  lucendum  reddat. 

3.  Ibid.  p.  38!*:  fides  .  .  sine  illis  operibus  legis  naturalis. 
quibus  ante  fidem  Abraham  abundabat,  sed  nondum  deo  pla- 
cebat,  ut  paulo  ante  dixit  Magnetes.  Die  Worte  des  Mak. 
sind  hier  nur  dem  Gedanken  nach  wiedergegeben.  Das  „paulo 
ante"    bezieht  sich  offenbar  auf  das  Zit.  p.  387  sq.  [Zitat  2]. 

4.  Ibid.  p.  391:  an  fortasse  dicemus,  iustificatum  esse  ex 
operibus  secundum  carnein,  qualia  erant  opera,  quae  <pv- 
or/.c'j-,  id  est,  natiiraliter,  autequam  crederet,  faciebat?  erat 
euim  ante  fidem,  ut  paulo  ante  [cf.  Zitat  3]  Magnetes  vetu- 
stissimus  et  ecclesiasticus  auctor  aiebat,  benignus,  continens. 
iustus  er  aliis  virtutibus  praeditus.  Deckt  sich  nahezu  mit 
Zit.   1. 

ö.  Apostol.  Konstitut..  Antv.  1578  p.  10(5  n.  3:  hoc  loco 
Bcriptura,  ut  Magnetes  auctor  ecclesiasticus  et  pervetustus  in 
Apologia  euangeliorum  contra  Theosthenem  gentilem  notavit, 
ut  demonstraret,  per  fidem  protulisse  Abraham  bonorum  operum 
splendorem,  eredidit,  inquit,  Abraham  Deo  et  reputatum  est 
ei  ad  iustitiam.  servabat  enim  Abraham  ante  fidem  magistra 
natura,  ut  ait  idem  auctor,  aequitatem  in  vita  communi  eratque 
utilis  proximis,  et  a  dolo  et  fraude  alienus,  egentibus  benigne 
faciens.  Denique  secundum  carnem  habebat  gloriam  apud 
homines,  ut  Apost.  testatur,  etsi  non  apud  Deum,  i|iiia  non- 
dum credebat:  postquam  vero  sie  duce  cognitione  naturali  beue 
operanti  dedit  Dens  fidem,  qua  eredidit.  et  iubenti  exire  ex 
terra  sua  oboedivit,  tunc  illa  bona  opera  priora.  quae  secundum 
solam  rationein  naturae  insitam  sine  fide  faciebat.  facta  sunt 
ei  opera  fidei  Deo  aeeepta  et  ad  iustitiam  reputata,  ut  ait 
idem  auctor.  Zwischen  den  Bemerkungen  des  Mak.  stehen 
hier  Worte  des  „Apostolus"   und  des  Turr. 


gleich  am  Aul.  |  hat  er  in  der  Schrift  Adv.  Magd.  Cent.:  per  bona  opera :  statt 
radieavit  eam  alte  —  radices  eius  defixit  alte;  statl  imo  -  imrao;  statt 
sie  ti ( 1  f ■-  immissa  Abraae  instar  olei  infnsi  lychno  fecit,  ut  virtutes,  td  est, 
opera  bona  splenderent  —  sie  li<l<*s  Abrahae  fecit,  ut  virtutes  operum 
instar  olei  lychno  infusi,  splenderent;  statt  ^v  fraude  —  ac  fraude  und 
statt  haec  tametsi        Quae  tametsi. 


7N  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

6.  Ibid.  p.  "248:  Quae  vero  essent  opera  ista  Abrahae  se- 
cuudum   carnem  sive    secundum   naturam,   antequam    spiritum 

ex  fide  a  Deo  acciperet,  optime  docuit  Magnetes  auctor  anti- 
quissimus,  in  quinto  libro  apologiarum  pro  euangelio,  servabat, 
iuquit,  Abraham  (pvoixaiq,  id  est,  naturaliter,  id  quod  Clemens 
dixit  eg  vjraQxovöTjg,  scilicet  dvväfitoiq,  aequitatem  in  vita  com- 
muni  eratque  utilis  proximis  et  a  dolo  atque  fraude  alienus: 
tum  dando  et  aceipiendo  nemini  nocens:  egentibus  benigne 
faciens  et  in  simplicitate  tribuens:  denique  a  pravis  studiis  se 
abstinens.  Haee,  inquit,  tametsi  pulchra  et  honesta  hominibus 
videreutur,  nemo  tarnen  in  iustitiam  computabat.  nemo  in  vir- 
tutibus  cum  ratione  ponebat,  quia  neque  ponere  quidem  nllus 
poterat,  nisi  solns  Deus.  Verum  nondum  credebat:  cum  vero 
credidit  Abraham  Deo,  haec  atque  alia  recte  facta  computata 
sunt  Abrahae  in  iustitiam.  Hactenus  Magnetes.  Der  Wortlaut 
des  Lateinischen  zeigt  hier  nur  unbedeutende  Abweichungen 
von  Dogm.  de  iustific.  f.  37  b. 

7.  Bloß  einen  Hinweis  auf  unser  Mak.-Zitat,  ohne  etwas 
aus  dem  Inhalte  desselben  anzuführen,  gibt  Turr.  in  der  Schrift: 
Dogmatici  characteres  verbi  dei.  Flor.  1561  f.  218b,  wo  er 
sagt:  Bona  vero  opera  sauctorum  et  eorum  passiones  non  sunt 
opera  bona  secundum  carnem,  sive  naturam,  cuiusmodi  erant 
multa  opera  Habraae,  antequam  iustificatus  esset  a  deo,  ut 
nos  in  Dogmatico  de  iustificatione  auctoritate  Magnetis  anti- 
quissimi  et  ecclesiastici  scriptoris  probavimus. 

Wir  sind  mit  der  Mitteilung  dessen,  was  die  Schriften  des 
Turr.  au  Bemerkungen  über  den  Venetus  und  über  Mak.  und 
an  Zitaten  aus  dem  Apokr.  enthalten,  zu  Ende.  Das  Resultat 
unserer  Untersuchung  der  Zitate  können  wir  in  die  nach- 
stehenden Sätze  zusammenfassen: 

1.  Die  Zitate,  die  Turr.  aus  dem  Apokr.  beibringt,  sind 
bei  ihm  fast  durchweg  bloß  lat.  wiedergegeben.  Selten  finden 
sich  in  ihnen  vereinzelte  griech.  Worte  oder  Sätze.  Nur  einmal 
teilt  Turr.  ein  etwas  längeres  Stück  griech.  mit. 

2.  Die  Mehrzahl  der  Zitate  gehört  dem  Teile  des  Apokr.  an, 
der  im  cod.  Atheniensis  uns  erhalten  ist.  Wird  ihr  Wert  da- 
durch herabgedrückt,  so  sind  wir  andererseits  hierdurch  in  den 
Stand  gesetzt,  eme  Yergleichung  des  Textes,  der  sich  bei  Turr. 
findet,  mit  dem  des  Ath.  anzustellen. 

3.  Diese  Vero-leichuno-  ergibt  folgendes : 


I.  2.   Turrianus  und  der   Apokritikos.  7l> 

a)  T.  macht  nicht  immer  kenntlich,  wo  die  ^  orte  des 
Mak.  aufhören  und  seine  eigenen  wieder  anfangen.  Der  einzige 
Fingerzeig  dafür,  daß  er  Äußerungen  des  Mak.  durch  eigene 
unterbrochen  hat,  ist  zuweilen  ein  „inquit"  oder  „ait"  [sc.  Ma- 
gnetes], das  uns  öfters  bei  ihm  begegnet1. 

b)  Wenn  T.  einem  Kapitel  oder  Kapitelabschnitte  ein 
Zitat  entnimmt,  so  bringt  er  nicht  alles,  was  im  Griech.  steht, 
sondern  er  wählt  sich  nur  das  aus.  was  er  für  seine  Zwecke 
braucht.  In  seinen  Zitaten  fehlen  darum  nicht  selten  einzelne 
Worte,  Satzteile,  Sätze,  ja  ganze  Satzreihen  des  Griechischen. 
Was  bei  T.  unmittelbar  aufeinander  folgt,  liegt  im  Originale 
manchmal  weit  auseinander,  ohne  daß  T.  ilarauf  aufmerksam 
macht.  Nur  hie  und  da  deutet  ein  „iuquit"  darauf  hin.  daß  die 
mit  diesem  Worte  eingeleitete  Stelle  im  Griech.  sich  nicht 
direkt  an  «las  bei  T.   Vorhergehende  anschließt'-. 

c)  Dann  und  wann  fügt  T.  ein  Wort  oder  einige  der 
Erklärung  halber  hinzu,  ohne  den  Zusatz  als  solchen  zu  kenn- 
zeichnen. 

d)  T.  übersetzt  großenteils  wörtlich.  Es  ist  zu  viel  be- 
hauptet, wenn  man  sagt,  daß  er  nur  die  Gedanken  des  Mak. 
mit  seinen  eigeneo  Worten  wiedergebe.  Zuweilen  allerdings 
verfährt  er  mehr  oder  weniger  frei.  So  kommt  es  z.  B.  vor, 
daß  er  für  öcotrjg  Christus  sagt,  bei  Verben  das  Praes.  statt 
des  Praet.,  das  Act.  statt  A^a  Pass.  oder  umgekehrt  wählt, 
•  laß  er  den  bestimmteren  griech.  Ausdruck  durch  einen  un- 
bestimmteren oder  den  ungewöhnlicheren  durch  einengeläufigeren 
ersetzt  oder  daß  er  die  Gedanken  des  Mak.  nur  dem  Sinne 
nach  wiedergibt.  In  manchen  Fällen  ist  zweifelhaft,  ob  T. 
deswegen  anders  überträgt,  weil  er  sich  nicht  an  den  Buch- 
staben seiner  Vorlage  binden  wußte  oder  deshalb,  weil  er  einen 
anderen  Text  \or  sieh  hatte.  Auch  da.  wo  er  merklicher  von 
unserem  Texte  abweicht  oder  da.  wo  uns  seine  Übersetzung, 
mit  dem  Wortlaute  der  Blondel'schen  A.pokr.  -Ausgabe  zu- 
sammengehalten, unrichtig  erscheint,  ist  nicht  immer  mit 
Sicherheit  zu  entscheiden,  ob  etwa  ein  Versehen  von  ihm  vor- 
liest  oder    ob   er   im   Neu.   anders    las.      Das    Gesagte    gilt    für 


1  Z.  B.  Dogmatici  char.  f.  I8n    oben  S.69];    \<l\.  Magdeburg.  Cent, 
p.  14.">  [oben  S.39]:   A.p.  Const.  p.229sq.  [oben  S.  56f.]. 

2  Z.  B.  De  votis  roon.  f9i   oben  S.  58];  A.p.  Const.  p.  218  [oben  S.  II 


SO  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

die  lat.  Mak. -Zitate  des  T.  insgesamt  und  für  die  griech. 
da,  wo  seine  eigenen  Ausführungen  griech.  sind,  also  für  die 
in  der  Schrift:  Autrayai  r.  äy.  ajcoötoXmv.  Wo  er  dagegen  in 
lat.  Schriften  griech.  Zitate  oder  in  lat.  Zitaten  griechische 
Worte  und  Sätze  anführt,  müssen  wir  voraussetzen,  daß  er 
nicht  ohne  besonderen  Grund  vom  Originale  abgegangen  ist. 
Denn  hätte  er  sich  an  den  Wortlaut  desselben  von  vornherein 
nicht  kehren  wollen,  so  hätte  es  der  Mitteilung  des  griech. 
Textes  neben  der  lat.  Übersetzung  überhaupt  nicht  bedurft. 
Doch  sind  auch  hier  Versehen  oder  geringfügigere  absichtliche 
Unigestaltungen  nicht  ohne  weiteres  für  ganz  ausgeschlossen 
zu  erachten. 

4.  Trotzdem  uns  durch  die  Art,  wie  T.  zitiert,  der  Ein- 
blick in  das  Verhältnis  des  Ath.  zum  Yen.  erschwert  wird  und 
obwohl  uns  für  das  einzige  längere  Stück,  das  T.  aus  dem 
Apokr.  griech.  mitteilt,  eine  Yergleichung  mit  dem  Ath..  in 
dem  es  nicht  mehr  steht,  unmöglich  ist,  geht  aus  der  Kon- 
frontierung der  Zitate  des  T.  mit  den  einschlägigen  Stellen 
unserer  Ausgabe  doch  zur  Genüge  hervor,  daß  Yen.  und  Ath. 
nicht  identisch  sein  können. 

5.  Nur  in  wenigen  Fällen  erweist  sich  bei  Differenzen  der 
Text  des  Ven.  als  der  bessere,  häufiger  bietet  der  Ath.  den 
Wortlaut,  der  den  Vorzug  verdient. 

6.  Zur  Vermehrung  des  Textmaterials  tragen  nur  die 
Zitate  des  Turr.  bei,  die  den  im  Ath.  nicht  erhaltenen  Partien 
des  Apokr.  entnommen  sind  [das  sind  die  oben  von  S.  71  an 
mitgeteilten]. 

Reich  kann  die  Ausbeute,  die  für  den  Apokr.  aus  den 
Schriften  des  T.  zu  gewinnen  ist,  nicht  genannt  werden.  Über 
die  Handschrift,  die  er  benützte,  sind  seine  Angaben  ganz 
dürftig.  Die  Zitate,  die  er  aus  dem  Apokr.  bringt,  sind  nicht 
so  zahlreich  und  vollständig,  als  wir  wünschten.  Von  den 
Einwänden  des  Hellenen,  der  im  Apokr.  bekämpft  wird.  t»>ilt 
T.  keinen  einzigen  genauer  mit.  Bei  dem  Zwecke,  den  Turr. 
mit  seinen  patristischen  Zitaten  verfolgte,  hat  das  alles  freilich 
nichts  Auffallendes.  Er  lebte  in  der  Zeit  der  großen  Kirchen- 
spaltung. Seine  Schriften,  soweit  sie  nicht  bloüe  Übersetzungen 
sind,  galten  der  Verteidigung  röm. -katholischer  Lehren  und 
Einrichtungen   und   dem   Kampfe  gegen  die  Reformation.     Die 


i.  •!.   Zacb.  Skord.  und  der  Apokritikos.  81 

ausgebreiteten  and  quellenmäßigen  Kenntnisse  in  der  patristischen 
Litteratur,  die  er  sich  durch  das  Studium  von  Hss.  erworben 
hatte,  setzten  ihn  in  den  Stand,  seine  Schriften  reichlich  mit 
Earchenväteraussprüchen  auszustatten.  Sie  dienten  ihm  als 
Belege  bei  seinen  apologetisch-polemischen  Ausführungen.  Ans 
den  Worten  der  Väter  sollte  erhellen,  daß  auch  vor  dem 
Forum  des  kirchlichen  Altertums  Doktrin  und  Gebräuche  des 
Katholizismus  zu  Recht  bestehen  und  die  Reformatoren  un- 
recht haben. 

Daß  der  Ertrag,  den  die  Schriften  des  Tnrr.  für  die  Kenntnis 
des  Venetns  und  für  den  Apokr.  abwerfen,  zn  wünschen  übrig 
läßt,  muß  um  so  mehr  beklagt  werden,  als  T.,  soviel  wir 
wissen,  der  einzige  ist1,  der  den  codex  Yen.  benützt  und 
exzerpiert  hat.  Es  scheint  allerdings,  daß  noch  ein  anderer 
ihn  eingesehen  und  an  einer  Stelle  wenigstens  verwertet  habe, 
Zacharias  von  Kreta.  Aber  dies  ist  nur  Schein,  wie  aus  dem 
fol»-.  Abschnitte  sich  ergeben  wird. 


3.    Zacharias    Skordylios    und    der  Apokritikos   des 
Makarios  Magnes. 

Über  die  Lebensumstand»'  des  Zacharias  Skordylios  ist 
in  der  mir  bekannten  Litteratur  nirgends  Ausführlicheres 
und    Genaueres    zu    rinden-.     Zacharias    Skordylios,   mit    «lern 


1)  Von  Lud.  Beccadeüi   [S.  üben  S.  J7J   i.-t   uns   aar   berichtet,   daß 

er  unseren  Ven.  aus  der  Marciana  entlehnte  and  nach  einer  gewissen  Zeit 

wieder  zurückgab.     Ob    er   ihn  gelesen  oder  "li    er   gar  Auszüge  aus  ihm 

cht    und    diese   irgendwo    verwendet   hat,    darüber   ist,   soweit    meine 

Kenntnis  reicht,  uns  nichts  überliefert. 

2  Einiges  in  folg.  Schriften:  a)  Land.  Deliciae  eruditorum.  T.  1. 
Flui-.  L738  p.  69 sqq.  [Nursoviel,  als -ich  der  weiter  unten  zu  erwähnenden 
Abhandlung    des    Zach,   entnehmen    Läßt];    b    -I'-  gem.   Gelehrten- 

Lexikon.  -1.  Teil.  Leipz.  1751,  Kol.  428,  Art.  Scordilius  von  Fa[bricius]; 
e)  Fabricius,  Bibl.  Graeca  -I.  Ihn!.  T.8.  Hamb.  1802  p.  90,  T.  L0.  Bamb. 
1807  p.637  u.  T.  11.  Hamb.  1808  p.  722;  d)  "EXkTjvo/ivijfiwv,  Ath.  1843 
Nr.  5.  M:i  1843  p.  •"><"'> — 320:  Za^aglac,  SxogävXtoq  [Von  wem  der  Art. 
stammt,  ist  nicht  mitgeteilt.  Zufolge  der  Anm.  p.  306  sind  in  ihm  Notizen 
.■ine-  Herrn  Ch.  Philetas  verwertet  Ferner  sind  Lami  und  Fabricius 
benützt.  Die  Fortsetzung,  auf  die  p.  320  hingewiesen  wird,  folgt  nicht]; 
e)  NeoeXkrjvixij  ipikoXoyia  von  1\.  N.  Sathas.  Athen  L868  p.  181  182; 
!  E.  Legrand,  Bibliographie  Hellenique  ou  description  raisonnee  des 
ouvrages  publies  en  Grec  par  de-  Grecs  au\  15.  et  1*1.  siecles.  I.  I.  Par. 
Texte  n.  Untersuchungen  etc.  31,4  <1 


go  Schalkhausser,  Makarios  M:ignes. 

Beinamen   Marapharas,  stammte  von    der   damals    zu  Venedig 
<rehörio-en    Insel    Kreta1.      In    den    Jahren    15622,    15P>3:J'    und 


1885  p.  314  sqq.:  g)  Ph.  Meyer,  Die  theol.  Litteratur  der  griech.  Kirche  im 
16.  Jahrh  [Studien  zur  Gesch.  der  Theol.  u.  der  Kirche  von  Bonwetsch- 
SeebergIII,6  Leipz.  1899]  p.  85-87. 

1)  Als  Korjq  bezeichnet  er  sich  selbst  in  Büchern,  die  er  herausgab, 
und  in  Hss.,  die  er  geschrieben  hat.  Ob  Sathas  recht  hat,  der  1.  I.  p.  181 
mitteilt,  er  war  aus  Kydon,  oder  Beludes,  der  ihn  in  seiner  Schrift: 
'EXXtjvojv  bQd-oöögwv  anoixia  ev  Bsvsxlq.  Yen.  1872  p.  132  „ix  Xävöaxog" 
sein  läßt,  weiß  ich  nicht. 

2)  Vgl.  z.B.  die  Einträge,  die  sich  in  der  griech.  Hs.  der  Pariser 
Nat. -Bibliothek,  Nr.  1327  finden.  F.  194v  steht  die  Unterschritt:  Oeov 
rb  ööjtjor  xal  Za/c.olov  i£QE<oq  nbvoq.  rov  Koqxbq,  tov  xaxä  xbofiov 
SxoQÖikrj,  rov  6h  TtaQ*  irtlxXTjv  MaQa<paoä\  +  etc.,  ,a<p§ß0V',*EvETi%oi>  ; 
f  259v  steht:  Tb  napbv  ßtßXlov  iyQä<prj  nag'  ifiov  Za/c.olov  ieoe(oq  tov 
Korjxbq  tov  Maoacpaoä  etc.  Transcriptus  et  recognitus  Über  hie  est  ex 
vetustissimo  exemplari  Cretico:  Venetiis,  a.  1562,  impensa  facta  aureorum 
x.  Zacharias  sacerdos  transcripsit  et  habuit.  Vgl.  auch  Ms.  Gr.  1828  fA 
und  Ms.  Gr.  2426  fA  [Mitgeteilt  in:  Revue  des  bibliotheques.  II.  1892 
Par.  p.  174sq.  in  dem  Aufsatze:  H.  Omont,  Les  mss.  grecs  dates  des  15 e 
et  16 e  siecle  de  la  Bibliotheque  Nationale  et  des  autres  bibl.  de  France]. 

3)  Cf.  a)  Die  Einträge  im  Ms.  Gr.  2745  der  Pariser  Nat.-Biblioth. 
Fol.  A  [Bemerkung  des  ehemaligen  Besitzers  der  Hs..  des  französischen 
Gesandten  in  Venedig,  Hurault  de  Boistaille]:  Transcriptus  a  Zacharia 
Graeco,  etc.  1563.  F  131  v  die  Unterschrift:  Za/y.oU<;  hotvq  [Rev.  des 
bibl.  II.  1892  p.  176].  b)  Die  Bemerkungen  in  zwei  im  J.  1563  von  Zach, 
herausgegebenen  Schriften.  Die  eine  Schrift  ist  ein  Horologium.  In  ihr 
heißt  es:  Tb  itaobv  ojQoXbyiov  ixvnoj&)j  iv'EvEziaiq  iv  oixIcc'Avöqeov  tov 
SmvsXXov  .  .  .  STtifiskEiq  rt  xal  £7ti6iOQ&d>OEi  Za%aoiov  isoecaq  axog- 
övXlov  xQrjrbq  rov  imXEyofXkvov  [iaQct<pa()ä,  xal  htixobnov  tov  tfjq  Ktov- 
oravrivovnb).eo)q  olxovfiEvixov  itaxoiaQxov  xvoiov'Icoäoaq).  "Exei  Tri  anb 
rrjZ  ivoäoxov  oixoro/nlag  rov  xv  ijiuöv'lf  Xv.  <'<{ cy  .  lovXXlqt  ~  .  [Legrand, 
Bibl.  Hell.  T.  I.  Par.  1885  p.  319].  Die  andere  im  .1.  1563  von  Zach. 
herausgeg.  Schrift  ist:  Nixt/xa  rpiXoobyov  rov  xal  daßld  EQfiqvsia  £iq  tä 
TETQaGTiyu  xov  fiEyäXov  naxQoq  rorjyoolov  tov  NatyavZflvov.  Ven.  1563. 
In  ihr  steht  auf  der  Vorderseite  des  letzten  Blattes:  Tä  naoövxa  tetqÜ- 
orr/a  .  .  .  rervTTojrai  (aev  iv  'Eveziatq  ev  olxiq  xvqlov  *PoayyLaxov  tov 
Qavirov.  nbvio  6h  tioXXoj  xal  nXsiot^  ircifiEXelq,  Zr./coiov  lEOsatq  nxoo6. 
xQjjtbq  rov  imXsy.  fiapafpapä,  xal  irtixobnov  rov  ir\q  Katvaxavxivova. 
oixovfi..  naxQvaQipv  xvqlov  'hoäorap  .  .  "jthj  6h  avv  9-jEÖi  nigac  EiXrjcps, 
q<p^y  änb  xtjq  ti-eoyoviag.  /ucutaxrtjotcöroq  byöb%  (pS-ivovxoq  .  .  .  [Legrand. 
Bibliogr.  Hell.  I.  Par.  1885  p.  314].  c)  Die  Äußerung,  die  Franc.  Turr. 
in  seinem  1563  zu  Venedig  erschienenen  Buche:  diaxayal  zwv  ayitav 
änooxbXcav  in  den  ÜQoXEybfiEva  f  17a  u.  b  tut:  .  .  .  Zayaoiaq  i£Q£vq 
xQ?jq  b  oxoq6vXioq  b  sntXEybftEvoq  //.aoatpaoäg,  avrjo  nenaiSEVfiivoq  xal 
Xoyov  EfjatEiQoq,  vir  Ss  rov  xrjq  xoavaxavxivovnbXecoq  TtaxQiaQxov  xvqiov 
'Iwaoatp  tnlrQonoq  'EvexlrjOi    ötazoißatv,    und    die   Überschrift,    unter   der 


I.  3.    Zach.  Skord.  und  der  Apokritikos.  ,S3 

15641  lebte  er  in  Venedig-  und  war  Priester  der  griech.  Gemeinde 
daselbst.  Ob  noch  länger,  ist  nicht  erweislich2.  Für  die  Jahre  1563 


am  Schlüsse  dieser  Prolegomena  f  I8a  sechs  griech.  Distichen  des  Zach. 
mitgeteilt  sind:  Zayc.olov  lEQSoaq  OXOQÖvXiov  XQr/xbq  VOV  htiXeyofiEVOV 
"r  pcupagä,  xc'i  fatutgoitov  tov  t/%-  xtavaxavxtvovTtöXecoq  naxQiäQyov  xv 
'I<oäaa<p,  itQoq  tovq  ivxsv^ofievovq  z%  ßt'ßXo). 

1)  In  dem  Buche:  liegt  vcöv  ir\q  avyyeveiaq  ßad-fiöiv  avionrixi] 
avXXoy^  ix  ihr.if i'iuor.  avvTsS-sTaa  naga.  Zayaglov  legscoq  gxoqövXIov 
xyijToi  tov  snovofiatflfievov  (lagacpagä  xal  snixobnov  tov  xijq  xmvaxavxi- 
vovnbXemq  oixovfievixov  naxouxQfpv  xvq'iov  I<oäaa<p,  ovv  tolq  aXXoiq 
ixaxeoxQwd-i].  MavovrjXov  leooöiaxovov  xal  fieyaXov  %aoxo(pvXaxoq  xr\q 
/nsyä/.it:  ixxXrjolaq.  'ixd-eoiq  ccTtXovaxeoa,  rl-  xal  ovvxofMoxeoa.  avvxed-sTaa 
7tao:  rjfKÖv  ttQtimq  xal  sxöo&eiaa.  ooiOfiäi  tov  navayuoxaxov  tj/luöv 
Ssanbxov  tov  oixov/xevixov  naxQiäoy>pv  xvgiov  ieqe/iiov,  etc.  steht  auf  der 
Vorderseite  des  vorletzten  Blattes:  VV'r  Ttaobvxa  avvotxeoia  ixvndt&T] 
svsxiyGiv   .'■')•   oixla  'Iaxwßov   tov  Aeovyxivov  etc.  ovXXoy%   xal  htifxeXelq 

Zt./.    l£Q.    GXOOS.    XQTjXOq    TOV    STtOVOfX.    in  <><■(..    /.<:)    htlXQOTtOV    T.    T.    XCOVOX. 

olxovfi.  TtaxQvaQyov  xvq.  [im  Buche  ist  nichts  abgekürzt]  'I<oäaa<p.  exet, 
t<j>  aitb  tf\q  ivoagxov  ocxovofilaq  xov  xvqiov  tj/icöv  Itjaov  xqioxov,  ay§<f . 
:')•  firjvl  exaxofißaiciivi  [Legrand.  Bild.  Hell.  T.  IT.  Par.  1885  p.  1  sq.]. 

2)  Da  und  dort  findet  man  Angaben,  die  auf  einen  längeren  Auf- 
enthalt des  Zach,  in  Venedig  hindeuten.  Sie  erweisen  sich  als  unhaltbar. 
In  d-s  Mart.  Crusius  Turcograecia,  Bas.  1">84  steht  p.  200  unter  den  anno- 
tationes  eine  kurze  Bern,  bezüglich  der  griech.  Georgskirche  in  Venedig. 
Crus.  sagt  da:  In  libello  Zayaoiov  ieq.  oxoqS.  xotjxbq  tov  hiovo/xat,.  (iao. 
xal  inixQonov  r.  t.  Kwvax.  oixov/i.  naxQi.  xvq.  [im  Buche  ist  nichts  ab- 
gekürzt] i<aäoa<p,  1569,  sub  finem  adscripta  est  haec  inscriptio.  Es  folgt 
nun  das  Epigramm  <\o*  Midi.  Sophianus  \.  löi>4  zur  Einweihung  der  gr. 
Georgskirche  in  Yen.  Crus.  gibt  den  Titel  des  Buche-,  das  er  im  Auge 
hat.  nicht  an.  Gemeint  ist  die  v.  /„-ich.  herausgeg.  Schrift:  Tleol  ttöv  trjq 
avyyeveiaq  ßad-ficäv.  Ven.  1564.  Diese  enthält  am  Schlüsse  das  Epigramm 
des  Sophianus  [Cf.  Legrand,  Bibl.  Hell.  II.  1885  p.  Isqq.].  „  1569"  bei  Crus. 
ist  Schreib-  oder  Druckfehler  für  l")tl4.  —  Wenn  es  im  Kataloge  der  griech. 
Bss.  der  Bibliotheca  Regia  zu  Paris  T.  11.  1740  p.  388  bei  Nr.  L688  heißt: 
Cod.  ehart.,  "lim  Huralti  Boistallerii  .  .  .  Is  cod.  manu  elegantissima 
Zachariae,  sacerdotis  Graeci,  qui  operam  Boistallerio  locabat.  a.  Chr.  1572 
exaratus  est,  so  beruht  die  Angabe:  1572  offenbar  auf  einem  Irrtum.  Nach 
11.  Omont,  Invent.  sommaire  11.  Par.  1888  p.  L25  ist  Kod.  1688  kein 
datierter.  Pur  Zach.  Skord.  linden  sich  bei  Omont  [Cf.  luv.  somm.  1898 
p.  LIHsqq.]  im  Verzeichnisse  der  datierten  -riech.  Hss.  der  Pariser  Na! 
Bibl.  etc.  nur  die  Jahre:  lötL*  und  15(i3.  Das  Jahr  1572  komml  in  diesem 
Verz.  überhaupt  aicht  vor  [Cf.  auch  in  der  Revue  des  bibl.  11.  Par.  1892  die 
\lili.  v.  <im,int.  p.  L  sqq.].  1572  ist  das  Jahr,  in  dem  Huraull  de  Boistaille, 
franz.  Gesandter  in  Ven.,  für  den  Zach,  mehrere  Hse.  abschrieb,  Btarb 
[Cf.  Omont,  Inv.  somm.  18'.)8  p.  Xl.\|.  -  Ganz  iinl>egründet  ist  es,  wenn 
im  Bellenomnemon  Ath.  1843  p.  306  bemerkt  wird,  daß  Zach,  von  L562 
— 1588  in  Venedig  lebte.     Die    Annahme  des  Hell,    rührt   daher,  daß  das 

6 


g4  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

und   lf)(>4  ist  er  zugleich   als   Ixvzqoüioc,  des  Patriarchen   von 
Konstantinopel,  Joasaph,  bezeugt1.      Durch  das    Kopieren  von 

a.  1564  von    Zach,   herausgeg.  Buch:    lltyl  z<5v   xijg   avyyeveiag   ßa&firiüi 

a.   1588  mit  unverändertem    Titel    noch   einmal   erschienen  ist  [Cf.  diesen 
bei   Legrand,  Bibl.  Hell.  II.  Par.  1885  p.  51sq.]  und  Hell,  [so  sag-  Leb 
Kürze  halber  für  den  Verf.  des  Art.  „Zacharias  Skord."  im  Hellenomnemon] 
meinte,   Zach,    habe    diese   letztere   Ausg.   selbst   noch    veranstaltet.      Daß 
diese  Meinung  eine  irrige  ist,  geht  schon  daraus  hervor,  dal'   im  Titel  der 
Ausg.  von   1588   Zach,   noch   ircixQonog   des    Patriarchen  Joasaph  genannt 
wird,  während  doch  um    1588    Joasaph    längst    nicht  mehr   im  Amte  war. 
Vgl.  Mart.  Crusius,  Turcograecia  p.  172,  wo  als  Datum  des  Synodaldekrets, 
durch  das  Joasaph  des  Patriarchats  entsetzt  wurde,  angegeben  i>t:  Actum 
a.  7073,  mense  Jauuar.,  indict.  oct.    Am  Rande  steht :  A.  Chr.   1564  [Nach 
unserem  Kalender  war  dies  der  Januar  1565].     Cf.  ferner  Legrand,  Bibl. 
Hell.  1.  1S85  p.  313.     Dem   Hell,   ist   es  übrigens   selbst   aufgefallen,  daß 
noch  auf  dem  Titel  eines   1588  erschienenen  Buches  Zach,   als    htixQOTtoq 
des  Joasaph    bezeichnet   wird.     Aber    die   richtige   Erklärung   dieses   [Jm- 
standes, die  ihm  allerdings  dadurch  erschwert  war,  daß  er  die  Ausg.  von 
1564  nicht  kannte,  hatte  er  sich    dadurch   verbaut,    dal)  er  glaubte,  Zach. 
müsse   die   Ausg.   von    1588  selbst    besorgt  haben,   weil  er   auf  dem  Titel 
derselben    sage:    MavovrjXov    ex&eotq    anXovoxsQa    ve    xa\    avvrofimxsQa 
ovvT£&£i6aa(ycLa)Q7iaQ'  r\ixü>v  xa\  ixöod-siGa  cQiOfi<ü  lövKwvor.  naxQi&Qxov 
TeQSfiiov.     Der    hier    erwähnte    Jeremias    sei    der   II.    dieses   Namens.  d*-v 
1571 — 94  regierte  [Cf.  Hell.  p.  312].     Aber  der  Satz:  MavovijXov  etc.  Lst 
nicht,  wie  Hell,  annimmt,  eine  Bemerkung,  die  erst  der  Ausgabe  von  1588 
durch    Zach,    beigefügt  wurde.     Er    findet   sich    schon    in    der   von    1564 
[S.  oben  S.  83].     Ja    auch   in   dieser    rührt    er   nicht   von  Zach.  her.     Er 
geht    vielmehr    auf    Manuel    selbst    zurück    und    stand   bereits    in    dess 
Schrift    [Cf.    Sathas,    NeoeXkyvuct}    tpiXoXoyia,    Ath.    1868,    Art.:    Manuel 
Korinthios,  p.  124].     Der  im  Titel  genannte  Jeremias    ist  Jeremias  L.  der 
von   1520 — 1545  Patriarch  war  [Cf.  Ph.  Meyer,  1.  1.  p.  35  und  170].    Dem 
Hell,  war,  wie  gesagt,  die  Ausg.  von  1564  nicht  bekannt.     Dennoch  hätte 
er  darauf  kommen  können,  daß  die  von  1588  nicht   mehr  von  Zach,  ver- 
öffentlicht wurde,  da  in  ihr,  wie   aus  dem   Hell.  p.  317   selbst   erhellt,  ein 
anderer  als  Herausgeber  ausdrücklich  genannt  wird.     Es  ist  in  ihr  nämlich 
bemerkt:   Tic  nagovxa  ovvoixsGia  exv7tai9-t)   sv   ivexiaig   .••>•   oixia  HtzQov 
vov  tCßvixov  xal  em/ieXelct  rswQyiov  teQsiog  ßXaaxov  *o/,rö_.-  tov  enovo- 
fiatpfiivov  rcovviaXsxov,   %xei    etc.   acpnri    [Hell.   p.  317].     Wir   es  in  der 
Ausg.  von   1564  heißt,  ist  oben  S.  83  zu  finden. 

1  Vgl.  oben  S.  82  Anm.  3  u.  S.  83  Anm.  1.  Im  J.  1562  war  Zach. 
nicht  STtlxQOTiog.  In  den  1562  von  ihm  geschriebenen  Mss.  nennt  weder 
er  selbst  sich  so,  noch  bezeichnet  ihn  Boistaille  als  solchen  [Cf.  Anm.  2 
oben  S.  82].  A.  1563  und  1564  dagegen  ist  er  in  den  von  ihm  herausg  _ 
Schriften  durchweg  als  hcixQOTtoq  d^>  Patriarchen  Joasaph  angeführt. 
Aber  nur  für  diese  zwei  Jahre  wissen  wir.  daß  er  es  war.  Als  Joasaph 
im  Jan.  1565  abgesetzt  wurde,  wird  es  auch  mit  der  £itixQ07tOQ-Würde  des 
Zach,  ein  Ende  gehabt  haben. 


I,  3.  Zach.  Skord.  and  der  Apokritikos.  S.") 

Hss. a  verschaffte  er  sich  einen  Nebenverdienst.  Unter  dem  Namen 
dieses  Zach,  ist  uns  ein  kleines,  griechisch  abgefaßtes  Schriftchen 
überliefert,  indem  zwölf  Fragen  des  „Klaudius"  (Juise,  Kardinals 
von  Lothringen,  beantwortet  werden.  Der  Kardinal  wollte  wissen2, 
ob  die  Griechen  an  die  Verwandlung  [transsubstantiatio]  glauben, 
das  Opfer  bei  der  Eucharistie  für  ein  Dank-  oder  Sühneopfer  halten 
etc.,  und  Zach,  setzt  ihm  in  zwölf  Antworten,  in  denen  mehrere 
Schriftstellen  und  nicht  wenige  griech.  Kirchenväter  und  spätere 
griech.  Kirchenlehrer  zitiert  und  verwertet  sind,  auseinander,  was 
die  anatolische  Kirche  hinsichtlich  der  fraglichen  Punkte  lehre. 
Für  uns  kommt  dieses  Schriftchen  deswegen  hier  in  Betracht, 
weil  in  der  Antwort  auf  die  erste  Frage  Makarios  Magnes  zitiert 
und  eine  freilich  nicht  neue  Stelle  aus  ihm  angeführt  wird. 

Die  einzige  gedruckte  Ausgabe,  die  vom  griech.  Texte  der 
Zach. -Schrift  existiert,  ist  die,  die  Lami  nach  einem  Riccardi- 
auus3  in  seinem  Büchlein:  Deliciae  eruditorum  T.  4.  Flor. 
L738  p.  1-  sqq.  veranstaltet  hat  und  in  Form  einer  langen  nota 
hier  mitteilt.  Zum  griech.  Texte,  der  reich  an  Druckfehlern 
und  Nachlässigkeiten  ist,  gibt  Lami  eine  lat.  Übersetzung  sowie 
einleitende  und  erklärende  Bemerkungen.  Außer  in  dem  von 
Lami  alleinbenützten  Rice,  findet  sich  «las  Schriftchen  des 
Zach,    noch    in    drei    Hss.,    einem    Yindobonensis4,    Ambrosi- 

1)  So  z.  B.  tTir  den  schon  erwähnten  Hur.  de  Boistaille.  In  der  Nat.- 
Bibl.  zu  Pari-  befindet  sich  eine  Anzahl  griech.  Kodizes,  die  Zach,  ganz 
oder  teilweise  geschrieben  hat  [Cf.  H. '  >mont,  Inventaire  sommaire.  Par.  1898 
p.XXVUI   und   LT). 

2)  Die  Fragen  des  Lothringers  [Cf.  über  sie  auch  Ph.  Meyer.  Die 
theol.  Litt.  d.  gr.  Kirche  im  lf>.  Jahrh.,  p.  85  sqq.]  beziehen  sich,  worauf 
schon  Lami,  Del.  eruditorum  T.  4.  Flor.  1738  p.  70  sq.  in  seiner  Weise 
hindeutet,  auf  Lehren  und  Gebräuche,  die  im  Reformationszeitalter  den  Gegen- 
stand des  Streites   zwischen   den   Römischen   und   Evangelischen  bildeten. 

3)  Es  ist  der  Rice.  K.  I.  8.,  chart.,  ff.  105,  s.  16.,  nichl  datiert.  Dir 
Abhandlung  des  Zach,  stehl  f.  48sqq.  Über  den  Rice.  vgl.  Lami  1.1.  p.  XXI; 
Lami.  Catalogus  codicum  mss.  qui  in  bibl.  Riccardiana  Florentiae  adser- 
vantur,  Liburni  1756  p.  127:  G.  Vitelli  in:  Studi  Italiani  di  filologia  classica. 
II.   Fir.  18!>4  |».  477  sq. 

4)  Cod.  ms.  Theol.  Gr.  :):!l  der  Wiener  Hofbibliothek,  chart.,  ff.  17. 
nicht  datiert.  Kr  enthält  nur  die  Zach.-Schrift.  Über  ihn  vgl.  Nessel, 
Catalogus  .  .  codd.  mss.  Graec.  .  .  .  bibl.  Caesareae  Vindob.  Vindob.  ••( 
Norimb.  1690.  I.Teil:  codd.  theol.  Gr.  p.  143  Nr.  331;  Lambecii  commen- 
tarii  de  bibl.  <  !aes.  Vind.  Ed.  altera  studio  . .  Kollarii.  Vind.  1778.  Kol.  4'.'1  sq. 
Nr.  286.  DaU  der  Kodex  schon  a.  1583  in  der  Wiener  Bibl.  war,  schließe 
ich  aus  einer  Bemerkung  in:  Bibliotheca  Gesneri  .  .  .  amplificata  per 
J.  J.  Prieium  Tigurinum.  Tiguri   1583,  p.  316,    Vrt.:  Guisius  Cardinalis. 


86  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

anus1  und  Parisinus2.     Der  Paris,  ist  die  einzige  datierte  Hs. 
unter  ihnen  [1581]. 

Ferner  spricht  Jo.  A.  Fabricius  in  seiner  Bibliotheca 
Graeca,  T.  13.  Hamb.  1746  p.  809  von  einer  lat.  Übersetzung, 
die  Leunclavius  von  unserer  Schrift  angefertigt  habe,  bemerkt 
aber:  Claudii  Card.  Guisiani  12  quaestiones  et  Graecorum  ad 
eas  responsiones  ex  Leunclavii  interpretatione,  cuius  Simlerus 
meminit,  non  vidi3.  Lanii  erklärt  in:  Del.  erudit.  T.  4.  Flor. 
1738  p.  70,  ihm  sei  nicht  zweifelhaft,  daß  die  von  Fabr.  er- 
wähnte Übersetzung  des  Leunclavius  niemals  gedruckt  wurde 
oder,  wenn  ja,  daß  alle  Exemplare  derselben  so  gut  wie  ganz 
vom  Erdboden  verschwunden  wären.  Lami  täuschte  sich. 
Leunclavius  hat  in  der  Tat  das  Schriftchen  des  Zach,  ins  La- 
teinische übertragen  und  die  Übersetzung  dem  Drucke  über- 
geben. Nur  hat  er  dies  in  einem  Buche  getan,  wo  man  sie 
nicht  suchen  würde,  in:  Rerum  Moscoviticarum  commentarii 
Sigismundi  Liberi  Baronis  in  Herberstain,  Neyperg  et  Guettenhag. 
.  .  Basileae  1571.  Dieses  Buch  enthält  außer  der  Schrift  des 
Herberstain  und  anderem  zwei  Beilagen  aus  der  Feder  des 
Jo.  Leuvenklaius:  die  Abhandlung  des  Zach,  ins  Lateinische 
übersetzt4  und  einen  „Commentarius  de  bellis  Moscorum".  Für 
uns  kommt  nur  die  erste  Beigabe  in  Betracht,  die  p.  195 — 204 
steht.  Sie  beginnt  mit  einem  Widmunosschreiben  des  Leu- 
venklaius,  aus   dem  folgendes   augeführt  zu   werden   verdient: 

1)  Cod.  ms.  Gr.  Ambrosianus  0  142  sup.  Über  ihn  vgl.:  Catalogus 
codicnm  Graecorum  bibl.  Ambrosianae.  üigesserunt  Aem.  Martini  et  Dom. 
Bassi.  T.  IL  Mediolani  1906,  p.  694—697.  P.  697  findet  sich  über  den  Teil 
des  Kodex,  der  die  Abhandlung  des  Zach,  enthält  [ff.  128 — 137],  die  Bern.: 
an  manu  Zachariae  Scordylis?  —  Nach  dem  Eintrage,  der  im  geschriebenen 
Inventar  der  Mss.  der  Ambrosiana  steht,  war  die  Hs.  einst  Eigentum  des 
Jo.  Vinc.  Pinellius  [J.  V.  Pinelli,  ein  in  Padua  lebender  Gelehrter,  geb.  1"),","). 
gest.  1601.     Cf.  Vita  ,1.  V.  Pinelli,   auctore  P.  Gualdo.  Aug.  Vind.  1607]. 

2)  Cod.  ms.  Gr.  der  Pariser  Nat.-Bibl.,  Ancien  fonds,  Nr.  949,  ehart., 
ff.  198,  der  ganze  Kodex  a.  1581  durch  Pantaleon  Mamouka  geschrieben. 
Die  Schrift  des  Zach,  steht  f.  118v — 126v.  Über  deu  Kod.  und  seinen 
sonstigen  Inhalt  vgl.:  Catalogus  codd.  mss.  bibl.  regiae.  T.  11.  Par.  1740 
p.  185  Nr.  949;  H.  Omont,  Inv.  sommaire  des  mss.  Grees  de  la  bibl.  nat.  I. 
Par.  1886,  p.  182  und:  Rev.  des  bibliotheques  II.    Par.  1892  p.  199. 

3)  Die  Notiz,  die  Fabr.  hier  meint,  ist  offenbar  die,  die  sich  in  der 
Bibliotheca  Gesneri  amplificata  per  J.  J.  Prisium  Tigurinum.  Tig.  1583 
p.  466  im  Art.  Jo.  Leuvenkalius  findet. 

4)  Zu  beachten  ist,  daß  Zach,  in  dem  Exemplare,  das  Leuvenkl.  be- 
nutzte, nicht  als  Vf.  genannt  wird  und  darum  der  Name  Zach,  bei  Leuven- 
klaius nicht  vorkommt. 


I,  3.    Zach.  Skord.  und  der  Apokritikos.  87 

Jo.  Leuvenklaias  S.  D.  Alberto  patruo  suo,  .  .  Misi  ad  te  uon 
ita  pridera,  Alberte  patrue,  Gregorii  Nyss.  1")  libros,  de  mss. 
exemplaribus  Graecis  a  nie  superiori  auno  Latinam  in  linguain 
conversos  meaque  priraum  opera  publicatos.  Redeo  nunc  alio 
quodam  cum  miniere,  quod  ipsum  quoque  gratum  tibi  fore 
confido.  Complexus  sum  brevi  commentario  gentis  Russicae 
tibi  notissimae  bella,  .  .  Cum  hoc  scriptum  meum  typographus 
commentariis  rerum  Moscoviticarum  Sig.  Baronis  Herbersteni 
.  .  subiici  posse  diceret,  non  solum  id  a  nie  passus  sum  im- 
petrari:  sed  etiam  aliud  quasi  tJcifisrQOV  addidi,  quod  iisdem 
commentariis  adiungi  commode  videretur.  Moscorum  et  Grae- 
corum  eandem  esse  de  religione  sententiam  constat,  non  partim 
in  quibusdam  doctrinae  partibus  ab  auctoritate  Romani  Pouti- 
Hcis  recedentem.  Qua  de  re  cum  ab  amico  meo,  Claudio 
Auberio  Triuncuriano  Gallo,  excellentis  ingenii  viro,  nuper 
interrogationes  paucas  accepissem,  a  Cardinali  Guisano  Graecis, 
qui  Veuetiis  vivunt,  propositas,  et  Graecorum  ad  eas  respon- 
sioneni :  rem  nie  studiosis  harum  rerum  non  ingratam  facturum 
putavi,  si  scriptum  hoc  ipsum  Latina  lingua  douatum  prioribus 
adiungerein,  .  .  Exstant  in  eodem  t'ragmenta  nonnulla  scrip- 
torum,  qui  nobis  ignoti  sunt,  Magnetis,  Nie.  Cabasilae  etc. 
Vale.  a.   d.    15.  kal.  Febr.  anno   1571. 

Da  die  Übersetzung  des  Leuvenklaius  älter  ist  als  z.  B. 
die  Pariser  Hs.  [1581],  auch  seine  griech.  Vorlage,  wie  es 
scheint,  mit  keiner  der  4  Hss.,  die  wir  von  der  Schrift  des 
Zach,  haben,  zusammenfällt1,  so  ist  diese  Interpretation  gleich- 
falls zu  berücksichtigen2. 

1)  Beachtet  man,  daß  von  den  4  Hss.  der  Rice,  allein,  wie  Leuven- 
klaius, nicht  den  kretischen  Priester  Zacharias  als  Vf.  nennt,  sondern  statt 
dessen  allgemein  "EXXijveg  sagt,  ferner,  daß  der  Rice,  wie  Leuv.,  den 
vollständigen  Schluß  hat,  der  im  Parisinus  ganz  fehlt,  im  Ambro.-,,  verkürzt 
und  nur  mich  im  Yindoh.  unversehrt  i.-t,  so  erkennt  man.  daß  die  griech. 
Vorlage  des  Leuvenkl.  dem  Rice,  am  nächsten  steht.  Daß  sie  mit  ihm 
schwerlich  identisch  ist,  zeigen  die  mancherlei  Verschiedenheiten  im  ein- 
zelnen, die  man  findet,  wenn  man  den  Text  des  Rice,  bei  Lami  mit  der 
Übersetzung  des  Leuvenklaius  vergleicht.  Wollte  man  eine  sichere  Ent- 
scheidungtreffen, so  wäre  erforderlich,  die  l  griech.  Texte  der  Abhandlung 
des  Zach,  nach  den  4  Hss.  unter  sich  zu  vergleichen,  so  die  Sonderlesarten 

de,    Rice.    ZU    ermitteln    und    zuzusehen,    ob   sieh    diese    auch    bei    Leuvenkl. 

linden.  | );,  für  mich  nur  das  Mak. -Zitat  in  Betracht  kam.  hatte  ich  keinen 
Anlaß,  diese  Untersuchung  "der  die  des  Verhältnisses,  in  dem  die  t  IL-. 
der  Xaeh. -Schritt  /u  einander  stehen,  vorzunehmen. 

2    Von   der  Übertragung  <\<i>  Leuvenkl.  macht,    ohne  sie   mit    einem 
Worte  zu  nennen,  J.Coccius  in  seinem  Thesaurus  catholicusT.  II.  Coloniae  1620 


gg  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Ich  teile  nun  Titel  und  Makarios-Zitat  der  Abhandlung 
des  Zach.  mit.  Dabei  lege  ich  den  Text  des  Rice,  nach  Lami 
zu  Grunde  und  füge  ich  die  abweichenden  Lesarten  der  drei 
von  Lami  nicht  verwerteten  Hss.,  die  ich  selbst  eingesehen 
habe,  und  den  Wortlaut  der  Übersetzung  des  Leuvenklaius  bei. 
Die  Überschrift  lautet  nach  Lami  1.  1.  p.  72:  'Egarrijöeic,  iß' 
tov  aiöaiöificordtov  Kagdivattov  zijq  AmgivrjQ  xvgiov  KXav- 
Ölov  rrjg  rovlörjq  xal  avrajtoxgiöEig  Jtgbq  tkitic   EXXrjvov. 

In  der  Antwort  auf  die  erste  Frage  fiudet  sich  die  Stelle: 

5  cO  61   Mäyvrjg  öidaöxaXoq  agyalog  mv  ovratg  h>  ajtoXoyia  töv 

svayybXlov    xgog    &£Oö&£V7)    (///<>),    <>ti    /)    ii-yaoiorlc    aXrjd-mg 

Ocöua   xal   ai/ia   tov  Xgiörov    ov   tvjcoq   Oa)(iarog  xal  aifiarog 

mg  tivag  gaipcpdrjöavTeg  jcsjiiygojfisvot  tov  vovv  eXeyov1. 

Bevor  wir  an  die  Untersuchung  dieses  Zitats  gehen,  ist 
es  notwendig,  festzustellen,  wann  Zach,  unser  Schriftchen  ge- 
schrieben hat.    Leider  ist  hierüber  weder  in  diesem  selbst  noch 


;ni  verschiedenen  Stellen  [cf.  p.  617,  (i(i4,  G91,  814,  857,  876]  unter  der 
Überschrift  rGraeci  Veheti  [oder  ä.]  1570"  Gebrauch.  Auch  die  Notiz  des 
P.  Colomesius  in  den  Paralipomena  ad  G.  Cave  chartophylacem  ecclesi- 
asticum,  Lips.  1687  p.  22:  Auctorem  hunc  [sc.  Magnetem]  laudant  Graeci 
in  responsionibus  suis  ad  Cardinalem  de  Guise,  beruht  auf  der  Benützung 
der  Übersetzung  des  Leuvenklaius.  Sechs  Fragen  und  Antworten  aus  ihr 
[die  1.,  4.,  6..  7.,  11  und  12.]  sind  unter  dem  Titel:  Ex  Claudii  Card. 
Guisani  XII  quaestionibus,  et  Graecorum  schismaticorum  ad  eas  responsis 
sex  capita  ex  interpretatione  Jo.  Leunclauii  [nur  lat.]  abgedruckt  in:  Acta 
orientalis  ecclesiae  contra  Lutheri  haeresim  .  .  opera  ac  studio  D.  Emau. 
a  Schelstrate.     Romae,  1739,  p.  134—139. 

1  iß'  fehlt  im  Ambr.  u.  Par.  —  2  aldsaifMaxärov  Par.,  alSsaifioxaTOV 

Ambr.  u.  Vind.,  bei  Leuv.  ist  das  Wort  nicht  übersetzt  —  t>,z  Aooivi^ 
bei  Leuv.  nicht  übersetzt  —  xvqov  Yitelli  [Studi  ital.  di  filol.  class.  II. 
1894  p.  477  sq.],  xv  Ambr.,  xv  Par.,  auch  im  Vind.  ist  eine  Abkürzung 
gebraucht:  bei  Leuv.  nicht  übersetzt  —  3  TiQoq  rccvzag  Vitelli  —  Statt 
'EkXfjVOJV  haben  Ambr.,  Par.,  Vind.:  Ze.yayiov  legecaq  tov  Kqtjtoq.  Im 
Rice,  und  bei  Leuv.  ist  kein  bestimmter  Vf.  geuannt.  Bei  Leuv.  lautet 
die  Überschrift:  Claudii  Cardinalis  Guisani  XII  quaestiones,  et  Graecorum 
ad  eas  responsiones  —  5  ärtö.oyla  Par.  —  6  </■//  Ambr..  </_^  Par..  <pt]<rlv 
Vind.  —  i-v/e.oinxtia  Vind.  —  7  c.iiw.  Ambr.  und  Par.  —  tov  xv  Ambr. 
und  Par.,  tov  Xqigtov  Vind.  —  ai/iazoQ  Ambr.,  y.c.)  ai/iaxog  fehlt  im  Par. 
—  8  7i£7i(i)Qa)fj.6VOt  Vind.,  TttTUjoio/a'roi  Ambr.  u.  Par. 

1)  Übersetzung  des  Leuv.:  Priscus  autem  doctor  ille  Magnes  in  eu- 
angelii  apologia,  quam  ad  Theosthenem  scripsit:  Revera,  inquit,  corpus  et 
sanguis  Christi  est  eucharistia,  non  sanguinis  et  corporis  figura,  quem- 
admodum  nugatores  quidam  pjirum  inenti-  cnmpotes  tradiderunt. 


I.  .'!.   Zach.  Skord.  and  der  Apokritikos.  S'.t 

in  einer  der  4  Hss.  noch  bei  Leuvenklaius  noch  sonstwo,  soweit 
meine  Kenntnis  reicht,  eine  genaue  Mitteilung  enthalten.  Es 
bleibt  uns  daher  nichts  anderes  übrig,  als  vermutungsweise  den 
Abfassungstermin  der  Zach. -Schrift  zu  bestimmen.  Wenn  Leu- 
venklaius in  dem  Widmungsschreiben,  mit  dem  er  seine  Über- 
setzung einleitete  und  das  datiert  ist:  a.  d.  1  ö.  Kai.  Febr. 
anno  1571,  sagt:  Ich  habe  die  Fragen  des  Guise  und  die  Ant- 
wort der  in  Yen.  lebenden  Griechen  darauf  „nuper"  erhalten 
[S.  oben  S.  87].  so  steht  soviel  fest,  daß  Zach,  seine  Abhand- 
lang spätestens  a.  1570  verfaßt  hat.  Noch  genauer  läßt  sich 
der  Zeitpunkt  der  Entstehung  des  Schriftchens  fixieren,  wenn 
man  ins  Auge  faßt,  um  was  es  sich  in  ihm  handelt.  Es  ent- 
hält, wie  schon  bemerkt  wurde,  die  Antworten,  die  der  Priester 
Zacharias  Cretensis  im  Xamen  der  Griechen  zu  Venedig1  auf 
die  Fragen  gegeben  hat,  die  Claudius  Guise,  Kard.  von  Lothr.. 
über  einige  der  Glaubenslehren  und  kirchlichen  Gebräuche,  die 
von  Luther,  Calvin  und  anderen  bekämpft  wurden  und  auf 
dem  Konzile  zu  Trient  den  Gegenstand  vieler  und  nicht  selten 
erregter  Verhandlungen  bildeten,  an  die  Griechen  zu  A'enedig 
richtete.  Der  Fragesteller  wird  in  allen  4  Hss.  übereinstimmend 
und  unzweifelhaft  Claudius  Guise.  Kard.  von  Lothringen,  ge- 
nannt-. Einen  Claudius  Guise,  der  zugleich  Kardinal  von  Lothr. 
war.  hat  es  jedoch  nicht  gegeben;  dies  weist  Lami  Del.  erud.  T.  4. 
p.  XIX  sqq.  nach.  Nach  Lage  der  Dinge  kann  in  unserer 
Schrift  kein  anderer  Guise  gemeint  sein  als  jener  berühmte 
Karl  von  Guise.  der  1550 — 1574  die  Würde  eines  Kardinals 
von   Lothr.   bekleidete".     Von  ihm  ist  bekannt,  daß  er  an  der 

1)  Daß  die  responsiones  in  Venedig  geschrieben  wurden,  ist  uns  nur 
durch  Leuvenkl.  überliefert.  In  den  4  II--.  ist  nirgends  angegeben,  wo 
/ach.  Lebte  und  die  Antworten  verfaßte. 

2  Bei   Leuvenkl.  heißl  es  bloß:  Claudius  Cardinalis  Guisanus. 

3  Vgl.  hierüber  Lami    I.  I.  p.  XXsq.     Dem    Lami   stimmten  Spätere 
l'ljer    Karl    v.   Lothr.   s.    Freiburger   Kirchenlexikon,    _.  Aufl.   Art. 

Lothringen.  -  \\  rie  es  kommt,  dal.')  dieser  Kardinal  v.  Lothr.,  für  den 
meines  Wissens  kein  anderer  Vorname  sich  flndei  als  Karl,  in  den  1  II--. 
der  Abhandlung  des  Zach.  „Claudius"  und  nur  so,  nicht  etwa  „Carolus 
Claudius"  beißt,  vermag  Lch  nicht  zu  erklären.  Schon  Lami  muhte  sich 
all.  das  Rätsel,  da-  im-  die  Bezeichnung  „Claudius"  in  den  II--.  aufgibt, 
zu  lösen.  Er  fragt,  "l,  etwa  Karl  \.  Lothr.  noch  den  Namen  Claudius 
hatte.  Da  -•■in  Vater  Claude  bieß,  wäre  es  an  sich  nicht  unmöglich.  Nur 
>teht  dem  entgegen,  daß,  wie  erwähnt,  von  einem  solchen  Namen  des 
Kard.  nirgends  etwa-  verlautet.     Vielleicht  darf  man  an  einen  durch  üh- 


J)(|  Sckalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Spitze  der  Vertreter  Frankreichs  der  dritten  Periode  des  Konzils 
zu  Trient  [1562  —  1563]  beiwohnte  und  auf  ihm  eine  her- 
vorragende Rolle  spielte.  Freilich  so  zahlreich  die  Notizen 
sind,  die  sich  über  ihn  in  Briefen  und  Tagebüchern  aus  der 
Zeit  des  Tridentinischen  Konzils  und  in  Darstellungen  desselben 
finden,  nirgends  ist,  soweit  ich  sehe,  von  seinen  1 2  Fragen 
und  davon  die  Eede,  daß  er  sich  mit  ihnen  an  die  Griechen  in 
Venedig  gewendet1  und  daß  ein  Priester  derselben,  Zach.  Cret., 
sie  beantwortet  habe.  Dennoch  darf  als  sicher  angenommen 
werden,  daß  Karl  v.  Lothr.,  von  dem  lebhaftesten  Interesse 
für  alle  die  Fragen  erfüllt,  über  die  auf  dein  Konzile  beraten 
wurde,  einen  Aufenthalt  in  Venedig  dazu  benützte,  bezüglich 
einiger  der  wichtigsten  Fragen  sich  darüber  Aufschluß  zu  er- 
holen, wie  die  griech.  Kirche  lehre  und  es  halte.  Aus  dem 
Gesagten  ergibt  sich,  daß  nur  ein  solcher  Aufenthalt  des 
Lothringers  in  Ven.  in  Betracht  kommt,  der  in  die  dritte 
Periode  des  Tridentinischen  Konzils  oder,  da  Karl  von  Guise 
von  Paris  aus2  über  Clairvaux3,  Susa4,  Turin5,  Mailand6  und 
Brescia7  sich  nach  Trient  begab,  erst  am  13.  Nov.  1562  hier 
eintraf8  und  erst  im  folgenden  Jahre,  1563,  Trient  öfters  auf 
läno-ere  Zeit  verließ,   in   das   Jahr   1563   fällt9.     A.   1563  war 


deutlichkeit  der  Schrift  entweder  von  Zach,  selbst  oder  von  dem,  der  die 
erste  Kopie  seiner  Abhandlung  anfertigte,  verschuldeten  Lapsus  calami 
denken. 

1)  Auch  uicht  in  dem  Büchlein:  Eloges  de  quelques  auteurs  Krane;. i-. 
Dijon  1742,  das  p.  33G— 349  von  unserem  Kard.  und  seinen  Schriften 
bandelt  und  22  derselben  aufzählt. 

2)  Cf.  Muzio  Calino  im  Briefe  an  den  Kard.  L.  Cornaro  vom  8.  Okt. 
1562  [in   Steph.    Baluzii    Mi>cellanea,    herausgeg.   von  Mansi,  T.  4..  1. 
1764  p.  263], 

3)  Cf.  den  Bericht  des  Fr.  Bartholomaeus  archiep.  Bracarensis  iu  : 
Le  Plat,  Monumenta  ad    bist.   conc.  Trid.   T.  VII.  2.  Lovanii   1787   \>.  148. 

4)  Brief  Calinos  an  Cornaro  vom  2.  Nov.  1562  [Baluzii  Miscell.  ed. 
Mansi.  T.  4.  p.  267]. 

5)  Briefe  Calinos  au  dens.  vom  26.  und  29.  <  »ktob.  1562  [Ibid. 
p.  265  sq.]. 

6)  Brief  Calinos  an  dens.  vom  5.  Nov.  15G2  [Ibid.  p.  269]. 

7)  Brief  Calinos  an  dens.  vom  26.  Okt.   1562  [Ibid.  p.  265]. 
8     Le  Plat,  1.  1.  p.  89,   148  und  343. 

\us  einem  Briefe,  den  Jo.  Ant.  de  Taxi.-  am  18.  Jan.  L556  von 
Rom  aus  an  Andr.  Masius  schrieb  [Cf.  Publikationen  der  Gesellscb.  t. 
Rheinische  Geschichtskunde  11.  Briefe  v.  Andr.  Masius  .  .  berausgeg.  v. 
Lossen,  Leipz.  1886  p.  234],  sehen  wir.  daß  der  Kard.  v.  Lothr.  auch  155«*» 
in  Yen.  war.  Aber  da  es  sich  damals  um  Kriegsangelegenheiten  bandelte, 
kommt   dieser  Aufenthalt  für  un>  nicht  in   Frage. 


1,3.   Zach.  Skord.  und  der  Apokritikos.  91 

Karl  v.  Guise  zweimal  in  Venedig.  Das  erste  Mal  war  es 
Unglück  in  der  Familie,  das  ihn  veranlaßte,  von  Trient  weg- 
zugehen und  Venedig  aufzusuchen.  Schon  am  Dienstag  den 
1».  März  1563  war  ihm  mitgeteilt  worden,  daß  sein  Bruder 
ums  Leben  gekommen  wäre.  Diese  Nachricht  erschütterte  ihn 
aufs  tiefste  und  als  er  am  Mont.  den  22.  März  vom  fran- 
zösischen Hofe  einen  Brief  erhalten  hatte,  in  dem  ihm  die 
Kunde  vom  Tode  seines  Bruders  bestätigt  wurde1,  verließ  er 
gleich  am  folgenden  Tage,  den  23.  März,  Trient-,  um  sich 
nach  Yen.  zu  begeben  „auimi  recreandi  gratia"  *  und  um  dort 
„les  jours  saincts"  in  Ruhe  zu  verleben'5.  Der  größere  Teil 
der  französischen  Theologen  und  Prälaten  begleitete  ihn4.  Am 
Samstag  den  27.  März  kam  er  in  Padua  an5.  Er  blieb  hier 
einige  Tage  und  reiste  dann  am  Samst.  den  3.  April  nach 
Venedig.  Wohnung  nahm  er  im  Kloster  San  Giorgio  auf  der 
Insel  S.  Giorgio  Maggiore6.  Am  4.  April  war  Palmsonntag7. 
Der  Kardinal  brachte  die  ganze  Karwoche  [4. — 10.  April  1563] 
und  die  Osterwoche  [11. — 17.  April  1563]  in  Venedig  zu.  Erst 
am  Dienst,  den  20.  April  kam  er  wieder  nach  Trient  zurück8. 
Eiu  zweites  Mal  verweilte  der  Kardinal  in  Venedig,  als  er 
auf  der  Rückreise  von  Rom  begriffen  war9,  wohin  er  sich, 
vom  Papste   eingeladen,  am   18.  Sept.   1563  auf  den  Weg  ge- 


1)  Le  Plat  1.  1.  p.  121. 

2)  Le  Plat.  1.  1.  p.  213:  vgl.  ferner  die  Briefe  des  C.  Vicecomes. 
episc.  V  intimil.,  an  Kard.  Borromaens  vom  22.  und  2b.  Mär/.  1563  in: 
Baluzii  Miscell.  ed.  Mansi  111.  Lucae  1762  p.  452  sqq. 

3  Le  Plat  1.  VI.  Lov.  1786  p.  2b:  Briet'  des  C.  Vicecomes,  episc. 
Vint.,  \.  22.  März  1563  [Baluz.  Mise.  T.  III.  p.  453]  und  Brief  Calinos 
vom   18.  März  1563  [Baluz.  Mise.  T.  IV.  p.  302]. 

4)  Brief  des  C.  Vicecomes  v.  25.  März  1563  [Baluz.  Mise.  111   p.  454]. 

5    Brief  dess.  [Ibid.  p.  454,  19.  Brief]. 

6)  Ibid.  p.  455  [19.  BriefJ;  vgl.  ferner:  Delle  inscrizioni  Veneziane  da 
Em.  Ant.  Cicogna.  V.  4.  Venezia  1834  [?]  p.  264sq.  und  7S1  [Statt  L562 
muß  es  liier  jedoch  beide  Male  1563  heißen]:  V.  6.  Ven.  1853  p.  381 
[1560  und   1562  hier  ist  unrichtig,  es  sollte  1563  dastehen]. 

7)  Le  Plal  T.  VII.  2  p.  122. 

8)  Ibid.  p.  215  und  366;  vgl.  ferner  den  Brief  Calinos  an  Kard. 
Cornaro  vom  27.  April  L563  [Baluz.  Miscell.  ed.  Mansi  T.  I.  Lucae  1764 
p.  305]  und  Paolo  Sarpi,  Gesch.  de-  Konziliums  von  Trident,  7.  Buch. 
Deutsch  von  Winterer.  2.  Autl.    I.  Bd.    Mergenth.   u.   Leipz.    1844  p.  183. 

9  Le  Plal  T.  VI.  Lov.  17m;  ,,.  293  [Brief  des  Kard.  an  die  Königin- 
Mutter  v.  II.  Nov.   L563  . 


92  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

macht  hatte1.  In  Venedig  traf  er  die  französischen  Gesandten, 
die  sich  im  Auftrage  ihres  Königs  von  Trient  dorthin  zurück- 
gezogen hatten2.  Pallavicini  berichtet,  daß  der  Kard.  aus  einem 
doppelten  Grunde  über  Venedig  zurückgereist  sei,  „einmal,  um 
der  Republik  zu  beweisen,  wie  sehr  es  den  Bedürfnissen  der 
Christenheit  entspreche,  wenn  das  Konzil  sobald  als  möglich 
abgeschlossen  werde;  .  .  dann  aber,  um  die  franz.  Botschafter 
zu  überreden,  mit  ihm  nach  Trient  zurückzukehren,  was  ihm 
aber  nicht  gelang3."  Am  5.  Nov.  15G3  traf  der  Kard.  wieder 
in  Trient  ein4.  Sein  zweiter  Aufenthalt  in  Ven.  wird  somit 
in  die  letzten  Tage  des  Okt.  oder  die  ersten  des  Nov.  1."><>-'J> 
fallen.  Da  der  Kard.  bei  diesem  zweiten  Aufenthalte  von  Rom, 
wo  er  länger  verweilt  hatte,  hergekommen  war,  dem  Konzile 
seit  dem  18.  Sept.  1563  nicht  mehr  beigewohnt  und  in  Venedig 
damit  zu  tun  hatte,  die  franz.  Gesandten  zu  beschwichtigen, 
die  ungehalten  über  den  Gang  der  Verhandlungen  in  Trient 
nicht  mehr  dorthin  zurückkehren  wollten,  auch  das  Konzil 
seinem  Ende  sich  zuneigte,  halte  ich  es  nicht  für  wahrscheinlich, 
daß  er  jetzt  erst  den  Griechen  in  Ven.  seine  12  Fragen  vor- 
legte. Das  Nächstliegende  ist,  anzunehmen,  daß  er  dies  beim 
Aufenthalte  während  des  Aprils  1563,  der  ja  auch  ein  längerer 
war,  o-etan  habe.  Und  von  Zacharias  darf  vermutet  werden, 
daß  er  ohne  Säumen  daran  ging,  die  eqcottjöeiq  des  Kard.  zu 
beantworten5,  und  daß  er,  wenn  nicht  noch  im  April,  dann  im 
.Mai  1563  seine  Abhandlung  fertig  stellte  und  dem'  Lothringer 
übermittelte. 


1)  Le  Plat  T.  VII,  2  p.  157  und  387  sq.;  Brief  Calinos  vom  20.  Sept. 
1563  [Baluz.  Mise.  IV.  p.  334]. 

2)  Le  Plat  T.  VI.  p.  293;  Paolo  Sarpi  1.  1.  8.  Buch  [4.  Bd.]  p.  99 
und   125. 

3)  Sforza  Pallavicmo,  Gesch.  des  Trident.  Conciliums.  Deutseh  v. 
Klitsche.     8.  Bd.     Augsh.  1836  p.  155. 

4)  Le  Plat  T.  VII,  2  p.  244  und  391.  Brief  Calinos  vom  S.  Nov.  L563 
[in  Baluz.  Mise.  IV.  p.  344]. 

5)  Daß  gerade  Zach,  sie  beantwortete,  ist  nicht  auffallend.  Er  war 
damals  der  txiTQOTioq  des  Patriarchen  von  Kpl.  u.  stand  im  Rufe  eines 
avriQ  nenaidsv/ievog  xal  Xoyov  'i^7tsi(}oc  [S.  oben  S.  82].  In  den  Ant- 
worten gebraucht  der  Vf.  meist  den  Plur.  der  1.  Pers.  [rjfieiq],  einigemale 
den  Sing,  derselben.  Daraus  ist  ersichtlich,  daß  sie  zwar  im  Namen  der 
Griechen  gegeben  wurden,  aber  doch  als  das  Werk  eines  einzelnen  zu 
gelten  haben. 


1,3.   Zach.  Skord.  und  der  Apokritikos.  93 

In   ihr   findet  sich,   wie   bemerkt,   das   oben  S.  88  bereits 
mitgeteilte  Zitat  aus  dem  Apokritikos  des  Mak.    Es  fragt  sich 
nun:  Hat  Zach,  dieses  Zitat  dem  cod.  Yen.  selbst  entnommen 
oder  verdankt  er  es   bloß  einem   anderen.     Im   ersteren  Falle 
hätte  das  Zitat  für  uns   selbständigen  Wert.     Abgesehen   von 
einigen   Folgerungen,    die  wir  dann   für  unsere   Apokr. -Stelle 
aus  der  Art,  wie  Zach,  den  Mak.  zitiert,  und  aus  dem  Wort- 
laute, den  die  Stelle  bei  ihm  hat,   ziehen  dürften,   würde  sich 
für   den  cod.  Ven.  aus   der  Tatsache,   daß   ihn   Zach.  a.   1563 
benützt  hat,  ergeben,    daß  die  Hs.  in  diesem  Jahre  sich  noch 
in   der   Marciana    befand.     Da  Zach,   in  Yen.   lebte    und    mir 
dem  Kopieren  von  Hss.  sich  abgab,  so  wäre  es  an  sich  nicht 
unmöglich,   daß   er  den  Yen.   selbst  eingesehen   und   aus   ihm 
die  Stelle,  die  er  in  seiner  Abhandlung  anführt,  abgeschrieben 
hat.     Wahrscheinlich    ist  es    jedoch    meines   Erachten s    nicht. 
Vergleicht  man  nämlich  das  Mak. -Zitat,  wie  es  bei  Zach,  lautet, 
mit  der  denselben  Inhalt  bietenden  Mak. -Stelle,  die  sich  in  der 
gleichfalls  a.  1563  zu  Venedig  erschienenen  griech.  Schrift  des 
Turrianus:     harayal    tcöv  ay'vcov  axoöToZwv  f.   17-ta  [S.  oben 
S.  51]  findet,  und  bedenkt  man,  wie'Turr.  in  Aiaxayai   f.  182a 
und   überhaupt  in  seinen  Schriften  den  Mak.  und  dessen  Werk 
bezeichnet,  so  fällt  einem  folgendes  auf:    1.  Zach,  nennt  den  Vf. 
des  Apokr.  [o]  Mdyvtjg,  wie  Turr.   in  den     harayal.    2.  Zach, 
bezeichnet  ihn   als  aQxalog   diöaöxaÄoc,    wie   Turr.  ihn    regel- 
mäßig als  eineu  alten  oder  sehr  alten  auctor  einführt.     Wenn 
Zach,  dabei  statt  6vyyga<pevg  öiödöxaXog  sagt,  so  erklärt  sich 
das  unschwer  daraus,   daß  Zach.  Grieche  war.     Für  ihn.   den 
Griechen,  war  der  griech.  Kirchenschriftsteller  der  Vergangen- 
heit nicht  bloß   auctor,   wie  für  den  röm.  Theologen,   sondere 
öiödöxaXog.    3.  Gleich  Turr.  betitelt  Zach,  das  Werk  des  Mak. 
nicht:  'AjtoxgiTixdg  oder  ähnlich,  sondern:  'AjcoXoyia  vov  evay- 
yeXiov.    4.  Zach,  hat  in  Übereinstimmung  mit  Turr.   [f.  182a] 
jtQOC  d:  <)<>!):' r/j.    5.  Jener  wie  dieser  schreibt  statt  ovöl   zvjtoq 
Ap    p.  106,2  bloß:  xai     6.   Das  Subjekt  im  Zitate  des  Zach, 
und  ebenso  in  dem  des  Turr.  f.  174a  ist:   f)  :r/r.ni<nii:.     Dieses 
//   n'/cniOThc  stammt  nicht  aus  Mak.  selbst.     Bei  .Mak.  ist   nach 
dem    Zusammenhange    als    Suhj.    nicht    it    :  ryr.n/nric.     sondern 
anzog  y.i'j  olvog  [jcorqoiov]  zu  ergänzen  (et'.  Apokr.  ed.  Blondel 
p.   106,1  sqq.).     Der  Ausdruck    /)   ev^ccgiörla    kommt    in    dem 
ganzen   Apokr.-Kapitel,  aus  dem  unser  Zitat  stammt  [Kap.  23 


94  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

des  3.  Buches],  nicht  vor.  Auch  der  Gedankengang  in  seiner 
eigenen  ersten  djtoxQiöig  konnte  den  Zach,  nicht  darauf  bringen, 
das  Wort 7}  tvyuiiurtUt  zum  Subjekte  des  Mak. -Satzes  zu  machen. 
Zwar  steht  bei  Zach,  über  der  ersten  Frage  die  Überschrift: 
liegt  r/jg  JtQccrtrjg  looT/'/Oiog  ijyovv  t/jj:  hryicnior. uc~,  aber  mir 
in  2  Hss.,  dem  Rice,  und  Vind.  Sie  fehlt  im  Ambr.  und  Par. 
und  erscheint  als  unangebrachte  Glosse,  da  auf  sie  noch  die 
weitere  Überschrift:  egcorrjOig  a,  die  alle  vier  Hss.  haben,  folgt1 
und  sonst  über  keine  Frage  ein  den  Inhalt  andeutender  titulus 
gesetzt  ist.  Dazu  kommt,  daß  uns  in  der  ersten  Frage  selbst 
und  in  der  ersten  Antwort  des  Zach,  der  Ausdruck  //  iryaotOTic 
[abgesehen  vom  Mak. -Zitat]  nirgends  begegnet.  Er  würde  auch 
in  sie  garnicht  hineinpassen.  Denn  der  eigentliche  und  einzige 
Inhalt  der  ersten  Antwort  ist  die  Behauptung:  Brot  und  Wein 
werden  in  Leib  und  Blut  Christi  verwandelt.  Das  Subj.  ist 
für  Zach,  in  der  ersten  Antwort  immer:  Brot  und  Wein,  nicht: 
>l  £v%aQi<jTia.  Dagegen  wendet  Turr.  in  seinen  Scholien  zu 
den  Aiarayai,  namentlich  in  dem  Scholion  f.  173a — 178a,  in 
dem  sich  f.  174a  die  auch  von  Zach,  angeführte  Mak.-Stelle 
findet,  mit  Vorliebe  den  Ausdruck  rt  sv/agiöTia  an.  Erwägt 
man  dieses  alles,  so  sieht  man:  Zach,  hat  das  Mak.-Zitat  nicht 
aus  der  Apokr.-Handschrift  der  Marciana  geschöpft.  Er  muß 
von  Turr.  abhängig  sein. 

Diese  Abhängigkeit  kann  jedoch  andererseits  nicht  etwa 
darin  bestehen,  daß  Zach,  sein  Mak.-Zitat  aus  dem 'gedruckten 
Buche  des  Turr.:  Aioxayai  f.  174a  abgeschrieben  hat.  Denn 
Zach,  weicht  vom  Wortlaute  des  Turr.,  der  hier  den  Original- 
text nicht  genau  wiedergibt2,  mehrfach  ab  und  diese  Ab- 
weichungen von  Turr.  sind  fast  alle  zugleich  Übereinstimmungen 
mit  dem  oder  Annäherungen  an  den  Text  der  Hs.  So  hat 
Zach,  alrftmg.  Bei  Turr.  steht  nichts  Dementsprechendes. 
Im  Apokr.  heißt  es  xcct  aXrfö-eiav.  Zach,  schreibt:  vvjcog  oc]- 
fiarog  xa)  aiy,axog,  also  öc6tuaTog  und  aifiarog  ohne  Art.,  wie 
das  Original,  Turr.  dagegen:  vor  öcofiaxog  xat  ruf  al'fiarog. 
Bei  Zach,  liest  man  rog  rireg  wie  in  der  Hs.,  bei  Turr.  ojcbq 
rivtg.  Bei  Zach,  fehlt  im  Zitate  die  Kopula  Igt)  wie  im  Apokr. 
selbst.      Turr.    hat   dieses   sötlv.      Bei   Zach,   findet   sich    nach 


1)  Im  Vind.  steht  dieses  igtörrjaiq  d  auf  dem  rechten  seitlk-hen  Rande. 
'2)  Richtig    reproduziert    ihn   Turr.   iu:   De   eucharistia,  Romae  1576 
p.  98  und  Apost.  Constitut.  Antv.  1578  p.  217  [s.  oben  S.  45  und  52]. 


1,3.   Zach.  Skord.  und  der  Apokritikos.  ',).") 

Ocöfia  xal  ciuc:  noch   tov  Xqiötov,    was  bei  Turr.  nicht  steht. 
Im   Apokr.  lesen  wir  Xqiötov. 

Aus  dem  Angeführten  ergibt  sieh,  daß  Zach,  «las  Mak.- 
Zitat  aus  dem  Werke  des  Turr.:  Aiarayat  etc.  ebensowenig  hat 
als  aus  dem  cod.  Yen.  selbst.  Da  aber  das  Zitat  doch,  wie 
erwiesen,  irgendwie  auf  Turr.  zurückgehen  muß,  so  bleibt 
nichts  anderes  übrig  als  anzunehmen,  daß  Turr.  dem  Zach, 
die  Stelle  wortgetreu  aufschrieb  und  Zach,  sie  mit  einigen 
Änderungen1  in  seine  Abhandlung  aufnahm.  Zu  statten  kommt 
der  Annahme,  daß  Turr.  dem  Zach,  das  Mak.-Zitat  zur  Ver- 
fügung stellte,  was  uns  über  Beziehungen  des  Turr.  zu  Zach, 
bekannt  ist.  Beide  Männer  waren,  wie  schon  früher  erwähnt 
wurde,  a.  1563  zu  Venedig:  Turr.,  weil  dort  seine  griech.  Schrift: 
harayäl  etc.  im  Drucke  erscheinen  sollte,  Zach.,  weil  er  dort  als 
Priester  lebte.  Daß  sie  einander  kannten  und  mit  einander 
befreundet  gewesen  sein  müssen,  sehen  wir  aus  den  üqo- 
/Leyofisva  der  Aiaxayai  des  Turr.  In  ihnen  beruft  sich  Turr. 
f.  17a  u.  b  für  eine  Handschrift  auf  das  Zeugnis  des  Zach. 
und  sagt  von  ihm:  ;/<:oti%^  Zaj(aQiaq  lEoevg  .  .  .  ötaTQißmv 
[s.  oben  S.  S'2].  Zach,  hinwiederum  hat  zum  Lobe  der  Schrift 
des  Turr.  [  iiarayal]  ein  Gedicht  von  6  Distichen  verfaßt  und 
Turr.  diese  am  Schlüsse  der  ÜQoXeyofiEva  der  Itarayal  unter 
der  Überschrift:  Ze.yc.nlor  .  .  .  ß'ißlcp  [s.  oben  S.  83]  mit  ab- 
drucken lassen.  Vermutlich  hat  Turr.  dem  Zach,  vor  oder  zu 
der  Zeit,  wo  an  diesen  die  Aufforderung  erging,  die  Fragen 
des  Kardinals  von  Loth.  zu  beantworten,  von  dem  Ausspruche 
des  Mak.  mündlich  Mitteilung  gemacht  und  ihm  dann  den 
Wortlaut  desselben  notiert.  Da  Turr.  dem  Zach,  nur  diese 
eine  Stelle  aufschrieb,  mußte  er  sie  durch  eine  Bemerkung 
über  Mak.  und  den  Fundort  der  Stelle  einleiten  und  durch 
die  Hinzufügung  eines  Subjektes  ergänzen.  Beides  tat  er  in 
seiner   Weise-'.     Zach,    aber   —   dies    ist    das    Resultat    unserer 


1)  Die  Änderungen  sind:  akrj&äiQ  statl  xax  aXq&euxv ;  QaxpwöijGi  vteq 
f/.:yiir  statl  iggccxpctötjoav  und  daß  der  positive  Satzteil  vor  den  negativen 
gestellt  ist. 

_  Die  harayal  des  Turr.  werden  im  Juli  1563  erschienen  sein. 
Vgl.  den  Brief,  den  der  [Cardinal  rlosius  von  Trient  aus  an  Guil.  Sirletus 
unter  dem  29.  Juli  1563  [die  Jahrzahl  L567  in  der  Ausg.,  die  ich  vor  mir 
hatte,  ist  Druckfehler]  schrieb  [Opera  Stan.  Hosii.  T.  IL  Col.  1584  p.  209  . 
Daß  Zach,  seine  Abhandlung  verfaßte,  bevor  er  die  Scholien  des  Turr.  in 
dessen  Buche   ht  u  yi  <  gelesen  hatte,  wird  dadurch  wahrscheinlich  gemacht, 


Schalkhausser,  Makarios  Maines. 

Untersuchung  —  hat  aus  der  Reihe  derer  auszuscheiden,  die 
ihre  Mak. -Zitate  direkt  aus  Hss.  des  Apokr.  schöpften1.  Auch 
er  ist  nur  einer  der  vielen,  die  dem  Turr.  verdanken,  was  sie 
von  Mak.  wissen  und  mitteilen"2,  und  unsere  Kenntnis  des 
cod.  Yen.  erfährt  durch  ihn,  Zach.,  keine  Bereicherung. 

Mehr  wird  sie  gefördert,  wenn  wir  auf  Grund  alter 
Handschriftenverzeichiiisse  und  anderweitiger  Nachrichten  die 
Geschichte  des  codex  Venetus  verfolgen  und  so  das  wenige 
zu  ergänzen  suchen,  was  uns  Turr.  über  diesen  Kodex  berichtet. 


4.  Die  Geschichte  des  cod.  Venetus. 

Man  hat  gemeint,  der  cod.  Veu.,  der  den  Apokr.  des 
Mak.  enthielt,  stammte  wie  die  anderen  Hss.,  die  sich  im 
16.  Jahrh.  in  der  Markusbibliothek  befanden,  aus  dem  Ver- 
mächtnisse des  Kard.  Bessarion::.  Nachweisbar  ist  es  jedoch 
nicht.  In  dem  sog.  Originalindex  nämlich,  d.  h.  in  dem  Hss.- 
Verzeichnisse,  das  Bessarion  selbst,  als  er  seine  Kodizes  dem 
h.  Marcus  in  Venedig  vermachte4,  der  Schenkungsurkunde  bei- 
fügte und  das  mit  dem  14.  Mai  1468  datiert  ist5,  ist  der 
Apokrit.  des  Mak.  Magnes  nicht  genannt. 

daß  Zach,  in  seiner  ersten  Antwort  den  Unterschied  zwischen  zvtcoq  und 
avzixvTiov  noch  nicht  beachtet.  Turr.  dagegen  im  Scholion  f.  173a — 178a 
beides  scharf  auseinander  hält  und  zu  erweisen  sucht,  daß  Brot  und  Wein 
nicht  zvTCOi,  wohl  aber  avxixvna  des  im  Himmel  befindlichen  Leibe.~  und 
Blutes  Christi  wären.  —  Auch  diese  Wahrnehmung  bestätigt  den  Zeit- 
ansatz, der  oben  bezüglich  der  Abfassung  der  Antworten  des  Zach,  ge- 
macht wurde. 

1)  Damit  werden  auch  die  Folgerungen,  die  Frühere  [z.  B.  Magnus 
Crusius  cf.  MiPaGrX.  1368  D  und  Pitra,  Spie.  Sol.  I.  p.  305  sq.  n.  4:  308 
n.  31  aus  dem  Wortlaute  des  Zach. -Zitates  zogen,  hinfällig. 

2)  Die  Meinung  Pitras  1. 1.  p.  548,  Zach,  habe  bei  seinem  Mak. -Zitate  auf 
Jo.  Antioehenus  ..zurückgeschaut"  [respexisse],  bedarf  keiner  Widerlegung. 

3)  So,  wie  es  scheint,  Lami  in:  Deliciae  eruditorum  T.  9.  Flor.  1740 
p.  XXVII  sqq.;  ferner  Car.  Jo.  Xeumann  in:  Juliani  imper.  librorum  contra 
Christianos  quae  supersunt.  Lips.  1880  p.  15  und  Gaston  Boissier  in  seiner 
Rezension  der  eben  erwähnten  Schrift  Neumanns  im  -Journal  des  >avants" 
Par.  1882  p.  560. 

4)  Sämtliche  Originalurkunden,  die  sich  auf  diese  Schenkung  Bessarions 
beziehen,  sind  vereinigt  im  cod.  Marc.  Lat.  XIV.  14,  dessen  gesamte  Texte 
IL  <>mont  in  der  Revue  des  bibliotheques  IV .  Par.  1894  p.  129 — 1S7  ver- 
öffentlicht hat.     Der  Index  ist,  wie  das  übrige,  vollständig. 

5)  Dies  das  Datum  der  Schenkungsurkunde,  das  auch  für  den  fndex 
gilt  [Omont  1.  I.  p.  145  sqq.]. 


I.  4.    Geschichte  des  codex  Venetus.  97 

Auch  in  «lern  von  Larai  in:  Del.  erudit.  T.  9.  Flor.  1740 
p.  128 — 14H  aus  einem  Riccardianus  herausgegebenen  weiteren 
Verzeichnisse  der  Bücher  Bess. !  findet  er  sich  nicht.  Dieses 
Verzeichnis  zählt  die  Bücher  nach  „capsae"  auf  und  gibt  von 
jeder  außer  von  der  ersten  das  Gewicht  an.  Der  Archetypus, 
wie  Lami  nieinte  (..forte  archetypus"  [MPG  161,713 — 714]), 
ist  es  nicht;  es  wurde  auch  nicht,  wie  man  Lamis  Worte  ver- 
standen hat,  angefertigt,  als  die  Bücher  für  den  Transport  nach 
Venedig  verpackt  wurden-.  Es  wurde  zusammengestellt,  als 
die  Bücher  Bessarions  in  Venedig  angekommen  waren  und  den 
Prokuratoren  übergeben  wurden3,  und  da  die  Ankunft  der 
Bücher  in  Venedig  im  April  1469  erfolgte4,  wird  auch  unser 
Verzeichnis  aus  diesem  Jahre  stammen,  los  ist  somit  das 
Zweitälteste.  Leider  ist  es  sehr  unvollständig.  Während  in 
Wirklichkeit    die    Stadt    Ven.    48   Kisten    mit    Hss.    empfing5, 


1)  Aus  Lami  wiederabgedruckt  in:  MiPaGr  T.  161,  Lut.  Par.  1866 
[der  Band,  der  die  Werke  Bess.  enthält],  Kol.  701 — 714. 

-     So  C.  Castellani  in:  Atti  del  R.  Istituto  Veneto  di  scienze,  lettere 
ed  arti.  1896  97.  T.  55  fSer.  VII,  T.  8]  p.  317  [II  prestito  dei  eodici 
alla  Biblioteca  Marciana  p.  311 — 377]  Anm.:  „In  quest'  indice  [sc.  in  dem 
von   Lami  veröffentlichten]  le  opere  sono  distinte  per  casse  .  .  ..  per  modo 
che  sembra  sia  stato  redatto  a  mano  a  mano  che  i  Libri  erano  posti  neue 

per  essere  spediti  a  Venezia."  Lami  sagt:  .  .  esse  videtur  is  [cata- 
logus],  quem  dum  libros  in  capsis  collocarent,  concinnarunt  illi,  qui  buic 
negotio  praeerant  [MPGr  161,711 — 712]. 

3)  Vgl.  die  Überschrift  des  Verzeichnis  -;:  ..Tabula  librorum 

tarn  Graecorum  quam  Latinorum,  quos  .  .  card.  Nicaenus  .  .  dono  dedit 
sereniss.  et  excellentissimo  ducali  Venetiarum  dominio:  qui  reconditi 
(prout  Koma  transmissi  fuerant)  in  capsis  30  commendati  fuere  magni- 
ficis  et  genero.-is  dominis  procuratoribus  aedis  Divi  Marci,  tantisper 
quoad  instruatur  ei  exornetur  domus  aliqua  bibliothecae,  in  qua  reponi 
debent  pro  communi  studentium  utilitate  ac  decore  .  .  urbis  huius  cele- 
berrimae"  [MPG  161,701—702].  Das  Richtige  hat  J.  Morelli  in:  D 
pubblica  libreria  di  San  Marco  in  Venezia  dissertaz.  storica.  Ven.  177  1 
p.  XXIX:  „Uno  [sc.  LndiceJ  fatto  in  Venezia  a  tempo  della  donazione  da 
i  .  .  lo  trovo  .  .  Land  nella   libreria   Riccardiana  etc." 

1    Cf.  J.  Morelli  L  1.  p.  XVDJsq.:  ..II  Senato  fa<  leroso  dono 

di  40(i  ducati  al  maggiordomo  d'esso  cardinale,  che  ne)   1469.  portö  s 

a  Venezia  i  eodici  e  li  presento  alla  signoria  (1).    [In  Anm.    1>  steht:  Ex 
S.  ('.  1469.  21.  Apr.].    Vgl.  ferner:  Revue  des  bibl.  [V.   L894  p.  135. 

5  Cf.  Jos.  Valentinelli,  Bibl.  ms.  ad  S.  Marci  Venetiarum  T.  I.  Ven. 
1868  p.  36  Anm.  -:  Senatsbeschluß:  „1490,  8.  maii  in  rogatis.  Rever. 
quondam  card.  nicaenus  .  .  aobis  donavit  48  forcerios  eins  librorum." 
Cf.  ibid.  p.  22. 

e  n  e  t  c.  3 1, 4  7 


98  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

spricht  unser  Verz.  nur  von  30  capsae,  teilt  uns  aber  trotzdem 
nicht  den  Inhalt  von  30,  sondern  nur  den  von  21  capsae  mit; 
während  es  eine  „tabula  librorum  tarn  Graecorum  quam  Lati- 
norum,  quos  .  .  card.  Nicaenus  .  .  dono  dedit",  sein  will,  fehlen 
die  lat.  in  ihm  ganz  und  von  den  griech.  ist  nur  ein  Teil 
aufgezählt1.  Wenn  in  einem  so  lückenhaften  Verz.  der  Kod., 
der  den  Apokr.  des  Mak.  enthielt,  nicht  vorkommt,  so  läßt 
sich  hieraus  nichts  schließen2. 

Zum  ersten  Male  habe  ich  die  Schrift  des  Mak.  in  dem 
Verz.  der  Mss.  der  Marciana3  erwähnt  gefunden,  das  ich  für 
das  drittälteste,  bezw.  für  eine  Abschrift  desselben  halte.  Es 
befindet  sich  in  der  k.  k.  Hofbibliothek  zu  Wien  und  hat  die 
Signatur:  Cod.  Lat.  9652.  Die  Hs.  ist  chart.  und  in  Pergament 
oebunden.  Auf  dem  Rücken  des  Einbands  steht  von  alter 
Hand:  Catalogus  libror  Cardinalis  Bessarionis.  Gegen  das 
untere  Ende  des  Rückens  ist  ein  Zettel  aufgeklebt,  auf  dem 
von  älterer  Hand  geschrieben  steht:  Cod.  Recent:  Xo.  535. 
Die  Maße  des  Blattes  sind:  18,3X13,2  cm;  die  der  be- 
schriebenen Fläche  c.  12  X  8,3  cm.  Auf  dem  7.  der  nicht 
numerierten  Blätter  steht  auf  der  Vorderseite  in  der  Mitte  von 
der  Hand,  die  das  ganze  Ms.  schrieb:  Inventarium  librorum 
Revermi:  |  cardinalis  Besarionis  Niceni  in  |  Bibliotheca  D.  I 
Marci.  Auf  der  Rückseite  dieses  Blattes  findet  sich  von  der 
gleichen  Hand  eine  kurze  Notiz  über  Bessarion  aus  Blondus 
und  darunter  die  Bemerkung:  Numerus  omnium-  voluminum 
980.  Erst  auf  dem  9.  Blatte  fängt  die  Paginierung  an.  Auf 
f.  lr  der  paginierten  Blätter  ist  die  schon  auf  dem  7.  nicht 
numerierten  Blatte  mitgeteilte  Überschrift:  Inventarium  etc. 
wiederholt.  Unter  ihr  beginnt  die  Aufzählung  der  libri.  Zuerst 
geschieht  die  der  Graeci  f.  lrsqq.,  dann  die  der  Latiui  f.  21  r  sqq. 


1)  Im  ganzen  290  Kodizes,  während  im  Originalindex  482  griecL 
und  264  lat,  Hss.  verzeichnet  sind  [Rev.  des  hibl.  IV.   1894  p.  149  —  179]. 

2)  Es  mag  noch  bemerkt  werden,  daß  im  Riccard.  die  capsae  mit 
Buchstaben  [A,  B,  C,  D,  E  usw.]  bezeichnet  und  die  Kodizes  anscheinend 
unter  sie  in  der  Hauptsache  nach  dem  Anfangsbuchstaben  der  Verfasser- 
namen verteilt  sind.  Gerade  der  Buchstabe  M  aber  ist  einer  von  denen, 
die  fehlen. 

3)  Dank  der  Freundlichkeit  der  Direktion  der  Wiener  Hof  bibliothek 
konnte  ich  dieses  Verz.  in  München  in  der  k.  Staatsbibliothek  [im  Sept. 
1904]  benutzen. 


1.  1.   Geschichte  des  codex  Venetus.  99 

Mit  dem  Verzeichnisse  bei  Lami  stimmt  das  Wiener  nur  darin 
überein,  daß  es  gleichfalls  die  Bücher  nach  capsae  aufführt1 
und  daß  die  capsae  mit  Buchstaben  bezeichnet  sind.  Sonst 
ist  dieses  von  jenem  völlig  verschieden.  Im  Wiener  Verz. 
werden  die  capsae,  was  im  Rice,  nicht  der  Fall  ist,  auch  noch 
nach  der  Farbe  unterschieden.  Zuerst  finden  wir  verzeichnet 
die  libri  Graeci  der  capsae  virides  signatae  A,  B  usw.  bis  Q, 
dann  die  libri  Graeci  der  capsae  albae  signatae  A,  B  usw. 
bis  1*  und  endlich  die  libri  Latini  in  den  capsae  ferratae  signatae 
A.  1)  usw.  bis  R.  Zählt  man  die  capsae  zusammen,  so  kommen 
16  — }—  15  — j—  17  =  48  heraus,  demnach  genau  so  viele,  als  laut 
dem  Senatsbeschlusse  vom  8.  Mai  1490  Bess.  nach  Venedig  ge- 
schickt  hatte;  vgl.  oben  S.  97/8  Aum.  5.  (.los.  Valentinelli  1.  1. 
p.  36  Anna.  2).  F.  33v  endet  das  Verz.  der  libri  Lat.  und  es 
folgt  die  Bemerkung:  Ego  Alexander  Busenellus  Duca  |  lis 
Secretarius  Xotationi  et  Con  |  signationi  suprascriptorum  li- 
brorum  interfui  |  et  per  inventarium  scripsi.  |  F.  34  werden 
Bücher  nachgetragen,  die  auf  f.  31  r  ausgelassen  worden  waren2. 


1)  Auch  um  die  Zeit,  für  die  das  Wiener  Verz.  gill  -  worüber 
nachher  —  bestand  also  noch  der  schon  a.  L494  in  einem  Senatsbeschlusse 
beklagte  Ül>elstand,  daß  die  Mss.  in  Kisten  aufbewahrt  wurden  und  da 
„situ  atque  rübigine"  Litten.  A.  1494  wollte  der  Senat  diesem  Mißstände 
dadurch  abhelfen,  daß  er  beschloß,  die  libri  Bessarionis  ins  Kloster  San 
Giovanni  e  Paolo  zu  schaffen.  Der  Beschluß  kam  nicht  zur  Ausführung, 
es  blieb  beim  alten.  Vgl.  hierüber:  Nuova  raecolta  d'opuscoli  scientific!  e 
filologici  T.  20.  Ven.  1770  |>.  165  Anin.  —  Bis  a.  148")  waren  die  Bücher 
Bessarions  in  der  aula  novissima  des  Dogenpalastes  untergebracht.  l>a 
man  aber  den  Kaum  für  die  ..Behörde  der  40  für  Zivilsachen"  brauchte, 
beschloß  der  Senat  a.  148"),  die  Kisten  mit  den  Büchern  sollten  in  einem 
Teile  des  Gemachs  so  aufeinander  gestellt  werden,  daß  sie  möglichst 
wenig  Platz  beanspruchen,  und  dieser  Platz  sollte  durch  eine  Wand  vom 
übrigen  Teile  des  Gemache-,  getrennt  werden  [Cf.  dos.  Valentinelli,  Bibl. 
ms.  ad  S.  Marci  Ven.  T.  I.  Ven.  18(>8  p.  34].  In  dem  so  gewonnenen 
Räume  standen  die  Kodizes  zu  der  Zeit,  wo  die  im  Wiener  Verz.  er- 
wähnte Inventarisierung  erfolgte,  auch  noch. 

2)  Daß  die  Wiener  1U.  die  f.  1 — 33  an  verschiedenen  Stellen  aus- 
gelassenen Bücher  nicht  am  Ende  der  einzelnen  capsae,  sondern  innerhalb 
derselben  nachträgt,  bezw.  deren  l'lat/,  durch  das  Zeichen  ttt  zwischen 
den  Zeilen  genau  bestimml  und  den  Titel  des  ausgelassenen  Buches  am 
Rande  angibt,  daß  ferner  f.31r  so  viele  Bücher  vergessen  wurden  und 
die  vergessenen  nicht  alle  einer  capsa  angehören,  sondern  zwei  o  och  der 
capsa  ferrata  N.  die  übrigen  der  capsa  ferrata  0  und  daß  von  diesei 
c.  ferr.  (|  nicht  alle  oachgeholi  werden  mußten,  sondern  die  3  letzten  am 

7 


100  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Es  fragt  sich  nun,  wann  die  notatio  und  consignatio 
geschah,  von  der  unser  Verz.  redet.  Eine  direkte  Angabe 
enthält  es  hierüber  nicht.  Aber  da  sich  f.  13  v  die  Xotiz  findet: 
Die  ulto:  Junij  1524.  |  II  Magco:  m.  Gironimo  Giustiniani 
habbe  (?)  dal  Magco;  |  m.  Aloysi  Pisani1  opere  di  Archimede 
grece  ch'  e  |  rano  In  capsa  uiridi  signata  P.  |  ,  so  ist  anzu- 
nehmen, daß  der  30.  Juni  1524  der  Tag  war,  au  dem  die  con- 
signatio der  Bibliothek  statt  hatte.  Wer  sie  übergab  und  an 
wen  die  Übergabe  erfolgte,  ist  im  Verz.  gleichfalls  nicht  gesaut. 
Auch  anderswo  habe  ich  keine  Nachricht  des  Inhalts  gefunden, 
daß  a.  1524  eine  notatio  und  consignatio  der  libri  Bessar.  vor- 
genommen worden  sei.  Es  kann  sich  jedoch  meines  Erachteus 
um  keine  andere  handeln  als  um  die,  die  durch  den  Rücktritt  des 
Andr.  JSIavagero  nötig  gemacht  war.  Andr.  Navagero,  der  seit 
1516  den  Posten  eines  Bibliothekars  der  Marciana  und  Historio- 
graphen  der  Republik  Venedig  bekleidete2,  wurde  am  10.  Okt. 
1523  zum  außerordentlichen  Gesandten  an  den  Hof  Karls  V. 
nach  Spanien  ernannt8.  Es  ist  möglich,  daß  Xavagero  darauf- 
hin noch  im  J.  1523  sein  Amt  als  Bibliothekar  niederlegte, 
wie  einige  behaupten4.  Wahrscheinlich  aber  beruht  diese  Be- 
richtigen Orte  sich  befinden,  auch  die  ausgelassenen  Bücher  der  c.  f.  0. 
die  f.  34  aufgeführt  sind,  durch  das  Zeichen  f  f  +  nicht  hinter,  sondern 
vor  die  3  am  rechten  Platze  f.  31  r  befindlichen  Bücher  von  c.  ferr.  0  ver- 
wiesen werden,  dies  alles  erklärt  sich  nur,  wenn  unsere  Hs.  nicht  <  >ri- 
ginal,  sondern  die  Kopie  eines  bereits  festgeordneten  Verz.  ist.  Y\  ann 
und  von  wem  diese  Kopie  gefertigt  wurde,  und  wann  und  wie  sie  nach 
Wien  in  die  Hofbibliothek  kam,  darüber  bekommt  man  weder  aus  der 
Hs.  selbst  noch  aus  den  Wiener  Katalogen  Aufschluß.  Sie  ist  mindestens 
seit  a.  1670  in  der  Wiener  Bibliothek,  da  sie  in  dem  1670  erschienenen 
3.  Bande  der  von  Lambecius  besorgten  „Commentarii  de  bibl.  Caes.  Vindo- 
bonensi"  bereits  erwähnt  ist. 

1)  Über  eine  1529  erschienene  Lebensbeschreibung  des  Prokurators 
Aloys.  Pisani  cf.  Foscarini,  Della  Letteratuni  Veneziana.  Päd.  175:: 
p.  299  nota  223. 

2)  Cf.  Em.  Ant.  Cicogua,  Delle  inscrizioni  Veneziane.  Vol.  ^  1.  Ven. 
1853  p.  173. 

3)  „Del  M.  D.  23.  addi  10.  di  Ottobre  fui  eletto  per  lo  Consiglio  di 
Pregadi  ambasciator  in  lspagna  a  Carlo  V.  Imp.",  sagt  Xavagero  in  seinem 
Tagebuche:  II  viaggio  fatto  in  lspagna  ed  in  Fraucia  dal  Magnif.  M.  Andr. 
Navagero  oratore  del  Senato  Veneto  a  Carlo  V.  imperadore  [in:  Andr. 
Naugerii  Patricii  Veneti  opera  omnia.  Cur.  J.  A.  et  Caj.  Vulpiis.  Patavii 
1718,  p.  343]. 

4)  Z.  B.  Jae.  Morelli   in    seiner   Dissertaz.    storica,  Ven.  1774   p.  vl 
Sostenn'   ogli   [sc.  Andr.  Navagero]  l'uffizio  sin<>  all'  anno    1523,  quando  fo 


J.4.   Geschichte  des  codex  Venetus.  ]01 

hauptung  nur  auf  der  Vermutung-,  daß  Nav.,  wenn  er  a.  1523 
zum  Gesandten  gewählt  wurde,  noch  im  gleichen  Jahre  nach 
Spanien  abgereist  sei1,  eine  Vermutung,  die  nachweislich  falsch 
ist.  Navagero  hat  Venedig  erst  am  14.  Juli  1524  verlassen2, 
um  über  Padua,  Parma,  Pisa,  Genova,  Corsica,  Barcelona  nach 
Toledo  sich  zu  begeben  (E.  A.  Cicogna,  1.  1.  p.  175  sqq.).  Und 
so  wird  denn  auch  die  consignatio,  bei  der  er  die  Bücher 
Bess.  den  Prokuratoren  übergab,  erst  a.  1524  und  zwar, 
wie  aus  dem  Wiener  Verz.  zu  schließen  ist,  am  30.  Juni  statt- 
gefunden haben3. 

Die  Notiz,  die  sich  auf  den  Mak.-Kodex  bezieht,  findet 
sich  im  Wiener  Verz.  f.  12 v,  wo  „libri  Graeci  in  capsa  viridi 
signata  0"  verzeichnet  sind,  und  heißt:  „Magnetis  contra  graecos 
in  pap:  l'r  corrosus".  Es  könnte  sein,  daß  auch  dieser  als 
über    corrosus4   bezeichnete   Kodex    aus   dem    Besitze    Bessar. 


spedito  ambasciadore  in  Ispagna.  e  1"  rinunziö  a'  Procuratori  di  S.  Marco  1  . 
[In  Anni.  (1)  steht:  Zanetti  Praet'.  cit.].  Morelli  hat  seine  Notiz  aus 
Zanetti  und  Zanetti  wird  durch  eine  Angabe  in  dem  Briefe,  den  J.  B. 
Ramnusio  [segretario  del  consiglio  dei  Dieci  und  1530 — 1543  custode  der 
Markusbibliothek]  an  Ben.  Ramberti  [segretario  del  Senate;  custode  1543 
— 1547]  unter  dem  21.  Aug.  1543  sehrieb,  irregeführt  worden  sein.  In 
diesem  Briefe  heißt  es:  Et  al  suo  [sc.  des  Andr.  Navajer]  partir  per  Ani- 
bassador  in  Spagna  che  fo  del  15*23  li  [sc.  i  mss.  del  Bess.]  consegn"  di 
novo  alli  clariss.  sig.  Procuratori  di  S.  Marco  [Cf.  E.  A.  Cicogna.  Delle 
inscriz.  Ven.  VI.  Ven.  1853  p.  309]. 

1)  Siehe  Note  4  der  vorigen  Seite. 

2)  „Mi  parti  da  Venezia  del  M.  D.  XXIV.  addi  14.  di  Luglio".  sagl 
Andr.  Nav.  in  seiner  Schritt:   II   viaggio   fatto  etc.  [1.  1.  p.  343]. 

3)  Nachträglich  fand  ich  im  Sept.  1905  in  Venedig  im  cod.  ms. 
riserv.  71  [S.  hierüber  oben  S.  28  Anm.  3]  zwei  handschriftliche  Be- 
merkungen Jac.  Morellis.  in  denen  ich  eine  Bestätigung  meiner  Auf- 
fassung erblicke.  P.  29,  auf  der  einige  Verzeichnisse  der  Kodizes  Bessarions 
genannt  sind,  steht  auf  dem  unteren  Rande:  „1528.  Indiee  copiato  da 
Mart.  Richter,  fatto  quattro  anni  avanti,  avuto  (?)  dalT  Ab.  Marini  negl1 
indici  de'  Mss."  —  Zu  p.  84,  auf  der  die  oben  S.  100  Anm.  4  mitgeteilte 
Notiz:  Sostenn'  egli  l'uffizio  etc.  sich  findet,  ist  auf  dem  eingefügten  Blatte 
bemerkt:  „Indice  de'  Mss.  consegnati  dal  Navagero  nel  1524,  dimettendosi 
di  bibliotecario.  Vedi  qui  p.  29  Richter."  Mehr  sagt  Morelli  über  die>es 
1528  durch  Richter  kopierte  Verz.  nicht.  Morelli  hat  weder  das  Original 
von  1524  noch  die  Abschrift  von  1528  aus  eigener  Anschauung  gekannt. 
Weder  jenes  noch  diese  findet  sich  jetzt  in  der  Markusbibliothek.  l>t 
vielleicht  das  Wiener  Verz.  mit  der  Abschrift  identisch,  die  nach  Morelli 
ein  gewisser  Mart.  Richter  a.  1528  von  dem  aus  dem  .1.  1524  stammenden 
Originalverz.  angefertigt  hat? 

4)  Der  Zusatz  „liber  corrosus"  findet  sich  in  keinem  anderen  Iudex 
der  Bücher  Bess. 


102  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

stammte  und  nur  deshalb  im  Index  vom  1468  nicht  aufgeführt 
ist,  weil  ihn  Bess.  vielleicht  erst  später  erwarb  und  der  Stadt 
Venedig  überließ1.  Ebenso  möglich  ist  freilich,  daß  die  Hs. 
anderswoher  stammte.  Sollte  es  unmöglich  sein,  daß  eines 
der  beiden  Exemplare  des  Apokr.,  die  Janos  Laskaris  a.  1492 
in  Unteritalien  sah  (s.  oben  S.  15),  auf  irgend  einem  Wege 
nach  Venedig  und  in  die  Marciana  gelangt  ist?2 

Nach  dem  Weggänge  Xavageros  blieb  das  Amt  des  Bi- 
bliothekars der  Marc,  bis  a.  1530  unbesetzt.  Durch  Dekret 
v.  30.  Sept.  1530  beschloß  der  Rat  der  Zehn,  es  dem  Pietro 
Bembo  zu  übertragen3.  Bembo  versah  es  von  1530 — 154-'!. 
Als  er  1543  zurücktrat,  wurde  aus  Anlaß  der  consignatio 
wiederum  ein  Inventar  der  Bücher  Bess.  angefertigt.  Es  ist 
jetzt  der  cod.  ms.  Lat.  cl.  XIV,  Nr.  17  der  Marciana4.  Eine 
Bemerkung  vorn  auf  dem  Umschlag  besagt,  daß  die  Übergabe 
an  Ben.  Rambertus  Ducalis  Secretarius  durch  den  Kardinal 
Bembo  am  2.1.  Aug.  1543  erfolgt  sei.  Das  Inventar  wurde 
schon  einige  Tage  früher  angelegt,  Denn  auf  f.  1  r  steht  als 
Überschrift:  1543  a  di  13  di  Agosto  |  Inventario  de  libri  del 
q.  Rmo  Card.  Nie.  etc.  Die  Anordnung  ist  die,  daß  zuerst 
die  zu  Banco  A,  B  usw.  bis  Q  [IG  banchi]  und  dann  die  zu 
Numero  1,  "2  usw.  bis  39  gehörigen  Hss.  aufgeführt  werden. 
Auf  f.  8v  sind  die  Bücher  des  „Banco  P"  verzeichnet  und  unter 
diesen  ist  das  13.:  Magnetis  contra  GreQos  In  pap:  [Sonst 
steht  nichts  da]. 

Schon   21/2   Jahre   später   wurde   im   Auftrage   des   Kate> 
der  Zehn  ein  neues  Verzeichnis   der  in    der  Marciana  befind- 


1)  Bessarion  f  15.  Nov.  1472  in  Ravenna  [Fabric,  B.  Gr.  XI.  Bamb.  1808 
p.  423].  Daß  auch  nach  dem  Tode  Bess.  noch  einzelne  Bücher  desselben  in 
die    Markusbibliothek  kamen,  behauptet  Jos.  Valentinelli  1.  1.  p.  21  u.  52. 

2)  Janos  Laskaris  war  1503  (1504)— 1509  in  Venedig  als  Gesandte* 
des    franz.   Königs   Ludwig  XII.   [K.  K.  Midier.  „Neue  Mitteilungen  über 
Janos  Laskaris  etc."  im  Centralbl.  f.  Bibliothekswesen  I.  Leipz.  18*4  p.  336 
Legrand,   Bibliographie    Hellenique    T.  I.    Par.  1885  p.  CXLIV — CXLIX: 
Bibliotheqüe  de  Pecole  des  chartes  62.    Par.  1901  p.  659 sq.]. 

3)  Vgl.  C.  Castellani,  „Pietro  Bembo  bibliotecario  della  libreria  di 
S.  Marco  in  Venezia"  in:  Atti  del  R.  Istitnto  Veneto  di  scienze  etc.  (T.  54). 
Ser.  7.  T.  7.  Ven.  1895/1896,  p,  862—898.  Hier  sind  auch  die  einschlägigen 
Dokumente  mitgeteilt. 

4)  Im  Aug.  1905  von  mir  zu  Ven.  eingesehen.  —  Cf.  über  das  \  er/., 
von  1543:  E.  A.  Cicogna,  Delle  inscrizioni  Venez.  Vol.  VI.  Ven.  L853 
p.  309 sq.:  Jos.  Valentinelli,  Bibl.  ms.  ad  S.  Marei  Venet.  T.  1.  Ven.  18öS 
p.  52:   C.  Castellani  1.  1.  p.  875sq. 


I.  4.   Geschichte  des  codex  Venetu.-.  103 

liehen  Mss.  angelegt.  Es  ist  der  cod.  ms.  L;it.  cl.  XIV,  nr.  16 1. 
Das  Verz.  ist  auf  Pergamentblätter  sehr  schön  und  sauber 
geschrieben.  F.  lr  steht  der  Titel:  Index  librorum  Rev.nii  q. 
card.  Nicaeni,  confectus  mandato  .  .,  ut  senatus  cousultum  a 
Decemviris  factum  tertio  calendas  Januarii  exsequerentur,  or- 
dine  literarum  servato.  1545.  —  Praesentatus  Cl.mis  D.  Capitibus 
Decem  per  .  .,  die  17  Martii  1540  '-'.  Geordnet  sind  die  libri 
in  diesem  Verz.  alphabetisch  und  zwar  so,  dal.)  zuerst  die  libri 
(rraeci  des  Buchst.  A,  dann  die  libri  Lat.  dieses  Buchstabens, 
weiter  die  Graeci  des  Buchst.  B,  hernach  die  Latini  desselben 
usw.  aufgeführt  sind.  F.  20  r  stehen  die  libri  Graeci  des 
Buchst.  M.  Die  Stelle  über  den  Mak. -Kodex  lautet  hier:  14  A 
Magnetis  contra  greyos,  sine  tabulis  in  papyro  j  n"  628  [Der 
Strich  hinter  papyro  findet  sich  auch  im  Index].  F  35  r  be- 
ginnt das  Verz.  der  libri  Graeci  und  Lat.  „qui  sunt  in  medio 
voluminum  suprascriptorum.  per  ordinem  alphabeti".  Hier  sind 
die  Schriften  aufgezählt,  die  sich  in  einem  Kodex  befinden, 
der  zuerst  etwas  anderes  enthält.  Vlagnes  oder  eine  Schrift, 
die  mit  ihm  in  eiuem  Bande  vereinigt  gewesen  wäre,  wird 
hier  nicht  erwähnt.  Hieraus  folgt,  daß  das  Ms.  „Magnetis 
contra  Graecos"  für  sich  allein  einen  Band  bildete.  F.  4<>rsqq. 
sind  die  libri  Graeci  und  Latini  verzeichnet,  die  im  Index  des 
Bess.  [von  1468]  stehen  und  um  1545/46  in  der  Bibliothek 
fehlten.  Zuletzt  werden  die  11.  Graeci  und  Lat.  und  zwar 
wiederum  alphabetisch  aufgeführt,  die  in  der  Bibliothek  vor- 
handen und  im  Iudex  von  1468  nicht  genannt  sind.  Hier 
lesen  wir  f.  47 r  unter  M  wieder:  Magnetis  contra  Grecos, 
sine  tabulis.  Sonst  ist  über  die  Schrift  des  Magnes  in  unserem 
Index  nichts  bemerkt3. 


1)  Im  Aug.  1905  von  mir  zu  Ven.  eingesehen.  —  Vgl.  über  diesen 
Index:  Jos.  Valentinolli  I.  I.  p.  52;  C.  Castellani.  ..II  prestito  dei  codici 
mss.  alla  bibl.  Marc.-  in:  Atti  de!  I».  l-tituto  Veneto  .  .  (T.  55)  Ser.  7.  I.  8. 
Ven.  1896  97  p.  317  sq. 

2)  Dieses  Verz.  wird  als  da-  von  1545  bezeichnet,  weil  1545  anter 
dem  Titel  steht.  Da  aber  der  Beschluß  der  Decemviri.  der  die  Anfertigung 
ein  es  neuen  Indes  verfügte,  ersl  „tertio  cal.  Januarii  |1545|~  gefaßl  wurde 
und  der  damalige  venetianische  Kalender  die  Monate  Jan.  und  Febr.  noch 
zum  vorhergehenden  Jahre  zählte,  auch  das  fertige  Verz.  erst  am  17.  März 
1546  den  Dezemvirn  präsentiert  wurde,  wird  die  Herstellung  desselben  im 
Jan.  und  Febr.  1546  erfolgt  -«'in. 

3)  Das  Verz.  von  1546  oder  Teile  desselben  wurden  mit  Vorliebe 
abgesehrieben.     Kopien    enthalten    der   cod.    ms.    Lat.    der   Marc.   cl.  XIV. 


104  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Noch  einmal  wird  der  Schrift  des  Magnes  in  dem  schon 
erwähnten  alten  Leihregister  der  Marciana:  Registro  dei  codici 
mss.  della  libreria  pubblica  di  San-Marco  imprestati  sotto  il 
custode  Lor.  Rocca,  Cancellier  grande  [es  erstreckt  sich  auf 
die  Jahre  1551  — 1559]  gedacht1.  F.  24  dieses  Reg.  findet  sich 
die  bereits  oben  S.  27  mitgeteilte  Notiz,  daß  am  28.  März  1552 
Lud.  Beccatelus,  legatus  pontificius,  ein  griech.  Buch,  genannt 
„Magnes  contra  Graecos",  gegen  ein  Pfand  erhielt  und  am 
21.  April  1552  zurückgab. 

Diese  Notiz  ist  die  letzte  handschriftliche  Spur,  die  ich 
von  dem  cod.  Ven.,  der  den  Apokr.  enthielt,  habe  finden  können. 
In  den  Inventarien  der  folgenden  Zeit  ist  er  nicht  mehr  er- 
wähnt-.    Er  muß  zwischen  1552  und  1637  abhanden  gekommen 


nr.  111  [vollständig]:  der  Paris.  Gr.  3064,  früher  Colbertinus  2145  [nur 
die  griech.  Hss.  der  I.  Abteilung],  aus  dem  Montfaucon  in  seiner  Bibl. 
Bibliotheearum  T.  I.  Par.  1739  p.  468  sqq.  die  griech.  Mss.  der  Marciana 
mitteilte:  ein  Peirescianus  Nr.  1769  [Cf.  Catalogue  general  des  Mss.  des 
bibliotheques  publiques  de  France.  Dep.  —  T.  35.  Carpentras  par  Du- 
hamel et  Liabastres  T.  IL  Par.  1899  p.  175.  Nur  die  griech.  Hss.]:  ferner 
eine  Hs.  in  der  Bibliothek  des  Baronet  Phillipps  zu  Middlehill  [Wie  es 
scheint,  vollständig.  Über  die  Hs.  vgl.:  Archiv  für  Philol.  u.  Pädag. 
VI.  Bd.  Neue  Jahrbücher  f.  Phil,  und  Pädagogik  v.  Seebode,  Jahn, 
Klotz  VI.  Suppl.-Bd.  Leipz.  1840  p.  591]  und  endlich  ein  Verz..  ehemals 
im  Besitze  des  Peter  Burmannus,  jetzt  in  Leiden  [Cf.  Geel,  Catal.  libro- 
rum  mss.  qui  inde  ab  a.  1741  bibliothecae  Lugduno  Batavae  accesserunt. 
Lugd.  Bat.  1852  p.  214.  —  Nur  griech.  Hss.]. 

1)  Veröffentlicht  zusammen  mit  dem  von  1545 — 1548  von  IL  Omont 
[in  Bibliotheque  de  l'ecole  des  chartes  48.  Par.  1887  p.  651 — 686:  Deux 
registres  de  prets  de  mss.  de  la  bibl.  de  S.  Marc  ä  Venise]  und  von 
C.  Castellani  [in  Atti  del  R.  Istituto  Veneto  di  scienze  .  .  (T.  55)  Ser.  7. 
T.  8.  Ven.  1896/97  p.  311—377:  II  prestito  dei  codici  mss.  alla  bibl.  Marc.]. 

2)  Folgende  Verzz.  konnte  ich  einsehen: 

A)  Handschriftliche: 
a)  Ambrosianus  D.  n°.  341.  P.te  Inf.  Titel  auf  dem  ersten  Blatte,  das 
nicht  numeriert  ist :  Bessarionis  Card,  episcopi  Tusculani  Index 
Bibliothecae  quam  Reipublicae  Venetae  legavit.  Auf  f .  1  r  steht: 
Catalogus  librorum  qui  suDt  in  Bibliotheca  Serenissimae  Venetae 
Reipublicae  legata  a  Rmo  Card.  Bessarione  Episcopo  Tusculano  et 
Patriarca  Costantinopolitano.  Die  Bücher  sind  nach  scamna  geordnet, 
deren  es  38  sind.  Der  Anfang  ist  mit  sc.  38  gemacht  und  von  da 
geht  es  rückwärts  bis  sc.  1.  Im  Index  selbst  ist  nicht  bemerkt,  wo 
und  von  wem  er  geschrieben  wurde  oder  welcher  Zeit  er  angehört. 
Das  geschriebene  Inventar  der  Ambrosiana  weist  ihn  dem  16.  Jahrh. 
zu  [Mit  dem  Ambros.  scheint  gleichen  Inhalts  zu  sein  der  Vossianus 
Lat.  F.  52  in  Leiden.    Denn  dieser  hat  den  Titel:  Catalogus  librorum 


[,  4.   Geschichte  des  codex  Venetus.  105 

sein.  Näher  lassen  sich  die  beiden  Termine  kaum  zusammen- 
rücken. Die  Abhandlung  des  Zacharias  Skordylios  vom  J.  1563 
muß  außer  Betracht  bleiben,  da  ihr  Mak. -Zitat,  wie  oben  S.  93ff. 


qui  sunt  in  Bibliotheoa  Ser.mae  Venetorum  Reip.cae  Legata  ab  Ulmo 
et  Rmo  Cardle  Bessarione  Ep.°  Tusculano  et  Patriarca  Constantinopoli- 
tano.  —  Den  Wortlaut  des  Titels  teilte  mir  auf  Anfrage  der  Bibliothekar 
der  Univ.-Bibl.  Leiden  unterm  20.  Febr.   1905  mit]. 

b)  Cod.  ms.  Lat.  cl.  XIV,  nr.  18  der  Marciana  in  Yen.  [st  das  Inventar 
vom  3.  Juni  1575  und  wurde  angefertigt,  als  Bern.  Loredan  die  Bibl. 
an  Aluise  Gradenigo  übergab.  Zuerst  werden  IG  banchi  lat...  dann 
8  banchi  griech.  Hss.  aufgezählt.  Das  Inv.  ist  ganz  unvollständig, 
denn  es  verzeichnet  nur  179  griech.  Hss. 

c)  Cod.  ms.  Ital.  cl.  XL  nr.  62  der  Marc,  in  Ven.  Ein  Sammelband,  der 
sehr  verschiedenerlei  enthält.  Auf  dem  Rücken  des  Einbandes  steht 
gedruckt:  Apostolo  Zeno  Miscellanea  di  varia  erudizione.  Innen  steht 
unter  dem  Vermerk  provenienza:  Zeno  Apostolo  183.  Der  Band  ent- 
hält f.  140 — 157  ein  Verz.  der  ,.Mss.  Bessarionis,  Card.  Nie".  Welcher 
Zeit  das  Verz.  angehört,  ist  nicht  angegeben.  Aufgezählt  sind  nur 
die  griech.  Hss.:  „In  sede  XX. ma"  bis  „sed.  XXVIII".  im  ganzen  198  Mss. 
Das  Verz.  ist  demnach  ganz  unvollständig. 

d)  Cod.  ms.  Lat.  cl.  XIV.  nr.  19  der  Marc,  in  Ven.,  chart.,  266  be- 
schriebene Blätter.  Titel  auf  f.  3r:  Venetae  bibliothecae  distributio 
et  ordo  A.  D.  1637.  F.  7 — 55  sind  die  Hss.  aufgezählt,  geordnet  nach 
plutei,  deren  es  38  sind.  Das  Verzeichn.  ist  vollständig.  Die  Titel 
der  Kodizes  sind  ganz  kurz.  Es  ist  nicht  einmal,  wie  in  früheren 
Katalogen,  Schreibmaterial  und  Format  der  Mss.  angegeben. 

e)  Cod.  ms.  Lat.  cl.  XIV,  nr.  20  der  Marc,  in  Ven.,  chart.  Überschrift 
auf  dem  zweiten  nicht  numerierten  Blatte:  1679.  16.  Maggio.  Inven- 
tario  comune  de'  libri  tutti,  che  di  presente  si  trovano  nella  pubblica 
biblioteca  della  ser.ma  Repub. ca  Veneta.  Fatto  da  me  Ambrogio 
Gradenico  Abbate  .  .  .  Die  Hss.  sind  p.  856 — 900  aufgeführt.  Das 
Verz.  ist  vollständig.  Geordnet  sind  die  Mss.  nach  banehi,  deren  Zahl 
38  beträgt.     Der  Katalog  stimmt  mit  dem  von  1637  überein. 

B)  Gedruckte: 

a)  Ein  kurzes,  ganz  unvollständiges,  alphabetisch  geordnetes  Verz.  aus- 
gewählter griech.  Hss.  Bessar.  findet  sich  in:  Possevinus,  Apparatns 
sacer,  T.  II.  u.  III.  Ven.  1606,  Appendix  p.  34—37;  T.  II.  Col.  1608, 
Append.  p.  27 — 30. 

b)  Catalogus  librorum  bibliothecae  Venetae:  quae  statutis  diebus  publice 
Studiosorum  commoditati  aperietur.  Ohne  Druckort,  Jahrzahl  und 
Verf.-Namen.  Vollständig.  P.  17 — 68  werden  die  Hss.  aufgeführt, 
geordnet  nach  scamna,  deren  es  38  sind.  Sc.  1 — 16  mss.  Lat..  bc. 
17 — 38  mss.  Graeci.  Da  ein  im  Katalog  genanntes  gedrucktes  Buch 
[er  zählt,  wie  der  von  1637  und  1679  auch  die  gedruckten  Bücher 
der  Markusbibliothek  auf]  die  Jahrzahl  1623  hat,  ist  er  erst  nach 
1623  erschienen.  Nach  Jos.  Valentinelli.  Bibl.  ms.  ad  S.  Marci  Venet. 
T.  I.  Ven.  1868  p.  C>^  wurde  der  Katalog  von  Sozoincno  herausgegeben. 


lOft  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

gezeigt  wurde,  von  Turr.  stammt.  Daß  die  Äußerung  des  Turr., 
die  er  iu  Apostol.  Constitutioues,  Antv.  1578  p.  5(5  am  Schlüsse 
eines  Mak.- Zitates  tut:  „eius  [sc.  Magnetis]  libri  quinque  in 
Veneta  bibl.  extant",  nicht  beweist,  daß  das  Ms.  des  Apokr. 
um  1578  in  der  Marciana  noch  auf  seinem  Platze  stand,  wurde 
gleichfalls  schon  oben  [S.  34]  bemerkt.  Von  den  Inveutarien 
aber  sind  gerade  die  älteren  unter  den  datierten  nicht  voll- 
ständig; und  die  vollständigen  sind  nicht  alle  datiert.  Das 
älteste  vollständige  und  genau  datierte,  in  dem  die  Schrift 
des  Magnes  nicht  erwähnt  wird,  ist  das  von  1637. 

Außerhalb  Venedigs  dauerte  es  aber  noch  über  100  Jahre, 
bis  mau  wirklich  daran  glaubte,  daß  der  Kodex,  der  den  Apokr. 
des  Mak.  enthielt,  aus  der  Markusbibliothek  verschwunden  sei. 
Man  meinte,  die  Venetianer  wollten  ihn  nur  niemanden  lesen 
lassen1.  Selbst  als  J.  Boivin,  der  sich  mit  dem  (bedanken 
trug,  die  Fragmente  des  Mak.  zu  sammeln,  wegen  des  Apo- 
kritikos  in  Venedig  anfragen  ließ  und  den  Bescheid  bekommen 
hatte,  daß  man  ein  Ms.  des  Mak.  Magnes  trotz  aller  Mühe  nicht 
finden  konnte2,  erhielt  sich  der  Verdacht,  daß   es   in  Venedig 

c)  Index  librorum  card.  Bessarionis  olim  LUustrissimi  et  Kev.mi  Bene- 
dict^ Capelli  episcopi  Concordiae  beneücio  nunc  longe  perfectior, 
quam  a  R.  P.  Possevino  et  Gregorio  Sozomeno  editus  [in:  Jac.  Ph. 
Tomasini,  Bibliothecae  Venetae  niss.  publicae  et  privatae.  Utini  1650 
p.  31 — 55].  Vollständig.  Der  Index  entstand  nach  dem  des  Soz.  und 
vor  dem  4.  Juni  1646  [Datum,  das  die  erste  behufs  Druckerlaubnis 
erteilte  Zensur  hat].  Die  Mss.  sind  nach  plutei.  deren  Zahl  38  ist, 
geordnet. 

1)  So  sagt  z.  B.  Tilleniont  in  seinem  Art.  Macarius  Magnes  [Hist. 
des  empereurs  T.  4.  Par.  1697,  p.  307 — 311;  abgedruckt  in:  Fabricius,  De- 
lectus  argumentorum  .  .  Hamb.  1725,  p.  66 — 70]:  On  pourra  parier  avec 
plus  d'assurance  et  de  l'auteur  et  de  des  sentimens,  si  Ton  peut  obtenir 
des  Yenetiens  qu'ils  veuillent  bien  encore  que  Peglise  profite  du  manuscrit 
qu"on  assure  qulls  en  ont,  et  en  profiter  eux  mesmes,  comme  on  1  espere 
d'une  Republique  aussi  sage  que  cella  lä,  qui  fait  gloire  d'estre  la  defense 
de  toutes  les  nations  Chretiennes.  Car  il  n'va  qu'  une  vanite  tres  sötte 
qui  se  repaisse  d'avoir  im  livre  qu'on  ne  veut  ni  lire,  ni  laisser  Irre  ;'i 
personne  [Fabr.  1.  1.  p.  69]. 

2)  Cf.  Ecole  Francaise  de  Rome.  Melauges  d'archeologie  et  d'histoire. 
XI.  Par.-Rome  1891  p.  437—453:  Note  sur  les  mss.  du  Diarium  Italicum 
de  Montfaucon,  Ton  H.  Omont,  insbes.  Anm.  3  p.  445 — 446.  Hier  sagt 
Omont:  Deux  ans  auparavaut  [sc.  bevor  Montf.  unter  dem  7.  Okt.  1698 
aus  Rom  an  Louvois  schrieb,  cf.  oben  S.  14  Anm.  1]  L'ambassadeur  de 
France  ä  Venise  avait  fait  part  en  ces  termes  ä  l'abbe  de  Louvois  de 
l'insucces  de  ses  recherches  dans  la  bibliotheque  de  S.  Marc  (ms.  fr.  20052 


1,4.   Geschichte  des  codex  Venetus.  \QJ 

sei,  aber  in  strenger  Verwahrung  gehalten  werde1.  Erst  als 
der  Katalog  des  J.  1740  erschien,  in  dem  die  Hss.  der  Marciana 
nicht  mehr  bloß  aufgezählt,  sondern  ausführlicher  beschrieben 
wurden,  und  jedermann  sehen  konnte,  daß  auch  in  ihm  ein 
Kodex  mit  dem  Apokr.  des  Mak.  Magnes  nicht  erwähnt  sei, 
war  allem  Zweifel  ein  Ende  gemacht2. 


f.  50):  „Monsieur,  II  y  a  desjä  quelque  temps  qae  j"uy  receu  hi  lettre  qae 
vous  m'avez  fait  rhonueur  de  ni"  escrire  le  16e  du  mois  passe  au  sujet 
d"un  ms.  grec  Macarius  Magnes,  qui  doit,  nie  dites-vous,  se  trouver  Lcy 
dans  la  bibliotheque  de  St.  Marc,  parmy  les  livres  du  card.  Bessarion 
soubs  le  n"14.  Je  nie  suis  adresse  pour  en  estre  esclairci  au  Sr  abbe 
Letus,  Ecossois,  qui  est  bibliothequaire  de  la  Republique,  et,  apres  avoir 
bien  sollicite  et  attendu  sa  reponse,  il  me  l'envoya  avant  hier,  et  vous  la 
trouverez  cy-jointe  de  sa  main.  II  a  bien  pu  chercher  parmy  les  livres 
du  card.  Bessarion  s'il  s"y  trouveroit  celuy  dont  vous  souhaitez  une  copie, 
mais  quand  il  l'auroit  trouve,  il  ne  pouroit  pas  me  le  preter  pour  en  tirer 
copie  saus  une  particuliere  permission  de  la  Republique,  qu'il  u'est  pas 
facile  d'obtenir.  Cependant,  Mr.,  en  cela,  comme  en  toute  autre  cl 
voas  n'aurez  qu"ä  m'ordonner,  et  je  tiendray  ä  bonne  fortune  si  vous  me 
procurez  Foccasion  de  vous  faire  connoistre  par  nies  Services  que  je  suis 
sincerement,  etc.  De  La  Haye."  A  Venise,  1«'  29e  deeembre  1 1 > 9 (S .  — 
La  lettre  de  l'abbe  „Lethus  de  St.  Laurens"  [Leith]  a  ete  reliee  plus  loin 
dans  le  Dieme  volume,  f.  2S2.  Soweit  H.  Omout  in  Anm.  3.  Der  Briet, 
den  Letus  an  De  La  Haye  schrieb,  lautet:  Monsieur,  Pour  obeir  aus  ordres 
de  Vostre  Excellence,  j'ai  use  tont  fort  de  diligence,  mais  en  vain.  II  ne 
se  trouve  aucun  livre,  entre  ceux  du  cardinal  Bessarion,  intitule  Macarius 
Magnes,  ni  meme  aucun  de  ce  nom  sous  le  numero  14.  11  y  a  im  beau  ms. 
in  papyro,  pluteo  XVII,  numero  8°,  nomine  Macarius  Ch[r]ysocephalus; 
etc.  [folgt  nähere  Beschreibung  des  letzteren  Ms.J,  ainsi  il  esl  facile  de 
savoir  si  c'est  le  livre  qu'on  souhaite,  car  dans  le  catalogue  de  Tomasini 
imprime,  et  dans  le  commun  ä  la  main,  il  n"  y  a  assuremenl  point  d  autre 
de  ce  nom  ...  De  V.  E.  tres  humble,  tres  obeissant  et  oblige  serviteur 
Letus  de  St.  Laurens  [Ms.  fr.  20052  der  Pariser  Nat.-Bibl.  f.  282—283. 
I);i  dies  Ms.  nicht  nach  auswart-  verschick!  wird,  hatte  11.  Omont  die 
Güte,  den  Wortlaut  des  Briefes  des  Letus  mir  auf  Ansuchen  mitzuteilen  . 

1)  Magnus  Crusius  sagt  in  seiner  „Dissertatio  epistolics  ad  Chr. 
Wormium,  Lips.  1728"  p.  9sq. :  [pse  codex  ms.  [sc.  des  Apokr.  des  Mak, 
M.|  .  .  in  bibliotheca  Veneta  D.  Marci  tempore  Fr.  Turriani  exstitit,  et 
uodienum  adhuc  tamquam  palladium  intimis  penetralibus  inclusum  ibidem 
asservari  creditur.  Sed  quoniam  difficilis  admodum  spes  esl  ex  i  —  t  i  —  vin- 
calis  eluctandi,  .  .  . 

2)  Vgl.  den  Anfang  der  2.  Dissert.  des  Magn.  Crusius  über  M.  M. 
[MiPaGrX,  1375D].  Crus.  hatte,  bevor  er  seine  l.  Diss.  [1737J  schrieb, 
in  Venedig  durch  seinen  Kollegen  Feuerliu  noch  einmal  aacfa  unserem 
Kodes  forschen  lassen.  Das  Resultat  konnte  nur  ein  negatives  .-ein.  Ct.  Ml'<; 
X. 1367  A. 


10$  Schalkhausser,  Makarios  Magno. 

Man  erging  sich  nun  in  Vermutungen,  wohin  der  cod. 
Yen.  gekommen  sein  könne.  Lami  dachte  daran,  daß  man 
dem  Diego  Hurtado  de  Mendoza1  nachsagte,  er  habe  Kodizes 
der  Marciana  widerrechtlich  sich  angeeignet  und  dann  nach 
Spanien  in  den  Eskurial  gebracht,  und  sprach  den  Verdacht 
aus,  auch  die  Schrift  des  Mak.  Magnes  sei  damals  in  die  Bi- 
bliothek des  Eskurial  geschafft  worden  (Deliciae  eruditorum 
T.  9.  Flor.  1740  p.  XXIX).  Andere  traten  der  Meinung  Lamis 
bei  (so  Magu.  Crusius.  Cf.  MPGX,  1377  AB).  Sie  ist  aber 
eine  irrtümliche.  Wie  haltlos  die  gegen  Mendoza  überhaupt 
erhobene  Beschuldigung  sei,  haben  Foscarini  (Della  letteratura 
Veneziaua.  Päd.  1752  p.  (33  sqq.),  Morelli  (Della  pubblica 
libreria  di  San  Marco  in  Yenezia  dissert.  storica.  Yen.  1774 
p.  70sq.),  Valentinelli  (Bibl.  ms.  ad  S.  Marci  Yen.  I.  Yen.  1868 
p.  46),  Ch.  Graux  (Essai  sur  les  origines  du  fonds  Grec  de 
TEscurial.  Par.  1880  [Bibl.  de  l'ecole  des  hautes  etudes. 
T.  46]  p.  183  sqq.)  u.  a.  gründlich  dargetau.  Und  wie  sehr 
Lami  mit  seiner  speziellen  Behauptung  im  Unrechte  ist, 
ergibt  sich  aus  der  einfachen  Erwägung,  daß  Mendoza 
a.  1547  Venedig  verließ  (Graux  1.  1.  p.  185),  während  sich  der 
Apokrit.-Kodex  noch  1552  in  der  Marciana  befand2.  Es  ist 
darum  kein  Wunder,  daß  weder  in  den  älteren3  noch  in  den 
neueren4  Beständen  der  Eskurialbibliothek  der  Apokr.  des  Mak. 
erscheint. 

Man  mußte  den  cod.  Yen.  als  verloren  betrachten,  bis 
a.  1867  der  cod.  Athen,  auftauchte  und  die  in  ihm  sich  findenden 
Überbleibsel  des  Textes  des  Apokr.  a.  1876  von  Foucart 
[Blondel]  durch  den  Druck  veröffentlicht  wurden. 

1)  Mendoza,  bis  a.  1547  Gesandter  Kaiser  Karls  V.  in  Venedig.  Bei 
seiner  Neigung  für  gelehrte  Studien  benützte  er  diesen  Aufenthalt  in  Yen. 
dazu,  griech.  Mss.  der  Marc,  abschreiben  oder  kollationieren  zu  lassen. 
•Cf.  besonders  Ch.  Graux,  1.  1.  p.  163 sqq. 

2)  Im  Leihreg.  für  1551  — 1559  kommt  Mendoza  nicht  vor.  Oft  ist 
«r  in  dem  für  1545 — 1548  genannt.  Der  letzte  Eintrag,  der  sich  auf  ihn 
bezieht,  ist  v.  20.  Dez.  1546  datiert. 

3)  Untersuchungen  über  diese  hat  Graux  1.  1.  angestellt. 

4)  In:  E.  Miller.  Catalogue  des  mss.  Grecs  de  la  bibl.  de  l*Escurial. 
Par.  1848  ist  Mak.  Magnes  nicht  erwähnt. 


1,5.   Die  codd.  Atheniensis  und  Venetus.  109 


5.    Das   Verhältnis  des  cod.  Athenieusis 
zum  cod.  Venetus. 

Es  lag.  nachdem  der  Ath.  zum  Vorschein  gekommen  war, 
nahe,  die  Frage  aufzuwerfeu,  in  welchem  Verhältnisse  er  zu  dem 
vermißten  Ven.  stehe,  und  sie  im  Sinne  der  Identität  zu  be- 
antworten. Schon  a.  18(>7.  also  zu  einer  Zeit,  wo  mau  den 
Text  des  Ath.  noch  nicht  gedruckt  vor  sich  hatte,  sagte  Em. 
Miller  in  der  Freitagsitzung  der  Pariser  Akademie  der  Wissen- 
schaften vom  5.  Juli  [er  las  da  den  Brief,  den  unter  dem 
1(>.  Juni  1867  Alb.  Dumont  von  Athen  aus  über  das  Auftauchen 
des  neuen  Kodex  an  ihn  gerichtet  hatte,  vor  und  knüpfte  hieran 
einige  weitere  Bemerkungen  über  Mak.  Magnes]1:  Quant  au 
manuscrit  de  Venise,  son  existence  auterieure  repose  sur 
dautres  autorites.  Un  ancien  catalogue  de  la  bibliotheque  de 
Saint-Marc,  conserve  dans  celle  de  Colbert,  et  publie  par  Mont- 
faucon,  mentionne  „Magnetis  contra  (iraecos  (id  est  Fthnicos) 
opus,  quod  indicatur  fuisse  scriptum  in  charta  papyracea,  nee 
compactum;  unde  facilius  perire  potuit."  Suivant  l'abbe  Mo- 
relli,  qui  cite  Possevin,  les  livres  conserves  dans  le  manuscrit 
de  Venise  etaient  au  nombre  de  trois.  Cette  derniere  par- 
ticularite  est  importante;  si,  de  plus,  nous  rappelons  qu'il  etaii 
en  papier.  nous  serons  peut-etre  tente  de  croire  qu'il  s'agit 
dun  seul  et  meme  manuscrit.  Zwei  Gründe  führt  also  Miller 
zugunsten  der  Annahme,  daß  es  sich  beim  Ven.  und  Ath.  um  ein 
und  dasselbe  Ms.  handle,  ins  Feld:  1.  daß  auch  der  Ven.  charta- 
ceus  war  wie  der  Ath.  es  sei  und  2.  dal!  der  Ath.  jetzt  nur  noch 
drei  Bücher  (das  2.,  3.  und  4.)  aufweise  und  der  Ven.  muh 
der  Behauptung  Morellis  gleichfalls  nur  drei  Bücher  enthalten 
habe.  Dieser  letztere  Umstand  erscheint  allerdings  für  den 
ersten  Blick  auffällig.  Denn  Jap.  Morelli  sagt  in  seiner  Diss. 
storica-  p.  <>7  tatsächlich:  In"  opera  insigne  di  Macario  Magnete 


1)  Ct'.  Academie  des  [nscript.  el  Belles-lettres.  Comptes  rendus  des 
seances  de  l'annee  1867.    'I'.  III.    Par.  1867  p.  L38— 141. 

•.'  Miller  teilt  nicht  mit,  in  welchem  Werke  Morellis  * i i « -  fragliche 
Äußerung  sich  finde.  Si.'  steh!  in  dessen  Schriftchen:  I  >* - 1 1 :i  pubblic» 
liliivn:i  ili  S.  Marco  in  Ven.  dissert.  storica.  Ven.  1774.  Miller  Bcheint 
übrigens  diese  diss.  storica  nichl  .-••|li~i  eingesehen,  sondfern,  \\;i-  <■<■  an- 
führt, dem  Buche:  Anecdota  Graeca  '-'I.  Yillui.-<ui  T.  II.  L781  Ven.  p.  264 
Anm.  entnommen   zu  baben.     Hier  lesen    wir:  „Cl.  A.bbas  Morelli,  in  bu» 


110  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

antichissimo  scrittore  della  chiesa.  Greca,  cioe  l'apologia  de] 
vangelo  contro  a  Teostene,  in  tre  libri  divisa,  fu  ritrovata  sola- 
niente  dall'  eruditissimo  gesuita  Franc.  Torriano  nella  nostra 
libreria.  Aber  daß  es  drei  Bücher  waren,  bemerkt  er  nur 
nebenbei  und  ohne  seine  Behauptung  näher  zu  begründen. 
Er  hätte  die  Begründung  nicht  unterlassen  dürfen,  wenn  er 
der  bisherigen  Annahme,  daß  der  cod.  Ven.  die  5  Bücher  des 
Apokr.  enthielt,  hätte  entgegentreten  wollen.  Morelli  wollte 
das  nicht  und  konnte  es  nicht.  Er  hatte  ja  die  Hs.  niemals 
mit  eigenen  Augen  gesehen.  Sie  war,  wie  er  selbst  öfter  als 
einmal  hervorhebt,  zu  seiner  Zeit  längst  [wohl  schon  gegen 
"200  Jahre]  verschwunden.  Was  Morelli  vom  Ven.  wußte, 
wußte  er  nur  aus  den  Mitteilungen  anderer,  Früherer1.  Unter 
ihnen  ist  aber  keiner  und  konnte  keiner  sein,  der  dem  Werke 
des  Mak.  im  Ven.  nur  drei  Bücher  zuschreibt.  Denn  keiner 
hat  den  cod.  Ven.  gekannt  außer  Turrianus  und  dieser  unter- 
scheidet deutlich  fünf  Bücher  (s.  oben  S.  32  ff.).  Die  Angabe 
Morellis:  in  tre  libri  divisa,  beruht  offenbar,  wenn  nicht  bloß 
ein  Schreib-  oder  Lesefehler  vorliegt,  auf  einem  Versehen,  das 
sich  wohl  dadurch  erklärt,    daß   seine   Kenntnis   der  Schriften 


supra  laudata  nee  imquam  satis  laudanda  de  publica  S.  Marci  bibliotheca 
dissertatione,  tres  egregios  memorat  Magnetis,  pervetusti  auctoris  aute  1300 
annos,  ut  inquit  Possevinus  in  Apparat«  Sacro,  libros  Graece  scriptos  ad 
Theosthenem,  adversus  gentiles  evangelii  calumniatores,  in  S.  Marci  bi- 
bliotheca ab  dlo  codicum  helluone,  ut  Colomesius  vocat,  Franc.  Turriano 
lectos  ...  In  catalogo  codicum  S.  Marci,  qui  extat  in  cod.  Colbert. 
"2145,  et  a  Gl.  Montfauconio  editus  est  in  Bibl.  Bibl.  T.  1  p.  474.  notatum 
videbis  Magnetis  contra  Graecos  (id  est,  Ethnicos)  opus,  quod  indicatur 
fuisse  scriptum  in  charta  papyracea,  nee  compactum:  unde  facilius  perire 
potuit  .  .  ."  Aus  dieser  Stelle  wird  auch  klar,  wie  Miller  zu  der  un- 
richtigen oder  mißverständlichen  Bemerkung  kommt:  Suivant  l'abbe  Morelli, 
qui  cite  Possevin,  .  .  .  trois.  Mißverständlich  ist  diese  Bern.,  denn 
sie  verleitet  zu  der  Meinung,  als  ob  Morelli  dafür,  daß  im  Ven.  nur  drei 
Bücher  des  Apokr.  standen,  sich  auf  Possev.  berufe.  Das  ist  jedoch  keines- 
wegs der  Fall.  Morelli  nennt  den  Poss.  einigemal  in  seiner  Dissert.  An 
der  Stelle  indes,  die  hier  in  Betracht  kommt,  sagt  er  kein  Wort  von  ihm. 
Dagegen  beruft  sich  Yilloison  auf  Possev.,  aber  nicht  etwa  für  die  Drei- 
zahl der  Bücher  des  Apokr.,  sondern  für  die  Angabe,  daß  Magnes  „ante 
1300  annos"  [v.  16.  Jahrh.  aus  gerechnet]  geschrieben  habe.  Über  die 
Zahl  der  Bücher  des  Apokr.  findet  sich  in  dem  wenigen,  was  Poss.  von 
Magnes  berichtet  [und  das  auf  Turr.  zurückgeht],  nichts. 

I)  Und   aus   den   kurzen,   oben    schon   mitgeteilten   Notizen    in    zwei 
alten   Indizes   [von  1543  u.   1545]    und   dem   Leihregister   für  1551  — 1559. 


1,5.   Die  codd.  Atheniensis  und  Venetus.  111 

des  Turr.  eine  sehr  mangelhafte  war.  Er  wußte  damals,  als 
er  seine  Diss.  storica  herausgab,  nur  von  zwei  Mak. -Zitaten ' 
bei  'Furr.  Beide  entstammen  dem  3.  Buche  des  Apokr. 
Vielleicht  war  dieser  Umstand  daran  schuld,  dal.»  Morelli  schrieb: 
in  tre  libri  divisa. 

Ebenso  wenig-  wie  das  von  der  Bücherzahl  hergenommene 
Argument  Millers  ist  haltbar,  was  L.  Duchesne  (De  Macario 
Magnete.  Par.  1877  p.  5,  15,  44)  zugunsten  der  Identität  von 
Ath.  und  Yen.  vorbringt.  Darauf,  daß  Duch.  im  Unrecht  ist, 
wenn  er  erklärt,  Turr.  zitiere  keine  Stelle  aus  dem  Yen.,  die 
sich  nicht  auch  im  Ath.  finde  usw.,  wurde  schon  oben  hinge- 
wiesen (S.  33  Aum.  1).  Wenn  ferner  Duch.  geltend  macht, 
daß  der  Text  der  Turrianischen  Mak. -Zitate  zuweilen  die  näm- 
lichen Fehler  aufweise  wie  der  Ath.,  so  mußte  er  das  eine  der 
zwei  Beispiele,  die  er  hierfür  anführt,  am  Schlüsse  seiner  Ab- 
handlung selbst  noch  als  unzutreffend  zurücknehmen.  Das 
andere  aber:  auch  in  den  Aiarayai  des  Turr.  f.  182  stehe  ge- 
rade wie  im  Ath.  (cf.  Ap.  ed.  Bl.  p.  146,29)  GJtevdojrteq  statt 
öjcsvöovtsg  würde  selbst  dann,  wenn  Duch.  recht  hätte,  nichts 
für  die  Identität  der  beiden  Hss.  beweisen.  Denn  es  ist  be- 
kannt, daß  in  der  späteren  griech.  Minuskelschrift  und  in  alten 
griech.  Drucken  das  v  vom  v  sich  vielfach  garnicht  unter- 
scheidet. Zu  allem  Überflüsse  jedoch  hat  Turr.  an  der  Stelle, 
die  hier  in  Frage  kommt  [ Aiarayai  t.  ay.  djcoöroXwv.  Ven.  1563 
f.  182a],  deutlieh  und  unzweifelhaft  das  richtige  öjcEVÖoirtsg2. 
Das  öJts  vöovteg  ist  nur  einer  der  vielen  Fehler,  die  sich  in  der 
Wiedergabe   der   Turrianus-Stelle   bei  Pitra,  Juris  ecclesiastici 

1)  Das  eine  ist  das,  das  sich  in:  De  yotis  nmnasticis,  Romae- lniii 
1.  II  f.  2a  findet.  Das  andere  ist  die  bekannte  Stelle  in:  De  ss.  eucharistia, 
Romae  L576  p.  98sqq.  Von  einer  dritten  Schrift  des  Tun-.,  dem  Buche:  Adv. 
Magdeburgenses,  Flor.  L572,  sagt  Mor.  ausdrücklich, Turr.  habe  in  ihm  keine 
Mak  .-Zitate  reröffentlichl  —  ein  handgreiflicher  Irrtum,  den  Mor.  später 
erkannt  and  in  der  durchschossenen  Diss.  storica  [Cod.  ms.  riserv.  71  der 
Marc]  handschriftlich  berichtigt  hat.  Den  Fehler  „tre"  hat  er  aichl  wahr 
genommen  und  darum  auch  in  ihr  stehen  lassen.  In  handschriftlichen 
llimierkiingen  zu  cod.  Gr.  Marc.  .">(•.">  [Cod.  ms.  riserv.  97  der  Marc,  zu 
Ven.  f.  L31]  macht  Mor.  auch  noch  die  Schriften:  De  peccato  original]  und: 
Dogmatici  characteres  verbi  dei  als  solche  namhaft,  in  denen  Turr.  den 
Mak.  zitiere.  Einzelne  Stellen  führt  Mur.  jedoch  aichl  an.  Er  bezeichnet 
-ie  auch  aichl   aäher. 

2)  Das  Exemplar  der  hazccyai,  das  ich  benützte,  gehört  der  Staats- 
bibliothek in  München. 


\\"2  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Graecorum  hist.  et  monunienta.  I.  Romae  1864  p.  347  finden. 
Durch  deren  Wortlaut  hat  sich  Dnch.,  der  selbst  auf  sie  ver- 
weist, irreführen  lassen. 

Annehmbarer  ist,  wenn  C.  J.  Neumann  in  seiner  Schrift: 
Juliani  imp.  librorum  contra  Christianos  quae  supersunt,  Lips. 
1880  p.  14sq.,  um  die  Hypothese  von  der  Identität  des  Ath. 
und  Ven.  zu  stützen,  gleich  B.  Miller  darauf  aufmerksam  macht, 
daß  der  Ath.  ein  Papierkodex  ist,  wie  es  der  Ven.  war,  und 
hinzufügt,  daß  dem  Ven.  nach  dem  Index  von  1545  die 
tabulae  [sc.  des  Einbands]  fehlten  („sine  tabulis").  Nun  ist 
zwar  nicht  richtig,  wenn  Neum.  daraus  schließt,  daß  die  Hs. 
am  Anfange  und  Ende  verstümmelt  gewesen  sein  müsse.  Denn 
daß  sie  am  Schlüsse  vollständig  war,  zeigt  das  oben  S.  74 f. 
mitgeteilte  Zitat  des  Turr.  Immerhin  würde  sich  aus  dem  „sine 
tabulis"  der  jetzige  Zustand  des  Ath.,  bei  dem  die  ersten  und 
die  letzten  Lagen  fehlen,  leicht  erklären  lassen.  Neumann 
meint,  die  Frage,  ob  der  Ath.  mit  dem  Ven.  identisch  sei, 
könne  zur  Entscheidung  gebracht  werden,  wenn  man  nach- 
schaue, ob  sich  nicht  im  Ath.  die  Hand  des  Bessarion  finde. 
Ich  glaube,  man  wird  sie  schwerlich  darin  antreffen.  Denn 
fürs  erste  ist  ja  zweifelhaft,  ob  der  Ven.  aus  dem  Vermächt- 
nisse des  Bessarion  stammte  (s.  oben  S.  96f.),  und  dann  scheint 
mir  aus  den  Zitaten  des  Turr.  hervorzugehen,  daß  Ven.  und 
Ath.  nicht  wohl  als  ein  und  dieselbe  Hs.  betrachtet  werden 
können  (s.  oben  S.  80).  Wollte  man  aber  den  -Zitaten  des 
Turr.  in  unserer  Frage  keine  Beweiskraft  zugestehen  und  ihre 
Abweichungen  vom  Ath.  auf  Mangel  an  Genauigkeit  in  der 
Zitierung  zurückführen,  so  spräche  gegen  die  Identität  von 
Ath.  und  Ven.  immer  noch  der  Umstand,  daß  im  Ath.,  obwohl 
er  nur  mehr  die  Hälfte  des  ursprünglichen  Werkes  enthält, 
der  Apokr.-Text  jetzt  noch  125  folia  einnimmt  (vgl.  die  Ausg. 
von  Bloudel),  der  Ven.  dagegen,  der  vollständig  oder  wenigstens 
viel  vollständiger  war  als  der  Ath.  ist,  nur  104  cartae1  zählte. 
Wenn  diese  Angabe  richtig  ist,  und  wir  haben  keinen  Grund, 


1)  Vgl.  die  oben  S.  27  mitgeteilte  Notiz  aus  dem  Leihreg.  15-*>1  59. 
Daß  es  in  diesem  tatsächlich  „cartarum  104"  heißt,  davon  habe  ich  mich 
durch  eigeue  Einsieht  nähme  in  dasselbe  überzeugt.  Daß  in  ihm  nur  bei 
unserem  Kodex  und  nicht  bei  den  anderen  die  Blätterzahl  angegeben  ist, 
wird  daher  rühren,  daß  er  ..sine  tabulis"  war. 


11,1.    Genesishomilien.     Gesch.  Rückblick.  113 

an  ihrer  Richtigkeit  zu  zweifeln,  dann  hat  der  Ven.  auf  einer 
kleineren  Blätterzahl  bedeutend  mehr,  vielleicht  das  Doppelte 
an  Apokr.-Text  enthalten  als  der  Ath.  jetzt  bietet.  Jener  muß 
demnach  ein  größeres  Format  gehabt  haben  als  dieser  und 
von  einer  Identität  beider  kann  keine  Rede  mehr  sein. 


II.  Die  sogenannten  Homilien  des  Makarios  Magnes 
zur  Genesis. 

1.  Geschichtlicher  Rückblick. 

Noch  übler  als  mit  dem  Apokritikos,  der  uns,  wenn  auch 
nur  in  einer  einzigen  Hs.,  wenigstens  zur  Hälfte  erhalten  ist, 
stand  es  und  steht  es  mit  dem  zweiten  Werke,  das  mau  dem 
Mak.  zuschreibt,  seinen  Homilien  zur  Genesis.  Von  ihnen  ver- 
lautet bis  zum  Ende  des  17.  Jahrh.  nirgends  etwas.  Auch  bei 
den  beiden  Männern,  die  sich  etwas  eingehender  mit  dem 
Apokr.  befaßten  und  noch  vollständige  Hss.  desselben  vor  sich 
hatten,  dem  griech.  Patriarchen  des  angehenden  9.  Jahrh., 
Nikephoros  in  Kpel,  und  dem  römischen  Theologen  des 
l»i.  Jahrh.,  Franc.  Turrianus,  findet  sich  nicht  die  leiseste  Hin- 
deutung auf  eine  zweite  Schrift  des  Mak. 

Der  erste,  der  ihrer  in  einem  gedruckten  Buche  Erwähnung 
tut,  ist  Tillemont.  Im  4.  Bande  seines  großen  Werkes:  Histoire  des 
empereurs  [Bd.  4.  1 .  Aufl.  erschien  zu  Par.  1697]  bringt  er  im  An- 
schlüsse au  die  Schilderung  des  Lebens  Konstantins  des  Gr.  im 
Art.  93  einen  nicht  sehr  langen  Bericht:  DeMacariusMagues  auteur 
ecclesiastique  [T.  IV.  1.  Aufl.  p.  307 — 31 1]  K  Die  Sprache  ist  in 
ihm  wie  im  ganzen  Werke  Tillemonts  die  französische.  Griech. 
oder  lat.  Zitate  aus  den  Schriften  des  Mak.  finden  sich  darin 
nicht.  Till,  kommt  in  ihm  auch  kurz  auf  dir  Reden  des  Mak. 
zur  Gen.  zu  sprechen  und  teilt  einiges  wenige  aus  ihrem  In- 
halte mit.  Alles  aber,  was  Till,  von  Mak.  und  insbesondere, 
was  er  von  dessen  ( ien.-lfoinilien  zu  sagen  weiß,  beruht  nicht 
auf  dem  Studium    von   selbstgesammeltem   Materiale,   sondern, 


1)  Abgedruckt  in:  Fabricius,  Delectus  argumentorum.  Hamb.  1725 
p.  66 — 70.  Doch  fehlen  bei  Fabr.  p.<!8,ll  Dach  „avoil  pas  este"  die  Worte: 
representee,  <:t  s'il  u'y  avoil  p$s  este. 

rexte  u.  Untersuchungen  «•!<■.  31,4  S 


114  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

wie  er  ausdrücklich  hervorhebt l,   auf  Mitteilungen,   die   .Jean 
Boiviu  ihm  zur  Verfügung  gestellt  hatte. 

Jean  Boivin,  der  bekannte  Gelehrte  und  „garde  des  mss. 
de  la  bibl.  royale"  in  Paris2,  war  meines  Wissens  der  erste, 
der  sich  vorgenommen  hatte,  sämtliche  Fragmente  des  Mak. 
zu  sammeln  und  mit  einer  lat.  Übersetzung  herauszugeben 
(Magn.  Crus.,  Migne,  PaGr  X,  1375  C.  Vgl.  auch  Till,  diese 
Seite  114  unten  Aura.  1).  Er  war  in  Pariser  Bibliotheken  auf 
Hss.  gestoßen,  in  denen  sich  die  Abhandlung  des  Nikephoros  über 
Mak.,  die  mehrere  Abschnitte  aus  dem  Apokr.  enthält,  fand  (Magn. 
Crus.  in  MPGX,  1367 C.  —  Till.,  unten  Aura.  1).  In  einer  Hs. 
der  Ottoboniana  zu  Rom  standen  Fragmente  aus  einer  zweiten 
Schrift  des  Mak.,  den  Reden  desselben  zur  Genesis.  Der 
Benediktiner  Stephanotius  in  Rom3  ließ  sie  auf  den  Wunsch 
seines  Ordensgenossen  Boivin  abschreiben  und  diesem  die  Ab- 
schrift zuschicken4.  Schon  erwähnt  wurde  (oben  S.  106  sq.), 
daß  Boivin,  um  weiteres  Material  zu  bekommen,  bei  der  Ver- 
waltung der  Markusbibliothek  in  Ven.  wegen  des  Kodex,  den 
einst  Turrianus  benützt  hatte,  anfragen  ließ  und  den  Bescheid 
erhielt,  er  sei  nicht  mehr  zu  finden  (vgl.  auch  Magn.  Crus., 
MPGX,  1367 A.).  Ebenso  wurde  die  Stelle  aus  dem  Briefe 
Montfaucons  schon  mitgeteilt  (oben  S.  14  Anm.  1),  aus  der 
erhellt,  daß  Boivin  den  Montf.  ersucht  hatte,  in  Italien  in  allen 

1)  Cf.  Fabr.  1.  1.  p.  66sq.:  Mr.  Boivin  qui  travaille  sur  les  mss.  grecs 
de  la  bibl.  du  Roy,  y  a  trouve  un  ecrit  i'ait  au  eomnieneement  du  IX. 
siecle  par  S.  Nicephore  de  Cple,  et  les  autres  defenseurs  des  saintes 
images,  qu'il  nous  a  fait  la  grace  de  nous  conimuniquer.  en  nttendant 
qu'il  le  puisse  donner  au  public:  Et  c'est  ä  luv  que  Ion  doit  tout  ce  que 
l'on  trouvera  ici.     Vgl.  auch  Magn.  Crusius,  MPG  X,  1353  B. 

2)  Boiv.  bekleidete  dieses  Amt  von  169] — 1726.  Cf.  Ecole  Franc, 
de  Rome.     Melanges  d'archeologie  .  .  XI.    Par.  1891  p.  443  n.  1. 

3)  „16.  Sept.  a.  1698.  Romam  adventanius,  ubi  a  viro  dar.  Claudio 
Stephanotio  congregationis  nostrae  procuratore  generali  .  .  .  exeipimur  .  .  . 
Cl.  Stephanotius  a.  1699.  20.  Jun.  e  vita  migravit".  So  berichtet  Bern,  de 
Montfaucon  in  seinem  Buche:  Diarium  Italicum.    Par.  1702  p.  103. 

4)  M.  Crus.,  MPG  X.  1375 B.  —  Da  die  Hs.  bei  Till.  [Fabr..  Del. 
arg.  p.  69]  als  Eigentum  des  Kard.  Ottobonus  bezeichnet  ist,  die  Codices 
des  Altemps  aber  erst  a.  .1689  oder  1690  in  den  Besitz  der  Familie 
Ottoboni  [Cf.  P.  Batiffol,  La  Vaticane  de  Paul  III.  ä  Paul  V.  Par.  1890 
-p.  59],  a.  1691  nach  dem  Tode  Alexanders  VIII.  in  den  des  Kardinals 
Ottobonus  übergegangen  waren  und  die  Fragmente  des  Ottobonianus 
bereits  a.  1697  bei  Till,  verwertet  sind,  so  muß  die  Herstellung  und  Über- 
sendung der  Kopie,  die  Boivin  erhielt,  zwischen  1691  und  1697  erfolgt  sein. 


IL  1.  Genesishomilien.     Gesch.  Rückblick.  115 

Bibliotheken,  in  die  er  komme.  den  Spuren  des  Mak.  nach- 
zugehen, die  Nachforschungen  Montf.  jedoch  in  dieser  Beziehung 
resultatlos  bliebeu. 

Mas  Boirin  an  Fragmenten  aus  Mak.  und  an  Xotizen 
über  ihn  zusammengebracht  hatte,  wollte  der  Pariser  Bene- 
diktinermönch Ans.  Bandurius  in  die  Ausgabe  der  Werke  des 
Patriarchen  von  Kpel,  Nikephoros  L,  die  er  vorbereitete,  mit 
aufnehmen1.  Der  Plan  des  Band,  kam  aber  nicht  zur  Ver- 
wirklichung. Die  Nikephoros-Ausgabe,  die  im  Manuskripte 
schon  druckfertig  vorlag,  erschien  nicht  und  dies  wird  den 
Boivin  auf  den  Gedanken  gebracht  haben,  sein  Makarios- 
material  eigens  herauszugeben.  Der  Tod  hinderte  ihn  jedoch 
an  der  Ausführung  seines  Vorhabens2. 

Von  seinen  Bemühungen  in  Bezug  auf  Mak.  wissen  wir 
infolgedessen  nur  durch  andere,  durch  Tillemont  (s.  oben 
S.  114  Aum.  I),  Bandurius  (s.  unten  Aum.  1)  und  insbesondere 
durch  Magnus  Crusius3,  den  Göttinger  Professor  der  Theologie. 
M.  Crusius  ist  der  erste,  der,  nachdem  er  sich  jahrelang  mit 
Mak.  beschäftigt  hatte,  ausführlichere  Abhandlungen  über 
dessen  Werke  und  Anschauungen  veröffentlichte.  Wir  müssen 
auf  diesen  Zweig  der  literarischen  Tätigkeit  des  Grus,  etwas 
näher  eingehen4. 

Magnus  Crusius,  geb.  am  10.  Januar  1697  zu  Schleswig5, 
erhielt  a.  1723  die  Legationspredigerstelle  bei  der  dänischen 
Gesandtschaft  in  Paris6  und  versah  diesen  Posten  von  1724 
— 1727     und     1728 — 1731".       Als    Freund    wissenschaftlicher 

1)  Cf.  das  Schriftchen:  Conspectus  uperum  S.  Nicephori.  patriarchae 
<  Toi.  .  .  edendorum  propediem  duobus  tomis  in  fol.  .  ..  das  Bandurius  zu 
Paris  a.  1705  als  Vorläufer  der  Nik. -Ausgabe  hatte  erscheinen  lassen  und 
in  dem  er  bekannt  gab,  wie  der  Stoff  in  ihr  verteilt  sei.  Abgedruckt  is1 
das  Schriftchen  bei  Fabric,  Bibl.  Gr.  VII.  Hand..  1801  p.  610—632.  über 
Boiv.   und  Mak.   s.   p.  611,   625  und  631  sq. 

2    Vgl.  Crus.,  MPG  X.    1375BC.   -   Boivin  starb  am  29.  Okt.  1726 
Cf.  H.  Omont,   Inventaire   Bommaire   des   m»>.   Grecs  .  .    Par.  1898  p.  XI. 

3)  Vgl.  dessen  Dissert.  epist.  Lips.  1728  p.  1"  and  M  PG  X,  1345A  B, 
I365AB,   1366D,   1367AC,  L375BC. 

4)  Über  den  Lebensgang  und   die   Wirksamkeit  des   Magn.  Crusius 
vgl.  Strodtmann,  Beyträge  zur  Historie  der  Gelahrtheil  .  .  2.  Teil.   Hamb. 
174s   p.  76—106,   und   Schmersahl,   Zuverlässige   Nachrichten   von  j 
verstorbenen  Gelehrten.    II.  IJ--1 .  4.  Stück.  Zelle  1753  p.  734 — 757. 

5)  Strodtm.  p.  76;  Schmersahl   p.  734. 
6    Strodtm.  p.  79;  Schmers,  p.  735. 

T    Strodtm.  p.  79sq.;  Schmers,  p.  735 sq. 

S* 


HC  Schälkhausser,  Makarios  Magnes. 

Studien  benützte  er  den  Aufenthalt  in  der  an  gut  ausgestatteten 
Bibliotheken  reichen  Stadt  dazu,  Hss.  zu  kaufen,  abzuschreiben 
und  zu  studieren1.  Er  wurde  dabei  mit  J.  Boivin  bekannt 
und  dieser  war  es  offenbar,  der  den  jungen  Crusius  auf  Mak. 
Magnes  aufmerksam  machte  und  dazu  veranlagte,  sit-h  genauer 
mit  ihm  zu  befassen.  Wenigstens  bekennt  Crus.  voll  Dank- 
barkeit,- daß  J.  Boivin  seine  Studien  sehr  förderte,  ihm  leichten 
Zutritt  zu  den  Mss.  der  Bibl.  Regia  verschaffte,  auf  die  seltensten 
einschlägigen  Schriften  ihn  hinwies  und  ihm  schließlich,  als 
er  den  Tod  herannahen  fühlte,  sein  Mak. -Material,  das  er  nun 
nicht  mehr  selbst  veröffentlichen  konnte,  überließ-'.  So  ist 
Crus.,  was  die  Fragmente  des  Mak.  betrifft,  der  literarische 
Erbe  und  Nachfolger  des  Boivin  geworden,  der  zustande  bringen 
wollte,  was  diesem  auszuführen  nicht  mehr  vergönnt  war. 
Schon  a.  17*28  teilte  Crus.  in  dem  Werkchen:  Dissertatio 
epistolica  ad  Chr.  Wormium  .  .  .  Lipsiae  p.  8  sqq.  einiges  über 
Mak.  mit  und  nennt  er  unter  den  Schriften,  die  er  im  Laufe 
der  Zeit  herausgeben  wolle,  die  „fragmenta  Macarii  Maguetis". 
Neun  Jahre  dauerte  es  indes,  bis  Crus.  nur  dazu  kam.  eine 
Abhandlung    über   Mak.    zu   veröffentlichen.      Er  gab    a.  1737 


1)  Cf.  Catalogus  bibliothecae  b.  Maoni  Crusii  d.  9.  Dee.  a.  1751. 
Earburgi,  in  aedibus  „auf  der  Generalsuperintendentur"  dictis,  sueto  aucti- 
onis  rita  distrahendae.  Cum  Chrysandri  prüf.  publ.  ord.  ss.  theologiae  in 
Academia,  quae  Rinteln  est,  Ernestina,  prologo  historico-litterario  de  sin- 
gularibus  Librorum  Magni  Crusii.  Mindae  1751  p.  4. 

2)  Vgl.  MPGrX,  1345AB  und  die  anderen  Stellen,  an 'denen  Boiv. 
erwähnt  ist  [1365AB,  1366D,  1367AC.  1375BC]  und  namentlich,  was 
Crus.  in  seiner  Dissert.  epist.  Lips.  1728  p.  10  bemerkt:  .  .  gratiam  ali- 
quam  apud  ingenuos  rei  litterariae  et  ecclesiasticae  cultores  me  initurum 
spero,  si  tarn  pretiosa  huius  operis  [sc.  des  Apokr.]  fragmenta  ex  Nice- 
phori  libris  antirrheticis  studiose  coüecta  ae  dein  de  praeter  regium  adhuc 
cum  Colbertino  atque  Coisliniano  codicibus  mss.  collata  Latiuaque  versione 
donata  cum  orbe  erudito  communicavero.  Petita  ea  sunt  ex  Libro  4.  A.po- 
criticorum,  ubi  auctor  ad  veritatem  religionis  Christianae  stabiliendam  .  .  . 
disputat.  Debeo  haec  magna  ex  parte  clariss.  viro  meisque  studiis,  dum 
viveret,  maxime  t'aventi  Jo.  Boivinio,  manuscriptorum  regiae  gazae 
Parisiensis  custodi  olim  dignissimo,  at  nun  ita  pridem  haud  sine  magna 
rei  litterariae  iactura  fatis  functo,  qui  paulo  ante  mortem  hunc  thesaurum 
delitescentem  mihi  indicavit,  ac  symbolas  suas  ab  aliquot  annis  congestas 
benevole  in  usus  meos  conferre  non  detrectavit.  Accedent  huic  operi 
etiam  fragmenta  Graeco-Latina  commentarii  eiusdem  Mac.  Magnetis  in 
Genesin,  ex  ms.  codice  eminentiss.  card.  Ottoboni  desumta,  et  a  R.  P.  Dom. 
Stephanotio  ad  laudatum  Boivinium  transmissa:  in  quibus  de  Adami  .  .  . 
disseritar. 


IT.  1.   Genesishomilien.     Gesch.  Rückblick.  ]]7 

aus  Anlaß  der  Einweihung  der  Georgia  Augusta  in  Göttingen1, 
als  er  Doktor  der  Theologie  wurde,  eine  Dissertation  über 
Mak.  heraus  unter  dem  Titel:  Disputatio  inauguralis  historico- 
theologica  exhibens  notitiam  et  &soXoyovf£Eva  Macarii  Magnetis 
.  .  .  quam  .  .  in  academia  Georgia  Augusta  pro  summis  in 
theologia  honoribus  rite  impetrandis  die  VI.  Sept.  a.  o.  r.  1737 
in  auditorio  theologico  publicae  disquisitioni  exponit  Magnus 
Crusius  ss.  theol.  prof.  publ.  et  ord.  —  Gottingae-  .  .  Sie  handelt 
aber  nur  vom  Leben  und  den  Schriften  des  Mak.  Die  OeoXo- 
yovfisva.  des  Autors  sollten  in  einer  gesonderten  Schrift  be- 
handelt werden  oder  zusammen  mit  dem  griech.-lat.  Texte  der 
Fragmente  des  Mak.  erscheinen  (MPG  X,  137(iBC).  Es  ver- 
gingen jedoch  wieder  acht  Jahre,  bis  eine  zweite  „Disputatio" 
des  Grus,  über  Mak.  herauskam.  Der  Grund  der  Verzögern n» 
war.  daü  Grus,  weitere  Nachrichten  aus  Italien  darüber  ab- 
wartete, ob  nicht  doch  noch  irgendwo  das  Werk  des  Mak. 
sich  fände,  bis  er  erkannte,  dal)  er  diese  Hoffnung:  aufgeben 
müsse  (MPGX,  1375 D sqq.).  Die  zweite  Dissertation  erschien 
a.  1745  und  hat  den  Titel:  Dissertatio  theologica  II.  de  SeoXo- 
yovfiivoic  Macarii  Magnetis  .  .  .:  quam  in  academia  Georgia 
Augusta  praeside  Magno  Crusio  ss.  theol.  d.  et  prof.  publ.  ord. 
h.  t.  facultatis  theol.  decano  a.  d.  28.  Augusti  a.  1745.  publice 
defendet  Rud.  Aug.  Rettberg  .  .  s.  theol.  stud.  Gott.  .  .  s. 
Crus.  legt  in  ihr  die  theol.  Anschauungen  des  Mak.  dar,  ohne 
damit  zu  Ende  zu  kommen.  Er  wollte  daher  noch  eine  dritte 
Dissert.  erscheinen  lassen,  die  die  noch  fehlenden  Erörterungen 
bringen  sollte  (MPG  X,  1378A.),  und  wohl  entweder  in  Ver- 
bindung damit  oder  darnach  die  Mak. -Fragmente  selbst,  die 
er  gesammelt  hatte,  griech.  und   lat.   und  mit  Noten   versehen 


1)  MPG  X,  1344B.  —  Sir  fand  am  L7.  Sept.  1737  a-aU.  Cf.  Rössler, 
Die  Gründung  «Irr  Univ.  Gott.  Gott.  1855  p.  392  sqq.  Als  Prof.  der 
Theologie  wurde  Crus.  a.  1735  Dach  Gott,  berufen  [Strodtm.  ]>.  83; 
Schmers,  p.  736].  Don  theol.  Doktorgrad  erlangte  ar  a.  17.'!7  [Strodtm. 
p.  83  u.  94;  Schmers,  p.  736]. 

2)  Vollständig  and  nahezu  wörtlich  i-i  diese  1.  Dissert.  abgedruckt 
Lei  Migne,  PG  X,  1343—1376. 

3)  Die  /weit,.  Diss.,  in  der  Crus.  sehr  weitschweifig  ist  und  nicht 
selten  den  Mak.  selbst  ganz  aus  dem  Gesichte  verliert,  ist  bei  Migne,  PG  V 
1375sqq.  um-  auszugsweise  abgedruckt.  Die  Mak. -Zitate,  und  auf  sie 
kommt  es  am  meisten  an.  sind  MPGX  bo  gul  wie  rollständig  u.  nahezu 
Fehlerfrei  mitgeteilt. 


11$  Schalkhausser,  Makarios  Maines. 

durch  den  Druck  der  Allgemeinheit  zugänglich  inachen1.  Da 
er  aber  a.  1747  die  Göttinger  Professur  aufgab  und  General- 
superintendent in  Harburg  wurde-',  und  schon  am  6.  Jan.  1751 
starb3,  kam  er  nicht  mehr  dazu,  sein  Versprechen  einzulösen4. 

So  war  denn  schon  zum  dritten  Male  der  Plan,  die  Male- 
Reste  herauszugeben,  nicht  zur  Ausführung  gelangt.  Von  der 
gelehrten  Nachwelt  wurde  dies  besonders  um  deswillen  be- 
dauert, weil  man  den  Ottobonianus,  aus  dem  die  im  Besitze 
des  Boivin  und  dann  des  Crusius  befindlichen  Bruchstücke 
der  Genesis-Homilien  des  Mak.  abgeschrieben  waren,  sowie 
die  Papiere  des  Crusius,  die  die  von  ihm  gesammelten  Mak.- 
Fragmente  enthielten,  nicht  mehr  finden  konnte5.  Man  mußte 
sich,  was  die  Gen.-Homilien  des  Mak.  betrifft,  mit  den  wenigen, 
aus  ihrem  Zusammenhange  gerissenen  Stellen  begnügen,  die 
Crusius  bei  der  Darlegung  der  theologischen  Ansichten  des 
Mak.  als  dieta  probantia  in  seine  zweite  Dissertation  auf- 
genommen hatte. 

Nachdem  auch  die  Bemühungen  des  Crusius  um  die 
Schriften  des  Mak.  nicht  zu  dem  beabsichtigten  Erfolge  geführt 
hatten,  hat,  wie  es  scheint,  ein  Jahrhundert  hindurch  niemand 
mehr  Lust  verspürt,  weitere  Nachforschungen  über  diese 
Schriften  anzustellen. 

Erst  der  französische  Benediktiner  Jo.  Bapt.  Pitra6  trat 
wieder  in  die  Fußstapfen  des  Boivin  und  Crusius.  Er  gab 
zunächst  in  seinem  Spicilegium  Solesmense  T.  I.  Par.  1852 
p.  302 — 335  nach  den  Pariser  Hss.,  die  schon  von  Boivin  und 
Crus.  benützt  worden  waren,  die  'ExbtQiCiq  des  Nikephoros, 
die  von  Mak.  handelt,  griech.  nebst  lat.  Übersetzung  und 
Noten  heraus.     Im  nämlichen  I.  Bande  bringt  er  p.  544 — 553 


1)  MPGX,  1367C,  1376C,  1399  n.  32.    Strodtmann  1.  1.  p.  103s.,. 

2)  Strodtm.  p.  84:  Schmers,  p.  737. 

3)  Schmers,  p.  737. 

4)  Daß  der  Tod  ihn  hinderte,  die  versprochene  dritte  Dissert.  zu 
liefern,  sagt  auch  Keil  in  Fabr.,  Bibl.  Gr.  VII.    Hanib.  1801  p.  296. 

5)  Auch  die  von  Bandurius  im  Ms.  vorbereitete  Ausgabe  der  opera 
Nicephori  scheint  verschwunden  zu  sein.  Cf.  Pitra,  Spicil.  Sol.  I.  Par. 
1852  p.  LXV  und  LXXsq. 

6)  Pitra,  geb.  1812,  seit  1863  Kardinal,  seit  1869  Bibliothekar  der 
Vaticana,  f  1889.  Über  ihn  vgl.  Cabrol,  Hist.  du  Card.  Pitra.  Par.  1S:»3: 
Battandier,  Le  Card.  Pitra,  Par.  1894  [ausführlicher  als  Cabrol]  und  den 
Art.  Pitra  im  Freiburger  Kirchenlexikon  2.  Aufl. 


11,1.    Genesishomilien.     Gesch.  Rückblick.  119 

eine  kurze  Inhaltsangabe  der  zwei  Dissertationen  des  Crusius 
und  teilt  er,  worum  es  ihm  hauptsächlich  zu  tun  war  (Spie. 
Sol.  I.  p.  544),  aus  der  2.  Diss.  die  Abschnitte  aus  den  Genesis- 
Homilien  des  Mak.  mit,  die  sich  in  ihr  finden.  Er  hat  dann 
auf  seinen  ausgedehnten  Studienreisen,  auf  denen  er  zahlreiche 
Bibliotheken  durchforschte  (Duchesne,  De  Mac.  Magnete.  Par. 
1877  p.  4),  nach  weiteren  Überbleibseln  der  Werke  des  Mak. 
gesucht.  Insbesondere  war  sein  Absehen  darauf  gerichtet, 
mehr  von  den  Homilien  des  Mak.  zu  finden,  als  in  der  zweiten 
Dissert.  des  Crusius  steht.  Er  ließ,  wie  er  sich  ausdrückt, 
keinen  Stein  unbewegt  (Analecta  Sacra  et  Classica.  Par.-Romae 
1888,  Teil  I.  p.  31).  Es  gelang  ihm  auch1,  einige  Reste  aus 
den  Schriften  des  Mak.  zu  entdecken-.  Erfolglos  aber  blieben 
alle  Bemühungen  Pitras  und  seines  Gefährten  Ans.  Xickes, 
den  Ottobonianus,  der  die  Fragmente  der  Gen. -Homilien  des 
Mak.  enthalten  sollte,  zu  finden3. 

Kein  Wunder  darum,  daß  L.  Duchesne,  als  das  Jahr  18Ü7 
bezw.  1 8 7 (>  für  den  Apokritikos  des  Mak.  eine  so  günstige 
Wendung  brachte  und  der  gelehrten  WTelt  dieses  Werk  teil- 
weise wiedergab,  in  der  Abhandlung,  die  er  1877  über  Leben 
und  Schriften  des  Mak.  veröffentlichte,  dem  Bedauern  darüber 
Ausdruck  verlieh,  daß  uns  von  dem  zweiten  Werke  des  Mak. 
so  wenig  gerettet  sei  und  nicht  nur  der  Ottobon.  selbst, 
sondern  auch  die  daraus  gemachte  Abschrift  verloren  gegangen 
zu  sein  scheine  (Duch.  1.  1.  p.  3,  4,  7). 

Auch  A.  Sauer  teilt  in  seiner  a.  1897  publizierten4,  aber 
wohl  schon  mehrere  Jahre  früher  vorbereiteten  Skizze:  Des 
Mac.  Magnes  Homiliae  in  Genesim,  noch  die  Meinung,  daß  der 

1)  Es  wird  dies  a.  1858  gewesen  sein,  als  Pitra  einige  Monate  in 
Rum  sich  aufhielt  und  auf  dem  Rückwege  im  Sept.  1858  in  Venedig  die 
Marciana  aufsuchte.     Vgl.  über  diese  Reise   Battandier  1.  I.  p.  307sqq. 

2)  Drei  in  der  Vatic.  und  zwei  in  einem  cod.  Ven.  Drei  sind  kleine 
Sätze,  von  denen  man  nicht  weiß,  welcher  Schrift  des  Mak.  sie  zuzu- 
teilen sind,  and  zwei  etwas  längere  Stellen,  von  denen  die  eine  aus  dein 
Apokr.,  die  andere  aus  den  Homilien  stammt.  Die  fünf  Fragmente  ab- 
gedruckt bei   Pitra  1.1.  p.  32  sqq. 

3)  Pitra  1.  1.  p.  31.  Duch.  I.  I.  p.4  Anm.  1.  Die  in  dieser  Aniu.  an- 
geführte Notiz  aus  Montfaucon,  Bibl.  Bibl.  I.  p.  184:  Macarii  homiliae,  cod. 
recene,  Graece,  bezieht  sieh  nicht  auf  unseren  Mak..  sondern  auf  Mak.  den 
Ägyptier. 

4)  In  .,  Festschrift  /.tun  Elf  hundertjährigen  Jubiläum  des  Deutschen 
Campo  Santo  in  Rom",  herauegeg.  von  St.Ehses.  Freib.  i.B.  L897  p.291     295 


120  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Ottobon.  nicht  mehr  vorhanden  sei  und  wir  von  den  Honiilien 
des  Mak.  zur  (Jen.  nur  die  geringen  Bruchstücke  besitzen,  die 
sich  bei  Crusius  finden  und  die  Duch.  nebst  drei  anderen 
Fragmenten  seiner  Abhandlung  beigegeben  habe1. 


2.    Fundstellen  der  sog.  Genesishomiliun  <]»>s 
Makarios  Magnes. 

Schon  einige  Jahre  bevor  die  Sauersche  Skizze  veröffent- 
licht wurde,  nämlich  im  Jahre  1893,  war  der  neue  Katalog 
der  griech.  Hss.  der  Ottoboniaua  erschienen'2  und  es  zeigte 
sich,  daß  Pitra  recht  hatte,  als  er  in  den  Analecta  Sacra  et 
Class.  Par.  Romae  1888  Teil  I  p.  36  n.  3  bemerkte:  .  .  ex  codice 
Ottoboniano,  quem  hactenus  nemo,  vel  post  cur  am  diligentissimam, 
detexit.  Xisi  e  natura  rerum  exciderit,  e  tenebris  emerget, 
quando  Alexandrinae  [hier  =  Ottobonianae]  bibliothecae  cata- 
logus,  uti  nuper  iussum  est,  exigetur.  Aus  dem  neuen  Kataloge 
ist  zu  ersehen,  daß  in  der  Ottob.  zwei  Hss.  sich  befinden,  die 
Fragmente  von  Mak.  Magnes  enthalten:  1.  Cod.  362,  chart, 
saec.  16.3,  zwischen  f.  192  und  217.  Was  in  der  Hs.  von 
Mak.  steht,  ist  im  Katal.  nicht  genauer  angegeben.  Wenn  es 
in  ihm  aber  heißt:  „F.  192  absque  titulo  incipit  —  c0  rör 
Xqiötov  äyccxcov  .  .  .  Inventarium  Vaticanum  habet:  diardgeig 
öicupoQwv  jcsqi  isQOV  Ta.yy.axoc,  xal  öiapogcov  vjiod-iöGav.  Sunt 
quaedam  de  eucharistiae  minist erio.  In  his  apparent  uomina 
Isidori  Pelusiotae  -  -  Nili  -  -  Dionysii  —  Anastasii  Sinaitae  — 
Chrysostomi  —  Barsanuphii  —  Timothei  —  Magneti  —  Hesychii 
—  Marciani  —  Severi  —  Niconis  —  Eusebii"4,  so  vermute  ich, 
dal!  hier  im  Ottob.  362  die  Abhandlung  des  Jo.  Antiochenus: 


1)  Duch.  1.  1.  p.  39 — 43.  Die  7  ersten  Fragmente  sind  aus  der  zweiten 
Diss.  des  Crusius,  die  3  anderen  hat  Pitra  dem  Duch.  zur  Verfügung 
gestellt.  Cf.  Pitra  1.  1.  p.  VI  und  p.  31.  Von  vieren  der  Bruchstücke 
[dem  1.,  3.,  4.  und  7.  bei  Duch.]  bemerkt  Sauer,  daß  sie  auch  in  den 
Annaien  des  Georg.  Cedrenus  stehen.  Außerdem  führt  S.  noch  einige 
andere  Sätze  der  Annaien  an  und  äußert  die  Vermutung,  daß  sie  gleich- 
falls dem  Mak.  entlehnt  sein  dürften. 

2)  Codices  ms.  Graeci  Ottoboniani  bibliothecae  Vaticanae  descripti 
praeside  Alph.  Card.  Capecelatro  .  .  .  Rectms.  E.  Feron  et  F.  Battaglini. 
Romae  1893. 

3)  Ibid.  p.  18(1— 188. 

4)  Ibid.  p.  188. 


[1,2.   Fundstellen  der  sog.  Genesishomilien.  121 

De  s.   mysteriis   und  in   ihr  die   bekannte  Äußerung  des  Mak. 

über  die  Eucharistie,  von  der  oben  S.  7  f.  die  Rede  war, 
vorliegt.  2.  Codex  268,  tdiart..  tt'.  240,  saec.  161.  Die  alte 
Nr.  dieser  Us.  ist  im  neuen  Katal.  nicht  vermerkt.  Dennoch 
kann  kein  Zweifel  darüber  sein,  daß  sie  der  Kodex  ist,  aus 
dem  die  durch  Stephanotius  an  Boivin  übermittelte  Abschrift 
genommen  wurde.  In  ihm  ist  —  und  das  darf  nicht  außer 
acht  gelassen  werden  —  an  zwei  verschiedenen  Stellen,  zwischen 
denen  Textstücke  aus  anderen  Kirchenvätern  sich  befinden, 
•  •fwas  aus  .Mak.  Magnes  mitgeteilt.  F.  73b  steht  das  nämliche 
Fragment  aus  den  Genesis-Homilien  des  Mak.,  das  Pitra  schon 
a.  1858  in  dem  viel  älteren  cod.  Tat.  Gr.  20*22  f.  236  entdeckt  hatte 
und  das  nach  diesem  Vat.  von  Duchesne  (1.  1.  p.  41  sq.),  Pitra 
(1.  1.  j>.  34  sq.)  und  Sauer  (Elises  1.  1.  p.  294  sq.)  veröffentlicht 
worden  ist.  Da  es  also  bereits  gedruckt  ist.  kommt  es  für 
uns  vorderhand  nicht  weiter  in  Betracht.  Die  folgende  Unter- 
suchung gilt  hauptsächlich  dem  Textstücke,  aus  dem  Crusius 
einige  Stellen  in  seine  II.  Diss.  eingefügt,  nach  dem  Pitra 
umsonst  gesucht  hat  und  das  noch  nicht  unter  dem  Namen 
des  Mak.  Magnes  gedruckt  vorliegt.  Es  findet  sich  f.  75v 
bis   81  v2. 

Da  ich  aus  Gründen1,  die  ich  in  der  Vorbemerkung 
angedeutet  habe,  nicht  in  der  Lage  war,  die  Vaticana  selbst 
aufzusuchen  und  den  im  Ottob.  268  dargebotenen  Text  ab- 
zuschreiben, auch  ich  diesen  mir  nicht  auf  anderem  Wege 
verschaffen  konnte,  hätte  ich  die  Homilien  des  Mak.  auf  sich 
beruhen  lassen  müssen,  wenn  sich  mir  nicht  ein  Ersatz  gezeigt 
hätte.  Ich  sagte  mir  nämlich:  Sollte  nicht  Magn.  Crusius,  dessen 
.Mak. -Studien  über  einen  so  langen  Zeitraum  sich  hinziehen, 
der  wußte,  wie  Boivin  durch  den  Tod  daran  gehindert  worden 
war.  die  vuii  ihm  mühsam  zusammengebrachten  Mak.-Fragmente 
herauszugeben,  der  beabsichtigte,  seinerseits  den  Plan  des 
Boivin  zur  Ausführung  zu  bringen,  der  es  in  seinen  Disser- 
tationeo  öfter  wie  einmal  ausspricht,  daß  es  Zeit  sei,  den  so 
lange   vernachlässigten  und  fast    unbekannten  kirchlichen  Autor 


]     Ibid.  p.  150—152. 

_,  F.  74  und  75  - r . - li •  •  1 1  Brachstücke  aus  I  > i < m \  -~.  Alex.,  Methodios 
und  Chrysostomos. 

•'!  Der  hauptsächlichste  ist,  daß  mein  Urlaub  hier  immer  in  eine 
Zeit  fiel,  in  der  die  Vaticana  geschlossen  ist. 


122  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

der  Vergessenheit  zu  entreißen  und  die  wenigen  aus  dem 
Schiffbruche  geretteten  Trümmer  seiner  Werke  der  Kenntnis 
der  Gelehrten  zugänglich  zu  machen  (MPG.  X,  1343  sqq..  1376  ( _'.). 
sollte  er  nicht,  als  er  merkte,  daß  auch  er  nicht  dazu  komme, 
sein  Vorhaben  zu  verwirklichen,  dafür  gesorgt  haben,  daß  seine 
Sammlung  von  Mak.-Fragmenten  nicht  zugrunde  gehe?  Mit 
anderen  Worten:  Sollte  diese  Sammlung  nicht  doch  noch 
irgendwo  verborgen  sein  ?  Ich  dachte  zunächst  an  die  Universitäts- 
bibliothek in  Göttingen,  weil  dort  Crusius  Professor  war,  erhielt 
aber  auf  eine  Anfrage  unter  dem  1.  Februar  1904  den  Bescheid, 
daß  das  Gewünschte  in  ihr  sich  nicht  finde.  Daß  dem  in  der 
Tat  so  sei.  wurde  mir  bestätigt,  als  ich  später  in  die  gedruckten 
Kataloge  der  Göttinger  Hss.  Einsicht  nehmen  konnte. 

Endlich  wurde  ich  nach  längerem  Suchen  auf  den  Katalog, 
den  Martini  über  die  griech.  Hss.-Bestände  der  kleineren  ita- 
lienischen Bibliotheken  veröffentlicht  hat1,  aufmerksam-  and 
sah  aus  ihm,  daß  das  Ms.  des  Magn.  Crusius,  das  die  von  ihm 
gesammelten  Fragmente  des  Mak.  enthielt,  nicht  verloren  sei, 
sondern  zu  Brescia  in  der  Biblioteca  Queriniana  Comunale  sich 
befinde.  In  diese  ist  es  offenbar  aus  dem  Besitze  des  Kard. 
Ang.  M.  Querini  gelangt,  der  1726  — 1755  Bischof  von  Brescia 
war''  und  die  dortige  Bibliothek  gegründet  hat4.  Wann  und 
wie  das  Ms.  des  deutschen  prot.  Theologieprofessors  in  die 
Hände  des  italienischen  Kirchenfürsten  und  Bibliothekars  der 
S.  E.  R.  kam,  konnte  ich  nicht  erfahren5.  Auffällig  ist  es  nicht, 
daß  es  Eigentum  Querinis  wurde.  Denn  bekanntlich  unterhielt 
Qu.  auch  mit  prot.  deutschen  Gelehrten  einen  lebhaften  Verkehr 
und  namentlich  stand  er  zur  Universität  Göttingen  in  einem 
näheren  Verhältnisse.  Er  übersendete  der  Univ. -Bibliothek 
Göttingen  seine  Schriften  als  Geschenk6.  Unter  seinen  gedruckten 
Briefen  finden  sich  mehrere,  die  an  Göttinger  Professoren  ge- 


1     E.  Martini.  Catalogo  tli  manoscritti  Greci  esistenti  nelle  liiblioteehe 
Italiane,  V.  I.  P.  2.   Müano   1896  p.  266  sq. 

2)  Durch  eine  Besprechung  desselben  von  C.  Haeberlin  im  Zentralbl. 
f.  Bibl.-Wesen,  13.  Jahrg..  1896,  p.  40  sq. 

3)  Vgl.  den  Art.  < v> 1 1 i r i n i  im  Freiburger  Kirchenlexikon  '2.  A. 

4)  Vgl.  Strodtmann.  Bevträge  zur  Historie  der  Gelahrtheit.     III.  Teil. 
Bamb.  174!)  p.  61. 

5)  Weder  im    Ms.  selbst   muh   im   geschriebenen  Hss.-Kataloge  der 
Queriniana  ist  hierüber  etwas  bemerkt. 

('     Strodtmann   1.  1.  p.  24  u.   74. 


11,2.    Fundstellen  der  sog.  Genesishomilien.  ]k_>3 

richtet  sind,  freilich  gerade  an  Crnsius  ist  keiner  dabei1.  Anch 
in  sonstigen  Schriften  ist  mir  keine  Hindentung  darauf  begegnet, 
daß  und  wann  Querini  von  Crus.  unser  Ms.  erhalten  hat2. 
Crusius  selbst  nennt  in  seinen  Dissertationen  den  Querini  nicht. 
Trotzdem  muß  auch  Crusius  mit  Quer,  in  Briefverkehr  gestanden 
haben3,  und  da  unser  Ms.  in  dem  Verzeichnisse,  das  für  die 
\  ersteigerung  der  Bibliothek  des  Crusius  angefertigt  worden 
war,  nicht  erwähnt  ist4,  darf  angenommen  werden,  daß  Crus. 
es  selbst  noch  vor  seinem  Tode  dem  Querini  überlassen  oder 
für  ihn  bestimmt  hat. 

Das  Ms.5,  das  von  der  Hand  des  Crusius  stammt,  ist  mit 
zwei  anderen  Schriften,  die  Querini  aus  Deutschland  empfangen 
hat6,   zu   einem  Buche  zusammengebunden,   das  jetzt  die  Sig- 


1)  Cf.  Epistolae  Ang.  Maiiao  Quirini  S.  R.  E.  Card,  bibliothecarii. 
Quotquot  Latino  sernione  is  edidit,  eas  omnes  collegitNic.<  'oleti.  Yen.  170(1.  2°. 
TOGpp.  106  lat.  Briefe  sind  hier  mitgeteilt.  —  In  der  Bibl.  Quer,  zu 
Bre>eia  befinden  sich  unter  de)-  Signatur  E.  IV.  1  sqq.  in  einer  Reihe  von 
Bänden  gebunden  und  alphabetisch  geordnet  Originalbriefe,  die  von  ver- 
schiedenen an  den  Kard.  Quirini  geschriebi'ii  wurden.  Im  [ndice  für 
Lit.  C  ist  Crusius  nicht  genannt. 

2)  In  den  „Yicennalia  Brixiensia  Km.  Card,  bibliothecarii  A.  M.  Quirini 
celebrata  in  Academia  Gottingensi.  Gottingae*  [ohne  Jabx]  steht  ein  Brief 
Quir.  an  den  Gott.  Professor  Feuerlin  vom  20.  Febr.  1748.  In  diesem 
Brief«-  wird  Magn.  Crusius  zweimal  erwähnt,  aber  nichts  bemerkt,  was 
auf  Mak.  Bezug  hat. 

3)  Vgl.  Strodtmanu  1.  1.  2.  Teil,  1748  p.  84:  ..Zu  Göttingen  geriel  er 
[sc.  Magn.  Crusius]  mit  dem  gelehrten  Card,  und  Biblioth.  des  Vaticans, 
A.  M.  Quirini,  in- einen  Briefwechsel,  welcher  ihm  verschiedene  Fragments 
tfacarü  Magnetis  aus  der  Bild.  Vaticana  zugesandt  hat."  S.  auch  ebenda 
p.  93:  .,Der  Hr.  Consist.-Rat  hat  der  gelehrten  Welt  eine  Ausg.  von  i  les 
Mac.  Magnes  Überbleibseln  versprochen.  Wir  haben  schon  oben  gesagt, 
daß  er  vom  Card.  Quirini  aus  dem  Vatican  sogar  Beyträge  dazu  erhalten 
habe."  — Hat  das  Strodtmanu  vielleicht  von  Crus.  selbst?  Auf  den  Brief- 
verkehr mit  Quer,  bezieht  sieh  wahrscheinlich  die  Bern,  am  Auf.  der 
II,  Disß.  des  Crus.  [MPG.  X,  L375D]:  quod  certiora  quaedam  de  monu- 
oientis  huius  auctoris  deperditi  hactenus  ex  [taliae  regionibus  exspectaverim. 

1  Catalogus  hildiotheeae,  quam  in  itineribus,  Hamburgi  el  in  Aca- 
demia Cni'ttingensi  collegerat  B.  Magnus  Crusius.  Distrahetur  Harburgi 
I».  9.  Decembr.  1751.  Hamburgi.  li'".  .'J()4  SS.  Eine  An  Vorberichl  da/u 
ist  die  schon  oben  S.  1H>  Anm.  1  erwähnte  Schrift:  Catalogus  bibl.  b. 
Magni  Crusii  >'tc.    In  beiden  Büchern  wird  unser  Ms.  nichl   genannt. 

.')»  Im  Aug.  1904  habe  ich  es  in  Brescia  eingesehen  und  abgeschrieben. 

6  Eine  von  Eerm.  Sam.  Reimarus,  die  andere  von  Gottl.  Wernsdorf. 
über  ihren  Inhalt  s.  Martini  I.  I.  p.  267.  Die  beiden  Schriften  Bind  aus- 
drücklich   an   Quirini    gerichtet.     Keim,  sandte   seine   Abh.   dem   Qu.  auf 


]  24  Sehalkhausser,  Makarios  Magnes. 

natur  B.  VII.  7  trägt.  Auf  dem  Kücken  des  Hinbands  steht 
gedruckt:  Fragmenta  Macarii  Magnetis  Mst.  Auf  der  Innen- 
seite des  vorderen  Deckels  ist  die  Zahl  247  von  alter  Hand 
eingetragen.  Von  den  drei  Werken,  die  im  Kodex  B.  VII.  7 
vereinigt  sind,  kommt  für  uns  nur  das  erste,  das  Ms.  des  Crusius, 
in  Betracht.  Daß  dieses  wohl  von  Crusius  selbst  geschrieben 
worden  ist,  geht  daraus  hervor,  daß  es  durchweg  ein  und 
dieselbe  Hand  zeigt,  daß  auf  f.  1  r  in  der  Mitte  von  eben  der 
Hand,  die  das  Folgende  schrieb,  steht:  Fragmenta  Macarii 
Magnetis  MS.  collecta  cura  ac  studio  D.  Magni  Crusii  und  daß  es 
am  Schlüsse  f.  18r  heißt:  Annon  plura  in  hoc  Codice  MS. 
Ottoboniano  exstent  excerpta  ex  Macario  Magnete?  de  eo  cer- 
tiorem  notitiam  avidissime  exspecto1.  F.  lv  ist  leer.  Außer 
der  Paginierung  mit  Bleistift,  die  von  einem  Angestellten  der 
Bibliothek  herrührt,  nur  die  folia  zählt  und  durch  das  ganze 
Buch  [B.  VII.  7]  hindurchgeht,  hat  das  Ms.  des  Crusius  noch 
eine  eigene,  mit  Tinte  geschriebene  Paginierung,  bei  der  die 
Seiten  gezählt  sind  und  die  von  Crus.  selbst  stammt. 
Das  Ms.  enthält  folgendes: 

1.  Unter  dem  Titel:  'Ex  röäv  MaxaQiov  tov  Mayvrßoc, 
'Ajioxqvtlxwv  üiQoq  sXXijvag 
a)  F.  2r — 9y  die  Apokr.-Zitate,  die  sich  in  der  Abhandlung 
des  Nikephoros  fiuden,  nach  Pariser  Hss.,  numeriert  als 
fragmentum  L,  IL  usw.  bis  XI.  Die  gleiche  Bezeichnung 
und  Numerierung  wendet  Crus.  beim  Zitieren  dieser  Bruch- 
stücke in  seinen  zwei  Dissertationen  an.  Die  Lesart  ist 
bei  Crus.  manchmal  etwas  anders  als  bei  Pitra,  der.  wie 
erwähnt,  die  Schrift  des  Nikephoros  im  Spicil.  Sol.  I.  Par. 
1852  p.  302—335  veröffentlicht  hat. 


Verlangen   zu.     Wernsdorf    hatte    zwei    Reden    des   Himerios    grieeli.  ab- 
geschrieben   und    dem    Qu.  übermittelt,    weil    er   [W.],    wie    er    bemerkt 
wünschte,  daß  sie  Qu.  mit  einem  in  Rom  unter  den  Papieren  des  Allatii 
befindlichen  Texte  vergleiche. 

1)  Die  Schrift  des  Crus.  ist  groß,  schön  und  deutlich.  —  Wax 
Crus.  unser  Ms.  schrieb,  darüber  ist  in  ihm  nichts  vermerkt.  Da  Crusii 
zu  der  Zeit,  wo  er  es  schrieb,  schon  D.  der  Theologie  war,  was  er  a.  1731 
geworden  ist,  da  er  am  Schlüsse  desselben  sagt:  Annon  .  .  .  exspecto  [s.  o.]  unc 
wir  am  Anfange  der  II.  Diss.  [MPG.  X,  1375 D,  1377 C]  in  den  Sätzen  _Inter 
rupti  laboris  . . .  exspectaverim"  und  „Quandoquidem  igitur  nullam  spem  mit 
relictam  esse  videbam  etc."  sozusagen  über  das  Ergebnis  dieses  „exspecto" 
belehrt  werden,  so  ist  anzunehmen,  daß  unser  Ms.  nach  der  I.  und  vor  der 
II.  Diss.,  also  zwischen  1737  und  1745  als  Reinschrift  angefertigt  wurde 
[vorausgesetzt,  daß  das  D.  f.  lr  der  Hs.  die  Altkürzung  für  „Doetor*  ist]. 


11,2.   Fundstellen  der  sog.  Genesishomilien.  125 

b)  F.  9v:  Pragmentum  XII.  Es  ist  die  Stelle:  Ovx  e&viv 
iryi'.oioTic  .  .  .  c.tuc.  Die  Quelle  ist  nicht  angegeben. 
Das  Zitat  geht  auf  das  Werk  des  Turr.:  harayal  etc. 
Yen.  1563  f.  174a  zurück.  Crus.  hat  aber  nicht  den  Wort- 
laut des  Turr.,  sondern  den  etwas  veränderten  des  Edm. 
Albertinus  [De  eucharistiae  sacramento  libri  tres.  Daven- 
triae  1654  p.  420]. 

c)  F.  lOr:  Fragm.  XIII:  Ovxi  öaog  .  .  .  äx<DQi6TOv,  gleich- 
falls ohne  Quellenangabe.  Es  ist  die  Stelle,  die  sich  in 
der  Schrift  des  Jo.  Antiochenus:  De  s.  mysteriis  findet. 
Crus.  hat  sie  kaum  aus  einem  der  Pariser  Kodizes,  in 
denen  das  Werk  des  Jo.  Ant.  steht,  da  er  von  Jo.  Ant. 
in  seinen  Dissertationen  nichts  sagt,  auch  nicht  aus  dem 
Buche  des  Allatius:  In  Roberti  Creyghtoni  apparatum  .  •  . 
exercitationum  pars  I.  Romae  1665,  in  dem  p.  563  die 
Stelle  zitiert  ist,  da  wir  bei  ihm  statt  des  aiQStat  des 
Allat.  das  richtige  l'oyiTci  lesen,  sondern  vermutlich  von 
Quirini  aus  einem  Vatic.  [840]. 

d)  F.  lOr—  llr:  Fragm.  XI Y.:  Die  Stelle  über  den  Glauben 
Abr.  \IIkjt:  i'occj  .  .  .  'Aßoadfi],  wieder  ohne  Quellenangabe. 
Sie  stammt  aus  des  Turr.  Dogmaticus  de  iustific.  Romae 
1557  f.  37. 

2.  Unter  dem  Titel:  Fragmenta  excerpta  e\  Macarii 
Magnetis  Commentario  in  Genesin  ex  Codice  MS.  Cardinalis 
Ottoboni  Xum.   R.  YIII.  54. 

a)  F.  llr — 17 v  den  Text,  der  sich,  wie  ich  vermute,  im  Ottob. 
Nr.  268  f.  75v  —  81  v  findet  [Cf.  den  Katalog  der  gr.  Hss.  der 
Ottob.  v.  1893  p.  151].  Die  Stelle  beginnt  bei  Crus.:  Ihn, 
rijj.  tov  Aöäfi  ötjfiiovQyuxQ.  TL  ydo  q>rj6cv  //  ß-sia  yoa<pr\. 
Sie  endet:  qyvXdxrsLV  xr\v  böbv  zov  §vZov  trjs  t,ayrjq. 

b)  F.  17 v — 18r  unter  dem  Titel:  Tov  Maxaglov  Mayvqtov 
ly.  zov  iZ'  Xoyov  rov  siq  ttjv  T£vvr\6iv  das  Fragment 
'Ejtsidrj  .  .  .  yiTt'jrc.  das  im  Ottob.  \r.  268  f.  73 v  steht 
und  von  dem  schon  bemerkt  wurde  [oben  S.  121],  daß 
es  uns  dreimal  gedruckt  vorliegt,  aber  nicht  nach  dem 
Ottob.  Nr.  "JUS.  sondern  dem  Vat.  2022.  Dieser  Yat.  hat 
offenbar  auch  die  Vorlage  für  den  im  Ottob.  Nr.  268 
f.  73 v  stehenden  Text  gebildet. 

Direkt  unter  dem  Schlüsse  des  Fragments:  'Ejtsiöij  .  .  . 
yiT(~jic  findet  sich  die  Bemerkung:  Annon  .  .  .  exspecto  8.  oben 
S.  1241.     Damit  endet  das  Ms.  des  Crusius. 


]2C)  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Für  uns  kommt  aus  ihm  hauptsächlich   der  Text  f .  1 1  r 

—  17v  iu  Betracht1.  Vergleicht  man  die  Stellen,  die  Crusius 
davoü  in  seiner  II.  Dissert.  hat,  mit  den  entsprechenden  unseres 
Ms.,  so  findet  man,  daß  Crusius  in  jener  manchen  Textfehler 
verbesserte,  den  er  im  Ms.  stehen  ließ.  Dies  und  die  anderen 
zahlreichen  Textverderbnisse,  die  im  Ms.  beibehalten  wurden, 
dürfen  als  ein  Beweis  dafür  angesehen  werden,  daß  die  Ab- 
schrift des  Crusius  eine  genaue  Kopie  des  Originals  darstellt 
und  somit  der  Text  des  Brixiensis  bei  der  folgenden  Unter- 
suchung als  Ersatz  der  einschlägigen  Partie  des  mir  nicht  zu- 
gänglichen Ottobon.  Nr.  268  dienen  kann. 

Was  uns  im  Brixiensis  unter  der  Aufschrift:  Fragmente 
aus  dem  Kommentare  des  Mak.  Magnes  zur  Gen.,  geboten 
wird,  umfaßt  etwas  mehr  als  das  Dreifache  dessen,  was  daraus 
bisher  gedruckt  war2.  Außer  einem  Textzuwachs  von  über 
2/3  verschafft  uns  unser  Ms.  den  weiteren  Vorteil,  daß  es  uns 
die  Stelleu,  die  Crusius  bei  seinen  dogmatischen  Ausführungen 
in  der  II.  Diss.  als  Beweismaterial  verwertete  und  die  er  darum 
nicht  in  der  Reihenfolge  des  Ms.  anführen  konnte,  jede  an 
ihrem  naturgemäßen  Platze  zeigt.  Andererseits  erkennen  wir 
aus  unserem  Ms.,  daß  uns  im  Ottob.  keinesfalls  der  Text  der 
Genesishomilien  des    Mak.  in  ihrem  vollen  Umfange  vorliegt3 

—  dazu  ist  dessen,  was  in  ihm  dem  Magnes  zugeschrieben  wird, 
schon  zu  wenig  — ,  aber  auch  nicht  eine  Anzahl  größerer  oder 
kleinerer  vereinzelter  Bruchstücke  aus  den  Homilien.  wie  man 
bei  der  Ausdrucksweise  des  Crusius4  annehmen  mußte.  Es 
könnte  sich  beim  Texte  des  Ottob.  höchstens  um  einen  sehr 
summarischen,  aber  zusammenhängenden  Auszug  aus  den 
Homilien  des  Mak.  handeln  und  zwar  um  einen  solchen  Aus- 
zug, bei  dem  Kopf  und  Fuß  fehlen.  Daß  der  Anfang  fehlt, 
geht  daraus  hervor,  daß  der  Text  mit  der  Frage:  77  yccQ  (pfjöiv 
/)  thia   y(xc(pf'/    beginnt.     FaQ    weist    darauf  hin,  daß   anderes 

1)  Sein  Wortlaut  ist  im  Anbang  am  Schlüsse  der  vorliegenden  Ab- 
handlung mitgeteilt. 

2)  In  der  IL  Diss.  des  Crus.  und  aus  dieser  bei  Pitra.  Spicil.  Sol.  1. 
Par.  1852  p.  550sq.  und  bei  Duchesne.  De  Mac.  Magnete,  Par.  1877  p.  39 
—41  [Nr.  1—7]. 

3)  A.  Sauer  meinte,  daß  der  Ott.  eine  Hs.  war.  die  die  Genesis- 
Homilien  vollständig  enthielt.    Vgl.  Ehses,  Festschrift.  Freib.  1897  p.  291. 

4)  Crusius  spricht  von  „fragmenta"  der  „sermones  iu  Genesin". 
Cf.  MPGX,  1375B.  Auch  Bandurius  [Fabr.  BG  VE.  p.  632]  u.  Duchesne 
1.  1.  p.  7  u.  13  reden  von  „fragmenta." 


11,2.   Fundstelleu  der  sog.  Genesishomilien.  [27 

vorhergegangen  sein  muß,  wozu  jetzt  die  Begründung  gebracht 
wird.  Dali  der  Schluß  fehlt,  ist  daraus  ersichtlich,  daß  der  Text 
mit  einer  Bibelstelle  —  derjenigen,  die  an  der  Reihe  ist  —  ab- 
bricht, ohne  daß,  wie  man  nach  dem  ganzen  bisherigen  Text- 
verlauf erwarten  muß.  eine  Erklärung  derselben  folgt. 

Im  weiteren  Verlaufe  meiner  Nachforschungen  fand  ich 
das  Fehlende,  freilich  da,  wo  ich  es  nicht  vermutet  hätte.  Ich 
machte  nämlich  die  für  mich  überraschende  Wahrnehmung, 
daß  der  im  Ottob.  [Nr.  2(38,  f.  75 v  sqq.]  und  Brixiensis  (f.  llr 
— 17v]  überlieferte  Text  der  angeblichen  Homilieo  des  Mak. 
nichts  anderes  sei  als  das  mittlere  Stück  der  sogenannten 
Schöpfungsgeschichte,  wie  sie  in  den  byzantinischen  Chroniken 
des  Theodosios  Melitenos1  und  Julios  Polvdeukes-'.  teilweise 
auch  in  der  des  Leon  Grammatikos'1  gedruckt,  in  mehreren 
Chroniken  des  Symeoii  Logothetes4  und  in  einer  anonymen5 
handschriftlich  vorliegt''.  In  der  Chronik  des  Theod.  Mel.,  an 
die  ich  mich  im  folgenden  vorzugsweise  halte,  steht  die 
Schöpfungsgeschichte  p.  1  — 14,2,  falls  man  die  Erzählung  von 
Kain  und  Abel  noch  dazu  rechnet.  Der  Text,  den  uns  der 
Ottob.  und  Brix.  bieten,  ist  das  Stück  p.  4,12—10,25  bei  Tafel 
[77  -/äg  (f/jOir  ....  ry)j  -.'";//-].  Gehört  diese  Partie  wirklich 
dem  Mak.  Magnes   an,   wie   es   nach   dem   Ottob.  scheint  und 

1)  Theodosii  Meliteni  qui  fertur  chronographia,  ed.  Tafel.  Monaehii  1859. 

2  Anonymi  seriptoris  historia  sacra  .  .  .  e  veteri  codice  Graeco 
descripta  .lo.  ß.  Bianconi  .  .  lat.  vertit  .  .  Bouoniae  1779.  —  Julii  Pollucis 
Historia  physica  seu  chronicon,  ed.  ab  Ign.  Hardt.  Mon.  et  Lips.  1792.  — 
Über  die  Hss.  des  Polvd.  vgl.  Th.  Preger:  Der  Chronist  J.  Polydeukes  .  .  . 
Byzant.  Zeitschrift  I.  1892  p.  50—54,  und  K.  Krumbacher,  ibid.  p.  342 sq. 
über  den  von  Bianconi  benützten  Ambrn-ianus  D  34  sup.  saec.  X — XI  s. 
auch  den  neuen  Katalog  der  codd.  Gr.  bibl.  Ambr.  von  Martini  u.  Bassi. 
T.  I.  190t;.  p.  254. 

3)  Leonis  Grammatici  chronographia.  Ex  recogn.  Imm.  Bekkeri. 
Bonnae  1842. 

4)  Über  die   Hss.   des   Sym.    Logoth.   sowie   über    Leon  Gr.,    Theod. 
Mel.   und   Pseudo-Polydeukes   vgl.   K.    Krumbacher,  Gesch.  der  byzantin. 
Literatur,    2.  Aufl.    München  1897  p.  358 sqq.  —  Über  Sym.  Log.  s.  ferner: 
C.  de  Boor,  Die  Chronik   des    Logotheten  [Byz.  Z.  VI.  1897   p.  233— 284 
und:  Weiteres  zur  Chronik  des  Logoth.  [Byz.  Z.  X.  L901   p.  70— 90]. 

5)  Im  Vat.  Gr.  L63.  über  Lhn  s.  Th.  Pregerin  Byz.  Z.  I.  L892  p.  51 
und  K.  Krumbacher,  Gesch.  d.  byzant.  Litt.  2.  \.   L897  p.  36]  und  36 

6)  \ucli  in  die  Anfangskapitel  der  „Epitome  bistoriarum"  des  Jo. 
Zonaras  isl  einiges  aus  dieser  Schöpfungsgesch.  übergegangen.  Vgl. 
K.  Praechter:  Line  unbeachtete  Quelle  in  den  Anfangskapiteln  des  Zonaras. 
Byz.  Z.  VI.  1897  p.  509sqq. 


[28  Schalkhausser,  Makarios  Nfagnes. 

wie  Boivin,  Crusius  u.  a.  angenommen  haben,  dann  muß  die 
ganze  Schöpfungsgesch.,  wie  sie  bei  Theod.  Mel.  p.  1  sqq.  sich 
findet,  als  ein  auf  Mak.  zurückgehendes  Elaborat  betrachtet 
werden.  Denn  darüber  kann  kein  Zweifel  bestehen,  daß  der 
Abschnitt:  Theod.  Mel.  p.  1 — 4,11  und  ebenso  der:  p.  10,26 
— 11,7  [oder  14,  "2] '  den  nämlichen  Verfasser  haben  muß,  wie 
der  mittlere  Teil  p.  4,12 — 10,25.  Steht  dies  aber  fest,  so 
wäre  der  Gewinn  ein  zweifacher:  1.  von  den  Homilien  des 
Mak.  hätten  wir  statt  der  wrenigen,  abgerissenen  Stellen,  die 
Crusius  in  seiner  II.  Diss.  zitiert,  jetzt  etwa  das  Fünffache  an  Text- 
material; 2.  man  wüßte  —  was  bisher  nicht  bekannt  war —  von 
wem  die  die  genannten  byz.  Chroniken  einleitende  Schöpfungs- 
geschichte herrührt2,  nämlich  von  Mak.  Magnes.     Vorausgesetzt 

1)  Wo  man  hier  am    besten    die    Grenze   macht,    Lst    nicht    Leicht  /'i 
sagen.     Näheres  weiter  unten. 

2)  C.  de  Boor  spricht  in  seinen  Aufsätzen  über  die  Chronik  des 
Logotheten  [Byz.  Z.  VI.  1897  p.  283sq.  und  X.  1901  p.  90]  die  Vermutung 
aus,  dal.)  die  am  Beginne  mehrerer  byz.  Chroniken  sich  findende  Schöpi 
geschiehte  ursprünglich  ein  für  sich  existierendes  opusculuni  gebildet 
habe  und  erst  im  Laufe  der  Zeit  einer  Reihe  von  Chroniken  vorgesetzt 
worden  sei.  Zu  den  von  Boor  geltend  gemachten  Gründen,  von  denen 
sicherlich  die  zwei  ersten  beweiskräftig  sind,  könnte  man  noch  hinzufügen, 
daß  die  Schöpfungsgesch.  auch  durch  den  exegetischen  Charakter  ihres 
Inhalts  sich  von  der  eigentlichen  Chronik  abhebt,  daß  es  byzant.  <  Ihroniken 
gibt,  die  diese.  Schöpfungsgesch.  nicht  haben,  sondern  erst  bei  Adam 
[Theod.  Mel.  p.  14,2sqq.]  einsetzen,  z.  B.  die  von  K.  N.  Sathas  aus  dem 
cod.  Ven.  Gr.  407  herausgeg.  'AvavvfjLOv  avvoxpig  %qovvxi\  [in  MsoauDVixq 
ßißXio&rjXTj  TZ.  Ven.-Par.  1894]  und  endlich,  daß  auch  die  Chroniken, 
in  denen  die  Schöpfungsgesch.  steht,  von  da  an,  wo  sie  zu  Ende  ist,  viel- 
fach auseinandergehen.  —  Weiter  meint  C.  de  Boor,  es  sei  nicht  unmöglich, 
daß  Sym.  Logothetes  die  Schöpfungsgesch.  und  nur  diese  verfallt  habe, 
daß  sie  mit  seinem  Namen  verschiedenen  Chroniken  als  Eingang  vorgesetzt 
und  infolgedessen  der  Verfasser  des  Anfangsstückes  für  den  Autor  der 
ganzen  Chronik  gehalten  wurde  und  es  sich  so  erkläre,  daß  mehrere 
Chroniken,  die  in  ihrem  Inhalte  oft  sehr  von  einander  abweichen,  hand- 
schriftlich doch  alle  unter  dem  Namen  Symeon  Logoth.  überliefert  seien. 
Ob  diese  Annahme  C.  de  Boors  haltbar  ist,  weiß  ich  nicht.  Die  Über- 
schriften der  Hss.  scheinen  gegen  sie  zu  sprechen.  Im  Titel  der  einzelnen 
Chroniken  wird,  von  zwrei  Ausnahmen  abgesehen,  nie  die  xoofionoita, 
sondern  stets  die  folgende  Chronik  als  Werk  des  Logotheten  bezeichnet. 
Die  zwei  Ausnahmen  bilden  der  Mosquensis  Synod.  252  f.  205 r  und  der 
Par.  Gr.  1712  f.  ßr.  Es  kann  aber  sein,  daß  in  deren  Titel  eine  Text- 
verderbnis oder  eine  absichtliche  Textveränderung  vorliegt.  Was  aus  dem 
Mosqu.  bei  E.  de  Muralt,  Georgii  Monachi  chronicon.  Petropoli  1859, 
p.  902—914  mitgeteilt  wird,  ist  allerdings  die  sog.  Schöpfungsgesch.  Aber 
daß  ihr  Text  auf  eine  Vorlage   zurückgeht,    in    der   die   Schöpfungsgesch. 


11,2.   Fundstellen  der  sog.  Genesishomilien.  J29 

ist  dabei,  daß  die  Angabe  des  Ottob.,  die  das  mittlere  Stück 
der  Schöpfungsgeschichte  dem  Magnes  zuweist,  richtig  ist. 
Tillemont,  Bandurius,  Crusius,  deren  Gewährsmann  Boivin1, 
sowie  der  Gelehrte,  der  den  fraglichen  Teil  des  Ottob.  für 
Boivin  abschrieb,  sie  alle  haben  nicht  im  mindesten  daran 
gezweifelt,  daß  das  im  Ottob.  f.  75vsqq.  mitgeteilte  Fragment 
von  Mak.  Magnes  herrühre.  In  den  Dissertationen  des  Crus. 
findet  sich  nirgends  die  leiseste  Andeutung  darüber,  daß  die 
Abfassung  des  Fragments  durch  Mak.  nicht  ganz  sicher  oder 
nur  wahrscheinlich  sei.  Crus.  operiert  mit  dem  Texte  des 
Bruchstücks,  als  wäre  es  völlig  ausgemacht,  daß  es  von  Mak. 
stamme2. 

Mir  ist  je  länger  je  mehr  die  Autorschaft  des  Mak.  Magnes 
bezüglich  des  Fragments  und  somit  bezüglich  der  ganzen 
Schöpfungsgeschichte,  wie  sie  bei  Theod.  Mel.  u.  a.  steht,  zweifel- 
haft geworden.  Aus  welchen  Gründen,  sei  im  folgenden 
dar  geleert. 


nicht  für  sich  allein  stand,  sondern  in  der  die  eigentliche  Chronik  nach- 
folgte, dürfte  aus  dem  Titel  zu  entnehmen  sein  \Elq  xooftorcoitav  —cutwv 
Aoyod-szov  ix  öia<poga>v  %qovix<5v  xc/  Xgxo-qi&v,  Muralt  p.  902], 
der  zur  Sehüpfungsgesch.  allein  gar  nicht  paßt.  Da  irgend  ein  späterer 
Abschreiber  nicht  über  die  Sehüpfungsgesch.  hinauskam,  hat  man  auch  den 
Titel,  freilich  ungeschickt,  verkürzt,  damit  nicht  der  Logothete  als  Ver- 
fasser eines  Werkes  erscheine,  das  nicht  dasteht.  Noch  deutlicher  ist 
es  beim  Par.  Gr.  1712  f.  6 r— 12 v  der  Überschrift  [—v/itoji-  (layiazQOV  xal 
Xoyo&szov  eiq  vijv  xoafionouav  ix  ztjq  yevvsaemg  xal  XQOvixäv  i<pe£iJQ 
avvdysiv  ix  6ia<pÖQ<ov  %QOvtx(öv  ti-  xu)  laroQixäv,  Piaechter  in  Byz. 
Z.  V.  1891!  p.  41)0]  wie  dem  Umstände  zufolge,  daß  er  außer  der  Schöpfungs- 
geschichte noch  einen  Teil  der  ihr  folgenden  Chronik  [bis  >t  xaXovfiivr^ 
UeXanövvriaoq,  Theod.  Mel.  p.  19.  20.  Byz.  Z.  X.  1901  p.  82]  darbietet, 
daß  wir  es  hier  nicht  mit  dem  für  sich  existierenden  Elaborate  der  y.onn,,- 
noua  allein,  sondern  mit  dem  vorderen  Brachteile  einer  ganzen  Chronik 
zu  tun  halien.  Gegen  C.  de  Boor  spricht  ferner,  daß  sich  die  Schöpfungs- 
geschichte auch  in  Chroniken  findet,  die  unter  dein  Namen  eines  anderen 
Verfassers  überliefert  [so  in  der  des  Theod.  Melit.]  oder  die  anonym  sind 
[wie  die  des  Polydeukes  und  die  des  Vat.  L63]  und  endlich,  dal.'  sie  in 
Chroniken  fehlt,  die  unter  dem  Namen  des  Logotheten  stehen  [solche 
genannt  Byz.  Z.  VII.   1898  p.  621sqq.  und  X.   1901   p.  87]. 

1)  Keiner  der  vier  hat  freilieh   den   Ottob.  selbst   gesehen. 

2)  Vgl.  z.  I'..  MI'*;  X.   L361B,  L375BC,  1376AB. 


Texte  ii.  Untersuchungen  etc.  31,4 


130  Schialkhausser,  Makarios  Magi 

3.    Makarios    Magnea    nicht   Verfasser    der 
..Schöpfungsgeschichte". 

1.  Wenn  mau  die  Dissertationen  des  Crusius  liest,  so 
fällt  einem  auf,  daß  er  in  ihnen  nirgends  angibt,  in  welcher 
Form  oder  unter  welchem  Titel  unser  Fragment  im  Ottob. 
dem  Mak.  Magnes  zugeschrieben  wird.  Auch  in  seinem  Ms., 
dem  Brix.,  steht  es  nicht  unter  einem  grieeh.  Titel,  sondern 
unter  der  latein.,  demnach  nicht  auf  handschriftlicher  Grund- 
lage beruhenden  Überschrift:  Fragnieuta  excerpta  etc.  [s.  oben 
S.  125].  Woher  das  kommt,  wird  einem  aus  der  Beschreibung 
klar,  die  der  neue  Katalog  der  grieeh.  Ottoboniani  [von  1893] 
vom  Kodex  '268  gibt.  Man  sieht  aus  ihr,  daß  im  Ottob.  268 
f.  75v  unser  Fragment  sich  ohne  nähere  Bezeichnung  des 
Verfassers  an  Bruchstücke  aus  Chrysostomos  anschließt.  Erst 
am  Rande  hat  und  zwar  nicht  die  erste,  sondern  eine  andere 
Hand  an  der  Stelle,  wo  unser  Fragment  beginnt,  hingeschrieben: 
Maywjrov*  [Weiter  nichts.  Der  Titel  des  Werkes  des  Ma- 
gnetes, aus  dem  das  Fragment  stammen  soll,  ist  nicht  angegeben]. 
Nimmt  man  noch  dazu,  daß  Ottob.  268  das  einzige  Ms.  ist,  in 
dem  unser  Fragment  dergestalt  dem  Magnes  zugewiesen  wird, 
und  daß  er  eine  Sammelhandschrift  sehr  jungen  Datums  darstellt 
—  er  gehört  dem  16.  Jahrh.  an  — ,  so  erkennt  man.  dal',  die 
Annahme,  Magnes  sei  der  Verfasser  des  Bruchstücks,  auf 
schwachen  Füßen  steht.  Ausschlaggebend  gegen  M.  ist  das  An- 
geführte allerdings  nicht.  Wenn  Abschreiber  anonyme  Texte  nach 
Mutmaßung  oder  Gutdünken  irgend  einem  Autor  der  Vergangen- 
heit zuteilten,  so  suchten  sie  sich  gefeierte  Namen  heraus,  etwa 
den  des  Basileios,  Gregor  Nyss.,  Chrysostomos  oder  anderer.  In 
unserem  Falle  läge  das  umgekehrte  Verfahren  vor.  Unser  Frag- 
ment, das  auf  ein  Chrysostomos-Bruchstück  folgt  und  darum 
als  Eigentum  des  „Goldmund"  hätte  figurieren  können,  wenn 
mau  es  unbenannt  gelassen  hätte,  wird  durch  die  Randbemerkung 
einem  kirchlichen  Autor  zugewiesen,  der  keineswegs  zu  den 
bekannten  Größen  o-ehörte.    Die  Richtigkeit  der  Randbemerkung 


1)  Crusius  sagt  von  diesem  Sachverhalte  nichts.  Er  hat  wohl  auch 
nicht  näher  darum  gewußt.  —  Welcher  Zeit  die  „alia  manus"  angehört, 
mi  sie  noch  öfter  im  Kodex  erscheint  und  ob  ihre  Angaben  sonst  glaub- 
haft sind,  könnte  nur  der  feststellen,  dem  es  möglich  ist.  den  Ottob.  >elbst 
einzusehen. 


11,3.   Mak.  Magnes  aicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".        131 

wird  jedoch  durch  diesen  Umstand  nicht  gerettet,  da  andere, 
gewichtige  Bedenken  gegen  sie,  bezw.  gegen  die  Identifizierung 
des  „MayvijTOv"  mit  Mak.  Magnes  sich  erheben1. 

'2.  Ein  solches  liegt  in  der  Tatsache,  daß  im  Texte  der 
Schöpfungsgeschichte,  wie  ihn  der  Ottobon.  bietet,  obwohl  er 
nur  ein  Fragment  ist.  doch  schon  Einschübe  aus  der  Kleinen 
Genesis2)  und  aus  Josephos3  sich  finden.  Theod.  Melit.  und 
die  mit  ihm  enger  verwandten  Chroniken4  haben  die  meisten 
derartigen  Zusätze.  Daß  sie  erst  durch  spätere  Interpolation  in 
den  Text  der  Schöpfungsgeschichte  hineingekommen  sind,  ist 
zweifellos,  da  sie  an  den  Stelleu,  wo  sie  stehen,  den  Zusammen- 
hang störend  unterbrechen  und  da  die  Chronik  des  Polydeukes 
noch  frei  von  ihnen  ist.  Diese  Chronik  stellt  demnach  eine  reinere 
und  darum  frühere  Stufe  in  der  Überlieferungsgeschichte  der 
xoöfiojtoua  dar  als.  der  Text  des  Ottob.  Muß  nun  schon  für 
die  Chronik  des  Polydeukes  ein  Quellemverk  vorausgesetzt 
werden,  in  dem  die  Schöpfungsgesch.  den  Namen  des  Mak.  M. 
als  Verfassers  nicht  mehr  au  der  Stirne  trug,  so  scheint  das 
für  eine  spätere  Entwicklungsstufe,  auf  der  schon  fremde 
Zutaten  in  den  ursprünglichen  Text  eingedrungen  waren,  erst 
recht  angenommen  werden  zu  müssen.  Dann  aber  beoreift 
man  nicht,  auf  welchem  Wege  der  Schreiber,  der  „MayjnJTOv" 
im  Ottob.  268  f.  75 v  eintrug,  bezw.  auf  wrelchem  Wege  seine 
Vorlage  eine  zuverlässige  Nachricht  darüber  bekommen  haben 
soll,  daß  unser  Fragment  von  Mak.  Magnes  herrühre.  Übrigens 
wird  der  Zusatz  Theod.  Mel.  p.  10,19:   [Aöafi  .  .  egsßjLrjih}  <>i>' 


1)  Wollte  man  au  dem  rMicyrijov~  Ott.  268  f.  75  v  festhalten,  so 
müßte  man  an  irgend  einen  anderen  Magnes  [Magnetes]  denken.  Was 
für  ein  Magnes  dies  dann  sein  soll,  wüßte  ich  freilich  nicht  zu  sagen. 

2)  Es  ist  die  Stelle  Theod.  Mel.  p.  8, 8 — 9:  Kai  rix  .  .  .  ne<pi[i<ä<J&ai. 
('f.  H.  Charles,  The  book  of  Jubilees  or  the  little  Genesis  translated  from 
the  editor's  Kthiupic  t<>xt  .  .  Lond.  L902.  Kap.  III.  v.  28.  p.  27;  siehe  auch 
Flav.  Jnsephos,  Ant.  .lud.  I.  §  41.  Über  die  Kl.  Gen.  vgl.  außerdem  noch: 
II.  Rönsch,  D:is  Buch  der  Jubiläen  oder  die  Kleine  Genesis,  Leipz.  1874 
und:  Die  Apokryphen  u.  Pseudepigraphen  des  Alten  Test.  v.  E.  Kautzsch, 
11.  Bd.  Tüb.  1900,  p.  31—119. 

3)  Die  Stelle  Th I.  Mol.  p.  8,9— 11:    rhr  M  .  .  .  ivTS&ijvai.     Sie 

geht  auf  Josephos,  Antupi.  .Ind.  I  §  ."><>  zurück. 

4)  Vgl.  Theod.  Mel.p.  2,2—3;  4,24—26;  8,8—:»;  8,9— 11;  11,7  8; 
12,15 — 17;  13,15 — 18;  14,1—2.  Dazu  s.  K.  Praechter,  Eine  unbeachtete 
Quelle  in  den  Anfangskapitcln  des  Zonaras.    Byz.  Z.  VI.  1897  p.  515  sqq. 

9« 


]3"J  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

t)j  Eva]  sig  r/}r  yrjv  t^j,  xtlöecoc.  avrov,  der  sich  auch 
bei  Polydeukes  findet1  und  nicht  als  Interpolation  angesehen 
zu  werden  braucht,  gleichfalls  aus  der  Kleinen  Genesis  stammen3 
und  die  Verwertung  dieses  apokryphischen  Buches  wird  an  sich 
schon  ein  Zeichen  dafür  sein,  daß  Mak.  als  Autor  für  die 
Schöpfungsgesch.  nicht  in  Frage  komme.  Denn  die  Kleine 
(Jen.  genoß  nur  in  der  alexandrinischen  Kirche  Ansehen3, 
Mak.  dagegen  gehörte  der  kleinasiatischen  an. 

3.  Wollte  mau  das  unter  2  beigebrachte  Argument  nicht 
als  zwingend  anerkennen  und  einwenden:  Unmöglich  wäre  es 
nicht,  daß  der  Text  selbst  auf  dem  langen  Wege  von  der 
Urschrift  bis  zum  Ottob.  manche  Schädigung  und  Interpolation 
erfahren  hat  und  der  Name  des  wahren  Verfassers  doch  nicht 
verloren  gegangen  ist,  so  wäre  zu  erwidern,  daß  uns  ein  hin- 
reichendes Stück  eines  ächten  Werkes  des  Mak.,  nämlich  ein 
großer  Teil  des  Apokritikos,  erhalten  ist  und  die  Yergleichung 
der  Schöpfgsgesch.  mit  dem  Apokr.  ebenfalls  gegen  die  Ma- 
karianische  Herkunft  des  Ottob.  Fragments  entscheidet. 

Schon  im  Stile  weicht  der  Apokr.4  von  der  xoo/jojroäa 
erheblich  ab.  Im  Apokr.  ist  die  Darstellung  schwungvoll, 
dichterisch  oder  rhetorisch  gehoben,  zuweilen  schwülstig,  blumig, 
weitschweifig  und  wortreich5.  Es  fehlt  nicht  an  Wiederholungen. 
Die   Sätze  sind    nicht    selten    sehr    laug6.     Dabei    kann    dem 


1)  Jul.  Polyd.  ed.  Hardt  p.  40,23.  Auch  Theod.  Mel.  p.  11,12  sq., 
15  =  Polyd.  p.  44,2  sq.,  5  [xov  iitov  Aecc/u'-rov  —  xor  d-sov  fiij 
thc((fa'ror]  ist  aus  der  Leptogenesis.  Cf.  Charles  1.  1.  c.  IV,  v.  2  p.  30: 
.  .  because  (Gode)  accepted  the  sacrifice  of  Abel,  and  did  not  accept  th.> 
offering  of  Cain. 

°2)  Den  Ausdruck:  elg  rt/v  yi/r  r/}§  xTioeio^  avrov  habe  ich  sonst 
nirgends  außer  in  der  Kleinen  Gen.  gefunden.  Cf.  Charles  1.  I.  c.  III. 
v.  32  p.  29:  Adam  and  his  wife  went  forth  from  the  Garden  of  Eden, 
and  they    dwelt  in    the  land  of  Eldä,    in  the   land  of  their   creation. 

3)  Cf.  Sextus  Jul.  Afrikanus  und  die  byz.  Chronographie  v.  H.  Geizer 
1.  Teil,  Leipz.  1880  p.  296. 

4)  Es  versteht  sich  von  selbst,  daß  das  über  den  Stil  etc.  Bemerkte 
nur  für  die  Antworten  des  Mak.,  nicht  für  die  Fragen  des  Heiden  gilt. 
Die  Redeweise  des  Heiden  ist   von  der  des  Mak.  wesentlich   verschieden. 

5)  Charakteristisch  für  den  Wortreichtum  und  die  Breite  in  der 
Darstellung  des  Mak.  ist  die  Schilderung  der  vier  Jahreszeiten  Ap. 
p.   17(1—172. 

6)  Z.  B.  Ap.p.  1.  6,4—11.  39,5  — IG.  70,7  sqq.  91,3  sqq.  91,26  sqq. 
116,16  sqq.  148,20  sqq.  178,11—26.  181,5  sqq.  192.21  sqq.  214,3  sqq. 
221,8  sqq.  225.7  sqq. 


II..").   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpf ungsgesch."         1  3 - > 

Stile  des  Mak.  eine  gewisse  Gewandtheit  und  Kunshnüssigkeit 
nicht  abgesprochen  werden.  Wir  finden  bei  ihm  öfter  den 
Chiasmus  der  Satzglieder1.  Mit  Vorliebe  reiht  er  gleichartige 
Sätze,  die  mit  demselben  Worte  beginnen,  an  einander-'.  Ins- 
besondere ist  er  ein  Freund  der  Bilderrede.  Die  Zahl  der  Ver- 
gleiche und  Gleichnisse,  mit  denen  er  seine  Ausführungen  belebt", 
ist  groß,  der  Wortschatz  in  seinen  Erwiderungen  sehr  reichhaltig4. 
Dagegen  ist  die  Darstellung  in  der  Scböpfgsgesch.  meist 
einfach,  nüchtern,  trocken,  zuweilen  sogar  steif.  Die  Scätze 
sind  kürzer.  Es  fehlt  ihr  das  rhetorisch  Gehobene,  Breite  und 
Bilderreiche  der  Sprache  des  Apokr.5.  Gewisse  Ausdrücke, 
die  .Mak.  im  Apokr.  mit  Vorliebe  anwendet,  wie  xaTOQfrwfta6, 
oixovofiia  [in  Bezug  auf  das  Werk  Christi]7,  ßioq  im  Sinne 
von  Welt  oder  Menschen8,  äxifgatog9  in  Verbindungen,  wo  es 

1)  Z.B.  Ap.p.  1,6—7.  4,2.  6,8.  7,22.  29,20.  41,8.  70,10.  70,19  sq. 
71,6  sq.  91,7.  91,25.   117,10  sq. 

2)  Z.  B.  Ap.  p.  5, 17— 23.  6,8—11.  9,10—10,11.  30,7sqq;  32,12  sqq. 
33, 4  sqq.  43, 10  sqq.  43,21  sqq.  65, 4  sqq.  66,3  sqq.  70,7  sqq.  70,16sqq. 
72,22  sqq.  80,14  sqq.  86,27  sqq.  119,13  sqq.  172,16.  sqq.  178,11  sqq. 
IST.  .'I  sqq. 

3)  Z.  B.  Ap.  |>.  13,12  sqq.  28,7  sqq.  38.11  sqq.  40.  15 sqq.  41,3  sqq. 
63, 3  sqq.  67,6  sqq.  67, 11  sqq.  68, 3  sqq.  68.7  sq.  69. 10  sqq.  72.  15  sqq. 
74.13.  $0,13  sqq.  80.25  sqq.  81,16  sqq.  90,19  sqq.  91,27  sqq.  92,1  sqq. 
93,1  sqq.  103,1  sqq.  I04,4sqq.  109,1  sqq.  120.20  sqq.  I21,4sqq.  I22,22sq. 
132,25  sq.  I32,2sq.  I32,8sqq.  I33,24sqq.  134.2  sqq..  20sqq.  I36,6sqq., 
15  sqq.,  24  sqq.  138,16  sqq.  139,15.  140,2  sqq.  142,31  sqq.  143, 10  sqq., 
I6sqq.  150,32  sqq.  I69,9sqq.  I74,8sqq.  I78,12sqq.  181, 8  sqq.  181, 17  sqq. 
I86,3sqq.,  16  sqq.,  27  sqq.  I87,13sqq.  I97,21sqq.  208,26sqq.  2U,6sqq. 
212.  1!»  sqq.  213,2  sqq.  etc. 

4)  In  den  Einwänden  dos  Beiden  ist  der  Wortvorrat  ein  verhältnis- 
mäßig geringerer  als  in  den  Entgegnungen  des  Christen. 

5)  Man  vergleiche  z.  B.  die  Versuchungsgeschichte  bei  Tbeod.  M>-l. 
p.  7.21  sqq.  mit  der  überschwänglichen  und  wortreichen  Art,  in  der  Mak. 
im  Apokr.  p.  43, 10 — 44,7  von  der  Verführung  der  Menschen  durch  den 
Teufel  und  den  Folgen  des  Sündenfalls  redet. 

6  X.  I!.  Ap.  p.  1.7.  6.4.  7.14.  33,4,8.  70.2.  81,16.  113,7.  133,17. 
1.11.15.  169,21.  178,7.  182,6.  192,5.  193,4.  194,11.  216,20.  222.:;. 
226,24.  227.7. 

7)  Z.  B.  Ap.  p.9,4.  18,11.  -V2.:>.  64,7.  65,1.  67,4.  69,10,15.  70,2. 
72,10.  73,11.  90,5.  92,13.  93,17.  105.27.  116,2.  116,15,27,33.  122,18. 
132,6.   175.11».   195,20.  215.5.  216,20.  217,!». 

8)  Z.B.Ap.p.1,8.  36,2.  66,20.  67,2.  72,17.78,24.91,13.  141,6,16. 
143,28.  148,20.  150,5.  192, 1. 

9  /.  B.  Ap.  p.  5, 11, 17.  30,5.  82,17,  90,12.  104,33.  L07,5sq.  179,21. 
181,8.   194,  1!'.  219,7.  221.7. 


134  Schalkhausser,  Makarios  Mis/nes. 

die  Bedeutuug  „unvergänglich",  die  ich  in  den  Lexiken  ver- 
geblich suchte,  zu  haben  scheint,  oixovfitvr]^,  ovöia  besonders 
in  der  Bedeutung  „Wesen1'-,  fehlen  in  der  Schöpf gsgesch.  ganz, 
wobei  allerdings  deren  Kürze  und  anders  gearteter  Inhalt  in 
Anschlag  zu  bringen  ist. 

Gehen  wir  von  der  Rede-  zur  Anschauungsweise  über, 
so  ist  zu  beachten,  daß  bei  dem  geringen  Umfange  der 
Schöpfungsgesch.  und  der  Verschiedenheit  des  behandelten 
Stoffes  —  dort  die  vier  ersten  Kapitel  der  Genesis,  im  Apokr. 
Stellen  aus  dem  Neuen  Test.  —  eine  häufige  Berührung  der 
Gedankenkreise  von  vornherein  ausgeschlossen  ist,  und  daß, 
soweit  eine  Berührung  statt  hat,  bei  dem  consensus,  der  in 
den  dogmatischen  Hauptfragen  bei  den  orthodoxen  Theologen 
der  griech.  Kirche  des  3.  und  der  folgenden  Jahrhunderte 
herrschte,  auffallende  Gegensätze  nicht  zu  erwarten  sind8. 
Solche  sind  auch  tatsächlich  zwischen  dem  Apokr.  und  der 
xoüuojioua    nicht  vorhanden.     Dennoch  fehlen  die  Differenzen 


1)  Z.  B.  Ap.  p.  33,8.  34,15.  35,4.  35,11.  39,11.  77,14.  89,16.  91,27. 
93,7.  124,1.  146, 16  sq.  150,28.  181,26.  184,9,13. 

2)  Z.  B.  Ap.  p.  40,16.  43,18.  76,9,12,14,15,21,24.  106,26.  114.4. 
115,23.  117,18.  141,22.  151,8.  172,30.  174,16.  176,10,13.  177.5.  186.3. 
187,1,21.    188,27.    189,16.    191,21.    192,7.    194.6,16.    209,31.    211.7.11. 

3)  Zumal  da  Mak.  in  seinen  Anschauungen  den  Kirchenlehrern  ver- 
wandt ist,  die  in  der  Schöpfungsgesch.  hauptsächlich  benützt  sind  [Basileios, 
Gregor  v.  Nyssa,  Greg.  v.  Naz.  u.  a.,  worüber  später].  Daher  rührt  es 
auch,  daß  einzelne  Ausdrücke  und  Redewendungen  der  Schöpfungsgesch. 
uns  auch  im  Apokr.  begegnen,  z.  B.:  „Der  Mensch  avTS^ovatoq"  Theod.  Mel. 
p.  5,  l.  7,5;  10,18  [avze^ovatbrrjq] ;  7,17  {avte^ovaiov  ßovXrjfza}.  Ap. 
p.  37,7,  11.  141,24  und  174,6  [yvcöfit]  aizegovoioq].  —  Th.  Mel.  p.  5.24 
von  Gott  in  Bezug  auf  das  Paradies  ein  „y£oj(jyEiv"  ausgesagt.  Ap.  p.  43,12 
Gott  der  „ytwpyoc;"  des  Paradieses  genannt.  —  „axafiärujg^  vom  Tuu  Gottes 
Th.  Mel.  p.  5,29."  6,23.  Ap.  p.  85,27.  187,31sq.  [axä/iaxoq].  —  In  der 
Schöpfungsgesch.  wird  öfters  hervorgehoben,  daß  der  Mensch  ein  von  Gott 
geehrtes  Geschöpf  war.  Theod.  Mel.  p.  4,17sq.  wird  er  genannt  „rlfiiöv 
ti  yyij/ufc''.  5,4:  „Der  Mensch  ein  Werk  der  Hände  Gottes  öut  xo  tlfuor  Ttt4 
xazaoxevrjq"' .  5,20:  „Gott  wollte  r>/r  XoyiXTjV  wtboraaiv  zi/iijoac" :.  5,28:  „öva 
ttjv  Tiyog  xbv  ävd-Qtonov  Ti/ut/v  xal  (pvzovgybq  yivecai"  [sc.  S-eöc].  <!.  1 : 
,.'0i)('iv  <>rv  >)v  .  .  t>ji>  r//o/j'  .  .  .  yeveo€<oqa.  7,24:  „Der  Teufel  neidisch  ini 
ridj  noXXy  zifj.%  tov  «v9-(>.".  Dazu  vgl.  Ap.  p.  37, 14sq.:  J>  av&Qamoq  xriöfia 
rlfuov  enl  rttuj  yevößsvov"  und  p.  186, 14sq.:  „ccr&ptonoQ  .  .  .  ysyerytat  .  . 
ev6X£V  havzov  xcd  t>jq  otxeiaq  Ti/i>j^'\  —  Theod.  Mel.  p.  9, 19 sq.:  „Nach 
dem  Sündenfalle  ruft  Gott  die  Menschen  ioq  nart]Q  tpiAbozoQyoq  und  sagt: 
Adam,  wo  bist  du?"  Der  Gedanke,  daß  das  Rufen  aus  Mitleid  geschah, 
auch  Ap.  p.  196,1 — 2, 13 sq.,  25sqq. 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       135 

mehr  nebensächlicher  Art  nicht  ganz.  So  legt  Mak.  im  Apokr. 
p.  32, 12  sqq.  in  wiederholten  Redewendungen  dar,  wie  aus  der 
„xAsvoä"  das  Verderben  gekommen  sei  und  darum  auch  aus 
der  jcZevoa  [Christi]  die  Rettung  fließen  mußte1.  In  der 
Schöpfangsgesch.  ist  zwar  erwähnt,  daß  Gott  das  Weib  aus 
der  jtZsvQa  Adams  bildete,  aber  weiter  verwertet  wird  dieser 
Umstand  nicht.  Nirgends  ist  die  Schuld  des  Weibes  betont. 
Theod.  Mel.  p.  9,25  wrird  Eva  als  „äöixtj&EtGa"  bezeichnet.  Wo 
sonst  vom  Sündenfalle  die  Rede  ist,  ist  der  Plural  gebraucht 
und  an  Adam  und  Eva  zugleich  gedacht. 

Man  vergleiche  ferner,  wie  Mak.  im  Ap.  p.  71,  10  sqq. 
[cf.  auch  p.  66,10sq.]  und  wie  die  Schöpfungsgesch.  vom  „^r/or" 
der  Sünde  redet.  Mak.  führt  aus:  Zweierlei  war  es,  wodurch 
der  Mensch  zu  Fall  kam,  nämlich:  xb  §vXov  und:  xb  j{><~>;ir. 
tov  ir/or.  Den  einen  Nachteil,  der  vom  ßgS[ia  tov  §uZov 
herrührte,  hat  Christus  durch  sein  Fasten  überwunden.  Nun 
galt  es  noch,  den  durch  das  Holz  angerichteten  Schaden  wieder 
gut  zu  machen.  Mak.  nennt  dieses  §6Xov  ein  solches,  durch 
das  der  Mensch  v/)tt>/Uh^  x<XTaߣßX7]TOu ,  ein  i-vZov,  von  dem 
„curare"  ausging,  ein  n§vXov  .T^o.TfTf^",  das  Christus  durch  ein 
anderes  Holz  gerade  machen  [öiood-ovöd-ai]  mußte,  ein  n§v2.ov 
vov  d-avdtov"  und  „r//--  ütaoaxorjc? .  Von  alledem  findet  sich  in 
der  Schöpfungsgesch.  [Th.  Mel.  p.  7, 11  sqq. J  nichts.  Hier  heißt 
es  bloß,  daß  „to  svjLov[tov  yivmöxeiv  etc."]  nicht  seiner  Natur 
nach  dem  Menschen  zur  Erkenntnis  von  Gut  und  Böse  ver- 
holten habe,  daß  an  ihm  die  Freiheit  des  Menschen  sich  er- 
proben sollte   und   daß   im   Paradiese    nichts   Schädliches  war. 

Mak.  gebraucht  für  den  Schöpfer  mit  Vorliebe  den  Aus- 
druck ()//tttorgy6c.  In  der  xoOfiojtoua  kommt  derselbe  gar- 
nicht  vor.  Nur  „l&ftwtovpy^tfs"  [Th.  Mel.  1,20 sq.]  und  „<%«- 
ovQyT]{iau  [Th.  M.  2,7sq.]  begegnet  uns  in  ihr  je  ein  Mal.  Mak. 
redet  gerne  vom  „örjßiovQybg  [d-ebq]  Zoyoc"2.  Er  bezeichnet 
Christas,  den  er  einigemal  direkt  tVvo--  nennt*,  als  den  Schöpfer 
überhaupt4,  als  den    Schöpfer   der    Erde5,   des   Menschen ,;.   als 

1)  Vgl.    hierzu    Severianus   Gab.,  M  I'  G  .:»G,  482 sq.    und    besonders 
Procopii  Gazaei  commentarü  in  Gen.,  M.1'087,  L76AB. 
2    Ap.  p.  86, 5 sqq.   187,31.   I89,3lsqq.  216,3sq. 

3)  Z.  B.  Ap.  p.  K),  17s. ,.   12, 5,7 sq.  87,20. 

4)  Ap.  p.  9,llsq.  86,5,16,17. 

5    Ap.  p.   I05,28sqq.   I06,5sq.,   I0,12sq. 

6)  Ap.  p.  74,5  [zus.  mit  d<'iii  Vater].  92,4.  !<•■'>, "-'!'. 


13(1  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

den,  der  das  Paradies  gepflanzt  habe1.  Die  Schöpf  ungsgesch. 
dagegen  redet  nie  vom  „ö^fiiovQyoQ  [&soq\  Xoyoga.  Sie  nennt 
nicht  den  Xoyoq,  sondern  Gott  den  Schöpfer  der  Welt2,  der 
Dinge3,  des  Menschen4,  den  Pflanzer  des  Paradieses5.  In  ihr 
erscheint  der  Xoyoq,  den  Mak.  oft  erwähnt6,  nur  ein  Mal,  bei 
der  Erschaffung  des  Menschen.  Der  Xoyoq  wird  da  als  voru- 
ßovXoq"  bezeichnet7,  ein  Ausdruck,  der  sich  im  Apokr.  nirgends 
findet.  Allerdings  setzt  die  Schöpf  ungsgesch.  hinzu,  daß  er 
sei:  „IvvjioöTccToq"  und  Grotte  „äjtaodXZaxToq,  6(ioov6ioqu  und 
„looövvafioq" .  Im  übrigen  ist  sie  nach  meiner  Ansicht  für  Mak. 
nicht  christologisch  genug.  Es  läßt  sich  dagegen  nicht  ein- 
wenden, daß  bei  einem  alttestam.  Stoffe  und  noch  dazu  der 
Schöpfungsgesch.  das  Christologische  nicht  so  zur  Geltung 
kommen  könne,  wrie  bei  neutest.  Stellen.  Dem  Mak.  verschlägt 
es  wrenig,  ob  die  Worte  alt-  oder  neutest.  sind.  Er  wendet 
und  behandelt  alles,  insbesondere  aber  alttest.  Aussprüche,  wenn 
irgend  möglich,  christologisch8.  Wenn  es  nicht  anders  geht, 
nimmt  er  zur  allegorischen  Deutung  seine  Zuflucht,  um  ihnen 
eine  christologische  Beziehung  zu  geben9.  Wir  kommen  hier- 
mit zu  einer  Eigentümlichkeit,  die  für  Mak.  charakteristisch  ist, 
das  ist  seine  allegorische  Schriftauslegung. 

Der  Apokr.  will  kein  exegetisches,  sondern  ein  apolo- 
getisches Werk  sein.  Mak.  wendet  sich  in  ihm  gegen  einen 
Hellenen,  der  einzelne  Stellen  der  h.  Schrift  zum  Gegenstande 
seines  Angriffes  oder  Spottes  gemacht  hat.  Da  der  Hellene 
dabei  den  Literalsinn  zugrunde  legte,  mußte  auch  die  Ver- 
teidigung in  der  Hauptsache  vom  buchstäblichen  Sinne  aus 
geführt  werden.  Dennoch  und  obwohl  in  dem  uns  erhaltenen 
Teile  des  Apokr.  fast  nur  neutestam.  Stellen  in  Frage  kommen, 
nimmt  in  ihm  die  allegorische  Deutung  von  Bibelworten  einen 
so   breiten  Raum  ein10,  daß   wir  sofort    erkennen,   Mak.   tritt, 

1)  Ap.  p.  91,2sq. 

2)  Th.  M.  p.  l,4sq. 

3)  Ibid.  p.  1,5  sqq. 

4)  Ibid.  p.  4, 9  sqq. 

5)  Ibid.  p.  5,20  sqq. 

6)  Z.  B.  Ap.  p.  65, 17  sq.  72,22sq.  74,8,16.  75,1.5.  89,25.  91,22. 
92,23.  93,12.  106.21.  193, Hs.j.   195,10sq.  197,6.  216.7.11. 

7)  Th.  Mel.  p.  4,19sqq. 

8)  Z.B.Ap.p.32,12sqq.  G4,9sqq.  65, 16sqq.  75,lsqq.  87, 16 sqq.,  21  sq. 

9)  Z.B.  Ap.  p.  66,12sqq.  73,10.  74,6sqq.  89,24sqq. 

10)  Z.B.  Ap.  p.  6,20sq.    7,3sq.   8.1sqM.   72,15sqq.    73.10.    74,6sqq. 
88,14sqq.,    22sqq.  89,lsqq.,    4sqq.    93.12s<].,    23s«].    108sqq.    ill,19sqq. 


11,3.  Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       137 

was  die  Schrifterklärung  betrifft,  ganz  und  gar  in  die  Puß- 
stapfen  des  Origenes.  Wie  hätte  Mak.  erst  in  einem  exe- 
getischen Werke,  noch  dazu  in  einem  über  alttest.  Abschnitte, 
über  die  Schöpfung,  das  Leben  der  ersten  Menschen  im  Para- 
diese usw.  seiner  Neigung  zu  allegor isieren  die  Zügel  schießen 
lassen.  Sehen  wir  uns  aber  unsere  Schöpfuugsgesch.  an,  so 
finden  wir,  daß  in  ihr  die  allegorische  Schriftausles;iiiu'-  so  gut 
wie  ganz  fehlt. 

4.  Wie  der  Apokr.,  so  legt  auch  das  einzige  ächte  Bruch- 
stück, das  von  den  Homilien  des  Mak.  zur  Gen.  auf  uns  ge- 
kommen ist.  Zeugnis  dagegen  ab,  daß  das  Ottob.  Fragment 
ein  Überbleibsel  dieser  Homilien  bildet.  Daß  Mak.  Magnes 
Homilien  zur  Gen.  verfaßt  hat,  ist  nämlich  zweifellos.  Es 
ergibt  sich  dies  aus  dem  Vat.  Gr.  "2022  f.  230.  In  diesem  ist 
uns  ein  Textfragment ]  überliefert,  das  unter  der  Überschrift 
steht:  Tov  MaxaQiov  Dlayvrjroc,  tx  tov  iZ'  Xoyov  tov  il-  r/^r 
Tiv&Giv.  Wir  bezeichnen  es  im  weiteren  Verlaufe  unserer 
Darstellung,  um  Verwechselungen  zu  vermeiden,  als  Vati- 
kanisches Fragment,  während  wir  dem  größeren  bisher  be- 
handelten Textstücke,  das  den  Anfangsteil  mehrerer  byzant. 
Chroniken  bildet  und  nach  unserer  Meinung  nicht  von  Mak. 
herrührt,  den  Xamen  Ottob.  Fragment  oder  Schöpfungsgesch. 
gegeben  haben  und  fernerhin  geben. 

Aus  dem  Vat.  Fragment  erhellt,  daß  das  Werk,  das  Mak. 
zur  Genesis  geschrieben  hat,  betitelt  war:  Aoyot  sig  rtjv  /■•'- 
vbölv  und  daß  es  mindestens  17  Xoyoi  umfaßte-.    So  kurz  das 

U2,lsq.  140, 17sqq.  I74,23sqq.  I75,5sqq.,  23sqq.  L76,7sqq.  L89,26sqq. 
I90,2sqq.   L92,9sqq. 

1)  Der  Wortlaut  desselben  bei  I..  Duchesne,  De  Mac.  Magu.,  Par. 
1877  p.  41  sq.;  Pitra,  Anal.  Sacra  ei  Class.  Par.  Romae  1888.  T.  1,  p.  34 sq. 
and  Sauer  in:  Elises.  Festschrift,   Freib.  1897  p;  294sq.  (s.  o.  S.  121  . 

-  In  dem  Dämlichen  Ottob.  268,  der  von  f75v  an  das  mil  Unrecht 
als  Eigentum  < le-~  Mak.  betrachtete  Fragmenl  der  Schöpfgsgesch.  bietet, 
findet  sieh  auch,  wie  schon  oben  S.  121  u.  \2.)  bemerkt  wurde,  auf  f73v, 
vom  unächten  Bruchstücke  durch  Reste  aus  Schriften  anderer  Kirchenlehrei 
getrennt,  ein.'  Kopie  des  Vat.  Fragments.  Da  wir  das  Original  keimen. 
brauchen  wir  die  Kopie  uichl  weiter  zu  berücksichtigen,  außer  sofern  sie 

uns  in  den  Stand  Betzt,  den   gedruckt  vorliegenden  Text    des  \';it.  Fragments 

an  einer  Scelle  zu  verbessern,  bei  derDuchesne  und  Pitra  vergeblich  sieb 
bemüht  haben,  den  Wortlaut  des  Vat.  zu  entziffern  n\id  eine  erträgliche 
Lesart  herzustellen.  Es  i-t  der  Satz,  der  im  Vat.  Lautet:  ovöeftiav  e§<o&ev 
im  .  .  vofiivov  xfjQav  ovd£  Viva  vrjg  vkdtöovg  xal  xexxrjfievov  avakvTtjroq 
[Pitra  1. 1.  p.  34.  n.  111.    Bei  5  Worten   liegt  hier  eine  Verderbnis  vor    in 


138  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Vat.  Fragment  ist,  so  ist  doch  deutlich  zu  erkennen,  daß  es 
die  Art  des  Mak.  nicht  verleugnet.  Stil  uud  Anschauungs- 
weise sind  die  des  Autors  des  Apokr.  ,,cO  TZrjficov  'Icoß*  ist. 
um  einzelnes  anzuführen,  im  "Vat.  Fragmente  und  im  Apokr. 
[p.  82  sq.],  wenn  auch  hier  in  einer  anderen  Beziehung,  als 
Beispiel  verwendet.  Ein  Analogon  zu  der  etwas  derben  Aus- 
drucksweise am  Schlüsse  des  Vat.  Fragments  haben  wir  im 
Apokr.  p.  91  in  den  Ausführungen  des  Mak.  über  die,  die 
das  zweite  Wort  Jesu  am  Kreuze  so  interpuugieren,  daß 
öij/iEQOV  mit  )Jyo  verbunden  ist.  Die  Neigung  zur  alle- 
gorischen Schrifterklärung,  die  im  Apokr.  immer  wieder  durch- 
bricht, tritt  im  Vat.  Fragmente  offen  zutage.  Mak.  spricht 
sich  in  ihm  darüber  aus,  was  unter  den  Fellkleidern  Gen.  3,21, 
die  Gott  den  ersten  Menschen  nach  dem  Sündenfalle  gegeben 
habe,    zu   verstehen    sei:    bekanntlich    eine   Frage,    wegen   der 

eiti  .  ■  vofievov,  x/tfjicr.  Tirä,  xal  vor  xexztj/jtsvov,  und  in  avaXvzrjzöq  ■ 
Keines  dieser  Verderbnisse  ist  beseitigt  bei  Dach.  Er  hat:  ovöe/ilav  i'ni  .  . 
vbfievov  xrjQav,  ovöe  ziva  t?}c  vXd>6ovq  xal  xsxzrjfiivov  avaXvzr/zoq.  Pitra 
schreibt:  oiöefiiav  l'cojtttv  h'zi  [zerr]  ofievov  xaiQiav,  oi<)t  ti  t>^  vXdtöovq 
xazaxexzt/fitvov  ävaXvrrjXoq.  Von  den  Änderungen,  die  Pitra  vorgenomm -n 
hat,  ist  keine  annehmbar  außer  der  einen,  daß  er  ti  statt  ziva  liest.  Nach 
Pitra  hat  Sauer  versucht,  die  in  unserem  Satze  steckenden  Schwierigkeiten 
zu  heben.  Er  hat  von  neuem  den  Vat.  2022  kollationiert  und  glaubt, 
„bezüglich,  des  schwierigsten  und  verderbtesten  Passus"  eine  annehmbare 
Lesart  gefunden  zu  haben.  Erliest:  ovösfliav  i'Suj&ev  htr\ffiiGfikvov  xtjqcc. 
ovo'  äiziav  zfjq  r/.wüovq  xsxxrjfisvov  ävaXvz-qxoq.  Sauers  Text  verdient 
tatsächlich  Zustimmung,  sofern  er  i-nrjytitoiiiror  schreibt,  xtjqccv  in  xiJQa 
verkürzt  [bei  der  Schreibung  xi/(j(cv  hat  ovSsfiiav  nachgewirkt]  und  xal, 
das  im  Mittelalter  xe  gesprochen  wurde,  vor  xexztj/isvov  tilgt.  Bedenklich 
ist  die  Verwandlung  von  oi<h'  ziva  in  ovo1  alxiav.  Sauer  nahm  sie  wohl 
deswegen  vor,  weil  er  erkannte,  daß  ziva  nicht  aufrecht  zu  erhalten  sei 
und  daß  man  ohne  die  Einfügung  eines  Wortes  Avie  alxia  mit  ccvaXvrrjzoq 
nichts  anfangen  könne.  Ein  Subst.  avaXvzrjq,  —  r>/roc  existiert  sonst  nicht. 
Sauer  wird  es,  wie  seine  Vorgänger,  als  änaS-  Xeybfisvov  betrachtet  und 
mit  Autlösung,  Autlösbarkeit  übersetzt  haben.  Aus  der  Verlegenheit  hilft 
uns  die  Ottob.  Kopie  [Ott.  268  f  73  v],  obgleich  sie  die  ohnehin  schon 
verderbte  Vat.  Stelle  mit  ein  paar  neuen  Verderbnissen  bereichert  wiedergibt. 
In  ihr  lautet  unser  Satz:  ovöe/iiav  s^atd-ev  ^r/Hiouivor  xtJqidv,  oi'6i  ziva 
rrjQ  vXa>6ovq  xexZTjfisvov  afißXvzrizoq.  Crusius  hat  am  Rande  seines  M~.. 
des  Brix.,  hier  bemerkt:  Non  liquet.  Wir  sehen  aus  dem  Wortlaute  der 
Ottob.  Kopie,  daß  statt  avaXvxrßoq  zu  lesen  ist:  afiß?.vzr]zoq.  'Afiß/.vzTjq 
heißt  Stumpfheit,  Plumpheit,  was  vortrefflich  in  den  Zusammenhang  paßt. 
Alle  Schwierigkeiten  unserer  Stelle,  die  als  eine  crux  interpretum  galt,  sind 
behoben,  Avenn  wir  lesen:  ovöe/jtlav  i'ZoUt-i-  rn/^/lhii/n'ynr  xrjQa  oi'öb  ti 
r/~»-  vXdtöovq  xsxzfj/jtevov  cc(jißXi>ZJjzoq. 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.   „Schüpfungsgesch.".        139 

sich  in  den  ersten  ehristl.  Jahrhunderten  die  Kirchenlehrer 
viele  Jahrzehnte  hindurch  den  Kopf  zerbrochen  und  in  der  sie 
sehr  abweichende  Ansichten  geäußert  haben1.  Mak.  führt  in 
seiner  Beantwortung  der  Frage  zuerst  Leute  redend  ein,  die 
bemerken,  daß  die  Stelle  von  den  /it(~ji^j:  ösQfidnvoi  der 
historischen  Fassung  sich  entziehe  und  auagogisch  genommen 
werde  müsse.  Zu  meinen,  Adam  und  Eva  hätten  die  Häute 
unvernünftiger  Tiere  angezogen,  sei  einfältig  und  dumm.  Viel- 
mehr war  der  Leib  des  Menschen  vor  dem  Falle  feiner  (/f.-rro- 
teqov)  und  strahlenartiger  (avyoEiöt&tEQov),  geschickt  zum 
Erfassen  göttlicher  Lehren,  mit  keiner  Dicke  belastet,  sondern 
wie  ein  sehr  wohlgestalteter  und  glänzender  Spiegel,  mit  keinem 
Gebrechen  behaftet  und  nichts  von  stofflicher  Plumpheit  an 
sich  tragend.  Mak.  selbst  entgegnet  hierauf,  daß  er  nach 
vielem  Nachdenken  darüber,  was  die  Fellkleider  bedeuten 
könnten,  im  Buche  Job  das  Richtige  gefunden  habe.  Dort 
[Job  10,11]  stehe  nämlich,  daß  Job,  als  er  einmal  von  der 
Gestaltung  seines  Leibes  redete,  Gotte  gegenüber  die  Wendung 
gebrauchte2:  JtQfia  xai  XQEaq  (iß  svsövoag,  oöztoig  61  xa\ 
vevqolc,  (18  sveiQag*.  Mit  diesen  Worten  habe  Job  erklärt, 
was  unter  dem  Fellkleide  zu  verstehen  sei,  das  Gott  dem 
Adam  anzog:  dieser  Fleischesleib,  der  uns  jetzt  umgibt4. 

1)  Vgl.  die  kurze  Zusammenstellung  bei  J.  C.  Suicerus,  Thesaurus 
ecclesiasticus.  Ed.  I IL  T.  II.  Trajecti  174(>,  Kol.  1518  sqq.    Art.  yixvtr. 

~T)  Die  Worte  dotioig  Ah  xai  VEVQOiq  (iE  %veiQ«q  fehlen  im  Vat.  Fragm.. 
wohl  durch  Schuld  eines  Abschreibers,  wie  Pitra  I.  I.  p.  35.  n.  1.  richtig 
bemerkt. 

3)  Ob  nicht  eine  Anspielung  auf  die  im  Vat.  Fragm.  mitgeteilten 
Anführungen  des  Mak.  [oder  auf  deren  Quelle]  im  Genesiskommentare 
des  Prokop  von  Gaza,  MPG  87,  221  A  vorliegt:-'  Hier  heiüt  es:  Ol  öl 
(\).).nyo(jovvTe.q  peru  xov  EiQijfievov  öcaovQfibv,  (paalv,  c'>.'  o  fiev  „xax'  Ebeöva" 
tijv  H'tyi/r  OTjfxalvei  ■  !>  <)}■  ü^o  xov  yrpv  nXao&elq,  zo  keitxofiEQhq  aüfia  xai 
(cior  i //.  iv  7iaQa6eiaq>  öiayatyrjq,  o  xtvez  avyosiöhg  ixäXsaav  o\  öh 
ÖEQfmzivot  xtzäveg,  To,  „  ii'oiii:  xtü  xg&aq  fit  iviävaag,  baxioiq  6h  xai  vev- 
goiq  in-  evEigag".  T<j>  M  avyoeiösl  xijv  »."r/^ »•  htoyfiZoS-ai  tiqiöxio  Xiyovaiv, 
otceq  voxeqov  iveövaato  tovq  ÖEQfjuxvivovq  %ixfövaq.  An  die  Alak.-Stelle 
erinnern  bier  die  Ausdrücke:  ro  XeitvofiEQhq  ow/xa,  avyoeiShq  und  ins- 
besondere, daß  zur  Erklärung  der  Fellkleider  auf  Job  10,  11  öegfia  .  .  . 
iveigaq  verwiesen  ist.  —  Zur  Auffassung  und  Ausdrucksweise  des  Mak.  vgl. 
bei  Proklos  die  Bezeichnung  „avyoetöij  wöv  \pvx<öv  7tEQißXrjfiaxa"  für  den 
l/ichtleil),  den  die  Seele  in  ihrem  Praeexistenz-Zustande  bal  [E.  Zeller, 
Die  Philosophie  der  Griechen,   III,  2,  2.  4.  Aufl.  Leipz.  1903  p.  876  a.  3  . 

4)  0  iiEQixeifiE&a,  xovxl  awfxa  t<>  o&qxivov.  Mak.  Bchöpftc  bei  seinen 
Ausführungen  über  die  Fellkleider  aus  Origenes.    Eben  des  Origenes  An- 


]  40  Schalkhausser,   Makarios  Maines. 

Die  Ansicht,  die  Mak.  hier  über  die  dsQfidtivot  yiT<~>nz 
vorträgt,  stimmt  ganz  zu  seiner  allegorischen  Schriftauslegung 
und  zu  seiner  sonstigen  Gedanken  Verwandtschaft  mit  Origenes1. 
Sehen  wir  uns  nun  im  Ottob.  Fragmente  um,  so  gewahren 
wir,  daß  auch  in  ihm,  da  es  ja  bis  zur  Vertreibung  Adams 
aus  dem  Paradiese  reicht,  von  den  Fellkleidern  gehandelt 
wird,  nämlich  im  Kap. :  IIeqi  r//c  xaradixvjq  t<~>v  jiQcoxojtXdörcov 
xai  tov  6g)Eoog.  Aber  es  ist  nicht  etwa  der  Text  des  Yat. 
Fragments  oder  ein  Stück  desselben,  was  wir  in  der  Schöpfungs- 
geschichte  wiederfinden.     Nicht   der  leiseste   Anklang   an    den 


schauung  vom  Leibe  und  eleu  Fellkleidern  bekämpft  Methodius  in  seiner 
Schrift  über  die  Auferstehung  [Methodius  von  Olympus,  v.  G.  N.  Bonwetsch. 
I.  Schriften.  Erl.  Leipz.  1891,  p.  70  sqq.  Nach  dieser  Ausg.  zitiere  ich], 
vgl.  besonders  Meth.  p.  107  sqq.  Daher  kommt  es,  daß  wir  in  dieser 
Schrift  Redewendungen  —  sie  werden  den  Gegnern  des  Meth.  in  den 
Mund  gelegt  —  wiederfinden,  die  uns  vom  Vatik.  Fragmente  her  bekannt 
sind.  So  heißt  es  Meth.  p.  106,6 — 7:  [i'Äi'yaro]  >/  U'iyjj  ro  ocüficc  iSiu  ir\v 
naQaßaoiv  o  nSQixeifie&a  tuvto  avzikrpphvai,  wozu  die  Äußerung  des 
Origenes  bei  Meth.  p.  89,  5  sq.:  /;  avaßzaaiz  yivsrat .  .  räjv  öw/uütojv  wv 
vvv  nEQiftslfie&a  zu  vergleichen  ist.  Meth.  p.  74,llsq.;  108,  1:  109,24;  111,2 
vertritt  Aglaophon,  Gegner  des  Meth.,  die  Anschauung,  die  ÖEQ/iartvoi 
yiriörtg  seien  tu  amfiara,  die  schweren  irdischen  Leiber.  Vgl.  ferner 
7tQO  zqq  itaQaßaoeaq  >/»'  ..  ro  oojfia  tov  ccv&qcotcov  xal  Tiybq  xuzü'/.ijV.iy 
d-e'uov  &£(OQi]fiäT(ßV  o^i-  hcecijösiov  bei  Mak.  mit  ifutbötov  TiQoq  Ttjr  xazä- 
/.'/</'"'  '/.""'  r"  otöixa  ri',y  ovrotq  ovxtov  .  .  yiyvsxai  bei  Meth.  p.  108,  8  sqq. 
[p.  114,  2  sq.]  und  endlich  das  Makarianische:  Vor  der  Sünde  war  der  Leib 
„olösfiiav  eTiTjx&iOfjievov  xrjQa"  mit  Meth.  p.  113,  12,  wo  der  Leib  ayßoq  der 
Seele  genannt  wird. 

1)  Die  Ansicht,  daß  die  degpäiivoi  yiTcövec  den  jetzigen  Leib  des 
Menschen  bedeuten,  geht  auf  Philon  zurück.  Cf.  Philonis  quaestiones  et 
solutiones  in  Gen.  Sermo  T.  qu.  53  bei  Aucher,  Philonis  Judaei  Paralipomena 
Armen a,  Ven.  1826  p.  35 sq.:  tunica  pellicea  symbolice  est  pellis  naturalis, 
id  est  corpus  nostrum.  —  Daß  Origenes  unter  den  Fellkleidern  den  jetzigen 
Leib  des  Menschen  verstand,  behauptet  Epiphanios.  Cf.  Epiphanii  opera. 
Ed.  G.  Dindorf.  Vol.  II.  Lips.  1860  p.  672:  ab  6h  (püaxeiq,  oj  oirog  [Orig.  ist 
angeredet],  xavza  tu.  om/hutu  tivui  zovq  dsQfifCXivovq  %ixä>vaq.  V\  enu 
Epiph.  damit  recht  hat,  muß  Orig.  in  dieser  Frage  einen  schwankenden 
Standpunkt  eingenommen  haben.  In  seiner  Hom.  6  zum  Levit.  nennt  Orig. 
die  Fellkleider  „mortalitatis  et  fragilitatis,  quae  ex  carnis  corruptione  veniebat, 
indicium"  [MPG  X,  1401  B].  Dagegen  teilt  Theodoret,  qu.  39  zur  Gen. 
[Theodoreti  opera,  ed.  Schulze  T.  I.  Halae  1769  p.  53  sq.]  eine  Auseinander- 
setzung des  Orig.  mit,  in  der  dieser  die  Frage  aufwirft:  Ti  öel  voeiv  roifi 
ÖBQfiaiivovq  %vt<ävaq\  und  zeigt,  daß  jede  der  verschiedenen  Antworten, 
die  darauf  gegeben  werden  [wörtliche  Erklärung  —  odtfiaxa  —  vixQ<oaiq\ 
etwas  gegen  sich  hat.  Wie  man  die  Fellkleider  richtig  deute,  sagt  Ori- 
genes bei  Theodoret  nicht. 


[1,3.   M;vk.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".        141 

Wortlaut  des  Yat.  Fragm.  ist  in  ihr  anzutreffen.  Auch  ist 
nicht  etwa  die  Auffassung  des  Mak.  von  den  Fellkleidern,  die 
uns  im  Yat.  Pragm.  begegnet,  in  der  Schöpfungsgesch.  nur 
mit  anderen  Worten  ausgedrückt.  Vielmehr  lesen  wir  in  «lieser: 
I/o  iva  u>]  xaxov  a&dvarov  >j  6  avd-Qcajioq,  8-v?]tov  error 
a3i£<prjvaxo  6  9-sog,  VEXQorrjn  üiEQißaXmv'  rovro  yag  oi  6sq- 
fiarivoi  yctdtvEq  örj/ialvovOcv,  ajto  ror  Xoyov  r/y-  tcov  Cjoncov 
viy.ooTijTo-,  oüccoc,  öia  rij^  Xvöscoq  tov  öcofiarog  x<u  rrjq  ösöecog 
ij  aficcQTia  rrr. c><>.  avTOJCQEfivoq  <)i<cc/< •>«(>// [Theod.Mel.]).  l(),<>  — 10]. 
Das  ist  aber  nichts  anderes  als  ein  nahezu  wörtliches  Zitat 
aus  der  Schrift  des  Methodios  über  die  Auferstehung1  und  zwar 
aus  den  Ausführungen,  in  denen  Methodios  gerade  die  von 
Ürigenes  und  später  von  Mak.  vertretene  Anschauung,  daß  die 

1)  Meth.  p.  138,  8— 14  [S.  auch  134.4-8.  136,5—7.  141,17].  Der 
Text  de*  Meth.  setzt  uns  in  den  Stand,  eine  Schwierigkeit  im  Wortlaute 
unserer  Stelle  zu  beseitigen,  die  Frühere  nicht  hinwegzuräumen  vermochten. 
Auffällig  ist  in  ihr  nämlich:  xai  rijq  Seaeatq  (Theod.  Mel.  p.  10,9].  deoiq 
in  seiner  eigentlichen  Bedeutung  ^Binden"  paßt  nicht  in  den  Zusammenhang. 
Es  mit  vinculum  zu  übersetzen,  ist  sprachlich  und  sachlich  unzulässig. 
Sachlich,  denn  gerade  gegen  die  Auflassung,  daß  der  Leib  ein  öeafibq  der 
Seele  sei,  polemisiert  Methodios  in  der  Schrift:  De  resurrectione.  Cf.  Meth. 
p.  111,15—112,4.  113,  11  sq.  117,9  sq.  118,19.  119  sqq.  188,  1  sqq.  [S. 
auch  Photios,  Bibliotheca,  ex  rec.  J.  Bekkeri.  T.  II.  Berol.  1825,  cod.  234  p. 
293].  Daß  ^<Si'ijeojq"  übrigens  eine  alte  Verderbnis  ist,  geht  daraus  hervor, 
daß  sie  bereits  im  cod.  Ambrosianus  der  Chronik  des  Polydeukes  [vgl. 
die  Ausg.  v.  Bianconi]  sowie  in  der  slavischen  Übersetzung  der  Schrift  des 
Method.  über  die  Auferstehung  [vgl.  die  deutsche  Wiedergabe  dieser  L  her- 
setzung bei  Bonw.  I.  I.  p.  138,31]  sich  findet  und  daß  schon  frühe  Versuche 
gemacht  wurden,  die  Verderbnis  zu  heilen.  Schon  Georgias  Kedrenos  bzw. 
seine  Quelle  scheint  öioecjq  vorgefunden  und  daran  Anstoß  genommen  zu 
haben.  Denn  statt:  xal  r//»  deoeatq  hat  Kedr.:  xal  r//,-  oxpewq  [Georg.  Cedr., 
Comp,  historiarum,  ab  J.  Bekkero.  T.  I.  Bonnae  1838  p.  15,  2],  eine 
Änderung,  die  nicht  als  eine  glückliche  bezeichnet  werden  kann.  Bianconi 
machte  in  seiner  Ausg.  der  Chronik  des  Polyd.  [Anonymi  scriptoris  historia 
sacra.  Bononiae  1779  p.  14.  Anm.  a)]  den  Vorschlag,  statt  d£oea)Q  zu  lesen: 
8vGE<oq  und  dieses  mit  oceasus  oder  mors  zu  übersetzen,  und  es  isl 
bemerkenswert,  daß  nach  Murall  (Georgii  monachi  chronicon,  Petrop.  185'.» 
p. 913]  im  cod.  Mosquensis  Synodalis  252  an  unserer  Stelle  wirklieh  ävaeatq 
steht.  Das  richtige  ist  es  natürlich  Dicht.  Auf  dieses  führt  ans  der  Text 
des  Meth.  Es  hat  ursprünglich  SiaiQeoewq  geheißen.  Daraus  ist  durch  das 
Versehen  eines  Abschreibers  im  cod.  Marc.  145  [oder  125?]  des  Epiphanios 
[der  griech.  Text  der  Schrifl  des  Meth.  über  die  Auferstehung,  Bonw. 
p.  88—  207,  8  ist  im  Panarion  des  Kpiph.,  haer.  (!4,  cp.  \J  62  erhalten]  oder 
einer  Vorlage  desselben  Sikaeatq  geworden.  Dieses  SUoewq  wollten  andere 
Kopisten  nicht  unverändert  herübernehmen.  Sie  glaubten,  es  in  öeaetog. 
Sjjaewq,  Svastoq  oder  Sstjascaq  verbessern  zu  müssen. 


\\2  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Fellkleider  den  Leib  des  Menschen  bedeuten,  dein  Gegiier, 
dem  Arzte  Aglaophon,  in  den  Mund  legt1,  sie  bekämpft2  und 
ihr  seine  eigene,  daß  mit  den  ösQfidttvoi  xirmveq  die  Sterblich- 
keit gemeint  sei,  gegenüberstellt.  Schon  dieser  Sachverhalt, 
daß  wir  in  der  Frage,  wie  die  Fellkleider  zu  erklären  seien, 
Theod.  Mel.  p.  10,6  — 10  nicht  die  Anschauung  des  Mak., 
sondern  die  Worte  und  die  Meinung  eines  anderen  vor  uns 
habeu,  der  noch  dazu  auf  einem  dem  des  Mak.  entgegen- 
gesetzten Standpunkte  steht,  schließt  die  Makarianische  Herkunft 
nicht  nur  für  das  fragliche  Kapitel  der  Schöpfungsgesch.,  sondern 
wohl  für  deren  gesamten  Umfang  aus. 

5.  Nun  ist  aber  die  angeführte  Stelle  Th.  Mel.  10,6  — 10 
keineswegs  die  einzige  in  der  Schöpfungsgeschichte,  die  aus 
der  Schrift  eines  anderen  stammt.  Sehen  wir  näher  zu,  so 
gewahren  wir,  daß  es  in  ihr  von  fremdem  Gute  wimmelt3, 
eine  Tatsache,  mit  der  sich  die  Annahme,  Mak.  sei  ihr  Ver- 
fasser, nicht  verträgt.  Im  folgenden  sei  der  Versuch  gemacht, 
den  Nachweis  dafür,  daß  in  der  Schöpfungsgeschichte  in  weit- 
gehender Weise  fremdes  Material  verwertet  ist,  zu  liefern4. 
In  tabellarischer  Form  seien  den  einzelnen  Abschnitten  der 
Schöpfungsgeschichte  die  Parallelen  gegenübergestellt,  die  mir 
zu   ihnen    aus    der    patristischen   Litteratur    bekannt    wurden0. 

1)  Cf.  Meth.  ed.  ßonw.  p.  74  sq.  111,  1  sq. 

2)  Ibid.  p.  110,7  sq.  134,7  sq.  136,6  sq. 

3)  Schon  K.  Praechter  macht  in  seinem  Aufsatze:  Unbeachtete  Philou- 
fragmente  [Archiv  für  Gesch.  der  Philosophie,  Bd.  IX.  Neue  Folge.  II  Bd. 
Berl.  1896  p.415 — 426]  darauf  aufmerksam,  daß  in  dem  schöpfungsgeschicht- 
lichen Abrisse,  der  mehrere  byzant.  Chroniken  einleitet,  in  Menge  Ab- 
schnitte aus  Kirchenvätern  sich  finden.  Er  bringt  diesen  Hinweis,  weil  er 
zeigen  will,  auf  welchem  Wege  die  Philonstücke,  die  in  jenem  Abriss*- 
anzutreffen  sind,  in  die  den  Chroniken  zugrunde  liegende  Quelle  gelaugten. 
Praechter  bemerkt  auch,  daß  die  Philonstücke  wie  die  Abschnitte  aus  den 
Kirchenvätern  in  den  Chroniken  frei  umgestaltet  erscheinen  [S.  p.  421,  423]. 

4)  Ich  beschränke  mich  dabei  auf  Theorl.Mel.  [abgekürzt  Th.]  p.  1  — 11,7. 
Th.  Mel.  p.  11,8  —  14,2  finden  sich  Stellen  aus  der  Mikrogenesis,  aus  Josephe 
[die  aber  bei  Polydeukes  fehlen]  und  namentlich  aus  Philon,  wozu  mehrere 
Male  der  Genesiskommentar  Prokops  zu  vergleichen  ist. 

5)  Die  Interpolationen  aus  der  Kleinen  Genesis  und  aus  Josephos, 
von  denen  schon  oben  S.  131  f.  die  Rede  war,  bleiben  unberücksichtigt,  da  sie 
nur  bei  Theod.  Mel.  und  Konsorten,  nicht  jedoch  bei  Polydeukes  anzutreffen 
sind.  Für  einen  Teil  der  Zitate  verdanke  ich  die  Kenntnis  des  Fundortes 
dem  vorhin  erwähnten  Aufsatze  von  K.  Praechter.  Noch  bemerke  ich.  daß 
ich  nicht  immer  in  der  Lage  war,  nach  den  Ausgaben  von  Migne  zu  zitieren. 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schüpfuogsgesch. 


143 


Überschrift:      Elq  I        Cf.  die  Überschriften  der  6  Xoyoi  <les 
xrjv  xoöfiojcoüav.  Severian  von  Gabala  zur  Weltschöpfung: 


Th.  1,1. 


Oeoq    <>    axQOi'og, 

XOVÖe  XOV  XOÖflOV  Ulj 
ItQOTSQOV  vr/tOTOTc 
■  r  YJJn,'(:>  ^ccQCcymv, 
.  jtoiijOev  tr  i'-o/ii  ov- 
Qavov  xc)  yijv. 
Th.   1.4  sq. 


Svwjtiöri]   de  tij 

y/j    rö    Tt    vÖcoq    xc) 
XO    JCVQ. 

Th.    1 ,  5  sq. 


tx  Xifrov  id r  xc) 
GidriQOv  ovrcav  Ix  yijq 
.tco  dg.  U (>>•(>)•  e£-dX- 
Xeöd-ai,  Ix  jtrjycöv  xe 
xc)  qpQeärcov  vöcoq 
tcXovClov      avaöido- 

i.ih'j . 

Th.  1,7  und  Jul. 
Polyd.  6,  12  sq. 


Tavrrjq  [sc.  yrjq\ 
yäg  ex(irt  ovrcav  i-rro- 
GTaöTjQ  dfjXov,  (In  xc) 

xa  tr  i'.rTi]. 
Th.    1,8. 


Elq  xtjv  a'[/S'etc]  ij/itgav  xrjqxoOfiojtoii'ac 
PG.  56,  429sqq. 


7/  Ti:/c  (Sk:  t<>  axa.Qia.lov  xc't  dyjQOVOV 
rijj.  drjfitovQyiaQ  eiQtjxat  tu,  ev  ägxf] 
ejcoiTjöev. 

Basil.  Hex.  T.  PG.  29,  16  C.  Dazu  vgl. 
Procop.  in  Gen..  PG.  87,  37  A  u.  124  I). 


Iva  xoivvv  öiöayd-oäfiev  ofiov  xi]  ßov- 
Xrjöei    xov   d-eov   ayQovoaq    övvv<p£6rdvat 
Tor  xoöfiov,  eiQijrat  rö,  Ir  cnyj]  ejrohjoev. 
Bas.  Hex.  I.  1.  1.   16  D  sq. 


Ehccav,  ev  tco/t,  exotyaev  6  d-eoq  xov 
ovgavov  xc)  xryv  yrjv,  jcoXXd  djteötcojtrjOev, 
vöcoq,  aega,  tcvq,  .  .  .  a  ndvra  u\r  .  . 
övvvxeörrj  Ti>  jcavrl   d/j/oroTi. 

Bas.  Hex.  II.  1.  1.  33  ('. 


tr  yiA  evQt]öeiq  xc]  vöcoq  xc)  aega  xc.'t 
.tco,  ei  yt  ex  Xi&cav  (ihv  jcvq  egdXXexai, 
ex  OiörjQOV  öh,  oq  xc.)  avroq  cutb  yrjq 
'/.' l  T'tv  y^veöiv,  jcvq  cjf Ihii'or  .  .  jte- 
<l  rx;  r  djtoXdfCJtSIV  ....  T/)r  Öl  XOV  i:nc- 
XOq  ifröir  tri\Tcisr/oröcr  rtj  y?]  oi  <pQ£- 
oor/oi  öeixvvovöc. 

Bas.   Hex.  I.  1.  1.  20  A  B. 


El  jtoxe  6oi  trr)  xQrjvqq  kdrcärt  aq>&o- 
vov  vöcoq  dvaöcöovOijq  .  .  . 
Bas.   Hex.  IV.  1.  1.   84  A. 


'I'i,  ;itr  rrnoTij  ijiitoc  kjcoirjöEV  6  9-eoq, 

OÖCt    :'.~roi//i>tr,    tx    in]    OVTCOV. 

Hippel.,  PG.   10,585  A.     Cf.  Bever., 
PG.  :><;.433  und  Procop.,  PG.  87,  40  A. 


144 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Ildvta  ovv  yeyovE 
xara  rtjv  tov  9-eov 
ßovZfjöiv. 

Th.    1,8  sq. 


'Ejceiöt)  de  6vxr\v 
öxt/n~jc  o  ovqcivoq 
JtEQlTa&ElG    TOV   Eva- 

jcolEicpd-EVxa    tojcov 

toxöriötv  .  .  . 
Th.   1,9  sq. 


ij  <(votc  tov  f/cj- 
toq,  tj  jcdyxaXog  av- 
yi)  [so  Tafel,  die  Mss. 
haben  arr//,  cf.  dazu 
Basil.]  jiitQif/jtii,  xal 
to  öxoxog  to  13,  ar- 

Tl(fQ<'(.3tO)C     tov     ov- 

Qaviov  öcofiaroq  Ijil- 
öv/ißi  er  du  OxiSa  6e , 
xdi  rov  dla^iJcTj  Ix 
Ttjg  ToiavTf/c  aixiag 
dsoa      XafUCQorarov 

tUf  V(')    aVEÖEl^EV. 

Th.  1,11—14. 


TtjV  ovöiav  [sc.  ror  jeavzog]  .  .  ixavr\ 
Iötiv  avrov  >j  ßovXijöig  jcoifjöat  yii'iolhct. 

Orig.  bei  Euseb.,  Praep.  Ev.,  1.  VII,  20. 
Ed.  Gaisford,   Ox.    1843.    T.  IT.  p.  209. 


jcavxa  xara  to  9-eZov  ßovXrj/ia  jeao- 
ayd-Evra  slq  yevEöiv. 

Greg.  Nyss.,  De  cond.  hom.  c.  1  [ed. 
Fr.  Ducaeus,  Par.  1638.  Tom.  I.  p.  48]. 


Ejcei  ovv  kyivEXO  o  ovQCtvog  .  .  ad-oowg 
jtEQiTctd-Eig  xolg  hvrog  vjco  r/yj  olxEiag 
avrov  JCEQitpEQEiag  djcEiXrjfifiEVOig,  .  .  . 
dvayxalcag  tov  evanoXsupd-ivra  avtm 
tojcov  dg)eyyrj  xatEörrjöE,  ....  Norjöov 
6e  fioi  ajco  xaQaÖEiyfiarog  svaoyovg  to 
ÄEyofisvov,  ev  özajhjoa  fiEGTjfißoia  oxtjvijv 
Twtc  ex  jtvxvrjg  xal  OTEyavrjg  vXrjg  tavrm 
jcEQiöTTjöavra,  .  .  . 

Bas.  Hex.  IL  1.1.  41  A  B. 

Cf.  auch  Theodoreti  qu.  in  Gen.  <il», 
Theoph.  ad  Autol.  II,  13  und  Jes.  40,22. 


To  yaQ  oxorog  ovy,  mg  jce<pvxev,  £§- 
rjyovvxai  dsoa  Tiva  dfpcoxibxov  rj  tojcov 
13  avziq)Qd§£tog  ow/iatog  Gxic.Zöutvov. 
ij  oXwg  xa&  ojcoiavovv  air'uxv  tojcov 
xpartog  löTi<jtjiiH'()v  .  .  . 

Bas.  Hex.  IL  1.  1.  36  B. 


Tq'lo.  yaQ  öeI  ovvdoaiafv  ejc\  rijg  Oxiäg, 
to  (f(öc,  to  ödifia,  toi'  aXafjjerj  to.-tov. 
To  toi vvv  tyxöojKov  OxoTog  t/J  öxtä  tov 
ovgaviov  öcofiaTog  jcaQVjcECtrj. 

Bas.  Hex.  IL  1.  1.  41  B. 

Theod.  qu.  in  Gen.  6b. 


Eöti  6h  ovfihv  [((c/ötii  )'(>]•  tovto  Tolg 
rrto)  tov  <po)Tog  Eiotj/isvoig '  tote  [sc.  am 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöp  eh."        145 


'Ort    de    ücäv,    bti 
fjv  3ZQ0  r/Jj   tov  xo- 

OflOVXOVtOVOVOtdOE- 

»•>-•.  c-r  <jcn\  tji\ 
öijXov.  Ovzs  yaQ  ai 
zcöv  dyyiXatv  /<>- 
gslai,  orr;  xäoai  ai 
totovQccviat  axqaxiai 
ev  öxon  i  öirjyov, 
dk/.'tr  tportl  xai  rrä- 

0//    £V<pQ06VVlj    JIVSV- 

fiazixy  trjv  rroi-rror- 
öav  eavzalq  Xeitovq- 
ylav  exjiXrjQovoai. 

Th.   1,  14—18. 


•  .  .  eÖfjfllOVQyyöEV 

o  9-Eog  to  vvv  xaxa- 
XdfiJtov  xai  tpatÖQv- 

V0V      [SC.      f/rV-'J      toi- 

(ieta§v  ovgavov  xai 
yrjq   tOJtOV. 
Th.    1,  20  sqq. 

.    .    r/y_-    aßvööov 
ajcsiQcoq  xai  djcXerwg 

rli  7ll  K€QlX£XV[ievt]Q. 

Th.  2,  4  sq. 


ersten  SchöpfungstageJ  in  r  yaQ  avzy  tov 

<I<<)T(>-    /;    (fvülJ.   rrc.ntjyjt ij. 

Bas.  Hex.  VI.  1.  1.  121  A. 


.  .  t-i'mo  ti  i)r  jcqo  trjg  tov  aiö&ytov 
tOVTOV  xai  (( ih'.uTitr  XOÖflOV  oroTi'coiej-. 
ev  <[<<>t)  av  tjv  öykovoti.  Oirte  yaQ  ai 
teav  dyy ;'/.(■>}•  agiai,  ovte  Jiddai  ai  ejtov- 
odviOl  öTQaxial,  OVte  oXojq  EL  rl  inrir 
covofiaßfitvov  i]  axaxovoftaöxov  ti'ji-  Xo- 
yixoov  tpvöEwv,  xai  ti'ji-  XEixovQyixmv 
rrn  rinlror  ev  Gxoxcp  öifjysv,  aXX  Iv 
(fror}  xai  rrdo/j  EVtpQOövvy  JtVEVfiaxixy 
tfjv  jcQtjeovöav  eavxolg  xaxdoxaötv  eL/e- 

Bas.  Hex.  IT.  1.  1.  40  C  sq. 


....  [wie  Bas.].  ()rn  yaQ  ai  xSv 
dyyeXoiV  dSiai,  ovxe  jiädai  ci  ejiovQavioi 
(jtQaxial  ev  Gxoxel  Öiijyov  .... 

Theod.  qu.  in  Gen.  <'>!>. 


Ilocn/f  (fori)  9-EOV  (pcoxdq  g>v6lV  EÖy- 
i/ioroy/joi ,  .  .  .  tov  xoöfiov  tpaidowe, 
.  .  .  ÜSQisXdfijisTo  de  txrjQ,  .  .  . 

Bas.  Hex.  II.  1.  1.  44  0. 


To  yaQ,  exl  d-aXaööoZv  ed-SfieXiojCev 
avxyv,  t'i  öyXol  //  to  jtdvxoO-sv  jceqvxe- 
yröfh'.t    T/j    yy    tyv    Tor    vöaxoa    (pvOLV; 

Bas.   Hex.  I.  1.  I.  24  A. 


Toxtu  ii.  Untersuchungen 


AjteiQog  fisv  /'/i\  a)g  eoixe,  tmv  vöd- 
T(<>v  //  /r<u-,  .  .  .  \ia  Torrn  yaQ  Iv  tote 
xatojtiv  iXeyExo  aßvoöog  jcavxai/o9-Ev 
jcEQißsßXijcd-at  vy  yy  ....  Ovxovv  a- 
jcXstog  rt  Tor  vöatog  '/rou  ti~/  yy  jceql- 
.  yj'/rTo. 

Bas.  Hex.  [II.  I.  I.  m  11  ('. 

tc.  :;i.4  Kl 


146 


Stihalkhausser,  Makarios  Magnes. 


.    .    .  ÖT8Q£COfia    yt- 

vsöd-ai  Ix  rcöv  vöd- 
rojv  sv  fisöcp  avrcöv' 
o    xal    in  tu     xavxa 

OVQaVOV  ütQOÖTjyo- 
QEVÖE. 

Th.  "2,5—6. 


JSrsQtcofia  de  IxXt'j- 
H-tj   ro   drjfiiovQyq/ia 

Out     TtjV     (pVÖLV    T(~)V 

vjtEQXEifisvcov  i]  xal 

VJCOXE  Ljlt)  >Q3 1 '         v  6d- 

tcov,   Xejct^v    ovöav 
xal  agaidv. 

Th.  2,7—9. 


Cf.  auch  Method.  [ed.  Bon  wetsch  1891], 
De  resurr.  1.  IL  c.  10.  p.  213,4  und  Pro- 
cop.  in  Gen.,  PG.  87,  72  B. 


ro    OrtQtcofia   rorro  o  x<ci    avro   tjit- 
xkrjd-r)  ovoavog. 

Bas.  Hex.  III.  1.  1.  56  C  D. 


xara  tvjv  xoivrjv  tx<Soyr;r  Ix  tov  vöarog 
Aoxtf  [sc.  ro  öTEQecofia]  rtjr  yivEöiv  loytj- 
xt'rai. 

Bas.  Hex.  III.  1.  1.  61  A. 


Kai  oi  fihv  avrov  [sc.  tov  ötEQEw/iatog] 
trjv  ovölav  ädrjXov  slvai  tpaöiv,  xav  k$ 
vödtcov  sivai  doxel  xara  r/}r  xoirijr 
IxöoyrjV ' 

Procop.,  P  G.  87,  m  C. 
Vgl.  auch  Sever.,  PG.  56,455:   orar 
yaQ  bis  vödtcov. 


tr    iftoo) 


6\ 


vödt 


<<)V     tOT/jO/XTai 


[sc.  ro  örtQtwfia]. 
Proc.  1.  1.   65)  A. 


AXXa  6ia  rtjr  (pvoiv  tmv  vjteQxsifisvmv 
Xtjrr)jr  ovöav  xal  agaiav  .  .  .,  öregemfia 
rorro  atvofiaöE,  .  . 

Bas.  Hex.  III.  1.  1.  68  C. 

Vgl.  auch  20  C  sq.  und  36  A. 


ro  öT£Q£a>(ia  yivstat,  oxeq  (tefrogiov 
g)Vjöiv  slvai  T<ör  rt  vjceqxei(1£Vo>v  xal 
toiv  vjtoxeifisvoov  vdaTojr. 

Greg.  Nyss.  Apol.  in  Hex.  ISA  [ed. 
G.  H.  Forbesius  1855,  p.  28]. 


2t£Q£CQ[ia  ös  qxtOi  xaXsTöfrai  tov  ov- 
gavov  Tj  a>g  £§  aüiaXijg  Jtaysvta  toc 
vöatög   (pvöEcog,   /}   Jtgog  dvrti6iaötoXijv 


11,3.  M;ik.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch."       147 


ovgavbq     6h     [sc. 

i'x/.tjfhj]    (Stil    to   xa- 

D-OQäO&CU  TQOJCOV 

ÖBQQBcaq  vjceg  xk/«- 
Xrjq  rjjcXcofiEVOV. 
Th.  2,9—10. 


t/j-    tojv    r.iiny.i  Kr,  ro)'  rpvöEmq,   XEJtxrjq 
ovötfG  xa\  agaiäq. 
Procop.  1.  I.  69  C. 


Ktci  ol  i/l)'  övv&exov  avxov  [sc.  xov 
ovgavov]  .  .  sigijxaöiv,  cog  .  .  fiEtixovxa 
yrjq  id)'  6id  Tt)r  avxixvjtiav,  Jtvgoq  6h, 
(Sin  to  xa&ogäöd'at,  .  . 

Bas.  Hex.  I.  1.  1.  25  A  B. 


Kaxd  6h  to  GTSQtcofia  xov  ovgavov, 
a>q  jcgoXaßovxsq  djcodedoixafitv,  ovgavov 
tvxavfra  jtaga,  to  ogäö&ai  xov  atgoq 
jrgoOf/gntii'roc '  öxtgEWfiaxog  6h,  6ia  to 
jtvxvörsgov  Jtatq  slvai,  ovyxgiö&t  tov 
ald-tgiov  öwfiaxoQ,  xa\  fiaXXov  jiejiiXtj- 
(livov  raia  xdxatd-EV  avatpogalq  tov  vurtg 
xtfpalrjq  >lt(/(~jr  dtga. 

Bas.  Hex.  VIII.  1. 1.  180  B  C,  vgl.  auch 
72  B,  73  B  und  Procop.  1.1.   101  B. 


To  6h   tov  ovgavov  ovopa  xvgicoq  (ihv 

uouÖttu  to)  rryojTf;),  xa&  oiioionuv  6h 
to)  xXtj&evxi  öti oio'tiio.Ti  xvgiojtsgov' 
ov  tva  qprjölv  ovgavov,  v6mg  sivai  tpa- 
Gxojv  vjthg  avxov  o  daßld  XiycaV  exxe'v- 
)•('))-  tov  ovgavov  a\qsl  6eggiv  [Ps.  103,2]. 
Proc.  1.  1.  68  A. 


xoiXoxr\xiq     Tirt^:  ]        Ai  xt  yag  tcöv  ogwv  xoiXoxrrXEq,  g>a- 
ßad-Elai    ty/iyti^j/ti-      gaygi  ßad-Eiaiq  vjieggrjyptvat,  iiyov  t<~>v 

v6dra)v  xr\v  övXXoyrjv izacat  ai  xoi- 

Xoxrjxsq,  ai  vvv  t>jv  frdXaööav  vjto6e£d- 
(isvai,  .  .  . 

Bas.  Hex.  IV.  1.  1.  85  A. 
Cf.  Theoph.    ad   Autolyc   I.  II.  c.  13; 
Sever.   1.  1.   447. 


vai  [besser  nach 
Polydeukes:  ü'  t;]  yfj 
ysvofiEvai]  eIöeöe- 
^ii'to  avxä  [sc  tu 
rAtcTic}. 

Th.  2,  13  sq. 


to  <Vi    v6a>g  .  .  övvayEigtxat  ticu  xoi- 
'/.oTtjoi  Tr\q  yrjq  lyxgaxovfiEVOV ; 
Greg.  Nyss.  Apol.  in   Hex.  c.  26. 

10* 


148 


Schalkhausser.  Makarios  Magnes. 


StjQa  öl  tj  yrj  hjce- 
xXrjfrr],  sjcsiör)  xa) 
löiöv  höziv  avzrjq  xa) 
xazd  <fvoiv  to  jiqoc- 
QTjfia.  Tb  ydo  xvQiojg 
£?jq6v  eözl  yrj. 

Th.  2,  15—16. 


ejcsiörj  (Sl  coöjceq  ti 
ßdooq  ajii&ETO  ta 
evajtox£i(i£va  avz-y 
vöaza,  Xoljcov  ßXa- 
özdvstv  üiQoqEzdyjfhj 
ßozdvrjv  .  . 

Th.  2,16—18. 


X(U       EV&VQ       ÜIQOC, 

xaojtoyoviav       ovy- 

XlV7]&£l6(X    T(C    fivgia 

T<ör  ßXaüzqfidzcov  zs 
xa)  <f  rrojr  jceqie- 
ßdXXszo  [besser  .t(>o- 
sßdXXezo  Polydeuk.] 
ysvrj. 

Th.  2,  19—20. 

Ov  fiovov  yag  Ix 
r/~j  zcöv  Xrf'icov  dva- 

ÖOÖEOjq  EifaiÖQVVEZO, 

dXXa  xa)  xiöoarv  xa) 


'Ozi  /)  i/lr  Bflod  to  iölcofid  eözi,  tb 
olovsl  "/(agaxtrjQLötixbv  zrjq  tpvöEcoq  zov 
vjtoxEifiEVOV '  ij  öl  yrj  jzQoqr/yooia  t'i- 
EÖZl  .  .  .  TO  §T]Q0V  lÖLOV  iOTt  T/jj  yrjq  xa) 
E^aiQetov '  ili  zolwv  löimq  vrräoyji  zb 
grjQOV,  zovzo  EJtixixXrjzai  yrj  .  .  . 

Bas.  Hex.  IV.  89  AB;  cf.  Proc.  1.1. 
76  B  C.  

Srjgd  kyevszo,  EJcexXrj&r]  öl  yrj. 

Sever.  1.  1.  44S. 


.    .    ZO    Öl     [SC.     Ixkl'jhj]     £rjQCt     X.roicj. 

hxlxXrjv  öl  yrj. 

Proc.  1.  1.   76  D. 


.  .  fiEza  to  (O'arraroaothai  zrjv  yrjv  arro- 
öxEvaöccfiEvrjv  zb  ßdgoq  tov  vöaTo-.  to 
jiQogzay/ia  avzf]  ysyovE  ßXaözrjöcu  jcqoj- 
zov  ßozdvrjv,  .  .  . 

Bas.  Hex.  V.  1.  1.  93  D  sq. 


'AXXa  jiQoqszdxfrr],  (prjö\,  t-vlov  xän- 
jctpLOV,  rroiorr  xaojibv  Irr)  r/yc  yrjq,  ov 
to  öJtEQfia  avzov  ev  avzcp,  sxöovvat  /)  yrj. 

Bas.  Hex.  V.  1.  1.  105  C.    ' 


.  .  aXXa  (ivola  ysvtj  <pvzmv \<>>l- 

6ov  [loi  .  .  .  zr)v  .  .  jiqoc,  xaojcoyovlav 
oryxu'ov/tH't/i'  .  .  .  xa)  zd  iivnia  yivrj  tojv 
(pvoftEvarv  TCQoßdXXovöav  [sc.  yrjv]. 

Bas.  Hex.  V.  1.  1.  97  A  B. 


:rlh-~    JCOOQ    ZO     ZEXeIOV 


„  • '  ''  v  ■ 

rjyayE  za  ßXaözrjfiaza. 

Bas.  Hex.  Y.  1.  1.  104Csq. 


.  .  rpvzSv  jiavzoöajtdiv  ßXaozrjOEig' 
Ö&vÖqcov  viprjXozdzcov  JiooßoXcu  xanrriiior 
Tt-  xa)  (CX('(orrc)i''  drihöv  i-vynow.i  xa.) 
Evcoöiat '  xa)  6öa  uixobv  vozeoov  utXXet 


11,3.  Male.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch."       141) 


xvjcaQiöOatv  övv  X)j 
d/.'/jj  xmv  öbvöqodv 
xlrj&v'i  avrofidroog 
t>i  avxijg  dvaxwpdv- 
teav,  Ixavmg  xax- 
Exoöfislro. 

Th.  2,21—24. 


Kai    xo    xad-agcQ- 
xaxov    sxslvo    <(<r>-. 

t()       ir       Ttj       TCQCOTXt 

xtiösi  ir  W*Qa 
[besser  xxuj&EV  tjin- 
qcc,  vgl.  auch  K. 
Praechter,  Eine  un- 
beachtete Quelle  iu 
den  Anfangskapiteln 
des  Zonaras,  Byz. 
Z.  VI.  1897,  i».  511 
n.  4]  ir  tovroiq  [sc. 
Sonne,  Mond  und 
Sterne]  xarafn  QiOag 

.yo/.ri/io/j    Ig    CCVTCÖV 

jrtt^i'i'i/iTo  T<~>  Tcavtl 
axpeXi  tav. 

Th.  2,26—3,  1. 


T<~>  jcQogxdy/iaxt  xov  d-eov  sjtavaxsiXavra 
ti~i    -/h    T')r   ysvv7j6a[iivi]v  xaxaxoöftslv. 
'  Bas.  Hex.  II.  1.  1.  29  A. 
Vgl.   auch   Theoph.   ad  Aut.  1.  II,  13. 


.  .  T(~jr  öl   jied'icov  xd  evxagjca   qoio- 

öovta  rot-  Xtjioig ndvxa  6e  dvt- 

Tot:/;   öivÖQa, 

XVJiaQlGdOt  .  . 

Bas.  Hex.  V.  1.  1.   105  AB. 


sXdrai  xai  xiöooi  xai 


Eldev  [sc.  6  öidßoXog]  ort  avrofidrmq 
K    YV   T')V  %aQ3tov    avxolg  JcaQsöxevaöE. 

Ps.-Bas.,  Hom.  in  aliquot  scripturae 
locos  [Bas.  opp.  ed.  Garnier,  Par.  1839, 
T.  IL,  P.  845  Dl. 

Ovxe  ydg  <:rr/./j  tij,  r\v  /}  ix  xavxqg 
[sc.  ix  r/y_  yrjg]  avdöoöig  ytroiarij,  aXXa 
6id<poQog  xai  jcoixiXi]  '  xa  u\r  yag  avxijv 
ixööuti  xr\v  yrjv.  . 

Sever.  PG.  56,457. 

Vgl.  Proc.  1.  1.   149  B. 


Eig  toöavxag  .  .  .  öiaxsivovöiv  eoepe- 
Xsiag  (ci  T<~>r  xat  ovgavov  gyvöeig  te 
xai  xivijöEig  doTtoor. 

Philon,  De  opif.  mundi,  c.  19. 

[Philouis  opera,  Yol.  L,  ed.  Leop.  Colin, 
Berol.  1896,  p.  20, 3 sqq.]. 


.  .  xm  xad-agandrcp  ixslvco  .  .  (fori  [sc. 
dem  am  1.  Tage  geschaffenen]  oyjjim 
rrr  [sc.  am  4.  Tage]  oi  tpmöxijQEg  /.<:t- 

{  <>y.;  rröihjöar. 

Bas.  Hex.  VI.  1.  1.  121  AB. 


l  ij)-  n.    i  /.  roi'Tor   6t]  (ll  (ooir   oöOV  to) 
ßim  rrcoi'/jTci   to  o'xf  :'/j;/or,   tlg  ayvosl; 
Bas.  Hex.  VI.  1.  1.  L25C. 


i  r>o 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Ezigav  6h  t/)>-  ex 
zov  arioy/ir  xa) 
xaza6vEöd-ai    aizlav 

OVOICI'   T?jC   ZCOV    yyo- 

vcov  ajcaQid-(irj6£(X)^' 

äZXqv  <Sl  6id  Tirol' 
oi/inior  svsQysrov- 
öav  dicupÖQcog  zovq 
EvOsßcög  moyaZoin- 
i'ovg    xai     in)    jt£Qa 

ZOV     (IEZQOV    JtEQlEQ- 

ya^OfisvovQ. 

Th.  3,3—6. 

A-c.lTlj     [SC.     //     Ö£- 

///>'//]  ydg  ovöa  avTij 
tiüj.  axzlüi  jtEQt  r/)r 
[besser  zolzrjv  nach 
Polyd.]  tjfieoav  xa) 
xa&aga  Gza&Eoav 
i-vÖiav  xaZEücayyE //{•- 

Till'    JTICytla    6h    Ttdc 

xt:{>aiiuc  xai  vjceqv- 
'/()Ow  ipaivofitvi]  >} 
vöooq  Xaßoov  ajto 
vscpcöv  Tj  yjh  iii mva 
söEO&ai  (irjvvEi.  (iio- 
avzmg  xai  o  rJÄwg 
av&oaxcodrjg  yivo- 
fievoc    xai     vcpai/iog 

TIÜJ.      ICXTtOir      Ij      Tl~t 

arravyiuiiian  xa) 


llöihr  itrr  o  rjklOQ;  Ix  tov  yEVOflEVOV 
(fO)To^  Tij  jiQoctTij  rjfiega,  .  .  .  zo  <pcog, 
tv  vxdoypv,  fiovoeiösg,  xazazEfiwv  o 
Z£yyizr\g  lin'oio:  r  ,•/_•  tj/.tor  xtCi  GsXrjvrjV 
xa)  aözqa. 

Sever.  1.  1.  449. 

Vgl.  auch  Theod.  qu.  in  (Jen.  14  und 
Procop.  1.  1.  88  B. 

ytyövaot  [sc.  ol  dotEQSc]  .  .  ..  dXXa 
xa)  ö.Tioc  Orjfista  (ieXXovzcov  jiootpaivoo- 
oir '  i]  ydg  avazoXalg  avzoJv  ij  ÖvöeOiv 
....  avß-Qcojcoi  Tic  ajtoßt]öO(iEva  oroya- 
tpvzai,  .  . 

Philon,  De  opif.  mundi,  c.  1!'  [ed. 
Cohn,  1896,  p.  19,5sqq.]. 

Edv  yag  prytiq  jceqü  tov  (iezqov  t<i 

l\.V    ((.VTOJV    [SC.    (fVtüTljOIOl']    O/jf/Hll    .TtQl- 

EQydC,f]zai,  .  . 

Bas.  Hex.  VI.  1.  1.  125A;  cf.  Procop. 
1.  1.  02  A.  

.  .  tlftiivyori'Tici  ah'  ai  axTivt*;  [sc. 
tov  rjXiov],  ih'tryaxojdi/*:  6h  xai  v<pai(ioq 
Tijr  yjiöar  ogäzai,  .  .  .  xai  zip  t\Xi<n  6h 
ozav  ici  XsyofiEvai  akcosg  jcEQtyQafpmOtv, 
.  .  .  jtvEVfidzcov  ßiaicov  xlvtjöiv  vxotpal- 
vovötv'  .  .  xa)  ai  Qaß6oi  ai  .  .  .  zoig 
VHftöiV  linf aii'öin ■-rat,  Oflßoovc  t]  yiittiö- 

vag  .  .  .  Ev6Etxvvvzai hrrT/)  (ihv 

yao  ovöa  jveqI  tq'itiiv  f](i£Qav  xa)  xafraod, 
(rfatitya)'  Ev6lav  xazEüiayyiXXEzai'  rra- 
yüa  6h  rat^  XEQCciaiq  xa)  V3tEQvd-QOg 
qpaivofiEvrj  //  v6a)Q  XdßQOV  düto  nqon-, 
ij  vozov  ßiaiav  xivqdiv  ccjceiZeT. 

Bas.  Hex.  VI.  1.  1.  125  ABC. 


.  .  ßiaiav  xh'tjüir  tv>v  avEfiatr. 
Bas.  Hex.  VII.  1.  1.  1()0A. 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch."        151 


ofißgcov  xaxaq.  oqciv 
})  jcvev/idxatv  ßiaiav 
y.ir/joir  ötjXol  eotiyi- 

Virüih'.t . 

Th.  3,7—12. 

Polyd.  14,  4— 1-2. 

UoXXäxig   ovv    Ix 

Tz]-     TOlC.CTIjJ.     (Hjllll- 

moscoq  cofpsÄrjihjOav 
jtoXXoi  jtXooxr/QSC  zt 
xc.)      yecoQyoi      xal 

OÖOUlÖQOl. 

Th.  3,12—13. 


.  .  kxJXbvotr  ega- 
yaystv  zd  vöaxa  hj- 

JTirTU  ipv%o5v  Zcx'X~>V.. 

Th.  3,14—15. 

Kai  6vv  zm  ütQOCr 
xdyfiaxi  tu  sQyov 
ktsXeiovxo,  t/~i~  rrno- 
To  ^atoyovelv  \xixr\- 
ösioxrjxoq  syysvo- 
fiivijQ  xolc,  vöaöiv. 
/•.'('//(•_•  ya.Q  !h:/j '.(}<}( c 
fiev  xd  xavxoöajia 
yevrj  x<Sv  vtjxxwv 
ajtixex€,  .totci/o)  (Vi 
xal  Xlfivat  T(~>r  oi- 
x:  icov  xal  xaxa  <i  vöiv 

r/t)  VCDV      8JtXl]Q(oih]- 
Oav. 

Th.  3,  16—19. 

ÜQOfjyayi  öi  av&iq 
X(ti  T((  Jtsxtiva  tc 
vöaxa,  tqojcov  xiva 
(icyyi'rixir  jtQoq  xa 
vrjxta  i/nrTti.' Lln.T.  q 
ya.Q  <>'<  iyj>f:  -  • ''  xolc, 


Tr\v    os    ex    zovxcov    Orjfiauoöiv    ooov 

T('l      ßUp       .TCOi/ITCl       TU        c'>(f  ;' /.(l(<>)\       TU 

dyvoei)  und  dann  ist  die  Rede  vom 
.-r/.e>T/jn.  vom  oöohcoqoq  und  von  den 
yscoQyoL  Es  wird  ausgeführt,  welchen 
Nutzen  diese  alle  von  den  erwähnten 
Zeichen  haben. 

Bas.  Hex.  VI.  1.  1.  125CD. 

Aid  xl  (itvxoi    xd   ;o  r    vöaxa    kgjtexa 
irc/on-    Zo)ü(~)V    ef-ayayeiv    xQoq.sxax&rj\ 
Bas.  Hex.  VIII.  1.  1.  165 A. 


.  .  xal  tu.  vöata  Xoutbv  jtXrjoovxat 
Zc'x'ir  .  .  .  Il/Jh  .-rnä-Tcyi/t:  xca  ev&vc, 
xc)  rroTciKH  Evsoyol  xc)  Xifivat  yovi/ioi 
xcöv  olxsicov  htaöxov  avxmv  xal  xara 
(/  rot v  yi  >•(')>•.   Ka\  fj  frdXaööa  ra  jcavxo- 

öajtd   yi'i'f/   xeov  xXaxtcöv  a>öivs 

ö(iov  tv,  jcQogtdy/iatt  t,~i~  jcqoc.  t<> 
Zoxr/oviriv  sjcixrjösioxrjxoq  kyyevofitvijq 
xolc,  vöaöiv. 

Bas.  Hex.  VII.  1.  1.  148ABC. 


vo)V   in  r   ihXTof  i/   (frou. 
Bas.  Hex.  VIH.  1.  1.  165A. 


ev&vc.  Öl  xc)  zd  yi'r/i  T(öv  Jtxijvmv 
körjfitovQyi  i  <■>-  döeX<pd  zmv  xcU  vöaxoc, 
—  Exdxeoa  ydo  vr\xxd  —  .  . 

Philon,  De  opif.  mundi,  c.  20  [ed. 
Colin.   1896,  p.  21,5sq.]. 


152 


Schalkhausser,  Makarios  Maeties. 


vöaöi  t)j  t/H'  y.n-ijGH 
tcov  jtzsQvyajv  ejtI 
to  JtQOöOO  yooovoi, 
rfj  dl  oryj'fj  fiEta- 
OT()0(f)~j  tov  ovoalov 
Tau  Evd-Eiaq  avrolq 
OQfiaq      oiaxitpvöw, 

OVTO     '/.CA     TV.     ütETEL- 

va    xaxa    tov    dtoa 

l'lf/ötl .EVa  TSflVOVöl 
flSV     TOVTOV,    ütEQOOÖt 

6h,  OJtOV  xal  ßov- 
lovxai. 

Tb.  3,19—24. 


Tri'     '/!)'!  Ol >'     £^      VC 


$CCTOQ     "~>yj-V     T 


'l'vyjjV  6h  ^cööav 
eg&yaysiv  exeXevöev, 
iva  Ix  tovtov  yi- 
vaxöxrjxai  r//c  xe  ä%6- 
yov  if)v%7JG  >j  dia- 
(fona  xa)  xijq  Q/yd-QCO- 
jtslaq'  Ix  yaQ  yrjq 
■  <fv>l  tojv  alöycov  // 
ipvyrj,  /)  6s  tov  dv- 
Ducjjtov  Ix  tov  Ihiov 
EfMpvörjftaToq  övv- 
;'ot/j.  Kai  oti  yt- 
rjQa  /)  xtov  alöycov 
fvy/j,  £<  ((VT/Jj:  tOTi 
yvcövat  xaliv  tFjj: 
yof.ff  //,_•.  EtQrjtat  yaQ' 
ipv%rj  jcavxoqxxrjvovq 
to  altua  avxov  eöxiv. 
A'iua  Öh  rrtjyvviitvov 


TCXTjva. 

Method.,   De   resurr.  1.  II.    c.  10   [ed. 
Bonw.  1891,  p.  214,10.]. 


ha.  t'i  Ic.  höaxcov  xal  xolq  Jixiyvolq 
t/)v  ytvtöiv  e6coxev;  Oxi  möJtEQ  övyyt- 
VEia  tu  hm  rolq  JcsrofiEVOiq  Jtgbq  ta 
vryxxä-      Kai    yaQ    cüöjieq    oi    l%9vq    to 

VÖCOQ      TEflVOVÖl,      T)j      l/l )'      Xivijöll      T<7)V 

jcxsQvycov  slq  to  jiqoöco  yooovvT;  -.  t>j 
dl  tov  ovoaiov  fiExaßoXy  rd-  Tt  moi- 
öXQocpaq  xid  tccj:  sv&Eiaq  OQfiaq  Eavxolq 
olaxi^ovxEq'  ovxm  xal  Im  xcov  jcxijvcov 
eöxiv  lÖElv,  diavTj%o(iEva>v  tov  asga  volg 
jcrsQOlq  xaxa  tov  ofioiov  xqojcov. 
Bas.  Hex.  VIII.  1.  1.  169  A. 


Kai   tu    üiEXEiva    6h    Ix   tojv   vödrcov 

jvQOEQxerai 

Procop.  1.  l.'lOOCsqq. 


Aid  t'i  ij  yfj  V'vy/))'  C,cööav  s^dysi;  Iva. 
(ladyiq  diacpoQc.i'  </,*7'/-'  xtivow:  xa'i 
tpv%rjq  avfrgcojzov.  Mlxqov  votIqov  yvcoöy, 
jtcöq  /  irvy/)  tov  cvü-Qoj-rov  öWEöXf] ' 
vvv  dl  axovE  xeqI  rij~  xcov  aXöycov  >rv- 
yrjq.  ^EjcelÖtj  xara  to  ybyoaitiitvov  jcavxoq 
^coov  ij  >!'i"yj)  to  ante,  avrov  ioriv' 
aiiia  dl  rrcylv  siq  odoxa  XE<pvXE  i/ira- 
ßäkXsiv'  /  dl  öccq§  tpd-aQElöa  siq  ytjv 
avaXvEtai'    yETjQa   tu   eütiv    sixorrnq   /) 

ll'Vy>t     T(~JV    XTIjVOJV. 

Bis.  Hex.  VIEL  1.  1.  105Dsq. 


.  .  .  yt(')dtu  yaQ  /  T(~)v  aXöymv  [sc. 
ipvy/)]  xal  siq  yrjv  öiaXvsrai'  .  .  .  ai/ta 
dl  elq  odoxa  Tcrryvvxai "...  yrj  aga  tcüp 
xrrjvcov  >t   '1'vy/j. 

Procop.  1.  1.  105  D. 


II.  3.   Mak.  Mau'nc-  nicht  Verta>s('[-  <1.  „Schöpfungsgesch.'"       153 


.•/-•  ödoxa  fieraßäAXe- 
T'.:i .  öagt-  öe  ff  1h iqo- 
(ievt)  slq  yijv  dvaXvE- 

TCU.  ElxOTCOQ  OVV 
yEWÖljg    ij    li'ryji    tov 

aXoyov. 

Th.  3,27—4,5. 

EjCElÖTj  ÖE  Xoidtbv 
T(~j  y.ar< tXXrjXni  y.< ['/.).;  i 
xa  rrr.i-Ta  öiaxExö- 
otUjTo,  ovgavog  (iev 
Talg  T(~)v  gxDöTfjQcov 
avyalg,  9-dXaöaa  öl 
xal  atjg  TOlg  vr\xxolg 
t;-  x(u  asgioig  zcov 
2'if-n-,  yij  AI  ratg 
jcavroiaig  öia<pooalg 
toJv  ({  vto)v  ti  xat 
ßoOxrj(iaxa>v,  mdüiEQ 
nva  ßaöiXsa  6  tov 
jcavrog  jtoiTjrtjg  elg- 
dyei   tov  avd-gwjcov 

tv  XOöftCO,  or/  <•). 
ajcößXrjtov  Ur/caov 
XTLOag,    aXX    o-    i'.ur. 

t/j  ysvsösi  ßaöiXsvEiv 

off . l/.orra. 
Th.  4.5—11. 


Ol   (ihv   rrro   tov    9-eIov    E(i<pv6^/iarog 
T?]V    ifry/])-    ÖEÖfjfUOVQyrjod-ai    tfr.nir'  .  .  . 

ot    öh,    öri    to    lucfvötjin^    exeIvo    ipv%rj 
yiyovEV  avTqi  .  .  . 

Procop.l.  1.  144B,  vgl.  auch  133BCD. 


flto'i  rfj-  xir.Tif.- 
Gxevfjg  tov  avfrool- 
jcov. 

Th.  4.  12,  Cber- 
Bchrift. 


.  .  T(ß  xaraXXijXa)  xdXXei  r/r  xad-i- 
xaöTOV  Ai:  y.or,ii{jhj,  ö  ovgavog  [ihr  rr.fj 
Tv»v  ffcjin/jocjr  avyalg,  9-äXarra  A]  xai 
arjg  toIj.  v7]XTOlg  ti  xiu  fvasoloig  T<r>r 
C()f>r.  yij  öl  Talg  jcavroiaig  tojv  ff  vto»- 
t;    xat  ßoGxrjffaTcov  A/c.fffiorjj,  .  .  . 

Greg.  Nyss.,  De  couditione  hom.  c.  1 
[ed.  Fr.  Ducaeus,  Par.  1638,  T.  I.,  p.  41)]. 
Vgl.  Meth.,  De  resurr.  1.  I,  c.  34  [ed. 
ßonw.,  p.  122,  lOsqq.]. 


Ejceiöt}    Toiwv    olov    Tiva    ßaöiXsiov 

y.r.Tcycjy/))-  Tt~>  fJEXXoVTl  ßaOcXEVElV  ö 
Tor  jcrro:  .ionjT>i-  JCQOVjVTQEJClÖEV 

TEXsvralog  (lErd  Tr\v  xviöiv  ii~/iy<hj  ö 
avfrooDJtog,  ot'-y  a>g  ajtoßXrjTog  ü1  EGyaxoig 
aüiOQQupEig,  aXX  mg  dfia  rf]  ysvECEt  ßaöt- 
Xsvg  sivai  todv  vkoxeiqicov  jcQogtjxcov. 
....  xaraxoGf/rjöag  tt\v  oixijGiv,  .  .  ovrmg 
EigdyEi  tov  ävd-Qomov,  .  . 

Greg.  Xyss.  [.  1.  c.  2  [1.  1.  p.  50 sq.]. 
Vgl.  Greg.  Nazianz.  orat.  44,4  [Mauriner- 
ausg.  T.  I.   Par.  177S.  ,>.  S37D]. 


o  tov  jtaitog  .toi/jt/^  .  . 
Greg.  N\ss.  1.  I.e.  3  [1.  Lp.  52].   Vgl.   Bas. 
Hex.  I.  i.  1.  12 B. 


//<•(//   Ttjg  xazaöxEvijg  tov   avd-nmxov. 

Ps.-Bas.,  !><■  hom.  structura.Orat.II.  K» 
[ed.  Garnier,  Par.  1839,  T.  1I>,  i>.  487D]. 

Vol.  auch  die  Überschrift  der  orat.  1 
und   II.   des    l's.-IJiis..    De   hom.  struct., 


154 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Kai  tu  fisv  aXXa 
jidvxa  xx'i6y.axa  {>//- 
[Kai  (iSvcc)  üiaqrrffiri' 
o  61  av&Qcojzoc,  loytr 
et-a'iQSKÖv  ti  xaxa 
t//)'  jcohjötv  jcaga. 
xavxa.  BovXfjg  yao 
■~rootjy//0<cttn'>/-  txri- 
ö&n,  iva  Ix  xovrov 
öeix&ij,     oxljceq     xl- 

fllOV     XI     /('/)//«      vüi- 

Th.  4,15—18. 


die  Überschrift  der  Abhandlung  des  Greg. 
Nyss. :  De  cond.  honi.  und  Greg.  Nyss. 
1.1.  c.  8  [1.  1.  p.  58]. 


~2vyxQivov  avfrQcojtov  ytveöiv  xai  xa>v 
dXXcov  ajcdvxmv  .  .  .  xai  t  aXXa  oöa 
d-EcoQOVfisv  u<(\)(Om<~>  xai  oöa  vm  xata- 
Xa[ißavo(iev,  Qrjfiaxi  nryi-  vo  slvai. 

Ps.-Bas.,  Or.  II.  de  hora.  struct.,  PG 
30,  col.  40.         _____ 

'iiöjtEQ  yao  tbv  avd-gwjtov  IgaiQtTOv 
xfic,  jtXdöEWQ  jcaga  xa  Xouca  Ccöa  rjf-i- 
oxjev,  .  . 

Ps.-Bas.  or.  de  paradiso,  PG30,  col. 64. 


Ovüica  yag  xo  i/i'ya  xovro  xai  xtfitov 
XQrjfia,    o    av&QGfjtog,    xrö    xoguo     x<5v 

OVTCOV    £3l£%OiQla££V. 

Greg.  Nyss.,  De  condit.  hom.  c.  "2  [1.  1. 
p.  50]." 

.  .  x-rjc  de  xov  avd-Qmjzov  xaxaGxEvtjq 
ßovXq  jtQorjyElxai  .  .  .  qXioq  xaxaaxsva- 
ZiTc.t,  xai  ovösfila  xQorjyElxai  ßov>Xrt  .  .  . 

ö/ji/CTi    flOVtp    XO    XOIOVXOV    th'.ritc    Owl- 


t}T((TCf 


ixavxa    Xoym   jcqq 


ayExai. 

Greg.  Nyss.  1.  1.  c.  3  [1.  1.  p.  51  sq.]. 


.  .  ex\  fisv  xmv  aXXmv  xriöfiaratv 
avEV  ßovXrjq  i)  jcQÖözagic,  sgyov  rjv  m:n- 
ayofiEVOV,  Irr)   öl  xov  avd-QWJiov  .  .  6\- 

Xovxai  <ryJi<i<'T(  xfjq  ßovXrjc  /   r',">,- 
Procop.  1.  1.  113Dsq. 


Ilo/ijCxoinr  lU'th Horror  .  .  ÖEtxi*v6a  xov 
av&Qmjtov  xb  xaZE§aiQ£XOV  xfjq  rroi- 
TjöEWQ  .  . 

Procop.  1.  1.  129Dsq. 


11,3.    Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch."       155 


Tu  y<XQ  JCOlfJÖCOflEV 

avftQcojcov  xax  h- 
xorc.  fjflETSQCCV  y.ci 
■/.elf  ofioicaOtv  ovöhv 

SXEQOV     ÖsbcVVölV,     // 

oxi   övfißovXrp  lyx>>'r 

ÖC.TO      6       JtaXTJQ       Tt'j 

(lOVOyEVEi  (error  rt(~t 
-<'.T<  Tlj  xovxov  xaxa- 
ux;ri~j,  T(~>  ajiavyd- 
oiu'.Ti  r/yj  ö6§qG  xaxd 
ror  ajtoöxoXov  xai 
1(aQaxrrJQi  t/'^  vjco- 
OT('cöirf'j~  (error.  OvXE 
yao  IrTji'  aXXcp  oru- 
ßovXca    Zivi    x£%Qij- 

i'ith'.l,       t)      T(')       CfiOVXt 

xai  trrjro()T(''.Tot  ar- 
xov  Xoym,  T(~>  djran- 
aXXäxxm  y.e.T  :i- 
xöva  xai  ofioovöico 
xai  looövvdficp. 
Th.  4, 18—24. 


0  ;nr  rio-  xov  frEOv  jvdovjc  rrje  xxi- 
ö£03Q  (error  rrooyi -viöXl  od:  koxiv,  (Dort 
övfißovXov  avxov  yeviö-9-ai  xm  .tc.tqi  r//- 
y.TiöiOJ.    error. 

Hermae  Pastor,  Sira.  IX.  L2, 2.  Cf. 
Sim.  V,  6,4,  ferner  Theophil,  ad  Autol. 
1.  11,22. 


Ovx  aXXcp  de  tivt  eIqtjxsv  rroo^öoin  r 
aXX    ij  xm  kavxov  Xoym  .  . 
Theoph.  ad  Autol.  1.'  II,  18. 


Tivi  Xiyst'  xct  Eixova  tjftExegav;  xlvi 
aXXm  ye  /}  r<~>  ajtavydöfiaxi  r/}_-  öo^tjc, 
xai  /('.ocxT/jot  r/yj  vjioöxdoemg  avxov, 
OQ  iöTtr  Eixmv  ror  ihor  ror  aoodxov; 
Ttj  löiq  xoiwv  sixovt  xy  £mö%  .  .  .  h'yi  i ' 
JCOirjömuEV  avfromjcov  x(it  Eixova 
rjfiEXEQav. 

Bas.  Hex.  IX.  1.  1.  205  C sq. 


0  vloc  Eixmv  mv  T/'i^  ovöiac,  ofioor- 
Glöc,  EGXi   xm  rrc.Toi. 

Bas.,  Adv.  Eunom.  1.  IV,  1.  P<i  29, 
676  A. 


llof/'jijoti/t  >■  avd-omjcov  .  .  .  TLvt  yao 
Xtyst  xo  jvoiyömut r  //  xm  Xoym  xai 
fiovoysvEl  vlm  .  .  .; 

Bas.,Adv.Eiin.  1.  V,4  fl.  1.  col.  756C]. 


XqiÖTOQ   ij   (}).//<}:  /<:  .  .  .   oöTh    ort   //;  r 


j<>r  o  A.oyoG, 


Bas.,  Adv.  Eun.  I.  V,4  [1.  1.  col.  757  B]. 


o  Tor  Ihor  Xoyog  .  .  .  //  ajcaoaXXaxxoq, 
Eixmv. 

(-»reg.  Naz.  or.  38,  c.  1 3  [M aurinerausg. 
T.  [.,  p.  671 C,  851  DE]. 


156 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


'EjiuÖt)  toiwv,  o>~ 
■riQtjTc.i.  ßaöiZevg  cog- 
.Tf(>  Elqrjxfh}  ev  xo- 
öfi(p,  o  av&gconog  eI- 
xorwgxai  xaz'  Eixova 
fttocytyH't/Tat.  "Eöti 
yag  zov  ub'/j.ovTa  ag- 
yjrtv  T(~)V  aXlcov  a>g- 
.itQ  zwd  Eixova  ei- 
vai  Imvx-yor  zijg  tov 
ßaöilsatg  Ofiöiorrj- 
zog,  ovx  c-r  ütogtpv- 
giöi  xai  ox/'/.ttqo)  xai 
öiaörjfiazi  r;}r  ägiav 
Eyupaivovxa  (Ltu  (iiy- 
6h  zo  dgjEzvjtov  tv 

TOVTOig    SÖllv),    d/./.' 

Iv  t<~)  xExo6(irjöd-ai 
t>j  <\(f  d-agöia.  xai 
dlh'.vaoia  xai  agETJj. 
Tovzoig yag  zi{iT){rEig 
o  ävd-gmjcog  ttjvjcqoq 
t>))'  [oder  ro]  jcgoyzo- 

ZVJIOV     IIXOVC     OflOl- 

OXTlTa  öiaöco^ei. 
Th.  4,27—5,1. 


IIa  fr  ii-  ovv  jcaQaörrjöOfii sv,  rivt  iirriv. 
jtotqömfiev  av&gamov;  /}  zig  köziv  av'zov 
öv/ißovZog;  zo  yag  ütoirj6a>[tev  oipiv 
äjiaiTti   övfißovXov. 

Sever.  1.  1.  465. 


Avo  (isv  yag  Terra-  &vvd(iEtg  evvjto- 
özdtovg  aycogiazovg  r/j-i  .  .  zov  r;  v'iov 
tov  fiovoyevrj  xai   ro  jcvEVfia  zo  dyiov. 

Procop.  1.  1.  125  B. 


o  dt  frtb*:  xai  dthaveoia  xai  Zoi/  xai 
d<p&agöia'     sgyov    de    av&gamog    9-eov' 

.  .  dftävaTO-  äga  6  drftnorro-. 

Meth.,  De  resurr.  1.  1,34  [ed.  Bonw., 
p.  123,11  sqq.]. 

t(~)  ö\  [sc.  dem  Menschen  ist  gegeben] 
zo  d-sosiöhg  .  .  xa)  rräv  zb  jegog  txtii-f/V 
djtrjxgißa)(iEVOV  ziyv  .Toojrorr.Tor  tov 
jtatgbg  .  .  Eixova. 

Meth..  De  resurr.  1.  I.,  35  [ed.  Bonw., 
p.  125, 13  sqq.  Cf.  Phot.  bibl.  c.  234,  ed. 
Bekker.  T.  II,  p.  293a,  38  sqq.]. 


o    yag    9-sbg    extiöe    zov    at&gomov 

Irr)  dcfttagoia   xai    Eixova   zijg  löiag  ai- 
AiÖtijtoj.  ejcohjöEV  avzov. 

Meth.,  De  resurr.  1.  I,  36  u.  50  [ed. 
Bonw..  p.  127,11  sqq.  und  160, 4  sq.  Ist 
Bibelzitat  =  Sap.  Sal.  2,23].  Cf.  Proc.  1. 1. 
164  A.  

.  .  xa.TirOy.träüfh/  6  di-froorro-.  zoig  t; 
Xoucolg  Tv>r  ayad-cav  xai  r<r>  avzE^ovoica 
zrjg  ücgoaigiöEmg  r/)r  .too:  zo  frsZov 
di(cöo)Zo))'  oiioicjoir.  .  .  . 

Greg.   Nvss..  Orat.  cat.  c.  21. 


11.3.   M;ik.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  ..Schnpfun^sireseh."        157 


.  .  t<~)  (isXXovzt  ßaöiXsvEiv  .  .  . 
Greg.  Xyss.,  De  cond.  hom.  c.  "2  [cf. 
oben  S.  153]. 

teXevxoIoc,   .   .   ii^ij/ihij    o    avd-QOMioq. 
Greg.  Xyss.,  De  cond.  hom.   e.  2  [cf. 
oben  S.  153]. 

/}  drthocjrrii-//  gwöic,  exeiör]  ngöc 
(XQzrjv  toZv  dXXmv  xareoxsvd^Eto,  6ux 
r/}-     .700:     tov     ßaöilea     tov     jtavroc 

6(lOlÖT1>}TOQ  OIOV  TU  iinl'r/iu  eIxCOV  aVE- 
OTr.ihi,  xoiVCOVOVOa  t<~>  r.nyiTrrra  XCU 
Ttjg  d^ic.j  xat  tov  ovofiaroc,  ov  jcoq- 
(pvoida  ütsQixeifiivrj,  ovöl  ox/^TTOf^  xr.) 
öiaörj(iati  trjv  dgiav  EjciOiftialvovö'a 
(ov6l  yao  tb  rjjyiTvrro)-  ev  roiVo/;  sötlv), 
aXX  dvxi  iilr  rrjq  aZovoyiöoq  rrjv  aoExrjv 
))i(<l (hüin '>•//,  6  <h)  jtdvxoov  ßaöiXixmxaxov 
eö&rjfiäTCDV  \oxiv,  dvxi  61  tov  oxtjJctQOV 
ti'i    [/axaoiOXrjXt    t7j-     rJh'jw.Cilc-    EQEl6o- 

(itvrj,  dvxi  61  tov  ßaöiXixov  6ia6t]fiaTOQ 
tco  r/)_-  6ixaioövv?]c  Gze<pavcp  xexo- 
öfirjfiivrj. 

Greg-.  Nyss.  1.  1.  c.  4  fl.  1.  ]>.  53]. 


Ei   A";    xat   r<)   dXXa   övvsgExd^oig    6t 
cov    to    d-Elov    xäXXoc,    y<:nc.xT>ioiZ!Tt:t. 
;rn/'i<ni-    XCU    JCQOg    EXElVCt    6t      aXQlßEiac, 
rxoZoin'njr  ev  r/j  xal)     rjfiäg  ;  Ixovt   tt\v 

OflOlOTTJTCt. 

'  Greg.  Xyss.  1.  1.  c.  5  [1.  1.  )».  54]. 


II   yaQ    slxcbv   El  fit  r   :'y;t    Tt]V  JCQOG,  TO 

jtooyroTVMOV    o/ioioxijxa,    xvqIcoc,    t<>it<> 
xaxovofiaQ  Tai. 

Greg.  Nyss.  1.  1.  c.  16  [1.  I.  i».  84].  Cf. 
c.  1  1  |l.  1. 1>-  66]:  Ij  ydg  eIxojv  .  .  .  fti(i?)Oiv. 


.  .    0    dvfrOOJJtOG   .   .   .    ElxOVl    |sc.    Ihm- 
r:  TLftfjfitVOg. 


158 


S'chalkhausser,  Makarios  Magnes. 


"l'Wt  6  t  /.CA  /)  avz- 
B^ovOLorrjC  to  ßaoi- 
Xvxov  xal  l.T/joia )'or 

r/y_'    (pVöEGOG   TOV    (XV- 

froojjiox)  xal  jcqÖq  t/)v 
ß-siav    tlxova   liiq^- 
(>£<_■      ütQOcpavicxata 
ösixwoiv. 
Th.  5, 1—3. 


Greg.  Naz.,    Or.  44, 4   [Maurinerausg. 
T.  L,  p.  837  D]. 


Kai  xaxd  tovrov 
tov  Xoyov  xal  yu- 
Qciiv  &-80V  toyov  6 
avd-Q&jcog  öiä  to  t'i- 
fiwv  [öia  T/)r  tifirjv 
Cedr.]  xrjg  xaraöxEV- 
//-•'  ßovXrjg  yao  tv- 
SQysia  to  jcäv.  Ena 
fisra  Ttjv  tovtov  öid- 
xXaöiv    t'i    fffjot)'   tj 

Th.  5,3—5. 


ejceI  <Vor  ovfucada  elxmv  E[Mptoqg 
aQyhxvüica  jiaoaÖEiyfiaTi,  tcoXXcu  tfslölv 
dröiioioi,  xQogsjisörjfiijvaro  ehcmv  t<~> 
xax    elxova  to  xaif  oiioioöiv. 

Philon,  De  opif.  mundi,  c.  23  [ed. 
Colin,   ])•  24, 8  sqq.]. 

i/iit/ji/a  Trjg  lölag  slxovog  tftxpeosg  slg 
tov  v.önitov  elgf/yaysv  [sc.  Gott  den 
Menschen]. 

Meth.,  De  resurr.  1.1,34  [ed.  Bonw., 
p.  123,  1]. 

7/  idi'  yag  <pr//)  to  ßaüiXixov  ti  xal 
tjTtjQin'vov  avtad-sv  ösixwöt  .  .,  ex  tov 
döecücoTOV  <ivt>iv  sivai  xa)  avts^ovöiov, 
.  .  xal  Iti  .t(>Ow.-  Tovxoig,  to  t7^  övva- 
örsvovöijg  tcöv  jrävTov  gwOECog  elxova 
ysveöd-ai  ovösv  eteqov  eOtiv  /}  evihvg 
ßaöiXlda  dijfiiovQyqd-rjvat  t/)v  (pvöiv. 

Greg.  Nyss.,  De  condit.  hom.  c.  4 
[1.  1.  p.  52  sq.]. 

.  .  Talg  savTOv  ytoo)  xatadXEvdoag 
[sc.  Gott  den  Menschen]  .  .  .  xal  övXXq- 
ßdrjv,  oiov  av  >j  to  jcoiovv,  xaxd  tov 
avrbv  ovxcog  Xoyov  toiovtov  xal  to 
jioiovfiEvov  l|j  avdyxijg  ajtEQyd^EOd-cu 
ovfißaivEi.  6  dl  d-Eog  xal  dd-avaöia  xal 
Zot/)  xai  ätpd-aQOia,  tgyov  de  avd-Qamo% 

d-EOV. 

Meth.,  De  resurr.  1.  I,  34  [ed.  Bonw., 
p.  123,  2  sqq.].    

Ei    Tl/llOTEQOV    öSfia    avd-QGtJCOV    Ti~)V 

aXXcov  Zc)o»\  Öti  ytooi  t:   9-eov  Xe'yEtat 
jiEJiXaOd-ai  .  . 


11,3.   Mak.  Magnes.  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgeseh."       159 


nc 


TlVOQ  fCLQlV  T/jV 
sßdo/ltJV  rjflEQCCV  //>- 
Xoyrjosv  ö  d-EOG  (10- 
vov}  /.et  (,,"/J  Tr- 
JtdöCCQ;  ort  SXCCOTT) 
T(~>v    CtXXüJV    EX    t/jj: 

iv  ''i'T)~i  yevofie'vrjc 
dnfiiovoyiac,  i  <>yj  v 
r/)r  EvXoylav.  Em  i- 
Öfj    6\    E/IEXXev    rj'r/) 

i/H'nr       ayt'QaöTOG, 

flfjdl  ttir..  .'/'  ri-T/j 
y;  roui'r/j-      ÖlJfUOVQ- 


Meth.,  De  resurr.  1.  II,  22  [ed.  Bonw., 
p.  238, 4  sq.].      

Kr.)  yvojoiöEig,  daxrtov  yijivov  iri-r  vjj 
ffröit,   tgyov  61    fhioi'  ynoi'ji'. 

Bas.  Hex.  VI.  P629,117D. 

.   .,   DVD    .7io}     T/j~     ZOV    ÖCOfiatOg    <)(<:- 

jtXaöeoiQ  ijfilv  diaXhysxai.  Kyh  xat  rov- 
tov  tov  Xoyov. 

Ps.-Bas.,  De  hom.  struet.  or.  II,  1. 

[Bas.  opera,  ed.  Garnier.  Par.  1839, 
T.  Ib;  p.  480  B]. 


.  .  ßovXr)  jieqi   avd-Qcbjzov'    .  .  Kard- 

iii'.t);    saVTOV    TO    TlfllOV. 

Ps.-Bas.,  De  hom.  struet.  or.  1.  P<i 
30,  col.  13. 

Karagtoi  iöiq  X£lQl  äiajtXdöm  to 
fjfitTSQov  ocüfta oxi  fiiya  av&Qcojcog' 

to  ;/h\  öid  T/)r  r'/.tjV,  eg  //-  xatEOxEva- 

OTI'.I,    <')J,    OVÖtV  Tl    y.(CT(C  TtjV  IdUxv  (pvötv 

Aoyi^ouivij)''    to  61,  öid  xi\v  vifutjv,  r\v 

TlTll(/jT(({    .   .   . 

Ps.-Bas..  De  hom.  struet.  or.  HP 630, 
col.  40.  

77  6i]ücoxi  dia<ptQOVT(oq  xrp>  eßöofitjv 
tjfisoav  svXoyrjösv  0  9-sog; 

'Ey.r.üTij  tcov  äXXcov  f](ieoc5v  löiav  Viva 
örjfiiovoyiav  eöt^axo.  hcsiöij  toiwv 
iti'yoi  tavtrjQ  ovfutaöav  tr\v  xrioiv  E&q- 
iiioroyijin ■•  •  de'doaxev  avtl  öijfiiovoyiag  ifj 
eßdofift  '/!'!0['  t?]V  evXoyiav'  ?va  ;i>i  fiovrj 
rri'.nr.   tag  äXXaQ  dytoaOTOG,  (hi'.ir,  irij. 

Theodoreti  ([u.  in  (Jen.  21. 


I  r/.oy/joir    orr    y.r.i     ctVT/jV      <:r:     rag 
usv    XoLjcac,     to    ti  jtouGcu    tv    avtal$ 

riu /die-. 


160 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes 


yiag,    rorror    yaoiv 
ijvloyt'i^)!    xa)    avTtj 
vjtb  B-eov. 
Th.  5,11—15. 

TrjV  Äoyrxtjr  voio- 
öraöiv  Tifirjöcu  rroo- 
irifiEVog  b  {rsbg  <\<fo- 
QiOfisvov  xaraoxev- 
tui-i  xa)  XafiütQOV 
<tix)jT)](>i()f  xal  xaörjQ 
ys'fiov  O-Vfirjölag  xal 
xad-lorrjöiv  exeI  xhv 
'.  tödfi.  'Eon  <)l  .  .  . 
d-avfiaoai  xr\v  a<pa- 
xov  tov  frsov  cpiXav- 
frowjtlav,  Öti.tio  .... 
iavrov  x(c)  ysmayslv 
ejceÖwxe  öid  toi'  av- 

froomov öid  Ti]r 

.t(>o^-  rov  avfrQcoüiov 
Tiinr  xal  (pvrovoybg 
ylvExai,  . . .  tovöe  rov 
xoöfiov  ex  tov  ///; 
ovTog    slg    ro    stvai 

d-ehfjöEl    (lOVfl    ülCtQOr 

yaycov. 

Th.  5,  20—30. 


Theodor  in:  Theodoreti  qu.  in  Gen.  21. 
Cf.  Proc.  1.1.  141  B. 


•  v  TU  QOJtjj  tov  ihÄ/'jfHCTOJ  i/'ir/j  ;i. 
ro  elvai  .~T<co/'/yayf  tu  [isyEJh]  tojv  oqoj- 
fiivwv. 

Bas.  Hex.  I.  1.  1.  8  C. 


Ekhr  [sc  b  öidßoXog]  oti  o>]x  ijQXEöfrtj 
6  q>iläv$Qco3iog  9-sbg  zy  t/jj:  yrjg  äjto- 
XavOEi,  al/J  eig  Et-aigerov  Evöiattiftia  .  . 
rov  av&Qcojtov  .  .,  Ixit  xartOTtjötr  ev  xrh 
jcagaöelöcp. 

Ps.-Basil.,  Hom.  in  aliquot  scripturae 
locos  [Bas.  opp.  ed.  Garnier,  Par.  183!>. 
T.  II.  p.  845  D]. 


rjv    öe    l^a'bQETOV    avrov    [sc.  AdainsJ 
oix//T/'/oioi'  o  üiaoadsiöog. 

Sever.  PG  56,484. 


Kai  EtpvTEVösv  .  .  .  [Adam  wird  ins 
Paradies  versetzt].  Baßal  r/yj  rifiqq  tov 
freov  Ttjc  elg  ijfiäc,  ysvofievrjg]  ßaßal 
r/jc  cpiXavß-Qcojtlag,  fjg  EJtsöeit-aTO  toj 
yEVEt  t(~jv  «vfhjojrroji'l  .  .  .  ov  ydg  >)<>x:'- 
ofhj  >j  a<paxog  (error  xiyÖEfiovla,  ex  tov 
(itj  bvToq  (error  lrroi//Oti\  .  .  . 

Ps.-Chrysost.,SermoIII.inGen.,PG  56, 
col.  530.    '  

.  .  ov  [sc.  tov  xaQaÖELöov]  (jfivrovQybg 
o  drjfiiovQybg,  E^aiotTcn  yrjjzovup  y£WQ- 
ytföag  rb  Öojqov. 

Bas.  Seleuc.  or.  II,  PG  85,  col.  40BI  . 


Ovxovv  Em   yrjg   6  jcagdÖEiOog,    B-eov 

TTjV  .T(>0_'  avd-QQlJlOV  EVÖElXW(lEVOV  GJIOV- 

övv,  xc}    ur,    toi-   aXloig   Koioig   ouoimc 


iL  3.   Mük.  töagnes  nicht   Verfasser  d.  „ Schöpf ungsgesch.".       161 


Ooäv  ovv  f)v  xai 
u-Ttclhi-  rrjv  T/in^r 
rrjv  i/iri:  ravra  tov 
ävß-QWJiov,  rp  •'''/<'■ 
^i  avrrjg  trjc  y;r:'- 
OEOiQ.       "Homo     yi'.n 

<"/>'-' ''J'/.'l-  Tl-  TC"":" 
/.cih^u  'Aödfi'  xai 
0  !h<>-  fjyt  3CQ0Q  i'.r- 
Tor     TCL     iirnic     XO~)V 

drjQicov  xai  t<:>i-  xtrj- 
vcöv  xai  T(~>)-  jtsrsi- 
vöjv  yivr],  iva  rjye- 
ftova  tovtmv  X8lQ°" 
Tori'/jit,  ov  /.c.T  ii- 
xovaidiavjzEJtoirjxei. 
Kai  exeIvoq  in  r  9-sim 

XaXOJlVi  rc,!);  lg       ycj 

jtoorprirtxoi  jcvsvfia- 
r/,  ov6(iaxa  xvQia 
exdorm  trov  aXoymv 
tjcifhjxev'  vd  de  ^o}a, 
ex,  t;  o  Tifirjv  (isya- 
/.ti>-  ex  trjc  i-rr/.'/.i- 
Otcoq,  Xaßovra,  ov- 
rcoc  i  v  ovyvyia  rrt:  - 
yojnorr. 

Th.  ('s  1—8. 


avrbv  ovyxojQrjGavroG  vtfieöd-ai,  exxgirov 
dl  ywoiov  ütQOG  xarotxrjöiv  crrori  ii/cito-, 
ojceq  jcqoteqov  dvidymv  <>  r)Äcoc  xata- 
h'.u.-Tu,  oq  rjdv  jcoleI  tolc,  dvß-QWJtoiq  tb 
sjcl  yfjq  ovxrjrrjQLOV  talq  dxrlot   <paidov- 

VOTV    tt\V    -'/>.       'EtpVTEVöE    ÖE,     (fl/'U.     TO 

UaioiToi-  vrjg  üceqI  tbv  tojtov  EJtifiEXsiag 
ÖEixvvq  tov  9-eov,  rj  jcgoq  trjv  dvQ-Qomov 

6WETEÄEI    tii/Ü-. 

Procop.  1.  1.  157  C. 

i'ia/./.;  yao  idovta  [sc.  td  aXXa  >>a 
den  Menschen  |  .  .  jiqoqxvveIv  mg  av 
ijhitönc  (fron  xi'.)  ÖEöjrorrjV'  .  .  .  avtor 
ö  jcarijQ  Sjiitorixoi-  cpvOEi  £mov  ovx 
egym  fiovov  aXXa  xai  t(]  öid  Xoyov  /;  kj<>- 
rovia  xaMörrj  t<~>v  vjtb  GEXr}V7)V  axav- 
zmv  ßaotXea  yEQGaimv  xai  Evvögmv  xai 

aEQOJIOQmV. 

Philon,  De  opif.  mnndi  c.  28  [ed. 
Cohn   p.  29,  4  sqq.]. 


UayxdXmg  61  xai  trjv  &egiv  tmv 
ovofidrmv  dvrppe  rm  jzocbrm'  .  .  ■  EfiJiQEJtEg 
(V  Ijhuöri  jcQogayoQEVEiv  sxaGrov  tmv 
vjcnxomv.   .  .  .  tmv   >y   dXXoyv   c.närTvn- 


mrjxot 


Gott    den    ersten 


fjyEfiova     rilh.'u    [sc. 
Menschen],  .  . 

Philon,!.  I.e.  52  [ed.  Cohn,  p.  51,23  sqq. 


'Hyaysv  <:<:t<\  [sc.  r«  C,ma]  jtgoQ  tov 
'Addfi,  iÖElv  .  .  ovopa  avtrö.  BXijcs. 
EjcEiöt  i.ToiijiVcV  avrbv  xar  slxova, 
rid-t'XrjöEV  ./'-  otyiv  jiooqEveyxai  y.<u  trjv 
nu^r.  y.ca  ösie-cu  dXrj&mg  ort  rpeQBi  trjv 
iiy.urc  tfjc  GOfpiag. 

Sever.  Gab.,  PG  56,  col.  480. 


'O  \\i\cii  jiqo  trjq  jtaoaßdöEfOG  IxejcX'- 
qcdto  öoiplac  /.tu    öwidEcoc   xai   tj<"i  >t- 


Texte  ii.  Untersuchungen  etc.  31,  l 


162 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Botj&br  XJyti  xb 
frrjZv  .  .  .  övvsQyslv 
iitXXovrrödrÖQljTQOc 
xrjv  tov  ysvovg  avfgrj- 
dlv  xt  xal  diaiton])'. 

Th.  6, 11  sqq. 


.  .  ,  ovx  tx  yvg 
.irXäxxeixb  {rijXv,  xa-d- 
dxbQ  xbv  ävöga,  . . 

Th.  6,18—19. 


Kai  sv&vg  ojj,  xey- 
vlxrjQ  xal  Icctqoq 
övvxouoq  xb   Xeljrov 


xeiag.    'Ewoijöov  oötjv  ii'y:    Oo<piav,  ort 

sjzrjQxsoev    av&Qcojiog    :i- Ihivai 

ovofiara   oXoig   jtsTsivolg  .  .  .    Ort  ovv 
xgogrjveyxev  6  9-sbg  xa  Z(~>c  xm  dvd-QOJ- 
jcco,  cog  öotpbg  xal   i'yov   d-sov  üivevfia, 
rt])-  exäöxov  iötoTijza  h'ßZejie. 
Sev.  Gab.  1.  1.  col.  486. 


Ovxcog  öh  öv^vyiai  fiovai  r\6av  ort 
xal  övvrjyayev  avxd  evmjiiov  'Aöä/i,  iva 
ovbfiata   tjrithj   xovxoig   cbv    faiXX:    ös- 

ajroCtir. 

Proc.  1.  1.  101  C. 


.  .  jtoirjöag  [sc.  frsbg]  avxa  [sc.  xa 
akoya  Cfö((]  xro  >A6du  <')~  av  dcorrÖTij 
xoogrjyaye  .  .  Jigogragag  sjti&slvai  ror- 
xot^  ovo/iara. 

Proc.  1.  1.  172  B. 


ug  öiafiovrjv  tot  ysvovg. 

Bas.  Hex.  VII.  1.  1.  157  A  [Zusammen- 
hang jedoch  ein  anderer  als  bei  Theodos. 
Melit.  Bas.  redet  von  den  Fischen.] 


sig  xt)v  xov  ytvov^  öiafiovrjv. 

Gennadii  fragm.  in  Gen.  PG  85,162!)  I) 
[Zu  Gen.  1,  22,  also  von  den  Tieren 
bemerkt]. 

KaixoL  6t  övvdfievog  [sc.  o  frtb^]  xal 
Im  xavxrj  [sc.  bei  der  Erschaffung  des 
Weibes]  Xaßelv  fisv  yovr  djtb  yrjg,  öia- 
jtXdöai  6t  xaxa  xbv  lö&v  xqÖjiov  xaB^ 
ov  xbv  \i6(\ti.  tovro  utv  ov  xoiei. 

Procop.  1.  1.  172  CD. 


.  .  tXaßtr  b  9-ebg  /aar  tmv  jtXsvQOtv 
avxov  .  .  .  Ovx  djrtojtaotr  avvrjv  ßUx, 
.  .  .  dXXcc  0-iXovßa  /  yQagyri  rb  övvxofiov 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  rScköpfungsgesch.~.       1(J3 


dm    öaoxoq  <\r;rr).i\- 
qcoösv. 

Th.  6,  24  sq. 


Elia,  hcsivoq,  cctb 
thi  io  rm  's  vfiazog  iar- 
oyipq  atv,  syvoyxmq, 
ort  Ic,  avrov  i]i\  (f)j- 
oiv'  tovto  oötovv  Ix 
t<~)V  oöricov  (iov,  .  . 

Th.  6,  28  sqq. 

'Oqc5v  ovv  6  'Aöafi 
tf}V  yvvaixa,  ovy 
coq  yvvaixa  freatfievog 
Ijiaöytv,  dlX  mq 
kavrbvoQcöv  xvevfta- 
vixcöq  evg>Qaivsto,  .  . 
S&öavroq  61  xal  i] 
yi'i'/j  9-scoQovöa  tov 
avÖQa  fisydXcoq  rj- 
ydXXszo. 

Th.  6,32—7,2. 

OVTWV  ovv  avrajv 
ev  Tfö  jra(>adtio(:j  r/7- 
TQvcpijc,  vofiov  61- 
öcoöiv  avtolq  6  tteog 
tx  svsQysöia,  tov 
6el£ai  (i\  v  lh  rlh'oc.)' 
T/)r  fjpvöiv  ev  T)'t 
avregovöiOTiyzi,  vjto- 
6el£at    6h,    mq    vjto 

ÖBÖJtOTIJV    XVA     X/t<): - 
flövtc   i  io),  )Äyo>V  ())'- 

vcog,     djid     Jtavroq 

§vXov  .  .  . 
Tl..  7,3—8. 


6et£,ai  tov  Tt-yi-iTor,  Xiysi,  eZaßsv.    'Eh'- 

ih/öC)'    Ol    aQflOt    Xl'A    OVX    ijöfhlTO. 

Sever.  Gab.  or.  V.,  PG56,  col.  482. 


•  •  ßQaXt}  T{  KBQtt  tovtov  laßatv  [sc. 
Gott  von  Adam  bei  Erschaffung  des 
Weibes]  x<>\  jiooövgyrjvaq  to  Xsljtov,  .  . 

Procop.  1.  1.  172  D. 


(ff/öi  yäo,  tovto  vvv  oötovv  .  .  n'dtc 
jtvev/iaTog  ayiov  xoivmviaq  taTtyovTc. 
tov  'A6d(i  .  .  .: 

Ps.  -Chrysost.,  Sermo  III.  in  Gen., 
PG56,  col.  5.31. 


'EjtsßaXe  .  .  .  [Erschaffung  des  Weibes] 
.  .  .  ttÖöi^  £v<pQ06vvrjq  acrov  [sc.  Adams] 
']  '/'rZ',  ln.~rii/.T/.(CTo  xoivojvov  BscoqSv 
ttjv  yvvaixa,  .  . :  jtoörjq  frv(irj6Uzq  xal 
.voo<f //Ttiic-  t]3.io')ihj  ev  tcö  d-sdöaö&at 
A6ct(i  Evav,  .  .  :  ofttv  ev  dyaZAidöst 
ipvxfjq  rroo'cff  )Ti:vö£v  dvag>av6bv  ttjv 
ilh'jhir.v.  ff/jß)  yäg  [folgt  das  oben  mit- 
geteilte Zitat]  .  . 

Ps.-Chrysost.  1.  1.  col.  530  sq. 


evsTslXazo  yaQ  xvgioq  o  9-sdq,  iva,  eI 
idv  .Tillho/To  Talg  wcaQaiviöEöiv,  vjzo  tov 
freov  svEQysöicov  dgto&d'sir},  si  AI  d<pr\- 
viüCoi,  vüco  tov  xvgiov  o-  6eCjcotov  X(Cl 
e§ovöiav  ryovToj.  OxoQaxl^oiTO. 

Philon,  Leg.  Allegor.  1.  I.  c.  30  [Phi- 
lonis  opera,  Vol.  I.,  ed.  L.  Colin,  1896, 
I».  Sli.lOsqq.].       

/•.'/..'  ilhoov  yaQ  xal  avTEgovOiov  hxol- 
rjoev  o  9"£oq  zbv  av&Qatjcov. 

Theoph.  ad  Autolyc.  1.  II  e.  27. 


!! 


164 


Schalkhausser,  Makarios  Magnee. 


Ili    (V    av    ^fitga 

((('r/ijTi  <\.-r'  error, 
lhari'iTf;J       CUlO&t  IVEL- 

üih,  rorr'  kört  lh'/j- 
to)  eöeO&e.  Oi'tcj. 
yro  xai  6  2v(i(iä%og 
SQfirjvevGev'   >j  ff  av 

////;'(/(!  'fl''/)/  (!.70  TOV 
§6Z0V,     d-VfjTOQ     ."V 

Th.  7,8—10. 


AZZa  (irjTiq    vjto- 
hxßoi,  ort  To  gvZov 

TOiaVTfjq  ijV  tyVöECOq, 

<■)-  yvcüöiv  naoiyEiv 
xaZov  xai  jcovtjqov. 
Ov  yro  6/j  ßZaßEobv 
tv  jcagaöelöa)  n  rjv. 
Ogoq  yao  iTi'ihj  ejcI 
T(~>  <f  mm  jiobq  yr- 
(ivaolav  tr/Q  eZev- 
Ih oiÖtz/to-'    xai   OTI 


Tovtov  lihro    (isv   i  r   TCÖ  xagadEiöq), 

.  .  t<~>    avze^ovoicp    Tifirjoaq y.r) 

ÖLÖoiöl    VOflOV,    üZtjV   TCO    avzE^ovöUo. 

Greg.  Xaz.  or.  38,  c.  12  u.  or.  45.  c.  v. 
[Maurinerausg.  T.  T.  p.  (iTO  B  G  und 
850  CD].  

Ovxovv  IrriOxi  il-(':o!ht  .  .  .  TTjV  vjceq- 
ßoZqv  rFt~  9-eUxq  irtoy:  oie.-  '  xdya  yr.o 
av  (läZZov  dlAt  TOVTOV  rroo-ry'<>:  iir 
d-avfidöai   TtjV  yagiv   rrjq  jceqI   top   av? 

0-QCOJtOV    TOV    9-EOV    XTjÖE/lOvUlC. 

Greg.  Xyss..  Orat.  catech.  c.  8  [Greg. 
Nyss.  opp.  ed.  Fr.  Ducaeus,  Par.  1638. 
T.  III.,  p.  59  B.  Zusammenhang  anders 
als  bei  Theod.  Melit.]. 


hvravd-a  (ievxoi  toi-  vijq  Dvi^tÖt^to. 
oqov  ojröiic.oi  0-dvarov'  ovzco  ydg  xai 
6  JJvfifiaxoq  qQ(ir)VEV6£V'  >j  ff  av  r^iEQq. 
<(<■-;>!   djeb  tov  §vZov,   dvrftbq  ;'<~>>j. 

Theodoreti  uu.  in  Gen.  38. 


Tiji'  dl  r>~_-  ajtEtZrjq  rifimgiav  ovx  ;i- 
vo  r.rrolh'.nir,  aZZ  sie  to  ysvEdd-ai 
UrtjTov  e^ejcZtjqcoöe. 

Procopl  1.  1.  168  D. 


.  .  trrrv  vofioq  xeZevöI]  erriy;  <ith:t  ajco 
nvoq  xa\  (irt  vjtaxovfl  Tiq,  öijZov  ort  ory  ö 
v6{ioq  xoZaOiv  rrr.oi'yj  i.  dZZa  .  .  rt  jeagax^ . 
Kai  y>:o  jtatrjQ  löiqj  texvco  ev'ioti  Jioog- 
Ti'.öön  r.n{yiin)cä  tivojv,  xai  Ejcav  ovy 
r.Tcxorii  ry  JtatQtxjj  EvroZfj,  .  .  EjnrLjiiaq 
Tryyr.vht  (Sir.  TTJV  JzaQaXOljv'  ....  OV 
iitVTOL  yE  coq  xaxov  ti  typvxoq  TOV 
gvZov  r/'jj  yvmöEmq. 

Theopli.  ad  Autolycum,  1.  11  c.  25. 


[1,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       165 


ov  tu  §vA.ov  avxiov 
tF/.  yvcoöscog  xco 
',  iöafi  yeyovs,  6r\Xov. 
IT  yaQ  ivzoXrj  cog 
jcqoc,  siöora  äfigxo 
idnlh/.  xo  t'<  xaXbv 
xai  xo  ütovrjQov,  xryv 
t;    vjcaxorjv  xat  r/}r 

3iaQCCX0ljl\       e'jOTi-      /j 

yvmCig  jcgovXaßi  xryv 
ivroXrjv.  isdoxai  dt 
avztj  6iä  xo  (mg  :i- 

Ot/TCl)        tWTSsOVÖtfp 

ßovÄrj/iaTt    xtvovfis- 

/■(>)•    XOV    aV&QmJtOV, 

L~r'  dösiag  t;  tyovxa 
cacb  ütdvrmv  fiEra- 
Xa/ißdvsiv    xmv   aX- 

/.or     ÖtVÖQCOV,     EVOC 

<\i  fiovov  vofim  jtgog- 
tcctt/h/. )(>)•  r.m'yj- 
öß-ai,  yivmöxEiv,  cu 
vjto  deöitOTijv  fori, 
xbv  xai  X7]v  evzoXrjv 
ÖEÖmxoza. 

Th.  7,  11—21. 


ov  yr.o  jzowjqov  ri  egwrevösv  o  d-Eog, 
///}    yivoiro,    aXXa    xai    avxo    xo    §vXov 

[sc.  der  Erkenntnis]    sg)VT£VOe  xaiQcp'.  . 
Epiphan.,    Haeres.    64:     Contra    Ori- 
genem      [Epiph.    opp.    ed.    G.    Dindorf, 
V.  II.  Lips.  1860  p.  674]. 


-/.CA  öiömöt  vofiov,  vXtjv  xco  avxE$ovOim. 
6  61  vo/iog  rjv  hrzoXr\,  mv  ti-  fteta- 
XrjjtTEOV  avxm  <(vj(~>r,  xat  ov  ///  jcqoq- 
ajcteov.  xo  6e  t}r  xo  §vXov  t/}.  yvmosmg, 
uct:  <pvxEvd-EV  <\.t  >'<jyJi-  xaxmg,  .  .  . 
dXXa    xaXbv    ftev    EvxaiQmg   fjsxaXafißa- 

VO[lEVOV. 

Greg.  Xaz.  or.  38  c.  12  [Mauriner- 
ausg.  T.  I.  ]>.  670  C]. 


.  .  xm  avxE<-ovöim  xivrjfiaxi  toi-  xaxov 
xt\v  xoivcoviav  EXEöJtaöd/isd-a. 

Greg.  Nvss.,    Or.    catecli.  c.   8   [Greg. 
N\ss.  opp.  ed.  Par.  1638  T.  III  p.  59C]. 


Aia  t'i  61  oXmg  exXrj{h)  guXbv  yvmöxbv 
xaXov  xai  jcovtjqov;  ov  xocavttjv  viyj 
(pvöiv,  aXXd  xoiavxrjv  rjvsyxsv  vito&s- 
iitr.  .  .  .  Ovxm  yvmöxbv  ir  xaxov  xai 
dya&ov  xo  ÖsvÖqov,  ov  yv<r>oir  naQ&yov, 
dXX  djcb  r/~_-  nagaßdcsatg  öiödöxov 
avxov  [oder  crTrr]  .  .  .  Uolov  ovv  eyvca 
/.('./.uv  tj  xovxo  fiovov,  ort  xaXbv  >]/•  xo 
vnaxovöai  9-Em,  /.c./.or  6t  xo  ücagaxov- 
6ai   9-eov; 

Sever.  (iah.  or.  VI.,  PG  56,  col.  488sq. 


.  .  .  ßaöiXevcov  [sc.  der  Mensch)   crr- 
E^OVö'im  ßovXi  riicTt AiAc//.!    VOflOV 

avto}  [sc.  9-Eog],  yv/ivd^mv  t)>-  atyEOiv' 
Bas.    Seleuc.    orat.   III..  PG  85,    col. 
■V.'A   u.   C. 


166 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


!  //./.'  ö  fythoo.  r/~_- 
rjfisTEQag  cpvOEcaq  ßa- 
öxrjvaq  Lti  rij  jcoXXfj 
zififj  tov  dvd-gcojtov 
yj'.\  (pd-ovov  r/y.töo/j- 

Oc.J    TOV    3ZQOC,  CCVTOV 

r/gazo  xoXEfiov  xc.) 
tov  o<piv  hvövq  eüie- 
ot)j  T)j  yvvaixl  äjiov- 
Toq  tov  'Aöd/i.  I\ci 
jcavovgywq  avrrjv 
tov  övfigpigovroq 
jtagazgEipdfiEvoq  öcd 
ipsvöovq  xtCi  tov 
Adafi  TavTiß  dvv- 
:  Sa.-ri'.T/joe.^.  rrcoc- 
ß(CTfC^  TOV  O-Siov  JCCCQ- 

eöxevccöe  vopov  ys- 
yevrJG&ai. 

Th.  7,24—29. 


ZlJTOVflSV    6h    JCOTSQOV    T/j     (fron     ZCOV 

(h'rdcHor  exstro  tov  id>-  t/cooütOLElv ,  to? 
de  zrjv  yveaöiv  kvri&ivcu   xaXov   ti   /.<ü 

jcovrjQOv Tb  cJe  bteqov  £vXov  ovx 

tiytr  iv  T$j  (fron  tcöv  avTLxet/iSveav  ttjv 
yvcööiv.  "Ot'c  ydg  jcgogsrax^Oav  ftr 
tpayslv  .  .  ,  yÖEöav  xaxbv  to  qxvytlv  .... 

Td    OVV    ÖtVÖQOV   Öt?  OV  TOVTCOV  iXi'.TlOOV 

syivcoöxsro,  Ix  tovtcov  sixoTcoq  hcdZsös, 
TorrtOTtr  vjvaxorjg  te  y.ca  jcagaxofjg. 
Tovro  ydg  öijXol  to,  xaXqv  ti  y.rü 
xovqgov. 

Procop.  1.1.  161  BD. 


Asdmxt    6h,   tpaöi    Tivsg,    roi 
<\rro/)t   ydg  hvbg  vjrrjg%E   tpvTOV 
Procop.  1.  1.  165  D. 


o  dh  [sc.  öidßoXog]  .  .  .  (p&ovov 
iyxiooioc-   y.c.i)     fjficöv. 

Method.,  De  resurr.  1.  I  c.  37  [ed. 
Bonwetsch,  p.  130, 10  sq.].  Cf.  Epiph.  opp., 
ed.  Dilidorf,  vol.  IL,  p.  621  und  Photii 
bibl.,  cod.  234  [ed.  Bekker  T.  II. 
p.  293  b,  16].       

Ovtco  Jtovrjgbq  6  öidßoXoq,  .  .  .  Ilod-tv 
ovv  avrop  o  xgoq  rjfiäq  üioXsfiog;  .  .  . 
eßdöxijvsv  t]idr  r/~j  Tififjq.    Ov  ydg  rjvsy- 

XEV    f]flCÖV    TT)V    dXvülOV    C,COTjV    TTJV    SV    TCO 

jtagaÖELGop'     öoXoiq     61     xal     [itjxavaiQ 

E^ajcarrjöaq  ror  dvd-gcojiov Ekel- 

Aii   öe  yiyovEV  djtoozdrfjq,  .  .  lyltooj  öi 
avd-gcojtcov . 

Basil.,  Quod  deus  uon  est  auctor  nia- 
loruiii,  8  und  9  [Bas.  opp.  ed.  Garnier, 
Par.  1839,   T.  IL   p.  112  C   und   1 14  E  . 


Eiöt,   T)tv  jisgi    tu)-   avd-goojcov   th/i>\ 
EßdoxrjVEV  o  öidßoXoq  ....    'Ejcortjgsv- 


[1,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesck.".       167 


4>q6vi(ioq  61  iy././'j- 

(hj      O     (K(  /_■.      Ott     TU 

Xoyixov  C/cpov  tov 
ai&Qmxov  xal  tmv 
alXcov  (c/yiroiu  öia- 
(fi'aoiTf.      kt-ajiarär 

'  Th.  7,31—32. 


.  ioc.  öl  yj'.i  0  <>ff  i- 
toj  xctTa  jcQO<pooav 
Xoym   i ynijix'.To :    ov 

JtaVTWQ,'  ('././'  Ol  JCQ(0- 
TOJtXaGTOl .  c.t:  ■/.(•- 
xlaa    o/t;-    auiyelc. 


oc.to  o  öuxßoXog  OQCÖv  .To/./.tjV  djtoXavOiv 

xsQLQQtovöav  vm  dvd'Qtojctp, o  eig 

r/fiäg  xoXe/iog  [so.  tov  öiaßoXov]  .  . 

Ps.-Basil.,  Hom.  in  aliquot  scripturae 
locos,  c.  8  und  9. 

[Bas.  opp.,  ed.  Garnier,  Par.  1839,  T.  II. 
p.  845  B  E  und  847  B]. 


Kai  ov  yvfivbg  ütQogtQxexai  t%  Eva. 
6  öoXiog,  .  .  dXX  ev  svövfiart  tov  o<pecog 
jcQogofiiXsl  Ttj  yvvaixl  .  .  .  'AXXä  xr\v  tov 
og)£C9g(iOQg)7]V6vövöd(i£Vogo3cavovQYog, . . 

Ps.  -  Chrysost.,  Sermo  III.  in  Gen.r 
PG  56,  col.  531. 


Ttcog  (ihv  ovv  o  'Aödfi  dxivövvog 
dmjXavt  [cd*,  dazu  Theod.  Mel.  7,23],  .  . 
!//./.  /'j'/hioir  /)  'h'i:  jigog  ßaöxaviav 
öiaßoXov,  .  .  .  Elöi  .  .  .  jcagdöeicov 
oix/jT/'ioior,  .  .  .  <p&6vca  ßaXXofievog,  bfpiv 
o  dvjQicodiyg  svdvsrai'  .  .  . 

Basil.  Seleuc.  orat.  III.  PG  85, 
col.  53  C.  

Ceterum  mihi  videtur,  quoniam  prae- 
stans  illud  sapientia  auimal  seducturuni 
erat  hominem,  argumentum  esse  sapien- 
tioris  nun  integrum  genus,  sed  ille  solus 
serpens  ob  rationein  dictam. 

Philonis  quaestiones  in  (Jen.  131. 

[Cf.  Praechter,  Unbeachtete  Philon- 
fragmente,  Archiv  f.  Gesch.  der  Philo- 
sophie, IX.  Bd.  4.  Heft,  Berl.  1 896  p.  420]. 


An  huiuaniter  locutus  est  st'ipoiis?  .... 
anima  oostra  multis  peccatis  impleta  est 
et  Burda  reddita  .  .  .  . :  protoplastorum 
autem  (animae)  ut  a  malo  mundae  essen' 
et  intemeratae  acutae  erant  omnino  ad 
perceptionem     cuiuscuuque     vecis.     Si- 


IBS 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


dxgißeoxdxag    styov 

xac,  iciofh'jöirt^  xai 
rro'/.r  xcöv  rjfiSTSQmv 
ötaXXayeiöaG '  mdxi 
t/)i'  dxor/v  avxcovjtd- 
ö/y-  hjldgyßlV  qorij- 
dxovöxixrjV- 
Th.  8,4— S. 


Aeixvvvxai  yccQ 
xai    jcqo    t?jc    ßgat- 

6£<X>$  OQGÜVXSG  ix.  XOV 

h'yhdihu '    xai    siösv 

h  7rv'l-  OTl  %a%OV  XO 

gvXov    ug     ßgcöoiv, 

X(U  OXl   aQEOTOV  Ion 

Toicoq  9-aXfiolg  löelv. 

Th.  8,  20— 22. 

.  .  xa  r/yc  jiaiöo- 
jtouag,  .  .  .  ti'tdothj 
xovxoig  ij  .T(>o^-  dX- 
Xt\Xovg  alöcbq  [ob 
nicht  besser  6  .  . 
zqcdg]  ■  .  .  .7TOO--  xo 
avayxalov  xijg  öia- 
ööyijq  xov  yevovg. 

th.  9,  1—7. 


quidem  neque  sensus  liabenius  tales; 
uos  enim  depravatos  sortiti  sumus  .  .  . 
illi  vero  .  .  .  necesse  fuit  ut  prae  se 
ferrent  sensus  etiam  certiores  .  .  .  Non 
enim  frustra  arbitrantur  (nounulli)  oculis 
illos  praeditos  esse,  quibus  potnerunt  .  .  . 
videre,  queniadmodum  et  auribus  cnius- 
eunque  generis  voces  percipere. 

Philonis  quaest.  in  Gen.  I  32  bei 
Aucher,  Philonis  Judaei  Paralipomena 
Armeua,  Venet.  1826,  p.  23.  Cf.  auch 
Praechter  1.  1.  p.  416  sq. 

/'J/hTo  [sc.  ö  o<pic\  fiev  ovv  aXoyov 
cpgovrjOiv,  äXX!  ov  örjütov  xc)  ovXXoyi- 
OTix/jr,  ovöe  Xoycp  yjQoapitvrjv  üiQO(poQixS. 

Procop.  in  Genesin,  PG  87,  col.  180C. 


"Oxi  xai  .7(>o  r/yc  ßgmöemg  ov  fiefiv- 
xoxaq  elyov  rovq  d(pfraX(iovq}  ÖrjXov  .  .  . 
jcwq  yäg  elöev  >)  yvvrj  to  §vXov,  ort 
xaXbv  elq  ßgcööiv  xai  dgeoxov  xolc  oq>d-aX- 
fiolq  löelv,  xai  atgalov  Ion  xov  xc.tc- 
vorjöai,  h  in)  dvearyoxaq  eiypv  xovg 
6<pd-aX(iovq; 

Theodoreti  quaest.  in  Gen.  33. 

Cf.  Sever.  Gab.  or.  VI.,  PG56,  col.  491. 


>l  <y  [sc.  yvvrj]  .  .  yawxai  xe  xa)  dvxi- 
jtgoqgt&eyyexat  (ier   alöovq'  Sgarq  <S  Lti- 

yEVOfl£VOG  .  .  . 

Philon,  De  opif.  mundi,  c.  53. 

[Philonis  opp.  V.  I.  ed.  L.  Cohn,  1896, 
p.  53,4  sqq.]. 

(}/.).'  eav  xoivmvfj  xiq  t/j  yvvaixl  Jtai- 
öojtodaq  i'rtxc  xai  t/jj;  xov  yt'vovq  öiotr 

öoyrjs,  ■  ■ 

Method.,     De    autexusio,    c.    15    [ed. 
Bonw.,  p.  43,  3  sq.]. 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       K',1.) 


ix  (fr/./.cjr  ovxrjc 
ijiohioav  havrolc,  m  - 
Qi£>o)(.iaz<x)     i'.ii'itto- 

(ItVOt  Öia  TOV  J-r/.or 
Tor    TQ07C0V    t7j~    /.('.- 

xoxQayiac.      LI-  yr.o 

TjÖVQ     O     XCCQJCO$     T//- 

ovxrjc,  Toc.yr  AI  x<u 
JiiXQOxaxov  to  q>vX- 
).(>)',  ovtcoc  jzaöct  a- 

i/<:utii:  ir  tij  JIQ(X<-1 1 
ötixvvrai    ijdta,    i/i- 

T(\  <Y;  TCCVTCt  OÖVVrjV 
rrcoi'y;/  t<~>  jtSJtQa- 
y/>Ti. 

Th.  9,9—13. 

avzovc  .  .  .  avaxcc- 
Xelrat  cog  jcarng  <(t- 
Xoöxooyog  o  9-sdg 
/.et  (f)jrnr'  'Addft, 
yrov  si: 

Th.  9,  18  sqq. 


Ihn]      TijJi      y.r.Tc- 
6'lXllC,      TOJV     JtQtOTO- 

.7 XaOTCov  xai  tov  o- 


Cur  folia  ficus  consuunt  in  peri- 
zomata?  ....  quaravis  fructus  ut  dixi 
ficulneus  suavior  ceteris  est,  at  folia 
duriora.  Yult  ergo  per  symbolum  pate- 
facere  lubricum  ac  levem  videri  motum 
voluptatis,  vere  tarnen  durum  reperiri, 
ita  ut  fieri  nequeat,  ut  quis  sentiat 
gaudere  nisi  prius  dolens  et  iterum  de 
novo  dolens. 

Philonis  quaest.  in  Gen.  I  41  bei 
Aucher,  Phil.  Jud.  Paralip.  Armena,  Yen. 
1 826  p.  27  sq.     Cf.  Praechter  1.  1.  p.  417. 


0  ß-tog  tjficöv  bl'cil  .  .  Aia  rovvo  xal 
tov  Aöäfi  avzxalslTO  if(  tov  iliov 
(fi'*r>~h  Xiymv'    [lAr.it.  jtov  ei; 

Bas.,  Hom.  in  Psalm.  114,  c.  3,  PG  29, 
eol.  489  B. 

.  .  mg  jrarriQ  (piXoöTOoyog  .  . 

Ps.  -  Chrvsost.,  Sermo  III.  in  Gen., 
PG  56,  col.  528  [jedoch  anderer  Zu- 
sammenhang]. 

Kai  ly.i'.hüiv  o  9-sog  tov  'Aöäu  xcc) 
it.-rir  avxrö'  \\<)t\tt,  'Aöäfi,  üzov  et;  Uol- 
oc,  tpiZoöTooyoq  JtaxrjQ  .  .  e^iyrrjoe  vtxvov, 
.  .  .  .  ovtoj  xr.)  iaßlö  öutXaoidöag  dva- 
xaXstrat  .  .  toi-  'AßsoaXmfi. 

Procop.  I.  1.    197  CD. 


Tl..   9,22, 
schrift. 


über- 


St'lHtQOV  [sc.  am  Tage  der  Geburt 
GliristiJ  D.rfhj  /)  xaradixt]  tot  'Addfi. 

Ps.-Basil.,  Iluin.  in  s.  Christi  gene- 
rationem,  <>  [Bas.  « » f > i » .  ed.  Garnier,  Par. 
1839,  T.  II.  p.  857 B]. 


170 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


I/r  ovv  IöeIv  Xot- 
üiov ..  <hx(iOTt'jf>ior ... 
Th.  9,  22. 

TlVOQ     tVEXEV     £X~ 

ßdlXsrai    6    ävd-Qco- 

310Q,     Ix      TOV      JMXQCt- 

ösioov;  KaljcEQi  tö>v 
dsQfiarivcov  yjT(,)~ 
vor. 

Th.  10,3—4. 


.  .  r\6x>vaxo  o  av- 
9-Qcojrog  xai  in  tc. 
r/)r  jcaQaßaCiv  si~ 
aldovag  Ct'/r,  eI  sysv- 
öaxo  zov  rij~  C,oo7Jg 
gvlov.  \t<>  iva  in) 
xaxov  dd-dvaxov  ij  o 
ävfrocQjvoq  [Leon  Gr. 
hat  hier  noch:  rot" 
jcaQaöelöov  e^oötocc- 
xiZirr.i  .  .  .],  fh'ijTor 
i error  t\m<f  r\VOXO  6 
9-EOq  VEXQOTfJTl  JCEQl- 

ßaXcov.      Torrn    ydg 

Ol     (S'rOIK'.TlVOl      /JT(~>- 

vec,  örjficdvovöiv,  urro 
rov  Xoyov   Ttjc,   Ti~>r 


bjcoßißlrytai     t)j     xazaöixTß    rö    xmv 
yvvavxmv  yivoc,. 

Sev.  Gab.,  Or.  VI.,  PG  56,  col.  497. 


Arrtj  ttjq  xaza  tcov  jtQoyovcov  xaxa- 
ölxfjs  ccjto<pa6ig. 

Bas.  Seleuc.,Or.  III.,  PG  85,  col.  61B. 


"EZ&w/iev   Xoljcov  hm   to  öixaöTr/Qiov 
[nach  Sündenfall]. 

Sever.   Gab.   or.  VI.  PG  56,  col.  490. 


Ölä  Tl  yaQ  ltcT(\  TfjV  TCOV  yjLTOlVOJV 
T(ör  ÖEQfKttivWV  0  'AÖäfJ  XCCTCCÖXEVTJP 
ExßdÄÄETCU   .  . ; 

Method.,  De  resurr.  1.  I  c.  40  [ed. 
Bonwetsch,   1891,  p.  137, 9  sqq.]. 

Tivog  .  .  ■  yiTiöror  bei  Th.  10,3 — 4 
ist  entweder  Handglosse,  die  in  den  Text 
gedrungen  ist,  oder  aus  einer  Stelle 
ähnlich  der  angegebenen  des  Meth.  her- 
vorgegangen. Vgl.  auch  Th.  10,4—6 
mit  Meth.  1.  1.  p.  137,11  sqq. 

Quapropter  et  eiecit  euni  de  paradiso 
et  a  ligno  vitae  longe  traustülit:  .  .  .  ut 
.  .  neque  im  mortale  esset  quod  esset 
circa  eum  peccatum,  et  malum  inter- 
minabile  .  .  .  .,  interponens  mortem  et 
cessare  faciens  peccatum,  finem  inferens 
ei  par  carnis  resolutionein. 

Irenaeus,  Adv.  haereses,  1.  III  c.  35, 
Abschn.  2  [ed.  Harvey,  Cantabrig.  1857, 
T.  II.  p.  128  sq.]. 


6     &-EOQ    ■    .    dd-CLVCLTOV    XaXOV    .    .     lÖOJV 

((wtov)  ysyEVijfiEVOV,  .  .  tovc  ösQfiaTivovQ 

yiT(~J)'i'.~    Ölä    TOVTO   XOXECXX ri'.ni <)\    OlOVEl 

VEXQOTfjTi  (rin)  üiEQißalmv  avTor,  ojrmg 
öid.  T/'/J  Xvöecdq  tov  öcöfictToc  jcäv  to  :  r 
avrrh  yEVvrjd-EV  xaxov  ajtoftavtf. 


11,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  ..Scköpfung.sgesch.".       171 


yatCOV         VEXQOTIfZOG, 

ojccoq  <Sir.  t/'j-  Xv- 
oic)-  zov  ocofiarog 
xai  rFjj  ÖEöscog  /) 
a[/ctQzia  jtäoa  avro- 
jtQ8fivog  dicupd-agy. 
Th.  10,5—10. 


Method.,   De    resurr.  1.   I.    c.  38.  Ed. 
Bonwetsch,  1891,  p.  134,2—6. 


.  .  IxavSg  cbiodei^avteg  ///}  sivat  zovg 
ÖEQfiazlvovg  yvzcavag  zä  ötoftara,  dXXa 
T/)r  dxb  zov  dXoyov  zmv  tjcocov  vexqo- 
t/jti:    xazEöxEvaöfidvijv  .   .   .    zmv    oqcov 

£§00    ZOV    JtCCQaÖELöOV  .    .    t^OlxiZhTCl . 

Meth.,  De  resurr.  1.  I.  c.  30,  1.  1. 
p.  136, .")  sqq. 

xai  ejtoirjöt  xvgiog  <>  9-eog  [Gen. 
3,21 — 24]  ....  ovxovv  hövvazo  £rjv  slg 
zov  aicäva  zo  Geöfia  xai  d&dvazov  EGi  Gfrat, 
il  firj  xExmXvro  ysvGaG&at  zrjg  Zcj^. 
;y.i<)'/.r<hj  de,  ojtoog  /)  (iev  afiaozia  Gvva- 
jtoxzavd-Eloa  zoß  oatfiart  frdvy,  zo  öl 
öCOfia  ih'cüTc.lhj  t^j.  afiaozlag  aotoXo- 
(itvng.   in:  roiwv  ///}  /)  xaxov  a&avazov 

6  äv&Qcojcog,   cog   ^f/>\  i)  aEitjcoov 

o  (rsog  avzbv  öia  zovto  {hvrjzov  r.m- 
<(  r\vazo  vexqoztjzi  ütEQißaXmv.  zovzo  yäg 
oi  ÖEQfidrivot  yixcfrvEg  sßovXovzo,  in:  ötj 
öia   t/'^   XvöEoog   vor   ooSfiarog    xai    zrjg 

öiaiQEöEQjg     /'/     i'.iK'.oTli:     XaVfO&EV     OVTO- 

jtQEfivog  Jtäoa  öta<p-9-aQ%  .  • 

Method.,  De  resurr.  1.  I.  c.  40,  1.  1. 
1>.  137,14  sqq.  Cf.  p.  136,  10  sq.  u.  p. 
141, 15  sqq.;  ferner  Philonis  quaest.  in 
Gen.  I  ").")  [Phil.  Jud.  Paralip.  Ann.  ed. 
Aucher,  Yen.  1826,  ]».  .'>7  sqq.]  u.  Greg. 
Na/.,  or.  38,  c.  12  [Maurinerausg.  T.  I. 
1».  670Esq.].  

.  .  ÖEQ/iativovg  EJitßaXXsi  %izüivag  rot. 
rrootTorr/.c.öToiJ.  o  xvQtog  ....  EJtEldll 
jtäv  ötQfia  yaotoUir  tot  ycoov  vexqov 
;<>t(,    jtavzwg    otfiat    zijv    otoog    zo    n- 

y.oornUc.i  Arrci/il',  it  t/^j   aXoyOV   tpvGECOg 

;\;<:Io;toj    ///',  tX  .7oott/,!h  !r.j   in  r<:    tOVZi 


172 


Schalkhausser,  Makarios  Magues. 


.  .  irrt  r/jf  Tijj.  c- 
OETTJG  xca  xaxiag 
yvaiGiv,  ■  ■ 

Th.  10,  13. 


(0  61  xXaG&Eig 
y.uT  zlxova  Q-eov  67/- 
Xov  <<jc  jiQOxaraßs- 
ßXrjiitVTjV  eljev  tr 
[ev  bei  Leon  Gr.  etc.] 
nj  <f  von  t/ji-  yv&Giv 
tov   xaXov   xal   tov 

JCOVTjQOV. 

Th.  10,16—17. 
Alo    l'va    ///}    avr- 

. ^OVOLOTtjTL        xf/otj- 

fiivog  (israXäß'fl  tov 
<-vXov  t/'jc  C,a>rjg  xa) 
yiv7]xai   xaxbg  dd-d- 
vazoQ,  l^eßltjihj. 
Th.   10,  17—1!). 

SvoECpExai     öe    // 

noi((f  die,  IVÜ  l)'  Tij 
JtaXiyyEVEGia  .  . .  TOVC 
fiev  dixaiovg  qonioij 
.  .  .,  rove  öe  döixovg, 
t-i'yi  jcQogEyylGoiEV, 
xarejf  h'^tj. 
Th.  11,3—7. 


TOlc    dvd-QWJtOlC,     EJußEßZlJXtVCU    TOV    Tt/V 

xaxlav  ijiKÖr  iccrQEvovra,  <>>'"/  tag  zig  ae\ 

JtaQCCflivElV '     .     ■     .      OVXOVV    IX    T/jc    T(~>V 

dXoycov  <pvG£a>g  ij  vEXQortjg  oixovofiixSg 
jieqiste&i]  t)~i  tlc  d&avaGiav  xTio}hiott 
(f  voll,  .  .  . 

Greg.  Nyss.,  Orat.  catech.  c.  8  [Greg. 
Nyss.  opp!  ed.  Par.  1638,  T.  III.  p. 
59  D  sqq.].  

avd-Qcojtog,  og  EJiiÖEyjszai  Tavavxla,  . . . 
<lntT/j)'  xa)  xaxlav. 

Philon,  De  opif.  mundi,  c.  24. 

[Phil,  opp.,  Vol.  L,  ed.  L.  Colin,  Berol. 
1896,  p.  25,  5  sqq.]. 


Kai  jtojj:  oiov  te  /'/)',  rovg  Xoyca 
TEtLfirjUEvovg  xal  xv.t  Eixova  9-slav 
yEyEVTjfiEVOvg  ovx  e\eiv  öwxqiGiv  aya- 
<)ov  xal  xaxov;  jtcog  6"  av  avrolg  Ite^e'i- 
xii  vofiov  Tr\g  öixaioGvvrjg  t)  aßvGGog, 
TCj'TtjV  ovx  ryovoir  ev  t>j  (/von  t/jv 
yvcoGiv  ■  .  .  :  tiyov  ovv  doa  tt\v  yv&Giv  .  ■ 

Theodoreti  quaest.  in  Gen.  27. 


'AvajcXrjOd-Elg  ovv  xaxiag,  egeo  ytyon 
tov  jtaQaÖEiöov,  öjtmg  /<//  tov  §vXov 
(lEraXaßwv  t/~/c  ^o)f/c,  lyjj  ravrrjv  tUh'c- 
varov  iv  dfravarm  oojiic.tl,  .  . 

Procop.  1.  1.  165  A. 


Aöyog    öe    tlc     fjfiäg    ev    djro$Qqt(p 
jraiÖEVEi    xal     Ir    r<ö     ueXXovti    aimvt 

I   ()i<uoiriot)('.i    to   rrvo-     x(ct    to    (/ev    tpmg 
djtodidovai  volg  dixaioig,  tolc  öe  xoXaZo- 

Ui'voiC    TO    TOV    ffOJTOC    xavoTixöv. 

Procop.  1.  1.  85  D  sq. 


[1,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       173 

Sicherlich  sind  die  aufgeführten  Stelleu  uicht  die  einzigen, 
die  sich  aus  früheren  kirchlichen  Autoren  zur  Schöpfungs- 
geschichte beibringen  lassen.  Auch  wird  zugestanden  werden 
müssen,  daß  manche  ihrer  Sätze  vielleicht  nicht  auf  den  Schrift- 
steller zurückgehen,  der  für  sie  namhaft  gemacht  ist,  sondern 
auf  einen  anderen,  zu  dem  der  erwähnte  oder  der  zu  dem 
erwähnten  irgendwie  in  einem  Abhängigkeitsverhältnisse  steht, 
und  daß  somit  in  den  mitgeteilten  Belegen  nicht  immer  die 
Quellen,  sondern  unter  Umständen  nur  Parallelen  oder  Anklänge 
zu  den  betreffenden  Partien  der  Schöpfungsgeschichte  vorliegen. 
Immerhin  dürfte  dargetan  sein,  daß  in  ihr  viel  fremdes  Material 
verarbeitet  ist.  Unter  den  benützten  Autoren  finden  sich  auch 
solche,  die  erst  nach  Mak.  gelebt  haben,  z.  B.  Theodoret1. 
Die  Art  und  Weise,  wie  die  Quellstellen  verwertet  sind,  ist 
eine  verschiedene.  Manches  ist  wörtlich  aus  ihnen  herüber- 
genommen, noch  mehr  ist  freier  wiedergegeben  und  einer 
Umformung  unterzogen  worden,  bei  der  die  Gedanken  und 
Wendungen  der  Quelle  vielfach  eine  Verkürzung  und  nicht 
selten  eine  Verschlechterung  erfahren  haben. 

Werden  wir  schon  durch  diese  Wahrnehmung  zu  der 
Überzeugung  gebracht,  daß  wir  es  bei  der  Schöpf ungsgescli. 
mit  etwas  anderem  zu  tun  haben  als  mit  einem  Werke  des 
Mak.  oder  dem  Bruchstücke  eines  solchen,  so  werden  wir  in 
dieser  Überzeugung  bestärkt,  wenn  wir  den  Inhalt  der  Schöpfungs- 
geschichte auf  den  Portschritt  und  logischen  Zusammenhang  der 
Gedanken  hin  prüfen. 

Das,  was  bisher  Schöpf ungsgesch.  genannt  wurde,  ist 
das    Textstück:    Theod.    Mel.    p.   1  — 11,72.     Es    enthält    eine 

1)  Möglich  ist,  worauf  im  allgemeinen  schon  hingedeutet  wurde,  daß 
nicht  Theodore!  selbst,  sondern  dessen  etwaige  Quelle  in  der  Schöpfgsgesch. 
verwendel   wurde. 

2  Ob  mau  auch  die  Abführungen  über  K.-üu  und  Abel,  Th.  Siel. 
|).  11,9 — 14,2,  Doch  zu  unserem  schöpfungsgesch.  Abrisse  rechnen  soll, 
darüber  kann  man  verschiedener  Meinung  sein.  Nichts  trägt  zur  Ent- 
scheidung der  Frage  die  Tatsache  bei,  daß  im  cod.  Mosqu.  Syn.  252 
f205r  —  208r  [Muralt,  Georgii  monachi  chronicon,  Petrop.  1859,  p. 902 sqq.] 
unser  Schöpfungsberichl  gesondert  sieh  vorfindet,  Denn  er  schließt  ds 
nichl  mit  xava<pX££%  Th.  Mel.  p.  11,7  oder  (pvastog  igdtQiozat  Th.  Mi. 
p.  13,  28,  bzvr.  tkeXevzqoev  p.  14, 2,  sondern  er  hat  Doch  den  Einschub  aus 
Josephos  [Ant.  Jud.  I  §46  a.  49]  Th.  Mel.  p,  LI,  7  8,  der  bei  Polydeukes 
fehlt,  und  von  der  Erzählung  von  Kain  und  Abel  <\en  ersten  Salz,  Th. 
Mel.  p.  11,9 — 10.     Hieraus   wie  aus  dem   Wortlaute  des  Titels,   den   die 


174 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


kurz    gefaßte    Paraphrase    zu    den    drei    ersten    Kapiteln    der 

Schöpfgsgesch.  im  Mosqu.  hat,  geht,  wie  schon  früher  bemerkt  wurde,  her- 
vor, daß  wir  im  Mosqu.  f  205  r — 208  r  nicht  die  Schöpfungsgesch.  in  ihrer 
ursprünglichen  Gestalt  und  Abgrenzung  vor  uns  haben,  sondern  den  Anfang 
einer  Chronik  ähnlich  dem  Werke  des  Tbeod.  Mel.,  deren  Text  aus  irgend 
einem  zufälligen  Grunde  nicht  über  Th.  M.  p.  11, 10  hinaus  fortgeführt  wurde. 
Dafür,  das  über  Kain  und  Abel  Erzählte  mit  dem  Vorhergehenden 
in  eine  engere  Verbindung  zu  bringen  und  den  Einschnitt  erst  Th.  Mel. 
p.  14,2  zu  machen,  spricht  folgendes: 

a)  Manche  byz.  Chroniken  beginnen  erst  mit  dem  Stoffe,  der  bei 
Theod.  Mel.  von  p.  14,  2  an  behandelt  wird  [z.  B.  die  im  cod.  Marc.  Gr. 
407,  mehrere,  die  unter  dem  Namen  des  Sym.  Logoth.  stehen  u.  a.]. 

b)  Der  Bericht  über  Kain  und  Abel  ist,  wie  das  Vorausgehende,  noch 
mehr  exegetischer  Art.  Den  eigentlichen  Chronikcharakter  zeigt  die  Dar- 
stellung erst  von  Th.  M.  p.  14,  2  an. 

c)  Im  cod.  ms.  Gr.  Hist.  Suppl.  91  der  Wiener  Hofbibliothek,  der 
f.  16  r — 58v  eine  Chronik  enthält,  die  gleichfalls  mit  der  Schöpfungsgesch. 
beginnt,  sind  die  einzelnen  Kapitel  der  Schöpfungsgeschichte  mit  1  bis  19 
numeriert.  Der  Abschnitt,  der  von  Kain  und  Abel  handelt,  hat  die  Überschrift: 
tieqi  zov  xä'iv  xcu  aßeX  und  ist  als  das  20.  Kap.  bezeichnet.  Dagegen  fängt  bei 
dem  Stoffe,  der  auf  die  Gesch.  von  Kain  und  Abel  folgt,  im  Vind.  die  Zählung 
der  einzelnen  Abschnitte  wieder  von  vorne  an.  Ahnlich  ist  es  nach  C.  de  Boor 
(Byz.  Z.X.  1901  p.  77  sqq.]  imHolkhamensis  295.  Das  Erzählungsstück  Theod. 
Mel.  p.  1  — 14,2  ist  in  ihm  in  20  Kapitel  geteilt  und  jedes  mit  einer  numerierten 
Überschrift  versehen.  Nach  dem  20.  Kapitel  beginnt  eine  neue  Numerierung 
wie  im  Vind.  Im  cod.  Messanensis  85,  der  auch  mit  dem  Vind.  verwandt  ist, 
finden  sich  nur  in  dem  Abschnitte  Theod.  Mel.  p.  1 — 14,  2  regelmäßige  Über- 
schriften und  zwar  zwanzig.  Im  weiteren  sind  in  ihm  Überschriften  ganz 
selten  [Boor  1.  1.  p.  70  sqq.]. 

(I)  Nach  den  Ausführungen  H.  Geizers  in:  Sext.  Jul.  Afrik.  u.  die 
byz.  Chronographie,  I.  Leipz.  1880  p.  60  sqq.  scheint  es,  daß  Afrikanos  als 
Quelle  für  die  Chroniken  des  Sym.  Log.,  Leon  Gr.,  Theod.  Mel.  u.  s.  w. 
erst  von  Th.  Mel.  p.  14,  2  an  eintritt. 

e)  In  der  Chronographie  des  Synkellos  [herausgeg.  v.  Guil.  Dindorf, 
Bonn  1829]  findet  sich  weder  in  der  Darstellung  der  Urgeschichte  noch  in 
der  Erzählung  von  Kain  und  Abel  ein  Anklang  an  die  Schilderung,  wie 
sie  uns  bei  Polydeukes  vorliegt  [Mit  Theod.  Mel.  stimmt  Synk.  hier  in 
den  Einschüben  aus  Josephos  etwas  überein]. 

Dagegen,  daß  die  Erzählung  von  Kain  und  Abel  mit  dem  Vorher- 
gehenden ursprünglich  ein  für  sich  bestehendes  Ganze  gebildet  habe,  ließe 
sich  geltend  machen: 

a)  Die  Zerlegung  des  Stoffes  in  kurze  Kapitel  und  die  Bezeichnung  des 
Inhalts  der  Kapitel  durch  Überschriften  geht  im  cod.  Ambrosianus  der  Chronik 
des  Polyd.,  D  34  sup.,  wie  aus  der  nach  diesem  Kodex  hergestellten  Ausgabe 
vonBianconi  [Anonymi  scriptoris  hist.  sacra.  Bononiae  1779]  zu  ersehen  ist, 
nur  bis  Th.  Mel.  p.  11,7.  Die  letzte  Überschrift,  die  bei  Bianc.  sich  findet, 
ist:  IIsQt  rtör  %EQOvßl(A  xu\  rJjq  (p).oylri]>;  froficpalag.  Nach  ihr  kommt  in 
der  ganzen  Chronik  keine  einzige  mehr.  Nun  gehört  der  Anibr.  dem 
10. — 11.  saec.  an  und  alle  Hss.  der  Polydeukeschronik,  die  es  sonst  noch  gibt, 


[1,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       175 
Genesis1.    Die  Paraphrase  ist  in  eine  Anzahl  kleinerer  Abschnitte 


gehen  direkt  oder  indirekt  auf  ihn  zurück  [cf.  Th.  Preger  in  Byz.  Z.  1. 
1892  p.  51  sqq.].  Demnach  ist,  wenn  wir  z.B.  in  der  Ausgabe,  die  Hardt 
von  der  Polyd.-Chronik  nach  einem  cod.  Monacensis  veranstaltet  hat,  auch 
weiterhin  noch  vereinzelte  Überschriften  antreffen,  als  der  Urheber  dieser 
späteren  Überschriften  der  Schreiber  des  Monac.  oder  der  der  direkten  Vor- 
lage desselben  zu  betrachten.  Im  cod.  Gr.  Monac.  181  [im  Sept.  1905 
von  mir  in  München  eingesehen],  nach  dem  Hardt  die  Chronik  heraus- 
gegeben hat,  bilden  die  Überschriften  in  der  Schöpfungsgesch.  immer  eine 
Zeile  oder  mehr  für  sich  und  sind  rot  geschrieben.  Nach  der  gleichfalls 
rot  geschriebenen  Überschrift:  'A(j/Jj  t?;c  VTto&saeatq  ror  ädäfi  [Polyd.  ed. 
Hardt  p.  58]  kommt  keine  rote  Kapitelsüberschrift  mehr  bis  zum  Schlüsse 
der  Chronik.  Rot  geschrieben  ist  auch  einmal  der  Vermerk:  oyö'/.ior 
[f.  130r],  sonst  schwarz.  Schwarz  geschriebene  Inhaltsangaben  am  Rande 
rinden  sich  auch  weiterhin.  F.  137 r  gewahren  wir  eine  rote  Zierleiste, 
darunter  rot  von  neuem  den  Titel:  'iovXiov  TIoXvöbvxovq  lOTOQia  (fvaixtj. 
Nun  der  Text:  Ob  xareöt^azo  yeiQc.  abxiö  hti^vat  etc.  [p.  408  bei  Hardt], 
der  f.  143 v  mit  yak&ttöq  endet.  In  der  Chronik  des  Theod.  Mel.  gehen 
die  regelmäßigen,  den  Inhalt  kurz  zusammenfassenden  Überschriften  nur 
bis  p.  10,26.  Die  letzte  ist:  Ü€qI  t<5v  %EQOvßl(x  etc.  Dann  folgt  keine 
mehr  bis  p.  37.  Die  Randbemerkungen,  die  von  p.  45  an  dann  und  wann 
sich  zeigen,  sind  fast  nur  Personennamen  [Namen  der  röm.  und  bvz.  Kaiser]. 

b)  Der  Abschnitt  von  Kain  und  Abel  ist  ausführlicher  als  die  vorher- 
gehenden. Auch  stimmen  in  ihm  die  Chronik  des  Theod.  Mel.  und  die 
des  Polydeukes  nicht  mehr  so  zusammen  wie  in  den  Kapiteln  vorher. 
Polyd.  hat  in  ihm  zwei  große  Einschübe  aus  Basileios  [worauf  schon 
Praechter  hinwies  in:  Eine  unbeachtete  Quelle  in  den  Anfangskapiteln 
des  Zonaras.  Byz.  Z.  VI.  1897,  p.  515].  Diese  fehlen  bei  Th.  Mel.  und 
Genossen   ganz.     Dafür  finden   sich    bei  ihnen  in  der  Gesch.  v.   Kain  und 

\Im-I  mancherlei  Zutaten  aus  Josephos,  Philon  u.  s.  w.,  die  bei  Polvd. 
nicht  stehen  [Th.  Mel.  p.  11,  15 sq.,  18sq.,  20—22.  26-27:  p.  12,  15—17, 
19—20;  p.  13,  2—12,  15—18:  p.  14.  1—2]. 

c)  Die  Gesch.  von  Kain  und  Abel  begegnet  uns  auch  in  der  Chronik 
des  Georgios  Monachos  und  zwar  in  einer  Form,  die  allerdings  mein  fach 
\un  der  Darstellung  des  Theod.  Mel.  und  der  des  Polyd.  abweicht,  aber 
doch   auch  vieles  damit  gemein    hat.     Hätte  die  Erzählung    von   Kain   und 

Vbel,  wir  sie  Theod.  Mel.,  Polyd.  u.  a.  geben,  von  Anfang  an  mit  zum 
schöpfgsgesch.  Abrisse  gehört,  so  würde  man  nicht  einsehen,  weshalb 
Georg.  Mon.  bzw.  seine  Quelle  sie  aus  dieser  Verbindung  gelöst  hat  und 
in  seiner  Chronik,  statt  schon  mit  dem  Sechstagewerk,  erst  mit  den  Söhnen 
Adam.-  anhebt. 

Dies  die  Gründe  dafür  und  dawider,  daß  das  Kapitel  von  Kain  und 
Abel   noch  mit   zur  Sehöpfggesch.   zu  ziehen  ist.     Da  diese  nach  meiner 

\iiMeht  doch  nicht  auf  Mak.  zurückgeht  und  das  Ottobon.  Fragment  bereits 
mit  Theod.  Mel.  p.  10,  25  abbricht,  ist  für  unseren  Zweck  an  einer  sicheren 
Entscheidung  der  Frage  nichts  gelegen. 

1)   Nicht  alle  Verse  der  drei   Kapitel  sind   berücksichtigt. 


176 


Schalkhausser,  Makarios  Maines. 


geteilt  und  jeder  derselben,  den  ersten  ausgenommen  *,  mit  einer 
Überschrift  versehen.  Zahl2  und  Wortlaut  der  Überschriften 
und  Abgrenzung  der  einzelnen  Abschnitte3  sind  nicht  in  allen 
Chroniken,  die  die  Schöpf ungsgesch.  haben,  ganz  gleich.  Im 
Vind.  Hist.  Suppl.  Gr.  !>1  ist  den  Überschriften  auch  noch  ein 
Zahlzeichen  beigefügt4. 

Sehen  wir  uns  den  Inhalt  der  Paraphrase  näher  an,  su 
fällt  uns  außer  der  schon  erörterten  Verwendung  fremden 
Eigentums  noch  auf,  daß  die  einzelnen  Sätze  sich  nicht  immer 
widerspruchslos  aneinander  reihen  und  daß  nicht  immer  ein 
klarer  Gedankenfortschritt  zu  erkennen  ist,  sondern  Dunkel- 
heiten, Widersinnigkeiten  und  Widersprüche  sich  vorfinden. 
Mit  einigen  Beispielen  sei  diese  Behauptung  begründet. 


1)  Im  cod.  Mosqu.  Syn.  2ä2  [Muralt  1.  I.  p.  902J  hatte  auch  der  erste 
Abschnitt  eine  Überschrift,  nämlich:  tieqi  iov  (pioxbq.  Muralt  setzt  sie  aber 
p.  902  in  [].  In  den  Prolegoraenen,  wo  Muralt  auch  den  Inhalt  de-  llini 
des  Mosqu.  mitteilt,  heißt  es  p.  LH:  EU  xtjv  xoafjt07toä'av  etc.  1.  liegt  toi 
i/ioroc  12)  p.  902,  4.  In  Anm.  12)  lesen  wir:  Haec  rubrica  in  cod.  Mosqu. 
20."»  a  evanuit.  —  Bei  Polyd.  hat  der  erste  Abschn.  die  Überschrift:  Tlgoolfiiov. 

2)  Bei  Theod.  Mel.  sind  es  19,  da  der  erste  Abschn.  keine  besondere 
Überschrift  hat  [nebenbei  sei  bemerkt,  daß  im  cod.  Gr.  Mouac.  218.  nach 
dem  Tafel  den  Theod.  Mel.  herausgab,  die  Kapitelüberschriften  nicht,  wie 
bei  Tafel,  am  Rande,  sondern  über  ihren  Abschnitten  stehen  und  entweder 
eine  Zeile  für  sich  bilden  oder  den  Rest  der  vorhergehenden  Zeile  ausfüllen]; 
bei  Polyd.  20,  wenn  man  die  Überschrift  des  ersten  Abschnittes,  nQOoifiiov, 
mitzählt;  im  Mosquensis  19,  falls  die  des  ersten  Stückes:  liegt  xov  (ptorbg 
eingerechnet  wird.  Die  Überschrift:  Uegi  lijq  fsrjQäq  .  .  .  yijg  fehlt  im  Mosqu. 
Im  Yind.  Hist.  Suppl.  Gr.  91  binden  sich  19  Überschriften,  wenn  die:  lh'/i 
rov  Kcüv  xal  "AßsX  außer  Betracht  bleibt.  Der  erste  Abschnitt  hat  keine 
eigene  Überschrift. 

3)  In  der  Abgrenzung  der  Kapp,  stimmen  Th.  Mel.,  Polyd.  und  Vind. 
mit  einander  überein.  Der  Mosqu.  dagegen  weicht  in  ihr  von  den  übrigen 
Chroniken  einigemal  ab. 

4)  Jedoch  leidet  die  Art,  wie  die  Zählung  geschieht,  an  einer  gewissen 
Unklarheit.  Beim  1.  Kapitel  findet  sich  überhaupt  keine  Zahl.  Beim  2. 
steht  neben  der  Überschrift  einfach :  ß' .  Beim  3.  heißt  es:  tjpisQa  ;.".  beim 
4.:  1/fj.eQic  /T ,  beim  5:  rifisga  zezaQtij,  beim  6.:  tj/zega  €',  beim  7.:  rjfisQa  c  . 
beim  8.:  rj  £  [was  rjfXEQa  £'  bedeutet,  aber  unrichtig  ist],  beim  9.:  Jj  7,.  beim 

10.:  ijftt'oa  fi,  beim  11.  steht  bloß:  7;  beim  12.:  r«,  beim  13.:  f.-i ,  beim 
14.:  ty  beim  15.:  ~'l,  beim  16.  heißt  es:  x  le  [=  xeif<t/.ij  te],  beim  17. 
bloß  :  7_c,  beim  18.:  xe  /"£,  beim  19.:  x  77/,  beim  20.  nur :  <§  und  beim 
21.   [Gesch.   von    Kain    u.    AbelJ:   xh  x: 


[1,3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       177 

P.  1,8  [ich  zitiere  nach  Theod.  Mel.,  ed.  Tafel]  wird  gesagt: 
Tclvttjq  [sc.  yrjg]  yaQ  Ix  ///}  ovroav  vjcoötccöijq  örjXov,  ort  xal  vä  tr 
avrtf,  während  vorher  mit  keinem  Worte  bemerkt  ist,  daß  die 
Erde  oder  das  auf  Erden  Befindliche  aus  dem  Nichts  hervor- 
gegangen sei.  P.  2,2 — 3  ist  eine  Stelle  aus  der  Kleinen  Genesis, 
die  bei  Polyd.  fehlt.  Daß  sie  eine  Interpolation  ist.  ist  augen- 
scheinlich. Denn  erstens  wird  durch  sie  der  Fortschritt  vom 
Schlüsse  des  ersten  Abschnittes:  „Dies  geschah  am  ersten 
Schöpfungstage'1  zum  Anfang  des  zweiten  Abschnittes:  „Am 
zweiten  Tage  hinwiederum  usw."  zerstört.  Zweitens  steht  der 
Gedanke  in  ihr  in  Widerspruch  mit  p.  1,15  sqq.  P.  1,15  sqq. 
wird  vorausgesetzt,  daß  die  Eugelchöre  und  die  himmlischen 
Heerscharen  schon  vor  der  Entstehung  des  xoofiog  da  waren. 
Im  Zitate  aus  der  Kleinen  Genesis  dagegen  wird  behauptet, 
sie  wären  erst  am  ersten  Tage,  geschaffen  worden.  Auch  das 
ovv  im  Zitate,  das  in  den  Zusammenhang  nicht  paßt,  verrät, 
dal.)  die  Stelle  eine  nachträgliche  Zutat  ist. 

Nach  p.  "2,6  wurde  der  ovgavog  [=  özegtcofia]  am  zweiten 
Tage  geschaffen,  nach  p.  1,9  sqq.  war  er  bereits  vor  dem  Erden- 
lichte, demnach  schon  am  ersten  Tage  vorhanden.  P.  2,8  sq. 
liegt  in  den  Worten:  öia  xi]v  tpvöcv  to>v  v3teQxsL(isva)v  rj  xal 
vjroxiij/i -vor  cAiiTor  )j.ttijV  ovöav  xai  <ln<c/<cr  ein  Widersinn. 
Denn  nur  tue  Natur  der  oberen  Wasser  ist  „/ktt/}  xal  agaux", 
nicht  aber  die  der  unteren.  Bei  Basileios,  der  hier  verwertet 
wurde,  ist  nur  von  dem  „Oberen"  [ra,  vjceQxsifieva  ohne  rAcrc] 
die  Rede  (s.  oben  S.  146).  Dagegen  finden  sich  bei  Gregor 
von  Nyssa  in  der  „Apologia  in  hexaemeron"  (s.  oben  S.  14(>)  die 
oberen  und  unteren  WTasser  neben  einander  genannt,  jedoch 
in  einem  Zusammenhange,  in  dem  nicht  der  Name  c>Ttoh<<)tnt 
erklärt,  sondern  nur  gesagt  wird,  daß  das  OrsgecDfca  zwischen 
den  oberen  und  unteren  Wassern  sich  befinde.  Der  Widersinn 
ist  also  durch  die  gedankenlos*;  Zusammenschweißung  zweier 
verschiedenen  Kontexten  entnommener  Kirchenväterstellen  ent- 
standen. Ähnliches  möchte  man  bei  dem  folgenden  Satze  p.  2,9  sq.: 
ovQavog  dt  [sc.  txZtfdT)  tb  6i]/j,iovQyi](ia]  öiä  zo  xaftoQaö&at 
xqojiov  ötQQttoc  rrrln  xetpalrjs  r\xXmy,ivov  vermuten.  Da  er 
so,  wie  er  lautet,  nicht  verständlich  ist,  könnte  man  annehmen, 
dal.'»  zweierlei  in  ihm  vermengt  sei:  die  Behauptung  des  Basileios, 
daß  der  Himmel  ovQavoq  heiße  „öiä  tu  xad-ogäcQ-ai""  (s.  oben 
S.  147)  und  die  in  dem  Zusammenhange,  wo  vom  <>r:  gicofia 
Texte  H.  i  Dtersnchungen  etc.  31   i  L2 


178  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

die  Rede  ist,  in  Prokops  Gen. -Kommentar  angeführte  Bibel- 
stelle: 'ExteIvmv  top  ovqccvov  cogsl  Ösqqiv  [Ps.  103,2]  (s.  oben 
S.  147).  Da  aber  hierbei  v.-rty  xsgxzZrjg  fjxlcofievov  unerklärt 
bliebe,  so  ist  es  wahrscheinlicher,  daß  die  zweite  Hälfte  des 
Satzes  [Th.  Mel.  p.  2,  10]  durch  Verkürzung  aus  Basil.  in 
Hex.  VIII.  180  C  (s.  oben  S.  147)  entstanden  und  dabei  aus 
äsQCc:  ötQQScog  und  aus  jtsjciXrjfisvov:   rjJtXmfiivov  geworden  ist. 

P.  3,4  muß  alrlav  ovdav  in  aivlag  ovöt^  und  3,5  tr, oyiror- 
(,('.]•  in  tvtQytTorrTor  oder  svegyszcöv  umgeändert  werden,  wenu 
die  Stellen  nicht  sinnwidrig  sein  sollen.  Bei  67](iaivofievr)  3,7 
weiß  man  nicht,  welches  Subst.  zu  ergänzen  ist;  co<p£leia 
würde  nicht  passen1.  In  dem  Satze:  Asjtrrj  yag  ovöa  etc. 
p.  3,7  wird  jcsqi  vrjv  fjfieQav  aus  der  Chronik  des  Polyd.  deut- 
lich: statt  Tfjr  muß  es  TQizrjv  heißen  (cf.  Bas.  in  Hex.  VI. 
125  C,  s.  oben  S.  150).  Aber  was  soll  xalg  axrlöi  bei  Zejirq? 
Bei  Basil.  steht  es  nicht.  Vermutlich  stammt  es  aus  p.  3,11  und 
ist  eigener  Zusatz  eines  Epitomators.  Übrigens  fällt  auch  p.  3,11 
xalg  dxrioiv  auf.  Bei  Bas.  findet  es  sich  hier  zwar  (cä  äxztvEQ, 
s.  oben  S.  150),  aber  der  Gedanke  ist  bei  ihm  anders  formuliert. 

P.  4,  2  scheint  jtdZiv  unnötig,  da  vorher  nicht  anderes  an- 
geführt ist,  was  man  gleichfalls  aus  der  Schrift  erkennen  kann. 
Eigentümlich  lautet  der  Satz  p.  4,16:  cO  dt  avd-Qcostog  toytv 
s^aiQsrov  ti  xaxa  t/jv  jcoitjöiv  jcaQcc  xavxa,  der  Mensch  hat 
im  Verhältnis  zu  diesen,  den  Tieren,  hinsichtlich  des  Schaffens 
etwas  Besonderes  erlangt.  Auffallend  ist  das  aktive  ütoirjöLg.  Ab- 
gleicht man  Ps.-Basil.,  MPG  30,  col.  40  u.  col.  64  (s.  oben  S.  1 54), 
sowie  Prokop.  129Dsq.  (s.  oben  S.  154),  so  sieht  man,  daß  das 
Schiefe  des  Ausdrucks  in  der  Schöpfungsgesch.  daher  rührt,  daß 
hier,  wie  öfter,  Worte,  die  im  Originale  an  ganz  verschiedenen 
Orten  stehen  oder  die  verschiedenen  Autoren  angehören,  un- 
geschickt zusammengefügt  und  zu  einem  neuen  Satze  ver- 
einigt wrurden.  P.  4,24 — 26  ist  ein  Einschub  aus  der  Kleineu 
Genesis,  von  dem  ähnliches  gilt  wie  von  p.  2,2 — 3.  Abgesehen 
davon,  daß  Polyd.  die  Stelle  nicht  hat,  verrät  sie  sich  als 
Interpolation  sofort  dadurch,  daß  sie  den  Gedankenfortschritt 
von:  Ovxs  yäg  .  .  .  iöoövvd(im  p.  4,22 — 24  zu:  'EjcsiÖtj  zoiwp 
etc.  p.  4,27  unterbricht.    Auch  würden  bei  Theod.  Mel.  und  den 


1)  Der  Mosqu.  hat  a>j//(xivÖLieva,  der  Vind.   aifievbftEvov,  der  Kodex 
des  Th.  Mel.  aijfj.evoiA.tvio. 


11.3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       179 

anderen  Chronisten,  die  die  Schöpfungsgeschichte  haben,  gar 
keine  22  Werke  herauskommen.  Denn  verschiedenes,  was  in 
die  22  egya  mit  eingerechnet  ist,  ist  bei  Th.  Mel.  und  Genossen 
nicht  oder  bis  daher  nicht  erwähnt,  so  Jtvsv/ia,  vv%d-i>]fiEQOV, 
jiaoddeioog etc.1.  P.  4,29 — 30  ist  der  Ausdruck:  sixova  luivv/oi- 
t/~/~  tot  ßaOiXecoq  6fiot6zr}Toq  nicht  zutreffend.  Der  Mensch 
kann  ein  beseeltes  Abbild  des  Königs  [sc.  Gottes],  aber  nicht 
ein  Abbild  der  Ähnlichkeit  des  Königs  sein.  Der  Widersinn 
erklärt  sich  dadurch,  daß  der  Kompilator  eine  Stelle  der  Schrift 
Gregors  von  Nyssa:  Iltn)  xaraöxsvrjq  dvd-Qcojtov  Kap.  4'2  hier 
benützte,  etwas  umgestaltete  und  dabei  ungeschickt  zu  Werke 
ging.  Aus  Greg.  v.  Xyssa,  der  nicht  einfach  tov  ßaotksatq, 
sondern  tov  ßaOiXswq  vor  jcavroq  hat.  wird  auch  deutlich, 
daß  Polyd.  mit  seinem  jca/ißaöi/Lsmq  das  Richtige  bietet.  Da 
p.  4,27  vom  Menschen  gesagt  ist,  er  sei  als  ßaöiXsvq  in  die  Welt 
eingeführt  worden,  kann  p.  4, 30  Gott  nicht  auch  nur  als  ßaöiXsvq 
bezeichnet  sein. 

Ähnlich  wie  mit  p.  4,  29  sq.  verhält  es  sich  mit  p.  4, 33  sq. :  o 
av&QOJjcoq  T)ti-  rrn<>~  ttjv  jiqojtotvjcov  sixova  o/ioiotrjra  öiaüco^ei. 
Daß  hier  etwas  nicht  ganz  in  Ordnung  ist,  zeigt  die  Ver- 
schiedenheit der  Lesarten.  Th.  Mel.  hat  .t(>o--  t//i\  in  den 
übrigen  Croniken  steht  jtQoq  rö.  Bei  Th.,  im  Ämbr.,  Mosqu. 
und  Yind.  liest  man  sixova  Ofioiorrfta,  Hardt  setzt  xal  zwischen 
Eixova  und  ofioiorrjxa,  der  Brixiensis  hat  eixova  Of/oiorrjTi. 
Der  Kompilator  hat  auch  hier  Stellen  aus  Gregor  von  Xyssa 
(s.  oben  S.  156  f.)  verwertet,  ist  aber  nicht  beim  ursprünglichen 
Wortlaute  geblieben,  und  so  kam  es  zu  einem  schiefen  Gedanken 
oder  wenigstens  zu  einer  schiefen  und  schwankenden  Aus- 
drucksweise. Zu  beachten  ist,  daß  Greg,  von  Xyssa  in  den 
angeführten  Stellen  jcoaytOTVJiov  als  Hauptwort  gebraucht  und 
daß  eixcov  bei  ihm  auf  den  Menschen  sich  bezieht  und  Abbild 
bedeutet3. 

Kecht  anklar  ist  p.  ."),3 — 5:  Ka\  xatä  tovtov  tov  Xoyov  xca 
XELQmv  d-sov  h'oyov  o  av&Qcojtoq  ötä  ri>  tl/iiov  xrjq  xaraöxsvrjq' 
ßovXrjq    yäo    svioysia    to    %av.     Im   ganzen    Satze   steht  kein 


1    \  gl.  ( i.  Synkeilos,  ex  rec.  Guil.  Dindorfii,  [.,  Bonnae  1829,  |>.  .">,  l'—  Ki. 

2)  S.  die  Stelle  oben  S.  157. 

3)  Der  Ausdruck   ngtoxÖTWiog  elxcav  findet  sich  in  Bezug  auf  Gott 
gebraucht  bei    hfethod.,  ed.  Bonw.,  p.  125,  14  sq.  (s.  oben  S.  L56 

r_>* 


180 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Verbum.  Das  zweimalige  xal  ist  auffallend.  \u\  gibt  keinen 
rechten  Sinn.  Der  Mensch  ist  ein  Werk  der  Hände  Gottes 
und  darin  besteht  das  Ehrenvolle  seiner  Zubereitung.  Aber 
was  soll  heißen:  Wegen  des  Ehrenvollen  seiner  Zubereitung  ist 
der  Mensch  ein  Werk  der  Hände  Gottes?  Ferner  ist  nicht  er- 
sichtlich, warum  hier  noch  einmal  der  nßovXrju  gedacht  wird,  von 
der  schon  p.  4,16  die  Rede  war.  Endlich  was  soll  yäg  und  jtäv? 
Der  Ausdruck:  Der  Mensch  ist  „SQyov  freicov  xsiqcSv"  findet  sich 
bei  Basil.  (s.  oben  S.  159)  und  anderen.  Das  übrige  erklärt 
sich  vielleicht  als  Verkürzung  und  Entstellung  aus  Meth. 
p.  123, 9  sqq.  (s.  oben  S.  158)  und  Ps.  Basil.  (s.  oben  S.  159),  wo 
wir  nxaxeöx£vaoxaiu  und  „diä  xr\v  xi/ifjva,  wie  Kedrenos  hier  statt 
„öia  xo  Ttitior"  hat,  lesen.  Beim  gleichen  Ps.-Basil.  ist  (s.  oben 
S.  159)  übrigens  vom  „xi/iiovu  des  Menschen  und  der  „ßovZrja 
Gottes  nebeneinander  die  Rede1. 

P.  5, 15  steht  ovv,  ohne  daß  eine  Folgerung  vorliegt.  Daß 
nach  yniuf  /)  hier  und  p.  5,30  das  Yerbum  <(  ijo)  fehlt,  kann  daher 
kommen,  daß  es,  wie  öfter  in  Hss.,  in  r///  verkürzt  war  und  daher 
nach  yoa<fij  als  Wiederholung  der  zweiten  Silbe  von  yocq  /  auge- 
sehen und  weggelassen  wurde.  P.  5,22  ist  ysvofisvov  xov  Xoyov 
unverständlich.  Ich  vermag  die  Quelle,  aus  der  sich  der  Fehler  er- 
klären und  verbessern  ließe,  nicht  nachzuweisen.  P.  5,  28  ist  die 
Redeweise:  dia  xrjv  jtQoe  toi-  avd-QOJtov  xifirjv  eigentümlich.  Vgl. 
Prok.  157  C  (s.  oben  S.  161).  Unbeholfen  ausgedrückt  ist 
p.  6,1  sq.:  'Ogäv  ovv  rjv  xal  trr^ctthr  xrjv  Tiin)r  riß-  turr.  rcrrc 
xov  av&Q(D3iov,  fjv  zöyev  13.  avxrjc,  t/j~  yEviostag.  Das  ovv  ließe 
sich  zur  Not  rechtfertigen,  auch  das  r\v,  obwohl  man  lieber  mit 
anderen  Mss.  toxlr  liest.  Aber  wie  ist  fisra.  xavxa  zu  verstehen? 
Und  welchen  Sinn  hat:  „Die  Ehre,  die  der  Mensch  infolge  [oder 
seit]  seiner  Entstehung  selbst  besaß?"  Was  der  Satz  ungefähr 
besagen  will,  kann  man  aus  Severian,  PG  56.480  (s.  oben  S.  161) 
entnehmen.  P.  6,25  ist  r/}  axoQtöxcp  xrjc,  Ihic.j  f/dovrjc,  xe- 
QitOJia   dunkel.     Die  Stelle   wird   deutlicher,  wenn   man   liest: 

T/}    dxOQEOXm    T//J    0-£aq    tjÖOVfj    Jl£Ql£6X(Z. 

P.  7,4  fc.T5  evsQyeöla,  zum  Zwecke  einer  Wohltat.  Aber  in- 
wiefern das  Geben  des  Gesetzes  eine  Wohltat  war,  wird  nicht 
ausgeführt.     Denn,  was  kommt,  kann  nicht  wohl  als  eine  Er- 


1)  Vgl.  Th.  Mel.  4.  1(1  sq.  und    die    oben    S.   154    dazu    mitgeteilten 


Belege. 


11.3.   Mak.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       181 

läuterung  der  Behauptung,  daß  der  göttliche  Auftrag  für  den 
Menschen  eine  Wohltat  sein  sollte,  angesehen  werden.  Folglich 
müssen  wir  hier,  wie  öfter  in  der  Schöpfungsgesch.,  eine  Lücke 
oder  eine  Verkürzung  annehmen.  Am  ersten  erklärt  sich 
;.r'  ;noy !:<>!('.  vielleicht  aus  Philon  T  p.  86, 10  sqq.  (s.  oben 
S.  1(53).  P.  7,11  — 13  birgt  einen  Widersinn  in  sich.  Die  zwei 
Sätze:  .1 /./.<)  in)  .  .  .  xovtjqov  und:  Ov  ya.Q  .  .  rt  rp>  stehen  nicht 
im  Kausalverhältnisse  zu  eiuauder.  Offenbar  sind  hier  zwei 
ganz  verschiedene  Verwahrungen,  die  die  Kirchenväter  in 
ihren  Erörterungen  über  den  Baum  der  Erkenntnis  haben, 
mit  einander  verbunden,  nämlich  die:  „Meine  niemand,  daß  der 
Baum  der  Erkenntnis  so  hieß,  weil  er  durch  seine  Natur  zur 
Erkenntnis  von  Gut  und  Böse  verhelfen  konnte'',  und  die  andere: 
„Meine  niemand,  daß  das  Gebot,  der  Mensch  solle  nicht  vom 
Baume  der  Erkenntnis  essen,  um  deswillen  gegeben  wurde, 
weil  der  Baum  an  sich  schädlich  war  und  giftige  Früchte 
trug".  Jenen  Gedanken  spricht  Severian,  PG  56,488  sq.  aus 
(s.  oben  S.  165).  Dieser:  „Im  Paradiese  war  nichts  Schäd- 
liches," der  in  unserer  Schöpfungsgesch.  nicht  in  den  Zu- 
sammenhang paßt  und  auch  nicht  weiter  benützt  wird,  findet 
sich  z.  B.  bei  Epiph.  und  Gregor  von  Nazianz  (s.  oben 
S.  165).  Nicht  näher  ausgeführt  wird  ferner,  warum  der 
Baum,  obwohl  es  nicht  in  seiner  Natur  lag,  die  Erkenntnis 
von  Gut  und  Böse  zu  gewähren,  trotzdem  Baum  der  Erkenntnis 
genannt  wird.  Wie  der  Satz:  Ov  yag  6ij  etc.  p.  7,12,  so  unter- 
bricht auch  der:  °Ogog  de  STtfry  etc.  p.  7,13  störend  die  Aus- 
einandersetzung darüber,  daß  der  Mensch  die  sittliche  Erkenntnis 
nicht  erst  durch  den  Baum  erlaugte,  sondern  schon  vorher 
besaß.  Wenn  p.  7, 17  sqq.  bemerkt  ist,  das  Gebot,  nicht  vom 
Baume  der  Erk.  zu  essen,  wurde  nur  deswegen  gegeben,  damit 
dir  Mensch  wisse,  er  stehe  unter  einem  Herrn,  so  stimmt  das 
zwar  mit  p.  7,5,  aber  wie  es  sich  mit  p.  7,13  verträgt,  ist 
nicht  deutlich  gemacht. 

Daß  p.  8,8 — 11  spätere  Zutat  ist,  sieht  man  aus  Polyd., 
wo  die  Stelle  fehlt.  Audi  fügt  sie  sich  nicht  in  den  Kontext. 
P.  8,8— 9  stammt  aus  der  Kleinen  Genesis.  Die  Bemerkung, 
daß  die  Tiere  früher  redeten  und  erst  nach  der  Verurteilung 
Adams  verstummten,  soll  offenbar  erklären,  wie  es  kommt, 
daß  die  Schlange  mit  E\  a  sprechen  konnte.  Nur  steht  diese  Be- 
merkung im  Widerspruch  mit  p.  8,4     8,  wo  nach  Philon  (s.  oben 


182  Schalkhausser,  Makarios  Magnest 

S.  167  f.)  ausgeführt  ist,  daß  die  Schiauge  nicht  im  eigentlichen 
Sinne  redete,  sondern  die  ersten  Menschen  feinere  Sinne  hatten, 
als  wir  besitzen.  Im  Buche  der  Jubiläen  [=  Kleine  Gen.] 
findet  sich  übrigens  die  erwähnte  Bemerkung  erst  da,  wo 
erzählt  ist,  daß  Adam  und  Eva  aus  dem  Garten  vertrieben 
wurden.  Daß  die  Stelle  p.  8,9 — 11,  die  auf  Josephos  zurück- 
geht (s.  oben  S.  131  Anm.  3),  ein  Einschub  ist,  ergibt  sich 
daraus,  daß  nicht  jetzt  schon,  sondern  erst  p.  9,26  von  der  Strafe 
der  Schlange  die  Rede  ist  und  sein  soll. 

Im  Abschnitte  p.  10,3 — 10  bleibt  auch  dann,  wenn  man  das 
bei  Polydeukes  fehlende:  Tlvoq  h'hxtv  .  .  .  /itc'jvov  p.  10,3 — 4 
als  Randglosse  betrachtet,  die  durch  ein  Versehen  in  den  Text 
gedrungen  ist  (s.  oben  S.  170),  und  statt  siQTjfitvov  mit 
Polyd.  ex  t(~)v  eIqtj(iev€ov  liest,  doch  noch  eine  gewisse  Un- 
klarheit in  der  Aufeinanderfolge  der  Gedanken  zurück.  Denn 
die  Erklärung  knüpft  dann  zunächst  an  den  Schluß  des 
p.  9,31  — 10,3  mitgeteilten  Bibelzitats  an  und  hebt  hervor:  „Man 
sieht  aus  dem  Gesagten,  daß  der  Mensch  auch  nach  dem 
Sündenfalle  hätte  ewig  leben  können,  wenn  er  vom  Lebens- 
baum gekostet  hätte."  Da  der  nächste  Satz  mit  öib  beginnt, 
erwartet  man  nun  den  Gedanken:  „Damit  dies  nicht  geschehe, 
damit  der  Mensch  nicht  vom  Baume  des  Lebens  esse  und 
ewiglich  lebe,  hat  ihn  Gott  aus  dem  Paradiese  vertrieben." 
Statt  dessen  kommt  die  Stelle  von  den  Fellkleidern  und  deren 
Deutung.  Daß  dies  eine  Inkonzinnität  ist,  hat  schon  der  Urheber 
der  Rezension,  die  dem  Texte  des  Leon  Grammatikos  hier  zu 
Grunde  liegt,  gefühlt.  Er  fügt  darum  ein:  zov  jtaoaösioov 
sgoöTQaxi&Tai  etc.1,  ohne  daß  es  ihm  gelungen  wäre,  alles 
Harte  in  der  Verbindung  der  Gedanken  damit  zu  beseitigen-. 
Vgl.  auch  das  zu  p.  10, 17  sqq.  Bemerkte. 

P.  10,8  sq.  gibt  aucb  zov  Xoyov  r/}--  zcöv  Z.c)c>r  vexqozi]ZO% 
keinen  rechten  Sinn.  Ich  vermute,  daß  es  ursprünglich:  djto 
zrjg  t<~)v  aXoycov  ^cocov  vsxQotrjtog  geheißen  hat.  Denn  Meth., 
ed.  Bonw.,  p.  136, 6  sq.  lesen  wir  (s.  oben  S.  171):  /irj  eivat  zovq 
ösQfiazlvovg  yizmvac,  za  öco/iaza,  aXXä  t/)i-  cuio  zov  a Xoyov 
zcöv    Zc'jcj)'    vsxQOzrjza    xazEGxevaöfiEvrjv,    wobei    zu    r.rro    zov 


1)   Cf.   Leonis   Grammatici    chronographia.      Ex    rec.    Imm.   Bekkeri. 
Bonnae  1842,  p.  3, 4  sq. 

2    Cf.  die  zwei  Absichtssätze  1.  1.  p.  3,  3 — 5. 


11,3.   Male.  Magnes  Qichl   Verfasser  d.  ,.Schö|>fungsgesch."       183 

dloyov  als  abweichende  Lesarten  (rmv)  dXoyoav  und  ajto  vov 

Xoyov  angegeben  sind.  Und  bei  Greg,  von  Xyssa  findet  sich 
in  der  Orat.  catechet.  cap.  8  die  Stelle:  ex  trjq  t<ov  dXoycov 
qpvGscoq  ij  vsxQorrjg  xeqiete&ii  etc.  (s.  oben  S.  172). 

(bei-  trjQ  öeöecoq  p.  10,9  s.  oben  S.  141  Anm.  1.  In  dem 
Abschnitte  p.  10.11  — 17  ist  noch  einmal  vom  göttlichen  Eben- 
bilde  des  Menschen  die  Rede  und  als  Merkmal  desselben  die 
Erkenntnis  von  Gut  und  Böse  bezeichnet.  P.  4,  28  sqq.  wurde 
eine  andere  Erklärung  dos  göttlichen  Ebenbildes  gegeben.  Die 
Differenz  wird  begreiflich,  wenn  man  bedenkt,  daß  p.  4, 28  sqq. 
Gregor  von  Nyssa,  p.  10,16  sq.  Theodoret  (s.  oben  S.  172)  ver- 
wertet ist.  Auch  dessen,  daß  die  Protoplasten  bereits  vor  dem 
göttlichen  Verbote  die  Erkenntnis  von  Gut  und  Böse  besaßen, 
war  in  der  Schöpfungsgesch.  schon  einmal  gedacht  worden, 
nämlich  p.  7,  15  sqq.,  ohne  daß  da  jedoch,  wie  p.  10, 15  sqq., 
der  Besitz  solcher  Erkenntnis  aus  dem  göttlichen  Ebenbilde 
des  Menschen  hergeleitet  wäre. 

Der  mit  öio  beginnende  Satz  p.  10,  17  sqq.  paßt  nicht  zum 
Vorhergehenden.  Denn  er  bringt  keine  Folgerung  daraus. 
Eher  scheint  er  nach  §vZov  p.  10,  6  am  Platze  zu  seiu  und  für 
diesen  Zusammenhang  [p.  10,6]  sich  besser  zu  eignen  als  was 
jetzt  p.  10,6 — 10  steht.  Das  Schlimme  ist  nur,  daß,  wenn  man 
unseren  Satz  [p.  10, 17 sqq.]  dort  p.  10,6  einfügen  wollte,  der  Ab- 
schnitt p.  10,6 — 10,  der  auch  mit  öio  iva  ;//)  anfängt  und  gleich- 
falls angibt,  was  geschah,  damit  der  Mensch  nicht  ein  xaxbv 
dd-dvaxov  würde,  diese  Absicht  jedoch  durch  ein  anderes  als 
das  p.  10,19  genannte  Mittel  erreicht  sein  läßt,  ganz  in  der  Luft 
hinge.  Der  Kompilator  hat  verschiedene  Quellen  benützt  und 
es  nicht  verstanden,  deren  Aussagen  harmonisch  miteinander 
zu  verbinden.  In  unserem  Falle  standen  ihm,  da  die  Fell- 
kleider auf  die  vEXQorrjg  des  Menschen  gedeutet  werden,  die 
beiden  Gedanken  zur  Vorfügung:  Der  Mensch  mit  Sterblich- 
keit angetan,  damit  er  nicht  ein  x<:x<)r  dd-dvaxov  sei  und: 
Der  Mensch  aus  dem  Paradiese  getrieben,  damit  er  nicht  vom 
Lebensbaume  esse  und  ein  xaxog  d&dvaxog  werde.  Diese 
beiden  Gedanken  sind  nicht  in  die  rechte  Beziehung  zu  ein- 
ander gebracht,  sondern  einfach  hingeschrieben,  der  eine  früher, 
der  andere  später,  jeder  mit  öio  eingeleitel  und  trotzdem  jeder 
an  Aussagen  angeschlossen,  zu  denen  er  nicht  im  Verhältnisse 
der    Folge   steht. 


184  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

Die  angeführten  Beispiele  genügen,  um  zu  zeigeu,  daß 
die  Schöpfungsgeschichte  [Theod.  Mel.  p.  1 — 11,7]  an  Un- 
klarheiten und  Unebenheiten  leidet  und  die  Ordnung  der  Ge- 
danken in  ihr  zu  wünschen  übrig  läßt.  Und  zwar  gilt  dies 
auch  dann,  wenn  man  die  Interpolationen  und  Textverderbnisse, 
die  sich  nur  in  einem  Teile  der  Chroniken  finden,  außer 
Betracht  läßt.  Auf  die  handschriftliche  Überlieferung  oder  die 
Nachlässigkeit  der  Abschreiber  können  die  Mängel  der  Kom- 
position, die  die  Schöpfungsgeschichte  aufweist1,  nicht  alle 
geschoben  werden.  Sie  fallen  zum  größten  Teile  den  Urhebern 
oder  dem  Urheber  des  schöpfungsgeschichtlichen  Abrisses  selbst 
zur  Last2.  Ihren  Grund  haben  sie  darin,  daß  in  der  Schöpfungs- 
geschichte meist  fremdes  Gut  verarbeitet  ist  und  die  Ver- 
arbeitung nicht  immer  in  geschickter  Weise  geschah.  Manche 
Undeutlichkeiten  und  Ungereimtheiten  sind  durch  sinnwidrige 
Verkürzung  des  Textes  der  Quellen  entstanden. 

Als  Eigentum  des  Mak.,  der  in  seinen  Ausführungen,  so 
sehr  er  auch  in  die  Fußstapfen  Früherer  tritt,  doch  seine 
Gedanken  in  seiner  Weise  vorträgt,  kann  darum  die  Schöpfungs- 
geschichte nicht  betrachtet  werden  3.  Mir  scheint,  daß  in  ihr 
überhaupt  nicht  das  selbständig  gearbeitete  Werk  eines 
Mannes  vorliegt.  Vielmehr  deutet  alles,  insbesondere  die  vielen 
Entlehnungen  aus  Kirchenväterschriften  und  die  mangelhafte 
Gedankenverbindung,  darauf  hin,  daß  wir  in  ihr  eine  Art 
Florileg  vor    uns    haben,   wie    deren    in    der    spätgriechischen 


1)  In  der  Erzählung  von  Kain  und  Abel,  Tb.  Mel.  p.  11,9 — 14.2, 
treten  sie  nocb  mehr  zutage. 

2)  Dies  geht  schon  daraus  hervor,  daß  uns  die  xoOfionoua  iu  ver- 
schiedenen, zum  Teil  auf  alten  Hss.  beruhenden  Rezensionen  erhalten  ist 
und  die  Mängel  auch  in  den  Partien  erscheinen,  in  denen  die  Rezensionen 
übereinstimmen. 

3)  Tillemont  [cf.  Fabr.,  Del.  argum.,  Hamb.  1725,  p.  <>9  sq.]  hielt  die 
Schöpfgsgesch.,  von  der  ihm  nur  der  Teil  bekannt  war,  der  im  Ottobonianus 
steht  [=  Th.  Mel.  p.  4,  12 — 10,  25],  nicht,  wie  Crus.  u.  a.,  für  ein  Stück  aus 
den  nämlichen  Homilien  des  Mak.  zur  Gen.,  aus  denen  das  Fragment: 
yE7i£ii)li  .  .  .  yiTiöra  [Vat.  Fragment]  stammt,  sondern  für  ein  von  ihnen 
verschiedenes  Elaborat  des  Mak.  An  seiner  Annahme  ist  soviel  richtig, 
daß  das  Vatik.  und  das  Ottobon.  Fragment  nicht  als  Bruchstücke  eines 
und  desselben  größeren  Ganzen  angesehen  werden  können.  Aber  dagegen, 
das  Ottob.  Fragment  als  ein,  wenn  auch  drittes,  Werk  des  Mak.  gelten 
zu  lassen,  sprechen  sämtliche  in  der  vorliegenden  Abhandlung  unter  11,  3 
[S.   130 — 184]  mitgeteilten  Argumente. 


11,3.  M:ik.  Magnes  nicht  Verfasser  d.  „Schöpfungsgesch.".       135 

und  byzantinischen  Zeit  so  manche  ans  Licht  traten.  Auf  ein 
Florileg  deuten  auch  die  Überschriften  hin,  die  in  der  Schöp- 
fungsgeschichte über  den  einzelnen  Kapiteln  stehen.  Einige 
dieser  Überschriften  berühren  sich  mit  solchen  in  den  Sacra 
Parallela  des  Jo.  Damaskenos1,  so:  IIbqI  d-aZdöörjg,  Polyd.  ed. 
Hardt  p.  10,6  [üsqI  rijs  (rakaOGrjg  Theod.  Mel.  p.  2,  11]  mit: 
Iho)  S-aAdö67]Q  PG  96,  45;  Ueol  t<dv  xttjjwv  xal  tmv  Otjqicov 
Th.  M.  p.  3,  25  mit:  Ilio)  xrijvmv  xal  xQovoiag  avrcSv  PG 
96,80;  JIio)  trjc;  xaraöxevrjg  tov  avd-QWütov  Th.  M.  p.  4,  12 
mit:  üeol  r//-  tov  difd-Qmjcov  jcAdöemg  xc)  xaraöxsvijs  1*0  95, 
10!)7  und  endlich:  üeol  tov  öiaßoXov  xal  tov  6g)sa>g  Th.  M. 
p.  7,  24  mit:  Ihn)  diaßoXov  rfroi  Saxavä  xal  öaifiovmv  PG 
95,  1405. 

Vermutlich  ist  die  Schöpfungsgeschichte  aus  einem  Sammel- 
werke, in  dem  zu  den  einzelnen  Versen  der  drei  ersten  Kapitel 
der  Genesis  unter  gewissen  Überschriften  Stellen  aus  Kirchen- 
vätern aneinandergereiht  waren,  im  Laufe  der  Zeit  dadurch 
entstanden,  daß  die  Autorennamen  weggelassen,  die  Texte 
verkürzt  und  umgeformt2  und  dazwischen  Übergänge  hergestellt 
wurden. 

Wir  sind  mit  unserer  Untersuchung  über  das  zweite  Werk, 
das  dem  Mak.  Magnes  zugeschrieben  wird,  zu  Ende.  Sie  hat 
zu  dem  Resultate  geführt,  daß  der  Text  des  Ottobonianischen 
Fragments  [Ottob.  Nr.  268,  f.  75 v— 81  =  Brix.  B.  VII,  7 
f.  11  r  —  17v]  und  somit  der  der  ganzen  Schöpfungsgeschichte 
[Theod.  Mel.  p.  1  — 11,7]  nicht  vom  Verfasser  des  Apokritikos 
herrühren  kann.  Ihm  verbleibt  von  den  Homilien  zur  Genesis 
nur  jenes  kleine  Bruchstück,  das  uns  im  Vat.  2022  f.  236  er- 
halten ist  [s.  oben  S.  121]  und  von  dem  sich  eine  Kopie  auch 
im  Ottob.  268  f.  73v  findet. 


1)  CT.  den  Text  der  Sacra  Parallela  des  Jo.  Dam.  bei  Magne,  Patrol. 
Gr.  T.  95,  L033sqq.  and  T.  96,  9—442. 

2)  Vgl.  auch  K.  Praeehter,  „Unbeachtete  Philonfragmente"  im  Archn 
für  Gesch.  der  Philosophie  Bd.  IX,  N.F.II.Bd.  L896.  p.423  und  „Eine 
unbeachtete  Quelle  in  den  A.nfangskapiteln  des  Zonaras",  Byz.  Z.  VI.  181)7 
I».  514. 


186 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Anhang. 

Der  Text   des  Ottobonianischen  Fragments    nach   «lern 
Manuscript  des  Magnus  Crusius. 

Das  Ottob.  Fragment,  das,  falls  unsere  Beweisführung 
die  Probe  hält,  für  Mak.  nicht  mehr  in  Betracht  kommt,  ist 
als  solches  noch  nicht  gedruckt.  Ich  halte  es  darum  für 
zweckmäßig,  anhangsweise  den  vollen  Text  dieses  Fragments 
mit  seinen  Fehlern  nach  dem  Ms.  des  Crusius  [Brix.  B.  VII.  7 
f  11  r  —  17v]  mitzuteilen,  damit  auch  andere  die  im  II.  Teile  meiner 
Abhandlung  ausgesprochenen  Behauptungen  prüfen  können. 
Damit  ferner  das  Verhältnis,  in  dem  der  Text  des  cod. 
Ottobon.  zu  dem  anderer  Rezensionen  steht,  bequemer  zu  er- 
kennen sei,  habe  ich  aus  den  teils  gedruckten,  teils  un- 
gedruckten Parallelberichten,  die  mir  zugänglich  waren1,  die  ali- 
weichenden Lesarten  beigefügt-.  Da  auch  Kedrenos  aus  unserer 
Schöpfungsgeschichte  einzelne  Abschnitte,  diese  freilich  wirr 
durcheinander  geworfen  und  mit  Stellen  vermengt,  die  aus 
Synkellos  und  anderswoher  stammen,  bietet,  wurde  er  gleich- 
falls mitberücksichtiet. 


Abkürzungen,  die  im  Apparate  vorkommen. 

Anonymi  scriptoris  historia  sacra  ab  orbe  condito  ad  Va- 
lentinianum  et  Valentem  imperatores  e  veteri  codi«  e 
Graeco  [sc.  dem  Ambrosianus  D  34  sup.,  niembr.,  4°, 
s.  X — XL]  descripta  Jo.  Bapt.  Bianconi  .  .  latine  vertit 
et  nonnulla  annotavit.     Bononiae   1779. 


1)  Der  cod.  Paris.  Gr.  1712,  den  ich  einsehen  wollte,  weil  er  f6r — 12  v 
den  Eingang  der  Chronik  des  Symeon  Logoth.  und  fl8vsqq.  die  anonyme 
Chronik  enthält,  die  die  Quelle  des  Kedrenos  bildet  [cf.  H.  Geizer,  Sextus 
Jul.  Afrikanus  uud  die  byz.  Chronographie,  II.  I.  Leipz.  1885  p.  280 sqq.; 
I\.  Praechter,  Die  röm.  Kaisergesch.  bis  auf  Diokl.  in  c.  Par.  1712  und  c 
Vat.  163,  Byz.  Z.  V,  1896  p.  484  sqq.]*  war  a.  1905  und  1906  nicht  verfügbar. 
Bei  verschiedenen  sonstigen  IIss.,  die  die  Schöpfungsgeschichte  haben, 
gestatteten  es  mir  andere  Umstände  nicht,  Einsicht  in  sie  zu  nehmen. 

2)  Bloße  Schreibfehler  wie  rjdwvijq  statt  qdovijq  a.  ä.  ließ  ich  außer 
Betracht. 


Text  de»  Ottob.  Fragments  nach   d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.      187 

B  =  Randbemerkungen  von  der  Hand  dos  Magnus  Crusius  im 
cod.  Brixiensis  B.  VII.  7. 

Crus.  =  Lesarten,  in  denen  der  gedruckte  Text  des  Crus.  vom 
Brix.  abweicht  [nach  den  zwei  Dissert.  des  Crus.,  bezw.  nach 
Migne,  PaGr.  10,  1343  sqq.  In  ihnen,  bezw.  in  MiPaGr.  10 
stehen  nur  die  Abschnitte  der  Schöpfungsgesch.,  die  in  den 
unter  dem  Text  stehenden  Noten  unter  Hinweis  aufPai  rr.  10 
und  Angabe  der  Kolumnenzahl  namhaft  gemacht  sind. 
Ein  A,  B  etc.  hinter  der  Kolumnenzahl  bedeutet  den 
betreff.  Teil  der  Kolumne  bei  Migne]. 

G1  =  Georgius  Cedrenus  .  .  ab  Irara.  Bekkero  suppletus  et 
emendatus.    T.  I.    Bonnae  1838. 

Bei  Kedrenos  finden  sich  nur  die  Abschnitte  der 
Schöpfungsgesch.,  bei  denen  in  den  unter  dem  Text  stehen- 
den Noten  eigens  auf  ihn  hingewiesen  ist. 

G2  =  Cod.  Ven.  Marc.  Gr.  Cl.  VII,  Nr.  12,  chart.,  fol.,  einst 
dem  Kloster  SS.  Giovanni  e  Paolo  gehörig,  nach  der 
Subskription  am  Schlüsse  von  f  434  r  vom  Mönche  Sabas 
a.  1284  geschrieben  [doch  vgl.  C.  de  Boor,  Weiteres  zur 
Chronik  des  Skylitzes,  Byz.  Z.  XIV,  1905,  p.  428].  Er 
enthält  die  ovvoipig  Iotoquov  des  Georg.  Kedrenos1. 

L  =  Leouis  Grammatici  chronographia,  ex  recogn.  Imm.  Bekkeri. 
Bonnae  1842.  Beginnt  erst  bei:  Toiwv  ex  rmv  uqij- 
fievcov  Theod.  Mel.  p.  10,  4. 

M  =  Schöpfungsgesch.  des  cod.  Mosquensis  Synodalis  Nr.  252 
f.  205 r—  208 r  nach:  E.  de  Muralto,  Georgii  Monachi 
chronicon,  Petropoli  1859,  p.  902 sqq.  [Verz.  der  errata 
zu  beachten]. 


1)  Im  Sept.  1!)05  in  Venedig  von  mir  eingesehen.  Die  ersten  Blätter 
des  Kodex,  also  gerad. ■  die,  die  für  die  Schöpfungsgesch.  in  Betracht 
kommen,  sind  nicht  mehr  ganz.  Es  sind  Stücke  von  ihnen  weggerissen. 
Ich  habe  nur  die  Stellen  verglichen,  die  aus  der  Schöpfungsgesch.,  wie 
sie  bei  Theod.  Mel.  und  Genossen  sich  findet,  herrühren,  ohne  dabei  mir 
zu  notieren,  welche  Worte  dieser  Stellen  im  Kodex  um  deswillen  fehlen, 
weil  das  betreffende  Blattstück  nicht  mein-  vorhanden  ist.  —  Von  Interesse 
ist  vielleieln  noch,  wenn  ich  zu  Cedr.,  ed.  Bekker  I.  )>  1".'.  1  s<|.|.  bemerke, 
daß,  in  unserem  Kodes  nach  tixvoiq  elaiv  [Cedr.  ed.  Bekker  ]>.  11,22] 
eine  neue  Zeile  beginnt  mit  den  Worten:  <Pikamixoq  \'l'  groß  und  ro1 
ir..  die  letzten  Buchstaben  des  Namens  nichl  ganz  deutlich]  b  olöijq 
iv  n>>  xq  töfito  irjq  iQiaxiavvxr\q  lazoQtaq  tovzo  Xeyet' ort  tivhq  £x  < 
Aöiiicu  und  nun  weiter  wie  Cedr.,  eJ.  Bekkeri.  p.  12, 1  sqq. 


188 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Mcod.  =  Lesarten,  in  denen  der  Mosqu.  von  dem  bei  Muralt 
gedruckten  Texte  abweicht. 

P  =  Julii  Pollucis  historia  physica  seu  chronicon  .  .  Ed.  .  .  ab 
Ign.  Hardt.     Monachii  et  Lipsiae  1792. 

T  =  Theodosii  Meliteni  qui  fertur  chronographia.  Ed.  Th.  L. 
Fr.  Tafel.     Mon.   1859. 

V  =  Cod.  Hist.  Suppl.  Gr.  91  der  k.  k.  Hof  bibliothek  in  Wien, 
chart.,  saec.  14.,  310  numerierte  Blätter1.  Der  Kodex 
ist  von  verschiedenen  Händen  geschrieben.  Maße  der 
Hs.:  19X13  cm,  der  beschriebenen  Fläche:  14,8X11  cm. 
F  16r  —  58v  steht  eine  Chronik,  f.  16r  —  22r  die  Schöp- 
fungsgesch.  [die  Erzählung  von  Kain  und  Abel  ab- 
gerechnet]. Über  den  mannigfaltigen  Inhalt  der  Hs.  vgl. : 
Adami  Fr.  Kollarii  de  bibl.  Caes.  Yindob.  supplemen- 
torum  1.  I.  posthumus.  Vind.  1790,  Nr.  127,  Kol.  736—747. 


+    =  addit,  addunt. 
>  =  omittit,  omittunt. 


Fra^menta 

excerpta  ex  Macarii  Magnetis  Commeutario  in  Genesin  ex 
Codice  MS.  Cardinalis  Ottoboni  Num.  R.  VIII.  54. 

Iltol  tv/u.-  tov  'Aöafi  dtji/toroyiaS2. 

Ti  yaQ  (f)jGiv  ))  freia   yQcuf/)'    „Kai3  tijrtr  6  9-sog,  .701 //- 

Ocotusv  xbv  ai&Qoojzov  xar    slxova  fjfisTSQav  xal  xad-'  OfJoiatOiv. 

xal  aQxerco  t.ir)  xcov  iy&vcov  tFjj:  9-aXdöörjg,  xal  t<~>v  rrhTnr<~)r 

otov  qvqccvov,  xcu  T(~)V  {rfjQicov  xcu  Jtäörjg  r/y-  yt^-1"      Kai  t<c4 

1)  Im  Sept.   1905   in   der   k.    Staatsbibliothek   zu   München    von   mir 
eingesehen. 

2)  Steht  auch  PaGr  10,  1392  B  [Crusius]. 

3)  Gen.  1,26. 

4)  Kai  rcc  pir  .  .  .  na^i/xTca   steht   PaGr  10,  1392  B;    Kai    ra  fihv 
sveQysia  vb  näv  steht  PaGr  10,  1397  BCD  [Crusius]. 


1  tceqI  Trjq  xaztxaxsv^q  vov  avd-gcönov  AM  [in  M  jedoch  schon  vor 
tneidtj  6h  Xoinbv  Theod.  Mel.  p.  4,5]  PTV  —  2  d-eia  >  AMPTV  — 
b  >  P  —  3  xbv  >  AMPTV  —  4  &Q'/hajaav  AMPTV  —  btl  > 
AMPTV  —  5  hinter  9-t]Qia>v  -\-  nör   xrrjväiv  A:    -\-  xal   ti~>v  xT^rJjy  P 


Text  des  Ottob.  Fragments   nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.      189 

idr  aXXa  xriöfieva  Qtj/ian  uöro  jiaQtjxrai.  o  61  av&Qomoc 
föyj-r  sgaiQEzov  ti  xaxa  r>)f  xoirjOiv  üiaga  TavTa.  ßovXrjg  yag 
jcQorjyiaOfiEirqq  kxTiöJh],  iva  ex  tovtov  (^yjht  otljceq  xriofia 
zlftiov  vjzaQxei.  to  yag1,  rrou'/Goit:  >■  avfrga)Jzoi>  yj'.r  eixova 
fjftSTEQav  x<u  xafr'  ofiolmöiv,  ovöev  %TEgov  öeIxvvöiv,  //  oti  ."> 
ÖVflßovXm  tyo i'/Ck cto  Q  rrartjU  to  ftovoyEVEl  error  rrp  vup  L~t} 
rt'j  tovtov  xaxaöXEt^fj,  to  „dszavyaöfia2  r/}_-  rfogjyc",  xaxa  tov 
djtoözoXov,  „xal  yagaxxrjg  r/y-  vjtoöTaOEOJC  avrovu.  Ovte  yag 
evrjv  ev  aXXca  tlvi  övfißovXcp  xExgrjö&ai,  /]  t<~>  tpövri  xa\ 
vjcoototöj  arror  Xoycp,  Ttp  ajtaoaXXaxTco  avxov  xax  et- 10 
xova  xal  o/ioiatöiv,  xal  loodvvdfim.  'EzzEidr]3  to'lwv,  cog 
ho/jtci,  ßaöiXsvq  Söjceg  Elgqx&rj  tr  xoöfioi  o  ävd-gmjtog, 
sixoxmg  xal  xax7  Eixova  9-eov  yEryEVvrßai.  eöei  yag  xov 
(isXXovra  uoyjiv  xmv  aXXatv  möJCEQ  xiva  Eixova  i'inrryoi- 
Trjq  ror  ß( cot Xsco g  OfiOiOTTjTOQ,  ovx  EV  Jiogq.  vgidi  xtu  axrjJt- 15 
to(>>  xi'j  diaörjuaTi  xtjv  ägiav  Efiopaivovxi.  ejieI  (irjtih  to 
doy/rr.yov  hv  xovxotg  fjv,  aXX  kr  rot  xExoöfiElöd-at  Tip'  aq>d-ag- 

1  Hinter  u'tJ.u  -\-  navza  A.MPT,  TiäiT«  fehlt  V  —  xxiofiaxa  A  M  PTN  . 
ferner  Crusius  cf.  PaGr  10,1392  B,  1397  B  —  JCaQrjx^n  AMPT,  naQqxtaiV 

—  3  ngotjyijoafiirijc  AMPTV,  TCQOfjyovfisv^q  Crus.  cf.  PaGr  10,  1397  B  — 
ix  TMS  V  —  'hr/jh,  AMPTV  und  Crus.  cf.  PaGr  10,  1397  B  —  4  ziftibv  ti 
%orj(ia  statt xzio/ia  zl/itov  AMPTV  —  6 fiovoyevfj  APV  —  rw  >  AMPTV 

—  7  xttxaaxeveZV  —  xw  aitavyaofjuxxi . . .  %aoaxxri0i  AMPT\  und  Crus.  ct. 
PaGr.  10,  1397  BC;  oq  iaxi  xb  ccTCavyaOfia  .  .  Crus.  cf.  PaGr  10,  1389  C  — 
8  Ovxt  .  .  .  laoövv«(ito  >  Crus.  cf.  PaGr  10,  1397* '  —  9  alvrjv  statt  ivr\v  V  — 
t'v  >  AMPTV  u.  'Crus.  cf.  PaGr  10,  1389  C  —  a/./.o  V  —  ovfißovXq) 
tivi  T;   xivl  avßßovkw  APV:    r/r?  avjxßovXw   ztvl  M   —   xal  %QEio&ai   \ 

—  10  ivvnooxäxtp    AMPTV:    vnoaxaxtxm    Crus.    cf.   PaGr  10,    (1347  A. 
1376  A)  1389  BC  —  avxov  vor  xax  >  A  MPTV  —  11  bfioovoita  A  M  PTV  - 
hinter  laoövväfim   -\-   Eueoat  ovo  ....  taxwß  MTV  (aus  Kleiner  Genesis] 

—  vor  ineiSfj .  .  .  die  Überschrift:  sig  tu  y.r.d  etxövct  A  MPTV  —  yag  statt 
zoivwG^-G2 —  12  toq  eiqtjzcci  >  G'GJ  —  ßaoiXsvq  dtoTtSQ  auch  Crus..  anrichtig 
(öoTity  ßaaikevq  PaGr  W.  1397  C  —  tiqotjx&ij  G1  G-  —  iv  riö  xoa/ita  GJGJ 

—  13  hinter  elxöxcoq  -\-  ovr  M  —  xa)  >  G'G-  —  &eov  >  P  —  ysyivvtjxat 
auch  Crus.  [unrichtig  PaGr  10, 1397  C  ye yevtixai] ;  yeyevTjxai   AG-'.MPTV 

—  14  SqxVv  V  —  hinter  elxbva  -\-  elvat  A  G  ' G'-'M  PT  V  1 5  vca/ißaai- 
kt'cuc  A(!!G-I'  —  hinter  bfxoiöxrjxog  -j~  anoXaveiv  Crus.  cf.  PaGr  10, 
1397  C  —  KI  ipupaivovxa  AG'MPT.  ifjupaivovxi  (iL'V  thteidrt  M  — 
fiTjShv  V  —  17  i'uTiy  statt  /,Y  ACi'G-MPTV  —  xfxooi(^tt!h:i  AtJ'PT. 
xexoofieia&ai  (J-'V,  xoa/ista&at  M  —  r/'t  und  ilie  folgenden  Substantivs 
im  Dativ    \<;'<;'MPT,  r//r  u.  die  Subst.  im  Acc.  V. 

1)  ro  yag  ....  loodwccpcp  slehl  bei  Crus.,  cf.  PaGr  l(t.  1389  C. 

2)  Ep.  ad  ffebr.  1,3. 

!'>    Ensidij  ....  ivioyeia  zo  näv  stehl  Kedrenos  I  10,  16    -11,5. 


190 


Sehalkhausser,  Makarios  Magnes. 


ölav  xal  ä&avaöiav  xal  ccqsttjv.     Tovtoig  yao  Tifirjd-Eig  o  av- 

irQCOJrOQ    Tip'    JlQOg    tO    JtQCOTOTVJtOV    ElxOVa    0(tOlOT7]Tl    6iaÖ(6^6l. 

sjcel  dt  xal  avTE§ovöiori]g  to  ßaöiXixov  xal  sjtyQfisvov  tTjc 
ffvöscog    tov    äv&omxov,  xal  jtoog  r//r    9-siav  ebcova    efi<psQsg 

5  jcgogtpavEötatov  öe'vxvvOi,  xal  xata  tovtov  tov  Xoyov  xal 
ytLQotv  0-eov  soyov  6  avd-oamog,  <)ia  to  tifiiov  trjg  xaraöxsvTJg. 
ßovlfjg  yao  evsayela  to  .irür.  Elta  itira  rtjV  tovtov  öicuiZaöiv, 
tij  qvöbi,  „o  d-Eog1  xal  öweteZsösv  lr  ty  rjfisQg  ri/  exry  xa 
loya  avrov,  jcq&tov  ejiolijösv  xal  ijvkoyrjösv  tjfieoav  tr\v  eßöo- 

10 (irjv,  xal  fjylaöEV  avT/))\  oti  ev  avtfj  xarsxavösv  düto  t(~>v 
eoywv  avrov,  d>v  tjogaro  6  freog  xoirjöai."  Tlvog2  yaoiv  eßöoprjv 
fjfieoav  rjvÄoyrjCev  6  d-sog  xal  ovy)  tag  ütaöag;  oti  Exdorr\  tojv 
aXkcov  Ix  tTjc,  tr  avrf]  ysvofiEvrjg  örjiiiovQylag  ioyiv  Ttp'  EvXoyiav. 
Ijrtidt/  61  e(ieXXev  avTtj  (ieveiv  ayEQaotog,    (irjÖEfiiäg   ev  avtfj 

15  yBVO[iEvr}g  drjfiiovQylag,   tovtov  yaoiv  rjvZoyrjdT]  xc)  avT/)  vjto 

TOV    &-EOV. 

ILaXiv  ovv  >i  yoa(f/j,  „xal3  ig)vt£VöEV  6  9-sog  tbv xaoaÖEiGov 

2  xijv  [nach  TtQoq]  MT,  xb  AG1G2M  cod.  PV  —  b/wiöxrjxa  AMTV, 
xal  biioibxr\xa  G1G2P  —  3  exi  statt  enel  AG  1G2MPTV  —  vor  abreg.  -4-  ?/ 
AG'G-MPTV  —  tnrj^rjj/Litvov  T  —  5  npoyaveoxaxa  AG1G2PTV,  euipave- 
oxaxa  M —  delxvvfftv  MT —  xalvor  xaza  >  AG1G2P —  6  xltv  xi/htjv  G1,  xb 
xlfiiov  AG2MPTV  —  7  xal  yay  ßovkrjq  G*G2  —  iveoyEiq  A.  ivegyelaq  P, 
iveoysux  G1G2MT  V  u.  Grus.  cf.  PaGr  10, 1397  C  —  xovöe  AP  —  8  xl  </  rjoiv 
AMPTV  —  ?/  y(>c(<f}j  AMPT,  b  Q-ebq  V  —  hinter  ovvexeXeasv  4-  b  Sebq 
AMPT,  dies  b  d-ebq  fehlt  V  ■ —  ev  >  M  —  9  statt  tcqwxov  haben:  a 
inoä/oe  [-ev  V],  xal  xazenavasv  ev  xy  yߣQ(x  xy  eßöofiy  anb  7tävzatv 
Xiöv  tyyojv  avrov,  tav  MTV.  bloß  u  bis  eßdbfi.%  haben  AP  —  thtoirjGt 
TV,  snoirjoev  >  AP  —  rjvkoyijoe  TV,  evkbyijas  P,  evkoyijasv  AM  — 
ZTjV  rjfi&Qav  AMPTV  —  10  f/.vxyv  >  T  —  hinter  anb  -\-  tii'.vt^v  AP  TV, 
Ttävxüjv  fehlt  M  —  11  vor  Tlvoq  die  Überschrift:  neo)  vov  aaßßarov 
AMPTV  -  Tlvoq  61  GlG-  —  ryr  eßö.  )](i.  AGaG2MPT.  x\v  \u.  ti/v 
eßö.V  —  12  svXbynaev  AGJG2MP  —  hinter  »ebq  +  ;«'>ror  APTV, 
-J-  (jtbvrjv  M  —  ob  näoaq;  <paol  xiveq  G1,  ov%l  naaaq  ohne  (paai  xireq  G2 
—  )Jyo/xsv  oiv  bxi  G1,  keyo/iev  oti  G2  —  13  toyru  (?)  V.  to/e  G1G2MP, 
IV/svAT  —  14  statt  e7iei<S>j  his  fu/öefiiäq  hat  M  nur:  enl  t>^  g ,  ovöe/uäq  — 
de  >  V —  a'vztj  AV,  avz>/  (ibvri  G^2  —  ßtvrjv\  —  ßtjdeftiäq  h[>  6t](aiovq- 
yiaq  >  AP  —  15  ev/.oytj&ij  APV,  evloyiad-rj M,  ev'/.oyiftet  G2.  /tl).oy!jd-?i 
GXT  —  aizrj  AGXG2  —  na()a  statt  heb  AP  —  16  xov  >  APT  —  17  vor 
77«Atv  Überschrift:  72eo/  xov  TiaQadeioov  M  —  hinter  ovv  -4-  (prjolv  M  — 
e<pvxevoe  [-ev  AV]  xvpioq  b  &eöq  AMPTV  —  xbv  >  AMPTV  —  hinter 
Tiapädeiaov  -+-  iv  'Edev  T,  4-  ev  iöhfi  AMPV. 

1)  Gen.  2,  2-3. 

2)  Tiroq  .  .  .  inb  xov  Üeoi  cf.  Kedrenos  I  9,  14  — 18. 

3)  Gen.  2,  8-9. 


Text   dos  Ottob.  Fragments  nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.     191 

xaxd  dvaxoXag,  xu)  efrsxo  exsl  xov  ävd-owjtov,  6v  sjtXaöev. 
xai  e^avtxsiXsv  o  9-sog  ex  r/^_  yijg  jtäv  gvXov  moalov  eig  ogaöiv 
•/.CA  xaXov  elg  ßgaöiv,  xai  xo  ^vXov  t^  ->>//-;  iv  utüo  xov 
jtaoaösiöov,  xa)  to  £-vXov  tov  elö&vat  yvojoxov  xaXov  x<u 
.Tor/yoor."  Tt\v  Xoyixryv  vjioöxaOiv  ngod-tfievog  6  9-eog,  dqpatoi-  5 
ö/ievov  xaxaoxeva^ei  xa)  Xa(Jtjtoov  oIx7]xtjqiov  x<u  Jidörjg  yi'uov 
{rvfiijöiag,  xa)  xa-9-ioxijOiv  exet  xov  Add/i'  ext  de  evxavd-a 
yevofisvov  tov  Xoyov,  d-avfiadai  to?  9-sov  t/]v  d<paxov  tpiXav- 
d-Qcojiiav,  OTMteo  ücdvxoxe  aoyrx/)v  eycov  xa)  aiöiov  e^ovoiav 
dg  to  Ttäv,  hcvt/)  y.iCi  ysatoysZv  hxidiöcaxt  6id  xov  avd-Qcoxov.  10 
o  yccQ1  xooovxov  (teyed-og  ovqccvov  xai  yijg  xai  9-aXdöörjg  Xoycp 
vjcoörrjOafisvog,  xoXXm  fiäXXov  jtaQaösiöov  Ixavbg  xaxag>vxsvöai 
o/'/iucti,  xa)  Xoyqj  Qijjaöai  jtavoXßiov  yooio)'.  a).).\  mg  eiQnxai, 
öia  TijV  jtgog  tov  avd-QOJtov  xifiryv  xa)  yvxovoyog  yivexai  ;tv- 
GTixoiv  tii'i  Xoycp,  äxafidvTcog  xovöe  xoö/iov  Ix  tov  iitj  ovxoglö 
big  vo  elvai  jtaodymv  d-eXrfGei. 

Eixa  ev&vg  f]  yQaqprj'  „Kai2  r\yayev  6  9-eog  xdvxa  xd  d-rjoia 
xa)  xd  xTi'jVij  x.(d  Tic  eojcexd  .Too-  xov  'Aöccfi,  löeZv  x'i  xaXeöat 
avxd.  xa)  ^av  6  exdXeöev  'Aödfi,  xovxo  ovofia  avxolg."  cOgag 
ovv   xai    IvTirlhv   TijV   xifirjv   fiexd   Tavxa  tot  dvd-goyjcov,    §j>20 

1  hcXaas   PT    —    2  hinter   9-ebq  +  l'u   AMPT,    \xi  !>  9-ebq  hat  V 

—  3  i-iiuiaio  V  —  5  vor  Tryv  die  Überschrift:  Tlau  zov  Ttaoaöeioov 
APTY  —  hinter  tmboxaoiv  -\-  ziftjjöai  AMPTV  —  a<p<aQiG(ihvov  >  M, 
(\<( ontüic. 'vor  PV  —  G  fiovTjTijQiov  statt  obcrjzriQiov  AP  —  ye/iatv  V  —  7  d-vv- 
öeiag  V  —  i'un  MT,  forty  V.  i'ti  AI*  —  8  yevofievot  M,  yivofisvov  M  cod.  — 
trjv  ä(paxov  9-sov  P.  tijv  a<paxov  tov  freov  AT,  xov  &eov  r/)r  äcpaxov  MV  — 
9  navxaQyutrp)  AMPTV  —  aeiöiov  T  —  10  savxbv  AMPT  [M  hat  dies 
havxbv  hinter  yewoyeZv],  invrij  V  —  iTteöcoxe  APTV,  hteScoxev  M  — 
11  V-c/./cTTtjQ  AP  -  12  Tcaoääeiaov  hinter  y.axmpvxevaai  M  —  hinter 
txavbq  -\-  >]v  A  M  PT,  V  hat  bcavütq  })r  —  13  Qit,(oaaq  P,  hinter  QiCfäaai 
+  zb  AMPTV  —    14  uvcTty.oj  AMPTV  und  Crus.   cf.  PaGr  10, 1392  C 

—  15  hinter  Xöytp   -\-  b  AMPTV    —    axafidxtoq  AMPT.  axafiävxatq  V 

—  hinter  xbvöe  -j-  xbv  AMPTV —  l<i  9-ekijaei  fibvy  naqayayüiv  AMTV, 
freXjjOei  !<<>v>,  naoayoivV —  17  M  hat  vor  eita  die  Überschritt :  llx>l  rijq 
twv  Zflxov  bvofiaaiaq  —  avd-iq  statt  ev&vq  AMPTV  --  18  nexeivä  statt 
egnexä  AP  —  xakiaei  AMPTV  —  1!)  1]  MTV  —  hinter  ixäheosv  -\- 
avxb  T,  +  i'vtu  A  M  P,  kein  Zusatz  V  —  ccvxy  AMPT,  r.vroi^  V  — 
bgäv  AMI'l'V,  vcir  boäv  die  Überschrift:  lliyi  tijq  bvo/xaolaq  vtöv  Z<mov 
A  l'TV  —  20  hinter  ovv  -\-  i-ozi  M,  -(-  /Jr  APTV  —  binter  tiii^v  -\-  t'ijv 
APT  —  „In  cod.  iii—.  omissa  est   von  avd-Qwnov"  B. 

1)  b  yap  .  .  .  naQaywv  9-ekijoei  steht  bei  Crus.  cf,  PaGr  10,  L392  C. 

2)  Gen.  2.  19. 


192  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

i'oytr  £§,  avzrjg  r/'^  ysvEöEcog.  ojöjceq  ydg  uyhXäoytjC  ru  .looxt'  ')- 
ryrai  o  Ada(i  xai  o  freöq  rjye  jcqoq  avrov  va  //rohe  yevrj,  iva 
rjyE{i6va  tovtov  xsLQOTOvrjöEi  o  ov  xar  slxova  lölav  xEJtoirjXE. 
Kai  kxslvog  fihv  {reim  xarajtvEVO-d-Eig  xa)  jcgoipijTixäJ  jcvsvfian 

5  ovofia  Exd&rco  töjv  dXöycov  EüiEfhjXE.  tä  ös  £eöa  wöjrEQ  Tifirrv 
(lEyaXfjV  Ix  zrJQ  EJtixXrföEwg  Xaßovra  ovrm  ev  orZry'tc.  rrr;  ■/<■'>- 
qovv.  Irrtidij  de  tJ-  düidvrcov  tc5v  yeväiv  ovdhv  ijr  dftoiov  t<~> 
'l<)(ct(,  vi-i'.ytl  jtdXiv  o  0-Eogu,  xad-d  g>rjöiv  /)  yoa<pr},  „Ov  xaXbv 
sivai  tov  avd-QWJiov  (idvov.     jcoltj60(iev^  arrot  ßotjireiav   xar 

lOavrov."  ßorjirdv  Xi'yu  ro  9-rjXv,  öiä  tov  rr/c  jcaidayoyyiag  Xoyov, 
GwEQyEiv  (liXXov  tcq  avögi  jigog  tijv  tov  yivovq  av§,?jolv  TS 
xu)  öia/iov^v. 

Av&ig  6h  EJtiXtysi.  „Kais  EJtEßaXsv  o  (rsog  Exotaöiv  ejcI  tov 
'Aöafi,  xa\   vjtvatOEV,  xa.)  eXaßEV  (ilav  toüv  jcXevqqjv  error,  xc) 

15  avEJiXrjQOiöEV  odgxa  avr  (error,  xcj  cßxodofirjO'E  tijv  jtXevqccv, 
ijV  EXaßsv  axo  tov  Aöatu  hlg  yvvalxa.u  lös  o  Elgijfisvog  r?t- 
ygaipiag  oxojtog  ovtw.  Kgivaq  o  ev  6og>la  tu  jidvra  jroiijöag 
9-Eog  xai  öovvai  ro  Aöäfi  ßo?]fr6v  xar'  (error,  mg  trrcyyi  i/.ero. 
ovx  Ix  r/jg  y/jg  rrXi'crrti  ro  d-ijXv  xad-caiEQ  tov  dvdga,  aXX3  slg 

20  VütVOV    TQEJIEl    Tocror.    xeraif  ooa    .t/v  riicroc    rov     vor)-    error 

1  r//c  >  AP  —  ysvv^aeioq  M  —  nQOvxaü-ijxo  APTV.  Ttgoxä&t]- 
xai  M  —  2  ö  vor  *4da/i  >  AMPT  V  —  ryyEv  AP  —  hinter  ßVQia  -4-  xmv  9-rj- 
q'uov  xai  xojv  xxrjviöv  xai  xiöv  nsxeiviöv  \itxt]V(5v  P]  AMPT.  der  ganze 
Zusatz  fehlt  V  —  3  xovxiov  APT,  xoirov  V,  toitov  M  —  xbiqoxovSjgei 
ov  TV;  yeiooxovljoft  ov  AMP;  „mendose  in  cod.  ms.,  legendum  yeigozo- 
i'ljoeiev  öv"  ß  —  lÖEiav  V  —  7tE7toitjxev  M,  xt-Twtljxtt  APTV  —  ~>  bvö- 
/i((T(c  xvoia  AMPT,  blol.i  ovofia  V  —  exdoxov  V  —  ene&rjxev  APT  — 
6  ovxioc  AMPTV  —  7  vor  eTteiör]  die  Überschrift:  IIeqI  ri^  noirjGEfoq  vijg 
yvvaixbc.  AMPTV  [V  hat  yvvijg  statt  yvvaixbcß  —  xovxiov  statt  rtüvT,  rot- 
xiov  xiöv  AMPV  —  ysvvcov  M,  yevväv  M  cod.  —  8  aaxa  P.  xa&   a   A 

—  9  noiljoiofisv  AMPTV  —  ßo^bv  AMPTV  —  10  Xeytov  AM  — 
Tiaidoyovlag  AMPT  V  —  11 /ni'/.'/.ovzcc  AP,  [xeXXiov  M  cod.  —  9bis  1*.'  r<>  Ttoiij- 
ooj/ier  avxü)  ßotj&bv  xax'  avtbv  \xar''  cvroG2]  Uta  ri>  ui/./.ov  ri^  Ttaiöoyovlaq 
h'ytt'  avvEQysiyäQ  tu  thij/.v  tu  ävfiol  nobq  tr/v  xov  yivovq  av^tjalv  xe  y.c't 
öiafiovfjv  GaG2  —  13  avveßaXev  A  —  14  Qiwuf  AMPT.  mtvotaev  V  — 
£?>aßt  AMPT.  s'/.e.Jtr  V  —  15  avenkrjoiooe  AMPV,  avxenXijQioae  T  — 
avT"1  avxtjC  AMPT,  hvx  avxov  V  —  IG  i-Xaße  A  —  saxi  6s  statt  ^.;- 
AMPT,  i'axiv  MY  —  17  yoatpiJQ  AMPTV  —  oho;  PT,  ovxioc,  AM 
cod.  V  —  18  xai  >  AMPTV  —  xbv  statt  xtp  V  —  biriyyEiXaro  AMPTV 

—  19  r//c   >   AMPTV  —  xaxäiteo  P,  xa&äitEQ  xr.i  M. 

1)  Gen.  2,  18. 

2)  nodjoojftev  .  .  .  öia/iovtjv  cf.  Kedrenos  1   11,5 — 8. 

3)  Gen.  2,21—22. 


Text   des  Ottob.  Fragments   nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.      193 
tyOLVTCtdlWöaQ,      XCU      TOV     TJyC      IpV/rJQ     OCffhl/.UOV     slg     ÜJtXljÖTOV 

cpoorbg  otyiv  hyxaXettai,  Yra  rij  tpavtaGia  rov  zoiövrov  xdXXovg 
xaT£%6fi£Voq  ///}  yvm  ro  yivbfisvov'  sira  XafißdvEi  uiav  xmv 
jiltvQvjv  avrov,  axa/idrsvrov  cuoth/oiv  aXyrjöovog  avr<p  int 
ejcayaymv  xai  Evd-iatg  coc  rtyj'irijg  xai  larobg  övvrofiog  ro  5 
Xoucbv  dir)  oanxbg  dvEJcX^Qmös  reo  oOrS,  xai  rtjV  ipv%r]v  r/j~ 
dxoQEötco  tijq  &slag  rjöovrjg  jiEQiEöjta,  fivönxmg  sxrvjcmöag 
tavrfjv  i-h  Cwor  Xoytxöv  xdXXst  dfirjxdvcp  xcu  Gy^ccrt  tvjrotjrt- 
ötÜt(')  xai  XEXOOfirjfievT],  xai  ayu  jtqoq  'Adaci'  tira  hxslvog, 
urt  d-Eiov  jrvEVfiarog  (ieto%og  mv,  lyvcoxtv  ort  eg  avrov  /}r  10 
tpvOEmg,  „rorro1  oörovv  ex  rmv  öörtiäv  (iov,  xcu  ödo§  tx  rfjg 
oaoxög  (iov,  ccvrt)  xJj/ih'jötT(C(  yvvt),  öri  Ix  rov  avögog  av&ig 
EXrjq. ihj  «vt))."  'üuoji'-  ovv  6  \4dajt  rr\v  yvvalxa,  ovy  a>g  yv- 
valxa  ihc)Q<~)V  EüiaöftEV,  «//'  mg  havrbv  oqcov  jtVEVfianxSg 
)jv(fQaivtTo  TijV  bfiolav  $X£üimv,  xa\  ravrrjv  sypvGav  xara-lö 
Oxevijv'  cbgavrcog  dt  xa\  rj  ywq  Q-Emoovöa  rov  avdoa  fiEydXcog 
yydXXETO  xat  avrov  ovßav  Eavrrjv  ev  bodösi.  Ovrcov3  ovv 
avrcöv  sv  reo  jraoaÖEiöqi  rT/g  rovfpfjg,  rouov  diÖtoöiv  civrolg 
b  d-sbg  tjr)  EVEQyEOla,  rov   östgai   ue   sXEvQ'EQav  rt)v  qvoiv  tv 


1  cpavxaoiäaaq  P  —  2  (pcurt  V,  cpcoxbq  >  M;  „in  ras.  änX/jorov  cpwxl"  B 

—  ixxaXetxac  MPT,  sxxaxelxai  A,  tyxakelzai  V —  4  axa/Jtäxotq  A  MPT,  axa- 
/.itcxevxov  V :  „in  Ms.  axa/iaxaaxbv''  B  —  %a9^aiv  V  —  5  ercavayaymv  M  — 
ev&vq  AMPT,  Evlh'toq  V  —  o  rf/rljTijC  [ohne  ujq]  V,  u>q  xeyvixriq  äyiötoq  AP 

—  axvxo/ioqF  —  6A«7roi>MT,AüEovV,AowrovAP  —  «h'f7r/.//y«>öfj'.AMPTV 
—'Ev  oauj  statt  rw  parat  AMPTV  —  öe  statt  xcu  APT  V,  yaa  M  —  ry  statt 
tij^  A  M  PTY  —  7  7iEQiia7iE  A;  hinter  neyit-on«  -\-  ri/r  TiXevQav,  //r  skaßsv, 
(bxo6dfJ.7]aev  elq  yrrtüzic  AMPT;  der  ganze  Zusatz  fehlt  V  —  8  ccvttjv 
AM  PTV  —  9  xcu  >  AMPTV  —  xsxoofirjßhov  APT,  xexoafirjfiivfjv  M, 
xtxoofttifthvtj  V  —  hinter  äysi  -\-  rorro  AMPT,  rorro  fehlt  V  —  vbv*A8a(A 
A  M  PTV  —  10  fierexoq  P  —  iyvcoxcoq  AMPTV  —  wc  AP  —  11  cprjalv  statt 
tpvoecoq  TV,<prjGi  AMP  —  rorro  vvv  AMl'V  —  iov  M  —  bareatv  T  — 
vi  avzi}  AMTV  --  avTJjq  statt  ai&tq  AMPTV  —  13  uro,  AMTV  - 
TtXao&elorjg  6}  tfjq  yvvaixbq,  caq  hcuQa  avxryv  o  Adafi  [statt  oq<5v...tijv 
yvvalxa] G'G2  —  o  >  P  —  14  &ea>(ievoq  A  (l1  G3MPT,  9-eoQtiiv  V  —  atq  >  P 

—  ooüiv  >  A  —  hinter  itvEVfiaxixtöq  -\-  ^ypvoav  xaxaoxevijv  T  —  ibevcpQal- 
vfToTV  —  xavzijv  T,  xk'vxijv  A  G1G2M  I'  V  —  %%ovoav  >  T  —  IG  «5J-  >  G'G2 

—  xcu  >  A  —  oQÜaa  GTG-  —  17  ivvoovaa  für  ^'r  ouüoii  AG1G2M  PTV 

—  18  tw  >  A  —  rVÖVtMO/  A  —  19  t^'  AMT,  6tJ  PV  —  ,//h-  statt  //» 
AMPT  und  Crus.  cf.  PaGr  LO,1399B;  (ib>  bal   vor  roü  V;  -/'.-.  //.;ru  B. 

1)  Gen.  2,  23. 

2)  'Oodiv  "('•)■  .  .  .  ivvoovoa  cf.  Kedr.  I   11,8 — 12. 

3)"Orrwr  .  .  .  htii/ij!1  Seöcoxöxa  hat   ('nisius  cf.  PaGr  10, 1399 BC. 
Texte  n.  Untersuchungen  etc.  31,4  13 


194 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


rfj  avre^ovöibrr/ri,  djroöti^ai  61  cog  vjtb  öeöJtoTijv  xal  xrjdsfiova 
tiol  Xtycov  ovrojg.  „'And1  jcavxbg  $vXov  rov  tv  rro  jraoadtltho 
ßgcoO)]  (pccyTi'  djib  61  rov  gvXov  rov  yivmöxEiv  xaXov  xal 
jiovijqov  ov  cpc'cytofrai  aji  avrov'  //  6h  av  ')tutou  <payi]<fd,E 
hd£  avrov,  d-avärraP  djio&avtiöS ]-t ' "  rovr  eCtiv,  frvrjrol  tototh. 
Ovrco  ycco  6  JSvfiftaxog  fjQurjvEvöev'  //  <T  av  fytoa  tpdyy  ujtb 
rov  t-vXov  d-vrjTog  tO)j.  AXZd9  //>/  rig  vjroXäßoi  öri  rb  §väov 
roiavrtjQ  fjv  cpvotmg,  ojg  yvcööiv  jravtyo)  xaXov  xal  ücovijqov. 
ov  ydo  6i]  ßXaßsQOV  kv  reo  jcagaöslöco   ri  yv.     Öqoq  6t  Irtfrij 

XOlv  reo  epvrcö  jrobg  yvfivaöiav  xrjg  tXtv&toort/rog.  xa\  b  rotov- 
rov  S-vXov  curtov  yvcoösatg  reo  3A6d(i  yt'yort,  ÖijXor.  /)  yay 
tvroXtj  cog  jrgbg  tl66ra  a^icito  i6ö{r//,  rb  rt  xaX.br  xal  jiovrjQov, 
r/jv  re  vütaxorjv  xal  ttjv  jzaQaxoijv'  löort  y  yvcoöig  jioovXaßt 
rt)v  lvxoXr\v   Ötöorai  6t  avrij  öia  rb  eiQyrai  avregovöup  ßov- 

15  X/jfiari  xivovfisvov  rov  ärO-Qcojcor,  in  döslag  rt  iyovra  djrb 
ütdvtcov   fisraXafißdvEiv   rcöv   aXXcov   öevöqow,   h>bg   6t    fiovov 

1  imoöti^ai  AMPTV  —  xal  öatfjova  P,  xal  xtjdai/nova  V  — 
2  elalv  V,  ttva  A  —  3  ßoüoiv  PT,  ßpüaei  AMV  u.  Crus.  cf.  Pa  Gr 
10,  1399  B  —  tpayeiv  PT,  <payet  V,  <payy  AM,  (püyti  M  cod.  —  4  <fä- 
yea&t  AMP  u.  Crus.  cf.  PaGr  10, 1399  B;  tpayeo&tu  TV  —  «J'AMPT, 
statt  ?j  de  av  hat  V  tioav  —  (päyrjxe  AMPTV  —  5  rb  dt  Üavurot 
G1G2  —  ano&avtto&ai  AV  —  roir  bis  toto&t  >  A,  rovr'  tarn'  > 
G1G2  —  tan  T  —  9vr]rbv  G2  —  toto&ai  G2V,  hinter  taea&e  -\-  atj/xalvti 
G'G2  —  6  ovtojq  T,  wg  G*G2  —  xal  statt  yäo  GaG2,  yäo  xal  AMPTV  — 
tjQfiijvevae  M,  tQfitjvtvatv  ATV  —  yäyti  V  —  7  Vor  äXXä  die  Überschrift: 
TltQl  rov  c.iXov  rov  [dieses  rov  >  A]  yvwarov  xaXov  xal  tcoveqov  APT; 
ntQl  rov  £vAov  yivojaxtiv  xalbv  xal  novrjQov  M:  ntgl  rov  Sv?.ov  rov 
iv  tut  nuQuStiou»  rov  tlötvai  yvworbv  xaXov  xal  tiov?jqov  V  —  vito- 
Xccßy  AGJV,  v/lköv  Xüßy  G2  —  8  Ttapiytuv  V,  inäoxttv  A,  nagt/tir 
GlG2MPT  und  Crus.  cf.  PaGr  10, 1399  B  —  xalo'v  "rt  M  —  xaxov 
AGJG2MPV,  noviiQov  T  —  9  öij  >  G'G2,  dij  %  V  —  rw  >  GlGaT  - 
ri  i)v  steht  hinter  ßXaßtobv  M,  >}v  ri  steht  vor  ßXaßtobv  G'G2  —  yag 
statt  dt  T  —  10  67i<  G'G2MPTV,  tv  A  —  rijq  >  AP  —  tltv^tQiörijroq 
AGaG2MPTV  —  xal  ort  o'v  rr)  AG'MPTV  und  Crus.  cf.  PaGr  10,  1399 C; 
xal  ort  rb  G2  —  11  hinter  alriov  -\-  ri/g  T  —  rü>  'Aöäfi  steht  vor  yvät- 
otwg  M  —  ytyovtv  G2PV,  ytyore  AGJMT  —  12  Tipotidbra  G2,  nobg 
tldbct  M,  nyotidbrt  M  cod.,  nootiöwra  V  — ■  töb&>]  >  G2  —  hinter  xal 
+  rb  MT,  rb  fehlt  AG^PV  und  Crusius  (in  PaGr  10, 1399  C  stammt 
[rb]  nicht  von  Crus.,  sondern  vom  Herausgeber)  —  13  r/;r  nach  xal 
>  P,  zijv  steht  AG1G2MTV  —  14  avxtj  AGXG2TV,  aircri  M.  avrr,  P  - 
wg  d'orjrai  AGJG2MPTV  und  Crus.  cf.  PaGr  10, 1399  C. 

1)  Gen.  2,  IG— 17. 

2)  &avärio  .  .  .  7]Q(A7]VEVOEV  cf.   Kedr.  1  11,12 — 14. 

3)  'AXXa   '.  .  .  .  StSioxöra   cf.  Kedr.  I  13,8—18. 


Text   des  Ottob.  Fragments   nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.      195 

poficp  xQogratrofisvov  dxsxscd-at  t<)  yivmdxeiv  mg  vjcoösOjiotlv 
tox\  tov  xai  xrjv  trTokijr  öedmxoxa. 

Hdav  ovv  tv  xm  xad-aomxdxm  xovtm  xojtm  o  tl  'A6(\u 
xal  /)  'Eva.  öidyovzsg,  xal  rfj  xoixiXia  xmv  Harare»}'  äv&smv 
äaipiXmg  aozoXavovTEQ.  aXXd  tylroo^  xfjg  fjfierioag  (pvösmg  5 
ßaöxatvEi  tjr\  rfj  jioXXfj  xi/iy  xov  dvd-omxov,  xal  ipfrovov 
xivrjöa  toi'  jigog  avxbv  rjga  xbv  TcoXepov,  xal  xbv  otpiv  trövg 
t.TiOT/j  rfi  yvvaixl  astovxog  xov  3A6d(i,  xa\  navovoyog  avxmv 
xov  övfipsQovzog  JtaQazQEipdfiEVog  öia  ipsvdovg,  xal  xbv  Aöäit 
tc.vtii  avvs^ajtaxijösmg  jtagaßdxag  rov  9-eov  jcaQeöxsvaüev  iq 
bfiov  ysysvvrjö&ai.  Xeyet  yao  ■>)  yoaif/)  jt^q}  xovxmv.  „o  *  61 
oq)ig  f)V  ipQOVifimzaxog  TiärTior  xmv  fh/gicov  tojv  Li)  xtjq  yfjg 
mv  sjtoirjöt  0  9-ebg  xvoiog.u  (poovifiog2  6h  txXtföij  b  6$ ig,  Sri 
tu  Xoyixov  Z(~joi'  toi'  avd-omjtov,  xa\  xmv  aXXmv  ayyivo'ia 
öiaqtQovxa  egajcaxav  rjfisXXsv.  ]5 

Elxa  tjrH  Xiyei.  „Kai3  shtsv  6  öcfic  Ttj  yvvaixl'  Ti  oti 
shaev  6  (r£og,  otl  ov  in)  rfäytjTt  ajrb  jtarTog  Ivkov  tov  iv  toj 
jcagaösldm'  sücev  t)  yvvrj'  djrb  jcavxbg  §vXov  xov  h>  xaoa- 
öeldm  (payovfie&a,  ajcb  6t  tov  xaojiov  tov  §6Xov,  o  Iotiv  bv 
fiidm  tov  jcagadeidov,  sbtev  o  d-ebg,  ov  i/t)  ipdyijzai  ajr'  avrov,  20 

1  noograrTOfitrov  M  —  rovxo  Crus.  cf.  PaGr  10, 1399  C;  xb  V,  xal GlM 
cod.,  rö>  A  G2PT  —  yivd)OX<ov  G1  —  vnu  itecTcÖTtjr  B,  AG1MPTV  und  Crus. 
cf.  PaGr  10,1399  C;  \mb  Seanotelav  G2  —  2  £ ozlv  V  —  tov>M,  tü>  A  — 
xara  statt  xc.i  V  —  AnSoxim  A  —  3  tovto  V  —  4  afraväzcov  AMPTV  — 
y  «AP.'  b  AMPTV.  davor  die  Überschrift:  lleylrov  <Siußö).ov  xal  tov  l'xfeojg 
A  M  l'TV  —  ii  ßaaxtjvaq  A  MPT,  Jaaxtrt/  V  —  7  tyxiaa'iiaaq  AMPT,  xivqaaq 
V,  i'yxonf-ioaq  S\  cod.  a  soeunda  manu  —  tov  AMPTV  —  ijoazo  für  i'joa  ibv 
TV,  i/ouTO  P,  yoaro  AM  —  8  n(cvov(jycog  MPT,  navoioyos  AV  —  ctvrijv 
AMPTV  —  10  avvB^anaxrjoaq  AMPTV  —  Helov  AMPTV  —  na()£ox£v«uh 
vofiov  AMTV,  THXQEöxevaoev  vbfiov  P  —  11  ytyevijoO-at  MTV,  yevsod-at  AI' 

—  TofrorM:  hinter  tovtiov  [roiror]  -f-  (Wf  AMPTV  —  12  ^yov/.Mwrf^ot, 
AT,  (poovtj/nÖTfaoqW ,  (pQovifiwxtttoq  MP  —  statt  nävxojv  . . .  eov  hat  M:  ti«{h: 
jiavxa  lä  fhjQia  itjq  y?jq,  a  —  Trjg  >P  —  13  xiQioq  b  Hebq  AM  PTV  —  6h 
>V  —  6  b<fu  i'x/.ijlh/  (jxG2 —  15  SicttpkoovTtQV,  ötacpsQOvG1,  ötaqt^giüvG2 

—  SfieXXev  AG^^P,  q/ju-XXev  TV  —  16  enikeyet  AMPTV  —  17  ort  > 
AMPTV  —  18  hinter  na(ja6eirsw  -j-  xal  AMPTV  —  6&tfiv>T  —  hinter 
yvvri  -\-  toj  btffi  AMTV,  -j-  xü>  o<pt  P  —  navxbg>T,  navrbg  steht  AM  l'\ 

—  xafmovT,  £vXov  AM  I'V  —  rovnagaöeiaovT,  toviv  tv>  TtapaSeiaipAlA  l'\ 

—  19  <(  ayofie&a  PT,  <p«yv'j/u!h'.  A  V,  •/  ayovftB&aM  —  rof>>T  —  statt  x((onov 
.  .  .  mxQtxösloov  haben  AI':  £vAou  tov  yivdtaxeiv  xakov  xal  novrjgbv  — 
i'ititioujY —  20  (payrrxi.  AMPTV. 

1)  Gen.  3,1. 

2)  q>Qovifio$  .  .  .  tj/xeXkev  steht  Kedr.  1   10,10—12. 

3)  Gen.  3, 1—3.  13* 


196  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 

ovöe  fo)  diprjö&cu  avrov,  iva  ///)  ajco&dvrytE.  Aga1  rt  xal  o 
öcpic,  Tiara  jrooqooav  Xoyov  hytorjöaro;  ov  Jtdvrcog'  aXX  o'i 
jiQcoTOjrZdiiTai  drt  xaxlaq  ovtEq  d/wyttg,  dxQißeöTÖrag  t'iyovrtq 
alö&tföEiq,  xal  jioXv  tojv  fjfiETSQCov  ömXXarrovöag,  mort  r/)v 
oäxoiji'  avrmv  üidörjq  vjxdoytiv  gxovrjg  dxov&tvxSq,  xal  ra  ihjQia 
rt  xal  rd  xTt'jrtj  XaXtiv  tuiä  yXcööOTß  Jtori  '  ort  ös  Addf/  xart- 
öixdö&r],  rort  xal  avrd  tjriq iiiojöihu'  rov  ös  6(f iv  xal  rovq 
jcodaq  dgxxiQE&rjvcu  xa\  eqjzeiv  sjti  xryv  ytjv,  xaY2  iov  avtm  IjtI 
r?)v  yXäJööar  EVXE&ryvai. 

10  Ena  Lndyti.     „Kals  eijcev  o  o<piq  rij  yvratxl'    ov  0-avdzco 

äxo&avelöd-E.  si  <h)  ydg,  ori  ev  //  ar  t/ftt'oa  tpdyrjrs  an'  avrov, 
diavoiyfrrjöovrai  hficöv  ol  oqpiraXfiol,  xal  tr>to(h  coq  d-sol  yivco- 
öxovrsg  xaXov  xal  jcovtjqov'  xal  IÖev  i]  yvvrj  ort  xaXbv  ro 
t-vXov  tiq  ßodiöiv,  xal  ort  dotoröv   Ion   roic  6(p&aX(ioZg  iÖElv 

l^xal  cqqccIov  rov  xaravorjöai,  xal  Xaßovöa  rov  xaojrov  avrov 
Eqpays,  xal  tdojxt  ro)  avögi  avrrjg,  xal  srpayE,  xal*  dirjvoiyßfjöav 
ol  oqfraZtuol  zcav  ovo,  xal  tyvwöav  ort  yvfivol  r)6av.u  Ovy 
coq  tote  xal  dvaßXEtydvrwv  rcav  jroonojrXdörfov  slorytai  to, 
öirjvoiyß-rjöav    ol    dqftaljiol    roZv    Ovo.      ÖEixwvxai    ydo    jcqo 

1  ovrf'  ov  fitj  M  —  äxpTjo&e  AMPT,  aiprjo&ai  V  —  cm'  avrov  APT, 
avrov  MV  —  de  AMPTV  —  xal  >  V  —  2  hinter  b<piq  +  rw  AMPT, 
ro)  fehlt  V  -  -  Xbyio  AMPT,  Xbyov  V  —  statt  aga  .  .  .  nävrcoq  haben 
G1G2:  aXXoi  de  (paaiv  \<pa  G2]  oti  ov  toj  [rät  >  G2]  xarä  7tQo<pooäv  ?.byio  o 
o<piq  t'AQijoctro  —  3  7iQO)rÖ7ilaoTOi  AG1G2MPTV  —  äftiyeiq  AGXG2MPTV 

—  elyov  xaq  AG'G2MPTV  —  4  diaXXayeioaq  T  —  5  ccxovoTiterjV  AG:G2 
MPT  V  —  xal  zä  &rjola  ....  ivTE&rjvat  >  AP  —  G  6h  TV,  re  >  M  - 
hinter  XaXelv  -\-  Xzyei  MT,  -\-  Xeyerai(?)  V  —  b  'ASccfi  T,  'Aöä/i  MV  — 

7  xal  >  T,  xal  steht  M  cod:  V  —   ne<ftfnö<j9-at  MT,  nscpt^uiöa^ai  V  — 

8  tonijv  V  —  9  evze&elvai  G2  —  11  ano&artloS-ai  P  —  IjSr]  für  ei  dt]  T,  et'ötj 
V,  ijöei  MP,  elöe  A  —  6  9-ebq  V.  ö  &ebc  ort  AMP,  ort  T  —  iv  >  MT, 
iv  haben  APV  —    ,/  V,  ?Jrf'  M  cod.,   ^  AMPT   —  dv  >  P  —  t]/i£Qav  V 

—  12  eoeoSai  V  —  13  e'löev  AMPTV  —  14  iori  >  AMPTV  —  15  hinter 
(uQalov  -\-  iarl  AMPT,  4-  earlv  V  —  1(3  e<payev  APV  —  %ömxev  AV 

—  xal  zw  AMPTV  —  eifayov  MT,  e'<payev  APV  —  to  de  statt  xal  G1G3,  in 
G2  geht  die  rot  geschriebene  Bern,  voraus:  neol  rov  öiijvoiyßrioav  avrätv  ot 
b(p&aX[xoi  —  17  vor  ol  steht  avTtöv  G1G2  —  rötv  ovo  .  .  .  yvftvoi  rjoav 
>  GJG2  —  vor  ov%  die  Überschrift:  Elq  xb  dn/ror/ß/joa.v  ot  btfüaXuol 
rwv  ovo  AMPTV  —  18  de  statt  xal  APTV,  xal  >  G1G2M  -  -  J/.e- 
i^ävrwv  G1,  diaßXe\pävTo>v  G2  —  to  bis  dvo  >  GJG2  —  19  hinter  6itjv- 
oix&tjoav  -\-  avtüjv  V  —  hinter  yccg  -\-  xal  AG1G2MPTV. 


1)  "Aoa  .  .  .  (f(ovi]q  axovOTixrjv  cf.  Kedr.  I  10, 12 — 16. 

2)  xal   iov  .  .  .   ivrsd-iivai   cf.  Kedr.  I  10,9 — 10. 

3)  Gen.  3,4-7. 

4)  xal  diijvoiyßtjoav  ....  rw  zie^ya/bn  cf.  Kedrenos  I  13.  19—14.  21. 


Text   des  Ottob.  Fragments   nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.      197 

xfjq  ßQcöoscoq  ogmvxEq,  ex  xov  Xiysöd-ai,  Kai  elöev  t)  yvi'i),  ort 
xaXov  T(>  §6Xov  slq  ßoäiöiv,  xal   oti   ägsörov   xolq  oqp&aXfiolq 
löelv.    aXXct  !  d)j.  rö  djcEiQoxaxov  axod-E/isvojv  öid  jtaoaßddEmq' 
o  xcü  Ttjv  yvfivoaöiv  6idg>0Q0V  i.rani'u/t-.     Ingtlh/  6s}  oti  (Su/r- 
oiyihjGav  ot  6<p&aX(iol  avxoJv.    x£<pvxt  ydg  6  6g>fraXfidq  djcaq   5 
r.To  Xoyiöfiov  öisyeiQEöfrai  xobg  a  ßXijcEi.    övveöiv  ydg  avxog 
xa-9-1  savxbv  ovx  lyfrt.     qjöte  xoXXdxiq  jrgdg  exeqov  t/j~  öiavoiaq 
doyaZoriai-t/-,  xv(pXov  öixijv  Ivioxi  xaQEöypfii !hc  xal  xov  jcdvv 
yvmqiöfibv'    x<a  EJiEiödv  EyxXrjdwfiEV,  rij  döypXia  xov  Xoyiöfiov 
to    alxiov   avaxvB-EvxEq    djcoXoyovfiEd-a.     Ovxcoq    ovv    6   'Aödfi  10 
xal   Eva   t/j    aiö&tföEt    xov    vov   jcooq   rt/r   ofir   öiqyEQ&Tjöav. 
To  yag,  tyvatöav  ön   yvfivot   rjöav,  dxoxdXvipiv   ötjfiaivEt    r>}r 
Eyyivo(iEVfjv  xq3  Xoyiöfim  ovx  dvdßXEtyiv  btpQ-aXfimv.    Xsx&vjo'Exai 
xaxElvo,  ort  üiqo  xijg  djitifttiag,  hjiEidi}  —  —  —  ovx  slyt  ti 
xfjq  jcaidojcoiiaq,  ovx   idldoro   naget.    B-eov  t/   ütaQaxrjQriöiq  r/Jc  15 
yvfivoxrytoq,  dXXä  öiexeXovv  mq  döaoxoi,   öaQxixijq  öiad-EöEmq 
ovnm  xaigor  tyovzeg.     tJttidl]    Öt    //    doiEid-Eia    Euciövfißäöa    to 
B-vrfxbv  IjxrjydyiTO,  elxörcog  Xoiütov  svsöolh)  xovxoiq   xal  jrobg 
aXXfjXovq  aidmq,  xal  VEVorjxaöiv    vOTUTog   xeov  öyrffidxatv  xryv 
diag)oodv   jtQO&EmQiöd-slöav   xm   jtXdöavxt   ütgbq  xb  dvayxalov20 
xrjg  diado/Jj-  tov  yivovq. 

2  hinter  aQEatbv  +  iart  AG1G*MPT,  +  hnv  V  —  3  «;.;.' 
AG^MPTV  —  aiteiQoxaXov  V  --  äno&ennvov  P  —  6td  z^c,  AMPV, 
ttjq  G1GaT  —  4  de  statt  xal  A  —  adtätpooov  AG1G-MPT  und  Crus.  cf. 
PaGr.  10,13980;  6iä<poQovV  —  Ttageaxev  AC^G-MPTV,  nagtoye  Crus. 
cf.  PaGr  10,  1399 A  —  <?ppi/##/  G1,  /////.'> t)  G2  —  6h  >  AG'G^TV,  6h 
steht  M  —  5  (cvtcöv  vor  o'i  6<pd-al[iol  G'G9,  avxäv  01  b<p&aX(iol  ahxäv 
M  cod.  —  Tts<pvxev  A  —  6  >  TV,  ö  steht  AG1G2MP  —  6  vno  tov 
G:G2MPTV,  anb  tov  A  —  diayeiQEO&ai  A  —  avxbq  nach  z«.,Y  havtbv 
G'G3  —  7  tyij  V  —  fkeQct  AGlG2M"PT,  tzegov  V  —  8  ivioze  nach  nao- 
eQyöfiiefrcc  G1,  vor  naQEQyd/ne&a  G3  [wie  alle  andern]  —  7ia(>eQxbfi£&a 
G'G2MPTV,  nccQeoywfie&a  A  —  xb  M  —  9  yvdtQifiov  AG1G2MPTV  — 
10  ö  >  M  —  11  ?/  Eva  G'G'^M  —  öieyiQ&rjaav  M  —  13  iyyevofihrjv 
(i'(J3MTV,  yiro/iirijy  AP  —  tno/.mi(<;>  MT  —  hinter  li/lh'jiu-T«!  -\-  6h 
AG1G2MPTV  —  14  xaxelva)  V  —  tiqvjtji'  statt  npb  PT  —  ana&eiag  M  — 
xaigbv  |  für  — ]  AG1G2MPTV  —  15  iäitoro  ACUJ-'M  PT,  iäiöoto  M 

cod.  V  —  16  yvdtaeatq  T,  yvfivü>oewg  G'G^'M  P,  yvin-nmo^  \.  /r/n/irz/rosV 

—  Stijyov  M  —  uoayxtV  —  17  intl  G3  —  18  enl/yicyiv  M,  htiy&yrfzo  V  —  to 
Xoinbv  M  — (  %  statt  xal  AG'G2MPTV  —  19  iöä  V.  atöm  .\(iL'l'  —  rtr<>- 
tjxaot  M  —  v0xaxov  AT,  voraxa  P,  voxbqov  G1G2M,  veXevtaiov  i'ayärcjqY 

—  20  TtQO&eatQrj&eZoav  AG1  M  PTV.  nooihothioav  M  cod.,  nQo&ewQtjoai  G2 

—  nläafiaTi  G'G3  —  21  ror  ;'/ior,-  stallt  /.wischen  t;}^;  und  dt<  |I"/'/-'  (''''". 

1)  «AA«  .   .   .  naonryt    bei   ('ins,  cf.  PaGr  10,  1398  D  sq. 


198 


Sehalkhausser,  Makarios  Magnes. 


rVflVOVQ    OVV     OVTCCQ    tCtVTOVC,     CllöfrOflEVOl    Ö    TS     AÖdf/    xdi 

r)  "Eva  iitra  X7]v  xaodßaoiv,  sx  (pvXXa  ovxcöv  ijcoirjoav  savrolg 
ji£Qi£o)fiaTa,  aiviTTOfisvoi  öia  xov  $vXov  tov  jiqcotov  xrje  xa- 
xojTQayiac'  coq  ydo  rjövg  o  xanjrog  r/)u  övxscog  ücqoö'xei,  xdi 
5  jTtxQnraTor  fpvXXov'  ovreo  jcäöa  aQiMQTia  ev  rij  .-rodlet  (Sii- 
xvvtcu  rjÖEla,  [itra  6e  xavxa  ddvvijv  JcaQs'ysi  xoj  jrsjrQayöxi. 
77  ovv  jcdXiv  i]  ygatpr);  „KaV  tjxovoav  cpwi'fjc  xvqiov  rov 

frSOV    JlSQlJTaXOVVXOC    EV    XCO    üiaOadElÖCO     TO     ÖEIXlVOV,    Xdi    tXQV- 

ßrjöav  o  xs  AÖa/i  xdi  r)  yvvy  avtov  sv  fiEöco  rov  jcaoaösioov" 
10 Meto.2  xo   roXfirj/ia   eIq   övvsöiv  iXfrövxtg  rov  3ttaiöfiarog,  r<p 

ÖiaXQlTlXOp    XQCCTOVVTCU    (fioßco,    Xat     XQVJirEÖ&CU     JlELQCäVTCU     TOV 

äXäfttTov  offftaXjiov,  xdi  jzaoaiTOVVTai  r/}r  jtqoooov,  xdi  ava- 

ÖVOVTCU    TtjV    JlCloäCTCtölV.       OTE     dt     CCVTOVg    XExXoVTjflEVOVg     VÜIO 

tov  rpoßov  {rtaüdfitvog,  dvaxaXtnai  cog  .rrarrjo  rpiXöoTOQyoc, 
15„x«f3  (f)]ö\,  'Addfi  xov  Et;  xdi  eimev  avtip,  ttjc  q)covr)g  oov 
i'yxovöa  ütEQutarovvrog  iv  tcq  jcaoadsiöq),  xdi  kpoßf/frt/v,  ort 
yv/ivog  tij/i,  xdi  Exovßfjv.tt  Hv  ovv  Idtiv  Xoijiov  ßrjfia,  xdi 
öixaötrjQtov  6§v  xdi  (foßtQov  to  TQKfvXXiov  ysyovdg  TOV 
jraQadtioov  yjcooiov'  dyaycov  ycio  de.  f/t'öov  tovc  ßXaßdvrag 
20  xdi  tov  ßXdxpavra,  xdi  tov  (iev  b<piv  Evorjxcbg  döixi)oavTa, 
TTjv  öh  Evav  döixrjd-Elöav,  cqqiöccto  txdoTov  rrpv  jrQog/jxovoav 

1    vor    yv/ivQvq    die    Überschrift:    Tleyi    rwv    (pvXXwv    ztjc    ovxrjq 
AMPTV,  yvfivovg  .  .  .  naoäßaatv  >  G'G2  —  ovv  >  AP  —  2  tj  >   A 

—  „l'a.  ex  (pvXXu>v  ovxijq"  B.  ex  tpvXXwv  ovxijq  AMPTV,  ex  <pvXX<ov  de 
ovxrjq  G1G2  —  3  alvixzofievwv  GJG-  —  rb  SiXov  V  — '  rov  zq'otwv 
AGJG2MPT,  xh  noürovV  -  4  avxijq  AG^MPTV  —  r^rP,  ZQayv 
de  AG^MPTV  —  5  nvxQÜxaxov  AM  —  ro  (piD.ov  AG1  G2MPTV  - 
ovrcoq  AMPTV,  ovreo  GJG2  —  ev  uev  GXG-  —  6  ijSea  T  —  xijv  Tiyüctv 
für  ravta  M,  xavrtjv  G3  —  7  \org)0)VrJQ  +  t//c  AMPTV  —  9  ififieao)  V, 
hinter  ev  fieoio  -\-  rov  gvXov  AMPT  —  10  hinter  /uerce  -\-  [de]  T,  öh  fehlt 
AMPV  —  ovvala&TjOiv  AMPT,  avveo^tjoiv  V  —  11  xoinxiö  AMPT, 
xQirtjxcü  V  —  xoarovvTSQ  V  —  ol'ovrai  AP,  neioiövrai  >  M,  netoiövrat 
zbv  äXäx})jrov  b<p9-aX/uov  xal^T  —  12  aXäd-rjTOV  AMPV  und  Crns.  cf.  PaGr 
10, 1400 B  —  Tioiovvxai  T,  naQctixovvrai  AMPV  —  nyboodov  T,  ngbodov 
AMPV  —  13  ovrm  für  oxe  AMPT,  o'vrwq  V  —  14  öiovg  AMPT,  tpoßov  V 

—  hinter  (fiXoorooyoq  -\-  b  9-ebg  AMPTV  —  15  <prjalv  APTV,  tptjal  M  — 
'Adafi,  'Adafi  M  —  17  vor  ijv  die  Überschrift:  üe{j'  r>jq  xaxadlxtjq  rujv 
7iQüjro7iXäarojv  [xov  nycoxonXc'carov  M]  xcu  rov  oq>E(oq  AMPT"\  —  Xomov 
idelv  AP  —  18  rov(fi]Xbv  AMPTV  —  vrcag^av  P,  ImegavTcc  (sie!)  A  — 
21  hinter  ädixrj&eloav  -(-  xal  xov  ceda/j.  Gvvadixij&evxa  AP  —  exäoxw 
AMPT,  exäoxov  V. 

1)  Gen.  3,8. 

2)  Mexa  .  .  .  naoäoraoiv  bei  Crus.  cf.  PaGr  10,  1400B. 

3)  Gen.  3,9-10, 


Text   des  Ottob.  Fragments    nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.      199 

TificoQiav'  tov  yäg  6<piV  xaxdoaxov  cbtoqjrjvag,  ejtl  to>  öTrjfrsi 
xai  xij  xoiXla  xaxEÖixaot  övQBöfrai  xa\  yrjv  eöd-tsiv  dvtl 
s6w6ifiotQog)iag'  xt)r  6h  Evav  dvvxQOtpov  ^ytiv  ti)v  XvJtijv,  xai 
odvvivoai  x'ixxelv  eöixaiaxjE'  tov  '.Idaii  Ai  ev  vÖQarüijtt  tov 
jtgoöcojtov    eö&ietv    tov    aoxov    hcQivsv    ?eog    tov    tJinjxQtipai   5 

(CVTOV    ttQ    XljV    />/>',    tS,    /;u    Ü.TjfffhtjC. 

Ehtsv  avxolg  i)  yoag>r)'  „Kai1  L-roir/ötv  6  9-ebg  xcp  'AÖäit 
xai  rij  yvvaix)  avrov  yixoyvag  dsQfiaxivovg,  xai  kviövöEV 
avxovg'  Kai  ehtsv  6  9-sbg,  'löov  Aöafi  yt'yovtv  mg  slg  i$ 
?l(io)V  tov  yivcoöxeiv  xaXbv  xa\  jrovtjQov,  xai  vvv  [irjjtoxE  Ix- 10 
XEivfl  ti)v  ytioa,  x(Ci  Xdßrj  tov  §vXov  xijg  CcofjQ  xai  (fäy>j,  xai 
ZijofTai  eig  tov  almva.u  "Agiov  öe  öiaXaßelv  tivog  H'txev 
ExßdXXsxai  6  av&omjtog  tov  jtagaöeiöov,  xai  xsgl  tmv  öeq- 
iiarivov  yjTonov.  etfn  xolwv  tb  eiorjfisvov  ewoslv,  oti 
qdvvato  0  av&omjtog  xai  ftexd  rt)v  .Taod(iaoiv  slg  almvag  £fjv,  15 
ti  tytvoaro  tov  rfj^  C«/]c  ZvXov.  öio^'iva  in)  xaxbg  dd-dvaxog 
ll  ävß-QWjeog,  0-vtjxov3  avrov  djrt<fi)varo  o  d-sbg,  vtxQortjri  jieqi- 
ßaXxav'  tovto  yao  ol  ÖEQfiaxtvoi  yjxäivEg  öfjfiaivovöi,  axo 
tov   Xöyov  tvj^.  T<~>v  Co'/(t)v  VEXQODöEmg'    ojtatg  Ata   t>~^   Xvoeojc 


1  huxaxaqaxov  AP  —  2  /.raub ixäoxrij  V  —  ov(>()eo$ai  P  —  vor 
yf/v  -4-  xr\v  V  — 3  iömSifiov  rooifi/g  MTV,  eSmörtfiov  TQwpijq  P,  iöatöifiov 
TQV<pfjq  A  —  4  bdvvatQ  M,  wövvtq,  V,  iv  oSivaiq  APT  -  iöixaioiaev 
MTV  —  de  \Uun  k?T\*A6afi  6i  MV  —  tdomzt  AMPT,  iögtoxrixt  V  — 
5  exQive.  T,  Txoivev  APV,  xoxsxqivev  [vor  xbv  aoxov]  M  —  brov  statt 
toü  AM  —  6  >■/.//</.'>>/  AMPTV  —  7  elxa  für  thtv  AMPTV  —  aföiq 
für  atxotg  AMPTV  —  9  ©g  >  P  —  10  to  xccXbv  A  —  12  ä^iov  bis 
ÖEQfWxlvatv  ytT('<>vi»v  >  AP,  a£iov  6h  öucXaßelv  >  MT,  a^iov  de  fiiaka- 
ßelv  steht  V  —  13  vor  zov  -(-  ix  MT,  ix  fehlt  M  cod.  V  —  14  mit  xoivvv 
beginnt  der  Text  des  Leon  Graminatikos  —  to  >  T,  tb  steht  V,  ix  vtöv 
ALMP  —  el()t]fih'iuv  ALMPV  -  -  voelv  A  -  15  altöva  P  —  16  et 
iyevacsxo  tov  rtjq  tfofJG  §vXov  >  M  —  xaxbv  ALPTV,  to  xazbv  [hinter 
,;]  M  _  a&avaxov  ALMPTV  —  17  vor  av&Q<onoq  -\-  b  ALMPTV, 
hinter  arfroumog  -4-  tov  nagaöeloov  i^oaxQaxDCßxai,  brnog  /uj  yevotjxai  tov 
tijg  t,cofjQ  §v?.ov  xcd  a&ävaxoq  öia/ieivjj  L  —  hinter  Ihi/rbv  }  61  I-,  vor 
&vijTov  -\-  tifoI  Se  T(öv  AtQtw.ilrif>v  yi Tenor  >i  ijHir  U  B-Bokbyoq  rgtjyÖQioq 
ort  G'G2  —  a'vxb  G'JV  —  vexgiÖTtjza  V  —  TtEQißaXkatv  AG'I',  negißaXdtv 
GaLMTV  —  18  arjfiaivovaiv  ALPT,  aiftivovoiv  V,  arjfiaivovat  M,  «>/- 
fiaivei  G1  Ga  —  19  vexobzi/rog  AG'G2MPT,  vexQaxJEwq  LV. 


1)  Gen.  3,21-22. 

2)  6ib  .  .  .  ,S,rr.,fih'.o>j  bei  Crus.  cf.  PaGr  10,14000. 

3)  ih'tjtbi'  .  .  .  Air«p!fr(Ofj  c(.  Ke<lren<>s  1  14,21-  15,3 


200 


Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


tov  öco/iaxog,  xai  r/~_-  öeöemq  /   afiagxla  icäoa  avxm  xQtxavog 
öiaq>&aQei. 

Tov  avxov,  tic  t6  'Iöov   'Aöafi  yeyovsv  «-/>»•  eiq  l§   r/fimv. 
Eigrjxai*  dt  vjib  xov  d-sov  oxi,  löov  'Adäfi  yeyovev  «>-  tu 

5  fcs  fj/icov,  xb  yivcoöxELV  xaXbv  xa"t  jcovtjqov,  ovy-  r'u  jcQogxo- 
ipavxa  avrov  im  xrjv  r/)c  aQETfjq  xai  xaxiag  yvööiv,  dXX' 
mg  xoiovxov  t£  (iQyJjc  jtXaöd-EVXog'  <pd-acag  yaQ  eLjcev  //  yoa<ii, 
ort  eti  tjiob/ötv  b  frsbg  xbv  av&Q<ojcov  xar  Eunova  9-sov, 
öfjXov  foc  XQOxaraߣßX7](iEVTjV  tiytv  Iv  xij   apvöEi    xr\v    yvcöotv 

10  tov  xaXov  xai  .-rort/oor.  6ios  vva  /nt  xjj  avxegovöioxTfzi  xsxQfj- 
fidvog  Xaßf]  tov  gvXov  xrjg  t><orjg,  xa\  yivi/ftai  xaxbg  d&dvazog, 
E^EßXrjdi]  6vv  Tij  'Eva  eig  xb  yäg  Ttjs  xxrjöEaig  avxov'  tI  ydg 
(fijOt  fiETa.  xavxa  TiävTa  i)  frtia  yQag>Tj;  „xai4  tZajrtOTti/.tv 
avzov    xvqloc    b    9-Eog   Ix    tov   xagaÖEiGov    t;/-;    TQoqyrjg,    xai 

IbETagE  Ta  ytoovfin  xai  xr\v  qpXoyivrjv  öo/ir/aiar  xrjv  öXQEipo- 
(ie'vtjv  (pvXdxxEcv  xrjv  oöbv  tov  §vXov  r?~j  C,a)rjg.u 


1  der'joeojg  V,  övgsüjq  M  cod.,  öiptojc  G'G2,  ösaeiaq  ALMPT  — 
avzbrcQE/ivoq  GlG2LTV,  avxonQEfivotq  AMP,  (cvronoiravog  Crus.  [un- 
richtig PaGr  10,1400  0  avxoTtoepivoq']  —  2  öiaipSagy  AG'LMPT  und 
Crus.  cf.  PaGr  10,14000;  Siay&agsl  G2V  —  3  rov  avrov  >  AMPTV, 
die  ganze  Überschrift  fehlt  L  —  4  zu  für  oxi  LMTV,  xdöe  A,  oxi  >  P  — 
/J»  V  —  5  rov  ALMPTV  —  jiQoxöxpavroq  ALMPTV,  Tioooxörpavroz  bei 
Crus.  cf.  PaGr  10,  1398  0—6  vor  htl  +  dia  r^  anei&Eiaq  ALMPTV  — 
rr\q  ~>  AP  —  aQsrijC  rs  ALMPV  —  äxaxlag  A  ■ —  7  <p9-äaaaa  ALMPTV 

—  8  oxs  P  —  hxi  >  ALMPTV  —  hinter  d-sov  -\-  htolrjoev  avrov.  '0  6i 
nXao&elq  xax"  dx'ova  »tot- ALMPTV  —  9  iv  >  T  —  10 xaXov  xe  ALMP 

—  xai  rov  LT,  rov  fehlt  AMPV  —  <Sia  yaQ  xovro  xai  rov  Tiaoaöeioov 
ixßaXXezai  [für  6to\  G*G2  —  x%  >  T  —  y.iyoriTai  ya"L  ^  —  ^  fiexaXäßg  LT, 
Xaßij  AG1  G2MPV —  rf/c  ^cdijq  steht  zwischen  rov  und  cf/.oiL  —  xaxcöq  h&ä- 
vaxoQ  AP,  zb  xaxbv  a&avaxov  G1,  xaxbq,  a&ävaxoq  G-LMTV  —  12  r;;i' 
ytjv  statt  rb  yag  ALMPTV  —  xxiasmq  ALMPTV  —  13  (ftjal  >  ALPTV, 
(f)i]olv  steht  nach  yqa<pr\  M  —  14  XQViprjq  ALMPTV:  hinter  tgvg>ijq  -\-  i(f- 
yäl^eod-ai  xtjv  yfjv,  e§  i)q  i-?Jj<f9>j.  Kai  i^eßaXe  zov'Aöa/ji  xai  xarwxiatv 
\xax<öxrjOEV  V]  airbv  ankvavxi  tov  naoaÖEioov xijq  TQV<pf\q  [xrjq  tgvg)ijq  rov 
naoaöeiöov  L]  LMTV:  der  Zusatz,  ohne  xcu  i^sßaXe  ibv'Aöäfi  AP,  wobei 
jedoch  A  xaxwxrjaev,  P  xaxatxsiOEV  hat  —  16  (pvXaoaeiv  ALMPTV 

1)  EiorjTai  .  .  .  eixbva  d-eov  cf.  Kedr.  1  13,  6—8.  Die  Stelle  heißt 
jedoch  bei  Kedr.:  Tb  de  slQTjpisvov  oxi  'Adäfx  y&yovev  i'j~  ti^  e£  ijköv. 
ovy  djq  öi"1  catEi&Eiaq  hnl  xaxlav  ngoxbil'avroQ  [rCQOxöipavxeq  G2],  a/./.cc 
öid  rb  eiQTjxevai  y.at  eixöva  d-eov  inoirjaev  avxov. 

2)  oi%  .  .  .  xai  novrjQOV  steht  bei  Crus.  cf.  PaGr  10,13980. 

3)  Sib  .  .  .  a&ävaxoQ  cf.  Kedr.  1  15,3—5. 

4)  Gen.  3,23-24. 


Text   des  Ottob.  Fragments  nach  d.  Ms.  d.  Magnus  Crusius.     201 

Auffallend  ist,  wie  nahe  sich  der  Yindob.  mit  dem  Brixiensis 
berührt.  Obwohl  V  [mit  andern  Rezensionen]  oft  vom  Brix. 
abweicht,  trifft  er  mit  diesem  nicht  selten  zusammen  in  Souder- 
lesarten  [z.  B.  4,  151  äXXa  ohne  folgendes  .t«?t«;  4,  15  rrcnf- 
xrai;  4,32  der  Acc.  rt)v  dgrd-aQüiav  xa)  dd-avaöiav  xc)  äger^v, 
5,5  6  »9-to-  statt  //  YQa(Py'i  5,29  dxafidvrajc;  6,6  bloß  ovofia 
statt  ovo/iara  xvgia ;  6,21  lyxalelrai\  6,24  svd-icog',  6,32  freogcov 
(Brix.  d-scoQcSv)  statt  &e(6(i£VOQ',  7,24  ßaöxeVT]  (Brix.  ßaöxalvsi) 
statt  ßaöxrjvag;  8,26  erepor;  9,2  yvfivonjTog',  9,19  tpoßov 
statt  de'ovg;  9,25  Ixatfrov],  in  Fehlern  [z.  B.  5,24  f«rr/y  (Brix. 
lavTi-)  statt  mwov,  6,15  «rr'  «rror;  6,21  (fon);  6,28  xexo- 
öfU]fi£Vij;  7,20  ro  ytr«')Oxni';  7,25  xivrjOaq  (Brix.  xivqöcc) 
statt  Iyy.i66)'i0(u;  8,5  jloyov;  8,23  sq.  didq>oQov  statt  «dm- 
q>ogov\  0,10  jtqcöto)'  statt  tqojtov'.  9,29  tdctforr/Ti  (Brix.  vöqoö- 
rt/Tt)  statt  Mpam],  in  Zusätzen  [10,3  ru/or  dt  diaZaßelv  vor 
r/i>0€  JVtxtr]  und  in  Auslassungen  [z.  B.  6,3  sq.  fehlt  rcou  #>;- 
p/eop  bis  .Tfrfnv>i';  6,26  fehlt  r/)r  jcXevgav  bis  stg  yni'.ixr.\ 
6,28  fehlt  rorro;  8,4  fehlt  r<»;  9,15  fehlt  rof-  gtUov].  Das 
Ottobonianische  Fragment  gehört  demnach  der  nämlichen 
Familie  an  wie  der  Text  des  Yind.  Von  den  übrigen  Re- 
zensionen steht  keine  dem  Brix.  näher.  Jede  weist  bei  den 
Varianten  teils  Übereinstimmungen  mit  ihm,  teils  Abweichungen 
von  ihm  auf. 


1)  Die  Zahlen  beziehen  sich  auf  die  Seiten  und  Zeilen  der  Ausgabe 
des  Theodosios  Melit.  von  Tafel. 


202  Schalkhausser,  Makarios  Magnes. 


Nachträge. 

Zu  S.  1  ff.  Als  die  Drucklegung  meiner  Arbeit  nahezu 
vollendet  war,  kam  mir  die  Studie  zu  Gesicht,  die  T.  W.  Crafer 
in  „The  Journal  of  Theological  Studies",  Vol.  VIII,  No.  31, 
April  1907,  S.  401—423  unter  dem  Titel:  Macarins  Magnes, 
a  neglected  apologist  begonnen  hat1.  Crafer  behauptet  unter 
anderem,  daß  den  Apokritika  eine  wirkliche  Unterredung  zu 
Grunde  liege,  daß  Hierokles  der  Gegner  des  Makarios  war, 
daß  die  Abfassung  der  Apokritika  nicht  an  den  Anfang  des  5., 
sondern  an  den  des  4.  Jahrh.  (zwischen  293  und  302)  zu  ver- 
legen sei  und  daß  demnach  unser  Makarios  mit  dem  Bischof 
Makarios  von  Magnesia,  der  an  der  Eichensynode  (403)  teil- 
nahm, nicht  identifiziert  werden  dürfe.  Da  die  Studie  Gräfe rs 
noch  nicht  fertig  vorliegt,  ist  es  noch  nicht  möglich,  zu  seinen 
Ausführungen  Stellung  zu  nehmen. 

Zu  S.  3 f.,  Aum.  2).  In  seiner  Schrift:  Zwei  Griechische 
Apologeten,  Leipz.  u.  Berl.  1907,  S.  301  ff.  führt  J.  Geffcken 
näher  aus,  warum  es  nicht  angehe,  den  Gegner  des  Makarios 
mit  Porphyr  zu  identifizieren. 

Zu  S.  6,  Z.  1  ff.  Hr.  Dr.  Themistokles  Bolides,  Konservator 
der  Handschriften  an  der  National-Bibliothek  zu  Athen,  hatte 
die  Freundlichkeit,  auf  meine  Anfrage  mir  unter  dem  25.  April 
1907  zu  antworten:  „Der  Codex,  welcher  den  'Ajtoxqitixoj:  des 
Makarios  Magnes  enthält,  befindet  sich  nicht  in  unserer 
National-Bibliothek  und  alle  meine  Recherchen  zur  Auffindung 
desselben  blieben  leider  bis  heute  resultatlos." 

Zu  S.  135,  Z.  11  f.  v.  u.  Auch  der  Ausdruck  dtjiuovQyia 
findet  sich  in  der  Schöpfungsgeschichte  und  zwar,  von  der 
Überschrift  des  Ottobon.  Fragments  (s.  S.  188)  abgesehen, 
zweimal  (Theod.  Mel.  p.  5,12  und  14). 

1)  Herr  Professor  Carl  Schmidt,  Berlin  machte  mich  zuerst  auf  sie 
aufmerksam. 


.  H  '  — 


203 


Register. 


i. 

Namen-  und  Sachregister. 

Die    Zahlen    beziehen   sich   auf   die    Seiten. 


A. 

Abel  132,  173  ff.,  184,  188. 
Abraham  45,  73  ff.,  76  ff. 
Achilles  Statins,  Lusitanus  6,  21. 
Adam  12,  116,  125,  128,  131  f.,  134  f., 

139  f.,  175,  182,  188,  191—200. 
Afrikajaus,  Sextus  Julius  3,  132,  174, 

186. 
Aglaophon  140,  142. 
äxä/iatog  134. 
axfjQazoq  133  f. 
Albertinus,  Edm.   125. 
Alexander  VIII.   114. 
Allatius,  Leo  7,  15,  124 f. 
Attemps   1 14. 
ScftßXvTTjq  138. 
Anaklet  38. 

Anastasius  Antiochenus  9. 
Anastasius  Sinaita  22,   120. 
Antonius  Augustinus   18. 
Antonius  Eparehos  33. 
Antonius,  M.  27. 

Antonius,  Nicol.,  Hispalensis  18,  24. 
aitaQaXXaxxoc;  136. 
Aposteldekret  58  f. 
Apostelgeschichte  (1.  Kap.)  13. 
Apostolides  5. 
Apostolus    (sc.    Paulus)    52  IV.,    57, 

63  ff,  73  f.,  77. 
Archimedes   100. 
Athen  5  f.,  109. 

Auberius  Triuncurianus,  I  !laadias87. 
Aucher  140,  lf'.8f.,  171. 
avyoetötjg  139. 


Ausleihregister  der  Marciana  zu  Ve- 
nedig für  1545-1548:  104,  108. 

Ausleihregister  der  Marciana  zu  Ve- 
nedig für  1551—1559:  27,  104. 
108,  110,  112. 

avzegoroioq  134. 

Azpilcueta,  Martin  21. 

B. 

Backer,  De  16,  18,  20. 

Baluzius,  Steph.  90ff. 

Bandurius,  Ans.  30f.,  33,   115,   118, 

126,   129. 
Barcelona  101. 
Barsanuphius   120. 
Bartholomaeus,  Fr.,    archiepiscopus 

Bracarensis  90. 
Basileios,    von     Caesarea    130,    134, 

143—155,  1591'.,  162,  166,  169, 

175,  177  f.,  180. 
Basileios,  Pseudo-  149,  153  f.,   1591'., 

167,  169,  178,  180. 
Basileios,    von    Seleukia    160,    165, 

167,  170. 
Bassi,  Dom.  86,  127. 
Batiffol,  Pierre  25;  28,  IM. 
Battaglini,  F.  7.  120. 
Battan'dier,  All).  1181'. 
Beccadelli,    Lod.    19,  27  t'.,  81,  104. 
Beludes  (Veludo),  Jo.  82. 
Bembo,  Pietro  28,  102. 
Bessarion,    Kard.  (Nicaenus)    2t;  ff., 

96     107,  112. 
Bianconi,  Jo.  Bapt .  127,111,171,1 86. 


204 


I.    Namen-  und  Sachregister. 


Biblioteca  Naz.  Centr.  Vittorio  Ema- 
nuele  zu  Rom  20,  23. 

—  Queriniana  Comunale  zu  Brescia 
122  f. 

Bibliotheca  Ambrosiana  zu  Mailand 
86,  127. 
-  Caesarea  zu  Wien  85,  100,  188. 

—  Marciana  zu  Venedig  34  ff.,  47, 
64,  76,  81,  93  f.,  96  ff.,  100— 1 10, 
114,  119. 

—  Ottoboniana  zu   Rom   114,   120. 

—  Regia  (Bibl.  Nat.)  zu  Paris  82  f., 
85  f.,  114,  116. 

—  Riccardiana  zu  Florenz  85,  97. 

—  Valiicellana  zu  Rom  6. 

—  Vaticana  zu  Rom  14,  118 — 121, 
123. 

Bibliothek  des  Eskurial  108. 

—  National-  zu  Athen  5  f.,  202. 
ßioq  133. 

Blondel,  Charles  3,  33,  35,  39,  50, 

79,  108,  112. 
Blondellus,  Dav.  68. 
Blondus  98. 
Boissier,  Gaston  96. 
Boistaille,  J.  Hurault  de  82—85. 
Boivin,  Jo.  14,  31,  33,  36,  106,  114  ff., 

118,  121,  127,  129. 
Bolides,  Themistokles  202. 
Bonwetsch,  G.  N.  140 ff.,  146,  152  f., 

156,  158  f.,  166,  168,  170  f.,  179, 

182. 
Boor,  C.  de  7,  127  ff.,  174,  187. 
Borromaeus  91. 
Bozius,  Thom.,  Eugub.  6,  46. 
Brescia  90,  122  f. 
Burmannus,  Peter  104. 
Busenellus,  Alex.  99. 
Bussemaker  33. 

C. 
Cabasilas,  Nie.  87. 
Cabrol,  Fern.  118. 
Caesar  Estraeus   10. 
Cain  132  (s.  auch  Kain). 
Calino,  Muzio  90  ff. 
Calviniani  47. 
Calvinus  41,  44,  57,  89. 
Canisius,  Heinr.  22  f. 


Capellus,  Ben.  106. 

Capharnaitae  44. 

Carpentras   104. 

Castellani,  C.  26  ff.,  97,   102  ff. 

Catharinus,  Ambr.  24  f. 

Catholici  41. 

Catinus  28. 

Cave,  Guil.  2,  30,  88. 

Cedrenus,    Georgius    25,    120,    141, 

158,  187  (s.  auch  Kedrenos) 
Celsus  3,  36. 

Centuriatoren,  Magdeburger  38. 
Cephas  38. 
Cervini  25. 
Charles,  H.  131  f. 
yiriöi'eg  deQ[ic'cTtroi  138  ff. 
Christus  12,  41-46,  50f.,  63f.,  71. 

79,  82  f.,  88,  95,  120,  133,  135. 
Chrysander  116. 
Chrysostomos  120  f.,  130. 

—  Pseudo-  160,  163,  167,  169. 
Cicogna,  Em.  Ant.  91,   100 ff. 
Clairvaux  90. 

Claude,  von  Guise  89. 
Claudius  Auberius  Triuncurianus  87. 
Claudius    Guise,    Kard.   von   Lothr. 
13,   85—89,    95  (s.    auch    Karl 
von  Guise). 
Clemens  Romanus  44,  78. 
Coccius,  Jodocus  46,  $7  f. 
Codex  Ambros.  Gr.  D34sup.:  127, 
141,  174,  179,  186. 

O  142  sup.:  86  ff.,  94. 

Lat.  D341  inf.:  104. 

—  des  Apokritikos  zu  Athen  (Athe- 
niensis)  1,  5,  14,  16,  32 — 36, 
41,  43  f.,  49,  55,  59  f.,  66—70, 
78,  80,  108—113,  202. 

—  —  zu  Coriolane  1,  15. 

—  —  auf  Monte  Sardo  1,   15. 

—  Gr.  382  im  iberischen  Kloster 
auf  dem  Athos   1,  8. 

—  Berolin.  Gr.  qu.  24:  1,7,  10,  12. 

—  Bononiensis  Gr.  3632:    2. 

—  Brixiensis  Gr.  B.  Vll.  7:  1 24 ff., 
130,  138,  179,  185—201. 

—  Coislin.  Gr.  112:   1,  8—12. 
205:  1,  13. 

—  Colbertinus  Gr.  2145:  104,  110. 


1.    Namen-  und   Sachregister. 


205 


Codex   Holkhameüsis  Gr.  295:   174. 

—  Magliabecbianus  Gr.  VIII  1357: 
7,  10. 

—  Marucellianus  Gr.  A  148:  7. 

—  Messauensis  Gr.  85:   174. 

—  Monacensis  Gr.  181 :   175. 

-  Monacensis  Gr.  218:  176,  178. 

—  Mosquensis  synod.  Gr.  252: 
128t'.,  141,  173  f.,  176,  178 f., 
187  f. 

—  393:  1,  8. 

418:  1,  8. 

-  Ottobonianus    114,    116,    118ff., 
124,  184,  186. 

Gr.  R.  VIII.  54:  125 ff.,  130 f., 

188. 
268:   121,  125 ff.,   129 ff., 

132,  137  f.,  185. 
362:  7,   120. 

—  Paris.  Fr.  20052:  14,  106  f. 

Gr.  364:  1,  8—12. 

901:  1,  8-12. 

949:  86  ff.,  94. 

1133:   1,  8,   lOff. 

—  1327:  82. 

1630:   1,  33  f. 

1688:  83. 

1712:   128  f.,  186. 

—   1828:  82. 

—  242 G:  82. 
2745:  82. 

—  3064:   101. 

—  Peirescianus   1769:   104. 

-  Riccardianus  K.  I.  8:  85,  87t'., 
94,  97  ff. 

—  Vaticanus  Gr.  163:  127,  129, 
186. 

-  840:   1,  7,   10,  125. 
1  112:    15. 

2022:   1,  121,  125,   1371., 
185. 

Pii  II.  22:  5. 
-  Lat.  6189:  28. 

-  Ven.  Marc.  Gr.  VII,  12:    IST 

—  23:  2,5. 

115(125?):   141. 

345:  26  f. 

-  407:   128,   174. 
503:    1,9      12.    111. 


Cod.  Ven.  Marc.  Gr.  des  Apokriti- 
kos:  14  ff.,  22,  24,  2i\H\,  34  ff, 
38,  40—44,  49  f.,  55,  59—63, 
66 ff.,  70,  78-81,  93-114. 

Lat.  XIV,  14:  96. 

— —  XIV,  16:  103. 

XIV,  17:   102. 

XIV,  18:   105. 

—  XIV,  19:   105. 

XIV,  20:  105. 

XIV,  23:  26. 

XIV,  111:  103  f. 

Ital.  XI, 62:  105. 

riserv.  71:  28,  101,  111. 

97:  9,  111. 

—  Vindob.    Theol.    Gr.    331:    85, 
87 f.,  94. 

Hist.    Suppl.    Gr.   91:    174, 

176,  178f.,  188,  201. 
Lat.  9652:  98—101. 

—  Vossianus  Lat.  F.  52  in  Leiden: 
104  f. 

Collegium  Romanum  19  f.,  23. 

Colomesius,  P.  88,  110. 

Cont'essio  Augustaua  18. 

Constantinus  Magnus  35,  72,   113. 

Corigliano  (Coriolane)   1,   15. 

Cornaro,  L.  901". 

Corsica  101. 

Crafer,  T.  \V.  202. 

Crusius,  Magnus  7,  14,  17,  30f.,  33, 
36,  68,  73,  96,  1071'.,  114-122, 
1291.,  138,184,  186— 191, 193  ff., 
197—200. 

Crusius,  Mart.  831'. 

I  \  rill    vnii  Jerus.  61,   71. 

1». 

Delisle,  L.  33. 
öequ&tivoi  %iTQtveq  138  ff. 
6rjiMOVQyb<i  135  f. 
■i/oi,    141,    183. 
Didymus  Alexandr.  22. 
Diokletian   186. 
Dionysius   120. 

—  Alexandr.   121. 

Dacaeus,  Fronto  1 II,  153,  164. 
Duchatel,  P.  33. 


206 


T.   Namen-  und  Sachregister. 


Duchesne,  L.  2  f.,  5-9,  12,  33,  35, 

Ulf.,  119  ff.,  126,  137  f. 
Dumont,  Alb.  109. 
Dupin  18. 

E. 

Elises,  Steph.  119,  121,  12G,  137. 

Eichensynode  2,  202. 

irvnuGzaTOQ  136. 

Epiphanios  140  f.,  165  f.,  181. 

Epirus  5. 

Eusebios  27,  120,  144. 

Eva    132,    135,  139,   182,   195,    197 

bis  200. 
Evangelici  41. 

F. 

Fabricius,  Jo.  Alb.  17,  31,  33,  37, 
46,  81,  86,  102,  106,  113  ff., 
118,  184. 

Pellkleider  138  ff.,  182  f. 

Feron,  E.  7,  120. 

Feuerlin  107,  123. 

Ficlerus   19. 

Foscarini,  Marco  100,  108. 

Foucart,  P.  3,  5,  12,  108. 

Franceschi,  dessen  Register  28. 

Franz  I.  33. 

Freyhubius,  Andr.   18. 

Frisius,  J.  Jac.  32,  37,  85  f. 

Funk,  Fr.  Xav.  2. 

G. 

Gallandius,  Andr.  17,  36,  44,  46,  68. 
Garnier  149,  153,  159  f.,  166  f.,  169. 
Gebhardt,  O.  von  8. 
Geel,  Jac.  104. 
Geffcken,  J.  4,  202. 
Geffroy,  A.  3. 
Geizer,  H.  132,  174,  186. 
Genesis  134,  137,  174  f. 
-  3,21  :  138  ff. 

—  Kleine  131  f.,  142,  177  f.,  181  f., 
189. 
Gennadijs   162. 
Genova  101. 
George  Salmon  2,  4. 
yeioQytlv  134. 


Georgios   Monachos    128,    141,    173, 
175,  187. 

—  Priester  zu  Corigliano   15. 

—  —  von  Kreta  84. 
Georgius  Acropolita   15. 
yevjjjyög  134. 

Georgskirche  zu  Venedig  83. 
Germani  34,  73. 
Germania  41 

Gesner,  Conr.  32,  37,  85  f. 
Giovanni    e    Paolo,    Kloster   in   Ve- 
nedig 187. 
Giustiniani,  B.  20. 

—  Gir.  100. 

Göttingen,  Georgia  Augusta  117, 122  f. 

—  Univ.-Bibliothek  122. 
Gonzalus  Herrera  21. 
Grabius,  J.  E.  7. 
Gradenico,  Ambr.   105. 
Gradenigo,  Aluise  105. 
Gradius,  Steph.   10. 
Graeci  Veneti  88  ff. 
Graux,  Charles  108. 

Gregor   von    Nazianz   82,    134,    153, 
155,  158,  164  f.,  171.  181. 

—  von  Nyssa  51,  87,  130,  134, 
144,  146  f.,  153  f.,  156  ff.,  164  f., 
172,  177,  179,  183. 

Gretser,  Jac.  22. 

Guisius,    Claud.,    Card.    13,   85—89 
(s.  auch  Claud.  Guise). 

H. 

Haeberlin,  C.  122. 

Hamburg  123. 

Harburg  (Hannover)   116  f.,  123. 

Hardt,  Ign.  127,  132,  175,  179,  185, 

188. 
Harnack,  Ad.  3. 
Haye,  de  la  107. 
Hellenomnemon  81,  83  f. 
Heraclides  26. 
Herakleides  2. 
Herberstain,  Sigism.  86  f. 
Hermas  155. 
Herodes  5. 
Herrera  18. 
Herrerienses  19. 
Hesychius  120. 


f.    Namen-  und  Sachregister. 


207 


Hierokles  3,  202. 

Himerios  124. 

Hippolytos  143. 

Hispaniae  Bibliotheca  6,   18,  21. 

Historia  Lausiaca  26  ff. 

Hohes  Lied  2,  4  f. 

Hosius,  Stan.  IG,  95. 

I. 

Jauina  5. 

Junos  Laskaris   15,  30,  32. 
Jereinia,  Prophet  64. 
Jeremias  I.  83  f. 

—  II.  84. 
Jesaia  G4,  144. 

—  40,  22  :  144. 

Jesus  40  f.,  43,  82  f.,  138. 
Ikonoklasten   1,  32. 
Joannes  Antioch.  1,7—10,   12,  31t'., 
96,  120  f.,  125. 

—  von  Bostra  9. 

—  Damaskenos  2,  48,  185. 

—  Karpathios  2,  9  f. 
Joasaph  82  ff. 

Job  138  f. 

Jöcher  81. 

Joh.-Evang.  19,  29  :  39. 

Josephos,  Flav.  131,  142,  173  ff..  182. 

Irenaeus  51,  170. 

Isidor  von  Pelusium  120. 

[sidorus,  Pseudo-  68. 

lcx>i)rruixoq  136. 

Judaei   19. 

Judas   13. 

Julian  2t'.,  36.  96,    112. 

K. 

Kain   173  ff,   184,  188  (s.  auch  Cain). 

Karl  V.  100,  108. 

Karl   von  Guise,  Kard.  v.   Lothr.  NU 

bis  92,  95. 
Karo,  <;.  2. 
yi'.ii>i,Uv>i(c.  133. 
Kautzsch,  E.  131. 
Kedrenos,  Georgios   141,   180,  186  f., 

189  f.,  192-196.  L99f.  (s.  auch 

Cedrenus). 
Keil,   Karl   Aug.   17,   118. 


Klaudius  Guise,  Kard.  v.  Lothr.  13, 

85—89,  95. 
Kleffner,  Ant.  Ign.  4. 
Koimintzes,  G.  A.  5. 
Kollarius,  Ad.  Franc.  85,  188. 
Kolosser  55  ff. 
Konstantin  35,  72,   113. 
Koroliane   15. 
Kreta  82. 
Krumbacher,  K.  127. 


L. 

Lainez,  G.  20. 
Lainius,  Jac.  23. 

Lambecius,  P.  85,   100. 

Lambros  (Lampros),  Sp.  8. 

Lami,  Jo.  36,  81,  85-89,  961'.,  99, 

108. 
Laskaris,  Janos   15,  30,  32,   102. 
Latinus  Latiuius  16,   18. 
Lazeri,  P.  20. 
Legende  vom    zweifelnden    äöeXwoc 

11  f. 
Legrand,   Em.    15,  33,  81—84,  102. 
Leiden  104  f. 
Leon    Grammatikos    127,    170,    172, 

174,  182,  187,  199. 
Leon,  Köuigreich   18. 
Le  Plat  19,  90  ff. 

).£7lll)TE(}OV    139. 

Lequien,  Mich.  2,  30. 

Letus  (Lethus)  107. 

Leuvenklaius   (Leunclavius),  Jo.  86 

bis  89. 
Lietzmann,  J.  2. 
Lightfoot,  J.  B.  2. 
Lipomanus,  Aloys.  -J^fW 
Loesche,  G.  3. 
).6yoq  135  f. 
Loredan,  Bern.  105. 
Lorenzo  Medici  15. 

AwQiVTj   88. 

Lossen,  M.   18,  90 
Louvois  11,  106. 
Ludwig  XII.   102. 
Lnmper,  Gottfr.  46,  68. 
Luther  88f. 
Lutherani  .".I.  7.".. 


208 


I.    Namen-  und  Sachregister. 


M. 

Magnes  Emesenus  2,  33. 

—  von  Jerusalem  2. 
Magnesia  2  f.,  202. 
Mailand  90. 

Makarios  der  Agyptier  119. 

—  Chrvsokephalos   107. 
Maldouatus,  Jo.  21  f. 
Mamouka,  Pant.  86. 
Manichaeus  71. 

Mansi,  J.  Dom.  90f. 
Manuel  Korinthios  83  ff. 
Marcellus  II.  25. 
Marcianus  120. 
Marcion  71. 
Marini.  Ab.   101. 
Mark.-Ev.  15,  36  :  39. 
Martini,  E.  6,  86,  122  f.,  127. 
Masius,  Andr.  18f.,  90. 
Matth.-Ev.  27,  48  :  39. 
Maximus  Confessor  22. 
Mendoza,  Diego  Hurtado  de  108. 
Methodios  121, 140ff.,  146,  152f.,  156, 

158  f.,  166, 168,  170f.,  179  f.,  182. 
Meyer,  Ph.  82,  84  f. 
Miller,  Em.  108—112. 
Möller,  W.  2  f. 
Mönch,  zweifelnder  10 ff. 
Monte  Sardo  1,   15. 
Montfaucon,   Bern,  de   8,  13 f.,  104, 

106,  109  f.,  114  f.,  119. 
Morelli,  Jac.   2,  5,  9  f..  26,  28,  36, 

97,  100f.,  108—111. 
Müller,  K.  K.  15,  102. 
Muralt,  E.  128 f.,  141,  173,  176,  187 f. 

N. 
Navagero,  Andr.  100  ff. 
vsxqÖTijq  182  f. 
Nessel,  D.  85 

Neumann,  K.  J.  2  f.,  96,  112. 
Niceron,  J.  P.  18. 
Nicetas  25,  82. 
Nickes,  Ans.   119. 
Nicolaus  Ant.  Hispalensis   18,  24. 
Nicon  120. 
Nikephoros  1.  1,  4,  30  ff.,  35—38,  71, 

113—116,  118,  124. 
Nilus  120. 


0. 

oixovon'iu  133. 

OLXOVUhVll    134. 

Omont,  H.  8,  13 f.,  27,  33.  82  f., 
85  f.,  96,  104,  106  f.,  115. 

bfioovoioq  136. 

Origenes  137,  139  ff.,  144.   165. 

Ottoboni,  Familie  114. 

Ottobonianisches  Fragment  137  ff.. 
184—202. 

Ottobonus  114,  116,  125,  188. 

ovaia  134. 

P. 

Padua  86,  91,  101. 

Palencia  18. 

Palladius  26  f. 

Pallavicini,  Sforza  92. 

Pantagathus,  Oct.   19. 

Paris  90,   115  f. 

Parma  101. 

Patir  28. 

Paul  III.  25,  114. 
—  V.  25,  114. 

Paulus  55—59,  68. 

Pelicier,  G.  33. 

Petrus  38. 

Philetas,  Ch.  81. 

Philippos  von  Side  187. 

Phillipps  104. 

Philon  140,  142,  149  ff.,  158.  161, 
163,  167  ff,  171  f..  175.  181, 
185. 

Photios  2,  141,  156,  166. 

Pinelli,  Jo.  Vinc.  86. 

Pisa  101. 

Pisani,  Aloys.  100. 

Pisorica  19. 

Pitra,  J.  B.  lf.,  4  f.,  12  ff.,  17,  32  f., 
35—38,  51,  56,  71,  96.  111, 
118—121,  124,  126,  137  ff. 

Pius  VII.  20. 

Piaton  64. 

nXevQa  135. 

Polydeukes  (Pollux),  Jul.  127,  129, 
131  f.,  141  ff.,  147  f.,  1501'.,  173 
bis  179,  181  f.,  185,  188. 

Polykarp  2. 

Porphyr  3  f..  36,  202. 


I.    Namen-  und  Sachregister. 


209 


Possevinus,  Ant.  19f.,  22t'..  31  f.,  37, 

105  f.,  1091'. 
Praechter,  K.    127.    129,    131,    142, 

149,  167  ff.,  175,  185  f. 
Preger,  TL   127,  17.0. 
Proklos  2,  139. 
Prokop  von  Gaza  2,  135,  139,  142  f.. 

14t;- 150,  152  ff.,  15G,  1G0— 164, 

1G6.   168  f.,  172,  178,  180. 
Psalm  103,2:   147,  178. 

Querini  (Quirini),  Ä.ng.  M.  122—125. 

R. 

Ramberti,  Ben.   101  I. 
Ramnusio,  J.  B.  101. 
Registro  Franceschi  28. 
Reim ar us,  H.  S.   123. 

Ribadeneira  18. 
Richter,  Mart.   101. 
Rocca,  Lor.   104. 
Rönsch,  H.   131. 
Rössler,  E.  F.  117. 
Rum  91  f.,  97,   114,  119. 

S. 
Sabas  187. 

Sakkelion,  A.   u.  J.  6. 
Salviati,  Jo.   19,  24. 
Salviniu8  7. 

San  Giorgio  Maggiore  91. 
Sansovino  27  I. 
Santi  Giovanni  e  Paolo  99. 

Saldo   1,    15. 
Sarpi,  Paolo  91  f. 
Sathas,   K.X.  MI'..  84,  128. 
Sauer,  A     I19ff.,   126,   137 f. 
Schelstrate,  Em.  88. 
Schmersahl   1 15,  1171". 

Srlmii.lt.    Carl    202. 

Schott,   Amlr.  6,    18,  21. 

Schräm,  Dom.  46. 

Sei  erianue    von    <  labala    L35,    1 13, 

146,  Us  it.,  156,  160     163,  165, 

168,   170,   I80f. 
Severus  120. 
Sextus  Julius  Alrikaiiii-  3,132,   174. 

186. 
Texte  q.  Untersuchungen  etc.  31,  i 


Simlerns,  Jos.  32,  86. 
Sirletus,  Guil.  25  f.,  28,  95. 
Skordylios,  Zacharias  (Cretensis)  13? 

31,  52,  81— 9G,  105. 
Skylitzes  187. 

Sommervogel,  Carlos  16, 18,  20  ff..  24. 
Sophianos,  Mich.  83. 
Sophronius  28. 
Sotvell,  Nath.   18. 
Sozomeno,  Greg.  105  f. 
Statin,  Achilles,  Lusitanus  6,  21. 
Stephanotius,  Claud.   114.   116,   121. 
Stevartius,  Petr.  23. 
Strodtmann,   Joh.   Chr.    115.    117  1'.. 

1221'. 
Suicerus,  J.  C.  139. 
Susa  90. 
ahfißovXoq  13G. 

Symeon  Logothetes  127  ff..  174.  186. 
Symmachos  194. 
Synkellos  174,  179,  186. 
Syrakos  5. 

T. 

Tafel,   Th.  L.   Fr.    176  f.,    188.   201. 

Talmud  19. 

Taxis,  Joh.  Ant.   90. 

Teissier,  Ant.  18. 

Tertullian  51,  59. 

Testament,  Neues  134. 

Throdoretos    2G,    140,     1441'.,     150, 

159t'.,  1G4,  1G8,  172»".,   183. 
Theodoros  160. 
Theodosios  Melitenos  127  ff.,  131  bis 

136,  141  —  185,  188—202. 
Theodotos  von  Antiochia  51. 
Theophilos  144.  147.  149,  155,  163  f., 
Theosthenes  29,  31  f.,  3i;il.,    14,  52. 

551'..    581'..    64,    68 f.,    71  f..    7  1. 

76 f.,  88,  93,  llo. 
Thomas  Bozius   Eugubinus  G,  46. 
Thou,  de  18. 

Tillemont30,37,  106,  113  ff..  129,184. 
tifiiog   134. 
Timotheus   120. 
—  Presbyter  22. 
Toledo  lo'i. 

Tomasini,  Jac.  Ph.  I06f. 
Trienl  :|_>. 

11 


210 


I.    Namen-  und  Sachregister. 


Trient,   Konzil  zu  19,  29,  89—92. 
Turcograecia  des  Mart.  Crusius  83  f. 
Turin  90. 
Turrianus  (Torres,  Torrensis),  Franc. 

2,  4,  15-83,  93  ff.,   106 f.,    110 

bis  114. 

—  —  In  monachos  apostatas,  1549: 
19,  57. 

—  —  De  residentia  pastorum, 
1551:  25. 

—  —  Antapologeticus  pro  libro  suo 
de  resid.  past.,  1552:  24  ff.,  30, 
35  f.,  71  ff. 

—  —  De  sola  lectione  legis,  1555: 19. 

—  — Dogmaticus  de  justiticatione, 
1557 :  34  f.,  37, 70, 73— 70,78,125. 

—  —  Dogmatici  characteres  verbi 
dei,  1561:  32,  35,  37,  41,  52, 
57,  59  ff.,   G3,   68 ff.,   78  f.,  111. 

—  —  De  votis  monasticis,  1566 
(1549  und  1561):  37,  57,  59  ff., 
63,  79,   111. 

—  —  De  matrimoniis  clandestinis, 
1563:  29. 

—  —  Jtazaycd  xü>v  uy'uov  anooTb- 
Xwv,  1563:  20,  29  ff,  37,  48, 
5 1  f.,  55  f.,  59,  61  f.,  80,  82,  93  ff, 
111,  125. 

—  —  Adversus  Magdeburg.  Cent., 
1572:  29,  32,  34  f.,  38,  58,  68, 
73,  76  f.,  79,  111. 

—  —  Epistola  ad  Gonzalum  Her- 
reram  de  redditibus  ecclesiast., 
1574:  21. 

—  —  De  ratione  dispensationis 
bonorum  ecclesiast.,  1577(4574): 
21. 

—  —  De  ss.  eucharistia,  1576:  6, 
29,  35,  44  ff.,  48  ff.,  94,  111. 

—  —  Apostol.  Coustitut.,  1578: 
29-32,  34-37,  44,  48,  52,  56  f., 
59  ff.,  64,  68,  71,  77,79,  94,  106. 


Turrianus,  Franc,  Adversus  capita 
disputationis  posterioris  Amlr. 
Freyhubii,  1578:  18,  64,  68,  73. 

—  —  Epistola  de  definitione  pro- 
pria  peccati  originalis,  1581: 
72,  111. 

—  —  Epistola  contra  Ubiquistaa 
Arianistas,   1583:  72. 

V. 

Vaccaei  19. 

Valencia  18. 

Valens  186. 

Valentinelli,  Jos.  27  f.,  97,  99,  102  f., 

105,  108. 
Valentinian   186. 
Vatikanisches    Fragment    137—141, 

184. 
Velserus,  Marc.  23. 
Venedig    24ff.,    82f.,     87,     89-93, 

95ff,  99-103,  106 ff.,  11!». 
Vicecomes,   C,   episc.   Vintimil.   91. 
Villoison,  J.  109  f. 
Vitelli,  G.  85,  88. 
Volanus,  Andr.  44,  47. 

w, 

Wagenmann  3. 
Wernsdorf,  Gottl.   123  f. 
AVladimir  8. 
Wormius,  Chr.  107,  116. 


^i').ov  135. 


X. 


Z. 


Zacharias  Skordylios  von  Kreta  13, 

31,  52,  81-96,  105. 
Zahn,  Th.  2  f. 
Zauetti   101. 
Zeller,  E.   139. 
Zeno,  Apostolo  105. 
Zonaras,  Jo.  127,  131.  149.  175.  185. 


■Jll 


II. 

Wortregister  zu  den  griechischen  Texten  S.  10—12, 
S.  SS  und  S.  INS— 1>00. 

Die  Zahlen  beziehen  sich  auf  die  Seiten  und  Zeilen. 


ayaXXeiv  103,  17. 

ayeiv  191,17.  192,2.   103,0.  108,10. 

ayyeXoq   11.   17.   10. 

t'r/ i'/.ünyi^   102.  1. 

ayeQaaxoq  100,14. 

ayvaCpiv   100,10. 

ayiaofxa  11,5. 

ayioq  11,  11,13,20.  12,8. 

uy/irmc.    105,14. 

&ScmävT]tog  11, 2f. 

aöeia  104,15. 

ä6eX(pbq  11,4,6,27.   12,17. 

aöiätpoQOQ  107,4. 

aöixeiv  L98,20f. 

a&avccoia  190, 1. 

<\ih':rrin-    195,  1.    199,16.    200,11. 

alöeoifioq  88,2. 

at'ifto«   101.0. 

«t'dcw?   107.10. 

alfia   11,1,5.24.  88,7. 

c.irirTHi'.h'.i    198,3. 

c.i'oiiy    105,7. 

ala&ävsiv  108,1. 

aco9rjoiq   193,4.   196,4.   197,11. 

i  frtos   194,11.   107,10. 

attbv  199,12,  15. 

äxa/iavtatq   101, 15. 

axafiäxex  ">,•   103,4. 

axÖQSGToq   193,7. 

axo^    196,5. 

,'vo/,/r  11,30.   12,16    198,7,  16. 

äxovarixbq  196,5. 

ecxQißrjQ   196,3, 


cüäihjTOi  108,12. 

aXyrjömv  103,4. 

äkii&eia  11,8. 

ccXij&tjq  88,6. 

aU^v   107, 19. 

äXXoq  189,1,0,14.    190,13.   194,16. 

195,14. 
aXoyoq,   192,5. 
a/iagtia   198,5.  200,1. 
afiTjv  11,28. 

rii^yr.VOC    193,8. 

d/iiyijq   106,3. 
äfMpißäXXe.iv  11,4. 
r.infK)   194,12. 
avaßXsnetv  106,18. 
ScvaßXeytq   107,13. 
avayivioaxeiv  11, 10  f.,  14. 
avayxaloq  197,20. 
ävaSveiv  198,12. 
avaxaXeiv  108,14. 
- '■/ 1  tcXtjqovv   102,  15.    193.6. 
i''.rc.iilh'r(:i    197,  10. 
o  c<  roAaj    191,1. 
i'n'nyiiilh'.i    11,11. 

«vfo»  192, 1 1.  19.   193,12,  16.  196,16. 

avdaq  195,4. 

av&Q<onoq  11,31.  12,2.  188,3.  180,1, 
4.  12.  190,1,  1,6.  191,1,  10,  14, 
20.  192,9.  10  1. 15.  195,6,  14. 
10:1.1:;,  15,  17.  200,8. 

avoiyvvvai   11,12.   12, 15. 

*  yii  wxQtoiq  88,3. 

avxii  r.T)i'   11,6. 

i':rivi,iy    12,    16. 

14* 


212 


II.  Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


ricta  189,16. 

ä^ioq  199,12. 

unctviaxc'cvai  12,9. 

anaQÜXkaxxoq  189, 10. 

f'cjtag  192,7.  197,5. 

cmavycca/xn  189,7. 

cMei&eia  197,14,  17. 

cmelvcu   195,8. 

aneiQÖxaxoq  197,3. 

cmtQxeod-ai  12,18. 

dneyeiv  195,1. 

amaxia  11,9. 

ankijaroq  193,1. 

anoßakkeiv  11,9. 

aicoÖEixvvvac  194, 1. 

ano&i'tjoxetv  194,5.   196,1,  11. 

a7ioxäXvi}'ig  197,12. 

aTtöxQiaiQ  10,1. 

nxolaveiv  195,5. 

änoloytia^ai  197,10. 

anokoyia  88,5. 

cmoXveiv  11,9. 

änöaxoXoq  11,11.  189,8. 

anoxi&tvai  197,3. 

ano<pa!vEiv  199,1,  17. 

(CTireiv  196,1. 

aga  196, 1. 

tcQEOtbq  196,14.  197,2. 

äQexli  190,1.  200,6. 

ccQxoq  11,22,  26,28.  12,4,13.  199,5. 

aQ/cdoQ  88,5. 

«raf»>  188,4.  189,14.  190,11. 

äfj/ixvjiov  189,17. 

a(j/Ji  12,5.  200,7 

(Cfjyixbc  191,9. 

("octfjxog  197,16. 

aaxQanri  11,19. 

äoyßXzlv  197,8. 

äayolla   197,9. 

ai&iq  12,16.  192,13. 

av$7]oi<z  11,2.   192,11. 

avxE^ovauoq    194,14. 

abx^ovmöxriq  190,3.  194,1.  200,10. 

ccvxöngEftvoq  200,1. 

CMpaiQeZv  196,8. 

f'äpcaoQ  191,8. 

cc(p&c<Qöia  189,17. 

a<poQi'C,ttv   191,5. 

ayttjpioxoq  11,4. 


ß- 
ßaatlsvq  189,12,  15. 
ßaaikixöq  190,3. 
ßaaxalvEiv  195,6. 
ßJlfxa  198,17. 
ßXaßEQoq  194,9. 
ßXÜTixetv  198, 19  f. 
ßXhtsiv  193,15.  197,6. 
ßorftsia  192,9. 
ßorjVöq  192,10,  18. 
ßovlij  189,2.    190,7. 
ßovXrjfia  194,14. 
ßiwjoiq  191,3.  194,3.  196,14.  197, 1  r. 


yi/ueiv  191,6. 
yevsoiq  192,1. 
yevväv  189, 13. 
yhoq  192,2,  7,  11.  197,21. 
yevea&ctL  199,16. 
yscogyeiv  191,10. 

y'n  12,7.  188,5.    191,2,  11.    192,19. 

195,12.  196,8.  199,2,6.  200,12. 

ylveo&ai  ll,26f.,32.  12,12.  190,13, 

15.  191,8,  14.    193,3.    194.11. 

195.11.  198,18.  199,9.  200,3 f., 
11. 

yiväoxeiv   193,3,  10.    194,3.   195,1. 

196. 12,  17.     197,  12.     199,  10. 
200,  5. 

ykwaacc  196,6,  9. 

yvvjQifioq  197,9. 

yvcöoiq  194,8,  11,  13.  200,6.  9. 

yvojaxöq  191,4. 

yQtxiptj  188,2.  190,17.  191,17.  192,8, 

17.  195,11.  198,7.  199,7.  200,7, 

13. 
yvfxvaaUc  194,10. 
yvßvög  196,17.   197,12.  198,1,17. 
yv(ivbxr\q  197,16. 
yvfivcootc   197,4. 
yvvrj    192,  16.    193,12  t'.,  16.    195,  S, 

16,  18.  196,10,13.  197,1.  198,9. 
199,8. 


öayiXijq  195,5. 

ösixvvvai     11,  S.     189,3,  5.     190..".. 
193,19.  196,19.   198,5. 


IL  Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


•213 


öeiXivbq  198,8. 
Seiv  11,7.  189,13. 
öevöqov  194,16. 
(teyfiärivoQ  199,8,  13,  18. 
ötoiq  200,1. 
ÖBOJtbxriQ  194,1.  195,1. 
öijXoq  194,11.  200,9. 
ötj/uovQyla  188,1.  190,13,  15. 
dtäyetv  195,4. 
öuxSrjfia  189,16. 
öiadoxfi  197,21. 
öiäd-eaiq  197,16. 
öu&xovoq  11, 11,  13. 
ihrcxoizixög  198,11. 
öiodafißäveiv  199,12. 
ihcJ.laxTEiv  196,4. 
(Ua/iovtj  192,12. 
öiävoia  197^7. 

öiavovyvvvai  196,12,  16,  19.  197,4. 
At(hlt«fiq  190,7. 
6i(caw'C,F.iv  190,2. 
iSiaxflüv  197,16. 
ihtuf  £qeiv  195, 15. 
öiacp&eiQELV  200,2. 
Su((poQ('c  197,20. 
(hä<poQoq  (?)  197,4. 
öiöäaxaXoq  88,5. 

öiöovai  11,29.  192,18.  193,18.   194, 
12,  14.    195,2.    196,16.   197,15. 
äieyetQeiv  197,6,  11. 
öirjyeZa&at  11,10. 
öuecuovv  199,4. 
SixaaxtjQLOv  198,18. 
ölxtjv  197,8. 
rfo$a  189,7. 
öo&tßiv  12,  18. 
6i)v«fiiq  11,2.  12,15. 
övvao&ai   11,30.   12,1  ff.   199,  15. 
ovo  196,17,  19. 

Acnjii'f     12,   17. 
ÖWQOV    11,    15  f. 


eßöofioq  190,9,  11. 
iyylveo&at   197.  13. 
.•';vv">  193,2.  197,9. 
iötböifioq   199,  ■'! 
hAittAiunt qo<i  ia  (?)   1 99,  3. 
et'dcva/   191,4.  194,12. 


Eixöxojq  189,13.  197,18. 

aVoiv  188,3.   189,4,10,131.    190,2, 

4.  192,3.  200,8. 
eiicelv     11,18,32.     12,  11  f.     188,2. 

192,8.     195,  16  ff.,  20.     196,10. 

198,15.  199,7,9.  200,7. 
riq    193,3.    194,16.    196,6.    199,9. 

200, 3  f. 
etqäyeiv  189,  12. 
iixa  190,7.  191,17.  193,3,9. 
txaaxoq  190,12.   192,5.    1!  18,21. 
ixßäXXEiv  199,13.  200,12. 
ixsl  191,1,  7. 
£-*£ivoe  192,4.  193,9. 
ixxsvovv  11,25. 
ixxXijaia  11,12.  12,15. 
l'xoxaoiq  192,13. 
:-*Tir!veiv  199, 10. 
txxoq  190,8. 
txxvnovv  193,7. 
sXevd-eQoq  193,19. 
tlevd-EQtöxrjq  194,  10. 
"EXXtjv  10,1.  88,3. 
tjupaivEiv  189,16. 
ifKpfQijq  190,4. 
tfupvaäv   12,6. 
■nvvyn-    189,14. 

ivdiöövai   197,18. 
i'nli'ni'  195,7.  199,8. 
ivelvai  189,9. 
&/£*«>  199,12. 
bv  {■{))' eia  190,7. 
ivlote  197,8. 
hvoüv  193,17.  199,14. 
ti'xavti-a  191,7. 
£vxev&ev  191,20. 
ivTi&ivai  196,'.). 
j-YroP.,}   194,12,  14.    195,2. 
i'n'.im/rifni,'   189, 10. 
igaiQEToq  189,2. 
igavaXloxeiv  11,1. 
Hzavare'XXeiv  191,2. 
i^anazäv  195, 15. 
_-  tooziXXeiv  200,13. 
it-ovala  191,9. 
ärayy&Uew  192,  18. 
inayetv  1!»:'..:».  196,10.   ü»7. 18. 
hta'iQEiv  19(i,.",. 
htävu)   1 1,26. 


214 


II.  Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


exeiöav  197,9. 

ineidij  11,3.  189,11.  190,14.  192,7. 

197,14,  17. 
biißäXXeiv  192,13. 
eniöiöbvai  191, 10. 
yntxe.UfjOÜai   11,20. 
hniyj.i]r,iz  192,6. 
hcikiyEiv  192,13. 
htiaxQEtpeiv  199,5. 
&U0VßßalvEiv  197, 17. 
s'niTi'h'rai   192,5. 
egyov  190,6,9,  11. 
eqeZv  189,12.  191,13.  192,16.  194, 

14.     196,18.      197,4.     199,14. 

200,4. 
tQfxtjvt-i  eir   194,6. 
eqmeiv  196,8. 

EQTtETOV    191,18. 

EQXEO&m  11,2.  198,10. 

EQ(OTTj<siq  88, 1. 

io&lsiv  199,2,5. 

txzQoq  11,17.  189,5.  197,7. 

zvayyt'hov  11,12,  14.  88,6. 

evEQyeala  193,19. 

ev&E(oq  193,5. 

Ev&vq  11,26.  12,12.  191,17. 

f-iloyüv   190,9,  12,  15. 

eikoyla  190,13. 

EviiQtTiijq  193,8. 

EVQtaxEiv  12,3.  198,20. 

eI<PQ(Üveiv  193,15. 

EvyaQtottir  12,   13,   18. 

(■v/HQioria  88,6. 

icptoiavai  195,8. 

l/iir   12,13.   189,2.   190,13.    192,1. 

193,15.    194,15.    196,3.    197,7, 

14,  17.  199,3.  200,9. 
E'i&Qbq  195,5. 
twq  199,5. 


tjqv  189,9.  199,12,  15. 

L,ljTElV    11,32. 

:Cfon    12,6.    191,3.   199,11,  16.   200, 

11,  16. 
tßov  192,5.  193,8.  195,14.  199,19. 


i/yh/Kor    192,3. 
hdovri  193,7, 


riSvq  198,4,6. 

rjfAEQa  190,8,  9,  12.  194,4,6.  196,11. 

lnuTiQoq  188,3.  189,5.  195.5.  196,4. 

&. 

9-aXaooa  188,4.  191,11. 

Ȋvaroq  194,5.  195,4  (?).  196,10. 

&av{idt,Eiv  191,8. 

9-avfiaarög  11,  22. 

VeäoÜat  198,14. 

$efos  11,2,  16.  12,15.  188,2.  190,4. 
192,4.  193,7,  10.  200,13. 

»i-k?]Oig  191,  16. 

&eÖQ  11,8.  12.4,  13,  17.  188,2.  189, 
13.  190,6,  8, 11  f.,  16 f.  191,2,  5, 
8,  17.  192,2,  8,  13,  18.  193,19. 
195,10,  13,  17.20.  196,12.  197, 
15.  198,8.  199,7,9,  17.  200,4, 
8,  14. 

&Ea)QEiv  193, 14,  16. 

9-qkvq  192,10,  19. 

IhiQiov  188,5.  191,17.  195,12.  196,5. 

»VTjzöq  194,5,7.  197,18.   199,17. 

9-Vfiijöla  191,7. 


laxQÖq  193,5. 

iÖEtv  11,12,  15,22.    12,14.    191,18. 

196, 13  f.  197,1,  3.  198,17. 
l'dtoq  192,3. 
löov  199,9.  200, 3  f. 
lÖQwq  199,4. 
"iEQEvg  11,  21. 
lEQÖq   12,  14. 
ixavöq  191,12. 
"Xtioq  11,  32. 
Ibq   196,8. 
laoövvafioq  189,11. 
Ifftävai  11,19.  12,10. 
lyßvq  188,4. 


xa&äitEQ  192,19. 
xa&aQoq  11,29.  195,3. 
xa9-i<nävai   191,7. 
xa&d>q  12,3. 

ztunt>^   197,17. 
xaxla  196,3.  200,6. 
xaxonQuyia  198,3. 
xixxbq  199,16.  -.'(»Ml, 


II.   Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


215 


xaXeiv  HU.  is  f.  193,12.  195,13. 
xäXXoq  11,18.  193,2.8. 
xaAos  191,3t.  192,8.  194,3,  8,  12. 
196,13.  197.2.  199,10.200.5.10. 
xagöia  12,10. 
xaQÖivaXioq  88,2. 
xayitöq  195,19.  196,15.  198,4. 
xaraSixaCßw  196,6.   199.2. 
xazaxbitisiv  11,25. 

XUTUYOiXv    196,  15. 

xatavvaaeiv  12.   17. 
xatcmavsiv  190,10. 
sc.rc.nrtTr    192.4. 
xaxägaxoq  199, 1. 
^r.Ti'O^t-r/'.^iir  191,6. 
xaraoxevri  189,7.  190,6.  193,15. 
xaxatpogä  192,20. 
yi'.ic.if  vxsveiv  191, 12. 
xc.Ti'ij/ftjlhu  11,16. 
xarsxeiv  11.2:;.   193,3. 
XTjöe/jLcäv   1^4. 1. 
xiveiv  194, 15.  195.7. 
xXaiecv  11,30. 

*;.«>■  11,21. 

jriLovffv  198,13. 
aroiA/a  199,2. 
xoofistv  189.17.   193,9. 
*m;//o$  189,12.   191.15. 
spar*«'   11.2:;.   198,11. 
xqIvsiv  192,17.   l:i:i,5. 
XQvntecv  198,8,  11.   17. 
*n>oc  191,18.    196,6. 
*r/£«v  189,3. 
xnTftg  200,12. 
xxiOf/a  189,3. 
xrioftevoq  (?)    189,  1 . 
xvxXoq  11,20. 
xvxXovv   11,14. 

aristo«   11,5.   12,1,4,  12.   88.2.  195, 
13.   198,7.  2()(i.l4. 


/.r/.>rr   196,6. 

/•  ".'.-;/r    11.7.    192.6.  14.  16.    193, 
3,13.  196,15.  199,6,  11.  200,11. 

Xafmgöq  191,6. 

1   11.5.  10,  28,  31.  88,8.  192,  KL 
194,2.   i:i5.ll.  16.   197,1,  i:;. 

Xoyixbq  191,5.   193,8.   195,  1  1. 


Xoyia/ibq  11,9.  197,6.  9,  13. 

Xbyoq  11,3.    189,10.    190,5.    191,8, 

11,   13,    15.      192,  10.      19G,  2. 

199,19. 
XoiitbqU,G.  193,6.  197,18.  198,17. 
Xvmj  199,3. 
Xvoiq  199,19. 

(I. 

fiäXXov  191,12. 

(tav&äveiv  11,6.   12. 1. 

[xä'/aiQa  11.24. 

(Kf'yas  192,6.  193.16. 

(*£ye9oq  191,11. 

fieXXeiv    189.  14.     190,  14.     192.  11. 

195,15. 
(iheiv  12,7.  190,14. 
(i&ooq    11,17.    191,3.    195,20.    198, 

9,  19. 
fisraXa/ißavsiv    11.27.   29  1V.    12.2, 

KU'.',  13.  194,16. 
fisroxoq  19:!.  I". 
////.Tore  199,10. 
(tovoyei'tji;  189,6. 
fibvoq  189,1.  192,9.   194,16. 
fivgloq  192,2, 
(xvaxayioyla  12,14. 
(ivouxöq   191.14.   193,7. 


vsxgbzijq   199,17. 

ri'xnioGiq  199, 19. 

voeiv  197,19. 

vbfioq  193,18.  195,1,  11. 

Movg  88 ,8.   1:12.20.  197,11. 


J/v.or  I91,2ff.  194.21..  7,   11.     195, 
171V.  196,14.  197,2.   198,3.  199, 

11.  IC  200,11.    IC 


bööq  200.K;. 

orfvvjj   198,6.  199,4. 

otxeloq   12.5. 

oIxtjttjqiov   191,6. 

obeoöofu  tv  192, 15. 

6/uotos  12,14.   I:i2,7.   193,15. 

Ofioibi  /,-■  189,  1 5.   190, 2. 


2  IG 


II.   Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


bfiolatoiq  188,3.  189,5,  11. 

ovofia  191,19.  192,5. 

och  198,18. 

bgav  191,19.  193, 13f.  197,1. 

OQaaiq  191,2.  193,17  (?). 

bgitpiv  198,21. 

oqoq  194,9. 

borovr  193,  G,   11. 

OTiTtEQ  189,3.  191,9. 

ovpavbq  11,13,  16.  12,9,  IG.  188,5. 

191,11. 
oiq  11,31. 
b<f  Ihü./tög  193,1.  196,12,  14,  17,  19. 

197,2,5,  13.  198,12. 
o<ptc  195.7,  I2f.,  IG.    196,2,  7.  10. 

198,20.   199.1. 
b\piQ  193,2.  197,11. 


naiSaywyiä  (?)   192,10. 

7rafd/oy   11,17,  20,  23 f. 

naiSoyovia  192,10. 

natöoTtoua  197,15. 

naXiv  12,1.    190,17.    192,8.    198,7. 

TtavbXßioq,   191,13. 

navovgyoq  195,8. 

7iavtaQ%ixbq  191,9. 

TiäiToiter  11,14. 

nävroTE  191,9. 

nävzotq  196,2. 

Tiavv  197,8. 

nagaßaaiq  197,3.  198,2.  199,15. 

TiaQaßÜTrjQ   195,  10. 

nagäyuv  189,1.  191,16. 

7ia(>ädELOoq  190,17.  191,4,  12.    193, 

18.  194,2,  9.    195,18,  20.    198, 

8f.,   lt',,   19.   199,13.  200,14. 
Tia.i>HiTEir   198,   12. 
7ic<(j«xo!i  194, 13. 
taQaoxevct'Cßiv  195,10. 
TiagäotccoLq  198,13. 
naQcaljQtjOtq  197,15. 
nagaxQhieiv  195.9. 
TK'.ijin/iottai   197,8. 
TtaQf-xEiv  12,8.  194,8.   197,4.  198,6. 
näq  190,7,  12.    191,2,  6,  10,  17,  19. 

192,7.    194,2,  IG.    195,12,  171. 

196,5.  198,5.  200,1,  13. 
7ii.o~/Eiv  193,14. 


189,4.  190,9,  11.  192, 
195,13.   198,2.    199,7. 


TtaxJjQ  189,6.  198,14. 

nEiüüaihu   198,11. 

7l£7l?jOOJ/UtVOg    (7lt7ZCO()CO/UtVOq)    88,  8. 

TitQißäD.tiv  199,17. 

TtEQiCfiifia  198,3. 

nsptncaeTv  198,8,  IG. 

TtEQianäv  193,7. 

nezeivbq  188,  4. 

TliXQoq  198,5. 

niveiv  11,  1. 

Tiiazeveiv  12,11. 

nkätTEiv  12,6.    191,1.    192,19.  197. 

20.  200,7. 
nksvQa   192, 14  f.  193,4. 
nXij&oq  11,17. 

nvsvfia  12,7,91".  192,4,20.    193,10. 
nvevfiäTixöq  193,14. 
Tirol/  12,  G. 
noislv  188,2. 

3,  9,  17. 

200,8. 
noiijoiq  189,2. 
noixiXia  195,4. 
nbXefioq  195,7. 
noD.axiq  197,7. 
nolvq  191,12.  195,6.  196,4. 
7iorrjQ6c  191,5.  194,4,  8,  12.  196,13. 

199,10.  200,5,  10. 
TioQipvoiq  189, 15. 
noTljOiov  11.24. 
novq  196,8. 
TiQäyfia  11,8. 
noä^iq  198,5. 

7l(i('(TT£ll-     198,6. 

nQorjysioS-at  189,3. 
nybütmq  11,21.   12,4. 
7l(iOÜEOJ(J£lV    197,20. 

TiQoxa&rja&cu  192,1. 
TCQOxaxaßäXXeiv  200,9. 
TiQoxbnTEiv  200,5. 
noo/.e.ußi'.vttv   194,  13. 
TiyboÖoq  198, 12. 
7iQoqtyyiZ,iriv   11.21. 
TtQoq£Q%ea&ai  11,22.  27.  29 
noogr/xeir  198,21. 
TxooqxbnrEtr  (?)  200,5. 
TiQoqrÜTTEiv  195,1. 

JlQOqtpkOElV    11,15. 

jiQÖamnov  11.18,  22.  199,5. 


Tl.  Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


217 


TCQOti&evai  11,15.  191.5. 
TtQO<pavriQ  19(>.  5. 
itQO<prftucbq  192,4. 
TtQOfpOQÜ    196,2. 
itQmxbiikaaxoq  196,3,  18. 
nQwxoq  (?)  198.3. 

TCQiDTÖtimOV    190.2. 

nralGua  198,10. 
tcvq  11.14.  IG  f. 


föftä  189,1.  191,13. 

nllnif    191,13. 

$0(tq  aia  21 K),  15. 


GCtQXlXOq   107,16. 

occq£  10,2.   12,6—9.  192.15.  193,6, 

lli. 
aijfialveiv  197,12.   199,  18. 
oxiptXQOv  189.15. 
axonöq  192.17. 
ffog  ?a   192, 1  7. 
oxeyr,   11,12.   12.15. 
,7,;:/".   199,1. 
ozQt<peiv  200, 15. 
ovyyeviiQ  11,3. 
GvQoyU     I    - 
nvxq    l'.'s. 2.   1. 
ovfißovXoq   189,6,  9. 

.,-  //./  :-'o,<n'  195,9. 
-;/  )vJ(.  11.7.  KL 
in  ; ■.-  £■<  taxäv  195, 10. 

ffl  I ■:  nyi-Ty    192,  11. 

„/,.•.,,_  197,6.   198,10. 

.,/  17;/:  m     190,  8. 

<,/ 1  /.,.'-,_   l  93,  5. 
avvxQOipoq  199.3. 
.,/.,;/)•    199,2. 
'../  '  rri  ')•  11.21. 
.,-/,>:  193,8.  197,19. 

0(ÖfH      11    5,    25  1..    28f.     12.  IM..    12. 

88,7.  200,1. 
owri/u  10,2. 


r  12,4.  200, 15. 

I     12.11. 
Texte  ii.  Untersuchungen  etc.  81,  t 


zexvixTjq  193,5. 

uUvai  11,26.   191,1.   194,9. 

xixxeiv  199. 4. 

n/iüv  190, 1. 

T,';,!t   191,14,  20.  192.5.  195.5. 
r////o.  189,  1.    190,6. 

niivinic.    199,1. 

xoivvv   189,11. 

zoiovxoq  193,2.  194,8,  10.  200,7. 

loXflTjfia    198,10. 

rönoq  195.3. 
zooovzoq  191,11. 

r.,,',1;-:-:    11,20 
ro». •//■.■    198,  1. 

igmeiv  192.2(1. 
iQÖrcoq  198,3. 

T'jo'l'i,     199.2,. 

TQVtpr,   193,18.  200,14. 
ZQVtprtXoq   198,18. 
igüyeiv  10,2.  11.1t. 
rvreoe  88,  7. 
ro//.5.    197,8. 


(7,'(.   189,6. 

bnaxori   194,13. 

vTcägxsiv  11,4.  189,4.  196,5. 

WTtVOS    192.2D. 
V7CV0VV    192.14. 

VTCokafißäveiv  191.7. 

i  ...   189,8.   191,5. 
imoaxaxoq  (?     189,10. 
vnox(üQsZv  192,6. 

ror/.nvj    197.19. 
r>/  icTi'.rt'.t    191.12. 


p<  ;:,>    12.1.  3.    19  1.3  t..  6.     195,1. 
19t.    196,11,   16.    199.11. 

i    11. 13. 
<pävt  i   88,6.    188,2.    192. s.    L9 
200,13. 
i    193,2. 
•I  <  i  /<  .•'■/"  i    193,1. 
9    .  .  "-    11.19. 
tp&aveiv  200,7. 
i    10,2. 
cpQ-övoq   195,6. 
>/  lAav&Qwnia  191,  8. 

15 


218 


II.  Wortregister  zu  den  griechischen  Texten. 


</  iXboTOQyoq  198, 14. 
tpifiovv  196,7. 
<pXoyivoq  200,15. 
<poßeia&cu  198,16. 
ifoßüQÖq  198.18. 
(pößoq  198,11,  14. 

<PQOVl(iOQ    195,  12  f. 

<f  vsiv  197,5. 

<pvXaxxeiv  200,16. 

ipvU.ov  198,2,  5. 

tpvoiq  11,3.    190,4.    193,19.    194,8. 

195,5.  200,9. 
(pvteveiv  190,17. 
tfiTor  194,10. 
(pvTOVQyöq  191.14. 
tpwvrj  11,30.  12,1.  196,5.  198.7.  15. 
(fcüq  193,2. 


/ 


IfXQaxtiiQ  189,8. 
'/Üqiv  190,11,  15. 


XeiQ   11,  23,  28.     12,  6,  13.     190,  6. 

199,11. 
yeiQoxovHv  192,3. 
%£(>ovßlfA  200,15. 
yirüv  199,8,  14,  18. 
XQyo&ai  189,6,  9.  196,2.  200,10. 
■/ojoi'Cfir  12,7. 
%<oqlov  191,13.  198,19. 


V- 


ipevöoq  195,9. 
'"'/'/  193,1,  6. 


wQaioq   191,2.   11)6,15. 

wq  11.11,  21,  27.  88,8.  IS!»,  11.  193, 

5,  I3f.    194,1,  12.    199,9.    200, 

3  ff,  7. 
wqccvzcoq  193,  16. 
tbqel  11,19. 
atcitEQ  12,5.  189,12,  14.    192,1,  5. 


Verlag  der  J.  C.  HINRICHS'schen  Buchhandlung  in  Leipzig. 

TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN  ZUR  GESCHICHTE  DER 

iLTCHRISTLICHEN    LITERATUR 

Herausgegeben  von  0.  von  Gebhardt  und  A.  Harnack. 


Fortsetzung  von  der  zweiten  Dmsclilagseite. 


ostermann,  E.,  Über  d.  Didymus  v.  Alexandrien 
in  ipistolas  cauonicas  enarratio.  8  S.  (Mit 
Koetschau  und  Harnack.  NF.  XIII,  2) 
nopf,  R.,  Der  erste  Clemensbrief.  Untersucht 
u.  herausg.  IV,  194  S.  1899.  (NF.  V,  1)  M.  6  — 
)etschau,  P.,  Zur  Testkritik  von  Origenes' 
Jnhannescommentar.  76  S.  1905.  (Mit  Har- 
nack und  Klostermaun.  NF.  XIII,  2.)  M.  3- 
•aatz,  W.,  Kop'ische  Akten  zum  ephesiniscben 
Konzil  (431).  Übersetzung  u  Untersuchunge  n. 
VIII,  220  8.     19C4,  (NF.  XI,  2)     M.  7  — 

jipoldt,  J.,  Didymus  der  Blinde  von  Alexandria. 
III,  148  S.     i905.     (NF.  XIV,  3)  M.  5  — 

-  Neben ute  von  Atripe  und  die  Entstehung 
d.  national  ägypt.  Christentums.  X,  214  s. 
1903.      (N"F.  X,  1)  M.     7  — 

-  Said.  Auszüge  aus  dem  8.  Buche  d.  apost. 
.Konstitut.    II,  62  S.     1904. 

(NF.  XI,  lb)  M.  2  — 

Bstle,  E.,  Kirchen  geschickte  d.  Eusebius  a.d.Sy- 
rischen.    X,  296  S.   1901.  (NF.  VI,  2)  M.  9.50 

reuschen,  E. ,  Eusebius'  Kirchengeschichte 
Buch  VI  u.  VII  aus  d.  Armenischen  übersetzt. 
XXII,  109  S.     1902.        (NF.  VII,  3)    M.    4  — 

>sch.  A.,  Agrapha,  aussercanonische  Schrift- 
fragmente. Gesammelt  und  untersucht  und  in 
zweiter,  völlig  neu  bearbeiteter,  durch  alt- 
testamentliche  Agrapha  vermehrter  Auflage 
herausgegeben.  Mit  5  Registern.  XVI,  426  8. 
1906.     (NF.  XV,  3/4)  M.    10  — 

Der  Paulinismus  n.  die  Logia  Jesu  in 
Ihrem  gegenseitigen  Verhältnis  untersucht. 
VIII,  656  S.  1904.  (NF.  XII.  Bd.)  M.  20  — 
isch,  G.,Das  Aposteldecret  nach  seiner  ausser- 
kanonischen  Textgestalt  untersucht.  V,  lT'.is. 
1905.     (NF.  XIII,  3)  M.    5.50 

ihermann,  Th.,  Die  Geschichte  der  dogma- 
tischen Florilegien  vom  V.— VIII.  Jahrhun- 
dert. VI,  104  S.  1904.  (NF.  XIII,  1)  M.  3.50 
thmidt,  C,  Die  alten  Petrusakten  i.  Zusammenh. 
d.  apokr.  Apostellit. untersucht.  Nebst  e.  neu- 
3iitdeck.Fragm.VIII,176S.1903.(NF.IX,l)M.6— 


Schmidt,  C,  Plotin's  Stellung  z.  Gnosticismus  und 
kirchl.  Christentum.  X,  90  S.  —  Fragm.  einer 
Schrift  d.  Märt. -Bisch.  Petras  v.  Alexandrien 
50  S.     1900.     (Mit  Stählin  NF.  V,  4)    M.    5  — 

Schubert,  H.v.,  D.sog.Praedestinatus.  Beitrag  z. 
Gesch.  d.  Pelagianisinus.  IV,  147  S.  1903. 
(NF.  IX,  4)  M.  4.80 

Schultze,  K.,  Das  Martyrium  des  heiligen  Abo 
vonTiflis.  41  S.  —  (Mit  Harnack  und  Augar. 
XF.  XIII,  4.)  M.4.50 

Seeck,  0.,  Die  Briefe  des  Libanius.  Zeitlich  ge- 
o  dnet.  VI,  496  S.  1906.  (NF.  XV,  1/2)  M.  15  — 

Sickenberger,  J.,  D.  Lukaskate.ne  d.  Niketas  v. 
Herakleia  unters.    1902    (NF.  VII,  4)    M.  4— 

—  Titus  von  Bostra.  Studien  zu  dessen  Lukas- 
homilien.  VIII,  268  S.  1901.  (NF. VI,  1)     M.     8.50 

Soden,  H.  von,  Die  Cyprianische  Briefsammlung. 

Gesch.   ihrer    Entstehung   u.   Überlieferung. 

VIII,  268  S.u.  2  Tab.    1904.  £XF.  X,3i  81.10.50 
Stählin,  0.,  Zur  handsehriftl.  Überlief,  d.  Clem. 

Alexandrinus.   8  S.   1900.    (s.  Schmidt) 
Steindorff,  G.,  Die  Apokalypse  d.  Elias,  e.  unbek. 

Apok.u.  Bruchst.d.Sophonias-Apok.X,  190S. 

Mit  lLichtdr.-Taf.  1899    (NF.   11,3a)  M.    6.5c 
Stülcken,  A.,  Athanasiana.  Litterar-  u.  dogmen- 

gesch.  Unters.  VIII,150S.  1899.  (NF.IV.4)  M.  5  — 
Ter-Minassiantz,  Erw.,  Die  armen.  Kirche  in  ihren 

Beziehungen  z.  d    syr.  Kircheu   bis  z.  Ende. 

des  13.  Jahrb.  Nach  den  armen,  u  syr.  Quellen 

bearb.  XII,  212  S.  1904.  (NF.  XI,  4)     M.  7.50 
Urbain,  A.,  Ein  Martyrologium    d.    christl.   Ge- 
meinde zu   Rom   am  Anfang    des  V.  Jahrb. 

Quellenstudien  z.  Gesch.  d.  röm.  Märtyrer. 

VI,  266  S.     1901.  (NF.  VI,  3)    M.     8.50 

Waitz.H.,  D.  Pseudoklementinen,  Homilieuu.  Re- 

kognitionen.  1904.  VIII,396S.(NF.  X,4)  M.  13  — 
Weiss,  B.,  D.  Codex  D  i.  d.Apostelgesch.Textkrit. 

Unters.   IV,  112  S.  1897.     (NF.  II,  1)  M.  3.50 

—  Textkritik  der  vier  Evangelien.  VI,  246  S. 
1899.  (NF.  IV,  2)    M.    8  - 

Wobbermin,  G.,  Altchristi,  liturg.  Stücke  aus  der 
Kirche  Aegyptens  nebst  einem  dogmat.  Brief 
d.  Bischofs  Serapion  v.  Thmuis.  36  S.  1899. 
(Mit  Jeep  XF.II,  3b M.  2-)        einzeln  M.  1.50 

WredetW.,DieEehtheitde9  2.Thes8.-Briefa  unter- 
sucht. VIII,  116  S.  1903.  (N'F.  IX,  2)    M.    4  — 


ie  Erste  Reihe  (Band  I—XVexcl.  V,  4)  derTexte  u.  Untersuchungen  etc.  M.  364  — 
ie  Zweite  Reihe  (BandXVI— XXX)  „        „       „  „  „     M.  384— 

gute  Halbfranz-Bibliotheksbde.   (I.   Reihe  17  Bde.,  II.  Reihe  16  Bde.)  zu  je  M.  2.50  geb.  vorrätig. 
Ausführliches  Inhaltsverzeichnis  steht  zu  Diensten. 


TEXTE  UND  UNTERSUCHUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER 

ALTCHRISTLICHEN  LITERATUR 

ARCHIV  FÜR  DIE  VON  DER  KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER  KGL.  PREUSSISCHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  UNTERNOMMENE 

AUSGABE  DER  ÄLTEREN  CHRISTLICHEN  SCHRIFTSTELLEI; 

HERAUSGEGEBEN  VON 

ADOLF  HAMACK  und  CARL  SCHMIDT 

DRITTE  REIHE  —  ERSTER  BAND  4.  HEFT 

DER  GANZEN  REIHE  XXXI,  4 


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I.  Ö:  HINRICHS'sCHE  BUCHHANDLUNG 
1907 


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59  QUEEN'S  PARK  CRESCENT 
TORONTO     -  ^,      JANA 

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